Wetter/Pilze November 2018

Wetter und Pilze im Raum Nordwestmecklenburg

Tagebuch Wetter/Pilze November 2018

Der Strohblasse Schüppling (Pholiota gummosa) ist ein eher kleinwüchsiger Vertreter seiner Gattung. Er wächst im Herbst gern an grasigen Stellen in Wäldern. Oft auf Baumwurzeln oder sonstigen Holzresten im Boden. Hier sehen wird ihn in typischer, strohgelber Färbung. Er kann aber auch sehr blass sein, in der Hutmitte findet sich aber immer ein grünlich  – olivlicher Schimmer. Da man seine Huthaut wie eine Gummi – Haube abziehen kann, wird er auch Gummi – Schüppling genannt. Standortfoto am 31.10.2018 im Wald bei Boldebuck. Minderwertig.

Donnerstag, 01. November (Allerheiligen) – Nun starten wir bereits in die letzte Runde des Pilzjahres 2018. Seit Beginn der Saison im April warten wir auf ergiebige Niederschläge. Ostern war`s, als es das letzte mal flächendeckend kräftig geschneit hatte. Und es sieht nicht danach aus, dass bis Mitte des Monats nennenswert etwas vom Himmel fällt. Es sei denn, man wohnt ganz im Nordwesten. Dort drehte heute ein Regengebiet seine Kreise. Es zieht auf seiner Rückseite etwas kühlere Luft heran, so dass es am Wochenende bei Aufklaren geringen Bodenfrost geben kann. Auch in der letzten Nacht gab es diesen vor allem nach Vorpommern zu. Die geringen Fröste können den Pilzen kaum etwas anhaben und bis mindestens zum 17. November soll es aus heutiger Sicht ungewöhlich mild für die Jahreszeit bleben. Es wird also den Monat noch einiges wachsen und die Vielfalt könnte durchaus größer sein, als in anderen Jahren zu dieser Zeit. Das liegt einfach daran, dass dort, wo es möglich ist, immer noch Arten auftauchen können, die eigentlich in den Vormonaten längst ihre Pflicht und Schuldigkeit hätten tun können, es ihnen aber nicht möglich war. Es ist also immernoch einiges zu erwarten, allerdings wohl kein deutlicher Schub von Steinpilzen mehr. Dafür hätte es wohl ergiebiger regnen müssen. Es wird aber trotzdem noch den einen oder anderen geben.

Hier noch einmal die Gummi – Schüpplinge (Pholiota gummosa) von oben. Der Kontrast zwischen jung und alt könnte kaum größer sein. Das junge Büschel ist nahezu weißlich, nur auf dem Hutscheitel waren sie olivlich angehaucht. Dafür schimmern die Lamellen bereits grünlich. 31.10.2018 im Wald bei Boldebuck.

Freitag, 02. November (Allerseelen) – Schönes, angenehm mildes Novemberwetter stand heute auf dem Programm. Ich nutzte den Tag zum Einkauf von Deko – Material und Kerzenhaltern für das bevorstehende Advents – Basteln. Auch ging es mit Irena zu unserer Wismarer Kleingartenanlage um Obstbäume zu beschneiden und die knorrigsten Äste auch gleich für unsere Gestecke zurecht zu stutzen. Der Rest wurde zur Kompostierung gebracht. Da die Parkanlage am Seeblick direkt daneben liegt, warf ich noch kurz einen Blick dort hinein. Leider wurde auf einem der interessantesten Stellen eine Kinder – Spielanlage errichtet. Schade, mit Saftling, Ellerling und Co. ist es ein für allemal vorbei. Auch die im Sommer üppige Pilzflora drumherum wird es sehr übel nehmen. Jetzt wurde mir auch klar, warum eine Lindengruppe weichen mußte. Im Zuge des neuen Wohngebietes auf dem angrenzenden Acker neben der Reha – Klinik wurde hier inzwischen eine Straßenkurve rübergelegt. Ich weiß nicht, was ich dazu noch sagen soll. Das wäre ganz und gar nicht nötig gewesen, denn es geht augenscheinlich nur darum, die schon vorhandene, zugegeben ziemlich scharfe Kurve, an dieser Stelle schwungvoller zu gestalten, damit Autofahrer und Busse komfortabeler durch diese fahren können. Ingesamt fällt hier wieder ein beachtliches Stück lebendiger Natur der Landschaftsversiegelung zum Opfer, einschließlich der ehemaligen Ackerfläche. Ein Glück, dass meine Lebenszeit allmählich dem Ende zu tendiert. Ich möchte nicht wissen, wie Wismar, M-V, Deutschland, Europa und die Welt in 50 – 100 Jahren aussehen. Immer mehr Menschen, immer weniger Natur. Mir wird jetzt schon schwül und ich bekomme Atemnot, nur bei dem Gedanken daran.

Zu den Pilzen. Während unseres Herbstseminars haben wir vergeblich nach ihm gesucht, dem Gift – Häubling (Galerina marginata). Wir wollten ihn mit dem Stockschwämmchen vergleichen. Am Mittwoch hatte ich ihn dann doch noch, leider zu spät. Typisch ist der unbeschuppte Stiel, der auch etwas silbrig überhaucht sein kann. Foto am Standort im Wald bei Boldebuck am 31.10.2018. Tödlich giftig!

