Wetter/Pilze August 2017/1

Wetter und Pilze im Raum Nordwestmecklenburg

Tagebuch Wetter/Pilze August 2017/1

Auch wenn er nicht zu den leckeren Speisepilzen gehört, der Samtfuß – Krempling (Paxillus atrotomentosus) ist eine Augenweide. Diese jungen Exemplare fotografierte ich am 30.07.2017 am Standort in den Barniner Tannen. Schön ist auch der dunkelbraune, wie mit Samt überzogene Stiel ausgebildet. Wir finden ihn zumeist an bereits stark vermorschten Fichten – Stubben. Da die Fichte bei uns kaum noch geforstet wird, dürfte er in einigen Jahrzehnten in Mecklenburg zu den Raritäten gehören.

Dienstag, 01. August (Nationalfeiertag in der Schweiz) – Aus der Schweiz heraus ziehen am Abend einige heftige Gewittersysteme nach Süddeutschland herein. Regional gibt es die befürchteten Unwetter. Auch in der Nacht und in den Frühstunden zogen von Südwest nach Nordost teils starke Gewitter mit entsprechenden Schäden strichweise über das Land. Die ganz große Unwetterlage, wie gestern noch befürchtet, ist bisher ausgeblieben. Es sind aber auch am Abend und in der Nacht weiterhin kräftige Entwicklungen möglich. Für den Wismarer Raum hat die Unwetterzentrale ab heute Abend 20.00 Uhr bis morgen früh 08.00 Uhr Vorwarnungen heraus gegeben. Ein Regen- und Gewittersystem ist am frühen Abend in Mecklenburg durchgezogen, mit einer heftigen Zelle am Südwestrand des Niederschlagsgebietes. So hat der Raum Schwerin und weiter nordöstlich in Richtung Güstrow/Bützow punktuell sehr heftigen Niederschlag bekommen. Mit großen Unwettern rechne ich in Mecklenburg aber nicht mehr. Allenfalls in Vorpommern könnte es noch stärker zur Sache gehen. Niederschläge werden auch in den nächsten Tagen immer mal wieder dabei sein, aber die Großwetterlage soll sich offensichtlich allmählich entspannen. Das könnte bedeuten, die Regenfälle werden seltener, die Sonne kommt häufiger zum Zuge und bei moderaten Sommertemperaturen, ohne Hitzestreß, könnte es für die Urlauber und Landwirte noch versöhnlicher werden. So lange es nicht ganz trocken bleibt, dürfte auch an der Pilzfront weiterhin mit spannenden Entwicklungen gerechnet werden, zumal wir langsam, aber sicher, auf die Hochsaison zusteuern.

Pilz- und Lorchelfreund Christian Ehmke hat auf dem Wismarer Friedhof wieder eine interessante Entdeckung gemacht. Unter einer Altfichte fand er die Grünende Fichten – Koralle (Ramaria abietina). Der Fund könnte neu sein für die Pilzflora der Hansestadt Wismar.

Mittwoch, 02. August (Tag des Malbuchs) – Da heute Mittwoch war, fuhr ich zu meiner obligatorischen Kartierungsexkursion aus. Der Meßtischblatt – Quadrant 2034/1 war an der Reihe. Also die Ostsee – Insel Poel. Küstenschutzwald zwischen Hinter Wangern und Timmendorf, Timmendorf selbst und Feldsaum in Richtung Hinter Wangern. Im Frühling waren wir hier im Zuge unseres Pilzseminars lang. Im Sommer kenne ich den Küstenwald nur von meinen Strandgängen. Hier war mein Haussstrand, an dem ich gerne entspannt und gebadet habe. Das machten bei dem recht ordentlichen Wetter heute auch etliche Urlauber, aber bei mir stand Exkursion auf dem Programm. Laubmischwälder mit vielen Weiden, Pappeln, Holunder, Erlen, Eschen und anderen Gehölzen. Im Frühling eine gute Adresse für Maipilze. Jetzt im Sommer wurden sie, wie ich bereits vermutete, von den ähnlichen Würzigen Tellerlingen abgelöst. So artete meine Bestandsaufnahme zeitweise in Esspilze – Sammeln aus. Hier die Arten – Liste: Nelken – Schwindling, Blutfleckender Milchling, Waldfreund – Rübling, Löwengelber Porling, Runzliger Schichtpilz, Echter Zunderschwamm, Gallertfleischiges Stummelfüßchen, Seidiger Rißpilz, Würziger Tellerling, Stink – Champignon, Flacher Lackporling, Krauser Aderzähling, Samtiger Schichtpilz, Blutmilchpilz, Knopfstieliger Rübling, Niedergedrückter Rötling, Fleischroter Lacktrichterling, Grauweißer Saftporling, Schwarzgezähnelter Helmling, Judasohr, Ledergelber Schwindling, Beutel – Stäubling, Eichen – Filzröhrling, Riesenbovist, Lilablättriger Mürbling, Schneeweißer Tintling, Tiegel – Teuerling, Rillstieliger Weichritterling, Weißer Anis – Champignon und Goldmistpilz. Dazu kommen noch einige Arten, die ich nicht ansprechen konnte und einige, die noch geprüft werden müssen. So z. B. ein kleiner, etwas fleischiger Schirmling aus der Gruppe um den tödlich giftigen Fleischrötlichen Schirmpilz, auf jedenfall eine sehr seltene Rote Liste – Art! Höchstwahrscheinlich handelt es sich um den Rosabrauen- oder Feinkörnigen Schirmpilz, der in M-V anscheinend noch nicht nachgewiesen ist. Auch schaarenweise auftretende, kleine, weißliche Rötlinge waren dabei, die ich aber nicht eindeutig zuordnen konnte.

