Wetter/Pilze November 2017/1

Wetter und Pilze im Raum Nordwestmecklenburg

Tagebuch Wetter/Pilze November 2017/1

Viele hoffen ja nach dem Tod ins Paradies zu kommen. Ich war heute schon dort! Im Paradies befindet sich auch der Pragsee. 01.11.2017.

Mittwoch, 01. November (Allerheiligen) – Ja, das paßt ja wieder einmal. Gestern zu Helloween war ich im Gespensterwald und heute zu Allerheiligen im Paradies! Auch dieser Umstand ist purer Zufall, denn heute stand der Meßtischblatt – Quadrant 2235/3 an und hier befindet sich neben dem Hegholz, dass leider von der A 20 durchschnitten wird, auch das Paradies. Herrliche, alte, teils naturnahe Buchenwälder mit wenig Nadelforst (Fichte, Lärche). Wirklich ein kleines Paradies! Hier gibt es nicht nur den Pragsee sondern auch noch den Stettiner See, die der Landschaft erst das eigentlich reizvolle verleihen. Leider wurde ein Teilbereich vor etwa 10 Jahren stark durchforstet, ziemlich genau nach dem wir dort eine erfolgreiche Pilzwanderung  hatten. Steinpilze, Pfifferlinge und Eichhasen begeisterten damals. Heute war ich aber in dem größtenteils noch intakten Bereich, obwohl Stürme auch hier einiges umgeworfen haben. Aber gerade das macht dieses Gebiet erst richtig interessant. Das gute daran ist, dass das Holz hier meist liegen bleiben darf und dadurch dem Gelände einen ursprünglichen Charakter verleiht. Aber es ist auch nicht ganz ungefährlich. Obwohl es heute nicht stürmisch war, krachte etwa 300 m neben mir noch eine mächtige Buche zu boden! Das verdeutlicht die Gefahr, die auch Tage nach einem Sturm noch in den Wäldern besteht. Es reicht ein leichter Windstoß und ein schon angeschlagener, aber noch nicht gefallenen Baum oder ein starker Ast kann unvermittelt zu Boden gehen. Somit sollte sich auch jeder am kommenden Sonnabend zur Pilzwanderung durch den Gespensterwald, der vom Sturm besonders stark gebeutelt wurde, bewußt sein, dass er sich potentiell in Lebensgefahr begibt! Hier die Artenliste von MTB: 2235/3 Paradies: Rehbrauner Dachpilz, Langstieliger Knoblauch – Schwindling, Krauser Aderzähling, Gemeiner Rettich – Fälbling, Geweihförmige Holzkeule, Seidiger Rißpilz – violette Form, Dunkelscheibiger Fälbling, Süßlicher Milchling, Horngrauer Rübling, Buchen – Spei – Täubling, Gallertfleischiger Fältling, Striegeliger Schichtpilz, Angebrannter Rauchporling, Gelbweißer Täubling, Spaltblättling, Graukappe, Derbes Rotfüßchen, Eichen – Milchling, Dickblättriger Schwarztäubling, Rosa – Helmling, Scharfblättriger Täubling, Steife Koralle, Eichenwirrling, Violetter Lacktrichterling, Bleiweißer Trichterling, Fuchsiger Rötel – Trichterling, Staubfüßiger – Trichterling, Violetter Rötel – Ritterling, Gallen – Täubling, Schmetterlings – Tramete, Grünspan – Träuschling, Tonfalber Schüppling, Hochthronender Schüppling, Grauer Korallenpilz, Schuppiger Träuschling, Graugrüner Milchling, Elfenbein – Schneckling, Echter Zunderschwamm, Striegelige Tramete, Grünblättriger Schwefelkopf, Breitblatt, Fleischroter Lacktrichterling, Birkenblättling, Nördlicher Zinnoberschwamm, Knolliger Dachpilz, Buckel – Tramete, Stockschwämmchen, Morgenrot – Täubling, Goldgelber Zitterling, Ästiger Stachelbart, Flatter – Milchling und Stink – Stäubling. Im Vergleich zu letzten Mittwoch ist hier doch schon ein Rückgang der Artenvielfalt zu erkennen. Der Kochtopf – Mykologe hätte sich heute mit einzelnen Derben Rotfüßchen, Graukappen und einer Handvoll Stockschwämmchen begnügen müssen, es sei denn, er hätte die Stachelbärte und einige minderwertige Mischpilze dazu genommen, dann hätte es für ein üppiges Mahl gereicht.