Sonnabend 3. November (Tag des Kindes) – Das war heute ein Wetter! Sonnig und kaum Wind, bei angenehmen Temperaturen. Eigentlich war ich noch kurz auf der Suche nach Bastelmaterial in einem Sonderpostenmarkt in Karow, bei Dorf Mecklenburg. Da das Wetter aber so super war, entschloß ich mich kurzhand in den Wald zu fahren. Schließlich brauchen wir auch Zapfen für unsere Gestecke. So drehte ich eine kleine Runde durch den ehemals Großherzoglichen Forst Moidentin. Zwar gab es hier viele Kiefern, aber das Zapfen – Material war sehr dürftig und entsprach nicht meinen Anforderungen. Natürlich hielt ich auch nach Pilzen Ausschau. So leer habe ich diesen Wald zu dieser Jahreszeit noch nie gesehen! Zwar gab es die üblichen Verdächtigen wie Hallimasch, und diese waren sogar teils geschnitten, Schwefelköpfe oder Falsche Pfifferlinge. Ansonsten fast tot. Kaum Rüblinge, Trichterlinge, Helmlinge und ähnliche Gattungen, die um diese Zeit die Waldböden oft noch in Mengen bevölkern. Auch keine der jetzt üblichen Täublinge und Milchlinge. Das heißt fast keine. Einen einzigen Süßlichen Milchling konnte im Buchenwald ausmachen, der sonst um diese Zeit oft noch als Bodendecker auftritt. Es war staubtrocken! Nur wo Tau sich sammeln konnte, war es etwas feuchter. Hier wuchsen dann auch die erwähnten Arten.

Nennenswerter Regen ist weit und breit nicht auszumachen. Dadurch wird sich die Situation bis gegen Ende des Monats wohl auch nicht wesentlich verbessern. Immerhin soll am 24. November unsere abschließende Pilzwanderung durch dieses Revier führen. 

Der Großherzogliche Forst Moidentin am Nachmittag des 03. November 2018. Der traumhaft schöne Sonnentag paßte so garnicht zu diesem ansich tristen Spätherbstmonat.

Sonntag, 04. November (Candy Day in den USA) – Der heutige Sonntag machte zwar seinem Namen keine, dafür aber dem November alle Ehre. Im Gegensatz zu gestern war es grau in grau. Das hielt mich aber nicht davon ab, die Mittwochexkursion, die regulär am 31. Oktober hätte stattfinden sollen, nachzuholen. Der zweite Quadrant des Tarnower Meßischblattes sollte eigentlich bearbeitet werden. Da es hier wenig richtigen Wald gibt, hatte ich mir das NSG Gutower Moore und Schöninsel ausgesucht. Das Gebiet ist aber über weite Strecken nicht begehbar und verkrautet b.z.w. verschilft. Änlich dürfte es an den Rändern des Sumpfsees und des Parumer Sees aussehen. Da ich erst am Nachmittag im Gebiet war und es zu dieser Jahreszeit früh dunkel wird, hatte ich keine Zeit mehr, mich an den benachbarten Seen umzuschauen. Es wird hier sicher auch einige interessante Bereiche geben. Da ich im Gebiet Gutow war, suchte ich mir den erstbesten, zugänglichen Wald oder besser: Wäldchen aus. Ein kleines Laub- und Nadelwaldgebiet zwischen Ganzow und Badendiek. Sehr sandiger Untergrund. Im Laubwald und auch im dichteren Kieferwald kaum Frischpilze. Nur an den lichteren Stellen, b.z.w. wo die Bäume locker standen, Flechten, Moose und viele andere Kräuter und Gräser gedeihten, gab es dann doch einige Frischpilze. Der sehr arme Sandboden hatte vor allem Frostschnecklinge zu bieten. Hier hätte man sich eine Mahlzeit dieses schmackhaften Speisepilzes einsammeln können. Ihm haben die gelegentlichen Bodenfröste gut getan und er scheint jetzt an seinen Orten, wo die Bodenfeuchtigkeit es zuläßt, durchzustarten. Leider befindet sich das Gebiet schon im 4. Quadranten des Meßtischblattes, der eigentlich erst am übernächsten mal an der Reihe gewesen wäre. Wie dem auch sei, hier die Artenliste von 2238/4 – Wäldchen zwischen Ganzow und Badendiek: Rötende Tramete, Holunder – Rindenschichtpilz, Judasohr, Zugespitzter Kugelpilz, Rehbrauner Dachpilz, Samtiger Schichtpilz, Braunroter Lacktrichterling, Duft –  Trichterling, Dunkelscheibiger Fälbling, Roter Fliegenpilz, Gemeiner Trompetenschnitzling, Orangeroter Heftel – Nabeling, Frostschneckling, Amiant – Körnchenschirmling, Falscher Pfifferling, Trockener Kahlkopf, Mäuseschwänzchen, Horngrauer Rübling, Waldfreund – Rübling, Geflecktblättriger Flämmling, Bleiweißer Trichterling, Flächiges Eckenscheibchen, Dehnbarer Helmling, Schwarzpunktierter Schneckling, Blutender Schichtpilz, Ahorn – Runzelschorf und Kegeliger Helmling.

