Wetter/Pilze September 2017/2

Wetter und Pilze im Raum Noprdwestmecklenburg

Tagebuch Wetter/Pilze September 2017/2

Gute Nachricht für die Fans der Klassiker. Wie dieses schöne Stimmungsfoto von Christian Ehmke belegt, macht sich der Hauptschub des Jahres nun auch in punkto Röhrlinge bereit. Hier sehen wir junge, noch weißhütige Fichten – Steinpilze (Boletus edulis). Wie erwartet startet der Schub in der kommenden Woche durch und spätestens ab dem nächsten Wochenende sollte es keine Kunst mehr sein ihm und seiner Verwandtschaft in unseren Wäldern zu begegnen. Die Witterung ist dazu ideal um höchste Qualitätsansprüche zu befriedigen.

Sonnabend, 16. September (Tag für die Erhaltung der Ozonschicht) – Wie gestern schon erwähnt, fuhr ich heute mit Chef – Kartierer Benno Westphal auf die Insel Rügen um unsere DBU – Punkte bei Prora zu bearbeiten. Teils Buchenstandorte, teils Kiefernbereiche mit Himmbeer- und Brombeergestrüpp sowie Adlerfarn – Beständen. Im Vergleich zum Kaarzer Holz war es hier noch recht schwach. Die Pilzflora ist  noch nicht so weit entwickelt wie im Mecklenburger Bereich. Aber auch hier steckt einiges in den Startlöchern! So hielten sich heute die einzutütenden Belege und auch die Belegfotos in Grenzen. Dennoch war zumindest ein Bearbeitungskreis in Buchen – Hanglage sehr pilzreich. Besonders hier konnte wir einiges neues feststellen. Insgesamt hinkt unser Bearbeitungsgebiet auf Rügen den Flächen in der Ueckermünder Heide und dem Kaarzer Holz hinterher. Aber einmal müssen wir ja nochmal in alle Bereiche. Das wird im Oktober sein.

Mit der schönste Fund unserer heutigen Kartierungsaktion waren diese jungen Blaublättrigen Schleimfüße (Cortinarius delibutus). Der recht häufige Haarschleierling wächst im Herbst in Laub- und Nadelwäldern, gern unter Birken auf Kalk- und Silikatböden sowie in Mooren. Er ist sogar essbar, aber minderwertig, da er leicht bitterlich schmecken kann.

Sonntag, 17. September (Tag des Geotops) – Nachdem ich eine Packet – Sendung vom Tintlings – Verlag öffnete, mit Kalendern und weiterem Info – Material sowie Aufklebern und zum Anbieten auf unserer großen Pilzaustellung ausbreitete, fuhr ich am Mittag nach Keez um mit Irena und Jonas frisches Moos für unsere Ausstellungsflächen zu besorgen. Wir waren dazu in einen Wald bei Crivitz gefahren. Während ich mehrere Säcke mit Moos vollstopfte, sammelten Irena und Jonas auf die schnelle einen Korb voll knackig – junger Derber Rotfüßchen und Maronen ein. Der moosreiche Fichtenforst wimmelte praktisch vor Frischpilzen. Unglaublich, was stellenweise für Aufbruch – Stimmung herrscht! Die Pilzwelt scheint regelrecht zu explodieren und die Artenvielfalt ist enorm. In den nächsten drei bis vier Wochen erleben wir den Scheitel des diesjährigen Pilzjahres. So wie es sich anläßt, haben wir einen derart vielseitigen Herbstaspekt schon seit Jahren nicht erlebt. Ich sammelte natürlich auch gleich einiges, nicht alltägliches, für die Ausstellung ein, wie beispielsweise Natternstielige Schnecklinge, Hasenohren, allerhand Schleierlinge und einiges mehr. An den Waldwegen teilsweise Unmengen von Schwefel – Ritterlingen, aber auch Lorcheln und anderen Schlauchpilzen. Man brauchte sich nur hin zu knien und entdeckte immer wieder neues.

Das Wetter ist dazu weiterhin optimal. Ruhig, relativ feuchte Luft mit örtlich kräftigen Schauern und Gewittern. Daran wird sich auch in den nächsten Tagen nicht viel ändern. Herbstliches Pilzwetter vom allerfeinsten!

Während ich mich um mein Moos kümmerte, sammelten Irena und Jonas im handumdrehen ein Körbchen schönster Röhrlinge in ausgezeichneter Qualität. Auch ein Scheidenstreifling war dabei.

