Wetter/Pilze Juli 2022

Wetterentwicklung und Pilze in Mecklenburg

Tagebuch Wetter und Pilze im Juli 2022

Mit dieser künstlerischen Arbeit auf Ganoderma lipsiense möchte ich das Juli – Tagebuch eröffnen. Angefertigt hat sie unsere Pilzfreundin Catrin aus Katelbogen.

Phillip Müller sandte mir gestern dieses Bild zu. Er konnte tatsächlich schon zwei Riesen – Champignons (Agaricus augustus) entdecken.

Freitag, 01. Juli – Mit einem regnerischen Tag starteten wir in den Hochsommer, welcher den Sommer – Aspekt an der Pilzfront darstellt. Am 13. des Monats, um 20.37 Uhr, ist Vollmond. Der Mond nimmt also zu und somit soll das Pilzwachstum auch wieder zulegen, so die Mondgläubigen unter uns. Aber ohne Wasser funktioniert das nicht. Und Wasser hat es seit dem Wochenende tatsächlich gegeben, wenn auch höchst differenziert, wie so oft bei konvektiven Wetterlagen. Auch die heutigen Niederschläge waren vor allem konvektiver Natur, weshalb die tatsächlich flächig aufgetretenen Regenfälle wieder sehr ungerecht verteilt wurden. Die 8 Liter, die ich gegen 18.00 Uhr in meinem Messbecher in der Altstadt vorfand, können wir eher als Witz ansehen. Das wird kaum etwas bewirken. Aber dort, wo beispielsweise am Wochenende schon höhere Regensummer dabei waren und nun möglicherweise auch noch mal nennenswertes dazu kam, kann man getrost die Uhr stellen. Wobei es sicher nur ausgewählte Bereiche geben dürfte, wo sich tatsächlich ein leichter bis mäßiger Schub von Sommerpilzen entfalten könnte. Vielleicht wird dann mal ein Körbchen mit Champignons, Sommersteinpilzen oder Hexen – Röhrlingen drin sein. Der Kenner kann sich auf einige Edel – Täublinge freuen. Freunde von Pfifferlingen soll es ja auch nicht wenige geben. Die brauchen sich wohl kaum große Hoffnungen machen. Die Nachfolgewitterung scheint diesbezüglich nicht optimal zu werden.

Ein Gewitter wird von der Morgensonne angestrahlt. Es zog über den Lübecker Raum, mit Streifschuss im äußersten Nordwestmecklenburg, auf die Ostsee hinaus. Weitere, meist leichte Gewitter sollten folgen. Schwergewitter gab es später im äußersten Vorpommern.

Am Wochenende wird es nochmal richtig warm, aber dann soll es sich schrittweise abkühlen. Zwischen Hochdruck über den britischen Inseln bis zu den Azoren und einem Tief über Nordosteuropa dreht die Anströmung auf Nordwest. Kühle Subpolarluft von der Nordsee übernimmt das Zepter. Das bedeutet oft viele Wolken, wenig Regen und alles andere als hochsommerlich. Das ist nichts halbes und nichts ganzes. Zeitweise könnte es sogar windig werden. Weder uns Pilzfreunden, noch den Urlaubern dürfte eine solche Witterung gefallen. Dazu deutet sich im weiteren Verlauf sogar eine blockierende Omega – Wetterlage an. Dann rückt Regen in weite Ferne! Ob in diesem Zusammenhang die sich dann über Südwesteuropa aufbauende Extrem – Hitze auch zu uns gelangen könnte, hängt ganz davon ab, was das Omega vor hat. Ein wenig Hoffnung für etwas Regen besteht zumindest in nächster Zeit noch für den Nordosten Deutschlands, da wir näher an dem Tiefkomplex dran sind. So rechnet das Super – HD beispielsweise am Sonntag Abend mit einigen kräftigen Gewittern, speziell auch in Mecklenburg – Vorpommern. In der nächsten Woche könnten zumindest schwache Schauer oder etwas Regen durchziehen. Aber schon wieder zu viel spekulatives. Bleiben wir bei den Fakten und diese erlauben uns etwas Optimismus. Wir werden in den nächsten 14 Tagen schon öfter mal wieder den einen oder anderen Frischpilz zu Gesicht bekommen. Die Weichen für einen pilzreichen Sommeraspekt wurden für Mecklenburg aber keinesfalls gestellt.  

Catrin konnte unterdessen ihren Horizont erweitern und den Kiefern – Braunporling (Phaeolus schweintzii) in ihren Gesichtskreis aufnehmen. Ich glaube Mecklenburg – Vorpommern bekommt bald eine kompetente Pilzsachverständige hinzu.

Hier noch die möglichen, akkumulierten Regenmengen für Wismar bis zum 16. Juli – 2.00 Uhr nach dem ECMWF: minimal 13,3 l/qm, maximal 63,3 l/qm und im Mittel 30,7 Liter.


Heute besuchte mich eine nette Dame vom Pilzverein Stuttgart. Wir unterhielten uns längere Zeit sehr angeregt über die Zukunft der Hobby – Mykologen und Pilzberater in Deutschland und natürlich auch über unsere Lieblinge. Ihre Spezialstrecke ist die wissenschaftliche Erforschung (Kartierung) von Porlingen und Schichtpilzen in den Südwestdeutschen Wäldern und sie hält u. a. Kontakt zu solchen Größen wir dem Asco – Experten Hans – Otto Baral oder auch zu Björn Wergen, von der Schwarzwälder Pilzlehrschau. http://www.pilzfreun.de Wurzelschwamm (Heterobasidion annosum) an Fichtenstubben am 30.06.2022 im Wald westlich Püttelkow.

 

Sonnabend, 02. Juli – Ab gestern flatterte mir wieder die Ostsee – Zeitung in meinen Postkasten. Ich hatte das Abo ab Anfang des Jahres ruhen lassen, um mein Haushalts – Konto etwas zu entlasten. Schließlich hatte sich Irena privat, wie auch aus der Gruppe der Pilzfreunde, verabschiedet. Ihre tatkräftige Unterstützung wird in Zukunft fehlen. Außerdem musste ich noch über 1.350.00 € dem Job – Center zurück zahlen, weil ich mich vor Jahren erdreistet habe, drei Positionen aus dem stärkeren 2. Halbjahr, in das schwächere 1. Halbjahr des Folgejahres zu verrechnen, um meine Verpflichtungen auch im Winter und Frühling bedienen zu können. Ansonsten wird mir, bis auf einen kleineren Betrag, der Gewinn mit den ALG II – Aufstocker – Leistungen jeweils halbjährig verrechnet und gegebenenfalls überschüssiges abgezogen. Darauf hin wurden mir alle Leistungen des damaligen 2. Halbjahres in Rechnung gestellt. 6 Monate um sonst gearbeitet! Wie ich meinen Geschäftsraum unterhalten kann und privat klar komme, interessiert nicht. Gesetz ist Gesetz und dort ist so etwas, wie es dieser Querkopf aus Wismar veranstaltet, einfach nicht vorgesehen. Es ging bis vor Gericht und es lief auf einen Vergleich hinaus. Ansonsten wären  gut 2.700.00 € fällig gewesen. Selbst der Richter fand eine derartige Handhabung des Gesetzgebers befremdlich und ermutigte uns (Meinen Anwalt und mich) diese Praxis zu beklagen. Es laufen mittlerweile zwei Klageverfahren gegen das Job – Center. So hatte ich Ende des Jahres einen Weiterbewilligungsantrag für 12 Monate gestellt. Natürlich für jeweils 6 Monate, weil es keine anderen Vordrucke gibt. Bewilligt wurden wieder nur 6 Monate. Widerspruch und Gegen – Widerspruch folgten, eine weitere Klage wurde fällig. Nun hat das 2. Halbjahr begonnen, aber eine Bewilligung liegt bis heute nicht vor. Immerhin hatte sich die Sachbearbeiterin vor 2 Tagen bei mir gemeldet, ich solle nochmals einen Weiterbewilligungsantrag stellen. Das ist unsere deutsche Bürokratie!

Unförmiger Weichporling (Sketetocutis amorpha). Eine recht häufige und markante Art an totem Kiefernholz. 30.06.2022 im Wald westlich Püttelkow.

Echter Hausschwamm (Serpula lacrimans) – Pilz des Jahres 2004. Die Abbildung habe ich Michael – Hennig – Kreisel „Handbuch für Pilzfreunde, Bd. 1, entnommen. Wann hat man schon mal die Möglichkeit, diesem Pilz in natura zu begegnen. Und er dürfte sogar immer seltener werden. Nicht das er noch auf die Rote Liste der vom Aussterben bedrohten Arten gelangt. Vielleicht sollte man das befallene Gebäude der Musikschule unter Naturschutz, statt unter Denkmalsschutz stellen!?

Aber ich verfalle schon wieder in Gemecker. Hatte ich mich vor Zeiten nicht schon selbst zur Besserung ermahnt? Auf jeden Fall stach mir im Lokalteil der OZ ein größerer Bericht ins Auge, der mit dem Pilz des Jahres 2004 zusammen hängt. Er hat die Wismarer Musikschule befallen. Zumindest das Obergeschoss, so dass es ab sofort nicht mehr genutzt werden darf. Hier hat der Hausschwamm, als Folge des 2. Weltkrieges, um sich gegriffen. Damals hatte das historische Gebäude am Turnplatz Zerstörungen abbekommen und diese wurden zwar behoben, aber es hatte sich Feuchtigkeit in dem alten Gebälk breit gemacht. Damals hatte man sicher andere Probleme, als darüber nachzudenken, so zu Sanieren, dass Serpula lacrimans keine Chance hat, den Naturstoff Bauholz mit Braunfäule auszustatten und „Fettlebe“ zu betreiben. Das Schadensbild kennen wir ja alle, wenn wir mit offenen Augen durch Wald und Flur laufen. Auch der Schwefelporling löst Braunfäule aus. Das Holz wird braun, leicht und löst sich in Würfel auf (Würfelfäule). Klar, dass hier jeder damit rechnen muss, schneller wieder in der unteren Etage zu landen, als er empor gestiegen war. Hoffentlich hat mein Jugendfreund Ingo nun nicht seinen Lehrraum verloren, denn er gibt hier Gitarren – Unterricht. Ende Juli wollen wir zum Konzert unserer Lieblings Metal – Band „Judas Priest“ nach Halle an der Saale fahren. Nicht das ihm dann das nötige Kleingeld fehlt! Ingo ist auch Kopf der Wismarer Schwer – Metaller „Pride ’n Rock“.

Eine der ersten Pilzarten, die wir am Mittwoch im Wald bei Püttelkow entdecken konnten, waren diese wunderbaren Vielgestaltigen Kohlenbeeren (Hypoxylon multiforme) an einem toten Birkenstamm. Für die Ernährung ohne Bedeutung.

Ein anderes Thema, welches in der OZ diskutiert wurde, war die Möwenplage in den Küstenorten. Insbesondere an den Häfen mit ihren Fischständen und dem Kutterverkauf. Die Möwen werden immer frecher und stehlen den Leuten die besten Happen gleich im Sturzflug aus der Hand. Tatsächlich haben die Möwen in den letzten Jahren immer mehr Zuwachs bekommen. Hatte ich doch gerade kürzlich meine Fenster zu hause geputzt, keinen Tag später waren sie bereits wieder beschissen! Ich bin kein Freund von Waffen, aber manchmal habe ich wirklich Lust, hier mal ein Preisschießen zu veranstalten. Auch ihr Gekreische und Gelächter ist fast Tag und Nacht zu hören. Die Zunahme ist sicher auch unserem Wohlstandsmüll geschuldet. Die Populationen können sich prächtig entwickeln und die Vögel sind nicht dumm, lernen schnell, wie und wo sie an die besten Happen kommen können und haben die Scheu vor dem Menschen verloren.

Dieses Bild habe ich vor wenigen Tagen an der Wismarer Mühlengrube aufgenommen. Die Möwe macht sich an einem Gelben Sack zu schaffen und ließ sich von ihrem Vorhaben nicht beirren. Sie ignorierte mich, ich stand direkt neben ihr.

Noch kurz zur Wetterentwicklung.  Der gestrige, etwas unterkühlte, regnerische und frühherbstliche Eindruck beim Wetter war heute schon wieder vergessen. Es war überwiegend sonnig und auch wieder angenehm warm. Noch etwas wärmer kann es morgen werden, bevor am Nachmittag und Abend zunehmend Schauer und Gewitter aufkommen. Diese werden wohl in erster Linie schöne Himmelsmotive liefern, viel Regen sollen sie jedoch nicht im Gepäck haben. Allenfalls mal eine kurze Dusche mit viel Wind oder auch mal kleinerem Hagel. Auch an den Folgetagen kann es immer mal unbedeutend regnen, bei stätig zurück gehenden Temperuren. Etwas mehr regnen könnte es aus heutiger Sicht am Donnerstag. Dann kann ein Skandinavien – Tief stärkeren Einfluss auf unser Wetter ausüben und schauerartige Regenfälle nach Deutschland schicken. Ob es in der weiteren Entwicklung trocken und zunehmend wärmer weitergeht, oder ob es doch wechselhafter mit Regenfällen wird, steht noch nicht fest. Auch Hitze könnte Mitte Juli wieder ein Thema werden.

Purpurrot wurden die Wolken gestern Abend von der untergehenden Sonne in Szene gesetzt.

Hier noch die möglichen, akkumulierten Regenmengen für Wismar nach dem ECMWF bis zum 17. Juli 2022 – 2.00 Uhr: minimal 6,4 l/qm, maximal 46,5 l/qm und im Mittel 21,6 Liter.


Hinter dem Lacktrichterling sehen wir Christopher Engelhardt. Wir schreiben den 23.10.2011 und befinden uns im Wald bei Kneese. Es war eine Vereinsexkursion, die auch recht gut besucht und pilzreich war.

 

Sonntag, 03. Juli – Heute bin ich in die Hansestadt Lübeck gefahren. Natürlich mit dem 9 Euro – Ticket. Mit dem Zug bis Bad Kleinen. War OK und der Zug auch nicht voll. Von Bad Kleinen bis Lübeck wurde es jedoch recht eng, ich konnte aber noch einen Sitzplatz ergattern. Wenn man nicht mit überfüllten Zügen und somit auch mit Stress während der Fahrt rechnen müsste, könnte man diese Gelegenheit auch nutzen, um in interessante Regionen innerhalb Deutschlands zu fahren. Interessant natürlich zu erst im Hinblick auf entsprechende Pilzreviere. Pilze standen nicht nur im Mittelpunkt meines kleinen Abstechers nach Schleswig – Holstein. Auch Flechten, Wildbienen und Vögel. Und in welchem Zusammenhang? Chris Engelhardt feierte kürzlich seinen 65. Geburtstag und hatte zu einer gemeinsamen Feier einige seiner Weggefährten eingeladen, die mit ihm in den zurückliegenden Jahren auf naturkundlichen Expeditionen und Exkursionen unterwegs waren. So gereichte auch mir die Ehre einer Einladung. Es gab Kaffee und Kuchen und danach kleinere Vorträge zu jeweils etwa 20 Minuten über die oben erwähnten Themenbereiche. Ich hatte einen Beamer – Vortrag zum Thema „Gemeinsame Wanderungen und Exkursionen“ vorbereitet. Gleich zu Beginn meiner Präsentation stellte Chris die Frage an mich, wann er denn zum ersten mal mit den Wismarer Pilzfreunden unterwegs gewesen sein mochte? Das konnte sogleich mit dem ersten Bild beantwortet werden. Am 23. Oktober diesen Jahres werden es genau 12 Jahre sein. Wir doch die Zeit vergeht! Im Anschluss lud Chris alle seine Gäste zum Abendessen in das Taj Mahal ein. Das erste mal, dass ich indisch Essen war, sicher nicht das letzte mal.

Chris am 10.10.2015 im Brümmersal. „Da haben wir sie doch, die Fichtenkoralle!“ Aber meist ist es nicht so einfach und das Mikroskop muss befragt werden. So manchem Geheimnis konnte er für uns im nachhinein auf die Schliche kommen. Lieber Chris, alles Gute für die nächsten 65!

So hatte Chris unsere Vermutung im Feld nochmals mikroskopisch abgesichert. Auch wenn diese Art recht markant ist, in der Gattung Conocybe läuft ohne Mikroskop meist nicht viel. Der giftverdächtige Pilz wird auch gerne in die Gattung Pholiotina gestellt. 21.04.21 – Mittwochsexkursion bei Hohen Wieschendorf.

Und wie entwickelte sich das Wetter? Es war im wesentlichen schön und sommerlich warm. Wie schon erwartet, bildeten sich im laufe des Tages immer mehr hochreichende Quellwolken und bereits am Nachmittag gab es vereinzelt stärkere Regengüsse. Besonders um Schwerin herum und bis Wismar hoch regnete es vorübergehen kräftig. Davon habe ich in Bad Schwartau natürlich nichts mitbekommen, aber während der Rückfahrt musste ich wieder in Bad Kleinen umsteigen und hatte noch eine halbe Stunde Aufenthalt. So schlenderte ich noch einen Moment durch den Ort bis zur angrenzenden Haushalt Forst. Mir fiel auf, dass der Boden entlang der Straße richtig feucht, ja völlig durchnässt war. Am Montag (ich schrieb diesen Eintrag einen Tag später) waren Pilzfreunde von der Insel Poel kurz zu Besuch im Laden. Sie haben ihren Kleingarten jedoch in Groß Stieten, zwischen Wismar und Bad Kleinen. Sie freuten sich sehr über den gestrigen Regen. „Endlich hat es in unserem Garten mal richtig geregnet“, so ihre Worte. Nun, dass waren leider wieder nur lokale Ereignisse. Spät Abends zogen zwar noch einige Gewitterschauer durch, die aber auch nur punktuell eine kurze Dusche im Gepäck hatten. Besser bedient wurden da mal wieder die östlicheren Landesteile, von der Müritz – Region bis nach Vorpommern. Hier zogen umfangreichere Regen- und Gewittercluster durch, die recht flächig beregneten, auch wenn die Mengen, im Verhältnis zur Trockenheit, eher bescheiden waren. Einige Liter dürften es jedoch recht flächig gewesen sein.

Gewitterstimmung heute Abend am Lübecker Hauptbahnhof.

In meinen Messbecher gelangten in Wismar 4,5 Liter.

Beinahe hätte ich es vergessen. Ich habe Chris natürlich auch ein kleines Präsent mitgebracht. Ganz im Sinne des Steinpilz – Wismar. Inhalt: 20 Motiv – Servietten „Boletus edulis“.

Montag, 04. Juli – Neues von der Pilzfront kann ich kaum vermelden. Werde erst Mittwoch im Rahmen der gleichnamigen Exkursion wieder im Feld, oder besser, im Holz, unterwegs sein. Immerhin hatte Phillip bereits Riesen – Champignons gesichtet. Pilzfreund Andreas Herchenbach informierte mich darüber, dass er im Großherzoglichen Forst Moidentin einige Flockenstielige Hexen – Röhrlinge gefunden habe. Das waren sicher keine Auswirkungen der jüngsten Regenfälle. Diese Dickröhrlinge können mitunter auch noch bei größerer Trockenheit ihre Fruchtkörper ausbilden, starten aber bei den beginnenden Wachstumsschüben meist in vorderster Reihe durch. Und dieses Durchstarten kann im laufe dieser Woche beginnen, in den Regionen, wo es die ergiebigsten Regenfälle gab. Vielleicht könnte diesbezüglich und punktuell auch mal ein nennenswerter Hotspot erfolgen. Meist wird es wohl recht zurückhaltend bis minimalistisch laufen. Immerhin reagieren inzwischen einige Kleinarten. So hat unsere Pilzfreundin Catrin dieser Tage eine ganze Menge Mürblinge im Schlemminer Staatsforst entdecken können.

Dieses Bild sandte mir Catrin Bersek zu. Es dürfte sich um den Lilablättrigen Mürbling (Psathyrella candolleana) handeln, einem mutmaßlich vorzüglich schmeckenden Suppenpilz.

Diesen Egerling fand Catrin in ihrem Garten. Hier würde ich auf den Zweisporigen Egerling oder auch Garten – Egerling (Agaricus bisporus) genannten Champignon tippen.

