Holzbewohnende Großpilzarten
Viele Pilzarten sind als Müllbeseitiger in der Natur ständig damit beschäftigt, abgestorbenes, organisches Material zu zersetzen und zu wertvollem Humus werden zu lassen. Viele von ihnen sind auf Holz spezialisiert. Und davon viele nur auf ganz bestimmte Holzarten. Ein vom Sturm gefällter Baum, so er denn auch im Wald liegen bleiben darf, wird im laufe der Zeit von immer neuen Pilzarten besiedelt und nach und nach abgebaut. Wenn eine Pilzart eine bestimmte Substanz des Holzes verzehrt hat und keine Lebensgrundlage für sich mehr vorfindet, so hat sie das ”vorgekaute” Holz schon “mundgerecht” für die nächste Pilzart vorbereitet. Und das geht so lange, bis vom Stamm nicht mehr als nährstoffereiche Humuserde übrig bleibt. Es gibt aber auch parasitische Pilzarten, die durch Verletzungen in den Stamm der Bäume eindringen können und sie dann schwächen und krank machen. Fegt ein schwerer Sturm übers Land, fällt der Baum um und die parasitischen Pilze haben für die saprophytischen Arten schon alles zum Festschmaus vorbereitet.

Schildförmige Scheiben - Lorchel (Discina perlata) Dieser Schlauchpilz wächst schon im Frühling an stärker zersetztem Holz von Kiefern und Fichten. Foto auf der Moosfläche unserer Pilzausstellung.

Die Reihige Tramete (Antrodia serials) ist an liegenden, noch sehr harten Fichtenstämmen häufig zu finden. Besonders an den Stirnseiten der zersägten Stämme. Der Pilz erzeugt im Holz eine Braunfäule. Standortfoto im April 2009.

Der Graublättrige Schwefelkopf (Hyoholoma capnoides) gehört zu den Stockschwämmen. Das sind büschelig an Holz wachsende Blätterpilze unterschiedlicher Gattungen. Dieser Schwefelkopf ist ein schmackhafter Speisepilz, der sogar im Winter gesammelt werden kann. In größeren Mengen ist er aber meist nur im Herbst an Kiefern und Fichtenstubben zu finden. Vorsicht! Es besteht Verwechslungsgefahr mit dem viel häufigeren, bitter schmeckenden und giftigen Grünblättrigen Schwefelkopf.

Österreichischer Prachtbecherling (Sarcpscypha austriaca) Ungenießbar. Selten! Wächst an noch sehr harten Laubholzästen die oberflächlich im Boden oder der Humusschicht eingebettet sind. Die Standorte dieses schönen und seltenen Pilzes sind schützenswert!

Glimmer Tintling (Coprinus micaceus) - jung essbar, mit Alkohol giftig! Dieser überaus häufige Vertreter der Tintlinge wächst von März - November an modrigem Laubholz, an stickstoffreichen Stellen. Die Aufnahme entstand am 13.04.2009.

Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabils) Das Stockschwämmchen ist ein saprophytischer Holzbewohner und besiedelt meist Laubholz. Es ist an Stubben und Stämmen von Rosskastanie, Erle, Birke, Hainbuche, Haselnuss, Rotbuche, Esche, Pappel, Weide, Linde, Ulme und seltener auch an Fichte zu finden. Die Art ist allgemein häufig von April - Dezember in Mecklenburg zu finden. Auch in milden Wintern. Im Herbst oft Massenpilz. Er ist einer der besten Speisepilze. Giftiger Doppelgänger ist der im Herbst wachsende Nadelholz - Häubling (Galerina marginata), der keineswegs immer nur an Nadelholz wächst! Standortaufnahme vom 17. April 2009.

Schuppiger Porling (Polyporus squamosus). Dieser nicht zu übersehende Holzbewohner wächst von April - Oktober, meist aber im Frühling und Sommer, an Laubholz. Er lebt als Schwächeparasit und Saprophyt. Standortaufnahme vom 29. April 2009.

