18. November 2018 – Vereins- und Kartierungsexkursion

Vereinexkursion der Pilzfreunde

Gemeinnützige Gesellschaft Wismar e.V. – Gruppe der Pilzfreunde

Es ging durch das Heidenholz bei Selmsdorf

Das Heidenholz am morgen des Volkstrauertages 2018.

Das Pilzjahr neigt sich dem Ende zu und wir sind heute zu unserer letzten Vereins- und Kartierungsexkursion in diesem Jahr aufgebrochen. Ich habe ein kleineres Waldgebiet ganz im Nordwesten unseres Bundeslandes ausgesucht. Ein meist von Laubbäumen bestandenes Waldstück bei Selmsdorf. Wir haben heute ein wenig kartiert, also eine kleine Inventur der Natur in Bezug auf Großpilzarten durchgeführt. 10 Pilzfreunde und Gäste + 2 Kinder durchstreiften das Gebiet. Der Großraum Nordwestmecklenburg ist das im Hinblick auf Großpilze mykologisch am besten untersuchte Gebiet in M-V und sicher auch in Deutschland. Fast drei Jahrzehnte waren besonders Benno Westphal, Jürgen Schwik und Reinhold Krakow unermüdlich auf Achse, um unsere Heimatregion pilzfloristisch zu erforschen. Aber so eine Aufgabe endet praktisch nie. Wir können nur hoffen, dass nachfolgende Generationen mit unserem Datenschatz (Siehe unter „Pilzkartierung M- V“) etwas anzufangen wissen und an unsere Aktivitäten anknüpfen können. Richtig interessant werden die Funddaten erst mit zeitlichem Abstand und können dann über Veränderungen in unserer Natur Aufschluß geben. In diesem Sinne konnten wir auch heute wieder einige neue Fundpunkte auf unseren Verbreitungskarten setzen. Natürlich waren auch ganz normale Pilzsucher angesprochen, sich uns anzuschließen. So eine Exkursion ist immer eine Mischung aus wissenschaftlicher und volkstümlicher Pilzkunde.

Unser Ausgangs- und Endpunkt an der Wanderhütte in Hof Selmsdorf. Hier begrüßten uns auch gleich die ersten Pilze. Aber nicht auf dem Erdboden, sondern auf dem bemoosten Dach der Hütte.

Es handelt sich sehr wahrscheinlich um die Gattung Crepidotus (Stummelfüßchen).

Hier nochmal eine Nahaufnahme. Für das Gallertfleischige Stummelfüßchen ist mir der Stiel zu sehr ausgebildet und ein Gelantine – Huthauttest war am Standort nicht möglich, da die Pilze hart gefroren waren.

Bei diesem schwarz- und hochbeinigen Bodenbewohner war natürlich alles klar, der Langstielige Knoblauch – Schwindling (Marasmius alliaceus). Er war einer der häufigsten Blätterpilze heute.

Stockschwämmchen gab es heute keine, dafür aber sehr schöne Fruchtkörper seines tödlich wirkenden Doppelgängers, des Gift – Häublings (Galerina marginata).

Das Weißstielige Stockschwämmchen (Psathyrella hydrophila) war hingegen des öfteren Vertreten.

An totem Buchenholz findet sich zu dieser Jahreszeit häufig dieser unverwechselbare Pilz, der Gallertfleischige Fältling (Merulius tremellosus).

Wesentlich seltener können wir im Sommer und Herbst diesem imposanten Gebilde aus der Pilzwelt begegnen, dem Ästigen Stachelbart (Hericium clathroides). Er siedelt sich an bereits stark vermorschtem Buchenholz an und ist praktisch ebenfalls unverwechselbar. Sehr ähnlich ist höchstens der Tannen – Stachelbart, der bei uns in Mecklenburg aber kaum vorkommen dürfte.

Aus der Ferne können unkundige ihn allerdings auch für eine Krause Glucke halten. Die wächst aber niemals auf Buchenholz und bestitzt auch keine mit unzähligen Stacheln besetzten Äste.

