Wetter und Pilze im Raum Nordwestmecklenburg

Tagebuch Wetter/Pilze Juli 2018

Riesen – Champigon (Agaricus augustus), gefunden und fotografiert am 30. 06.2018 an meiner Zeigerstelle für Champignongs in Schönlage. In der Regel wachsen hier Weiße Anis – Champignons. Der Riesen – Egerling war für mich an diesem Standort unter Eiche neu.

Sonntag, 01. Juli (Tartan – Tag) – Nach der Aspekt – Einteilung im Handbuch für Pilzfreunde von Michael – Hennig – Kreisel beginnt heute der Pilzsommer (Juli bis Mitte August). Dieser Zeitabschnitt wird charakterisiert durch folgende Pilzarten: Anis – Champignons, Karbol – Champignons, Fuchsige Scheidenstreiflinge, Grüne Knollenblätterpilze, Sommersteinpilze, Flockenstielige und Netzstielige Hexen – Röhrlinge, Echte Pfifferlinge, Kohlen – Trichterlinge, Rotbraune Milchlinge, Riesenporlinge, Kahle Kremplinge, Gemeine Stinkmorcheln, Frauen – Täublinge, Blaublättrige Täublinge, Zinnoberrote Täublinge, Apfel – Täublinge, Körnchen – Röhrlinge, Goldgelbe Lärchen – Röhrlinge und Gallen – Röhrlinge. Natürlich auch viele weitere Pilzarten, wenn die Witterungsbedingungen es erlauben.

Dieses wird aus heutiger Sicht in M-V sehr schwierig werden. Regen ist nicht in Sichtweite und die Modelle schauen bis Mitte des Monats. Natürlich werden  Prognosen, die über 5 Tage hinaus gehen, immer unsicherer. Ich habe heute Mittag und am Nachmittag die möglichen Modelläufe bei Wetter – Online studiert. Der Mittagslauf berechnete für Mitte des Monats großflächig Tiefdruck über Mitteleuropa. Nach starker Aufheizung der Landmassen könnte demnach der Luftdruck fallen und sich ein Hitzetief mit kräftigen Gewittern ausbilden. Der nur wenige Stunden spätere Lauf wollte davon schon nichts mehr wissen. Regen, wenn überhaupt, nur für die Südhälfte Deutschlands.

Ich gehe davon aus, das wir wohl den schlechtesten Juli seit Beginn meiner Tagebuch – Serie im Jahre 2009 bekommen werden.

Der Riesen – Egerling (Agaricus augustus) aus anderer Perspektive. Er gehört in die Gruppe der Anis – Champignons und zeichnet sich durch kräftigen Anis- oder Mandelgeruch aus. 30.06.2018 Schönlage.

Montag, 02. Juli (Welttag der Sportjournalisten) – Die deutschen Sportreporter, die von der Fußball – WM in Russland berichtet haben und dieses sicher so auch noch bis zum Schluß vorhatten, natürlich mit Deutschland wieder auf dem Thron, haben inzwischen mehrheitlich die Koffer gepackt. Auch sonst haben sich viele, die den Reihbach machen wollten, verrechnet. Es ist eben ein sportlicher Wettbewerb, und da darf man durchaus verlieren. Ernüchterung ist garnicht so schlecht. Gefällt mir besser als das übertriebene Gejole und die Hochnäsigkeit, falls es doch geklappt hätte.

Und auch in unserer Sparte herrscht in diesem Jahr bisher alles andere als Euphorie. Euphorisch dürfen dafür die Sonnenanbeter und Urlauber sein. Dauerhoch an der Ostsee = Strandwetter vom feinsten! Und das anscheinend endlos. Jedenfalls ist bis zum 18. Juli im Mitteltrend für Wismar maximal 1 Liter Niederschlag aus heutiger Sicht möglich. Selbst wenn es Mitte des Monats, früher wohl kaum, stärker regnen sollte, vor August wäre nichts großes mehr zu erwarten. Auch die nach den letzten Regenfällen vereinzelt gewachsenen Pilze, werden jetzt wieder abklingen. Auch den dürftigen Vorkommen von Pfifferlingen wird es immer schlechter gehen.

In südlicheren Gefilden hat es zwar mehr geregnet, aber wenn man sich die Meldungen in den einschlägigen Pilz – Tickern anschaut, ist es auch nicht berauschend, was dort gefunden wird. Zudem haben einige Pilzsammler offensichtlich Schwierigkeiten Sommersteinpilze von Fichten – Steinpilzen zu trennen (Pilz – Ticker Schweiz). Nicht alle im Sommer wachsenden Steinpilze, sind Sommersteinpilze. Diese sind von Mai – September (Oktober) unter Eichen und Buchen zu finden. Fichtensteinpilze wachsen vorwiegend unter Fichten, Buchen, Kiefern und Eichen. Und dieses von Juni – November (Dezember). Kiefern – Steinpilze finden wir von Mai – Oktober, natürlich unter Kiefern. Meist in zwei Hauptschüben (Mai/Juni und September/Oktober). Die sehr seltenen Schwarzhütigen Steinpilze sind meist von Juli – Oktober unter Eichen und Buchen, an trockenen, wärmebegünstigten Standorten zu finden. Sommersteinpilze können bis zu fünf Wachstumsschübe in einer Saison bekommen, wenn alle dafür erforderlichen Parameter stimmen. Wir hatten bisher nur ein sehr leises Aufflackern im Mai. Im Juni Totalausfall und wahrscheinlich auch im Juli. Bleiben noch August und September. Warm und vieleicht zeitweise heiß soll es bis auf weiteres bleiben. Fallen nach der langen Wärme und Dürre dann sehr ergiebige Niederschläge (30 – 50 l/qm, bis spätestens Anfang September) mit guten Entwicklungsbedingungen in der Folge, kann es bei uns in dieser Saison zu einem Maximalschub kommen. Ich fürchte, meine Trockner dürften die Ernte dann kaum schaffen. Aber das ist Zukunftsmusik und muss nicht so kommen. Wir können auch einem Totalausfall entgegensteuern, falls es bis zum goldenen Oktober so weiter geht. Sind geringere Niederschläge am Werk, wird es sehr verhaltener zur Sache gehen.

Diese Pilze stehen eng mit unseren Wachstumsschüben in Verbindung. Erscheinen sie in oft riesigen Trupps in unseren Parkanlagen, so kann man u. a. auch seine Steinpilz – Plätze kontrollieren und es wird nicht selten von Erfolg gekrönt sein. Es handelt sich um giftige Karbol – Champignons (Agaricus xanthodermus). Das Foto entstand gestern Abend auf dem Vogelstangenberg in Brüel. Stehen hier sonst hunderte Fruchtkörper, waren es heute nur ganze fünf! – Vieleicht steht ja irgendwo in Wald und Flur derzeit auch noch ein einsamer Sommersteinpilz herum, wer weiß!

Dienstag, 03. Juli (Tag der Emanzipation auf den Jungfrauen – Inseln) – Zunächst eine Ergänzung von gestern. Ich hatte die Ausstellung erneuert. Es liegen 72 Arten auf der Fläche. Neu dabei in diesem Jahr: Karbol – Champignon.

Und hier noch ein Hinweis zu Änderungen in der Terminplanung. Unsere beliebte Nachtwanderung findet nicht wie geplant am 17.08. sondern am Freitag, dem 24.08.2018, statt. In diesem Zusammenhang wurde auch der Termin der folgenden öffentlichen Pilzlehrwanderung verschoben. Sie findet ausnahmsweise an einem Sonntag statt. Das wäre somit am 26.08.2018. Siehe unter“ Termine“. Grund sind die neuen Dienstpläne unserer guten Seele Irena, die ihre Arbeitsstätte gewechselt hat. Ich bitte um Verständnis.

Zur Wetter und Pilzlage: Beides nahezu unverändert. An der Pilzfront nichts nennenswertes los und auch beim Wetter bleibt alles beim alten. Anders in der Südhälfte des Landes, hier können vorübergehend kräftige Gewitter aufziehen, bevor zum Wochenende auch dort wieder der Sonnenschein regieren wird. Erst zum Ende der nächsten Woche mehren sich nun die Anzeichen, als ob etwas mehr Bewegung in die Wetterküche kommen könnte. Nach Auswertung der aktuellen Modelläufe bei Wetter – Online und der weltweiten Satelitenbeobachtung könnten sich die Atlantik – Tiefs etwas effektiver auftstellen und gegen die Hochdruckbastion anlaufen. Aktuell befindet sich über dem Nordosten des amerikanischen Kontinents ein umfangreiches und sehr kräftiges Tief, dass sich offensichtlich nach Nordosten bewegt. Südlich davon einige Randtiefbildungen in feuchtwarmer Subtropikluft. Falls das steuernde Tief stark genug sein sollte, so könnte es im Zusammenspiel mit den Randtiefs sehr heiße, tropische Luftmassen anzapfen, die ihrerseits mit schweren Gewitterfronten von Westen her nach Europa hineinlaufen könnten. So wird es zumindest derzeit simuliert. Das ist auch insofern interessant, dass zum Ende des Monats die sogenannten Hundstage beginnen (23.07. – 23.08.). Das sind oft die heißesten Wochen des Jahres und dafür sind solche gewittrigen Hitzewellen typisch. Es bedarf angesichhts der außerordentlichen Trockenheit aber mehrerer starker Regenfronten, um tatsächlich auch einen Durchbruch an der Pilzfront zu erzielen. Das wäre dann gerade auch für uns Hobby – Mykologen, die nicht nur an die klassischen Speisepilze denken, eine spannende Zeit, denn durch die lange Wärmeperiode können durchaus Pilzarten auftauchen, die wir nicht alljährlich bei uns zu Gesicht bekommen.

Dieses Bild habe ich heute Mittag mit Blickrichtung Westen aufgenommen. Wenn ich nicht wüßte, das sich das Wetter bei uns kaum ändern soll, hätte ich gesagt, wir bekommen bald Regen. Ein ziemlich unruhiger Himmel. Die oberen, hakenförmigen Wolken nennen sich Cirrus spissatus und kündigen im allgemeinen Regen innerhalb der folgenden 48 Stunden an. Auch Cirrus uncinus sind hier zu sehen und im Hintergrund offensichtlich flache Cumuls – Bänke.

