Wetter/Pilze August 2022

Wetter und Pilzwachstum in Mecklenburg

Tagebuch Wetter un2 Pilze im August 2022

Eröffnen möchte ich den Monat mit einer Arbeit von Catrin Berseck. Sie zeigt den Strubbelkopf auf der Unterseite eines Flachen Lackporlings. Im August beginnt die Zeit vieler, teils durchaus seltener und interessanter Großpilze.

Montag. 01. August – „Der August ist benannt nach Julius Cäsar Neffen Octavian, der als erster römischen Kaiser den Namen Augustus (der Erhabene) annahm (63 v. bis 14 n. Christus). Er hatte in diesem die meisten seiner Siege errungen und änderte den alten Monatsnamen in seinen eigenen Namen Augustus um. Früher hatte der August nur 30 Tage. Um Cäsar ebenbürtig zu sein, nahm Kaiser Augustus einen Tag vom Februar hinzu. Vor dieser Zeit war der August der sechste Monat im Jahr und hieß Sextilis = der Sechste. Der 1. August ist ein Los- und Schwendtag. Alte Bauernregel: bis zum 10.08. herrscht im Allgemeinen noch eine Schönwetterperiode, Temperaturrekorde sind möglich“. Soweit einige Zitate aus dem Buch „Abendrot – Schönwetterbot“ von Bernhard Michels.

Für diejenigen, die mit dem Gattungsnamen Entoloma nichts anfangen können, sei der deutsche Namen Rötling erwähnt. Catrin Berseck auf Ganoderma lipsiense.

Spiegelbilder im Mühlenholz bei Naschendorf am 02.08.2022.

Dienstag, 02. August – Was wird uns dieser Hochsommermonat bringen? Den Rest des Sommeraspektes, der praktisch in diesem Jahr nicht stattfindet und den Beginn des Pilzherbstes Mitte des Monats. Der Begriff praktisch bedeutet ja nichts absolutes. Es kann also hier und da noch etwas möglich sein bis Mitte des Monats, also im Rest des Pilzsommers 2022. Dort, wo es punktuell am 21. Juli Starkregen gab zum Beispiel. Das sind jetzt 11 Tage her. Es sollte sich also etwas tun. Zumal am 28. Juli Neumond war. Das passt somit wieder wie die Faust aufs Auge. Die Gewitter vom 22. Juli habe ich im Raum Warin live erlebt. Hier kam einiges in kurzer Zeit aus der Konvektion. Das sollte zumindest in einigen Parkanlagen mal den einen oder anderen Frischpilz sprießen lassen. Besonders viel hatte an besagtem Juli – Tag ein Streifen zwischen Wismar und Grevesmühlen abbekommen. Hier sollen bis zu 50 Liter gefallen sein.

Das Mühlenholz am 2. August 2022.

Keine Pilze, so muss die Gemeine Wegwarte (Cichorium intybus) herhalten, die mich heute am Wegesrand, wie soll es auch anders sein, anlachte.

So fuhr ich heute in ein Laubwaldgebiet auf besseren Böden bei Naschendorf, und zwar in das Mühlenholz, welches wir im Frühling im Rahmen einer Mittwochsexkursion schon einmal besucht hatten. Zuzüglich der Nachfolge – Niederschläge wirkte das Waldgebiet tatsächlich ausgesprochen nass. Hier konnte von trockenen Verhältnissen absolut keine Rede sein. Nach einer etwa einstündigen Runde brach ich ab. Tote Hose! Nicht ein einziger Frischpilz! Nicht einmal Kleinarten. Aber der Wasserspeicher des Waldbodens ist hier gut gesättigt. Vielleicht, nein ganz sicher, dürfte sich das noch ändern. Ich fuhr weiter in ein parkähnliches Gelände bei Schloss Plüschow, Linden und Kiefern. Es zeigte sich das gleiche Bild. Ich muss jedoch dazu schreiben, ich kenne hier leider keine Zeigerstelle. Es war jedenfalls nichts von einem Wachstumsschub zu sehen. Kommt Zeit, kommt Rat! Kommen tut zunächst aber die nächste, knackige Hitzewelle. Zwar nur kurz, aber heftig. Morgen um 30 und am Donnerstag bis 35 Grad im Schatten. Dann folgt schon wieder die nächste Kaltfront. So geht das eingefahrene Spiel dieses Sommers munter weiter.

Kleinpilze sind fast immer zu finden. Hier sehen wir den Brombeerrost (Phragmidium violaceum). 02.08.2022. 

Und hier die möglichen Niederschlagsmengen für Wismar bis zum 17.08.2022 – 2.00 Uhr in akkumulierter Form nach dem ECMWF: minimal 1,9 l/qm, maximal 105,8 l/qm und im Mittel 23,6 Liter.


Mittwoch, 03. August – Angesichts der wieder hohen Temperaturen von 30 Grad +, sahen wir heute davon ab, in das angesagte Gebiet der planmäßigen Mittwochsexkursion zu fahren. Staubtrockene Sandergebiete in lichten Kiefernforsten im MTB Eldena. Es würde eher einer Tortur nahe kommen, als einer entspannten Exkursion. So werde ich dem Revier bei Altona möglicherweise am Sonntag einen Besuch abstatten.

An Fichtenstubben sind nun endlich auch die ersten Samtfuß – Kremplinge (Paxillus subtomentosus) erschienen. Catrin hat sie entdeckt und heute mitgebracht. Sie war darüber sehr erfreut, stand die Art seit einiger Zeit doch auf ihrer Fahndungsliste.

Frische Waldfreund – Rüblinge (Collybia dryophila) im Radebachtal bei Blankenberg am 03.08.2022 am Standort fotografiert. Essbar.

Kurzfristig bot ich ein Ausgleichsgebiet an. Schattigere Buchenwälder im Revier Weiße Krug bei Blankenberg. Gegen 10.00 Uhr an der Wendeschleife zum Radebachtal. Dort fanden sich schließlich Catrin und Michael ein. Eine Urlauberin aus Süddeutschland zeigte Interesse an dieser Pilztour, so dass ich sie auf meinem Leichtkraftroller mit nahm. Ihre Schwester leitete einstmals einen Pilzverein im Süddeutschen Raum, der sich aber inzwischen wieder aufgelöst hat. Das Zielgebiet wurde zwar auch am 21. Juli vom Starkregen getroffen, aber die Ergebnisse an der Frischpilzfront hielten sich sehr in Grenzen. Es braucht schon einiges an Glück und Geduld, um den einen oder anderen der dadurch zum Wachstum angeregten Frischpilze zu entdecken. So fanden wir eine Gruppe frischer Waldfreund – Rüblinge oder auch mal ein einzelnes Rotfüßchen sowie einen frischen Riesenbovist. An Speisepilzen waren ansonsten nur einige Lungenseitlinge oder recht massige Riesenporlinge im Angebot.

Wie die „Hühner“ auf der Stange. Ein Erinnerungsfoto an eine frischpilzarme Tour im Hochsommer durch das Radebachtal bei Blankenberg, am 03. August 2022. Von links: Reinhold, Catrin, Kerstin und Michael.

Am frühen Nachmittag, die Hitze begann sich zu entfalten, waren wir hier durch und Michael musste ohnehin noch zur Arbeit. Mit den beiden Frauen fuhr ich noch in den Schlosspark Hasenwinkel. Parkanlagen sind im Sommer ja meist die bessere Adresse. Trotz imposanten Baumbestandes mit Exoten, aber auch reichlich Linden und mächtigen Alteichen, nicht die Spur eines Frischpilzes! Catrin schlug vor, noch in ihre Region bei Bützow zu fahren. Dort hätte es etwas mehr geregnet und sie hatte in den letzten Tagen auch einige Frischpilze finden können. Aber Kerstin wollte noch an die Küste fahren. Klar, im Süden gibt es keinen Ostseestrand und bei der Hitze auch durchaus angebracht. So fuhr ich Kerstin wieder nach Wismar, habe mich aber zum Abend hin dann doch noch mit Catrin im Rühner Holz verabredet.

Im Radebachtal fanden wir zwei Stunden vorher einen jungen und festen Riesenbovist. Catrin schmorte ihn gut gewürtzt und brachte mir eine Kostprobe mit. Sehr lecker nach ihrer Zubereitungsart!

Catrin brannte darauf, mir ihren Hauswald etwas näher zu bringen. Das heißt, ihre Plätze in diesem tollen Revier, denn unbekannt ist mir das Rühner Holz keineswegs. Tolle Bereiche mit Buchen und Eichen, auch etwas Fichte. Ein uriger Waldrand mit mächtigen Traufbäumen. Auch hier mussten wir uns auf Glück und Geduld verlassen, um die wenigen Frischpilze ausfindig zu machen. Einige Täublinge, auch mal ein Perlpilz und ein Scheidenstreifling. An einem liegenden Buchenstamm zahlreiche Lungen – Seitlinge und gleich daneben ein ebenfalls liegender Eichenstamm, an dem die 2. Generation von Schwefelporlingen heraus quoll. 

Schwefelporlinge (Laetiporus sulphureus) starten zu ihrer 2. Wachstumswelle des Jahres durch. Hier an totem Eichenstamm im Rühner Holz am 03.08.2022.

Wie geht es beim Wetter weiter?: noch heißer! Morgen könnte tatsächlich wieder Extremhitze auf dem Thermometer stehen, bevor ab Freitag eine Kaltfront wieder für eine deutliche Abkühlung sorgen wird. Genannte Kaltfront, und wie so oft bei derartigen Wetterlagen, eine vorlaufende Konvergenz, lassen ab morgen Abend das Gewitterrisiko ansteigen. An der Konvergenz können zunächst am Abend einzelne, durchaus heftige Gewitter entstehen. Da gute Scherungsverhältnisse herrschen, besteht auch die Möglichkeit zur Bildung von Super – Zellen, also Schwergewittern. Superzellen sind die gefährlichsten Gewitter der Erde. Eine derartige Traf bei der letzten, sehr ähnlichen Wetterlage, Dömitz an der Elbe, in der Griesen Gegend. Viele Beschädigungen an Gebäuden waren die Folge. Bäume stützten gleich reihenweise um und Riesenhagel beschädigte sicher nicht nur Autos. Es war sogar von einem Tornado die Rede. Ähnliches könnte uns morgen Abend und in der Nacht zum Freitag wieder bevorstehen. Also ab morgen Abend lieber Wälder meiden!

Hier ein buntes Bild mit einem Schwefelporling (Laetiporus sulphureus) an einem Weidenstubben. Ugur Acikcesme aus Kulmbach hat es mir zugesandt.

Nervöser Gewitterhimmel heute Abend über Wismar.

Donnerstag, 04. AugustGedonnert hat es heute Abend im Zuge einer Konvergenz stellenweise recht ordentlich. In Wismar war allerdings nicht viel los. In den Messbecher gelangten höchstens 2 Liter. Spitzenreiter war Boltenhagen mit 17 Liter. Überhaupt wurde der Westen von Nordwestmecklenburg am besten bedient. Hier zog doch eine anständige Gewitterzelle rüber, die neben Starkregen vor allem viel Wind dabei hatte. Der Höhenwind wurde kräftig herunter gemischt, so dass viele Straßen von abgerissenen Blättern sowie mehr oder weniger großen Zweigen und Ästen übersät waren. Ich unternahm nämlich noch eine kleine Tour nach dem Gewitter bis nach Boltenhagen. Zuvor herrschte das 2. mal in diesem Sommer eine tierische Hitze. Während in Süddeutschland örtlich wieder die 40 Grad geknackt werden konnte, reichte es in Mecklenburg – Vorpommern immerhin noch für bis zu 37 Grad!

Das Gewitter zieht nach Nordosten ab.

Überall entlang der Wohlenberger Wiek bis nach Boltenhagen lagen unzählige abgerissene Äste auf und neben den Straßen, so wie hier in einem Eichenpark in Boltenhagen.

Die Hitze ist aber nun wieder Geschichte. Hinter einer Kaltfront fließt ab morgen Nachmittag frischere Nordseeluft ein. Zuvor ziehen jedoch bis morgen Nachmittag weitere Schauer und Gewitterzonen durch, die ohne weiteres noch einiges an Regen über Mecklenburg abladen können (15 – 30 l/qm). Dann wars das mit Regen wohl für längere Zeit. Trockenes Hochdruckwetter soll sich wieder durchsetzen und im Laufe der kommenden Woche steigen die Temperaturen auch wieder an. Auch eine neue Hitzewelle ist im Verlauf wieder möglich. Chancen auf zumindest etwas Regen gibt es dann wohl erst ab dem übernächsten Wochenende wieder. Es könnte sich schaueranfällige Gewitterluft breit machen, die aber nur die örtlichen Regengüsse dabei haben sollte. Der Abendlauf des amerikanischen GFS lies die Wetterlage in Richtung Monatsmitte kippen. Ein kräftiges Skandinavientief lässt nach nochmaliger Hitze einen kräftigen Schub hochreichender Kaltluft von Norden her über Westeuropa bis in das ungewöhnlich hoch temperierte Mittelmeer strömen. Das würde dort für reichlich Sprengstoff sorgen und die Ausbildung einer 5b – ähnlichen Wetterlage wäre möglich. Aber ob es tatsächlich so kommt, steht in den Sternen.

Romantische Abendstimmung nach dem Gewitter über der Wohlenberger Wiek. 04. August 2022.

Hier noch die möglichen, akkumulierten Regenmengen für Wismar nach dem ECMWF bis zum 19.08.2022 – 14.00 Uhr: minimal 2,5 l/qm, maximal 73,5 l/qm und im Mittel 22,0 Liter.


Hier sehen wir das Lieblingsfoto von Michaela aus dem Süden, aufgenommen im Odenwald. Ihre liebe Husky – Dame Bones ist leider bereits verstorben. Michaela betreibt eine Hundeschule und hat mich heute im Info – Zentrum besucht und es entwickelte sich ein sehr herzliches Gespräch. Auch sie ist begeistert von Pilzen und fotografiert diese sehr gerne. http://www.canemio.de

 

Freitag, 05. August – Oswaldtag, ein Lostag im Kalender der Bauernregeln. „Oswaldtag muss trocken sein, sonst wird teuer Korn und Wein. Regen an Maria Schnee, tut dem Korne richtig weh“. Trockenheit herrscht allgemein schon seit Monaten und ausgerechnet am Oswaldtag muss es regnen. Nun, der Regen war in jeder Hinsicht willkommen und auch die Bauern dürften darüber kaum sauer gewesen sein. Höchstens, dass mit der restlichen Getreideernte heute mal pausiert werden musste. Viel war es allerdings nicht, welches in Wismar vom Himmel fiel. Das Gewitter von gestern Abend streifte uns nur mit 2 Litern und heute tagsüber kamen nochmal 6,5 Liter zusammen. Wieder nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein! Westlich und östlich gab es jedoch, wie bereits bei den voran gegangenen Gewitterlagen, teils deutlich mehr. So zogen von der Seenplatte bis zur Vorpommerschen Ostseeküste an einer Konvergenz die ganze Nacht Schauer und Gewitter wie auf einer Perlenkette immer wieder über die selben Regionen. Das bringt natürlich Punkte. In Westmecklenburg war es mehr das starke Gewitter von gestern Abend und ein kräftiges Regengebiet ausgangs der Nacht. Wer nun auf ein nennenswertes Aufflackern von Sommerpilzen hofft, wird wohl auch dieses mal enttäuscht werden. Sicher ist hier und dort der eine oder andere Frischpilz möglich, zumal der vor herbstliche Wachstumsdruck allmählich in Gange kommen sollte, aber großes ist nicht in Sicht! Das wird schon allein Hoch Oscar zu verhindern wissen, der ab dem Wochenende und die gesamte nächste Woche die Regie in der Großwetterlage über Europa übernehmen wird. Die Urlauber wird es freuen. Strandwetter vom feinsten. Viel Sonne, angenehme Temperaturen, die sich jedoch im laufe der Woche steigern dürften. Die Luft kommt dann aus Osten und ist trocken. Gift fürs Frischpilzwachstum!

Diesen Weißen Scheidenstreifling (Amanita cf.) hat Catrin am Mittwoch während unserer Abendexkursion im Rühner Holz entdeckt. Er wuchs aus einer Fahrspur eines Forst- Nebenweges unter Buchen und Fichten heraus. Es gibt einen Weißen Scheidenstreifling, der soll aber nur in höheren Lagen der Alpen vorkommen. Vielleicht eine Albino – Form des Grauen Scheidenstreiflings (Amanita vaginata var. alba).

Diese Nelkenschwindlinge (Marasmius oreades) habe ich gestern Abend nach dem Gewitter in Boltenhagen gefunden und fotografiert. Es sind die ersten dieser leckeren Speisepilze, denen ich in diesem Jahr begegnet bin.

Erst zum Wochenende könnte ein Höhentief den Gebieten an der polnischen Grenze einige Schauer oder auch Gewitter bringen. Die werden aber nicht viel ändern, so sie denn überhaupt kommen. Nach dem amerikanischen Mittelfristmodell (GFS) besteht im Verlauf auch wieder die Möglichkeit auf eine Hitzewelle. Zwar war der Abendlauf gegenüber dem von heute Morgen diesbezüglich etwas verhaltener, aber es könnte Mitte August durchaus wieder sehr heiß werden. Der Abendlauf bevorzugte jedoch das Vertreiben von Oscar durch kräftigerer Tiefentwicklungen in der übernächsten Woche und diesbezüglich wurden sogar ergiebige Regenfälle für weite Teile der BRD simuliert. Wie dem auch sei, sicher ist auf jeden Fall, den Pilzsommer 2022 können wir getrost zu den Akten legen. Da wird nicht mehr viel gehen. Ein wichtiger Aspekt scheint dabei auch eine Rolle zu spielen, dem wir bisher kaum Beachtung schenkten. Das diesjährige Frühjahr und der bisherige Sommer zeichnen sich durch viel zu geringe Luftfeuchtigkeit aus. Noch nie soll der Hochsommermonat Juli so wenig Luftfeuchtigkeit besessen haben, wie in diesem Jahr. Und so ist es bei uns in M-V bereits seit März. Die Luft ist einfach viel zu trocken. Deshalb auch kaum Bewegung an der Frischpilzfront, trotz der  örtlich ergiebigeren Starkregenereignisse. Wir brauchen über einen längeren Zeitraum eine erhöhte Luftfeuchtigkeit! Das macht sehr viel aus. Jetzt bekommen wir Knochen trockene Kontinentalluft! Gehen wir doch lieber an den Strand, statt in die Wälder!

