Wetter/Pilze Oktober 2021

Wetter und Pilze im Raum Nordwestmecklenburg

Tagebuch Wetter/Pilze im Oktober 2021

Dieser Hainbuchen – Röhrling (Leccinum griseum) bereichert neben vielen, weiteren Exponaten unsere diesjährige Großpilzausstellung. Standortfoto am 28.09.2021 im Woitendorfer Wald.

Freitag, 01. Oktober – Um 14.00 Uhr öffnete sich die Pforte unserer diesjährigen Großpilzausstellung im Mykologischen Informationszentrum Steinpilz – Wismar, in der ABC Straße 21. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich 157 Arten in der Auslage. Bis heute Abend stieg die Zahl der ausgestellten Pilzarten auf 201. Weitere werden am Wochenende hinzu kommen. Die Ausstellung ist morgen und am Sonntag zwischen 10.00 und 18.00 Uhr zu besichtigen. Am Montag noch von 09.00 – 12.00 und 14.00 – 18.00 Uhr. Dazu wird es morgen und am Sonntag unseren traditionellen Imbiss geben. Die fleißigen Vereinsfreundinnen und Freunde waren heute unter Anleitung von Irena bereits schwer am Wirken, um für das leibliche Wohl unserer möglichen Gäste zu sorgen. Neben herzhafter Pilzpfanne (Hallimasch, Körnchen – Röhrlinge, Maipilze) gibt es auch wieder frische Waffeln und manches mehr.

Dieses Prachtstück eines Tränenden Saumpilzes (Lacrymaria lacrymabunda) sollte eigentlich auch unsere Ausstellung bereichern, nur hat er den Transport aus dem Wald nicht unbeschadet überlebt. Dafür ist er nun aber auf dem Bild für die Nachwelt erhalten. 28.09.2021 im Staatsforst Rehna. Essbar.

Hoffen wir, dass das Wetter durchhält. Auf jeden Fall wird es wieder wärmer und trotz bedecktem Himmel kann es am Sonntag teils über 20 Grad warm werden. Der Regen soll sich zwar in Grenzen halten, aber der Wind könnte am Sonntag kräftig auffrischen. Witterungsunabhängig ist jedoch die Pilzausstellung im inneren. Sie wird von mir ständig weiter entwickelt und auch frisch gehalten, in dem ich die Exponate zwischendurch mit einen Pflanzenbesprüher vor dem vertrocknen bewahre. Anders die Pilzschauen, die unter freiem Himmel abgehalten werden. Beispielsweise im Botanischen Garten in Rostock am vergangenen Wochenende. Da wird es am letzten Tag schon schwierig, die Pilze in aller Frische zu zeigen. Sonne und Wind setzen ihnen doch deutlich zu. 

Der Dunkelviolette Dickfuß (Cortinarius violaceus) darf in unserer Ausstellung bewundert werden. Schließlich handelt es sich um einen der schönsten Großpilze überhaupt. Essbar. 28.09.2021 am Standort im Woitendorfer Wald fotografiert.

Nicht nur unsere Mittelfläche ist nahezu komplett mit Frischpilzen belegt. Stand heute Abend mit 265 Arten!

Sonnabend, 02. Oktober – 2. Tag der 28. Großpilzausstellung in der Hansestadt Wismar. Heute mit einem umfangreichen Speisenangebot. Es gab unsere herzhafte Pilzpfanne oder auch Schwefelporlings – Frikassee. Das Hühner – Frikassee für Vegetarier. Frische Waffeln, Pflaumenkuchen wie von Muttern und vieles mehr. Der Andrang war groß, viel größer als der zur Besichtigung unserer Ausstellung. Die Corona – Krise lässt grüßen, da sich jeder Besucher mit Namen und Anschrift registrieren lassen muss oder aber die sogenannte Luca – App nutzen kann. Diese hat unser Vereinsmitglied Christian heute extra für den Steinpilz – Wismar installiert. Wie dem auch sei, morgen geht es in die 3. Runde. Nochmals gibt es unser Imbiss – Angebot und in unserer Ausstellung sind inzwischen 265 Großpilzarten aus heimischer Natur für 2 € zu besichtigen. Unter anderem auch die exotischen Tintenfischpilze. Jedenfalls in Form von Hexeneiern, die morgen hoffentlich auch ihre etwas gewöhnungsbedürftige Schönheit entfalten werden. Auch der seltene Satans – Röhrling ist mit dabei. An dieser Stelle allen aktiven Helferinnen und Helfer, ob Vereinsmitglied oder nicht, ganz herzlichen Dank. Es war unglaublich, was ihr heute auf die Beine gestellt habt! Insbesondere auch Irena mit ihren tollen Ideen und ihrem umsichtigen und praktischen Fleiß.

Das fleißige Team von heute. 02.Oktober 2021 – 28. Großpilzausstellung in der Hansestadt Wismar.

Sonntag, 03. Oktober (Tag der deutschen Einheit) – Sonn- und Feiertag steht heute auf dem Kalender. Wir haben uns weder in sonntäglicher Gemütlichkeit gesonnt, noch haben wir Zeit zum Feiern gehabt. Arbeiten war angesagt, und zwar volles Programm! Die 28. Großpilzausstellung ging in die dritte Runde. Wieder gab es ein umfangreiches Imbissangebot und auch die Frischpilzausstellung konnte weiterhin in Augenschein genommen werden. Ich hatte noch Pilze im Kühlschrank und tauschte weniger schöne Exemplare gegen frischere aus. Auch kamen weitere Arten hinzu, so dass wir schließlich auf eine Gesamtzahl von 285 gezeigten Großpilzen aus heimischer Feld, Wald und Flur kamen. Ein Ergebnis, dass sich durchaus sehen lassen kann. Da sage noch einer, derzeit wachsen kaum Pilze!

Eine der insgesamt 4 Ausstellungsflächen, die alle samt restlos ausgelastet sind. 03.10.2021.

Natürlich wurde auch wieder die Pilzberatung in Anspruch genommen. Hier werden mir zunehmend junge, frische Maronen – Röhrlinge und Derbe Rotfüßchen vorgelegt. 

In einigen Hexeneiern des Tintenfischpilzes (Clathrus archeri) beginnt es sich zu regen. Ob sie sich über Nacht wohl entfalten werden?

Montag, 04. Oktober – Letzter Tag der diesjährigen Großpilzschau in der Hansestadt Wismar. Heute ohne Imbissangebot. Trotz dem war die Ausstellung recht gut besucht. Immer wieder sind die Menschen beeindruckt, welche Fülle an verschiedenen Pilzarten in unseren Wäldern wachsen. Natürlich sind die Exponate hier komprimiert und aus unterschiedlichen Wäldern und anderen Lebensräumen zusammen getragen. Aber auch die 285 verschiedenen Arten stellen nur einen Bruchteil der einheimischen Pilzflora dar.

Ein „Tintenfisch“ (Clathrus archeri) beginnt sich zu entfalten.

Am Abend räumte ich die Ausstellung schweren Herzens ab und die Pilze landeten in der Bio – Tonne. Ein weiteres mal haben wir unseren Höhepunkt des Pilzjahres hinter uns gebracht. Wir haben einigen Menschen die Wunderwelt der Großpilze etwas näher gebracht und sicher auch einen bleibenden Eindruck bei vielen hinterlassen.   

Und wenige Stunden später präsentieren sich die exotischen Tintenfischpilze (Clathrus archeri) in voller Pracht. Für das Auge ein Hochgenuss, für die Nase eher eine Zumutung. 04.10.2021 auf der Moosfläche unserer Pilzausstellung.

Erdsterne gehörten zu den bestaunten Besonderheiten unserer Ausstellung.