Und welche Auswirkungen könnte das Wetter in dieser Woche auf den möglichen Wachstumsschub haben? Ich denke, nicht die schlechtesten! Es gibt keine Sonne pur von früh bis spät und somit auch keine Hitze. Die Temperaturen gehen im laufe der Woche sogar noch etwas nach unten und was besonders positiv ist, am Donnerstag schiebt ein Tief verbreitet Regenwolken nach Deutschland herein. Es kann also recht flächig regnen und besonders in eingelagerten Schauern und Gewittern könnte es auch mal kräftiger Schütten. Je weiter noch Osten und Nordosten, um so ergiebiger könnten die Niederschläge sein. Man sollte es aber nicht überbewerten. Wenn 5 – 10 Liter zusammen kommen, wären wir schon gut bedient. Nach Vorpommern kann es aus heutiger Sicht etwas mehr geben. Der Abendlauf des GFS lässt in Richtung Wochenende oder zu Wochenbeginn nochmal Regen aufziehen. Das war in den Vorläufen in dieser Form nicht drin. Als einziger Nachteil könnte sich der Wind erweisen. Er weht wohl die gesamte Woche über recht lebhaft. Wie es dann Mitte Juli weitergeht, steht noch nicht fest. Über Südwesteuropa baut sich wieder eine afrikanische Hitzeglocke auf. Was der Abendlauf des GFS gestern simulierte, war schon recht beeindruckend. Demnach würde sich die Hitze über ganz Deutschland ausbreiten und mehrere Tage anhalten. Am wahrscheinlichsten ist jedoch, dass sie die Südhälfte Deutschland beehren könnte und der Norden in nur mäßig warmer Sommerluft verbleiben würde. Die Hitze wird in den Läufen der letzten Tage immer wieder mal bis zu uns hochgerechnet. Der letzte Lauf von heute Abend sieht es wieder etwas gemäßigter. Demnach würde nur hochsommerlich warme und zunehmend gewitteranfällige Luft nach Mitteleuropa schwämmen. Also, alles noch offen und auf jeden Fall spannend, was der Hochsommer in der nächsten Zeit mit uns vor hat. Ob die Pilzfront mit ähnlicher Spannung aufwarten kann?

Der Zweisporige Champignon (Agaricus bisporus) stellt die Wildform unseres Zuchtchampignons dar. Foto: Catrin Berseck.


Hier noch die möglichen, akkumulierten Regenmengen für Wismar nach dem ECMWF bis zum 19.07.2022 – 2.00 Uhr: minimal 4,5 l/qm, maximal 43,4 l/qm und im Mittel 18,3 Liter.


Catrin schrieb mir, dass sie die künstlerische Ader schon immer besaß, aber auf den frischen Lackporlingen muss man sich besondere Mühe geben. Mit Radieren ist da nichts! Hier zwei weitere Motiv – Arbeiten auf Ganoderma lipsiense.

 

Dienstag, 05. Juli – Bernhard Michels zitiert in seinem Buch „Abendrot – Wetterbot“ folgende Witterungstendenz (Bauernregel): Vom 05. – 11.07. häufig wechselhaftes Westwetter mit kühler Meeresluft und Niederschlägen. Herrscht in Süddeutschland in der Zeit vom 06. – 11. Juli hoher Luftdruck (über 1020 hPa), so werden die Niederschläge bis Mitte August mit großer Wahrscheinlichkeit unter dem Regelwert bleiben“ Betrachten wir uns die gegenwertige Witterung, die für den genannten Zeitraum vorher gesagt wird, so verblüfft doch eine recht gute Übereinstimmung. Zumindest in der Nordosthälfte ist mit kühler Meeresluft und gelegentlichen Niederschlägen zu rechnen, während in der Südwesthälfte der Bundesrepublik eher trockenes, hochdruckgeprägtes Wetter überwiegen soll. Und betrachtet man sich die erweiterte Mittelfrist, die derzeit berechnet wird, stehen tatsächlich bis weit in die Mitte des Juli keine nennenswerten Regenfälle in Aussicht. Ausnahme vielleicht noch die Nacht zum Donnerstag und der Donnerstag selbst. Hier kann es doch noch mal verbreitet regnen, Schauern und Gewittern. Für Mecklenburg werden auf der Fläche 10 – 20 Liter berechnet. Ich denke, bis zu 10 Liter könnte dabei der nächtliche Warmfrontregen des Tiefs bringen, da es sich um ein flächiges Regengebiet handelt. Mit Annäherung der Kaltfront werden die Regenfälle immer konvektiver, gehen also in Schauer und Gewitter über. Die 20 Liter sind dann in punktuellen Schauern möglich. Auf jeden Fall zunächst eine günstige Entwicklung, die dem in dieser Woche beginnendem Frischpilzwachstum in einigen, regentechnisch gut bedienten Regionen, auf die Sprünge helfen sollten. Es kann noch bis zu Beginn der nächsten Woche bei uns im Nordosten einige Schauer geben, da uns immer wieder schwache Tiefausläufer streifen, aber größere Mengen sind bis in die Mittelfrist nicht mehr auszumachen.

Konnte ich kürzlich einen knalligen, purpurroten Sonnenuntergang im Bild festhalten, war gestern Abend die Farbe orange angesagt.

Unsere Vereinsfreundin Monika Timm aus Rostock bat mich gestern um eine Bestimmungshilfe per zugesandter Bilder. Auf einem, im Frühling mit Pferdemist bestückten Gartenbeet, tauchte dieser Pilz auf, den sie zunächst wegen der fleischrötlichen Lamellen für einen Rötling hielt. Tatsächlich handelt es sich um den essbaren Ansehnlichen Scheidling (Volvariella speciosa), der auf organischen Abfällen wächst. Im Spätherbst stehen mitunter ganze Felder mit tausenden dieser Pilze voll.

Im weiteren Verlauf verdichten sich allmählich die Anzeichen auf die vom GFS – Modell bereits seit Tagen gerechneten Hitzewelle. Trockene, afrikanische Hitze macht sich in den nächsten Tagen über Spanien breit und kann sich dort, über den trockenen Böden, immer weiter aufheizen. Sollte es dann über der Atlantikküste austrogen und dadurch das Omega – Hoch nach Osten geschoben werden, wird die Hitze auch bis nach Deutschland verfrachtet. Beim heutigen Morgenlauf des GFS – konnte man sich schon mal die Augen wischen. 44 Grad im Schatten in Nordwestdeutschland! Das gab es noch nie! Der Abendlauf hat wieder etwas zurück gerudert. Dort war eher eine für unsere Breiten ganz normale Hitzewelle bis 35 Grad im Schatten gerechnet worden. Dabei wird auch der Luftdruck abgebaut und es entstehen kleine Hitzetiefs über Europa, die das Potenzial von heftigen Gewittern besitzen. Die Frage scheint nur zu sein, wird auch entsprechend Feuchtigkeit den Weg in die knochentrockene Sahara – Hitze finden. Hier könnte das für die Jahreszeit viel zu warme Mittelmeer (5 Grad wärmer als üblich) die Zutaten liefern. Sollte es in diesem Sommer mal hochreichende Kaltlufteinbrüche über Westeuropa geben, die in das Mittelmeer strömen, könnten wir uns auf einiges gefast machen. Über dem Golf von Genua können sogenannte 5b – Tiefs entstehen und sich richtig mit Wasser vollpumpen. Diese ziehen gerne nach Nordosten (Österreich, Tschechien. Polen und manchmal auch nach Deutschland). Ich erinnere an das katastrophale Oder – Hochwasser im Juli 1997 oder an das spätere Elbe – Hochwasser. Wenn alles passt, kreisen diese Tiefs dann noch über der Ostsee und ziehen erneut jede Menge Wasser. Auch die Ostsee ist für die Jahreszeit ebenfalls viel zu warm. Vor allem die nördlichen Bereiche, da es in Schweden und Finnland in der letzten Zeit viel zu heiß war. So unwetterträchtig diese Tiefs auch sein mögen, sie könnten tatsächlich mal einen echten Grundstein für ein stärkeres Pilzaufkommen liefern. Ansonsten sind die Aussichten zunächst alles andere als optimistisch, auch wenn sich jetzt vorübergehend mal eine gewisse Aufbruchstimmung breit macht.

Und diese wird natürlich durch den in Zunahme begriffenen Mond entsprechend gestützt. Foto von heute Nacht.

Hier noch die möglichen, akkumulierten Regenmengen nach dem ECMWF für Wismar bis zum 20.07.2022 – 2.00 Uhr: im Minimum 9,1 l/qm, maximal 51,8 l/qm und im Mittel 24,6 Liter.


Mein Exkursionsgebiet heute. Der Wald nordöstlich Dreilützow.

 

Mittwoch, 06. Juli – Der Weg führte mich heute in den vierten und damit letzten Quadranten der Topographischen Karte Wittenburg, im Maßstab 1 : 25 000. Viel Wald findet sich in diesem letzten Quadrat leider nicht. Ein kleiner Stiefel nordwestlich Dreilützow. Ein etwas größerer Waldbereich nordöstlich des genannten Ortes, oder aber ein kleines Walddreieck östlich Wölzow. Ich entschied mich für den größten Bereich, nämlich nordöstlich Dreilützow. Nadelforste, teils gemischt mit Laubgehölzen und teils torfmoorartige Birkenbrüche. Sandiger Boden, wie für die Griese Gegend üblich. Geregnet hatte es hier in der letzten Zeit auch, aber ob in den Mengen, wie im nur wenige Kilometer entfernten Wald bei Püttelkow, ist schwer zu sagen. Sind immerhin um die 10 Tage her. Um es gleich vorweg zu nehmen, von einem, auch nur leisesten Aufbruch bezüglich Frischpilzen, war hier nichts zu spüren, sieht man mal von einem fast schon verwelktem Goldmistpilz ab. Also blieb mir nichts weiter über, als mich auf die mehr oder weniger üblichen Holzbewohner zu konzentrieren. Immerhin konnte ich mich diesbezüglich über den Zweifarbigen Knorpelporling freuen, den man gewiss nicht jeden Tag zu Gesicht bekommt. Der Forstbereich ist über weite Strecken ziemlich stark verkrautet. Dennoch dürften für Ortsansässige, die nicht weiter weg fahren möchten, einige Bereiche durchaus hinsichtlich von volkstümlichen Speisepilzen vielversprechend sein. Ein jüngerer Eichenbestand könnte bei günstigerer Witterung einige Pfifferlinge bereit halten und in den Fichtenbereichen, wo der Waldboden im wesentlichen nur mit Moos und Nadelhumus bedeckt ist, gibt es sicher  Maronen – Röhrlinge. Natürlich waren auch einige Stellen dabei, die den einen oder anderen Steinpilz auf den Plan rufen dürften. Im großen und ganzen aber kein Waldgebiet mit großem Empfehlungswert.

Darüber habe ich mich sehr gefreut. An einem trockenen Eichenast wuchs der Zweifarbige Knorpelporling (Gloeoporus dichrous). Er gehört offensichtlich zu den Arten, die sich in der letzten Zeit immer mehr ausgebreitet haben. 

Ein Phytoparasit fiel mir heute immer wieder ins Auge, der Ampferblatt – Rostpilz (Ramularia rubella). Hier sehen wir ihn in seiner häufigen Normalausprägung.

Das Wetter war heute leicht durchwachsen. Recht wolkig und auch ziemlich windig, bei gedämpften Temperaturen. Ab dem späteren Abend zieht nun der angekündigte Regen auf. Immer noch werden für Mecklenburg 10 – 20 Liter erwartet. Schauen wir mal, es könnte für längere Zeit der letzte, nennenswerte Regen sein. Wir werden im Nordosten Deutschlands noch eine Weile in der Nordwestströmung liegen, mit der uns in Staffeln immer wieder frische Subpolarluft erreicht und es ziemlich windig bleiben wird. Ab und an kann es mal einen Schauer gegen, mit meist unerheblichen Regenmengen. Im laufe der nächsten Woche könnte es dann allmählich wärmer werden. Ob uns heiße Luft erreicht, ist nicht sicher. Das dürfte zunächst der Südhälfte Deutschlands vorbehalten sein. Wir können eher immer mal von über Skandinavien ziehenden Tiefs gestreift werden. Viel Regen haben die nicht im Gepäck, eher immer mal Wolken und Wind. Es ist also möglich, dass es bei uns mit den Temperaturen erträglich bleibt, während es jetzt schon ziemlich sicher ist, das Süddeutschland eine länger anhaltende Hitzewelle bevor steht, die sich in Richtung Mitte bis Ende Juli immer weiter steigern kann und es ist nicht ganz unmöglich, dass es dann auch extrem heiß werden könnte. Es wird daran gekoppelt sein, wie sich das Omega – Hoch verhält. Es scheint sich aus heutiger Sicht nur sehr langsam von Westeuropa in Richtung Osten verlagern zu wollen. Der Trend für die erweiterte Mittelfrist sieht ein für lange Zeit sehr trockenes und heißes Mitteleuropa! Und dann beginnen auch bald die Hundstage. Sollte es so kommen, dürfen wir vom diesjährigen Sommer – Aspekt nicht mehr viel erwarten. Hoffen wir auf den Herbst!

Ist das nicht eine Pracht, ja ein bildschönes Kunstwerk, auf Breitblättrigem Ampfer? Soll es sich auch um den gewöhnlichem Ampferblatt – Rost handeln oder ist hier noch ein anderer Kleinpilz am Werk? Ich war begeistert! So schön kann unsere wilde Natur sein. 06.07.2022 im Wald nordöstlich Dreilützow.

Hier noch die möglichen, akkumulierten Regenmengen für Wismar bis zum 21.07.2022 – 2.00 Uhr: minimal 12,3 l/qm, maximal 54,0 l/qm und im Mittel 23,4 Liter.


Dieses Stillleben möchte ich den Tagebuch – Leserinnen und Lesern nicht vorenthalten. Unsere Pilzfreundin Catrin Berseck hat offensichtlich nicht nur für schön gezeichnete Pilzmotive auf Pilzen ein Händchen, sondern auch für  ansprechende Basilikum – Pilz – Arrangements.

 

Donnerstag, 07. Juli – Heute endet der Zeitraum des Siebenschläfers. Zwischen dem 27. Juni  und dem 07. Juli sollen die Weichen für den Hochsommer bei der Wetterentwicklung gestellt werden. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit dieser Regel bei uns an den Küsten nur bei 50 % liegen soll, b. z. w. nicht zutreffen soll, ist doch etwas dran. Es bildet sich oft ein gewisses Grundmuster im Witterungsverlauf aus. Eingespielte Wetterlagen neigen oft zur Erhaltung. Wir sahen es seit März immer wieder, dass wir an den Küsten meist auf einer unterkühlten, trockenen Anströmung aus Norden bis Nordwesten lagen. Mit kurzen Unterbrechungen hat sich das bis jetzt auch fortgesetzt. Hoch über den Britischen Inseln lässt die Tiefs einen weiten Borgen über Nordskandinavien machen, um dann über das Baltikum nach Osteuropa zu rutschen. Manchmal werden wir besonders im Nordosten davon gestreift, so auch heute. Ausnahmsweise gab es dabei auch mal einige Liter Regen auf den Quadratmeter. In meinem Messbecher landeten bis heute Abend 18.00 Uhr 6,8 Liter. Für die Natur natürlich ein Segen, für uns Pilzfreunde einmal mehr ungenügend. Trotz allem könnte in einigen Wäldern in den nächsten Tagen doch der eine oder andere Frischpilz das Licht der Welt erblicken. Es kann also ein kurzes Aufflackern möglich sein, mehr sicher nicht. Zurück zum Siebenschläfer oder vielleicht auch schon mal den Blick in Richtung Hundstage schweifen lassen (23.07. – 23.08.). Bis zum 23. August vermag auch der klügste Wettercomputer nicht in die Zukunft zu blicken. Aber bis etwa zum Beginn der heißesten Zeit des Jahres schon. Die Hitze wird schon vor dem 23. Juli auf Deutschland übergreifen. Los geht es wohl ab nächste Woche Dienstag. In Schüben wird dann in der nächsten Zeit immer heißere Luft zu uns geführt. Schwerpunkt Süddeutschland, hin und wieder aber auch bis hoch an die Küste. Das GFS blickt diesbezüglich am weitesten in die Zukunft und lässt aus heutiger Sicht (das ist natürlich noch spekulativ) zu Beginn der übernächsten Woche auch mal die 38 Grad bis zu uns an die Küste kommen. Anderswo kann auch die 40 Grad erreicht oder leicht überschritten werden. Niederschlagsignale sind in den nächsten Wochen nur spärlich in den Karten. Vielleicht mal ein Schauer oder ein Hitzegewitter. Es wird immer wahrscheinlicher, wir müssen uns wohl bis zum Herbst gedulden. Fans von Pfifferlingen werden nicht begeistert sein.

Einige Eierschwämme (Cantharellus cibarius) schaffen es trotz der widrigen Bedingungen an geschützten Plätzen. Auch dieses Bild hat mir Catrin zugesandt.

Oben sehen wir den Ansehnlichen Scheidling, leider ohne die typische Volva am Stielgrund. Darauf muss geachtet werden, denn an und auf Totholz wächst der ähnliche Seidige Dachpilz (Pluteus petasatus). Ohne Scheide an der Stielbasis. Essbar sind jedoch beide. Foto und Finder Phillip Müller.

Im Netz habe ich dieser Tage eine private Homepage http://www.pilzradar.de entdeckt. Eine schöne Sache, denn hier kann jeder seine aktuellen Funde kurz im Bild vorstellen. Nun möchte ich nicht als Oberlehrer auftreten, mache auch meine Fehler und bin schon gar nicht Dr. Allwissend, aber den Betreibern wünschte ich mir schon ein wenig mehr Sachkenntnis. So werden hier beispielsweise auch einige Edelpilze kurz in Wort und Bild vorgestellt. Auch die drei häufigsten Steinpilze: Fichtensteinpilz, Kiefernsteinpilz und Sommersteinpilz. Auf den dazu gelieferten Bildern sehen wir jedoch nur den Fichtensteinpilz. Als Birkenrotkappe wird die Espen – Rotkappe angeboten. Auch die Bilder + Bestimmungen der Pilzfreunde, die hier ihre Funde vorstellen, ist teilweise ziemlich daneben. Der Breitblättrige Rübling vom 06.07. aus dem Odenwald ist ein Rehbrauner Dachpilz, der Dünen – Champignon aus dem Grunewald ein durch Trockenheit rissig gewordener Anis – Champignon und die Goldgelbe Koralle aus dem Erzgebirgskreis, ein Klebriger Hörnling! Sicher, auch auf dieser Homepage mag die eine oder andere Fehlbestimmung zu finden sein, aber bei diesen Allerweltspilzen sollte man sich doch vielleicht etwas mehr Mühe geben. Zum Glück ist nichts giftiges dabei, aber wenn demnächst ein Pantherpilz anstatt eines Perlpilzes als solcher in Wort und Bild vorgestellt wird, wäre das doch schon ein wenig bedenklich. Also nichts destotrotz, eine schöne Idee, aber bitte etwas mehr Gewissenhaftigkeit würde dem Unterfangen gut zu Gesicht stehen. 

Phillip hat hier den Seidigen Dachpilz (Pluteus petasatus) noch mal am Standort in Renzow für uns abgelichtet.

Hier noch die möglichen Niederschlagsmengen für Wismar bis zum 22.07.2022 – 2.00 Uhr nach dem ECMWF: minimal 8,9 l/qm, maximal 43,2 l/qm und im Mittel 17,2 Liter.


Bis an die 70 Liter Wasser sollen am 26. und 27. Juni im nördlichen Teil der Lübberstorfer Forst vom Himmel gefallen sein. Die Auswirkungen waren noch heute zu sehen.

 

Freitag, 08. Juli – Heute sind es 11, b. z. w. 12 Tage her, dass einige, kräftige Gewitterschauer über einige Teile Mecklenburgs zogen. Das war am 26. und 27. Juni. Also genau 11 – 12 Tage her. Meine Devise lautet ja immer, basierend aus langjährigen Erfahrungswerten. dass nach 11 – 14 Tage die Niederschläge ihre Wirkung entfalten, was größere, fleischigere Pilzarten anbelangt. Nun wurden bei weitem nicht alle unsere Pilzgebiete von auslösenden Regenmengen beehrt. So auch Wismar. Hier dürften die geringeren Niederschläge der letzten Zeit nichts größeres bewirken. Aber dort, wo zur genannten Zeit mindestens 20 l/qm oder mehr gefallen sind, sollten jetzt die ersten Anzeichen zu beobachten sein. So entschloss ich mich heute in eine Region im Nahbereich von Wismar zu fahren, wo offensichtlich der Hotspot damals aus den Wolken fiel. Phillip hat über http://www.kachelmannwetter.de die Regensummen genau einsehen können und teilte mir mit, das vor allem die Lübberstorfer Forst, ein Teilbereich der Neukloster Forst mit besonders viel Wasser bedacht wurde. Und hier vor allem der Nordteil, wo bis an die 70 Liter herunter gekommen sein sollen.