Montag, 18. September (Tag des Respektes) – Heute habe ich meine Ausstellungsflächen mit frischem Moos ausgelegt. Zusammen mit den auf dem Dörrgerät trocknenden Maronen, Rotfüßchen, Pfifferlingen und weiteren Mischpilzen erfüllte ein intensiver Duft nach würzger Waldluft und Pilzen den Steinpilz – Wismar.

Unterdessen waren unsere Pilzfreunde Inge Schellbach, Helga Köster, Thomas Harm und Peter Kofahl bereits unterwegs um frische Exponate zusammen zu tragen. Inge war im Wismarer Seeblickpark und hatte ein kleines Körbchen mit schönen, jungen Exemplaren gesammelt. Auch kleine Karbol – Champignons waren dabei. Zusammen mit einer ganzen Reihe prachtvoller und teils wirklich riesiger Riesen – Schirmpilze, die unsere Leute um Thomas fanden, läuten sie den Hauptwachstumsschub des Jahres ein. Sie waren um Schwerin herum unterwegs. Auch weitere Blickfänge wie Schwefelporlinge, Ästige Stachelbärte oder Leberpilze konnten sie ausfindig machen. Danach fuhren sie noch weiter in den Süden, in die Kalißer Heide. Dort gab es im letzten Herbst eine gewaltige Maronen – Schwämme. Heute war kaum etwas von ihnen zu sehen. Dennoch hatten sie schöne Exponate dabei wie den ersten Grünling oder sogar Halsband – Ritterlinge, die in MV als nahezu ausgestorben gelten!

Wie dem auch sei, in allen Gebieten wird es nun losgehen. Allein beim Auslegen des gestern geholten Mooses mußte ich feststellen, dass sich darin zahlreich Baby – Rotfüßchen und Maronen befanden. Wenn sie nicht so klein gewesen wären, hätte ich sie gleich beschildern können. Dieses deutet auch darauf hin, dass dort, wo wir gestern waren, in dieser Woche ein massiver Schub dieser Röhrlinge losbrechen wird. Vieleicht sollte Irena in den nächsten Tagen nochmals hin, dann hätten wir gleich Frischpilze für unser Imbissgeschäft am Sonnabend und Sonntag im Zuge unserer Großpilzausstellung.   

Gestern am pilzreichen Waldweg zwischen etlichen Herbst- und Gruben – Lorcheln auch diese Halbkugeligen Borstenbecherlinge (Humaria hemisphaerica). Beim Aufsammeln für unsere Ausstellung kam es zu heftigen Sporen – Eruptionen. Die Apothezien dampften regelrecht. Typisch für viele Schlauchpilze. Kein Speisepilz.

Dienstag, 19. September (Tag der Waffendesigner). Bewaffnet muss ich stets sein, wenn ich in den Wald gehe. Ohne Fotokamera geht seit dem ich diese Hompage betreibe nichts mehr. So war sie auch heute mein Begleiter, ich hatte aber wenig Ruhe zum fotografieren, da wir auf Artenjagd für die Ausstellung waren. Wir, das waren außer meiner Wenigkeit noch Thomas Harm und Peter Kofahl von den Wismarer Pilzfreunden. Von 08.00 bis 18.00 Uhr waren wir unterwegs. Die Ausbeute war zufriedenstellend, aber längst nicht so wie ich es mir erhofft hätte. Den Anfang machte Jesendorf. Relativ artenarm, aber immerhin ein Top – Fund von Stachelpilzen! Danach folgte Perniek. Noch schlechter als Jesendorf! Hier starten gerademal die Körnchen – Röhrlinge und Butterpilze zaghaft durch. Auch einige schöne Birkenpilze waren dabei, aber keine Edelreizker und auch sonst noch sehr zurückhaltend. Im Anschluß fuhren wir in den Sültener Forst zu einer größeren Runde. Hier sah es schon besser aus in punkto Artenreichtum. An Röhrlingen aber nur einzelne Maronen, Derbe Rotfüßchen, Birkenpilze sowie ein Kornblumen – Röhrling. Zum Schluß fuhren wir noch in die Region Crivitz, da sich Peter und Thomas noch eine Mahlzeit junger und knackiger Derber Rotfüßchen und Maronen – Röhrlinge einsammeln wollten. Zwischendurch hielten wir bei Groß Raden an, weil eine Wiese mit vielen Riesenschirmpilzen aufwartete und auch am Straßenrand einiges wuchs. Mit hängen und würgen konnten wir auch einen kleinen Grünen Knollenblätterpilz entdecken, die wichtigste Art einer jeden Pilzausstellung. So haben wir inzwischen doch schon reichlich Material in zwei Kühlschränken einlagern können. Morgen geht es weiter. Übrigens ist es uns bisher nicht gelungen auch nur einen einzigen Steinpilz zu organisieren. Eine Pilzausstellung im Steinpilz – Wismar ohne Steinpilz? Das geht garnicht!

