Wetter/Pilze April 2017/2

Wetter und Pilze im Raum Nordwestmecklenburg

Tagebuch Wetter/Pilze April 2017/2

Junge Grünblättrige Schwefelköpfe (Hypholoma fasciculare) erleben derzeit ihren ersten Wachstumsschub der Saison. Giftig. Stimmungs- und Standortfoto am 16. April 2017 in den Venzkower/Kobander Tannen.

Ostersonntag, der 16. April – Nach dem das Oster – Überraschungsuchen im Garten in Keez beendet war, fuhren Irena und ich zum Moos holen in die Venzkower/Kobander Tannen. Wir brauchen es für das Anfang Mai (siehe unter Termine) in Keez stattfindende Frühlingsseminar für unsere Ausstellungsflächen. An Frischpilzen fanden wir bei dieser Gelegenheit obige Schwefelköpfe und einzelne Zapfenrüblinge. Am späteren Nachmittag fuhr ich im Anschluß an unsere Kaffee – Tafel noch zu einer kleineren Exkursion in die ehemaligen Kiesgruben bei Klein Warin, die überwiegend mit Kiefern aufgeforstet wurden. Es haben sich aber auch einige Birken, Pappeln und vor allem Weiden angesiedelt. Hier können in der letzten April – Dekade durchaus auch schon mal Butterpilze auftauchen, heute war von ihnen aber nichts zu sehen. Überhaupt habe ich diese Gebiete in früheren Jahren zu dieser Zeit schon pilzreicher vorgefunden. Am häufigsten waren Zapfen – Rüblinge und Schildförmige Scheibenlorcheln vertreten. Aber auch einige Schwarzweiße Becherlorcheln und Frühlingssamthäubchen.

Das Wetter präsentierte sich sehr kühl und besonders am Abend entluden sich noch einige Regen- und Graupelschauer.

Am meisten freute ich mich aber über diese Rißpilze. Es handelt sich sehr wahrscheinlich um den Frühlings – Rißpilz (Inocybe nitidiuscula). Giftig.

Ostermontag, 17. April – Während Irena und Jonas heute nach Stralsund zum Heringsangeln gefahren sind, absolvierte ich zum ersten mal in diesem Jahr ein weiteres Stück meiner vor Jahren begonnenen Waldumrundung der Neukloster Forst. Es war ein Teilstück zwischen Neumühle und Warin an der Reihe, beginnend dort, wo ich im letzten Spätherbst aufgehört habe. Laub- und Nadelwälder auf sandigen Böden. Teils in den letzten Jahren bis kurzfristig stark fostwirtschaftlich bearbeitet. Deshalb auch teils deutlich gestört. An Frischpilzen fand ich hier garnichts, also ziemlich enttäuschend. Deshalb im Anschluß noch einen kleinen Abstecher am Rande des Pernieker Kiesabbaugebietes, nahe dem Neuklosteraner Waldhotel und dem Waldstadion. Ich erinnerte mich, unweit des Waldstadions vor Jahren schon Frühjahrslorcheln nachgewiesen zu haben. Dieses wurde heute eindrucksvoll bestätigt. Etliche, teils stattliche Exemplare begrüßten mich dort. Ansonsten Bittere Zapfenrüblinge und einige Büschel von Glimmer – Tintlingen. Beim Wetter hatte der Großraum Wismar heute Glück. Teils kräftige Regen- und Graupelschauer gingen entweder östlich oder westlich nieder und es war ein recht sonniger Tag. Erst jetzt am Abend steuern auch einige Zellen auf Wismar zu.

Stattliche Frühjahrslorcheln (Gyromitra esculenta) ganz in der Nähe des Waldhotels bei Neukloster. Sie sind inzwischen voll ausgewachsen und ausgereift. Der Frühjahrslorchel – Aspekt neigt sich dem Ende zu. Giftig!