Halsband – Schwindling (Marasmius rotula) am Standort in der Lübberstorfer Forst am 08.07.2022.

Also begab ich mich heute dort hin, um die Lage zu Peilen. Ja, es kann gut sein, dass sich hier damals eine regelrechte Sintflut über das Waldgebiet ergoss. Immer noch stehen in Senken der Wege oder Furchen große Pfützen und der Wald wirkt regelrecht durchweicht. In einem nasseren Wald war ich in dieser Saison noch nicht unterwegs. Nach einer etwa 2 – stündigen Runde durch die Laub- und Nadelforst machte sich Ernüchterung breit. Es hat lange gedauert, bis ich zumindest mal einige Winzlinge von Frischpilzen zu Gesicht bekam. Es war eine größere Stelle mit geselligen Halsband – Schwindlingen. Endlich, dachte ich, die Erlösung und ein Zeichen des Anfangs! Richtige Pilze mit Hut und Stiel. Ich war begeistert! Aber es kam noch besser, eine kleine Gruppe von Gelbbräunlichen Trichterlingen wuchs am Straßenrand.

Der Gelbbräunliche Trichterling (Clitocybe gibba) ist genau wie seine ähnlich gefärbten Verwandten essbar. Aber nur für Kenner, denn es gibt in dieser schwierigen Gattung durchaus Giftpilze! 08.07.2022 in der Lübberstorfer Forst am Standort fotografiert.

Die Lübberstorfer Forst steht auf besseren Böden und diese Wälder tun sich ohnehin schwer. Schließlich haben wir Sommer, ich sollte in einer Parkanlage schauen, aber wo finde ich hier eine? Ich fuhr ein Stückchen in Richtung Bützow und bog in Göllin links ab. Einfach mal über die Dörfer und mal schauen, wo ein kleiner Park mit enstsprechenden Bäumen in Sichtweite kommt. In Käterhagen war es soweit. Ein Minipark mit wenigen Bäumen (Linde, Eiche, Rosskastanie). Bereits von der Straße aus lachte mich ein imposanter Hexenröhrling an. Also Stopp und fotografieren. Ich musste verdammt aufpassen, dass ich die jungen, knackigen Netzstieligen Hexen nicht zertrete, die überall im Umfeld sprossen. Der Große ist wohl dem Gewitter am 26. Juni und die kleinere Nachhut den Sturzfluten vom 27. Juni geschuldet. Pünktlich wie die Maurer! Aber nun musste ich mich sputen, um 15.00 Uhr beginnt die Sprechzeit im Info – Zentrum.

Dieses Prachtstück von Netzstieligem Hexen – Röhrling (Boletus luridus) lachte mich bereits von der kaum befahrenen Dorfstraße aus in Käterhagen an. Standortaufnahme am 08. Juli 2022.

Aber halt, die Kiefernforst bei Perniek lag ja fast auf dem Weg. Ob hier Körnchen – Röhrlinge durchstarten? Wer weiß, es liegen ja einige Kilometer dazwischen. Dass kann für Gewitterlagen schon eine große Entfernung sein, kann damals durchaus trocken geblieben sein. Ja und sicher hat es hier nicht in diesen Größenordnungen geschüttet, aber geregnet hat es auch hier, so dass es zumindest für einzelne dieser Schmierröhrlinge gereicht hat. Nichts großes, aber immerhin ausreichend für ein Belegfoto. Ich hatte auch keine Zeit mich weiter umzuschauen. Musste mich ja sputen.

Einzelne Körnchen – Röhrlinge (Suillus granulatus) sind nun auch in der Kiefernforst bei Perniek erschienen. 08.07.2022 am Standort.

Zwar war es in der Lübberstorfer Forst heute klatschnass, aber die Schnecken finden kaum weichfleischige Frischpilze und müssen hier mit den holzigen, wenn auch jungen Buckel – Trameten (Trametes gibbosa) vorlieb nehmen. 08.07.2022.

Und noch kurz zum Wetter. Heute Vormittag fühlte ich mich fast in den Oktober versetzt. Kühl, wolkenverhangen und etwas Nieselregen. Feuchte Nordseesuppe. Wir liegen schließlich weiterhin in einer Nordwest – Anströmung und das bleibt bis auf weiteres wohl auch so. Dabei können uns immer wieder schwache Tiefausläufer streifen, die hin und wieder auch mal einen unergiebigen Schauer oder etwas Regen bringen können. Immer wieder frischt dabei der Wind stark auf. Manchmal kann es aber auch für einige Stunden sonnig werden, dass sei dann leichtem Föhneffekt vom Skandinavischen Gebirge gedankt. Und was ist nun mit der Hitzewelle? Für den Südwesten Deutschlands kommt sie mit großer Wahrscheinlichkeit, bei uns eher nicht. Wir bleiben meist in der eingefahrenen Nordwest – Rutsche, in der es höchsten vorübergehend mal etwas sommerlichere Temperaturen geben kann. Erst in der übernächsten Woche ist die Hitze auch bei uns noch nicht von Tisch. Das ECMWF rechnet heute in seinen heißesten Lösungen auch für Wismar Höchstwerte zwischen 35 und 39 Grad über mehrere Tage! Die Wetterküche macht es spannend und wartet offensichtlich den richtigen Zeitpunkt ab, nämlich den Beginn der Hundstage.

Eigentlich wollte ich keine Speisepilze sammeln, konnte dann aber doch nicht an mich halten, als ich merkte, das genügend dort waren, um ein Dörrgerät in Betrieb zu nehmen. Netzstielige H. trocknen zwar nicht ganz so gut wie Flockenstielige H., aber für Pilzpulver sind sie allemal gut genug. 08.07.2022 Käterhagen.

Hier die möglichen, akkumulierten Regenmengen nach dem ECMWF für Wismar bis zum 23.07.2022 – 2.00 Uhr: minimal 2,7 l/qm, maximal 35,5 l/qm und im Mittel 12,4 Liter.


Das war eine tolle Überraschung heute morgen, dass Klaus Warning aus Bützow nach langer Pause mal wieder dabei war. Fünf Jahre sind es fast her, als wir zuletzt auf einer Wanderung am 05.08.2017 im selben Gebiet, nur von Friedrichswalde aus, unterwegs waren.

 

Sonnabend, 09. Juli – Eine öffentliche Lehrwanderung führte heute in die Forste unweit Klein- und Groß Labenz und des gleichnamigen Sees in der Nähe der Mecklenburgischen Kleinstadt Warin. Eine kleine Gruppe von 6 Pilzfreundinnen und Pilzfreunden trafen sich dazu gegen 8.45 Uhr am Waldrand in Groß Labenz. Nach längerer Unterbrechung war endlich auch wieder mein langjähriger Freund und Pilzberaterkollege Klaus Warning aus Bützow mit von der Partie, worüber ich mich sehr gefreute habe. Wir lernten uns am 10. Oktober 1998 während einer Weiterbildungsveranstaltung in Ueckermünde kennen. Klaus hatte sich damals entschieden, für das Landesgesundheitsamt als Sachverständiger für Bützow eine Ausbildung als PSV zu beginnen. Da Wismar und Bützow nicht sonderlich entfernt von einander liegen und auch die damals schon regelmäßig durchgeführten Lehrwanderungen nicht selten zwischen den beiden Orten stattfanden, waren wir seit dem oft gemeinsam unterwegs und ergänzten uns schließlich auf vielen Wanderungen. Klaus entlastete mich dadurch auch, wenn mal wieder viel zu viele Leute mit dabei waren. Ich entsinne mich noch gut an eine Pilzwanderung bei Neukloster. Damals kamen zu bester Pilzzeit sage und schreibe 50 Menschen zusammen. Und es gab damals viele Pilze, und besonders oft auch wunderbare Grüne Knollenblätterpilze (ist wirklich einer unserer schönsten Großpilze)! Es war auch eine Gruppe von russischen Aussiedlern dabei, die kaum ein Wort deutsch verstanden. Immer wieder landeten diese hochtoxischen Wulstlinge in ihren Sammelkörben. Ich weiß nicht, ob ich Herr der Lage geworden wäre, wenn Klaus nicht mit dabei gewesen wäre.

Ähnlich wie bei mir, haben die Pilze ihm viele Jahre einen tieferen Sinn im Leben gegeben, ihn mit ihrer Schönheit und Vielfältigkeit betört und viele schöne Momente geschenkt. Unzählige, tolle Fotos kamen in dem viertel Jahrhundert seiner Beschäftigung mit diesem Naturreich zusammen. Für seine Kinder hat er zwei Bücher in Auftrag gegeben. Als Erinnerung und kein Bestimmungsbuch, mehr ein Bildband mit den schönsten Fotos von auch  teils seltenen Arten, die man vielleicht nur einmal im Leben zu Gesicht bekommt.

Und in einem der beiden Bücher enthalten ist auch dieser imposante und sehr schöne Blätterpilz, der hier am Fuße einer Birke aus dem Ei schlüpft. Es ist der Wollige Scheidling (Volvariella bombycina). Einer unserer schönsten Großpilze, der sogar essbar ist. Er blieb stehen und darf sich weiter entfalten. 09.07.2002 am Waldrand bei Groß Labenz.

Am Abend dieses Tages wurde ich dann noch in eine Wismarer Klinik gerufen. Es bestand der Verdacht einer Pilzvergiftung. Die diensthabende Schwester zeigte mir einen Widerlichen Täubling und einen grauen Trichterling als mögliche Ursache, die der Patientin auf den Magen geschlagen sein könnte. Es war keine Russin, sondern eine Chinesin! Aufatmen war angesagt, aber nur für einen kleinen Moment. Ich bat um ein Gespräch mit der Patientin und hatte ein Buch mit der Abbildung des Grünen Knollenblätterpilzes mit, um auszuschließen, dass dieser Mörder nicht ursächlich für ihre Beschwerden sein möge. Ich hielt ihr die Abbildung von Amanita phalloides vor und sie zeigte begeistert auf die schönen Pilze „Ja, diese waren auch dabei, habe ich bei Neukloster gesammelt. Bei uns in China isst man gerne Pilze, die so schön aussehen.“ Der diensthabende Arzt ordnete eine Überweisung in die Rostocker Universitätsklinik an! Was daraus wurde, kann ich leider nicht sagen, fällt wohl unter das Ärztegeheimnis. Ich habe allerdings auch nicht weiter nachgeharkt und in der Presse war auch nichts von einem Todesfall im Zusammenhang mit einer Pilzvergiftung zu lesen.

Und ebenfalls am Waldrand unter Birken und Eichen, diese beiden leckeren Fleischroten Speise – Täublinge (Russula vesca). Ungewöhnlich waren die zart rosa angehauchten Stiele. Das hatte ich bei diesem Edelpilz so noch nicht beobachtet. 09.07.2022 Wald bei Groß Labenz.

Und Bilder werden auch weiterhin gemacht. Klaus heute in Aktion am Ufer des Lofsees beim fotografieren eines kleinen Büschels von Lungen Seitlingen.

Ja, es sind 24 Jahre her, dass ich Klaus kennenlernte und es hat mir gut getan, heute mal wieder gemeinsam mit ihm unterwegs gewesen zu sein. Sicher hat daran auch unsere Catrin aus Katelbogen, unweit von Bützow, ihren Anteil. Beide trafen sich im letzten Herbst zufällig im Wald und kamen ins Gespräch. Klaus bemerkte ihr Interesse an den Pilzen und Catrin wandte sich nun immer öfter an ihn, um ihre Fragen bezüglich unbekannter Arten los zu werden. Klaus war nicht unglücklich darüber. Ist er doch nicht mehr der Jüngste und wäre sehr angetan davon, wenn er eine Nachfolgerin im Raum Bützow für die Pilzberatung gewinnen könnte. Schließlich wird es auch immer schwieriger Nachwuchs für diese verantwortungsvolle, ehrenamtliche Aufgabe zu gewinnen. Der Altersdurchschnitt der Pilzberater in M-V soll 74 Jahre betragen. Ja, da gehöre ich ja fast immer noch, wie seit Anbeginn im Jahre 1981, zu den Küken. Den Altersdurchschnitt, so scheint es jedenfalls, vermag ich so schnell nicht einzuholen. Er läuft noch immer vor mir her. Wenn das so weitergeht, könnte es sein, dass mir vorher die Puste ausgeht. Aber bevor es soweit ist, hatte Klaus eine Idee! Da ist ja noch der Steinpilz- Wismar und dort gibt es jemanden, der ihr (Catrin) durchaus weiter helfen könnte. So wandte sie sich im Frühjahr auf Anraten von Klaus an den Steinpilz – Wismar und fragte, ob sie sich unseren Wanderungen und Exkursionen anschließen darf. Wurde Mitglied in der Gruppe der Pilzfreunde und ist nun mit Begeisterung dabei. Catrin entschied sich aber erst nach einer gewissen Anlaufzeit zu diesem Schritt, um sich vorher persönlich zu testen und einzuschätzen, ob es ihr gelingen könnte, die Prüfung zur Pilzsachverständigen zu meistern. Ich denke, die Aussichten stehen bestens!

Und es gab noch eine weitere Überraschung heute. Speziell für mich und für den Steinpilz-Wismar überreichte mir Catrin diese wunderschöne Arbeit auf Flachem Lackporling. Liebe Catrin, ganz herzlichen Dank dafür und deine Arbeit hat einen würdigen Platz im Info – Zentrum gefunden. Sie begrüßt die Besucher gleich am Eingangsbereich. Wir schaffen es schon, dich ebenfalls zu einer PSV – lerin zu machen.

Hier noch die möglichen Niederschlagsmengen für Wismar bis zum 24.07.2022 in akkumulierter Form des ECMWF: minimal 1,9 l/qm, maximal 59,4 l/qm und im Mittel 16,1 Liter.


Sonntag, 10. Juli – Heute vor zwei Wochen unternahm ich wegen der spannenden Wetterentwicklung an diesem Tag (26. Juni) eine Rundfahrt im Raum Sternberg – Demen – Dabel. Damals brauten sich im Nachmittagsverlauf einige, teils kräftige Schauer und Gewitter zusammen. Örtlich brachten diese auch nennenswert Wasser auf den Boden. So verfolgte ich ein Gewitter im Raum Dabel, das seinen Ursprung bei Parchim nahm. Am folgenden Montag kam es neuerlich zu teils starken Gewittern. Teilweise wurden die selben Gebiete getroffen, so dass zumindest punktuell ein Grundstein für ein Aufflackern an der Pilzfront gelegt werden konnte. Eine ähnliche, aber etwas erweiterte Runde stand heute auf dem Programm. Die Erweiterung erfolgte bis in den Raum Mestlin und Goldberg. Mestlin hatte damals ganz gut etwas abbekommen. So schaute ich mich zwischen Zölkow und Mestlin kurz in einem Waldbereich um, von dem ich weiß, dass er besonders artenreich und interessant ist. Auch im Hinblick auf Klassiker wie Steinpilze oder Gold – Röhrlinge. Auch einige interessante Täublinge sind hier zu hause. Nicht einen Frischpilz!

Diese beiden Frischpilze fand und fotografierte ich heute auf einer Wiese im Ort Goldenbow. Es handelt sich um Halkbkugelige Ackerlinge (Agrocybe semiorbicularis). Ohne Speisewert.

Junger Sommersteinpilz (Boletus reticulatus) am 10. Juli 2022 in der Schwinzer Heide.

Über Goldberg fuhr ich in die Nossentiner/Schwinzer Heide und beehrte meine Standard – Stellen bezüglich Sommersteinpilzen und vielen anderen Arten. Wenn es Frischpilze geben sollte (auch über der Nossentiner/Schwinzer Heide zogen vor 2 Wochen Gewitter hinweg), dann hier. Aber der Naturpark ist groß, da muss es nicht gerade an meiner Stelle ausreichend geregnet haben. Ausreichend geregnet hat es in so fern, um zumindest einige Frischpilze aus dem Waldboden zu locken. Ich hatte außerdem den optimalen Tag erwischt, für einige wunderbare Sommersteinpilze. Aber ausreichend für einen nennenswerten, kräftigen Wachstumsschub war es nicht. Die Stellen waren dürftig besetzt. Nur ein Standort, eine Senke mit viel Moos, hatte ihren ganz normalen Schub hervorgebracht, der etwa bei 5 – 6 Sommersteinpilzen liegt. Es standen fünf Exemplare. Dazu auch ein sehr schöner Körnchen – Röhrling in Mitten der Steinpilze. Einige Standorte waren unbesetzt und an einer anderen Stelle waren es nochmals drei Exemplare. Ansonsten an einer humusreichen Stelle wie erwartet einige Rotbraune Riesen – Träuschlinge. Es gab Lilablättrige Mürblinge und zwei Zweisporige Champignons, das war alles.  Aber nichts destotrotz, ich war zufrieden. Fotos für das Tagebuch des Steinpilz – Wismar. Die Ausstellung im gleichnamigen Info – Zentrum kann seinen Namensgeber präsentieren und auch für den Trockner hat es so leidlich gereicht, ohne das er auch nur annähernd ausgelastet wäre.

Die Sommersteinpilze (Boletus reticulatus) befanden sich heute im optimalen Zustand zum ernten.

So lange ich in die Pilze gehe, praktisch seit dem ich laufen gelernt habe, bin ich nur einmal auf die Idee gekommen, mir eine Mahlzeit von diesen Edelpilzen zuzubereiten. Essen tritt für mich in den Hintergrund. Es ist die Erscheinung, die Ästhetik dieser Pilze, die mich fasziniert. Kein Steinpilz gleicht dem anderen. Jeder hat seine eigene Erscheinung. Seine eigene Persönlichkeit. 10.07.2022 Schwinzer Heide.

Das Wetter zeigte sich eher herbstlich. Für hochsommerliche Verhältnisse viel zu kühl, reichlich Wind, aber besonders zum Nachmittag wenigstens etwas Sonne. An den kommenden Tagen soll es schrittweise wärmer werden, um in der zweiten Hälfte der neuen Woche wieder etwas abzukühlen. Ohne Regen! Ob im Verlauf dann die Super – Hitze kommt? Sicher ist das immer noch nicht, wird aber immer wahrscheinlicher. Da können wir nur hoffen, dass sich das amerikanische GFS heute verrechnet hat. Es simulierte Anfang der übernächsten Woche Temperaturen für Norddeutschland, die selbst schon für spanische Verhältnisse extrem wären. In BENELUX und dem Nordwesten Deutschlands bis zu 45 Grad im Schatten! Das gab es noch nicht einmal annähernd für Norddeutschland seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Aber auch in einem breiten Bogen über dem Norden bis rüber zu Berlin und Brandenburg 40 Grad und mehr! Da dürfen wir im Küstenumfeld noch froh sein, dass die Temperatur mit knapp 39 Grad in Wismar fast schon eine Erfrischung darstellen. Aber ich denke, hier wird doch etwas über das Ziel hinaus geschossen. Das auch ziemlich weit in die Zukunft blickende Schweizer Model wollte zumindest gestern von Hitze in der Mittelfrist bei uns in Norddeutschland nichts wissen. Maximal normale Sommertemperaturen (25 – 30 Grad), eher sogar für die Jahreszeit etwas zu kühl. Das schlimmste von allem ist jedoch, dass bis auf weiteres kein nennenswerter Regen mehr in Sicht ist.

Vater, Mutter und Kind. Früher hätte ich es auch so formulieren können: Mama Irena, Papa Reinhold und Sohn Jonas. Sommer – Steinpilz – Familie am 10. Juli 2022 im Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide.

Hier noch die möglichen, akkumulierten Regenmengen für Wismar nach dem ECMWF bis zum 25.07.2022 – 14.00 Uhr: minimal 0,9 l/qm, maximal 37,7 l/qm und im Mittel 13,1 Liter.


Rotbraune Riesenträuschlinge (Stropharia rugosoannulata) gestern am Standort in der Schwinzer Heide fotografiert. Typisch für einige Träuschlinge, ihre blaugrauen Lamellen. In Gartenkatalogen wird er unter der Bezeichnung Braunkappe vermarktet.

 

Montag, 11. Juli – Heute habe ich mal kurz wieder in den Pilzticker herein geschaut. Es heißt, besonders im Südwesten der Republik soll es derzeit sehr trocken sein. Allerdings ist Baden – Württemberg ein großes Bundesland und hier gab es in den zurückliegenden Wochen durchaus Regionen, die von kräftigen Regenfällen und Gewittern getroffen wurden. Dort, wo sich besonders viel Aufsummierte gibt es zur Zeit eine regelrechte Sommersteinpilz – Schwämme. Die Edelpilze werden körbeweise nach hause getragen. Sicher auch mit dem obligatorischen Proteingehalt, der ohne Frage den Nährwert erhöht. Übrigens waren meine Sommersteinpilze gestern von fast total vermadet (1 Exemplar) bis fast Madenfrei. Ja, da hat der Mond im Südwesten großes geleistet!? Bei uns gibt er sich zwar auch Mühe, aber so einen Überfluss wird er kaum aus den Böden unter Eichen und Buchen locken können.