Mittwoch, 04. Juli (Tom Sawyer – Tag) – Erinnert mich an meine Kindheit, denn die Abenteuergeschichte von Mark Twain hat mich schon berührt. Auch weil meine Zeit als Straßenkind in Wismar ähnlich abenteuerlich verlief. Mensch, was haben wir nicht alles getrieben und angestellt. Gutes und weniger Gutes, wie es sich zum Entdecken der Welt auch gehört.

Auf Entdeckungstour war ich heute auch, schließlich war Mittwoch. Der Rest des Meßtischblattes Roggendorf stand auf dem Programm. Es ging nach Alt Steinbeck, in den am Ort angrenzenden Wald. Ein recht kompaktes Waldgebiet mit größeren Buchen- und Fichtenbeständen, aber auch Sümpfen und keineren Feuchtstellen. Zu entsprechend besseren Zeiten sicher keine schlechte Adresse für Speisepilz – Fans. In den Fichten dürfte es im Herbst allerhand geben, vor allem saprophytische Arten. In den Buchenbereichen, teils sehr attraktiv, dürften Fans von Steinpilz und Co. zum richtigen Zeitpunkt voll auf ihre kosten kommen. Besonders die ausgehagerte Buchenkannte an der Westseite des Waldgebietes sah diesbezüglich sehr verheißungsvoll aus. Heute war es aber knochentrocken und es gab so gut wie keine Frischpilze. Hier die kleine Artenliste von MTB: 2332/4 – Wald bei Alt Steinbeck: Herber Zwergknäuling, Wurzelschwamm, Gelbe Lohblüte, Buckel – Tramete, Runzeliger Schichtpilz, Schmetterlings – Tramete, Echter Zunderschwamm, Birken – Zungenporling, Rotrandiger Baumschwamm, Gemeiner Violettporling, Striegeliger Schichtpilz, Zugespitzter Kugelpilz, Samtiger Schichtpilz, Eichen – Mehltau und Riesenporling.

Das Wetter war dazu strahlend sonnig und sommerlich warm. Die Luft war sehr trocken und das wird bei uns auch weiterhin so bleiben. Dazu wird es in den nächsten Tagen zeitweise stark windig! Das könnte insbesondere bei den täglich auftretenden Feld- und Waldbränden zunehmend gefährlich werden! Regen ist für uns wohl frühestens  ab 14. Juli in Sicht. Wie bei Wetter – Online allerdings zu lesen war, wird er vor allem in Süddeutschland wieder ergiebiger ausfallen. Für uns im Norden sind aus heutiger Sicht höchstens 10 – 20 l/qm zu erwarten. Bei der diesjährigen Dürre ist das nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein und wird an der Pilzfront kaum etwas bewegen!

Wer dennoch Appetit auf ein frisches Waldpilz – Gericht hat, sollte sich auf Riesenporlinge (Meripilus giganteus) spezialisieren. Die ersten Rosetten dieser Giganten habe ich heute gefunden. Sie wachsem um alte Eichen und Buchen sowie deren Stümpfe herum. Wenn sie so wie hier, dickwulstig und butterweich herausbrechen, sind sie durchaus essbar und sollen sogar recht gut schmecken. Ein Nachteil dabei, sie werden schwarz! Standortfoto am 04.07.2018 im Wald bei Alt Steinbeck.

Donnerstag, 05. Juli (Tynwald – Tag auf Isle Of Man) – Das ist eine Insel in der Irischen See, die zum Vereinigten Königreich gehört. Der Tynwald – Tag, ist ein Feiertag, der im Zusammenhang mit den Sonnenwendfeierlichkeiten steht und durch die Kalendereform von Papst Gregor vom 24. Juni auf den 5. Juli gerutscht ist.

Heute habe ich die Ausstellung erneuert. Es liegen 73 Arten auf der Fläche. Erstmals in diesem Jahr mit dabei: Fleischroter Speise – Täubling, Dickbblättriger Schwarztäubling und Riesenporling.  Außerdem standen Schreibtischarbeiten für mein Steuerbüro auf dem Programm.

Zum Wetter: Inzwischen brennen auch schon unsere Maronen – Wälder bei Groß Laasch, zwischen Schwerin und Ludwigslust! Der trockene Kiefernwald fängt, wie auch einige Getreidefelder, vom geringsten Funkenflug Feuer. Bei meiner gestrigen Exkursion tangierte ich auch ein völlig ausgereiftes, oder sollte man eher sagen, vertrocknetes Getreidefeld. Bei der intensiven Sonneneinstrahlung und im Schutz einer Feldhecke stand hier eine extreme Hitzeglocke. Apropos Hitze. So wie es aussieht, scheinen die großen Hitzewellen zunächst nicht von Südwesten her heran zu rücken. Grund ist unter anderem das schon seit Tagen über dem Baltikum und Nordwestrussland drehende Tiefdrückgebiet, dass inzwischen einen gewaltigen Aktionsradius bekommen hat. Es verhindert zunächst den Durchbruch einer westlich geprägten Wetterlage. Dafür versorgt es die Gebiete östlich von Moskau mit unerträglicher Hitze, teils von über 40 Grad im Schatten. Dieses Tief soll nun auch wieder weiter nach Westen ausgreifen und könnte in den nächsten Tagen für Regenfälle und Gewitter im Norden und Osten des Landes sorgen. Für Wismar werden aktuell 1 – 2 l/qm berechnet. Die Regenmengen bleiben offensichtlich gering und werden keinerlei Einfluß auf das Pilzwachstum haben. Dafür ist die Regen- und Gewitterlage, die seit Tagen für Mitte des Monats prognostiziert wurde, komplett gestrichen! Der aktuelle Modellauf bei Wetter Online simulierte heute Abend, beginnend mit dem Baltikum – Tief, einen ausdauernden Tiefdruck – Zirkus über Mitteleuropa, einschließlich entsprechender Regenfälle. Es ist also etwas verworren, was die Witterung der nächsten Zeit anbelangt. Angesichts der Erfahrungen der letzten Monate, glaube ich nicht, dass wir ernsthaft mit Regen rechnen können!

Zur Aufmunterung hier mal ein schöner Frischpilz, den Raritäten – Jäger Andreas Okrent am 02.07.2018 im Haushalt Forst gefunden und fotografiert hat. Anhängsel – Röhrling (Boletus appendiculatus). Ansonsten herrschte auch dort tote Hose!

Freitag, 6. Juli (Tag der Fischer auf den Marschall Inseln) – Starker Wind, trockene Luft und viel Sonnenschein, bei angenehmer Wärme, stand heute auf dem Programm. Würden jetzt verstärkt Frischpilze wachsen, hätten sie keinen guten Stand. Aber glücklicherweise kann uns das egal sein, da kaum etwas zu erwarten ist. Sommerlich warm soll es auch weitergehen, aber offensichtlich scheint sich der Zirkus mit dem Tiefdruck – Gewaber zu bestätigen. Zwischen dem starken Baltikum – Tief und hohem Luftdruck bei den Britischen Inseln wird von Norden her Höhenkaltluft angezapft, die in der nächsten Woche über der Nordosthälfte Deutschlands wie ein Fettauge schwimmen soll. Das Fettaugen auf ihrer Oberfläche herumeiern, ist allgemein bekannt. Und so wird sich wohl auch dieser Kaltluft – Tropfen verhalten. Je nach dem wo gerade die kälteste Luft in der Höhe mit günstiger Thermik zusammenspielt, können sich die kräftigsten Schauer und Gewitter bilden. Das wird derzeit eher Richtung Vorpommern und Brandenburg berechnet. Aber es liegt in der Natur der Sache, dass keiner richtig weiß, was dieses „Fettauge“ treiben wird. Auf jedenfall dürfen wir demnächst mit einigen Regentropfen rechnen. Großes wird sicherlich nicht passieren. Allerdings scheint die Zeit der kräftigen Dauerhochs abgelaufen zu sein. Im weiteren Verlauf wird zunehmender Tiefdruckeinfluß von Westen her angedeutet. Aber das ist nur ein wager Trend, denn über fünf Tage hinaus gibt es keine zuverläßige Wettervorhersage, wie wir in diesem Frühjahr und Sommer immer wieder schmerzlich feststellen mußten.

Das einige Pilzarten auch bei großer Trockenheit wachsen können, beweist dieses Foto eines Urlaubers von der Insel Poel. Es zeigt junge Wurzelnde Bitter – Röhrlinge (Boletus radicans), die dort gerade frisch und knackig aus dem noch knackigeren Parkboden hervorbrechen. Gerade einige, teils seltene Vertreter der Dickröhrlinge, scheren sich wenig um Trockenheit. Wenn ihre Zeit gekommen ist, schieben sie! Standortfoto am 05.07.2018 im Eichenpark der Ostsee – Insel Poel. Ungenießbar.

Sonnabend, 07. Juli (Tag der Kooperativen). Kooperativ in punkto Regen zeigt sich die Natur in diesem Sommer bei uns im Nordosten in keiner Hinsicht. Während einige Regionen im Süden in den letzten Tagen wieder reichlich Regen bekommen haben, geht bei uns die Dürre in eine Endlosschleife. Zwar zieht in den nächsten Tagen ein Kaltlufttropfen mit etwas Regen, Schauern und örtlichen Gewittern auf, aber das wird die extreme Trockenheit kaum lindern. Gestern wurden zum nächsten Wochenende weitere Gewitter, auch bei uns, signalisiert. Heute wurde wieder zurückgerudert. Sie werden den Norden wohl nicht erreichen. So werden aus heutiger Sicht für Wismar innerhalb der nächsten zwei Wochen ganze 2 Liter Regen prognostiziert. Und das Brisante dabei ist, heute endet der Siebenschläfer – Zeitraum! Mit anderen Worten, bis Mitte August ist kaum Änderung in Sicht! Die Modellläufe deuten sogar Richtung Ende Juli eine Stabilisierung an. Das Azorenhoch soll eine riesige Hochdruckbrücke bis in den hohen Norden aufbauen, welche dann wie eine Mauer die Atlantiktiefs abschmettern dürfte. Über Skandinavien soll sich nach diesem Model sogar wieder ein mächtiges, eigenständiges Hochdruckgebiet bilden, welches uns dann weiterhin Sonne und Wärme garantiert. Allmählich scheint fest zu stehen, vor dem Herbst läuft hinsichtlich Frischpilzwachstum nichts mehr bei uns!

