Wetter und Pilze April 2017/1

Wetter und Pilze im Raum Nordwestmecklenburg

Tagebuch Wetter und Pilze April 2017/1

Hirnartige Windungen in Kaffeebraun auf einem mehr oder weniger langem, oft aber kurzem Stiel und das Wachstum in Nadelwäldern kennzeichnen diesen wichtigsten Giftpilz des Frühjahres sehr gut. Das Foto enstand heute im Forst Farpen bei Steinhausen - Neuburg, unweit der Hansestadt Wismar.tief

Hirnartige Windungen in Kaffeebraun, auf einem mehr oder weniger langem, oft aber kurzem Stiel und das Wachstum in Nadelwäldern kennzeichnen diesen wichtigsten Giftpilz des Vorfrühlings sehr gut. Das Foto entstand heute im Forst Farpen bei Steinhausen – Neuburg, unweit der Hansestadt Wismar.

Sonnabend, 01. April (Tag des Taschenrechners) – Ein fast durchschnittlicher Winter an der Ostsee liegt hinter uns. Er war weder besonders mild, noch besonders kalt. Es wuchsen teils noch Herbstpilze bis in den Januar hinein, so Violette Rötel – Ritterlinge, geschuldet der Herbstrockenheit des letzten Jahres. Ein milder, zum Schluß schon fast sommerlicher März, der um den 20. herum auch reichlich Regen brachte, sorgte für gute Startbedingungen in die Saison 2017. Wie immer hoffen wir auf ein tolles Pilzjahr, wobei wir in diesem Jahr besonders optimistisch sein dürfen. Der zurückliegende, extrem schlechte Herbst, könnte zu einem überdurchschnittlichen Pilzaufkommen führen. Es herrscht großer Nachholebedarf! Dazu muss aber vor allem das Wetter mit reichlich Niederschlägen mitspielen. Durch den milden März befinden wir uns derzeit schon voll im Vorfrühlings – Aspekt, der von Lorcheln und Morcheln dominiert wird. Lorcheln gibt es bereits reichlich und auch die Morcheln werden nicht mehr lange auf sich warten lassen. Pünktlich zum Saison – Start brachen wir heute zu unserer ersten öffentlichen Pilzwanderung auf. Bei fast schon frühsommerlichem Wetter durchstreiften wir den Forst Farpen bei Neuburg und wir waren mit den Ergebnissen mehr als zufrieden. Ein Rückblick folgt in Kürze.

Das warme und teils sonnige Wetter hatte die dortigen Sandböden, zumindest an exponierten Stellen, schon wieder stark abtrocknen lassen und Regen wäre hier angezeigt. Diesbezüglich ist jetzt am Abend auch etwas unterwegs. Von Südwesten greift gerade eine Gewitterzone auf Mecklenburg über. Ortlich fallen diese heftig aus, mit Starkregen und Hagel! Es geht bereits zur Sache wie im Hochsommer!

Auch einige ansehliche und frische Blätterpilze waren heute dabei, so wie diese essbaren Frühlings - Weichritterlinge (Melanoleuca cognata). Essbar und soll sogar recht ordentlich schmecken.

Auch einige ansehliche und frische Blätterpilze waren heute dabei, so wie diese essbaren Frühlings – Weichritterlinge (Melanoleuca cognata). Sie sind nicht nur ergiebig, sondern sollen sogar recht ordentlich schmecken.

