Röhrlinge in Mecklenburg
In dieser Kategorie wollen wir nach und nach die bei uns vorkommenden Röhrlinge kurz vorstellen. Röhrlinge sind neben Pfifferlingen und Champignons die beliebtesten und meistgesuchtesten Speisepilze. Einige von ihnen sind mitunter in großen Mengen zu finden und eine ganze Reihe von ihnen ist recht selten. Viele sind essbar und meist auch gute Speisepilze. Einge sind ungenießbar durch die in ihnen enthaltenen Bitterstoffe. Wieder andere können giftig wirken und starke Verdauungstörungen verursachen. Gefährliche, lebensbedrohliche Giftpilze gibt es unter ihnen nicht. Das gilt auch für den sehr seltenen Satans - Röhrling. Sein Verzehr führt in der Regel nur bei Rohgenuss zu ernsthaften Beschwerden. Daher wird weniger kundigen Pilzfreunden immer wieder empfohlen, sich beim Sammeln von Speisepilzen möglichst an Röhrlinge zu halten.
Die Röhrlinge werden in unterschiedlichen Gattungen zusammengefast.

Fahler Röhrling (Boletus impolitus) Gattung: Boletus = Dickröhrling. Dieser Pilz wächst bei uns in der Regel ab Anfang Juni. Diese Kollektion wurde aber schon am 08. Mai 2009 gefunden und fotografiert. Er kommt sehr zerstreut unter Eichen auf schweren, lehmigen Böden vor. Hier bevorzugt er Wald- und Wegränder oder auch Parkanlagen. Er hat eine typische fahlgelbe bis bräunliche Hutoberfläche und einen gelbbräunlichen, kräftig stämmigen Stiel ohne Netzzeichnung. Die Röhrenmündungen sind leuchtend gelb und ihm entsröhmt meist ein an Phenol erinnernder Geruch, der nicht immer als angenehm empfunden wird. Daher gehen auch die Meinungen über seinen Speisewert etwas auseinander. Von Vorzüglich bis "Geschmackssache" reicht die Palette. Da die Art in Mecklenburg - Vorpommern auf der Roten Liste, in der Kategorie 3 = gefährdet, steht, sollte lieber auf ihren Verzehr verzichtet werden. Allerdings sind die Pilzsammler für den Rückgang von Pilzarten kaum verantwortlich zu machen. Veränderte Umwelteinflüße und Biotopzerstörung stehen hier an erster Stelle.

Birkenpilz (Leccinum scabrum) Der Birkenpilz ist in Mecklenburg eine recht häufige Art in unterschiedlichen Biotopen. Er ist ein strenger Birkenbegleiter und geht mit ihr eine Symbiose ein. Sein Fleisch ist immer unveränderlich weiß. Treten bei Birkenpilzen Farbveränderungen des fleisches auf, handelt es sich um ähnliche Arten aus der Gattung der Rauhfuß - Röhrlinge. Jung ist der Pilz ein guter Speisepilz. Ältere Exemplare sind sehr weichfleischig und saugen sich bei feuchtem Wetter voll Wasser. Sie sind dann nicht mehr empfehlenswert. Standortfoto vom 23. Juni 2009 bei Perniek.

Birken- Rotkappe (Leccinum testaceoscabrum). Diese schöne und kräftige Röhrlingsart tritt in Westmecklenburg leider nur zerstreut auf. An geeigneten Standorten unter Birken, gerne an Seeuferbereichen, Birken/Fichten Mischwäldern und heideartigem Gelände, kann sie aber sehr gesellig und ergiebig sein. Da sie in Mecklenburg - Vorpommern auf der Roten Liste in der Kategorie 3 = gefährdet steht, sollte sie unbedingt geschont werden. Sie darf aber für den Eigenbedarf gesammelt werden. Schonen bedeutet in erster Linie, die Biotope zu schützen, in denen gefährdete Arten vorkommen. Standortaufnahme vom 31. Mai 2009 im Sültener Forst.

Körnchen Röhrling (Suilus granulatus). Dieser häufige Schmierröhrling tritt von Mai - Oktober in mehreren Wachstumsschüben besonders in jüngeren Kiefernforsten oder Solitärbäumen auf. In der Jugend besitzt er milchige Tröpfchen an den Röhrenmündungen und hat keine ringartige Zone am Stiel, wodurch er sich gut vom ähnlichen Butterpilz unterscheidet. Er ist ein guter Speisepilz, der aber, wie der Butterpilz, bei einigen Menschen abführende Wirkung zeigt.

Butterpilz (Suilus luteus). Der Butterpilz ist oft in großen Mengen unter jungen Kiefern anzutreffen. Er besitzt jung ein Häutchen zwischen Hutrand und Stiel, das später als bräunlicher Ring am Stiel zurück bleibt Die schleimige Huthaut läßt sich leicht abziehen. Er wächst von April - November und ist ein guter Speisepilz, der aber bei vielen Menschen auch eine abführende Wirkung zeigt. Der Körper reagiert allergisch gegen Inhaltsstoffe dieses Pilzes. Standortfoto am 23. Juni 2009 - Kiefernaufforstung bei Perniek.