Der Rotbrauner Korkstacheling (Hydnellum congescens), um den es sich hier handeln könnte, ist neben einem noch zu bestimmenden Schleierling der herausragende Fund unser heutigen Sammelaktion. Sie wuchsen bei Jesendorf am Rande eines Waldweges im Mischwald. Kein Speisepilz.

Mittwoch, 20. September (Weltkindertag) – Um kurz nach 08.00 Uhr startete ich heute zu einer weiteren Tagestour in Vorbereitung unserer Großpilzausstellung. Zunächst ein Kurzbesuch im Radebachtal. Kaum Frischpilze, bis auf einige Korallen. Ich fuhr sogleich in die Nossentiner/Schwitzer Heide bei Alt Schwinz. Hier sah es bedeutend besser aus, obwohl ich auch hier schon bessere Zeiten gesehen habe. Aber es kam einiges zusammen und endlich auch ein Steinpilz. Es sollte der einzige bleiben! An Röhrlingen waren hier inselweise ganz frische Goldgelbe Lärchenröhrlinge, einige Maronen – Röhrlinge, Derbe Rotfüßchen und Birkenpilze vertreten. Ich traf Sammler, die schöne, junge Maronen und einige Birkenpilze in ihren Körben hatten. Ansonsten war für mich alles von Interesse, was austellungswürdig war. Besonders an den mit Kalk angereicherten Weg und Straßenrändern gab es stellenweise viele Schleierlinge. Leider waren die vielen, bunten Täublingsarten, die hier zuhause sind, nur recht dürftig vertreten. Am Nachmittag ging es dann in das Mildenitzgebiet. Hier sah es nicht so gut aus. Ich hatte den Eindruck, seit unserer Nachtwanderung hat es sich hier sogar verschlechtert. Immerhin waren frische Butterpilze und stellenweise zahlreiche Derbe Rotfüßchen vertreten. Zum Abschluß fuhr ich noch in die Kobander Tannen. Hier sah es wieder besser aus, so dass ich schließlich alle mitgeführten Behältnisse mit Ausstellungsmaterial füllen konnte. Als es anfing schummerig zu werden, legten die Hirsche mit ihrer akustischen Brunft los, was ich noch kurz als romantischen Abschluß genoss.

Unterm Strich sind mehr als drei Kühlschränke voll Ausstellungsmaterial zusammen gekommen und morgen werde ich zusammen mit Ulrich Klein beginnen, unsere Ausstellungsflächen zu bestückern.

Anmerken möchte ich noch, dass der neue Röhrlingsschub nun voll im gange ist. Er wird momentan von Schmierröhrlingen wie Butterpilz, Goldröhrling und Schmerling sowie Birkenpilzen dominiert. Auch Maronen – Röhrlinge sind wieder etwas zahlreicher im kommen. Ein Massenschub von Röhrlingen kann ich derzeit aber nicht ausmachen und die Dickröhrlinge scheinen so gut wie garnicht wachsen zu wollen. Wer also auf Steinpilze hofft, kann getrost zu hause bleiben. Allenfalls Einzelstücke sind möglich. Aber vieleicht werden sie in den nächsten Tagen noch etwas häufiger. Anzeichen dafür konnte ich aber keine ausmachen.

Dort, wo Lärchen standen, gab es in der Schwintzer Heide heute immer wieder Trupps frischer Goldröhrlinge (Suillus flavus). Sie gehören zu den Schmierröhrlingen, also zur Butterpilz – Verwandtschaft. Guter Speisepilz.

Donnerstag, 21. September (Weltfriedenstag) – Mit dem Weltfrieden scheint es derzeit wohl nicht so gut bestellt zu sein. Die Menschen werden wohl nie lernen miteinander in Vernunft zu Leben, im kleinen, genauso wie im großen.

