Wetter/Pilze November 2019

Wetter und Pilze im Raum Nordwestmecklenburg

Tagebuch Wetter/Pilze November 2019

Der dunkle und oft feuchtkalte November ist der Monat der Toten – Gedenktage. Die düstere Totentrompete (Craterellus conucopioides) soll ihren Namen diesem Umstand zu verdanken haben. Dabei finden wir diesen wertvollen Würzpilz bereits ab Ende Juli und in manchen Jahren wird er in basenreichen Buchenwäldern sogar zu einer Landplage, wie es vor Jahren einmal ein Pilzfreund aus Rehna formulierte. Christian Ehmke hat dieses schöne Stimmungsfoto vor einigen Tagen aufgenommen.

Freitag, 01. November (Allerheiligen) – Frostig starteten wir heute in die letzte Runde der Pilzsaison 2019. Das war schon recht ordentlich, was wir am Erdboden für Minusgrade verkraften mussten. Aber am Abend hat Regen eingesetzt und dieser steht im Zusammenhang mit einer Umstellung der Großwetterlage. Ein umfangreiches Tief mit Zentrum über den Britischen Inseln läutet wieder eine mildere und regenreichere Witterungsphase ein. Gegenüber dem nasskalten Wetter von heute macht die Temperatur morgen einen ordentlichen Satz nach oben. Nachtfröste sind erst einmal kein Thema mehr. Wir werden sehen, wie die Entwicklung an der Pilzfront weitergeht. Ich denke die Spätherbstarten werden noch eine weile Regieren und nach den frostigen Temperaturen dürften nun auch Austern – Seitling und Samtfuß – Winterpilz stärker aus der Reserve gelockt werden.

Hier sehen wir einen Vertreter der umfangreichen Gattung der Haarschleierlinge. Es dürfte sich um den Galligen Schleimfuß (Cortinarius vibratilis) handeln. Der Hutschleim schmeckt bereits beim geringsten Anlecken gallebitter. Auf den Stielen der rechts liegenden Pilze ist schön der braune Sporenstaub zu erkennen. Das Foto entstand am 29.10.2019 im Forst Farpen bei Neuburg.

Sonnabend, 02. November (Allerseelen) – Gestern noch im Frühwinter, heute schon Frühling in feuchtwarmer Dampfluft, die auch zeitweise kräftigen Regen brachte, aber auch kurze, sonnige Momente. Mild geht es auch weiter, wobei die Temperaturen im Verlauf wieder einen leichten Abwärtstrend zeigen. Bodenfost ist frühestens Richtung nächstes Wochenende nach derzeitigem Stand wieder möglich.

Ich nutzte den Tag, um meine Ausstellungsflächen abzubauen. Das heißt, eine bleibt natürlich bestehen und ist auch den gesamten Winter in Augenschein zu nehmen. Grund ist nicht möglicher Frischpilzmangel, sondern ich muss mich allmählich auf unser Adventsgeschäft vorbereiten. So wird sich unser Info – Zentrum in den nächsten Wochen wieder in eine Weihnachtsstube umwandeln. Die Schaufenster im Nebengebäude sind schon Weihnachtlich gestaltet, um auf die Stern – Wiehnacht am 29.11.2019 im Nikolai – Viertel, gleich nebenan, hinzuweisen. Ein Weihnachtsmarkt fernab vom komerziellen Trubel, so wie er früher einmal war. Iniziiert vom Brause – Kontor Wismar.

In der Pilzberatung ist es nach der frostigen Episode ruhiger geworden. Einzig eine Ratsuchende war heute mit etlichen jungen Flockenstieligen Hexen – Röhrlingen erschienen, die sie bereits vor zwei Tagen erntete. Sie gehört einer Wismarer Wandergruppe an, und alle anderen Wandersleut hatten ihr drigend davon abgeraten, diese Pilze zum essen mitzunehmen. Aber sie war sich eigentlich sicher, dass man diese stark blauenden Röhrlinge mit den roten Farben an Stiel und Röhrenmündungen essen kann. Aber bei soviel gut gemeintem Rat, wurde sie doch unsicher. Sie hätte noch viele mitnehmen können, es war noch reichlich in den Startlöchern. Wirklich ganz junge und knackige Exemplare. Das zeigt, das stellenweise gerade wieder ein Schub von Steinpilz und Co ansetzen wollte. Ob es ihnen nach den frostigen Temperaturen noch gelingen wird?

Andere Ratsuchende zeigten mir heute Handy – Fotos von diesen rotstieligen Schwammpilzen. Sie hätten sie zwar unbeschadet gegessen, wußten aber nicht genau um welche Art es sich handelt. Und das gleich bei zweien, die Unabhängig voneinander durch Zufall unser Info – Zentrum entdeckten. Manche sind durchaus mutiger. Rotfuß – Röhrling (Xerocomus chrysenteron) am 27.10.2019 im Paradies fotografiert.

Sonntag, 03. November – Eine Vereinsexkursion führte einige Pilzfreunde heute in die Neukloster Forst bei Klein Warin. Wir durchstreiften das sandige Gelände mit Buchen, Kiefern und Fichten und natürlich weiteren Gehölzen entlang der ehemaligen Bahnstrecke Wismar – Karow. Ausgehend vom ehemaligen Bedarfshalt mitten im Wald. Das hier einmal eine kleine Bahnstation war, ist kaum noch zu erahnen. Die Natur hat längst Besitz davon genommen und es ist zugewaldet. Schöne Erinnerungen kommen aber hoch, als wir zu unseren Pilzwanderungen hier gerne aus und zustiegen. Heute waren wir natürlich nicht auf den Zug angewiesen, denn wir kamen mit Autos und ich mit meinem Leichtkraftroller. Für den Mykophagen waren an wertvollen Speisepilzen Stockschwämmchen und einige Graublättrige Schwefelköpfe dabei. Qualitativ gute Röhrlinge waren rar. Nur vereinzelt ein frischer Rotfuß und mit viel Glück auch mal ein Steinpilz oder Flockenstieliger Hexen – Röhrling.