Da es für meine Ausstellung noch zu bescheiden war und es doch fast auf dem Wege lag, fuhr ich noch in den Eichenpark und zu einer Lindenallee bei Schwarzen Busch, ebenfalls auf der Insel Poel. Bei meinem letzten Besuch vor knapp vier Wochen, wo gerade der Rasenmäher durch war und ohnehin nicht viele Pilze vertreten waren, bot sich mir heute ein ganz anderes Bild. Pilze über Pilze! Viele Lacktrichterlinge, Rißpilze, Täublinge, Milchlinge, Perlpilze bis hin zu Roten Fliegenpilzen, mit denen ich hier unter den Eichen nicht gerechnet hätte! Frische Stadt – Champignons brachen durch, aber auch Anis – Champignons, allen voran der seltene Großsporige Riesen – Champignon, die größte Egerlingsart überhaupt! Aber auch Röhrlinge wie Sommersteinpilze, Wurzelnde Bitter – Röhrlinge, Blutrote Röhrlinge und Hexen – Röhrlinge waren dabei. Insbesondere Netzstielige Hexen starteten wieder voll durch, so dass ich mich entschloß, welche zum trocknen mit zu nehmen. Am Ende mußte ich noch einen Beutel zur Hilfe nehmen, da meine Behältnisse schon gefüllt waren. So brach ich einfach ab und hätte eigentlich noch mehr sammeln können. Offensichtlich ist das die Ankündigung, dass es in den nächsten Tagen an der Röhrlingsfront wieder bergauf gehen sollte. So sandte mir heute Pilzfreund Wolfgang Palm eine Mail zu, dass er in der Voreifel auf ein Massenvorkommen der herrlichsten, frischen Rotkappen gestoßen sei. Das ist zwar eine ganz andere Ecke, aber ich denke, es dürfte sich wieder etwas anbahnen. Ist nun der Mond daran schuld oder Tief Alfred?  

Der Großsporige Anis – Champignon (Agaricus macrosporus) kann in Ausnahmefällen breit aufgeschirmt einen Hutdurchmesser bis zu einem halben Meter erreichen und zählt daher zu den größten mitteleuropaischen Pilzen. Der Hut ist dickfleischig und sein Fleisch fühlt sich frühzeitig im Vergleich zum Weißen – Anis – Champignon recht weich und wattig an. Besonders jung ist der Stiel mit weißen Flocken besetzt. Kann Hexenringe ausbilden. Rote Liste M-V 3 = gefährdet! Natürlich essbar!

Donnerstag 03. August (Tag der Wassermelone) – Wasser gab es heute auch wieder von oben und es hat auch gedonnert, es ist ja Donnerstag! Tief Fritz schickte seine Fronten zu uns. Trotzdem war der Tag nach trüben Start noch ganz ordentlich. Die Warmfront brachte am morgen etwas Regen und schwüle Luft und die Kaltfront folgte am frühen Abend mit teils kräftigen Gewitterschauern und viel Wind. Die wechselhafte und nur mässig warme Witterung mit zeitweiligen Niederschlägen geht auch in der nächsten Zeit weiter. Ein richtiges Sommerhoch ist nicht in Sicht. Mit anderen Worten, das Pilzklima bleibt uns weiterhin treu. Trotzdem stöhnen einige Zeitgenossen ob der schlechten Pilzlage und hoffen, das es endlich mal los geht. Der Blick richtet sich hier nur auf Steinpilz und Co, also die klassischen Röhrlinge. Diese wachsen natürlich, wenn auch recht verhalten. Und das sogar ununterbrochen seit Mai! Es sind ebend keine Trockenperioden dazwischen die dann nach stärkeren Niederschlägen auch stärkere Schübe auslösen können. Ich denke aber, in den nächsten Tagen ist wieder einiges mehr zu erwarten.

Trotzdem gibt es stellenweise reiche Ernten, die sogar schon zu Vergiftungsgeschehen führen. Irena wurde heute in die Helios – Kliniken nach Schwerin zitiert. Heftige Vergiftungserscheinungen bei einer Frau und einem Mann im mittleren Alter um Mitte fünfzig. Sie äußersten sich etwa 12 Stunden nach der Mahlzeit durch heftige Brechdurchfälle! Diese lange Latenzzeit ist immer ein Alarm – Signal! Typisch für eine Amanita phalloides  – Intoxikation! Die Klinik hat auch bereits entsprechend Gegengesteuert und ein Antidot verabreicht, denn die Laborergebnisse zur Abklärung möglicher Amatoxin – Werte werden erst morgen früh um 08.00 Uhr vorliegen. Irena brachte mir die Putzreste, dort waren nur Schwarzblauende Röhrlinge auszumachen. Im Gespräch wurde aber auch von Champignons gesprochen, die mit dabei waren. Auch von grünlichen Perlpilzen war die Rede! Irena nahm darauf hin meinen einzigen Grünen Knolli von meiner gerade erneuerten Ausstellung sowie einen Perlpilz mit nach Schwerin, um sie den Patienten zu zeigen. Da sie auf jedenfall unter Bäumen die Pilze gesammelt haben, können Knollenblätterpilze nicht ausgeschlossen werden.

Wie schon erwähnt, habe ich heute die Ausstellung wieder erneuert. Es liegen 112 Arten auf den Flächen. Erstmals in diesem Jahr mit dabei: Braunfleckender Milchling, Rosabrauner Schirmpilz, Gefleckter Rißpilz, Rillstieliger Weichritterling, Großsporiger Anis – Champignon, Roter Fliegenpilz, Birkenpilz, Blutfleckender Milchling, Dickblättriger Schwarztäubling und Schwefel – Milchling.

Seit Ende Juli starten in unseren besseren Buchenwäldern bereits die Herbst- oder Totentrompeten (Craterellus cornucopioides) durch. Meine Erfahrung besagt, falls die Witterung nicht einen Strich durch die Rechnung macht, das mit diesem frühen Start wohl endlich wieder ein Trompeten – Jahr ins Haus steht. Es ist längst überfällig! Dann kann man seine Trockenpilz – Vorräte von diesem hervorragenden Würzpilz auffüllen. Das Standortfoto sandte mir Torsten Richter zu. Die Pilzart ziert übrigens das Logo des Rehnaer Pilzvereins.