Der Frostschneckling (Hygrophorus hypothejus) hat jetzt Saison. Wir hatten des öfteren schon etwas Bodenfrost und das ruft ihn verstärkt auf den Plan. Wir finden die Wachsblättler stets unter Kiefern auf sandigen Böden. Der Pilz besitzt ein zartes Aroma, nur kann der Schleim etwas stören. Das Foto entstand am 04.11.2018 im Wäldchen zwischen Ganzow und Badendiek.

Montag, 05. November (Bonfire Night in England) – Auch heute machte der November seinem Namen alle Ehre. Grau, teils sogar nebligtrüb, aber recht mild. Sehr mild soll es auch an den nächsten Tagen werden. Dazu könnte morgen wieder die Sonne lachen und einen perfekten Spätherbstag, oder sollten wir vieleicht schon wieder Vorfrühlingstag sagen, bringen. Aber soweit ist es lange noch nicht. Wir müssen erst die aktuelle Saison zu Ende bringen und den Winter überstehen. Viel wird die Restsaison wohl nicht mehr an Überraschungen zu bieten haben, denn viele Wälder sind so trocken, wie ich es zu dieser Jahreszeit bisher noch nicht erlebt habe. Erst zum Wochenende und zu Beginn der nächsten Woche werden für uns moderate Regenfälle prognostiziert. Lassen wir es herankommen und uns überraschen, was  tatsächlich aus den Wolken fällt. Überdurchschnittliche Temperaturen werden jedenfalls noch für längere Zeit vorhergesagt. Solange die derzeitige Druckkonstellation von kräftigen Tiefs über dem Atlantik und hohem Druck über Osteuropa anhält und die Tiefs uns nahe und kräftig genug sind, um die Warmluftzufuhr aufrecht zu erhalten, können wir nach dem möglichen Regen zumindest noch auf eine Zunahme der Spätherbstarten hoffen.

Lacktrichterlinge waren im Gegensatz zum vergangenem, sehr nassen Jahr, in diesem trockenen kaum vertreten. Gestern fand ich jedoch eine Gruppe Braunroter Bläulinge (Laccaria proxima) an einer lichten Stelle des Kiefernwaldes. Alle Vertreter der Gattung, so sie denn sicher bestimmt werden können, dürfen gegessen werden. Das Bild entstand am 04.11.2018 im Wald zwischen Ganzow und Badendiek.

Dienstag, 06. November (Papierfreier Welttag) – Daran konnte ich mich leider nicht halten, denn ich hatte wichtige Dokumente unseres Vereins, nähmlich der Gruppe der Pilzfreunde, auszudrucken.

Das Wetter hielt sich an die gestrige Prognose. Es war eher Frühling als November. Und auch der neue 14 – Tage Trend auf Wetter – Online läßt es kaum abkühlen. Um das Wochenende und auch danach könnte es etwas regnen. Das wird, wie schon vorher erwähnt, zumindest die spätherbstlichen Saprophyten etwas stärker aufleben lassen. Wie weit es noch für Mykorrhiza – Pilze etwas bringen wird, muss abgewartet werden. Die Zeit wird knapp, da die Laubbäume nun verstärkt ihre letzten Blätter abwerfen und in Winterruhe gehen. Damit dürfte auch ihr Stoffwechsel mit den Pilzpartnern reduziert werden. Ich denke aber, sollten es die Niederschläge ermöglichen, können in der zweiten Novemberhälfte vieleicht noch einige Röhrlinge auftauchen. Großes wird nicht mehr passieren.

Heute Abend gab es wieder ein Treffen der Pilzfreunde. Ein Reisebericht aus Sri Lanka stand auf dem Programm. Christopher Engelhard aus Lübeck ließ uns per Beamer – Präsentation an einer Naturreise durch diese endemische Inselwelt teilhaben und stellte eine Vielzahl an Vögeln, Insekten, Reptilien und viele andere Tier und Pflanzen – Arten b. z. w. Gattungen vor. Es waren sogar Pilze dabei. Was für uns nahezu unfassbar ist, dort darf nichts aus den Wäldern mitgenommen werden. Es ist strengstens verboten auch nur einen Grashalm aus der Natur zu entfernen, geschweige denn, einen Pilz! Nicht einmal die Biologen dürfen etwas zur wissenschaftlichen Untersuchung entfernen!

Es wird die Zeit kommen, dann dürfte es wohl überall auf der Erde so sein. Aber vorher wird in anderen Regionen, so beispielsweise in Brasilien, noch mal richtig zugeschlagen. Der neu gewählte, rechtspopulistische Machthaber, wird jetzt erst recht die Regenwälder abholzen lassen. Hoffen wir, dass wenigstens die Wahlen in den USA dem dort amtierenden Präsidenten seine Machtfülle schmälert, damit nicht noch mehr Unheil angerichtet wird. Aber auch in Deutschland sind die Menschen zusehens blind und geben bei Wahlen ihre Stimme den Rechtspopulisten. Wehe uns, diese Typen kommen auch hier an die Macht! Dieser weltweite Rechtsruck muss unbedingt aufgehalten werden, sonst droht nicht nur eine Humanitäre Katastrophe, sondern Hand in Hand mit noch zügelloserem Profit – Denken und nationalem Egoismus, der Ruin für unseren schönen, blauen Planeten.

