Autobiographisches

Von Reinhold Krakow

Er erblickte am 11. Februar 1959 das Licht der Welt

Es soll irgendwann zwischen 19.30 Uhr und 20.00 Uhr in Wismar gewesen sein.

Seit 10 Jahren teilt er nun an dieser Stelle sein Wissen aus dem Pilzreich mit. Was ist er für ein Mensch? Sicher kein normaler, wie es so oft floskelhaft ertönt. Ein normaler Mensch würde nicht so viel Zeit ohne nennenswerten, finanziellen Gewinn an `s Bein binden, um den Menschen sein Wissen und seine Erfahrungen aus dem Reich der Großpilze zu vermitteln. Ein Mensch, sicher mit keinem hohen EQ, welches sich dem aufmerksamen Leser selbst dieser Zeilen schnell offenbaren dürfte. Rechtschreibung war ihm schon in der Schule ein graus. Stark vereinfachte Texte und Formulierungen und die Endlos – Fehlerserie auf dieser umfangreichen Homepage ist kaum zu entschuldigen, aber ich hoffe trotzdem, dass der gescheite Leser herausfiltern möge, welches ich zu vermitteln suche. Also kein Intellektueller, sondern nur ein Prolet (Bildungsferner – übrigens so oder ähnlich auch in meiner umfangreichen Akte des Job – Centers nachzulesen!) aus der Arbeiterschaft. Eigentlich nicht dazu prädestiniert, an dieser Stelle zu agieren. Ich sollte lieber, so wie früher, am Backofen stehen.

Mutter und Kind um 1960 herum. Noch einmal Baby sein, was gäbe ich drumm!

Ich möchte mich an dieser Stelle nach und nach etwas näher vorstellen, um nachvollziehbar zu machen, wie ein Mensch im laufe seines Lebens,trotz reichlich Arbeit, zu nichts kommen kann.

  • 1959 war übrigens auch das Geburtsjahr des Ostdeutschen Sandmännchens. Es ist immer noch präsent!
  • 1959 war auch das Jahr der kubanischen Revolution mit Fidel Castro an der Spitze.
  • 1959 stürzte der Rock `N´Roller Buddy Holly und andere Musiker mit einem Flugzeug ab.
  • 1959 wurde in der Bundeswehr der Starfighter eingeführt. Viele Piloten teilten im laufe der Jahre das Schicksal der Musiker. So hieß das Model alsbald im Volksmund Witwenmacher.
  • 1959 wurde in Düssdeldorf das erste Radar – Gerät zur Geschwindigkeitsmessung im Straßenverkehr aufgestellt.

Geburtstag 1960 – 1 Jahr alt 

Aber was geschah in diesem Jahr – hier einige Stichpunkte:

  • 1960 hatte Elvis Prersley seinen Militärdienst in Deutschland beendet
  • 1960 wurde über der Sowjetunion ein US – Spionageflugzeug abgeschossen
  • 1960 hatten The Beatles ihren ersten Auftritt in einer Nachtbar auf der Reperbahn in Hamburg
  • 1960 startete von den USA aus die Anti – Baby – Pille ihren Siegeszug um die Welt. Da hatte ich als schon reales Baby nochmal Glück!
  • 1960 starb der erste und einzige Präsident der DDR – Wilhelm Pieck
  • 1960 gab es eine Rekord – Weinernte – in meiner Flasche war allerdings ein anderes Getränk enthalten!

1961 – 2 Jahre alt

Sicher bekommt man von der Umwelt jetzt schon einiges mit, aber kaum zur späteren Erinnerung. Nur soviel, dass ich mich wohl an Mutter und Vater im Dämmerlicht zu erinnern glaube. Mein Bruder wurde geboren.