Dienstag, 05. Oktober – Nach turbulenten Tagen im Zuge unserer Großpilzausstellung kehrt allmählich wieder Normalität ein. So war bei mir, wie jeden ersten Dienstag im Monat, am Vormittag Haushaltstag angesagt, danach privater Einkauf und schließlich öffnete ich am Nachmittag wieder das Info – Zentrum. Heute blieb es ruhig und nur wenige Besucher fanden den Weg durch die Tür. Bis auf die ständige Ausstellung, waren die Moosflächen verweist. Schön grün, aber ohne die bunte Vielfalt von fast 300 Frischpilzarten. In den nächsten Tagen wird ein Teil wieder zurück gebaut, insbesondere die große Mittelfläche. Eine reduzierte Frischpilzschau wird es aber weiterhin geben. Mal sehen, was mich morgen im 3. Quadranten des Messtischblattes Schwerin – Süd erwartet. Ich bin schon gespannt, nach einer Woche Waldabstinenz.

Schlüpfende Hexeneier. Die Tintenfischpilze waren die exotischen Stars der diesjährigen Pilzschau im Steinpilz – Wismar.

Weniger Beachtung von den Besuchern fanden diese im Flachland sehr seltenen Gelbgrünen Kammporlinge. Sie waren für mich die eigentlichen Stars der Großpilzausstellung 2021.

Heute war es komplett verregnet. Ein richtiger und flächendeckender Landregen. Mit 13 Litern bis 18.00 Uhr in meinem Messbecher zwar nicht die ganz große Menge, aber zu der fortgeschrittenen Jahreszeit ein durchaus gutes Ergebnis. Das sollte die Initialzündung für den Spätherbst – Aspekt sein. Dieser wird auch größtenteils von Streubewohnern gebildet und diese Streu wurde nun wirklich gut gewässert. Natürlich dürfte auch Hallimasch und Co. davon profitieren, auch wenn diese nicht unbedingt auf stärkere Regenfälle angewiesen sind. Und auch die mittelfristige Witterung stellt sich wohl immer mehr auf Vollherbst um. In den nächsten Tagen soll es weitgehend trocken bleiben und immer sonniger werden. Vorübergehend stellt sich ruhiges und angenehmes Herbstwetter ein. Der Wind soll fast vollständig einschlafen und in klaren Nächten kann die Temperatur ordentlich in den Keller rauschen. Die ersten Bodenfröste könnten sich zumindest im tieferen Binnenland einstellen. Das dürfte den Spätherbstaspekt zusätzlich begünstigen und so beliebte Arten wie Frostschnecklinge aus der Reserve locken. In der nächsten Woche könnte die Strömung auf Nord drehen und ungemütlich kaltes Schauerwetter bringen. Ja, der Sommer ist vorbei und es wird immer herbstlicher! 

Die 28. Großpilzausstellung im Jahre 2021 ist Geschichte!

Gleich nach wenigen Schritten begrüßte mich dieser Schopf – Tintling (Coprinus comatus) am Waldweg. Standortfoto am 06.10.2021 im Wald bei Boldela.

Mittwoch, 06. Oktober – Der Regen hat sich verzogen und heute herrschte bestes Exkursionswetter. So brach ich zu meiner obligatorischen Mittwochsexkursion auf. Ziel war der dritte Quadrant des Messtischblattes 2434 = Schwerin – Süd. Sandige Waldflächen östlich Holthusen und nördlich von Sülstorf. Ich fuhr wieder, wie bereits vor wenigen Jahren, als dieses Revier schon einmal Mittwochs an der Reihe war, bis zur Ortschaft Boldela. Auch hier weisen viele Warnschilder auf Munitionsverseuchtes Gelände hin und das Betreten geschieht auf eigene Gefahr. Diesen Umstand in Betracht ziehend, verblieb ich größtenteils auf den Waldwegen. Wirklich viel zur tatsächlichen Belastung der Wälder und Brachflächen um das ehemalige Armee – Objekt Stern – Buchholz ist auf die Schnelle im Netzt nicht zu erfahren. Nur soviel, dass hier möglicherweise die Rote Armee auch Giftgasgranaten „entsorgt“ haben soll. Wie dem auch sei, ich bin nicht in die Luft geflogen und auch der Vergasung entkommen.

Der Waldweg wurde irgendwann geschottert. Das brachte Basenanteile in den Boden und rief diese ungenießbaren und nach Leuchtgas „duftenden“ Schwefel – Ritterlinge (Tricholoma sulphurescens) auf den Plan. 06.10.2021 im Wald bei Boldela.

Zu den besseren Funden der heutigen Mittwochsexkursion im Wald bei Boldela zählten diese Krummstiel – Schüpplinge (Pholiota tuberculosa). Ungenießbar.

Mehr als 3 Stunden zog ich hier meine Kreise, immer auf den Wegen verbleibend. Überwiegend Fichten und Kiefernforst. Klassisches Revier für Sonntagssammler. Diese hätten heute aber zu tun gehabt, überhaupt eine Mahlzeit zusammen zu bekommen. Von den Klassikern waren alleine nur Butterpilze in nennenswerter Individuenzahl vertreten. Wenn die Schnecken nicht schneller waren, auch in meist guter, junger Qualität. Auch der eine oder andere Birkenpilz war dabei. Weitere Röhrlinge waren kaum vertreten. Es reichte gerade mal um die Marone, den Steinpilz, den Pfeffer – Röhrling und die Ziegenlippe zu notieren. Schließlich war ich ja zur Bestandsaufnahme (Kartierung) hier. Überhaupt ließ das allgemeine Frischpilzaufkommen sehr zu Wünschen übrig. Für Anfang Oktober fast schon beschämend!

Butterpilze (Suillus luteus) waren heute längst der Waldwege keine Seltenheit. 06. Oktober 2021 im Wald bei Boldela.

Auf der Heimfahrt machte ich einen kleinen Umweg über Jülchendorf/Schönlage. Auch hier sah es recht traurig aus, so dass ich kleine Kiefernzapfen zum Adventsbasteln einsammelte.

Die kleinen Zapfen der Waldkiefer lagen bei Jülchendorf so dicht, dass man sie hätte einschaufeln können. Ich sammelte einen Korb voll ein. Die größeren Zapfen der Schwarzkiefer habe ich bereits im Juni von der Insel Poel geholt.

Wunderbar frischer Birkenpilz (Leccinum scabrum) gestern mitten auf dem Mittelstreifen eines Waldweges am Standort fotografiert. 06.10.2021 im Wald bei Boldela.

Donnerstag, der 07. Oktober – Am kommenden Montag , dem 11. Oktober 2021, ist Anmeldeschluss zu unserem diesjährigen Herbstseminar in der Internationalen Freizeit- und Bildungsstätte lüttpütt bei Parchim. Hier habe ich einen gemütlichen Seminarraum für max. 15 Personen und mit integrierter Küche für uns angemietet. Das Objekt liegt inmitten eines umfangreichen Waldgebietes, in das auch die Pfifferlingstannen und das Wockertal eingebunden sind. Auch gibt es bei Kiekindemark den ältesten, imposantesten und massenreichsten Douglasien – Bestand Mitteleuropas. Bis knapp 60 Meter reichen die höchsten Baumriesen in den Himmel und sind somit höher als die Parchimer Kirchturmspitzen. Noch sind Plätze frei. Wer also Lust zu einem pilzigen Wochenende im Herzen Mecklenburgs hat, sollte sich schnell noch anmelden. Siehe unter „Termine“.

Ich bin nach wie vor im Besitz vieler alter Tintlings – Wochenkalender und blättere auch diese immer wieder um. Am Montag (Herausgeberin Karin Montag) fiel mir in zeitgleicher Ausgabe von 2020 ein Schirmling auf, den ich für mich bisher nicht registriert habe und auf den ich zukünftig achten wolle. Gestern hatte ich ihn tatsächlich auf den Jülchendorfer Trockenhängen. Weißer Wollstiel – Schirmling (Lepiota erminea) heute auf dem Schreibtisch fotografiert. Man lernt nie aus!