Im Hinblick unserer diesjährigen Nachtwanderung habe ich mich heute in der Region Dabel nach einer möglichen Wanderroute umgesehen. Sie soll weitläufig um den ehemaligen Forsthof Turloff führen. Das sandige, abwechslungsreiche Waldgebiet war früher Militär – Standort. Bei günstigen Witterungsbedingungen und zu gegebener Zeit sicher eine Fundgrube für Mykophagen. Heideartige Flächen auf dem ehemaligen Übungsgelände mit Jungkiefern und Birken, Heidekraut und Blaubeeren. Kiefern und Fichtenwälder sowie herrliche Buchenbereiche, in denen man die Steinpilze und Pfifferlinge fast schon darstehen sieht, wenn es nur nicht so trocken wäre. Selten habe ich so einen ausgetrockneten –  Wald gesehen, wie heute. Ich hoffe, es ändert sich vor dem 24. August noch zu unseren gunsten. Dann befinden wir uns immerhin schon im Pilzherbst (Mitte August – Mitte Oktober).

Jungkiefern auf der einen, Altkiefern und Buchen auf der anderen Seite des Weges. Von grünem Moos und Gras nichts mehr zu sehen, nur noch braun. In besseren Tagen dürften hier sowohl am, wie auch auf dem Mittelweg die Steinpilze wie die Soldaten stehen. Die Soldaten sind zwar weg, aber irgendwann werden hier unsere Lieblinge wieder in Reih und Glied sowie kompanieweise Aufstellung nehmen. Vieleicht schon im Schein unserer Stirnlampen!? Je länger die Trockheit, um so üppiger die Pilzexplosion bei  optimalen Bedingungen. Derartiges geschieht aber nur durch ein massives, grundsteinlegendes Niederschlagsereignis und nicht durch eine allmähliche Verbesserung der Wachstumsbedingungen. 07.07.2018.

Sonntag, 08. Juli (Tag der russischen Post) – Eine Vereinsexkursion führte uns heute in den Fahrenhorst zwischen Broock und Kuppentin, unweit der mecklenburgischen Bierbrauerstadt Lübz. Wir vernachlässigten allerdings das gute Pils und suchten nach der verwandten Klientel mit dem Z am Ende des Namens. Das Waldgebiet liegt an der Elde – Müritz – Wasserstraße. Der dortige Wasserwander – Rastplatz nennt sich Bermuda – Dreieck. Warum auch immer, läßt sich jedenfalls gut merken und macht neugierig. Eine Idylle herrscht hier sowieso. Viele Boote nutzten das schöne Sommerwetter und schipperten den Kanal entlang oder legten am Bermuda – Dreick an. Hier darf man verweilen und am gleichnamigen Imbiss kann man sich stärken. Wir aber blickten nicht nur in Richtung Wasser, sondern vor allem auf den Waldboden und begutachteten das Totholz. Die Wasserstraße ist im Fahrenhorst vor allem von Buchenwäldern umsäumt. Ansonsten finden wir hier auch Fichten und Kiefernbestände mit eingestreuten Feuchtbiotopen. Trotz der großen Trockenheit konnten wir sogar einige Frischpilze ausmachen. Aspektbildend gab es Wurzel – Rüblinge. Beeindruckend war ein reichliches Vorkommen des nicht häufigen Seidigen Dachpilzes auf Laubholz – Schredder. Die Pilze wuchen hier büschellig in allen Altersstadien. Das war schon etwas besonderes, finde ich die Art doch sonst nur relativ selten als Einzelstücke an Laubholz – Stubben oder toten Bäumen. Der ausführliche Bericht ist in der Rubrik „Unterwegs am Bermuda – Dreieck“ zu finden.

Seidiger Dachpilz (Pluteus petasatus), heute fast schon als Massenvorkommen auf Holzhäcksel im Fahrenhorst an der Elde – Müritz – Wasserstraße. Hier sehen wir voll entwickelte Fruchtkörper mit ihren weiß – seidig glänzenden Hüten. Ein weitere Bezeichnung für diesen Freiblättler lautet Braunschuppiger Dachpilz. Da auch noch ganz junge Exemplare aus dem Substrat schoben, mit dicht braunschuppigen Hüten, ist auch dieser Name sehr treffend für diese schöne Art. Essbar.

Dienstag, 09. Juli (Karneval in Saint Vincent und auf den Grenadines). Wolkenverhangen und kühler als an den Vortagen präsentierte sich der heutige Wochen – Auftakt. Die Wolken hängen mit dem Kaltluft – Tropfen zusammen, der seit Tagen angekündigt wird. Noch sind kaum Tropfen dabei, aber über Südskandinavien ist bereits die kräftige Gewitterzone aktiv, die im laufe der Nacht in Richtung Nordsee und Schleswig – Holstein eindrehen wird. Der Westen Mecklenburgs kann dann auch schon mit einigen Tropfen rechnen. Das Tief wird sich über Deutschlands einkringeln. Im Bereich der kältesten Höhenluft bilden sich wohl auch über M-V immer wieder kräftige Schauerstraßen und Gewitterlinien aus, die es zumindest strichweise heftig schütten lassen werden. Insbesondere am Mittwoch könnte das der Fall sein. Einige Wettermodelle berechnen dabei Regenmengen bis örtlich 100 Liter auf den Quadratmeter! Meist dürfte es aber deutlich weniger sein. Für unseren mecklenburger Bereich rechnet das UTC – Modell mit 40 – 50 l/qm. Ein weiteres Modell bei Kachelmann – Wetter sogar zwischenzeiltlich mit  50 – 60 l/qm. In Vorpommern können demnach sogar bis zu 80 l/qm zusammen kommen. Das ist nach der schlimmsten Dürre seit 50 Jahren eine bemerkenswerte Hausnummer und wird stellenweise zu ganz anderen Problemen führen. Nach dem Wüstenstaub folgt die Sintflut! Zu bedenken ist allerdings, es handelt sich nicht um ein gleichmässiges, zusammenhängendes Regengebiet, sondern um konvektive Niederschläge. Mit anderen Worten, in Schwerin könnte Land unter sein, in Wismar wird gerade mal die Straße nass oder umgekehrt.

Heute habe ich unsere Pilzausstellung wieder erneuert. Es liegen 76 Arten auf der Fläche. Erstmals in dieser Saison mit dabei: Seidiger Dachpilz, Adlerfarn – Fleckenpilz, Gemeiner Wurzelrübling und Kiefern – Braunporling.

Mit diesem schönen Stimmungsfoto sandte mir heute Christopher Engelhardt Urlaubsgrüße aus den Alpen zu. Im Lainbachtal bei Tutzing hat er diesen Buchen – Schleimrübling (Oudemannsiella mucida) an Fichte fotografiert. Der Pilz geht also fremd, finden wir ihn sonst doch nahezu ausschließlich an Rotbuche!

Dienstag, 10. Juli (Tag der Kuh) – Die Kuh hat in diesem Steppensommer auch kaum noch saftiges Grün auf den Weideflächen in M-V. Es ist zumeist bereits am Halm zu Heu geworden oder wächst einfach nicht mehr nach. Aber diesbezüglich ist Abhilfe in Sicht. Die Dürre endet in dieser Nacht und auch die Wald- und Feldbrandgefahr wird gebannt. Das Höhentief dreht weiterhin seine Kreise über Deutschland und hat heute regional schon bis 50 Liter gebracht. Richtig los geht das Tränken unseres Bundeslandes aber erst ab heute Nacht. Auch morgen ziehen weiterhin Starkregenbänder und Gewitter durch. Die Unwetterzentrale bewarnt vor Starkregen zwischen 40 und 70 Liter auf den Quadratmeter. Strichweise können auch deutlich über 100 Liter bis Donnerstag Abend zusammenkommen. Die Trockenheit ist damit zunächst Geschichte und wir dürfen in etwa 14 Tagen einen ersten, nennenswerten Schub von Sommerpilzen in diesem Jahr erwarten. Vielleicht gibt es einige Tage früher bereits massenhaft Wiesen – Champignons auf einigen Kuhweiden. Diese lieben bekanntlich trockene und heiße Sommer. Aber auch so manche thermophile Art, die wie sonst eher selten zu Gesicht bekommen, dürfte sich zeigen.

Dieser schöne Porling zählt zu den größten europäischen Pilzgestalten überhaupt. Am Fuße alter Eichen kann der einjährige Tropfende Schillerporling (Inonotus dryadeus) zu gewaltigen Fruchtkörpern heranwachsen. Am schönsten ist er, so wie hier, im jungen Wachstums – Stadium, durch seine zahlreichen, kandisfarbenen Guttationströpfchen. Dieses Foto hat Christian Ehmke vor wenigen Tagen auf dem Wismarer Friedhof aufgenommen.