Freitag, 04. August (Internationaler Tag des Bieres) – Irena war heute nochmal in der Klinik um zu schauen, wie es den Erkrankten nach Pilzverzehr geht. Sie wurden auf die Intensivstation gebracht und werden hier intensiv medizinisch behandelt, da der Befund auf Knollenblätterpilz – Gifte wohl positiv ausgefallen ist. Ein detailierter Bericht soll uns und dem Landesgesundheitsamt in Rostock nach Abschluß des Geschehens zugesandt werden. Irena war gestern Abend noch an der Lokalität, an der die Pilze gesammelt worden waren. In den Fotos, die sie mir zusandte, waren aber keine Giftpilze zu sehen. Nur Graue Scheidenstreiflinge und Geschundene Schirmpilze, die ja bekanntlich essbar sind und allenfalls bei Rohgenuss leicht toxisch wirken können. Da sie aber, bis auf die Schirmpilze, die auf einer angrenzenden Wiesenfläche wuchsen, unter Eichen standen, ist es sehr gut möglich und dem Befund nach auch sehr wahrscheinlich, das auch Grüne Knollenblätterpilze dabei waren.

Ansonsten scheint es beim Geschehen an der Pilzfront wie erwartet wieder aufwärts zu gehen. Nicht nur die vielen Netzstieligen Hexen – Röhrlinge vom Mittwoch, sondern auch neuerlich im Stadtgebiet durchstartende Gift – Champignons deuten dieses an. Also in den nächsten Tagen unbedingt Röhrlings – Standorte kontrollieren! Insbesondere die von Hexen – Röhrlingen, Steinpilzen, Körnchen – Röhrlingen, aber auch Birkenpilzen und Rotkappen. Maronen – Röhrlinge stelle ich hier mal etwas außen vor, ihre Hauptzeit ist sicher der Herbst. In kleinen Mengen sind sie ja schon seit geraumer Zeit vertreten. Aber auch bei den Steinpilzen sollte man die Erwartungen nicht zu hoch schrauben. Einen starken Schub erwarte ich eher nicht. Den gibt es, wenn überhaupt, wohl erst beim nächsten oder übernächsten Schub in 4 b.z.w. 8 (10) Wochen, wenn das Wetter mitspielt. 

Hier noch ein Foto von einem in Mecklenburg bisher kaum nachgewiesenen Milchling, der Schwefel – Milchling (Lactarius decipiens). Er wuchs in Mengen, teils büscheilg, unter Eichen auf trockenem Boden im Eichenpark Schwarzer Busch auf der Ostsee – Insel Poel. Er gehört in eine Gruppe recht ähnlicher, bräunlicher Milchlinge, die nur mit etwas Übung und Felderfahrung erkannt werden können. Da ich mich mit den braunen Milchlingen recht gut auskenne, wußte ich, dass mir dieser noch nicht unter gekommen ist. Ich denke aber, dass er schon hier und da noch wachsen wird, aber übersehen und nicht erkannt wird. Die weiße Milch verfärbt sich ähnlich wie beim Flatter – Milchling besonders auf einem weißen Papiertaschentuch gelb. Die chemische Reaktion fiel mit Guajak wie erwartet deutlich und intensiv graugrün aus. Der bräunliche Pilz ist mit einem rosaton unterlegt und die Hutoberfläche wirkt etwas wasserfleckig – grubig. Kein Speisepilz. Standortfoto am 02.08.2017.

Sonnabend, 05. August (Tag des Abrackerns) – Abgerackert habe ich mich heute zwar nicht unbedingt, zumindest im tieferen Sinne, aber seit 7.45 Uhr bin ich schon  ununterbrochen im Dienst. Jetzt ist es 21.00 Uhr und der Tagebucheintrag ist fällig. Eigentlich steht auch noch der Rückblick von unserer heutigen Pilzwanderung auf dem Programm. Dafür werde ich wohl einen Teil des morgigen Sonntags opfern müssen, ansonsten artet es wirklich noch in Abrackern aus und ich bin bis morgen früh im Laden, wie schon so oft geschehen.

Unsere Wanderung führte heute durch das Revier Weiße Krug zwischen Friedrichswalde und dem Bronzenen Hirsch am Labenzer See. Zunächst wanderten wir in Ufernähe des buchtenreichen Sees. Hier überwiegen Buchen- und Eichenwälder mit mächtigen Altbäumen. Eigentlich aus mykologischer Sicht der interessantere Bereich, weil vielseitig. Heute herrschte hier Tote Hose. Erst im Bereich des Bronzenen Hirsches, wo die Böden sandiger wurden und der Übergang zu Nadelforste erfolgte, wurde es spannender, nachdem ein schöner frischer Steinpilz den 17 Tielnehmern die Augen öffnete. So erfüllte die heutige Tour doch noch den Tatbestand einer lehrreichen Wanderung und auch die Kochtopf – Mykololgen kamen noch, zu mindest ansatzweise, zu ihrem Recht. Der Bericht folgt in Kürze.

Am interessantesten war es in einem moosreichen Fichtenforst, wo nicht nur Speisepilze wie Täublinge oder einzelne Maronen für Freude sorgten. Hier wuchs auch der Top – Fund unserer heutigen Pilzwanderung. Leider kann er nur mikroskopisch genau bestimmt werden, da es zwei makroskopisch nicht zu unterscheidende Arten gibt. Zum einen das Hasenohr (Otidea leporina) und den Nadelwald – Öhrling (Otidea abietina). Ersterer soll nur in Gebirgsfichtenwälder vorkommen, ist aber laut Verbreitungskarte der DGfM in ganz Deutschland, bis auf den Nordwesten, gut verbreitet, auch im Flachland! Letzterer ist in M-V noch nicht nachgewiesen und auch sonst im Bundesgebiet nur wenige male Dokumentiert. Ich werde wohl ein Exikat anfertigen müssen, um den Sachverhalt später von einem Experten nachprüfen zu lassen.

Sonntag, 06. August (Netzkulturtag) – Was immer das heißen mag, bei uns sind Pilze Kult im Netz. Den heutigen Sonntag habe ich genutzt, um den Bericht von unserer gestrigen Wanderung zu schreiben. Siehe unter „Am Bronzenen Hirsch“. Wenn ich noch etwas Zeit finde, schaue ich am Abend noch kurz in den Wald.