Unweit obigen Birkenpilzes, auch mitten auf dem Waldweg, ein Roter Fliegenpilz (Amanita muscaria). Gerne hätte ich ihn für meine Ausstellung mitgenommen, aber eine hungrige Schnecke hatte bereits Besitz von ihm ergriffen. Sie hat das Vorrecht und ich gab mich mit diesem Foto zufrieden. 06.10.2021 im Wald bei Boldela.

Das Wetter war heute in Mecklenburg traumhaft schön. Das war nicht überall der Fall, aber am freundlichsten war es größtenteils nordöstlich der Elbe. Kein Wunder, war es doch in früheren Zeiten ein Feiertag in der ehemaligen DDR. Da hätten sich die Genossen vor Freude die Hände gerieben, bei solch strahlendem Sonnenwetter. Morgen dürfte es wohl trüber werden. Hochnebelartige Bewölkung soll sich zäher halten können. Aber am Wochenende steht wieder eitel Sonnenschein auf dem Programm. Danach wird es wechselhafter und von Norden her auch frischer, mit gelegentlichem Regen oder Schauern. Tagsüber wird es spürbar abkühlen, aber die Nächte werden wieder milder. Zuvor müssen wir weiterhin mit Bodenfrösten rechnen. Diese dürften aber kaum dramatische Auswirkungen auf unser herbstliches, ja zunehmend spätherbstliches Pilzaufkommen haben. Sie werden eher positive Effekte für einige kälteliebende Arten haben. Die Zeit der wärmeliebenden Sommerpilze ist ohnehin abgelaufen.

Bei Jülchendorf brachen die Edel – Reizker (Lactarius deliciosus) wieder ganz frisch aus dem Sandboden unter Kiefern. Standortfoto am 06. Oktober 2021. Einer der delikatesten Speisepilze überhaupt!

Pilzfreund Phillip berichtete mir heute von seiner Stippvisite im Radebachtal. Er war ganz verwundert, dass ich gestern von eher bescheidenen Verhältnissen im Wald bei Boldela berichtete. Dieses konnte er für das Radebachtal nicht bestätigen. Dort geht ganz ordentlich die Post ab. Wohlgemerkt, was die Artenvielfalt und nicht die dicken Steinpilze betrifft! Aber auch diesbezüglich, allerdings keine Steinpilze, sondern Maronen – Röhrlinge, hatte Phillipp die Tage auch reichlich. Einen ganzen, ansehnlichen Korb voller junger und fester Maronen in allerbester Qualität!

Einen Erstfund für Mecklenburg – Vorpommern konnte Phillip Müller dieser Tage im Questiner/Panzower Wald tätigen. Es handelt sich um den Fälblingsähnlichen Rötelritterling (Lepista martiorum). Benannt nach dem Schweizer Ehepaar Marti, die den Pilz zuerst entdeckten. Erhard Ludwig hat ihn in seinem Pilzkompendium Bd. 1 im Jahre 2001 erstmals (Lebus im Kreis Fürstenwalde/Brandenburg) für Deutschland dokumentiert. Gefunden wurde der sehr seltene Pilz auch in Frankreich, Italien und in der Schweiz. Lieber Phillip, unser Bundesland ist um eine Rarität reicher! Standortfoto Phillip Müller.

Freitag, 08. Oktober – Von obigen Rötelritterlingen hatte ich gestern noch einen Hut zum Sporenabwurf auf ein Blatt weißes Papier gelegt und ein Schälchen darüber gestülpt. Wie vermutet hellrosa Sporenpulver, aber nicht so intensiv pinkrosa, wie beispielsweise in einer Beschreibung von Kriegelsteiner erwähnt.

Hier die Pilze nochmals auf der Moosfläche der Ausstellung fotografiert. Fälblingsähnlicher Rötelritterling (Lepista martiorum). Der Geschmack des rohen Pilzes ist etwas schärflich und zusammenziehend, mit leicht bitterlicher Komponente.

Heute habe ich kurz in den Pilzticker geschaut, um mir einen flüchtigen Überblick über die Situation in den anderen Bundesländern zu verschaffen. Es scheint in den letzten Wochen, ähnlich wie auch bei uns, nicht sehr viel an der Frischpilzfront los gewesen zu sein. Aber dennoch waren einige Pilzsucher erfolgreich. Herbsttrompeten, Pfifferlinge, Hallimasch und stellenweise, besonders in den letzten Tagen auch wieder zahlreiche und junge Maronen – Röhrlinge. Natürlich auch immer mal wieder den einen oder anderen Steinpilz. Die Saison schaukelt sich jetzt wohl noch ein letztes mal etwas höher.

Hier sehen wir echte Fälblinge. Es handelt sich um den im Herbst oft als Massenpilz in Erscheinung tretenden Gemeinen Rettich – Fälbling (Hebeloma crustuliniforme). Ein ungenießbarer Pilz. Standortfoto im parkartigen Gelände am 06.10.2021 in Banzkow.

Hier sehen wir den ockerbraunen Basalfilz eines Glöckchennabelings (Xeromphalina). Foto: Christopher Engelhardt in Schweden.

Unterdessen erreichte mich ein Lebenszeichen unseres Pilzfreundes Christopher Engelhardt. Seit genau einem Monat Tourt er mit Lebensgefährtin Andrea durch den hohen Norden (Schweden/Lappland). Chris schreibt: „Die Wälder stehen hier teilweise so rappelvoll mit Pilzen, so etwas habe ich bei uns noch nicht gesehen.“ – Ja, dass muss für uns ein Paradies sein. Oft noch unberührte Weiten und endlose Wälder. Aber wer soll schon so viele Pilze verspeisen. Hier dürfen auch so beliebte Arten wie Rotkappen, Pfifferlinge oder Steinpilze oft ungestört ihrer natürlichen Aufgabe nachkommen, ohne das sogleich der nächste Pilzfreund mit gewetztem Messer vor ihnen steht. Ich kenne derartiges aus Norwegen. Einfach Traumhaft. Wir sollten vielleicht in Zukunft unsere Herbstseminare nach Skandinavien verlegen? Wäre das nicht eine tolle Idee? Eine Woche in einer Gemeinschaftshütte oder Unterkunft in mitten von nahezu  unberührter Natur in den Wäldern Baden und in Pilzen Schwimmen? Man darf ja wohl noch Träumen! Aber warum nicht! Falls sich einige Mittstreiter finden würden, könnte man derartiges tatsächlich auch mal in Angriff nehmen.

Anknüpfend an obiges Bild sehen wir hier die zugehörigen Fruchtkörper. Chris vermutet den Braunen Glöckchen – Nabeling (Xeromphalina cornui). Ich denke, das können wir so stehen lassen. Die kleinen Blätterpilze gehören zu meinen Lieblingen. Wie hatte ich mich gefreut, als ich vor einiger Zeit im Bayerischen Wald einen Stubben voller Geselliger Glöckchen – Nabelinge fand. Damals ging ein Wunsch seit meiner Jugend in Erfüllung. Standortfoto Chris Engelhardt in Schweden. Chris hat den Pilz inzwischen unter cf abgebucht, also nur als Gattungszugehörig, da er keine mikroskopische Untersuchung vornehmen kann.

Einen seltenen und zugleich besonders schönen Holzbewohner konnte Ostseepilz Christian Ehmke dieser Tage entdecken und im Bild festhalten. Es handelt sich um den Orangeroten Dachpilz (Pluteus aurantiorugosus).

Sonnabend, 09. OktoberEin wunderbar goldener Sonnenaufgang leitete heute morgen einen traumhaft schönen Herbsttag ein. Kaum ein Wölkchen trübte den blauen Himmel und auch der Wind spielte keine große Rolle. Allerdings kühlte es in der trockenen Kontinentalluft unter wolkenlosem Himmel in der Nacht stark aus und stellenweise dürfte geringer Bodenfrost in ungünstigen Lagen aufgetreten sein. Ähnliches wird sich in der kommenden Nacht wiederholen. Die fröstelnden Bodentemperaturen könnten die ersten Frostschnecklinge zu ihrem Saisonstart aus dem Sandboden unter Kiefern hervor Kitzeln. Ansonsten spielen die recht kalten Nächte kaum eine Rolle. Die noch grünen und damit dicht belaubten Laubwälder, insbesondere die Buchenstandorte, schirmen gut ab.