Steinpilz (Boletus edulis) heute im Wald bei Klein Warin.

Der ist zwar Pfannen – füllend, landete aber auf dem Trockner.

Das Wetter spielte auch mit. Es war mild und blieb trocken und gelegentlich zeigte sich sogar die Sonne, welche den spätherbstlichen Wald in ein goldenes Licht tauchte. Frischpilze gab es mehr als reichlich. In allen Alterstadien, aber besonders durch das Buchenlaub schoben viele frische Täublinge und  Michlinge sowie Rüblinge. Manchmal auch Ritterlinge und Schleierlinge, um nur einige Gattungen zu nennen. Gegen Mittag waren wir hier durch und weil das Wetter so schön war, fuhr ich anschließend noch in das Luisenholz. Buchenwald auf besseren Böden. Hier sah es ähnlich aus, aber auch mit einigen anderen Arten wegen der besseren Bodenqualität. Im Waldgebiet versteckt befindet sich ein kleiner forstwirtschaftlicher Betrieb, wo viel Wurzelwerk und Baumstämme inselweise gelagert werden. Hier haben sich mächtige Humuspakete von Falllaub um die Holzvorkommen gebildet. Ein gefundenes Fressen für Streubewohner wie beispielsweise Graukappen. Von ihnen hätte man einen Transporter voll laden können. Und das mit kapitalen Exemplaren, wie man sie kaum für möglich halten würde. Hutdurchmesser bis zu 40 cm und bis zu 10 cm starke Stiele! Neben überständigen schob hier die zweite Welle, die regelmässig ab Anfang November startet. Die Pilze des zweiten, spätherbstlichen Schubes, sind in der Regel besonders mastig. So konnte ich auch nicht an mich halten, und nahm einige zum trocknen mit. Daraus wird schließlich Pilzpulver zum Würzen von Suppen und Soßen hergestellt.

Gewaltige Teile von Nebel- oder Graukappen (Clitocybe nebularis) heute im Luisenholz.

Montag, 04. November – Es ist ruhig in der Pilzberatung geworden. Nur vereinzelt suchen die Leute noch Rat. Heute mit Champignons, jungen Maronen und Pappel – Ritterlingen. Trotzdem habe ich alle Hände voll zu tun und Feierabend ist bis auf weiteres kaum vor 22.00 Uhr. Groß reinemachen und umdekorieren, die restliche Ausstellung immer wieder neu bestücken. Aktuell liegen 83 Arten auf der Fläche. Schaufenster umgestalten, zwischendurch Veranstaltungen. Bastelmaterial aus der Natur und aus den entsprechenden Billig- und Baumärkten besorgen und einweihnachten. Alte Gestecke ausbessern und neue Basteln. Diese für die Hompage fotografieren und hineinstellen. Nicht zuletzt die weitere Pflege dieser Internet – Seite, wo noch sehr viel in der Warteschleife steht. Später die Jahresauswertung u. a. für das Landesgesundheitsamt und sicher auch noch Päckchen mit Trockenpilzen für die Weihnachtszeit versenden. Ich könnte noch weiteres aufzählen. So läuft die Zeit dahin und ich hoffe, bis Weihnachten ist das wichtigste erledigt. Dann geht es ab Januar in die Winterzeit. Umdekorieren, Geschäftsunterlagen für das Steuerbüro und das Job – Center fertig machen und die neue Saison planen. Dazwischen Trockenpilze eintüten und Pilzpulver mahlen sowie Eindosen und Etikettieren. Kartierungsexkursionen auswerten und Verbreitungskarten vervollständigen und in`s Netz stellen. Schnell ist der Frühling da und die neue Saison beginnt. So geht es Jahr für Jahr. Ich fürchte allmählich, meine Lebenszweit läuft mir davon, bevor ich all das geschafft habe, was ich noch vor habe. Und das alles als Langzeitarbeitsloser!

In vielen Buchenwäldern läuft die Saison noch auf Hochtouren. Insbesondere Täublinge, Milchlinge, Rüblinge, Ritterlinge, Trichterlinge, Rötel – Ritterlinge, Helmlinge und Stubbenpilze sind dominant. Aber auch Vertreter aus der Königsklasse der Großpilze, den Haarschleierlingen. Hier sehen wir eine kleine und besonders farbfreudige Art, den Rotschuppigen Rauhkopf (Cortinarius bolaris). Am 03.11.2019 im Wald bei Klein Warin fotografiert. Wir kennen ihn eher aus dem Sommer.

Dienstag, 05. November – Grau in grau zeigte sich der Tag, aber mild und zeitweise auch trocken. Pilzwetter vom feinsten für die fortgeschrittene Jahreszeit. Meist Novembergrau soll es auch weitergehen, wobei die Temperaturen wieder etwas fallen. Bei aufklaren kann es besonders in Richtung Wochenende wieder Bodenfrost geben. So frostig wie noch vor einigen Tagen sollte es aber nicht werden, so dass der geringe Bodenfrost, der zumindest mal möglich ist, keine nennenswerten Auswirkungen haben dürfte. Im weiteren Verlauf könnte es eher wieder etwas wärmer werden. Ein richtiger Wintereinbruch ist somit zunächst nicht in Sicht. Damit kann die spätherbstliche Saison weiterlaufen. Morgen steht eine Mittwochsexkursion auf dem Plan und ich hoffe, der am Nachmittag wieder einsetzende Daueregen hat sich bis dahin zurück gezogen. Heute Abend waren übrigens die Pilzfreunde der Gemeinnützigen Gesellschaft Wismar e.V. zu einem Vereinstreffen in`s  Info – Zentrum eingeladen. Bestimmungsübungen an Frischpilzen war unser Thema.

