Lebenserinnerungen

Von Reinhold Krakow

Er erblickte am 11. Februar 1959 das Licht der Welt

Es soll irgendwann zwischen 19.30 Uhr und 20.00 Uhr in Wismar gewesen sein.

Seit 11 Jahren teilt er nun an dieser Stelle sein Wissen aus dem Pilzreich mit. Was ist er für ein Mensch? Sicher kein normaler, wie es so oft floskelhaft ertönt. Ein normaler Mensch würde nicht so viel Zeit ohne nennenswerten, finanziellen Gewinn an `s Bein binden, um den Menschen sein Wissen und seine Erfahrungen aus dem Reich der Großpilze zu vermitteln. Ein Mensch, sicher mit keinem hohen EQ, welches sich dem aufmerksamen Leser selbst dieser Zeilen schnell offenbaren dürfte. Rechtschreibung war ihm schon in der Schule ein graus. Stark vereinfachte Texte und Formulierungen und die Endlos – Fehlerserie auf dieser umfangreichen Homepage sind kaum zu entschuldigen, aber ich hoffe trotzdem, dass der kluge Leser herausfiltern möge, welches ich zu vermitteln suche. Also kein Intellektueller, sondern nur ein Prolet (Bildungsferner – übrigens so oder ähnlich auch in meiner umfangreichen Akte des Job – Centers nachzulesen!) aus der Arbeiterschaft. Eigentlich nicht dazu prädestiniert, an dieser Stelle zu agieren. Ich sollte lieber, so wie früher, am Backofen stehen.

Mutter und Kind um 1960 herum. Noch einmal Baby sein, was gäbe ich drum!

Ich möchte mich an dieser Stelle nach und nach etwas näher vorstellen, um nachvollziehbar zu machen, wie ein Mensch im laufe seines Lebens, trotz reichlich Arbeit, zu nichts kommen kann.

  • 1959 war übrigens auch das Geburtsjahr des Ostdeutschen Sandmännchens. Es ist immer noch präsent!
  • 1959 war auch das Jahr der kubanischen Revolution mit Fidel Castro an der Spitze.
  • 1959 stürzte der Rock `N´ Roller Buddy Holly und andere Musiker mit einem Flugzeug ab.
  • 1959 wurde in der Bundeswehr der Starfighter eingeführt. Viele Piloten teilten im laufe der Jahre das Schicksal der Musiker. So hieß das Model alsbald im Volksmund Witwenmacher.
  • 1959 wurde in Düssdeldorf das erste Radar – Gerät zur Geschwindigkeitsmessung im Straßenverkehr aufgestellt.

Geburtstag 1960 – 1 Jahr alt 

Aber was geschah in diesem Jahr – hier einige Stichpunkte:

  • 1960 hatte Elvis Presley seinen Militärdienst in Deutschland beendet
  • 1960 wurde über der Sowjetunion ein US – Spionageflugzeug abgeschossen
  • 1960 hatten The Beatles ihren ersten Auftritt in einer Nachtbar auf der Reperbahn in Hamburg
  • 1960 startete von den USA aus die Anti – Baby – Pille ihren Siegeszug um die Welt. Da hatte ich als schon reales Baby nochmal Glück!
  • 1960 starb der erste und einzige Präsident der DDR – Wilhelm Pieck
  • 1960 gab es eine Rekord – Weinernte – in meiner Flasche war allerdings ein anderes Getränk enthalten!

Ein junger Erdenbürger blickt freundlich in das Licht der Welt. Noch unverdorben und voller Erwartung auf das Abenteuer Leben. Nichts ahnend, wie holprig sein Lebensweg werden sollte, nur um seine Berufung ausüben zu dürfen.

1961 – 2 Jahre alt

Sicher bekommt man von der Umwelt jetzt schon einiges mit, aber kaum zur späteren Erinnerung. Nur soviel, dass ich mich wohl an Mutter und Vater im Dämmerlicht zu erinnern glaube. Mein Bruder wurde geboren.

Was geschah in diesem Jahr? – Einige Schlagzeilen:

  • In Israel beginnt der Prozess gegen Adolf Eichmann. Er endet mit der Todesstrafe.
  • Der Sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin war der erste Mensch im Weltraum.
  • Bau der Berliner Mauer.
  • Gründung des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF)

1962 – 3 Jahre alt

  • Nelson Mandela wird in Südafrika verhaftet.
  • Ein DDR – Grenzsoldat wird von einem Beamten des Bundesgrenzschutz erschossen.
  • Kuba – Krise wegen der Stationierung von Atom – Raketen von den USA in der Türkei und der Sowjetunion auf Kuba. Die Welt schlittert haarscharf an einem Atomkrieg vorbei. Da habe ich ja nochmal Glück gehabt!
  • Die Spiegelaffäre beginnt, in deren Folge der damalige Bundesverteidigungsminister Franz – Josef Strauss seinen Hut nehmen muss.
  • Der Deutschlandfunk geht regulär auf Sendung.
  • Schwere Sturmflut im Februar an der Nordsee und in Hamburg. In der Hansestadt starben 315 Menschen. Ich wohnte nur wenige Meter vom Wismarer Hafen entfernt und meine Mutter erzählte damals oft, wie es in der Sturmnacht Hamburg zuging. Ich hatte angst, dass Wasser könnte auch uns etwas antun.
  • Ab Mitte November bis Mitte März des Folgejahres kam es zu einem der strengsten Winter in Europa.

Ich kann mich erinnern, dass ich mit meinem Vater damals um den Häuserblock an den Holzhafen ging (ich konnte dann ja wohl schon laufen, aber ich saß auch auf dem Arm). Die Küstenfischer sägten große Quader aus dem Eis, um ihre Boote vor dem zerdrücken zu schützen. Wenige Bruchstücke, an die ich mich aus frühesten Kindertagen noch erinnern kann.

Ich vermute Silvester 1962. Links meine Mutter, mein Bruder Uwe, meine Wenigkeit, Tante Anni und Töchterchen Monika.

1963 – 4 Jahre alt

  • Im Iran wird das Wahlrecht für Frauen eingeführt
  • US – Präsident J. F. Kennedy hält seine berühmte Berlin – Rede
  • Unterzeichnung des Vertrages zum Verbot atmosphärischer Atomwaffentests
  • Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit auch für farbige Menschen mit Martin Luther King an der Spitze und seine berühmten Rede „I Have a Dream“
  • Das SED – Politbüro veröffentlicht sein Comunique gegen Gängelei, Zeigefingerheben und Administrieren der Jugend. (Ich denke, das wäre auch in der damaligen BRD sehr angebracht gewesen!)
  • Konrad Adenauer tritt als Bundeskanzler zurück – Ludwig Ehrhard wird sein Nachfolger
  • Am 22. November wird US – Präsident J. F. Kennedy ermordet

Geister und Gespenster

Und an was kann ich mich erinnern? Sicher nicht an vieles, aber einige Eindrücke sind sicher auf diesen Zeitraum zurückzuführen: Kalte Winter mit Eisblumen am Fenster und Zeitungspapier, um die damals  ziemlich desolaten Fenster ein wenig abzudichten.

Mein erstes Lieblingslied, bei dem ich regelrecht außer Rand und Band geriet: „Winni Winni Wanna Wanna“ von den Tahiti Tamore`s. Erschienen 1963 und ein Welthit. Auch heute noch ein sehr schönes Lied, wie ich finde. Eingängige Melodie, die gute Laune verbreitet und natürlich auch schon ein Ohrwurm im frühesten Kindesalter.

Ich hatte abends und nachts Angst, wenn irgendwo zu hause ein Fenster offen stand, es könnten Gespenster herein kommen, allen voran sogar eine Nachtigall. In meiner Fantasie ein gefährlicher Geist, vor dem man sich in acht nehmen sollte. Ich war diesbezüglich natürlich dumm. Hätte ich gewust, das es sich um einen, kleinen, lieblichen Vogel handelt, der so schöne Gesänge von sich gibt, und das auch noch des nachts, hätte ich sicher nichts dagegen, wenn er zu mir gekommen wäre!

Auch ein für mich sehr hohes, kleines Fenster im dunklen Alkoven zum Treppenaufgang des Flures hin, der natürlich als Schlafzimmer genutzt wurde, war mir unheimlich. Ich hatte Angst, dass hier ein böser Bullemann herein kommen könnte. Was und wie auch immer ein Bullemann sein würde, kann ich heute nicht mehr nachvollziehen. Möglicherweise hat sich dieses Hirngespinst bei mir auch wegen eines, meiner Meinung nach, bösen Onkles bei mir eingeschlichen, der mit grimmigem Gesicht und streng riechender Zigarre des öfteren zum Besuch unserer damaligen Vermieter den Treppenaufgang hinauf stieg. Vor diesem Menschen hatte ich einfach Angst.

Im Alkoven hing an der Wand über dem Bett ein kleines Bildchen, auf der eine etwas mystisch wirkende Frau abgebildet war. Ich fragte meine Mutter häufig, wer das wohl sei. Das wäre die Maria, so ihre nichts weiter erklärende Antwort, die mich natürlich wenig befriedigte. Aber vielleicht war es ja unsere Tante im Westen, die hieß Marie. Welche Maria hier aber gemeint war, brauch ich wohl nicht weiter erläutern.

Erste Krankenhauserfahrungen

Auch verorte ich in diese Zeit meinen ersten, für mich wahrnehmbaren Krankenhausaufenthalt. So wie meine Mutter sagte, drohte ich des nachts fast zu ersticken, weil meine Mandeln angeschwollen und entzündet waren. Ich kam für einige Tage in die Poliklinik am Lindengarten. Ich kann mich noch gut an das viele Blut und das Handwerkszeug des Arztes erinnern, als er mir die Mandeln heraus operierte. Und danach gab es nur flüssiges, damit die Wunden verheilen konnten. Ich hatte Heimweh, war ich doch bewusst das erste mal Tag und Nacht von zu hause fern. So entschloss ich mich kurzerhand diesen Zustand zu ändern und wollte eines Abends Ausbüchsen. Zum Glück fing mich eine Krankenschwester gerade noch rechtzeitig ab. Mein zu hause lag zwar nicht weit entfernt, aber ob ich es wohl gefunden hätte?

Waldspaziergang bei Demen. Der kleine Kerl vorne ist mein Bruder Uwe und ich als alter Lulatsch muss noch von meiner Mama auf den Arm genommen werden. Ganz schön peinlich!

Verliebt in die Silvesternacht

Großes Bengalfeuer zu Silvester. Wir wohnten gleich neben dem Feuerwehrturm in Wismar und die Feuerwehr brannte damals um Mitternacht auf diesem ein buntes und riesiges Bengalfeuer ab. Dazu die bunten Leuchtkugeln der Raketen am Himmel. Das Sprühen der Wunderkerzen am Weihnachtsbaum. Angst machten mir die lauten Knaller um Mitternacht und das unheimliche, gespenstische Heulen der Nebelhörner im Hafen, von den reichlich vor Anker liegenden Frachtschiffen aus aller Welt. Wir wohnten ja nicht weit weg vom alten Holzhafen. Dieses Szenario brannte sich tief bei mir ein. Es führte dazu, dass ich die Silvesternächte zu lieben begann. Es gab Zeiten, da konnte ich die letzten Nächte zwischen Weihnachten und Silvester vor Aufregung kaum noch schlafen. Die Nebelhörner sind heute leider kaum noch zu hören, aber Silvester ohne Feuerwerk, wie es in letzter Zeit immer häufiger diskutiert wird, wäre ein unglaublicher Kulturverlust. In der Silvesternacht kann es nicht laut, bunt und rauchig genug zugehen! Deshalb zünde ich auch mit 60 Jahren nach wie vor meine Böller, Fontänen, Raketen und Batterien mit wahrer Begeisterung! Die Liebe zu diesem Spektakel habe ich mir zum Glück aus jungen Jahren bis heute erhalten können. Alle Achtung vor der Pyrotechnischen Industrie, die seit der Jahrtausend – Wende richtig schöne Produkte entwickelt hat. Feuerwerk ist vielfach die Kunst des Vergänglichen, obwohl viele Kritiker anscheinend von sich in Anspruch nehmen, dass sie über diese „primitiven Dinge“ als niveauvolle Menschen stehen. Auch vielen Hundehaltern scheint das Wohl ihrer Vierbeiner mehr am Herzen zu liegen, als ausgelassene Freude der Menschen an Silvester. Nicht umsonst begeistern auch die offiziellen Großfeuerwerke zu ganz besonders feierlichen Anlässen so viele Menschen. Und einmal im Jahr sollte jeder dazu die Möglichkeit haben. Hoffen wir, dass es auch in Zukunft dabei bleibt. Das einige damit auch Unfug anstellen, liegt in der Natur des Menschen und das wird immer so sein. Solange Panzer, Raketen und sogar Atombomben hergestellt und in den Arsenalen der Menschheit auf ihren Einsatz gegen Menschen, ja gegen alles Leben auf diesem Planeten warten, kann ich nur sagen, wandelt das Arsenal in Pyrotechnik um und beglückt die Welt mit etwas schönem. Die Feinstaubbelastung, die viele Kritiker u. a. als Alibi für ihre Abneigung am Feuerwerk anbringen, ist zumindest bei uns an der Küste an den Haaren herbei gezogen. Sicher kann und wird es in Ballungsgebieten bei windschwachen Inversionswetterlagen vorübergehend zu einer erheblichen Feinstaubbelastung kommen, da die Batterie- und Verbundfeuerwerke wesentlich mehr Pulverdampf abgeben. Sicher der Hauptgrund der Feuerwerks – Gegner, da das Silvesterfeuerwerk dichter, bunter und lautstärker geworden ist, wie vor der Jahrtausendwende, als die ersten, derartigen Batterien aufkamen. Unsere Silvesterfeuerwerke haben also eine ganz andere Qualität erreicht, die ich als Fan der Knallerei nur begrüßen kann.

Silvesterfeier mit Tante Eva und Onkel Paul.

Spaziergang mit einer Nachbarin im Wismarer Lindengarten. Nachdem ich sie eines guten Tages aus kindlicher Naivität Buckeltante nannte, war Schluss mit lustig. – Diese Anekdote konnte meine Mutter bis ans Ende ihrer Tage nicht vergessen.

1964 – 5 Jahre alt

  • Am 1. Juni  Einführung des Zebrastreifens mit Fußgänger – Vorrang in der BRD.
  • Nelson Mandela wird am 12. Juni zu lebenslanger Haft in Südafrika verurteilt.
  • Ebenfalls am 12. Juni unterzeichnen die Sowjetunion und die DDR den Vertrag über Freundschaft, gegenseitigen Beistand und Zusammenarbeit.
  • Heinrich Lübke wird für eine weitere Amtszeit als Bundespräsident wiedergewählt.
  • Die USA treten in den Vietnam – Krieg ein.
  • Rentner der DDR wird der Besuch von Verwandten in der BRD und West – Berlin ermöglicht.
  • Kossygin und Breschnew lösen Chruschtschow an der Spitze des ZK der kommunistischen Partei der UdSSR ab.
  • Die DDR beschließt den Zwangsumtausch (Geld) bei Besuchern aus dem nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet in DDR – Mark.
  • Die Stiftung Warentest wird in der BRD gegründet

Das Foto dürfte in etwa zu dieser Zeit entstanden sein. Ich stehe hier noch ohne Brille, und dass mit meiner starken Kurzsichtigkeit, vor der Haustür im mecklenburgischen Demen, also vor dem Haus der Familie Krakow.

In Demen, vor der Tür zum Hühnerhof.

Die Eltern

Mutter und Vater sind Jahrgang 1925. Mein Vater stammt aus Demen, bei Crivitz, und meine Mutter aus Münnichwies, dem heutigen Vricko in der Slowakei. Im Zuge der Vertreibung der deutschstämmigen Bevölkerung am Ende des 2. Weltkrieges, endete die Flucht der aus ihrer Heimat vertriebenen (Hauerland, in den Karparten) bei meiner Mutter und weiteren Familienangehörigen in Wismar/Mecklenburg. Hier hat sie meinen Vater kennengelernt und sie haben später geheiratet. Dieser Umstand stimmt mich durchaus nachdenklich, ist meine Existenz doch irgendwie ein Spätfolge des deutschen Größenwahns unter Adolf Hitler.

Mein Vater stammt aus einer kinderreichen Familie. Da der Ort Demen nie Gutsdorf war (gehörte im Mittelalter zum Kloster Dobbertin) wurden auf Betreiben des mecklenburgischen Großherzogs Häuslerstellen eingerichtet. Während der Bodenreform im Jahre 1946 wurden den Häuslern jeweils ein ha Wiese oder Weideland und ein ha Wald überschrieben, die bis heute in Privatbesitz der  Erbengemeinschaft Krakow liegen. Die Flächen stammen aus der Auflösung des benachbarten Gutes Buerbeck.

Kulturelles

Die Beatlesmania greift in der westlichen Welt umsich. – Davon habe ich natürlich noch nicht viel mitbekommen. Das lag aber nicht daran, das Mecklenburg damals zum Ostblock gehörte, sondern am Alter. Ich kann mich nur erinnern, als wir mit jugendlichen Verwandten aus Demen in Wismar durch die Stadt gingen, dass dort offensichtlich Jugendliche mit längeren Haaren gesichtet und bewundert wurden. „Die sehen ja aus wie die Beatles“, glaube ich so oder ähnlich gehört zu haben, ohne es irgendwie einordnen zu können. Später waren die Beatles natürlich auch der Hit bei mir, allerdings hatten sie sich da schon aufgelöst. Die Rolling Stones waren noch etwas wilder, wurden vom DDR – Hörfunk, im Gegensatz zu den Beatles, meist boykotiert. Die waren den DDR – Kulturrepräsentanten dann wohl doch ein wenig zu rebellisch!

In diesem Jahr wurde auch die Rockband Pink Floyd gegründet. Von dieser Supergruppe war in späteren Jahren nicht nur ich ein großer Fan.

Das Duo Simon And Gar Funkel machte erstmals auf sich aufmerksam. Ich entdeckte sie in den 1970er Jahren für mich und war begeistert von ihren sanften Liedern.

Persönliche Erinnerungen

An was kann ich mich noch erinnern, was in diesen Zeitrahmen passen könnte? – Wir wohnten damals in einem privaten Altbau in Hafen – Nähe, in der Scheuerstraße. Die Hausbesitzer waren ein älteres Ehepaar. Sie besaßen einen alten, mechanischen Filmvorführer mit einer Handdrehkurbel und luden mich gelegentlich zu einem kleinen „Kino – Abend“ ein. Ich kannte keine bewegten Bilder und es war ein beeindruckendes Erlebnis. Märchen, ich glaube es könnte „Hänsel und Gretel“ oder ähnliches gewesen sein, liefen dort. Jedenfalls, so glaube ich zu erinnern, wurde dort jemand (Hexe) auf einem Schieber in den Backofen geschoben und verließ als schwarze Rauchwolke den Schornstein.

Besuch aus der Westzone

Die Familie hatte eines Tages auch Besuch aus der „Westzone“ und ich war zufällig wieder dort, vielleicht um nochmals Kino zu schauen. Sie besaßen aber nicht nur diesen Filmvorführer, sondern auch schon einen Fernseher (wir leider erst ab 1967) und es lief die Nordschau vom NDR. Der Vorspann blieb mir irgendwie in Erinnerung und natürlich das Seepferdchen. Auch das die ältere Dame, der Besuch aus dem Westen, von Adenauer kam, wie sie zu mir sagte, und sehr vornehm zu sein schien, denn sie wedelte sich mit einem schicken Fächer immer wieder Frischluft zu. Aus heutiger Sicht im höchsten Maße dekadent, diese alberne Vornehmheit, aber sie war ja von Adenauer, dass musste ja irgendwie unterstrichen werden! Und an eines kann ich mich in diesem Zusammenhang noch erinnern. An meinen ersten Spekulatius, den ich von der vornehmen Dame geschenkt bekommen habe. Ich kann mich gut an die Mandelsplitter erinnern. Also ein Mandel – Spekulatius. Das fand ich irgendwie spannend und geschmeckt hat der Keks schließlich auch noch. Später war ich etwas enttäuscht, dass unsere Wurzener Ost – Spekulatius nicht diese Mandelschnipsel auf der Unterseite hatten. Aber geschmeckt haben die auch und es gab sie vor allem ganzjährig bei uns in der „Ostzone“ zu kaufen.

Es sollte lange dauern, bis ich endlich wieder diese Mandel – Spekulatius genießen durfte. Dazu musste erst die Mauer fallen. Bei meinem ersten Westbesuch während der Grenzöffnung 1989 sah ich in einem großen Kaufhaus in Hamburg Spekulatius im Angebot und schlug natürlich sofort zu, war aber enttäuscht, dass die Mandelsplitter fehlten. Es waren nur gewöhnliche Gewürz – Spekulatius, obwohl sie sonst so aussahen, wie ich sie in Erinnerung hatte. Aber bald entdeckte ich natürlich auch meine Mandel – Spekulatius und sie sind nun die einzigen Spekulatius, mit denen ich mich in der Vorweihnachtszeit eindecke.

Gesundes

Ich erinnere mich, dass es von meiner Mutter jeden Morgen einen Teelöfel gute Medizin gab – Lebertran oder so etwas ähnliches, zur Stärkung! War damals wohl so üblich, es Kindern zu verabreichen, besonders bei Unterernährung. Ich weiß nicht, ob ich damals unterernährt war, gehungert habe ich jedenfalls nicht! Es soll eigentlich penetrant schmecken. Ich empfand es aber nicht so und habe es gern eingenommen.