Dienstag, 18. April (Internationaler Denkmaltag) – Die Morchelsaison scheint bei uns auf ihrem Höhepunkt angelangt zu sein. Zumindest an klimatisch begünstigten Standorten. Generell hinken wir ja den südwestlicheren Regionen Deutschlands immer hinterher, aber die milde Witterung Ende März und Anfang April sowie ausreichende Bodendurchfeuchtung haben in diesem Frühjahr sehr gute Ausgangspositionen geschaffen, dessen Auswirkungen dieser Tage zum tragen kommen. Die Morcheln sprießen aller Orten und werden nun auch in die Pilzberatung gebracht. Selbst Maipilze sind örtlich schon erntereif. So sandte mir Pilzberater Alexander Glomb  Fotos von einem großen Hexenring von Maipilzen aus dem Botanischen Garten in Hamburg zu. Die Pilze waren bereits optimal entwickelt. Ein anderes Foto zeigt dicht an dicht Speisemorcheln auf einer Rasenfläche in einem Garten in Mölln. Unser Tagebuchleser Herr Palm aus Aachen hat schon einen Korb voller Maipilze geerntet und es schieben noch reichlich nach, wie er per E – Mail berichtete. Auch unser Wismarer Lorchelfreund Christian Ehmke ist Happy. So hat er in Schwerin eine neue Lokalität der seltenen Glattstieligen Lorchel entdeckt und auch an der bekannten Stelle am Farpener Stausee bei Wismar schieben nun wieder reichlich Fruchtkörper dieser seltenen Art. Chefkartierer Benno Westphal hat in den Redentiner Tannen bei Wismar einen neuen Standort der ebenfalls seltenen Riesenlorchel ausfindig machen können, mit 14 Fruchtkörpern! Wir erleben also in diesem Frühjahr einen ausgesprochen guten Vorfrühlingsapekt wie seit Jahren nicht mehr. Hoffen wir, dass die für die Jahreszeit schon fast extreme Kälte dem nicht all zu sehr zusetzt.

Auch unsere Pilzfreundin Angelika Boniakowski ist von der diesjährigen Morchel – Saison hellauf begeistert und brachte mir heute Abend diese Stiege erstklassiger Speisemorcheln vorbei, da sie für ihren Eigenbedarf bereits reichlich getrocknet hat. Es war gestern wohl die Morchelernte ihres Lebens! Ich bedanke mich auch auf diesem Wege nochmals ganz herzlich! Nachdem ich gestern bereits Spitzmorcheln weggetrocknet habe, werden diese sogleich folgen.

Mittwoch, 19. April (Tag des Knoblauchs) – Bei Temperaturen um 0 Grad sowie Schnee- und Graupelschauer ging es heute morgen in Richtung Kaarzer Holz. Das zweite Jahr unserer DBU – Kartierung läuft ab heute an. Hier traf ich mich mit Chefkartierter Benno Westphal und einem Schichtpilz – Experten aus dem Brandenburgischen. Wir haben einen Teil unserer Pflock – Kartierung abgearbeitet. Vor allem pilzliche Belege an den Unterseiten von liegendem Totholz wurden wieder reichlich geschnitten, fotografiert und eingetütet. Auch einige Frischpilze waren vertreten, wie beispielsweise Grünblättrige Schwefelköpfe, Bittere Zapfenrüblinge, Helmlinge oder auch der Langstielige Knoblauch – Schwindling oder Maiporlinge. Am Wochenende steht dann für drei Tage die Ueckermünder Heide auf dem Programm, um die dortigen Flächen zu bearbeiten. Übrigens hatte ich gestern vergessen zu erwähnen, dass auch um Berlin herum reichlich Morcheln gefunden wurden, wie mir gestern unser Vereinsfreund Egon Schmeißer berichtete. Weit über 100 Speise – und Käppchenmorcheln konnte er einsammeln!

Dieses Prachtstück einer Riesenlorchel (Gyromitra gigas) hat Benno Westphal über Ostern mit 13 Artgenossen in den Redentiner Tannen bei Wismar gefunden und brachte es uns heute morgen mit. Riesenlorchel ist hier wirklich der richtige Ausdruck. Armdicker Stiel, wuchtiger Kopfteil, schwer und kompakt, etwa 17 cm hoch und 13 cm breit. Gewicht ca. ein halbes Kilo! Dagegen wirken alle bisher von mir gefundenen Exemplare dieser Art wrklich kümmerlich. So ein Prachtstück findet man wohl nur einmal, auch in Anbetracht der Tatsache, dass die Art als Seltenheit betrachtet werden kann. Wir erleben in diesem Jahr wirklich einen tollen Vorfrühlings – Aspekt!

