Wetter/Pilze November 2017/2

Wetter und Pilze im Raum Nordwestmecklenburg

Tagebuch Wetter/Pilze November 2017/2″

Junger Rotfuß – Röhrling (Xerocomus chrysenteron) an einer Wegböschung zwischen Moos im Bauernbusch am 15.11.2016.

Donnerstag, 16. November – Nach dem gestern Abend weitere Adventsgestecke gebastelt wurden, stellte ich heute gleich einige von ihnen in eines der beiden Schaufenster ein, dass nun ausgelastet ist. In Kürze geht es an das zweite Schaufenster, dass heute erst einmal von der herkömmlichen Auslage  beräumt und geputzt wurde. Es wird also langsam, aber sicher, immer weihnachtlicher im „Steinpilz – Wismar“.

  Das Wetter bereitet nun wieder einen neuen Kaltluft – Vorstoß vor, der uns ab dem Wochenende wieder nasskalte Polarluft um die Ohren wehen wird. Nachts besteht dann nach vorübergehnder Milderung wieder Frostgefahr. Ein amerikanisches Wettermodell berechnet für Mitte nächster Woche für Deutschland sogar einen handfesten Wintereinbruch mit teils massiven Schneefällen auch bei uns! Dem entgegen steht das Europäische Modell, dass eher mildes Regenwetter prognostiziert. Wie dem auch sei, der Winter versucht langsam, aber sicher, bei uns Fuß zu fassen. Das würde auch der Aspektabfolge des Pilzjahres entsprechen, denn ab Mitte November ist hier Winter angesagt. Der Winteraspekt wird auf den Zeitraum von Mitte November bis Januar gelegt. Bevor aber bei mir die Winterpause in der Berichterstattung beginnt, muss erst noch der Rest des Monats abgearbeitet werden.

Hier sehen wir zwei Vertreter aus der Gattung der Milchlinge. Während die weißmilchenden Arten, wie hier der Hasel – Milchling (Lactarius hortensis), links, als Milchlinge bezeichnet werden, zählen die rotmilchenden Arten, wie der Fichten – Reizker (Lactarius deterrimus), rechts, zu den Reizkern. Foto am 15.11.2017 im Bauernbusch.

Freitag, 17. November (Tag der Frühgeborenen) – Früh aufstehen heißt es bei mir und allen Pilzfreunden, die  morgen an unserer letzten öffentlichen Pilzwanderung des Jahres teilnehmen möchten. Sie soll uns in den Buldt und auf den Hexenberg zwischen den Orten Warkstorf und Goldebee führen, nur wenige Kilometer von der Hansestadt Wismar entfernt. Leider soll das Wetter dazu nicht so schön und sonnig wie heute werden. Neue Wetterfronten bringen Regen und auch viel Wind. Ich habe von der Forstbehörde grünes Licht für diese Tour bekommen. Untersagt wird uns die Wanderung allerdings bei Sturm und Gewitter. Beides ist morgen möglich, wenn es auch nicht so schlimm wie vor 4 Wochen werden soll, als aufgrund der orkanartigen Windböen die Wanderung schon im Vorfeld abgesagt werden mußte. Wir werden morgen früh entscheiden, ob wir wandern werden.

Der Rosa – Helmling (Mycena rosea) ist eine überaus häufige und schöne Pilzart in fast allen unserer Wälder. Besonders im Herbst stehen sie oft zahlreich längst vieler Waldwege. Die rosa Färbung und der Rettichgeruch sind gute Kennzeichen. Der schwach giftige Pilz kann ausnahmsweise auch schon ab Frühsommer auftauchen und bis zum Beginn des Winters wachsen. Standortfoto am 15.11.2017 im Bauernbusch.

Sonnabend, 18. November (Tag des Okkultismus) – Am morgen war das Wetter noch ganz passabel, so dass wir wie geplant zur letzten öffentlichen Pilzlehrwanderung des Jahres aufbrachen. Es ging nur wenige Kilometer vor die Tore der Hansestadt Wismar, in den Buldt zwischen Warkstorf und Goldebee. Ein sehr hügeliges und damit recht anspruchsvolles Buchenwaldgebiet auf besseren Böden. Leider waren wir auf den Höhenzügen hier dem immer stärker auffrischendem, recht kalten Wind und später auch ersten Regentropfen besonders ausgesetzt. Trotzdem konnten die 16 Teilnehmer am Ende auf eine recht erfolgreiche Wanderung zurückblicken. Nicht nur das der Anspruch einer Lehrwanderung erfüllt werden konnte, auch der eine oder andere Kochtopf – Mykologe kam auf seine Kosten. Den Hexenberg haben wir nicht mehr geschaft, da es nun immer kräftiger anfing zu regnen. Siehe unter „Letzte Pilzwanderung 2017 im Buldt“.