Und dieser wollig – zottige Schirm gehört dem Schwarzflockigen Dachpilz (Pluteus umbrosus). Christian hat sich wohl auf Dachpilze eingeschossen, denn auch dieses schöne Bild stammt von ihm.

Auch überaus häufige und gemeine Pilze können ein schönes Foto – Motiv abgeben. Hier sind es zwei junge Horngraue Rüblinge (Collybia asema). Der essbare Streubewohner ist im Spätherbst einer der häufigsten Blätterpilze in unseren Wäldern. Essbar. Standortfoto am 09.10.2021 im Mildenitzgebiet/Alte Mühle.

Ab Montag stellt sich die Wetterlage um. Die Anströmung dreht auf Nord und führt kalte und feuchte Polarluft heran. Da auch Höhenkaltluft mit dabei ist, kann sich über dem warmen Wasser von Nord- und Ostsee kräftige Konvektion aufbauen und für Aprilwetter mit Schauern und Gewittern sorgen. Die Nächte werden wieder milder und die geringe Frostgefahr ist zunächst gebannt. Der 14 – tägige Lauf für Mittelfristprognosen des amerikanischen GFS – Modells rechnet im Verlauf wieder mit zunehmendem Hochdruckeinfluss. Gleichzeitig sollen die atlantischen Tiefdruckgebiete stärker werden und das Hoch über den britischen Inseln, das im Zusammenspiel mit einem Skandinavien – Tief für die Nord – Anströmung zuständig ist, verdrängen. Gleichzeitig kann tiefer Luftdruck über dem Ostatlantik weit nach Süden Austrogen und damit würde der Weg frei für deutlich wärmere Luftmassen subtropischen Ursprungs. Derartiges wird schon seit Tagen immer wieder angedeutet und wollen wir hoffen, dass es auch tatsächlich in diese Richtung geht. 

Hier sehen wir die überaus häufige Steife Koralle (Ramaria stricta). Die Astspitzen sind zum Teil von einer Schnecke abrasiert worden. 09.10.2021 Alte Mühle/Mildenitzgebiet.

Zum Vergleich: flankiert von zwei Echten Pfifferlingen (Cantharellus cibarius) in der Mitte ein Falscher Pfifferling (Hygrophoropsis aurantiaca). Essbar sind beide! 09.10.2021 Alte Mühle/Mildenitzgebiet.

Bei dem traumhaft schönen Wetter führte heute eine öffentliche Lehrwanderung in Richtung Dobbertiner Seenlandschaft, zwischen dem Mildenitztal und den Belower Tannen. Weitläufige Wälder und Forste auf meist sandigen Böden. Ein Paradies für Kochtopfmykologen und Sonntagssammler. Nun, heute war zwar erst Sonnabend, aber die 17 Teilnehmer der heutigen Wanderung konnten ganz zufrieden sein. Neben Klassikern wie Maronen – Röhrlingen, Pfifferlingen oder wenigen Steinpilzen wurde uns doch ein recht ordentliches Frischpilzaufkommen geboten. Der Lehreffekt einer solchen Veranstaltung konnte voll und ganz erfüllt werden und teils füllten sich die Körbe zumindest ansatzweise mit allerlei Köstlichkeiten. Neben erwähnten Klassikern waren Violette Lacktrichterlinge, Riesenschirmpilze, Perlpilze, Scheidenstreiflinge, Eselsohren, einige Täublinge und Milchlinge sowie einiges mehr dabei. 

Star – Portrait: Maronen – Röhrling (Xerocomus badius). Standortfoto am 09.10.2021 in der Dobbertiner Seenlandschaft zwischen Mildenitztal und den Belower Tannen.

Herrliche Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabils). Die mußten mit! 10.10.2021 im Sophienholz.

Sonntag, 10. Oktober – Heute hatte ich unsere diesjährige Hundewanderung mit der DOGS – Hundeschule Martin Rütter Schwerin, bei Weberin, in der Planung. Die Veranstaltung wurde allerdings mangels Interesse kurzfristig abgesagt. So hatte ich heute sozusagen unverhofft frei. Das Wetter war bestens und ich überlegte, wo ich auf die Pirsch gehen könnte. Da fiel mir das Sophienholz ein. Vor etwa einem Jahr im Oktober ging hier richtig die Post ab, bezüglich der Artenvielfalt. Auch gab es damals viele Hallimasch und Stockschwämmchen korbfüllend zu Ernten. Das es heute sicher etwas bescheidener zugehen dürfte, war mir vorher bereits klar. Kein Vergleich zum letzten Jahr. Die Vielfalt war deutlich zurückhaltender, aber ich konnte zumindest einige Speisepilze für den Dörrautomaten mitnehmen. Das waren Trompeten – Pfifferlinge und wunderbar frische Stockschwämmchen.

Trompeten – Pfifferlinge (Cantharellus tubaeformis) dicht an dicht. Auch die mussten mit. 10.10.2021 am Standort im Sophienholz.

Als 2. Revier hatte ich die grobsandigen Kiefern/Fichten/Zitterpappelgebiete um Perniek im Hinterkopf. Mich interessierte hier besonders das märchenhafte Fichten – Areal, das mich im letzten Herbst voll auf begeisterte. Hier tobte auch heute der Bär! Unter und zwischen den teils locker stehenden Fichteninseln tummelten sich unzählige Fruchtkörper aus verschiedenen Gattungen. Insbesondere Fichten – Reizker und die tollen Marzipan – Schnecklinge bedeckten den Waldboden zu tausenden.

Marzipan – Schnecklinge (Hygrophorus agathosmus). Im Flachland selten, hier zu unzähligen Exemplaren. Von vielen standen nur noch die Stielstrünke. Genauso wie Frostschnecklinge scheinen diese Wachsblättler beim Wild sehr beliebt zu sein. Essbar.

Inselweise, mitunter auch in Hexenringen, tritt der Feinschuppige Ritterling (Tricholoma imbricatum) im Herbst stets unter Kiefern in Erscheinung. Nach Michael/Hennig/Kreisel sollen die fleischigen Weißsporer in der Mark Brandenburg meist bitter schmecken. Ich kostete heute ein Stück Hut und der Geschmack war mild. Wenn mild, dann essbar. Standortfoto am 10.10.2021 in der Kiefernforst Perniek.

Es ist schon sehr lange her, dass ich solche Massen von Fichten – Reizkern sah. Das war in den 1980er Jahren in einer Fichtenschonung bei Wendorf/Weberin. Damals gab es einen heftigen Schub von Fichten – Steinpilzen und ich schaute mich gezielt in verschiedenen Wäldern nach Steinpilzträchtigen Schonungen im entsprechenden Alter um. So machte ich auch hier eine Stippvisite, konnte aber nicht die Spur eines Steinpilzes finden. Dafür Fichtenreizker in schier unglaublichen Mengen. In der Tat hätte man hier mit der Sichel durchgehen können und den Gemüsestand eines Supermarktes beliefern. Die Fichtenschonung stand auf Kalkboden und das ist nichts für den saure Böden bevorzugenden Steinpilz. Damals hatte ich in der Wendorfer Fichtenschonung eine etwa 20 köpfige, individuelle Wanderung mit Mitarbeitern eines Ärztehauses am alten Hafen in Wismar. Hier praktiziert jetzt mein Zahnarzt. Damals war auch eine ältere Dame mit dabei, die aus Thüringen stammte und derartiges nur aus ihrer Heimat kannte. Alle sammelten so viel sie essen und verarbeiten konnten. Man glaubt es kaum, aber wir hatten die Massen von Reizkern nur etwas ausgedünnt. Das Waldstück stand auch nach unserem Besuch noch rappelvoll.