Ansonsten habe ich ab morgen für zwei Wochen unser mykologisches Informationszentrum geschlossen. Ich nehme mir kurz vor der streßigen Hochsaison eine kleine Auszeit, die haupsächlich darin bestehen wird, dass ich mich nicht an die regulären Öffnungszeiten halten muss und auch nicht die arbeits- und zeitauffwendige Ausstellung betreuen brauche. Etwas entspannter also die kommenden zwei Wochen angehen möchte. Eine größere Reise steht nicht an. Es ist aber nicht gänzlich ausgeschlossen, das es mal für wenige Tage doch noch irgendwo hin geht. Wenn nicht, werde ich wohl des öfteren durch die Wälder streifen, natürlich mit Stift und Heft für die Kartierung, mit Kamera zur Dokumentation und mit Korb zum Sammeln möglicher Speisepilze bewaffnet. Ich versuche also für die Berichterstattung am Ball zu bleiben. Den Korb würde ich dann nicht mit Ausstellungspilzen, sondern eher mit Speisepilzen füllen, sofern vorhanden.  Für Trockenpilze oder für unser Imbissgeschäft zu den bevorstehenden Veranstaltungen im kommenden Herbst werden sie immer benötigt.

Beim Wetter soll es wohl pilzfreundlich weiter gehen. Ein neus Tief wird uns in der kommenden Woche beschäftigen. Es zapft zunächst schwülwarme Luft für den Osten Deutschlands an, die sich bei uns möglicherweise einige Tage halten könnte, kräftige Schauer und Gewitter inklusive. Für Süddeutschland und vor allem dem Alpenraum sieht es in den nächsten Tagen zunehmend herbstlich aus und in den Alpen drohen erste Schneefälle! Das ist ausnahmsweise mal ein umgekehrtes Verhältniss, denn bisher war es dort ja wirklich hochsommerlich.

Hier ein ganz besonders schönes Motiv, eingefangen von Christian Ehmke auf dem Wismarer Friedhof. Er hatte sich dieser Tage dort mit Torsten Richter und Christopher Engelhardt vom Rehnaer Pilzverein verabredet und sie konnten einige sehr schöne, interessante und teils seltene Pilzarten aufspüren. Hier ist es der Pilz des Jahres 2003 – der Papageigrüne Saftling (Hygrocybe psittacina). Saftlinge wurden aufgrund ihrer starken Rückgangstendenz durch Eutrophierung der Landschaft inzwischen alle unter Naturschutz gestellt!

Montag, 07. August (Emanzipationstag) – Gestern Abend habe ich noch drei Steinpilz – Standorte kontrolliert. Der erwartete Schub ist pünktlich eingetroffen. Allerdings  zunächst noch nicht an allen Standorten. Beim ersten halt an einem Jungfichtenbestand keine Spur eines Fichtensteinpilzes, aber wir hatten ja am Sonnabend zur Wanderung Einzelstücke. Dann fuhr ich zu zwei meiner besten Eichenstandorte für Sommersteinpilze. Diese waren recht ordentlich besetzt, aber es war vor mir schon jemand durch. Dennoch konnte ich noch gut fündig werden und einen Trockner voll ernten.

Gestern Abend zeigte mir Irena die Frischpilze, die sie am Standort der beiden Personen, die sich in Schwerin vergiftet hatten, einsammelte. Es waren offensichtlich Pantherpilze, die zu der Vergiftung geführt haben. Grüne Knollenblätterpilze können dennoch nicht ausgeschloßen werden. Ich hatte es bei der Beschreibung der Vergiftungssymtome schon vermutet, da starke Benommenheit und komaartige Rauschzustände bei den Patienten beobachtet wurden. Aber die lange Latenzzeit von 12 Stunden ist bei einer Pantherpilz – Vergiftungen einfach zu lange. Sie beträgt 2 – 4 Stunden! Hoffen wir, den Erkrankten geht es inzwischen wieder besser.

Und nun noch schlechte Nachricht für alle Fans unserer beliebten Nachtwanderung. Die Forstbehörde Gädebehn hat uns unter Androhung einer Gedbuße von bis zu 7.500.00 € untersagt, diese Veranstaltung durchzuführen. Hier die Begründung: „Die mit einer organisierten, nächtlichen Pilzsuche einhergehenden Störungen der Lebensgemeinschaft Wald und der Waldbewirtschaftung sind so erheblich, dass ihre Interessen als Antragsteller demgegenüber zurückstehen. Organisierte Veranstaltungen gehen über den Rahmen der Erholungsfunktion des Waldes hinaus. Insofern wird die organisierte nächtliche Pilzsuche im Bülower Wald nicht genehmigt“.

Es ist das erste mal, dass uns eine Forstebehörde mit einer derart luftigen und kaum nachvollziehbaren Begründung die Nachtwanderung untersagt. Hier stehen meiner Ansicht nach die Interessen einer betuchten Jägerschaft im Vordergrund, die sich in diesem Waldgebiet schon ware Paläste für ihre Jagdfeierlichkeiten errichtet haben. Sind das keine organisierten Veranstaltungen? Aber was soll`s, die lassen ja auch reichlich klingende Münze dort und haben daher wohl ihre Privilegien und das Waldgesetz kann irgendwie immer entsprechend und im Zweifel gegen uns ausgelegt werden. Pilzsucher scheinen ohnehin nicht sehr beliebt zu sein. Ich habe inzwischen gegen diesen Bescheid per E- Mail protestiert und hoffe auch, diesbezüglich den Sachverkalt eventuell in einer größeren, medialen  Öffentlichkeit zu diskutieren. Schließlich wurden in den Vorjahren seitens der Forstbehörden keine Bedenken geäußert und uns sogar eine schöne Wanderung  gewünscht.

Als ich kürzlich im Gebiet der angedachten Nachtwanderung war, um eine Route zu Erkunden, die wir laufen können, traute ich meinen Augen kaum. Mitten im Wald ein neu errichteter Pavillon, nein, eher schon ein Palast. Hier finden gut und gerne 50 Leute Platz und in der Mitte eine Feuerstelle mit Rauchabzugsloch genau darüber. Der Pavillon ist sicher nicht für die Tiere des Waldes errichtet, sondern vermutlich für Gelage der Jägerschaft. Wir wollten eine viel kleinere Hütte als Imbiss nutzen, uns wurde gleich alles untersagt!