Dabei stellte ich auch diese Pilze zur Diskusion, die ich am Sonntag im Luisenholz fand und hier am Standort fotografierte. Zugegeben, ein wenig gemein war es schon, zu erwarten, dass diese Pilze richtig eingeordnet werden sollten, fehlt ihnen doch der spinnwebartige Schleierrest am Stiel, in dem sich so oft die typisch braunen Sporen der Haarschleierlinge verfangen. Auch war vom blau der Lamellen nichts mehr zu sehen, Sporen haben sie braun verfärbt. Verfärbender Schleimkopf (Cortinarius nemorensis). Essbar, er soll sogar ein guter Speisepilz sein, aber wirklich nur für Kenner!

Mittwoch, 06. November – Meine heutige Mittwochsexkursion führte mich in den ersten Quadranten des Meßtischblattes Kröpelin – 1936/1. Ziel waren die Biendorfer Tannen, das größte Waldgebiet in diesem Quadranten. Sandige Laub- und Nadelwälder. Vor allem Buchen- und Fichtenforst, aber auch mooriges Gelände und stellenweise heideartig. Der Feinschmecker hätte sich mit einer Handvoll Stockschwämmchen begnügen müssen. Es waren die einzigen, delikaten Speisepilze, die ich hier heute sah. Ansonsten natürlich jede Menge Zitronen – Täublinge, teils auch Gallen- und Buchen Spei – Täublinge sowie Graugrüne Milchlinge. Viele Graukappen, aber meist überständig. An Röhrlingen fand ich nur eine alte Marone. Bis auf Schwefel – Ritterlinge keine weiteren Vertreter dieser Gattung. Ich konnte zwar einiges an Arten notieren, aber insgesamt war es doch recht trist. Dafür nahm ich frisches, dünnes Moos, welches sich an alten Baumstümpfen bildet, zum Adventsbasteln mit. Das Wetter hielt sich ganz gut. Es blieb trocken, aber frischer als an den Vortagen.

Charakteristisch für den Spätherbst sind u. a. viele Helmlinge. Hier sehen wir den Buntstieligen Helmling (Mycena inclinata). Wir finden ihn an alten Eichenstubben. Die oberseits weißlichen Stiele werden zur Basis hin immer farbfreudiger. Auch besitzt er einen für mich zwar undefinierbaren, aber typischen Geruch. Ohne Speisewert. Standortfoto am 06.11.2019 in den Biendorfer Tannen.

Donnerstag, 07. November – Langer Tag im Info – Zentrum, wie immer Montags und Donnerstags. Wenige Beratungen. Im Zuge derer teilte mir eine Pilzfreundin aus Heidekaten mit, dass sie gestern noch gut Maronen zum essen gefunden hätte. Auch noch recht junge Exemplare. Es sind stellenweise diesbezüglich noch kleine Erfolge möglich, die Luft ist aber im großen und ganzen raus. Die meisten Pilzsammler sollten auch gesättigt sein. Freuen wir uns also auf den Winter – Aspekt, der in wenigen Tagen (Mitte November) beginnt. Das Wetter spielt auch leidlich mit, denn es ist in den nächsten Nächten wieder etwas Frost zu erwarten. Das wird den typischen Winterpilzen gut tun und sie zur Fruchtkörperbildung annimieren. Übrigens wurden mir in der Beratung heute auch Austern – Seitlinge vorgelegt, die schon recht ausgewachsen waren. Ansonsten traf ich weitere Vorbereitungen zu unserem Advents – Geschäft. Das erste Schaufenster ist zumindest mit weihnachtlich – winterlicher Grunddekoration ausgestattet, allerdings noch ohne Gestecke.

Der Diplom – Biologe und Vorsitzende des Pilzvereins Heinrich Sternberg Rehna e.V., Torsten Richter, sandte mir kürzlich dieses Foto mit Spatelförmigen Adermooslingen (Arrhenia acerosa), gefunden auf Blattresten von Rohrglanzgras, zu. Die Art ist gebietsweise zerstreut nachgewiesen. So auch in Mecklenburg. In anderen Regionen, wie beispielsweise in Vorpommern, fehlen bisher Nachweise. Sicher ist bei gezielter Nachsuche hier noch einiges möglich. Ein Dankeschön nach Rehna!

Freitag, 08. November – Nach dem ich mich am Vormittag in verschiedenen Billig- und Sonderpostenmärkten herum getrieben habe, um Bastel- und Deko – Material zu ordern, besuchte ich am Nachmittag, kurz vor Beginn meiner Sprechzeit im Info – Zentrum, den Wismarer Kindergarten Sinnenreich, in der Scheuerstraße. Eine Mittarbeiterin bat mich gestern, hier einmal vorbei zu schauen, da sich auf dem Hof verschiedene Pilzarten zwischen den Außenspielbereichen tummeln würden. Das Wohl der Kinder scheint auf dem Spiel zu stehen. Bei der Begehung konnte ich hingegen nichts wirklich gefährliches finden. Es waren dort viele Laubholzkloben als Umrandung eines Sandspielbereiches in das Erdreich eingelassen worden. Hier breiteten sich grauweiße Schichtpilze aus, die für die Kinder wohl kaum von Interesse zum in den Mund stecken sein dürften. Dann schon eher einige, kleine Büschel von Glimmer -Tintlingen, die hin und wieder auftauchen dürften, so auch heute einige Fragmente. Der ist bekanntlich allenfalls in Verbindung mit Alkohol giftig. Kindergartenkinder dürften in der Regel abstinent leben. Ansonsten einige Schmetterlings – Trameten und auch ein Eichenwirrling war dabei. Die Schmetterlinge gelten als Vitalpilze und die Eichenwirrlinge sind als Bastelmaterial geeignet und ebenfalls ungiftig. Ich weiß zwar nicht, was hier im laufe des Jahres noch auftaucht, aber von den heute angetroffenen Arten dürfte keine Gefahr für die Kinder ausgehen.