Sonntag, 02. April (Internationaler Kinderbuchtag) – Heute stand bei mir ein Ausflug nach Graal – Müritz auf dem Programm. Raritätenjäger Andreas Okrent hatte eingeladen, denn er hat in den letzten Tagen einige interessante Entdeckungen im Dünenbereich der Ostsee und dem angrenzenden Naturschutzgebiet Großes Ribnitzer Moor getätigt. Außerdem konnten wir eine Delegation des Rehnaer Pilzvereins unter der Leitung von Torsten Richter begrüßen. Auch Lorchelexperte Christian Ehmke wollte eigentlich mit dabei sein, blieb aber leider mit seinem Fahrzeug auf der Autobahn liegen und mußte es in eine Werkstadt schleppen lassen. Wir hoffen, dass sein Automobil bald wieder fahrbereit ist, denn er hat heute wirklich etwas versäumt. Prächtige, noch junge Riesenlorcheln waren zu bestaunen und im Bild festzuhalten. Gleichwohl auch die in M-V äußerst seltenen Leuchtenden Prachtbecherlinge. Sie waren gleich an mehreren Stellen am Rande des großen Moorgebietes zu bewundern, inklusive einiger Kreuzottern, die sich hier besonders wohl fühlen. Für mich war es die zweite Begegnung mit diesem wunderhübschen Schlauchpilz. Vor Jahren haben wir ihn schon einmal im Wismarer Stadtgebiet nachweisen können. Ansonsten noch einige Fingerhut – Verpel, Stielboviste, Erdsterne und winzigste Becherlinge, die Torsten Richter und auch Christopher Engelhardt zielgerichtet an verschiedenen Kräutern und Kothaufen sicherstellen konnten. Sie werden wissenschaftlich, sprich mikroskopisch, untersucht.

Im Anschluß fuhr ich noch mit zwei Rehnaer Naturfreunden in das NSG Peenetal, dem größten zusammenhängendem Niedermoorgebiet Mitteleuropas, in der Umgebung des Kumerower Sees. Hier galten die Polderflächen bei Groß Rosin unserem Interesse. Nicht Pilze, sondern Vogelbeobachtungen standen nun im Vordergrund. Ein einmaliges Paradies für viele einheimische Wasservögel, darunter auch von seltenen Vertretern. Eine phantastische und beeindruckende Landschaft wie aus einer anderen Welt und die wunderschöne Abendstimmung tat ihr übriges. Ein schöner Ausflugstag fand hier seinen krönenden Abschluß. Einige Impressionen werden noch gesondert folgen.

Übrigens haben heute Nacht weite Teile unseres Einzugsgebietes teils kräftig Regen bekommen. Örtlich schüttete es wie aus Kübeln, samt Blitz und Donner!

Leuchtender Prachtbecherling (Caloscypha fulgens). Dottergelbe bis orange Innenseite und von außen ockerbräunlich und besonders bei Berührung olivgrünlich verfärbend. 2 - 4 cm im Durchmesser. Eine sehr seltene Art bei uns in Norddeutschland. Zuhause eigentlich in montanen Kalknadelwäldern im Süden Deutschlands und im Alpenraum. Laut Literatur essbar, was aber wenig lohnend ist und sich bei der Seltenheit der Art in unseren Breiten ohnehin verbietet. Standortfoto vom 02.04.2017.

Leuchtender Prachtbecherling (Caloscypha fulgens). Dottergelbe bis orange Innenseite und von außen ockerbräunlich und besonders bei Berührung olivgrünlich verfärbend. 2 – 4 cm im Durchmesser. Eine sehr seltene Art bei uns in Norddeutschland. Zuhause ist er eigentlich in montanen Kalknadelwäldern im Süden Deutschlands und im Alpenraum. Laut Literatur essbar, was aber wenig lohnend ist und sich bei der Seltenheit der Art in unseren Breiten ohnehin verbietet. Standortfoto vom 02.04.2017.