Heute habe ich mit Vereinsmitglied Ulrich Klein begonnen, die Ausstellung aufzubauen. Einen halben Kühlschrank voll Frischpilz – Material haben wir geschaft auf den Moosflächen in übersichtlicher und ansprechender weise auszulegen und entsprechend zu beschildern. Morgen und bis zum Sonntag oder Montag wird weiter angebaut und ausgewechselt, so dass eine ständig frische und aussagekräftige Pilzschau garantiert werden kann. Es liegen bis heute Abend bereits 213 Arten auf den Flächen und zweieinhalb Kühlschränke warten noch auf ihre Entlerung! Natürlich wird sich der Artenzuwachs veringern, aber mit etwas Glück könnten wir bis zum Schluß vieleicht bis an die 300 heran reichen. Morgen gegen 14.00 Uhr ist offizielle Eröffnung und dann kann die 25. Großpilzausstellung in der Hansestadt Wismar mindestens bis Montag gegen ein kleines Eintrittsgeld von 2,00 € besichtigt werden. Sonnabend und Sonntag gibt es jeweils ab etwa 11.00 Uhr auch wieder unseren Pilz – Imbiss. Die Pilzberatung kann während dieser Zeit in Anspruch genommen werden. Davon wurde übrigens auch heute schon rege Gebrauch gemacht. Der beginnende Wachstumsschub macht sich nun immer deutlicher bemerkbar. Die Leute kommen wieder mit Karbol – Champignons, aber auch schöne Anis – Champignons wurden mir vorgelegt. Auch Pilzsucher aus dem Walde waren durchaus erfolgreich. Sie legten mir herrliche frische Derbe Rotfüßchen in Mischung mit reichlich Pfifferlingen vor. Es geht also weiter aufwärts an der Pilzfront!

Das Wetter wird dazu weiterhin ideal sein. Wenig Wind, kühle, Tau- und Nebelanfällige Nächte, eine Mischung aus Sonnenschein und dichteren Wolkkenfeldern und ab und zu auch mal ein Schauer oder sogar Gewitter bei tagsüber recht angenehmen Temperaturen. Besser geht es kaum!

Birkenpilze (Leccinum sacabrum) erleben derzeit ihren ersten, nennenswerten Wachstumsschub in diesem Jahr in unseren breiten. Sie gehören zu den Rauhfuß – Röhrlingen. Besonders jung sind sie gute Speisepilze. Standortfoto am 20.09.2017 in der Schwintzer Heide.

Freitag, 22. September (Herbstanfang) – Metereologisch hat er bereits am 1. des Monats begonnen, astronomisch also heute und in der Aspekt – Abfolge eines Pilzjahres bereits Mitte August. Bei günstigen Bedingungen, so wie in diesem Jahr, erreichen wir meist zum Monatswechsel September/Oktober die höchste Artenvielfalt des Jahres. Obwohl vieles fehlt, was ich gerne ausgestellt hätte, haben wir inzwischen 247 Pilzarten auf den Flächen. Um 14.00 Uhr wurde unsere Jubiläums – Ausstellung im Steinpilz – Wismar eröffnet. Es gab für die fleißigen Helfer wieder eine Kaffee – Tafel, im Anschluß wurde der morgige Imbiss vorbereitet und zum Schluß noch mit einem Gläschen Sekt zum Gelingen unserer 25. Großpilz – Ausstellung angestoßen. Morgen und am Sonntag gibt es auch wieder unseren beliebten Imbissstand. Die Ausstellung ist Sonnabend und Sonntag jeweils von 10.00 – 18.00 Uhr und am kommenden Montag von 09.00 – 18.00 Uhr zu besichtigen.

Auch diese ansehnlichen Haarschleierlinge werden die Ausstellung bereichern. Es handelt sich um den recht häufigen Bitteren Schleimkopf (Cortinarius infractus). Aufgrund seiner Vielgestaltigkeit, besonders auch in der Färbung, wurden von ihm schon mehrere Varietäten beschrieben. Im Vordergrund sehen wir junge, noch graublaue Fruchtkörper und da hinter ältere, bräunliche gefärbte Pilze. Ungenießbar.

Sonnabend, 23. September (2. Europäischer Pilztag) – Wie kann man diesen Ehrentag der Pilze besser begehen wie mit einer großen Pilzausstellung. Das Wetter war schön und viele waren im Wald auf Pilzsuche und nutzten gleich das Angebot der Pilzberatung. Nebenbei Gespräche mit Besuchern unserer Ausstellung. An unserem Imbissstand gab es leckere Pilzpfanne und frische Waffeln. Es war ein erfolgreicher und arbeitsreicher Tag. Dafür ein großes Dankeschön an unsere Helfer. Morgen sollte es nochmals rund gehen.

Übrigens war an der Ausbeute der Pilzsammler eindeutig feststellbar, dass es jetzt doch vielfach reichlich Speisepilze in den Wäldern gibt. Vor allem Maronen – Röhrlinge und Derbe Rotfüßchen werden immer zahlreicher und in sehr guter Qualität gefunden. Auch der giftige Karbol – Champignon ist nun wieder an der Tagesordnung. Der Hauptschub des Jahres hat voll eingesetzt. Übrigens werden nun auch unsere bisher sehr pilzarmen Buchenwaldstandorte auf besseren Böden aktiver. Herbsttrompeten soll es jetzt in großen Mengen geben!