Mittwoch, 11. Juli (Tag der Weltbevölkerung) – Seit heute Nacht dreht nun das Höhentief seine Kreise in Form von Regenbändern auch über Mecklenburg – Vorpommern. Wie erwartet, waren und sind die Niederschlagsmengen höchst unterschiedlich. Hier einige Werte für unser Einzugsgebiet bis heute 20.00 Uhr: Boltenhagen 16 l/qm, Kirchdorf/Poel 16 l/qm, Rostock/Warnemünde 18 l/qm, Goldberg 46 l/qm und der Spitzenreiter in unserem Bundesland bisher war Triebsees mit 61 l/qm. Ein akueller Wert noch aus Keez (19.15 Uhr): 17 Liter – viel zu wenig! Gleiches gilt auch für Wismar, stand heute Abend. Auch hier ist nichts großes zu erwarten, es sei denn, heute Nacht kommt noch einiges vom Himmel.  Es hat aber auf jedenfall eine flächige Überregnung in Mecklenburg gegeben. Am meisten dürfte bisher in einem Streifen südlich von Schwerin bis zur Seenplatte zusammen gekommen sein. So auch unsere Gebiete zwischen Crivitz, Parchim und Goldberg. Hier gab es schon während der Nacht heftige Regengüsse und auch am Nachmittag zog eine Linie mit, wie an einer Perlenschnur angeordneten starken Schauern und Gewittern, immer wieder strichweise über die selben Gebiete. Jetzt am Abend schwächeln die Regenbänder etwas, aber von Polen dreht noch weiterer Regen zu M-V herein, der teils von Gewittern verstärkt auch in der Nacht noch einiges an Wasser bringen könnte. Aus jetziger Sicht ist zumindest strichweise bis regional in 10 – 14 Tagen ein schwacher bis nennenswerter Schub von Sommerpilzen möglich. Insbesondere die Region um Goldberg (Nossentiner/Schwinzer Heide) wurde gut bedacht. Der große Durchbruch ist es auf keinen Fall! Dafür ist es auch noch viel zu früh, aber vielleicht können wir ja nun mal eine kleine Ernte von Sommersteinpilzen erhoffen, wenn auch nur sehr regional. Die Nachfolgewitterung ist dabei sehr wichtig. Ergiebiger Regen soll nun wieder weit und breit nicht mehr in Sicht sein. Ausnahme bilden örtliche Schauer oder Gewitter, die es bei weiter warmen Sommerwetter hier und da geben kann. Sollte es jedoch wieder Sonne und Hitze über einen längeren Zeitabschnitt geben, dürfte nicht allzuviel passieren!

Meine Mittwochsexkursion fiel heute in`s Wasser. Bereits am morgen wurde ich schon einmal völlig durchgeweicht, da ich ausgerechnet in den stärksten Schauer, der heute in Wismar niederging, hinein gekommen war. Einmal reicht!

Trotz der Dürre, finden sich immernoch allerhand Frischpilze an feuchteren Stellen. Hier sind es Sternhaarige Schildborstlinge (Scutellinia crucipila). Foto und Bestimmung Torsten Richter, Rehna. Die Pilze wirken in der Vergrößerung richtig üppig, in der Realität beträgt ihr Durchmesser allerdings nur einige Millimeter.

Donnerstag, 12. Juli (Tag des Pecanusskuchens in den USA) – Bis auf einige, schwache Schauer in der vergangenen Nacht, war`s das mit dem Regen in Mecklenburg. In Richtung Vorpommern und Berlin/Brandenburg hat es in der Nacht und teils auch noch am Tage mitunter sintflutartig geschüttet und es kam stellenweise zu Überflutungen. So sind im äußersten Osten von Vorpommern bis zu 70 Liter zusammen gekommen! Am wenigsten fiel in Nordwestmecklenburg und auf der Insel Rügen. Der große Rest hat meist 20 – 40 l/qm bekommen. Dort, wo die höchsten Regenmengen vom Himmel fielen, wird es sicherlich ein kurzes Aufflackern an der Pilzfront geben. In unserem Einzugsgebiet am ehesten zwischen Schwerin und Parchim sowie in der Nossentiner/Schwinzer Heide. Aber dass sind leichte Sandböden mit großen Kiefernbeständen. Hier ist es besonders schnell wieder trocken, aber an geschützteren, schattigeren Stellen könnte etwas zustande kommen.

Bei Wetter – Online steht heute der 14 tägige Mittelfrist – Trend unter der Überschrift „Der Dürre – Sommer geht weiter“. Damit dürfte klar sein, dass nicht viel an der Pilzfront passieren wird, denn der Hochsommer mit viel Sonne und Temperaturen um 30 Grad geht in eine weitere Runde. Die Modellkarten für Profis bei Wetter – Online lassen in der 14 – tägigen Simulation aber kaum Hochdruck erkennen. Statt dessen dominiert eher schwacher Tiefdruckeinfluß und die Luft wird zeitweise schwül.  Es besteht überall in Deutschland die Möglichkeit von zumindest örtlichen Schauern und Gewittern, die punktuell aber durchaus kräftig ausfallen können. Diesbezüglich wird aber weiterhin wohl mehr der Süden Deutschlands davon profitieren. So geht also das schon seit Monaten bestimmende Grundmuster weiter. Sommer ohne Ende. Diese Wetterlage ist wohl allmählich wirklich schon als historisch außergewöhnlich einzuschätzen.

Hier noch ein schönes Stimmungsfoto von Christopher Engelhardt. Es zeigt Halsband – Schwindlinge (Marasmius rotula) an einem dünnen Laubholz – Ästchen. Während unsere fleischigen Arten meist ein bis zwei Wochen brauchen, bevor sie nach längerer Trockenheit Fruchtkörper schieben können, sind solch kleine, filigrane Pilzchen schon nach wenigen Tagen da. Schwindlinge, so wie diese, sogar schon nach Minuten oder Stunden, falls sie schon vorher am Standort bis zur unkenntlichkeit eingeschrupft, vorhanden waren. Schwindlinge sind ja dafür bekannt.

Freitag, 13. Juli (Neumond) – Ab morgen nimmt der Mond wieder zu. Die Mond – Theoretiker freuen sich und erwarten eine Verbesserung des Pilzwachstums. Das wird auch so eintreten, dafür werden aber in erster Linie die gefallenen Niederschläge sorgen und dieses Ereignis spielt nun  zufällig in den zunehmenden Mond hinein. Gestützt könnte diese Entwicklung durch weitere Schauer- und Gewittergüsse, die in der nächsten Woche möglich sind. Gebietsweise können durchaus nennenswerte Niederschläge dabei sein. Vor allem in Ostdeutschland bis hoch in unsere Region ist nach neuestem Stand einiges möglich. Auch heute haben sich diagonal über Mecklenburg von Nordwest nach Südost an einer schmalen, wie mit dem Lineal gezogenen Konvergenzzone, teils kräftige Gewitterschauer gebildet. Örtlich hat es wolkenbruchartig geschüttet. Dieses war aber wirklich nur sehr punktuell. So bin ich am Abend noch in diese Zone hinein gefahren. Wie scharf diese war, konnte man schon gut auf dem Regenradar erkennen. In Bruel war es komplett trocken geblieben, aber bereits 2 – 3 Km entfernt hat es kräftig geschüttet.

Ein Pilzfreund, der momentan auf der Insel Poel Urlaub macht, fand heute während einer Radtour am Schweriner See einen Leberpilz. Auf Poel hat er Champignons gesichtet. Diese sind aber keine direkte Auswirkung der jüngsten Regenfälle, sondern haben sich noch durch frühere Niederschläge vorgebildet und beim jüngsten Regen gestreckt. Der Leberpilz wäre sowieso gewachsen.

Die Konvergenzzone am Abend von Holdorf aus gesehen. Rechts bilden sich immer noch neue Zellen, so dass ich mich zwischendurch unterstellen mußte. 13.07.2018.

Sonnabend, 14. Juli (Zwölfbotentag) – Das Wetter bot nach schwüler Sommerwärme mit Gewittern gestern, heute kühle Nordsee – Suppe. Solche Tage sind nichts halbes und nichts ganzes. Es drifften immer wieder tiefhängende Wolken von der Nordsee in`s Landesinnere und es entsteht eher ein herbstlicher als ein sommerlicher Eindruck. Regen hat dieses Gewölk nur wenig im Gepäck, meist bleibt es sogar trocken. Aber das wird sich schon morgen wieder ändern. Die Sonne soll neuerlich die Oberhand gewinnen und in der nächsten Woche geht es hochsommerlich mit Gewittern weiter. Es dürfte sich dann allmählich eine allgemeine Verbesserung an der Pilzfront einstellen. Dieser Trend war auf unserer heutigen öffentlichen Wanderung bei Groß Raden schon auszumachen. Hier hatte es im Juni bei heftigen Gewittern mehrmals geschüttet und in den dortigen, alten und schattigen Buchenwäldern, war durchaus schon einiges los. Immer wieder verschiedene Täublinge, der eine oder andere Perlpilz, Dachpilze, Wurzel – Rüblinge und sagar eine Handvoll fleischige Blasse Laubwald – Pfifferlinge. Eine Runde durch die sich anschießenden, sandigen Nadelwälder, erbrachte im Vergleich dazu fast nichts. Siehe unter „Mit Berlinern auf Wanderung“.

In dem kakhaltigen Altbuchenwald bei Groß Raden war heute der Scharfe Honig – Täubling (Russula veternosa) die häugste Art dieser umfangreichen Gattung. Die verwaschenen, rosarötlichen Hutfärbungen, die auch stark ausblassen können, die gelben Lamellen in Kombination mit ihrer Schärfe sowie der Standort charakterisieren diesen nicht sehr häufigen Sprödblättler bestens. Ungenießbar.

Und das war´s erst einmal. Urlaub steht an und in diesem Zusammenhang eine kleine Deutschland – Tour mit dem Zweirad, von Jugendherberge zu Jugendherberge, gemeinsam mit Sohn Jonas. Ein kleines Abenteuer und mal schauen, wie weit wir kommen und Lust haben. Bestenfalls werden zwei Wochen drauf gehen, aber vielleicht auch nur wenige Tage. Hängt von verschiedenen Faktoren ab. Sobald ich wieder im Lande bin, spätestens ab 28. Juli, geht es an dieser Stelle weiter!

Gut eine Woche waren wir in Norddeutschland unterwegs. Eine große, weitläufige Runde um die Bundeshauptstadt Berlin, natürlich mit einem Abstecher dorthin.

Sonntag, 15.07. (Tag der Metallschaffenden in Russland) – Start gegen 11.00 Uhr mit meinem Leichtkraftroller von Keez aus in Richtung Wandlitz, bei Berlin. Das Wetter war warm und sonnig, mit nur lockeren Wolken am Himmel. Mit kleinen Unterbrechungen in Form von Pausen waren wir am frühen Abend dort. Die schöne und moderne Jugendherberge am Wandlitzsee ist traumhaft gelegen und der Badestrand direkt vor der Haustür.

Jonas ist startklar und nach dem Foto ging es los.

Nachmittagspause im schönen und beschaulichen Städtchen Kyritz an der Knatter, im Norden Brandenburgs. Blick auf die Stadtpfarrkirche Sankt Marien.

Marktplatz mit Rathaus Kyritz. In Kyritz wird übrigens auch das beliebte Bier mit dem tempramentvollen Namen „Mord und Totschlag“ gebraut. Kaum zu Glauben, denn der Ort strahlte Ruhe und Freundlichkeit an diesem Sonntag – Nachmittag aus.