Während der gesamten Exkursion hatte ich nach ihm gesucht, da bei soviel altem Buchenholz ein Stachelbart die Krönung gewesen wäre. Zum Schluß, es wurde schon schummerig, stand ich dann vor ihm. Am Waldrand an einer abgebrochenen Buche waren drei, noch ziemlich kompakte Fruchtkörper vorhanden. Der Ästige Stachelbart (Hericium clathroides) war somit der herausragende Fund der heutigen Exkursion. Essbar, wegen Gefährdung durch Schwund seiner Lebensräume aber lieber schonen!. Standortfoto im Paradies am 01.11.2017.

Donnerstag, 02. November (Allerseelen) – In der vergangenen Nacht hat es mal wieder ergiebig geregnet. Die sehr milde Luft wurde wieder von etwas kühlerer ersetzt. Mit den kühleren Temperaturen um die 10 Grad müssen wir uns nun wohl auch begnügen und können hoffen, dass es nicht zu einem Wintereinbruch wie im letzten Jahr kommt. Damals legte gerade das Pilzwachstum um dieses Zeit los, als der Winter zuschlug. In diesem Jahr ist nun an der Pilzfront vieles durch und wir könnten ein winterliches Intermezzo durchaus gelassener sehen. Röhrlingsfreunde können die diesjährige Saison wohl ohnehin abschreiben. Hier scheint nicht mehr viel zu kommen. Unsere Pilzfreundin Angelika Boniakoswki freut sich nun auch schon auf die Austern – Seitlinge und dafür währe eine kleine Kälteperiode garnicht schlecht. In der nächsten Woche könnte es zumindest in Bodennähe einige Minusgrade geben. Auch Luftfrost ist möglich.

Und hier noch eine Anmerkung zu unserer öffentlichen Pilzwanderung am kommenden Sonnabend. Ich habe heute mit dem zuständigen Forstamtsleiter in Bad Doberan gesprochen, der unseren Antrag auf Genehmigung der Pilzwanderung durch den Gespensterwald bearbeitet und bewilligen kann. Da der Gespensterwald, der in unmittelbarer Küstennähe steht, stark vom letzten Sturm gebeutelt wurde, ist er für einige Tage nahezu komplett gesperrt. Es sind etliche Bäume noch in Schieflage und müssen in den nächsten Tagen gefällt werden. Auch starke Äste hängen in den Kronen und drohen abzustürzen. Deshalb haben wir uns geeinigt, hier nicht zu wandern, da auch er bei dieser Sachlage keine Verantwortung über unsere Sicherheit übernehmen kann und ich natürlich auch nicht. Habe ich doch gestern gerade erlebt, wir ein starker Baum unter mächtigem Getöse im Paradies zu Boden ging. Die Forstbehörde bot uns den Kellerswald bei Bad Doberan als Ausweichgebiet an und er würde uns dafür auch eine Genehmigung erteilen. Da ich vor dem Gespräch bereits eine Information an die Presse geschickt habe, mit Ziel Gespenstwerwald, werde ich selbstverständlich zu dem angegeben Treffpunkt in Nienhagen fahren, um dann von dort in den Kellerswald umzusetzen. Es tut mit leid, aber Sicherheit geht vor!

Übrigens habe ich heute wieder unsere Frischpilzausstellung erneuert. Es liegen insgesamt 114 Arten auf den Flächen.

Graukappen oder Nebelgraue Trichterlinge (Clitocybe nebularis) gestern im Paradies. Die meisten Nebelkappen sind bereits überständig, aber stellenweise kommen auch wieder frische. Das ist typisch und fast jedes Jahr so. Frieder Gröger schreibt in Pilze und Wildfrüchte: „Umstritten in seinem Wert als essbarer Pilz“. Er wird nicht von jedem vertragen! Besonders geeignet ist er zum Einlegen in Essig. Auch ein guter Trockenpilz und dann zu Würzpulver verarbeiten.