Etwas anderes war es da schon mit einer Ratsuchenden in der Pilzberatung. Große Mengen der leicht giftigen Karbol – Champignons hätten bei ihr zumindest zu Verdauungsstörungen führen können. Die Karbol – Champignons lassen einfach nicht locker und starten schon wieder eine neue Runde. Es waren aber auch junge essbare Stadt – Champignons dabei und ganz wunderbare Samtfuß – Winterpilze, so dass doch noch eine Mahlzeit übrig blieb. Eine andere Ratsuchende war heute im Moidentiner Wald unterwegs und wurde ebenfalls gut fündig. Vor allem schöne Judasohren, Graublättrige Schwefelköpfe, aber auch zwei Steinpilze hatte sie entdeckt. Darunter den ersten Fichtensteinpilz ihres Lebens.

An zahlreichen Laubhölzern der Spielplatz – Umrandung auf dem Hof des Kindergartens Sinnenreich in Wismar waren diese Rindenpilze in Ausbreitung begriffen. Es dürfte sich um die Gattung Coniophora handeln. Entweder der Kellerschwamm (Coniophora puteana) oder aber der Braunspor – Rindenpilz (Coniophora arida).

Sonnabend, 09. November – Eine öffentliche Lehrwanderung führte heute durch das Hundehägener Holz, unweit der mecklenburgischen Kleinstadt Kröpelin. Waren die letzten Wanderungen eigentlich gut besucht, brach die Zahl der Interessierten heute deutlich ein. Seit dem der große Schub an der Pilzfront durch ist, scheint kaum noch Interesse vorhanden zu sein. Die meisten dürften ohnehin gesättigt sein. So fanden sich am Treff in Wismar heute morgen außer meiner Wenigkeit nur zwei weitere Pilzfreunde ein. Beide ohne Fahrzeug, so dass einer leider in Wismar bleiben mußte, da auf meinem Motorad nur zwei Platz finden. Vieleicht war auch das Wetter zu schlecht angekündigt. Es sollte eigentlich für längere Zeit kräftig regnen. Es war im wesentlichen trocken, bis ein wenig getröpfel zwischendurch oder auch mal einen kurzen Schauer. Bei windschwachen Verhältnissen und leidlich milden Temperaturen war es der Jahresezeit gemäß eine angenehme Wanderung. Da dieser Wald im zweiten Quadranten des Meßtischblattes 1936 liegt und somit zur nächsten Mittwochsexkursion an der Reihe wäre, habe ich heute gleich fleißig mitgeschrieben und immerhin über 80 Großpilzarten notieren können. Es gab also einiges, welches eine Lehrwanderung mehr als gerechtfertigt hat. An guten Speisepilzen waren allerdings nur eine Handvoll Stockschwämmchen oder auch frische Judasohren dabei. Trotzdem konnte die Teilnehmerin eine ausgiebige Mischpilz – Mahlzeit am Ende ihr eigen nennen. Röhrlinge gab es nicht einen!   

Judasohren (Hirneola auricula – judae) scheinen nun wieder gute Entwicklungsbedingungen zu haben. Im letzten Winter waren sie nicht sehr üppig vertreten, dank der langen Trockenheit. Sie werden von vielen Liebhabern auch als Vital – Pilze genutzt. Standortfoto am 09.11.2019 im Hundehägener Holz.

Sonntag, 10. November – Welch ein herrlicher Sonnentag im tristen Spätherbst, ohne November – Blues. Diesen gibt es bei mir ohnehin nicht, da der November für mich einer der stimmungsvollsten und schönsten Monate des Jahres ist. Ich liebe die düstere, trübe Stimmung dieses Monats. In den Wäldern herrscht stille, das heißt, wenn kein Zivilisationslärm diese stört. Und das war heute ganz extrem der Fall, weil in meinem Bereich, in dem ich heute unterwegs war, ein permanenter Lärm von Zweirad – Cross – Machienen herrschte. Kinder übten den Motor – Cross mit kleinen Maschienen und Jugendliche donnerten teils ohne Schalldämpfer, damit es erst richtig cool wird, durch die sandige Kiefern- und Besenginsterheide am Oberen- und Wustrowsee bei Sternberg. Bei meinen Mittwochsexkursionen in der Nossentiner/Schwinzer Heide herrschte in den letzten Wochen zeitweise enormer Fluglärm. Obwohl es im Sommer in diesem Gebiet einen schweren Unfall gab, in dem zwei Maschienen sich in der Luft berührten und eine abstürtzte, geht das Spektakel munter weiter. Wo denn auch sonst, im viel zu dicht besiedelten Deutschland?! Und das alles in den schönsten und ansich ruhigsten Landschaften Mecklenburg – Vorpommerns.

Lichter und armer Kiefernwald mit reichlich Rentierflechte. Ob es sich um Cladonia rangiferina handelt, soll nur mikroskopisch feststellbar sein. Auf jedenfall gehört sie zu den Astflechten. In nordischen Ländern eine wichtige Nahrungsquelle für Rentiere u. a. Tierarten. Übrigens mehr Pilz als Pflanze. Flechten werden von Schlauchpilzen dominiert und nur ein kleiner Teil zählt zu den Algen. Doppellebewesen, ähnlich den Übergängen der Schleimpilze zum Tierreich.

Wie dem auch sei, es war trotzdem ein herrlicher Nachmittag. Das Gebiet ist eine alljährliche Anlaufstelle zum Ende der Saison hin, aus zwei Gründen: Zum einen ist das arme Gebiet Standort der leider nur sporadisch vorkommenden Rentierflechten und von Blaugrasbüscheln, welche wir zum Adventsbasteln benötigen, zum anderen aber auch von den besten Speisepilzen des Spätherbstes. Das Frischpilzaufkommen war im Vergleich zu anderen Jahren allerdings recht zurückhaltend. Die Luft ist auch hier raus, weil der ansich extrem trockene Standort den ganzen Herbst über sehr viel Regen bekommen hat, so dass es auch hier richtig raustrieb und nun nur noch letzte Aufwallungen stattfinden. Das heißt, kaum noch Butterpilze, die sonst auch zu dieser späten Zeit noch reichlich dabei sind. Keinen obligatorischen Spätsteinpilz und auch die wichtigsten Arten des Standortes, Frostschneckling, Grünling und Schneepilz waren eher bescheiden bei der Sache. Insbesondere an sonnigen Kannten schoben noch einige junge Fliegenpilze und Perlpilze.