Dieses Rotfüßchen (Xerocomus chrysenteron) fanden wir am Mittwoch als einzigen Röhrling im Revier Weiße Krug bei Blankenberg.

Hier noch die möglichen Regenmengen nach dem ECMWF in akkumulierter Form für die Hansestadt Wismar bis zum 20.08.2022 – 2.00 Uhr: minimal 2,4 l/qm, maximal 111,3 l/qm und im Mittel 20,3 Liter.


Eine kleine Gruppe von Fallschirmen – Halsband – Schwindlinge (Marasmius rotula) – wird von einer Jungspinne inspiziert. 06.08.2022 im Walkmüllerholz.

 

Sonnabend, 06. August – Das Walkmüllerholz war heute Ziel einer öffentlichen Lehrwanderung. Allerdings verspürte die Öffentlichkeit keine Motivation dieses Angebot des Mykologischen Informationszentrums Steinpilz – Wismar in Anspruch zu nehmen. Einzig unsere Pilz- und Vereinsfreundin Catrin war am Zweittreffpunkt am Doberaner Münster gegen 09.00 Uhr erschienen. Sicher ist das Desinteresse der miserablen Situation an der Frischpilzfront geschuldet. So steuerten wir beide das Zielgebiet zwischen Bad Doberan und Rostock an. Das Walkmüllerholz steht auf besseren, schweren Böden und ist überwiegend von Laubbäumen bestanden. Das Revier kann zu bester Pilzzeit mit einer großen Artenvielfalt aufwarten. So geriet eine Kartierungsaktion am 07.10.2001 mit Jürgen Schwik und Benno Westphal zu einer unserer Erfolgreichsten überhaupt. Heute war daran nicht zu denken und der Wald war ziemlich frischpilzfrei. So entschlossen wir uns nach etwa 1 Stunde hier abzubrechen und in das benachbarte Nienhäger Holz mit dem integrierten Gespensterwald umzusetzen.

Halsband – Schwindlinge (Marasmius rotula) im Walkmüllerholz am 06. August 2022.

Der Purpurschwarze Täubling (Russula atropurpurea) war neu für Catrin. Fasst immer unter Eichen, purpurroter Hut mit schwarzen Bereichen besonders in der Hutmitte. Weißliche bis leicht chremefarbene Lamellen mit etwas schärflichem Geschmack. Allenfalls als Mischpilz zu gebrauchen. 06.08.2022 im Gespensterwald.

Catrin ist ja am lernen und im Gespensterwald könnte es vielleicht etwas besser aussehen. Das war auch so, obwohl ich mir mehr versprochen habe. Ich hätte zumindest einiges mehr an Täublingen erwartet. Es war recht bescheiden. Dafür Lungen – Seitlinge und nochmals Lungen – Seitlinge! Dieser Speisepilz, der noch vor einem Jahrzehnt eine Rarität in unseren Wäldern war, entwickelt sich immer mehr zu einem allgegenwärtigen Massenpilz in entsprechenden Buchenwäldern mit reichlich starkem Totholz. Und wie es der Zufall so wollte, nun entwickelte sich die Wanderung tatsächlich noch zu einer kleinen Lehrwanderung, denn wir trafen hier auf zwei sehr interessierte junge Damen, mit Körbchen und Pilzen darin. Wie sich schnell heraus stellte, durchaus bewandert in der Materie und mit voller Begeisterung und Leidenschaft dabei. Sie fragten, ob sie sich uns anschließen dürfen und übernahmen schließlich sogar die Führung durch den Gespensterwald, weil sie uns zu Lokalitäten führen wollten, an denen sie verschiedene Frischpilze entdeckt hatten und diese teils kannten, teils aber auch näher bestimmt haben wollten. So eine Gruppe roter Täublinge, die sich als Harte Zinnobertäublinge entpuppten. Sie zeigten uns einen sehr fotogenen Leberpilz, satte und sehr junge Riesenporlinge und eine etwas versteckt liegende und mächtige Rotbuche, die über und über mit Lungen – Seitlingen besetzt war. In allen Altersstadien und allen Farbvarianten, von weißlich, über grau bis zu einem leuchtenden chromgelb. Mit weißlichen, gräulichen und zart rosa Lamellen. So entwickelte sich die heutige Wanderung doch noch zu einem kleinen Highlight in pilzarmer Zeit.

Lungen – Seitlinge (Pleurotus pulmarius) etwas beige getönt und nahezu völlig weiße Exemplare. 06.08.2022 im Gespensterwald.

Täublinge werden in verschiedene Kategorien unterteilt. So gibt es beispielsweise Schwarz- und Weißtäublinge. Der Blaublättrige Täubling (Russula delica) gehört zu letzteren. Essbar, aber minderwertig. 06.08.2022 im Gespensterwald.

Das Wetter war heute sehr exkursionsfreundlich. Keine Wärme oder gar Hitzebelastung. Frische Meeresluft wehte in Küstennähe und die Wälder waren vom Regen der Vortage gut gewässert worden. Nebenwege des Waldes waren ohne Gummistiefel kaum trockenen Fußes begehbar. Von Trockenheit, zumindest hier, keine Spur. So hat sich die Situation bezüglich Trockenheit gebietsweise etwas entspannt, aber nur vorübergehend, denn jetzt scheint der Sommer erst richtig in Fahrt zu kommen. Die Urlauber können sich auf bestes Strandwetter freuen. Sommer, Sonne und Wärme ohne Ende, möchte man meinen. Dazu Knochen trockene Kontinentalluft aus Osteuropa sowie von Tag zu Tag wärmer, bis in Richtung kommendes Wochenende neuerlich das ganz große Schwitzen angesagt ist. Der Heißluft – Föhn wird wieder angestellt! Regen ist in der Mittelfrist nach den meisten Wettermodellen nicht mehr auszumachen. Schon jetzt ist das Frühjahr und der Sommer trockener als im Dürrejahr 2018. In M-V vielleicht nicht gerade, aber in großen Landstrichen der BRD ist die Lage mehr als besorgniserregend. Das wird schlimme Folgen haben! Hoffen wir, dass der Abendlauf des amerikanischen GFS recht behalten soll. Hier bahnt sich bereits seit einigen Läufen zwar auch die nächste Hitzewelle an, aber ab der übernächsten Woche unter verstärkter Tiefdrucktätigkeit. Diese Tendenz ist seit Tagen dort zu erkennen. Der heutige Abendlauf hatte sogar verstärkte Regenfälle im Programm.

Leberpilz oder Ochsenzunge (Fistulina hepatica) an einem toten Eichenstrunk im Gespensterwald bei Nienhagen. 06. August 2022.

Hier noch die möglichen, akkumulierten Regenmengen für Wismar nach dem ECMWF bis zum 21.08.2022 -14.00 Uhr: minimal 0,2 l/qm, maximal 88,9 l/qm und im Mittel 14,7 Liter.


Die Sievers – Tannen grenzen direkt an die Ortschaft Altona.

 

Sonntag, 07. August – Da am vergangenen Mittwoch hochsommerlich heißes Wetter angesagt war, sah ich davon ab, zu unserer geplanten Mittwochsexkursion in die Kiefern- und Heideregionen bei Eldena zu fahren und schlug vor, als Ausgleich in etwas schattigere Laubwälder bei Blankenberg auszuweichen. So holte ich heute den Termin nach. Zuvor öffnete ich aber noch das Infozentrum und es wurde auch von einigen, sehr interessierten Leuten besucht. Dabei kommt man auch immer wieder ins Gespräch und manchmal sind diese sehr konstruktiv, wohltuend und interessant. Insbesondere wenn die Menschen begreifen, welch wertvolle und einmalige Einrichtung der Steinpilz – Wismar eigentlich ist. Selten sind es einheimische, meist Urlauber und Besucher unserer Stadt, die derartiges hier nicht vermutet hätten. So besuchte mich beispielsweise ein begnadeter Schachspieler, der schon mit den größten der Welt vor dem Brett saß. Er legte mir nahe, vielleicht mal bei der EU wegen einer Förderung nachzufragen, denn so ein Projekt muss unbedingt unterstützt und gefördert werden. Wir werden im Vereinsvorstand darüber beraten, zumal er mir noch Kontaktdaten zukommen lassen möchte. Das wird auch bitter nötig werden. Unsere einstmals gute Seele Irena ist ausgeschieden. Trotz des Vereins im Hintergrund bin ich mehr oder weniger Einzelkämpfer geworden und angesichts der dramatischen Teuerungsrate, die auf uns zukommen wird, steht die Zukunft des Infozentrums einmal mehr den Sternen. Die Trockenheit lässt kaum Pilze wachsen und zu den Wanderungen kommen daher auch wenig Leute. Ich kann meine Trockenpilz – Bestände nicht auffüllen und es gibt keine Waldpilze für unser Imbissgeschäft. Da tut es besonders gut, wenn Menschen den Wert meiner und dieser einzigartigen Einrichtung erkennen und mir Mut machen, nicht aufzugeben.

Freunde des Birken – Zungenporlings (Piptoporus betulinus), die diesen Vitalpilz gerne nutzen möchten, können ab sofort wieder auf die Pirsch gehen. Die frischen Fruchtkörper machen sich auf den Weg. 07. August 2022 in den Sievers Tannen.

Der Top – Fund meiner heutigen Exkursion in den Sievers – Tannen war dieser Kiefern – Feuerschwamm (Phellinus pini) in unmittelbarer Nähe des NSG Blaues Wasser.

Am Nachmittag startete ich dann endlich zum Zielgebiet. Der letzte Quadrant des MTB Eldena (2734/4) stand noch aus. An Wäldern und Forste mangelt es innerhalb der Quadranten – Grenzen keinesfalls. So standen das Krohner Holz, die Zieber Tannen oder auch ein umfangreiches Waldgebiet im Südosten des Quadranten zur Auswahl. Ich entschied mich allerdings für die Sievers Tannen mit dem integrierten Naturschutzgebiet „Blaues Wasser“ bei der kleinen Ortschaft Altona und gleich östlich von Eldena. Auch wegen der guten Verkehrsanbindung. Nicht besonders groß, dafür kompakt und gerade richtig für eine Kartierungsexkursion. Zu Kartieren gab es für mich hier wegen der weiterhin trockenen Verhältnisse nicht besonders viel. Das soll aber nicht bedeuten, dass es hier keine Großpilze gab. Ganz im Gegenteil, selten habe ich so eine Fülle von Zunderschwämmen und Birkenporlingen gesehen. Wir leben ja in Zeiten des Eschensterbens, aber hier hat es die Birken getroffen. Ich weiß nicht ob das Dürrejahr 2018 dafür verantwortlich zeichnete, aber es war schon recht beängstigend. Ansonsten dominieren neben einigen Eichen, die wir in der Griesen Gegend allenthalben vorfinden, eindeutig Kiefern. Es handelt sich um Blaubeer – Kiefernwald, teils hügelig, wie wir es von den Dünenkiefernwäldern des Elbe – Gebietes her kennen.

Teils üppige Blaubeerbestände in den Sievers – Tannen.

Es gibt fast kniehohe Blaubeer – Bestände, aber auch saubere Kiefernforste mit Moosen und Flechten. Fans von Maronen – Röhrlingen dürfen hier im Herbst mit entsprechender Erntetechnik anrücken und auch Freunde von interessanten, teils seltenen Großpilzen dieser nährstoffarmen Standorte könnten hier ins Feiern geraten. Teilweise große Bestände von Rentierflechten. Ein tolles Revier! Bis zur Adventszeit ist es ja noch ein Weilchen hin, aber bei soviel tollen Flechten konnte ich nicht an mich halten und sammelte schon einen Vorrat für meine Gestecke, denn gerade Rentierflechte wirkt besonders edel in unseren Weihnachtsgestecken.

Die Sieverstannen am 07. August 2022.

Viele tote Birken gestern besonders am Rande der Sievers Tannen. Hier mit Echtem Zunderschwamm (Fomes fomentariuis).

Montag, 08. August – Noch kurz zu meiner nachgeholten Mittwochsexkursion durch die Sievers Tannen am gestrigen späten Nachmittag und Abend. Kaum einmal habe ich eine derartige Ruhe und Stille genießen können. Es waren, bis auf einige hohe Flieger, nahezu keine Stör- oder Fremdgeräusche zu hören. Das kleine Örtchen Altona scheint in einem der ruhigsten Landstriche Deutschlands zu liegen. Es war eine ganz besondere Atmosphäre, eine Stille, die fast schon weh tat! Zeit um in sich zu gehen. Über das Gewesene und das, welches noch kommen mag, nachzudenken. Viel bleibt mir ja nicht mehr und ich ertappe mich immer öfter beim Nachdenken über Gott und die Welt und welche Aufgabe mir auf Erden zugedacht war und immer noch ist. Ein Außenseiter, der so gar nicht in das normale Leben hinein zu passen scheint. Das habe ich schon als sensibles Kind gespürt, dass in einfachen Verhältnissen groß geworden ist. Ein Träumer, der sich nach Harmonie, Achtung und Verständnis sehnt. Der gerne an unbeschwerte Kindertage zurück denkt und auch dankbar zurück blicken darf.

Das ist kein Bovistähnlicher Schleimpilz. Die Kugel ist sehr fest. Es handelt sich um einen Echten Zunderschwamm (Fomes fomentarius). 07.08.2022 in den Sievers Tannen an Birkenstumpf.

Auch der Striegelige Schichtpilz (Stereum hirsutum) macht sich über dem vielen, toten Birkenholz in den Sieverstannen her.

Pilze waren und sind der Rote Faden in meinem Leben und sie gaben und geben mir Schönheit, gaben und geben mir Freude und Lebensmut, wenn ich mich wieder einmal mit mir und den Menschen überworfen habe. Ich passe nicht in ein vorgegebenes Schema, passe nicht in ein „normales“ Durchschnittsleben. Bin kein Mensch für Haus und Garten. Habe zwei linke Hände! Hatte mal eine kleine Familie, die sich von mir abgewandt hat, da mein Charakter wohl doch zu sehr zu Wünschen übrig lässt? Weil emotionale Tiefe, zuhören und den anderen verstehen, nicht gelungen ist? Weil ich zu lange arbeite? Oder weil ich zum Bodensatz gehöre? Nicht aufgestiegen bin und auch keine Ersparnisse anzuhäufen vermochte? Ein Mensch, der „Arbeiten“ geht, um seinen Arbeitsplatz zu finanzieren, nicht dem großen Geld hinterher läuft. Der obendrein noch  Sozialleistungen in Anspruch nimmt. Eine gescheiterte Existenz, die im Sumpf der Altersarmut den Rest seines Lebens fristen wird. Ja, so ist es, wenn jemand nicht den konventionellen, den vorgegeben Weg einschlägt und mit dem Kopf durch die Wand seiner Berufung nachgeht. Ein echter Beruf, kein Hobby! Und das alles wäre ohne die vielen Menschen nicht möglich gewesen, die mich auf meinem Weg begleiteten und unterstützten und es hoffentlich auch weiterhin tun werden. Danke also an alle, die es möglich machten und noch machen, dass der Steinpilz – Wismar wachsen und gedeihen konnte! Ganz besonders auch unserer einstigen, guten Seele Irena!   

Echter Zunderschwamm (Fomes fomentarius) unter dem Einfluss der Schwerkraft, genannt Geotropismus. Welches ich noch nicht so oft beim Zunderschwamm beobachtet habe, ist die Fähigkeit, Fremdkörper zu umwachsen. Gestern in den Sievers Tannen fotografiert.

So, nun aber zum Thema Wetter und Pilze. Ich habe heute seit längerem mal wieder den Pilzticker, also Passion Pilze Sammeln, durchgeblättert. Überschwängliches geht auch anderswo nicht ab, obwohl immer mal recht ordentliche Erfolge angezeigt werden. So sind Pilzfreunde aus Hamburg in punkto Pfifferlinge recht erfolgreich gewesen und hoffen auf ein ähnlich gutes Jahr für Eierschwämme wie 2021. Das wird es bei uns im Norden in den meisten Wäldern jedoch nicht geben! Da bräuchten wir immer wieder kräftige Regenfälle und die sind auch bis auf weiteres nicht in Sicht. Anders beispielsweise im Jahre 1978, als es am 08. August enorme Regenfälle, besonders in Brandenburg, gab. Bis zu 170 Liter fielen damals aus den Wolken. In Wismar waren es 8 und in Gadebusch 60 Liter. Ganz im Süden Mecklenburgs sogar punktuell über 80 Liter. Es dürfte sich damals um eine 5b – Wetterlage gehandelt haben. Es müssen ja nicht gleich solche Sintfluten von 170 Litern sein, aber eine 5b ähnliche Wetterlage wäre das Beste, welches uns passieren könnte. Nennenswerter Regen ist bis auf weiteres nicht in Sicht. Zwar wird konstant in der nächsten Woche Tiefdruck gerechnet, mit mal mehr, mal weniger Regen. Größeres ist aus heutiger Sicht allenfalls örtlich möglich, also in kräftigen Schauern und Gewittern. Vorerst bleibt es jedoch trocken und es wird von Tag zu Tag wärmer und ab dem Wochenende auch wieder heiß! 

Aber es gibt derzeit auch „richtige“ Pilze mit Hut und Stiel. Hier sehen wir den im Hoch- und Spätsommer häufigen Harten Zinnobertäubling (Russula rosacea). Er fruktifiziert in besseren Buchenwäldern, so wie hier am Standort im Gespensterwald am 06.08.2022 fotografiert. Essbar, aber geringwertig.

Hier die möglichen Regenmengen nach dem ECMWF in akkumulierter Form bis zum 23.08.2022 – 2.00 Uhr für Wismar: minimal 0,0 l/qm, maximal 73,1 l/qm und im Mittel 25,2 Liter.


Passend zum derzeitigen Seitlings – Aspekt sehen wir hier eine Arbeit von Catrin Berseck auf Flachem Lackporling.