Der Fichten – Reizker (Lactarius deterrimus) neigt stärker zum Grünen als der sehr ähnliche Edel – Reizker. 10.10.2021 am Standort bei Perniek fotografiert.

Nun, ganz so schlimm war es heute bei weitem nicht, aber es war schon beeindruckend. Überhaupt hat hier wieder ein massives Pilzwachstum eingesetzt. Immer wieder Halbkreise und Ringe von Fälblingen, Feinschuppigen- oder Weißbraunen Ritterlingen. Viele Rißpilze, Stäublinge, Lorcheln und vieles mehr. In den Kiefern gab es natürlich auch die wertvolleren Edel – Reizker. Ich füllte meinen großen Weidenkorb also bis an seine Kapazitätsgrenze mit edlen Reizkern. Die werden getrocknet und zu Pilzwürzpulver verarbeitete.

Edel – Reizker (Lactarius deliciosus). Standortfoto am 10.10.2021 in der Kiefernforst Perniek. Die rotmilchenden Lactarius – Arten werden im Volksmund oft als Blutreizker bezeichnet. Während dieser Aufnahme blutete nicht nur der Pilz, sondern auch ein Finger meiner Hand. Man sollte seine Pilzmesser nicht all zu sehr schärfen.

Noch kurz zum Wetter. Gestern deutete der mittelfriste, 14 tägige Lauf des amerikanischen GFS – Models eventuell im weiteren Verlauf sehr milde, subtropische Luftmassen an. Heute ist das Gegenteil der Fall. Übernächste Woche fast frühwinterlich kalte Luft mit Nachtfrösten! Es ist also noch alles offen.   

Der gemeine Sonntagssammler legt braune Schmierröhrlinge in seinen Korb, der Kenner und Gourmet bevorzugt delikate Edel – Ware. 10.Oktober 2021 bei Perniek.

Auch Irena war gestern erfolgreich in der Haushalt Forst unterwegs.

Montag, 11. Oktober – In der Pilzberatung herrscht ungewöhnliche Ruhe für diese Jahreszeit. Der Wald steht nicht dicht an dicht mit Rotfüßchen, Maronen, Steinpilzen oder Hallimasch voll. Viele der Sonntagssammler haben auch den Hauptschub einfach verpasst, da auf dem Kalender noch nicht Mitte oder Ende September stand. Und nun denken viele, es wäre für Speisepilze einfach schon zu kalt. Wer regelmäßiger Leser dieses Tagebuches ist, sollte im Bilde gewesen sein und dem entsprechend auch nichts versäumt haben. Wer nun nicht mehr geht, versäumt natürlich auch weiterhin einiges. Siehe das Ergebnis von gestern. Natürlich ist ein wenig Fachwissen von Nöten. Aber auch wer nur Röhrlinge sammelt, kann weiterhin fündig werden. Man muss nur ein wenig mehr Zeit ans Bein binden und die gehörige Portion Glück gebucht haben.

Dieser, auf besseren Standorten an Laubholz vorkommende und wunderbar anisartig duftende Anis – Zähling (Lentinellus cochleatus) wird in der Literatur teils als Würzpilz empfohlen. Tatsächlich ist er aber etwas zäh und bietet dadurch einen guten Kauwiderstand. Zu bedenken wäre auch, dass er nicht selten in einer geruchlosen Form vorkommt. Der Würzaspekt würde somit in den Hintergrund treten. Standortfoto am 10.10.2021 im Sophienholz.

Hier noch ein farbenfroher Gruß aus dem hohen Norden von Chris Engelhardt. Wir sehen den Blutroten Weidenscheibenpilz (Cystidia salicina). Eine in Deutschland offensichtlich sehr seltene Art. Gefunden und fotografiert in Schweden.

Was allerdings allmählich Auffällt ist, dass sich die Stubbenpilze und einige Streubewohner immer noch ziemlich zurück halten. Stockschwämmchen sind ja ganzjährig zu finden und haben bereits mehrere Wachstumsschübe hinter sich. Ein weiterer scheint gerade in Gange zu kommen. Aber was macht der Hallimasch in diesem Jahr? Er spannt uns allmählich doch ganz schön auf die Folter. Zwar ist er seit Wochen aktiv, aber so richtig in Gange kommt er nicht. Wir dürfen gespannt sein, was er in diesem Herbst noch vor hat. Vielleicht herrscht gerade die Ruhe vor dem Sturm oder er hat beschlossen, es ausnahmsweise mal etwas ruhiger angehen zu lassen. Ich kann mich besonders an ein Jahr in meiner Jugend erinnern, da startete er erst gegen Ende November durch. Etwas öfter war aber auch zu beobachten, dass er erst ab Ende Oktober bis weit in den November seinen großen Auftritt erlebte. Wie dem auch sei, die Saison dürfte noch ein Weilchen gehen und somit haben wir durchaus noch Erwartungspotenzial.

Der Weißbraune Ritterling (Tricholoma albobrunneum) kann oberflächlich betrachtet durchaus einen Butterpilz oder einen Maronen – Röhrling in der sandigen Kiefernforst vortäuschen. Sicher hat er schon viele Pilzsucher genarrt. Er ist giftig! Standortfoto bei Perniek am 10.10.2021.

Zum Wetter. Heute Nacht zog die angekündigte Kaltfront mit etwas Regen durch. Danach wurde es rasch wieder freundlicher. Am Nachmittag erreichte uns allerdings ein erster Schwall Höhenkaltluft, was zu örtlichen Schauern führte. Der Zustrom dieser labilen Kaltluft verstärkt sich in den nächsten Tagen noch und Schauer werden verbreiteter auftreten. Allerdings könnte ein recht schmaler Streifen von der Föhnwirkung des Norwegischen Gebirges profitieren. Wolkenauflösung und somit recht freundliches, teils sonniges Wetter wäre die Folge. Am ehesten würde dieses Ostholstein und Mecklenburg betreffen.

Natürlich waren bei Perniek nicht alle braunhütigen Pilze Ritterlinge. Auch Butterpilze (Suillus luteus) waren vertreten. Standortfoto am 10.10.2021.

Die Schule am Rietberg in Neuburg war heute morgen wieder Treff zu einer Pilzwanderung mit Schülern der 4. Klasse.

Dienstag, 12. Oktober – Heute war ich gegen 08.00 Uhr mit Schülern verabredet. Seit vielen Jahren fahre ich deshalb in die Ortschaft Steinhausen – Neuburg, unweit der Hansestadt Wismar. Die jeweils 4. Klassen der Schule am Rietberg behandeln das Thema Pilze im Unterricht und da die Forst Farpen direkt vor der Haustür liegt, bietet sich ein naturnaher Unterricht bestens an. Heute war es wieder soweit. Mit 15 Schulkindern und ihrer sehr netten Lehrerin ging es nach kurzer Begrüßung zu einer knapp 3 stündigen Wanderung in den Wald. Wie immer waren die Kinder in diesem Alter noch voll begeistert und freuten sich über jeden noch so kleinen oder großen Hutträger. Nirgends höre ich meinen Namen häufiger und am besten hätte ich mich in 15 Teile teilen müssen, um jedem Kind bei seinen Entdeckungen sogleich zur Seite stehen zu können. Und hier spielt es keine große Rolle ob es ein dicker Steinpilz ist oder ein winzig kleines Mäuseschwänzchen. Da kann sich so mancher Erwachsener eine Scheibe abschneiden.

Einer der für mich interessantesten Pilze war dieser Grünlings – Klumpfuß (Cortinarius pseudosulphureus). Der nicht häufige Haarschleierling könnte neu für den Neuburger Wald sein.