Donnerstag, 20. April (Kiffertag) – Bis – 7 Grad ging es in den südlicheren Regionen Mecklenburg-Vorpommerns heute Nacht am Erdboden herunter. Für fast schon Ende April ungewöhnliche Winterkälte. Hoffen wir, dass unsere Frühlingspilze es überstanden haben. Ein deutliche Erwärmung ist allerdings auch mittelfrisig nicht zu sehen. Es bleibt bis auf weiteres unterkühlt und am Wochenende soll es wieder besonders ungemütlich zugehen. Starker Wind, sehr kühle Luft und viele Regen, Schnee- und Graupelschauer stehen auf dem Programm. Das kann ja was werden, wenn wir am Wochende unsere DBU – Flächen in der Üeckermünder Heide bearbeiten wollen. Aber was soll`s, da müssen wir durch!

Pilzfreundin Angelika Boniakowski hat heute wieder einen Schwung Speisemorcheln für den Trockner einsammeln können. Dieses mal vom Schweriner See. Die Ausbeute war aber deutlich geringer als am Osterwochenende, von einem Morchelareal, das klimatisch besonders begünstigt liegt. Sie kontrollierte auch einige Maipilz – Standorte, dort tat sich allerdings noch nichts. Überhaupt wird die kalte Witterung einen Einschnitt bringen. Die Anfangs rasante Entwicklung wird nun ausgebremst.

Diesen Holzklotz nutze ich seit Jahren, um auf ihm ein Blumenkörbchen als Deko vor die Eingangstür zu unserem Info – Zentrum zu platzieren. Seit Ende November stand er unbeachtet, Wind und Wetter ausgesetzt, auf dem Hof. Da staunte ich heute morgen nicht schlecht, als ich den Holzscheit wieder seiner Bestimmung zuführen wollte, da sich an ihm, neben gelblichen Schichtpilzen auf der Unterseite, der recht seltene Holzkohlenpilz (Daldinia concentrica) angesiedelt hat. Für mich der Erstnachweis dieser Art für Wismar!

Freitag, 21. April (Natale di Roma in Italien) – Am Vormittag holte mich Chef – Kartierer Benno Westphal ab und wir fuhren in Richtung Stettiner Haff. In der Akademie Ahlbeck ludt die Arbeitsgemeinschaft Mykologie Mecklenburg – Vorpommern zu ihrer turnusmäßigen Frühjahrstagung ein. Die AMMV arbeitet unter dem Dach des Naturschutzbundes Deutschland. Im Mittelpunkt der Arbeitstagung stand die Frühjahrskampagne der Clusterkartierung in der Ueckermünder Heide, die wir seit dem vergangenen Jahr für die Deutsche Bundesstiftung Umwelt durchführen. Jeweils einmal im Frühling, Früh- und Spätherbst müssen gekennzeichnete Flächen nach strengen Vorgaben auf ihre Pilzvorkommen untersucht werden. So haben Benno und ich gleich am Nachmittag nach unserer Ankunft die ersten Pflöcke abgearbeitet.

Das Wetter war dazu recht angenehm, nicht so unterkühlt wie an den Vortagen. Erst zum Abend kam dann kräftiger, schauerartiger Regen auf.

Frühjahrslorcheln (Gyromitra esculenta) gab es in den sandigen Blaubeer – Kiefernwäldern immer wieder. Selbst in den eng begrenzten Radien der Pflock – Kartierung konnten wir sie nachweisen. Giftig!

Sonnabend, 22. April (Tag der Erde) – Heute ging es bei unserer Cluster – Kartierung richtig zur Sache. Neben Benno und meiner Wenigkeit kam zu uns noch ein Schicht- und Rindenpilzexperte aus Brandenburg und wir arbeiteten ohne Mittagspause bis zum fortgeschrittenen Nachmittag unsere Radien ab. Neben diesen mußten auch größere Flächenkartierungen vorgenommen werden, die weitere Mitglieder der AMMV durchführten und uns dadurch entlasteten. Im vergangen Jahr mußten wir drei diese Flächen noch zusätzlich abarbeiten. Eine weitere Gruppe um Marigitta Schönfeld und Klaus Warning bearbeitete gekennzeichnete Flächen und Pflöcke in einem angenzenden Waldgebiet, welches ebenfalls zur Üeckermünder Heide gehört. Am späten Nachmittag fuhren Benno und ich noch in zwei Meßtischblatt – Quadranten, in denen wir noch keine Nachweise über Frühjahrslorcheln hatten. Diese Aktion stand außerhalb des DBU – Projektes und diente der allgemeinen Kartierung für unser Bundesland. Dabei konnten wir in einem Quadranten auch fündig werden.