Der Sommersteinpilz (Boletus reticulatus) braucht Laubbäume, in der Regel Eichen oder Buchen, der Körnchen – Röhrling (Suillus granulatus) ist auf Kiefern angewiesen. Sie wuchsen nur wenige Dezimeter von einander entfernt. Immer mal darauf achten, welche Baumpartner in der Nähe stehen. 

Handbuch für Pilzfreunde, Band 1: in Gruppen wachsend, sehr gebrechlich, trocken tonweißliche, durchfeuchtet gelbbräunliche Hüte mit violetten Blättern, sehr dünnfleischig. Rand von weißen Flocken behangen. Lilablättriger Mürbling (Psathyrella candolleana). Vorzüglicher Suppenpilz! 10.07.2022 in der Schwinzer Heide.

Aber noch ist bekanntlich nicht aller Tage Abend. Warten wir ab und lassen erst einmal den Hochsommer richtig aufdrehen. Aber er macht es einfach spannend. Eigentlich sollte bereits in dieser Woche eine rekordverdächtige Hitzewelle über uns hereinbrechen. Aber dieses Szenario ist erst einmal vom Tisch. Heute hatten wir echtes Wohlfühlwetter, dank dem Norwegischen Gebirge. Wir erlebten eine selten gut ausgeprägte Föhnlage. Die harte Nordwest – Anströmung ist eigentlich recht feucht und wolkenreich. Fast wie mit dem Lineal war heute die Grenze zwischen dieser Nordseesuppe und dem trockenen, sonnigen Föhn über Norddeutschland gezogen. Der Nordwesten unter Wolken, bei uns strahlender Sonnenschein in angenehmer Luft. Aber die Hitze gibt sich längerfristig wohl nicht geschlagen. Schubweise nimmt sie immer wieder Anlauf um Deutschland mit ihrer Gluthitze endlich abzukochen. Ein erster Schub macht sich bis Mitte der Woche auf den Weg. Es wird vor allem in Süddeutschland bis zu 35 Grad heiß. In der zweiten Wochenhälfte schießt die Nordsee wieder mit fast empfindlich kühler Polarluft zurück. Es wird besonders bei uns an den Küsten neuerlich windig und mit unter 20 Grad für die Jahreszeit deutlich zu kalt. Aber die Heißluft will sich das nicht gefallen lassen. Nach aktuellem Stand nimmt sie Anfang der nächsten Woche einen weiteren Anlauf. Das GFS – Modell hatte für Dienstag nächster Woche den Hitzeschwerpunkt von Schwerin bis Leipzig in der Rechnung mit über 40 Grad im Schatten. Wismar kommt mit 37 – 39 Grad noch glimpflich davon. Danach drückt wieder die kühlere Luft zurück, aber nicht lange. Zum dann folgenden Wochenende schlägt die Extremhitze erneut zu. So der mittelfristige Fahrplan aus heutiger Sicht. Ob es tatsächlich so oder ähnlich kommt? Warten wir mal ab. Und wo bleibt der Regen? Leider sieht es weiterhin schlecht aus. Zwar kann das Luftmassengerangel immer mal einige Schauer oder Gewitter produzieren, aber großes ist nicht in Sicht. Sollte es aber im laufe des Sommers tatsächlich mal zu großflächigen und ergiebigen Niederschlägen kommen, dürfte auch uns eine Sommersteinpilz – Explosion bevor stehen. Immerhin ist seit Mai Wachstumsperiode dieser Dickröhrlinge, aber viel war bei uns bisher nicht möglich. Je länger es heiß und trocken bleibt, um so größer die Aussichten auf einen pilzreichen Spätsommer und Herbst. Vielleicht erleben wir als Ausgleich in dieser Saison noch großes, in geballter Ladung! 

Steckbrief nach Michael – Hennig – Kreisel: fleischrötliche, vom Rand oft ganz wenig (manchmal auch mehr) zurück gezogene Oberhaut, weißliche, oft rostfleckige Blätter, am Grund zugespitzter Stiel, der stets weiß ist! Die Evolution schreitet voran, der Fleischrote Speise – Täubling (Russula vesca) wird rosastielig! 09.07.2022 am Waldrand bei Groß Labenz. Einer der wohlschmeckensten Speisepilze, der auch zum roh essen mit Salz auf Brot empfohlen wird.

Hier die akkumulierten Regenmengen für Wismar nach dem ECMWF bis zum 26.07.2022 – 2.00 Uhr: minimal 0,9 l/qm, maximal 60,4 l/qm und im Mittel 16,00 Liter.


Seit Freitag haben sie mir ein Baugerüst vor das Info – Zentrum gestellt. Es bleibt bis Ende des Monats. Eigentlich hatte ich vor, viele Urlauber sind nun in der Stadt, gelegentlich Waffeln vor dem Laden zu backen, da Tote Hose an der Pilzfront. Das wird erst einmal nichts.

 

Dienstag, 12. Juli – Eigentlich nahm ich an, dass erst im Jahre 1946 die Bodenreform in den Ostdeutschen Ländern der damaligen sowjetischen Besatzungszone stattfand. Die Gutsbesitzer hatten sich entweder von selbst  aus dem Staub gemacht, oder wurden größtenteils enteignet. Betriebe und Ländereien gingen in Volkseigentum über. So sollte es grundsätzlich sein und zwar überall auf der Welt. Wie kann es angehen, dass mit Land Handel getrieben wird, Geld mit Grundstücken verdient wird? Mit unser aller Eigentum spekuliert wird. Ein Aberwitz, aber leider mehr denn je die Realität in der kapitalistischen Gesellschaftsordnung. Und das treibt manchmal seltsame Blüten. So wollte mir Anfang April jemand, während meiner ersten Mittwochsexkursion, das Betreten des angeblich ihm gehörenden Privatwaldes bei Großklützhöved, ohne sich mir gegenüber auszuweisen, verbieten. Statt dessen sollte ich ihm meine Personalien nennen. Ich ignorierte ihn und verwies auf das Waldgesetz. Außerdem war nirgendwo ein Hinweis zu finden, dass dieses Waldstück privat wäre und nicht betreten werden darf. Und dass ist in der Regel auch nicht üblich. Egal ob Privatwald, in Besitz der Kommunen oder der Länder. Wälder sind im allgemeinen als Erholungsraum für jedermann zu Betreten und das auch abseits der Wege! Ausgenommen besonders sensible Gebiete oder Naturschutzgebiete. Aber auch aus letzteren darf der Mensch keinesfalls fern gehalten werden. Auch er ist Teil der Natur und verweilt er in einem Naturschutzgebiet, ist er Teil des ganzen und sollte eigentlich selbst unter Schutz stehen. Naturschutzgebiete dürfen nicht als Verbotszone für uns  Menschen missbraucht werden, auch wenn sie mal die Wege verlassen. Niemand braucht sich also von Privatwaldbesitzern, Jagdpächtern oder selbst ernannten Naturschützern oder auch radikalen Naturschutzbeauftragten einschüchtern lassen. Ein Spaziergänger oder auch ein Pilzsucher richtet in der Regel keinen Schaden an. Naturschutzgebiete (oft besonders wertvolle und sensible Landschaftsbereiche) sind deshalb deklariert worden, um sie vor wirtschaftlicher Ausbeutung und damit Zerstörung zu bewahren. Nicht um den Menschen auszugrenzen, sondern um sein zügelloses Treiben aus Gewinnsucht zu regulieren und auszugrenzen. 

An der Frischpilzfront wird es auch weiterhin sehr verhalten bleiben. Zu empfehlen sind jedoch Lungen – Seitlinge (Pleurotus pulmarius) an totem Laubholz. Je heißer der Sommer, um so besser für diesen Speisepilz und die Trockenheit macht ihm nichts aus. Das Bild habe ich am 09.07.2022 am Loofsee an Birke aufgenommen.

Für Pfifferlinge ist dieser Sommer jedoch in unseren Breiten ein Debakel. Diese Blassen Laubwaldpfifferlinge (Cantharellus cibarius var pallidus) habe ich am 10.07.2022 im Kaarzer Holz fotografiert. Es waren die einzigen. Im letzten Sommer konnte ich an dieser Stelle in zwei Wellen gut drei Kilo ernten.

Aber ich bin schon wieder völlig abgeschweift. Ich wollte doch eigentlich auf die Bodenreform nach dem 2. Weltkrieg in der Ostzone hinaus. Heute hatte ich Termin beim Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt  Westmecklenburg in Schwerin. Ich bin nämlich auch Grundbesitzer, wo für ich persönlich aber nichts kann. Ja, ich besitze eine Wiesenfläche (ab heute nicht mehr) und einen Hektar Wald in der Gemarkung Buerbeck, an der Landstraße zwischen Demen – Buerbeck – Dabel. Hier wurde heute im Ramen eines Flurneuordnungsverfahrens die Erbengemeinschaft geladen. Erschienen waren nur drei, eine Cousine aus Güstrow sowie mein Bruder. Er brachte die original – Urkunde der damaligen Landverteilung mit. Nicht 1946, sondern am 30.12.1945 wurde die Familie Krakow stolze Land- und Waldbesitzer, eben Volkseigentümer. Das ehemalige Gut Buerbeck wurde  unter den Ortsansässigen Häuslern aufgeteilt. So kam ich also bereits vor meiner Geburt an diese Ländereien. Was nun damit anfangen? Auf die Wiese habe ich verzichtet und der Wald bleibt in unserem Besitzt. Mein Bruder wird ihn nutzen und schonend Holz heraus holen. Nur ein Erbberechtigter meldete noch Ansprüche auf das Waldstück an, war heute aber nicht erschienen. Oft gibt es ja größere Streitigkeiten innerhalb einer Erbengemeinschaft. Da zeigt sich dann oft der Urinstinkt des haben Wollens und nicht Gönnens, schlicht Neid und Missgunst. Darauf habe ich einfach keinen Bock. Außerdem, in unserem Wald darf jeder spazieren gehen und auch Pilze suchen und mitnehmen. Nur die Bäume sollten stehen bleiben und bricht sich jemand die Gräten, hat er es selbst zu verantworten.

Aber hin und wieder kann man Glück haben und eine Handvoll Eierschwämme (Cantharellus cibarius) finden. So auch unser Vereinsmitglied Michael Junge. Er sandte mir heute dieses Bild zu.

Hier noch die möglichen, akkumulierten Regenmengen bis zum 27.07.2022 – 20.00 Uhr nach dem ECMWF: minimal 1,7 l/qm, maximal 38,9 l/qm und im Mittel 13,5 Liter.


Heute Nacht ist Super – Mond. Erst im Jahre 2034 wird es ihn wieder in dieser Pracht geben. Das Foto habe ich aber bereits vorletzte Nacht geschossen.

 

Mittwoch, 13. Juli – Erst in 12 Jahren dürfen wir ihn wieder so groß und prachtvoll bewundern wie heute Nacht. Es ist Super – Mond! Da freut sich auch der Werwolf, also Vorsicht heute Nacht beim beobachten oder fotografieren unseres Erdtrabanten! Hinsichtlich der Auswirkungen an der Pilzfront hat der Supermond zumindest bei uns in Mecklenburg versagt. Ganz anders regional im Süden der Republik. Hier hat er eine Super – Wachstumswelle von Sommersteinpilzen hervor gebracht. Aber weg von Mythen und Märchen. Werwölfe spuken nur in der Fantasie des Menschen und auch die Mond – Theorie scheint ähnlichen Ursprungs zu sein. Aber sie bestätigt sich immer wieder, wie wir sehen. Andererseits eben auch nicht, sieht man mal von einigen Hexen – Röhrlingen oder Sommersteinpilzen ab, die den örtlich heftigen Regengüssen vor knapp zweieinhalb Wochen geschuldet waren. Es zeigt sich einmal mehr, das A und O sind auslösende Niederschläge und wenn diese ausbleiben, kann der Mond hier leider auch nichts bewirken. Am ehesten reagieren im Sommer noch Parkanlagen. Die Wäldern sind träger und hier braucht es wohl über längere Zeit regnerisches Wetter, um dann aber nachhaltiger etwas in Gange zu bringen.

Waldgebiet am Buchenberg südöstlich Glaisin. Das Ziel der heutigen Mittwochsexkursion.

Wie auch schon vor einer Woche bei Dreilützow, erfreute ein einzelner und halb verwelkter Gold – Mistpilz (Bolbitius vitellinus). Es hat schon was, in diesen Zeiten einen richtigen Pilz mit Hut und Stiel zu finden.

Doll war es auch nicht, was der Mond in der Griesen Gegend zustande brachte. Ist es hier noch schwieriger, auf den im Sommer meist staubtrockenen Sandböden. War ich in den zurück liegenden Wochen an der nördlichen Grenze der Griesen Gegend Mittwochs unterwegs, ging es heute deutlich südlicher. Das MTB Eldena ist an der Reihe. Und wie der Ortsname schon vermuten lässt, ist Elde und Elbe recht nah. Das Gebiet liegt zwischen Ludwigslust und Dömitz. Auch unweit unseres ehemaligen Maronen – Hotspots in der Kalißer Heide, mit ihrem Reuter Stein. Aber dieser Bereich liegt außerhalb der aktuellen Kartierungsregion. Gegen 10.00 Uhr traf ich mich mit unserem Vereinsmitglied Michael am Waldrand des Buchenbergs, südöstlich des Ortes Glaisin. Bis auf wenige Kleinarten, gab es keine Frischpilze. Der sandige Wald war sehr trocken, dafür aber sehr vielseitig und interessant strukturiert. Ein schönes Waldgebiet, mit durchaus ungewöhnlichen Bereichen. Und dass er durchaus etwas besonderes hat, konnten wir auch an einer geführten Lehrwanderung festmachen, die hier mit einer Gruppe von Urlaubern vom Revierförster oder eines Naturschutzbeauftragten durchgeführt wurde. Gerne hätten wir uns angeschlossen, aber die Urlauber aus Berlin, Hamburg oder Zwickau mussten sicher dafür einen kleinen Obolus entrichten. Auf jeden Fall eine wunderbare Gegend, auch wenn die Bezeichnung dieser Landschaft etwas anderes vermuten lässt. Wer Ruhe sucht in waldreicher Umgebung, ist hier an der richtigen Adresse. 

Bereits auf der Hinfahrt, heute morgen, habe ich diese Monstertraube von Schuppigen Porlingen (Polyporus squamosus) an einem Straßenbaum zwischen Jesendorf und Tarzow gesehen. Auf der Rücktour waren sie fällig. 13.07.2022.

Das Wetter war für eine Waldexkursion bestens, fast schon zu warm, aber Dank des bewölkten Himmels noch einigermaßen auszuhalten. Auf der Rückfahrt frischte der Wind in Höhe Schwerin plötzlich spürbar auf und es zeigten sich lockere Quellwolken am Himmel. Die Kaltfront hatte uns erreicht. So wird es in den nächsten Tagen wieder unterkühltes Herbstwetter geben und mitunter kann auch mal ein Schauer oder Gewitter der Marke Kaltluft dabei sein. Das markanteste am Wetter der nächsten Tage wird der Wind sein. 

Ich hatte Glück, die Pilze hingen nicht hoch und einige male rhythmischen Druck ausgeübt, bekam ich die mindestens 10 Kg schwere und gut einen halben Meter breite Traube in Gänze vom Baum. Der Gigant passte nicht in meinen Korb, aber ich hatte ja noch einen Gepäckkoffer am Roller. Der ist zwar nur für 5 Kilo zugelassen, aber es ging alles gut. Ein Ausstellungstück vom Feinsten und ein Blickfang. Übrigens ganz frisch und an den Rändern noch so zart, dass man ihn Essen könnte. Aber Straßenbaum!

Hier noch die akkumulierten Regenmengen nach dem ECMWF für Wismar bis zum 28.07.2022 – 2.00 Uhr: minimal 3,7 l/qm, maximal 142,4 l/qm und im Mittel 20,3 Liter. Die Prognosen werden wieder günstiger!


Donnerstag, 14. Juli – Heute habe ich mal nachgeschaut, was in den letzten 14 Jahren um diese Zeit an der Pilz- und Wetterfront so los war.

  • 2009: insgesamt artenarm am 14. Juli, aber ich war zum Ernten von Pfifferlingen verurteilt worden. Natürlich nicht gerichtlich, sondern das Angebot zwang mich irgendwie dazu.
  • 2010: Unwetterwarnung in der Nacht zum 15.07. vor schweren Gewittern.
  • 2011: kräftige Regenfälle gebietsweise und viele Pilze besonders in Parkanlagen.
  • 2012: das Frischpilzaufkommen entwickelt sich.
  • 2013: Wälder teils schlammig vom vielen Regen. Pilzaufkommen zufriedenstellend.
  • 2014: viele Pilze in Parks, pilzarme Wälder.
  • 2015: Es hat gut geregnet. Pilze wachsen in der Hoffnung auf mehr.
  • 2016: Viele Pilze in Parkanlagen, wenig in Wäldern auf schweren Böden. Besser in sandigen Forsten.
  • 2017: Gutes Frischpilzaufkommen in Parkanlagen, weniger in Wäldern. Tendenz steigend.
  • 2018 (legendäres Dürrejahr): trotz dem einige Frischpilze in unseren Wäldern.
  • 2019: 44 Liter in Schwerin. Zur Zeit sehr verhaltenes Frischpilzwachstum.
  • 2020: Ein neuer Wachstumsschub setzt in den Parkanlagen ein.
  • 2021: viele Sommersteinpilze und Pfifferlinge!

Die Schuppigen Porlinge von gestern dienen nun als Blickfang und zum neugierig machen auf unsere Pilzausstellung, die zur Zeit leider recht dürftig ausfällt, wegen Ermangelung an Frischpilzen.

Näher und viel ausführlicher ist alles in den entsprechenden Tagebüchern nachzulesen. Mir kommt vor, so schlecht, wie in diesem Jahr Mitte Juli, war es bisher kaum. Betrachtet man sich die kalibrierten Niederschlagsmengen seit März, ist das nicht verwunderlich. Dazu die meist ungünstigen, unterkühlten Luftmassen aus nördlichen Breiten. Setzt sich mal kurz wärmere, sommerliche Luft durch, dauert es nicht lange und wir erleben einen Unterkühlten und oft auch windigen Rückfall, so auch derzeit wieder. In Staffeln kommen immer kühlere Luftmassen aus Nordwesten zu uns. Sie haben zum Teil einige Schauer im Gepäck, aber das wenige an Feuchtigkeit, die diese zu Boden bringen, wird durch die intensive Sonneneinstrahlung gleich wieder verdunstet oder der starke Wind trocknet zusätzlich ab. Und der Wind wird in den nächsten Tagen gut drauf sein.

Frischpilze fanden sich gestern in der sandigen und trockenen Region am Buchenberg, die zur Griesen Gegend gehört, leider kaum. Dieser Waldfreund – Rübling (Collybia dryophila) beglückte uns als Einzelexemplar.

Catrin aus Katelbogen hat für uns das Küken des Wolligen Scheidlings (Volvariella bombycina) vom Sonnabend in seiner Entwicklung weiter beobachtet und es soll sogar noch Gesellschaft bekommen haben.

Am Abend zogen einige Schauer durch. Ich hatte 0,5 Liter im Messbecher. In der Nacht zum Sonnabend soll eine weitere Schauerstaffel, teils auch in Begleitung von Gewittern, von Nordwesten her durchschwenken. 5 – 10 Liter wären hier tatsächlich mal möglich. Insgesamt geht es in Deutschland aber sehr trocken weiter. Am ehesten kann es mittelfristig, einschließlich der erwähnten Schauer, noch bei uns im Norden regnen. Und wo bleibt die gefühlt schon seit einer halben Ewigkeit angekündigte Hitze? Die kommt nun tatsächlich und das ist sicher. Darin sind sich inzwischen alle Wettermodelle einig. Ab Montag geht es los und Stand heute dürfte besonders der kommende Mittwoch der heißeste Tag des Jahres bisher bei uns im Nordosten werden. Die 40 Grad werden wir wohl nicht schaffen, aber bis jenseits der 30 Grad – Marke geht es auf jeden Fall. Die Modelle rechnen dann auch besonders bei uns im Norden mit ersten Gewittern. Die können durchaus schwer geladen haben und es besteht Unwettergefahr.  Überhaupt sieht es aus aktueller Sicht so aus, sollte es im Juli noch nennenswert regnen, so dürften die größten Chancen dafür der Norden haben. Aber es sind wieder konvektive Wetterlagen. Überschwemmungen hier, Sandsturm in Form von trockenen Gewitterböen dort, oder so ähnlich.