 

Dienstag, 09. August – Gestern hatte ich, wie oben erwähnt, mal wieder den Pilzticker durchgeblättert. Das Bemalen der Unterseiten von Flachen Lackporlingen scheint derzeit wohl schwer in Mode gekommen zu sein. Auch dort fanden sich interessante Arbeiten. Sicher auch geschuldet den unermüdlichen Aktivitäten vieler Pilzfreunde in den sozialen Medien. Da bin ich mit meinem Tagebuch sicher etwas altbacken und nicht schnell und flexibel genug. Nicht auf der Höhe der Zeit! Das möchte ich auch nicht. Ich habe einfach keinen Bock darauf, alle fünf Minuten vielleicht Fragen nach den vor wenigen Sekunden gefundenen und fotografierten Pilzen zu beantworten. Dies tue ich natürlich gerne, aber dann bitte per Mail und ganz entspannt und nicht gleich auf der Stelle. Auch scheint das Bestimmen von Pilzen anhand von speziellen Apps in Mode gekommen zu sein. Eine sehr hilfreiche Sache, aber dennoch mit Vorsicht zu genießen. Und es scheint so, als seien von diesen Pilz – Bestimmungs – Apps weitere in Entwicklung. So ist derartiges auch vom BUND geplant. Heute erreichte mich eine diesbezügliche Mail dazu. https _www.bund-niedersachsen.de_ueber-uns_bund-projekte_aktuelle-projekte_id-pilze_

Diese Apps sind sehr hilfreich, aber die 100 % Sicherheit bieten sie natürlich nicht. Die Fruchtkörper der einzelnen Arten können recht variabel sein und ändern Farbe und Struktur, besonders auch unter dem Einfluss von Witterung.

Mal schauen, welches Motiv Catrin auf diesen gar nicht so flachen Flachen Lackporling zaubern wird. Gefunden am Sonnabend neben weiteren im Walkmüllerholz.

Der Rotrandige Baumschwamm (Fomitopsis pinicola) ist zwar schön anzusehen, aber für die Malkunst weniger geeignet. 07.08.2022 in den Sievers Tannen.

Zur aktuellen Lage an der Wetter und Pilzfront. Hoch Oscar hat uns nun voll im Griff. Tolles Sommerwetter bis einschließlich dem Wochenende für alle Sonnenanbeter und Ostsee – Urlauber. Strandwetter vom feinsten in den nächsten Tagen. Die Tage werden auch zunehmend wärmer und am Wochenende auch wieder heiß. Zum Glück kühlt es in den Nächten zunächst noch ordentlich ab, so das entspannter Schlaf angesagt ist. Oscar wird im Verlauf aber von zwei Höhentiefs bedrängt. Das eine liegt über Osteuropa und nähert sich in den nächsten Tagen dem Osten Deutschlands an. Bis hinauf zu Berlin – Brandenburg könnte es einzelne Schauer und Gewitter bringen, allerdings nichts großes. Das zweite Höhentief liegt, wie so oft in diesem Sommer, vor der Iberischen Halbinsel und pumpt afrikanische Heißluft nach Norden. Dank des östlichen Exemplars wird diese Deutschland aber wohl nicht erreichen. Das bedeutet, dass am Wochenende maximal „nur“ 30 – 35 Grad auf der Agenda stehen. Aber dann soll mehr Bewegung in das Mitteleuropäische Wettergeschehen kommen. Wie das GFS schon seit Tagen berechnet, wird der Hochdruck zur nächsten Woche abgebaut und Tiefdruckgebiete können auf uns übergreifen. Zumindest vorübergehend. Flächigen Landregen bringen diese aber eher nicht. Es werden abermals die konvektiven Niederschläge sein. Also Schauer und Gewitter. Diese treffen nicht jeden, aber besser als nichts. Möglich scheint auch eine ausgewachsene Schwergewitterlage, die mit etwas Glück zumindest gebietsweise mal etwas mehr Wasser zu Boden bringen könnte. Der Abendlauf hatte im Vergleich zu heute Mittag mal wieder etwas mehr Wasser auf der Karte.

Die einjährigen Rötenden Trameten (Daedaleopsis confragosa) sind jetzt wieder im kommen. Sie laufen auf dem Hymenophor bei Berührung sofort rotbräunlich an, wie rechts unten zu sehen ist. 06.08.2022 in den Sievers Tannen.

Das Frischpilzaufkommen wird sich stellenweise, wo die jüngsten Niederschläge ergiebiger ausfielen, sicher etwas verbessern, aber im großen und ganzen wird es auf Sparflamme weiter gehen b. z. w. es passiert so gut wie nichts. Allerdings nimmt der jahreszeitliche Wachstumsdruck von Tag zu Tag zu und dort, wo es möglich ist, wird es langsam, aber sicher, etwas vielfältiger. Vielleicht auch mal wieder einige Sommersteinpilze und Co.

Wäre das nicht eine schöne Vorlage für unsere Malkünstlerinnen und Künstler? Diese vollkommen luftgetrockneten Lungen – Seitlinge (Pleurotus pulmarius) habe ich am 05. August 2022 im Gespensterwald fotografiert.

Hier noch die möglichen, akkumulierten Regenmengen nach dem ECMWF für Wismar in akkumulierter Form bis zum 24.08.2022 – 2.00 Uhr: minimal 1,3 l/qm, maximal 64,0 l/qm und im Mittel 27,3 Liter.


Heute in der Hasenbrücke.

 

Mittwoch, 10. August – Heute wurde im Rahmen unserer Mittwochsexkursionen ein neues Messtischblatt in Angriff genommen: Redefin = 2633/1. Es geht also weiterhin in die Griese Gegend. Bekannt ist der Ort ja durchaus überregional wegen des dortigen Landgestütes. Gegen 15.00 Uhr traf ich mich dort mit Andrea und Chris Engelhardt. Weite Teile des ersten Quadranten sind von Wald bestanden, so dass wir eine reichliche Auswahl hatten. Da wären die Redefiner Tannen zu nennen (Kiefernforst), die Wildbahn oder der feuchte Bültensaal. Wir entschieden uns jedoch zu einer Exkursionen durch die Hasenbrücke und den Meisenstrang. Hasen und Meisen konnte wir leider nicht beobachten, aber auch in Bezug auf Pilze sah es wie erwartet eher düster aus. Zwar hatte es hier in der vergangenen Woche durchaus mal kräftig geregnet, aber der graue Staub der Griesen Gegend hat das Wasser schnell geschluckt oder auch verdunsten lassen. Nur an schattigeren Plätzen war zu spüren, dass der Sand doch einiges an Regen abbekommen haben muss. Aber das bringt hier bei der derzeitigen Witterung kaum etwas. Da reicht ein heftiger Gewitterregen nicht aus, zumindest wenn es vorher und nachher nichts mehr gibt und Sonne, Wärme oder sogar Hitze das Zepter schwingen.  Das umfangreiche Waldgebiet war aber recht abwechslungsreich und es ist vor allem ein Revier für Liebhaber von Heidelbeeren. Es gibt hier umfangreiche und oft kniehohe Bestände dieser beliebten und zeitweise Früchte tragenden Pflanzen. Frischpilze gab es nur wenige, aber wir haben zumindest eine sehr schöne und erholsame Waldwanderung absolviert. Wir brauchen dringend Regen!

Diese Wurzel – Schleimrüblinge (Xerula radicata) gehören zu den wenigen Frischpilzen, die wir heute entdecken konnten. 10.08.2022 Hasenbrücke/Meisenstrang.

Mehrere Wurzel – Rüblinge (Xerula radicata) schoben sich aus dem blanken, lockeren Sand, wie er für die Griese Gegend typisch ist. Hüte essbar.

Vorerst ist Regen leider nicht in Sicht, dafür startet nun die nächste Hitzewelle. Waren die Temperaturen heute noch erträglich, so geht es in den nächsten Tagen meist in Richtung 30 Grad und teils sogar darüber. Erst in der nächsten Woche werden Tiefdruckgebiete für ein Aufleben der Schauer und Gewittertätigkeit sorgen. Zumindest örtlich kann es dann kräftig schütten. Der Abendlauf des GFS rechnete die Tiefdrucktätigkeit wieder etwas stärker als in den Vorläufen und lässt sie auch in der erweiterten Mittelfrist, bis in die übernächste Woche, bestehen. Eigentlich sollte sich rasch wieder Hochdruck und trockeneres Wetter durchsetzen, aber heute Abend musste ich mir mal die Augen reiben, was dort gerechnet wurde. Dem nach soll sich der Luftdruck derart vertiefen, dass ein ausgewachsener Sturm entsteht und direkt vor unseren Küsten seine Kreise ziehen soll. Mit sehr viel Regen im Gepäck! Diese Tendenz ist auch bei den unten stehenden Werten der möglichen Niederschläge auszumachen. Insbesondere bei den maximal möglichen Niederschlägen. Es ist zumindest ein Hoffnungsschimmer, der morgen jedoch schon wieder vom Tisch sein könnte. Drücken wir die Daumen! Ein derartiges Ereignis, mit hohen Regenmengen, wäre genau das, worauf wir schon lange warten. Immerhin beginnt Mitte August ja bereits der Pilzherbst. Da könnte, kommt es so, großes auf uns zukommen!

Klebriger Hörnling (Calocera viscosa) in der Hasenbrücke am 10.August 2022.

Hier die möglichen, akkumulierten Regenmengen nach dem ECMWF für Wismar bis zum 25.08.2022 – 14.00 Uhr: minimal 4,1 l/qm, maximal 166,6 l/qm und im Mittel 30,9 Liter.


Rotrandige Baumschwämme (Fomitopsis pinicola) gestern Abend im Meisenstrang bei Redefin.

 

Donnerstag, 11. August – Im Bauernregelbuch von Bernhard Michels „Abendrot – Schönwetterbot“ habe ich heute folgende Weisheit gefunden: „Der Herbst fällt mit einer Sicherheit von 80 % zu trocken aus, wenn um den 10. August überdurchschnittlicher Sonnenschein herrscht“. Na dann Prost! Trockene Luft und kaum ein Wölkchen am Himmel. Die Sonne kann derzeit ihr maximal mögliches an Sonnenschein zu uns bringen. Mehr geht nicht. Trocken ist es jetzt schon seit Monaten und nun soll es auch im Herbst so weiter gehen. Das wäre das Todesurteil für den Steinpilz – Wismar! Aber warum Trockenheit? Ja, in größeren Teilen von M-V ist es zu trocken. Insbesondere in den Sandergebieten. Der äußerste Westen von Nordwestmecklenburg dürfte aber etwas besser weg kommen. Heute wurden bei http://www.kachelmannwetter.de  Grafiken vorgestellt, die die Niederschlagsdefizite der letzten Monate in weiten Teilen Deutschlands aufzeigen, die teils gravierend sind. Nicht aber im Nordwesten von Niedersachsen, in Hamburg und Schleswig Holstein. Hier ist alles im grünen Bereich und diese Regionen haben bisher den üblichen Regen bekommen. Völlig normale Verhältnisse und daran könnte eben auch der äußerste Zipfel unseres Einzugsgebietes gekoppelt sein. Warum jammern wir eigentlich? Fakt ist aber auch, dass wir seit dem Frühjahr viel zu trockene Luftmassen bekommen haben und das macht viel aus. Einfach keine Luft, um das Pilzwachstum zu fördern. Nein, es wird unterdrückt! Dazu gibt es natürlich strichweise viel zu wenig Regen, so wie in Wismar. Die Verdunstungsrate ist sehr hoch und die teils extremen Hitzespitzen trocknen zusätzlich aus.

Außergewöhnlich fette Vielgestaltige Kohlenbeeren (Hypoxylon multiforme) gestern in der Hasenbrücke an der Stirnfläche von Birkenstämmen eines Holzstapels.

Hier sehen wir eine resupinat wachsende Art auf der Unterseite eines liegenden Holzstammes. Es handelt sich um das Gefranste Steccherinum (Steccherinum fimbriatum). Einfach mal liegendes Holz im Wald drehen und mitunter sehenswerte Schichtpilze und Porlinge entdecken! 07.08.2022 in den Sievers Tannen.

Aber es scheint sich endlich etwas zu ändern in der Großwetterlage. Das könnte sogar nachhaltiger sein. Das amerikanische GFS deutete es ja schon seit einiger Zeit an. Tiefdruckeinfluss in der nächsten Woche ist uns nun sicher. Diesbezüglich scheint Einigkeit in allen 50 Wettermodellen zu herrschen. Das GFS rechnet aber auch in der übernächsten Woche mit kräftigen Tiefentwicklungen bei Island, den Britischen Inseln und teilweise bis nach Westeuropa austrogend. Wir gelangen somit ab Montag in eine südwestliche Strömung, mit der die Luftmassen zunehmend feuchter werden und darin eingelagert können uns immer wieder gewittrige Störungen überqueren. Auch der gestern angedeutete Sturm, ein kleineres Randtief, ist immer noch im Programm. Allerdings etwas schwächer und mit weniger Regen. Dafür können die anlaufenden Regen- und Gewitterfronten immer stärker werden und die konvektiven Niederschläge, vor allem in der übernächsten Woche, größere Regenmengen im Gepäck haben. Es könnte der Auftakt zu einem vielleicht viel versprechenden Pilzherbst werden, der ja in wenigen Tagen beginnt (Mitte August).

Hier sehen wir das Birken – Eckenscheibchen (Diatrypella favacea). Ein Schlauchpilz aus der Verwandtschaft der Kernpilze. 10.08.2022 im Meisenstrang.

Zum Schluss noch die möglichen Regenmengen für Wismar bis zum 26.08.2022 – 2.00 Uhr nach dem ECMWF in akkumulierter Form: minimal 4,0 l/qm, maximal 171,6 l/qm und im Mittel 28.0 Liter.


Ein deutliches Stummelfüßchen ist zu sehen, aber der rötliche Schimmer lässt eher einen Räsling oder Rötling vermuten. Die Nachbestimmung dieses Pilzes ergab den Weißen Holz – Stummelfußrötling (Entoloma jahnii), aus der Untergattung Claudopus. Solche Momente sind Sternstunden und werten die Mittwochsexkursion vom 10.08.2022 in der Hasenbrücke und im Meisenstrang ungemein auf.

 

Freitag, 12. August – Heute habe ich den Bericht von unserer Exkursion am vergangenen Mittwoch geschrieben und hochgeladen. Bei dieser Gelegenheit beschäftige ich mich dann oft noch mit dem möglichen Nachbestimmen einiger im Feld nicht zweifelsfrei ansprechbarer Arten. Manchmal auch durchaus erfolgreich, so wie heute. Ich habe dabei auch eine für mich neue Art in mein Gesichtsfeld aufnehmen können. Ein Blätterpilz, den es noch gar nicht so lange gibt. Ist natürlich quatsch, gibt es schon sehr lange, wurde aber erst im Jahre 1993 erkannt und beschrieben.  Nämlich von den Mykologen Wölfel & Winterhoff. Dank des Pilzkompendiums von Ehrhardt Ludwig ging es recht fix. Ein kleiner Rötling, der auf der Unterseite von feucht liegenden Laubholzästen fruktifiziert und daher natürlich nur auffindbar ist, wenn man sich die Mühe macht, Holz im Wald zu drehen. Dort unter gibt es eine Vielzahl von Pilzarten, allen voran Schichtpilze und kleine Ascomyceten. Bereits im Feld fielen mir die rötlichen Tönungen am Lamellenansatz und das kleine Stummelfüßchen auf. Zunächst dachte ich an die Gattung Clitopilus, also an einen Verwandten unseres berühmten Steinpilz – Anzeigers, des Mehlpilzes. Die Gattung steht den Rötlingen nah, aber warum sollte es sich nicht auch um einen echten Rötling handeln?, dachte ich mir und dann ging die Bestimmung auch recht fix von statten. Eine Art, die sogar makroskopisch recht gut ansprechbar zu sein scheint. Es handelt sich um den Weißen Holz – Stummelfußrötling. Allgemein bisher nur selten in Deutschland nachgewiesen. Für M-V sollte es laut Verbreitungskarte der DGfM der dritte Fundnachweis sein. 

Schwefelporling (Laetiporus sulphureus) an Pflaume am 12. August 2022 zwischen den Ortschaften Wisch und Zierow.

Mitte August, dieses Jahr sogar schon etwas früher, erscheint bekanntlich die zweite Welle von Schwefelporlingen. So fuhr ich am Abend eine Pflaumenallee zwischen Wisch und Zierow ab, um vielleicht ein farbenfrohes Foto für dieses Tagebuch zu bekommen. Es war recht dürftig. Nur an einem Pflaumenbaum wurde ich fündig. Trotzt des massiven Befalls dieser Obstbäume von Schwefelporlingen und Pflaumen – Feuerschwämmen, widerstehen die Bäume schon Jahrzehnte ihren Peinigern und hängen in diesem Jahr satt voller Früchte, so dass sich die Äste teils unter der Last der blauen Pflaumen beugen. Sehr lecker und teils sogar schon zum Naschen geeignet.

Pflaumen – Feuerschwamm (Phellinus tuberculosus). 12.08.2022 zwischen Wisch und Zierow.

Trotz langjährigen Pilzbefalls reichlich Früchte in diesem Jahr. Einige sind bereits reif und sehr lecker!

Zur Wetterentwicklung. Der Hochsommer zeigt sich nicht nur für die Urlauber derzeit in Hochform. Sonne von früh bis spät, warm und nun auch zunehmend heiß. Bisher war die Luft sehr trocken, aber das ändert sich nun. Ein Kaltlufttropfen hat heute im Südosten Deutschlands schon einige Schauer und Gewitter ausgelöst. Dieser soll sich nun aber nach Süden zurück ziehen, führt aber eine Feuchteschliere von Osten heran. Gleichzeitig soll sich zum Sonntag der Spanientrog auf den Weg nach Frankreich machen. Dieser schaufelt ebenfalls sehr feuchte und heiße Subtropikluft nach Deutschland. Somit nimmt die Schauer und Gewitteraktivität in den nächsten Tagen zu. Am Montag und Dienstag sollen sich bei uns im Norden und Nordosten Windkonvergenzen ausbilden und der Trog, der dann wohl über dem Ärmelkanal liegen könnte, sorgt zusätzlich für Hebungsimpulse. Mit anderen Worten, es kann besonders bei uns im Nordosten mächtig brodeln und es können sich teils schwere Gewitter entladen. Diese können durchaus Starkregen bis in den Unwetterbereich dabei haben. Hohe Regenmengen werden aber wohl auch bei dieser Lage nur regional dabei sein. Im Wochenverlauf können weitere Gewitter und Regenfälle durchziehen. Das GFS Model von heute Abend hat aber den regenträchtigen Sturm der Vorläufe nicht mehr im Programm. Dennoch könnte es in der nächsten Zeit zu größeren Regenmengen kommen. Die Hoffnung auf eine endlich durchstartende Pilzsaison scheint tatsächlich Nahrung zu bekommen.

Dieser Räuber aus dem tierischen Pilzreich hat fette Beute gemacht. Er sitzt auf einem mastigen, bereits abgestorbenen Zunderschwamm im Prosekener Grund, unweit von Zierow. 12.08.2022. Schleimpilze bilden den Übergang vom Pilz-, zum Tierreich und können echte Pilze überfallen und mitunter aufzehren. Dieser Brocken dürfte allerdings für die Gelbe Lohblüte (Fuligo septica) zu fett sein.