Montag, 03. April (Welt – Party – Tag) – Heute war,  wie auch jeweils Donnerstags, langer Tag im Steinpilz – Wismar. Osterdekorieren stand auf dem Programm. Es können ab sofort wieder einige Ostergestecke käuflich erworben werde. Reichlich im Angebot sind auch getrocknete Maronen – Röhrlinge und Pilzpulver aus Steinpilzen für den Osterbraten. Ansonsten gibt es zur Zeit kaum mal eine Pilzberatung, was sich in den nächsten Wochen aber schon ändern könnte.  Wenn das Wetter mitspielt, werden bald die Morcheln erscheinen und die pflegen durchaus auch in städtischen Anlagen und in Gärten zu wachsen. Da ist es gut, wenn eine Pilzberatungsstelle in der Nähe ist. Aber auch andere Arten tauchen nun immer häufiger auf. So rief mich gestern Pilzfreund Thomas Harm während unserer Graal – Müritz Exkursion an und teilte mir mit, dass im Garten seiner Mutter zahlreiche Blätterpilze in der Rasenfläche erschienen sind. Er sandte uns ein Foto zu, auf dem wir Weichritterlinge ausmachen konnten. Inzwischen hat er mir zwei Exemplare vorbei gebracht und es handelt sich offensichtlich um den Kurzstieligen Weichritterling, der zusammen mit dem im Nadelwald vorkommenden Frühlings – Weichritterling durchaus schon ab März wachsen kann. Weichritterlinge sollen alle essbar sein.

Wettertechnisch ist es inzwischen bei uns schon deutlich frischer geworden. Die fast schon frühsommerliche Wärme hat sich verflüchtigt und im laufe der Woche soll es noch kühler und vor allem windiger werden. In ruhigen, windschwachen und klaren Nächten kann auch wieder Bodenfrost auftreten, der aber den klassischen Frühlingspilzen nichts anhaben kann.

Eine von insgesamt vier Riesenlorcheln gestern bei Graal - Müritz im Sonnenlicht. Gut ist der kompakte Habitus und die im Vergleich zur häufigeren Frühjahrslorchel helleren Hutfärbung zu erkennen. Die schöne Art ist nur selten zu finden und ist auch sehr launisch, was die Standorttreue betrifft. Ebenfalls, zumindest roh giftig! Standortfoto.

Eine von insgesamt vier Riesenlorcheln (Gyromitra gigas) gestern bei Graal – Müritz im Sonnenlicht. Gut ist der kompakte Habitus und die im Vergleich zur häufigeren Frühjahrslorchel hellere Hutfärbung zu erkennen. Die schöne Art ist nur selten zu finden und auch sehr launisch, was die Standorttreue anbetrifft. Ebenfalls, zumindest roh giftig! Standortfoto 02.04.2017.

Dienstag, 04. April (Welt – Trommler – Tag) – Recht kühles Wetter hat sich eingestellt. Morgen soll eine weitere Kaltfront noch frischere Luft und viel Wind, aber wenig Niederschlag mitbringen. Der April macht nun seinem Namen unter dem Motto „April, April, er weiß nicht was er will“ alle Ehre. Nach einigen kühlen und windigen Tagen soll es Anfang nächster Woche wieder richtig warm werden, wobei der nächste Absturz wohl auf dem Fuße folgen dürfte. Aber ich denke, der April weiß schon was er will. Es ist der Übergangsmonat vom Winter in den Sommer und da müssen Polarluft und subtropische Luftmassen ordentlich vermischt werden. In keinem anderen Monat des Jahres fallen die Temperatursprünge so nachhaltig aus wie im April. Hier kann es innerhalb kurzer Zeit vom Winter in den Sommer gehen und umgekehrt. Wichtig für uns ist dabei, dass mit den Wetterumschwüngen auch nennenswerte Niederschläge verbunden sind.

Ab heute arbeite ich mit einer neueren Version meines Homepage – Bearbeitungsprogramms und ich muss mich damit erst einmal anfreunden. Eigentlich wollte ich auch noch einen kleinen Rückblick von unserer Sonntagstour bei Graal – Müritz online stellen, was aber nun noch etwas warten muss.

Die Morcheln sitzen in den Startlöchern. Dieses Foto sandte mir heute Christian Ehmke zu. Es zeigt eine junge Käppchen – Morchel (Morchella gigas). Sobald der Löwenzahn in voller Blüte steht, werden sie sich Strecken.