Das Wetter war heute im Vergleich zu gestern deutlich ungemütlicher. Ein starker, kalter Wind trieb immer wieder kurze Regen- und Graupelschauer über das Land.

Wie schon im vergangenen Jahr, standen Rinden- und Schichtpilze im Mittelpunkt der Pflock – Kartierungen. Hier sehen wir den häufigen Safrangelben Hautrindenpilz (Piloderma croceum), der beim drehen von liegenden Baumstämmen auf deren Unterseite neben vielen anderen Arten zum vorschein kommen kann und der im Feld auch leicht anzusprechen ist. Die meisten Rindenpilze sind nur unter dem Mikroskop bestimmbar. Laut Helmholz – Zentrum für Umweltforschung kann gezeigte Art aus Steinen und Streu mit hohem Holzanteil Nährstoffe gewinnen, die gegen Zucker im Rahmen einer Ektomykorrhiza mit symbiotischen Baumpartnern ausgetauscht werden können.

Sonntag, 23. April (Tag des Urheberrechts) – Während der größte Teil der Teilnehmer unserer AMMV – Tagung noch zu einer Abschlußexkursion aufbrachen, traten Benno und ich bereits wieder den Heimweg an. Schließlich mußten wir von ganz im Osten unseres Bundeslandes bis ziemlich weit in den Westen. In Höhe des Recknitztal – Gebietes legten wir einen kleinen Zwischenstopp ein, um einer ehemaligen Kiesgrube einen Besuch abzustatten. Hier wollten wir für unsere Verbreitungskarte M-V einen Fundpunkt der Schwarzweißen Becherlorchel gewinnen. Nach kurzer Suche konnte ich auch zwei Exemplare dieser Art finden. Dann ging es nach Wismar. Im „Steinpilz“ angelangt machte ich mich sogleich an die Auswertung der Belegfotos. Sie müssen beschriftet und richtig zugeordnet nach Rostock geschickt um schließlich von der DBU als Bildnachweise der inzwischen herbarisierten Arten beigefügt werden.

Beim Wetter blieb heute alles beim alten. Aprilfrisch und es zogen bei wechselnder Bewölkung wieder einige Regen- und Graupelschauer vorüber.

Hier sehen wir die Schwarzweiße Becherlorchel (Helvella leucomelaena), die wir bevorzugt auf grobkörnigen Sandböden bei Kiefern antreffen. Also ist ein ehemaliges Kiesabbaugebiet ein idealer Standort. Hier können die ansich recht seltenen Becherlorcheln mitunter Massenbestände ausbilden. Wir haben bei einer solchen Gelegenheit vor einigen Jahren Speiseversuche mit ihr angestellt, die keine negativen Folgen nachsich zogen. Offiziell gilt die Art aber nicht als Speisepilz. Das Foto stammt von Christian Ehmke.

Montag, 24. April (Internationaler Tag zur Abschaffung der Tierversuche) – Heute beeinflußten uns die Frontenzüge eines neuen Tiefs. Die Kaltfront schleift seit heute Nachmittag über die Küstenregionen entlang und kommt zunächst durch Wellenbildung kaum südwärts voran. Demzufolge ist auch abends und nachts noch mit schauerartigen Regenfällen zu rechnen. Erst im morgigen Tagesverlauf schwenkt sie dann südwärts und auf der Rückseite wird wieder für die Jahreszeit sehr kalte Luft angezapft. So geht das unterkühlte, zu Regen,- Graupel- und Schneeschauern neigende Wetter in dieser Woche weiter. Die Nächte werden wieder zunehmend frostig! Durch die Dauerkühle wird sich der Vorfrühlingsapekt weiter verlängern. So werden wir also noch etwas länger von Morcheln und Co. profitieren können.