Zu sehen in unserer Jubiläumsausstellung sind auch diese eleganten Schnee – Ellerlinge (Camarophyllus niveus). Wir finden sie zerstreut auf nährstoffarmen Wiesen oder, wie in diesem Fall, auf armen Sandstandort in der Schwintzer Heide unter Kiefern. Ellerlinge gehören wie die Schnecklinge und Saftlinge zu den Wachsblättlern und viele von ihnen unterliegen einer starken Rückgangstendenz durch Eutrophierung der Landschaft. Kein Speisepilz.

 Sonntag, 24. September (Tag der Raumfahrt) – Der zweite Imbisstag zu unserer Großpilzausstellung bot heute auch wieder unsere herzhafte Pilzpfanne und Pilzsuppe an. In der Ausstellung war, genau wie gestern, ebenfalls Hochbetrieb. Inzwischen liegen über 270 Arten auf den Flächen und einiges ist sogar noch im Kühlschrank vorrätig. Die gehen morgen auf die Flächen, denn auch morgen ist die Pilzschau noch einmal von 09.00 – 18.00 Uhr für 2,00 € in Augenschein zu nehmen. Imbiss ist aber nicht mehr dabei. In der Pilzberatung wurden auch heute wieder sehr schöne und frische Maronen – Röhrlinge vorgelegt.

Unsere gute Seele Irena an der herzhaften Pilzpfanne. Sie erfreute sich am Sonnabend und Sonntag wieder großer Beliebtheit. Manche kamen sogar mit Tellern und Töpfen um etwas von ihr mit nach hause zu nehmen.

Montag, 25. September (Tag der Zahngesundheit) – Ab 09.00 Uhr war heute wieder der Steinpilz – Wismar geöffnet und noch einmal konnte die Großpilzschau in Augenschein genommen werden. Heute Abend endete die diesjährige Großpilzausstellung offiziell, aber auch morgen ist die umfängliche Pilzschau noch einmal von 14.00 – 18.00 Uhr zu sehen, denn ich habe auch heute noch einiges erneuert, ausgewechselt und unansehliche Pilze entsorgt. Um 17.15 Uhr lag endlich der letzte Pilz unseres in der vergangenen Woche gesammelten Frischpilz – Vorrats auf den Flächen. Die Kühlschränke sind abgearbeitet. Zu dem trocknete ich noch Herbsttrompeten, die mir während der Ausstellung von Pilzfreunden aus Hamburg gebracht wurden. Gesammelt wurden sie allerdings nicht in der Hansestadt, sondern in einem Wald in der Schaalsee – Region. Herbstrompeten sollen nun in den entsprechenden Buchenwälder richtig losgelegt haben. Übrigens haben wir mit 290 Pilzarten eine wirklich vielseitige Pilzausstellung realisieren können.

Die Mittelfläche der Ausstellung heute Abend. Auch morgen Nachmittag kann unsere 25. Großpilzschau ein leztes mal besichtigt werden.

Dienstag, 26. September (Eurpäischer Tag der Sprachen) – Da durch DBU – Kartierung und Großpilzausstellung der Turnus meiner Mitwochs – Exkursionen in Verzug geraten ist, habe ich heute die vom 13. September nachgeholt. Es ging in den Beidendorfer Wald, MTB: 2134/3. Überwiegend Fichtenforste auf recht sandigen Böden, umsäumt von Mischwald mit Birke, Eiche und anderen Laubhölzern. Der Kochtopf – Mykologe hätte sich hier mit einigen Rotfuß – Röhrlingen, Safran – Schirmpilzen und Anis – Champignons begnügen müssen. Ansonsten war einiges dabei. Hier die Artenliste: Gemeiner Rettich – Fälbling, Schwefel – Ritterling, Eichen – Rindensprenger, Violetter Lacktrichterling, Rosa – Helmling, Safran Schirmpilz, Rostfleckiger Helmling, Kahler Krempling, Wasserfleckiger Rötel – Trichterling, Zitronen – Täubling, Horngrauer Rübling, Fichten – Zapfenrübling, Grünblättriger Schwefelkopf, Breitblättriger Rübling, Flatter – Milchling, Staubfüßiger Trichterling, Geflecktblättriger Flämmling, Weißer Polsterpilz, Orangeroter Heftel – Nabeling, Rotfuß – Röhrling, Eichen – Mehltau, Striegelige Tramete, Schmetterlings – Tramete, Pappel – Schüppling, Angebrannter Rauchporling, Eichen – Milchling, Grauweißer Saftporling, Fleischfalber Trichterling, Olivgrüner Milchling, Blasser Duft – Milchling, Weißer Rasling, Herber Saftporling, Rehbrauner Dachpilz, Wurzelschwamm, Holunder Rindenschichtpilz, Flaschen – Stäubling, Knopfstieliger Rübling, Bleiweißer Trichterling, Häutiger Lederfältling, Fleischroter Lacktrichterling, Rosablättriger Helmling, Kegelschuppiger Schirmpilz, Süßriechender Rettich – Helmling, Brennender Rübling, Dickschaliger Kartoffel – Hartbovist, Schiefknolliger Anis – Champignon, Waldfreund – Rübling, Ockergelbe Tramete, Schwarzpunktierter Schneckling, Graublauer Täubling, Birken Spei – Täubling, Blauer Saftporling und weitere Arten, die nicht so ohne weiteres im Feld bestimmbar sind wie beispielsweise Rißpilze oder Rötlinge.