Mittwoch, 05. April (Tag der Kissenschlacht) – Eigentlich wäre heute meine erste Mittwochsexkursion in diesem Jahr an der Reihe gewesen. Da aber ab gestern Abend eine neuere Bearbeitungsversion meiner Homepage zur Verfügung steht, mußte ich mich  notgedrungen mit den Neuerungen in der Bearbeitung dieser Internetseite bekannt machen. Einiges  muß für mich neu entdeckt werden. Manches erscheint einfacher, anderes eher umständlicher. Bei dieser Gelegenheit ist dann auch der Bericht von unserer sonntäglichen Raritäten – Exkursion von Graal – Müritz entstanden und ab sofort online. Eine kleine Kurzexkursion gab es heute morgen dennoch. Am Sonntag hatte unser Vereinsmitglied Thomas Harm in einer Anlage für betreutes Wohnen in Wismar einige ansehliche Blätterpilze gefunden und konnte sie nicht näher zuordnen. Ich schaute mich deshalb hier um und konnte den Standort der Pilze auch finden.

Es dürfte sich um Kurzstielige Weichritterlinge (Melanoleuca brevipes) handeln. Sie gehört zusammen mit dem Frühlings – Weichritterling zu den ersten, größeren Blätterpilzen im zeitigen Frühling. Essbar. Standortfoto am 05.04.2017

Donnerstag, 06. April (Tag des Sports) – Heute habe ich meine Winterausstellung entstaubt und neu aufgebaut + die ersten Frischpilze der Saison. Es liegen aktuell 54 Arten auf der Moosfläche. Natürlich viele Porlinge, Schichtpilze, Erdsterne und weitere Bauchpilze aus der letzten Saison, sowie einige haltbare Schlauchpilze wie Holzkeulen und Holzkohlenpilze. An ersten Frischpilzen sind zu sehen: Frühjahrslorchel, Riesenlorchel, Leuchtender Prachtbecherling, Fingerhut – Verpel und Kurzstielige Weichritterlinge.

Blauer Himmel und natürlich viel Sonnenschein dominierten den aprilfrischen Tag, umgarnt mit reichlich Wind. Erst zum späteren Nachmittag trübte es wieder ein und es kommt auch gelegentlich etwas Regen auf, aber keine größeren Mengen. Die gibt es wahrscheinlich erst Mitte nächster Woche. Trotzdem dürfte reichlich Feuchtigkeit in den Böden sein, so dass die Entwicklung des bevorstehenden Morchel – Aspektes aus jetziger Sicht kaum beeinträchtigt werden dürfte. Nur der momentan starke Wind ist nicht sehr günstig.

Das könnten beispielsweise derart junge Fruchtkörper wie diese noch winzige Hochgerippte Becherlorchel (Helvella acetabulum) übel nehmen, falls sie Wind- oder Sonnenexponiert stehen sollten. Den Schlauchpilz hat Christian Ehmke am 4. April in Wismar fotografiert. Essbar.

Freitag, 07. April (Weltgesundheitstag) – Heute war ich den ganzen Tag in Arpshagen, einem Ortsteil von Klütz, bei unserem Vereinsmitgliedern Anke Weselow und Urlich Klein. Schon zum wiederholten male haben wir uns hier getroffen um einen retrospektiven Powerpoint – Votrag zum Thema „70 Jahre Pilzberatung in Wismar“ auszuarbeiten. Alte Fotos ab den 1950er Jahren wurden eingearbeitet, Bilder aus den folgenden Jahrzehnten bis hin zum Heute werden einen Bogen spannen durch sieben Jahrzehnte Pilzberatung und Aufklärung. Natürlich kommt der Neuzeit ab dem Jahr 2003 ganz besondere Bedeutung zu, denn seit dem besteht der Steinpilz – Wismar als Fortführung der ehemals städtischen Pilzberatungsstelle mit seinen vielfältigen Angeboten und Aktivitäten. Grund für unser Bemühen, einen interessanten und vielseitigen Vortag zusammenzustellen, ist eine Festveranstaltung zu diesem Thema am 23. Mai im Technologie – Zentrum am alten Wismarer Holzhafen (Siehe unter „Termine“). Die Gemeinnützige Gesellschaft Wismar e.V. hat dazu einen Seminarraum angemietet. Außerdem gibt der Landespilzsachverständige Dr. med. Oliver Duty einen Gesamteinblick in die Pilzberatungstätigkeit in unserem Bundesland. Mecklenburg – Vorpommern ist übrigens das einzige Bundesland indem die Pilzberatung auf ehrenamtlicher Basis im Sozialministerium als öffentliche Aufgabe festgeschrieben ist.