Hier sehen wir Fruchtkörper des Gemeinen Trompetenschnitzlings (Tubaria furfuracea). Der überaus häufige Blätterpilz wächst besonders im Winterhalbjahr auf Holzresten. Er soll sogar essbar sein, ist aber wenig ergiebig und nur vom Kenner zu sammeln. Standortfoto am 04.11.2018 im Wald zwischen Ganzow und Badendiek.

Mittwoch, 07. November (Neumond) – Nun ist es wieder soweit. Die Mondanbeter hoffen ein letztes mal in diesem Jahr auf einen Röhrlingsschub. Das dürfte aber wohl nichts werden. Einfach viel zu trocken. Auf meiner gestrigen Mittwochsexkursion fand ich auch nur noch völlig überständige Rotfüßchen und auch eine Marone war dabei, die ebenfalls bereits jehnseits von gut und böse war. Überhaupt haben die Chancen Speisepilze in größeren Mengen zu finden, deutlich abgenommen. Will heißen, dass auch der lang anhaltende und überaus üppige Hallimasch – Schub zu Ende geht. Ich fand von ihnen nur noch letzte Reste und völlig überständig. Für Kochtopf – Mykologen wären noch eine Handvoll junger Stockschwämmchen und Graublättriger Schwefelköpfe dabei gewesen. Auch ein wunderschöner, sich gerade öffnender Riesenschirmpilz und wenige Rehbraune Dachpilze waren im Angebot. Es stand der 3. Quadrant des Meßtischblattes Tarnow auf dem Programm. Ich war in einer der schönsten mecklenburgischen Landschaften unterwegs, südöstlich von Lenzen und südlich des Upahler und Lenzener Sees. Eine hügelige Gegend mit Wiesen, Wäldern und Seen. Buchenwald, durchsetzt mit Nadelbäumen auf teils lehmigem, teils sandigem Untergrund. Hier die Artenliste von 2238/3 – Wald südöstlich Lenzen: Schmetterlings – Tramete, Angebrannter Rauchporling, Rosa – Helmling, Weißmilchender Helmling, Striegelige Tramete, Spaltblättling, Buchenlaub – Mürbling, Langstieliger Knoblauch – Schwindling, Steife Koralle, Graukappe, Dunkler Hallimasch, Gelbmilchender Helmling, Rehbrauner Dachpilz, Grünblättriger Schwefelkopf, Gefleckter Helmling, Violetter Knorpelschichtpilz, Strohblasser Schüppling, Laubholz – Harzporling, Gelber Knollenblätterpilz, Schuppiger Träuschling, Grobscholliger Riesenschirmpilz, Gelbweißer Täubling, Hochthronender Schüppling, Stockschwämmchen, Riesenporling, Ahorn – Runzelschorf, Geweihförmige Holzkeule, Widerlicher Ritterling, Lederbrauner Mürbling, Flacher Lackporling, Graublättriger Schwefelkopf, Rotfüßchen, Goldschimmel, Heftel – Nabeling, Flaschen – Stäubling, Marone, Geflecktblättriger Flämmling, Violetter Lacktrichterling, Brennender Rübling, Rostfleckiger Helmling, Mai – Stielporling, Dunkelscheibiger Fälbling, Purpurschwarzer Täubling, Graugrüner Milchling, Gallen – Täubling, Schlanker Riesenschirmpilz, Striegeliger Schichtpilz, Echter Zunderschwamm, Grüner Anis – Trichterling und Gemeiner Trompetenschnitzling.

Junge Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabils) auf einem alten Buchen – Stubben. Gut zu erkennen ist noch die Vorgänger – Generation, die von Schimmelpilzen befallen ist. Stockschwämmchen können am selben Stubben mehrere Wachstumsschübe in einer Saison bekommen. Und diese ist sehr lang, nähmlich von April bis November und auch in den restlichen Monaten sind bei milder Witterung Fruchtkörper möglich. Der Edelpilz kann also praktisch ganzjährig auftreten! Standortfoto am 07.11.2018 im Wald bei Lenzen.

Donnerstag, 08. November (Internationaler Tag der Radiologie) – Donnerstags und Montags ist immer langer Tag im Steinpilz – Wismar. Das liegt u. a. daran, dass an diesen Tagen jeweils die Frischpilz – Ausstellung zu erneuern ist. Ich habe diese nun schon eine Weile nicht im Tagebuch erwähnt, sie findet aber immer noch statt und wurde heute natürlich auch wieder aufgefrischt. So liegen aktuell 96 Arten auf den Flächen. Gleichzeitig begann ich damit, unser Info – Zentrum allmählich in eine Advents – und Weihnachtsstube zu verwandeln. Die ersten Gestecke stehen zum Verkauf und auch in Keez wurde die Bastelstube bereits aufgebaut. Dazu gibt es große Mengen an Bio – Walnüssen, da der Ertrag in diesem Jahr, wie auch bei anderen Baumfrüchten, besonders üppig ausgefallen ist. Das bedeutet aber auch, dass in Kürze die Moosfläche für die auszustellenden Frischpilze abgebaut wird, da ich auch diesen Platz zur Präsentation unserer Gestecke benötige. Die Frischpilz – Saison im Steinpilz – Wismar neigt sich also mit großen Schritten dem Ende zu!