Am frühen Abend Einchecken in der Jugendherberge am Wandlitzsee.

Sonnenuntergang über dem Wandlitzsee, von der Jugendherberge aus fotografiert.

Jonas ist Happy!

Die Farb-, Licht- und Schattenspiele an diesem herrlichen Hochsommerabend sind überwältigend.

Der erste Urlaubstag neigt sich dem Ende zu.

Montag, 16. Juli (Tag der Marine in Japan) – Berlin stand auf dem Programm –  Stadtrundfahrt. Am Abend spielte Jonas mit weiteren Kindern Fußball und nahm ein Bad im Wandlitzsee. Ich hingegen schaute mir den Ort etwas näher an und besuchte auch die berühmte Waldsiedlung, die zu DDR – Zeiten für Normalbürger unerreichbar war, da hier die Partei- und Staatsführung ihr Domiziel hatte. Heute befindet sich an dem Ort eine moderne Reha – Klinik, eine Speisegaststätte und er wird natürlich auch als idyllische Wohngegend genutzt. Das Wetter war wieder sommerlich trocken und warm.

Mit der Heidekrautbahn ging es am Vormittag in Richtung Berlin. Wandlitz liegt nähmlich am Rande des Biospärenreservates Schorfheide – Chorin. Das Gebiet ist auch bekannt durch große Staatsjagden der jeweils Herrschenden, zumindest bis zum Ende der DDR.

Mit dem Doppeldecker – Bus ging es dann auf Stadtrundfahrt durch das moderne und historische Berlin.

Die „Goldelse“ auf der Siegessäule ist eines der wichtigsten und bekanntesten Wahrzeichen Berlins. Die so von den Berlinern bezeichnete Statue hochoben auf der Säule ist heißt offiziell „Viktoria“.

Das Konzerthaus Berlin.

Die Berlin – Brandenburgische Akademie der Wissenschaften.

Moderne und Historie dicht beieinander, unweit des Alexanderplatzes. Die 1292 ertsmals erwähnte Marienkirche und der 1967 eröffnete Fersehturm.

Der Gast kann sich auch mit diesen nostalgischen Verkehrsmitteln durch die Hauptstadt kutschieren lassen.

Das weltweit wohl bekannteste Wahrzeichen Berlins, das Brandenburger Tor. Wohl kaum ein anderes Gebäude symbolisiert sowohl die leidvollen-, wie auch freudigen Ereignisse der deutschen Geschichte.

Nicht weniger Geschichtsträchtig – der Deutsche Reichstag.

Und noch einmal der Fernsehturm. Die Berliner nennen ihn Tele – Spargel!

Die Spree – Terassen. Hier kann man im Liegetuhl die Sonne genießen.

Oder auf einem der zahlreichen Fahrgastschiffe eine Stadtrundfahrt der anderen Art buchen.

Mit der S – Bahn, Bus und Heidekrautbahn ging es wieder zurück nach Wandlitz.

Da der Zug noch eine Weile auf sich warten ließ, unternahm ich einen Spaziergang durch den angrenzenden Wald. Am 10. hatte es auch dieser Gegend reichlich geregnet. Der einzige Frischpilz stand am Ende des Waldweges hinter einem verschlossenen Tor, mitten auf dem Weg in der frischen Grasnabe. Ganz schön clever!

So konnte ich ihn nur in der Draufsicht ablichten. Mit großer Wahrscheinlichkeit dürfte es sich um einen Kahlen Krempling (Paxillus involutus) handeln. Übrigens der einzige, wirkliche Frischpilz, unserer gesamten Urlaubstour!

Am Abend schaute ich mich noch ein wenig im Ort um. Das Barnim Panorama des gleichnamigen Nationalparkzentrums war leider schon geschlossen. Hier gibt es eine Ausstellung zum Thema Landwirtschaft und Natur zu sehen.

Lust auf mehr macht diese im Außenbereich aufgestellte Dampf – Pflug – Lokomotive. Sie wurde im Jahr 1900 von der Firma Heuke gebaut.

Nicht nur zu DDR – Zeiten wurde die Allgemeinheit von der Wandlitzer Waldsiedlung fern gehalten, auch heute nehmen sich einige Zeitgenossen in bester Lage, so wie hier am Wandlitzsee, das Recht heraus, die Öffentlichkeit weitläufig fern zu halten!

Dienstag, 17. Juli (Welttag der Justiz) – Nach dem Frühstück gaben wir Bettwäsche und Schlüßel ab und starteten in Richtung Spreewald. Am Vorabend hatten wir die Jugendherberge in Burg/Spreewald kontaktiert und diese hatte für uns noch Plätze frei. Während der Fahrt bewölkte es sich immer mehr und kurz vor unserer Ankunft tröpfelte es ein wenig bei sehr warmem Sommerwetter. Das Grün an den Straßenrändern wechselte zunehmend in braun. Wir fuhren durch fast endlose Wälder und sehr arme Heide – Kieferngebiete. Die Märkische Schweiz brachte kurzzeitig ein Hauch von Bergland mit in`s Spiel.

Ein ermüdeter Jägersmann auf einer Sitzbank, ein Sägebock und zwei kapitale „Bronze – Röhrlinge“ verleiteten zu einer kurzen Rast.

Der Alte ließ sich weder von Jonas noch durch meine Wenigkeit stören und grunzte weiter.

Bei der nächsten Rast erfreute uns dieser sterile Überbleibsel eines Beutel – Stäublings (Calvatia excipuliformis) am Wegesrand unter Kiefern und Birken auf pulvertrockenem Heidesand.

Am späteren Nachmittag erreichten wir unseren Zielort – Burg/Spreewald, mit seinem markanten Bismarkturm. Er wurde zwischen 1915 und 1917 erbaut. Im Nationalsozialismus diente er zu Sonnenwendfeiern und sollte 1945 gesprengt werden. Dieses Vorhaben konnte in letzter Minute verhindert werden. Die DDR benannte ihn in Turm der Jugend um. Nach der Wende wurde er saniert und wieder zum Bismarkturm. Er kann für einen kleinen Eintrittspreis bestiegen werden.

Standesgemäß wurden wir am Eingang zur Jugendherberge Burg/Spreewald von mächtigen Boleten empfangen.

Die Herberge liegt direkt an der Hauptspree und verfügt über ein weitläufiges, naturnahes Wald- und Parkartiges Gelände.

Die Wälder waren für uns tabu. Waldbrandwarnstufe IV!

Bis zur Dämmerung wurde von den Kindern der Bolzplatz gern genutzt.

Mittwoch, 18 Juli (Welttag des Lesens) – Bei etwas angenehmerem Wetter, also nicht ganz so warm und schwül wie am Vortag, mit zeitweise auffrischendem Wind, unternahmen wir heute eine Kahntour durch den Spreewald. In Burg befindet sich ein großer Anleger, von wo aus gegen 10.00 Uhr Kahnfahrten angeboten werden. Es gibt mehrere Varianten. Wir nahmen die lange Tour von etwa fünf Stunden mit Einkehr zum Mittagessen in eine Gaststätte. Unser Kahnführer erläuterte uns während der beeindruckenden Tour allerhand wissenwertes über die Entstehung der einzigartigen Spreewald – Landschaft, Land und Leuten und ihrer teils sorbischen Kultur.

Die Kähne warten auf ihre Gäste.

Auf dieser Info – Tafel finden sich die Fischarten, die für den Spreewald typisch sind dargegstellt. Und das es vor Fischen hier geradezu wimmelt, davon konnten wir uns wärend der Fahrt überzeugen.

Der erste Kahn legt ab.

Auch wir sind nun auf dem Wasser. In früheren Zeiten war die Spree und ihre zahlreichen Seitenarme und künstlich angelegten Kanälen die einzige Möglichkeit um Handel zu treiben und um überhaupt mobil zu sein. Heute erleichtern dieses zahlreiche Brücken.

Urwaldtypische Baumriesen flankieren immer wieder unsere Fahrtroute.

Ein Schwefelporling (Laetiporus sulphureus) erfreut des Pilzfreundes Herz.

Bald erwartet uns ein erster Zwischenstopp an einem spontan eingerichteten Verkaufsstand. Wir müssen ein wenig die Fahrt drosseln, denn noch sind unserer Vorgänger an der Reihe.

Hier kann man sich mit Spreewaldtypischen Erzeugnissen, allen voran natürlich die berühmten Gurken in verschiedenen Varianten, eindecken, einen Kaffee zur Brust nehmen oder sich mit Getränken für die weitere Fahrt eindecken.

Bei dieser Brücke ist nun vorsicht geboten, will man nicht mit Kopfschmerzen die Fahrt fortsetzen. Alle mußten sich mächtig ducken.

Hier besteht diesbezüglich keine Gefahr!

An einem alten Weidenstrunk Fruchtkörper des Gemeinen Feuerschwamms (Phellinus igniarius).

Um weiter zu kommen, erstmal in die Schleuse. Als Schleusenwerter betätigen sich hier auch oft Kinder, die sich damit ein kleines Taschengeld verdienen. Hier steht allerdings unser Gästeführer und Steuermann an der Kurbel.

Besonders an sonnigen und seichteren Stellen hat sich reichlich Krautwuchs im Spreearm gebildet.

Aber auch Äste und in den Fluß hinein reichende Baumwurzeln können manchmal das Manövrieren der Kähne etwas beeinträchtigen.

Urwald – Riesen, eine üppige Krautschicht, viel Wasser, Ruhe, nur unterbrochen vom Zwittschern der Vögel, sorgen für eine einzigartige Atmosphäre, fast wähnt man sich ein wenig in Amazonien.

Immer wieder kreuzen Paddelboote unsere Route.

Eine T – Kreuzung vor uns. Links oder rechts, dass weiß nur unserer Bootsführer. Wir schlugen rechter Hand ein.

Pilze in Sicht!

Flache Lackporlinge (Ganoderma lipsiense).

Ein Fischkasten am Ufer der Spree. Diese sieht man hier öfters. Darin wurden die gefangenen Fische lebendig bis zum Verkaufen oder Verabeiten im Wasser aufbewahrt.