Hier wieder ein schönes Foto von Christian Ehmke, welches er mir heute zusandte. Es zeigt eine noch winzige Rippenstielige Lorchel (Helvella solitaria).

Sonnabend, 08. April (Tag der Roma) – Heute habe ich meine obligatorische Mittwochsexkursion nachgeholt. Wie bereits im vergangenen Jahr arbeite ich nach und nach Meßtischblätter aus unserer Region ab. Sie dient gleichzeitig auch der Kartierung, wobei natürlich schon vieles inzwischen nachgewiesen wurde und unter dem unten zu stehendem Link „Pilzkartierung M-V“ einzusehen ist, kommt doch oft auch der eine oder andere neue Fundpunkt hinzu. So wird auch von der heutigen Fundliste vieles nicht neu sein, aber ich werde sie trotzdem wie gewohnt hier vorstellen. An der Reihe war heute der Seefelder Wald bei Mühlen – Eichsen. Alte Buchenwälder auf besseren Böden mit reichlich Totholz. Erlenbruchwald mit Eschen und Haselsträuchern sowie Nadelwaldbereiche mit Fichte und Lärche. Die Annemonen standen in voller Blüte und auch reichlich Schlüßelblumen waren zu bewundern. Das Waldstück liegt im Meßtischblattqudranten 2233/2. Hier die Artenliste: Ahorn – Runzelschorf, Orangefarbenes Brennnesselbecherchen, Zugespitzter Kugelpilz, Brandkrustenpilz, Laubholz – Harzporling, Striegeliger Schichtpilz, Eichen – Rindensprenger, Schneeweißes Haarbecherchen, Riesenbovist (vorjährig), Herber Zwergknäuling, Schmetterlings – Tramete, Rotbrauner Borstenscheibling, Buckel – Tramete, Flacher Lackporling, Rötende Tramete, Echter Zunderschwamm, Rotrandiger Baumschwamm, Fleischroter Zystiden – Rindenpilz, Gemeiner Violettporling, Austern – Seitling, Winter – Porling, Lärchen – Wurzelschwamm, Rostbrauner Feuerschwamm, Warziger Drüsling, Frühlings – Mürbling, Runzliger Schichtpilz, Löwengelber Porling, Ziegelroter Schwefelkopf und Angebrannter Rauchporling. Insgesamt 30 Arten. 

Das Wetter war dazu bewölkt und ziemlich kühl, also Aprilfrisch!

Diese Gruppe essbarer Frühlings – Mürblinge (Psathyrella spadiceogrisea) zählten zu den wenigen Frischpilzen meiner heutigen Tour. Standortfoto am 08.04.2017 im Seefelder Wald.

Sonntag, 09. April (Palmsonntag) – Das Wetter zeigte sich heute von seiner schönsten Seite, wie es sich für einen Sonntag eigentlich auch gehört. Viel Sonne, blauer Himmel und angenehme Temperaturen.