Auch Steinpilze (Boletus edulis) gab es heute etliche. Leider waren sie zum Verzehr nicht mehr geeignet, weil weich und pappig. Sie hatten in der letzten Zeit Frost abbekommen und sind dann in ihrer Entwicklung stecken geblieben. Die Zellen wurden geschädigt, sind somit nicht mehr intakt und beim Verzehr deratiger Pilze kann es zu einer Lebensmittel – Vergiftung kommen! 18.11.2017 im Buldt.

Sonntag, 19. November (Volkstrauertag) – Getrauert habe ich heute weniger, sondern ich verbrachte den Tag im Laden. Der Bericht von der gestrigen Pilzwanderung mußte erstellt werden. Das erste mal habe ich dazu die gerade reparierte Heinzungsanlage angestellt. Zwei Heizkörper verlaufen genau unter meiner Dauerausstellungsfläche an der Wand. Hier hatte ich noch ein Hexenei von den Tintenfischpilzen zu liegen, dass sich bei den molligeren Temperaturen prompt entfaltete!

 Mollig sollen die Temperaturen auch im laufe der kommenden Woche werden. Von Südwesten her flutet ganz Deutschland sehr milde Warmluft aus subtropischen Breiten und läßt die Temperaturen auf 10 – 15 Grad steigen. Also nichts mit der  Vorhersage des amerikanischen Wettermodels, das vor einigen Tagen für uns einen massiven Wintereinbruch berechnete. Dies könnte nun aber am kommenden Wochenende geschehen, zumindest nach den neuesten Berechnungen des Europäischen Wettermodels. Die Amerikaner berechnen dafür nun eine weiter sehr milde Großwetterlage. Mit anderen Worten, keiner weiß derzeit, welches Wetter uns am kommenden Wochenende erwartet. Wahrscheinlich ist wohl eher ein Mittelweg beider führenden Modelle zu erwarten.

Nach einer Woche im feuchten Moos auf meiner Ausstellungsfläche öffnete sich heute das Hexenei vom Tintenfichpilz (Clathrus archeri), dass ich in der letzten Woche von meiner Mittwochsexkursion mitgebracht hatte. Ein erhabener Moment!

Montag, 20. November (Weltkindertag) – Frühwinterlich kalte Luft ist noch wetterbestimmend, bevor es zur Wochenmitte deutlich milder werden soll. Der nächste Absturz steht allerdings zum Wochenende bevor. Erneut fließt erwärmte Polarluft ein und gebietsweise könnte es auch wieder im Flachland schneien, so wie heute recht verbreitet in der Ost- und Südosthälfte. Auch in M-V rieselten  stellenweise die ersten Flocken, allerdings nicht im Nordwestmecklenburger Raum. Dafür gab es wieder geringen Bodenfrost. Der Winter gibt also nicht auf, bei uns Fuß zu fassen. Das ist mir jetzt auch relativ egal, ja vieleicht sogar nicht schlecht, denn bei mir im Steinpilz wird es immer weihnachtlicher. Heute gingen auch die ersten Adventsgestecke über den Ladentisch. Winterlich anmutendes Wetter könnte hier durchaus hilfreich sein.

Heute morgen hatte sich der Tintenfischpilz (Clathrus archeri) richtig entfaltet. Anders als bei unserer überaus häufigen Stinkmorchel hält sich ihr Gestank in Grenzen und stört auf der Ausstellung nicht weiter. Eine Stinkmorchel hätte sofort unter Verschluß müssen, sonst wäre es kaum auszuhalten. Geht man allerdings mit der Nase etwas dichter an die Pilzblume, wird es aber duchaus ekelhaft. Unwiderstehlich für einige Insektenarten, die für die Verbreitung des Pilzes sorgen müssen. Jetzt am Abend schwächelt er allerdings schon deutlich.

Dienstag, 21. November (Welttag des Fernsehens) – Fernsehen ist bei mir ohnehin die Ausnahme. Wenn der Fernseher am späten Abend, meistens bin ich nicht früher zu hause, an geht, lege ich eine Video – Kassette oder DVD ein. Ich gestalte also mein eigenes Fernsehprogramm und möchte nicht das schauen, was andere für mich aussuchen und präsentieren, es sei denn, es laufen interessante Dokumentationen oder Reportagen.