Der Wollige Scheidling (Volvariella bombycina) besiedelt gerne weiche Laubhölzer wie Pappel und Weide. Aber auch an anderen Holzarten ist er zu finden. Klaus Warning - Pilzberater aus Bützow, konnte ihn sogar an Fichte nachweisen. Standortfoto vom 06. Juni 2009 an Weide bei Neukloster.

Der Top - Fund ist dieser Bepuderte Holztrichterling (Ossicaulis lignatilis). Eine seltene Laubholzart, hier an Buchenholz. Es ist erst mein 2. Fund dieser Art. Sie steht auf der Roten Liste, Kategorie 3 = gefährdet!. Beschreibung und Abbildungen sind bei E.Ludwig, Band 1, Seite 473, Tafel 119 zu finden. Standortfoto am 14.11.2009. MZB 1935/2 bei Roggow. Kein Speisepilz.

Der Schuppige Sägeblättling (Lentinus lepideus) wächst besonders im Sommer an Nadelholz, gern an sehr trockenen und sonnigen Stellen. Hier vor allem an Kiefernstubben. Er ist sehr widerstandsfähig gegen Holzschutzmittel und kommt auch an verbautem Holz vor, wo er das Kernholz zerstört und eine Braunfäule verursacht. Auch gern an hölzernen Eisenbanschwellen. Der gelbliche Hut und Stiel sind bräunlich geschuppt und die Lamellenschneiden ähneln einem Sägeblatt (gezagt). Standortfoto im Revier Weiße Krug am 12. August 2009. Ungenießbar.

Schwefelporling (Laetiporus sulphureus) Dieses ganz junge Exemplar wuchs an einem Pflaumenbaum an der Landstrasse von Brüel nach Golchen. Hier stehen fast nur Pflaumenbäume, von denen viele vom Schwefelporling befallen sind und der sie stark schädigt und schließlich zum Absterben bringt. Auch Weiden und Eichen werden von diesem agressiven Holzzerstörer häufig befallen. Sind die Fruchtköper so jung und butterweich wie auf dem Foto, können sie gegessen werden. Standortfoto im Spätsommer 2009.

Krause Glucke (Sparassis crispa). Die beliebte und sehr würzig schmeckende Krause Glucke wächst im Spätsommer und Herbst häufig am Fuße oder an Stubben von Kiefern. Ist aber auch an Fichte oder Lärche gefunden worden. Sie kann oft eine beachtliche Größe erreichen, ist aber oft schwierig zu säubern. Standortfoto am 22. September 2009 in den Kobander Tannen.

Ästiger Stachelbart (Hericium coralloides). Dieser auffällige und nicht zu übersehende Stachelbart wächst im Herbst in Mecklenburg zerstreut an alten Buchenstämmen mit schon erhöhtem Zersetzungsgrad. Selten auch an anderen Laubhölzern. Von weitem wird er von Unkundigen oft für eine Krause Glucke gehalten. Diese wächst an Nadelholz und hat keine stacheligen Äste. Durch Aufräumen und starker Durchforstung unserer Wälder ist diese imposante Art in ihrem Bestand gefährdet. Trotzdem können glückliche Pilzsucher sich bei einem solchen Überangebot beruhigt eine Mahlzeit mit nach hause nehmen. Er ist ein guter Speisepilz. Am seltener werden vieler Pilzarten haben die Pilzsammler den geringsten Anteil. Es gilt die Lebensräume gefärdeter Arten zu erhalten. Sammelverbote einzelner Pilzarten sind unsinnig!. Standortfoto im November 2007 im Wald bei Sellin. Die Art wurde im Jahre 2006 von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie zum "Pilz des Jahres" gekührt.

Rotbrauner Flämmling (Gymnopilus picreus). Dieser schöne, relativ kleine Flämmling mit rotbräunlichem Hut und den schön goldgelben Lamellen gilt als recht selten. Tatsächlich haben wir die Art aber in den letzten Jahren des öfteren an morschem Fichtenholz finden können. Er ist wie alle Flämmlinge ungenießbar. Standortfoto im Oktober 2009 im Wald bei Groß Labenz.