Viele Anwesen und Privat – Grundstücke wurden am Ufer der Wasserarme gebaut. Waren sie doch meist der einzige Weg um von A nach B zu gelangen und Handel zu treiben.

Uferbäume wurden an ihrer Basis vom Wasser modelliert und drohen unterspült zu werden. Um dem entgegen zu wirken, laufen viele Wurzelausläufer unter Wasser bis in das Flußbett hinein, welches hier allerdings nicht zu erkennen ist, da man bis auf den Grund schauen müßte.

Einfach schön!

Gerne kann man sich auch im kleinen, privaten Kreis durch den Spreewald schippern lassen.

Oder man wählt diese etwas spatanische Variante.

Unsere Mittagsstätte kommt in Sicht.

Hier wird sogleich für ein Stündchen angelegt zu einer Einkehr in das Hotel am Spreebogen. Schweineschnitzel und Hechtfilet waren Spitze!

Gestärkt geht es weiter.

Die Liebesbrücke kommt in Sicht.

Und auch die nächste Schleuse.

Manchmal wird es richtig eng.

Neu errichtete Wohnhäuser am Ufer, in kulturhistorischer und auch so vorgeschriebener Spreewald – Architektur.

Imposante Farne.

Eine Stockente (Anas platyrchynchos) in den Strudeln und Strömungen der Spree. Mit dieser schönen Momentaufnahme endet die kleine Bilderserie zu unserer Spree – Tour.

Am Abend erkundete ich noch ein wenig die Ungebung, während Jonas sich mit Fußball spielen auf dem Herbergsgelände die Zeit vertrieb. Ich endeckte eine Spreewaldinsel mit dem Ort Leipe. Vor einer seiner Gaststätten begrüßt dieser künstlerisch bearbeitete Baumstrunk seine Gäste.

Gastronomie, Tourismus und die Landwirtschaft, vor allem der Gemüseanbau, sind die tragenden Wirtschaftssäulen der Spreewald – Bewohner.

Letzte Grüße von der Spreewald Inselgemeinde Leipe am Abend des 18. Juli 2018.

Donnerstag, 19. Juli (FSLN – Revolutionstag in Nicaragua) – Nach dem wir die Schlüssel der Jugendherberge Burg im Spreewald abgegeben hatten, starteten wir zur nächsten Etappe unseres Herbergs – Hoppings. Wieder haben wir am Vorabend nachgefragt, wo wir unterkommen können. Jonas entschied sich für Lutherstadt Wittenberg, war ihm doch irgendwie das Lutherjahr 2017 noch in Erinnerung und hatte neugierig gemacht. So begaben wir uns bei hochsommerlich schönem, trockenen und sehr warmen Wetter mit unserem Zweirad auf die Reise nach Sachsen – Anhalt.

Auch heute fuhren wir wieder durch ausgedähnte Wälder. Nach Frischpilzen zu schauen, wäre absurd und das Betreten der Wälder war wegen der enormen Trockenheit ohnehin untersagt. Wir sahen auch einen Kiefernwald, der gerade kurz vorher in Flammen gestanden haben muss.

Am Nachmittag Ankunft in Lutherstadt Wittenberg mit ihrer modernen Jugendherberge in alten, sanierten Gemäuern, direkt neben der historischen Luther – Kirche.

Die Schlosskirche zu Wittenberg. Von hier aus ging die Reformation ab dem Jahre 1517 rund um die Welt. Das Gebäude gehört zu den Unesco – Welterbestätten.

Das Thesentor.

Mit der Wittenberger Altstadtbahn kann man auf den Spuren der Refomation eine informative Rundfahrt durch diesen geschichtsträchtigen Ort antreten.

Das alte Rathaus am großzügig angelegten Marktplatz der Stadt.

Davor befinden sich zwei ähnlich gestaltete Denkmähler, die zum einen an Phillip Melanchthon und zum anderen an Martin Luther erinnern sollen. Hier sehen wir offensichtlich das Luther – Denkmal.

Sowohl am Markt, wie auch in der langen Fußgängerzone inmitten der historischen Altstadt, laden viele Geschäfte, Restaurants und Bars zum verweilen und stöbern ein.

Dieses Torbogen – Motiv über dem Eingang zum Museumshof erinnert mich an meine Kindheit. Das Mosaik von Hannes Hegen, mit seinen Digedags und späteren Abrafaxe war in der DDR das beliebteste Comik – Heft und ist sicher bis heute eines der schönsten und lehrreichsten Comic – Reihen. Es ist inzwischen in ganz Deutschland die meist verkaufte Comik- Serie in Zeitschriftenform überhaupt. Die Ausgabe 497 titelte „Spuk in Wittenberg“. Aktuell gibt es auch eine Ausgabe mit dem Titel „Schlag auf Schlag – Abenteuer mit Luther, Crannach und Co.“.

In diesem Laden herrscht das ganze Jahr über Weichnachtstimmung. Bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen um die 30 Grad im Schatten schon etwas gewöhnungsbedürftig, aber sehr originell!

Originell auch dieser Kramladen, der zumindest rein äußerlich nichts mit besinnlicher Weihnachtsstimmung am Hut hat.

Hier geht es wohl doch eher schelmisch zu!

Spiegelglobus auf dem Markt.

Bei mediteranen Verhältnissen Einkehr beim Italiener. Guten Appetit und zum Wohl!

Da läuft einem doch das Wasser im Munde zusammen. Nicht nur diese Pizza war einfach nur lecker!

Auch die St. Marienkirche zählt zum Unesco – Weltkulturerbe. Sie ist die Mutterkirche der Reformation. Hier prädigten Martin Luther und Johannes Bugenhagen und hier wurde die Heilige Messe erstmals in deutscher Sprache gefeiert.

Aber das Auge sucht auch in den Städten nach pilzlichem Leben. So entdeckte Jonas aus der Ferne an einer alten Eiche diesen, im Sonnenlicht leuchtenden Fruchtkörper eines Eichen – Feuerschwamms (Phellinus robustus) in einer stadtnahen Parkanlage.

Am selben Baum noch ein weiterer Fruchtkörper dieses vieljährigen Porlings.

Damit möchte ich unseren kleinen Rundgang durch den kulturhistorisch und weltweit bedeutsamen Ort Lutherstadt Wittenberg in Sachsen – Anhalt beenden.

Inzwischen ist der Mond halb. Eigentlich müßten laut Mondsphasen – Therie die Pilze nun aus dem Boden sprießen. Mag sein in anderen Regionen, hier jedenfalls nicht!

Freitag, 20. Juli (Tag der Freude) – Wir haben unsere nächste Etappe in Angriff genommen. Von Sachsen – Anhalt nach Niedersachsen. Es geht in die Jugendherberge in Schöningen im Landkreis Helmstädt. Hier verlief die ehemalige Innerdeutsche Grenze, von der noch ein Erinnerungsstreifen erhalten ist. Im ehemaligen Kohlentagebau wurden die ältesten, komplett erhaltenen Jagdwaffen der Menscheit gefunden. Ihr Alter wird auf etwa 300.000 Jahre zurück datiert. Die reizvolle Landschaft ist durch den Mittelgebirgszug Elm geprägt, der zum Harzvorland gerechnet wird. Auch ein Steinbruch befindet sich in Ortsnähe. Der Naturpark Elm – Lappwald beinhaltet den größten Buchenwald Norddeutschands, der zudem noch auf kalkhaltigen Böden wächst. Sicher ein tolles Pilzrevier zu besseren Zeiten. Da wir aber in der derzeit wohl trockensten Region Deutschlands angelangt waren, hätte es kaum Sinn gemacht, hier auf Pirsch zu gehen. Zum anderen hatten wir auch nur für eine Nacht in der dortigen Herberge gebucht. Ich werde das Gebiet aber im Hinterkopf behalten und vieleicht später noch mal besuchen, wenn es Pilze gibt!

Eine kleine Pause an einem Wald- und Badesee. Bei weiterhin hochsommerlichen Temperaturen hätte ein Sprung ins kühle Nass sicher gut getan, aber die offizielle Badestelle befand sich am schräg gegenüberliegenden Ufer rechter Hand.

Aber es gab immerhin Pilze. Neben Eichen – Mehltau auch den Ahorn – Runzelschorf (Rhytisma acerinum).

Hier scheint die Landstraße im Wasser zu versinken. Eine Fähre bringt die Fahrzeuge gegen eine geringe Gebühr ans gegenüber liegende Ufer der Elbe bei Aken.

Nach wenigen Minuten Wartezeit sind wir an der Reihe.

Ein Blick ins Wasser kann nicht verkehrt sein. Außer Pilzen kann man hier mitunter durchaus einiges entdecken.

Es wird immer trockener. Gab es im Berliner Raum tatsächlich noch grüne Gräser, sind in dieser Region allenfalls noch die Blätter der Bäume und Sträucher mit einem Altgrün ausgestattet.

Aber auch sie sind teils schon vertrocknet oder lassen die Blätter erschlafft hängen.

Die Jugendherberge ist erreicht.

Schnell noch eine Panorana – Aufnahme mit dem Handy und liebe Grüße an Mama nach hause senden.

Blick von der auf einer Anhöhe liegenden Jugendherberge auf den Ort Schöningen mit seiner Sankt Lorenz Kirche.

Sonnabend, 21. Juli (Nationalfeiertag in Belgien) – Vom Süden in den Norden führte uns die nächste Etappe. Vom nördlichen Harzvorland in die Südheide bei Fassberg. Genauer gesagt in die Jugendherberge Müden/Oertze. Bei weiter sehr warmen Sommerwetter fuhren wir wieder durch vertrocknete Landschaften. Erst als wir in die Lüneburger Heide kamen, wurde es zumindest an den Rändern der Straße in schattigen Laubwaldlagen etwas grüner. Hier hatte es um den 10. Juli vorübergehend etwas stärker geregnet. Wir haben für zwei Nächte gebucht.

Auch diese kleine Parkanlage in einem Dorf, in dem wir kurz Rast machten, ist von der Dürre gezeichnet. Kein grüner Grashalm mehr in Sicht.

Am Nachmittag erreichten wir unser Ziel. Die Jugendherberge Herrmann Löhns in Müden/Oertze.