Was geschah in diesem Jahr? – Einige Schlagzeilen:

  • In Israel beginnt der Prozeß gegen Adolf Eichmann. Er endet mit der Todesstrafe.
  • Der Sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin war der erste Mensch im Weltraum.
  • Bau der Berliner Mauer.
  • Gründung des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF)
  • Im Mai wird noch ein Bruder geboren

1962 – 3 Jahre alt

  • Nelson Mandela wird in Südafrika verhaftet.
  • Ein DDR – Grenzsoldat wird von einem Beamten des Bundesgrenzschutz erschossen.
  • Kuba – Krise wegen der Stationierung von Atom – Raketen von den USA in der Türkei und der Sowjetunion auf Kuba. Die Welt schlittert haarscharf an einem Atomkrieg vorbei. Da habe ich ja nochmal Glück gehabt!
  • Die Spiegelaffäre beginnt, in deren Folge der damalige Bundesverteidigungsminister Franz – Josef Strauss seinen Hut nehmen muss.
  • Der Deutschlandfunk geht regulär auf Sendung.
  • Schwere Sturmflut im Februar an der Nordsee und in Hamburg. In der Hansestadt starben 315 Menschen. Ich wohnte nur wenige Meter vom Wismarer Hafen entfernt und meine Mutter erzählte damals oft, wie es in der Sturmnacht Hamburg zuging. Ich hatte angst, dass Wasser könnte auch uns etwas antun.
  • Ab Mitte November bis Mitte März des Folgejahres kam es zu einem der strengsten Winter in Europa.

Ich kann mich erinnern, dass ich mit meinem Vater damals um den Häuserblock an den Holzhafen ging (ich konnte dann ja wohl schon laufen, aber ich saß auch auf dem Arm). Die Küstenfischer sägten große Quader aus dem Eis, um ihre Boote vor dem zerdrücken zu schützen. Wenige Bruchstücke, an die ich mich aus frühesten Kinderttagen noch oder schon erinnern kann.

1963 – 4 Jahre alt

  • Im Iran wird das Wahlrecht für Frauen eingeführt
  • US – Präsident J. F. Kennedy hält seine berühmte Berlin – Rede
  • Unterzeichnung des Vertrages zum Verbot atmosphärischer Atomwaffentests
  • Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit auch für farbige Menschen mit Martin Luther Kng an der Spitze und seine berühmten Rede „I Have a Dream“
  • Das SED – Politbüro veröffentlicht sein Komunique gegen Gängelei, Zeigefingerheben und Administrieren der Jugend. (Ich denke, das wäre auch in der damaligen BRD sehr angebracht gewesen!)
  • Konrad Adenauer tritt als Bundeskanzler zurück – Ludwig Ehrhard wird sein Nachfolger
  • Am 22. November wird US – Präsedent J. F. Kennedy ermordet

Und an was kann ich mich erinnern? Sicher nicht an vieles, aber einige Eindrücke sind sicher auf diesen Zeitraum zurückzuführen: Kalte Winter mit Eisblumen am Fenster und Zeitungspapier um die damals  desolaten Fenster ein wenig abzudichten.

Mein erstes Lieblingslied, bei dem ich regelrecht außer Rand und Band geriet: „Winni Winni Wanna Wanna“ von den Tahiti Tamore`s. Erschienen 1963 und ein Welthit. Auch heute noch ein sehr schönes Lied, wie ich finde. Eingängige Melodie, die gute Laune verbreitet und natürlich auch schon ein Ohrwurm im frühesten Kindesalter.