Winterromantik

Im Radio (DDR 1) lief morgens immer eine tolle Kindersendung aus dem „Butzemannhaus“, beispielsweise mit Bauer Lindemann oder dem Kleinen Pfennig. Hat Spaß gemacht und ich habe es gerne gehört. Im Winter erfreute ich mich über die Eisblumen am Fenster. Die sucht man heute meist vergebens. Wenn es schneite, und ich wartete im Winter ungeduldig darauf, saß ich vor dem Fenster und sah dem Tanz der Flocken zu. Schnee war für mich etwas magisches und märchenhaft schönes. Und es gab damals durchaus schneereiche Winter. Etwas später ging es dann zum Rodeln zum Polizeiberg in Wismar. Heute ist das Gelände weitgehend zugebaut.

Zu Besuch bei Verwandten in Schwerin – Lankow.

Wir sehen hier meine Mutter und meinen Vater, meinen Bruder und mich sowie eine unserer Cousinen. Schwach kann ich mich noch an den damaligen Besuch bei der Familie Karl Krakow, dem Bruder meines Vaters, erinnern. Da ist mir vor allem noch der Mittagstisch in Erinnerung. Es gab wunderbar frische und dampfende Salzkartoffeln mit Polizei – Fingern. Nun, es wurden keinem Ordnungshüter die Finger gestutzt, soll er doch selber die Langfinger dingfest machen. Es waren Möhren, die für uns Kinder so genannt wurden. Wohl auch nur deshalb ist mir diese Begebenheit auch in meinem Gedächtnis haften geblieben. Die Familie von Onkel Karl und Tante Ursel wohnte damals noch recht ländlich im Schweriner Außenbezirk Lankow. Nicht mehr lange. Bald sollte hier eine neuer Stadtteil mit Plattenbauten entstehen. Die Familie zog in die Innenstadt, unweit des Schweriner Hauptbahnhofes. Öfter waren wir auch hier zu Gast. Meist ging es dann zum Schweriner Märchenschloss, in dem heute der Landtag residiert. 

Das Schweriner Schloss von der Seeseite aus fotografiert.

1965 – 6 Jahre

  • In den USA wird Präsident Johnson wiedergewählt
  • Hamilton River in Neufundland wird in Churchill River umbenannt
  • Die BRD stellt aus Protest wegen des Besuches von DDR Partei- und Staatschef Walter Ulbricht in Ägypten die Wirtschaftshilfe für das arabische Land ein.
  • Der erste Fernsehsatellit der Sowjetunion erreicht seine Umlaufbahn am 23. April
  • Die BRD und Israel nehmen diplomatische Beziehungen auf
  • Auf der Strecke München – Augsburg wird erstmals fahrplanmäßig ein Schnellzug mit Tempo 200 + eingesetzt
  • Albert Norden, Journalist und SED – Politiker, veröffentlicht ein Braunbuch über 1 800 Personen, die als Nazi- und Kriegsverbrecher in westdeutschen Führungspositionen tätig sind
  • Am 06. August erhalten Afroamerikaner erstmals das Wahlrecht in den USA zugestanden
  • CDU/CSU gewinnen die Bundestagswahlen mit 47,6 %
  • DDR – Bürgern im Rentenalter wird gestattet, in nichtsozialistische Staaten zu reisen
  • Frankreich startet den Satelliten Asterix. Der erste Satelliten – Start ohne Beteiligung der USA und der UdSSR
  • Charles de Gaulle wird zum zweiten mal zum Staatspäsidenten Frankreichs für sieben Jahre gewählt

Kulturelles

Die Beatles und die Rolling Stones stürmen die internationalen Hitparaden. Drafi Deutscher gibt sein berühmtes „Mammor, Stein und Eisen bricht“ zum besten. Soweit war ich noch nicht, aber der Hit des Jahres, das Trompeten – Solo von Nini Rosso – „Il Silenzio“ oder der Nr. 2 Hit des Jahres, „Down Town“ von Petula Clark krochen mir schon tief in die Ohren. Zwei Evergreens, die auch heute noch ihre Faszination auf mich ausüben. Es ist wohl der Charm des Zeitgeistes, der mich beim Hören dieser Lieder berührt.

Im Jahr 1965 werden Rockbands wie die Doors und die Scorpions gegründet. Die Doors erlebten nur einen kurzen Karriere – Höhepunkt und verschwanden nach dem Tod ihres exzentrischen Leadsängers Jim Morrison vom Rock – Olymp. Erst später bildete sich ein großer Kult um die Band heraus. Ich kam erstmals Mitte der 1970er Jahre bewusst mit ihrer Musik in Kontakt. Damals hatte ich mein erstes Spulen – Tonbandgerät und saß viele Stunden zu fast jeder Tages- und Nachtzeit davor, um fetzige Rock- und Popmusik aufzunehmen, denn westliche Interpreten gab es in der DDR nur selten mal auf Schallplatte in Lizenz zu erstehen. So wurden also alle möglichen Radiosender mit einigermaßen gutem Empfang eingestellt, wenn dort Musik – Sendungen, in erster Linie „Musik für Junge Leute“ oder ähnliches liefen. Vor meiner Tonband – Zeit wurde auch viel Radio Luxemburg gehört, aber zum Aufnehmen wegen der störungsanfälligen Kurzwellen – Frequenz war der Sender wirklich nicht geeignet. Eines Tages hatte ich über Mittelwelle den Deutschlandfunk im Empfänger. „Riders on The Storm“ von den Doors wurde neben „Help“ von Deep Purple gespielt und bei mir auf Band konserviert. Herrlich ruhige und stimmungsvolle Stücke der ansonsten doch eher polternden Rocker. Bis heute Kult bei mir. Später lernte ich natürlich weitere Stücke der Doors kennen und lieben und die Hardrocker von Deep Purple waren ab den 1970er Jahren sowieso angesagt!

Über diese Radio – Mitschnitte lernte ich um 1977 herum auch die Scorpions aus Deutschlands Hardrock – Zentrale Hannover kennen. In der NDR – Hitparade wurden damals am Ende der Sendung Schallplatten verlost und vorgestellt. „Virgin Killer“, das 4. Studio – Album von den Scorpions stand zur Verlosung und drei Titel wurden daraus gespielt. Ich schnitt natürlich mit. Ganz gute, harte Musik, aber noch nicht der ganz große Hit bei mir. Ich stand damals eher noch auf die Glam – Rocker wie Gary Glitter, The Sweet oder Slade. Kurze Zeit später nahm ich im Club von NDR 2 einen weiteren Titel der Scorpions auf, der mir schon mehr zusagte und bereits ihre Fähigkeiten so tollen Rockbaladen erahnen ließ –  „In Your Park“. Zum richtigen Fan der Band wurden meine Schulkameraden, Freunde und ich, als das Life – Album „Tokio – Tapes“ heraus kam und nun auch im DDR – Rundfunk gespielt wurde. Damals gehörte noch Uli Jon Roth als Gitarrist zu den Scorpions und gab den Konzertmitschnitten mit seiner virtuos wilden, wie auch sanften Spielweise eine urwüchsige Lebendigkeit. Einfach grandios! Eines der besten Hard Rock/Heavy Metal Life – Alben, die jemals auf Platte verewigt wurden! Absolut Kult bis heute ist bei uns aber auch ihr Album „Love Drive“, dass wir uns von einer Polen – Reise kurz vor Verhängung des Kriegsrechtes im Nachbarstaat 1981 für 100 Ostmarkt kauften und es auch schafften, die Scheibe über die Grenze zu bekommen. Überhaupt eines der besten Alben der Scorpions! Für damaligen Zeiten unglaublich hart und wuchtig im Sound und natürlich auch mit balladeskem Material. Wer dachte damals schon daran, dass in einigen Jahren die Mauer fällt und die Scorpions mit ihrem Welthit „Wind of Chance“ zu diesem historischen Ereignis, dass die ganze Welt verändern sollte, den musikalischen Soundtrack liefern würden.

Persönliches

Eigentlich hätte ich eingeschult werden müssen, wurde aber ein Jahr zurück gestellt. Grund war eine langwierige Lungenerkrankung meiner Mutter, die sie sich während der Strapazen der Kriegs- und Flüchtlingszeit zugezogen hatte. Viele Menschen haben damals an Lungentuberkulose gelitten und die hochansteckende Krankheit brach offensichtlich immer wieder auf, so dass sie für längere Zeit in eine Lungenheilstätte musste. Diese war im Jagdschloss Gelbensande, in der Rostocker Heide, untergebracht. mein Vater war die Woche über auf Montage im Tiefbau. Wohin nun mit den Kindern? Zum Glück erklärten sich Verwandte bereit, uns während dieser Zeit aufzunehmen. Ich weiß nicht mehr genau wie lange, aber 6 – 9 Monate dürften es wohl gewesen sein. Wir wurden also von unseren Verwandten in Demen und Neubukow in Obhut genommen.

Zu der Zeit entstand dieses Foto vor dem alten Fachwerkhaus am Markt in Neubukow, in dem Tante Helga und Onkel Adolf uns damals aufnahmen. Wir sehen meinen kleinen Bruder und mich, zusammen mit einer Cousine aus Schwerin.

Meine Erinnerungen an diese Zeit

Die Familie Krakow in Demen war, wie früher üblich, sehr kinderreich. Mein Vater hatte mindestens 10 Geschwister, von denen ein Bruder im 2. Weltkrieg gefallen war. Zur Erinnerung hing im Wohnzimmer ein großes, eingerahmtes Porträt – Foto in Wehrmachtsuniform an der Wand. Sie bewohnten ein einfaches Häusler – Grundstück, wobei das Vieh mit im Gebäude untergebracht war. Natürlich separat im Stall. Hausschweine und eine Kuh, aber auch Ziegen. Hühner, Enten und Gänse sowieso.

Im Gedächtnis ist mir ein kurzer Aufenthalt im Kindergarten Demen geblieben. Auf der Spielwiese wuchsen kleine Pilze, die mein Interesse weckten. Aber kaum wurde dieses von den Erzieherinnen bemerkt, wurden mir diese aus der Hand genommen und ich wurde von ihnen fern gehalten. Die Angst, Kinder könnten die möglicherweise giftigen Pilze in den Mund stecken, ist auch heute noch weit verbreitet in Kindertagesstätten. Sicher nicht unbegründet, wie ich aus meiner langjährigen Erfahrung als Pilzberater weiß. Zum Glück kommt es aber nur selten zu Erkrankungen, falls tatsächlich mal ein giftiger Geselle verschluckt worden sein sollte.

Reinhold und Uwe mit Haushund Rolf in Demen.

Schließlich waren wir mit der Kindergartengruppe auch im nahen Wald unterwegs und da bahnte sich ein Großereignis an. Eines der Kinder hatte einen Steinpilz gefunden! Gleichzeitig lernte ich die dunkelblauen Käfer kennen, die oft auf den Waldwegen in unseren Wäldern unterwegs sind, die Mistkäfer! Mir wurde allerdings gesagt, es handele sich um Tintenkäfer. Ich muss sagen, diese Mistkäfer, trotz ihrer Nützlichkeit, sind mir, zumindest wenn sie sich an unseren Stein- und Hexenpilzen zu schaffen machen und sie in kürzester Zeit zerpflücken, ein graus!

Mit Cousin Hansi, dem Sohn von meiner leider viel zu früh verstorbenen Tante Elli, eines der Schwestern meines Vaters, vor der Haustür in Demen.

Aber es ging auch privat in den Wald zum Pilze sammeln. Gesucht wurden ausschließlich Pfifferlinge. Ich kann mich noch an die großen, gelben Teppiche erinnern, es war also tatsächlich mehr ein Sammeln, als ein suchen. In den 1960 Jahren hatte noch längst nicht jeder ein Auto und in der ländlichen Region mit seinen umfangreichen Wäldern konnten selbst die langsam wachsenden Pfifferlinge in Ruhe gedeihen. Die Pilzreviere waren noch nicht überlaufen. Ich erinnere mich an große, gelbe und rote Blätterpilze, in denen das Wasser nach Regenfällen in den Vertiefungen ihrer Hüte stand. Offensichtlich Täublinge, die doppelt so groß waren wie heut zu Tage! Sie galten als giftig und gefährlich und ich durfte mit ihnen Fußball spielen. Hat großen Spaß gemacht! Heute kann ich darüber nur den Kopf schütteln, aber meine Altvorderen wussten es offensichtlich nicht besser und ein Kind erst recht nicht! Wie dem auch sei, in der Summe dürften diese Ereignisse der Schlüssel zu meiner späteren, tiefen und innigen Beziehung zu diesen Naturreich gewesen sein, die mich wie ein roter Faden durch mein späteres Leben begleiten sollten. Selbst in Zeiten, in denen es das Leben nicht gut mit mir meinte, bauten tolle Pilzfunde mich immer wieder auf und brachten ein wenig Licht und Hoffnung in mein Gemüt.

Ich erinnere mich an viele Militärfahrzeuge, die damals tagelang durch den Ort fuhren. Die Straße war  noch unbefestigt, einfach ein breiter Sandweg. Es waren alles Fahrzeuge der sowjetischen Besatzungstruppen, kurz Russen. Da sie unsere verordneten Freunde waren, durften wir ihnen als Kinder freundlich zuwinken, welches oft auch ebenso freundlich erwidert wurde. Warum diese Militärkolonen immer wieder durch den Ort fuhren, weiß ich natürlich nicht. Vielleicht hing es bereits mit der Stationierung sowjetischer Raketen im Kaarzer Holz zusammen, das wenige Jahre später weiträumig zum Sperrgebiet erklärt wurde. Offiziell hielt allerdings die NVA Einzug. Später wurde bekannt, dass hier das modernste Atom – Raketensystem der Sowjetunion b. z. w. des Warschauer Paktes stationiert wurde.

Darauf freute ich mich damals immer. Jeden Morgen und jeden Abend liefen die Kühe durch den Ort auf die Koppel. Auch unsere Kuh musste sich dazu gesellen. Die Straße der Freundschaft war damals noch ein unbefestigter Sandweg. Zertrampelt von den Kühen und zerfahren nicht zuletzt von den  Militärfahrzeugen der Roten Armee. Im Hintergrund die alte Molkerei, die heute außer Dienst als Baudenkmal immer noch den Ort mitprägt.

Ich weiß nicht mehr, ob wir zuerst in Demen weilten oder in Neubukow. Wie dem auch sei, einige Erinnerungen an die Zeit in der mecklenburgischen Heinrich Schliemann – Stadt Neubukow sind aber noch wach. Tante Helga und Onkel Adolf nahmen uns auf. Onkel Adolf war der Bruder meines Vaters. Sie wohnten direkt in der Innenstadt am Markt, in einem alten, mittelalterlich anmutenden Gebäude mit Garten und Hühnerhof hinten an. Ein Ereignis ist mir noch ganz besonders gut in Erinnerung. In eines der Nachbarhäuser war eine kleine Optiker – Filiale untergebracht. Hier bekam ich meine erste Brille. Ich war schon in frühester Kindheit von Kurzsichtigkeit betroffen und auf einmal, als ich nun das erste mal  eine Brille auf der Nase trug, konnte ich es kaum fassen, dass die Häuser des kleinen Marktplatzes alle so klar und deutlich zu sehen waren. Es wirkte wie ein kleines Wunder auf mich ein. Das erste mal im Leben klar und deutlich sehen zu können! Nun konnte ich auch die vielen Autos beobachten, die über den Markt fuhren, da die Fernverkehrsstraße 105 mitten durch die Stadt führte. Und das ist auch heute noch so, nur das daraus inzwischen die Bundestraße 105 wurde und sich der Verkehr um ein vielfaches gesteigert hat. Eines Tages fuhren viele Autos mit Fahrrädern auf den Dächern geschnallt und auf Anhängern befestigt durch den Ort. Sie gehörten zur damaligen Internationalen Friedensfahrt, dem größten Amateur – Radrennen der Welt, das damals bis in den Bezirk Rostock führte. Am Markt gab es auch leckeres Eis.

Ich kann mich an die Schlachtung eines Huhnes erinnern, das kopflos weiterlief. Auch an das Oberhaupt der Hühner, einem Hahn, der hinter mir her lief und mir ins Bein biss. Er betrachtete mich wohl als Nebenbuhler in seinem Revier. Das hätte er mal heutzutage wagen sollen.

Spiegelei, Speck, Spinat und ein Abfalleimer

Bei anderen Leuten wird in der Regel anders gekocht b. z. w. es kommen Gerichte auf den Tisch, dir mir absolut nicht zusagten oder gegen die ich einen regelrechten Ekel verspürte. Am schlimmsten sind Speisen mit Speck, fettem Fleisch oder aufgekochte Milch b. z. w. Kakao mit heißer Milch zubereitet, auf dem sich auch noch eine Haut bildet. Schon beim riechen kochender Milch stellt sich bei mir ein Würgereiz ein! Das gleiche bei ausgelassenem Speck im Mund oder bei fettem, schlüpfrigem Fleisch in selbigem. So begab es sich eines Tages zur Mittagszeit, dass Spiegelei mit Speck und Spinat aufgetischt wurden. Auch Spinat geht bei mir gar nicht und dazu auch noch die ekelhaften Spiegeleier mit Speck! Ich weigerte mich entschieden, auch nur einen Happen davon zu essen. Verwöhntes Kind hieß es da und ich musste Nachsitzen, bis der Teller leer sein möge, denn sonst gibt es morgen schlechtes Wetter. Euch werde ich kriegen, dachte ich mir. Als ich endlich alleine in der Küche war, wurde der Abfalleimer für mich der beste Freund. Bevor mir schließlich übel werden würde, Deckel auf und hinein mit dem Fraß! Immer noch besser, als die Küche vollzukotzen! Natürlich unter bereits enthaltenen Inhalt gemischt, damit es nicht gleich auffällt. Ja, das waren schon manchmal schwierige Situationen in der Fremde. Die Menschen hatten natürlich harte Zeiten des Hungers erlebt und da wurde gegessen, was auf den Tisch kam. Ich habe schon als Kind alle Speise verweigert, die ich nicht essen wollte oder konnte. Das gilt bis heute, ich bin sehr wählerisch!

 Badefreuden

Zu damaliger Zeit gab es meist keine Badewanne oder Dusche in den Wohnungen. So wurden wir Kinder in Neubukow im großen Waschtrog gebadet. Aber einmal ging es auch in die städtische Badeanstalt. Hier gab es richtige Badewannen und herrliches Schaumbad mit Fichtennadelduft. Ich empfand es als besondere Wohltat, auch durch das wohlig warme Wasser mit seinem Schaum, dass sogar grünlich durch den Badezusatz schimmerte.

Sehnsucht nach dem Walde

Da ich inzwischen bereits irgendwie Waldverliebt war, fragte ich sicherlich nach, ob es hier einen Wald gäbe. Eines Tages wurde mir diese Frage ganz realistisch beantwortet. Wir unternahmen einen Waldspaziergang durch die Neubukower Tannen b. z. w. die Questiner/Panzower Tannen. Im Gegensatz zu den Wäldern in Demen empfand ich dieses Gebiet nicht so toll, weil auf den Wegen und in Fahrspuren viel Wasser stand. Das kannte ich so nicht, aber es muss kurz vorher kräftig geregnet haben.

Während des damaligen Waldspaziergangs mit Tante Helga. Links meine Wenigkeit und rechts mein Bruder Uwe.

Von links: Uwe, Onkel Adolf und ich in den Questiner/Panzower Tannen. Onkel Adolf war ein lebenslustiger Mensch und nahm auch gerne mal einen zur Brust. Er war sehr beliebt auch bei uns Kindern. Leider ist er wenige Jahre später bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Er wollte eigentlich 103 Jahre alt werden.

Krankenbesuch

Nach längerer Zeit bekam meine Mutter aus der Isolation der Lungenheilanstalt Ausgang, um die Kinder mal wieder zu sehen. Dafür fuhren wir mit unseren Pflegeeltern mit dem Zug nach Gelbensande. Für uns Kinder waren die Wochen oder Monate eine lange Zeitspanne und wir erkannten unsere Mutter kaum wieder und fremdelten. Sie hatte dort auch sehr zugenommen. Sicher für eine Mutter, so schön ein Wiedersehen auch sein mag, auch eine besonders emotionale Erfahrung!

Zum Krankenbesuch in Gelbensande. Endlich wieder bei Mama und Papa!

Obwohl in Wismar der Ostseestrand vor der Haustür liegt, wurde ein anschließender Besuch des Ostseebades Graal – Müritz zu einem ersten Schlüsselerlebnis mit der offenen Ostsee und ihrem Strand, an den mächtige Wellen mit weißen Schaumkronen unter fast ohrenbetäubenden Getöse heran rollten. Das hatte ich so noch nicht erlebt.

Am stürmischen Ostsee – Strand bei Graal – Müritz mit Onkel Adolf.

Uwe traut den heran rollenden Ostsee – Wellen im Hintergrund nicht. In Wismar fuhren wir allenfalls mit unserem Vater kurz hin und wieder in das Seebad Wendorf und machten dort einen kleinen Spaziergang in Richtung Strand und Seebrücke. Im Sommer herrschte hier durchaus reger Badebetrieb, aber soweit ging es bei uns nicht. Dafür stellte uns unsere Mutter an sonnigen, warmen Sommertagen Wannen mit Wasser auf den kleinen Hinterhof in der Scheuerstraße, in denen wir dann mit Spielzeugschiffchen planschten. 

1966 – 7 Jahre

  • Die Bundesregierung unterstützt in einer Erklärung den Eintritt der USA in den Vietnam – Krieg
  • Leonid Breschnew wird zum Generalsekretär der KPdSU ernannt
  • Beginn der „Großen Proletarischen Kulturrevolution“ in China
  • Willy Brandt wird zum SPD Vorsitzenden gewählt
  • Frankreich tritt aus der NATO aus
  • Frankreich führt ersten Atomwaffen – Versuch auf dem Muroroa – Atoll durch
  • Albert Speer und Baldur von Schirach werden aus dem Kriegsverbrecher – Gefängnis entlassen
  • Bundeskanzler Ludwig Erhardt (CDU) reicht seinen Rücktritt ein
  • Kurt Georg Kiesinger (CDU) wird sein Nachfolger

Kulturelles

  • In Ostberlin wird der später verbotene Film „Spur der Steine“ mit Manfred Krug uraufgeführt.
  • Die Beatles haben ihren letzten gemeinsamen Auftritt in San Francisco.
  • Die Fernsehserie Star Treck erlebt ihre Uraufführung im amerikanischen Fernsehen.
  • Im DDR – Fernsehen geht die Bildungsserie „English for you“ auf Sendung.