Netzstieliger Hexen - Röhrling (Boletus luridus). Diese kalkliebende Art ist in den Sommermonaten nach stärkeren Regenfällen oft in großen Mengen in Parkanlagen und Alleebäumen von Linden oder auch Birken zu finden. In Wäldern trift man ihn auf kalkhaltigen Böden gerne unter Buchen oder Eichen an. Der Hut ist olivbräunlich bis grünlich oder auch orangefarben. Die Poren sind rötlich und der Stiel meist sehr stark genetzt. Roh ist der Pilz giftig. Auch bei Alkohol ist Vorsicht geboten. Ansonsten ist er ein guter Speisepilz, wenn er auch dem Flockenstieligen Hexen - Röhrling etwas nachsteht. Standortfoto im Sommer 2009 in einer wismarer Parkanlage.

Sommersteinpilz (Boletus reticulatus). Der Sommersteinpilz zählt in Mecklenburg zu den häufigsten Dickröhrlingen. Er ist mitunter von Mai bis September, selten auch noch im Oktober, nach warmen Trockenphasen mit anschließenden, ergiebigen Niederschlägen, oft in großen Mengen unter Eichen und Buchen zu finden. So auch im Sommer 2009, Ende Juli/Anfang August. Sein feinsamtiger Hut ist oft graugelb bis Wallnußbräunlich gefärbt. An schattigen Standorten oder bei feuchtem Wetter auch schön dunkel - schokoladenbraun. Sein bräunlicher Stiel ist deutlich genetzt. Er liebt kalkhaltige Standorte und ist leider oft von Insektenlarven befallen. Sein Hutfleisch ist im Längstschnitt nicht weinrot durchgefärbt, so wie beim Echten Steinpilz. Standortfoto am 30. Juni 2009 im Forst Farpen.

Espen - Rotkappe (Leccinum rufum). Diese elegante Rotkappe tritt mitunter zahlreich unter Zitterpappeln auf. Ihr Hut ist meist kräftiger gefärbt (ziegelrötlich) als bei der Birken - Rotkappe. Die Stielschuppen sind anfangs weißlich und färben sich später dunkelbräunlich. Sie wächst meist mehrmals im Jahr zwischen Juni und Oktober.Sie ist ein guter und ergiebiger Speisepilz. Birkenpilze und Rotkappen fast man in der Gattung Rauhfuß - Röhrlinge (Leccinum) zusammen. Standortfoto bei Neukloster im Sommer 2009.

Diese Graugrünlichen Birkenpilze (Leccinum thalassinum) wachsen vorrangig im Herbst an feuchten Standorten unter Moorbirken. Diese Kollektion habe ich allerdings schon am 30. Juni 2009 am Farpener Stausee fotografiert. Die Art wächst in Ufernähe von Waldseen und in Mooren. Die Pilze besitzen sehr schlanke und oft verbogene Stiele und verfärbt sich besonders am Stielgrund deutlich blaugrün. Der eigentliche Moorbirkenpilz ist weißlich gefärbt.

An feuchten und moorigen Standorten gedeiht der Moor - Birkenpilz (Leccinum holopus). Sein fast schneeweißer Hut und die ebenfalls weißlichen Stielschuppen sowie die blaugrünlich verfärbende Stielbasis und der Standort unter Moorbirke kennzeichnen diesen Rauhfuß - Röhrling recht gut. Die Farbe des Hutes kann auch grauliche oder grünliche Reflexe aufweisen. Jung ist der Pilz essbar. Standorfoto am 07.10.2009 am Roten See bei Brüel.

Wurzelnder Bitter - Röhrling (Boletus radicans). Dieser, in den klassischen Pilzsuchrevieren eher seltene Dickröhrling ist aber an kalkhaltigen Stellen in Parkanlagen und vereinzelt auch in den kalkigen Laubwäldern Mecklenburgs nicht wirklich selten. Im wismarer Stadtgebiet sind inzwischen mehrere Standorte bekannt. Die großen, schweren und auffälligen Pilze wachsen gern büschellig und mitunter sehr zahlreich am Standort. Sie werden dann gerne eingesammelt und landen nicht selten in der Pilzberatung oder werden auch bedenkenlos gegessen. Der mehr oder minder bitterliche Geschmack sorgt aber in der Regel nicht für Begeisterung. Der Pilz gilt deswegen auch allgemein als ungenießbar, auch wenn er bei weitem nicht so bitter schmeckt wie der Gallenröhrling. Das Foto entstand im Sommer 2009 an einer kalkhaltigen Hanglage des Farpener Stausees unter Eichen. Im Erscheinungsbild, Hutfarbe und Größe ähnelt er sehr dem schwach giftigen Satansröhrling, der, wenn auch viel seltener, durchaus mit ihm zusammen auftreten kann. Der Satansröhrling hat deutliche Rotanteile am Stiel und den Röhrenmündungen und ist auch gut an seinem widerlichen, aasartigen Geruch zu erkennen.

