24. November 2018 – Öffentliche Pilzlehrwanderung

Öffentliche Pilzlehrwanderung

Sie führte durch den Großherzoglichen Forst Moidentin

Der Samtfuß – Winterpilz (Flammulina velutipes) zählt zu unseren delikatesten Speisepilzen. Er bevorzugt eindeutig die kalte Jahreszeit. Besonders wenn es schon Frost gegeben hat, wird er zum Wachstum animiert. Wir finden ihn dann von Mitte November bis zum Frühling. Am ergiebigsten ist er oft um den Jahreswechsel herum an verschiedenen Laubhölzern. Gegessen werden nur die Hüte. Auch heute war er mit dabei!

Mit der heutigen Pilzwanderung beendeten wir die aktive Pilzsaison 2018. Das gilt natürlich nur für unserere offiziellen Lehrwanderungen. Wie wir oben erfahren haben, macht es durchaus Sinn in den nächsten Wochen und Monaten in milden Wetterphasen nach Speisepilzen Ausschau zu halten. Samtfuß – Winterrüblinge finden wir besonders an Weiden oder Eschen, aber auch an einigen weiteren Laubhölzern. Vor allem an Buchen- und Pappelholz können die noch ergiebigeren Austern – Seitlinge so manchen Sammlerkorb füllen. An Schwarzem Holunder gibt oft in großen Mengen Judasohren. In der asiatischen Küche unverzichtbar und im Handel unter der Bezeichnung „Mu – Err“ erhältlich. Zudem wird das „Baumohr“ auch in der Naturmedizin als Vitalpilz verwendet. An Nadelholzstubben kann es weiterhin die sehr wohlschmeckenden Graublättrigen Schwefelköpfe geben. Jetzt  können aber noch einige weitere Pilzarten für eine schmackhafte Mahlzeit sorgen, denn einige Spätherbstarten sind durchaus noch bis in den beginnenden Winter hinein vertreten. Durch die immer noch trockenen Verhältnisse hielt sich das Aufgebot an Frischpilzen, wie schon das ganze Jahr meist auch, sehr in Grenzen, aber immerhin konnten wir bis auf Judasohren die wichtigsten Winterpilze finden und vorstellen und auch sonst war noch dies und jenes mit dabei. Hier einige Bilder von der letzten Tour des Jahres:

Ausgehend vom Bahnhof Moidentin ging es den Buchenberg hinauf.

An einem liegenden Birkenstamm wuchs ein Birken – Zungenporling (Piptoporus betulinus). Bekannt auch als Ötzi – Pilz. Die über fünftausend Jahre alte Mummie aus den Ötztaler Alpen führte zwei Fruchtkörper dieser Art mit sich, um sie offensichtlich als Antibiotikum zu verwenden. Der Pilz wurde früher zur Wundheilung benutzt und manche Menschen stellen aus ihm heutzutage einen Tee her und hoffen auf Linderung bei Magenbeschwerden. Ansonsten ist der bittere und gummiartige Pilz komplett ungenießbar.

Schon etwas betagte Exemplare des Sparrigen Schüpplings (Pholiota squarrosa), der gerne mit dem Hallimasch verwechselt wird. Dieses wäre aber ungefährlich, da auch diese Art essbar ist aber weit weniger lecker als der Hallimasch.

Jüngere, noch weiße, und ältere, stark veralgte Konsollen der Buckel – Tramete (Trametes gibbosa) an einem Buchenstubben. Allenfalls zu Dekorationszwecken zu gebrauchen. Allerdings halten sie nicht lange, denn Insekten lassen sie schnell in griesartiges Material zerbröseln.

Sehr schöne Laubholz – Harzporlinge (Ischnoderma resinosum) an einem alten Buchenstubben. Mitunter entströhmt dem ungenießbaren Pilz ein feiner Anis – Duft.

Diese, bereits etwas trockenen Seitlinge, wuchsen aus einer Spalte eines Buchenstammes heraus. Leicht ist man geneigt, daraus Austern – Seitlinge zu machen. Aber im Bild ist ein grüngelblicher Schimmer zu erkennen, der den Gelbstieligen Muschelseitling (Sarcomyxa serotina) verrät. Er ist durch seine Bitterstoffe eher ungenießbar.

Ein von vielen geschätzter und schmackhafter Speisepilz ist hingegen der Violette – Rötel – Ritterling (Lepista nuda). Er kann mitunter individuenreiche Hesenringe bilden und ist in Laub- und Nadelwäldern, aber auch auf Wiesen und Viehweiden zu finden. Gerne auch in der Nadelstreu von Fichtenforsten. Roh ist er giftig und muss gut durchgegart werden.

Sehr ähnlich ist der Schmutzige- oder Fleischbraune Rötel – Ritterling (Lepista sordida). Er ist meist von schmächtigerer Statur und besitzt nicht den süßlich, aromatschen Duft nach Kuchengewürz, den wie beim Violetten Rötel – Ritterling wahrnehmen können. Eine Verwechslung ist nicht weiter tragisch, da auch er essbar ist.