Scheibchen – Tintlinge (Coprinus spec.) gestern in der Grasnarbe eines schattigen und etwas feuchteren Waldweges am Buchenberg bei Glaisin.

Hier die möglichen, akkumulierten Regenmengen nach dem ECMWF für Wismar bis zum 29.07.2022 – 2.00 Uhr: minimal 3,4 l/qm, maximal 88,9 l/qm und im Mittel 21,2 Liter.


Freitag, 15. Juli – Heute war ich ganztägig im Info – Zentrum, obwohl am Freitag regulär erst ab 15.00 Uhr geöffnet sein sollte. Ich hätte auch zu einer Info – Tour aufbrechen können, aber mir fehlte einfach die Motivation. So habe ich lieber die Ausstellung gepflegt und vor allem auch den Bericht von der letzten Mittwochsexkursion geschrieben. Morgen steht Schreibkram für das Steuerbüro an. Alle halbe Jahre. So werde ich erst am Sonntag wieder im Feld sein, besser geschrieben, im Warnowtal bei Gädebehn, im Ramen einer Vereinsexkursion.

Trotz des Baugerüstes vor dem Laden, verirren sich doch immer mal einige interessierte Menschen in den Steinpilz – Wismar, um sich meine leider immer noch recht bescheidene Ausstellung von aktuell 72 Großpilzarten anzuschauen. Dazu nur wenige Frischpilze, meist pflegeleichte Porlinge, Schichtpilze, Bauchpilze oder Pyrenomyceten. Wir befinden uns schließlich in der Hochsaison und viele Urlauber sind nun wieder an der Ostsee. Da das Wetter derzeit bezüglich Strandbesuche nicht so toll ist, eher frühherbstlich daher kommt, schauen sich viele die historische Altstadt an. Wismar zählt zum Weltkulturerbe. Und wer Kultur der besonderen Art genießen möchte, kann sich ab heute im altehrwürdigen Gemäuer der St. Georgenkirche eine Gruselkomödie zum Thema Blutsauger anschauen. Gemeint sind natürlich nicht die Minivampire, die uns auf unseren Wanderungen durch die Wälder häufig belästigen, sei es in Form von Mücken oder Zecken, sondern Graf Dracula. In Wismar nahm nämlich der Film – Kult dieser Fantasie – Figur des Autors Bram Stoker seinen Ursprung. Der Gruselklassiker Nosferatu wurde vor gut 100 Jahren u. a. in Wismar von Friedrich Wilhelm Murnau in Szene gesetzt. Die Titelrolle verkörperte der Schauspieler Max Schreck. Wismar hieß in dem Film Wisborg. Gedreht wurde unter anderem am Wassertor, auf dem Marktplatz, mit seiner Wasserkunst, am Hof der Heiligen Geist Kirche und auch am Aufführungsort der Komödie heute Abend St. Georgen. Dazu wurden in letzter Zeit auch Großfiguren angefertigt, die gelegentlich in der Altstadt unterwegs sein können. Mit drei Metern Höhe sind sie kaum zu übersehen und durchaus eine schöne Idee.

So sollte man auf der Hut sein. So manches mal treibt Nosferatu auch heute noch sein Unwesen in der Stadt. Und der alte Herr scheint recht blutleer. Insbesondere die Damen sollten sich in acht nehmen.

Ich habe ja auch meine Kindheit in Wismar verbracht, aber die erste Begegnung mit dieser Fantasy – Gestalt verschafften mir meine Spielkameraden, als sie eines abends zu mir sagten, sie müssten jetzt nach hause, denn heute Abend komme Dracula im Fernsehen. Ein gruseliges Monster! Das machte mich neugierig und ich setzte mich auch vor die Flimmerkiste und fieberte im Westfernsehen mit gemischten Gefühlen diesem Ungeheuer entgegen. Hoffentlich wird es nicht so schlimm, ich muss es mir ja nicht bis zum Ende anschauen. Statt eines scheußlichen Monsters erschien Graf Dracula als vornehmer Herr im schwarzen Gewand auf der Mattscheibe, der einen ungeheuren Durst auf Blut verspürte. Die Figur war mir auf Anhieb sympathisch unsympathisch und ihr Darsteller hieß nicht Max Schreck, sondern Christopher Lee. Er wurde ab diesem Moment zu einem meiner Lieblingsschauspieler. Das war auch die Rolle seines Lebens und er wurde fast immer auf böse Gestalten in vielen weiteren Filmen festgelegt. Das ging bis zum russischen Märchenfilm „Mio, mein Mio“, „Herr der Ringe“ oder „Star – Wars“. Er wurde die dunkle Erhabenheit in vielen Fantasy-, Märchen- und Gruselfilmen. Immerhin wurde der kluge Schauspieler, der mehrere Sprachen nahezu perfekt beherrschte, von der Queen geadelt. Vielleicht nicht zuletzt auch wegen seiner Dracula – Darstellung und nun war er auch im wahren Leben blaublütig, obwohl das Blut, welches er in seiner Paraderolle trank, immer rot war. Die Dracula – Filme der Produktionsfirma Hammer sind auch heute noch sehr sehenswert, auch wegen ihrer liebevollen Machart. Im hohen Alter, kurz vor seinem Tod, wurde er gar noch zum Heavy – Metal Musiker. Dem ältesten der Welt. Eine beeindruckende Kariere! Wer sich also gruselig – komisch unterhalten lassen möchte, leider nicht mit Christopher Lee, die Aufführungstermine finden sich unter: http://www.theatersommer-wismar.de 

Die Wasserkunst auf dem Marktplatz.

Noch kurz zum Wetter. Die Hitzewelle kommt und sogar recht forsch ab Montag schon. Der heißeste Tag für uns wird wohl der Mittwoch mit bis zu 39 Grad im Süden von Mecklenburg. Und wo bleibt der Regen?Heute Nacht zieht eine recht wetteraktive Kaltfront über M-V. Besonders in Küstennähe und Richtung Vorpommern kann es ganz gut zur Sache gehen. Immer stärker werdende Schauer und Gewitter können in die Spitze bis zu 35 Liter pro Quadratmeter bringen. Das meiste wohl aber über der Ostsee. Realistischer sind zwischen 10 und 20 Liter. Wir in Westmecklenburg können auf etwa 5 Liter hoffen. Über dem warmen Ostseewasser ist die Gefahr von Wasserhosen erhöht, also Tornados über dem Meer. Es ist heute Nacht also einiges los und es lohnt sich früh aufzustehen und den Blick in Richtung Ostsee schweifen lassen. Morgen Vormittag ist der Spuk größtenteils schon wieder vorbei.

Die St. Georgenkirche ist nicht nur heute Abend Aufführungsort von Nosferatu.

Hier noch die möglichen, akkumulierten Regenmengen für Wismar nach dem ECMWF bis zum 30.07.2022 – 2.00 Uhr: minimal 3,00 l/qm, maximal 66,3 l/qm und im Mittel 22,1 Liter.


Ein junger Perlpilz (Amanita rubescens) hat das Licht des Waldes erblickt. Das Foto sandte mir unser Lübecker Pilzfreund Stephan Drabner gestern zu.

 

Sonnabend, 16. Juli – Heute Mittag wurde der Juli geteilt. Der halbe Monat liegt hinter uns. Gut zwei Wochen Sommer – Aspekt und bis örtliche Erfolge in punkto Hexen – Röhrlinge oder auch Sommersteinpilze, natürlich auch Kleinarten, einige Täublinge und Wulstlinge, wenige Pfifferlinge und sicher auch noch dies und jenes, denn ich kann nicht überall sein, war und ist nicht viel in Wald und Flur zu finden. Im großen und ganzen also äußerst bescheiden. Und so dürfte es auch weiter gehen. Es ist nichts großes zu erwarten, trotz der gelegentlichen Niederschläge. In Wismar konnte ich kalibriert seit Monatsbeginn 23,2 Liter in meinem Regenmesser in der Altstadt einfangen. Heut Nacht b. z. w. am Morgen fand ich 4 Liter darin vor, die in obiger Summe bereits eingerechnet sind. Normal für den ganzen Juli sollen im langjährigen Mittel 100,8 l/qm für Wismar sein. Davon sind wir noch weit entfernt und es sieht auch nicht so aus, als würden wir diesen Wert im Rest des Monats noch erreichen können. Übrigens kamen heute in Goldberg 4 l/qm, in Rostock 7 l/qm und in Boltenhagen 10 l/qm zusammen. Spitzenreiter war Kirchdorf, auf der Insel Poel, mit 11 Liter!

In Stephans Hauswald, bei Lübeck, starten nun wieder die Goldröhrlinge (Suillus flavus) durch. Bereits Anfang Juni erlebten sie hier einen Wachstumsschub. Foto: Stephan Drabner.

Auch einige Pfifferlinge (Cantharellus cibarius) schieben sich durch das Buchenlaub. Sie haben es in diesem Jahr bei uns besonders schwer. Auch dieses Bild hat Stephan für uns geschossen.

Leider wieder nur der Tropfen auf den eher unterkühlten Stein. Außerdem trocknete der starke Wind schnell wieder ab und die in den nächsten Tagen bevorstehende Hitzewelle wird ihr übriges tun. Sie wird den Stein gut aufheizen und die Trockenheit steigern. Am Mittwoch Abend kann es in Mecklenburg zwar Gewitter geben, aber regentechnisch dürfen wir von diesen nicht viel erwarten. Die Heißluft ist Knochen trocken und so ist nur wenig an niederschlagbarem Wasser in der Atmosphäre verfügbar. Allerdings soll die Luftfeuchte bei uns am Abend vorübergehend stark ansteigen. Die Hitze kann dann zwar mit Pauken und Trompeten vertrieben werden aber uns wird es wenig helfen. Auch mittelfristig ist wohl nicht viel drin, obwohl die Wettermodelle immer mal einige Niederschläge anzeigen. Der eine Lauf lässt es zwischendurch auch mal kräftiger regnen, im nächsten Lauf ist davon kaum noch etwas zu sehen. Genau so verhält es sich mit den Temperaturen. In Süddeutschland dürfte weiterhin Hitze auf der Agenda stehen. Bei uns im Norden wird das alte Muster wieder angedeutet. Die Anströmung dreht auf Nordwest und kühle Subpolarluft, mit wenig Regen, übernimmt wieder. Immer das selbe Muster leicht abgewandelt und dieses Muster ist seit dem Frühling ursächlich, dass es an der Frischpilzfront bei uns nicht vorwärts geht. In kürze beginnen die Hundstage. Der eigentliche Hochsommer mit den heftigsten Hitzewellen des Jahres. Typisch wäre hier ein Wechsel aus sehr warmen bis heißen Tagen mit durchziehenden Gewitterfronten, die dann auch mal richtig was an Wasser im Gepäck haben könnten. Eine Südwestwetterlage also, mit schwülen Luftmassen. Das wäre das Optimale, aber wie so oft sind wir hier ja nicht bei Wünsch dir was. Allerdings ist zum oben angedeuteten Rückfall zu Nordwest noch nicht das letzte Wort gesprochen. Einige Abendmodelle lassen die Hitze auch bald wieder bis zu uns ausgreifen. Vielleicht geht es ja tatsächlich mal in die oben angedeutete Richtung. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Ausschnitt aus einem Artikel in der Ostsee – Zeitung vom 14. Juli 2022. Abgebildet ist der Krokodil – Ritterling, der Tiger – Ritterling wäre stark giftig!

So ist es mit Fachwissen, wenn jemand diesbezüglich nicht bewandert ist. Unter der Überschrift Es ist eine wilde Welt geht es in diesem Artikel um wildwachsende Kräuter, Beeren, Pilze, Bäume u. s. w., die vom Menschen genutzt werden. Es wird darauf hingewiesen, dass die Ressourcen begrenzt sind. Die Welt sollte gerechter werden, damit beispielsweise weniger hungernde oder frierende Menschen auf unserer Erde, die Bio – Diversitätskrise nicht noch vergrößern. Zu schonen sollten daher wild lebende Tiere, Pflanzen und Pilze sein.

Fakt aus meiner Sicht ist, dass nicht die Menschen, die auf Nahrungsmittel aus der Natur angewiesen sind oder Holz zur Energiegewinnung im kleinen Stil nutzen, dafür verantwortlich sind, dass das Artensterben auf unserem Planeten immer schneller voran schreitet. Es ist der Raubbau der großen Konzerne und korrupte Regierungen, die unseren Planeten rücksichtslos ausplündern und ihn immer weniger lebenswert für nachfolgende Generationen machen. Aber vielleicht sollten es uns auch wir zu Herzen nehmen. Anstatt in den Wald, lieber in den Supermarkt zu gehen. Frische Champignons gibt es dort täglich. Unabhängig von Regen und Wind. Übrigens ist der Tiger – Ritterling ein in Mecklenburg seltener Giftpilz unter Buchen auf Kalkböden. Nutzen könnte man ihn höchstens, wenn man seinen Körper mal richtig entschlacken möchte. Er löst nämlich heftige Brechdurchfälle aus, gehört also in das Vergiftungssyndrom Gastroindestinale Pilzintoxikation, wo er diesbezüglich einer der effektivsten, sprich giftigsten Arten ist! Gefährlich könnte am ehesten ein Dehydrieren des Körpers werden. Aber bedenke, seltene Art! Es handelt sich in dieser Gruppe um Pilzarten, die roh und gekocht toxisch wirken, aber bei aller Dramatik in der Regel relativ harmlos sind. Es werden keine Organe geschädigt. Der beliebte, essbare Krokodil – Ritterling kommt bei uns kaum vor.

Der Tiger – Ritterling (Tricholoma pardinum) löst heftige Verdauungsstörungen aus. Das Foto habe ich dem Buch „Giftpilze – Pilzgifte“ von Flammer und Horak entnommen. Die Aufnahme stammt von F. Waldvogel.

Hier noch die möglichen, akkumulierten Regenmengen nach dem ECMWF für Wismar bis zum 31.07.2022 – 2.00 Uhr: minimal 5,7 l/qm, maximal 71,1 l/qm und im Mittel 27,2 Liter.


Unser heutiges Exkursionsgebiet ist Teil des Naturparks Sternberger Seenland.

 

Sonntag, 17. Juli – Eine Vereinsexkursion führte heute durch das Warnowtal bei Gädebehn. Der Verein, sprich die Gemeinnützige Gesellschaft Wismar e.V. mit ihrer Gruppe der Pilzfreunde, war heute leider nur in Form von Catrin und meiner Wenigkeit vertreten. Liebe Vereinsmitglieder, derer zählen nicht gerade wenig, es muss besser werden! Aber einige würden ja gerne, schaffen es altersmäßig leider nicht mehr zu Exkursionen, die wie heute, durchaus mal 7 Kilometer auf den Zähler bringen. Andere wohnen fern ab vom Schuss in Berlin oder Hamburg und der Rest wird sich gedacht haben, es gibt ohnehin kaum Frischpilze, da nutze ich den Sonntag Vormittag für andere Dinge. Wie dem auch sei, dieser Trend ist ja schon seit längerem zu beobachten. Das Wetter war Topp! Nicht zu warm, nicht zu kalt, recht sonnig und trocken. Trocken war nicht nur das Wetter, sondern auch der Waldboden, somit sah es mit Frischpilzen tatsächlich mehr als bescheiden aus. Hätte jemand tatsächlich, obwohl in erster Linie Kartieren angesagt war, auf Speisepilze spekuliert, er hätte sich mit zwei Hände voll Lungen – Seitlingen, zwei/drei Wurzel – Rüblingen und vielleicht noch mit zwei etwas zäheren Sklerotien – Porlingen zufrieden geben müssen. Dennoch war es eine schöne Exkursion, schon alleine wegen der herrlichen, urwüchsigen Landschaft. Der Bericht folgt in Kürze.

Wir haben hier heute natürlich nicht das erste mal kartiert. Neu, zumindest in meiner Datenbank, ist auf jeden Fall dieser Zweifarbige Knorpelporling (Gloeoporus dichrous) an einem trockenen Eichenast. Catrin hat diesen schönen Fund getätigt.

Den kennen wir ja insbesondere aus dem Winter. Bei feuchtem Wetter oder an Luft – feuchten Standorten können wir ihn auch ganzjährig antreffen. Goldgelber Zitterling (Tremella mesenterica).

Zur Wetterentwicklung: Ein kurzer, hochsommerlicher Hitze – Schub macht sich nun endlich ab morgen auch zu uns in den Norden auf. Während die höchsten Temperaturspitzen mit bis zu 40 Grad im äußersten Westen der BRD am Dienstag erreicht werden sollen, verschiebt sich der Hitze – Schwerpunkt am Mittwoch in den Nordosten. Mit bis zu 39 Grad im Schatten kann es besonders von Mecklenburg bis in den Raum Leipzig am heißesten werden. Das war es dann auch für uns an der Ostsee schon wieder mit großer Sommerwärme. Die Strömung dreht auf Nordwest zurück und wir sitzen wieder in kühlerer Nordseeluft, so wie wir es seit dem Frühjahr gewohnt sind. Geändert zur gestrigen Prognose hat sich jedoch, dass das für die Hitze verantwortliche Höhentief viel stärker gerechnet wird. Es kann daher am Mittwoch tatsächlich deutlich feuchtere Luft einspeisen, so dass besonders in Nordwestdeutschland eine knackige Gewitterlage mit hohen Niederschlagsmengen angedeutet wird. Besonders zwischen Bremen, Hamburg und Schleswig – Holstein kann es punktuell sehr heftig schütten oder gar Hageln! Westmecklenburg bekommt eventuell am Abend schon mal einen Donnerschlag ab und in der Nacht zum Donnerstag sollen dann auch bei uns Schauer und Gewitter durchdonnern. Deutlich schwächer und nicht vergleichbar mit dem, welches nur ein klein wenig weiter nach Westen hin geboten werden soll. Aber es sind ja noch einige Tage hin. Warten wir ab. Noch ist nicht aller Tage Abend!

Hier sehen wir junge Seitlinge mit gerillten Stielen an Buche. Nicht zu verwechseln mit dem Rillstieligen Seitling! Dezenter Anis – Duft und das Gilben der Fruchtkörper verraten den Lungen – Seitling (Pleurotus pulmarius). Der Rillstielige Seitling soll anatomisch abweichen und meist zentral gestielt sein. 17.07.2022 am Standort im Warnowtal Gädebehn.

Hier noch die möglichen, akkumulierten Regenmengen bis zum 01. August 2022 – 2.00 Uhr nach dem ECMWF für Wismar: minimal 1,6 l/qm, maximal 76,1 l/qm und im Mittel 29,2 Liter.


Diese liebevoll in einer Frischhaltedose gebetteten und im Kühlschrank aufbewahrten Pfirsich Täublinge brachte mir Catrin für unsere Pilzausstellung gestern mit zur Vereinsexkursion. Sie bereichern nun die aktuell 77 Arten umfassende Ausstellung im Info – Zentrum.

 

Montag, 18. Juli – (Welt – Zuhörtag) – Heute ist also der Tag des Zuhörens. Schade, dass dieser nicht im Herbst auf dem Kalender steht. Warum? – Weil ich mir manchmal fast den Mund fusselig rede, um manchen Zeitgenossen zu erläutern, woran man ihren gerade gefundenen Pilz am besten erkennt. Die wichtigsten Merkmale hervorhebe und vielleicht auch noch zum möglichen Doppelgänger einige Bemerkungen anfüge. Statt dessen wird auf Durchgang geschaltet und nur darauf gewartet, ob endlich das erhoffte Wort essbar meinen Lippen entspringt. Wenn nicht, fliegt der Pilz schon mal im hohen Bogen in den Wald zurück, um kurze Zeit später mit selbiger Art von mir grünes Licht zur Essensfreigabe zu erhoffen. Aber es sind natürlich nicht alle so „gut“ drauf. Immerhin läuft das Ganze ja unter der Bezeichnung Lehrwanderungen, auch wenn diese nicht selten, insbesondere in Zeiten der Trockenheit, bezüglich Speisepilze leer ausgehen können. Aber lernen kann man immer etwas, wenn man dazu bereit ist und über den Tellerrand hinaus blicken und vor allem zuhören kann. Aber in unserer aufgedrehten, reizüberfluteten Zeit scheinen viele Menschen überhaupt nicht mehr in der Lage zu sein, einander zuzuhören. Warten bis der Gesprächspartner seine in Worten gefassten Gedanken seinem Gegenüber mitgeteilt hat, scheint manchmal ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Wie dem auch sei, wir sollten etwas mehr einander zuhören und vielleicht auch mal die Gedanken des Anderen in sich hinein lassen. Und auch Rechthaberei bei Seite legen, denn niemand hat das alleinige Recht für sich gepachtet und die absolute Wahrheit gibt es nicht, oder? Wer weiß, ein Grüner Knollenblätterpilz, bleibt ein Grüner Knollenblätterpilz, auch wenn er mal weiß daher kommen kann!