Ich war heute in Keez und hier standen Handwerker – Arbeiten auf dem Plan. Es mußten Gehwegplatten auf dem Grundstück verlegt werden. Ganz kurz ging es auch in den Kiefernforst bei Jesendorf, wo wir unseren Lorchelbegeisterten Christian Ehmke mit seinen Kinder trafen. Er hatte gerade Bilder von Frühjahrs – Lorcheln gemacht und nebenbei fand er auch noch eine winzige Schwarzweiße Lorchel, die er mit seiner guten Kamera sicher auch wieder in ein rechtes Licht rücken konnte.

Und nun noch etwas technisches. Ich habe festgestellt, seitdem ich mit dem neueren Bearbeitungsprogramm diese Homepage pflege, sind die Fotos auf einigen Explorer – Varianten nur noch verschwommen zu sehen. Klickt man aber auf das Foto, um es in Einzelansicht aufzurufen, werden die Bilder in gewohnter Qualität gezeigt. Gleiches ist auf meinem Handy zu beobachten. So sind die Ansichten der neuesten Bilder über den normalen Internet – Explorer diffus, über Mozilla – Firefox aber nach wie vor gut. Ich weis nicht, wo hier der Fehler liegt und was zu korrigieren ist. Wenn also auch unteres Foto unscharf erscheint, bitte draufklicken. Dann sollte es gut aussehen.

Langsam, aber sicher starten die Morcheln nun durch. Es sind auch immer mehr blühende Löwenzähne an exponierten Standorten zu beobachten. Dieses Foto einer schönen Speise – Morchel (Morchella esculenta) sandte mir am Wochenende Christian Ehmke zu.

Montag, 10. April (Tag der Geschwister) – Heute öffnete ich eine E – Mail unseres Tagebuchlesers und Pilzfreundes Peter Hildebrandt aus Mitteldeutschland. Dort gibt es die berühmten, ehemaligen Braunkohle – Abbaugebiete, in denen es besonders im Frühjahr in manchen Jahren hochher geht. Er schreibt dazu, dass es in diesem Jahr wieder richtig zur Sache geht. Viele Böhmische Runzelverpel, in solchen Megen, dass man sie auch zum Verspeisen einsammeln kann. Dazu riesige Zipfel – Lorcheln, natürlich nicht zum Essen, sondern zum fotografieren. Bereits um den 20. März, so schreibt er, begeisterten zahlreiche Leuchtende Prachtbecherlinge. Die ansich seltene Art erlebt in diesem Jahr wohl im gesamten Bundesgebiet eine Blütezeit. Auch Andreas Okrent hatte sie bei Grall – Müritz zusammen mit Riesen – Lorcheln Ende März  entdecken können. Er berichtete mir heute vom Erscheinen des Böhmischen Runzelverpels in diesem Gebiet, in direkter Nähe des Ostsee – Strandes. Ein altbekannter Standort, der im letzten Jahr pausierte.

Beim Wetter soll es in der nächsten Zeit bei uns im Nordosten sehr ungemütlich weitergehen. Der Hauch von Frühlingswärme von gestern wurde heute schon wieder von einer Kaltfront wie vom Winde verweht. Bis einschließlich Ostern, wo es besonders ungemütlich werden könnte, sollen nun immer wieder Regengebiete und Schauerstaffeln über uns hinwegziehen und Ostern kann aus jetziger Sicht sogar Schnee und Graupel dabei sein. Auch Bodenfröste werden wieder wahrscheinlicher. Das ganze wird die weitere Entwicklung des Morchel – Aspektes etwas dämpfen. Aber den Niederschlag können wir ja gut gebrauchen.

Hier ein Foto von Peter Hildebrand mit taufrischen Spitz – Morcheln (Morchella conica) aus Mitteldeutschland. Aber auch bei uns ist diese Art teils schon voll entwickelt, denn es wurden mir heute schöne Exemplare in der Pilzberatung vorgelegt. Gefunden in einem Gartenbaubetrieb bei Schwerin im Blumenbeet.