Großes Bengalfeuer zu Silvester. Wir wohnten gleich neben dem Feuerwehrturm in Wismar und die Feuerwehr brannte damals um Mitternacht auf diesem ein buntes und riesiges Bengalfeuer ab. Dazu die bunten Leuchtkugeln der Raketen am Himmel. Das Sprühen der Wunderkerzen am Weihnachtsbaum. Angst machten mir die lauten Knaller um Mitternacht und das unheimliche, gespenstische Heulen der Nebelhörner im Hafen, von den reichlich vor Anker liegenden Frachtschiffen aus aller Welt. Wir wohnten ja nicht weit weg vom alten Holzhafen. Dieses Szenario brannte sich tief bei mir ein. Es führte dazu, dass ich die Silvesternächte zu lieben begann. Es gab Zeiten, da konnte ich die letzten Nächte zwischen Weihnachten und Silvester vor Aufregung kaum noch schlafen. Die Nebelhörner sind heute leider kaum noch zu hören, aber Silvester ohne Feuerwerk, wie es in letzter Zeit immer häufiger diskutiert wird, wäre ein unglaublicher Kulturverlust. In der Silvesternacht kann es nicht laut, bunt und rauchig genug zugehen! Deshalb zünde ich auch mit 60 Jahrern nach wie vor meine Böller, Fontänen, Raketen und Batterien mit wahrer Begeisterung! Die Liebe zu diesem Spektakel habe ich mir zum Glück aus jungen Jahren bis heute erhalten können. Alle Achtung vor der Pyrotechnischen Industrie, die seit der Jahrtausend – Wende richtig schöne Produkte entwickelt hat. Feuerwerk ist vielfach die Kunst des Vergänglichen, obwohl viele Kritiker anscheind von sich in Anspruch nehmen, dass sie über diese „primitiven Dinge“ als niveauvolle Menschen stehen. Auch vielen Hundehaltern scheint das Wohl ihrer Vierbeiner mehr am Herzen zu liegen, als ausgelassene Freude der Menschen an Silvester. Nicht umsonst begeistern auch die offiziellen Großfeuerwerke zu ganz besonders feierlichen Anlässen so viele Menschen. Und einmal im Jahr sollte jeder dazu die Möglichkeit haben. Hoffen wir, dass es auch in Zukunft dabei bleibt. Das einige damit auch Unfug anstellen, liegt in der Natur des Menschen und das wird immer so sein. Solange Panzer, Raketen und sogar Atombomben hergestellt und in den Arsenalen der Menscheit auf ihren Einsatz gegen Menschen, ja gegen alles Leben auf diesem Planeten warten, kann ich nur sagen, wandelt das Arsenal in Pyrotechnik um und beglückt die Welt mit etwas schönem. Die Feinstaubbelastung, die viele Kritiker u. a. als Alibi für ihre Abneigung am Feuerwerk anbringen, ist zumindest bei uns an der Küste an den Haaren herbei gezogen und einfach nur lächerlich!

1964 – 5 Jahre alt

  • Am 1. Juni  Einführung des Zebrastreifens mit Fußgänger – Vorrang in der BRD.
  • Nelson Mandela wird am 12. Juni zu lebenslanger Haft in Südafrika verurteilt.
  • Ebenfalls am 12. Juni unterzeichen die Sowjetunion und die DDR den Vertrag über Freundschaft, gegenseitigen Beistand und Zusammenarbeit.
  • Heinrich Lübke wird für eine weitere Amtszeit als Bundespräsident wiedergewählt.
  • Die USA treten in den Vietnam – Krieg ein.
  • Rentner der DDR wird der Besuch von Verwandten in der BRD und West – Berlin ermöglicht.
  • Kossygin und Breschnew lösen Chruschtschow an der Spitze des ZK der komunistischen Partei der UdSSR ab.
  • Die DDR beschließt den Zwangsumtausch (Geld) bei Besuchern aus dem Nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet in DDR – Mark.
  • Die Stiftung Warentest wird in der BRD gegründet

Das Foto dürfte in etwa zu dieser Zeit enstanden sein. Ich stehe hier noch ohne Brille, und dass mit meiner starken Kurzsichtigkeit, vor der Haustür im mecklenburgischen Demen, also vor dem Haus der Familie Krakow.