Ein wenig Geschichtsunterricht beim Besuch des Luftbrückenmuseums am Fliegerhorst Fassberg.

In mehreren Nissenhütten und Eisenbahnwaggons ist viel Information in Form von Bildern, Dokumenten, Fotos und realen Gegenständen zur damaligen, logistischen Meisterleistung der Allierten zu sehen, um die von den Russen abgeriegelte Bevolkerung des Westteils von Berlin mit allem möglichen zu versorgen und am Leben zu erhalten. Auch die Litfaßsäule mit nostalgischen Werbeplakaten spiegelt den damaligen Zeitgeist vortrefflich wieder.

Ein original Rosienenbomber ist das Herzstück der Erinnerungsstätte. Er darf bestiegen werden und im inneren läuft ein Film ab, der die nicht einfache Beschaffung dieser vor einiger Zeit noch von der Türkischen Luftwaffe genutzten Maschiene. Man darf hier auch den Bund der Ehe schließen. Ein Standesamt der besonderen Art.

Der Fassberg – Flyer C – 47 startete zusammen mit zahlreichen, weiteren Bombern dieses Typs von hier aus in Richtung Berlin. Von den Kindern wurde er liebevoll Rosienenbomber genannt, da er auch Lebensmittel und Süßigkeiten über Westberlin abwarf. Von Fassberg aus wurde aber in erster Linie Heizmaterial, sprich Kohle, nach Berlin transportiert. Insgesamt 539 122 Tonnen.

Danach ging es aber in die Heide, genauer gesagt in die Teufelsheide mit ihrem beeindruckenden Wacholderwald.

Pilze gab es hier allerdings nur an Holz. So sehen wir hier Eichen – Wirrlinge (Daedalea quercina) als „Brandpilze“ und winzige, zusammengeschnurrte Herbe Zwergknäulinge.

Ein mächtiger Wacholderstrauch!

Natürlich auch mit reichlich Beeren. Nach dem Wacholder – Schichtpilz habe ich leider vergessen zu schauen.

Wanderweg durch die weitgehend offene Heide mit nur einzelnen Wacholder – Büschen und Birken.

Noch ein Panorama – Foto von der Teufelsheide bei Fassberg.

Ansonsten ist die Gemeinde Fassberg von weitläufigen Kiefern, teils auch Fichten und Mischwäldern umgeben. So wie hier, in der Nähe der Jugendherberge, auch von kleinen Bächen und dem Flüßchen Oertze durchzogen.

Zwischen den Wäldern und Heiden finden sich aber auch landwirtschaftlich genutzte Flächen, auf denen nicht nur Getreide, sondern auch Kartoffeln oder so wie hier, Mais angebaut wird. Da der leichte, sandige Heideboden besonders schnell austrocknet, werden die Kulturen häufig gewässert.

Ein Schiefer Schillerporling (Inonotus obliquus) bricht durch die Birkenrinde.

Sonntag, 22. Juli (Welttag des Gehirns) – Es ging in den Heidepark Soltau. Der Höhepunkt für Jonas. Während ich mir den großzügig angelegten Vergnügungspark anschaute und einige, weniger spektakuläre Attraktionen nutzte, waren für Jonas die großen Fahrgeschäfte der Renner. Sommerlich warmes Wetter auch heute mit einigen, dickeren Quellwolken. Schauer und Gewitter beschränkten sich auf andere Landesteile.

Auf in den Heidepark!

Beschaulich zieht dieser kleine Nostalgiezug seine Runden durch den Park.

Beschaulich geht es auch zu Wasser zu.

Der Wilde Westen ruft!

Ruppig geht es in dieser „mexikanischen Würfelbude“ zu. Es darf scharf geschossen werden und wer nicht aufpaßt, riskiert nass zu werden. Für mich die lustigste Attraktion des Parks.

Die gigantische Achterbahn „Colossos“ ist derzeit leider außer Betrieb.

Die Anlagen im Hintergrund waren für Jonas gerade richtig.

In den Spiralen geht die Post ab.

Da staunt selbst die Heidschnucke nicht schlecht!

Und auch die Schweinchen für die kleinsten sind Happy!

Beschauliche Idylle mit Holländer Mühle und hanseatischen Giebelhäusern.

Oma und Opa!

Montag, 23. Juli (Tag des Vanilleeises) – Speiseeis befindet sich bei den schweißtreibenden Temperaturen in diesem Sommer sicher im Umsatzhoch. Obwohl der Tag heute nach Durchzug der gestrigen Gewitterstörung durchaus angenehm temperiert startete, am Nachmittag und Abend war es wieder sehr warm. Es war der kälteste Tag der beginnenden Woche. Pünktlich schlagen die Hundstage nun richtig zu. (23.07. – 23.08.). Im laufe der Woche soll es immerr heißer werden. Wir nutzten den Tag heute zur Heimfahrt. Von der Lüneburger Heide zurück nach Mecklenburg.

Bei unserer Ankunft in Keez gab es zur Begrüßung frische Waffeln.

Dienstag, 24. Juli (Tag der Marine in Venezuela) – Heute ging es von Keez nach Wismar. Fotos auswerten und zu hause nach dem rechten schauen. Die Wohnung in Südwestausrichtung hat sich extrem aufgeheizt. Lüften bring nicht viel, da es Nachts kaum unter 20 Grad abkühlt. 30 Grad und mehr sind tagsüber nun der Regelfall.

Da ich aktuell keine Fotos zur Pilzlage beisteuern kann und erst am Sonnabend wieder in den Wald komme, möchte ich an dieser Stelle mit einigern Bildern überbrücken, die mir Christopher Engelhard kürzlich zusandte. Hier mal keine Pilze, sondern zwei Alpenböcke (Rosalia alpina). Das Foto hat er vor kurzem in den Alpen aufgenommen.

Mittwoch, 25. Juli (Tag der Feuerwehr in Belarus) – Die Feuerwehr ist ja nicht nur zum Löschen von Feuer angehalten, sondern übernimmt heutzutage allerhand weitere Aufgaben. In diesem Hitze- und Dürresommer rücken allerdings Brände in den Focus. Und das dürfte auch noch so bleiben, denn eine Ende der extremen Trockenheit ist derzeit nicht in Sicht. Dazu fast schon Sahara – Hitze! Ein extrem – Sommer, wie ich ihn noch nie erlebt habe! Damit meine ich nicht die aktuell besonders hohen Temperaturen, die gibt es in diversen Hitzewellen fast jedes Jahr. Aber Sommer von April bis Ende Juli am Stück, dass werde ich sicher nie wieder so erleben. Ich liebe Extremwetter und ich bin echt gespannt, was uns diese lange Schönwetter- und Wärmeperiode zum Herbst hin auftischen wird, vorausgesetzt, es kommt bis dahin zu nennenswerten Niederschlägen.

Nochmals ein Alpen – Foto von Chris. Hier sehen wir einen Buchen – Schleimrübling (Oudemansiella mucida) an einem Fichtenstamm!

Donnerstag, 26. Juli (Annentag) – An einer Konvergenz gab es gestern in Schleswig – Holstein einige kräftige Gewitter, die stellenweise recht hohe Regenmengen hinterließen. Örtliche Gewitterschauer kann es auch heute und in den nächsten Tagen geben, die bei der derzeitigen Hitzewelle aber kaum in unserem Interesse Wirkung zeigen dürften.

Der einzige Ort, an dem es bei mir derzeit halbwegs angenehm von den Temperaturen her ist, ist der Steinpilz – Wismar. Da aufgrund meines Urlaubs die Tür geschlossen bleibt, obwohl ich im Laden bin, kann die Hitze nicht so ohne weiteres herein. 26 Grad zeigt das Thermometer im Laden an. Ich bin mit Internet – Arbeit für die Vervollständingung dieses Tagebuches, einschließlich der Berichterstattung von unserer kleinen Urlaubsreise, beschäftigt. Eigentlich alles andere als Urlaub!

Der Adlerfarn – Fleckenpilz (Rhopographus filicinus) ist auch bei dieser Trockenheit zu finden. Auf vorjährigen, trockenen Stängeln dieser imposanten Farne. Das Foto entsand am 07. Juli im Gebiet unserer diesjährigen Nachtwanderung bei Dabel.

Freitag, 27. Juli (Vollmond) – Und außerdem gibt es heute Abend die größte Mondfinsternis in diesem Jahrhundert bei uns zu sehen, den sogenannten Blutmond!

Ob die Niederschläge vom 10./11. Juli, die besonders im Raum Goldberg recht ergiebig waren, im Zusammenspiel mit dem zunehmenden Mond etwas bewirkt haben, vermag ich nicht zu sagen, da ich es nicht kontrolliert habe. In den sandigen Kiefernwäldern, die wir hier reichlich vorfinden, ganz sicher nicht. Vielleicht an schattigeren Plätzen im Laubwald. Viel dürfte aber auch hier nicht passiert sein. Wie dem auch sei, vor Mitte August können wir keinesfalls eine Verbesserung an der Pilzfront erwarten. Mit anderen Worten, auch der diesjährige Sommeraspekt gleicht einem Totalausfall! Uns bleibt nun nur noch die Hoffnung auf den Herbst (Mitte August – Mitte Oktober), Spätherbst (Mitte Oktober – Mitte November) und Winter (Mitte November – Januar).

Zur Wetterlage: Die Hitzewelle geht nahezu unvermindert bis Mitte nächster Woche weiter. Morgen kann uns eine Gewitterstörung mit örtlich heftigen Entwicklungen überqueren. Zumindest stellenweise könnte einiges vom Himmel kommen, dass wohl wieder eher sturzflutartig. Wird wohl nicht viel bringen. Anders könnte es Mitte der kommenden Woche aussehen, wo sich ein kleines, möglicherweise intensives Gewittertief einmogeln könnte. Aus derzeitiger Sicht werden in Mecklenburg bis zum 50 l/qm berechnet. Es ist aber noch nicht ganz sicher, ob und wieviel es letztendlich geben wird. Auch ist nicht klar, ob die Hitze dadurch bei uns im Norden ausgeräumt werden kann und wir uns im weiteren Verlauf mit Temperaturen um 25 Grad begnügen müssen. Genauso kann es sein, dass ein extrem Hitzehoch von der Iberischen Halbinsel zu uns austrahlt und die Sahara – Temperaturen in eine Verlängerung gehen.