Die Rock- und Popmusik wurde bunter, nicht nur in den Köpfen und der Kleidung. Die Kreativität dieser Zeit, oft stimuliert durch den massenhaften Drogenkonsum, war enorm und brachte einen großen Schub an freiheitlicher Jugendkultur, die bis in unsere heutige Zeit hinein ausstrahlt. Bands wie die Beatles und die Rolling Stones brachten bahnbrechende Alben heraus. Die Beach – Boys starteten voll durch. Desgleichen war der deutsche Schlager alla Roy Black immer noch artig und weichgespült. Aber Leute wie Drafi Deutscher schlugen schon härtere Töne an. Udo Jürgens war ganz groß angesagt. Durchaus ein Schlagerbarde, der im laufe seiner Kariere nicht nur durch Liebesschnulzen glänzte, sondern auch recht viele ehrliche und gesellschaftskritische Lieder herausbrachte.

Meine Erinnerungen

So weit ich sie in diesen Zeitrahmen einzuordnen vermag. Eigentlich sollte ich eingeschult werden, aber wegen der Krankengeschichte meiner Mutter war das schwierig, weil wir Kinder teils noch bei Verwandten in Neubukow und Demen weilten. Also erst einmal zurückgesetzt. Wieder zu hause, bahnten sich wohl die ersten, zaghaften Kinderfreundschaften mit Nachbarskinder an und wir entdeckten unsere Umwelt, zumindest den überschaubaren Rahmen der Scheuerstraße bis hin zum alten Holzhafen. Damals waren noch viele Pferdefuhrwerke unterwegs und ab und an kam eine Wasser – Sprühwagen von der Stadtwirtschaft und spritzte zumindest im Sommer Wasser über das Straßenpflaster. Das war immer ein besonderes Erlebnis und hat uns Kindern viel Spaß gebracht.

In einem Eckhaus Bohrstraße/Krönkenhagen gab es damals einen Frisör, zu dem wir Kinder in Begleitung unserer Mutter zum Haareschneiden gingen. Was auch sonst! Ein alter Herr mit weißem Haarschopf, nett und freundlich. Fast immer, wenn ich heute an dieser Ecke vorbei komme, muss ich daran denken und es gibt mir zu denken, wie doch die Zeit vergangen ist. Wenige Häuser zur Scheuerstraße hin war ein kleiner Tante  Emma – Laden. Hier holten wir uns Süßigkeiten wie das damals beliebte Brausepulver oder eine Schachtel Salmiak – Pastillen für 30 Pfennige. Die sehr nette, etwas pummelige Tante Emma hieß bürgerlich Frau Johnson.

Krebse und Gewittersturm

Auch eine Begebenheit mit unserer Mutter könnte in diesen Zeitrahmen passen. In dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude, dem Gewölbe über der Runden Grube, ein altes Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert, war damals ein Fischladen. An einem Sommernachmittag waren lebende Krebse im Angebot und wir Kinder drängten darauf, die interessanten Krabbeltiere mitzunehmen. So wurden auch wenige Exemplare gekauft. Aber das dicke Ende kam am Abend, sie landeten im Kochtopf und wurden schließlich darüber rot vor Wut. Die armen Tiere! Aber dafür waren sie ja auch bestimmt. Satt konnte man nach dem herauspulen des weichfleischigen Inhalts nicht werden, aber es war weißes Fleisch und erinnerte geschmacklich an Fisch. Und Fisch habe ich schon immer gerne gegessen. Auch muss es an diesem Abend gewesen sein, als ein schwerer Gewittersturm über Wismar hinweg fegte. Wir draußen spielenden Kinder mussten fluchtartig die Straße verlassen und uns in den Häusern in Sicherheit bringen. Nach etwa fünf Minuten war schon wieder alles vorbei und die Sonne blinzelte durch die Wolken. Aus heutiger Kenntnis dürfte es sich um eine Böenlinie, die häufig einer nahenden Gewitterfront voraus eilt, gehandelt haben, denn später gewitterte es tatsächlich noch ordentlich.

1967 – 8 Jahre auf der Welt

  • Proteste in den USA gegen den Vietnam – Krieg.
  • Militärputsch in Griechenland
  • Persischer Schah besucht Westdeutschland. In diesem Zusammenhang kommt es zu massiven Protesten und Ausschreitungen. Dabei wird der Student Benno Ohnesorg von der Polizei erschossen.
  • Sechs – Tage – Krieg zwischen Israel und seinen Nachbarstaaten.
  • Schwere Rassenunruhen in den USA.
  • Der kubanische Revolutionär Che Guevara wird von der bolivianischen Armee ermordet.
  • Große Truppenparade in Ostberlin anlässlich des 50. Jahrestages der großen, sozialistischen Oktoberrevolution.

Kulturelles

  • Kurt Cobain (Nirvana) wird geboren.
  • Geburt von Tennis – Star Boris Becker.
  • Liedermacher Woody Guthrie stirbt.
  • US – Schauspieler Spancer Tracy ist tot.
  • Uraufführung des Hippie – Rock – Musicals „Hair“ in New York. Die konservative Öffentlichkeit ist empört, Jugendliche in aller Welt sind begeistert. Das Stück prangert das US – amerikanische Bürgertum, die Rassendiskriminierung und den Vietnam – Krieg an.
  • In Kalifornien findet das Monterey Pop – Festival statt. Es soll zu einem der wichtigsten Rock – Konzertereignisse der Kulturgeschichte werden.
  • Der „Summer of Love“ wird zum Höhepunkt der Hippie – Bewegung.
  • Gründung der Rockbands Jethro Tull und Genesis.
  • Loriot startet in der ARD mit seiner ersten Serie „Cartoon“.
  • In der gleichen Fersehanstalt beginnen die Revolver zu qualmen. „Rauchende Colts“ gehen an den Start.
  • Das Farbfernsehen startet in der BRD.
  • Die märchenhafte Comedy – Serie „Bezaubernde Jeannie“ startet im westdeutschen Fernsehen.
  • „Aktenzeichen XY ungelöst…“ geht im ZDF an den Start. Die Ganoven müssen sich nun warm anziehen.
  • Roman Polanski wartet mit seiner Gruselkomödie „Tanz der Vampire“ auf.
  • Zum anderen strapaziert Louis de Funes zusammen mit Jean Marais die Lachmuskeln der Zuschauer in der drei teiligen Krimi – Komödie „Fantomas“.
  • Der DEFA – Western „Chingachgook, die große Schlange“ startet in den Kinos der DDR – Bezirke.
  • Etwas ernster und sehr propagandistisch geht es in dem DFF – fünfteiler „Begegnungen“ zu. Ein aufwendiger Fernsehfilm, der den Überfall Nazi – Deutschlands auf die Sowjetunion bis hin zum Kriegsende 1945 thematisiert. Unter anderem gedreht in Mecklenburg – Vorpommern.

Das Jahr 1967 gilt als eines der aufregendsten und wichtigsten Jahre der Rock- und Pop Geschichte. Der Hippie – Kult erreicht seinen Höhepunkt und selbst die Beatles sind inzwischen zu Hippies mutiert. Mit ihrem Album „Sgt. Pepper`s Lonely Hearts Club Band“ veröffentlichen sie ein bahnbrechendes Meisterwerk, das die Musikgeschichte nachhaltig beeinflussen und verändern sollte. Es gilt bis heute als eines der besten Alben aller Zeiten. Die skandalträchtigen Doors bringen mit „Light my fire“ ihren größten Hit heraus. Die Hymne der Hippie – Bewegung kam von Scott Mc Kenzie – „San Francisco“. Procol Harum glänzen mit ihrem wunderbaren „A Wihter Shade of Pale“ bis in die heutige Zeit hinein. Gary Brooker nahm dafür seine Inspiration gleich bei einem der größten Pop – Stars früherer Zeiten auf: Johann Sebastian Bach. Die internationalen Hitparaden dominierten The Kinks, The Rolling Stones, The Beatles, Manfred Mann, The Beach Boys, The Hollies u.v.a.

Erinnerungen

Märchen und Indianer

An Filmen, die mir aus diesem Jahr erwähnenswert scheinen, zählen beispielsweise „Spion zwischen zwei Fronten“. Ein Spionage – Streifen in James Bond Manier mit Christopher Plummer, Yul Brynner, Gert Fröbe und nicht zu vergessen Romy Schneider. Ein kurzweiliger Doppel – Agenten – Streifen zu Zeiten des 2. Weltkrieges. Unbedingt auch heute noch sehenswert und kurzweilig. Natürlich auch „Tanz der Vampire“ von Roman Polanski. Die märchenhafte Mischung aus Grusel und skurrilem sowie schrägem Humor ist einfach köstlich. Diese Filme kannte ich damals allerdings noch nicht, erwähne sie hier aber, weil sie aus diesem Jahr stammen. Spion zwischen zwei Fronten habe ich erst in den 1990er Jahren während eines Video – Mitschnitts meinerseits aus dem Fernsehen kennen gelernt. „Tanz der Vampire“ sah ich das erste mal um 1980 herum im Fernsehen. An meinen ersten Versuch einen DEFA – Indianerfilm im Kino anzuschauen, nämlich  „Chingachgook, die große Schlange“, kann ich mich noch sehr gut erinnern. Er lief zur damaliger Zeit  im Wismarer Filmtheater „Weltspiegel“. Eine riesige Schlange hatte sich vor dem Lichtspielhaus gebildet, um sich die große Schlange Chingachgook, gespielt von DEFA – Chefindianer Gojko Mitic, anzuschauen. Natürlich meist schon größere und ältere Jugendliche, so dass ich als wohl noch kleiner und ohnehin schüchterner Kerl keine Chance hatte an den Abenteuern im wilden Westen teilzunehmen. Enttäuscht und traurig ging ich nach hause. So blieb mir nichts weiter übrig, als dass ich meine Hartgummi Indianer und Cowboys aus der Spielkiste holte und meine eigene Wildwest – Show abzog. Cowboys und Indianer als Spielfiguren waren damals bei uns Kindern sehr beliebt und es wurden auch immer Figuren gesucht und getauscht. Sehr stolz war ich, als ich in einem Spielzeuggeschäft in der Wismarer Lübschen Straße, gleich neben dem Stammhaus der Karstadt AG, damals großer HO, einmal ein komplett neues Set mit Indianer Figuren erhaschte. Ich liebte diese Spielfiguren und lebte mit ihnen in einer fernen Phantasie – Welt der Träume und Abenteuer. Es wäre wohl, hätte ich es in das Kino geschafft, mein erster richtiger Abenteuerfilm gewesen, denn zuvor ging es meist am Sonntag Vormittag zum Kinderprogramm in das „Volksfilmtheater“ oder den „Weltspiegel“. Wismar hatte damals zwei „Filmpaläste“, heute nur noch eines, sieht man einmal vom Landes – Filmbüro ab, wo gelegentlich im kleineren Rahmen ausgesuchte Streifen laufen. Ich kann mich beispielsweise gut an „König Drosselbart“(mit Manfred Krug), „Rotkäppchen“, „Schneewittchen“ oder auch an sowjetische Märchenfilme wie „Aladins Wunderlampe“, „Abenteuer im Zauberwald“, „Der Hirsch mit dem goldenen Geweih“ oder „Die Schneekönigin“ erinnern. Diese liebevoll gedrehten Kinder – Märchen stehen auch heute noch in meiner DVD – Sammlung. Mit vielen weiteren Märchenfilmen, die regelmässig bei mir in der Weihnachtszeit, aber auch um Ostern und Pfingsten herum, laufen. Gerade die russischen Märchen hatten sicher auch ihren Anteil daran, dass ich mich im weiteren Verlauf immer stärker zu den Pilzen hingezogen fühlte.

Das Fernseh – Zeitalter brach an

1967 brach endlich auch bei uns zu hause das Fernseh – Zeitalter an, wenn auch nur in schwarz/weiß. Meine Eltern investierten ihr sauer verdientes Geld in einen Staßfurt – Fernseher. Bisher sorgte nur ein altes, nein, inzwischen auch schon etwas moderneres Radio, für Mediale – Unterhaltung. Ein schönes, nostalgisches im Holzkasten, wie es heute auch wieder angeboten wird. Allerdings lange nicht in der Machart mit Röhren, so wie es damals auch in den Fernsehgeräten üblich war. Nun war für uns das DDR – Kinderfernsehen mit „Meister Nedelöhr“, „Professor Flimmrich“ und dem „Abendgruß des Sandmännchens“ angesagt. Fuchs und Elster, Schnatterinchen und Pittiplatsch, Taddeus punkt, Frau Puppendoktor Pille mit der großen, klugen Brille und nicht zuletzt der charismatische und etwas tollpatschige Clown Ferdinand waren dort Dauergäste. Von letzterem blieb mir eine Episode in Erinnerung, als er sehr viele Pfannkuchen aß und sein Bauch immer dicker wurde. Fand ich besonders lustig, obwohl, wie meist, mit pädagogischem Hintergrund. Eine DVD Reihe mit Clown Ferdinand steht nun auch wieder in meiner Video – Sammlung und auch Sohn Jonas konnte sich darüber herzlich amüsieren. Das Sandmännchen Ost, welches sich allgemein gegen das Sandmännchen West bis heute durchgesetzt und behauptet hat, war jeden Abend angesagt. Es ist außerdem mein Jahrgang!

Aber auch viele andere Filme standen nun dank des Fernsehers für mich auf dem Programm. Natürlich gab es damals noch nicht das Siegel mit der Altersfreigabe, so dass ich vieles noch gar nicht hätte schauen dürfen und den Inhalt meist ohnehin noch nicht verstanden habe. Beeindruckt hat mich damals die erste filmische Begegnung mit dem Krieg. Es lief der 2. Teil des bereits erwähnten fünf – Teilers „Begegnungen“ im deutschen Fernsehfunk. Hier waren in einer Szene Soldaten der deutschen Wehrmacht zum Appel in Reih und Glied angetreten und es wurde zum Überfall auf die Sowjetunion geblasen. Plötzlich feuerten die Geschütze auf ein beschauliches Örtchen mit einigen Bauernhäusern, welche mich an Demen, wo damals meine Oma so friedlich wohnte, erinnerte. Die Bewohner flüchteten in Panik durch ein Getreidefeld und wurden von den Soldaten absichtlich zusammengeschossen. Die explodierenden Häuser und die sterbenden Menschen brannten sich in mein Gedächtnis ein und der 2. Weltkrieg entfachte fortan mein Interesse. Selbstverständlich habe ich es damals noch nicht verstanden und realisiert, wir schlimm diese Zeit für die Menschen damals war. Der Krieg war für mich zum großen Abenteuer – Spektakel geworden und dieser Film wurde zum Ur – Erlebnis des Kriegsfilms. Immer wenn dieser 5 teilige Fernsehfilm ausgestrahlt wurde, saß ich vor der Flimmerkiste. Lange habe ich gewartet, bis diese Produktion endlich auf DVD erschien. Am 24. Juni 2016 war es dann soweit und Weihnachten 2019 gelangte er in meinem Heimkino zur Wiederaufführung. „Begegnungen“ waren nach Jahrzehnten endlich wieder an der Reihe. Aus heutiger Sicht natürlich ein stark propagandistisches Werk über den kommunistischen Widerstand im 2. Weltkrieg. Schließlich wurde der Film auch für die Sowjetunion anlässlich des 50. Jahrestages der Oktoberrevolution gedreht. Den Inhalt und die Botschaft konnte ich eigentlich erst jetzt in ihren Zusammenhängen begreifen und einordnen. Die Schlüsselszene mit dem Angriff auf die Sowjetunion und dem Beginn des „Großen Vaterländischen Krieges“ ist für mich einer der besten Inszenierungen des DDR – Films und hat in ihrer Wirkung auch heute noch etwas sehr emotionales. Einige der besten Schauspieler des DFF – Fernsehens und der DEFA waren hier zu sehen, wie Otto Mellies, Horst Drinda oder auch Horst Schulze.

Der erste Bildungsweg

Nicht zu vergessen ist auch der Beginn meiner Schulzeit. Endlich, muss man sagen, denn durch die Krankengeschichte meiner Mutter und der Unterbringung bei Verwandten an verschiedenen Orten wurde ich zurückgesetzt. Nun ging es aber los. Die Gerhart Hauptmann polytechnische Oberschule war nun für 10 Jahre mein Anlaufpunkt, um mit dem wichtigsten Grundwissen für das Leben ausgestattet zu werden. Meine Aufnahmefähig war allerdings recht bescheiden, so dass ich auch heute noch als bildungsferner Mensch gelten darf. Für mich war der Schulbeginn damals ein großes Schock – Erlebnis. Ich wurde aus meiner vertrauten und verträumten Kinderwelt in die Realität des Lebens geworfen. Außer eine kurze Zeit im Kindergarten Demen, war ich bisher behütet bei den Eltern und Verwandten herangewachsen, und nun dieses. Freche Kinder, die in den Pausen wilde Sau spielten und über Tische und Bänke sprangen und die versuchten, sich gegenüber schwächeren durchzusetzen und ihnen auf der Nase herum zu tanzen (auch in der erwachsenen Welt mitunter nicht viel anders). Ein derartiges Verhalten befremdete mich und machte mir Angst. Ich fühlte mich in diesem Klassenkollektiv nicht wohl und mit meinen ersten Schulnoten stand es nicht zum Besten. Ich begann, die Schule zu schwänzen. Ich galt nun als versetzungsgefährdet und wurde vorübergehend auf eine Sonderschule für lernschwache Kinder geschickt. Dort stellte man nach wenigen Wochen jedoch fest, dass ich hier nichts verloren habe. Es ging wieder an die Gerhart Hauptmann Oberschule zurück und im folgenden Schuljahr wurde ich in ein anderes Klassenkollektiv versetzt. Hier taute ich nun allmählich auf und fand auch Freunde. Die Schule war nun kein Alptraum mehr für mich.

Weihnachten

Da ich nun ein Schulkind war und lesen und schreiben erlernte (bis auf Rechtschreibung, die bis heute eine Katastrophe ist), bekam ich zu Weihnachten mein erstes Märchenbuch geschenkt. Die Hausmärchen der Gebrüder Grimm. Natürlich hatten wir Kinder auch vorher das eine oder andere Bilderbuch, aber nun war neben wenigen Bildern viel Text zu bewältigen. Gebracht hatte es, neben weiteren, kleinen Geschenken, natürlich der Weihnachtsmann am heiligen Abend. Nur hatte er dieses mal keine rote Zipfelmütze auf, sondern eine Pelzmütze. Das irritierte mich ein wenig, sah Knecht Ruprecht an letzten Weihnachten doch etwas anders aus. Standesgemäß waren aber seine schwarzen Lederstiefel. Die brauchte er natürlich, kam er doch aus dem hohen Norden und musste durch den tiefen Schnee stapfen. Dieser heilige Abend war es auch, der bei mir Zweifel am Weihnachtsmann aufkommen ließ. Schuld daran waren die schwarzen Lederstiefel, denn kurz nach dem der Weihnachtsmann weiterzog, um die nächsten Kinder zu bescheren, stand Besuch vor der Tür. Tante Eva und Onkel Paul. Komisch, dachte ich, Onkel Paul hat die gleichen Stiefel an, wie der Weihnachtsmann. Dieser Umstand beschäftigte mich den ganzen Abend, aber Onkel Paul  stritt jeden Zusammenhang mit dem Weihnachtsmann kategorisch ab.

„Von Tante Eva und Onkel Paul für Reinhold zu Weihnachten 1967“ steht handschriftlich auf dem inneren des Buchdeckels. Das Märchenbuch gibt es heute noch und ist eines der wenigen, noch greifbaren Gegenstände aus meiner Kindheit.

Wie dem auch sei, Weihnachten wurde für mich ein großes Fest, auf dass ich mich jedes Jahr riesig freute, aber bereits am 2. Weihnachtsfeiertag wurde ich traurig und nachdenklich. Ich stand wehmütig vor dem geschmückten Weihnachtsbaum. Meine Mutter war damals für mich schon ziemlich alt und gesundheitlich angeschlagen. Folgen der unsäglichen Kriegsereignisse. Sie sagte oft, wer weiß, ob ich das nächste Weihnachtsfest noch erlebe und mir wurde schwermütig ums Herz.  Zum Glück war die Traurigkeit unbegründet, denn sie ist immerhin 83 Jahre alt geworden. Wer weiß, ob ich es so weit schaffe und nicht vorher schon das Zeitliche segne.

Ich kann mich an schneereiche Winter in den 1960er Jahren erinnern und liebte es aus dem Fenster den weißen Flocken beim Tanz zuzuschauen. Übrigens soll es in den 60er Jahren die meisten weißen Weihnachten in Folge bis Stand 2020 gegeben haben.

Etwas später kam dieses Buch mit polnischen Märchen hinzu, dass ich auch sehr liebte.

Religiöses und heidnisches

Obwohl meine Mutter katholisch und mein Vater evangelisch war, stand Kirche auch an Weihnachten nicht auf dem Programm. Das Weihnachtsfest war für mich rein weltlich und das war auch gut so. Die Zeichen der Zeit schienen ohnehin in eine andere Richtung zu weisen. Keine religiöse Augenwischerei und Gehirnverkleisterung von Paradies und Hölle, oder wie Karl Marx es so treffend formulierte: Kein Opium fürs Volk! Obwohl es natürlich auch nicht ganz ohne Kirche ging, denn ich liebte den Klang ihrer Glocken in der Weihnachtsnacht. Wismar, mit seinen großen, gotischen Backstein – Kathedralen entfaltete schon seine Wirkung auf mich und wir wohnten damals nur wenige hundert Meter von St. Nikolai entfernt, der Kirche der Seefahrer und mit ihrem imposanten Backsteinbau weithin eine markante Landmarke.