In der Pilzberatung werden nun auch zahlreich Schmerlinge und Butterpilze vorgelegt. Auch Edel – Reizker beginnen verstärkt zu schieben. Die ersten Hallimasch waren heute auch dabei.

Am Abend habe ich die 25. Großpilzausstellung abgebaut. Sie war ein voller Erfolg!

Dieser kleine Milchling unter Birken wird von Pilzsuchern kaum beachtet. Er kommt hier im Herbst in kleineren Trupps vor, ist zwar ungenießbar, riecht aber zum reinbeißen angenehm nach Kokosflocken. Es handelt sich um den Blassen Duft – Milchling (Lactarius glyciosmus). Standortfoto am 26.09.2017 im Wald bei Beidendorf.

Mittwoch, 27. September (Welttourismustag) – Eine Mittwochsexkursion stand heute auf dem Programm. Auch diese habe ich nachgeholt, denn sie hätte eigentlich am 20. September stattfinden sollen. An diesem Tag war ich allerdings in ausgewählten Wäldern im Zuge unserer Großpilzausstellung unterwegs. Auf dem Programm stand der letzte Quadrant des Wismarer Meßtischblattes 2134/4 – ehemals Großherzoglicher Forst Moidentin, Nordteil. Buchenwälder, aber auch Laubmischwälder und Fichtenforste auf schwereren, lehmig – sandigen Böden. Vom Artenaufkommen war es wohl die ergiebigste Mittwochsexkursion seit Beginn im Frühjahr 2016. Ich war sehr zufrieden, aber der volkstümliche Kochtopfmykologe wäre kaum auf seine Kosten gekommen. Der etwas fortgeschrittene Pilzesser hätte aber mit Veilchen – Rötel – Ritterlingen, einigen Derben Rotfüßchen, Flaschen – Stäublingen, Safran – Schirmpilzen, einer Handvoll Hallimasch und leckeren Champignons dennoch eine schmackhafte Mahlzeit mit nach hause bringen können. Hier die Artenliste in der Reihenfolge des findens: Blutroter Röhrling, Purpurschwarzer Täubling, Elfenbein – Schneckling, Geweihförmige Holzkeule, Zitronen – Täubling, Gallen – Täubling, Gelber Knollenblätterpilz, Grüner Knollenblätterpilz, Dunkelscheibiger Fälbling, Scharfer Honig – Täubling, Gemeiner Rettich – Fälbling, Echter Zunderschwamm, Gemeine Stinkmorchel, Rehbrauner Dachpilz, Rosablättriger Helmling, Weinrötlicher Zwergchampignon, Rosa – Helmling, Schwarzgezähnelter Rettichhelmling, Violettlicher Schwindling, Rostbrauner Feuerschwamm, Ledergelber Schwindling, Süßriechender Rettichhelmling, Grünblättriger Schwefelkopf, Schuppiger Träuschling, Flacher Lackporling, Eichen – Milchling, Rillstieliger Helmling, Flaschen – Stäubling, Safran – Schirmpilz, Eichenwirrling, Rettich – Helmling, Graublauer Dachpilz, Sparriger Schüppling, Glimmer – Tintling, Buchenwald – Wasserfuß, Veilchen – Rötelritterling, Langstieliger Knoblauch – Schwindling, Derbes Rotfüßchen, Gemeiner Wurzel – Rübling, Büscheliger Mürbling, Schmetterlingstramete, Gelbbräunlicher Trichterling, Widerlicher Ritterling, Riesenporling, Fleischroter Lacktrichterling, Gelbschuppiger Hallimasch, Bleiweißer Trichterling, Brandkrustenpilz, Gelbknolliger Sklerotien – Rübling, Breitblättriger Rübling, Gelbschneidiger Helmling, Fahlgelber Rötel – Trichterling, Waldfreund – Rübling, Seidiger Rißpilz, violette Form, Specht – Tintling, Gelbmilchender Helmling, Weißstieliges Stockschwämmchen, Stockschwämmchen, Horngrauer Rübling, Violetter Lacktrichterling, Gallertfleischiges Stummelfüßchen, Halbresupinater Weichporling, Kahler Krempling, Lilablättriger Mürbling, Birnen – Stäubling, Süßlicher Milchling, Honiggelber Hallimasch, Großer Rettich – Fälbling, Grüner Anis – Trichterling, Gelbgestiefelter Schirmpilz, Graukappe, Striegeliger Schichtpilz, Riesenchampignon, Herbstlorchel, Dünnschaliger Kartoffel – Hartbovist, Schiefknolliger Anis – Champignon, Blauer Saftporling, Herber Saftporling, Rotrandiger Baumschwamm, Mehl – Trichterling, Fichten – Zapfenrübling, Zimtbrauner Hautkopf, Brennender Rübling, Rostfleckiger Helmling, Fichten – Wurzelschwamm, Gifthäubling, Dickschaliger Kartoffel – Hartbovist, Ockerrötlicher Resupinatstacheling und Goldmistpilz. 