Und natürlich darf und soll auch jeder Pilz angefasst und begutachtet werden. Immer wieder höre ich von besorgten Eltern, keinen unbekannten Pilz anzufassen und geschweige denn, ohne die Hände gewaschen zu haben, eine Frühstücksstulle in die Hand zu nehmen und zum Munde zu führen. Kein Pilz ist so giftig, das man ihn nicht gefahrlos anfassen könnte. Ich brauche ja nicht gleich in ihn hinein zu beißen und er würde uns ohnehin nicht beißen. Es ist also sehr wichtig, den Schülern die Berührungsängste zu nehmen, die sie von zu hause möglicherweise mit auf den Weg bekommen haben. Ansonsten war mir auch heute wichtig, den Kindern die große Bedeutung der Pilze im Haushalt der Natur zu vermitteln. Aber ich muss sagen, im Unterricht wurde bereits einiges, was wichtig ist, besprochen. So wurde beispielsweise gewusst, dass Pilze eine Symbiose mit Bäumen eingehen können. Die Schüler lernten einige Müllwerker des Waldes kennen, lernten neben Röhren- und Blätterpilzen auch stäubende Bauchpilze und krause Schlauchpilze kennen. 

Fahlgelber- oder Wasserfleckiger Rötel – Trichterling (Lepista gilva). Der essbare Streubewohner war heute einer der häufigsten Frischpilze in der Forst Farpen.

Vom Wetter her hatten wir wirklich Glück. Am morgen schauerte es noch etwas, aber schnell verzogen sich die dunklen Quellwolken und machten der Sonne platz. Dem Skandinavischen Gebirge sei dank! Die Wolkenfreie Zone wird allerdings auch dafür sorgen, dass es heute Nacht stark auskühlen und besonders in Westmecklenburg sogar leichten Luftfrost geben kann. Die Zeichen haben sich jedoch verdichtet, dass es in der nächsten Woche deutlich milder werden könnte, vielleicht sogar spätsommerlich warm. 

Dieses schöne Stimmungsfoto mit Trockenrissen auf den Hüten habe ich heute unter Birke, direkt vor der Schule in Neuburg,  aufgenommen. Es zeigt einen für mich nicht näher ansprechbaren Haarschleierling der Gattung Cortinarius. Möglicherweise handelt es sich aber um Birken – Gürtelfüße. 12.10.2021.

Von links: Christian, Timur und Michael.

Mittwoch, 13. Oktober – Der 4. Quadrant der Topographischen Karte 2434 = Schwerin – Süd stand heute im Rahmen einer weiteren Mittwochsexkursion auf dem Programm. Dazu traf ich mich gegen 10.00 Uhr am Mykologischen Info – Zentrum mit Vereinsmitglied Christian und wir fuhren gemeinsam in seinem PKW in Richtung des Exkursionsgebietes, die Forstreviere in der Nähe von Hasenhäge. Hier erwarteten uns Michael und Timur aus Schwerin und Hamburg. Das Wetter war zwar recht frisch, aber dafür sonnig und schwach windig. Nahezu ideales Exkursionswetter. Das Gebiet gehört im wesentlichen noch zum Einzugsgebiet des ehemaligen Militär – Standortes Stern – Buchholz. Heute warnte uns allerdings keinerlei Beschilderung vor möglicher Gefahr durch eventuelle Kampfmittel, die uns hätten gefährlich werden können. So durften wir mit einem besseren Gefühl die sandigen Nadel- und Birken – Mischwälder, auf der Suche nach allen möglichen, im Feld ansprechbaren Großpilzen, durchstreifen.

Essbare Flatter – Milchlinge (Lactarius tabidus) treten zeitweise unter Birken und Fichten als Bodendecker in Erscheinung. 13.10.2021 im Wald bei Hasenhäge.

Ein orangeroter Fliegenpilz (Amanita muscaria) schiebt sich aus dem blanken Sandboden unter einer Kiefer. 13.10.2021 im Wald bei Hasenhäge.

Was uns heute geboten wurde, war meist zwar nicht Spektakulär, aber dennoch recht vielseitig und vor allen kurzweilig für meine Begleiter, die etwas lernen und ihren Horizont erweitern wollten. Auch Timur aus Hamburg, der ursprünglich aus der Ukraine stammt, war sehr wissbegierig und interessiert bei der Sache. Der durchschnittliche Kochtopfmykologe hätte durchaus zu tun gehabt, eine zufriedenstellende Mahlzeit zusammen zu bekommen. Am häufigsten gab es noch Maronen – Röhrlinge in allen Qualitäts – Stufen. Aber auch einige schöne Pfifferlinge, mal eine Ziegenlippe, verschiedene Vertreter aus der Gattung der Riesenschirmpilze, Täublinge und Milchlinge waren mit dabei. Insgesamt konnte ich knapp 60 Arten notieren und einige auch fotografieren. Nach etwa dreieinhalb Stunden hatten wir unsere Runde abgeschlossen und unsere Wege trennten sich wieder.

Die für mich interessantesten Pilze der heutigen Exkursion im Wald bei Hasenhäge waren diese Nadelholzbewohner. Sie gehören in den Formenkreis des Gift – Häublings. Mich störte der unberingte Stiel und das fehlen der silbrig – glänzenden Natterung auf selbigem. Es könnte sich um den Braunfüßigen Häubling (Galerina badipes) handeln. Es soll aber auch noch eine G. subbadipes geben. Auch stimmen die wenigen Bilder dieser Art, die im Netz herum geistern, augenscheinlich nicht mit dieser Kollektion über ein. Ich finde aber, der Name ist hier Programm.13.10.2021.

Auf der Rückfahrt statteten Christian und meine Wenigkeit noch zwei Edel – Reizker Stellen einen Besuch ab. Christian kannte diesen delikaten Speisepilz noch nicht und lernte ihn heute ausgiebig kennen. Dabei hatten wir auch die Ehre, dem Pilz des Jahres 2021 in zahlreichen Exemplaren zu begegnen. Christian war begeistert, über diesen wunderschönen Ritterling.

Pilz des Jahres 2021 ist der Grünling (Tricholoma equestre). Standortfoto am 13.Oktober 2021 im Kaarzer Holz.

Noch kurz zur Wetterentwicklung: am Nachmittag zogen immer mehr Wolken auf und verdichteten sich. Sie gehören zu einer Warmfront, die im Verlauf etwas Regen brachte. Vor allem aber etwas mildere Luft, so dass wir in der kommenden Nacht weit entfernt von negativen Temperaturen sein werden. Inzwischen scheint auch gesichert zu sein, dass es in der kommenden Woche mit den Temperaturen deutlich bergauf gehen soll.

Und hier zwei bildschöne Glückspilze am Standort im Kaarzer Holz fotografiert. Das linke Exemplar machte sich energisch Luft und schob das Moospolster zur Seite. Dabei verlor es auch einen Teil seiner Hüllflocken. Das erklärt, warum Fliegenpilze (Amanita muscaria) mitunter ohne „weiße Punkte“ anzutreffen sind.

Frau Dr. Schmidt zusammen mit dem Bützower Pilzsachverständigen Klaus Warning während einer Kartierungsexkursion im Warnow – Durchbruchstal bei Groß Raden/Sternberger Burg am 10.10.2010.