Holzbewohnende Pilzarten haben es in Trockenzeiten nicht so schwer. Sie können meist noch Wasser und Nährstoffe aus dem Holz ziehen. Hier sehen wir junge Echte Zunderschwämme (Fomes fomentarius), die ich am 7. Juli 2018 im Wald bei Dabel an einem liegenden Buchen – Stamm fotografiert habe.

Sonnabend, 28. Juli (Welt Hepatitis – Tag) – Große Hitze stand heute wieder auf dem Programm. Insbesondere kurz vor eintreffen der Konvergenz herrschten Backofen – Temperaturen. Insgesamt waren heute mehrere Gewitter – Zonen über Deutschland aktiv und örtlich gab es Schäden durch Sturmböen, Wolkenbrüche oder Hagel. Insbesondere über Niedersachsen war die Konvergenz am Nachmittag sehr gut entwickelt und bei einer recht zügigen Verlagerungsgeschwindigkeit in Richtung Nordosten auch entsprechend gefährlich. Am späten Nachmittag und am Abend erreichte sie dann auch M-V. Örtlich gab es sehr heftige Regengüße, in Wismar kam aber nicht viel zusammen. Wir hatten eine Schwachstelle erwischt und es regnete sich hier nur ein wenig ab. Zeitweise war es dazu sehr windig. Zwischen Rostock und Stralsund reaktivierte sie sich plötzlich wieder und wurde recht giftig! Im Zusammenhang mit der eigentlichen Kaltfront nehmen am späten Abend nochmals einige Schauer und Gewitter Kurs auf Westmecklenburg. Ich denke aber, es wird nicht mehr viel passieren. Die Niederschläge können wir als Tropfen auf den heißen Stein werten und sie werden kaum Einfluß auf das zukünftige Pilzwachstum haben. Zumal die Hitze in der nächsten Woche wieder voll zuschlagen soll!

Am Vormittag fand eine öffentliche Pilzwanderung statt. Sie führte durch den Wildacker bei Groß Labenz. Sandige Laub- und Nadelwälder, ein klassisches Pilzsammler – Gebiet. Natürlich fanden wir nicht viele Frischpilze, aber wir vier hatten trotz der Hitze eine schöne Tour. Siehe unter: „Hochsommerliche Hitzewanderung“

Wilde Wolkenstrukturen über Wismar beim Aufzug der Konvergenz. Vor derartigen Wolkenstrukturen muss man sich in acht nehmen. Sie zeigen hohe Turbulenzen an, es kann zu trockenem Gewitter mit Blitzschlag – Risiko kommen und zu heftigen Windböden. Auch eine Trichterwolke konnte ich beobachten, die Vorstufe eines Tornados! Etwa eine halbe Stunde wehte ein ruppiger Wind, aber alles ging schließlich glimpflich ab.

Sonntag, 29. Juli (Tag der Tiger) – Die Gewitter von gestern Abend haben zumindest in der Nacht für etwas frischere Temperaturen zum durchlüften gesorgt, denn in meiner Wohnung herrschen seit Tagen Temperaturen um die 31 Grad! Da die Sonne am Nachmittag aber wieder draufsteht und in den nächsten Tagen die Hitze zu neuen Höhenflügen ansetzt, wird es nicht lange vorhalten. Erst zur Wochenmitte können neue Gewitter zumindest bei uns im Norden die größte Hitze vertreiben. Im weiteren Verlauf werden für die Küstengebiete nur noch normale Sommertemperaturen von um die 25 Grad berechnet. In der Südhälfte sind weiterhin 30 Grad und mehr in Sicht. Die Trockenheit wird sich weiter verschärfen. Da nützen die gestrigen Schauer (in Keez waren 2 Liter im Meßbecher) und auch die neuen zur Wochenmitte nur wenig. Wurden vorgestern noch für unsere Region bis zu 50 l/qm berechnet, waren es gestern noch 10 – 20 Liter. Heute sind davon nur noch 1 – 3 l/qm übrig geblieben! Und im 14 Tage Trend bei Wetter – Online heißt es „Ergiebige Regenfälle sind weit und breit nicht in Sicht“. Wohlgemerkt für die nächsten zwei Wochen! Damit bleibt das Sommerhalbjahr seinem eingespielten Mußter treu. Allerdings habe ich heute Nachmittag die Wettermodelle für Profis auf selbiger Internetseite durchlaufen lassen und hier werden im 14 – tägigen Lauf durchaus kleine Tiefs berechnet, die es zwischendurch auch mal regnen lassen. Wie dem auch sei, die Trockenheit nimmt allmählich katastrophale Ausmaße an! Dabei ist die Tatsache, dass es kaum Frischpilze gibt und auch in absehbarer Zeit nicht geben wird, eher belanglos.

Da muss man sich schon wundern, dass trotz der meist trockenen Hitze solch filigrane Pilzchen wie der Goldmistpilz (Bolbitius vitellinus) noch das Licht der Welt erblicken. 28.07.2018 im Wildacker bei Groß Labenz.

Montag, 30. Juli (Tag der Freundschaft) – Freundschaftlich kommt die Witterung der letzten Monate den Pilzliebhabern nicht gerade entgegen. Steppenklima hat sich ausgebreitet und hält sich hartnäckig. So wie es aussieht, wird es auch den Rest des Sommers so bleiben. Die Hitze erreicht morgen bei uns im Nordosten wohl ihren finalen Höhepunkt. Auch in Wismar, also in unmettelbarer Ostsee – Nähe, kann es bis auf 35 Grad rauf gehen. Auch nachts kühlt es zur Zeit nicht mehr unter 20 Grad ab. Nächte wie in den Tropen! Die Hitze ist allmählich kaum noch zu ertragen und jetzt ist es dazu auch noch richtig schwül geworden. Das dürfte wieder neue Gewitter auf den Plan rufen, größere Regenmengen werden damit wohl kaum verbunden sein. Die stärksten Entwicklungen werden bis Donnerstag eher in Richtung Vorpommern gerechnet. In Westmecklenburg wird nach derzeitigem Stand nicht viel passieren. Danach könnten sich zumindest bei uns etwas erträglichere Temperaturen durchsetzen, zwischen 25 – 30 Grad. In der Südhälfte werden wohl noch länger 30 Grad und mehr an der Tagesordnung sein. Besonders hier könnte es eventuell noch richtig unerträglich werden, denn über der Iberischen Halbinsel wird eine extreme Hitzwelle erwartet, die durch unvorhersehbare Änderungen bei der Druckkonstellation angezapft und nach Nordosten ausstrahlen könnte. Auch besteht zumindest theoretisch die Möglichkeit, dass durch das Eintreffen etwas kühlerer Luft über dem Norden Deutschlands eine Luftmassen grenze entstehen und Niederschläge verursachen könnte. Das alles ist aber reine Spekulation. Wir werden uns wohl weiterhin mit der Dürre arrangieren müssen.

Heute habe ich übrigens unsere Ausstellung wieder erneuert. Es liegen 75 Arten auf der Fläche. Zum ersten mal in diesem Jahr zu sehen: Samtfuß – Krempling und Schuppiger Sägeblättling.

Für diese Samtfuß – Kremplinge (Paxillus atrotomentosus) reicht es noch zur Ausbildung ihrer Fruchtkörper. Sie wachsen aus Nadelholz heraus, dass offensichtlich noch ausreichend Wasser und Nährstoffe zur Verfügung stellen kann. Am 28.07.2018 im Wald bei Groß Labenz fotografiert. Als Speisepilz nicht zu empfehlen.

Dienstag, 31. Juli (Tag des Mischlingshundes) – Die Hundstage haben uns fest im Griff! Das war heute wohl der heißeste des Jahres bei uns im Norden. Kaum vorstellbar, dass es Menschen gibt, die im Hochsommer in den Süden Europas reisen und sich erholen wollen. Dort sind derartige Temperaturen sicher auch nicht die Regel, kommen aber weithaus häufiger vor als in unseren breiten. Selbst auf der Fahrt mit meinem Zweirad kühlte der Windchill nicht mehr. Die Luft wehte einem wie ein heißer Föhn um die Ohren. In Sachsen – Anhalt haben wir heute sogar knapp 40 Grad im Schatten erreicht. Viel kühler war es bei uns an der Küste auch nicht. Da brachten auch einige Schauer und Gewitter, die sich an einer Konvergens am Nachmittag in Westmecklenburg bildeten, kaum Erfrischung. Die Luft wird dadurch nur feuchter und noch unerträglicher. Für`s Pilzwachstum haben die kleinen Regengüsse ohnehin kaum Bedeutung. Allerdings können sich im laufe der Nacht und morgen neue Gewitter bilden. Durch eine Randtiefentwicklung wird die extrem heiße Luft nochmals nach Nordwesten gedrückt und dreht mit einer schwachen Kaltfront ein, die etwas weniger heiße Luft im Gepäck hat. Örtlich kann es zu schweren Unwettern kommen! Das Donnerwetter könnte bis Donnerstag anhalten. Betroffen wird davon nach aktuellem Stand vor allem Vorpommern sein, während in unserem Einzugsgebiet nicht allzuviel passieren soll. Allenfalls unsere südöstlichsten Bereiche könnten etwas besser mit Niederschlägen bedacht werden.

Mit dem heutigen Tag endet die erste Hälfte der diesjährigen Pilzsaison, die bisher keine war. Einzig der Frühling hatte für kurze Zeit ein weit unterdurchschnittliches Pilzaufkommen hervorgebracht. Er war also auch eher schlecht, aber noch die beste Zeit bisher. Auch der Hochsommermonat Juli war nahezu ein Totalausfall! Und so wird es auch im August weiter gehen. Ich denke, vor September brauchen wir uns keine großen Hoffnungen machen, wenn überhaupt!

Wie an einer Perlenkette hatten sich die Gewitterzellen heute an einer Konvergenzlinie gebildet. Schön sind die Niederschlagskerne zu erkennen. Das Foto habe ich gegen 17.15 Uhr vom Nordrand von Wismar in Blickrichtung Südwesten aufgenommen.

Weiter geht es unter „Wetter und Pilze August 2018“