Freitag, 03. November (Tag des Baumes) – Viele Bäume hatten in diesem Herbst wirklich zu leiden. Die Stürme haben ihnen ganz schön zugesetzt. Der letzte schwere Sturm ist erst wenige Tage her und deshalb können wir morgen leider nicht wie geplant durch den Gespensterwald wandern. Die Forst muss hier erst noch einige Gefahrenquellen beseitigen. So geht es morgen durch den Kellerswald bei Bad Doberan. Das Forstamt hat mir dafür eine Genehmigung zugesandt, mit einer Karte, welche Bereiche wir nutzen dürfen.

Da heute Vormittag ein Arztbesuch anstand, bin ich nicht im Gelände gewesen. Aber während der Fahrt durch Wismar habe ich zahlreiche Pilze im Grünstreifen am Straßenrand gesehen. Wahrscheinlich waren es Gemeine Rettich – Fälblinge. Nach Arzt und Apotheke fuhr ich noch einkaufen. Deko- und Bastelmaterial für die bevorstehende Adventszeit mußte besorgt werden, denn im laufe des Monats verwandelt sich der Steinpilz – Wismar wieder in eine Weihnachtsstube. Ab dem letzten Monatsdrittel sind bei uns  Adventsgestecke zu erwerben. Reichlich Trameten hatte ich mir schon am Mittwoch aus dem Paradies mitgebracht, denn die Gestecke sind immer eine Mischung aus Naturmaterialien und künstlicher Weihnachtsdekoration.

Dieses Stimmungsfoto habe ich am 01.11.2017 am Standort auf einem Baumstumpf im Paradies aufgenommen. Es zeigt Grünspan – Träuschlinge (Stropharia aeruginosa). Der kleine, hübsche Pilz, mit der schleimigen Huthaut kann nach Abzug dieser im Mischgericht landen, sein Geschmack soll aber rettichartig sein.

Sonnabend, 04. November (Tag der Gesundheit) – Für die Gesundheit haben die Teilnehmer der heutigen Pilzlehrwanderung sicher einiges getan, denn es war ein sehr schöner, goldiger Novembervormittag und frische Waldluft tut bekanntlich gut. Und auch für die Bildung war gesorgt, denn das allgemeine Frischpilzaufkommen war recht hoch. Wir wanderten nicht wie ursprünglich geplant durch den Gespensterwald, sondern durch den Kellerswald bei Bad Doberan. Buchenwälder und Nadelforste mit Fichten und Lärchen, überwiegend auf sandigen Böden. Reichlich Milchlinge und Täublinge bevölkerten den Waldboden. Auch teils frische und sehr kompakte Graukappen waren neben vielen anderen Arten vertreten. Röhrlinge gab es sogut wie keine! Siehe unter „Wanderung im Kellerswald“. In der Pilzberatung wurde mir heute u. a. auch ein Maipilz vorgelegt! Der Frühling läßt grüßen!

Auch der hübsche, in sauren Buchenwäldern zeiteise recht häufige Rotschuppige Rauhkopf (Cortinarius bolaris) war heute vertreten. Der eher kleine Haarschleierling ist recht brüchig, zeichnet sich durch rötliche Beschuppung auf Hut und Stiel aus und bei Verletzung und an Druckstellen gilbt er. Giftverdächtig!

Sonntag, 05. November (Tag der Zivilpiloten) – Ich Denke, auch die Zivilpiloten hätten an dem heutigen Tag keine große Freude gehabt. Er war grau in grau und es regnete praktisch den ganzen Tag. Jetzt, gegen Abend, zieht die Regenfront allmählich in Richtung Vorpommern ab. Ihr folgt ein Schwall trockenerer und kalter Polarluft. Diese wird vorübergehend die Nachtfrostgefahr steigen lassen. Zumindest in der übernächsten Nacht könnte es im Binnenland am Erboden stellenweise bis auf minus fünf Grad runter gehen. Das ist schon ganz schön heftig und wird seine Spuren an vielen Frischpilzen hinterlassen. Die Frostschnecklinge werden aber wohl Freudensprünge machen und danach möglicherweise zulegen.