Donnerstag, 14. Oktober – Am Dienstag Abend erreichte mich eine traurige Nachricht. Die langjährige Bezirks- und Landespilzsachverständige, Frau Dr. Ingeborg Schmidt, ist am vergangenen Wochenende im Alter von 91 Jahren im Kreise ihrer Familie in Stralsund verstorben. Ingeborg Schmidt promovierte zum Thema Marine Pilze, kommt also eher über die wissenschaftliche Schiene zur volkstümlichen Pilzberatung und Aufklärung. Marine Pilze sind offensichtlich ein äußerst interessantes Gebiet der Naturwissenschaften und gelten in der blauen Biotechnologie als besondere Perle. In unseren Weltmeeren soll es mehrere Millionen Arten von „Wasserpilzen“ geben. Sie haben bereits eine große Rolle in der medizinischen Forschung (Arzneimittel) gespielt und werden in Zukunft wohl noch eine größere Bedeutung erlangen. Frau Dr. Schmidt war in der Vorwendezeit die Bezirks – Pilzsachverständige an der Ostsee, also im damaligen Bezirk Rostock. Nach der Wende, als das DDR – System der Pilzberatung- und Aufklärung, wie so vieles im Osten, abgewickelt wurde, setzte sie sich energisch bei den neuen Landesbediensteten für den Erhalt b. z. w. dem Neuaufbau in unserem Bundesland ein. Im Jahre 1994 trugen ihre Bemühungen Früchte und die Pilzberatung ist seit dem wieder als öffentliche Gesundheitsaufgabe in Form von ehrenamtlicher Tätigkeit im Sozialministerium verankert. Übrigens als einziges Bundesland! Sie ist dem Landesgesundheitsamt (LaGus) angegliedert. Zusammen mit Frau Brigitte Schurig bekam sie eine Planstelle als Landespilzsachverständige, die alle Aufgaben und Belange der Pilzberater in unserem Bundesland koordinierten. Für ihre Verdienste erhielt sie aus den Händen unseres  früheren Ministerpräsidenten Harald Ringsdorf das Bundesverdienstkreuz. Als der Steinpilz Wismar im Jahre 2003 an den Start ging, besuchte Sie uns wenig später im Rahmen einer unserer Weihnachtsfeiern zusammen mit ihrem Mann. Sehr gerne erinnere ich mich an viele gemeinsame Tagungen und Exkursionen, an die Weiterbildungen zu DDR – Zeiten oder auch nach der Wende. Das es den Steinpilz – Wismar überhaupt geben konnte, ist schließlich auch ihrem Engagement zu danken.

Der Steinpilz – Wismar wird ihr Gedenken in Ehren halten!

Fundauswertung während einer Fachtagung in Plau am See. Dr. Ingeborg Schmidt ganz rechts. In der Mitte Frau Brigitte Schurig.

Wehe dem, der heute nicht gut beschirmt war. Unterricht im Wald stand wieder auf dem Programm. Am Dienstag bei strahlendem Sonnenschein, heute bei dicken Regentropfen.

Freitag, 15. Oktober – Das war sehr unpraktisch, was das Wetter heute mit uns vor hatte. Es schickte von Nordwesten eine Kaltfront nach Norddeutschland. Dazu gehörig ein kräftiges Regenband, das Mecklenburg am Vormittag überquerte. Genau während der Zeit, als ich zu einer weiteren Pilzwanderung mit Schülern einer 4. Klasse der Schule am Rietberg in Steinhausen – Neuburg unterwegs war. Kaum betraten wir den Wald, öffnete der Himmel seine Schleusen. Kaum hatten wir am späten Vormittag das Schulgebäude erreicht, drehte er seine Duschvorrichtung wieder ab. Das war dann mal Waldbaden pur! Aber nicht der Erholungsaspekt sollte heute im Vordergrund stehen, sondern es war lernen in freier Natur angesagt. Unterricht einmal anders. Macht auch viel mehr Spaß, als nur auf der Schulbank im Klassenzimmer zu sitzen. Und diesen Mehrwert konnte selbst der Regen kaum stören. Die Schüler waren trotz allem mit Begeisterung dabei. „Herr Krakow, was habe ich hier? Ist der essbar oder giftig?, ertönte es fast im Sekundentakt und aus allen Richtungen des Waldes. Viele Pilze durchaus essbar, aber ungenießbare und leicht giftige Arten waren auch immer wieder mit dabei. Am häufigsten landeten Süßliche Milchlinge, Horngraue Rüblinge und Zitronen – Täublinge in den Körben der Kinder. Aber auch die eine oder andere Marone war dabei. Am beeindruckensten waren Pilze mit ganz besonderen Düften. So der Langstielige Knoblauchschwindling, der Gurkenschnitzling, der Mehlpilz oder der Grüne Anis – Trichterling. Ich demonstrierte das Küken einer Stinkmorchel in seinem Hexenei oder die „Puffpilze“ mit ihren Sporenwolken.

Der Gurkenschnitzling (Macrocystidea cucumis) ist an seinem markanten Geruch und seiner düsteren Erscheinung leicht zu erkennen. Die Schülerin, die ihn fand, meinte, er rieche wie frische Gurken mit Zucker. 15.10.2021 in der Forst Farpen bei Neuburg.

Nach dem Mittag breiteten alle Schüler ihre Fundstücke auf den jeweiligen Sitzplätzen vor sich aus und ich erläuterte nochmals die wichtigsten Arten und wies natürlich auch auf die Bedeutung der Pilze im Gefüge der Natur hin. Sehr wichtig, auch schon im jungen Alter darüber nachzudecken und über den Tellerrand hinaus zu blicken. 

Jeder Schüler breitete seine Fundstücke vor sich auf der Schulbank aus. Essbare Pilze durften mit nach hause genommen werden.

Noch kurz zur Wetterentwicklung. Am Wochenende beruhigt sich das Wetter unter Zwischenhocheinfluss. Schön im Sinne von sonnig wird es bei uns im Norden allerdings nicht. Tiefausläufer streifen uns immer wieder mit etwas Regen. Sie führen im laufe der kommenden Woche immer mildere Luftmassen heran, so dass es am Mittwoch tatsächlich noch mal zwischen 15 und 20 Grad warm werden könnte. Dann dreht aber der Atlantik so richtig auf und selbst ein ausgewachsener Herbststurm könnte uns blühen. Dabei kann zeitweise auch wieder deutlich kältere Luft herum geholt werden. Je nach dem, wie stark die Tiefs tatsächlich werden können, sind dann selbst im Flachland schon mal erste nasse Schneeflocken möglich.

Im Park vor der Schule entdeckten die Kinder diese frischen Egerlinge. Leider war die Freude verfrüht, denn es handelte sich um giftige Karbol – Champignons (Agaricus xanthodermus). 15.10.2021 Neuburg.

Unverwechselbare Klebrige Helmlinge (Mycena vulgaris) machen sich als Bodendecker unter Fichten bei Perniek breit. Unverkennbar wegen des Standortes, den bogigen Lamellen und dem klebrigen Stiel, den man kaum fassen kann, ohne das einem der Pilz nicht gleich wieder aus den Fingern schlüpft. Eigenartiger Weise gibt es bisher nur wenige Nachweise dieses Helmling für M-V. 16.10.2021.

Sonnabend, 16. Oktober – Heute Mittag wurde der Monat geteilt. Wir haben den halben Oktober hinter uns. Was hat er uns bisher gebracht? Frischpilzwachstum auf Sparflamme. Der Herbstaspekt endet nun endgültig und wir gehen in den Spätherbst. Dieser schleicht sich allmählich immer mehr ein. Nebelkappen sind inzwischen recht zahlreich vertreten Fuchsige Röteltrichterlinge gibt es bereits seit Wochen in Massen. Violette Rötel – Ritterlinge habe ich noch keine gesehen. Hallimasch dümpelt  weiterhin lustlos vor sich hin. Röhrlinge werden nun ohnehin seltener und artenärmer. Dadurch, dass es bereits zum Ende des Hochsommers richtig loslegte, durch die immer häufigeren Regenfälle, hat sich Gelassenheit an der Pilzfront breit gemacht.

Dunkelscheibige Fälblinge (Hebeloma mesophaeum) wie aus dem Bilderbuch. Ungenießbar. 16.10.2021 am Kiestagebau Perniek.

Große Freude haben mir auch diese Schirmlinge bereitet. Der Fleischrötliche Schirmpilz (Lepiota helveola) dürfte hier zu Sehen sein. Er zählt zu den selteneren Schirmlingen, scheint aber in diesem Jahr etwas häufiger vorzukommen. Tödlich giftig!