Falscher Rotfußröhrling (Xerocomus porosporus). Dieser Filzröhrling ähnelt dem normalen Rotfüßchen sehr, ist aber seltener als dieses, der Stiel ist kaum rötlich und auch die charkteristisch aufreißende Huthaut läßt kaum rötliche Tönungen im Hutfleisch erkennen. Am sichersten ist die mikroskopische Abgrenzung anhand der unterschiedlichen Sporen. Für die "Kochtopfmykologen" spielt dieses keine Rolle, denn beide sind essbar. Bevorzugt findet man den Falschen Rotfuß unter Eichen. Standortaufnahe im Sommer 2009 im Forst Farpen.

Schwarzblauender Röhrling (Boletus pulverulentus). Dieser dunkelhütige Röhrling mit seinen schön goldgelben Röhrenmündungen und dem fast schwarz anlaufenden Fleisch ist gar nicht so selten, wird aber oft übersehen. Er wächst nach meinen Beobachtungen sehr gern in schattigen Lagen im Laubwald und Parkanlagen. Unter anderem bei Linden und Eichen. Er ist essbar. Von unkundigen könnte er leicht für einen Maronen - Röhrling oder eine Ziegenlippe gehalten werden. Diese blauen aber nur leicht oder garnicht. Standortfoto im Radebachtal bei Blankenberg am 12. August 2009.

Sand -Röhrling (Suillus variegatus). Dieser trockene "Schmierröhrling" wächst vom Sommer bis in den Spätherbst auf sandigen, sauren Böden unter Kiefern, besonders in Schonungen. In den letzten Jahrzehnten ist für Mecklenburg eine Rückgangstendenz zu erkennen. Sein Hut sieht wie mit Sand bestreut aus und die Röhrenmündungen sind dunkler gefärbt als bei den meisten anderen Schmierröhrlingen. Zudem blaut sein gelbliches Fleisch bei Luftkontakt. Der Sandpilz ist essbar, zählt aber nicht zu den besten Speisepilzen. Standortfoto am 22. September 2009 im Naturpark Sternberger Seenland.

Bei diesem sehr seltenen Dickröhrling ist die Artzugehörigkeit noch nicht ganz geklärt. Die Meinungen einiger Experten gehen hier auseinander. Ich hielt die Art anfangs für den Starkriechenden Röhrling (Boletus fragrans), er hat aber einen kaum wahrnehmbaren Geruch! Andere sind der Meinung, dass es sich um den Blasshütigen Röhrling (Boletus depilatus) handeln könnte. Er soll aber durch seine marmorierten Hutfärbungen gekennzeichnet sein (wie mit dem Hammer bearbeitet). Auch dieses Kennzeichen fehlt hier völlig. Die Pilze wuchsen auf besseren Böden im September 2009 wahrscheinlich unter Eiche (wurden mir in die Pilzberatung gebracht).

Schmarotzer - Röhrling (Xerocomus parasiticus). Der Parasitische Röhrling wächst im Sommer und Herbst schmarotzend auf Dickschaligen Kartoffel - Hartbovisten. Während seine Wirte verbreitet und sehr häufig vorkommen, findet man diesen Röhrling aber deutlich seltener. Er ist aber durchaus mit etwas Erfahrung in geigneten Biotopen, oft an Moorrändern, recht gut aufzuspüren. Während sein Wirt giftig ist, könnte man die Röhrlinge durchaus essen. Standortfoto am 02. Oktober 2009 im Staatsforst Rehna (Woitendoerfer Wald).

Diesen Rosahütigen Röhrling (Boletus legaliae) habe ich am 03. Oktober 2009 auf der rehnaer Pilzausstellung fotografiert. Er gehört in Mecklenburg zu den absoluten Raritäten. Er wächst im Sommer und Frühherbst besonders in Buchen- und Eichenwäldern auf kalkhaltigen Böden. Er wird auch als Falscher Satans - Röhrling bezeichnet. Der essbare Pilz sollte unbedingt geschont werden, dies betrifft aber in erster Linie die Biotope, in der er zu hause ist.

Gelber Rauhfuß - Röhrling (Leccinum crocepodium) Dieser in Mecklenburg sehr seltene und wärmeliende Röhrling aus der Verwandtschaft der Birkenpilze besitz gelbliches Fleisch und schwärzt allmählich bei Verletzung. Man findet ihn im Sommer und Herbst mitunter gesellig in thermophilen Laubwäldern unter Eichen und Buchen. Das Foto entstand auf der rehnaer Pilzausstellung am 03. Oktober 2010. Essbar, aber schonenswert.