Ich erinnere mich jedoch auch daran, dass es wohl einen Versuch gab, mich in die religiöse Richtung zu lenken. Zwar kein offizielles Schulfach, wie es dieses heute wieder gibt, nahm ich auch kurzzeitig an einer außerschulischen Christenlehre teil, welche auch nichts anderes wie Religionsunterricht war. Irgendwie mystisch und unheimlich und dazu hinreichend absurd erschien mir dieses Weltbild. Insbesondere auch ein ganz spezielles Bild von unserer Erdkugel, die in einer menschlichen Hand getragen wurde. Natürlich Gottes Hand. Das ging mir dann doch zu weit und ich bat darum, dort nicht mehr hingehen zu müssen. Auch das Beten zum lieben Gott war mir äußerst unbehaglich und befremdlich. Kirche und insbesondere die katholische Kirche wurden mir unheimlich und ich baute eine innere Distanz und Abneigung dagegen auf. Trotzdem liebe ich Märchen und phantastische Geschichten, aber bitte auch als Märchen und nicht als verklärte Realität. Wie friedlich wäre das menschliche Zusammenleben auf unserem Planeten, ohne diese Scheinwelten! Oder doch aucht? Es liegt in der Natur des Menschen und eine Menschheit in Frieden, ohne Krieg, Unterdrückung und Ausbeutung, dürfte ein unerfüllbarer Wunschtraum bleiben. Dazu tragen die unterschiedlichen Religionen und Glaubensrichtungen nicht unerheblich bei. Die Wissenschaft hat vieles entschlüsselt und niemand muss heute noch so einer Pseudowissenschaft verbunden sein.

Der Papst steht dem Himmlischen Vater, der Natur, nicht näher als beispielsweise meine Wenigkeit als bekennender Ungläubiger. Es ist schon ein sehr tiefes Erlebnis durch die Ruhe unserer Wälder zu streifen. Je älter ich werde, um so mehr Ehrfurcht empfinde ich der Natur gegenüber, die der Mensch vielfach nur als Ausbeutungsobjekt sieht.

Im Garten dürfen nur die Blumen, Kräuter und Bäume wachsen, die wir dort hin pflanzen. Siedeln sich Wildkräuter und womöglich gar ungebetene Pilze an, ist der Teufel los. Dabei war es doch der „Liebe Gott“, der sie dort hin beordert hat. Aber ihnen wird sogleich der Garaus gemacht. Die Unkraut – Bekämpfungsmanie greift um sich. Hinterher wird in der Kirche um Vergebung der Sünden gebetet.   

Aber ohne die Kirche gäbe es natürlich viele der geliebten Märchen nicht. Keine Hexen, keine Teufel, keinen Satan. Es gäbe keine Hexenpilze, Satans – Röhrlinge und Teufels – Urnen. Aber wir wollen nicht ausschweifen, die Pilze gäbe es natürlich trotzdem, als Ergebnis der Evolution. Aber sie hätten nicht so tolle Bezeichnungen bekommen. Satan, Teufel, Hexe und der liebe Gott, es läuft alles auf` das Selbe hinaus. 

1968 – 9 Jahre

  • 14. Januar – Totaler Zusammenbruch des Straßenverkehrs wegen eines plötzlichen Temperaturanstiegs von – 20 Grad Celsius auf weit über 0 Grad.
  • Weltweite Proteste gegen den Vietnam – Krieg
  • 16. März – Massenmord an Zivilisten durch US – Soldaten in Vietnam – Massaker von My Lai mit 503 getöteten Menschen.
  • 04. April – Der US – amerikanische Bürgerrechtler Martin Luther King wird ermordet.
  • 11. April – Der Studentenführer Rudi Dutschke wird auf offener Straße niedergeschossen und stirbt später an den Folgen seiner Verletzungen.
  • 06. Mai – Straßenschlachten in Paris. Arbeiter verbünden sich mit Studenten.
  • 18. Juli – Wintereinbruch in den Alpen. Auf der Zugspitze wird der Ski – Betrieb wieder aufgenommen.
  • 25. Juli – Papst Paul der VI. verbietet die Anti – Babypille – weltweite Prosteste folgen.
  • 20./21. Juli Warschauer Pakt beendet den sogenannten Prager Frühling.
  • 01. November – Mit 25 Grad im Schatten herrscht Sommer in Deutschland.
  • 05. November Richard Nixon gewinnt die US – Präsidentschaftswahlen.
  • 07. November Ohrfeige für Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger wegen seiner NS – Vergangenheit.
  • 21. Dezember – Apollo 8 umkreist den Mond.
  • 31. Dezember  – Jungfernflug der Tu – 144, des ersten Überschall – Passagierflugzeuges.
  • Weltweit sterben fast 1 000 000 Menschen an der Hongkong – Grippe

Kulturelles

Während die braven Bürger sich musikalisch von Roy Black, Heintje und vielen anderen Schlagerstars eine heile Welt vorgaukeln lassen, hat die nun immer kritischere und hinterfragende Jugend im Westen genug von dieser Augenwischerei. Widerwertige Fernsehbilder vom schmutzigen Krieg und den Kriegsverbrechen der USA in Vietnam werfen Fragen über die eigene Elterngeneration und deren Rollen im 2. Weltkrieg auf. Die 68er Generation ist „geboren“. Studentenproteste in der westlichen Welt gegen den Vietnam – Krieg und somit gegen die perversen Auswüchse des kapitalistischen Imperialismus. Klassenkampf wird ganz groß geschrieben und die immer noch mächtigen in der westlichen Welt, auch in der BRD, bekommen Fracksausen. Notstandsgesetze müssen her, die die Rechte der Menschen in der noch jungen Demokratie einschränken sollen. Natürlich vor allem gegen links. Die Rockmusik liefert dazu den Soundtreck, allen voran die Rolling Stones und die Beatles. Die Zeiten der braven Jugend sind vorbei. Allerdings gibt es auch in der Rock- und Popmusik nicht nur Rebellion, sondern durchaus auch harmonische Klänge zu vernehmen. Massachusetts von den Bee Gees oder Hey Jude von den Beatles sind ganz oben in den Hitlisten zu finden. Bands, die bald große Musikgeschichte schreiben sollten, tauchen allmählich auf der Bildfläche auf, so wie Deep Purple, Led Zeppelin, Pink Floyd oder Black Sabbath. Sie werden sich zu Rockgiganten entwickeln, die die Pop und Rockmusik über Jahrzehnte hinweg beeinflussen werden. Aber auch Bands, die in wenigen Jahren die große Zeit des Glamrock beherrschen sollen, gehen an den Start: Mud, Nazareth, The Sweet oder Slade, letztere gründeten sich bereits vor zwei Jahren.

An bedeutenden Kino – Filmen aus diesem Jahr, an die ich mich gerne erinnere: Oliver! Rosmarys Baby, Balduin, das Nachtgespenst, Balduin, der Heiratsmuffel, Die Olsenbande, Der Gorilla von Soho, Im Banne des Unheimlichen. Der Musikfilm Heißer Sommer mit Chris Doerk und Frank Schöbel startet in der DDR. Im ZDF wird die erste Starparade ausgestrahlt. Eine Sendung, die ich damals durchaus gerne geschaut habe. Mit James Last und seinem Orchester.

Meine Erinnerungen

Meine kleine Welt in der Wismarer Altstadt, insbesondere dem Hafenviertel mit zugehöriger Scheuerstraße, in der ich wohnte, entwickelte sich für mich zum großen Abenteuerspielplatz. Nach der Schule gab es immer wieder neue Ideen, wie man wohl am sinnvollsten den Tag verbringen könne. Natürlich hatte alles was ich/wir unternahmen,  für uns einen tieferen Sinn. Es musste Spaß machen. Was andere, speziell die Erwachsenen darüber dachten, war mir egal. Ich stamme ja aus einer  einfachen Arbeiterfamilie und da war Streben nach höherem, um im Leben möglichst weit zu kommen, glücklicherweise kein bedeutsames Thema. Obwohl allerdings auch damit gedroht wurde, wenn das so weiter ginge, werde ich wohl später als Straßenfeger anheuern dürfen. Aber meine Intelligenz ist ohnehin nicht für höheres ausgelegt. Mir wurde also die schönste Zeit des Lebens nicht mit verspießerter, Kariere geiler Strebhaftigkeit verdorben. Ich durfte Straßenkind sein. Natürlich mit einem trockenen Dach über dem Kopf, immer gut zu essen und ein warmes, kuscheliges Bett zum schlafen. Aber mich, und einige meiner Spielkameraden, konnte man ohne weiteres so nennen – Straßenkinder, oder wie es der Liedermacher Franz Josef Degenhardt in seinem wohl bekanntesten Lied bezeichnete – Schmuddelkinder. „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“, dass werden sicher einige Eltern so oder ähnlich zu ihren Zöglingen gesagt haben, wenn sie mit uns zusammen spielten. Damals schaute ich den im ZDF laufenden Advents – Vierteiler : „Tom Sawyers und Huckleberry Finns Abenteuer“. Ich konnte Parallelen zu unseren, sicher weit weniger gefährlichen Abenteuern, erkennen. Eine Tolle Zeit, die schönste in meinem Leben, wenn ich bedenke, welche Unwegbarkeiten mir später in den Weg gelegt werden sollten, nur weil ich einen etwas ungewöhnlichen Lebensweg eingeschlagen habe. Ein Querschläger, der letztendlich wohl arm wie eine Kirchenmaus von dieser Welt gehen wird. Es zeichnete sich schon damals ab.

Durch die Altstadt von Wismar fließt ein im 13. Jahrhundert künstlich angelegter Bachlauf, der den Mühlenteich mit der Ostsee verbindet (Mühlengrube, frische Grube oder Runde Grube genannt). Mit Feldsteinen eingefasst und mit Treppenabstiegen versehen. Er diente den Einwohnern in früheren Jahrhunderten zum Wasserholen, Wäsche waschen und wurde zur Löschwasserentnahme genutzt. Möglicherweise wurde deshalb auch die Berufsfeuerwehr dort angesiedelt. Ich kann mich entsinnen, dass es damals reichlich Fische darin gab. Insbesondere auch Stichlinge, die wir als Kinder gerne fingen, mit nach hause nahmen und in ein Aquarium steckten, um sie zu beobachten. Besonders ist mir einer, der für uns Kinder so langweiligen Karfreitage in Erinnerung geblieben, als Stichlinge Keschern ganz groß angesagt war. Mitnehmen und in einem Aquarium beobachten. Nur das diese Fische nicht dafür geeignet waren, haben wir nicht bedacht. Zum Fischfang nutzten wir die Treppenabstiege. Wer sich Barfuß in das Wasser der Grube wagte, riskierte von Blutegeln angezapft zu werden. Dracula lässt grüßen! Immerhin wurde der allererste Film dieser Fantasiefigur des Schriftstellers Bram Stoker in Wismar, im Film Wisborg genannt, in Szene gesetzt. „Nosferatu  – eine Symphonie des Grauens“ von Friedrich Wilhelm Murnau und Max Schreck in der Hauptrolle. Nicht nur am Wassertor (das letzte erhaltene Stadttor) und an der heiligen Geist – Kirche erinnern heute Info – Tafeln an diesen berühmten Stummfilm – Klassiker.

Aber mit kleinen Fischen war es nicht genug. Etwa in Höhe des heutigen Spaß- und Freizeitbades „Wonnemar“ befand sich damals ein nicht fertig gestelltes Schwimmbad. Der private Bauherr solle sich in den Westen abgesetzt haben und nun verfiel das Vorhaben. Soweit meine Kenntnis darüber. Wie dem auch sei, wir stiegen in das schon gekachelte Becken ohne Überdachung. Es war ein beliebter Ort für Eidechsen. Ich fand die kleinen Mini – Echsen absolut interessant und putzig, so dass ich mir auch von ihnen welche in einem kleinen Weckglas – Terrarium mit nach hause nahm.

Etwas gewöhnungsbedürftiger wurde es allerdings, als ich wieder mit Gläsern durch die Straßen zog und irgendwie mitbekam, dass sich unter den Fensterbrettern und Vorstößen gerne verschiedene Spinnen aufhielten, um an sonnigen Sommertagen Schutz zu suchen. Es ging also auf Spinnenfang und Sieger unter uns Kindern wurde derjenige, der die dicksten und größten von ihnen präsentieren konnte.

Glücklich war ich, als sich an einem Sommertag ein großer, bunter Schmetterling in unseren Hausflur verirrte. Er wurde behutsam eingefangen und betrachtet, dann aber wieder frei gelassen. Das erste mal habe ich gesehen und festgestellt, dass diese schönen Falter auch einen Körperbau mit Beinen und Fühlern besaßen.

Auch Vögel übten auf mich eine große Anziehungskraft aus. Es begab sich in unserer Scheuerstraße, dass ich eine irgendwie hilflose Schwalbe aufsammelte. Mich beeindruckte ihr samtweiches Gefieder. Der kleine Vogel hatte natürlich Angst und versuchte sich aus meinen Händen zu befreien. Ich wollte ihn mit nach hause nehmen und pflegen. Aber das wurde mir leider ausgeredet, weil der kleine Piepmatz vielleicht auch eine ansteckende Krankheit hätte übertragen können. So wurde er so hilflos, wie ich ihn gefunden hatte, schweren Herzens wieder in die Freiheit entlassen.

Wir hatten damals in der Nähe der Poeler Straße auch einen nicht zu kleinen Garten. 20 Minuten Fußweg von zu hause. Wie üblich, wurde hier vor allem Obst und Gemüse angebaut und meine Mutter weckte vieles davon auch ein. Von Johannisbeeren wurde ein toller, roter, süffiger Wein mit Naturgärung im Ballon angesetzt. Leider durfte ich nur kurz mal ein kleines Schlückchen Nippeln.

In unserem Kleingarten gab es keinen Wasser Anschluss, so dass zum Bewässern der Kulturen mein Vater Wasser vom „Wasserloch“, etwa 200 – 300 Meter entfernt, in großen 10 Liter Eimern Wasser geholt werden musste. Dazu hatte er einen Bügel über den Nacken und den Schultern gelegt und je einen Eimer links und rechts an Ketten daran eingehängt. Angrenzend und zusammenhängend mit dem sogenannten Wasserloch, schloss sich ein sumpfiger Schilfgürtel an, der auf uns Kinder eine große Anziehungskraft ausübte. Wir bauten uns darin vorsichtig ein Labyrinth von Wegen, fast so, wie heute in Maisfeldern üblich, einen kleinen Irrgarten. Es war ein großes Abenteuer. Wenn die Rohrkolben entwickelt waren, schnitten wir diese und stellten uns damit auf den Wismarer Markt, um sie für ein kleines Taschengeld den Leuten für die Vase zu verkaufen. Muss damals wohl irgendwie Mode gewesen sein, uns hat es jedenfalls Spaß gemacht. Angrenzend an dieses Sumpfgebiet war eine kleine Böschung zu den Gärten, mit Gräsern, Kräutern und Moosen bewachsen. Nur ein kleines Areal, aber für mich insofern von Bedeutung, da hier kleine Blätterpilze wuchsen. Aus heutiger Sicht irgendwelche Nabelinge mit bogenförmig herablaufenden Lamellen. Immer wenn ich dort unten war, schaute ich nach den kleinen Pilzen aus, die mich faszinierten. Pilzbefall hatte auch ein großer Pflaumenbaum direkt neben dem kleinen Gartenhäuschen. Dieser war aber wulstig und fest am Stamm. Später konnte ich ihn bestimmen, den Pflaumen – Feuerschwamm. Oft hörten wir auch das Rattern der Kalaschnikows von der Roten Armee, die unweit unseres Gartens, dort wo heute ein großer Holzcluster angesiedelt ist, auf dem Flugplatz, ihr Übungsgelände hatten. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges wurde das Areal von den Dornier – Flugzeugwerken genutzt, daher im Volksmund immer noch Flugplatz genannt.

Ich war, wie schon erwähnt, viel auf der Straße mit anderen Kindern zu Gange. Wismar ist eine Hafenstadt und damals gingen auch viele Frachtschiffe im Hafen vor Anker. Die Seeleute streiften daher oft durch die Scheuerstraße. Insbesondere für uns exotisch aussehende, mit dunklerer Hautfarbe, bettelten wir gerne nach Kaugummi an. „Have you chewing gum“ hieß die Parole und nicht selten hatte sie auch Erfolg. Es gab meist „Wrigle`s Spearmint“ und der stand bei uns hoch im Kurs, da der Ostkaugummi einfach zu schnell im Mund hart wurde. Schmeckte einfach besser und war geschmeidiger. Darüber hinaus hatte ich gleich etwas englisch gelernt, denn in der Schule war später bei mir nur russisch angesagt, da Pflichtfach. Russisch hat nicht viel gebracht, englisch ist für mich auch ohne schulische Ausbildung bis heute etwas leichter zu meistern. Übrigens schaute ich damals auch gerne die Sendung vom DDR – Fernsehen, das damals noch DFF hieß, „English for You“ mit Tom und Peggy. Da blieb doch das eine oder andere  Vokabular bei mir hängen. Gleichfalls konnte ich mich aber kaum mit jemanden fließend in englischer Sprache verständigen. Ich komme ja kaum mit der deutschen, vor allem der Rechtschreibung, klar. 

Silvester: Der Sohn der damaligen Hauseigentümer, natürlich schon erwachsen, warf während der Silvesternacht im bei sein von uns Kindern einige Blitzknaller auf die Straße. Es waren diese kleinen Dinger zu 2,80 Mark, nicht viel länger als ein Streichholz, aber etwas fülliger. Es war enorm, welchen krach diese kleinen Filou`s machen konnten. Grelle, harte Blitzschläge, einfach unglaublich. Ich war begeistert und traurig zugleich, denn mit meinen Bengalhölzern, Knallerbsen und Salonknallern konnte ich wahrlich nicht dagegen halten.

Aber auch die Bengalhölzer waren gar nicht so schlecht. Man musste nur aufpassen beim Abfackeln, da sie gerne mal etwas abtropften. Neben grün waren auch noch gelb, rot und Silber im Angebot. Die silbernen waren mit Abstand die Besten, mit einem schönen, silbernen Funkenregen. Hergestellt im Zündholzwerk Riesa.

Aber die „Blitzer“ waren ja auch Pyrotechnik für Erwachsene und somit ohnehin nicht in Kinderhand gehörig. Aber es nützte nichts, ich hatte Feuer und Flamme gefangen und zum nächsten Silvester musste auch ich irgendwie in den Besitz dieser genialen Ruhestörer kommen. Das entpuppte sich aber alles andere als einfach. Blitzknaller, Harzer- und Pfau – Knaller waren allgemein äußerst beliebt und um von ihnen etwas zu ergattern, musste man sich möglichst schon am Vorabend des ersten Verkaufstages, des 28. oder 29. Dezembers, vor den Läden platzieren. Für uns Kinder kam dieses natürlich nicht in Betracht und meine Eltern hätten den Teufel getan, um sich stundenlang in der Winterkälte nach Silvesterknallern anzustellen. Ich bettelte schließlich so lange, bis mein Vater am Nachmittag des ersten Verkaufstages mit mir doch noch einen Versuch startete. Die Knaller waren fast überall ausverkauft, nur in einem kleinen Eckladen in der Altböter Straße gab uns der Verkäufer eine halbe Schachtel „Fire Cracker Filou“ lose ab, immerhin 10 Stück! Ein, wenn auch nicht voller Erfolg, und für mich ein großer Schatz, der dann in der Silvesternacht im Beisein meines Vaters gezündet wurde. Nun hatten auch wir im bescheidenen Rahmen lautstark die bösen Geister vertrieben und einem guten, neuen Jahr stand nichts mehr im Wege. Prosit Neujahr!

Ja, das waren noch Zeiten! Glücklich war, wer diese Filou`s Silvester sein eigen nennen konnte. Ein Erzeugnis des VEB Pyrotechnik Silberhütte, Werk Berlin Buchholz.

Anmerken möchte ich jedoch, dass es nicht selten zu Sofortzündungen kam, also gleich beim Anrieb des Zündkopfes knallte. Ich erlebte es einige Jahre später bei strengem Frost und dem entsprechend klammen Fingern und Händen zum Mitternachtsfeuerwerk. Der Schmerz war zum in die Luft gehen und die Augen waren für einige Minuten völlig verblitzt. Nach diesem unschönen Erlebnis waren bei mir Handschuhe beim Zünden der Blitzknaller angesagt. Die hatten wirklich power!

Gefunden habe ich die Bilder bei http://www.Feuerwerk.net

Am Neujahrsmorgen zogen wir in den folgenden Jahren immer wieder durch die Straßen, um Blindgänger und verlorene Feuerwerkskörper zu suchen. Zum Glück war damals nicht gleich die Straßenreinigung zu Gange. Je mehr Silverstermüll auf den Straßen, um so besser für uns. Vor allem waren natürlich die beliebten Knaller angesagt. Der Hauptgewinn war, wenn auch selten, wenn jemand eine ganze Schachtel oben gezeigter Filou`s verloren hatte und wir sie fanden. Noch wertvoller waren Harzer – oder Pfau – Knaller. Einmal sammelten wir sogar einen China – Cracker auf, der bei uns als Exot galt und nicht im DDR – Handel erhältlich war. Leider bekamen wir den nicht mehr zur Zündung.