Mutter und Vater sind Jahrgang 1925. Mein Vater stammt aus Demen, bei Crivitz, und meine Mutter aus Münnichwies, dem heutigen Vricko in der Slowakei. Im Zuge der Vertreibung der deutschstämmigen Bevölkerung infolge der Benesch – Dekrete am Ende des 2. Weltkrieges, endete die Flucht der aus ihrer Heimat veriebenen (Hauerland, in den Karparten) bei meiner Mutter und weiteren Familienangehörigen in Wismar/Mecklenburg. Hier hat sie meinen Vater kennengelernt und sie haben später geheiratet. Dieser Umstand stimmt mich durchaus nachdenklich, ist meine Existenz doch irgendwie ein Spätfolge des deutschen Größenwahns unter Adolf Hitler.

Mein Vater stammt aus einer kinderreichen Familie. Da der Ort Demen nie Gutsdorf war (gehörte im Mittelalter zum Kloster Dobbertin) wurden auf Betreiben des mecklenburgischen Großherzogs Häuslerstellen eingerichtet. Während der Bodenreform im Jahre 1946 wurden den Häuslern jeweils ein ha Wiese oder Weideland und ein ha Wald überschrieben, die bis heute in Privatbesitz der  Erbengemeinschaft Krakow liegen. Die Flächen stammen aus der Auflösung des benachbarten Gutes Buerbeck.

Kulturelles

Die Beatlesmania greift in der westlichen Welt umsich. – Davon habe ich natürlich noch nicht viel mitbekommen. Das lag aber nicht daran, das Mecklenburg damals zum Ostblock gehörte, sondern am Alter. Ich kann mich nur erinnern, als wir mit jugendlichen Verwandten aus Demen in Wismar durch die Stadt gingen, dass dort offensichtlich Jugendliche mit längeren Haaren gesichtet und bewundert wurden. „Die sehen ja aus wie die Beatles“, glaube ich so oder ähnlich gehört zu haben, ohne es irgendwie einordnen zu können. Später waren die Beatles natürlich auch der Hit bei mir, allerdings hatten sie sich da schon aufgelöst. Die Rolling Stones waren noch etwas wilder, wurden vom DDR – Hörfunk, im Gegensatz zu den Beatles, meist boykotiert. Die waren den DDR – Kulturrepräsentanten dann wohl doch ein wenig zu rebellisch!

In diesem Jahr wurde auch die Rockband Pink Floyd gegründet. Von dieser Supergruppe war in späteren Jahren nicht nur ich ein großer Fan.

Das Duo Simon And Gar Funkel machte erstmals auf sich aufmerksam. Ich entdeckte sie in den 1970er Jahren für mich und war begeistert von ihren sanften Liedern.

Persöhnliche Erinnerungen

An was kann ich mich noch erinnern, was in diesen Zeitrahmen passen könnte? – Wir wohnten damals in einem privaten Altbau in Hafen – Nähe, in der Scheuerstraße. Die Hausbesitzer waren ein älteres Ehepaar. Sie besaßen einen alten, mechanischen Filmvorführer mit einer Handdrehkurbel und luden mich zu einem kleinen „Kino – Abend“ ein. Ich kannte keine bewegten Bilder und es war ein beeindruckendes Erlebnis. Märchen, ich glaube es könnte „Hänsel und Gretel“ oder ähnliches gewesen sein, liefen dort. Jedenfalls, so glaube ich zu erinnern, wurde dort jemand (Hexe) auf einem Schieber in den Backofen geschoben und verließ als schwarze Rauchwolke den Schornstein.