Hier ein Foto eines ganz besonderen Holzbewohners, dem Spaltblättling (Schizophyllum comune). Der häufige Pilz bevorzugt besonders trockene und besonnte Standorte. Derzeit entwickeln sich die frischen Fruchtkörper und wie auf dem Bild gut zu erkennen, sind seine Lamellen gespalten. Eine Reaktion der Natur auf den extremen Standort. Je nach Witterung können diese geöffnet oder geschlossen werden. Standortfoto am 07.11.2018 im Wald bei Lenzen.

Freitag, 09. November (Schicksalstag) – Das dürfte ganz besonders für die Deutschen gelten, denn an einem 09. November gab es hier zu lande einige denkwürdige Ereignisse.

Ein denkwürdiges Ereignis gab es dieser Tage auch bei unserer Pilzfreundin Angelika Boniakowski und ihrer besseren Hälfte Wilhelm. Wie schon im letzten Jahr besuchten die beiden die Nemitzer Heide, die zum Naturpark Elbhöhen – Wendland gehört. Daran grenzen auch die Gartower Tannen, die ihrerseits an der Grenze von Niedersachsen zu Sachen – Anhalt liegen. Mit 5 600 ha stellt dieses dichte Waldgebiet, dass unbewohnt ist, die größte zusammenhängende Privat – Waldfläche Deutschlands dar. In der Region tobten im Jahre 1975 die legendären Waldbrände und die Nemitzer Heide geriet im Zusammenhang mit dem Atom – Endlager Gorleben immer wieder in die Schlagzeilen (Republik Wendland). Sicher wurde dieses Gebiet ausgesucht, weil hier nur wenige Menschen wohnen. Aktuell erwartet man in der Region das Eintreffen der Wölfe, denn es ist ein ideales Gebiet für dieses Raubtier.

Aber dem denkwürdige Erlebnis liegt nicht eine Begegnung mit Isegrim zu grunde, sondern es waren einfach nur Pilze. Uns ist noch die große Maronen – Schwämme von vor zwei Jahren in der Kalißer Heide in Erinnerung. Das war schon Wahnsinn, aber hier wurde es offensichtlich noch überboten. Maronen über Maronen „Ich habe bald aufgehört mich umzuschauen, sondern nur noch auf den Waldboden geguckt, um nicht neue Nester dieser leckeren Speisepilze zu entdecken. Wir sammelten so viel ein, wie unsere mitgebrachten Tragekapazitäten fassen konnten und verschenkten einen Teil dann noch an unsere Gastgeber. So etwas habe ich noch nie gesehen“!

Und ich kann nur sagen, es wurde ja auch Zeit. Geringe Niederschläge gab es zwar auch hier nur, aber die Kiefernforste besitzen nicht so ein geschlossenes Laubdach wie unsere Buchenwälder. Starker Taufall in den Nächten reicht im Spätherbst völlig aus, um reichlich Wasser an den Waldboden abtropfen zu lassen. An jedem Grashalm läuft es stundenlang ab und das hat die Pilzflut noch so kurz vor Toresschluß ausgelöst. Und das nicht bei zunehmendem, sondern bei abnehmenden Mond!

Offene, heideartige Landschaften und lichte Nadelwälder profitieren im Spätherbst von reichlich Tauwasser. An der Krautschicht schlägt es sich nieder und läuft direkt auf die Oberböden ab. Selbst an sonnigen Tagen bleibt es dann zumindest im Schatten dauerfeucht. Gerade in den letzten Nächten, mit teils dichtem Nebel, war das gut zu beobachten. Hier sehen wir das Gebiet zwischen Ganzow und Badendiek, in dem ich am Sonntag unterwegs war. Links schloßen sich Kiefern an, bei denen es reichlich Frostschnecklinge gab.

Sonnabend, 10. November (Welttag für Frieden und Entwicklung) – Heute morgen starteten wir von Wismar aus wieder zu einer öffentlichen Pilzlehrwanderung. Es ging in die Region Bad Doberan/Heiligendamm. Zwischen beiden Orten, unweit des Ostsee – Strandes, steht der Große Wohld. Ein langgezogenes Waldgebiet, überwiegend mit Buchen, aber auch anderen Laub- und Nadelbäumen bestanden. Letztmalig waren wir hier im Jahre 2013 zu einer Pilzwanderung unterwegs. Und das zur selben Zeit. Damals war die Artenvielfalt wesentlich größer, bis hin zu Trompeten – Pfifferlingen und Steinpilzen. Von Mykorrhiza – Arten war heute allerdings kaum etwas zu sehen. Nach wie vor prägten Streubewohner und vor allem Stubbenpilze das Bild. Diese befinden sich aber auf dem Rückzug. An Speisepilzen waren immerhin noch einige große Büschel von Honiggelben Hallimasch im Angebot. Auch  Stockschwämmchen und erste Samtfuß – Winterpilze waren dabei.