Zum Wetter: heute war es grau in grau und feuchtkühl, irgendwie ungemütlich. In der Nacht zieht Regen auf. Er gehört zu einer Warmfront, die für die Jahreszeit ungewöhnlich milde Luft im Gepäck hat. So wird es an den kommenden drei Tagen deutlich wärmer. Wenn es der Regen zulassen sollte, würde ich gerne morgen wieder zu meiner obligatorischen Mittwochsexkursion aufbrechen. Mal schauen, ob es klappt.

Standortaufnahme von heute mittag. Sie zeigt frische Exemplare des Gallertfleischigen Stummelfüßchens (Crepidotus mollis). Sie wachsen aktuell in dritter Generation seit dem Sommer an einem Holzstamm, auf dem ich eine Blumenschale an der Eingangstür zum Steinpilz – Wismar zu stehen habe. Durch seine Größe und die gummiartige, gelatinöse Schicht unter der Huthaut ist er leicht von ähnlichen Arten zu unterscheiden. Kein Speisepilz.

Mittwoch, 22. November (Buß – und Bettag) – Da ich kein sonderlich religiöser Mensch bin, brauchte ich heute auch nicht büßen und beten. Statt dessen stand wie geplant die obligatorische Mittwochsexkursion auf dem Programm. Dazu war es zwar deutlich milder geworden, etwas Regen begleitete mich zeitweise aber dennoch. Es ging in die Kritzower Berge, MTB: 2335/2. Hier die Artenliste: Weißmilchender Helmling, Rotrandiger Baumschwamm, Reihige Tramete, Fichten – Zapfenrübling, Safran – Schirmpilz, Frostschneckling, Wurzelschwamm, Graublättriger Schwefelkopf, Brennender Rübling, Falscher Pfifferling, Horngrauer Rübling, Kahler Krempling, Dickschaliger Kartoffel – Hartbovist, Narzißengelber Wulstling, Blutblättriger Hautkopf, Amiant – Körnchenschirmling, Gelbweißer Täubling, Blauender Saftporling, Dunkelscheibiger Fälbling, Ockergelbe Tramete, Schmetterlings – Tramete, Vielgestaltige Kohlenbeere, Krauser Adernzähling, Grauweißer Saftporling, Buckel – Tramete, Samtiger Schichtpilz, Ästiger Stachelbart, Echter Zunderschwamm, Rillstieliger Helmling, Flaschen – Stäubling, Geflecktblättriger Flämmling, Violetter Lacktrichterling, Fleischfarbener Lacktrichterling, Grünblättriger Schwefelkopf, Geweihförmige Holzkeule, Papagei – Täubling, Langstieliger Mürbling, Flacher Lackporling, Derbes Rotfüßchen, Echter Pfifferling, Edel – Reizker, Seidiger Rißpilz, Grauer Erdritterling, Blutroter Täubling, Rosa – Helmling, Süßriechender Rettich – Helmling, Weinrötlicher Zwerg – Champignon, Graukappe, Fuchsiger Rötel – Trichterling und Scherbengelber Rötling. Der Kochtopfmykologe hätte vor allem eine Portion Edel – Reizker, einige Pfifferlinge und ein schönes, festes, junges und gesundes Derbes – Rotfüßchen sowie wenige Frostschnecklinge und winzige Fichten – Zapfenrüblinge mit nach hause genommen. Auch einige junge und fleischige Graukappen waren im Angebot, wer sie mag.

Sehr stark vermorscht muss das Buchenholz sein, um vom Ästigen Stachelbart (Hericium coralloides) besiedelt zu werden. Dazu braucht es naturbelassene Inseln in unseren Forsten oder Naturschutzgebiete, in denen alte und vom Sturm gefällte Bäume liegen bleiben dürfen. Die Fruchtkörper wuchsen hier, wie man sieht, zahlreich, waren aber schon über ihrem Zenit und sacken nun langsam in sich zusammen. Standort – Stimmungsfoto am 22.11.2017 in den Kritzower Bergen.

Donnerstag, 23. November (Arbeitsdanktag in Japan) – Arbeit gibt es für mich im wahrsten Sinne des Wortes nahezu ohne Ende. Auch heute werde ich noch bis zum späten Abend im „Steinpilz“ zu tun haben. Immer mehr Gestecke wurden gebastelt, müssen mit Kerzen bestückt, fotografiert, ausgepreist, auf die Homepage gesetzt und hoffentlich auch verkauft werden. Heute gingen auch wieder einige unter die Leute. Vor allem in der nächsten Woche sollte das Interesse noch etwas steigen. So war es gestern auch die letzte Mittwochsexkursion in diesem Jahr, denn am nächsten Mittwoch ist wie die gesamte kommende Woche, das Informationszentrum aus diesem grunde durchgehend geöffnet.