Ungünstig wird es aber auch für bei uns eingewanderte Exoten wie dem Tintenfischpilz, der doch eher mollige Temperaturen aus tropischen Gefilden gewohnt ist. Zwei Pilzfreunde hatten heute etwa 10 entfaltete Fruchtkörper in der Nähe des Flugplatzes Pinnow, bei Schwerin, gefunden und mir auch ein Standortfoto zugesandt. In der Gegend um Schwerin ist er seit vielen Jahren heimisch und taucht hier immer wieder sporadisch an verschiedenen Standorten auf. Inzwischen habe ich auch die Koordinaten von den glücklichen Findern bekommen. Es sind die Trockenhänge am Petersberg im MTBQ: 2335/3. Vielen Dank und der Fundpunkt dürfte neu sein!

Da das zugesandte Foto leider nicht für eine Veröffentlichung an dieser Stelle optimal war, habe ich hier ein Archiv – Bild von einer Pilzausstellung im Steinpilz – Wismar aus dem Jahre 2008 heraus gesucht. Damals hatte Irena aus Schwerin, wo sie ein Massenvorkommen entdeckt hatte, viele Hexeneier mitgebracht, die sich alle nach und nach entfalteten. Es war ein wunderbarer, aber auch ein bischen makaberer Anblick, wenn sich die Tentakel aus dem Ei schoben. Der Pilz ist 1913 erstmals in Europa gefunden worden, in den Vogesen. 1934 tauchte er in Deutschland auf (Karlsruhe). Seit dem hat er sich weiter ausgebreitet, wofür Insekten und möglicherweise auch Vögel verantwortlich zeichnen. Tintenfischpilz (Clathrus archeri). Kein Speisepilz.

Montag, 06. November (Grüner Marsch) – Der Grüne Marsch fand im Jahre 1975 als unbewaffneter Protest im Norden Afrikas statt, um der spanischen Kolonialmacht gegenüber die Unabhängigkeit abzuringen. Soweit die stark vereinfachte Erklärung.

Er hat also nichts mit Pilzmärschen durch grüne Landschaften, speziell durch Wälder zu tun. Und diese sind teilweise auch nicht mehr grün, sondern altgolden und in kürze, was die Laubwälder betrifft, eher grau. Der Winter pirscht sich langsam, aber sicher heran. Heute Nacht wird es wohl recht verbreitet Bodenfrost geben. Der heutige Tag hatte aber nichts mit trüber Novemberstimmung gemein. Die Sonne strahlte in klarer und kühler Luft von morgens bis abends. Ein echt belebender Wohlfühltag! Da es in der Nacht auch klar sein wird, gibt es Strahlungsfrost und möglicherweise auch Nebel. In den kommenden Tagen wird es sich wieder zuziehen und gelegentlich kann es auch etwas regnen. Damit ist auch die Nachtfrostgefahr für einige Tage gebannt. Aber der mittelfristige Trend zeigt wohl allmählich weiter nach unten, so dass Nachtfröste immer mal auftreten können. Übrigens wurden mir heute ganz frische und kompakte Stadt – Champignons in der Pilzberatung vorgelegt.

Ihnen wird die Abkühlung aber nichts ausmachen. Judasohren (Hirneola auricula – judae) leben im Winterhalbjahr im wahrsten Sinne des Wortes so richtig auf. Pilz des Jahres 2017. Standortfoto am 04.11.2017 im Kellerswald. Wer sie zu Speisezwecken sammelt, sollte beachten, dass sie für herkömmlicher Zubereitung in der Bratpfanne nicht geeignet sind. Sie hüpfen und springen aus der Pfanne!

Dienstag, 07. November (Umarme – einen –  Bären – Tag, USA) – Viel Spaß dabei, bei uns ist es jedenfalls nur mit Teddy – Bären möglich.

Heute trafen sich die Pilzfreunde wieder zu einem Themen – Abend im Steinpilz – Wismar. Wir schauten uns Dias aus vergangenen Tagen an. Dazu konnten wir auch einige Gäste begrüßen.

Das Wetter hatte heute morgen wie erwartet bereits einen Hauch von Winter. Reif bedeckte Dächer und Wiesen. Trotzdem war Irena bei einer kleinen Stippvisite im Wald noch recht erfolgreich. Etwa 2 Kilo frische Stockschwämmchen, schöne Pfifferlinge und sogar eine junge, frische Marone waren für die Küche dabei. Außerdem noch verschiedene Arten für meine Ausstellung.