Ein großes Büschel Honniggelber Hallimasch (Armillaria mellea) und die Pilzmahlzeit ist gesichert. 10.11.2018 im Großen Wohld.

Sonntag, 11. November (11.11 Uhr – Beginn der Faschings- und Karneval – Saison). Fasching habe ich heute nicht gefeiert. Auch habe ich mit dem Martensmann kein Fass Wein von Lübeck über Schönberg und Rehna nach Schwerin gerollt. Aber das war sowieso schon gestern, obwohl heute eigentlich erst Martinstag ist. Ich fuhr dafür nach Keez und mit Irena am Nachmittag in den Wald, um noch Material zum Basteln für unsere Advents – Gestecke zu besorgen. Flache Moospolster von Steinen oder Baumstümpfen. Rentierflechte, in Büschel Blaugräser. Desgleichen mit Striegeligen Trameten bewachsene Äste, die mir bei meiner letzten Mittwochs – Exkursion in`s Auge sprangen. Mit dem Fuchschwanz sägte ich mir diese verpilzten Hölzer passgerecht für Gestecke zurecht. Reichlich stabile Baumrinde haben wir bereits im Februar geholt und eingelagert. Auch einige Frischpilze gingen für die Dauerausstellung mit. So Leberbraune Milchlinge, Frostschnecklinge, Butterpilz und Marone.

Auch gewaltige Büschel von Honniggelben Hallimasch (Armillaria mellea) erfreuten uns im abendlichen Dämmerlicht am Straßenrand in Lohmen. Das rekordverdächtig große Büschel im Vordergrund hat etwa eine Höhe von einem halben Meter und einen doppelt so großen Durchmesser! Das kleinere Büschel im Hintergrund ging für die Pilzausstellung nach Wismar mit.

Montag, 12. November (Tag der Sardellen – Pizza) – Warum eigentlich nicht Tag der Pilz – Pizza? – Wie dem auch sei, heute war wieder langer Tag im Steinpilz – Wismar. Nach der Erneuerung der Ausstellung (es liegen 90 Arten auf den Flächen), ging es an die Schaufenster. Ausräumen, Putzen und mit Weihnachtservietten auslegen. In Kürze werden sie mit Advents – Gestecken bestückt.

Pilzfreund Thomas Harm teilte mit heute mit, dass er in einem Wald bei Brüel gestern eine leckere Pilzmahlzeit, bestehend aus Maronen, sehr schönen, frischen Birkenpilzen und Rotkappen einsammeln konnte. Trotz der trockenen Verhältnisse gibt es stellenweise immer noch gute Erfolge. Viel Glück gehört aber dazu und vieleicht auch gewußt wo.

Die Regenfälle haben jetzt etwas Feuchtigkeit gebracht, wenn auch nicht sonderlich tiefgründig. Für viele Arten kommen sie dennoch zu spät, aber spätherbstliche Streubewohner wie Nebelkappen oder Violette – Rötel – Ritterlinge könnten in den nächsten Wochen nochmals häufiger werden. Das heißt, sollte es nicht zu kalt werden. Die milden Tage scheinen gezählt. Morgen vieleicht noch letzte Tropfen und dann soll sich der Hochdruckeinfluß wieder verstärken. Von einem neuen Beton – Hoch war sogar die Rede. Und dieses könnte sich im Verlauf so positionieren, dass anstatt von Süden die milde, von Osten her zunehmend kältere Luft einsickert. Die Nachtfrostgefahr nimmt ab der zweiten Wochenhälfte zu. Da sich im Verlauf über Nordosteuropa immer kältere Frostluft ansammelt, ist im letzten Monats – Drittel sogar richtige Winterluft möglich, mit bitterkalten Frösten zumindest in den Nächten!

Im armen Kieferngebiet, so wie hier bei Sternberg, wo wir auch Rentierflechte und Blaugräser vorfinden, Grünlinge und Schwarzfaserige Ritterlinge wachsen, erfreuten mich gestern diese Milchlinge. Es handelt sich um den Späten – Milchling, auch Leberbrauner Milchling (Lactarius hepaticus) genannt. Er ist an Kiefern auf Sand gebunden und seine weiße Milch schlägt nach kurzer Zeit zu gelb um. Der Pilz ist ungenießbar.

Dienstag, 13. November (Welttag der Güte) – Auch das Wetter meinte es heute gut. Es regnete in Verbindung mit Schauern und Gewittern am Nachmittag und Abend stellenweise kräftig. Auslöser war kalte Luft in der Höhe, die am Abend noch stärkere Schauer über dem noch recht warmen Ostsee – Wasser auslösen wird. Das war`s dann aber erst einmal mit dem Niederschlag. Ruhiges Hochdruckwetter steht nun wieder auf dem Plan. Die Temperaturen werden in Richtung Wochenende immer weiter zurück gehen und nachts wird es häufig Frost geben. In der nächsten Woche scheint es noch kälter zu werden und selbst erste Schneefälle rücken in greifbare Nähe. Der Winter scheint sich also langsam, aber sicher, anzupirschen.