Die letzten Hallimasch brechen langsam zusammen. Sie haben in diesem Herbst großes geleistet. Selten gab es so lange, so viele von ihnen.

Insbesondere Stubben und totes, liegendes Starkholz sind zu dieser Jahreszeit oft lohnende Ziele, die es auf- und abzusuchen gilt.

Hier ist es das Buchen – Eckenscheibchen (Diatrype disciformis), ein Pyrenomycet und entfernt mit Morcheln und Lorcheln verwandt.

Nah mit dem Falschen Pfifferling verwandt ist der in Buchenwäldern viel seltener vorkommende Braunsamtige Afterleistling (Hygrophoropsis fuscosquamula). Seine Hutoberfläche ist oft deutlich braunsamtig.

An Laubholz – Ästen tritt nun immer häufiger der Winter – Steilporling (Polyporus brumalis) in Erscheinung. Rechts unten bildet sich ein neuer Fruchtkörper heraus. Es beginnt immer in Form eines keilförmigen Zapfens, der sich schließlich zum vollständigen Fruchtkörper entwickelt.

Sehr farbenfroh ziegten sich heute diese Birken – Blättlinge (Lenzites betulinus) und dazu noch von Reif angezuckert.

Obwohl zu den Porlingen gehörend, finden wir bei ihm auf der Unterseite lamellenartige Strukturen. Auch wächst er keineswegs nur an Birkenholz, sondern bei uns sogar häufiger an Buche.

Hier treffen wir noch etwas häufiger die Striegelige Tramete (Trametes hirsuta) an. Auf dem ersten Blick können sich beide ähneln, aber die Fruchtschicht ist deutlich rundporig.

Die Buckel – Tramete (Trametes gibbosa) treffen wir meist auf Buchenstubben an. Hier wuchs sie ausnahmsweise auf einem relativ dünnen Buchenast. Auch sie besitzt ein eher lamelliges Fruchtlager.

Der Hit unserer heutigen Exkursion könnte dieser Champignon werden, falls ich ihn zuordnen kann. Das es ein ganz besonderer ist, war uns schon im Wald klar. Obwohl sein Habitus einen Anis – Champignon vermuten lassen würde, gehört er keinesfalls in diese Gruppe. Er steht eher dem Frühlings – Champignons b.z.w. Sommer – Champignon (A. altipes) nahe. Aber dieser dürfte nicht nur wegen der fortgeschrittenen Jahreszeit ausscheiden. Nach E. Ludwig kommt am ehesten der Schwachverfärbende Champignon (Agaricus perturbans) in Betracht. Eine extrem seltene und in Deutschland als verschollen geltende Art. Hier würde auch die Jahreszeit und das Habitat stimmen. Ich werde den jungen Pilz beobachten und gegebenenfalls ein Exikat anfertigen.

Sehr häufig treffen wir in Moospolstern den Heftel – Nabeling (Rickenella fibula) an. Ein kleines, aber hübsches Pilzchen, dass leider gerne übersehen wird.

Zwar auch recht klein, aber deutlich größer als der Heftel – Nabeling ist der Blaue Träuschling. Er fällt insbesondere durch seine ungewöhnliche Färbung in `s Auge. Zusammen mit dem ähnlichen Grünspan – Träuschling kann er ein Mischgericht bereichern. Huthaut aber abziehen!

Ein Kaffeebrauner Scheintrichterling (Pseudoclitocybe cyathiformis) schiebt sich durch das frisch gefallene Buchenlaub.

Hier erscheint er eher milchkaffeefarben. Der hochbeinige Herbstpilz ist durchaus essbar und darf vom Kenner zu Speisezwecken eingesammelt werden.

Weitere Bilder folgen in Kürze.

Für Nichtvereinsmitglieder wird eine Teilnahmegebühr von 5.00 € erhoben.