1969 – 10 Jahre

  • Richard Nixon wird Präsident in den USA
  • Jassir Arafat Vorsitzender der PLO
  • Gustav Heinemann (SPD) ist der neue Bundespräsident
  • In der BRD wird die Zuchthausstrafe abgeschaft
  • Der erste Mensch (Neil Armstrong) betritt den Mond. Apollo 11 – Mission der NASA
  • Kriegerische Grenzkonflikte zwischen der Sowjetunion und der Volksrepublik China
  • Über 500 000 Besucher auf dem Woodstock Hippie- und Rockfestival bei Bethel (USA)
  • Umsturz in Libyen. Gaddafi richtet eine islamisch – sozialistische Republik ein
  • Ein französisches Concorde – Flugzeug durchbricht erstmals die Schallmauer
  • Eröffnung des Berliner Fernsehturms
  • Massenproteste in den USA gegen den Vietnam – Krieg
  • Mit Willy Brandt wird erstmals ein SPD – Politiker zum Bundeskanzler gewählt
  • Die BRD unterzeichnet den Atomwaffen – Sperrvertrag
  • Das US – Magazin „Life“ berichtet über das Massaker von My Lai. Die Weltöffentlichkeit zeigt sich schockiert.
  • Die Rockerbande “ Hells Angels“ tötet auf einem Konzert der Rolling Stones mehrere Menschen, nach dem sie zuvor als „Ordnungstruppe“ engagiert worden war

Kulturelles

Elvis Presley nimmt nach Jahren der Pause wieder Platten auf und die Beatles geben auf dem Dach eines Londoner Hochhauses ihr letztes Konzert. Das Woodstock – Festival soll zum Höhepunkt der Blumenkinder – Bewegung werden und schreibt Musikgeschichte. In Deutschland sind Schlagergrößen wie Roy Black, Udo Jürgens, Heintje und Peter Alexander weiter groß angesagt. International bestimmen immer noch Elvis und die Beatles die Hitparaden. Aber auch Berry Rayn, CCR, Manfred Mann, The Bee Gees, The Rolling Stones, Simon & Garfunkel, The Hollies u. a. haben große Hits. Zager & Evans landen mit „In The Year 2525“ ihren einzigen Welthit, der bis heute in einigen Radioprogrammen zu hören ist. Selbst Rock – Giganten wie Jethro Tull tauchen in den Hit – Listen mit „Living in The Past“ auf.  Eine überwiegend progressive Band, die es mit ihrem großen Fundus nicht unbedingt auf die Hitparaden abgesehen hatte, sondern eher etwas eigenwillige, zeitlos gute, von vielen Einflüssen geprägte Rockmusik zelebrierte und auch heute noch in Life – Konzerten zelebriert. Ich besitze fast alle ihrer Veröffentlichungen auf CD. Diese gehören zum Besten, was meine umfangreiche CD – Sammlung zu bieten hat. 

Von großen Kino Produktionen sticht für mich der etwas langatmige Italo Western „Spiel mir das Lied vom Tod“ heraus. Erstklassige Star – Besetzung, eine gute Story und geniale Musik von Ennio Morricone verleihen diesem opulenten Westen etwas einmaliges. Ich sah den Streifen allerdings erstmals einige Jahre später mit Klassenkameraden auf der Freilichtbühne im Wismarer Köppernitztal, unweit des heutigen Tierpark – Geländes, während eines warmen Sommerabends. Leider gibt es die Freilichtbühne nicht mehr. Dort fanden allerlei unterschiedliche Veranstaltungen statt. Unter anderem auch Rockkonzerte wie beispielsweise von und mit Karat, bei dem ich zugegen war.  Damals natürlich noch mit dem leider viel zu früh verstorbenen Sänger Herbert Dreilich. Heute singt sein Sohn in der Band und ersetzt ihn anscheinend vortrefflich.

Im Fernsehen startet der Münchener „Kommissar“ seine Ermittlungen. Einen großen Bezug zu dieser Krimi – Serie habe ich bis heute nicht entwickelt. Allerdings habe ich mir die DVD – Kollektion gesichert und diese wird demnächst auch in meinem Heimkino starten. Damals interessierten mich diese Krimis noch nicht und es wäre auch keine Kost für mich in diesen jungen Jahren gewesen. Der Nachfolge Kommissar „Derrick“ war später schon gegenwertiger und alle Folgen flimmerten durch das Sammeln sämtlicher DVD – Boxen in chronologischer Reihenfolge inzwischen bei mir zu hause über den Bildschirm.

Im ZDF startet die Kult – Sendung „Hitparade“ mit Dieter Thomas Heck. Sie sollte ein muss für mich in Teenager Jahren werden, wenn sie Sonnabend Abend im Fernsehen lief. Damals mussten wir Sonnabends ja noch die Schulbank drücken und wenn hier Schluss war, keimte Vorfreude auf das abendliche Musikereignis auf. Allerdings konnte die Hitparade nicht mit der „Disco“ von und mit Ilja Richter mithalten, da hier nicht nur deutsche, sondern auch fetzige internationale Künstler und Bands auftraten b. z. w. per Film, oder hieß es damals schon Video, eingespielt wurden. Als etwas albern empfand ich allerdings oft die Sketsche zwischendurch. Aber gerade diese machten das Unverwechselbare der Disco aus. Sowohl die Hitparade, wie auch die Disco stehen heute zumindest auszugsweise in meiner DVD – Sammlung. Es ist irgendwie Kult und eine nostalgisch berührende sowie schöne Erinnerung an meine Kindheit und frühen Jugend. Natürlich sieht man manches jetzt mit anderen Augen und einiges wirkt auf mich etwas befremdlich oder peinlich im Hinblick darauf, was ich damals als toll empfand.

Weitere Erinnerungen

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie stolz ich war, als ich meinen 10. Geburtstag feiern konnte und die 10 Kerzen + Lebenskerze auspusten durfte. Es war Faschingszeit und ich mochte irgendwie diesen lustigen Zauber mit Verkleidung und guter Laune. Im Fernsehen sah ich mir die Karnevalssitzungen aus dem Rheinland an und am Rosenmontag die schon damals life übertragenen Umzüge. Ich stellte mir meinen eigenen Karnevalsumzug mit Spielzeugautos und Soldaten sowie Indianern und allem möglichen, welches dazu passen könnte, zusammen und zog damit auf Knien durch die Wohnung. Ob  ich es allerdings zum 10. noch gemacht habe, weiß ich nicht mehr genau. Könnte durchaus etwas früher gewesen sein, ich möchte es jedoch nicht unerwähnt lassen.

Aber auch auf der Straße musste etwas passieren. Ich besorgte mir buntes Konfetti und fing an mir aus Papier Blasrohre zu bauen, in denen außer Konfetti auch noch ein Teelöffel Mehl hinein kam. Ich verschloss sie beidseitig, in dem ich die Enden nach innen faltete und verpackte sie zu mehreren in einer Sammelbox. Schließlich zog ich zusammen mit anderen Kindern durch die Straßen und wir verbliesen die Konfetti – Rohre zur bunten Dekoration auf dem ansonsten so tristen Grau der Straßen. Etwas Farbe kann ja nicht schaden. Ich freute mich, wenn unsere Spuren noch nach Tagen sichtbar waren. Aus alten Heft- und Buchseiten bastelte ich mir kleine Knallkissen. Aufpusten und mit der Hand kräftig raufhauen. Das gab eine durchaus annehmbare Resonanz. Ich gab ihnen die Bezeichnung „Füsimatenten“. Diese wurden dann ebenfalls, ich glaube zu fünft, verpackt und beschriftet. Dazu habe ich mir sogar ein eigenes Firmen – Logo ausgedacht.

Das Firmen – Logo meiner kleinen, hauseigenen Faschings- und Pyro – Manufaktur.

Es sollte zum Markenzeichen meiner zukünftigen Silvester – Bastellei werden. Diese startete in den folgenden Jahren pünktlich am 1. November. Jeden Tag kam ein neues Erzeugnis hinzu und wurde in einem bunt bemalten Schuhkarton aufbewahrt. Es waren meist irgendwelche Kleinigkeiten, Hauptsache, sie hatten einen Effekt, der zu Silvester passte. Vieles wurde aus Streichhölzern hergestellt, so z. B. Düftelnde Hölzer – der Zündkopf des Streichholzes in brennbaren Kleber getaucht und anschließend in Mehl. Trocknen lassen und beim Anreiben an einer Zündholzschachtel begann der Zündkopf unter „angenehm“ duftender Rauchentwicklung weg zu glimmen. Aus Alufolie, die meist von Schokoladen – Verpackungen übers Jahr gesammelt wurde, entstanden „Hammererbsen“. Der Schwefel von zwei – drei Streichhölzern wurde abgebröckelt und in etwas Alu – Folie zusammen gerollt, so das ein etwa erbsengroßes Kügelchen entstand. Dieses wurde auf den Bordstein der Straße gelegt und bekam mit einem Hammer ordentlich eins drauf. Das hat dann schon richtig geknallt, fast wie ein Silvesterknaller. Die Dinger wurden bei mir äußerst beliebt und nicht nur an Silvester gebraucht. Ruhestörender Knaller – lärm wurde zur Tagesordnung in der Scheuer Straße. Ich weiß nicht, ob ich die Idee zu diesen Knallern hatte oder aber ein bekannter Erwachsener aus der Verwandtschaft, der damals bei der Polizei Dienst tat und dem ich gerne von unseren Lausbubengeschichten erzählte, mir das Rezept verriet. Von ihm bekam ich jedenfalls einen lustigen Tipp, wie man Leute etwas ärgern kann, denen man gerne eines Auswischen möchte.

Und derartiges hatte ich durchaus vor. Die Hammererbsen waren zwar nicht schlecht, aber im großen HO, dem Karstadt – Stammhaus in Wismar, gab es Zündplättchen für Spielzeug – Revolver zu kaufen. Das einzelne Plättchen war nicht viel wert, Spielzeug für Babys. Da war es schon besser, über eine ganze Rolle mit 100 Schuss den Hammer kreisen zu lassen. Das waren schon Klänge, die in Richtung Kanonenschlag gingen. Ohrenschutz wäre angebracht gewesen. Das machte Laune, bis mir der Hausmeister einer Berufsschule, die gleich nebenan, zwischen unserer Wohnung und dem Objekt der Berufsfeuerwehr lag, den Hammer abnahm, weil er sich genervt fühlte. Das schrie nach Rache! Gegenmaßnahmen mussten ergriffen werden und einer dieser Maßnahmen wurde richtig rabiat. Grober Unfug, fast schon kriminell. Es gab damals eine ganz bestimmte Plaste, in Form von Lineal und Dreiecke für die Schule. Wenn man diese mit Alufolie umwickelte und anzündete, fing sie sofort Feuer und nun pustete man das Ganze aus, schmor die Plaste unter enormer Rauchentwicklung und charakteristischem Zischen weiter. Wir nannten sie Räucherbomben und vernebelten die Straßen immer wieder mit diesem, für uns Kinder tollen Erzeugnis. Der Gestank, den diese Dinger verbreiteten, erinnerte mich an den Geruch von Mottenkugeln. Der Flur der Berufsschule war mit Steinfließen versehen, konnte also nicht Feuer fangen. Rein mit so einem Stinker und dazu noch schnell den Klingelknopf beim Hausmeister gedrückt und flinke Hufe. Ich erzählte es erwähntem Onkel und er fand diese Maßnahme gar nicht zu gut. Er empfahl mir dann doch schon zu harmloseren, weniger gefährlichen und gesundheitsschädlichen Streichen. Beispielsweise eine große Nähnadel, an dem am Öhr ein Knopf und Zwirnsfaden befestigt wird. Die Nadel in den Kitt des Wohnungsfensters gesteckt, um die nächste Ecke gehen, es war ein Eckhaus, und daran zupfen. Das Geklapper würde schon für reichlich Unruhe sorgen, die wir dann aus gebührender Entfernung amüsiert verfolgen durften. Wir haben es natürlich erst am späteren Abend gemacht, damit uns möglichst wenig Leute in die Quere kommen konnten. Wie dem auch sei, später glaube ich zu erinnern, wurde auch der Hammer wieder ausgehändigt.

Wie schon mehrfach erwähnt, wohnten wir in unmittelbarer Nähe zur Berufsfeuerwehr, die bis dahin zu Silvester um Mitternacht auf ihrem hohen Schlauchturm ein weithin leuchtendes Bengalfeuer ab fackelte. In einer Silvesternacht, die in dieses Zeitfenster hinein passt, war es aber ganz anders. Ich weiß nicht, ob sie von unseren Räucherbomben so begeistert waren, jedenfalls genau um Mitternacht, die Nebelhörner der Schiffe im Hafen begannen das neue Jahr ein zu heulen und die Leute stürmten mit ihrem Silvesterfeuerwerk auf die Straße. Plötzlich zog ein unheimlicher Nebel des Grauens auf, eine gigantische Räucherbombe vernebelte die gesamte Straße und trieb die Tränen in die Augen. Der „Duft“ erinnerte an unsere Erzeugnisse aus Plastik in Alu – Folie und zog bis in die Hausflure hinein. Es wurde ruhig in der Straße. Die Leute verzogen sich in die Häuser und schlossen Türen und Fenster. Das Null – Uhr Feuerwerk war für einige Minuten in unserer Straße verstummt, bis sich die Nebelschwaden wieder verzogen hatten. Immerhin soll sich die Feuerwehr im Nachhinein für diesen Silvesterscherz entschuldigt haben. Man muss es ja nicht gleich übertreiben! Oder wollten die Erwachsenen uns Kindern gegenüber nur zeigen, wie es richtig gemacht wird?

Ich möchte dazu anmerken, dass ich einiges nicht mehr genau in die entsprechende Jahreszahl verorten kann und verbinde einige Geschichten, die grob in diese Zeitspanne hinein gehören.

So möchte ich nochmals auf die Hammererbsen eingehen. Diese fand ich deshalb auch so interessant, weil von ihnen kaum eine Gefahr ausging. Splittern konnte allenfalls der Bordstein der Straße, wenn man ihn ungünstig traf. Aber einige Kinder waren mit ganz anderen Kalibern ausgerüstet. Auf dem ehemaligen Flugplatz der Dornierwerke befand sich, wie schon erwähnt, ein Übungsplatz der sowjetischen Streitkräfte, die damals in Wismar stationiert waren. Offensichtlich nahmen sie es mit der Verwahrung ihrer Übungsmunition nicht so genau. Ich kann mich erinnern, das ich eines Tages von anderen Kindern mit dort hin genommen wurde und wir in einem Erdbunker massenhaft Platzpatronen fanden und mitnahmen. Auch Leuchtspurgeschoße waren dabei. Diese wurden aufgebrochen und die Leuchtspur mit dem Streichholz oder Feuerzeug angezündet und in die Luft geworfen. In die leeren Patronenhülsen wurde Streichholz – Schwefel gefüllt, sie wurden mit einer Zange wieder zusammengekniffen und fungierten sozusagen als „Hammerpatronen“. Wir kloppten auf dem Bordstein diese Dinger mit Knalleffekt platt. Und dabei musste man schon ordentlich zuhauen. Mir war aber dabei nicht ganz wohl und so zog ich doch meine Hammererbsen vor, die mir weniger gefährlich erschienen. Nachdem dieser grobe Unfug aufflog und auch in der Schule bekannt wurde, gab es zu hause Besuch vom Kassenlehrer und meine Eltern fanden das nicht lustig. Also beschränkte ich mich lieber auf meine, meist doch wohl harmloseren Entwicklungen.

Es dauerte jedoch nicht lange, da kam eine neue Masche auf mit Knallrohren und Knallschlüsseln. Mich reizte natürlich immer der Knall. Der war wichtig, je lauter, um so besser. Und die Dinger waren gut in der Resonanz. Die Metallröhrchen wurden mit einen Gummiverschluss und Nagel versehen, der als Schlagbolzen fungierte. Auch hier kam Streichholzschwefel als resonanzauslösende Zündmasse zum Einsatz. Das Ding wurde seitlich in der Hand gehalten und der Weckgummiverschluss, mit dem Schlagbolzen (Nagel)  ausgelöst. Das Schepperte ordentlich. War mir aber zu gefährlich. Nach wenigen Versuchen ließ ich die Finger davon. Da gefiel mir der Knallschlüssel schon besser. Der hohle Bartschlüssel funktionierte ähnlich, nur das er zur Auslöse nicht in der Hand gehalten werden brauchte, sondern treffsicher an einem Band befestigt, an eine Hauswand geschleudert wurde. War nicht immer ganz einfach und es gehörte schon etwas Übung dazu, um den richtigen Punkt zu treffen. Aber die Verletzungsgefahr schien mir geringer zu sein. Letztendlich ließ ich aber auch von diesem Experiment die Finger und konzentrierte mich auf meine, eher harmloseren Einfälle.   

1970 – 11 Jahre

  • Gründung der Kooperativen Republik Guyana
  • Bruno Kreisky (SPÖ) wird Bundeskanzler in Österreich
  • Ein Ehepaar entführt ein Flugzeug der Interflug (DDR) um in die BRD, nach Hannover zu gelangen. Der Fluchtversuch scheitert
  • Bundeskanzler Willy Brandt (BRD) trifft sich in Erfurt mit Willi Stoph (DDR)
  • In der BRD gründet sich die Rote Armee Fraktion
  • Moskauer Vertrag zwischen der Sowjetunion und der Bundesrepublik
  • Im Oktober wird in Kairo der verstorbene ägyptische Staatspräsident Nasser zu Grabe getragen 
  • Unterzeichnung des Warschauer Vertrages durch die BRD und Polen
  • Arbeiteraufstand in Polen im Dezember wegen massiver Preiserhöhungen

Kulturelles

Die Beatles trennen sich. Die Spielshow „Der goldene Schuss“ wird vom ZDF eingestellt. Am 28. September stirbt der Rock – Gitarrist Jimi Hendrix infolge seines Alkohol und Drogenkonsums.

Bands wie Led Zeppelin, Pink Floyd, Aerosmith, Fleetwood Mac, CCR, Supertramp Lynyrd Skynyrd, The Eagles, Deep Purple oder Black Sabbath waren groß angesagt. Für Black Sabbath war es sicher das beste Jahr, um sich einem breiteren Publikum bekannt zu machen und landeten mit der Single – Auskopplung Paranoid sogar weit oben in den Hitparaden. Für eine Hardrock/Heavy Metal – Band sicher nicht alltäglich. Allerdings waren die Radio – Hitparaden zumindest von den internationalen Gruppen damals durchaus gut Rock – lastig.

Erinnerungen

Es wird allmählich schwierig, sich an Ereignisse der frühen Kindheit zu erinnern, die ich hier noch nicht zum Besten gegeben habe. Vor allem das Einordnen in die richtige Jahreszahl wird ein allmählich schwammig.

Was haben wir noch so in unserer Freizeit getrieben? Nach der Schule und den leider oft nur stiefmütterlich gemachten Schularbeiten? Da gab es beispielsweise Zirkus – Veranstaltungen in der Scheuerstraße, dort auf dem Feuerwehrplatz, b. z. w. in dem kleinen Lindenpark vor dem heutigen Ordnungsamt. Ich hoffe, ich habe davon nicht schon in den Vorjahren berichtet. Jedenfalls war da der sportliche Hanning und meine Freundin Conny. Wir hatten die Idee, für uns und für die Rentner, die es sich gerne auf den dort stehenden Bänken gemütlich machten, eine kleine Manege einzurichten und ein kleines Zirkus – Programm zu präsentieren. Wir zogen zur nächsten Tischlerei und erbettelten uns Sägespäne. So, wie es sich für eine echte Manege gehört. Bereiteten diese entsprechend einem Rondell im echten Zirkus aus und gaben kleine Kunststücke zum Besten. Sehr artistisch gab sich  in diesem Zusammenhang unser Hanning. Mit Purzelbäumen und laufenden und kreisenden Handständen rund um unser Rondell. Ich weiß nicht, ob wir uns auch mit Farbe, wie ein echter Clown, schminkten. Wer weiß, aber allerhand Quatsch fiel uns in diesem Zusammenhang sicher noch ein. Wie schon erwähnt, residiert dort heute das Ordnungsamt. Da hätten wir heut zu Tage schon mal schlechte Karten! Die hätten uns schon Beine gemacht, b. z. w. unseren Eltern.  Sicher wäre eine Ordnungswidrigkeit fällig.

Übrigens ist Hanning später leider auf die Schiefe Bahn geraten und war sicher für eine nicht geringe Anzahl von Jahren Gast hinter Schwedischen Gardinen. Als er mich vor einigen Jahren mal im Steinpilz besuchte, war er ein Wrack. Körperlich wie geistig! Conny traf ich um die Jahrtausend – Wende wieder. Sie wurde Berufsschul – Lehrerin und war in der Agra – Berufsschule in Zierow einige Jahre tätig. In diesem Zusammenhang organisierten wir im Jahre 2002 im benachbarten Kulturverein eine kleine Pilzausstellung, die über mehrere Wochen geöffnet war. Mit Schautafeln und echten Pilzen.

1971 – 12 Jahre

Siehe unter: http://www.jahr1971.de

Nach dem ich mich inzwischen durch meine Freundin Conny, die mich mit der  stadtbekannten Pilzfrau Annalotte Heinrich bekannt gemacht hatte, meine Anlaufstelle zum Thema Pilze fand und ich einen Artikel zu diesem Thema in der Ostsee – Zeitung las, der Autor hieß glaube ich Manfred Quella, sah ich mich nach erster Literatur um. Wie das damals so war, in der Mangel – und Bückwaren – Gesellschaft, gab es gerade kein Pilzbuch im Handel. Im Spielwarenladen lag aber eine Art „Mensch ärgere dich nicht“ – Brettspiel mit Pilzen an den jeweiligen Spielpunkten aus. Natürlich erinnere ich mich nicht mehr daran, welches hier zu beachten war, betreffend des Spielverlaufs. Aber das interessierte mich auch herzlich wenig. Eher die Kurzbeschreibungen zu den einzelnen Arten. Selbstverständlich die häufigsten und wichtigsten Speise – und Giftpilze. Schön sind mir noch das gezeichnete Büschel des Grünblättrigen Schwefelkopfes in Erinnerung oder der zonierte Edel – Reizker. Auch die Speisemorchel interessierte mich sehr. Alle braunhütigen Röhrlinge legte ich für mich zunächst unter dem Oberbegriff Butterpilze zusammen. Auch wenn auf dem Spiel Marone, Birkenpilz oder Steinpilz stand. Tage zuvor hatte ich nämlich am Bahnübergang in der Wismarer Poeler Straße zwei Männer stehen sehen, die ein großen Korb voll dieser braunhütigen Speisepilze bei sich trugen. Sie sagten auf Anfrage, es wären Butterpilze zu mir. Im nachhinein denke ich jedoch, es dürfte sich Maronen – Röhrlinge gehandelt haben.