Den Goldfell – Schüppling (Pholiota aurivella) finden wir vorzugsweise im Herbst und Frühling, er kann aber im gesamten Winterhalbjahr auftreten. Teils wächst er hoch am Stamm von Laubbäumen. Für die Küche ist er nicht geeignet. Foto am 01.11.2017 im Paradies.

Mittwoch, 08. November (Tag der Putzfrau) – Ich bin der Meinung, für diese Tätigkeit haben wir auch schon andere Bezeichnungen erfunden. So würde sich doch „Tag der Raumkosmetikerin“ etwas würdevoller anhören, wenn auch mit Schmunzel – Effekt.

Gestern traf ich mich mit Raritäten – Jäger Andreas Okrent aus Grall – Müritz und mit Pilzfreundin Angelika Boniakowski und ihrem Mann Wilhelm in Keez. Wir wollten gemeinsam auf Mittwochsexkursion gehen. Für Andreas war vor allem wichtig, den kürzlich entdeckten Standort des Tintenfischpilzes aufzusuchen. Dank der genauen Beschreibung der Finder, denen wir auch an dieser Stelle nochmals ganz herzlichen danken wollen, ist es uns auch gelungen. Andreas war absolut beglückt und voller Freude, als er diese Exoten in der Ginsterheide bei Pinnow entdeckte. Damit haben wir tatsächlich eine neue Lokalität dieses Neophyten belegen können. Nahezu gleichzeit endeckte Pilzfreundin Angelika eine Gruppe herrlichster Steinpilze und war ebenfalls aus dem Häuschen. Kaum habe ich in dieser Saison so makelose und teils vollkommen madenfreie Exemplare von Herrenpilzen gesehen. Auch prächtigste Riesenschirmpilze, Frostschnecklinge, junge Maronen – Röhrlinge, Edel – Reizker und sogar wenige Grünlinge u. a. waren dabei. Auch Rasen von schwarzen Erdzungen, von  seltenen Heide – Keulen oder auch die Kiefern – Koralle begeisterten uns.

Im Anschluß ging es zur eigentlichen Mittwochsexkursion in den Wald bei Holdorf, MTB: 2235/4. Laub- und Nadelwald auf besseren Böden. Hier die Artenliste: Schiefknolliger Anis – Champignon, Rotfuß – Röhrling, Geweihförmige Holzkeule, Rehbrauner Dachpilz, Schwefel – Ritterling, Pantherpilz, Süßlicher Milchling, Elfenbein – Schneckling, Kahler Krempling, Spindeliger Rübling, Schuppiger Träuschling, Gelbweißer Täubling, Rosa – Helmling, Wurzel – Graublatt, Gallen – Täubling, Büschel – Rasling, Stoppliger Drüsling, Violetter Rötel – Ritterling, Halbresupinater Weichporling, Krauser Adernzähling, Herber Zwerg – Knäuling, Goldgelber Zitterling, Rosablättriger Helmling, Roter Fliegenpilz, Eichen – Milchling, Violetter Lacktrichterling, Fuchsiger Rötel – Trichterling, Graublättriger Schwefelkopf, Birnen – Stäubling, Rotbraune Kohlenbeere, Striegeliger Schichtpilz, Grünblättriger Schwefelkopf, Schmutzbecherling, Grauer Korallenpilz, Widerlicher Ritterling, Zweifarbiger Scheidenstreifling, Dunkelscheibiger Fälbling, Flaschen – Stäubling, Grünspan – Becherling, Ahorn – Runzelschorf, Striegelige Tramete, Schmetterlings – Tramete, Spaltblättling, Buchen Spei – Täubling, Dickblättriger Schwarztäubling, Winterporling, Angebrannter Rauchporling, Gemeiner Hallimasch, Kaffeebrauner Scheintrichterling, Stockschwämmchen, Fleischroter Gallertbecher, Steife Koralle, Flacher Lackporling und Echter Zunderschwamm

Es war auch für mich eine Prämiere, diesen Exoten am Standort zu sehen und zu fotografieren. Tintenfischpilz (Clathrus archeri). Trockenhänge am Petersberg. 08.11.2017. MTB: 2335/3.