Dienstag, 08. August (Weltkatzentag) – Gestern Abend habe ich noch eine kleine Info – Tour unternommen. Zunächst ging es nach Perniek. Hier bin ich in diesem Jahr noch nicht gewesen. Ich war nur 10 Minuten dort und das reichte, um mir zumindest einen groben Überblick zu verschaffen. Pilzfreunde mit Ambitionen auf Körnchen – Röhrlinge, Birkenpilze oder Rotkappen brauchen hier nicht hinfahren. Einfach nichts los. Einzig die seltenen Gestielten Schütterzähne wuchsen in derartigen Massen, wie ich es hier noch nie gesehen habe. Immerhin eine Rote Liste Art! Danach ging es kurz in den Buchenwald des Schlemminer Staatsforstes, an eine wirklich produktive Stelle des echten Steinpilzes. Nach 10 Minuten brach ich auch hier ab. Bis auf einen jungen Grauen Wulstling ebenfalls tote Hose! Es war noch ein wenig Zeit vor dem dunkel werden und ich fuhr wieder zu einer wärmebegünstigten Eichenkannte, diesesmal im Sültener Forst. Hier gab es dann auch einige richtig frische Sommersteinpilze. Es lohnt momentan also vor allem sonnige Eichenkannten auf leichten Sandböden nachzuschauen. Hier kann man von einem leichten Schub sprechen. Ansonsten schiebt es eigentlich nur bei Netztstieligen Hexen – Röhrlingen unter Linden und Birken in Parkanlagen, zumindest was Röhrlinge betrifft. Allerdings hatte ich heute eine Pilzberatung und eine junge Dame hatte zwischen den vielen Zitronen – Täublingen und einigen Gallen – Röhrlingen auch einzelne, sehr schöne, junge und feste Maronen dabei. Früher hätten wir Steinmaronen gesagt! Auch bei einer heutigen Visite des Schweriner Schloßparkes war es nicht all zu doll. Viele Pilze waren bei dem warmen Wetter und dem Wind der letzten Tage bereits vertrocknet. Es waren aber noch sehr schön frische Rosa – Korallenpilze vorhanden, aber der Rasenmäher saß uns schon im nacken!

Uns, dass war außer meiner Wenigkeit noch Irena. Sie mußte kurz zum Bildungsministerium um nach einem viertel Jahrhundert Deutscher Einheit vieleicht endlich ihre Anerkennung als stattlich anerkannte Erzieherin zu bekommen und ich nutzte die Gelegenheit, dem Ministerium für Forstwirtschaft einen Besuch abzustatten und ihnen mein Anliegen bezüglich der Untersagung unserer Nachtwanderung darzulegen. Tatsächlich ist es so, das wir keine organisierten Veranstaltungen in den Wäldern und Forsten durchführen dürfen. Unorganisiert ist dieses aber möglich, beispielsweise als zufälliger Treff im Wald! – Ja steh ich denn im Wald? Seit vielen Jahrzehnten führen wir also illegal organisierte Pilzwanderungen durch und niemand hat sich daran bisher gestört!!! Ich warte nun auf meine Busgeldbescheide. Da ich aber kein Millionär bin, könnte es sein, dass ich den Rest meines Lebens hinter Schwedischen Gardinen verbringen muss! Aber Spaß bei Seite. Der deutsche Amtsschimmel baut Probleme auf, die eigentlich keine sind. Ja hat in Deutschland tatsächlich schon der Schild- und Spießbürgerstaat die totale Hoheit?

Soweit einige Gedanken, die mir beim Schreiben dieser Zeilen durch den Kopf gehen. Tatsächlich ist es so, dass bei einer organisierten Veranstaltung die Gemeinnützigkeit beigebracht werden muss. Einen Flyer hatte ich meinem Antrag bei der Forstbehörde beigefügt. Ich weiß nicht so recht, ob es einfach untergegangen ist oder absichtlich ignoriert wurde. Gemeinnützige Gesellschaft Wismar e.V. sagt doch alles! Aber auch unabhängig einer gemeinnützigen Trägerschaft habe ich seit vielen Jahren Pilzlehrwanderungen angeboten. Sie dienen dem Vermitteln von Pilzwissen, der Verhütung von Pilzvergiftungen, dem Verständiniss im Umgang mit der Natur oder einfach nur der Allgemeinbildung. Es nützt also der Allgemeinheit, unabhängig davon, ob ich in einem Gemeinnützigen Verein organisiert bin oder nicht. Und will man eine öffentliche Pilzwanderung anbieten, bedarf es nun mal einer gewissen Organisation!

Ich wurde vom Ministerium gebeten den meinerseits gestellten Antrag, das Antwortschreiben der Behörde und die Satzung unseres Vereins vorzulegen, um eine Abwägung des Vorgangs zu ermöglichen. Ich erwarte in diesem Zusammenhang eine klare Lösung zu allen unseren zukünftigen Veranstaltungen im Wald, um derartiges, nervenaufreibendes Schmierentheater zu vermeiden!

Unterdessen wurde Irena heute Abend wieder zu einem neuen Vergiftungsfall in die Klink nach Schwerin gerufen. Der Patient hatte möglicherweise rohe Netzstielige Hexen – Röhrlinge, die bekanntlich roh giftig sind, gegessen und offensichtlich auch muskarinhaltige Rißpilze! Er wurde vorsorglich eingeliefert und konnte sich aus gesundheitlichen Gründen, die nichts mit einer möglichen Pilzvergiftung zu tun haben, nicht erinnern, um welche Uhrzeit er eventuell Pilze zu sich nahm. Irena schickte mir ein Foto, auf dem offensichtlich ein zerzauster und überalterter Rißpilz zu sehen war. Auch hier muss ich wieder sagen, ist das nicht auch gemeinnützig? Man hilft wo man kann und wird dazu noch bei Tag und Nacht angefordert, wenn Hilfe benötigt wird? Was soll man noch alles tun, um der Gesellschaft zu dienen und wird dann allenfalls mit einem Minimum an Aufwandsentschädigung bedacht. Ich bekomme garnichts, darf mich dafür als Dank noch mit dem Job – Center herum ärgern, als hoffnungsloser Langzeitarbeitsloser! 