Wir tangierten auch den Waldfriedhof, auf dem kurz nach dem zweiten Weltkrieg vertriebene Flüchtlinge aus den ehemals deutschen Ostgebieten bestattet wurden. 253 Erwachsene und 38 Kinder fanden hier ihre letzte Ruhe. Sie sind an Krankheiten und Entkräftung gestorben, nach dem sie im völlig überfüllten Quarantäne – Lager Losten aufgenommen wurden. Auch zwei ehemalige Pilzfreunde unserer Gruppe durchlebten und überlebten die damaligen Strapazen im Lager Losten.

Weiter führt uns der Weg am Waldfriedhof vorbei in Richtung Lostener See.

Der Geflecktblättrige Flämmling (Gymnopilus penetrans) ist oft ein Massenpilz an Kiefernholz. Der gallebittere Geschmack verbietet eine kulinarische Verwendung.

Ein Symbiosepilz der Kiefer ist der Späte- oder Leberbraune Milchling (Lactarius hepaticus). Sein weißer Milchsaft, der an der Luft nach kurzer Zeit gelb verfärbt und scharf schmeckt, macht auch diesen Pilz ungenießbar.

Hier sollte man sich nicht täuschen lassen. Die Lamellen sehen eher grau als grün aus. Trotzdem ist ein grünlicher Unterton auszumachen und auch der Stiel ist schwefelgelb. Letzte Gewissheit kann eine Kostprobe geben, denn die dürfte sehr bitter ausfallen. Der essbare Graublättrige Schwefelkopf wäre hingegen mild. Giftig!

Den ergiebigsten Pilzstandort stellte dieser schon seit längererm liegende Laubholz – Stapel dar. Verschiedene Pilzarten haben sich inzwischen an`s Werk gemacht, um den „Müll“ zu beseitigen.

Hier sind es beispielsweise leckere Samtfuß – Winterpilze (Flammulina velutipes) und ungenießbare Schmetterlings – Trameten (Trametes versicolor).

Auch die beliebten Austern – Seitlinge (Pleurotus ostreatus) haben sich ihren Anteil gesichert.

Gemeine Trompetenschmitzlinge (Tubaria furfuracea) sind ebenfalls Holzbewohner und bevorzugen die Wintermonate. Sie sind nicht sonderlich ergiebig, aber essbar sollen sie zumindest sein.

Der Holzstapel erweckte also das höchste Interesse aller Teilnehmer.

Eine weitere Art, die an ihm ein gefundenes Fressen fand, war das Gallertfleischige Stummelfüßchen (Crepidotus mollis). Allerdings für Mykophagen ohne Bedeutung, da ungenießbar.

Bei diesen jungen Weißstieligen Stockschwämmchen (Psathyrella hydrohila) ist gut die hygrophane, und daher dunklere Randzone zu erkennen, welche es mit dem echten Stockschwämmchen gemeinsam hat. Essbar.

Hier sehen wir die selbe Art nochmals. Die durchfeuchteten Bereiche der Hüte sind uneinheitlicher und es entsteht eher ein gescheckter Eindruck. Derartiges ist beim herkömmlichen Stockschwämmchen allerdings nicht zu beobachten. Es handelt sich trotz der Namens – Ähnlichkeit auch um einen Vertreter einer ganz anderen Gattung, nähmlich der Mürblinge.

Still ruht der Lostener See.

Und wir wandern nun an seinem Ufer entlang zurück zum Ausgangspunkt.

Aus dem tiefen Buchenlaub schaute ein Großer Blutchampignon (Agaricus langei) heraus. Er gehört zu den echten Wald – Champignons und darf natürlich auch gegessen werden.

Am südexponierten Ufer des Lostener Sees konnten wir auch noch zwei Flockenstielige Hexen – Röhrlinge (Boletus luridiformis) im Fallaub entdecken. Dieses kapitale Exemplar war noch festfleischig und ist schon eine Pilzmahlzeit für sich allein.

Eine Dreier – Gruppe recht stattlicher Fälblinge (Hebeloma spec.) schiebt sich durch das Falllaub. Ausschließen konnten wir den Marzipan – Fälbling und auch den Großen Rettich – Fälbling. Die Pilze rochen eher honigartig.

Denkbar wäre der Bräunende Fälbling (Hebeloma edurum), den ich vor vielen Jahren schon einmal an einem kalkhaltigen Standort im Kaarzer Holz gefunden habe. Er soll nach Kakao riechen. Nun kann es aber sein, das die leichten Fröste auch den Geruch etwas verändert haben und wir ihn eher honigartig wahr genommen haben.

Gut kommen die kräftigen Baumwurzeln dieser Rotbuche im kurzen Moos am Hang zum Lostener See zur Geltung.

Einen bizarren Anblick bietet auch diese knorrige Hainbuche.

Sie ist zudem von Fußpilz befallen.

Ein Büschel Honnigelber Hallimasch (Armillaria mellea) hat es sich an ihrem Fuß gemütlich gemacht.

Sozusagen als Abschiedsgruß noch ein Büschel Glimmer – Tintlinge (Coprinus micaceus) am Bahnhof Moidentin. Mit etwas Glück, kann uns diese Pilzart auch schon wieder zur ersten Pilzwanderung des neuen Jahres, im April begegnen.

Unser Erinnerungsfoto der letzten Wanderung des Jahres 2018 haben wir bereits am Moidentiner Ehrenfriedhof aufgenommen. 24. November 2018.

Wann startet die nächste Pilzwanderung? – Siehe unter Termine!