Schließlich öffnen bald schon die ersten Weihnachtsmärkte. Auch in unmittelbarer Nähe zum Steinpilz – Wismar findet ein kleiner Weihnachtsmarkt am 28. und 29. November statt. Direkt an der backsteingotischen St. Nikolai – Kirsche. Der Kirche der Seefahrer. Unter dem Motto „Traditionelle Stern Wiehnacht“ gibt es hier einen kleinen, nostalgischen Markt, fern ab vom Trubel der klassischen Weihnachtsmärkte. Geöffnet ist jeweils von 14.00 – 20.00 Uhr. Auch der Steinpilz – Wismar sollte sich mit einen Stand beteiligen und Waldpilz – Spezialitäten sowie Gestecke anbieten. Da unsere Köchin aber leider regulär dienstverpflichtet ist, wird nichts daraus. Gestecke gibt es natürlich bei uns im Info – Zentrum und heute habe ich das erste Schaufenster mit ihnen bestückt.

Trotz der zurück gehenden Temperaturen wird man diesen leckeren Speisepilz noch lange an Nadelholz – Stubben finden. Der Rauchblättrige Schwefelkopf (Hypholoma capnoides) übersteht moderate Fröste schadlos, anders als sein giftiger Doppelgänger, der Grünblättige Schwefelkopf. Einmal gefroren, bricht dieser beim auftauen matschig zusammen. Erst wenn es im laufe des April oder Mai wieder wärmer wird, stellt die hier gezeigte Art ihr Wachstum ein. Aber auch in richtig strengen Wintern. Standortfoto am 07.11.2018 im Wald bei Lenzen.

Mittwoch, 14. November (Weltdiabetestag) – Natürlich startete ich heute Mittag wieder zu einer Mittwochsexkursion. Der letzte Quadrant des Meßtischblattes Tarnow stand auf dem Programm. Zwar bin ich am 04. November schon einmal in diesen Quadranten gerutscht, heute war er aber offiziell an der Reihe. Ich suchte das Waldgebiet südlich des Ortes Zehna auf. Abwechslungsreich und hügelig. Mit guten Buchenbereichen, Nadelforste, Erlenrüche und kleine Moore. Auch für den klassischen Kochtopf – Mykologen ein sehr empfehlenswertes Gebiet. Zumindest in Jahren mit mehr Niederschlag. So blieb auch die Artenvielfalt deutlich unter dem, was Mitte November möglich und zu erwarten ist. Erwähnter Kochtopf – Mykologe wäre aber trotzdem auf seine Kosten gekommen. Hier vor allem durch die beiden klassischen Winterarten Austern – Seitling und Samtfuß – Winterpilz.

Hier die Artenliste von 2238/4 – Wald südlich Zehna: Rosablättriger Helmling, Angebrannter Rauchporling, Striegelige Tramete, Waldfreund – Rübling, Schmetterlings – Tramete, Geweihförmige Holzkeule, Weißstieliges Stockschwämmchen, Rehbrauner Dachpilz, Stockschwämmchen, Süßlicher Milchling, Samtfuß – Winterpilz, Weißmilchender Helmling, Gemeiner Trompetenschnitzling, Gallertfleischiges Stummelfüßchen, Grauweißer Saftporling, Dunkler Hallimasch, Laubholz – Harzporling, Grünblättriger Schwefelkopf, Tonfalber Schüppling, Weißer Rasling, Striegeliger Schichtpilz, Orangeroter Kammpilz, Geflecktblättriger Flämmling, Gelber Knollenblätterpilz, Falscher Pfifferling, Graublättriger Schwefelkopf, Gift – Häubling, Fuchsiger Rötel – Trichterling, Fichten – Zapfenrübling, Graukappe, Duft – Trichterling, Kahler Krempling, Ziegelroter Schwefelkopf, Gelbstieliger Muschelseitling, Hochthronender Schüppling, Austern – Seitling, Goldgelber Zitterling, Buckel – Tramete, Pappel – Schüppling, Flacher Lackporling, Mäuseschwänzchen, Amiant – Körnchenschirmling, Dehnbarer Helmling und Blauer Träuschling.

Auf einem liegenden Buchenstamm hatten es sich etliche Fruchtkörper des Austern – Seitlings (Pleurotus ostreatus) gemütlich gemacht. Der schackhafte Pilz kann besonders auch um die Weihnachtszeit den Speiseplan bereichern. Zähfleischigere Exemplare kann man noch zu einer schmackhaften Brühe auskochen. Standortfoto am 14.11.2018 im Wald südlich Zehna.

Donnerstag, 15. November (Welttag der Philosophie) – Heute habe ich die Ausstellungsfläche für die Frischpilze abgebaut, obwohl ich von der gestrigen Exkursion eine durchaus ansehnliche Ausstellung hinbekommen hätte. Das Interesse der Menschen diesbezüglich ist ohnehin geschwunden und ich muss das Info – Zentrum für unseren Gesteck – Verkauf herrichten. Das ist heute abgeschlossen worden und in den nächsten Tagen werden immer mehr Adventsgestecke im Angebot sein. Derzeit sind allerdings Walnüsse aus Keez der Renner. Der große Nussbaum hat in diesem Jahr eine Rekord – Ernte eingebracht. Tolle Nüsse und immerhin hundert prozentig Bio. Manche Leute, so wie heute, kaufen gleich Kiloweise.