Die Rosa – Koralle (Ramaria subbotrytis) heute im Schweriner Schloßgarten am Standort fotografiert. Ich hoffe, der Rasenmäher hat sie nicht zu fassen bekommen. Schön, dass es euch gibt, und ihr bringt mir wieder Schönheit in trübe Gedanken! Aber viele Zeitgenossen würden auch euch gerne an den Kragen, insbesondere wenn ihr als unerwünschte Gäste im schönen, sterlilen englischen Rasen auftaucht. War gestern gerade wieder Thema in der Beratung – die Vernichtung von Pilzen im Vorgarten!

Mittwoch, 09. August (Tag des Milchreis) – Heute habe ich die Satzung der Gemeinnützigen Gesellschaft Wismar e. V. und weitere Unterlagen an das Landwirtschaftsministerium, welches auch für die Forstwirtschaft zuständig ist, zwecks Klärung unserer Nachtwanderung geschickt. Ich hoffe, es kann bis zum 25. noch eine Lösung gefunden werden. Sehr wahrscheinlich werde ich wohl kurzfristig ein anderes Gebiet aussuchen müssen. Warten wir´s ab.

Am Abend fuhr ich noch zu drei Eichenstandorten im Naturpark Sternberger Seenland zwecks Sommersteinpilze. Letztmalig war ich Sonntag – Abend dort. Heute habe ich wohl den Scheitel des aktuellen Wachstumsschubes abgefast. Es hat sich mehr als gelohnt! Es handelt sich allerdings traditionell um äußerst produktive Standorte. Ich bekam ziemlich schnell wieder Kapazitätsprobleme, denn ich bin ja mit einem Leichtkraftroller und nicht mit dem Auto unterwegs. Aber ich konnte alles gut in Wismar anlanden und bestückte sogleich drei Dörrgeräte mit jeweils drei bis fünf Sieben mit einem Teil der reichen Ausbeute. Der Rest ging in den Kühlschrank und wird morgen getrocknet.

Fest und knackig schoben die Sommersteinpilze (Boletus reticulatus) heute aus dem Waldboden. Inbesondere an schattigeren Plätzen. Stellenweise mußte man wirklich aufpassen, wo man hintritt, denn sie standen teils dicht an dicht! Nur ein einzelner Echter Steinpilz hatte sich unter ihnen verirrt. Am ergiebigsten war es  an einer Eichenkannte, die zum einen eine trockene Sonnenseite besitzt, heute auf der schattigen, ja fast schon dunklen Innenseite mit dicker Laubschicht und vielen trockenen Ästen. Eigentlich richtig unansehnlich und unattraktiv und deshalb von der Konkurenz meist garnicht beachtet. Dort stehen oft besonders viele und die Qualität ist auch meist besser. Standortfoto am Abend des 09.08.2017.

In der zweiten Wochenhälfte werden Irena, Jonas und meine Wenigkeit zu einem Kurzurlaub in den Harz fahren. Das Wetter ist zunächst zwar nicht optimal für eine Urlaubsreise angesagt, aber was soll`s, da müssen wir durch. Denn genau dort stehen bis Freitag starke, ergiebige Regenfälle in`s Haus. Mit ein wenig Glück kann auch etwas davon bis zu uns nach Mecklenburg vordringen, denn die Oberböden sind schon wieder recht abgetrocknet. Der Harz hatte schon bei Regentief Alfred besonders viel abbekommen. Mal schauen, wie es dort an der Pilzfront aussieht.

Es wird die nächsten Tage also keinen aktuellen Tagebuch – Eintrag geben und ich bitte um Verständniss. Sobald ich wieder in Wismar bin, geht es weiter! Das dürfte zu Beginn der neuen Woche sein.

Die Ausbeute von heute Abend! Der aktuelle Schub hat offensichtlich seinen Höhepunkt erreicht. Es lohnt sich insbesondere Sommersteinpilz – Standorte zu kontollieren!

Donnerstag, 10. August (Laurentiustag) – Bis zum Nachmittag hatte ich noch zu tun, die gestrige Steinpilz – Ernte zu verarbeiten. Da ich die Trockner erst gegen Mitternacht mit dem ersten Schwung bestückte, dauerte es natürlich bis zum frühen Nachmittag, bis dieser Schub weggetrocknet war, da ich verschiedene Dörrgeräte mit unterschiedlicher Leistung habe. Sogleich bestückte ich nochmals meinen besten Trockner mit dem Rest und bat unser Vereinsmitglied Thomas Harm, der für den Notfall einen Schlüssel für den „Steinpilz“ besitzt, ob er sich nicht am nächsten Tag um die gedörrten Pilze und auch den Trockner, den ich mit einer Zeitschaltuhr versehen habe, kümmern könnte. Zum Glück war er nicht im Urlaub und und half aus. Ich bedanke mich auch auf diesem Wege nochmals ganz herzlich für die Hilfsbereitschaft!

Wir fuhren erst gegen 15.30 Uhr von Keez aus los in Richtung Harz. Ich hatte uns in einer Jugendherberge am Südostrand des Harzes eingescheckt und wir waren nach einem kleinen Zwischenstopp in der Region Salzwedel, am Waldrand gab es hier unter Eichen Mengen von Netzstieligen Hexen – Röhrlingen und auch einige Sommersteinpilze, gegen 21.40 Uhr am Ziel. Genau zu diesem Zeitpunkt fing es an zu gewittern und es regnete sich für die Nacht ein.

Unser Quartier – die Jugendherberge Falkenstein, ganz in der Nähe der gleichnamigen Burganlage.