Hier die möglichen Regenmengen nach dem ECMWF für Wismar in akkumulierter Form bis zum 27.08.2022 – 2.00 Uhr: minimal 5,0 l/qm, maximal 128,7 l/qm und im Mittel 35,9 Liter.


Am Nachmittag zogen auch über dem Strand der Insel Poel einige Quellwolken auf. Die feuchtere Luft aus dem Osten hielt Einzug. Es wurde schwüler und in Berlin – Brandenburg zogen im Verlauf auch erste Schauer und Gewitter auf.

 

Sonnabend, 13. August – Wir in M-V leben ja in einem Urlaubsland. Zumindest ist unser Bundesland in den Sommermonaten Ziel vieler sonnenhungriger Menschen und Freunden von Strand und Meer. So dachte ich mir heute, bei den hochsommerlichen Verhältnissen, diesem Umstand mal wieder Rechnung zu tragen und legte einen Strandtag auf der Insel Poel ein. Natürlich in meinem Stamm – Revier östlich von Timmendorf. Etwas abseits des großen Trubels und an einem etwas naturbelasseneren Strandabschnitt. Natürlichkeit ist angesagt und auch dieser Bereich ist von Badehungrigen und Sonnenanbeterinnen und Anbetern gut besucht. Jedoch rückt man sich doch nicht ganz so sehr auf die Pelle, wie an den Massenstränden. Das hätte dann mit Entspannen nur noch wenig zu tun. Das Ostseewasser hat inzwischen seine höchsten Temperaturen erreicht. Bei auflandigem Nordost war es heute fast brühwarm, kaum noch erfrischend. Das erledigte eher der mäßig wehende Seewind. Beinahe hätte ich noch das Öffnen des Infozentrums verpasst.

Erotik – Seiten gibt es ja zur genüge. Trotz allem möchte ich den Tagebuchleserinnen und Lesern diesen Schnappschuss von Christopher Engelhardt nicht vorenthalten. Er ist ihm im Zuge unserer letzten Mittwochsexkursion in der Hasenbrücke gelungen (irgendwie passend). Er zeigt zwei Flockenblumen – Flohkäfer (Sphaeroderma rubidum) beim Liebesspiel. Einfach niedlich, oder?

Naturbelassener Strandabschnitt auf der Insel Poel am 13. August 2022.

Sonnabends ist regulär von 16.00 – 18.00 Uhr geöffnet. Es wurde leider ein viertel Stündchen später, aber die Wahrscheinlichkeit, dass Ratsuchende mit vollen Körben Schlange stehen, ist derzeit denkbar gering. Ob sich das in absehbarer Zeit ändern könnte? Das steht nach wie vor in den Sternen oder in den derzeit gehäuft in Richtung Erde stürzenden Sternschnuppen, den Perseiden. Um diese zu beobachten, hat man bei uns in Mecklenburg-Vorpommern beste Chancen. Abseits der größeren Städte hält sich die Lichtverschmutzung in Grenzen. Vielleicht sollten wir uns auf die Lauer legen und falls wir eine sehen, uns Regen wünschen. Aber Regen ist ja tatsächlich in Sicht. Vielleicht auch richtig satt! Aber wer so richtig Wasser gesättigt wird und wer nur den berühmten Tropfen oder im „besten“ Fall gar nix abbekommt, steht tatsächlich in den Sternen. Auf Wetter – Online war heute zu lesen, es gleicht einem Lotteriespiel, welche Regionen in Deutschland in der kommenden Woche wie viel Regen abbekommen. Ein flächendeckendes Ende der in weiten Teilen der BRD andauernden Dürre ist demnach nicht in Sicht! Im heutigen Wetter – Video auf http://www.kachelmannwetter.de wurden einige Grafiken diesbezüglich gezeigt und erläutert. Demnach hat der Nordosten Deutschlands, insbesondere auch M-V, ganz gute Chancen auf nennenswerte, wenn auch sicher wieder sehr differenzierte Regenmengen. So ist beispielsweise der Sturzflut – Index am Montag deutlich erhöht. Es werden allerdings keine schweren Gewitter mehr erwartet, da die Windscherung zu gering ist. Dort, wo sich aber Gewitter entwickeln, können sie teils sehr viel Wasser bis in den Unwetterbereich ablassen. Örtlich durchaus 50 – 60 Liter. Das erklärt das erhöhte Sturzflut – Risiko. Zum anderen wurden zwei Farbkarten der möglichen, akkumulierten Regenmengen für die nächste Woche gezeigt. Das ECMWF rechnet demnach in Mecklenburg, also unserem Einzugsgebiet, mit 30 – 90 l/qm. Das amerikanische GFS setzt die Schwerpunkte ganz anders und wir dürften demnach mit 2 – 10 l/qm abgespeist werden. Womit wir wieder bei Wünsch dir was wären oder eben genau so gut Lotto spielen können.

Ein herzliches Dankeschön möchte ich zu Chris Engelhardt nach Lübeck schicken. Er hat zu unserem Top – Fund vom vergangenen Mittwoch noch diese schöne Grafik angefertigt.

Hier die möglichen Regenmengen für Wismar in akkumulierter Form nach dem ECMWF bis zum 28.08.2022 – 2.00 Uhr: minimal 11,7 l/qm, maximal 90,6 l/qm und im Mittel 41,8 Liter.


Unten junger, oben alter Fruchtkörper des Riesenporlings (Meripilus giganteus) heute im Reppener Holz fotografiert.

 

Sonntag, 14. August – Die heutige Vereinsexkursion der Pilzfreunde führte in den Klützer Winkel. Ziel war das Reppener Holz bei Klein Voigsthagen und Tankenhagen. Also die ehemalige Staatsforst Tankenhagen. Das Laub- und Nadelwaldgebiet, oder besser die Forst, steht auf den guten, fruchtbaren Böden um Boltenhagen und Klütz herum. Also bessere und schwere Bodenverhältnisse. Das macht die Wälder, allem voran den angrenzenden Lenorenwald, recht launisch und gerade auch im Sommer sieht es hier bezüglich Frischpilze oft sehr dürftig aus. Das ist in diesem Sommer aber ohnehin kaum von Bedeutung, da es anderswo nicht viel besser zugeht. Und so war unsere heutige Exkursion weitgehend frei von bodenbewohnenden Waldpilzen, insbesondere von Mykorhizza – Arten. Weitgehend bedeutet nicht ganz. Vereinzelt wuchs ein Wurzel – Rübling und auf Baumstümpfen auch mal ein Rehbrauner Dachpilz oder Sklerotien – Porling. Das Reppener Holz kann auch mit echt alten Baumriesen aufwarten, von denen, vor allem Rotbuchen, hin und wieder mal eine zu Boden geht. An diesen gab es herrlich frische Lungen – Seitlinge.

Junge und zarte Lungen – Seitlinge (Pleurotus pulmonarius) am Standort, an totem Buchenstamm, heute in der ehemaligen Staatsforst Tankenhagen.

Stadt – Champignon (Agaricus bitorquis) am Waldwegrand heute Vormittag.

Nun wurde dieses Gebiet vor 10 Tagen durchaus im Zuge eines schweren Gewitters und auch etwas Nachregens nennenswert gewässert. 10 – 14 Tage lautet ja meine Faustregel und diese wurde zumindest im Hinblick auf Champignons mal wieder bestätigt. So wurde die Tour für unsere lernende Catrin eine Champignon – Exkursion. An den Wegrändern fanden sich Weiße Anis – Champignons. Es gab den Stadt – Egerling am Waldweg und schließlich eine Gruppe Sommer – Champignons. Letztere waren auch der Hit der heutigen Tour, denn die Art zählt zu den Seltenheiten. Schließlich erfreute noch ein großer Riesen – Champignon direkt am Wegrand eines Feldgehölzes. Die Champignons sind also im Klützer Winkel durchgestartet und vielleicht erscheinen in den kommenden Tagen in dortigen Parkanlagen auch einige Dickröhrlinge, Täublinge und Wulstlinge.

Weiße Anis – Champignons (Agaricus arvensis) heben die Humusauflage.

Die Lamellen junger Agaricus arvensis sind nie rosa, eher grau mit rosa Schimmer. Die Pilze neigen zum gilben und riechen Anis-, oder bittermadelartig und sind natürlich schmackhafte Speisepilze. Allerdings mit erhöhter Schadstoff – Belastung. Also keine zu häufigen und üppigen Mahlzeiten! 14.08.2022.

Zur Wetterlage. Heiß und recht schwül war es heute, aber weiterhin trocken. Die Hitze bleibt noch bis mindestens Mittwoch, aber feuchter könnte es ab morgen werden. Labile Gewitterluft nähert sich vom Norden Polens und gleichzeitig auch von Südwesten her. Beide Systeme treffen morgen über M-V zusammen und es kann zumindest örtlich ganz schön zur Sache gehen. Da sich die Gewitter mangels Höhenströmung nur sehr langsam bewegen, können sie dort, wo sie entstanden sind, einiges an Wasser, vereinzelt auch Hagel abladen. Richtig interessant in Sachen Regen soll es aber ab Mittwoch – Abend bis zum Freitag werden. Eine 5b – ähnliche Tiefdrucklage soll sich ausbilden und was das bedeutet, wissen wir ja. Schwere Regenfälle und Gewitter stehen auf der Karte. Einige Wettermodelle rechnen bis an die 200 Liter pro Quadratmeter! Das wäre nach der extremen Dürre, ein extremes Unwetter mit Überschwemmungsgefahr. Aber ob es tatsächlich so kommt, steht noch lange nicht fest! Die stärksten Regenfälle könnten auch über Polen niedergehen und wir bleiben außen vor. Eine heute auf Wetter – Online gezeigte Grafik rechnete für unser Einzugsgebiet zwischen 27 bis 57 Liter. Damit wären wir gut bedient und zufrieden und es könnte der Startschuss zur diesjährigen Hochsaison, zum Pilzherbst 2022, erfolgen. Noch ist es jedoch Wunschdenken und wir wollen Tatsachen sehen!

Auf dem ersten Blick ähnlich oben gezeigtem Anis – Egerling, sehen diese Sommer – Champignons (Agaricus aestivalis) aus. Auch unter Agaricus altipes geführt. Die Hüte können zwar unter Umständen auch etwas gilben, gehören aber einer Sektion an, die eher zum röten neigt. So bei Reibung am Stiel oder im Schnitt im oberen Bereich. Da die Pilze etwas unangenehm riechen können, sind sie als Speisepilze eher nicht zu empfehlen. Der Top – Fund unserer heutigen Exkursion!

Hier die möglichen, akkumulierten Regenmengen nach dem ECMWF für Wismar bis zum 29.08.2022 – 2.00 Uhr: minimal 2,8 l/qm, maximal 160,9 l/qm und im Mittel 49,2 Liter.


Flockiges Gewölk deutete schon am Vormittag auf labile Verhältnisse und mögliche Gewitter hin.

 

Montag, 15. August – In überwiegend katholisch geprägten Landstrichen wird heute der Große Frauentag gefeiert. Auch Maria Würzweih oder Büschelfrauentag genannt. Am bekanntesten dürfte jedoch der Begriff Maria Himmelfahrt sein. So war heute in einigen Bundesländern sogar Feiertag. Im Bauernkalender ist der 15. August ein Lostag: „Maria Himmelfahrt; Kräuterweihe; Beginn der Frauen Dreißiger“. Die Frauen Dreißiger sind die überleitenden Tage zum Herbst. Also bis Mitte September, um den 13.09. herum. Der nun (Mitte August) beginnende Pilzherbst dauert hingegen wesentlich länger, bis Mitte Oktober. Wir dürfen nun also Abschied vom Pilzsommer 2022 nehmen, der keiner war. Er gehört zu den pilzärmsten Sommer – Aspekten, die ich je erlebt habe! Das bedeutet jedoch nicht, dass Küchenmykologen nicht auf ihre Kosten kommen konnten. Natürlich gab es kaum Klassiker, aber die in jüngerer Zeit immer häufiger werdenden Lungen – Seitlinge konnten seit Juni immer wieder frische Mahlzeiten liefern. Und sie waren sehr produktiv. An vielen ihrer befallenen Totbäume, meistens Rotbuchen, lieferten sie unermüdlich Naschschub.

Lungen – Seitlinge (Pleurotus pulmonarius) gestern im Reppener Holz.

Anders als der Winter – Austernseitling, der oft nur einen Wachstumsschub bekommt. Lungen Seitlinge werden aber im laufe des Septembers ihre Fruchtkörperproduktion zurück fahren. Hoffen wir, dass dann viele andere Arten für Ausgleich sorgen mögen. Im Normalfall beginnt nun die pilzreichste Zeit des Jahres und die könnte in diesem Jahr besonders üppig ausfallen und sie könnte in ihrer ersten Phase noch stark von sommerlichen Arten geprägt sein, da diese bisher kaum eine Chance hatten. Vorausgesetzt sind massive Regenfälle! Kommen diese nicht in sehr satten Mengen, wird es gemächlicher von statten gehen. Heute zogen und ziehen derzeit noch recht verbreitet teils kräftige Gewitterschauer durch. Wismar hat bis gegen 20.00 Uhr, wie in diesem Sommer üblich, keine nennenswerten Mengen abbekommen. Mit 4,5 Litern ist leider kein Staat zu machen. Aber vielleicht kommt in den nächsten Stunden noch etwas nach. Es gab auch stellenweise deutlich mehr. Es war und ist eben nach wie vor ein Lotto – Spiel. Zumindest haben jetzt Teile der Griesen Gegend einiges abbekommen und in diese geht es ja noch drei mal zu Mittwochsexkursionen. 

Lungen – Seitling (Pleurotus pulmonarius). Übrigens besitzt der Pilz die Eigenschaft welk zu werden, um bei einetzendem Regen oder in einem kurzen Wasserbad schnell wieder aufzuleben, ähnlich den Schwindlingen. Standortfoto am 14.08.2022 im Reppener Holz.

Ab dem Mittag setzt in schwülwarmer Luft Konvektion ein. Erste Gewittertürme schrauben sich in den Himmel.

Da der Wachstumsdruck wegen der fortgeschrittenen Jahreszeit immer höher wird, gibt es doch schon etwas Hoffnung, dass doch mal einige Frischpilze mehr sprießen könnten. Entscheidend ist nun jedoch, was machen die Regen- und Gewittertiefs vom Mittwoch bis Sonnabend. Bringen sie uns hohe Regenmengen oder auch nur den berühmten Tropfen. Der Abendlauf des GFS hatte nur ein Paar schlappe Schauer für uns übrig. Andere Modelle lassen zumindest noch Hoffnung auf 20 – 40 Liter. Es ist also noch völlig offen, wo, wieviel Regen vom Himmel fällt. Vielleicht kann ja Maria etwas bewirken, da sie heute frisch aufgestiegen ist. Leider bin ich nicht katholisch. Wenn ich sie nun anbeten würde, würde mir das wohl nicht viel nützen. Lassen wir lieber. Dann schon eher an Petrus!

Einer der wichtigsten und beeindruckensten Funde der gestrigen Vereinsexkursion im Reppener Holz waren diese, in vielen Regionen Deutschlands bisher nur selten nachgewiesenen Kupferroten Lackporlinge (Ganoderma pfeifferi).

Was das amerikanische GFS heute im Abendlauf aber auch rechnete, war ein riesiges Hochdruckgebiet ab nächster Woche über weite Teile von Europa bis Ende August. Ein kräftiges Islandtief soll demnach die neuerliche Zufuhr sehr warmer, ja heißer Subtropikluft ankurbeln. So eine satte und anhaltende Hitzewelle, wie dort heute Abend berechnet wurde, habe ich in den Läufen dieses Sommers bisher kaum gesehen. Kommt es so, wird es nix mit einem Durchbruch an der Pilzfront. Soll auch der Pilzherbst in diesem Jahr zum Hungeraspekt werden? Dann bleibt uns nur noch der Spätherbst mit einem restlichen Rattenschwanz. Mal große Hoffnung, das andere mal wieder großer Pessimismus. Ich kann auch nichts dafür. Es bleibt spannend!


Hier noch einige Werte von Kachelmannwetter von 19.00 Uhr, die für uns von Interesse sein sollten: im Raum Grevesmühlen, teils eng begrenzt 30 – 50 Liter; Sternberg/Kaarzer Holz 20 – 30 Liter; Crivitz/ Forstrevier Gädebehn 30 – 50 Liter; Holthusen bis östlich Renzow 20 – 60 Liter; Kalißer Heide bis westlich Ludwigslust: 20 – 50/60 Liter! Später noch weitere Regenfälle.


Diesen tollen Schwefelporling (Laetiporus sulphureus) brachte mir gestern Catrin mit zur Vereinsexkursion. Er bereichert nun die Innenausstellung im Mykologischen Informationszentrum Steinpilz – Wismar. Ich bedanke mich ganz herzlich!

 

Hier die möglichen Regenmengen für Wismar bis zum 30.08.2022 – 2.00 Uhr nach dem ECMWF in akkumulierter Form: minimal 13,9 l/qm, maximal 95,5 l/qm und im Mittel: 43,9 Liter.


Auch heute Nachmittag brodelte es wieder, aber nur ganz vereinzelt hat es zur Schauer- und Gewitterauslöse gereicht.

 

Dienstag, 16. August – Lostag im Sinne des Bauernkalenders. So heißt es im Buch „Abendrot – Schönwetterbot“ für den 16. August: „Wenn St. Rochus trübe schaut, dann kommt die Raupe in das Kraut. Wenn es zu St. Joachim regnet, folgt ein warmer Winter“. Nun, trübe war es allenfalls in Wismar heute morgen ein wenig und danach wurde es recht freundlich, mit Quellwolken am Nachmittag. Ganz vereinzelt entwickelten sich daraus auch kleine Schauer, teils mit Blitz und Donner. So hat es nur örtlich kurz geregnet und ein richtig trüber Tag sieht anders aus. Vergessen wir den Wetterspruch! Ob die Raupen nun das Kraut meiden? Wer weiß! Wichtiger wäre da schon an die armen Schnecken in Wald und Flur zu denken. Fressen doch einige von ihnen für ihr Leben gerne Pilze. Es wird also Zeit, dass sie endlich aus dem vollen Schöpfen können, dass ordentlich aufgetischt wird. Auch der Gemeine Weidenkorb- und Bratpfannen- sowie Kochtopfmykologe möchte endlich mal wieder ramschen, ich auch! Aus dem vollen Schöpfen! Ich brauche Pilze zum trocknen und zum einfrieren! Aber hat der gestrige Regen diesbezüglich Hoffnung entfacht? Hier einige Messwerte ausgewählter Wetterstationen: Goldberg: 0,1 l/qm; Boltenhagen: 0,7 l/qm; Rostock – Warnemünde: 2,3 l/qm; Kirchdorf auf der Insel Poel: 4,3 l/qm; Schwerin: 14,0 l/qm; Waren an der Müritz: 25,2 l/qm und Sohn Jonas meldete mir heute morgen 12,0 Liter im Messbecher der Keezer Schmiede.