Wie dem auch sei, Spiel eingepackt und mit dem Stadtbus bis zur Station Eiserne Hand gefahren. Von hier aus waren es noch knapp 2 Km Fußmarsch bis zu den Stadtnahen Rohlstorfer Tannen. Gleich hinter Müggenburg begann der Wald. Pappeln und dahinter Fichten und Kiefern – Jungforst. Teils moosig und eigentlich genau das richtige. Ich legte das Brettspiel aus und suchte in der Umgebung zusammen, was ich dort an Pilzen fand. Es war Herbst, ich denke September. Ich hatte nur Pfifferlinge aus frühester Kindheit in Erinnerung, die ich damals in den Wäldern zwischen Demen und Buerbeck sammelte. Und diese glaubte ich, standen hier zu Hauf herum. Sahen wirklich so aus. Nun, ich hatte keinen Korb mit, nur eine durchsichtige Plastetüte. Ja, so unbedarft bin ich damals gewesen, aber es war ja eigentlich nur ein erster Versuch nach dem Brettspiel etwas zu lernen und zu entdecken. Ich war glücklich und sammelte die Tüte voll dieser vermeidlichen Delikatessen. Das Bild auf dem Brettspiel passte ja ganz gut dazu und ich glaubte sie ohnehin zu kennen. Stolz trat ich den Heimweg an, bis zur Bushaltestelle. Und das Beste, ich erzielte bei Leuten, die auch auf dem Bus warteten, Aufmerksamkeit. Sie bewunderten mich ob der leckeren Pfifferlinge! Mit geschwollener Brust stieg ich in den Bus ein und fuhr in die Innenstadt. Sogleich strebte ich der Pilzberatungsstelle von Fräulein Heinrich entgegen. Nun, mein Hochmut über die orangegelben Köstlichkeiten wurde jäh gedämpft. Alles gummiweiche Falsche Pfifferlinge! Die kann man zwar auch Essen, aber mit den echten Eierschwämmen nicht vergleichbar.

Der Braunsamtige Afterleistling (Hygrophorus aurantiaca) ist eine schöne, dunklere Form des Falschen Pfifferlings des Laubwaldes. Foto: Oktober 2016.

Musik kroch mir damals immer deutlicher in mein Ohr. Natürlich Schlager bis hin zu Pop bis Rock. Im allgemeinen der gängige Radio – und Hitparaden – Sound. 1971 ging die ZDF – Disco mit Ilja Richter an den Start, die Sonnabends ausgestrahlt wurde. Glam – Rock entwickelt sich. The Sweet haben mit Co – Co einen ihrer ersten großen Hits. Noch eher im Stil der bummble gum – Musik. Später drehten sie als harte Glam – Rocker die Verstärker richtig auf. Slade, T. Rex oder Garry Glitter stürmten die Hitparaden in den folgenden Jahren. Einer der schönsten Schlager war damals Danyel Gerard mit „My Butterefly“. Einfach eine schöne Zeit! Der Titel läuft gerade bei mir im Laden. Ohne Musik läuft bei mir gar nichts. Manchmal durchaus auch Schock – Therapie, wenn nämlich nach Wolfgang Amadeus Mozart, Lemmy Killmister seine versoffene Whisky – Stimme über dem donnernden und schmutzigen Soundteppich seiner Bandmitglieder von Motorhead röhren lässt. Echt geil! Zwar nicht gerade passend für ein seriöses Info – Zentrum, aber was will man machen. So bin ich eben, ein Exot und alles andere als der Durchschnitts – Typ. Übrigens läuft jetzt gerade Katja Ebstein mit „Theater“ in einer meiner Soundanlagen (Kassette). Ein wunderbares Chanson dieser Berliner Künsterin. Aber das hat jetzt wenig mit dem Jahr 1971 zu tun. Sorry! Die Toten Hosen folgen. Punk ist auch Geil! 

Zeit des Kettenrauchers

Ich bin bis zum heutigen Tage ein notorischer Nichtraucher geblieben. Ausnahme eine kurze Phase in meiner Kindheit. Mein Vater war ein recht starker Raucher und da wird wohl jeder auch als Kind schon mal neugierig, warum die Alten so gerne Qualmen und vor für das wohl gut sein könnte? Also verschwand schon mal in einem günstigen Moment ein Glimmstengel aus seiner Schachtel, um eben dieses heraus zu finden. Der Kippen wurde mit zu meinen Freunden auf die Straße genommen und gezündet. Einige Kinder hatten durchaus schon ihre Erfahrungen im Gebrauch dieser Räucherware. „He, du must nicht einfach nur paffen, sondern richtig mal auf Lunge.“ Ich zog also kräftig durch und mir wurde fast schwarz vor Augen und ein heftiger Hustenreiz setzte ein, verbunden mit einem ekelhaften Geschmack. Davon war ich bedient! Welch ein Teufelszeug!

Ein Lungenzug sollte es bis zum heutigen Tag bei mir nie mehr geben, aber es sollte noch nicht das Ende meiner „Raucherkariere“ sein. Eines Tages stibitzte ich erneut einen Kippen aus der Schachtel meines Vaters, welches ich aber zu ungeschickt anstellte, er bemerkte es und es entwickelte sich ein sportlicher Wettkampf rund um unseren Wohnzimmertisch herum. Ja, es setzte was! Kippen vom alten Klauen war nun out. Er rauchte übrigens folgende Marken: Salem, Aida, Stewardess, Juwel 72 u. a.

Aber wir Straßenkinder waren ja nicht auf dem Kopf gefallen. In der Wismarer ABC Straße gab es einen Tante Emma Laden, der auf Zigaretten und Spirituosen spezialisierst war. Die Inhaberin war eine ältere Dame und eines von uns Kindern hatte zu ihr eine besondere Beziehung aufgebaut. Diese gipfelte darin, dass wir uns hier leere Zigarettenhüllen, Tabak und einen zugehörigen Stopfer kaufen konnten. Hundert Hülsen waren glaube ich in dem Karton. Damit kommen wir eine Weile aus. Nun wurden die eigenen Kippen gestopft und es war mehr als Geil, mit diesen in den Händen und nach dem Vorbild der Alten unsere Köpfe mit dem entsprechenden Feinstaub zu umnebeln. Einfach so aus Angeberei. Der besagte Spirituosen – Laden in der ABC – Straße sollte viele Jahre später zur Keimzelle des Steinpilz – Wismar werden. Im September 2003 öffnete er hier seine Pforten, um ein Jahr später in die ABC Straße 21, gleich gegenüber, umzuziehen. 

Zigarren und Spirituosen zur Wendezeit 1989/90. Das Foto habe ich aus dem Internet. Seine Autor ist mir leider nicht bekannt und er möchte mir verzeihen, dass ich dieses bemerkenswerte und historische Foto an dieser Stelle verwende. Ich habe eine persönliche Beziehung dazu.

Am 01. September 2003 Eröffnung des Steinpilz – Wismar.

1972 – 13 Jahre

  • 30.01. – Blutsonntag in Nord Irland
  • 11.02. – Der DFF wird in Fernsehen der DDR umbenannt
  • 27.04.  – Konstruktiver Misstrauensantrag gegen Bundeskanzler Willy Brandt (SPD)
  • 26.05. – Unterzeichnung des SALT I – Vertrages
  • 03.06. – Transitabkommen zwischen der DDR und der BRD tritt in kraft
  • 05.09. – Geiselnahme mit 6 Toten bei den Olympischen Spielen in München
  • 10.10. – Watergate Affäre in den USA durch das FBI aufgedeckt
  • 13.11. –  Der bis dahin stärkste Orkan Quimburga (Niedersachsen – Orkan) fordert in Deutschland 47 Tote und er fegte mit Spitzenböen bis 170 Km/h über Norddeutschland.
  • 14.12. – Willy Brandt wir zum 2 mal zum Bundeskanzler gewählt

Kulturelles

Die amerikanischen Country Rocker CCR lösen sich nach fünf Jahren auf. In dieser relativ kurzen Zeit haben sie viele Welthits produziert, die teils bis heute Kult sind.

Die Hardrock – Legende Van Halen wird gegründet. Die ersten Titel dieser Band brachte mir damals mein Freund Andy mit, als wir uns mal wieder bei mir zu hause zum gegenseitigen Musikaustausch trafen. Für die damalige Zeit absolute Kracher und das sind sie auch heute nach. Eruption ist wohl eines der gewaltigsten E – Gitarrensoli der Musikgeschichte überhaupt. Zwar klang die Musik auf seinen damaligen Kassettenrekorder Minett blechern, aber man ahnte durchaus welche Wucht und Fingerfertigkeit hinter dieser Aufnahme steckte.

Deep Purple glänzen mit ihrem Meilenstein – Album „Machine Head“.

Neil Young bringt eines seiner wichtigsten Alben heraus – „Harvest“.

Alice Cooper gelang ein Evergreen mit seinem Schülerhit „Schools Out“. Ein echter Ohrwurm und für mich einer der geilsten Titel der 1970er Jahre.

Wunderbar fand ich auch das liedhafte „It Never Rains In Southern California“ von Albert Hammond.

Oberaffengeil waren natürlich The Sweet nicht nur mit dem aus diesem Jahr stammenden „Wig – Wam Bam“. 

Ex – Beatle Paul McCartney gab mit seinen Wings das erste Konzert in der UNI – Nottingham.

Vicky Leandros gewann für Luxemburg den Eurovision Song Contest und ABBA nahmen ihre erst Single auf . Sie siegten 1974 bei diesem Schlagerfestival mit „Waterloo“.

Am 27. Mai startet im deutschen Fernsehen das erste mal das Raumschiff Enterprise (Star – Trek). Es war für mich ein Höhepunkt der sonnabendlichen Fernsehunterhaltung, trotz Schwarz/weiß Bildschirm.

Übrigens hatte dieser oben erwähnte Niedersachsen – Orkan natürlich auch nicht vor Mecklenburg halt gemacht. Dieser mit aller Gewalt tobende Herbststurm hatte auf mich großen Eindruck gemacht. Ab diesem Tag begann ich für mich mit persönlichen Wetterbeobachtungen. Ich legte mir eine Tabelle an und trug dort von nun an einige wichtige Wetterdaten in Form der in der Meteorologie üblichen Zeichen ein. Temperatur. Bewölkungsgrad, Wind und Niederschlag. Natürlich hatte ich keine Messgeräte und so waren die Daten nur anhand meiner verbalen Beobachtungen für mich von Bedeutung und nur eine grobe Aufzeichnung des Wetters in Wismar während der kommenden Wochen und Monaten.

Zu den Rohlstorfer Tannen. Hier hatte der „Niedersachsenorkan“ damals auf einer Anhöhe, die von Fichten bestanden war, ganze Arbeit geleistet. Fichten sind Flachwurzler und so stand hier kaum noch ein Baum. Ein beeindruckendes Schlachtfeld hatten die Naturgewalten hier hinterlassen, welches ich so bis dahin nicht gesehen hatte.

Damals bin ich erst nach den Schulferien in die Pilze gegangen. Also erst ab September, weil es hieß, der Herbst sei die Pilzzeit. Da ist natürlich etwas dran, im Herbst wachsen nun mal die meisten Arten, aber Pilzzeit ist immer. Es dauerte noch ein wenig, bis ich zu dieser Erkenntnis gelangte. Als ich wieder im Wald bei Müggenburg unterwegs war, das Waldgebiet war mit Pappeln umsäumt, strahlen diese mit Beginn des Laubfalls eine ganz besonders Duftnote aus. Irgendwie herb, aber sehr angenehm. Ich suchte mit meinen Klassenkameraden auch hier nach Pilzen, da es in den sich bei mir nun allmählich ansammelten Pilzbüchern („Pilze essbar oder giftig?, „Pilzwanderungen“ von Franz Engel) hieß, dass es unter Pappeln auch leckere Rotkappen gäbe. Nur das damit Zitterpappeln gemeint waren, konnte ich damals noch nicht einordnen. Hier standen jedenfalls andere Spezies dieser Gattung herum, vielleicht Hybrid – Pappeln oder ähnliches. Rotkappen waren hier also nicht zu hause. Beeindruckend fand ich jedoch große, weiße Blätterpilze, die auch einen weißlichen Milchsaft absonderten. Es waren Rosascheckige Milchlinge, die nur unter Pappeln zu hause sind. Eine der ersten Michlingsarten, die ich kennen lernte und in meinen Gesichtskreis aufnehmen konnte. Zum anderen gab es hier viele Flaschen – Stäublinge. Die sollten ja laut Buch jung essbar sein und somit fingen wir an, sie in größeren Mengen zu sammeln. Bei der Ankunft in der Pilzberatung musste ich hier wieder etwas Ernüchterung erfahren, da viele dieser Bauchpilze schon zu weit waren. Ließen sich eindrücken und das Innere war schon leicht gelbgrünlich. Wieder eher eine Niederlage für mich. Aber dass sollte nichts daran ändern, dem Wald und ihren Schätzen aus dem Pilzreich treu zu bleiben und ihren Geheimnissen weiter auf die Pelle zu rücken.

Flaschen – Stäubling (Lycoperdon perlatum).

Ich weiß es nicht, ob es genau in diesem Jahr war. Aber es war sicher Anfang der 1970er Jahre. Vielleicht 4. Klasse, noch Unterstufe. Damals gab natürlich auch Wandertage. Sie führten u. a. auch in die Rohlstorfer Tannen. Während meine Klassenkameraden sicher die Gelegenheit zum herum tollen nutzten, ich natürlich auch, war mein Blick aber immer auch auf Pilze gerichtet b. z. w. selbige zu entdecken. An diesem Tag hatte ich dann eine für mich besondere Entdeckung zu vermelden. Am Wegesrand und imposant stehend, die erste Phallus impudicus meines Lebens. Ein erster Nasenkontakt mit ihrem einprägsamen „Duft“ und den zahlreichen Fliegen, die diesen, ausgehend von der olivgrünen Sporenmasse auf ihrem glockigen Hütchen, unwiderstehlich fanden. Der Pilz beeindruckte natürlich nicht nur mich. 

Gemeine Stinkmorchel (Phallus impudicus).

Aber es gab damals auch die sogenannte Kreiswanderroute. Hier waren wir mit unserer Schulklasse fast eine Woche im damaligen Kreis Wismar unterwegs. Ich weiß noch, dass mich meine Mutter und die Mutter meines besten Schulfreundes Ralf, zum Treffpunkt in Wismar brachten. Ich glaub zum Bus, mit dem wir in Richtung Ventschow fuhren. Am Abzweig Tarzow stiegen wir aus und wanderten zum Zeltplatz am Tarzower See. Direkt am Waldrand. Bestanden mit Kiefern und Erlen. Das erste mal Zelten und dann auch noch nachts am See und Wald. Mir war etwas mulmig, wenn hier blos keine Wildschweine kommen. Vor denen hatte ich irgendwie Respekt, ja Angst. Daran schuld hatte sicher mein Onkel Günti. Er arbeitete damals bei der Forst und als ich mit ihm im Wald war, wo er an einer Lichtung zu tun hatte, sagte er öfter zu mir, ich solle lieber in der Nähen bleiben, denn sonst kommen die bösen Wildschweine aus dem Wald auf die Lichtung gelaufen. Sicher war es nur eine, durchaus etwas fragwürdige Methode, mich zu Überzeugen, nicht so weit weg zu laufen.

Onkel Günter vor der Haustür in Demen.

Zurück zum Tarzower See. Damals ging vom Ufer des Zeltlagers ein Bade – Steg ein Stück weit in den See. Obwohl ich an der Ostsee wohnte, kannte ich Baden in freier Natur nicht. Es war für mich eine Herausforderung. Während die meisten anderen Kinder ungezwungen damit umgingen, schafften es Lehrer und Begleiteltern gerade einmal, mich mit den Beinen bis zu den Knien in das Wasser zu bekommen. Ja, ich war damals noch irgendwie Wasserscheu.

Bravo! Der Reinhold das erste mal im Wasser eines Sees!

Vom Tarzower See wanderten wir weiter durch Wald, Feld und Flur bis Ventschow. Am Ventschower See wartete das nächste Zeltlager auf uns. Hier gab es dann morgens auch den damals üblichen Fahnenappel. Schließlich waren wir ja junge Pioniere, später Thälmann – Pioniere. Lieder wie „Kleine, weiße Friedenstaube“, „Immer lebe die Sonne“ oder „Das Lied vom kleinen Trompeter“ liegen mir heute noch in den Ohren. Und das nicht ohne Rührung. Es waren zwar Propagandalieder für den Nachwuchs zum Aufbau des Sozialismus, aber, und das war auch so gewollt, sie berührten von ihren eingängigen Melodien und auch von den Texten her. Ehrlich gesagt, ich höre sie heute noch gerne, weil sie mich in eine schöne, behütete Zeit zurück führen, die leider nie wieder kommt. An viel mehr kann ich mich nicht mehr an die Station Ventschow erinnern. Höchstens noch, dass wir im nahen Wald nach Holz für ein Lagerfeuer suchen sollten.

Und dann ging es weiter nach Hohen Viecheln, an den Schweriner See. Hier war ein bleibendes Erlebnis das Abendessen im großen Mannschaftszelt. Während bis jetzt das Wetter ganz O. K. war, zog an diesem Abend eine Gewitterfront auf. War natürlich schon damals für mich spannend, aber als die vorlaufende Böen – Linie unser Zelt erfasste und es fast abheben ließ, so dass wir uns alle in Sicherheit bringen mussten, war es wirklich nicht mehr lustig.

Das Große Zelt im Hintergrund hatte den abendlichen Gewitterböen nicht viel entgegen zu setzen.

Die letzte Station war Bad Kleinen. Ich weiß nicht, ob es noch weiter gehen sollte, aber hier wurde vorzeitig abgebrochen. Die Gewitterlinie des Vortages leitete einen Temperatursturz ein und am folgenden Tag war es ungemütlich kühl und es regnete. Kein Wetter mehr zum Zelten, entschieden die Verantwortlichen. Heute würde man darüber sicher anders denken, denn auch Regentage muss ein Zeltler ertragen können. Aber das waren wir in der Mehrheit sicher nicht. 

1973 – 14 Jahre

Jahreschronik siehe unter:http://www.was-war-wann.de

In Vietnam endete der gleichnamige Krieg – endlich! Die allabendlichen Fernsehbilder (gefühlt allabendlich) prägten sich mir als junger Mensch in grauenhafter Weise ein. Vor allem die Napalmbomben und brennende Frauen und Kinder, die um ihr Leben liefen. Die USA wurden für mich zum Inbegriff des Bösen, ohne die politischen Gesamtzusammenhänge zu begreifen. Napalmbomben sind seit 1980 als unmenschliche Waffen verboten.

In Vietnam kehrte endlich Ruhe ein, aber ein weiteres Ereignis bewegte mich damals. In Chile wurde der sozialistische Präsident Allende gestürzt und ermordet. Der General Pinochet richtete eine brutale Militärdiktatur ein. Unterstützt natürlich von den USA. Nur kein Sozialismus und schon gar keinen Kommunismus. Da darf auch gerne mal so ein Dreckschwein und Massenmörder wie Pinochet das Zepter Schwingen. Und das sollte noch viele Jahre so bleiben. Viele Jahre widerlichster und brutalster Terror gegen die eigene Bevölkerung, alles zum Wohl der USA!

Zu erfreulicherem. Am 2. Mai wurde in der BRD das Bundeswaldgesetzt verabschiedet. Es legte den deutschen Wald auch als Erholungsraum für alle Bürger fest. Das bedeutet, dass sowohl Landesforste b. z. w. Wälder, wie auch private Waldflächen, von Jedermann Betreten und zu Erholungszecken genutzt werden dürfen. Auch abseits der Wege! Ausgenommen natürlich Naturschutzgebiete. Also, liebe Pilzfreunde, auch ein Privatwaldbesitzer hat nicht das Recht euch aus seinem Wald zu verbannen oder zu verbieten, die Wege zu verlassen. Es gibt natürlich immer mal einige Schwarze Schafe die versuchen, die Menschen einzuschüchtern und die Ruhe des Wildes wird da oft als Alibi heran gezogen. 

In diesem Jahr wird auch der erste Geldautomat der Öffentlichkeit präsentiert.

Der DDR Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht stirbt während der X. Weltfestspiele in Ostberlin. Man hatte ihn schon vorher kalt gestellt und er nahm im wesentlichen nur noch repräsentative Aufgaben wahr. Erich Honecker übernahm nun die Macht im Staate DDR.

Kulturelles

Der Schriftsteller J. R. R. Tolkin stirb (Herr der Ringe).

Pink Floyd bringen ihren Meilenstein „The Dark Side Off The Moon“ heraus.

Insterburg und Co. befinden sich auf dem Höhepunkt ihrer Kariere. Blödellieder wir „Diese Scheibe ist ein Hit“ (Karl Dall) und „Ich liebte ein Mädchen“ (Ingo Insterburg) werden zu ihren größten Hits. Große Popularität verschaffte ihnen damals die von Radio Bremen produzierte Sendung „Musikladen“. Für mich einfach bis heute Kult. „Er wackelt schon, wir können anfangen“ hieß es in der Sendung und Karl Dall machte den Zuschauern klar, warum diese Platte ein Hit ist und warum man sie kaufen sollte. Übrigens unsere Pilzfreundin Hella betrieb in früheren Jahren mit ihrem Mann in Leer in Ostfriesland eine Hausarzt – Praxis und ein Mitglied von Insterburg & Co. war bei ihnen ein gern gesehener und hoffentlich meist gesunder Patient.