Lange ist es schon wieder her, als ich einen meiner Lieblingspilze das letzte mal zu Gesicht bekam. Ich wußte natürlich wo ich schauen mußte und gleich nach den ersten Schritten standen sie auch schon vor mir, die Kiefernnadeln gerade so durchstoßend, die Schneepilze (Tricholoma portentosum). Einer der besten Speisepilze und darüber hinaus wohl auch ein Vitalpilz. Er soll bioaktive Stoffe enthalten, die beispielsweise krebshemmend sein sollen oder auch gegen den bekapselten Hefepilz Cryptococcus neoformans, der für immungeschwächte Menschen gefährlich werden kann, empfohlen wird. Das ist dann wirklich eine sehr schmackhafte Medizin! Standortfoto am 10.11.2019 im Landschaftsschuzgebiet Obere Seen bei Sternberg.

Montag, 11. November (Martinstag) – Welch ein Unterschied zu gestern. Meist trüb und dazu ungemütlich kalt. Nachts hatte sich Nebel und Hochnebel gebildet und das Auflösen ist zu dieser Jahreszeit ein Lotterie – Spiel. Allerdings lebte der Wind im laufe des Tages etwas auf, gleichzeig zogen damit aber auch Wolken heran. Insgesamt soll die Witterung bei uns recht ruhig bleiben, bei meist einstelligen Höchstwerten und nachts kann es immer mal leicht frostig werden. Kein ungewöhnliches Wetter und Regen kann im Verlauf auch wieder dabei sein. Besonders Richtung Wochenende. Damit kann es eventuell auch wieder etwas milder werden. Da wir zunehmend auf die Winterpilze fokussiert sind, keine schlechten Bedingunmgen.

In der Pilzberatung wurden mir heute unter anderem wieder frische Karbol – Champignons vorgelegt. Die Ratsuchende wollte endlich wissen, was es mit diesen Pilzen auf sich hat, die seit dem Spätsommer immer wieder neue Wachstumswellen auf ihrem Grundstück hervor bringen. Ihr Mann wärer der Meinung, es seien essbare Wiesen – Champignons. Gut, dass sich die Dame für einen Besuch in der Pilzberatung entschieden hat!

Perlpilze (Amanita rubescens) schieben sich aus dem Grünlingssand und durch Kiefernzapfen der Oberen Seen bei Sternberg am 10.11.2019. Sie haben bereits einen Frosthauch abbekommen, welches am dunklen Scheitel gut zu erkennen ist und sollten nicht mehr verspeist werden. Zumindest nicht die geschädigten Bereiche.

Dienstag, 12. November – Nach einem morgentlichen Hausartzt – Besuch und der Abholung von Topografischen Karten aus der Wismarer Buchhandlung Peplau, ging es in den Laden, wie wir unser Info – Zentrum schlicht nennen. Und in Läden gibt es bekanntlich auch etwas zu kaufen. Pilz – Literatur für fast jeden Anspruch habe ich auf Lager. Auch sind die neuesten Kalender für das Pilzjahr 2020 angekommen. Trockenpilze und Pilzwürze sind derzeit leider noch nicht im Angebot, da ich zum Mahlen, Eintüten und Eindosen einfach keine Zeit habe. So wird es dieses Angebot frühestens ab Mitte Januar wieder geben. Dafür sind die ersten Adventsgestecke im Schaufenster. Weitere werden folgen. So ist der Focus in den nächsten Wochen auf das Weihnachtsgeschäft gerichtet.

Das Wetter war zumindest über die Mittagszeit wieder richtig schön mit strahlendem Sonnenschein. Wäre toll, wenn es morgen auch so wäre, denn es steht wieder eine Mittwochsexkursion auf dem Plan. Ziel wird entweder ein Teilbereich des Westenbrügger Holzes oder aber der Nordteil des Kröpeliner Stadtholzes sein.

Leckere Frostschnecklinge (Hygrophorus hypothejus) am 10.11.2019 am Standort in der Nähe des Wustrow – Sees bei Sternberg fotografiert. Wir finden sie in lichten, sandigen Kiefernwäldern, dass muss aber nicht zwingend zwischen Rentierflechten sein.

Mittwoch, 13. November – Gegen 9.00 Uhr traf ich mich heute mit einem Pilzfreund und Neumitglied der Gemeinnützigen Gesellschhaft Wismar e.V. aus Bützow, in Sandhagen. Wir fuhren von hier nach Detershagen und begannen unsere Mittwochsexkursion durch den nördlichen Bereich des Westenbrügger Holzes. Laub – und Nadelforste auf leichten Böden. Im Vergleich zum Hundhägener Holz, das im selben Quadranten liegt und in dem ich am vergangenen Sonnabend im Rahmen einer öffentlichen Wanderung unterwegs war, konnten wir hier nicht die Artenfielfalt von dort erreichen. Dennoch war einiges vertreten, allerdings wären Pilzsucher, die nur auf die Klassiker beschränkt sind, heute umsonst unterwegs gewesen. Nur eine überständige Marone war dabei. Aber mein Gast war nicht vordergründig auf Speisepilze sammeln aus, sondern wollte einfach seinen Horizont erweitern. So suchte er sich einige Kollektionen und legte sie zum Schluß geordnet zur Bestimmung aus. Er machte sich Fotos auf dem Händy und schrieb die dazu gehörigen, deutschen Namen, gleich auf die Foto – Datei. Außerdem nahm ich noch Bastelmaterial in Form von frischem, dünnen und saftig grünem Moos und einigen Baumpilzen, allen voran dekorative Schmetterlings – Trameten, mit. Das Wetter war dazu sehr passabel.