Dienstag, 11. April (Welt – Parkinson – Tag) – Den heutigen Tag nutzte ich dazu um mit Ulrich Klein unseren Powerpiont – Vortag für den 23. Mai im Technologiezentrum am alten Holzhafen in Wismar weiter auszuarbeiten und wir haben ihn nun im großen und ganzen fertig. Es stehen nur noch einige Feinarbeiten an, um die Präsentation möglichst ansprechend zu gestalten.

Das Wetter war heute aprilhaft mit viel Wind und vereinzelten Schauern.

Inzwischen ist bei Graal – Müritz auch schon die erste Böhmische Runzelverpel (Verpa bohemica) erschienen. Im letzten Jahr wuchs an dem von Andreas Okrent kontrollierten, langjährigen Standort, leider kein Exemplar. Um so erfreulicher die Rückmeldung dieser bei uns sehr selten Art in diesem Jahr. Handy – Foto: Andreas Okrent. Essbar, aber schonenswert.

Mittwoch, 12. April (Tag des Kosmonauten) – Meine Mittwochsexkursion habe ich heute ausfallen lassen. Es war ein regnerischer Tag und das vor allem zum Nachmittag und Abend hin, wo ich eigentlich vor hatte in den Wald zu fahren. Den Regen können wir aber gut gebrauchen und die Exkursion wird, wenn nichts wichtigeres dazwischen kommt, an Karfreitag nachgeholt. Demnach kann ich heute leider keine neuen Erkenntnisse von der Pilzfront zum besten geben. Nur soviel, dass die Löwenzahnblüten, die heute allerdings geschlossen blieben, nun immer zahlreicher werden und somit können wir auch die Morchelsaison zu Ostern offiziell in unseren Breiten als eröffnet betrachten.

Hier noch einmal Böhmische Runzelverpel (Verpa bohemica) im Dreier – Pack. Das Foto sandte mit Pilzfreund Peter Hildebrandt aus Mitteldeutschland zu. Aufgenommen in einem ehemaligen Braunkohle – Tagebau. Es soll sie dort in diesem Jahr in Mengen geben, so dass er auch einen Speiseversuch mit ihnen duchführte. Lecker, reichen aber an Morcheln nicht ganz heran, so seine Wertung.

Gründonnerstag, 13. April – Heute war im Steinpilz-Wismar langer Tag, wie jeden Montag und Donnerstag. Es sind Osterferien und der erste Ansturm von Urlaubern hat die Ostseeregion erobert. Das ist auch bei mir zu merken, da über einen so ungewöhnlichen Laden gerade Fremde Stolpern, in`s Grübeln kommen und neugierig werden. Noch hat unsere Ausstellung allerdings nicht viel interessantes für Kochtopf – Mykologen zu bieten und die letzten Frischpilze habe ich am Abend entsorgt. Nun heißt es über Ostern für Nachschub zu sorgen. Morgen werde ich meine Mittwochsexkursion nachholen und am Sonnabend folgt die zweite öffentliche Pilzlehrwanderung der Saison.

Das ungemütliche Aprilwetter soll auch über Ostern so weiter gehen. Es ist nun schon seit Tagen frösteln angesagt, aber ab Ostermontag soll es erst richtig mit den Temperaturen in den Keller gehen. Ein kräftiges Tief über Skandinavien saugt dann eisig kalte Luft direkt aus der Arktis an. So werden wohl noch einmal Schneeflocken auf dem Programm stehen und in den Nächten drohen gefährliche Fröste, die der schon weit entwickelten Natur arg zusetzen werden. Besonders die allerorten bereits blühenden Obstbäume werden es wohl übel nehmen. Den Frühlingspilzen dürfte es nicht allzusehr schaden.

Also hoffen wir das die Morcheln die frostigen Temperaturen ohne nennenswerte Schäden überstehen werden. Diese jungen Speisemorcheln (Morchella esculenta) hat für uns Peter Hildebrandt fotografiert. Er hat schon eine schöne Ernte dieser Delikatessen in Mitteldeutschland eingefahren.