Zu Pilzen und Wetter: Wer jetzt noch den Korb mit Maronen füllen möchte, sollte umgehend in die Nemitzer Heide nach Niedersachsen fahren, denn der Winter hält ab dem kommenden Wochenende Einzug. Heute erlebten wir nochmal einen strahlend schönen und milden Novembertag. Es war eher Frühling als Spätherbst. Das werden wir so wahrscheinlich frühestens erst wieder im März oder April erleben! Auch morgen und Sonnabend soll es zwar noch sonnig werden, aber es wird bereits kühler. Die Nächte werden immer frostiger. Anfang der nächsten Woche könnte ein Kaltlufttropfen sogar den ersten Schnee bringen! Und so wie es derzeit die Modelle berechnen, bleibt das frühwinterliche Wetter auf unabsehbare Zeit. Zum Monatsende könnte dann sogar der Russische Winter mit bitterkalter Frostluft zuschlagen und wir können möglicherweise die erste Kerze auf den Kränzen oder Gestecken bei hochwinterlichen Verhältnissen anzünden. Wenn das nicht romantisch klingt! Jedenfalls freuen sich die Betreiber der Weihnachtsmärkte und fiebern schon seit längerem einem Kaltluft – Einbruch entgegen. Und der Wetterumschwung kommt für uns Pilzfreunde sogar äußerst pünktlich, denn heute beginnt ganz offiziell der Pilzwinter (Mitte November bis Januar).

Dieser büschelig wachsende Holzpilz trägt die kalte Jahreszeit bereits in seinem Namen. Zusammen mit oben gezeigtem Austern – Seitling, bildet er die Sperspitze der essbaren Winterpilze, der Samtfuß – Winterrübling (Flammulina velutipes). Wir finden ihn besonders gern an Weichhölzern wie Weiden, aber auch an Eschen und vielen anderen Laubhölzern. Sein orangegelber bis orangebrauner, fettig glänzender Hut, die gelblichweißen Lamellen und der braunsamtige Stiel lassen kaum Verwechslungen zu. Schmeckt ausgezeichnet und wächst noch bis April, am häufigsten aber um den Jahreswechsel herum. Auch stärkere Fröste können ihm nichts anhaben. Standortfoto am 14.11.2018 im Wald südlich Zehna.

Freitag, 16. November (Tag der Toleranz) – Ich denke, angesichts der Abkühlung auf zunächst der Jahreszeit entsprechendes Niveau, kann man auch aus Sicht des Pilzfreundes Toleranz üben. Es war lange überdurchschnittlich warm, aber nennenswerte Niederschläge blieben auch im zurückliegenden Herbst aus. Nun darf es ruhig kälter werden, denn es wäre ohnehin zu spät, falls es jetzt noch stärker regnen sollte. Und dies könnte nächste Woche durchaus möglich sein, wenn der erwähnte Kaltlufttropfen über unseren Köpfen herum eiert. Dabei wird es möglicherweise bei uns in M-V kräftiger regnen, während es weiter südlich scheien soll. Hier kann sich sogar eine Schneedecke bilden. Bei uns bleibt es nach den derzeitigen Berechnungen wohl bei Regen. Grund ist vor allem das noch recht warme Ostsee – Wasser. Sobald der Wind über die Ostsee streicht, werden die unteren Luftschichten erwärmt. Das schützt uns bei entsprechenden Winden auch vor stärkeren Nachtfrösten, aber nur wenn er merklich unterwegs ist. Und das wird er in großen Teilen Deutschlands zunehmend sein. Ein eisiger Ostwind wird es sich noch kälter anfühlen lassen, als es tatsächlich ist. Erst zum Monatswechsel deutet sich dann ein massiver Kaltluftvorstoß aus Russland an. Sollte diese bitterkalte Luft dann aus nordöstlicher Richtung über die Ostsee heran wehen, wird sie zwar immernoch am Boden erwärmt, aber frostg wird es dann trotzdem. Es kann sich sogar der berühmte Ostsee – Strich einstellen. Das bedeutet, dass durch das warme Wasser viele Wolken enstehen und strichweise starke Schneefälle auslösen können. Diese können dann auf die Küsten zuziehen und teils erhebliche Schneemengen bringen. Eine derartige Tendenz ist derzeit durchaus aus den Berechnungen heraus zu lesen.

Einer der größten, auffälligsten und schönsten Blätterpilze an Holz ist zweifellos der Pappel – Schüppling (Pholiota destruens). Sein wissenschaftlicher Name weist bereits auf die Zerstörungskraft dieses agressiven Holzschädlings hin. Er wächst an totem, aber recht frischem Pappelholz. Damit bereitet er das Substrat für andere Pilze und Lebewesen vor, denn er zieht sich nach wenigen Jahren wieder zurück, zumindest bildet er dann keine Fruchtkörper mehr aus und das Holz wird zunehmend wertlos. Ungenießbar. Standortfoto am 14.11.2018 im Wald südlich Zehna.