The Rolling Stones gehen mit ihrer neuen Single „Angie“ an den Start. Eine für die Band wunderbar ruhige, verträumte Ballade, die zunächst wohl eher belächelt wurde, war man von dieser Truppe doch wilderes gewohnt. Aber wider erwarten sollte dieses Lied einer ihrer größten Hits überhaupt werden. Damals stieg das Lied dann auch in den Hitparaden schnell auf hohe Positionen, so auch bei Radio Luxemburg. Dieser Unterhaltungssender war mit seinem deutschen Programm meist nur tagsüber einigermaßen hörbar auf Kurzwelle zu empfangen und er erlangte bei der Jugend Kultstatus.  

Suzie Quatro, diese kleine Wilde an der Bassgitarre, die fast größer wirkte wie sie selbst, landete mit „Can The Can“ ihren ersten großen Hit. Gut hinein passend in die damalige Glam – Rock – Zeit und dadurch genau dem Zeitgeist der Teenager entsprechend. Kofferradios waren damals angesagt und auch ich war Stolz eines dieser Kisten zu besitzen. So waren wir damals mit meiner Schulklasse zu einem Waldwandertag mit dem Zug bis nach Neukloster gefahren. Die Kofferheule war mit dabei und als Suzie mit ihrem „Can The Can“ loslegte, wurde richtig aufgedreht. Von wegen Waldesruhe! Ich weiß nicht, ob es vor Begeisterung durch die heiße Musik geschah, aber eine Mitschülerin schoss dem schönsten Steinpilz des Tages, der am Wegesrand stand, mit dem Fuß sein braunschwarzes Käppchen ab. Ein Bilderbuch – Steinpilz wurde kopflos. Kopflos war nicht nur ich über diesen Frevel, aber Ute hieß die Gute, meinte, es wäre ein altes Butterbrot gewesen und dass wollte sie weiter in den Wald befördern.

Der Glam – Rock befand sich damals auf dem Höhepunkt. The Sweet lieferten wilde Hits wie „Hell Raiser“ oder „Block Buster“ ab. Die Hardrocker von Deep Purple landen mit „Smoke On The Warter“ ihren größten Hit und wohl auch das bekanntestes Hard – Rock Gitarren – Riff aller Zeiten. Wer kennt es nicht? Gehört einfach zur Allgemeinbildung. The Les Humphries Singers begeistern viele Pop – Liebhaber. Auch Elton John hat sich dem Glam – Rock angenähert. Er landete mit „Crocodile Rock“ einen Superhit und für Gilbert O Sullivan scheint es einer seiner populärsten Jahre gewesen zu sein. In den deutschen Hitparaden läuft derweil immer noch ziemlich viel Schmalz aus den Lautsprechern. Beispiel: Bernd Klüver „Der Junge mit der Mundharmonika“.

Erinnerungen

Ein Klassenkamerad erzählte mir immer wieder von Pilzen, die sein Vater  auf  Wiesen sammelte, namens Lilastiel. Nun ja, ich nahm es zur Kenntnis, aber dachte mir nicht viel dabei. Als ich mal bei ihm zu hause war, schwammen in einer Schüssel nur Pfifferlinge und Steinpilze. Dass war sicherlich im Sommer und warum die Pilze so Auswässern mussten, schließlich geht ja Geschmack verloren, es sei denn, daraus sollte eine Pilzsuppe gekocht werden, entzieht sich meiner Kenntnis. Hatte auch nichts mit dem Lilastiel zu tun. Ich war ja meist im Wald unterwegs.

Eines Tages fuhr ich mal wieder mit dem Zug von Wismar aus nach Neukloster. Es muss Herbst gewesen sein, nein, ganz sicher war es Herbst! Wie immer war ich im der nahen Neukloster Forst auf Pilzpirsch. Wie erfolgreich diese an diesem Herbsttag ausfiel, erinnere ich nicht mehr. Nur dass ich vorzeitig mit meiner Tour fertig war und noch etwas Zeit hatte, bis der Zug nach Wismar zurück fuhr. Gegenüber dem Bahnhof befand sich damals auf einem Hügel eine Holländer – Mühle und eine große Viehweide. Ich wusste, dass es hier auch Champignons gab. So drehte ich auf der Koppel meine Runden und plötzlich standen einige knubbelige, graubräunliche Pilze vor mir. Ziemlich dickfleischig im Hut. Die kannte ich noch nicht, aber nachdem ich den ersten von ihnen aufnahm, wurde mir schlagartig klar, was ich in den Händen hielt. Ein schön lila gefärbter Stiel unterhalb des fleischigen Hutes mit seinen grauweißlichen Lamellen! Ich war begeistert! Welch ein schöner, attraktiver Pilz doch dieser Lilastiel ist. Ich hatte ihn vorher noch nie gesehen, aber wusste sofort, um welche Art es sich handelt. Das Lilastiel – Fieber war entfacht.

Lilastieliger Rötel – Ritterling (Lepista personata). Pilz des Jahres 2016.

Der Maskierte Rötel – Ritterling, wie ein weiterer, deutscher Name dieses damals ausnehmend häufigen Pilzes lautet, sollte bis zum Beginn der 1980er Jahre der wichtigste Speisepilz in meinem noch jungen Leben werden. Mein Schulfreund Eckart und dessen Vater waren dafür verantwortlich. Noch wichtiger aber, die Rolle, die meiner damaligen Lehrmeisterin, des stadtbekannten Pilzfräuleins (auf Fräulein legte sie immer sehr viel wert) Annalotte Heinrich in dieser Geschichte als Kreispilzsachverständige zukam. Es hieß, Eckart sein Vater fand die Pilze damals in größerer Anzahl auf den Salzwiesen links und rechts des Poeler Dammes, wurde mit ihnen in der Pilzberatung vorstellig und Annalotte Heinrich fand im Selbstversuch heraus, dass die Pilze zwar etwas unangenehm aus der Pfanne rochen, aber durchaus gut essbar und bekömmlich seien. Rötelritterlinge gelten im allgemeinen als wenig giftverdächtig, so konnte sie den Versuch wagen. Natürlich nicht ohne ein Protokoll mit Uhrzeit zu führen. Schließlich ist die Latenzzeit wichtig, falls doch etwas schief gehen sollte. Das tat es aber nicht und laut hören sagen reichte sie damals bei den zuständigen Behörden den Antrag auf Zulassung als Marktpilz für die damalige DDR ein. Welcher dann auch genehmigt wurde. Schließlich waren Frischpilze, wie vieles andere, in der DDR Mangelware im Handel. 

1974 – 15 Jahre

Siehe unter: http://www.jahr1974.de

Zeitweise wird es nun schwammig, mit genaueren Erinnerungen an die einzelnen Jahre. Aber ich möchte unbedingt an die Lilastiele anknüpfen. Ich wurde süchtig nach diesen Pilzen und ab Ende September konnte ich es kaum erwarten, bis die ersten Exemplare von ihnen sich zeigten. Saison war dann im Oktober und November, teils bis in den Dezember. Zunächst erkundete ich die Salzwiesen am Poeler Damm und wurde hier auch gut fündig. Die Pilze wuchsen gerne in Hexenringen. Manchmal war das Gras so hoch, dass ich auf Knien rutschend die Gräser abtastete, um den Ring mit seinen Fruchtkörpern zu verfolgen. Schnell füllten sich die Körbe. Manchmal gesellten sich noch sehr spät viele Rissigschuppige Anis – Champignons hinzu. Es gab hier auch Hexenringe mit besonders intensiv gefärbten Violetten Rötel – Ritterlingen. Champignons war dann Edel – Ware und ließen sich besonders gut verkaufen. Ich steuerte also wieder einmal die Pilzberatung von Fräulein Heinrich an. Sie überprüfte die Ware immer sehr kritisch und stellte mir dann einen abgestempelten Verkaufsschein aus, mit dem Vermerk der geprüften Arten. Nur so durften in Wismar Pilze auf den Markt gebracht werden. Nur mit ihrer Absegnung! Üblich waren eigentlich sogenannte Rote Karten, die einmal im Jahr von der Hygieneinspektion ausgestellt wurden. Dazu mussten die Menschen in der Pilzberatungsstelle zum vorgegebenen Termin erscheinen und es erfolgte im beisein des Amtsarztes oder eines Vertreters die Prüfung durch den Pilzsachverständigen. Bestand der Prüfling die von ihm gewünschten Arten verkaufen zu können, wurden diese auf der Roten Karte vermerkt. Nur diese Diese durfte er dann eigenverantwortlich in den Verkehr bringen. Nicht so bei Annalotte Heinrich! Sie führte ein strenges Regiment und in Wismar ging nichts über den Ladentisch, welches nicht ihren kritischen Blicken bestand hielt.

Kreispilzsachverständige Annalotte Heinrich im Jahre 1957. Im Hintergrund der Architekt und Ortsbeauftragte Fritz Wöhlke.

Ja, was soll es noch gegeben haben im Jahre 1974? Damals holte mich hin und wieder mein Klassenkamerad Christian G. zu hause ab, um anschließend in die Schule zu gehen. Christian, genannt der grüne Willy, war ein begeisterter Boxer und Angler, aber auch ein etwas schräger Typ mit allerhand Schelmereien im Kopf. Ich hatte zur damaliger Zeit ein kleines, hilfloses Kätzchen (Kater) auf der Straße gefunden und mit nach Hause genommen. Ich päppelte es zunächst mit einem Fläschchen Milch auf und es entwickelte sich im laufe der Zeit prächtig. Der grüne Willy betrieb mit ihm gelegentlich eigenartige Sportarten. So auch die von ihm so benannte Windmühlentechnik. Er schleuderte den jungen Kater am Kopf gefast gerne mal von links nach rechts im Halbkreisschwung auf der Couch hin und her. Zumindest solange es sich das Tier noch gefallen ließ. Der schwarze Kater entwickelte sich zu einem imposanten Tier. Wie dem auch sei. Eines Tages holte mich Christian mal wieder zur Schule ab und ließ seinen Ranzen kurz auf dem Flur stehen. In ihm auch sein Schulbrot. Da muss leckerer Aufstrich drauf gewesen sein. Sicherlich irgend eine für den Kater verführerisch duftende Wurst. Er machte sich über den Ranzer her und es gelang ihm, an die leckere Mahlzeit zu kommen. Der Ranzen war geplündert und in der Schulpause war hungern beim Grünen Willy angesagt. Man trifft sich immer zwei mal im Leben, dachte sich wohl der Kater!

Der „Grüne Willy“, eigentlich Christian G., zusammen mit meiner Mutter auf dem Hinterhof in der Scheuerstraße 2b in Wismar.

1975 – 16 Jahre

http://www.jahr1975.de/chronik.html

  • Der 10. August ist in Deutschland mit 34,5 Grad der heißeste August – Tag seit 124 Jahren. Darüber können wir angesichts der Klima – Erwärmung im 21. Jahrhundert nur noch Lächeln. Inzwischen steigen selbst bei uns an der Ostseeküste im Extremfall die Temperaturen im Hochsommer bis an die 38 Grad im Schatten.
  • Verheerende Waldbrände in der Lüneburger Heide bis in die Kiefernforste an der Elbe. Daran kann ich mich noch sehr gut erinnern. Ich verfolgte das Geschehen natürlich nur in Funk und Fernsehen, denn damals war es ja „Ausland“ für uns im Osten. Ich weiß nur, dass ich dringend auf Regen wartete, weil es einfach zu trocken für Pilze war. Das kennen wir heut zu Tage nur zu gut.
  • Charlie Chaplin wird von Königin Elisabeth II. zum Ritter geschlagen. Wie habe ich als Kind über seine lustigen Slapstick und Stummfilm – Komödien gelacht!
  • Die britische Heavy – Metal Band Iron Maiden wird gegründet. – Große Musik im Zeichen des Eddie – Monsters!
  • Die Disco – Welle beginnt zu Rollen, aber auch der Glam – Rock ist zumindest für The Sweet noch nicht tot.
  • Mike Krüger landet mit „Mein Gott Walter“ seinen ersten Blödel – Hit.
  • Rudi Carrell sehnt sich nach Hitze. Ihm reichen die 34 Grad offensichtlich nicht aus. „Wann wird´ es mal wieder richtig Sommer“. Tatsächlich waren die Sommer Mitte der 1970er Jahre oft recht regnerisch und unterkühlt. 

In diesem und den folgenden Jahren entdeckte ich immer neue Koppeln mit Lilastielen. Am ergiebigsten waren die Weideflächen bei Gagzow. Diese existieren heute nicht mehr. Ich konnte auch immer wieder Klassenkameraden davon begeistern. Es gab ja ein Taschengeld zu verdienen. Die besten Plätze pflegte ich damals. Das heißt, zwei mal die Woche musste ich absammeln. Wiesen, die nicht gepflegt wurden, brachten nicht die entsprechenden Erträge. Dort fand man oft riesige Exemplare, die dem Myzel unnötig Nähstoffe entzogen, die dafür aber ausreichend Sporen dem Wind anvertrauen konnten. Wurden jung nachschiebende Fruchtkörper geschnitten, so wurde die Neuproduktion von Pilzen angeregt. Man hatte sauber Plätze, mit nur wenigen Überständigen, denn übersehen konnte man schon mal den einen oder anderen. In der Regel steigerten sich die Erträge bis Mitte November. An einem einzigen Wochenende sammelten wir damals mehr als einen Zentner Rötelritterlinge. Am folgenden Montag ging es dann zum Verkauf, nachdem ich noch die halbe Nacht die Pilze auf Qualität prüfte. Annalotte führte ein hartes Regiment. Nicht bei mir, die Ware war Topp! Schließlich haben es die Käufer verdient, entsprechende Qualität zu bekommen. Qualität ging bei mir immer vor Quantität. Das ist auch heute noch so. Nur das unsere Pilze entweder in getrockneter Form oder als Pilzsuppe b. z. w. Pilzpfanne unter die Leute gelangen.

Eines Sonntags zog ich mit drei Schulfreunden wieder aus, um unseren Jagdgründen einen Besuch abzustatten. Mit großen Weidenkörben und Wäschekörben sowie Küchenmessern bewaffnet. Zu Fuß von der Altstadt aus durch die Rohlstorfer Tannen bis zu den Koppeln bei Gagzow. Die Erträge waren allerdings nur mäßig und wie zogen 2 Kilometer weiter bis nach Krusenhagen, wo es weitere Weideflächen mit Lilastieligen Rötel – Ritterlingen gab. Auch hier nicht die große Ausbeute, also weiter, durch den Wald, den Redentiner Tannen, bis zur Koppel hinter dem Wald. Im Holz beglückten uns noch einige späte Steinpilze. Die Koppel hinter dem Wald war nie sonderlich ergiebig und auch heute war nichts großes einzusammeln. Weiter ging es von hier aus nach Groß Strömkendorf und von dort auf den Poeler Damm, mit seinen Salzwiesen. So zu sagen in die Heimat dieser Wiesenpilze. Hier lohnte es sich schließlich, so dass unsere beiden großen Wäschekörbe voll ausgelastet werden konnten. Viele Kilo Frischpilze hatten wir also wieder ernten können und haben dazu noch eine großräumige, viele Kilometer weite Wanderung hinter uns gebracht. Es dunkelte schon und wir begaben uns zur Bushaltestelle in Groß Strömkendorf, dem Tor zur Insel Poel. Damals fuhren Ikarus – Busse über Land, die nur wenig Platz zwischen dem Durchgang und den Sitzrehen hatten. Der erste Bus nahm uns mit unserem überdimensionalem Gepäck nicht mit, weil er ziemlich voll besetzt war und die Leute sonst Schwierigkeiten beim ein- und aussteigen bekommen hätten. Der Busfahrer verwies uns auf einen wenige Minuten später kommenden Linienbus, aber der öffnete uns gar nicht erst seine Türen. Es war inzwischen schon dunkel und nun blieb uns mit unserer schweren, so mühsam zusammen getragenen Pilzschatz, nichts weiter übrig, um noch weitere vier Kilometer, bis zum Wismarer Vorort Redentin zu laufen. Hier fuhren Stadtbusse und die werden uns sicher mit nehmen bis in die Innenstadt. Das war eine Aktion, die wir nicht so schnell nicht vergessen konnten. Alles, nur um den Wismarer Markt mit Frischpilzen zu versorgen. Nein, natürlich auch, um unser Taschengeld aufzufüllen.

1975 war auch das Jahr für mich, in dem ich im Kreise der Erwachsenen aufgenommen wurde. Also sozialistische Jugendweihe feiern durfte. Und tatsächlich war ich ja schon ein alter Sack im Vergleich zu meinen Klassenkameraden. Ein Jahr zurück gestellt wegen der Lungenkrankheit meiner Mutter, als wir (ich und mein 2 Jahre jüngerer Bruder) für längere Zeit bei Verwandten in Demen und Neubukow unterkamen und außerdem musste ich die 1. Klasse noch einmal wiederholen, weil irgendwie zurückgeblieben durch die außergewöhnlichen Umstände, aber auch, weil ich mit der Chemie in meiner ersten 1. Klasse überfordert war. 

Meine Klasse Ostern 1975 in der damals noch neuen und modernen Sporthalle in der Bürgermeister Hauptstraße in Wismar.

Ja, und lange Haare mussten damals sein und ein zu enger, spießiger Anzug, in dem ich mich alles andere als wohl fühlte. Er wurde zuhause schnell wieder mit der Jeans getauscht.

Ich weiß nicht mehr genau, ob es an Karfreitag war oder eher am Karsamstag, jedenfalls zu Ostern. Gut in Erinnerung ist mir noch die außergewöhnliche Wetterlage. Es gab einen heftigen Kaltlufteinbruch mit starken Schneefällen und teilweise waren Straßen und Bahnstrecken zugeweht und gesperrt. Das war tags zuvor und zwischenzeitlich taute es am Vortag stark und nachts fror es mächtig, so dass es im wahrsten Sinne des Wortes ein Eiertanz war, am Tag der Jugendweihe irgendwie wohlbehalten und pünktlich den Ort der Feierlichkeit zu erreichen. Der Schnee war knochenhart und vereist. Aber irgendwie haben wir es alle pünktlich geschafft. An den Ablauf der Veranstaltung kann ich mich kaum noch erinnern, aber an das Buch, welches wir bekamen: „Der Sozialismus deine Welt“. Natürlich ein Propaganda – Werk zum weiteren Aufbau des Sozialismus. Auf dem Buchumschlag schaute mich ein wunderschönes Mädchen an und ich habe mich in dieses Bild ein wenig verliebt. Auch in meiner Klasse hatte ich eine heimliche Liebe, war aber einfach viel zu schüchtern und verträumt. Hatte auch immer großen Respekt vor der Weiblichkeit. Zudem war ich kein besonders guter Schüler, bin also nicht mit einen hohen IQ ausgestattet. Schöne Mädchen suchen sicher eine bessere Partie, zumal sie ja auch eine der besten Schülerinnen unserer Klasse war. Ja, diese Zurückhaltung sollte sich wie ein Roter Faden durch mein Leben ziehen. War schon damals mit meiner Pilzliebhaberei ein verträumter Exot und komme noch dazu aus ganz einfachen Verhältnissen und somit standen die Chancen auch nicht sonderlich hoch für mich, dass aus mir mal etwas ordentliches werden sollte. Und so kam es ja auch. 

Das Jugendweihebuch war inzwischen verschollen, habe es aber noch im Online – Handel entdeckt und mir kommen lassen.

Am Nachmittag wurde zu hause eher im kleinen Kreis gefeiert mit Kaffee und Kuchen. Später ging es zu meinem besten Schulfreund Ralf, Sohn einer Fischerfamilie. Heute Chef der Peoler Bootswerft in Kirchdorf, auf der Insel Poel. Wir beschlossen unsere Ankunft in der Welt der Erwachsenen entsprechend mit einen kräftigen Schluck aus der Buddel zu würdigen. Wir lehrten eine kleine Flasche zusammengemixtem Kräuterlikör. Im Anschluss stießen wir dann noch mit einem trinkfesten Küstenfischer vom Wismarer Hafen, namens Seemann an. Die Familie Seemann war eine alt eingesessene Fischerfamilie. Nun ja, wir waren jetzt ja Kerle und dann mal hoch die Tassen! Ich weiß nicht, wie oft diese b. z. w. die Gläser noch gehoben wurden. Jedenfalls blieb es beim Kräuterschnaps, vielleicht war sogar Boonekamp dabei. Wie ich nach hause gekommen bin, war mir völlig unklar. Filmriss nennt man das wohl. Ostern war ich krank. Fürchterlich krank! Endlich angekommen in der Welt der Erwachsenen!

Musikalisches

1975 hatte Charley & Company mit „Shame, Shame, Shame“ einen Riesenhit. Es dürfte auch das Jahr gewesen sein, wo ich anfing meine eigenen Musik – Aufnahmen zu konservieren. Bisher war ich ja immer darauf angewiesen, meine Lieblingshits irgendwie im Radio oder Fernsehen abzupassen.