Der Fichten – Reizker (Lactarius deterrimus) neigt im Vergleich zu allen anderen Edel – Reizkern besonders stark zum grünen. Und das überall dort, wo mechanische Reize ihn oxydieren lassen. Hier war es Frost, der die relatv frischen Exemplare zur spangrünen Verfärbung reizte. Werden die Pilze dadurch aufällig weich, sind auch die Zellen geschädigt und solche Fruchtkörper sollten dann nicht mehr gegessen werden. 13.11.2019 im Westenbrügger Holz.

Donnerstag, 14. November – Beide Schaufenster sind nun mit Gestecken bestückt und weihnachtlich dekoriert. Nun geht es im Innenbereich weiter. In der Pilzberatung wurde heute ein Sammelsurium verschiedener Waldpilze vorgelegt. Vor allem Fuchsige Rötel – Trichterlinge, die aber bereits ziemlich alt und zudem vom Frost geschädigt waren. Ansonsten ist bei den beiden Ratsuchenden noch eine Mischpilz – Mahlzeit bestehend aus Safran – Schirmpilzen, Maronen, Flatter – Milchlingen und Graukappen übrig geblieben. Sie waren bei dem schönem und sonnigen Wetter im Staatsforst Jamel unterwegs.

So schön wie heute wird es in den kommenden Tagen nicht weitergehen. Tiels übernehmen wieder die Regie und vermischen warme Mittelmeerluft mit Polarluft direkt über Deutschland. Wind, Regen und Schnee sind über`s Wochenende angesagt. Winterlich wird es dennoch nicht, sieht man mal von den leicht frostigen Nächten unter klarem Himmel ab. Im weiteren Verlauf, bis Ende November, ist auch kein Winterwetter bei uns in Sicht. Im Gegenteil, es soll immer milder werden. Wer richtig Winter haben möchte, sollte sich in die Schweiz oder Österreich begeben. Dort herrscht teils Ausnahezustand weil ganze Landstriche im Schnee versinken. Auch Spanien hat diesbezüglich einiges zu bieten! Wir sitzen zwischen den Stühlen. Da unsere Erwartungen nur noch auf Winterpilze gerichtet sind, kann es uns relativ egal sein, wie es sich entwickelt. Milde Witterung ist mir persöhnlich aber lieber als frühwinterliches Wetter. Vor allem weil bei mir im Info – Zentrum traditionell die Ladentür während meiner Anwesenheit noch bis zum 30. November offen steht.

Diese wunderschönen Rosetten der Schmetterlings – Tramete (Trametes versicolor) musten gestern dran glauben. Sie landeten in meinem Korb zum Adventsbasteln. Ansich zu schade, denn einige Pilzfreunde nutzen ihre Inhaltsstoffe zur Förderung ihrer Vitalität und die Pilze sollen sogar in der Krebstherapie unterstützend eingenommen werden. Standortfoto am 13.11.2019 im Westenbrügger Holz.

Freitag, 15. November – Mit dem heutigen Tag, wenn wir es mal ganz genau nehmen wollen, endet der Spätherbst – Aspekt und wir gehen ab morgen in den Winter. Was hat uns der Spätherbst gebracht? Er war anfangs noch sehr pilzreich, auch was einige Klassiker anbelangt. Diese dünnten im Verlauf aber zunehmend aus, so dass überwiegend die typischen spätherbstlichen Pilzarten dominierten. Von Hallimsch, den es zwar auch reichlich gab, war ich in diesem Jahr etwas enttäuscht. Die Qualität ließ doch oft zu wünschen übrig. Ist aber nicht weiter schlimm, es sind noch reichlich Gefrierpilze für einen Imbiss im Tiefkühlschrank. Dafür hat sich in den zurück liegenden Wochen ein großer Vorrat an Trockenpilzen, allen voran von Maronen – Röhrlingen, angesammelt. Herbstrompeten gab es nur sehr vereinzelt nennenswert. Ich will nicht zu sehr in`s Detail gehen, weil ich denke, insgesamt können wir mit dem Herbst allgemein zufrieden sein.  Auch derzeit scheint es Örtlichkeiten in Deutschland zu geben, wo immer noch schöne Steinpilze und Maronen in den Korb wandern. Ich habe allerdings den Eindruck, in Mecklenburg scheint diesbezüglich die Luft raus zu sein. Allerdings sind mir die Winter – Klassiker auch noch nicht übermässig in Erscheinung getreten. Aber es ist ja noch nicht Weihnachten, obwohl es im Info – Zentrum schon sehr danach aussieht.

Durch den nassen Herbst sind nun endlich auch viele Stubben- und Holzbewohner richtig in Fahrt gekommen. Hier sind es Herbe Zwergknäulinge (Panellus stypticus), die häufig an Laubholz, gerne auch an Eichenstubben, vorkommen. Sie sind zwar weichfleischig, aber schmecken bitter und sind daher ungenießbar. Standortfoto am 13.11.2019 im Westenbrügger Holz.

Sonnabend, 16. November – Besorgungen standen heute auf dem Programm. Es ging um weiteres Bastelmaterial und in erster Linie um Kerzenhalter. Hier muss man jede Saison neu schauen, wo und in welcher Preisklasse sie im 4er – Pack angeboten werden. War im letzen Jahr die Drogerie – Kette dm am günstgsten, war es in diesem Jahr die Tedy – GmbH. Aber mit 2 € pro Packung auch nicht wirklich günstig. Wie dem auch sei, ich brauche diese wichtigen Teile für unsere Gestecke.