Heute habe ich unsere Ausstellung wieder aufgefrischt. Es liegen 82 Arten auf der Fläche. Folgende sind erstmals in dieser Saison zu sehen: Blutender Schichtpilz, Käppchen – Morchel, Bitterer Zapfenrübling, Dunkelscheibiger Fälbling, Zweisporiger Champignon, Herber Zwergknäuling, Speisemorchel, Nitrathelmling, Ohrlöffel, Riesenbecherling, Stockschwämmchen und Goldfell – Schüppling.

Zur Zeit kann man noch alle drei häufigen Schwefelkopf – Arten finden. Der vorzügliche Graublättrige an Nadelholz hört aber bald auf zu wachsen. Genauso wie der links im Bild zu sehende, nicht empfehlenswerte Ziegelrote Schwefelkopf (Hypholoma sublateritium). Beide Arten kommen dann erst im Herbst wieder, während wir die rechts im Bild zu sehenden und giftigen Grünblättrigen Schwefelköpfe (Hypholoma fasciculare) praktisch ganzjährig finden können. Beide hier abgebildete Arten habe ich am 22.04.17 im Eggesiner Forst an ein und dem selben Stubben gefunden.

Dienstag, 25. April (Tag des Baumes) – Grau und mit dicken Schneeflocken startete der Frühlingstag in Wismar. In Schleswig – Holstein fielen über Nacht sogar bis zu 5 cm Neuschnee! Dem Winter fällt es wirklich schwer Abschied zu nehmen. Heute und in den folgenden Nächten droht wieder verbreitet Frost. Unter dem Motto „Kühlware hält sich länger“, zieht sich die Lorchel- und Morchelsaison dahin. Aber in der nächsten Woche sollen südliche Luftströmungen endlich wärmeres Wetter bringen. Dann werden sich auch die letzten Morcheln, die sich aufgrund des kalten Wetters noch zurückhalten, strecken und auch die Maipilze werden dann richtig durchstarten. Die gefallenen Niederschläge sollten diese Entwicklung ermöglichen.

Das hat sich gelohnt! Ein Korb voller köstlichster Frühlingspilze konnte Klaus Warning, seines zeichens Pilzberater in Bützow, heute Vormittag ernten. Morchelbecherlinge, Speise- und Käppchenmorcheln, was will man mehr!

Mittwoch, 26. April (Tschernobyl – Gedenktag) – Heute Vormittag traf ich mich mit Chef – Kartierer Benno Westphal in Jülchendorf. Auf dem Programm standen weitere Pflock- sowie Flächenkartierungen im Auftrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt im Kaarzer Holz. Es waren Kreise im Buchenwald, als auch in Nadelwäldern zu bearbeiten. Es ist inzwischen das vierte mal, dass wir diese Flächen untersucht haben. Zweimal müssen wir noch im laufe des Jahres in die jeweiligen Gebiete. Neben Schichtpilzen, Porlingen und Pyrenomyceten fanden sich hier und da auch einige Frischpilze wie Frühjahrslorcheln, Ziegelrote- und Grünblättrige Schwefelköpfe, Bittere Zapfenrüblinge oder auch Helmlinge. Nach beendigung unserer Bestandsaufnahme trennten wir uns. Benno fuhr in die Region Dabel um Lorcheln zu kartieren. Ich schaute noch bei einer kleinen Parkanlage vorbei, in der es mehrere Myzelien des Maipilzes gibt, die auch alle besetzt waren. Da aber gerade der Rasenmäher rüber war, kann man sich vorstellen, dass besonders die etwas größeren Fruchtkörper in Mitleidenschaft gezogen wurden. Es schieben aber noch viele kleine nach und einzelne Fruchtkörper waren fast schon überständig! Sie entwickeln sich in diesem Jahr recht unterschiedlich durch die Dauerkälte. Auch wiesen einige Exemplare auf dem Hutscheitel Frostschäden auf. 

Das Wetter war heute wieder recht wechselhaft, typisch April. Neben Sonne gab es auch immer wieder teils recht kräftige Schauer!

Abseits der zu bearbeitenden Flächen im Kaarzer Holz entdeckten wir einige Tannen. Hier lohnt es sich zu dieser Jahreszeit deren am Boden liegende Zapfenschuppen abzusuchen. Sehr oft findet man dann den Zapfenschuppen – Stromabecherling (Ciboria rufofusca). Die Apothezien sind nur wenig kleiner wie die vom Annemonen – Becherling. Standortfoto 26.04.2017.