Donnerstag, der 09. November (Mauerfall) – Heute besuchte mich ein Pilzberater aus Berlin, der sich extra wegen dem Steinpilz – Wismar in den Zug setzte und der Hansestadt einen kleinen Besuch abstattete. Wir unterhielten uns bei Kaffee und Kuchen angeregt über das Thema Mykologie im allgemeinen und im besonderen über einige Röhrlings – Raritäten. Er ist Mitglied der Pilzkundlichen Arbeitsgemeinschaft Berlin – Brandenburg e.V.

Ansonsten habe ich heute reichlich am Computer zu tun gehabt und auch erste Weihnachtsdeko in den Laden gestellt, aber noch keine Gestecke! Da die aktuelle Frischpilzauslage noch recht ordentlich aussieht, werde ich die prachtvollen Frischpilze von gestern im Kühlschrank lagern und am Montag auf die Ausstellungsfläche bringen. Es wird möglicherweise die letzte Frischpilz – Runde sein, da ich mich dann auf das Advents – Geschäft konzentrieren muss.

Hier sehen wir zwar nicht gerade die große Röhrlings – Rarität, aber der Ringlose Butterpilz (Suillus collinitus) ist auch nicht überall zu finden. Er braucht kalkhaltige Böden und wächst wie der Butterpilz unter Kiefern. Diese Schmierröhrlinge hat Andreas Okrent gestern auf dem Gelände des Rostocker Hauptbahnhofs gefunden und mit nach Keez gebracht. Im Gegensatz zum herkömmlichen Butterpilz ist er nicht beringt und zur Stielbasis meist ein wenig rosa getönt.

Freitag, 10. November (Weltwissenschaftstag) – Das schließt sicherlich auch die Wissenschaft von den Pilzen ein, genannt Mykologie. In ihrem Auftrag sind wir ständig an der Pilzfront mit offenen Augen unterwegs.

Das Wetter ist nach einigen ruhigeren Tagen nun wieder etwas turbulenter geworden. Kräftige Regenfälle zogen heute durch und auch der Wind frischte wieder merklich auf. Eine richtige Sturmlage ist aber nicht zu erwarten, genauso wenig wie ein Wintereinbruch. Es wird zwar wieder zunehmend maritime Polarluft heran geführt, diese kann sich aber über dem Wasser der Nordsee in unteren Schichten dahin gehend erwärmen, dass die Temperaturen bei uns im deutlichen Plusbereich bleiben. Nur nachts kann es hin und wieder für Bodenfrost reichen. Auch ein Graupelschauer kann mal mit dabei sein. Anders in den bergigen Regionen. Hier ist bis weit runter Schnee möglich. In Süddeutschland sogar vorübergehend bis ins Flachland. Alles in allem typisches Wetter für diese vorgerückte Jahreszeit und die Pilzflora wird sich damit arangieren müssen.

Echte Steinpilze (Boletus edulis) sind auch in diesem Jahr bis spät in den November zu finden, allerdings wohl nur mit viel Glück, soll heißen, längst nicht an allen Orten, wo wir sie finden könnten. Dieses Foto hat Andreas Okrent während unserer gemeinsamen Mittwochsexkursion am 08.11.2017 bei Pinnow aufgenommen. Die Pilze waren kerngesund, also madenfrei, was in dieser Saison bei uns fast ein kleines Wunder ist.

Sonnabend, 11. November (St. Martin) – Heute um 11.11 Uhr war es wieder soweit. Die Narren haben ihre Saison eröffnet und auch der heilige Martin hat heute seinen Ehrentag.

Ich nutzte den wanderfreien Samstag zu weiteren Einkäufen für unser Adventsbasteln. Nochmals mußten Stumpenkerzen in unterschiedlichen Größen und Farben gekauft werden und auch Kerzenhalter für die Gestecke galt es preiswert zu organisieren. Am Nachmittag war dann der „Steinpilz“ geöffnet und ich begann die Schaufenster umzugestalten. Im laufe der nächsten Woche werden dort die ersten Adventsgestecke zu sehen sein.

Das Wetter war heute wechselhaft. Neben etwas Sonnenschein gingen gelegentlich Regenschauer nieder und die Kaltluft ist zu spüren. Während es in unseren Breiten eher moderat mit dem Hauch von Frühwinter zugeht, sieht es besonders morgen für den Südwesten und Süden des Landes deutlich kritischer aus. Ein kleines Randtief soll dort viel Regen, Wind und Schnee bringen.