So kann ich auch nichts neues von der Pilzfront berichten. Nur das unser Vereinsmitglied Andreas Herchenbach sich meiner Meinung anschließt, die Luft sei wohl raus. Er sandte mir diesbezüglich noch Fotos von weißen Pilzen zu, die er, wie er mir schrieb „meidet wie der Teufel das Weihwasser“. Ganz so schlimm verhält es sich mit weißen Pilzen nun auch nicht, obwohl es wirklich einige durchaus sehr giftige Arten unter ihnen gibt. Auf den Bildern waren offensichtlich Weiße Raslinge zu sehen. Diese ansich essbaren Pilze sind vor einiger Zeit in Verruf geraten, weil sie eventuell genveränderte Substanzen enthalten und in diesem Zusammenhang auch Krebs begünstigen könnten. Auch eine mögliche Alkohol – Unverträglichkeit kann auftreten. Ein weiterer Aspekt, der zu bedenken wäre, Männer könnten impotend werden! Ich weiß nicht, ob hier nicht übertrieben wird und dem Pilz im laufe der Zeit immer mehr ungünstige Eigenschaften angedichtet werden. Bei möglichen Genveränderungen ist da noch einiges denkbar. Ein Giftpilz im herkömmlichen Sinne ist er jedenfalls nicht!

Einer der häufigsten Pilze, denen wir zur Zeit noch in Buchenwäldern begegnen können, ist der minderwertige Zitronen-, Gelbweiße-, oder Ocker – Täubling (Russula ochroleuca). Er zählt zu den am längsten aushaltenden Täublingen im Jahr. Das kleine Pilzhütchen zwischen den Täublingen kündigt zaghaft die kalte Jahreszeit an, es ist ein Winterporling. Standortfoto am 13.11.2019 im Westenbrügger Holz.

Sonntag, 17. November (Volkstrauertag) – Auch das Wetter war heute recht traurig. Nach leicht frostiger Nacht war es ungemütlich kühl und trübe, am Nachmittag regnete es sogar etwas. Der Regen gehörte zur Warmfront eines neuen Mittelmeertiefs, das von Afrika kommend nun zur Nordesee zieht. Es zieht dabei zu uns in den Nordosten wieder mildere Luft, während der Südwesten der Bundesrepublick in Kaltluft verbleibt und dort in höheren Berglagen Schnee zu erwarten ist. Einige Alpengebiete, besonders in Österreich, versinken derweil in meterhohem Schnee. Dazu gehen dort Lawinen nieder. Schnee ist in unseren Breiten nicht zu erwarten, denn es setzt jetzt für längere Zeit eine Südströmung von Afrika und dem Mittelmeer ein. Hätten wir Sommer, wäre uns eine lang anhaltende Hitzewelle sicher. Diese Wetterlage könnte bis Ende des Monats bestehen bleiben. Somit rückt Winterwetter in weite Ferne und gleich ist von einigen selbsternannten Wetter – Propheten zu hören, dass wir dem wärmsten Winter aller Zeit entgegen steuern. Das ist natürlich Blödsinn. Niemand weiß wie der Winter wird und schließlich beginnt er metereologisch auch erst am 1. Dezember. Bis dahin können die Karten in der Wetterküche neu gemischt sein. Auf jedenfall kehrt in den Alpenregionen nach den Rekord – Schneefällen keine winterlich kalte Witterung ein, sondern es dürfte der Frühling mit Macht durchstarten, denn die Südströmung führt sehr milde Luft nach Norden und das besonders in der Höhe. Da wenig Wind im Spiel sein wird, dürfte es zwar auch bei uns im Flachland nicht gerade kalt werden, aber die warme Luft kann sich kaum bis zum Boden durchsetzen. Nebel und Hochnebel in Form einer Inversionswetterlage könnte die Temperaturen wohl drücken.

Nicht selten können wir derartigen, gallertigen, violett – weinrötlichen Gebilden auf Laubholz begegnen. Es sind Gallertbecherlinge der Gattung Ascocoryne. Hier dürfte es sich um die anamorphe Form (Nebenfruchtform) des Fleischroten Gallertbechers (Ascocoryne sarcoides) handeln. Eigentlich müssen die Pilze zur sicheren Bestimmung mikroskopiert werden, da es noch einen Großsporigen Gallertbecher gibt. Dieser soll allerdings keine blattartige Nebenfruchtform ausbilden. Standortfoto am 13.11.2019 im Westenbrügger Holz.

Montag, 18. November – Milde Luft und trüber Himmel und am frühen Abend einsetzender Regen. Dieser gehört zur Kaltfront des nach Nordwesten abziehenden Mittelmeer – Tiefs. Diese führt von Süden her wieder kältere Luft zu uns. Sollte es in den nächsten Nächten aufklaren, kann es nochmal Nachtfost geben, bevor die Frostgefahr an den folgenden Tagen b.z.w. Nächten zurück geht. Langweiliges Spätherbstwetter stellt sich dann für längere Zeit ein. Das Gute, es bleibt relativ mild.

In der Pilzberatung wurde mir heute ein richtig toller und wirklich großer Riesenbovist vorgelegt. Ganz frisch geerntet und schneeweiß und prall. Er landet in Scheiben geschnitten wie Schnitzel in der Pfanne. So spät hätte ich nicht mehr mit diesem Gigant in so frischer Form gerechnet. Die Hauptzeit dieser spektakulären Bachpilzart ist der Hoch- und Spätsommer. Aber auch schon im Mai kann er an den Start gehen und letzte, verspätete Exemplare, können auch noch im Oktober dabei sein. Mitte November ist schon sehr ungewöhnlich!

Gar nicht ungewöhnlich zu dieser Jahreszeit ist der Krause Aderzähling (Plicatura crispa) an totem Laubholz. Eine Pilzart, die sich in letzter Zeit enorm ausgebreitet hat. Markant bei dieser Art ist, dass sie bei Trockenheit bis zu Unkenntlichkeit zusammen schnurt und beim nächsten Regen in kürzester Zeit (innerhalb von Minuten) wieder auflebt und wie frisch gewachsen erscheint. Ich erlebe dieses Schauspiel mehrmals in der Woche auf meiner Pilzausstellung nach dem Besprühen mit Wasser. Foto am 13.11.2019 im Westenbrügger Holz.