Freitag, 11. August (Spiel – im – Sand – Tag) – Im Sand haben wir heute nicht gespielt, er war durch den Dauerregen der Nacht doch etwas zu matschig. Auch am Tage regnete es meist leicht vor sich hin, war aber durchaus im Rahmen des erträglichen. Eine Führung im Bergwerksstollen und ein Besuch des Hexentanzplatzes oberhalb Thales stand heute auf dem Programm. Zwischendurch ging es an zwei unterschiedlichen Stellen natürlich auch in den Wald. Zunächst an einen Steilhang mit Fichten bestanden. Das Frischpilzaufkommen war hier durch den vielen Regen der letzten Zeit sehr gut. Mich interessierten aber Arten, die bei uns selten b.z.w. garnicht zu finden sind. Gleich beim ersten Stopp wurden wir diesbezüglich fündig. Der Porphyrröhrling ist bei uns eine absolute Rarität! An einem alten Fichtenstamm ein Büschel des Olivgelben Holzritterlings, ihn finden wir bei uns grundsätzlich nicht. Erst- und letztmalig hatte ich die Art in Norwegen vor wenigen Jahren gesehen. Ansonsten viele Täublinge, Graue Wulstlinge, Maronen und auch einzelne Fichtensteinpilze, umgeben von zahlreichen Gallen – Röhrlingen.

Beim zweiten Stopp ein saurer, moosreicher Fichtenstandort unterschiedlicher Altersstruktur. Teilweise mit offenen Lichtungen, Blaubeeren, mit einigen Birken und Jungeichen. Ein richtiger Märchenwald! Hier fand ich auf den ersten Schritten auch gleich eine meiner Wunscharten, die ich im Harz finden wollte, den Wieseltäubling. Noch nie in natura gesehen, aber doch gleich erkannt. Einer der besten Speisepilze, der mit Steinpilzen gleich gesetzt werden kann. Der feste, harte, große Täubling besitzt ein wunderbar nussiges Aroma und ist auch sonst ein sehr schöner Pilz. Die zweite Wunschart war der Königs – Fliegenpilz. Irena wußte es und ich habe ihn ihr beschrieben. Nach kurzer Zeit ein großer Jubel ihrerseits „Ich habe ihn gefunden, komm schnell her“. Tatsächlich hatte sie eine wunderschöne Amanita – Art aufgespürt, es war aber „nur“ der Orange Scheidenstreifling! Eine sehr schöne und ansehnliche Art, die bei uns ziemlich selten ist, aber hier anscheinend durchaus häufiger vertreten zu sein scheint, denn der Pilz sollte uns noch öfter begegnen. Auf dem Hexentanzplatz, auf den wir am Abend mit der Seilbahn von Thale aus hinauf schwebten, gab es ebenfalls reichlich Pilze, vor allem Täublinge, aber auch Fichten- und Sommersteinpilze.

Die ersten Wiesel – Täublinge (Russula mustelina) meines Lebens! Ein ehrfürchtiger Moment! Fest und kompakt schoben sie aus dem Moos über Silikatgestein. Andere deutsche Namen lauten Elefanten- oder Marder – Täubling. Erst ab eine Höhe von 500 m kann er gefunden werden, unterliegd aber einer Rückgangstendenz, so das er offensichtlich wohl schon in einigen Roten Listen zu finden ist. Er wird kaum von Maden befallen. Der warmbraune Hut trocknet sehr schnell ab und wirkt dann stumpf, fast wie zum reinbeißen. Hervorragender Speisepilz!

Sonnabend, 12. August (Tag des Elefanten) – Ja, dann ist es auch kein Wunder, wenn der Elefanten – Täubling nicht weit ist!

Heute war die Besteigung der höchsten Erhebung Norddeutschlands das Tagesziel. Der Brocken, im Nationalpark Oberharz, stand auf dem Programm. Wir fuhren zum bekannten Wintersportort Schierke, von wo aus ein über weite Strecken naturbelassener Wanderweg, der Teufelsstieg, hinauf zum Blocksberg führt. Es geht über felsige Geröllhalden hinauf bis fast zum Gipfel. Es gibt aber auch eine längere, asphaltierte Route, die für Fahrzeuge der dortigen Wetterstation und des Brockenwirtes, einer Gaststätte, in der man sich nach anstregendem Aufstieg stärken kann, eingerichtet wurde. Eine weitere Möglichkeit ist die nostalgische Brockenbahn. Von Schierke (gut 600 m über dem Meeresspiegel) aus sind etwa 500 Höhenmeter bis zum Gipfel zu überwinden. Dieser liegt auf einer Höhe von 1141 m und es herrscht hier ein sehr rauhes Klima, vergleichbar der Alpen in etwa 2000 m Höhe! Der höchste Punkt liegt oberhalb der Baumgrenze und so wurden Fichten und Birken während des Ausfstiegs immer kleiner. Anfangs gab es reichlich Frischpilze und rund um den Gipfel, bis auf vereinzelte Fichten – Reizker, kaum noch. Das Wetter war zunächst trocken, aber bewölkt. In Gipfelnähe gerieten wir in die tief hängende Wolkendecke und es setzte Nieselregen ein. Auch der Wind frischte unangenehm auf. Es herrschte echtes November – Feeling mitten im Sommer, bei unter 10 Grad Lufttemperatur. Ein Vorgeschmack auf den bevorstehenden Spätherbst. Die Sichtweite betrug im Nebel kaum 50 Meter, so dass ein Blick in`s Land nicht möglich war, schade! Ansonsten eine grandiose, einmalige Natur, die alle Strapazen des Aufstieges entschädigt. Besonders Anfangs gab es reichlich Frischpilze in den moosreichen Fichtenwäldern, dass sogar Sohn Jonas außer Rand und Band geriet. Er brachte mir immer schönere Exemplare zum fotografieren, so dass ich mich selber kaum umschauen konnte. Das er bei dieser Gelegenheit dann tatsächlich den ersten Königs – Fliegenpilz fand und er ihn sogar selber erkannte, wird er wohl als eindrücklichstes Erlebniss nicht so schnell vergessen.

Ein junger Königs – Fliegenpilz (Amanita regalis), eine Millenium – Art, denn er war der Pilz des Jahres 2000! Da die Fichte bei uns im Flachland ursprünglich nicht vorhanden war und eingebürgert wurde, folgten ihr einige Mykorrhiza – Partner nicht nach und blieben ihrem ursprünglichen Revier treu. Anders der Rote Fliegenpilz, er konnte besonders im Jungfichtenforst Massenbestände bei uns ausbilden und ist zudem nicht auf die Fichte als Partnerbaum beschränkt. Giftig!