Dieses herbstliche Stimmungsfoto habe ich gestern im Wismarer Stadtgebiet aufgenommen. Es zeigt ein Büschel von Grauen Faltentintlingen (Coprinus atramentarius), dem klassischen Anti – Alkoholiker – Pilz. Standortfoto am 10.11.2017.

Sonntag, 12. November (Sahara – Tag in Tunesien) – Aus der Sahara kommt die Luft derzeit leider nicht, es ist ganz schön frisch!

Heute ist zwar Ruhe angezeigt, denn der Sonntag soll der Erholung dienen. Erholung stand aber eher nicht auf dem Programm, sondern Basteln von Adventsfestecken. Und diesbezüglich war der heutige Sonntag überaus produktiv. An die 40 kleinere, mittlere und auch aufwendig gefertigte, große Edel – Gestecke standen am späten Abend bereit für das Advents – Geschäft. Daher gibt es heute meinerseits auch keine aktuellen Erkenntnisse von der Pilzfront.

Hier ein schönes Stimmungsfoto von unserer Tagebuch – Leserin Gisela Metschuk aus Hannover. Der Fliegenpilz (Amanita muscaria) gilt als Glückssymbol und allein sein toller Anblick sorgt für beglückte Augen. Dieses Exemplar wartet dazu noch mit einer ganz besonderen Oberflächenstruktur auf, die durch Witterungseinflüsse entstanden ist.

Montag, 13. November (Welt – Nettigkeitstag) – Hoffen wir, dass sich auch jeder daran hielt. Nette Momente soll auch der Fliegenpilz nicht nur für unsere Auge bereit halten. Manche Zeitgenossen nutzen auch seine Inhaltsstoffe um sich zu beglücken, allerdings sicher mit mächtiger Katerstimmung obendrein! Er gilt nicht umsonst als ernst zu nehmender Giftpilz! Auf der heute erneuerten Frischpilz – Ausstellung sind sieben schöne Exemplare zu bewundern. Auf diese muss ich allerdings ein besonderes Auge werfen! Es könnte sein, dass sich der eine oder andere von ihnen verflüchtigt. Das war vor einigen Jahren durchaus schon der Fall. Mir fiel irgendwann auf, dass ab und an  das schönste Exemplar fort war, einfach geklaut! Schließlich konnten wir irgendwann den Täter bei einem weiteren Besuch ermitteln und zur Rede stellen. Der besondere „Pilzfreund“ steht auf Natur – Drogen und daher üben Fliegenpilze auf ihn eine unwiderstehlich Anziehungskraft aus. Ob ich ihm denn nicht welche verkaufen könnte, was ich kategorisch ablehnte. Wir sind eine Pilzberatungsstelle und wollen die Menschen vor dem Verzehr von Giftpilzen schützen! Jahre lang kam der „Fliegenpilz“, wir wir ihn nannten, nun nicht mehr, was sich Anfang vergangener Woche aber ändern sollte. Er stand wieder auf der Matte und schlich sich einfach fast unbemerkt in das Info – Zentrum. Nun hatte ich zwar keine Fliegenpilze liegen, aber dafür einen Pantherpilz. Der steht bei ihm noch höher im Kurs, weil wirkungsvoller! Am Sonnabend huschte er wieder unbemerkt in den Laden. Die Eingangstür steht bis zum 30.11. eines jeden Jahres offen. Der Pantherpilz war aber auf seinem Platz geblieben, da es ja nur einer war und das wäre dann wohl aufgefallen. Nun hoffe ich, dass sich nicht der eine oder andere der sieben „Glücksbringer“ in den nächsten Tagen unter misteriösen Umständen verflüchtigen wird.

Übrigens ist die Ausstellung noch einmal richtig sehenswert geworden. Nicht nur durch die Fliegenpilze, auch mächtig gewaltige Riesenschirmpilze, Champignons und selbst Röhrlinge wie Steinpilze, Maronen und sogar einige Raritäten, allen voran der Tintenfischpilz, sorgen für eine hochwertige Pilzschau mit insgesamt 123 Arten. Es dürfte die letzte des Jahres sein, da ich aufgrund der zahlreichen Gestecke den Platz für unser Advents – Geschäft benötige, so dass die Moosfläche spätestens in der nächsten Woche abgebaut wird.