Beim Wetter war es heute nochmals  mild mit einigen Regentropfen. Morgen soll uns eine wellende Kaltfront überqueren und sie hat wieder ungemütliche, nasskalte Luft im Gepäck. Dazu wird es zunächst reichlich regnen und in den Nächten droht erneut öfter Bodenfrost!

Etliche, schöne und frische Edel – Reizker (Lactarius deliciosus) waren gestern am Rande eines Kiefernforstes in den Kritzower Bergen noch dabei. Die schönsten habe ich natürlich mitgenommen, denn diese Reizker sind so ziemlich das Delikateste, was man in unseren Breiten am Waldpilzen finden kann. Standortfoto am 22.11.2017.

Freitag, 24. November (Schwarzer Freitag) – Schwarz war der Tag bei mir nicht. Schließlich wird es im „Steinpilz – Wismar“ immer bunter. Neue Gestecke sind heute  hinzu gekommen.

Das Wetter geht nun wieder in Richtung Winterhauch. Während es bei uns ungemütliches Schmuddelwetter geben soll, kann es in bergigen Regionen und teils auch in Süddeutschland richtig einwintern, denn es sind immer wieder teils ergiebige Niederschläge dabei, die zeitweise in Schnee übergehen können. Auch in M-V sind in der nächsten Zeit Flocken möglich. Liegen bleiben könnten diese aber wohl nur in außreichender Entfernung von der Ostsee und auch meist nur nachts. So wird eine mögliche Schneedecke zumindest bei uns kaum bei der Suche nach Speisepilzen stören. Aber es ist nun doch schon viel Glück notwendig und auch hinreichend Gespür, wo man noch fündig werden könnte. Ich habe die Erfahrung gemacht, besonders an von Natur aus sehr trocknen und wärmebegünstigten Stellen in sandigen Kiefernwälder oder ihren Rändern. Hier können noch Edel – Reizker und Frostschnecklinge gefunden werden. Auch einige Maronen, Rotfüßchen, Hexen – Röhrlinge oder ein Steinpilz sind noch möglich.  In besseren Buchenwäldern sicher auch noch Trompeten – Pfifferlinge und eventuell auch noch Herbstrompeten. Ansonsten hier und da noch Violette Rötel – Ritterlinge, Graukappen, wer sie mag, oder zunehmend wohl auch Winterpilze wie Austern – Seitling, Judasohren sowie Samtfuß – Winterrüblinge.

An oben beschriebenen, trockenen Kieferkannten waren sogar am Mittwoch noch Echte Pfifferlinge (Cantharellus cibarius) zwischen zahlreichen Edel – Reizkern und anderen Pilzarten zu finden. Standortfoto am 22.11.2017 in den Kritzower Bergen.

Sonnabend, 25. November (Kauf – Nix – Tag) – Ist ja auch nicht schlecht, sollten sich mal alle dranhalten. Nur einen einzigen Tag! Die Wirtschaft würde sich bestimmt  darüber bedanken?! Allerdings bin auch ich auf ein wenig Einnahmen angewiesen um den Steinpilz – Wismar über Wasser zu halten. Für mich persönlich bleibt ohnehin kaum etwas übrig. So habe ich mich natürlich gefreut, dass auch heute wieder einige Gestecke verkauft werden konnten. Sie gehen nach Hamburg, weil es dort nichts vergleichbares gibt. So sind die Interessenten extra aus der großen Hansestadt an der Elbe zur kleinen Hansestadt an der Ostsee gereist und haben zugleich einen Stadtbummel unternommen und auch der Gastronomie etwas Umsatz beschert. Es macht schon ein wenig stolz, wenn Menschen extra wegen uns nach Wismar kommen.

Morgen geht es wieder in den Wald. Die letzte Vereinsexkursion des Jahres steht auf dem Programm. Ziel ist das Löwitzer Holz bei Rehna. Ein kleines, überschaubares Waldgebiet. Hoffentlich spielt das Wetter einigermaßen mit, denn es ist Regen angesagt, wahrscheinlich aber in Schauerform mit auffrischendem Wind. Zum Glück steht aber keine Sturmlage an, wie vor einigen Tagen noch befürchtet.