Die Familie hatte eines Tages auch Besuch aus der „Westzone“ und ich war zufällig wieder dort, vieleicht um nochmals Kino zu schauen. Sie besaßen aber nicht nur diesen Filmvorführer, sonder auch schon einen Fernseh – Aparat (wir leider erst ab 1967) und es lief die Nordschau vom NDR. Der Vorspann blieb mir irgendwie in Erinnerung und natürlich das Seepferdchen. Auch das die ältere Dame, der Besuch aus dem Westen, von Adenauer kam, wie sie zu mir sagte, und sehr vornehm zu sein schien, denn sie wedelte sich mit einem schicken Fächer immer wieder Frischluft zu. Aus heutiger Sicht im höchsten Maße dekadent, diese alberne Vornehmheit, aber sie war ja von Adenauer, dass mußte ja irgendwie unterstrichen werden! Und an eines kann ich mich in diesem Zusammenhang noch erinnern. An meinen ersten Spekultatius, den ich von der vornehmen Dame geschenkt bekommen habe. Ich kann mich gut an die Mandelsplitter erinnern. Also ein Mandel – Spekulatius. Das fand ich irgdwie spannend und geschmeckt hat der Keks schließlich auch noch. Später war ich etwas enttäuscht, dass unsere Wurzener Ost – Spekulatius nicht diese Mandelschnipsel auf der Unterseite hatten. Aber geschmeckt haben die auch und es gab sie vor allem ganzjährig bei uns in der „Ostzone“ zu kaufen.

Es sollte lange dauern, bis ich endlich wieder diese Mandel – Spekulatius genießen durfte. Dazu mußte erst die Mauer fallen. Bei meinem ersten Westbesuch während der Grenzöffnung 1989 sah ich in einem großen Kaufhaus in Hamburg Spekulatius im Angebot und schlug natürlich sofort zu, war aber enttäuscht, dass die Mandelsplitter fehlten. Es waren nur gewöhnliche Gewürz – Spekulatius, obwohl sie sonst so aussahen, wie ich sie in Erinnerung hatte. Aber bald entdeckte ich natürlich auch meine Mandel – Spekulatius und sie sind nun die einzigen Spekulatius, mit denen ich mich in der Vorweihnachtszeit eindecke.

Ich erinnere mich, dass es von meiner Mutter jeden Morgen einen Teelöfel gute Medizin gab – Lebertran, zur Stärkung! War damals wohl so üblich, es Kindern zu verabreichen, besonders bei Unterernährung. Ich weiß nicht, ob ich damals unterernährt war, gehungert habe ich jedenfalls nicht! Es soll eigentlich penetrant schmecken. Ich empfand es aber nicht so und habe es gern eingenommen.

1965 – 6 Jahre

  • In den USA wird Präsident Johnson wiedergewählt
  • Hamilton River in Neufundland wird in Churchill River umbenannt
  • Die BRD stellt aus Protest wegen des Besuches von DDR Partei- und Staatschef Walter Ulbicht in Ägypten die Wirtschaftshilfe für das arabische Land ein.
  • Der erste Fernsehsatellit der Sowjetunion erreicht seine Umlaufbahn am 23. April
  • Die BRD und Israel nehmen diplomatische Beziehungen auf
  • Auf der Strecke München – Augsburg wird erstmals fahrplanmäßig ein Schnellzug mit Tempo 200 + eingesetzt
  • Albert Norden, Journalist und SED – Politiker, veröffentlicht ein Braunbuch über 1 800 Personen, die als Nazi- und Kriegsverbrecher in westdeutschen Führungspositionen tätig sind
  • Am 06. August erhalten Afroamerikaner erstmals das Wahlrecht in den USA zugestanden
  • CDU/CSU gewinnen die Bundestagswahlen mit 47,6 %
  • DDR – Bürgern im Rentenalter wird gestattet, in nichtsozialistische Staaten zu reisen
  • Frankreich startet den Satelliten Asterix. Der erste Satelliten – Start ohne Beteiligung der USA und der UdSSR
  • Charles de Gaulle wird zum zweiten mal zum Staatspäsidenten Frankreichs für sieben Jahre gewählt

Kulturelles

Die Beatles und die Rolling Stones stürmen die internationalen Hitparaden. Drafi Deutscher gibt sein berühmtes „Mamor, Stein und Eisen bricht“ zum besten. Soweit war ich noch nicht, aber der Hit des Jahres, das Trompeten – Solo von Nini Rosso – „Il Silenzio“ oder der Nr. 2 Hit des Jahres, „Down Town“ von Petula Clark krochen mir schon tief in die Ohren. Zwei Evergreens, die auch heute noch ihre Fasznination auf mich ausüben. Es ist wohl der Charm des Zeitgeistes, der mich beim Höhren dieser Lieder berührt.

