Exkursionsbericht aus dem Roggendorfer Moor

Im Roggendorfer Moor

Mittwochsexkursion am 13. Juni 2018

Das Roggendorfer Moor im Frühsommer 2018.

Am 13. Juni 2018 unternahm ich im Rahmen meiner Mittwochsexkursionen seit Jahren mal wieder einen Abstecher in das Roggendorfer Moor. Im Jahre 2013 begann hier ein vom Land Mecklenburg – Vorpommern und der EU gefördertes Renaturierungsprogramm. In früheren Zeiten wurde der Wasserspiegel abgesenkt, um besser an die Torfvorkommen zu gelangen und diese auch hinaus befördern zu können. In den 1950 Jahren endete der Torfabbau. Das Gebiet war seit dem wohl sich selbst überlassen. In der Randzone entwickelte sich ein artenreicher Laubmischwald. Gräben entwässerten das Gebiet weiterhin. Dem wurde schließlich ab 2013 ein Riegel vorgeschoben. Das Flüßchen Bek sollte an den Rand verlegt und auch die anderen Entwässerungsgräben geschlossen werden. Auch um zu Verhindern, dass durch die intensive Landwirtschaft von den umliegenden Ackerflächen weiterhin Nährstoffe in das 250 ha umfassende Areal gelangen können. Bis zum Jahr 2018 sollte das Wasser um etwa einen Meter angestiegen sein. Dabei wurde in Kauf genommen, dass der ursprüngliche Wald absterben b.z.w. zusammenbrechen wird. Dieser Prozeß hat mitlerweile eindruchsvoll begonnen, denn das Wasser ist seit meinem letzten Besuch im Jahre 2013 enorm gestiegen. Viele Bäume sind bereits umgestürtzt und auch während meines Besuches ging zum Glück in gebührender Entfernung wieder einer zu Wasser. Dadurch entsteht hier ein einzigartiges Feuchtbiotop mit Unmengen an Totholz, dass vielen Organismen eine Lebensgrundlage bietet, natürlich auch unzähligen Pilzarten. Das Problem dürfte nun aber für uns in der Zugänglichkeit liegen. Ein Schlauchboot wäre wohl angebracht, aber zwischen den Baumstämmen und dem Geäst läßt es sich  nur schwerlich manövrieren.

So hatte ich zunächst Bedenken, ob ich überhaupt zu meinem geliebten Birkenbereich im Inneren des Roggendorfer Moores vordringen könnte. Aber das ist derzeit noch gut möglich, Gummistiefel sind aber anzuraten. Auch war ich angenehm überrascht, das der Birkenbereich mit den ehemaligen Torfststichen nicht überschwämmt war. So können hier auf den sauren und trockenen Heide- und Torfböden weiterhin üppige Heidelbeerbestände gedeihen und besonders im Herbst kann sich der Pilzsammler mit reichlich verschiedenen Rauhfuß – Röhrlingen eindecken. Sogar Steinpilze wachsen am Übergang vom Vernässungsbereich zum Heide/Torfgebiet unter den dort stehenden Eichen. Riesige Wollgrasbestände ziehen den Besucher in ihren Bann. Kraniche brüten hier. Rotbauchunke und Moorfrosch haben hier ihr zuhause. Ringelnattern schlängeln sich durchs Areal. Schwarzwild findet nahezu paradisische Zustände vor. Aber auch gewaltige Schwärme von Mücken. Ohne Mückenschutz ist es hier in den Sommermonaten nicht auszuhalten!

Info – Tafel am Eingang des Moores von Roggendorf aus. Mit 590.000.00 € beteiligte sich das Land Mecklenburg – Vorpommern an der Wiedervernässung des Gebietes.

Der Laubwald steht weitläufig unter Wasser. Viele Bäume vertragen das auf Dauer nicht und werden eingehen.

Zahlreiche Bäume sind bereits umgestürzt und von Pilzen besiedelt. Hier sind es luftgetrocknete Schuppige Porlinge (Polyporus squamosus).

Eine nah Verwandte Art aus der Gattung der Stielporlinge, der Schwarzrote Stielporling (Polyporus badius).

Dieser Wald geht seinem Ende entgegen. Später dürfte sicherlich ein neuer wachsen, der mit der Nässe besser klar kommt – ein Erlenbruchwald.

Die Rosskastanie hat hier nicht nur mit nassen Füßen zu kämpfen, sondern auch mit der Miniermotte.

Über einen liegenden Birkenstamm machten sich ganze herschaaren von Pilzen zu schaffen. Neben zahlreichen Zunderschwämmen, Rotrandigen Baumschwämmen und Schleimpilzen erfreute mich ganz besonders der Seidige Dachpilz (Pluteus petasatus). Immerhin sieht man diese Art auch nicht jeden Tag, will sagen, er ist doch erheblich seltener als sein dunkler Bruder, der Rehbraune Dachpilz.

Hier handelt es sich offensichtlich um die Albino – Form der Gelben Lohblüte (Fuligo septica) mit leichtem Sonnenbrand.

Der Eichen – Mehltau (Microsphaera alphitoides) ist ein Forstschädling. Hier ist schon eine gerade ausgetriebene Jungeiche von ihm infiziert.

Der Zweifarbige Knorpelporling (Gloeoporus dichrous) besiedelt gerne Eichen – Äste oder die von Birken in Mooren. Die Art scheint sich in der letzten Zeit ausgebreitet zu haben. In den 1990er Jahren galt sie uns fast noch als Rarität.

Angelangt im ehemaligen Torfabbaugebiet. Hier hat sich offensichtlich auch einiges verändert. Ich bin der Meinung, vor Jahren stand auf der lichten Fläche noch ein geschlossener Birkenwald mit kniehohen Blaubeersträuchern. Jetzt siedelt hier ein riesiger Bestand an Wollgräsern.

Wollgras gehört zu den Sauergräsern und bildet üppige Bestände aus.

Es wird auch Wilde Baumwolle oder in Österreich Geißbart genannt.

Ein toller Anblick!

Der Echte Zundreschwamm (Fomes fomentarius) ist hier an den vielen alten Moorbirken allgegenwärtig.

Der Birkenwald stockt nach wie vor auf tiefgründigen Torfböden. Hier gibt es besonders im Herbst zahlreiche Wollstiel-, Buntfärbende-, und Moor – Birkenpilze.

Natürlich ist hier auch der Birken – Zungenporling (Piptoporus betulinus) zu hause. Manche Menschen nutzen seine Inhaltsstoffe in pulverisierter Form, verdünnt mit Flüßigkeit, als Vitalpilz.

Nach wie vor, wenn auch nicht mehr in dem maße wie noch vor einigen Jahren, gibt es hier große und üppige Heidelbeerbestände.

Und diese haben auch reichlich Früchte angesetzt, so dass ersteinmal das große Naschen angesagt war. Den Fuchsbandwurm einfach mal ausgeblendet.

Da sie unterschiedlich reifen, wird es wohl noch eine Weile welche geben.

Hoch oben am morschen Birkenstamm thront ein weiterer Seidiger Dachpilz, genau unterhalb eines, bereits das Zeitliche segnenden Zunderschwamms.

Die ehemaligen Torfstiche sind mit Wasser gefüllt.

Das Roggendorfer Moor am 13. Juni 2018.

Soweit einige Impressionen aus einem kleinen Paradies, dass jeden Naturfreund in seinen Bann ziehen dürfte.