Dieses Foto sandte mir Catrin vor wenigen Tagen zu. Es zeigt einen Vertreter der Schwarztäublinge. Hier wäre jetzt der Geschmacksinn gefragt. Schärflich oder richtig scharf. Belassen wir es bei Russula cf.

Ein, wie ich finde, schönes Stimmungsfoto ist Catrin mit diesem Schnappschuss gelungen. Es zeigt bereits recht ausgereifte Schuppige Porlinge (Polyporus squamosus).

Nun, es waren konvektive Niederschläge und da sind solche feststehenden Messeinrichtungen ganz sicher nicht sehr aussagekräftig. Sehr viel mehr Aufschluss bringen da schon die Radarbilder, die beispielsweise auf Kachelmann – Wetter verfügbar sind. Schaut man sich im Regenradar die einzelnen Gewitterzellen an, gut eingefärbt beispielsweise bei Wetter – Online, so fällt der oft heftige Niederschlagskern der Gewitter auf. Vergleichbar mit einem Spiegelei. Der eigentliche Treffer ist meist mit entsprechenden Farben wir lilarötlich oder pink gekennzeichnet. Nun können die Gewitter mitunter zu größeren Clustern zusammen wachsen und sich schließlich allmählich abregnen, so wie gestern Abend auch. Wirklich gepunktet haben gestern nur die „Eigelbe“ und die sind doch wieder sehr stark eingegrenzt. Soll heißen, falls es einen größeren Wald getroffen haben sollte, dürfte es auch in diesem sehr differenziert werden. Mit anderen Worten, örtlich könnte ein kleiner Hot Spott in den kommenden 10 – 14 Tage möglich sein, ansonsten ist nichts großes zu erwarten. Ich möchte aber nochmals betonen, der Wachsumsdruck wird aufgrund der fortgeschrittenen Jahreszeit größer. Dort wo was möglich ist, wird etwas möglich sein.

In den Lamellen dieses Täublings, ich vermute mal eine blasse Form des Morgenrot- oder Rosa – Täublings (Russula aurora), haben Unmengen von Springschwänzen vor der Hitze Schutz gesucht. Foto: Catrin Berseck.

Ob uns die Regen- und Gewitterlage am Donnerstag und Freitag tatsächlich zum Durchbruch verhilft sei dahin gestellt. Es sind wieder nur konvektive Ereignisse. Der meiste Regen wird derzeit in Westdeutschland und am Freitag in Ostdeutschland berechnet. Wir liegen zwischen den möglichen Starkregenzonen und können nur Hoffen, dass auch wir von stärkeren Entwicklungen nicht ausgespart bleiben. In der nächsten Woche soll sich ja nach der Tiefdruck – Delle der Hochsommer wieder durchsetzen und es könnte sogar nochmals richtig heiß werden. Rechnete der Abendlauf des GFS heute Abend für kommenden Donnerstag und Freitag nur mit auffallend wenigen Niederschlägen, so hatte er allerdings im letzten August – Drittel, im Gegensatz zu heute morgen, wieder satte Regensignale bei dann feuchtwarmen Verhältnissen drin. Es ist und bleibt also spannend und ganz so trostlos wie in den zurück liegenden Wochen und Monaten wird es ganz gewiss nicht weiter gehen.

So hatte Catrin am Freitag letzter Woche doch ein kleines und buntes Sammelsurium im Rühner Holz zusammen tragen können. Die Pilze sollten eigentlich für die Ausstellung gedacht sein, überlebten allerdings nicht die Hitze im abgestellten Auto am vergangenen Sonntag.

Hier die möglichen Regenmengen für Wismar nach dem ECMWF in akkumulierter Form bis zum 31.08. – 2.00 Uhr: minimal 4,1 l/qm, maximal 94,9 l/qm und im Mittel 44,7 Liter.


Die Strohkirchener Tannen waren heute Ziel einer Mittwochsexkursion.

 

Mittwoch, 18. August – Am Nachmittag startete ich zu meiner heutigen Mittwochsexkursion. Natürlich ging es wieder in die staubtrockene Griese Gegend. Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Kurz vor meinem Zielgebiet, im 2. Quadranten des MTB Redefin, ich befuhr eine untergeordnete Landstraße, war ein Traktor beim Pflügen seines Ackers zugange. Er wirbelte derartig Staub auf, dass ich plötzlich sozusagen in den Nebel des Grauens fuhr. Eine graue Staubwolke querte die Fahrbahn in einer derartigen Verdichtung, dass ich fast anhalten musste. Sichtweite vielleicht noch einen Meter! Der Staub der Griesen Gegend! Schließlich erreichte ich mein Exkursionsziel, die Strohkirchener Tannen. Tannen sucht man hier vergebens, aber es sind damit in Mecklenburg umgangssprachlich Nadelwälder b. z. w. Forste gemeint. In diesem Fall, wie meist in der Griesen Gegend, bestehend aus Kiefer und nochmals Kiefer. Heute absolut Frischpilzfrei! Wieder ein Gebiet für den späteren Herbst für Fans von Maronen – Röhrlingen. Hoffen wir für diese Region, dass es dort noch bis Ende September trocken bleibt. Wenn dann aber nennenswerte Regenmengen einsetzen, so darf der Mähdrescher anrücken. Ja, es darf dann geramscht werden. Von wegen ein Kilo! Jeder darf sich eindecken mit so vielen Maronen  wie er möchte. Bedingung, es muss alles verarbeitet werden, gerne auf Vorrat (trocknen, einfrieren). Das ist natürlich meine ganz persönliche Ansicht, da ich auch nicht anders handele. Diese Röhrlinge wachsen in manchen Jahren in den Monokulturen in einem derartigen Überfluss, dass sie ohnehin nicht alle abgesammelt werden können. In diesem Jahr steht die Norm dafür günstig.

Die Strohkirchener Tannen heute Nachmittag. Man achte auf das Häuflein links unten im Bild!

Am frühen Abend, es wurde Zeit die Exkursion zum Ende zu führen, schien sich über den Strohkirchener Tannen etwas zusammen zu brauen.

Apropos Regen. Es hat auf dem Acker zwar mächtig gestaubt. Mein Zielgebiet war jedoch noch mindestens 10 Km entfernt und hier hatte es bei der letzten Gewitterlage am Montag durchaus heftig geschüttet. Das hat dort aber in solch trockenen Sommern nicht viel zu bedeuten. Jedoch, es soll ja noch Nachschub im Anmarsch sein. Auch heute hatten sich vereinzelt kurze Schauer und Gewitter entwickelt und Westmecklenburg wurde am Abend noch von einem größeren Gewittercluster gestreift, der zwischen der Nordsee, Hamburg und Schleswig – Holstein tobte. Richtig interessant könnte es jedoch morgen und am Freitag werden. Ab morgen Nachmittag können sich auch über M-V teils starke Gewitter entwickeln. Diese können dann bis Freitag anhalten. Die Wettermodelle sind sich zwar fast alle einig, dass es gerade auch über M-V mächtig zur Sache gehen soll, aber der zeitliche Ablauf wird noch etwas unterschiedlich berechnet. So sehen einige Modelle das große Donnerwetter morgen Nachmittag bis in die Nacht zum Freitag. Andere Modelle lassen es besonders am Freitag so richtig krachen und vor allem Schütten. Es gibt Wettermodelle, die rechnen wahre Wasserbomben mit bis zu 60 Liter innerhalb nur einer Stunde! Da kann ich nur sagen, Wasser marsch für die Feuerwehr. Sie wird wohl zumindest regional alle Hände voll zu tun haben. Nicht nur wegen durch Blitzeinschläge ausgelöste Brände. Ich denke da eher an mögliche Sturzfluten oder für uns Flachländer vielleicht anders formuliert, Überschwemmungen und voll gelaufene Keller. Regelrechte Schwergewitter stehen aber nicht auf der Karte. Dafür, also für Super – Zellen, sind die Scherungsverhältnisse zu flau. Dennoch kann es im Bereich extremer Wasserbomben zu Down Burst kommen, also schweren Gewitter – Fall – Böen! Wenn man sich die Niederschlagsprognose auf die Fläche für unser Einzugsgebiet auf Wetter – Online, in den dortigen Farbkarten, anschaut, wird auf die Fläche am Freitag mit 20 – 50 Liter gerechnet. Hier kann das mögliche Potenzial für schwere Regenfälle erahnt werden. Es handelt sich ja nicht um flächigen Landregen, sondern um konvektive Umwälzungen! Das soll schon was heißen! Dennoch, es kann Gebiete geben, wo trotz allem nur drei Tropfen fallen!

Und tatsächlich gingen örtlich einige Schauer, teils mit Blitz und Donner, nieder. Von meinem Standort bei Strohkirschen aus fotografiert. Natürlich Strohkirschen in der Griesen Gegend und nicht in Nordwestmecklenburg! 17.08.2022.

Hier die möglichen Regenmengen für Wismar nach dem ECMWF in akkumulierter Form bis zum 01. September 2022 – 2.00 Uhr: minimal 4,0 l/qm, maximal 83,0 l/qm und im Mittel 36,2 Liter.

Der Gespensterwald Nienhagen war heute mal wieder Ziel einer kleinen Abendexkursion.

Donnerstag, 18. August Bis in die Nacht hinein zogen über Schleswig – Holstein und Westmecklenburg noch kräftige Schauer und Gewitter nach Norden. Insbesondere im benachbarten Bundesland gab es strichweise recht hohe Regensummen. So etwa von Mölln, östlich Lübeck bis hoch nach Fehmarn. Hier gab es örtlich zwischen 20 und 50 Liter. Dort sollte es durchaus positive Effekte mit sich bringen. Zumindest dort, wo bereits bei vormaligen Schauerlagen etwas Substanz im Boden war. Ansonsten gilt wieder die 10 – 14 Tage Regel. So fand unser Lübecker Pilzfreund Stephan Drabner in der Nähe der Palinger Heide einige Körnchen – Röhrlinge und auf seinen Grundstück starten die Rotfuß – Röhrlinge durch. Ganz klar, wir hatten ja auf Mecklenburger Seite am letzten Sonnabend auch verschiedene Champignons. Gebietsweise tut sich also etwas. So berichtete mir heute ein Besucher unserer Ausstellung, dass er dieser Tage bei Rerik Riesen – Schirmpilze gesehen hat. Wie pflegte unsere einstige gute Seele Irena zu sagen, wenn die Parasole zu sehen sind, gibt es auch Steinpilze! Also, dort, wo es in den zurück liegenden 2- 3 Wochen mal stärker geschüttet hat. Insbesondere Sommersteinpilze sollten höchstem Wachstumsdruck unterliegen!

Vom sicher auch im Gespensterwald herrschenden Wachstumsdruck bodenbewohnender Mykorrhiza – Pilze war heute leider nichts zu spüren. Dafür sind die Lungenseitlinge (Pleurotus pulmonarius) weiter heftig am fruktifizieren. Hier mal wieder mit leicht rosa – Reflexen. 18.08.2022.

Ansonsten warten wir ja auf weiteren Regen. Eigentlich sollten ab etwa 15.00 Uhr, nach gestrigem Super HD, die Gewitter gerade auch in Mecklenburg richtig zünden. Heute war von diesen Ambitionen im erwähnten Vorhersagemodell nichts mehr zu sehen. Die westlichen Gewitter von gestern Abend haben an der Schraube gedreht und etwas stabilere Luft nach Westmecklenburg gezogen. Überhaupt ist die derzeitige Wetterlage für die Meteorologen ziemlich unberechenbar. Gegen Abend, ich fuhr mal wieder in Richtung Gespensterwald, frischte der Wind von See her etwas auf und drückte die Temperaturen ein wenig. Das freute mich, denn Luftfeuchtigkeit und Cape – Werte sind eigentlich ideal für Gewitter, aber da wir keine Berge haben, die häufig die Gewitterbildung anfachen und entsprechende Hebung generieren, könnte der Wind diese Aufgabe übernehmen. Nordwestwind gegen Südostwind, das könnte funktionieren. Und da Gewitter gegen die Windrichtung am Boden ziehen, sollten diese auch zu den Küsten voran kommen. Zwar hatte Super HD auch weiterhin nichts für uns auf der Karte, aber auch so ein gutes Modell kann sich mal irren. Während der Fahrt begann sich bereits teils hochreichende Konvektion zu bilden. Für unwetterartige Gewitter reichte es zunächst aber nur in Vorpommern.

Die abendlichen Lichtstimmungen im Gespensterwald sind einzigartig und bei jedem Besuch anders. Einer der schönsten Orte in M-V für Naturfotografen, zu denen ich mich mit meinen minderwertigen Fotos und meines Unvermögens nicht zähle. Auch heute waren Profis mit guter Technik vor Ort, um die einzigartige Stimmung einzufangen.

Als ich die Heimfahrt von Nienhagen antrat, war es bereits dunkel, aber ich konnte noch erkennen, dass weiterhin hochreichende Quellungen bemüht waren, etwas auf die Beine zu stellen. Aber erst am späten Abend zündete es, wie schon häufiger in den letzten Tagen im südlichen Mecklenburg, zwischen Ludwigslust – Parchim und Lübz. Schnell bildete sich ein pulsierendes Multizellen – System, welches nach Norden zog. Auf seiner Linie lagen Sternberg – Blankenberg – Warin und Neukloster, bis hinauf zur Ostsee. In den stärksten Zellen kamen meist 15 – 30 Liter zusammen. Es waren aber auch Wasserbomben mit 40 bis 60 Liter auf den Quadratmeter dabei!

Blick in Richtung der Holz – Cluster und Alter Hafen der Hansestadt Wismar gegen Mitternacht von der Wendorfer Seebrücke aus. Ich war zur Blitzshow hier, konnte aber leider keinen einfangen. Dafür die Scheinwerfer vom Festplatz am Alten Hafen. Wismar feiert mal wieder sein Schwedenfest.

Hier die möglichen Regenmengen für Wismar nach dem ECMWF in akkumulierter Form bis zum 02. September 2022 – 2.00 Uhr: minimal 2,4 l/qm, maximal 101,1 l/qm und im Mittel 25,4 Liter.


Der Alte Hafen gestern Vormittag.

 

Freitag, 19. August – Wismar feiert wieder sein Schwedenfest. Warum Schwedenfest? Weil Wismar von 1648 (Westfälischer Frieden) bis zum Jahre 1903 zum Königreich Schweden gehörte. Daran sollen die Schwedentage erinnern. Seit gestern herrscht nun in der alten Hansestadt festliches Treiben, welches heute allerdings einigermaßen feucht von statten ging. Es regnete zeitweise. Ein kleiner Landregen. Mit 8 Litern, die ich gegen 17.00 Uhr in meinem Messbecher vorfand, nichts weiter wie der schon oft zitierte Tropfen auf den heißen Stein. Zwar besser als nichts, bewirken in unserem Interesse wird der Niederschlag herzlich wenig. Etwas anders ist es hingegen, wo die teils heftigen Regengüsse der Gewitter schon vorher einiges brachten. Aber auch dieses darf nicht überbewertet werden, da der Boden solche Sturzfluten nicht schnell genug aufnehmen kann. Allerdings können Wälder das Wasser etwas stärker binden, als ausgetrocknete Ackerflächen.

Holzbewohnende Arten, so wie dieser seltene Leuchtende Weichporling (Pycnoporellus fulgens) haben es da einfacher. Gestern Abend im Gespensterwald fotografiert. Schon alleine dafür lohnte sich die Anfahrt, obwohl der Pilz von dort bereits bekannt war.

Hier die Niederschlagskarte für M-V bis heute morgen. Inzwischen dürften noch einige Liter hinzu gekommen sein. Sie unter:http://www.kachelmannwetter.de 

Wie dem auch sei, der erhoffte Durchbruch zum Start in den Pilz – Herbst 2022 ist das noch nicht! Eher kann es zu einem kleinen Aufflackern von Sommerarten gereicht haben. Vereinzelt vielleicht auch mal zu etwas mehr. Nur in den satten Gebieten Vorpommerns könnte ein nennenswerter Schub bevor stehen. Zumindest war die Luft in den letzten Tagen deutlich feuchter und könnte dadurch zusätzlich anregender für ein mögliches Frischpilzwachstum gewesen sein. Auf jeden Fall sollten Freunde von essbaren Champignons demnächst auf ihre Kosten kommen. Gerade auch die zarten und köstlichen Wiesen – Champignons mögen heiße und trockene Sommer. Hier sollten bekannte Stellen durchaus in Augenschein genommen werden. Wir dürfen auf einen differenzierten, verspäteten Sommeraspekt zumindest regional hoffen. Ein Grund für Zurückhaltung ist auch die eher ungünstige Nachfolgewitterung. Aufbau einer neuen, hochsommerlich warmen bis heißen Wetterwoche. Ob zum nächsten Wochenende eine neue Gewitterlage bevorsteht ist zwar wahrscheinlich, aber noch nicht sicher. Eher rechnen einige Wettermodelle einen trockenen Kaltfront – Durchgang und es könnte frühherbstlicher werden, ohne große Regenfälle. Es gibt Langfrist – Modelle, die berechnen einen groben Trend über drei Monate. Hier wird ein eher trockener Herbst simuliert! Hoffen wir, sie haben sich verrechnet. Auf jeden Fall in den nächsten zwei Wochen mal die bekannten Stellen im Auge behalten. Vorgestern erkundigten sich ältere Leute, wie es mit Pfifferlingen rund um Warin herum aussieht. Ich konnte ihnen keine Hoffnung machen.  

Entschuldigung, ich möchte nicht nerven, aber sie liefern immer wieder schöne Motive, die Lungen – Seitlinge (Pleurotus pulmonarius) gestern Abend im Gespensterwald.

Hier die möglichen Regenmengen nach dem ECMWF für Wismar in akkumulierter Form bis zum 03.09.2022 – 2.00 Uhr: minimal 3,6 l/qm, maximal 105,9 l/qm und im Mittel 35,7 Liter.


Ein Rotfuß – Röhrling schiebt sich im günstigen Kleinklima zwischen Totholz empor. 20.08.2022 im Draguner Holz.