Sonntag, 13. August (Linkshändertag) – Die Abreise aus dem Harz stand heute auf dem Programm. Bevor es aber in Richtung Heimat ging, schnell noch einen Abstecher in den Wald in der Nähe von Falkenstein. Herkömmlicher Fichtenforst und teils Buchenwald wie bei uns. Massenhaft Pilze, aber auch Sammler! Gesammelt wurden Maronen und Steinpilze, wie bei uns auch. Davon gab es zwar welche, man mußte aber Suchen und Zeit mitbringen. Auffällig zu unseren Fichtenforsten war das Massenwachstum von Grauen Wulstlingen. Perlpilze waren in der Minderheit. Bei uns ist es meist umgekehrt. Auch der Braune Ledertäubling, ein guter Speisepilz, ist im Harz offensichtlich weit verbreitet und sehr häufig. Ein ausführlicher Bericht folgt in den nächsten Tagen. In der Heimat angelangt besuchte ich am Abend nochmals meine Sommersteinpilz – Standorte zwecks Nachlese. Sie erbrachte nochmals einen Korb b.z.w. drei Trockner voll. Allerdings meist schon reifere Exemplare und es kommt kaum junges nach. Der Schub ist durch, zumindest an diesen Standorten!

Auch wunderbar frische Frauen – Täublinge (Russula cyanoxantha) waren im Wald bei Falkenstein unter Eichen und Buchen zu finden. Der vorzügliche Speisepilz wird auch hier von vielen Pilzsuchern kaum beachtet. Wir nahmen sie natürlich mit und es wird sie zum Imbiss während unserer Nachtwanderung geben, so sie denn stattfinden kann.

Montag, 14. Juni (Rosenmontag in Grenada) – Eigentlich habe ich mir noch bis nächsten Montag Urlaub b.z.w. eine Ausszeit genehmigt. Diese bestand heute darin, Formalitäten im Laden zu erledigen. Post zu beantworten, Material für einen Zeitungsartikel für die Schweriner Volkszzeitung zum Thema Nachtwanderung heraus zu suchen und dort zuzumailen. Die Pilzberatung wurde in Anspruch genommen. Bilder vom Kurzurlaub auszuwerten und das Tagebuch zu aktualisieren. Auch Einkaufen stand heute Vormittag auf dem Programm. Seit 10.30 Uhr bin ich im Laden und nun ist es schon Mitternacht durch. Morgen muss ich unbedingt in das Zielgebiet unserer öffentlichen Pilzwanderung am kommenden Sonnabend. Es ist noch einen Zweittreffpukt zu suchen und auch einen Ort, wo wir mit den Fahrzeugen parken können. Dann steht noch der Bericht von unserer kleinen Harz – Reise an und Mittwoch vieleicht eine Mittwochsexkursion. Ich habe wohl bis zum kommenden Wochenende alle Hände voll zu tun, dass ist dann mein Urlaub! Ich kann es mir eigentlich nicht leisten, eine Auszeit zu genehmigen, sonnst komme ich mit meinem Arbeitspensum einfach nicht hinterher. 

Zum Wetter: es hat ja am Wochenende auch bei uns geregnet. Das tat den bereits abgetrockneten Oberböden gut. In Keez fand ich 12 Liter im Meßbecher vor. Diese Woche soll weiterer Regen folgen, bei relativ hohen Temperaturen und zeitweilger Schwüle. Breits für morgen bestehen wieder Vorwarnungen vor kräftigen Gewittern. Siehe unter Unwetterzentrale. Weitere Schauer und Gewitter sollen bis zum Wochenende folgen. Danach deuten die Wettermodelle zaghaft die erste längere und warme Trockenperiode des Sommers an. Das würde genau mit der Siebenschläfer Regel, die Mitte August ausläuft, überein stimmen.

Hier ein sehr schöner Fund, ein sehr schönes Foto und ein sehr schöner Pilz. Die Lachsrosa Keule (Clavaria rosea). Das Foto sandte mir Christian Ehmke zu. Er fand diese in ganz Deutschland sehr seltene und in unserem Bundesland bisher kaum nachgewiesene Art auf dem Wismarer Friedhof. Toller Fund, den Christian hier wieder machen konnte!

Dienstag, 15. August (Maria Himmelfahrt) – Heute bin ich nach Friedrichsruhe zwischen Crivitz und Parchim gefahren. Hier findet am kommenden Sonnabend unsere nächste Pilzwanderung statt. Es galt zu klären, wo der Zweittreffpunkt sein wird. Dazu siehe unter „Termine“! Ich bin auch ein Stück des Waldweges entlang gegangen, denn ich brauchte ein Foto von Frischpilzen für unser Tagebuch. Es sah sehr trostlos aus. Die einizigen Frischpilze waren Kartoffel – Boviste, sonst sah ich nichts weiter, obwohl der Buchenwald einen recht ordentlichen Eindruck machte. Viel werden wir wohl am Sonnabend nicht erwarten können, so dass die Mykophagen wohl nicht so recht auf ihre Kosten kommen dürften. Wer etwas lernen möchte, dürfte trotzdem fündig werden und viele Augenpaare sehen mehr als eines. Der Wald war übrigens richtig nass!

Zum Wetter: Heute hatten wir mal wieder einen echten Sommertag, wie er in diesem Jahr bisher in unseren Breiten Seltenheitswert besaß. Am Abend und bis in die Nacht hinein zogen dann die erwarteten Schauer und Gewitter auf. Sie brachten verbreitet zwischen 5 und 10 l/qm, örtlich auch etwas mehr oder weniger. Zumindest die Oberböden sind dadurch wieder gut angefeuchtet.

Dünnschalige Kartoffel – Hartboviste (Scleroderma verrucosum) waren die einzigen Frischpilze die ich heute entlang des Waldweges bei Friedrichsruh fand. Nicht nur die dünnere Schale, auch das weinrötlich anlaufende Fleisch am Außenbereich und im Schnitt unterscheiden ihn vom sehr ähnlichen Dickschaligen – Kartoffel – Hartbovist. Kartoffelboviste sind schwach giftig und können Magen – Darmstörungen verursachen.

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