Donnerstag – 27. April (Königstag in den Niederlanden) – Nach leicht frostigen Morgenstunden startete der Tag sonnig. Schnell entwickelten sich aber wieder zahlreiche Quellwolken und besonders im Landesinneren kam es zu einzelnen Schauern. Das wechselhafte Wetter mit Regengüssen geht auch in den nächsten Tagen weiter, wobei die Luft allmählich etwas milder werden soll. Die 20 Grad, wie in Süddeutschland und teils auch in der Mitte prognostiziert, werden wir aber sehr wahrscheinlich nicht erreichen. Das kalte Ostseewasser hält dagegen.

An der Pilzfront Lorchelt und Morchelt es unterdessen munter weiter. Zwar war Chef – Kartierer Benno Westphal gestern etwas enttäuscht, da er in den fehlenden Quadranten bei Dabel ohne bisherigen Frühjahrslorchel – Nachweis auch nicht punkten konnte, dafür waren aber Scheibenlorcheln dabei. Lorchelfreund Christian Ehmke hat in den letzten Tagen einen neuen Standort der Lederigen Lorchel entdecken können und Raritäten – Jäger Andreas Okrent hat offensichtlich ein neue Lokalität der Glattsteiligen Lorchel ausmachen können.

Heute habe ich die Ausstellung neu mit Frischpilzen bestückt. Es liegen 79 Arten auf der Fläche. Erstmals in diesem Jahr mit dabei: Rehbrauner Dachpilz, Langstieliger Knoblauch – Schwindling, Frühlings – Rißpilz, Maipilz, Veränderlicher Spaltporling, Spitzmorchel und Maiporling.

Hier ein Foto von Christian Ehmke, dass er vor wenigen Tagen aufnahm. Es zeigt die Lederige Lorchel (Helvella corium) in ihrem natürlichen Umfeld, im Moos unter Weidengebüsch. Die seltene Art steht vielfach auf den Roten Listen. In M-V in der Kategorie 2 = stark gefährdet!

Freitag, 28. April (Tag des Blaubeerkuchens) – Am Vormittag startete ich zu einer kleinen Pilztour. Zunächst besuchte ich eine kleine Speisemorchel – Stelle am Schweriner See, abseits der allbekannten Morchel – Routen. Fehlanzeige! Ich machte mich nach dieser Kurzvisite auf in Richtung Jesendorf/Tarzow. Hier habe ich eine Maipilz – Stelle mit drei Myzelien im Erlen – Bruchwald. Es waren sehr schöne, frische Exemplare vorhanden. Da aber vor wenigen Jahren hier geholzt, b.z.w. zahlreiche Bäume offensichtlich vom Sturm geworfen wurden, hat sich das Biotop stark verändert. Der einstmals ergiebige Standort bringt nicht mehr viel hervor. Die Krautschicht, allen voran Brennnesseln und Himbeer – Gestrüpp, das auch vorher schon vorhanden war, kann nun besonders gut wuchern. Für die untersetzten, gedrungenen Maipilze eine denkbar ungünstige Entwicklung, da sie immer schlechter ihrer eigentlichen  Aufgabe, ihre Sporen dem Wind anzuvertrauen, nachkommen können. Außerdem gab es hier noch Glimmer – Tintlinge, einen Haus – Tintling und einige Rosablättrige Helmlinge. Angrenzend haben wir die Jesendorf/Tarzower Kiefernaufforstung an einem ehemaligen Kiesabbaugebiet. Nicht nur Lorcheln können hier gefunden werden, auch Morcheln waren gelegentlich in den Vorjahren vertreten. Hier vor allem Spitzmorcheln, aber vor einigen Jahren konnte ich zusammen mit Raritäten – Jäger Andreas Okrent auf den grobkörnigen Sandböden sogar einige Speisemorcheln finden. Es handelt sich um eine lichte Hanglage mit locker stehenden, sehr jungen Kiefern. Morcheln gab es hier heute leider keine, es scheint damals nur ein sporadisches Vorkommen gewesen zu sein, zumal der Standort nun wirklich nicht nach Speisemorcheln aussieht. Dafür wuchsen hier die ersten Butterpilze der Saison! In der Nähe, unter bereits größeren Kiefern, standen recht zahlreich Schwarzweiße Lorcheln und auch einige Gilbende Erdritterlinge. Übrigens ist die Stelle von den Glattstieligen Lorcheln, die ich gestern erwähnte, nicht neu, wie mir Andreas mitteilte. Es handelt sich um das altbekannte Vorkommen am Farpener Stausee.