 

Sonnabend, 20. August – Ohne große Öffentlichkeit musste auch die heutige, als öffentliche Lehrwanderung geplante Veranstaltung vorlieb nehmen. Nur Pilzfreundin Catrin und meine Wenigkeit durchstreiften das Draguner Holz auf der Suche nach allerlei Waldkobolden. Ursprünglich hatte ich die Rosenower Fichten als Zielgebiet ausgesucht. Allerdings merkte Pilzfreund Phillip im Frühling an, dass weite Teile des Forstes neuerdings vor dem Betreten bewarnt werden, wegen möglicher Munitionsbelastung. Ein Team für Kampfmittelbergung war inzwischen wohl hier unterwegs. Wie dem auch sei, ich disponierte um und suchte ein Waldgebiet in der näheren Umgebung aus. Da bot sich das Draguner Holz bei Neu Dragun bestens an. Fichten gibt es auch hier, aber größere Teile des Waldes sind von Laubgehölzen bestanden. So drehten wir hier heute unsere Runden. Großes war unserer Meinung nach nicht zu erwarten, aber wir wurden gleich bei unserer Ankunft eines besseren belehrt. Noch nie wurden wir so eindrucksvoll und besonders für Catrin, überwältigend von wirklich Gigantischem aus der Großpilzwelt empfangen. Genau an unserer ausgesuchten Parkmöglichkeit am Waldrand und direkt schon aus dem Auto heraus ein toller Anblick, der Catrin gleich außer Rand und Band versetzte. Um einem dicken Buchenstubben herum mehrere Rosetten von wirklich gigantischen Riesenporlingen. Klar, dass ein Teil zum Ende der Tour ins Auto verladen werden musste, um als Blickfang vor dem Info – Zentrum in Wismar auf unsere Dauerausstellung hinzuweisen.

Catrin kann es kaum fassen und blickt voller Bewunderung auf diese überdimensionalen Kunstwerke.

Verschiedenfarbiger Dachpilz (Pluteus plautus) im Draguner Holz.

Auch sonst wurde es die frischpilzreichste Wanderung des Jahres bisher. Die Niederschläge zeigen endlich ihre Wirkung. Es gab einen ausgesprochen reichhaltigen Aspekt von Waldfreund – Rüblingen, die bekanntlich essbar sind. Catrin sammelte fleißig ein. Auch immer wieder Trupps und Büschel von den niedlichen Halsbandschwindlingen. Es gab also unerwartet viele Frischpilze! Ich schrieb ja bereits weiter oben, dort, wo etwas möglich ist, wird etwas möglich sein. So war es hier auch. Am interessantesten wurde es an einem geschützten Waldweg, an dem viel Totholz herum lag. Dort ging es Schlag auf Schlag. Rehbraune Dachpilze, Verschiedenfarbige Dachpilze, Blutmilchpilze, Schmetterlings – Trameten. Ein tolles Nest von Gemeinen Hundsruten ließ das Fass der Begeisterung überlaufen. Dazu eine Handvoll Stockschwämmchen. Ja, wirklich Stockschwämmchen! Es gibt diese leckeren Edelpilze noch. Auch ein kleiner Tintling und ein bis dato noch unbekannter Trichterling fanden sich neben einem Sklerotienporling an diesen pilzreichen Ort ein. Auch auf einen Rotfuß – Röhrling und drei Violettbraune Täublinge brauchten wir nicht zu verzichten. Der Wald war feucht und es herrschte echtes Pilzwetter. Das war heute mal ein echter Kontrast zu dem, welches wir bisher in diesem Jahr geboten bekommen haben und ein Hoffnungsschimmer zum Beginn des Herbst – Aspektes. Und da wird in den Gebieten, die mit höheren Regenmengen bedacht worden sind, noch deutlich mehr möglich sein. Hoffen wir nicht nur für ein kleines Aufflackern, sondern nachhaltiger. Aber gegen Nachhaltigkeit sprechen die mittelfristigen Wetteraussichten. Sommer, Sonne und zunehmende Hitze stehen erneut auf dem Programm. Der August schickt sich an, der heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen zu werden. Etwas Hoffnung gibt es jedoch zum kommenden Wochenende hin. Es bahnt sich eine mögliche Schwergewitterlage an!

Die größte Freude bereitete uns jedoch ein Nest von Hexeneiern und einigen geschlüpften Hundsruten (Mutinus caninus) an einer von starkem Totholz geschützten Stelle. 20.08.2022 im Draguner Holz.

Wohl nur selten dürften die von vielen Pilzsucherinnen- und Pilzsuchern missachteten und als minderwertig angesehenen Waldfreund – Rüblinge zu solchen Ehren kommen. Stilvoll serviert von Catrin für Catrin. 

Sonntag, 21. August – Heute wurde in der Hansestadt Wismar der finale Tag des Schwedenfestes gefeiert. Schwedenlauf und Schwedenweg waren angesagt und dazu wurden einige Straßen in der Altstadt gesperrt b. z. w. die Straßenführung geändert. So musste ich mich sputen, dass ich gerade noch rechtzeitig vom Infozentrum, in der ABC Straße, die motorisierte Flucht ergreifen konnte, damit ich pünktlich gegen 12.00 Uhr am Fernsehturm in der Schlemminer Staatsforst sein konnte. Hier hatte ich mich mit Catrin verabredet zu einer Tour durch ihren neu entdeckten Täublingswald, dem Fadernhorst, nördlich von Schlemmin. Zunächst war jedoch für mich ein kleiner Imbiss dabei. Catrin hatte die gestern eingesammelten Waldfreund – Rüblinge zur Verkostung geschmort. Gut und herzhaft gewürzt, durchaus nicht uninteressant. Jedoch stand der Eigengeschmack im Verhältnis zu dem wunderbaren, pilzigen Duft frischer Waldfreund – Rüblinge, deutlich zurück. Als Mischpilze durchaus zu empfehlen.

Waldfreund – Rübling (Collybia dryophila). 20. August 2022 im Draguner Holz.

Wir fuhren sogleich zum Fadernhorst. Ein hügeliges Buchenwaldgebiet mit Mooren und etwas Nadelforst. Sicher ein einträglicher Bereich für Freunde von Steinpilzen und Co. Davon jedoch keine Spur, es sei denn, man hätte den einzigen Gallen – Röhrling für einen Steinpilz gehalten. Ansonsten tatsächlich hier und dort mal ein Harter Zinnober – Täubling oder ein Frauen – Täubling. Aber etwas Geduld war schon gefordert, denn die Pilze standen nur sehr vereinzelt.

Der erste Gallen – Röhrling (Tylopilus felleus), den ich in dieser Saison zu Gesicht bekomme. Wie sehr doch die armen Schnecken hungern müssen, dass sie sich sogar schon an diesen galligen Gesellen heran machen müssen. 21.08.2021 im Fadernhorst.

Im Anschluss fuhren wir noch zu einer Stippvisite in das Radebachtal bei Blankenberg. Hier herrscht weiterhin, so wie in den meisten Wäldern auch, eine ziemliche Flaute. Natürlich war zwar auch hier der eine oder andere Frischpilz aufzuspüren, aber eine erkennbare Tendenz zur Besserung war nicht auszumachen. So bleibt nichts weiter übrig, als abzuwarten, was die Regenfälle der letzten Tage bewerkstelligen können. Und wir müssen hoffen, dass in Richtung Wochenende in zunehmend schwülwarmer bis heißer Luft, neue Niederschläge aufziehen. In den bisher regenreichsten Regionen könnte durchaus schon eine erhöhte Chance auf ein nennenswertes Frischpilzaufkommen bestehen oder sich innerhalb der nächsten 10 Tage entwickeln. Ähnliches gilt auch für Teile von Schleswig – Holstein.

Hier haben allerdings die Feinschmecker schon mal vorgekostet. Zählt doch der Frauen – Täubling (Russula cyanoxantha) zu den echten Delikatessen, zu den besten und köstlichsten Speisepilzen, die wir in heimischen Wäldern und Parkanlagen finden können. 21.08.2022 im südlichen Fadernhorst.

Hier die möglichen Regenmengen nach dem ECMWF in akkumulierter Form für Wismar bis zum 05. September – 2.00 Uhr: minimal 1,0 l/qm, maximal 56,5 l/qm und im Mittel 22.0 Liter.


Übrigens sind noch für unser diesjähriges Pilzseminar in der Märkischen Schweiz einige Plätze frei: 2022-09_Pilzseminar_Märkische_Schweiz 

Harter Zinnobertäubling (Russula rosacea) mit Besuch, gestern im Fadernhorst. Höchstens als Mischpilz brauchbar.

Montag, 22. August – Heute besuchte mich unser Berliner Vereinsmitglied und Pilzfreund Egon. Seit vielen Jahren macht er mit seiner besseren Hälfte Ende August/Anfang September Urlaub im Ostseebad Boltenhagen. Egon ist Physiotherapeut in Berlin und betreibt dort eine eigene Praxis. Außerdem war er in seinem früheren Leben Mitglied der DDR – Nationalmannschaft im Eishockey. Derzeit hat er in der Bundeshauptstadt eine Ausstellung mit großformatigen Fotos seiner schönsten Pilzfbilder etabliert. Leider habe ich derzeit kein Link dazu. Es sind auch Fotos von unseren gemeinsamen Exkursionen dabei. So ein Bild von außergewöhnlich vielen und besonders hübschen Grünblättrigen Schwefelköpfen. die wir vor einigen Jahren im Sachsenwald bei Hamburg fanden und natürlich im Bild festhielten. Auch weil es eine sogenannte sterile Form dieses außerordentlich häufigen Stubben – Bewohners war. Egon zeigte mir das beeindruckende Standortfoto und fragte mich, ob ich noch wüste, wo dieses Bild entstanden sei. Natürlich wusste ich es, das ist eingebrannt und nicht vergessen. Eigentlich würde ich mich wohl kaum an ein Foto dieses oft inflationär fruktifizierenden Blätterpilzes erinnern, wenn es nicht diese besondere Form des Hypholoma fasciculare gewesen wäre. Aber auch der Grünblättrige Schwefelkopf, der inzwischen ganzjährig wächst, war seit Saisonbeginn nur selten einmal mit wenigen Exemplaren vertreten. Und der braucht noch nicht einmal übermäßige Feuchtigkeit, wächst er doch aus Stubben heraus. Das untermauert nur meine These, dass die in diesem Jahr außergewöhnlich geringe Luftfeuchtigkeit, die natürlich auch mit der Trockenheit zusammenhängt, dafür mit verantwortlich zeichnen könnte, dass auch dieser Pilz bisher nur so zurückhaltend wuchs.

Ein von hungrigen Schnecken stark in Mitleidenschaft gezogener Getropfter Saftporling (Oligoporus guttulatus) gestern im Fadernhorst.

Das bevorstehende Treibhausklima sollte in Verbindung mit möglichen Regenfällen ab Freitag endlich auch die Dickröhrlinge aus der Reserve locken. Netzstieliger Hexen – Röhrling (Boletus luridiformis) gestern im Radebachtal bei Blankenberg.

Nun hat es zumindest in M-V örtlich bis gebietsweise kräftigere Niederschläge gegeben (trotz dem noch viele, zu trockene Landstriche), so dass nicht nur dadurch ein wenig mehr Wasserdampf in der Luft steckt. Wir haben auch seit einiger Zeit keinen Zustrom von außergewöhnlich trockenen Luftmassen mehr. Zum anderen geht die Verdunstung allmählich zurück. Die Nächte werden länger, können stärker auskühlen und dadurch kann auch die Taubildung begünstigt werden. So auch in der letzten, recht kühlen Nacht. Aber dieser Aspekt tritt in den nächsten Tagen zunächst wieder in den Hintergrund. Der Taupunkt soll kontinuierlich ansteigen und sich in der zweiten Wochenhälfte bis fast zur Unerträglichkeit steigern. Treibhausluft ist also im Anmarsch und die Tage und Nächte können tropisch werden. Je höher der Taupunkt, um so drückender und schwüler empfinden wir das Ganze. Der Taupunkt könnte in Richtung Freitag bei uns in M-V bis über 20 Grad steigen. Es dürfte tierisch schwül werden! Und es bleibt nicht ohne Folgen. Die Luftmasse wird immer energiereicher und es können sich regional heftige Gewitter bilden. Gerade auch bei uns im Nordosten stehen den Gewittern durch die hohen Taupunkte sehr viel Wasserdampf und Energie zu Verfügung und somit auch reichlich niederschlagbares Wasser. Da kaum Windscherung vorhanden sein soll, können dort, wo sich Gewitter bilden, große Wassermassen zu Boden rauschen, da die Zellen nur langsam ziehen oder sogar stationär bleiben können. Es kann also durchaus zu Unwettern durch hohe Regenmengen kommen und diese könnten dann gebietsweise für uns auslösend werden. Anzeichen für mögliche, hohe Niederschlagsmengen, finden sich auch unten, bei den vorherberechneten Niederschlagssummen für Wismar. Man beachte den sicher übertriebenen Maximalwert! Gewittergefährdet ist aus heutiger Sicht der Freitag und Sonnabend bei uns in M-V. Diese Entwicklung könnte allerdings die geplante Nachtwanderung am 26. August in Bedrängnis bringen! Wie dem auch sei, auf jeden Fall gibt es in dieser Woche zunehmend Pilzwetter vom feinsten! Treibhaus – Klima, dass sollte sich auf alle Fälle positiv bemerkbar machen. Auch besonders in den Regionen. die in der vergangenen Woche nennenswert mit Wasser bedacht worden sind.

Die kalibrierten Regensummen der letzten drei Wochen über Mecklenburg – Vorpommer. In den grün bis blau eingefärbten Regionen sollte es allmählich aufwärts gehen. Grafik von http://www.kachelmannwetter.de

Hier die möglichen Regenmengen in akkumulierter Form nach dem ECMWF für Wismar bis zum 06. September 2022 – 2.00 Uhr: minimal 2,2 l/qm, maximal 189,0 l/qm und im Mittel 30,5 Liter.


Dienstag, 23. August (Ende der Hundstage) – „Was die Hundstage gießen, muss die Traube büßen. August ohne Feuer, macht das Brot teuer und nasser August bringt teure Kost. Der August muss Hitze haben, sonst wird des Obstbaums Segen begraben. Gute Weinjahre sind gute Nussjahre“. So zu Lesen im Buch „Abendrot – Schönwetterbot“ von Bernhard Michels.

Das Abendrot ist hier höchstens an den Quellwolken im Hintergrund zu erahnen. Das Bild entstand heute Abend am Farpener Stausee.

Wie dem auch sei, die Hundstage haben gegossen, aber nur örtlich bis regional. So beispielsweise von der Seenplatte bis Vorpommern, wie obiger Grafik zu entnehmen ist. Allgemein haben die in diesem Jahr wirklich hitzigen Hundstage aber die Austrocknung der Böden oft weiter verschärft. Feuer hat der August natürlich auch begünstigt. Es gab wieder teils größere Wald und Feldbrände, gemeint ist hier aber sicher das Himmelsfeuer der Sonne. Diesbezüglich gab es fast zu viel des Guten. Das Brot bleibt billig! Oder doch nicht? Menschlicher Wahnsinn macht es teuer! Immerhin kann nicht der August dafür verantwortlich gemacht werden, war er doch alles Andere als nass. Des Obstbaums Segen wird zum Glück nicht begraben, der August hatte Hitze und viele Obstbäume, so Pflaumen oder Äpfel, tragen schwer unter der Last ihrer Früchte. Wie es mit dem Wein aussieht, kann ich nicht beurteilen. Vielleicht sollte ich mir die Nussbäume näher anschauen. Über Pilze ist dem Buch leider nichts zu entnehmen. Auf jeden Fall reiht sich der August unter den schlechten Vorgängermonaten nahtlos ein. Allerdings kann die Hitze und die lange Trockenheit noch einen bombastischen Pilzherbst zu Stande bringen. Massive Regenfälle wären dafür erforderlich. Auf die Fläche und nicht immer nur punktuell.

Ein alter und eher etwas untypischer Wurzelnder Bitter – Röhrling (Boletus radicans) heute Abend am Farpener Stausee.

So sah es auf unserer kleinen Abendwanderung in der Farpener Forst und den Rohlstorfer Tannen entsprechend und erwartungsgemäß äußerst dürftig aus. Gleiches gilt für die Beteiligung. Nur Catrin und ich wanderten an diesem warmen, schönen und ruhigen Hochsommerabend am Ufer des Farpener Stausees entlang. Frischpilze so gut wie keine! Eigentlich sollte die Wanderung durch die Forste rund um die Ortschaft Neuburg führen, aber da auf Catrins Fahndungsliste unbedingt der auch bei Trockenheit wachsende Wurzelnde Bitter – Röhrling ganz oben stand, entschlossen wir uns zum nahen Farpener Stausee zu fahren. Dort gibt es an exponierter, südlicher Hanglage, unter Eichen, einen recht zuverlässigen Standort dieses ungenießbaren Dickröhrlings. Und tatsächlich erwartete uns dort zumindest ein Exemplar dieser Art, allerdings keinesfalls mehr in aussagekräftigem Zustand. Wunsch 2 von Catrin konnten wir leider nicht umsetzen, den Fund einer Krausen Glucke. Schließlich fuhren wir noch in einen Buchenwald innerhalb der Rohlstorfer Tannen. Es war schon ziemlich dunkel und Catrin wollte erkunden, wie es sich mit Stirnlampe im düsteren Wald wandert und wie es zugeht, wenn im Lichtschein der Lampen die Pilze ausfindig gemacht werden können. Was soll ich sagen, sie fand tatsächlich einen Frischpilz, nämlich einen Wurzel – Schleimrübling und war nun überzeugt, dass auch eine Nachtwanderung diesbezüglich funktionieren könnte.  

Zu den wenigen Frischpilzen unserer diesjährigen Abendwanderung zählten auch diese Dickschaligen Kartoffel – Hartboviste (Scleroderma citrinum). Giftig!

Kiefern über Kiefern im dritten Quadranten des MTB Redefin.