Leicht frostige Nächte dürften nun immer häufiger werden. Den beliebten Frost – Schnecklingen (Hygrophorus hypothejus) könnte es gefallen. Wir finden sie noch bis Anfang Januar unter Kiefern auf sandigen Böden. Standortfoto 08.11.2017 bei Pinnow.

Dienstag, 14. November (Weltdiabetestag) – Bei einem Kurzbesuch auf dem Wismarer Friedhof konnte ich heute keine Frischpilze erkennen. Meine Mutter hatte  Sterbetag und ich wollte ihr ein Lichtlein zum Gruß auf`s Grab stellen. Da es gerade anfing zu regnen, habe ich von einer größeren Runde abgesehen. Wenn nichts dazwischen kommt, geht es morgen wieder in den Wald.

Während bei uns von winterlichen Bedingungen kaum etwas zu spüren ist, hielt ganz im Süden der Republik der Winter mit Frost und Schnee einzug. Besonders im Alpenvorland und in den Bergen sowieso heißt es bereits „Ski und Rodel gut“. Nachts sind dort teilweise schon strenge Fröste zu erwarten. Bis auf geringen Bodenfrost ist diesbezüglich bei uns zunächst nichts derartiges zu befürchten. Auch ein neuer Verstoß von polarer Kaltluft am kommenden Wochenende wird uns im hohen Norden wohl nicht viel anhaben. Das Wasser von Nord- und Ostsee ist einfach noch zu warm. Also können wir nach wie vor in spätherbslicher Wald und Flur auf Pilzpirsch gehen und durchaus noch fündig werden.

Feinschuppige Ritterlinge (Tricholoma imbricatum) am 08.11.2017 bei Pinnow unter Kiefern fotografiert. Er ist als Mykorrhiza – Pilz auf die Kiefer spezialisiert und ist hier von September bis November zu finden. Will man ihn zu speisezwecken nutzen, sollte man vorher eine gute Kostprobe nehmen, um keine bittere Überraschung zu erleben. Neben milden Formen kommen nähmlich auch bitttere vor.

 Mittwoch, 15. November (Tag der Autoren hinter Gittern) – In Freiheit bin ich heute Nachmittag zu meiner Mittwochsexkursion aufgebrochen. Das Meßtischblatt 2335 ist an der Reihe. Ziel war der Bauernbusch. Mischwald mit überwiegenden Nadelholzanteil auf sandig/lehmigen Böden. Das allgemeine Frischpilzaufkommen schien hier doch schon recht ausgedünnt. Wollte ich mir eine Pilzmahlzeit sammeln, hätte ich mit einigen frischen Gaukappen, einem schönen Violetten Rötel – Ritterling und mit einen jungen Rotfuß – Röhrling vorlieb nehmen müssen. Hier die Artenliste von 2335/1 – Bauernbusch: Judasohr, Mäuseschwänzchen, Fichten – Reizker, Gift – Häubling, Geflecktblättriger Flämmling, Falscher Pfifferling, Horngrauer Rübling, Fichten – Zapfenrübling, Krauser Adernzähling, Schmetterlings – Tramete, Fuchsiger Rötel – Trichterling, Graukappe, Eichen – Rindensprenger, Langstieliger Knoblauch – Schwindling, Wurzelschwamm, Grauweißer Saftporling, Gelbweißer Täubling, Weißmilchender Helmling, Hasel – Milchling, Runzliger Schichtpilz, Herber Zwergknäuling, Rotrandiger Baumschwamm, Echter Zunderschwamm, Rosa – Helmling, Rotfuß – Röhrling, Schwefel – Ritterling, Gemeiner Rettich – Fälbling, Dunkelscheibiger Fälbling, Herbstlorchel, Rillstieliger Helmling, Fleischroter Lacktrichterling, Violetter Rötel – Ritterling, Goldgelber Zitterling und Duft – Trichterling.

Über den Hasel – Milchling (Lactarius hortensis) habe ich mich durchaus gefreut, denn so oft finde ich diese, außschließlich unter Haseln vorkommende Art nicht. Es war auch das erste mal in dieser Saison. Die weiße Milch schmeckt brennend scharf, so dass der Sprödblättler nicht zu Verwerten ist. Standortfoto am 15.11.2017 im Bauernbusch.

Fortsetzung unter „Wetter/Pilze November 2017/2“