Pfirsich- oder Violettstieliger Täubling (Russula violeipes) gestern kurz der Dose entnommen und wie es sich gehört, im Buchenwald fotografiert. Gefunden hatte Catrin die Sprödblättler im Rühner Holz bei Bützow. Ein wohlschmeckender Täubling, wie unser Phillip im vergangenen Jahr bei reichlichem Vorkommen austesten konnte.

Apropos Grüner Knollenblätterpilz. Ab Juli ist dieser Mörder eigentlich schon wieder in unseren Wäldern und Parkanlagen unterwegs und wird sicher hier und dort auch schon aufgeschlagen sein. Zwar ist es mit dem Frischpilzaufkommen nach wie vor mehr als dürftig, aber durch die zwar regional sehr unterschiedlichen Niederschläge der letzten Wochen, kann immer mal der eine oder andere Frischpilz auftauchen. Warum also nicht auch schon mal Amanita phalloides.

Zwei Amanitas sehen wir auch hier. Catrin brachte sie mir gestern ebenfalls mit. Schön sind die typischen, weinroten Färbungen ausgeprägt, die dem essbaren Perlpilz als eines seiner markantesten Merkmale dienen. Gefunden ebenfalls im Rühner Holz.

Catrin brachte mir gestern außerdem noch 10 Flache Lackporlinge mit von ihr bemalten Pilzmotiven mit. Ich habe sie auf Bastelholz geklebt und eine kleine, zusätzliche Präsentation auf einem meiner Schau – Tische eingerichtet.

Aber jetzt wird erst einmal die Heizplatte so richtig hochgefahren und exponiert stehende Exemplare, nicht nur von Amanita phalliodes (der ist gekocht genau so toxisch wie roh), schon mal gleich vor Ort gegart. Es hat ja wirklich gedauert, bis die angekündigte Hitze sich endlich entschlossen hat, ihren Weg auch bis zu uns anzutreten. Der Brückentag war heute. Immerhin findet gerade ein extremer Luftmassenwechsel statt. Von Polarluft zu afrikanischer Heißluft. Dem geschuldet war der bewölkte Wettercharakter des heutigen Tages. Meteorologisch unter der Bezeichnung Warmluftadvektion geführt. Heute wurden schon mal Frankreich und die britischen Inseln abgekocht. Morgen und insbesondere am Mittwoch sind wir an der Reihe. Während am morgigen Dienstag die Temperaturen mit bis zu 35 Grad in Mecklenburg noch halbwegs  „erfrischend“ daher kommen, wird der Backofen am Mittwoch bis an den Anschlag hoch gefahren. Mecklenburg, Hamburg, und das nördliche Sachsen – Anhalt werden die heißesten Regionen nicht nur in Deutschland, sondern wahrscheinlich sogar von ganz Europa. In Mecklenburg könnten Allzeit – Hitzerekorde ins Wanken geraten, denn besonders in der Griesen Gegend sind bis zu 40 Grad im Schatten möglich. Das gab es, sollt es so kommen, noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen! Und ausgerecht dort, in die Griese Gegend, soll es am Mittwoch hin gehen. Ob ich mir das wirklich antun möchte? 

Jeder Porling ist mit einem anderen Pilz – Motiv versehen. Bei Interesse können ihre Arbeiten für eine kleine Spende im Steinpilz – Wismar erworben werden. Ich ziehe den Hut vor ihrem ruhigen Händchen und dem Talent für die plastische Darstellung der ausgewählten Pilze.

Und was machen Regen und Gewitter? Die haben sich stand heute entschlossen, lieber im Nordwesten zu bleiben und nicht nach M-V zu ziehen. Zumindest nicht Mittwoch Abend. Vielleicht kommt in der Nacht zum Donnerstag und am Donnerstag selbst noch ein Rest davon mit moderaten Regenmengen an. Aber abwarten, die Lage ist ziemlich unberechenbar, vielleicht kracht es doch noch ganz ordentlich, mit uns nützenden Niederschlagsmengen.

Gestern Abend war ich noch kurz zum Wismarer Friedhof, um auf dem Grab meiner Mutter ein Licht zu entfachen. Sie wäre 97 Jahre geworden. Je älter ich werde, um so mehr muss ich an sie denken. Warum dauert es nur so lange, bis man die Einzigartigkeit und Dankbarkeit zu schätzen weiß, dass Licht der Welt erblickt haben zu dürfen und was Kinder doch insbesondere für ihre Mütter bedeuten. Gerade auch für die damalige Generation, die so viel Leid erleben musste. Bei dieser Gelegenheit stolperte ich fast über diese Wurzelnden Bitter – Röhrlinge (Boletus radicans) unter einer Birke!

Hier die möglichen Regenmengen für Wismar nach dem ECMWF in akkumulierter Form bis zum 02.08.2022 – 2.00 Uhr: minimal 6,2 l/qm, maximal 71,0 l/qm und im Mittel 24,5 l/qm.


Lungen – Seitling einmal anders, auf Flachem Lackporling, von Catrin Berseck in Szene gesetzt.

 

Dienstag, 19. Juli (Los-und Schwendtag) – „Vinzens Sonnenschein, füllt die Fässer voll mit Wein. Hat St. Vinzenz starken Regen, kommt das alles ungelegen.“ So heißt es in dem Buch „Abendrot – Schönwetterbot“ von Bernhard Michels. Nun, dann werden ja wohl die Fässer gut mit Wein gefüllt werden können, denn die Sonne schien heute ungestört von früh bis spät. Dazu hochsommerliche Temperaturen. Ein phantastischer Strandtag, den ich auch für mich ausnutzte. Da wäre Regen ganz sicher ungelegen. Des weiteren ist in diesem Buche eine Witterungstendenz in Form einer  Bauernregeln für den Zeitraum vom 19. – 29.07. zu lesen. Demnach sollen in den folgenden 10 Tagen Regen und kühle Meeresluft vorherrschen. Liebe Bauern, die ihr diese Regel aufgestellt habt, daraus wird nichts!

Dieses Standortfoto sandte mir Katarina Dominka am Sonntag zu. Es zeigt junge Wurzelnde Bitter – Röhrlinge (Boletus radicans) am Ostufer des Schweriner Sees. Diese Dickröhrlinge bevorzugen den Hoch- und Spätsommer und fruktifizieren auch bei großer Trockenheit.

Blasser Laubwald – Pfifferling (Cantharellus cibarius var. pallidus) von Catrin Berseck gefunden und fotografiert.

Das Grundmuster der Mittelfrist wird sich nicht viel ändern zu dem, welches wir schon seit Monaten erleben. Bei den Ausführungen zur Großwetterlage (Wetter – Widget oben) des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach wurde heute ausführlich erläutert, warum das so ist und auch warum die Hitzespitzen in diesem Sommer am oberen Anschlag liegen. Ursächlich ist die seit Ende Februar/März vorherrschende Blocking – Wetterlage. Der Atlantik ist abgeriegelt und so kann beispielsweise auch nicht der für den Hochsommer in West- und Mitteleuropa so typische Sommermonsun durchbrechen. Normal wäre jetzt Tiefdruckeinfluss und immer wieder würden Regenfronten durchziehen. Das war in früheren Zeiten oft unser ganz normales Sommerwetter. Es kommt anscheinend immer seltener vor. Dadurch herrscht in weiten Teilen Europas, auch ganz besonders im Westen und Süden, große Dürre. Die Böden sind ausgetrocknet, die Vegetation ist vertrocknet. Die Böden heizen sich folglich stärker auf. Es können extreme Hitzeblasen entstehen und einer dieser Blasen liegt morgen mit ihrem Zentrum praktisch nordöstlich der Elbe, mit Schwerpunkt Mecklenburg, Hamburg, Sachsen – Anhalt und angrenzende Randgebiete. So dürfen wir uns in Mecklenburg morgen auf einen historischen Wettertag „freuen“. Bis zu 40 Grad in der Griesen Gegen! Hoffentlich erleide ich keinen Hitzschlag, denn dort soll ausgerechnet meine Mittwochsexkursion hin führen. Stand gestern herrscht in der Region die Waldbrandwarnstufe 3, die Wälder dürfen demnach betreten werden.

Zusammen mit einigen, von der Trockenheit gezeichneten Sommersteinpilzen, fand Catrin den blassen Pfifferling am Montag morgen in Bützow.

Welchen Vertreter der Dickröhrlinge Catrin auf diesem Lackporling gezaubert hat, darüber mag der Betrachter seine jeweils eigene Philosophie anstellen.

Am morgigen Abend erreicht uns eine Konvergenz. An ihr treten bei sommerlichen Wetterlagen normalerweise die heftigsten konvektiven Umlagerungen, also die stärksten Schauer und Gewitter auf. Nicht morgen (trockene Atmosphäre), es soll nur zu einer plötzlichen Winddrehung kommen (Südost auf Nordwest), mit starken Böen und plötzlichem Temperatursturz in Westmecklenburg, von fast 40 auf unter 30 Grad. Unmittelbar danach steigt die Luftfeuchte aber markant an und es besteht die Gefahr von einzelnen Gewittern. Aber das alles ist immer noch nicht ganz klar. Das für alles verantwortliche Höhentief ist schwer berechenbar. Stand heute Abend kommen im Nordwesten, bis etwa in den Raum Hannover, starke Gewitter in der Nacht zu Donnerstag auf. Diese können gebietsweise in mehrstündigen Starkregen übergehen und Nordwestdeutschland stellenweise hohe Regenmengen bringen. Es werden wahrscheinlich Sturzflutwarnungen nötig sein! Am wahrscheinlichsten scheint heute Abend, dass das Höhentief am Donnerstag in Richtung westliche Ostsee zieht und demnach zumindest strichweise starke Regenfälle und Gewitter auch auf M-V übergreifen können. 

Die Traube von Schuppigen Porlingen, die ich am vergangenen Mittwoch geerntet habe und als Blickfang vor dem Info – Zentrum platziert habe, wird durch Wind, Sonne und Hitze allmählich konserviert.

Hier wieder die möglichen, akkumulierten Regenmengen des ECMWF für Wismar bis zum 03.08.2022 – 2.00 Uhr: im Minimum 6,5 l/qm, maximal 70,7 l/qm und im Mittel 20,5 Liter.


Die Sonne brannte auch am frühen Abend noch erbarmungslos vom Himmel. Bei ablandigen Winden war es selbst an der Ostsee nicht wirklich angenehmer. Nur im Wasser, versteht sich, konnte man der Hitze entkommen.

 

Mittwoch, 20. JuliWie es sich schon angedeutet hat, es war heute ein historischer Wettertag in Mecklenburg! Die 40 Grad wurden wohl in Mecklenburg knapp verfehlt, dennoch purzelten an vielen Orten im Osten und Norden Deutschlands allzeit Temperaturrekorde. Die 40 war  beispielsweise in Hamburg dabei! Tatsächlich waren wir heute die Hitzehochburg von ganz Europa. Nur im inneren von Spanien war es ähnlich heiß wie bei uns. So wurden beispielsweise an den Wetterstationen in Boltenhagen, Rostock – Warnemünde oder Schwerin noch nie so hohe Temperaturen gemessen wie heute. Der Allzeitrekord beispielsweise für Schwerin stammte vom 09.08.1992 mit 36,9 Grad. Heute wurde er mit 38,4 Grad eingestellt! Fast 2 Grad mehr. Bereits am Vormittag zeichnete es sich ab, dass es unerträglich heiß werden würde und ich schließlich von meinem Vorhaben zur Mittwochsexkursion in die mit 40 Grad vorhergesagte  Griese Gegend zu fahren, absah. Auf den Sanderflächen, umrahmt von reifen Getreidefeldern und lichten Kiefernforsten, wäre ich regelrecht abgekocht worden. Es hätte lebensgefährlich werden können. Die Exkursion wird in Kürze nachgeholt.

Ein durch die trockene Hitze felderig aufgesprungener Wurzelnder Bitter – Röhrling (Boletus radicans) heute im Eichenpark der Insel Poel.

Ich schrieb statt dessen den Rückblick von unserer Vereinsexkursion am vergangenen Sonntag und hatte am späteren Nachmittag noch vor, in einen schattigen Laubwald bei Lübberstorf zu fahren. Aber beim vor die Tür treten schlug mir eine derartige Backofenhitze entgegen, dass ich auch davon absah. Schließlich wäre es etwas ungemütlich wegen der Mücken in luftiger Bekleidung und kurzen Hosen im Wald aufzuschlagen. Ich fuhr auf die Insel Poel und stattete dem Eichenpark einen Besuch ab. Dort erhoffte ich mir einige Fotos für dieses Tagebuch. Ich rechnete nicht wirklich mit nennenswerten Frischpilzen, aber ich war mir ziemlich sicher, dass es zumindest Wurzende Bitter – Röhrlinge geben dürfte. Die sind schließlich Trockenheitsresistent. Und so war es auch. Außer einem aus Neugier heraus gerissenen Anis – Champignon und auch einem zerstückelten Bitter – Röhrling, fanden sich schließlich zwei junge, fotogene Exemplare. Sonst nichts! An den Strand begab ich mich heute nicht, weil mir dort zu viele Menschenmassen bei dieser Hitze verweilten. So fuhr ich am Abend noch etwas die Küstenstraße am Salzhaff, bis zum Aussichtspunkt bei Boinstorf, entlang und wartete auf die Windkonvergenz. Lockere Wolken am Himmel ließen sie vermuten, aber sie kam noch nicht. Der heiße Wind wehte weiter von Südost.

Trotz ihres appetitlichen Aussehens schmecken die Pilze bitter und sind ungenießbar.

Inzwischen haben sich im Westen Deutschlands schon zahlreiche. teils schwere Gewitter ausgebreitet. Sie kommen aber zunächst nicht in den Nordosten voran, sondern drehen sich im Laufe der Nacht über dem Nordwesten ein, wo es gebietsweise zu hohen Regenmengen kommen kann. Reste des Gewittertiefs können morgen im Tagesverlauf auch auf M-V übergreifen. Bis in die Nacht zu Freitag kann es dann örtlich zu Schauern und Gewittern kommen. Für Wismar werden 2 Liter berechnet, was eigentlich Blödsinn ist, da konvektive Zellen so genau nicht berechnet werden können. Genau so gut kann es nichts geben oder es landen 20 Liter oder mehr im Becher. Wir werden sehen.

Die Netzzeichnung des linken Pilzes ist besonders gut ausgebildet. Übrigens entstehen die netzartigen Maschen auf den Stielen einiger Dickröhrlinge durch Verlängerung ihrer Röhren. Wurzelnde Bitter – Röhrlinge (Boletus radicans) am heißesten Tag dieses Sommer im Eichenpark Schwarzer Busch auf der Insel Poel.

Außerdem ist laut Bauernregel heute wieder ein wichtiger Lostag, der Margaretentag: „Der Margaretentag ist ein gefürchteter Lostag, dem die Bauern mit entsprechender Sorge entgegen sehen. Daher auch der alte Spruch: „Margaretenregen bringt keinen Segen“. Die armen Bauern im Süden und Westen, wo es am Abend und in der Nacht kräftig schütten wird. Außerdem galt der Margaretentag als günstiger Tag für die Herbstrübenaussaat. Daher war der Regen jetzt nicht gern gesehen. Mancherorts war in der Margaretenwoche sogar das Arbeiten verboten! So zu lesen wieder in „Abendrot – Schönwetterbot“!

Hitzewetter über der Mecklenburger Bucht und dem Salzhaff am Abend des 20. Juli 2022.

Hier die akkumuliert möglichen Regenmengen nach dem ECMWF für Wismar bis zum 04.08.2022 – 2.00 Uhr: minimal 4,2 l/qm, maximal 52,3 und im Mittel 20,8 Liter. 


Mammatus – Wolken heute Nachmittag von Göllin aus fotografiert. Diese mitunter spektakulären Wolkenbeutel, die an eine weibliche Brust erinnern, sind nicht selten im Umfeld schwerer Gewitter zu beobachten. Es war leider nur ein schwacher Schauer.

 

Donnerstag, der 21. Juli – Wie Montags, ist auch am Donnerstag ganztags das Info – Zentrum geöffnet. Siehe Öffnungszeiten b. z. w. Sprechzeiten. Pilzberatungen finden angesichts der Trockenheit kaum statt. Die Dauerausstellung hat ihren Namen verdient, da bisher in dieser Saison meist nur pflegeleichte, haltbare, dauerhafte Arten (Porlinge, Schichtpilze, Bauchpilze oder Kernpilze) und nur wenige Frischpilze gezeigt werden können. So ist das Interesse auch recht begrenzt. Natürlich gibt es Bücher, Info – Material oder auch Pilzwürze. So kann man sich mit Pilzwürzpulver eindecken, wie auch heute Urlauber, die sich jedes Jahr im Sommer bei mir diesbezüglich bevorraten. So macht es natürlich Sinn, sich an die Öffnungszeiten auch in ungünstigen Zeiten zu halten.

Drei ältere Rotfuß – Röhrlinge (Xerocomus chrysentheron) an einer Eichen/Ahorn – Feldwegkannte bei Göllin.

Auf dem Weg zum Schwarzen See fanden sich heute noch Restpfützen auf den verfestigten Waldwegen von stärkeren Schauern in der letzten Zeit. Frischpilze fand ich trotzdem keine!

Heute jedoch schloss ich am Nachmittag den Laden ab und begab mich zu einer kleinen Tour in den Raum Neukloster, Bützow und Warin, um die Lage dort zu peilen. Eigentlich wollte ich die ausgefallene Mittwochsexkursion nachholen, also in die Griese Gegend, südwestlich von Ludwigslust, in den 2. Quadranten des MTB Eldena fahren. Aber beim Blick auf Kachelmanns Super HD bezüglich signifikanten Wetters, wurden stündlich immer mehr und immer stärkere Gewitter simuliert, die sich am Nachmittag und Abend über Mecklenburg bilden sollen. Das hielt mich schließlich davon ab, so weit weg zu fahren. Es hieße möglicherweise immer mal Schutz suchen und außerdem kenne ich mich im Zielgebiet nicht gut aus. Deshalb also in mir geläufigeren Gefilden verbleiben und immerhin könnte es auch wieder eine interessante Wetter – Tour werden. Das Tagebuch nennt sich schließlich Wetter und Pilze!

Und es wurde ein wunderbarer Wettertag! Am Abend kochte der Himmel und ein schwarzes Monster zieht auf Warin zu. Ich kann es kaum in Worte fassen, wie glücklich mich ein solcher Anblick macht. Nicht nur wegen des dringend benötigten Regens.

Lange Rede, kurzer Sinn, ich schwang mich am Nachmittag auf meinen Kleinkraftroller (125er) und fuhr in den Raum Neukloster, mit dem Ziel Lübberstorfer Forst, die ja Ende Juni einiges an Wasser abbekommen hat. Der Wald war inzwischen nicht feuchter als anderswo und mit Frischpilzen sah es mehr als dürftig aus. Nach einer halben Stunde mit nur einem Eichen – Filzröhrling, mittig eines grasigen Waldweges, brach ich hier ab. An einer Eichen/Ahorn – Weg – Böschung, bei der Ortschaft Göllin, fand ich immerhin noch drei leidliche Rotfuß – Röhrlinge.

Eichen – Filzröhrling (Xerocomus quercinus) auf dem grasigen Mittelstreifen eines Waldweges in der Lübberstorfer Forst. Standortfoto 21.07.2022.

Natürlich hatte ich das Wetter immer im Blick und es zogen auch zeitweise etwas dunklere Wolken auf, ja sogar bis hin zu den oft spektakulären Mamammatus – Beuteln, die sich im Umfeld von schweren Gewittern zumeist finden. Es reichte aber nur für ganz genau drei Tropfen, die ich fühlbar abbekommen habe. Die Wolken lockerten sich wieder etwas auf und ich fuhr in die nahe Schlemminer Staatsforst. Die Hohe Burg und der Schwarze See war angesagt. Unsere Pilzfreundin Catrin sagte mir, der dortige Steg durch das Naturschutzgebiet sei wieder hergerichtet worden und das reizte mich. Natürlich ist das Umfeld auch ein beliebtes und ertragreiches Pilzrevier, aber mit Frischpilzen konnte es heute nicht dienen. Dafür war es um so schöner, wieder mal durch die dem höchstgelegen See von M-V umgebende, einzigartige Moorlandschaft zu streifen. Wie wertvoll das Gebiet ist, wurde sogar von den Machthabern des 3. Reiches erkannt und es wurde im Jahre 1939 unter Naturschutz gestellt.