Im Jahr 1965 werden Rockbands wie die Doors und die Scorpions gegründet. Die Doors erlebten nur einen kurzen Karriere – Höhepunkt und verschwanden nach dem Tod ihres exentrischen Leadsängers Jim Morrison vom Rock – Olymp. Erst später bildete sich ein großer Kult um die Band heraus. Ich kam erstmals Mitte der 1970er Jahre bewußt mit ihrer Musik in Kontakt. Damals hatte ich mein erstes Spulen – Tonbandgerät und saß viele Stunden zu fast jeder Tages- und Nachtzeit davor, um fetzige Rock- und Popmusik aufzunehmen, denn westliche Interpreten gab es in der DDR nur selten mal auf Schallplatte in Linzenz zu erstehen. So wurden also alle möglichen Radiosender mit einigermaßen gutem Empfang eingestellt, wenn dort Musik – Sendungen, in erster Linie „Musik für Junge Leute“ oder ähnliches liefen. Viel wurde vor meiner Tonband – Zeit auch Radio Luxemburg gehört, aber zum Aufnehmen von der störungsanfälligen Kurzwellen Frequenz war der Sender wirklich nicht geeignet. Eines Tages hatte ich über Mittelwelle den Deutschlandfunk im Empfänger. „Riders on The Storm“ von den Doors wurde neben „Help“ von Deep Purple gespielt und bei mir auf Band konserviert. Herrlich ruhige und stimmungsvolle Stücke der ansonsten doch eher polternden Rocker. Bis heute Kult bei mir. Später lernte ich natürlich weitere Stücke der Doors kennen und lieben und die Hardrocker von Deep Purple waren ab den 1970er Jahreen sowieso angesagt!

Über diese Radio – Mitschnitte lernte ich um 1977 herum auch die Scorpions aus Deutschlands Hardrockzentrale Hannover kennen. In der NDR – Hitparade wurden damals am Ende der Sendung Schallplatten verlost und vorgestelt. „Virgin Killer“, das 4. Studio – Album von den Scorpions wurde verlost und drei Titel gespielt. Ich schnitt natürlich mit. Ganz gute, harte Musik, aber noch nicht der ganz große Hit bei mir. Ich stand damals eher noch auf die Glamrocker wie Gary Glitter, The Sweet oder Slade. Kurze Zeit später nahm ich im Club von NDR 2 einen weiteren Titel der Scorpions auf, der mir schon mehr zusagte und bereits ihre Fähigkeiten so tollen Rockbalden erahnen ließ –  „In Your Park“. Zum richtigen Fan der Band wurden meine Schulkameraden, Freunde und ich, als das Life – Album „Tokio – Tapes“ heraus kam und nun auch im DDR – Rundfunk gespielt wurde. Damals gehörte noch Uli Jon Roth als Gittarist zu den Scorpions und gab den Konzertmitschnitten mit seiner virtuos wilden, wie auch sanften Spielweise eine urwüchsige Lebendigkeit. Einfach grandios! Eines der besten Hard Rock/Heavy Metal Life – Alben, die jemals auf Platte verewigt wurden. Absolut Kult bisheute ist bei uns aber auch ihr Album „Love Drive“, dass wir uns von einer Polen – Reise kurz vor Verhängung des Kriegsrechtes im Nachbarstaat 1981 für 100 Ostmarkt kauften und es auch schaften, es über die Grenze zu bekommen. Überhaupt eines der besten Alben der Scorpiens! Für damaligen Zeiten unglaublich hart und wuchtig im Sound und natürlich auch mit balladenartigem Material ausgestattet. Wer dachte damals schon daran, dass in einigen Jahren die Mauer fällt und die Scorpions mit ihrem Welthit „Wind of Chance“ zu diesem historischen Ereignis, das die ganze Welt verändern sollte, den musikalischen Soundtrack liefern würden.