Seit Wochen habe ich darauf gewartet, dass die Rötelblättrigen Mürblinge (Psathyrella spadicea) wieder meinen täglich zu gehenden Weg über den Nikolai – Kirchplatz kreuzen, b.z.w. ich natürlich die Stelle kreuze, wo sie seit vielen Jahren wachsen. Immer im Spätherbst oder Frühwinter auf dem nackten Erdboden, dicht an den Stämmen der dort stehenden Linden. Die Art kann aber schon ab Frühling wachsen, taucht hier aber immer erst zum Ende der Saison auf. Er wird auch Schokoladenbrauner Faserling genannt und ist essbar. Hier würde ich die Pilze allerdings nicht zum Verspeisen einsammeln, da Hunde hier gerne ihr Bein heben und auch ihre Haufen hinsetzten, wie auch gestern am Nebenbaum. Standortfoto am 24.11.2017.

Sonntag, der 26. November (Totensonntag) – Ein letztes mal in diesem Jahr ging es heute in den Wald. Es stand noch einmal eine Vereins- und Kartierungsexkursion der Pilzfreunde auf dem Programm. Wir waren zwar nur eine Mini – Gruppe, die heute im Löwitzer Holz bei Rehna unterwegs war, aber dafür hat es durchaus eine Menge neue Fundpunkte zumindest für meine Kartei erbracht. Das kleine, abwechslungsreiche Waldstück mit Buchen, Fichten, Lärchen und Erlenbrüchen hatte noch viel zu bieten. Für dem Mykologen also durchaus ergiebig, für den Mykophagen wäre es mau ausgefallen. Der Bericht dazu ist unter „Jahresabschluß im Löwitzer Holz“ nachzulesen.

Aber einige Esspilze, so wie diese Fuchsigen Rötel – Trichterlinge (Lepista flaccida) waren dann doch mit dabei. Standortfoto am 26.11.2017 im Löwitzer Holz.

Montag, 27. November (Tag des Streichholzes) – Streichhölzer haben in den nächsten Wochen sicher Hochsaison, denn es müssen die vielen Kerzen auf den Adventskränzen und Gestecken angezündet werden. Zu Weihnachten möglicherweise auch noch, wer es traditionell mag, die Kerzen am Lichterbaum und zu Silvester natürlich das Feuerwerk.

Mit dem Verkauf von Gestecken bin ich heute leider nicht zufrieden. Aber vieleicht lag es ja auch mit am Wetter, denn es regnete bei kaltem Wind fast den ganzen Tag. Wer mag da schon in aller Gemütlichkeit einkaufen oder einen Stadtbummel machen. Noch sind es ja einige Tage hin bis die erste Kerze entzündet wird. Jedenfalls habe ich heute noch etliche Gestecke neu in`s Angebot gebracht, so dass wir jetzt eine reichhaltige und vielseitige Auswahl haben. Auch die Frischpilz – Ecke meiner nun reduzierten Ausstellung habe ich neu bestückt. Ingesamt sind 77 Arten zu besichtigen, ab jetzt für nur 1 Euro!

Irgendwie ein schöner Anblick, die Fruchtschicht der Semmelstoppelpilze (Hydnum repandum). Die Stoppeln ersetzen Lamellen oder Röhren. An ihnen werden die Sporen erzeugt und zu vielen Millionen abgeworfen und dem Wind anvertraut. Weil eine glatte Fruchtschicht weit weniger Fläche zur Sporenproduktion bieten würde, hat die Natur auf diese weise für ein vielfach höheres Produktionsvolumen gesorgt. Das Foto entstand während unserer gestrigen Vereinsexkursion im Löwitzer Holz.

Dienstag, 28. November (Red Planet Day) – Also feiert heute wohl der Mars seinen Ehrentag. Hoffentlich weis er das auch zu würdigen!

Rot sind bei mir zur Zeit vielfach die Kerzen auf unseren Gestecken. Viele mögen es immer noch traditionell und nicht wenige Gestecke wirken mit roten Kerzen auch ganz besonders stimmungsvoll. Das Geschäft geht leider immer noch schleppend, aber ich habe heute um eine kleine Information in der lokalen Tagespresse gebeten, denn viele wissen garnicht, dass es außer Pilzberatung und Ausstellung auch so etwas ganz spezielles für die stimmungsvollste Zeit des Jahres bei uns zu erwerben gibt.