Mittwoch, 24. August – Die heutige Mittwochsexkursion führte in den 3. Quadranten des Messtischblattes 2633 = Redefin. Ziel war ein umfangreiches Forstrevier südlich der Ortschaft Belsch. Kiefernforste vom feinsten für Freunde von Maronen – Röhrlingen. Natürlich bei feuchteren Verhältnissen im späteren Herbst. Zwar hatte auch ein Streifen in der Griesen Gegend bei den letzten Gewitterlagen etwas mehr Regen abbekommen, aber das nützt in diesen Zeiten mit viel Sonnenschein und hohen Temperaturen gleich achter an kaum etwas. Der staubige Sand hält keine Feuchtigkeit und Kiefernforste heizen sich bei intensiver Sonneneinstrahlung richtig gut auf. Trotz entsprechender Vorwarnung meinerseits, hatten sich doch einige Interessenten zur heutigen Tour angemeldet. Da wären unsere Vereinsmitglieder Michael aus Schwerin und Egon aus Berlin zu nennen. Des weiteren eine junge Dame aus Freiburg und ein sehr interessierter Mann mittleren Alters aus Wismar. Der Kiefernforst war überaus monoton und  selbst an den Wegen nur selten mal ein Laubbaum. Wir entschlossen uns zu einem Abstecher zum nahen Zornbach, in der Hoffnung, hier vielleicht etwas mehr Abwechslung und Feuchtigkeit vorzufinden. Aber Pustekuchen! Ein Bach war der Zornbach wohl in grauer Vorzeit. Selbst sogar recht zornig und agil, denn er hatte ein kleines Bachtal hervorgebracht. Sicher, hätten wir uns mit dem vielen Totholz beschäftig, welches zumindest teils noch recht feucht lag, hätten wir Dies & Jähnes an Schichtpilzen und vielleicht auch kleinen Schlauchpilzen finden können, die wir aber größtenteils ohnehin nicht hätten bestimmen können. Aber wir hatten ja auch zahlende Gäste dabei, die vielleicht auch mal einige Pilze mit Hut und Stiel erklärt bekommen hätten. So entschieden wir uns schließlich, das Gebiet zu wechseln. Einen eher belaubten Wald auf besseren Böden aufzusuchen. Mir fiel ein, dass der Woitendorfer Wald bei Rehna in der letzten Zeit auch mal ganz gut Wasser abbekommen hat und alle waren mit diesem Vorschlag einverstanden. Schließlich lag dieser ja fast auf dem Weg, wenn es wieder in Richtung Norden geht.

Der Zornbach ist versiegt.

Endlich, wir starten in die Hochsaison! Die Behangenen Mehlschirmlinge (Cystolepiota sistrata) sind erschienen. Wir finden sie oft in großen Mengen entlang von Waldwegen.

Dort angelangt, gleich ein ganz anders Klima. Schattiger und temperierter und auch der Waldboden eher feuchter und keinesfalls so staubig wie in der Griesen Gegend. Ja, hier waren wir richtig und es gab dazu tatsächlich auch Frischpilze. Zwar sehr dezent, aber immerhin auch mit Hut und Stiel. Der Regen lockte an den Wegrändern erste, winzige Mehlschirmlinge hervor und auch erste Stinkschirmlinge machten sich auf den Weg des Wegrandes. Hier und dort delikate Lilablättrige Mürblinge. Da schlägt Herz des Pilzfreundes doch höher. Darauf haben wir doch nur gewartet, oder? In diesem Moment wurde auch ein Flockenstieliger Hexen – Röhrling entdeckt, leider überständig! Einige Täublinge erfreuten uns und auch ein Perlpilz oder ein Rehbrauner Dachpilz war mit dabei. Außerdem setzte gerade ein frischer Schub von Sklerotienporlingen ein. Auf der Heimfahrt durch Rehna leuchteten uns auf einem Parkrasen Champigons an. Jung und noch geschlossen! Vielleicht hätte wir lieber in den Parkanlagen schauen sollen.

Etwas größer werdend und zu den echten Schirmlingen gehörig sind die ebenfalls entlang von Waldwegen überaus häufigen Stink – Schirmlinge (Lepiota cristata), mit ihrem stechenden Geruch. Ungenießbar.

Das Wetter war sehr sonnig und warm, obwohl am Morgen einige Hochnebelfelder herum waberten. Die letzten Nächte kühlten noch ganz gut ab und reichlich Tau bildete sich. Aber der Taupunkt steigt nun deutlich an und dadurch wird die Luft immer feuchter und schwüler.

Der schönste Fund des Mittwochs war dieser Kiefern – Braunporling, besser Nadelholz – Braunporling (Phaeolus schweintzii), an einer alten Lärche im Woitendorfer Wald.

Der Traum eines wirklichen Pilzfreundes ist es sicherlich, einmal im Leben dem wunderbaren und giftigen Satans – Röhrling zu begegnen. Zumindest in Form einer Schautafel kann der Wunsch in Erfüllung gehen. Gedruckt und heraus gebracht vom Kronen – Verlag Hamburg.

Donnerstag, 25. August„Cramers Naturkundliche Anschauungstafeln“ nennt sich eine Serie von Schautafeln im Großformat von etwa 100 mal 50 cm, mit wunderbaren, farbigen Zeichnungen von wichtigen ungenießbaren und giftigen Pilzen. Diese wurden mir heute herein gereicht von der Betreiberin des sogenannte Brausekontors, schräg gegenüber dem Info – Zentrum. Sie beteiligt sich mit ihrer Geschäftsidee an Haushaltsauflösungen und dort kommen immer wieder spannende und interessante Dinge zum Vorschein, die mitunter über Jahrzehnte in der Versenkung schlummerten. So auch diese relativ alten, sehr gut erhaltenen Schautafeln. Ich habe diese nun im Steinpilz – Wismar ausgelegt und wer eines dieser hervorragenden Pilzporträts sein Eigen nennen möchte, kann es für 25 € pro Stück käuflich erwerben. Der Erlös geht je zur Hälfte an das Brausekontor und dem Mykologischen Informationszentrum Wismar.  

Zur Wetterlage: heute ist die Luft zunehmend feuchter und schwüler geworden. Über Deutschland bildet sich eine Tiefdruckrinne aus. Eingelagert darin das Gewittertief Ornella. Eigentlich sind es gleich drei Systeme, die hier für das deutlich ansteigende Gewitterrisiko sorgen. Zum einen die sehr feuchte und schwüle Luft aus Osten, die Tiefdruckrinne selbst und eine Kaltfront, die sich sehr langsam von Westen her nähert. Ornella sorgt hier für den erforderlichen Hebungsantrieb, da ansonsten kaum auslösende Faktoren dafür in Frage kommen. Kaum Windscherung, keine Orografie und die Konvergenzen sind auch nur schwach ausgebildet. Für Mecklenburg sind Unwetterwarnungen der Stufe rot für kräftige Gewitter zwischen morgen 13.00 Uhr bis in die Nacht zum Sonnabend 2.00 Uhr ausgegeben! Das bedeutet, dass unsere für morgen geplante Nachtwanderung leider ausfallen muss! Schade, die Genehmigung von der zuständigen Forstbehörde liegt inzwischen vor. Aber vielleicht auch ganz gut so, denn Frischpilze wären ohnehin kaum im Lichtschein unserer Lampen zu entdecken gewesen. 

Die großformatigen Pilztafeln liegen im Info – Zentrum, in der ABC Straße 21 aus.

Die Gewitter können es durchaus in sich haben. Weniger durch Sturmböen, dafür mit hohen Regenmengen. Auf Kachelmannwetter wurde heute eine Grafik gezeigt, die das mögliche Sturzflutrisiko verdeutlicht. Derart hohe Werte wurden in diesem Jahr bisher bei keiner Gewitterlage gerechnet! Auch stehen hohe Cape – Werte zur Verfügung. Das Super HD hat örtlich satte Zellen in der Rechnung, mit bis zu 50 Litern innerhalb einer Stunde in den stärksten Zellen! Auch können diese heftigen Gewittern schnell mit weiteren Zellen verclustern und zu stundenlang anhaltendem Starkregen führen. Der Abendlauf des Super HD hat aber für Westmecklenburg, im Gegensatz zu gestern, deutlich zurück gerudert. Demnach soll bei uns zunächst bis auf einzelne Schauer und Gewitter nicht viel passieren. Im zentralen Mecklenburg soll morgen aber richtig die Post abgehen und auch westlich, über Schleswig – Holstein, sollen teils schwere Gewitter niedergehen. Erst in laufe der 2. Nachthälfte auf Sonnabend soll sich der Unwetterschwerpunkt in das westliche Mecklenburg verlagern, mit ebenfalls sehr hohen Regenmengen. Regen und Gewitter sollen demnach erst Sonnabend Abend in Richtung Vorpommern abziehen. Ob sich das Wetter an diesen Fahrplan hält? Könnte auch umgekehrt kommen! Auf jeden Fall stehen uns wahrscheinlich die intensivsten Regenfälle und Gewitter dieses Sommers bevor!

Dieser Rotrandige Baumschwamm (Fomitopsis pinicola) hat es gut. Er kann zu seiner Nährstoffaufnahme noch reichlich Wasser dem Holz entziehen und überschüssiges gleich wieder ausschwitzen. Wir brauchen dringend Wasser für unsere Bodenbewohner! 24.08.2022 in der Kiefernforst südlich Belsch.

Hier die möglichen Wassermengen für Wismar in akkumulierter Form nach dem ECMWF bis zum 09.09.2022 – 2.00 Uhr: minimal 6,4 l/qm, maximal 111,4 l/qm und im Mittel 37,2 Liter.

Hier aktuelles über Radioaktivität in Speisepilzen: Bericht 2022

Diese Rarität brachte uns Michael Junge am Mittwoch mit zur Exkursion. Er hatte die Pilze an der alt bekannten Stelle auf Schelfwerder gefunden. Stachelschuppiger- oder Igel – Wulstling (Amanita solitaria). Im Norddeutschen Flachland sehr selten!

Freitag, 26. AugustDie ganz große Waschküche, mit extremer Schwüle, so wie vor einigen Tagen geschrieben, war und ist es ja nicht gerade geworden. Trotz allem war es heute recht warm und drückend. Ab dem Mittag tauchten dann von Süden her die ersten Regenfälle und Gewitter auf. Besonders von der Seenplatte bis hinauf in den Großraum Rostock regnete und gewitterte es zum Teil heftig. Vor allem auch im zentralen Mecklenburg – Vorpommern hat es gebietsweise richtig geschüttet. Im großen und ganzen auch wieder in den Regionen, die bei der letzten Gewitterlage, siehe oben, schon gut bedient worden waren. Zumindest regional sollte hier das Eis, oder besser formuliert, die Funkstille an der Frischpilzfront gebrochen worden sein. Kann gut sein, dass wir in den nächsten Wochen in der Zeitung lesen: „Große Pilzschwämme in den Wäldern von M-V“. Großer Nachholebedarf könnte es möglich machen.

Eine andere Region, die heute Abend reichlich Wasser bekommen hat, war die Griese Gegend. Auch hier zogen starke Gewitter in Form von Multizellensystemen durch, b. z. w. entwickelten sich an Ort und Stelle. Und das war das Besondere an der heutigen, fast Deutschland weiten Gewitter- und Unwetterlage. Die Zellen zogen kaum und wenn, dann in allen möglichen Richtungen. Immer dort hin, wo die günstigsten „Lebensbedingungen“ für die konvektiven Umlagerungen gegeben waren. Der Raum Wismar ging mal wieder leer aus. Nachschlag könnte es morgen noch geben. Weiterhin besteht die Gefahr von starken Regenfällen und Gewittern. Aber weiterhin meist sehr regional bis gebietsweise. Ob die Niederschläge jedoch in der Griesen Gegend bereits größeres bewirken, möchte ich eher bezweifeln. Es wird aber auf jeden Fall auch dort schon mal ein erstes, frühherbstliches Aufflackern geben. Vieles hängt auch von der Nachfolgewitterung ab und die sieht, stand heute, nicht allzu rosig bezüglich nennenswerter Niederschläge aus. 

Auch diesen Wurzelnden Bitter – Röhrling (Boletus radicans) brachte uns Michael von Schelfwerder mit. Es scheint so, dass Igel Wulstling und gezeigter Dickröhrling die selben Standortansprüche haben und gerne gemeinsam vorkommen. Allerdings ist der giftverdächtige Amanita solitaria wesentlich seltener!

Die 24 stündige Regensummenkarte für M-V. Im östlichen Bereich sind heute nochmals teils erhebliche Mengen dazu gekommen. Sie unter: http://www.kachelmannwetter.de

Sonnabend, 27. August Regen gab es in der Nacht vor allem noch ganz im Westen von Mecklenburg. Ansonsten war es das bis auf einige Schauer, die in den nächsten Tagen von der Ostsee herein ziehen können, aber keine relevanten Mengen mehr im Gepäck haben. So finden sich die Gewinner dieser Gewitterlage in der Griesen Gegend und östlich einer Linie Rostock – Güstrow. Im zentralen Mecklenburg – Vorpommern zwischen Waren/Müritz und Neubrandenburg. Dort fielen in der letzten Woche schon verbreitet hohe Regenmengen. Gestern wieder und auch heute hat es dort gebietsweise massive Regenfluten gegeben!

Im zentralen M-V ist der Pilzherbst eingetütet! Die Ouvertüre wird in den kommenden Tagen erfolgen und könnte nachhaltig sein. Warten wir auf die Schlagzeilen in der Tagespresse! Wer also von herrlichen Champignons, Steinpilzen und Co. , sowie vielen anderen Speisepilzen träumt, wohnt entweder dort oder muss einen längeren Anfahrtsweg in Kauf nehmen. Ich glaube, auch mir wird nichts anderes übrig bleiben, denn ich muss schließlich endlich meine Kapazitäten an Lagerpilzen zum trocknen und einfrieren auffüllen. Die erste Stippvisite in der Müritz – Region steht morgen auf dem Programm.

Zarte Wiesen – Champignons (Agaricus campestris) heute im Parkrasen von Domsühl. Ausgezeichneter Speisepilz.

Riesen – Champignon (Agaricus augustus) am Nadelwaldrand zwischen Möderitz und Garwitz. Auch Marzipan- oder Mandel – Champignon genannt. Sehr guter Speisepilz.

Heute inspizierte ich beispielsweise einen kleinen Niederschlags – HotSpot nordwestlich von Parchim vom 18. des Monats. Siehe Grafik weiter oben. Das sind zwar erst 9 Tage her, aber vielleicht tut sich ja schon etwas, dachte ich mir. Und es Tat sich was! Ich hatte das Gebiet ganz gut eingrenzen können, welches von den höchsten Regenmengen getroffen worden ist. Zwischen Friedrichsruhe, Domsühl und Garwitz. Im Friedrichsruher Wald sorgte ein filigraner Scheibchen – Tintling für Freude. Im dortigen Buchenwald, außer Sklerotien – Porlingen, noch keinerlei Anzeichen. Faustregel lautet ja 10 – 14 Tage! Aber entlang der Straßenränder und in Parkanlagen waren die Auswirkungen schon sichtbarer. Champignons sind durchgestartet und stattliche Riesen – Schirmpilze grüßten mit ihren imposanten Gestalten. Auch mal ein Täubling oder ein Perlpilz. Und was nicht so oft vorkommt, an jeder neuen Stelle mit Champignons eine andere Art dieser teils schwierigen Gattung. Glücklicherweise aber keine zum Kopfzerbrechen, sondern alles alte Bekannte.

Schiefknolliger Anis – Champignon (Agaricus essettei). Sehr guter Speisepilz. Heute im Parkrasen in Domsühl am Standort fotografiert.

Grund meiner Inspektion war eine individuelle Wanderung, die am nächsten Wochenende auf dem Plan steht. Mit der Gruppe des Wismarer Rechtsanwalts Hartmut Perlebach. Nicht unbedingt eine Lehrwanderung, sondern eher eine Sammelaktion soll das Ganze werden. Die Waldpilze würden im Anschluss in einer Wariner Gaststätte gemütlich bei einem Glas Pils verkostet werden. Daraus wird wohl leider nichts! Diese Region hat keine Nachfolgeniederschläge abbekommen und ich glaube kaum, dass sich bis dahin ein entsprechendes Pilzaufkommen entwickelt.   

Ein besonders kompakter und massiger Egerling ist der Dünen- oder Salzwiesen – Champignon (Agaricus bernadii). Wir finden ihn auf den Salzwiesen entlang der Küsten oder, so wie hier, am Straßenrand zwischen Möderitz und Garwitz. Sicher begünstigt durch Ausbringung von Laugen durch die Straßenmeisterei im Winter. Wegen seines unangenehmen Geruchs als Speisepilz nicht zu empfehlen. 27.08.2022 am Standort.

Hier die möglichen, akkumulierten Regenmengen für Wismar nach dem ECMWF bis zum 11.09.2022 – 2.00 Uhr: minimal 6,0 l/qm, maximal 79,8 l/qm und im Mittel 30,6 Liter.


Sommersteinpilz (Boletus reticulatus) am 28.08.2022 an der Mecklenburgischen Seenplatte.

 

Sonntag, 28. August – Das war heute mal eine der seltenen Sternstunden in der verhungerten Pilzsaison 2022. Insbesondere unsere mögliche Anwärterin zur Pilzsachverständigen, Catrin, ist genervt von der Pilzarmut und möchte dringend ihren Gesichtskreis erweitern. So beobachtete sie genau anhand der Niederschlagsanalysen, wo in den zurück liegenden Wochen ausreichend Regen gefallen ist. Wo es also anhand unserer 10 – 14 Tage Regel möglicherweise aufwärts gehen könnte. Das war beispielsweise nördlich von Waren an der Müritz der Fall. Hier wurden bereits ab Anfang August teils hohe Regenmengen registriert. Weitere Regenfälle sollten folgen und auch am Freitag und Sonnabend  hatte es allgemein in dieser Region sehr viel Regen gegeben. Welch ein Unterschied zu unserer verdorrten und Knochen trockenen Landschaften. Senken in Wiesen und Feldern standen teils unter Wasser. Feld- und Waldwege in hügeligem Gelände sind teilweise nicht mehr passierbar, weil das Wasser tiefe Furchen ausgespült hat und Schwemmsand auf Straßen und Wege gespült wurde. Die Äcker glänzten und sind schwammig voll Wasser gesogen. Das war nur der Regen vom Wochenende, der erst in knapp 2 Wochen seine Wirkung entfalten wird. Besonders in einem Streifen zwischen Neubrandenburg und Stralsund (von Nord nach Süd oder umgekehrt), hat es gebietsweise extreme Regenmengen gegeben. Die Region wurde, zwar in differenzierter Form, in letzter Zeit wiederholt von Starkregen getroffen und hier wurde somit ein solider Grundstock für einen nachhalten und massiven Pilzschub gelegt. Also für eine eindrucksvolle Ouvertüre zum Pilzherbst 2022. 

Nicht nur heute, auch in den kommenden Wochen wird man solch einen Anblick des öffteren an der Mecklenburgischen Seenplatte oder anderswo sehen können, wo an diesem Wochenende hohe Regenmengen zusammen gekommen sind. 28.08.2022.