Dienstag, 19. November – Der graue Star ist bekanntlich kein Vogel, sondern eine Augenkrankheit. Die Sehlinse trübt schleichend ein und das ist in letzter Zeit bei mir schon recht deutlich zu spüren gewesen. Besonders beim lesen und schreiben vor dem Computer mußte ich immer näher an den Bildschirm heran. Das soll jetzt keine Ausrede für meine häufigen Schreibfehler sein, aber es kann manchmal auch schon mal ein Grund dafür sein. Auch beim Zeitunglesen wurde es anstrengend und natürlich auch im Wald. Die kleinen Großpilzchen gingen mir meist schon durch die Lappen, aber auch bei den größeren, die ich sonst im vorbeigehen ansprechen konnte, mußte ich immer öfter genauer hin schauen. Das soll sich nun ändern. Heute verbrachte ich einen Großteil des Tages in Schwerin zur Voruntersuchung der am 28. November angesetzten Augen – OP. Aufgrund meiner lebenslangen, erheblichen Kurzsichtigkeit, die nur mit starken Brillengläsern korrigiert werden konnte, soll es nun deutlich besser werden, denn es kommt eine Kunstlinse in die Augen. Zunächst das rechte und im März das linke Auge. Dennoch gehöre ich zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko und gänzlich ohne Brille wird es auch danach nicht gehen. Hoffen wir, das alles gut klappt und in der nächsten Saison die Bilder wieder klarer werden. Dann geht uns nichts relevantes an der Pilzfront mehr durch die Lappen?

Hier nochmal ein interessantes Standort – Foto vom 13.11.2019 aus dem Westenbrügger Holz. Es zeigt die Miniaturausgabe der viel größeren Stinkmorchel, die Hundsrute (Mutinus caninus).

Mittwoch, 20. November – Die letzte Mittwochsexkursion der Saison sollte es heute werden. Bei dem nasskalten Daueregen am Vormittag und dem auch sonst sehr ungemütlichem Wetter hatte ich dieses Ansinnen an den Nagel gehängt. Und dort bleibt es bis zum April auch hängen. Zu oft wurde ich in diesem Herbst schon mehr oder weniger nass und bin bei Dauerregen durch die Wälder spaziert. Sei es zu unserer Großpilzausstellung, auf öffentlicher Wanderung wie auch bei einer individuellen und Mittwochsexkursion. Deshalb wollte ich mir dieses heute nicht mehr antun. Außerdem mußte ich einiges Regeln in Bezug einer Zahnbehandlung und der Augen OP. Auch im Laden ist einiges liegen geblieben durch den gestrigen Untersuchungstag. So bin ich heute, obwohl offiziell geschlossen, im Info – Zentrum gewesen und Gestecke Basteln hat derzeit ohnehin oberste Priorität.

Hier noch ein Fund von meiner letzten Mittwochsexkursion im Westenbrügger Holz am 13.11.2019. Das Waldgebiet mit seinem Süddteil wäre übrigens heute auch wieder an der Reihe gewesen. Hier sehen wir den Rotbraunfleckenden Saftporling (Oligoporus fragilis). Nicht nur in meiner Datei ein neuer Fundpunkt in MTB: 1936/2. Wie es sich gehört, an Fichtenholz gefunden.

Donnerstag, 21. November – Unser Vereinsmitglied Andreas Herchenbach richtete heute per Mail an mich die Frage, ob es möglich sei, dass um diese Jahreszeit in der Schweiz, nähmlich im Emmental, noch Sommersteinpilze und Bronze – Röhrlinge gefunden werden. Bei Facebook tauchen entsprechende Fundmeldungen auf. Nun, Mecklenburg ist nicht die Schweiz und liegt geographisch bekanntlich etwas nördlicher, aber auch in Mitteleuropa. Durch die Berge gibt es sicherlich klimatisch begünstigte Südhänge, die bei entsprechender Sonneneinstrahlung durchaus auch jetzt noch für Überraschungen gut sein können. Aber Sommersteinpilz und Bronze – Röhrling halte ich trotzdem für fragwüdig. Andreas erwähnte auch Kiefern – Steinpilze. Das möchte ich wohl noch glauben, genauso wie Fichten – Steinpilze. Die beiden anderen Arten sind Sommerpilze (Sommersteinpilze auch schon im Frühling) und haben im tiefen November (fast schon Winter) nichts mehr zu suchen. Aber es ist eine andere Region und ich möchte es nicht grundsätzlich verneinen, wer weiß? Ich bin bei Facebook nicht zu gange und möchte es auch nicht. Im übrigen muss man sehr vorsichtig sein, was einige Zeitgenossen in Pilztickern oder sonstigen Medien posten. In den Pilzticker „Passion Pilzesammeln“ schaue ich auch gelegentlich mal rein, um mich zu informieren, wie es in anderen Regionen aussieht. Dort sind zwar durchaus recht gute Speisepilz – Kenner zu gange, aber manchmal muss ich mich wirklich wundern, was beispielsweise als Sommersteinpilz verkauft wird. Das sind durchaus mal Kiefern – Steinpilze, die auch schon ab Mai auftauchen können oder ganz normale Fichten – Steinpilze, die auch schon ab Mitte Juni  an den Start gehen können. Steinpilze im Sommer gefunden heißt nicht unbedingt, dass es Sommersteinpilze sein müssen! Allerdings können Sommersteinpilze auch im Herbst noch fruchten. Im September sowieso und gelegentlich auch noch bis Mitte Oktober. Dann ist aber wirklich schluss!

Weg von den Fresspilzen hin zu interessanteren Arten. Bei diesem Täubling dürfte es sich um den Wechselfarbigen Spei – Täubling (Russula fragilis) handeln. Er schmeckt brennend scharf, wie alle Spei – Täublinge. Ähnlich kann der viel seltenere Schwarzrote Spei – Täubling aussehen. Der hat aber ein intensiveres Rot vorzuweisen. Das Foto entstand im Westenbrügger Holz am 13.11.2019.