Übrigens stehen oben gezeigte Rötelblättrige Mürblinge immer noch unzertreten am Standort. Sie haben sich natürlich schon etwas weiter entwickelt und vieleicht mache ich morgen nochmal eine Aufnahme von ihnen.

In unsere Gestecke werden auch häufig Baumpilze wie verschiedene Porlinge eingebaut. Neben Rotrandigen Baumschwämmen und Eichenwirrlingen sind es oft verschiedene Trameten wie Schmetterlings – Trameten. Auch die hier gezeigte Art wäre dazu ganz gut geeignet. Es handelt sich um die Ockergelbe Tramete (Trametes ochraceum). Sie ist im Vergleich zur Schmetterlings – Tramete mehr ochergelblich bis graugelb gezont, ohne schwärzliche und bläuliche Zonen und etwas kompakter. Das Standortfoto habe ich am 22.11.2017 an Birke in den Kritzower Bergen aufgenommen.

Mittwoch, 29. November (Tag der Einheit in Vananuta) – Einheitlich zeigte sich auch heute das Wetter bei uns. Es war grau in grau, aber meist trocken. Dazu recht kühl und in den nächsten Tagen wird es auch noch etwas kälter und auch Schneeflocken sind möglich. Der weitere Trend scheint unentschlossen. Der Winter pirscht sich zwar immer deutlicher heran, aber zumindest bei uns hat er es schwer Fuß zu fassen. Zu Beginn der nächsten Woche wird es vorübergehend wieder milder und zum 2. Advent wohl wieder winterlicher. Und so wie es jetzt aussieht auch gleich danach wieder wärmer. Wie dem auch sei, die Pilzfreunde dürfen sich wohl auf Austern – Seitling, Samtfuß – Winterrübling und Judasohr spezialisieren, denn die werden in den nächsten Monaten im Trend liegen.

Ich hatte heute wieder reichlich mit neuen Gestecken zu tun. Beide Schaufenster und auch der Innenbereich sind nun mit einer vielfältigen Auswahl bestückt und ich denke in den kommenden Tagen werden sicher noch einige den Besitzer wechseln.

Wie gestern schon angedeutet, habe ich heute die Rötelblättrigen Mürblinge (Psathyrella sarcocephala), wie sie auch wissenschftlich genannt werden, nochmals fotografiert. Sie wachsen am Fuße von mehreren Linden an der Wismarer Nikolai – Kirche. Gut ist die namensgebende rotbraune Färbung der Lamellen zu erkennen. Rotbraunes Sporenpulver ist für diese Gattung eher ungewöhnlich. Standortfoto am 29.11.2017.

Donnerstag, 30. November (Andreastag) – Das war`s mal wieder. Das Pilzjahr liegt hinter uns und es war aus meiner Sicht gar nicht schlecht, auch wenn in unserer Region viele Mykophagen enttäuscht wurden, da Steinpilz und Co. nicht in Massen auftraten. Das tun sie in einer durchgehend feuchten Saison nur selten, da sie keinen, durch lange Trockenheit verursachten Stress erfahren haben. Dieser äußert sich nach längerer Hitze und Trockenheit meist in geballten Massenschüben. Diese waren in diesem Jahr bei uns nicht erforderlich. In anderen Regionen Deutschlands, speziell im Süden, hat es starke Hitzeperioden gegeben und hier soll es durchaus umgekehrt gewesen sein. Ich betrachte ein gutes Pilzjahr unter ganz anderen Gesichtspunkten. Es muss von April bis November möglichst durchgehend Frischpilze geben und das war der Fall. Da spielt es für mich keine Rolle ob essbar, ungenießbar oder giftig! Im Frühjahr war  eine reiche Morchel – Ernte zu verzeichnen. Im Sommer gab es durchaus einiges an Sommersteinpilzen und Pfifferlingen. Pfifferlinge lieben verregnete Sommer! Besonders in Parkanlagen und in den Waldgebieten auf leichteren Sandböden war es nicht schlecht. Hier gab zeitweise ein vielfältiges Angebot. An den besseren Buchenwaldstandorten herrschte hingegen gähnende Leere. Erst ab Oktober ging hier die Post ab. Seit Jahren gab es mal wieder eine Schwämme von Herbsttrompeten und Trompeten – Pfifferlingen. Alles in allem für mich ein durchaus zufriedenstellendes Pilzjahr, auch wenn wir schon bessere erlebt haben.

Ich wünsche allen Tagebuchlesern eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit und einen guten Rutsch in`s neue Pilzjahr 2018.

Danke für das Interesse!