Etwas unklar ist mir dieser seltene Schirmling (Lepiota spec.). Er wuchs am feuchteren Laubwald – Standort bei Eschen und Ulmen. Zwei mögliche Arten sind der Katzenähnliche – Schirmling (Lepiota felina) oder der Graugrüne Schirmpilz (Lepiota griseovirens). Für beide ist mir der Hut aber zu braun. Bei ersterem sollte er schwarzschuppig und bei letzterem graugrün sein. Auffallend sind die grünblauen Schüppchen am unteren Stielbereich, die bei beiden Fruchtkörpern ausgeprägt waren. Foto am Standort im Großherzoglichen Forst Moidentin bei Petersdorf in unmittelbarer Nähe zum Wallensteingraben.

Donnerstag, 28. September (Wenzel – Tag) – Am 28. September des Jahres 935 wurde Fürst Wenzel, Oberhaupt des Böhmischen Stammesverbandes in der Region um Prag, von seinem Bruder Boleslaw ermordet. Wenzel wurde von der Katholischen Kirche heilig gesprochen und gilt als Böhmischer Schutzpatron. In der Tschechischen Republick ist deshalb heute Staatsfeiertag. Aber was hat Wenzel mit den Pilzen zu tun? Um den Wenzelstag, so steht es in älteren Büchern, soll der Hallimasch erscheinen. Und daran hält er sich in diesem Jahr peinlich genau. In den letzten Tagen wurden erste Exemplare gesichtet und ich konnte auf meiner gestrigen Mittwochsexkursion sogar gleich drei Arten dieser Pilzgattung finden, wobei ich eine nicht richtig zuordnen konnte. Für den Mykophagen soll es aber egal sein, um welche Hallimasch – Art es sich handelt. Hauptsache er kann die Pilze eindeutig als zum Hallimasch gehörig einordnen. Hallimasch ist übrigens die einzige Stockschwamm – Gattung, die weißes Sporenpulver abstreut. Daher sehen die unteren Hüte eines älteren Büschels wie mit Mehl bestreut aus. Entgegengesetzt mancher Verlautbarungen in einschlägigigen Pilzbüchern sind alle Hallimasch – Arten gute Speisepilze! Es ist nur darauf zu achten, dass sie ausreichend durchgegart werden, um die Giftstoffe des rohen Pilzes zu zerstören. Er ist dann einer unserer schmackhaftesten Speisepilze, was auch am kommenden Wochenende in Rehna am Pilzimbiss von Irena Dombrowa gerne festgestellt werden kann. Morgen beginnt dort der Aufbau einer der umfangreichsten Pilzausstellungen Deutschlands. Siehe unter Termine!

Das Wetter zeigt sich weiterhin sehr pilzfreundlich. Am morgen wurden viele im Westen Mecklenburgs von Blitz und Donner geweckt. Teils heftige Gewitter haben sich ausgangs der Nacht gebildet und stellenweise viel Regen hinterlassen. Auch in den anderen Regionen, in denen es schon recht trocken geworden ist, wird ab dem Wochenende reichlich Wasser vom Himmel fallen. Ehemalige Hurrikane nehmen nun Kurs auf Europa und werden uns mit viel Regen und Wind zum Monatswechsel beehren. Wir können es gut gebrauchen! 