Karfreitag, 14. April – Das regnerische Wetter vom Mittwoch hielt mich davon ab zu meiner obligatorischen Mittwochsexkursion aufzubrechen. Heute holte ich sie nach, obwohl das Wetter auch recht wechselhaft war. Es zogen immer wieder Schauer durch bei lebhaftem Wind und recht frischen Temperaturen. So fuhr ich also gegen Mittag in mein Zielgebiet. Ein kleines, sympatisches Waldgebiet bei Vietlübbe. Jüngere, moosreiche Fichtenforste im Wechsel mit ebenfalls recht jungen Eichenwäldern mit eingestreuten Birken und auch ein recht ordentliches Buchenstück mit älteren Bäumen. Der Wald steht auf sauren Sandboden und dürfte zu guter Pilzzeit durchaus für Kochtopfmykologen von Interesse sein. Da der Totholzanteil aufgrund der meist jüngeren Altersstruktur nur gering war, hielt sich heute das um diese Jahreszeit mögliche Artenaufkommen in Grenzen. Das Waldstück liegt im Meßtischblattquadranten 2233/3. Hier das Ergebniss: Zugepitzter Kugelpilz, Orangefarbiges Brennnesselbecherchen, Schildförmige Scheibenlorchel, Duft – Trichterling, Fichtenzapfenrübling, Grünblättriger Schwefelkopf, Eichen – Rindensprenger, Frühlingsmürbling, Blutender Schichtpilz, Samtiger Schichtpilz, Holunder – Rindenschichtpilz, Eichen – Zystidenrindenpilz, Buckel – Tramete, Schmetterlings – Tramete, Runzliger Schichtpilz, Judasohr, Striegelige Tramete, Winterporling, Graublättriger Schwefelkopf, Stoppliger Drüsling und Ockergelbliche Tramete. 21 Arten, dazu noch ein Tintling, der sich bereits in Autolyse befand und den ich nicht näher ansprechen konnte.

Schildförmige Scheibenlorchel (Discina ancilis) an einem moosigem und modrigem Fichtenstubben im Forst bei Vietlübbe am 14.04.2017. Die an Fichten- und Kiefernholz in Nordwestmecklenburg häufige Art ist gut durchgegart essbar.

Karsamstag, 15. April – Die zweite öffentliche Pilzlehrwanderung stand heute an. Bei trübem Regenwetter starteten wir von Wismar aus in Richtung Warin. Dort erwarteten uns weitere Pilzfreunde aus Schwerin, Bad Doberan, Bargteheide oder Hamburg. Auch Pilzberater Klaus Warning aus Bützow war mit dabei. Und auch  Irena Dombrowa, Veronika Weisheit und Ulrich Klein verstärkten die Truppe, dadurch  hatten wir heute gleich fünf Fachleute dabei, die Rede und Antwort zu den gefundenen Pilzen stehen konnten. Und das waren eine ganze Menge, auch was Frischpilze anbelangt. Es gab laufend etwas zu entdecken und sogar Frühjahrlorcheln, Maipilze, Stockschwämmchen und weitere Frühaufsteher waren dabei. Für eine Wanderung Mitte April erlebten wir eine wirklich pilzreiche Tour. Die vormals schon recht warme Witterung und immer wieder fallende Niederschläge zeigten Wirkung. Siehe auch unter „Lehrreiche Frühlingswanderung“.

Diese schönen Spitzmorcheln (Morchella elata) haben wir allerdings nicht auf der heutigen Tour gefunden, sie haben uns Irena und Jonas aus Schwerin mitgebracht. Ein schönes Osterkörbchen der besonderen Art. Damit möchte auch der Steinpilz – Wismar allen Lesern des Tagebuches ein frohes Osterfest wünschen.

Weiter geht es unter „Wetter/Pilze April 2017/2“.