Nach Jahren des Zerfalls, an dem auch der Zaunblättling maßgelblichen Anteil hatte, ist der Steg durch das einzigartige Moorgebiet wieder, wenn auch in recht rustikaler Form, hergerichtet worden. Ein Paradies für jeden Naturliebhaber.

Doch am späten Nachmittag keimt Hoffnung am Himmel auf und ein Gefühl der Freude und Dankbarkeit machte sich schon mal in mir breit. Die Konvektion schraubt sich endlich in größere Höhen und wir sehen einen klassischen Gewitterturm im Zentrum des Bildes.

Enttäuscht war ich zunächst jedoch über die Wetterentwicklung. Sollte sich das sonst doch so verlässliche Super HD so geirrt haben? Es brodelte zwar am Himmel, aber so sehr sich die Konvektion auch mühte, sie scheint nichts hin zu bekommen. Inzwischen war es bereits fast 17.00 Uhr. Schon ab 15.00 Uhr hätte es kräftig Schauern und Gewittern sollen. Schade, es klappt wohl nicht. Wieder eine Chance auf nennenswerten Regen verspielt. Ich setzte mich auf mein Zweirad und fuhr zurück in Richtung Neukloster. Noch im Wald fing es tatsächlich während der Fahrt an zu Tröpfeln. Am Waldrand befindet sich ein rustikales Buswartehäuschen, denn konvektiver Niederschlag kann ganz plötzlich in einen Wolkenbruch ausarten. Aber es war nur ein wenig Vorgeplänkel, zu dem was noch kommen sollte und die Sonne kam sogleich nochmals heraus. Mein Thermometer zeigte 28 Grad an und es wurde immer schwüler.

Die Gewitterzone baut sich immer mehr auf und erste Niederschlagsschleier sind zu erkennen.

Schließlich bricht eine kleine Sintflut über die Mecklenburgische Kleinstadt Warin herein.

Ich fuhr nun in Richtung Warin und hatte somit den südlichen Horizont im Blick, wo sich plötzlich hochreichende Konvektion in den Himmel zu schrauben begann. War jetzt die Auslösetemperatur endlich erreicht? Es sah jeden Falls so aus und auch das Höhentief hatte sich nochmal ganz gut eingedreht und lieferte zusätzliche Hebung. Es begann endlich spannend zu werden und der Tag schien sich doch noch zu einem wundervollen für mich zu entwickeln. Die Königin der Wolken könnte es möglich machen. Ja, es schien sich etwas aufzubauen, welches das Potenzial für größeres haben könnte. Minütlich veränderte sich nun das Himmelbild und es zeichnete sich rasch die Bildung einer Gewitterzone ab. Ich fuhr dieser Entwicklung entgegen und hielt zwischendurch immer wieder an, um es fototechnisch zu dokumentierten. In Warin angelangt, kaufte ich schnell noch einige Lebensmittel bei einem der dortigen Discounter ein und hoffte, dass sich das Geschehen am Himmel inzwischen in Richtung Gewitter ausbauen würde. Als ich den Discounter verließ, hörte ich, wie eine Verkäuferin aus dem gegenüber liegenden Bäckerladen einer anderen im Nebengeschäft zurief, es geht los, schnell noch die Werbeaufsteller herein holen. Der Sturm hielt sich in Grenzen, aber der Himmel öffnete unter Blitz und Donner seine Schleusen derart, dass man hätte denken können, der jüngste Tag sei herein gebrochen und die Sintflut nimmt ihren Lauf. Warin landete einen Volltreffer. Herzlichen Glückwunsch! Zwar nur etwa 10 Minuten lang, aber in dieser Zeit kam doch einiges an Wasser zusammen. Auf Schlag hörte es auf, aber rings herum schossen weitere Gewittertürme in den Himmel.

Und darum hörte es schlagartig auf? Man schaue sich die schroffe Wolkenwand an. Gut nachzuvollziehen, warum es später in einem Waldabschnitt, oder auf der einen Seite eines Waldweges, Pilze gibt und auf der anderen Seite keine! Etwas überspitzt natürlich, aber so können konvektive Niederschläge schon für scharfe Grenzen sorgen.

Innerhalb kürzester Zeit hatte sich der Parkplatz am Einkaufszentrum in Warin in eine Wasserwüste verwandelt.

Mir war klar, so einfach komme ich jetzt nicht nach Wismar, ohne komplett abgeduscht zu werden. Ich fuhr in Richtung Hasenwinkel, da ich ohnehin über Jesendorf fahren muss, da die direkte Straße nach Wismar wegen Bauarbeiten gesperrt ist. In Nisbill legte ich zunächst einen Stopp ein, da sich zu meiner Fahrtrichtung eine neue, dunkle Gewitterwand in Blickrichtung Wismar aufgebaut hatte. Endlich bekommt auch Wismar sein Wasser ab, dachte ich. Aber beim Blick in meinen Regenmesser kam die Ernüchterung. Ein ganzer Liter befand sich in diesem. Wetter – Online hatte recht mit 1 – 2 Liter für Wismar! Ich fotografierte die beindruckende Gewitterfront in Richtung Nordwesten, aber auch rings um mich herum sah es nicht viel anders aus. Fasst übersah ich, dass sich auch über meinem Standort eine neue Zelle entwickelt, die sogleich los legen dürfte.

Ich musste mich sputen. Schnell ins trockene und zumindest halbwegs sichere Buswartehäuschen in Nisbill einchecken.

Also schnell zum Buswartehäuschen in Nisbill. Ein Blitz, ein Donnerschlag und der Duschhahn wurde erneut bis zum Anschlag aufgedreht. Im Raum Warin darf die Uhr gestellt werden! Ich war mitten drin im Geschehen und gefühlt sollte die magische Grenze von 20 l/qm durchaus erreicht worden sein. Beim auswerten der Radarbilder zeigte sich, dass auch weiter westlich starke Gewitter durchgezogen sind, die mit örtlich bis zu 50 Litern noch teils deutlich höhere Regensummen zustande brachten.

Und das ist die Gewitterlinie, die aus Sicht von Nisbill aus im Raum Grevesmühlen, bis hinauf zur Wohlenberger Wiek, besonders viel Wasser auf die verdorrte Landschaft brachte, welches leider meist so schnell gar nicht richtig aufgenommen werden kann. Gut sind die Niederschlagskerne und eine schön ausgebildete Böen – Linie zu erkennen. 21. Juli 2022.

Hier noch die möglichen Niederschlagsmengen nach dem ECMWF in akkumulierter Form für Wismar bis zum 05.08.2022 – 2.00 Uhr: minimal 2,4 l/qm, maximal 52,0 l/qm und im Mittel 20,8 Liter.


Es kochte über dem Himmel zwischen Warin und Nisbill gestern Abend.

 

Freitag, 22. Juli – Ja, dass war gestern ein schöner Tag, der mich besonders gegen Abend begeisterte. Schön, dass ich in meinem ziemlich trist gewordenen und auslaufenden Leben noch so schöne Momente in der Natur erleben darf. Das erfüllt mich mit Dankbarkeit und Ehrfurcht. Die ewige Dunkelheit, die bald über mich hereinbrechen wird, wird zumindest nicht langweilig, dass wissen wir ja alle aus Erfahrung. Vor unserer Geburt, da war es ja auch schon so und nichts anderes folgt nach dem Tod. Mir fehlte es an nichts! Kein Himmel, keine Hölle, kein Paradies, einfach das Nichts! Das oben Genannte dürfen wir zu Lebzeiten genießen oder auch ertragen. Für mich war es gestern Abend ein wenig Paradies und Romantik pur. Für andere Menschen sind solch dunkle Gewitterwolken eine Ausgeburt der Hölle. Dabei brauchen wir alle die Hölle, genau so wie das Paradiesische. Was wäre das Leben ohne all dem? Mit der Hölle meine ich nicht, dass höllische, welches der Mensch, dem Menschen antut. Siehe Ukraine. Der Satan hat das Land überfallen, um den Satan zu bekämpfen! Wehe dem, wir Reden noch von Humanismus. Den wird es unter uns Menschen nie in Vollendung geben. Das wäre ja das wahre Paradies und dieses wäre unerträglich langweilig. Was wäre das Leben ohne das Böse? Wir brauchen das Böse, um Leben zu können. Kein Tag, an dem im Fernsehen keine Krimis laufen. Ganze Städte werben für sich auf der Basis des Bösen, des Kriminellen, des Verbrechens! Die Medien brauchen möglichst negative Schlagzeilen, an denen es sich gut verdienen lässt, unter dem Motto: „Nur eine schlechte Nachricht ist eine gute Nachricht“.

Mächtige Turbulenzen gestern Abend über dem Himmel zwischen Nisbill und Hasenwinkel. Viele sehen darin das Böse, ich die Schönheit!

Ich stehe im trockenen und mein Dienstfahrzeug wird endlich mal richtig abgeduscht.

Vielen ist Wismar erst durch die seit Jahren andauernden Ermittlungen der SOKO Wismar ein Begriff geworden. Ja, die Ganoven sind wichtig, sind Werbeträger einer schönen Stadt an der Ostsee. Aber das Böse ging hier ja schon vor über 100 Jahren auf die Leinwand! Einigen, wenigen, ist Wismar auch dadurch in das Bewusstsein gedrungen, weil es hier einen Steinpilz gibt. Den Steinpilz – Wismar. So, nun habe ich endlich wieder den Bogen zum eigentlichen Thema dieses Tagebuches hin bekommen. Weg von meinen geistigen Ausdünstungen über Gott und Teufel, über gut und böse. Steinpilze, in Form ihrer Sommer – Variante, dürften in 11 – 14 Tagen wieder erwartet werden. Sehr punktuell und diese Punkte gilt es zu erwischen. Insbesondere in Parkanlagen oder entsprechend begünstigen Standorten unter Eichen und Buchen, mit möglichst etwas Kalk im Boden. Unter Linden werden, womit wir wieder beim vermeintlich Bösen wären, Netzstielige Hexen aufschlagen und auch Champignons können starten. Kleinarten schon früher und etwas später auch einige Täublinge und Wulstlinge, einschließlich einiger schwerer Jungs unter ihnen. Ein allgemeiner Durchbruch steht nicht in Aussicht. Ein wirklich nennenswertes Pilzaufkommen wird es in diesem Sommer mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr geben. Da müssen wir uns bis zum Herbst gedulden. Der Pilzherbst beginnt Mitte August.

Der Starkregen setzt sogleich die Dorfstraße unter Wasser.

Gefährliche Straßenverhältnisse! Von einem abschüssigen Waldweg wurde zusätzlich zum schmierigen Laub der Kastanien, Schlamm auf die Straße gespült und das ausgerechnet in einer Kurve. Besonders gefährlich für Zweiradfahrer, insbesondere aus der Gegenrichtung kommend.

Auf http://www.kachelmannwetter.de wurde heute eine Grafik gezeigt, mit den bisher im Juli gefallenen Niederschlägen. Da gehört Mecklenburg – Vorpommern zumindest strichweise zu den feuchteren Regionen der BRD. Viel schlimmer ist es im großen Südwesten, dem Süden und Teilen Mitteldeutschlands. Dort herrscht wirklich Dürre. Nur regional bis gebietsweise hat es im Süden stärker geregnet, insbesondere in den dafür prädestinierten Region am Alpenrand und inneralpin. In unseren Breiten am meisten Niederschlag fiel strichweise in den Regionen zwischen Wismar, Neubukow und Bad Doberan mit bis zu 60 Litern. Auch westlich der Hansestadt vom Schweriner See bis hoch zur Wohlenberger Wiek mit bis zu 50 Litern. Das sind also die Regionen, in denen es zum Monatswechsel wieder ein zumindest kurzes Aufflackern in der oben beschriebenen Form geben sollte. Allerdings auch hier in sehr differenzierter Form. Am besten stehen die Chancen noch im Raum Grevesmühlen, wo das gestrige Gewitter bis zu 50 Liter abgeladen hat. Aber auch von Ratzeburg, über Rehna und Gadebusch ist einiges aus den Wolken gefallen.

Der Starkregen hat die geschädigten Blätter der Rosskastanien zu Boden befördert. Die Sonne kommt kurz durch und sogleich setzt Verdunstung ein. Straße zwischen Warin und Nisbill am 21.07.2022.

Hier noch die möglichen Regenmengen des ECMWF für Wismar in akkumulierter Form bis zum 06.08.2022 – 2.00 Uhr: minimal 4,9 l/qm, maximal 56,9 l/qm und im Mittel 18,4 Liter.


Dieses schöne Motiv sandte mir gestern unser Pilzfreund Stephan Drabner aus Lübeck zu. Er hat es im Lauer Holz aufgenommen. Es zeigt einen Täubling (Russula cf.) den ich leider nicht genau, nur anhand eines Bildes, zuordnen kann.

 

Sonnabend, 23. Juli (Beginn der Hundstage) – Lostag nach dem Buch „Abendrot – Schönwetterbot„: „Ab heute geht der Hundsstern Sirius bis zum 23. August zusammen mit der Sonne auf. Mit den Hundstagen begann nach früherem Aberglauben auch eine sprichwörtliche Unglückszeit. Die Witterung war jetzt besonders wichtig. Waren die Hundstage trübe und bewölkt, so ängstigte man sich vor pestartigen Krankheiten; waren sie schön und klar, so hegte man die Hoffnung auf ein gesundes Jahr. Ob Hundstage kalt oder heiß, trocken oder nass, in den Nächten zwischen Juli und August strahlt der Sirius als hellster Stern über unseren Dächern“ – „Hundstagsbeginn hell und klar, zeigt ein gutes Jahr. Wie das Wetter, wenn der Hundsstern aufgeht, so wird`s bleiben bis er untergeht“

Auch dieser Schnappschuss ist Stephan Drabner zu verdanken. Er zeigt eine Feinschmecker – Schnecke, die an einem Sommersteinpilz (Boletus reticulatus) die gehobene Küche des Waldes genießt.

Ein viel sagendes Foto zum Thema Breitblatt (Megacollybia platyphylla). Gut nachvollziehbar, warum der deutsche Name Breitblättriger Rübling lautet. Richtigerweise müsste er zu deutsch sogar Breitblättriger Großrübling heißen. 23.07.2022 in Nähe des Radebachtals bei Blankenberg. 

Soweit alter Aberglauben, auf den wir uns lieber nicht verlassen sollten. Ganz so einfach sind die viel zu komplexen Vorgänge in der Natur nicht. Heute gelten die Hundstage als die heißeste Zeit des Jahres. So beginnt heute der bis zum 23. August reichende Hochsommer, mit oft den höchsten Temperaturen des Jahres, im Wechsel mit durchziehenden Gewitterfronten, die vorübergehend etwas kühlere Luft einschieben. Die größte Hitzespitze des Jahres haben wir zwar mit hoher Wahrscheinlichkeit hinter uns, aber der nächste Schub von Heißluft steht unmittelbar bevor. Schon am Montag erreicht die Blitzhitze, mit zahlreichen Blitzen gegen Abend, ihren Höhepunkt. Regional kann es wieder bis 38 Grad heiß werden. Also starten die Hundstage durchaus standesgemäß. Eine Kaltfront bringt dann besonders bei uns im Norden wieder eine deutliche Abkühlung, aber schon in Richtung nächstes Wochenende macht sich ein neuer Wärmeschub auf den Weg nach Deutschland.

Catrin und ich entdeckten, im Anschluss an unsere öffentliche Wanderung durch die Seetannen, im Radebachtal tatsächlich eine kleine Oase mit Frischpilzen. Das Breitblatt, Waldfreund – Rüblinge und als Besonderheit diese Herben Dachpilze (Pluteus ephebeus).

Eine dicht feinschuppige Hutoberfläche können teilweise auch andere Dachpilze aufweisen. Eine durchaus schwierige Gattung und oft muss zur Fundabsicherung auch das Mikroskop bemüht werden. Bei dieser Art hilft allerdings ein zwingend notwendiger Geschmackstest. Der Pilz schmeckt charakteristisch herb und seifig zusammenziehend, ähnlich eines rohen Hallimasch.

Heute stand eine öffentliche Lehrwanderung auf dem Plan. Ziel waren die Seetannen zwischen Dabel und Borkow. Sandige Mischwaldflächen, die eigentlich auch recht vielversprechende Bereiche nicht nur für Kochtopf -Mykologen bereit halten. Keiner von beiden Fraktionen konnte heute auch nur annähernd auf seine Kosten kommen. Der Wald war nahezu Frischpilzfrei. Der Bericht folgt in Kürze und der Situation angepasst waren wir heute auch nur drei Menschen, die in den Seetannen unterwegs waren. Während Phillip am Mittag die Heimfahrt antrat, bin ich mit Catrin noch zu einer Kurzvisite in das Radebachtal bei Blankenberg gefahren. Hier sah es im großen und ganzen auch nicht viel anders aus, aber doch (wir sind ja sehr bescheiden geworden) etwas erfolgreicher und interessanter als in den Dabeler Seetannen.

Magen- und Gaumenmykologen können ab sofort mit fetter Beute rechnen. Die jung essbaren Riesenporlinge (Meripilus giganteus) machen sich auf den Weg in Laubwäldern mit alten Buchen oder Eichen und deren Stubben, welches ihren Liebhabern auch zu empfehlen sei. Wer sich am Schwärzen des Pilzfleisches nicht stört, kann sich an diesen, durchaus recht schmackhaften Porlingen, satt essen. 23.07.2022 im Radebachtal.

Hier noch die möglichen Regenmengen für Wismar in akkumulierter Form nach dem ECMWF bis zum 07.08.2022 – 2.00 Uhr: minimal 2,0 l/qm, maximal 73,5 l/qm und im Mittel 18,9 Liter.


Christian spielt Frau Holle. Der vorjährige Birkenporling (Piptoporus betulinus) wird im Inneren von speziellen Käfern zerbröselt.

 

Sonntag, 24. Juli – Unser Pilzfreund und Vereinsmitglied Christian Boss hatte heute, trotz des schönen Strandwetters, Lust und Zeit für einige Stunden in den Wald zu fahren. Da ich noch die wegen der Extremhitze ausgefallene Exkursion vom vergangenen Mittwoch in der Warteschleife hatte, schlug ich vor, dort hin zu fahren. Das es im Zielgebiet wohl kaum Frischpilze geben dürfte, darauf waren wir eingestellt. Der 2. Quadrant des Messtischblattes Eldena war abzuarbeiten. Wobei der Begriff abarbeiten wirklich nicht wörtlich zu nehmen ist. Wir haben dort in keiner weise gearbeitet, sondern uns vielmehr das Waldgebiet angeschaut und bewertet. Im Herbst sicher ein Paradies für Maronen – Freunde und Pilzarten ausgesprochen armer Kiefernwaldgesellschaften. Wäre im Oktober sicher eine Freude, hier unterwegs zu sein. Freude nicht nur wegen der freundlichen Wälder b. z. w. Forste, sondern auch in Betracht einer möglichen Fülle von Frischpilzen. Diese gab es heute in den Eulenbergen, wie sich das Revier nördlich der Müritz – Elde – Wasserstraße nennt, so gut wie nicht. So sind die Gebiete in der Griesen Gegend eigentlich erst viel später im Jahr vielversprechend. Aber ich habe nicht immer ein Auto zur Verfügung und muss meine Exkursionsziele so planen, dass ich hier auf meinem Zweirad nicht schon völlig durchgefroren ankomme.

Kiefernforst, wie er typisch in der Griesen Gegend ist. Im Hintergrund ein grüner Streifen von Jungbirken.

Die Müritz – Elde – Wasserstraße.

Frieren war heute nicht angesagt. Im Gegenteil, bestes und sonniges Sommerwetter. Morgen wird es nochmal richtig heiß, bevor am Abend Schauer und Gewitter aufziehen sollen. Höhere Regenmengen werden sie wohl kaum im Gepäck haben. Signifikant können aber andere Unwetterkriterien werden. Hier sind heftige Gewitterböen bis hin zur  Sturmstärke möglich und aufgrund guter Scherungsverhältnisse besteht bei uns im Norden sogar eine erhöhte Gefahr von Tornados. Mit anderen Worten, es könnten sich auch einige Superzellen bilden. Die Königen aller Gewitter, aber auch die gefährlichsten! Großhagel könnte in diesem Fall sogar ein Thema werden.

Aber es muss in den letzten Wochen auch hier mal etwas kräftiger geregnet haben, denn dieser mumifizierte Schmierröhrling stammt keinesfalls aus dem letzten Jahr. Die trockene Hitze hat ihn gut konserviert. Es dürfte sich um einen Butterpilz (Suillus luteus) handeln. 24.07.2022 in den Eulenbergen.