An diesem Wochenende standen eigentlich die Tage der Pilze in Rehna auf dem Programm. Der Pilzverein Heinrich Sternberg e. V. entschloss sich jedoch wegen der immer noch angespannten Corona – Lage und den damit verbundenen Auflagen diese Veranstaltung ein weiteres mal abzusagen. So habe oder hätte ich dieses Wochenende eigentlich frei. Frei machte ich mich heute tatsächlich von der Anwesenheit im Info – Zentrum. Es gab also nicht die obligatorische Sprechstunde eines jeden Sonnabends zwischen 16.00 und 18.00 Uhr. So konnte ich ohne Zeitdruck zu einer Exkursion in den Wald fahren. Und da ich mir das allgemeine Gedümpel in den meisten Wäldern nicht antun wollte, entschloss ich mich nochmals in ein märchenhaftes Pilzparadies zu begeben. Spezielle Bereiche um den Kiestagebau bei Perniek. Fichten und Kiefern auf grobsandigen Kalkböden.

Kuhmaul (Gomphidius glutinosus) am 16.10.2021 unter Fichte bei Perniek.

Amiant – Körnchenschirmling (Cystoderma amianthinum). Essbar, aber mit starkem, unangenehmen Geruch. 16.10.2021 Perniek.

Was mir hier auch heute wieder geboten wurde, sucht man im allgemeinen vergebens außerhalb der natürlichen Fichtenvorkommen der Bergregionen. Hier bedaure ich zu tiefst, dass ich kein wirklicher Mykologe bin, sondern doch eher nur ein simpler Pilzberater. Aber dennoch versuche ich ein klein wenig von dem zu bestimmen, was hier in unglaublicher Menge und Vielfalt den Waldboden bedeckt. Anders kann man es wirklich nicht ausdrücken. Immer wenn ich mich hinkniete oder oft auch hinlegte, um Bilder für diese Homepage zu machen, entdeckte ich erst, was hier eigentlich abgeht. Es ist wirklich kaum mal ein Zentimeter Waldboden pilzfrei. Vom winzigsten Helmling bis hin zu den üppigen und überall herum stehenden Reizkern, mit denen ich auch heute wieder meinen großen Weidenkorb füllte.

Das hat sich wieder mal gelohnt. 16. Oktober 2021.

Bärtige Ritterlinge (Tricholoma vaccinum) in großen Mengen. Ein im Flachland eher seltener Ritterling. Kein Speisepilz. 16.10.2021 Nadelforst bei Perniek.

Und natürlich viele, viele andere Arten! Ein echter Mykologe könnte hier von morgens bis abends und Tag täglich neues und interessantes entdecken. Und dabei am besten auf allen Vieren kriechend das Revier erforschend. Kein Wunder, dass mir mitleidige Gedanken an die meisten Pilzsucher kommen, die nur ein Blick für langweilige Butterpilze haben. Unglaublich auch, wie viele Arten sich hier den Lebensraum teilen. Und endlich auch, nach dem ich es bereits seit dem letzten Jahr vermutet habe, zeigte sich heute auch mal der Chef. Der Chef, so heißt der Steinpilz für mich seit meiner Jugend. Eben der Herrenpilz! Rote Fliegenpilze und Pfefferröhrlinge ließen es erwarten. Nun ist dieses Gebiet aber keineswegs ein Revier, um auf Steinpilz – Suche zu gehen. Fichtennadelstreu lässt zwar den Oberboden versauern, aber der Steinpilz wird auf diesem basischen Untergrund immer die Ausnahme bleiben. Es war ein Fest! Ich weilte im Paradies! 

Fichten Steinpilz (Boletus edulis). Unter den Fichten bei Perniek am 16.10.2021.

Zum Vergleich: links ein Maronen – Röhrling (Xerocomus badius), rechts eine Ziegenlippe (Xerocomus subtomentosus). 17.10.2021 im Holmer Wald.

Sonntag, 17. Oktober – Heute war ich mit einem Familienverband + Freundeskreis zu einer individuellen Pilzwanderung verabredet. In einem etwas kleineren Rahmen waren wir bereits im letzten Herbst gemeinsam unterwegs. Gegen 11.00 Uhr trafen wir uns auf dem Parkplatz am Luisenhof, an dem der Holmer Wald als unserer Zielgebiet grenzt. Da die Pilzinteressierten aus Lübeck anreisten, bietet sich dieses sandige Wald- und Forstrevier auf halber Strecke zwischen unseren beiden Hansestädten bestens an. Nach kurzer Begrüßung und einigen einführenden Worten meinerseits, starteten wir zu einer gut 3 – stündigen Lehrwanderung. Vom Baby bis fast schon Greisenalter (ich) war es heute ein Generationsübergreifendes Unternehmen.

Im Holmer Wald am 17. Oktober 2021.

Der wunderschöne Blutblättrige Hautkopf (Cortinarius seminsanguineus) war heute besonders bei den Kindern beliebt. Leider durfte er nicht in den Korb zu den Speisepilzen. 17.10.2021 im Holmer Wald.

Das es im Holmer Wald an Frischpilzen mangelte kann man wirklich nicht behaupten. Aber wie gut, dass ein Fachmann dabei war, denn etwa 80 % der am Ende in den Körben befindlichen Ausbeute wäre garantiert im Wald geblieben. Die restlichen 20 % setzten sich aus teils wunderbar frischen Maronen – Röhrlingen und wenigen Ziegenlippen und Rotfüßchen zusammen. Der Überwiegende Teil bestand aus Fuchsigen Rötel – Trichterlingen, Horngrauen Rüblingen, Rehbraunen Dachpilzen, verschiedenen, braunen Milchlingen, einigen milden Täublingen und sehr schönen Frost – Raslingen zusammen. Natürlich auch noch einigen anderen Arten, wie beispielsweise junge Flaschen – Stäublinge. Zusammen mit den Klassikern ergab das Ganze am Ende hoffentlich für jede Familie ein herzhaftes Abendbrot unter dem Motto „Aus deutschen Wäldern frisch auf den Tisch“.

Die Nebelkappen (Clitocybe nebularis) blieben im Wald stehen. Standortfoto am 17.10.2021 im Holmer Wald.

Dieser junge Fliegenpilz (Amanita muscaria) wirkte auf den ersten Blick wie eine Tomate. Beim durchschieben durch das Moos verlor er bereits einen Großteil seiner weißen Hüllreste. 17.10.2021 im Holmer Wald.

Das Wetter zeigte sich jedoch nicht gerade von seiner freundlichsten Seite. Gelegentlich regnete es sogar ein wenig. Regen wird auch in der kommenden Woche fast der tägliche Begleiter sein. Zunächst nur gelegentlich und auch nicht die großen Mengen, aber zum Donnerstag kann es doch kräftiger Schütten. Und nicht nur das, es kann auch sehr windig werden. Selbst ein ausgewachsener Herbststurm ist möglich. Auf der Vorderseite des stürmischen Tiefdruck – Komplexes über dem Atlantik und Skandinavien wird bis Mitte der Woche immer mildere, am Mittwoch sogar warme Luft ins Land geweht. Auf der Rückseite flutet dann eine ganz andere Luftmasse das Land. Polarluft aus dem hohen Norden. Ausgerechnet am kommenden Wochenende erleben wir den Tiefpunkt der Temperaturen und des Nachts kann es sogar leicht frostig werden. In starken Schauern kann dann auch schon mal ein einzelnes Schneeflöckchen, Weißröckchen oder etwas Graupel dabei sein. Wir müssen uns also zum Pilzwochenende in den Pfifferlingstannen warm anziehen. 

Ganz wunderbar frisch zeigten sich diese Büschel – Raslinge (Lyophyllum decastes). Der Formenkreis dieser braunen Raslinge (Frost – Rasling, Büschel – Rasling, Gepanzerter Rasling) wurde früher unter der wissenschaftlichen Bezeichnung L. aggregatum zusammengefasst geführt. Sehr sinnvoll, da die unterschiedlichen Rassen mit ihren hellbräunlichen bis fast schwarzen Hüten kaum makroskopisch zueinander abgrenzbar sind. Bis auf den Weißen Rasling handelt es sich um ausgezeichnete Speisepilze. 17.10.2021 im Holmer Wald.