Eigentlich hätte heute an dieser Stelle ein Foto des Hallimsch hingehört, aber ich denke, auch dieser gute Speisepilz hat größere Beachtung verdient. Es ist der Maipilz des Herbstes, der Veilchen – Rötelritterling (Lepista irina). Nicht nur habituell ähnelt er dem Maipilz, er wächst auch wie dieser in mitunter ergiebigen Hexenringen. Er duftet lieblich nach Veilchenwurzeln und besitzt ein etwas süßliches Aroma, welches vieleicht nicht jedem zusagt. Standortfoto am 27.09.2017 im Großherzoglichen Forst Moidentin.

Freitag, 29. September (Tag des deutschen Butterbrotes) – An diesem denkwürdigen Tag bin ich nach Rehna gefahren. Die 18. Tage der Pilze galt es vorzubereiten. Die Pilzfreunde um den Vorsitzenden des dortigen Pilzvereins Heinrich Sternberg Rehna e.V., Torsten Richter, waren am Vormittag in verschiedenen Wäldern der Region unterwegs und haben wieder große Mengen der verschiedensten Frischpilze eingesammelt. Da Torsten auch Biologie – Lehrer seiner Stadt ist, waren natürlich auch seine Schüler dabei. Mit vereinten Kräften ging es dann am Nachmittag an den Aufbau der Ausstellung, die ab morgen 10.00 Uhr zu besichtigen ist. Auch in diesem Jahr wird wieder eine Pilzschau der Superlative geboten, die ihre 2,00 € Eintritt mehr als wert ist. In diesem Zusammenhang starten morgen um 10.00 Uhr auch Pilzlehrwanderungen von der dortigen Klosteranlage ausgehend in umliegende Wälder. Unsere gute Seele Irena wird mit herzhaften Wildpilz – Gerichten und frischen Waffeln aufwarten. Es lohnt sich also an diesem Wochenende nach Rehna zu kommen. Morgen wird außerdem noch Ernte – Dank gefeiert. Es ist also richtig was los in der Kleinstadt im Westen Mecklenburgs. 

Zu sehen gibt es nicht nur haufenweise Steinpilze und Maronen, sondern hunderte weitere Großpilz – Arten der Region.

Sonnabend, 30. September (Lungentag) – Wir nutzten ihn im Rahmen der Tage der Pilze in Rehna zu Lehrwanderungen im Wald und konnten dabei auch unsere Lungen mit reichlich sauerstoffreicher Waldluft auftanken. Um 10.00 Uhr wurden die Tage der Pilze durch den Vereinsvorsitzenden Torsten Richter eröffnet und im Anschluß ging es in drei Gruppen in verschiedene Abschnitte des Woitendorfer Waldes. Das große Waldgebiet zählt zu den artenreichsten Wäldern in Westmecklenburg und ist immer für Überraschungen gut. So waren auch heute neben klassischen Speisepilzen wie Hallimasch, Herbstrompeten und einigen Röhrlingen sehr schöne Raritäten dabei. Am frühen Nachmittag fuhren wir dann wieder nach Rehna, wo inzwischen schon das diesjährige Erntedankfest voll im gange war. So wurde nicht nur an Irena`s Imbissstand für das leibliche Wohl gesorgt. Das große Highlight war natürlich die umfangreiche Pilzausstellung, die auch heute noch durch neu gefundene Arten bereichert wurde. Um die 300 Großpilze sind auch morgen noch von 10.00 – 16.00 Uhr gegen 2,00 € in Augenschein zu nehmen. Auch unseren Pilzimbiss wird es morgen wieder geben.

Der September ist damit Geschichte. Es war kein schlechter Pilzmonat, obwohl die erste Hälfte noch sehr zu wünschen übrig ließ. Aber dann ging es los und jetzt dürfte es keinen Wald mehr geben, in dem Pilzarmut herrscht. Es sprießt an allen Ecken und Kannten und jeder kann auf seine Kosten kommen.

Auch wunderschöne, farbenfrohe Saftlinge konnten wir im Woitendorfer Wald entdecken. Saftlinge werden immer seltener und sind vom Aussterben bedroht. Diese wurden zunächst als Gelbrandige Saftlinge (Hygrocybe insipida) bestimmt. Die Sporen sollen stimmen, aber habituell bin ich damit nicht glücklich. Der Gelbrandige Saftling soll herablaufende Lamellen besitzen, davon kann hier nicht die Rede sein. Wir sollten die Pilze wohl morgen noch etwas genauer unter die Lupe nehmen. Nach nochmaliger Untersuchung konnten wir aber zu keinem anderen Ergebnis kommen. Es handelt sich um Hygrocybe insipida!

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