Hier noch die möglichen, akkumulierten Regenmengen für Wismar nach dem ECMWF bis zum 08.08.2022 – 2.00 Uhr. minimal 5,0 l/qm, maximal 58,3 l/qm und im Mittel 18,7 Liter.


Abendrot – Schönwetterbot gestern Abend über der Ostsee vom Gespensterwald aus fotografiert.

 

Montag, 25. Juli – Jakobstag – Laut  dem Buch „Abendrot – Schönwetterbot“ ein wichtiger Lostag. „Jetzt, am Monatsende, sind die ersten Äpfel und Kartoffeln erntereif. Deswegen werden sie im Volksmund auch Jakobsäpfel und Jokobskartoffeln genannt.“ Habe ich es mir doch gedacht! Bevor ich oben genanntes Buch aufschlug, habe ich ich um 20.30 Uhr auf dem Hof des Info – Zentrums meinen Regenmesser abgelesen, und dort habe ich auch einige Pflanzenkübel stehen. In einem hatte ich im Frühling mal zwei drei stark ausgekeimte Kartoffeln gesteckt und das üppige Kraut fängt sich allmählich an zu legen und gilbt bereits etwas. So dachte ich mir, ob sie wohl schon Nachwuchs, sozusagen knollige und erntereife Metastasen gebildet haben? Nun, ich werde noch nicht nachschauen.

Herrliche Lichtstimmungen am Abend des 24. Juli 2022 im Gespensterwald.

Diese Grüngefelderten Täublinge (Russula virescens) sind natürlich auch etwas von Trockenheit und Hitze gezeichnet. Fast könnte man sie auch in Braungefelderter Täubling umbenennen. Dieser Täubling gehört zu den edelsten Speisepilzen! 24.07.2022 im Gespensterwald.

Im Regenmesser befanden sich 4 Liter. Ich dachte mir, allmählich muss sich die gebeutelte Vegetation in Wismar doch verschaukelt vorkommen. Das können wir wieder in den Skat drücken. Kaum zu Ende gedacht, öffnete der Himmel nochmals kurz final seine Schleusen, aber mehr als + 1 Liter dürften es nicht gewesen sein. Aber es gab natürlich anderen Orts durchaus wieder etwas mehr. Es waren doch teils starke Gewitter unterwegs, aber da die Zellen zügig zogen, kamen höchstens vereinzelt vielleicht auch mal 10 – 15 Liter zusammen. Besser als gar nichts! Ich denke, ab dem Monatswechsel könnte regional einiges an der Pilzfront möglich sein. Schwerpunkt in Parkanlagen und dort wo die Gewitter vom Donnerstag entsprechend gepunktet haben. Auch sonst kann immer mal ein Frischpilz auftauchen, und seien es nur Kleinarten.

Ein bildschöner Perlpilz (Amanita rubescens) im Abendlicht des Gespensterwaldes am 24. Juli 2022.

Mehr geht nicht an Meer – Romantik! Der Gespensterwald, ein Ort der Superlative für Romantikerinnen und Romantiker.

Gestern Abend bin ich noch einmal in den Wald gefahren. Um die Mittagszeit war ich ja mit unserem Pilzfreund Christian in den Eulenbergen zu Gange und danach im Info – Zentrum. Ich dachte mir, fahr doch mal wieder in den Gespensterwald bei Nienhagen. Bestes und warmes Sommerwetter und die Stimmung ist dort am Abend, direkt am Ostseestrand, mit dem beindruckenden Baumbestand oberhalb der Steilküste, einfach einzigartig. Es loht sich eigentlich immer, besonders zum Sonnenuntergang, dem Gespensterwald einen Besuch abzustatten. Zumindest wenn nicht gerade bedecktes Wetter herrscht. So hatte ich tatsächlich bedenken, weil Wolkenfelder einer Warmfront die Küstenregionen entlang zogen. Sollten diese aber durchbrochen sein, könnten durchaus herrliche Motive mit der Kamera einzufangen sein. Und ich konnte mein Aufschlagen hier auch gleich mit Pilzen verbinden.  Allerdings ist es immer ein Stück Wegstrecke. Aber es war phantastisch, welch wunderbare Lichtstimmungen über der Ostsee nicht nur ich geboten bekommen habe. Und dazu gab es, wie erhofft und erwartet, auch noch einige Frischpilze. Der Gespensterwald hat immer mal den einen oder anderen Regenguss abbekommen. Bei dieser Gelegenheit schaute ich auch gleich wegen einer Parkmöglichkeit für unsere Fahrzeuge zur nächsten Pilzwanderung, die durch das wenig entfernte Walkmüllerholz führen soll. 

Mal goldig, mal smaragdgrün, feuerrot oder so wie hier, in altgolden bis Kupfer. Sonnenuntergang über der Ostsee vom Hochufer des Gespensterwaldes aus ist ein unvergessliches Erlebnis. 24. Juli 2022.

Hier die möglichen, akkumulierten Regenmengen für Wismar nach dem ECMWF bis zum 09.08.2022 – 2.00 Uhr: minimal 7,8 l/qm, maximal 82,1 l/qm und im Mittel 26,4 Liter.

Übrigens feiert die Gemeinde Nienhagen vom 19. – 21. August 2022 ihr 22. Gespensterwaldfest!


Dienstag 26. Juli (Lostag St. Anna)„Werfen die Ameisen an St. Anna höher auf, so folgt ein strenger Winter drauf. An St. Anna fangen die kühlen Morgen an“. Weiter heißt es in „Abendrot – Schönwetterbot“ – „Etwa ab dem heutigen Tage herrscht oft eine sonnige, warme und trockene Witterungslage, die 1 – 2 Wochen anhalten kann“.

Durchgang der 2. Kaltfront von Tief Daniela mit schwachen Schauern heute Vormittag in Wismar – Wendorf.

Hier noch ein Bild zum Thema Grünschuppiger/Braunschuppiger Täubling. Natürlich sehen wir hier zwei Grüngefelderte Täublinge (Russula virsecens), die unter Hitze ihre typischen Farben ändern können. Standortfoto am 25.07.2022 im Gespensterwald.

Dann werden wir morgen mal schauen, wie hoch die Ameisen aufwerfen, falls entsprechende Hügel vorhanden sein sollten. Es geht zur Mittwochsexkursion in den 3. Quadranten des MTB Eldena. Aber ich glaube, es macht wenig Sinn, denn wir haben dafür nicht den richtigen Blick, weil wir auf diesen Sachverhalt bisher noch nicht geachtet haben. Weiter heißt es, dass nun die kühlen Nächte anfangen. Das stimmt, betrachtet man die kommenden Nächte. Sie sind zum Durchlüften bestens geeignet, da wir auf der Rückseite eines Tiefs und seinen Kaltfronten liegen. Bei klaren Verhältnissen und Windabschwächung kann es tatsächlich recht frisch werden. Allerdings trifft das für uns an der Küste nur bedingt zu. Wir haben ja unsere Warmwasserheizung vor der Tür und eigentlich stehen uns die wärmsten Nächte erst noch bevor. Im August erreichen die Wassertemperaturen, die derzeit bei etwa 20 Grad liegen, ihre höchsten Werte im Jahreslauf. Sonniges und meist warmes Wetter steht dann tatsächlich im weiteren Verlauf auf der Karte. Aber das ist keine Kunst, befinden wir uns ja im Hochsommer und dazu noch in den Hundstagen. So kann es durchaus möglich sein, dass es in der nächsten Woche mit den TEMPERATUREN WIEDER STEIL BERGAUF GEHEN KÖNNTE. Es ist zwar nur ein erster, zaghafter Trend, der morgen schon wieder vom Tisch sein könnte, aber was das amerikanische GFS heute wieder geboten hat, kam mir sehr bekannt vor. Schließlich standen dort, gerade auch bei uns im Norden, wieder die 40 Grad bis hinauf in die Griese Gegend auf der Temperaturkarte.

Auch diese Frauen – Täublinge (Russula cyanoxantha) haben stark unter Hitze und trockener Luft gelitten. 24.07.2022 im Gespensterwald bei Nienhagen.

Und was erwartet uns an der Pilzfront? Nichts großes, aber in der nächsten Woche könnte es in den niederschlagsreichsten Regionen einen kleinen Wachsumspiek geben. Röhrlinge und Champignons, einige Wulstlinge und Täublinge im Schlepptau und natürlich Kleinarten sowie dies und jenes. Es hat nun ja doch einiges an teils heftigen Schauern gegeben. Und komplett trocken soll es mittelfristig auch nicht werden. Es können immer mal einige Schauer und Gewitter durchziehen, die ein gewisses Wachstumspotenzial aufrecht erhalten können.

Weil es gestern Abend so schön war, hier noch ein wunderbares Stimmungsfoto vom Sonnenuntergang über der Ostsee vom Gespensterwald aus fotografiert.

Hier die möglichen Regenmengen in akkumulierter Form des ECMWF für Wismar bis zum 10.08.2022 – 2.00 Uhr: minimal 1,2 l/qm, maximal 76,2 l/qm und im Mittel 24,1 Liter.


Catrin konnte den Hasen – Stäubling (Calvatia utriformis) als für sie neue Art in ihren Gesichtskreis aufnehmen. Andrea hält dieses denkwürdige Ereignis im Bild fest.

 

Mittwoch, 27. Juli – Vier Pilzfreundinnen b. z. w. Pilzfreunde und vier Hündinnen b. z. w. Hunde trafen sich am Vormittag, gegen 10.00 Uhr, am Ortsrand von Malk Göhren zu der für heute anberaumten Mittwochsexkursion. Wir waren also im 3. Quadranten des Messtischblattes 2734 = Eldena unterwegs. Ausgesucht hatten wir uns die Kiefernforste südöstlich Malk Göhren b. z. w. südwestlich von Eldena. Wir starteten am Tannenberg und exkursierten quer Forst ein bis zur Müritz – Elde – Wasserstraße und ein Stück des Dammes entlang. Wir, das waren außer den vier Vierbeinern noch Catrin aus Katelbogen, Andrea und Chris aus Lübeck und Michael aus Schwerin. Da Chris dabei war, hatten wir nicht nur Großpilze im Visier, sondern allerlei was kreucht und fleucht. Die wunderbare Ruhe und die freundliche Landschaft machten die Exkursion zu einem besonderen Erlebnis. Wer Ruhe sucht, hier findet er sie. Wir suchten natürlich auch ganz in Ruhe nach den Objekten der Begierde. Dass es kaum Frischpilze gab, versteht sich angesichts der Trockenheit von selbst. Im Herbst sollte hier jedoch nicht nur für den Küchen – Mykologen die Post abgehen. Ausgesprochen armer Sandboden und die teils sauberen, unverkrauteten Kiefernforste dürften in manchen Jahren mit Maronen – Röhrlingen aufwarten, dass man hier gut und gerne statt eines Pilzmesser, eine Sense zur Hand haben sollte. Wir kennen es ja bereits aus der Kalißer Heide, gleich neben an. Ein Bericht folgt demnächst.

Ein Paradies für Kochtopf – Mykologen. Maronen im Hochwald, Butterpilze im Schonungsbereich. Hoffen wir, dass es hier noch lange trocken bleibt und dann Ende September bis Mitte Oktober herum starke Regenfälle einsetzen. Man wird sich vor erwähnten Röhrlingen kaum retten können.

Die Gelbflechte (Xanthorina parientina) kam mir hier gelber als anderswo vor.

Das Wetter war heute morgen sehr frisch, ja es roch sogar in der eingeflossenen Polarluft etwas nach Winter. Ich überlegte, ob ich bei der Fahrt in das Exkursionsgebiet mit meinem Leichtkraftroller Handschuhe anziehen sollte. Die kommende Nacht kann gerade auch in der Griesen Gegend, zu der unser Exkursionsgebiet gehört, für hochsommerliche Verhältnisse ausgesprochen frisch werden, Bis auf 5 Grad in 2 m über dem Erdboden kann es abkühlen. Das ist für die Jahreszeit durchaus bemerkenswert. Auch sonst mutete das Wetter heute eher wie im Oktober an. Windig und viele Wolken trieb der Wind über den blauen Himmel. Der Wind nervte aber vor allem während der Fahrt.

Der Weinrötliche Kiefern – Gloeoporling (Gloeoporus taxicola) siedelt auf totem Kiefernholz.

Auf der Heimfahrt eine Notbremsung zwischen Ventschow und Jesendorf. Ein weißer Ball direkt am Fahrbahnrand, dass dürfte entweder ein großer Anis – Champignon oder ein Riesenbovist (Langermannia gigantea) sein. Wie wir sehen, war letzteres zutreffend.

In den kommenden Tagen wird es aber wieder wärmer und damit sommerlicher. Ein Gewittertief bringt in Richtung Wochenende besonders in Süd- und Mitteldeutschland einige Regengüsse und Gewitter, die stellenweise durchaus ergiebig ausfallen können. Bei uns im Norden können zu Beginn der nächsten Woche einige konvektive Umlagerungen in schwülwarmer Luft auf der Agenda stehen, bevor Mitte nächster Woche mit einiger Wahrscheinlichkeit wieder enorme Hitze auf der Karte stehen könnte. Diese hält bei uns im Norden aber nicht lange durch und soll mit Schauern und Gewittern bald wieder vertrieben werden. Wieder dürfte sich frische Nordseeluft durchsetzen. Der Sommer bleibt seinem Grundmuster treu.

Wir steuern in großen Schritten auf den August zu und langsam, aber sicher, geht es in Richtung Pilzherbst. Es wird unweigerlich bunter und vielfältiger. Diesen Leberpilz (Fistulina hepatica) brachte mir heute Catrin für die Pilzausstellung mit.

Hier die möglichen Regenmengen für Wismar nach dem ECMWF in akkumulierter Form bis zum 11.08.2022 – 14.00 Uhr: minimal 2,5 l/qm, maximal 54,4 l/qm und im Mittel 18,6 l/qm.


Catrin sandte mir vor wenigen Tagen dieses Bild zu. Sie ist ja beim lernen und hat ihren Fund als Behangenen Faserling (Psathyrella candolleana) bestimmt. Das ist natürlich richtig!

 

Donnerstag, 28. Juli (Earth Overshoot Day) – Heute ist also der Welt – Überschuss – Tag. Am heutigen Tag soll die Menschheit die für dieses Jahr  maximal vertretbare Nutzung der natürlichen Ressourcen der Erde erreicht haben. Natürlich kümmert sich das Wirtschaften der Menschheit nicht darum und es geht unter Gewinnmaximierung und auf Wachstumskurs bis Silvester so weiter. Gemeint ist das Wachstum an Profit, nicht das der Bäume unserer Wälder. Hier wird munter weiter abgeholzt. Aber ich möchte hier nicht schon wieder in das Negative abrutschen. Ändern kann ich am Verhalten der alles überragenden Lebensform auf unserem blauen Planeten ohnehin nichts. Menschen bauen Vernichtungswaffen gegen die eigene Art und alles andere Leben wird gleich mit zu Nichte gemacht. Welch ein Kleingeist herrscht nur in solch perversen Köpfen, die Macht und Einfluss über alles andere stellen? Dabei sind wir doch allen anderen Lebensformen auf dieser Erde überlegen? Selbst so ein winziges und hübsches Corona – Virus kann uns, wenn es das möchte, dahin raffen. Aber es ist ja clever, wird es nicht tun. Würde sich ja seine eigene Lebensgrundlage abgraben. Aber ich denke, es könnte sich durchaus auch mit anderen Lebewesen zufrieden geben. Fledermäuse oder ähnlichem. Also, nur Mut, die Erde würde aufatmen. Aber keine Sorge, dass schaffen wir schon selber.

Den Riesenporling (Meripilus giganteus) hatte ich mit Catrin am Sonnabend im Radebachtal gefunden und ihn ihr erläutert. Jetzt hat sie den Gigant selber entdeckt und natürlich auch gleich richtig angesprochen.

1980 veröffentlichte Judas Priest ihr bahnbrechendes Album British Steel. Schneidig und rasierklingenscharf kommt der Sound daher und hat bis heute nichts an seiner Dynamik und frische eingebüßt. Seit dem bin ich absoluter Fan der Band und viele weitere, einflussreiche Meisterstücke sollten bis heute folgen.

So, Schluss! Warum rutsche ich bloß immer mal in so banale und oberflächliche Gedanken ab? Habe ich doch von Tuten und Blasen keine Ahnung und klopfe hier große Sprüche, wie am Biertisch in der Stammkneipe! Ich sollte bei dem bleiben, von dem ich zumindest ansatzweise meine, mitreden zu können. Zu Wetter und Pilze, aber auch hier bin ich nicht viel mehr wie ein oberflächlicher Dilettant. Deswegen wird der Dilettant nun eine kleine Pause einlegen. Morgen geht es nach Halle an der Saale. Ein Konzert Ereignis der besonderen Art steht auf dem Programm. Mit Sohn Jonas und meinem Jugendfreund Ingo geht es zum Judas Priest Konzert. Im November soll die Band nach 50 Jahren endlich in die heiligen Hallen des Rock ´And Roll aufgenommen werden. Das hat aber gedauert! Was sitzen dort nur für Typen in der Jury? Es ist zwar nur Heavy Metal, also nichts Welt verändern wollendes, sondern nur Spaß an fetziger Musik in einer knallharten Nische. Aber es gibt hier nicht nur ein ohrenbetäubendes Metal – Gewitter, sondern handwerklich meisterhaftes Liedmaterial aus 50 Jahren Bandgeschichte. http://www.judaspriest.com

Diesen jungen Kiefern – Braunporling (Phaeolus schweintzii) hatte mit Catrin gestern zur Mittwochsexkursion mitgebracht und ihn selbstverständlich auch bereits im Vorfeld als Nadelholz – Braunporling bestimmt. Ist auch richtiger, denn er kommt nicht nur im Wurzelbereich von Kiefern vor, aber immer an Koniferen.

Jedoch sollten wir den Regenschirm dabei haben. Ein Höhentief zieht über der Mitte und dem Süden Deutschlands seine Kreise und es kann gebietsweise kräftig Schauern und Gewittern, stellenweise bis in den Unwetterbereich durch Starkregen. Und der Regen ist natürlich auch dort sehr willkommen. Hoffentlich bekommen auch die Gebiete mit den großen Waldbränden einiges an Löschwasser ab.

Nadelholz – Braunporling (Phaeolus schweinitzii). Kein Speisepilz.

Hier noch die möglichen, akkumulierten Regenmengen nach dem ECMWF für Wismar bis zum 12.08.2022 – 2.00 Uhr: minimal 1,2 l/qm, maximal 97,2 l/qm und im Mittel 20,7 Liter.


Freitag, 29. Juli – Der Rest des Monats stand ganz im Zeichen einer kleinen Konzertreise nach Halle/Saale. Mit dem 9 € Ticket preisgünstig mit der Bahn. Allerdings mit gemischten Gefühlen wegen möglicher, überfüllter Züge. Und so begann das Ganze auch schon mal wenig erfreulich, da unser Zug um 9.24 Uhr ausfiel und wir erst 2 Stunden später starten konnten. Wir, das waren mein Jugendfreund Ingo und Sohn Jonas. Schließlich wurde die Zugfahrt mit mehrmaligem Umsteigen wider erwarten doch ganz entspannt mit Sitzplatz. Am frühen Abend bezogen wir unsere Unterkunft in der Jugendherberge in Halle. Freundlich und modern eingerichtet. Zum Abend unternahmen wir noch einen Spaziergang durch die Parkanlagen auf der Peißnitz – Insel. Dort sollte ursprünglich das Konzert von Judas Priest stattfinden, welches aber aufgrund technischer Gegebenheiten in die Messehallen verlegt wurde. Heute Abend spielten dort The Bosshoss. Bis auf einen Wulstigen Lackporling und Echten Zunderschwämmen waren keine Pilze zu sehen. Es war ausgesprochen trocken in der Region. Deutlich trockener als in den meisten Regionen in Mecklenburg. Viele Bäume begannen schon ihre Blätter abzuwerfen. Aber es war am Abend unangenehm schwül und gegen Mitternacht fielen die ersten Regentropfen. Es hat bis in den Sonnabend hinein teils ergiebig geregnet.

Hier sehen wir jedoch keine Regentropfen. Es sind Guttations – Tröpfchen, die dieser Riesenporling absondert. Sie erhöhen die Nährstoffaufnahme. Standortfoto am 23.07.2022 im Radebachtal. Blankenberg.

Aus technischen Gründen gibt es den Rest in „Wetter/Pilze Juli 2022/2“