Persöhnliches

Eigentlich hätte ich eingeschult werden müssen, wurde aber ein Jahr zurück gestellt. Grund war eine langwierige Lungenerkrankung meiner Mutter, die sie sich während der Strapazen der Kriegs- und Flüchtlingszeit zugezogen hatte. Viele Menschen haben damals an Lungentuberkulose gelitten und die hochansteckende Krankheit brach offensichtlich immer wieder auf, so dass sie für längere Zeit in eine Lungenheilstätte mußte. Diese war im Jagdschloß Gelbensande, in der Rostocker Heide, untergebracht. Vater war die Woche über auf Montage im Tiefbau. Wohin nun mit den Kindern? Zum Glück erklärten sich Verwandte bereit, uns während dieser Zeit aufzunehmen. Ich weiß nicht mehr genau wie lange, aber 6 – 9 Monate dürften es wohl gewesen sein. Wir wurden also von unseren Verwandten in Demen und Neubukow in Obhut genommen.

Meine Erinnerungen an diese Zeit

Im Gedächtnis ist mir ein kurzer Aufenthalt im Kindergarten Demen geblieben. Auf der Spielwiese wuchsen kleine Pilze, die mein Interesse weckten. Aber kaum wurde dieses von den Erzieherinnen bemerkt, wurden mir diese aus der Hand genommen und ich wurde von ihnen fern gehalten. Die Angst, Kinder könnten die möglicherweise giftigen Pilze in den Mund stecken, ist auch heute noch weit verbreitet in Kindertagesstätten. Sicher nicht unbegründet, wie ich aus meiner langjährigen Erfahrung als Pilzberater weiß. Zum Glück kommt es aber nur selten zu Erkrankungen, falls tatsächlich mal ein giftiger Geselle verschluckt worden sein sollte.

Schließlich waren wir mit der Kindergartengruppe auch im nahen Wald unterwegs und da bahnte sich ein Großereignis an. Eines der Kinder hatte einen Steinpilz gefunden! Gleichzeitig lernte ich die dunkelblauen Käfer kennen, die oft auf den Waldwegen in unseren Wäldern unterwegs sind, die Mistkäfer! Mir wurde allerdings gesagt, es handele sich um Tintenkäfer. Ich muss sagen, diese Käfer, trotz ihrer Nützlichkeit, sind mir heut zu tage, zumindest wenn sie sich an unseren Stein- und Hexenpilzen zu schaffen machen und sie in kürzester Zeit zerpflücken, ein graus!

Aber es ging auch privat in den Wald zum Pilze sammeln. Gesucht wurden ausschließlich Pfifferlinge. Ich kann mich noch an die großen, gelben Teppiche erinnern, es war also tatsächlich mehr ein Sammeln, als ein suchen. In den 1960 Jahren hatte noch längst nicht jeder ein Auto und in der ländlichen Region mit seinen ausgedehten Wäldern konnten selbst die langsam wachsenden Pfifferlinge in Ruhe gedeihen. Die Wälder waren noch nicht überlaufen. Ich erinnere mich an große, gelbe und rote Blätterpilze, in denen das Wasser nach Regenfällen in den Vertiefungen ihrer Hüte stand. Offensichtlich Täublinge, die doppelt so groß waren als heute! Sie galten als giftig und gefährlich und ich durfte mit ihnen Fußball spielen. Hat großen Spaß gemacht! Heute kann ich darüber nur den Kopf schütteln, aber meine Altvorderen wußten es offensichtlich nicht besser und ein Kind erst recht nicht. Wie dem auch sei, in der Summe dürften diese Ereignisse der Schlüßel zu meiner späteren, tiefen und innigen Beziehung zu diesen Naturreich gewesen sein, die mich wie ein roter Faden durch mein späteres Leben begleiten sollten.