Sommersteinpilze (Boletus reticulatus) vom feinsten in einem schattigen Jungbuchenbestand, nach dem Mehlpilze unsere Blicke schärften. 28.08.2022.

So lud mich Catrin heute zu einer Stippvisite an die Mecklenburgische Seenplatte ein. Sie hatte sich für uns einen entsprechenden Wald ausgesucht.  Nadelforste- und Laubwaldbereiche mit vielen Sumpflöchern und Waldtümpeln. Eingelagert vielversprechende Buchenwaldbereiche. Gleich zu Beginn begrüßte uns eine prächtige Krause Glucke, stand sie doch auf der Fahndungsliste von Catrin ganz weit oben. Eine toller Anfang und schon alleine dafür hätte es sich für sie gelohnt. Aber es stand ja Lernen auf dem Programm. Zwar war es bezüglich Artenvielfalt auch noch sehr dezent, aber für Catrin durchaus schon herausfordernd. Sie konnte etliche Arten neu in ihren Gesichtskreis aufnehmen. So das Gallertfleischige Stummelfüßchen, den Buchenwald – Wasserfuß, den Kleinen Bluthelmling und den niedlichen Postament – Helmling, den Erlen – Krempling, Nadel – Scheidlinge, den Rosablättrigen Egerlings – Schirmpilz und einiges mehr. Enttäuscht war sie über das Angebot von Täublingen. Nur ein Grüngefelderter war dabei.

Der Mehlpilz (Clitopilus prunulus), selbst ein sehr guter Speisepilz, ist der ideale Steinpilz – Anzeiger. Heute hat es bestens funktioniert, allerdings bezüglich Sommersteinpilze.

Bei 22 hörte Catrin auf zu zählen.

Die wichtigste Art, die Catrin heute in ihren Gesichtskreis aufnehmen konnte, war jedoch der Mehlpilz! Er stand direkt an einem geschotterten Waldweg und ich rief sofort Steinpilz – Alarm aus. Catrin wird gedacht haben, der hat einen Vogel. Ich erklärte ihr den Pilz ausführlich und wies auf seine Bedeutung als Steinpilz – Anzeiger hin. Einen kurzen Blick in den angrenzenden Jungbuchenbestand und da standen sie vor uns. Wie die Soldaten! Allerdings lief hier etwas quer. Ja, es waren Steinpilze, aber keine gemeinen, sondern Sommersteinpilze vom feinsten. Wir waren auf den Tag genau richtig! Es folgte ein Altbuchenbereich, der diesbezüglich auch vielversprechend aussah. Nur das die Steinpilze hier bereits geschnitten waren. Eine Ortskundige Sammlerin war gerade dabei, ihren 2. Eimer mit Herrenpilzen zu füllen. Wir freuten uns derweil über einen Anhängsel – Röhrling.

Der Anhängselröhrling (Boletus appendiculatus) ist leider etwas von Schnecken in Mitleidenschaft gezogen. Aber die müssen ja auch leben! 28.08.2022.

Vor einigen Wochen bereits wurde bemängelt, das ich in diesem Jahr zu wenige Bilder von Steinpilzen in das Tagebuch mit einbinde. Das soll nun nachgeholt werden. Sommersteinpilz (Boletus reticulatus) vom feinsten heute an der Mecklenburgischen Seenplatte.

Wir drehten weiter unsere Runden, bis uns schließlich wieder einige Mehlpilze anleuchteten. Und gleich daneben zahlreiche orangebraune, rundliche Hüte. Es waren Netzstielige Hexen – Röhrlinge. Vorsicht war geboten, um keine zu zertreten. Und plötzlich fast ein Aufschrei von Catrin. Da stehen die Steinpilze, und solche schönen! Bei 22 hörte Catrin auf zu zählen. Es war eine Pracht und sie hatte so etwas noch nie gesehen. Das bleibt ihr für immer im Gedächtnis. Auch hier waren es Sommersteinpilze und nur ein Gemeiner Steinpilz war dabei. Die haben es ja auch eiliger, denn der Sommer ist bald vorbei. Der Echte Steinpilz kann sich noch Zeit lassen, wächst er doch bis fast in den Winter hinein. Aber ich denke, spätestens in 2 Wochen wird auch dieser hier seinen großen Auftritt haben. Gleich neben der Sommersteinpilz – Pracht sogar noch junge Hainbuchen – Röhrlinge. Die hatte ich schon während der gesamten Exkursion im Hinterkopf, da der Hainbuchen – Anteil hier stellenweise recht hoch ist. Wir waren mehr als zufrieden und brachen am frühen Abend zur Heimfahrt auf. Aber es sollte nicht ganz reibungslos von statten gehen. An einem Wegrand noch etwa 10 frische Riesenboviste. Die mussten auch noch mit. Zum verschenken, selbst essen und für die Ausstellung.

Ein Prachtstück von einer Krausen Glucke (Sparassis crispa) begrüßte uns gleich zu Beginn und soll an dieser Stelle den Tagebucheintrag beschließen. 28. August 2022 in der Mecklenburgischen Seenplatte am Standort fotografiert.

Blutrote Röhrlinge (Xerocomus rubellus) gestern in einem Wald an der Mecklenburgischen Seenplatte gefunden und fotografiert.

Montag, 29. August – Heute kam eine junge Dame in mein Infozentrum und zeigte mir ihre Hände vor. Welche Pilze habe ich wohl gesammelt? Sie waren ziemlich dunkel eingefärbt (ihre Hände) und sie bekomme das auch nicht so richtig ab. Ich meinte eventuell Butterpilze. „Nein, Körnchen – Röhrlinge in Massen“. Alle Achtung! Sie kannte den Unterschied zwischen Butterpilzen und Körnchen – Röhrlingen! „Es gab unglaublich viele und die färben natürlich über Tage die Finger unschön ein“. Aber sie sieht das nicht so verbissen. Ist nur äußerlich, es kommt auf andere Werte an. Körnchen – Röhrlinge in Massen? Dort beginnt nun auch die Hochsaison! Dort sind die Kiefernforste bei Fürstenberg, im nördlichen Brandenburg, südlich der Mecklenburgischen Seenplatte. Ja, es gibt Landstriche, da ist jetzt der Reibach angesagt! Wir dürfen neidisch werden! Aber auch in unserem Einzugsgebiet ist es punktuell bis regional schon etwas besser geworden oder wird ab dem kommenden Wochenende. Insbesondere in Teilen der Griesen Gegend. Auch die kleinen Niederschlagsinseln bei Parchim können in dieser Woche noch etwas versprechen. Ab nächstes Wochenende vielleicht auch etwas südwestlich von Rostock. Großes (nicht mehr unser Einzugsgebiet) sollte ab nächste Woche  östlich von Neubrandenburg abgehen. So wird der diesjährige Pilzherbst in M-V sehr differenziert verlaufen. Freudentaumel hier, lange Gesichter dort. Sollten bis spätestens Ende September starke Niederschläge auch die jetzt noch viel zu trockenen Gebiete beehren, könnten diese dann gerade noch so in die vollen gehen, während in den anderen Regionen das Ganze bereits in den Spätherbst – Aspekt übergehen würde.

Entlang von feuchteren Waldwegen, wo sich das Regenwasser besser sammeln konnte, waren die Blutroten Röhrlinge (Xerocomus rubellus) teils in größeren Gruppen zu finden. Essbar. Mecklenburgische Seenplatte nördlich Waren/Müritz.

Ach so, Steinpilze solle ich doch bringen! Hier ein am Beginn der Sporenreife stehender Sommersteinpilz (Boletus reticulatus). Gestern bei Waren/Müritz.

Flächendeckende oder überhaupt ergiebige Regenfälle sind weit und breit nicht auszumachen (Ich fand heute in meinem Messbecher 3 Liter vor). Im Gegenteil! Ein kräftiges Hoch über Nordosteuropa übernimmt nun zunehmend die Regie. Die Sonneneinstrahlung geht bereits deutlicher zurück und im Hoch kann sich in den länger werdenden Nächten die Luft im Norden immer mehr abkühlen. Es wird herbstlicher auch bei uns, da wir in den nächsten Tagen von dieser immer trockeneren und kühleren Luft aus Russland versorgt werden. Gegenspieler ist ein Tief über dem Ostatlantik und den britischen Inseln. Es versucht feuchtwarme Gewitterluft nach Deutschland zu schaufeln. Das führt zu einer Verschärfung der Luftdruckgegensätze und bei uns setzt trocken – kühler Ostwind ein. Ich hoffe nur, der Wind dreht nicht all zu stark auf, denn das wäre der Super Gau, insbesondere für die Regionen, in denen es jetzt richtig los geht. Wir sparen uns dann die Dörrgeräte. Das übernimmt die Natur. Ganz anders im Südwesten der Republik. Dort wird die feuchtwarme Luft für einige Regenfälle und Gewitter sorgen. Pilzwetter vom feinsten also, so es denn nicht zu trocken sein sollte und dass ist es nämlich in weiten Teilen des Südwestens.

Das Bild stammt ebenfalls von gestern bei Waren/Müritz. Netzstieliger Hexen – Röhrling (Boletus luridus).

Und zu aller Zufriedenheit, so hoffe ich zumindest, wieder ein (zwei)  Sommersteinpilz (Boletus reticulatus), nördlich Waren/Müritz am 28.08.2022.

Erst zum kommenden Wochenende berechnen die Wettermodelle, dass sich das Tief stärker gegen das blockierend Hoch durchsetzen könnte. Feuchtwarme Luft würde auch bei uns wieder Einzug halten und vielleicht auch mit einigen Schauern und Gewittern. Man sollte aber nicht zu viel erwarten. Hoffnung kann aber das viel zu warme Mittelmeer machen. Dort ist in den nächsten Wochen und Monaten mit schweren Unwettern zu rechnen. Insbesondere wenn hochreichend kalte Luft über die brühwarme Badewanne zieht. Die Gefahr einer Niederschlagsträchtigen 5b – Wetterlage ist durchaus gegeben und vielleicht zieht so ein Exemplar auch mal in Richtung Ostsee. Eine andere Variante, die unsere Großwetterlage mal richtig durcheinander wirbeln könnte, wären tropische Stürme, die in die Westwindtrifft mit einbezogen werden können. Ein solches Exemplar tauchte in den letzten Läufen des GFS immer wieder auf. So, dass soll es für heute gewesen sein, ich muss noch Steinpilze auf den Trockner schneiden. 

Und über diese Raufüße, die Catrin gestern fand, habe ich mich am meisten gefreut. Zwar nicht unbedingt selten, aber so oft bekomme ich den Hainbuchen – Röhrling (Leccinum griseum) auch nicht zu Gesicht. Sein Fleisch läuft intensiv grauschwärzlich an, was sich optisch nachteilig zum ähnlichen Birkenpilz auswirkt, jedoch soll der Hainbuchen – Röhrling diesem geschmacklich überlegen sein. 28.08.2022 nördlich Waren/Müritz.

Hier die möglichen Regenmengen bis zum 13.09. – 2.00 Uhr nach dem ECMWF für Wismar in akkumulierter Form: minimal 2,0 l/qm, maximal 82,9 l/qm und im Mittel 27,6 Liter.


Dienstag, 30. August – Witterungstendenz nach „Abendrot – Schönwetterbot“: Ab der letzten Augustwoche bildet sich in fast 80 % der Jahre ein hoher Luftdruck aus, mit einer Schönwetterlage, die bis zum ersten Septemberdrittel anhalten kann. Morgendunst zeigt an, dass der so genannte Spätsommer angebrochen ist, die Nächte werden kälter. 

Hier noch eine weitere Art von meiner unverhofften Champignon – Tour am vergangenen Sonnabend. Wir sehen den Gedrungenen Champignon (Agaricus spissicaulis). Er bevorzugt trockene Standorte, so wie Trockenrasen oder auch grasige Stellen in Kiefernforsten. Guter Speisepilz, der dem Wiesen – Egerling ähnlich sieht, aber fleischiger und kompakter gebaut ist. Eben gedrungen!

Damit hat der alte Bauernkalender zumindest bei uns im Norden durchaus mal recht. Eine Schönwetterlage baut sich zunehmend auf. Für uns und die Natur eher eine Fortsetzung der „Unwetterlage“ seit Beginn des Frühjahres. Das Unwetter besteht in der viel zu trockenen Großwetterlage allgemein. Zwar nicht überall, aber in vielen Regionen. Übrigens nimmt der Mond seit dem Wochenende wieder zu. War da nicht etwas mit verstärktem Steinpilzwachstum bei wieder zunehmenden Mond? Am Sonntag passte das wie die Faust aufs Auge!

Ja, nützt nichts, wir müssen wieder ein wenig ernsthafte Pilzkunde betreiben. Hier sehen wir einen Vertreter der Gruppe der Kammtäublinge. Direkt am Weg und wie auf dem Präsentierteller am Sonnabend bei Damm unter Eiche. Augenscheinlich zunächst ein Camembert – Täubling, aber kein entsprechender Geruch. Auch der sehr ähnliche Widerliche Täubling kam nicht in Frage. Nichts widerliches an ihm. Milder, angenehmer Geschmack. Da kommt nur der Milde Kammtäubling (Russula insignis) in Frage. Die essbare Art ist mir bisher kaum untergekommen. Auffällig war zu dem die gelbliche Steilbasis. Toller Fund, über den ich mich sehr gefreut habe. 27.08.2022 am Standort.

Tatsächlich geht es in den nun feuchteren Regionen steil bergauf und in den nächsten 2 – 3 Wochen werden einige Pilzsucherinnen und Sucher möglicherweise unvergessliches erleben! Nicht bei uns in Nordwestmecklenburg. Wir werden zunächst weiter in die Röhre gucken. Auch meine morgige Mittwochsexkursion, die in den letzten Quadranten des MTB Redefin, also noch einmal in die Griese Gegend führen wird, dürfte weitgehend frischpilzfrei verlaufen. Aber dann, eine Woche später, sollte es auch dort Erfolge geben. Jeden Falls in den Bereichen, die von dem starken Gewitterregen am Freitag/Sonnabend am meisten profitiert haben. Leider steht dann Mittwochs eine andere Region auf dem Programm. Es geht wieder in die Trockenheit.

Es waren nicht nur die dicken Steinpilze oder Riesenboviste, die uns am Sonntag begeisterten. Auch dieser, von den meisten Pilzsucherinnen und Suchern missachtete und kaum eines Blickes gewürdigte Pupurschneidige Bluthelmling (Mycena sanguinolenta) ist eine nähere Betrachtung wert. Seine Schönheit liegt im Detail. 28.08.2022.

Und noch ein Bild von Sonntag. Catrin war glücklich am Ende des Tages. Nicht nur wegen der Riesenboviste ganz zum Schluss. 28.08.2022.

Die nächsten Tage bestimmt ein kräftiges Hoch nordöstlich von Deutschland das Wetter in der großen Nordhälfte der BRD. Aus Osten wird trockene und recht kühle Kontinentalluft heran geweht und auch der Ostwind kann zeitweise auffrischen. Die Nächte werden erfrischend und sollte der Wind mal einschlafen, kann zumindest nennenswerter Tau Fall einsetzen. Der Taupunkt liegt also ziemlich niedrig. Erst zum Wochenende und in der nächsten Woche soll dieser wieder ansteigen und die Luft behält das Wasser länger für sich. Das bedeutet, dass diese dann auch feuchter und wärmer wird. Die Strömung dreht auf Südwest und im Verlauf wird es wieder sommerlich warm. Ob dann, so wie derzeit angedeutet, auch neue Schauer und Gewitter bis zu uns vorstoßen können, bleibt abzuwarten. Das Hoch möchte dieses vereiteln und dem Tief bleibt zu wünschen, dass es stark genug wird, um dieses Ansinnen nicht zuzulassen. Dann wird es aber interessant. Seit Tagen sehen die Mittelfristmodelle einen sehr starken Tropensturm, vielleicht sogar einen Hurricane, über dem Atlantik gen Europa heran rasen. Der könnte die eingefahrene Großwetterlage nachhaltig umkrempeln und die Karten vielleicht ganz neu Mischen. Die Regensignale, auch bei uns im Norden, nehmen in der nächsten Woche wieder zu.

Sommersteinpilze für den Trockner. Etwas stimmte mit ihnen aber nicht. Sie waren nahezu madenfrei. Da könnte man vielleicht ins Grübeln kommen, wenn eines ihrer wichtigsten Merkmale kaum vorhanden ist. Ein weniger kundiger Pilzfreund (oder auch Freundin) sollte auf jeden Fall stutzig werden. Lieber noch mal dran lecken, denn die sehr ähnlichen Gallenröhrlinge sind so gut wie nie madig. Also, liebe Sommersteinpilze, das nächste mal wollen wir wieder mehr Proteine sehen! So etwas kann doch verunsichern!

Hier die möglichen Regenmengen für Wismar nach dem ECMWF in akkumulierter Form bis zum 13.09.2022: minimal 3,2 l/m, maximal 100,8 l/qm und im Mittel 29,9 Liter.

Mittwoch, 31. August – Ich muss mich kurz fassen, da die Speicherkapazität dieser Rubrik am Limit ist. Heute war ich ein letztes mal regulär in der Griesen Gegend. Der 4. Quadrant des MTB Redenfin war an der Reihe. Kiefernforste bei Groß Krams. Wie bereits zuvor, waren diese Forste so gut wie frischpilzfrei. So gut wie, denn gleich zu Beginn begrüßte mich am Wegrand, der mit Eichen gesäumt ist, eine Gruppe von Eichen – Filzröhrlingen. Ein Rotfuß – Röhrling und ein Widerlicher Täubling sollten noch folgen und den „Reigen“ der Frischpilze beschließen. Welch eine Überraschung, denn damit habe ich nicht gerechnet. Geregnet hatte es im Zusammenhang mit den Gewittern in der vergangenen Woche reichlich. Am kommenden Wochenende sollte auch hier etwas mehr möglich sein.

Diese Blutmilchpilze (Lycogala epidendron) machen ihrem Namen alle Ehre. 31.08.2022 bei Groß Krams.

Die August ist nun Geschichte und er reiht sich in die Dürre – Monate seit April ein. Zwar hat es nun gebietsweise starke Regenfälle gegeben und der Daumen geht dort nach oben, aber mit 25 Litern in meinem Messbecher auf dem Hinterhof in Wismar ist wirklich kein Staat zu machen. Hoffen wir, dass der September endlich ordentlich gewässert wird, ansonsten dürfen wir die Pilzsaison 2022 wohl zu den Akten legen.   

Die kalibrierten Regenmengen in M-V des August 2022. In den orange bis rot eingefärbten Landstrichen zeigt der Daumen nach oben! Grafik von Kachelmannwetter. 

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