Die Röhrlings – Saison 2017 ist hiermit eröffnet! Butterpilze (Suillus luteus) in den Kiefern bei Jesendorf, einem Sonderstandort auf Kiesboden. In den herkömmlichen Wäldern wird man ihn noch lange vergebens suchen. An diesen Standorten erscheinen die ersten, in günstigen Jahren, meist um dem 20. April herum.

Sonnabend, 29. April (Welttag des Tanzes) – Gestern Abend bin ich noch bei Dunkelheit und Regen in den Wald gafahren, da ich bei lauter fotografieren meinen Behälter mit den Maipilzen vergessen hatte. Nach fünf Minuten Suche mit der Stirnlampe fand ich ihn so, wie ich ihn an dem Standort der Schwarzweißen Becherlorcheln abstellte. Heute war dann wieder eine öffentliche Wanderung angesagt. Das Glashäger Quellental bei Bad Doberan stand auf dem Programm. Das in der hügeligen Umgebung eingelassene Bachtal ist ein typisches Morchelgebiet mit Erlen und Eschen. Von den Eschen ist aber seit einigen Tagen nicht mehr viel übrig. Sie wurden fast alle abgesägt und somit wird die Chance auf Morchelfunde in der Zukunft geringer. Morcheln lieben das Umfeld dieser Laubbäume, die ihrerseits von einem parasitischen Pilz befallen sind und von ihm massiv geschädigt werden. Nun will man die Bäume fällen, um die Ausbreitung des Schädlings in Grenzen zu halten. Ob das die richtige Methode ist wird die Zukunft zeigen. Schade nur für uns Morchel – Fans! So waren auch an den Stellen, an denen ich wußte, dass dort Morcheln stehen können, die Bäume gefällt. Der Rückblick auf unsere Wanderung folgt in Kürze. Auch Pilzfreundin Angelika Boniakowski war heute mit uns unterwegs und fuhr danach anschließend in ihr eigenes Morchelrevier, wo sie noch eine ansehliche Portion für den Trockner Ernten konnte.

Aber eine Speisemorchel (Morchella esculenta) konnte ich doch noch im Quellental entdecken. Sie stand wie auf dem Präsentierteller direkt am Ufer des Glashäger Baches auf einer bemoosten Baumwurzel, wie auf diesem original Standortfoto von heute zu sehen.

Sonntag, 30. April (Walpurgisnacht) – Heute meldete sich Raritäten Jäger Andreas Okrent ganz voller Erfolgsfreude aus Rostock. Er hatte unter Weiden ein individuenreiches Vorkommen der seltenen Lederigen Lorchel entdecken können und wollte seine Freude darüber sogleich mit mir teilen. Es dürfte ein Neufund für dieses Meßtischblatt sein. Herzlichen Glückwunsch!

Der erste Monat der Saison 2017 ist nun Geschichte. Trotz der unterkühlten Witterung, laut Wetter – Online.de der kälteste April seit 16 Jahren, können wir mit den Ergebnissen und Entwicklungen an der Vorfrühlings – Pilzfront durchaus zufrieden sein. Lorcheln und Morcheln waren teils reichlich zu finden. Maipilze waren vieler Orten auch schon gut vertreten, wenn auch noch sehr unterschiedlich entwickelt und gegen Ende ganz vereinzelt auch schon erste Butterpilze. Der gute Start ist auch der recht feuchten und Anfangs auch noch milden Witterung zu verdanken.

Ein wirklich toller Anblick, diese seltene Art gleich so zahlreich am Standort zu erblicken. Da kann nur Begeisterung aufkommen! Lederige Lorchel (Helvella corium) am Fundort von Andreas Okrent am 30. April 2017 fotografiert.

Wie es im Mai weitergeht wird dann in der Rubrik „Wetter/Pilze Mai 2017/1“ kommeniert.