Eines Tages war ich mal wieder bei meinem Freund Ralf, genannt Alfons, zu Gast und er hatte von seinen Eltern ein altes Tonbandgerät der Marke KB 100 zu stehen. Das reizte uns und wir versuchten uns in ersten Aufnahmen. Ich weiß nicht mehr, wie das damals genau ablief, aber es war chaotisch. Wir verstanden irgendwie nicht das Gerät richtig auszusteuern und die Aufnahmen waren teilweise übersteuert und zu laut aufgenommen. Die ersten Lieder waren beispielsweise Howard Carpendale mit „Deine Spuren im Sand“ oder auch die Glam – Rocker von The Sweet mit „Alexander Graham Bell“ sowie Charley & Company mit oben erwähntem Radio – Hit. Ein immer noch gut hörbares und gut tanzbares Disco Lied im Soulgewand. Das Tonbandgerät hatte zwei verschiedene Geschwindigkeiten. Wir stellten das „Shame, Shame, Shame“ auf langsam und konnten uns vor Lachen nicht mehr halten. Im Gesang kommt auch immer wieder ein inbrünstiger Schrei vor, der sich in der langsamen Geschwindigkeit einfach unglaublich urig und lustig, ja regelrecht lächerlich anhörte. Schließlich war wohl auch der Lautstärke – Regler defekt, so dass wir die Kiste gar nicht mehr in ihrer donnernden, heiseren Phonstärke drosseln konnten. So warfen wir einfach ein Kissen darüber. Ich muss schon sagen, ein wirklich grotesker Einstieg in die Ära meiner wohl nie enden wollenden Leidenschaft Musik für mich privat zu sammeln, zu konservieren und zu archivieren. Das hält bis heute an. Natürlich nicht mehr mit Tonbandgeräten, sondern jetzt auf CD oder Sticks. Aber ich hinke immer den neuesten Trends hinter her. Meine Musiksammlung zu hause, wie auch im Laden des Steinpilz – Wismar, beträgt einige Tausend CD und auch weit über 1000 Musikkassetten und einige hundert Schallplatten. Zu hause oder im Laden, ohne Musik läuft nichts! Von Klassik über echte Volksmusik, Liedermacher, Schlager, Jazz, Disco, Techno bis hin zu vielfältiger Rockmusik. Punk, Heavy Metal u. v. mehr. Und dass alles schön gemixt. Für manche Besucher mitunter ganz schön gewöhnungsbedürftig und manchmal eine regelrechte Schock – Therapie. Alles, nur keine stundenlange Beriesellung mit seichten, dezenten Wohlfühlklängen, wie es in manchen Geschäften üblich ist. Beim enden dieser Zeilen läuft gerade die britische Heavy – Metal – Legende Saxon. 

1976 – 17 Jahre

http://www.jahr1976.de

Die Redentiner Tannen waren damals mein Hauswald. Nicht weit von Wismar entfernt und leicht mit dem Fahrrad oder später Moped zu erreichen. Ein überwiegend sandiges Laub- und Nadelwaldgebiet oder eher doch ein Forst. Es gab damals hier durchaus gut Pfifferlinge oder auch Steinpilze. Es hat einige Jahre gebraucht, bis ich mir diesen Wald für mich erschlossen hatte. Mich interessierten natürlich in erster Linie Steinpilze und auch die Eierschwämme. Im Sommer und Herbst, zumindest wenn keine Trockenheit herrschte, war ich meist 2 mal die Woche hier unterwegs. Habe mir eine Route zurecht gelegt, die ich mit mehr oder weniger guten Steinpilzstandorten vernetzte. Pfifferlings – Plätze integriert und auch Stellen von anderen Röhrlingen. Ich weiß nicht, ob es in diesem Jahr war, aber im großen und ganzen in dieser Zeitspanne. Es war an einem 1. August und ich geriet ein das erste mal in einen heftigen Wachstumsschub von Steinpilzen. Im zentralen Bereich des Waldes gibt es eine Wegekreuzung. Von Krusenhagen kommend ging es links nach Hof Redentin ab und rechts in Richtung Alt Farpen. Linkerseits war damals aber militärisches Sperrgebiet und das Betreten verboten. Daran hielt ich mich weitgehend, obwohl hier eigentlich nur ein Übungsgelände der Betriebskampfgruppen war. Aber auch die haben sicher mal etwas schärfere Schießübungen veranstaltet. Wie dem auch sei, der Weg – Abzweig in Richtung Alt Farpen war für mich ohnehin der Interessantere. Schon Jahre zuvor taufte ich ihn „Steinpilzweg“. Denn hier wuchsen die Herrenpilze nicht nur links und rechts des Weges, sondern auch direkt auf dem Mittelstreifen des Sandweges und täuschten mitunter tatsächlich Feldsteine vor. Zurück zum 1. August. Es lief gerade ein bedeutsamer Steinpilzschub und das machte sich natürlich auch auf dem Steinpilzweg bemerkbar. Ganze Gruppen dieser Märchenpilze konnte ich entdecken. Dabei viel mir auf, dass zwischen ganz normalen Herrenpilzen auch Steinpilze wuchsen, die auf dem Hut eine andere, oft etwas gleichmäßigere, hell bis dunkelbräunlich Färbung aufwiesen und auch ein wenig samtig zu sein schienen. Ja, sie wichen von meinen bisher gesammelten Herrenpilzen augenscheinlich ab. Es war meine erste Begegnung mit Sommersteinpilzen. Seit dem habe ich einige Jahre den 1. August als das ultimative Datum für einen ersten, stärkeren Steinpilz – Schub im Jahr angesehen. Aber das dieses nicht von einem einzigen Datum abhängig ist, konnte ich damals noch nicht realisieren, denn in den Folgejahren blieben die erhofften Erträge zum Stichtag meist aus. Ja, damals waren mir die ausschlaggebenden Zusammenhänge mit den einzelnen Wachstumsschüben und dem Wetter noch nicht bewusst.  

Sommersteinpilze (Boletus reticulatus) im September 2021 in den Redentiner Tannen.

Zu den Höhepunkten meiner Runde durch die Redentiner Tannen gehörte auch ein Eichenwaldsaum zu einer Weidefläche hin. Auch einige Kiefern und Birken waren eingestreut. Hier wuchsen mitunter die herrlichsten Steinpilze und auch nur selten machte mir ein anderer Pilzsucher meine möglichen Erträge streitig. Hier wuchsen, trotz vieler Eichen, nie Eichen– oder Sommersteinpilze. Wahrscheinlich zu saurer Boden. Dafür aber verschiedene Rassen des Boletus edulis. Die ganz normale Form mit haselnussbraunen Hüten, daneben fast schwarzhütige Schönlinge und unter einer bestimmten Birke Exemplare mit eher grauen Hüten. Hier habe ich im nachhinein den Verdacht, es könnte sich um Birkensteinpilze gehandelt haben. Manchmal begegnete ich mit meinem mehr oder weniger gefüllten Korb mit schönsten Steinpilzen (meine Qualitätsstandards waren damals hoch), vom Waldrand kommend, im waldesinneren Pilzsuchern, die nicht viel in ihren Körben hatten und nur staunten, wo ich diese tollen Pilze nur gefunden habe. Gewusst wo!

Es muss auch zu dieser Zeit gewesen sein, als ich auf die Idee kam, mir eine eigene, kleine Pilzzucht anzulegen. Ich besorgte mir im Fachhandel Körnerbrut  vom VEB Champignonzucht Dieskau. Und Champignons sollten es auch sein, die ich begrüßen und ernten wollte. Ich legte mir ein mit Brettern umrahmtes Beet im Garten an. Besorgte mir vom Pferdesport am Weißen Stein (Ortsteil von Wismar) eine Fuhre Pferdemist und bereitete ihn zumindest halbwegs wie gewünscht auf. Verteilte ihn schließlich in meinem vorbereiteten Beet, streute die Körnerbrut hinein und darauf gelangte noch eine Schicht Deckerde. Es war allerdings mehr ein Experiment, denn die Hoffnung auf große Erfolge hielt sich in Grenzen. Schließlich war bereits August und es handelte sich auch um eine Freilandkultur ohne Gewächshaus und auch sonst nur wenig nach Gebrauchsanweisung. Schließlich ging es allmählich in Richtung kalter Jahreszeit und es dauerte laut Gebrauchsanweisung ohnehin eine geraume Zeit, bis erste Erfolge sichtbar sein würden.  Und wie schon geahnt, bis zu den ersten Nachtfrösten streckte auch nicht ein einziger Egerling sein Käppchen aus seinem Bettchen.

Schließlich wurde es Winter und mein züchterisches Experiment war fast vergessen. Aber nach jedem Winter folgt ein Frühling. Es war April und an einem dieser Frühlingstage kam mein Vater aus dem Garten und teilte mir mit, dass in meinem Beet einige Pilze gewachsen seien. Also nichts wie hin. Und tatsächlich, es waren Champignons. Die braune Form des Zuchtchampignons, der seinerseits vom Zweisporigen Egerling (Agaricus bisporus) abstammte. Es waren nicht viele, aber immerhin! Schließlich war es alles andere als eine vorbildliche Pilzzucht!

Dachte ich zunächst doch eher an Unkrautpilze, die in solchen Substraten immer mal auftauchen können. Tintlinge oder Blasige Becherlinge beispielsweise. Schließlich hatte ich mir ein großes Weckglas mit Pferdemist mit nach hause genommen. Auch mit Körnerbrut versehen und über viele Wochen bei Zimmertemperatur beobachtet. Schnell entwickelte sich reichlich Pilzmyzel, aber leider waren es nicht die erhofften Champignons, sondern kleine Struppige Tintlinge (Coprinopsis cinereus). Wie dem auch sei, es machte mir trotzdem sehr viel Freude und Spaß dem pilzlichen Treiben in meinem Weckglas zuzuschauen. Im Beet im Garten wuchsen bis in den Sommer hinein immer noch einige Champignons, aber die Qualität wurde allmählich schlechter und oft auch von Insektenlarven zerfressen.

Zweisporiger- oder Garten – Champignon (Agaricus bisporus).

Übrigens ist auch die Wildform des Zucht – Champignons meist der erste Egerling, dem wir nach dem Winter ab Ende März in freier Wildbahn begegnen können. 

Das Jahr 1977 – 18 Jahre

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  • Der King des Rock & Roll Elvis Presley stirbt am 16. August
  • Die Katholische Kirche verzichtet auf die Teufelsaustreibung
  • Charly Chaplin stirbt an Heilig Abend
  • Seine (Charly Chaplin) Hitler – Parodie „Der große Diktator“ wird erstmals in bundesdeutschen Kinos gezeigt.
  • Erste Punk – Welle startet in Großbrittanien
  • Die Rock – Band Dire Straits wird gegründet
  • Peter Gabriel verlässt die Progressiv – Rocker von Genesis
  • Einer der größten Hits des Jahres: Lady in Black von Uhriah Heep
  • Götz George in „Aus einem anderen Leben“ als Auschwitz Komandant Rudolf Höß im Kino zu sehen
  • „Die Brücke von Arnheim“ ist ein weiterer Kinofilm mit großer Besetzung.
  • Die Western Serie „Bonanza“ endet am 24. Juli im Fernsehen der BRD.
  • Die Krimi – Serie „Die 2“ läuft 1976/77 im Abendprogramm

Erinnerungen

Das Jahr 1977 stellt eine Zäsur in meinem Leben dar. Die Schulzeit ging zu Ende und der Einstieg in das Berufsleben begann. Mein Besuch der Allgemeinbildenden Polytechnischen Oberschule Gerhart Hauptmann (heute Gymnasium), in der Wismarer Dahlmannstraße, endete mit dem Abschluss der 10. Klasse. Das Zeugnis fiel leider nur mittelprächtig aus. Ich bin eben keine große Leuchte, eher ein Träumer.

Ja, aus mir ist leider nichts ordentliches geworden. Mein Berufswunsch zur damaligen Zeit ging zwar im Laufe der Jahre tatsächlich in Erfüllung, aber diese Berufung führte mich in die Armut. Ja, da zeigt sich am deutlichsten meine geringe Intelligenz. Jeder andere hätte alle Hebel in Bewegung gesetzt, um möglichst viel Geld für sich privat zu generieren und einen entsprechenden Beruf oder eine lukrative Stellung anzustreben. Ich folgte leider immer dem Roten Faden, der meinem Leben vorgegeben schien. Das Interesse an den Pilzen! Und das leider bezieht sich auch nur auf meine bescheidenen, persönlichen Verhältnisse. Wer weis, mit welchen Menschen und mit welcher Arbeit ich mich hätte herumschlagen und herum ärgern müssen, nur um reichlich Kohle zu verdienen. Zum Glück (oder auch Pech) hatte ich Eltern, die mich nicht dazu drängten, im späteren Leben möglichst etwas darzustellen und entsprechend viel Geld zu verdienen. Einfache Eltern, dessen Jugend vom 2. Weltkrieg faktisch zerstört wurde. Vater bei der Wehrmacht in Frankreich und Mutter aus dem Hauerland in der Slowakei vertrieben und in Mecklenburg gestrandet. Selber keine große Ausbildung gehabt und einfache Leute sowieso. Also habe ich mich auch nicht vom ursprünglichen Bodensatz hoch gearbeitet. Konnte und wollte ich auch gar nicht. Bin ganz unten, dort wo die Pilze auch angesiedelt sind. 

Ja, die Schulzeit ging zu Ende. Nach einem holprigen Start, war es doch keine schlechte Zeit. Auch wenn wir damals noch Sonnabends die Schule besuchen mussten. Klassenfahrten führten uns in den Harz, nach Oberhof in Thüringen oder auch in die Hauptstadt der DDR, nach Berlin (Ost). Deprimierend erinnere ich mich an die Berliner Mauer. Kaum zu glauben, dass nur wenige hundert Meter weiter eine ganz andere, für uns unerreichbare Welt lag, die doch fast zum greifen nah und mit bloßem Auge vor uns lag.

Ich erinnere mich kurz vor Schulschluss auch an einen Tagesausflug mit meiner Klasse auf die Insel Poel. Es muss Juni gewesen. Am Abend lief im Westfernsehen die humorvolle, wie spannende Krimi Serie „Die 2“, die ich nur zu gerne schaute. Aber was an diesem Abend viel spannender war, von Westen her rückte eine Gewitterfront heran. Ich liebe Gewitter und freute mich auf ihre Ankunft. Laut Wettergespräch von der Radio DDR – Ferienwelle lag diese Störung gegen 19.45 Uhr noch über den BENELUX – Staaten und gegen Mitternacht zog sie schon mit Pauken und Trompeten über Wismar hinweg. Sie war also sehr zügig unterwegs. Am Folgetag herrschte tiefblauer Himmel in der frisch eingeflossenen Meeresluft. Es wehte ein ruppiger Wind, so dass es mit richtigem Badewetter, trotz viel Sonnenscheins, nicht weit her war. 

Die Abschlussfeier fand bei unserer Patenbrigade „Labitzke“ am Hafen statt. Abschied von unseren Lehrern und auch Soldaten der NVA waren dafür als sozialistische Gäste, die unseren Frieden beschützten, abkommandiert worden. Wir konnten mit unseren Lehrern einen Heben und es gab fetzige Musik. Keine roten Lieder, höchstens am Rande des offiziellen Rahmenprogramms. Ansonsten poppige und rockige Klänge. Gut kann ich mich noch daran erinnern, dass die Soldaten sich mehrmals „Fools“ von Deep Purple wünschten.

In den letzten großen Ferien ging es auch ein letztes mal in mein geliebtes Demen zum Ferienaufenthalt. Mit meinem Freund Ralf haben wir uns bei Onkel Robert eingemietet. Natürlich ohne Mietvertag. Angeln und Pilze standen auf dem Programm. Jeden Tag haben wir Pfifferlinge zusammen gesucht und sie so aufbewahrt, dass sie frisch blieben, um sie mit nach hause bringen zu können. Pfifferlinge sind Lagerpilze. Der Grund, warum wir sie in den Sommermonaten so häufig am Obst- und Gemüsestand antreffen und kaufen können.

Am aufregendsten war ein Angeltag am Faulen See. Hier wollten wir von den dortigen Stegen aus auf Hecht blinkern. Aber der hatte keine rechte Lust, sich von uns an der Nase herumführen zu lassen. Ralf wechselte auf einen etwas entfernter liegenden Steg und ich wollte nun auf Plötze gehen. Hatte Teig dabei und wechselt den Köder, schmiss kleine Teig – Kügelchen zum Anfüttern in das Wasser. Es dauerte nicht lange, bis sich ein Schwarm von Plötzen einfand, um sich an meinen Gaben gütlich zu tun. Nun wachte der Hecht auf und Sprang in den Schwarm von Friedfischen. Ich wurde nervös, wechselte unqualifiziert mein Köder – Geschirr und tüttelte wieder den Blinker an meine Angel. Ich weiß nicht, ob es beim ersten, zweiten oder dritten Wurf war, aber mehr waren es ganz sicher nicht, bis ich den Raubfisch am Hacken hatte. Ich forderte Lautstark Hilfe an, um meinem Fang per Kescher habhaft zu werden. Zu allem Überfluss begann sich bei meinem Drill noch meine zusammen gesteckte Angelroute aufzulösen. Aber Ralf war gerade noch rechtzeitig mit dem Kescher zur Stelle und der Fisch hatte ausgespielt. Kein super großes Exemplar, aber mit 66 cm war ich durchaus zu frieden. Nun war Ralf ganz aus dem Häuschen und versuchte für sich auch noch ein Erfolgserlebnis herbei zu Angeln. Er begab sich wieder auf den Nachbarsteg und es dauerte tatsächlich nicht lange und auch er konnte einen Hecht anlanden. Mit 55 cm  aber nicht gerade das kapitalste Tier. Wie dem auch sei, wir waren zufrieden und am nächsten Tag gab es für uns und unsere Gastgeber gebratenen Hecht satt. Ohne Pfifferlinge, denn die waren ja für Wismar gedacht.   

Ja, es waren meine letzten Sommerferien. Das war schon ein bedrückendes Gefühl, denn die meisten meiner Mitschüler zerstreuten sich nun auch und andere Menschen werden in mein Leben treten. Ein Beruf mit Pilzen stand nicht zur Diskussion, mein Zeugnis war nur mittelprächtig und an ein Studium in dieser Richtung war nicht zu denken. Aber für einen Facharbeiter sollte es wohl reichen. Aber was werden? Ich weiß nicht mehr genau, warum ich schließlich eine Lehre als Konditor in der damaligen Konsum – Großbäckerei in Wismar begann. Ich denke, meine Mutter zog damals die Fäden, denn sie hatte eine Bekannte, die dort arbeitete. Irgendetwas muss aus ihrem Sohn doch werden, um ein wenig Geld zu verdienen. Und Arbeit war in der DDR ohnehin für jeden vorhanden, ja gesetzliche Pflicht!

Meine Mutter konnte aufgrund der Kriegswirren keinen Beruf erlernen, half in der Landwirtschaft in der Fremde aus. Bei einem privaten Bauern weit weg von ihrer Heimat im Hauerland, nämlich bei Bernburg. Dort hat sie auch die Bombennächte im 2. Weltkriegs erlebt. Sie berichtete von Tannenbäumen, die den nächtlichen Himmel beleuchteten, um die Bombenlast zielgenauer abwerfen zu können. Als Kleinkind fand ich das zunächst romantisch, weil ich es mit dem Silvesterfeuerwerk verglich. Aber sie klärte mich auf, wie viel Leid der Krieg gerade auch in solchen Nächten den Menschen brachte, die in Bunkern und Kellern ausharren und um ihr Leben fürchten mussten. Ich stellte mir in meiner kindlichen Fantasie vor, dass das Blut der Menschen den Straßen entlang floss und begriff, wie schrecklich Krieg doch sein musste. Ja, und wir unterhielten uns auch über den Tod, der für mich als Neuankömmling doch noch so weit weg schien. Sie sagte, das alle Menschen eines Tages wieder zu Staub zerfallen würden. Eine ungeheuerliche Vorstellung für mich damals. Obwohl meine Mutter katholisch war, hat sie uns Kindern nichts von Märchengeschichten wie Himmel und Hölle erzählt. Sie wusste wohl, woher der Wind bei uns im Osten wehte. Opium fürs Volk, sagte einst Karl Marx. Der Kommunismus scheint sich überholt zu haben aber was ist der Katholische Kirche? Canabis wird nun immer Salonfähiger, sollte das nicht reichen?

Nach ihrer Vertreibung aus der Heimat und ihrer Ankunft in Mecklenburg arbeitete sie als junger Mensch in der Küche einer Kinderkrippe in der Lübschen Straße namens „Clara Zetkin“, und als wir Kinder kamen, kümmerte sie sich mit großer Hingabe um ihre Kleinen. Als wir aus dem gröbsten raus waren, bewarb sie sich in der Wismarer Hochschule als Raumpflegerin. Ich kann mich noch genau an ihr Vorstellungsgespräch erinnern, zu dem sie mich mitnahm. Es fand im Zeughaus statt, dass damals zur Hochschule gehörte. Dort arbeitete sie bis zu ihrer Rente.

Mein Vater war damals meist außerhalb auf dem Bau und als Baggerführer unterwegs. Musste also zeitweise alleine für den Unterhalt unserer Familie sorgen. Ich erinnere mich noch an das riesige Baggerloch in der Poeler Straße. Hier soll einmal eine große Bäckerei stehen, sagte mein Vater zu mir. Dass ich genau in dieser Bäckerei einmal arbeiten sollte, daran dachte ich mit meinen drei oder vier Jahren natürlich noch nicht. 

Ich war eigentlich immer ein doch eher schüchterner, etwas introvertierter Typ und hatte Angst vor dem ersten Tag meiner Lehre. Vor all dem neuen und unbekannten, welches jetzt auf mich zukommen würde. Am 01. September 1977 sollte es soweit sein. Tags zuvor war ich noch in meinem Hauswald, den Redentiner Tannen, in den Pilzen. Ich bin wieder meine Steinpilzrunde abgelaufen. An Steinpilzen war an diesem 31. August 1977 nicht viel zu holen, aber trotzdem ist dieser Tag mir noch ziemlich genau im Gedächtnis haften geblieben. Es liegt daran, weil ich auf einen gelben Teppich von Pfifferlingen gestoßen bin und ausgerechnet an einer Stelle im Kiefernforst, der ich bis dahin keine sonderliche Bedeutung beigemessen hatte. Ein überwältigender Anblick und ich ließ mir genüsslich Zeit, um den Segen einzusammeln.

Am 01. September war es dann so weit. Ich wurde in der Großbäckerei vorstellig. An Einzelheiten kann ich mich nicht mehr erinnern. Nur soviel, dass ich zunächst im Lager arbeiten musste. Hier wurden die Zutaten für die Torten und Kuchenproduktion eingelagert, empfangen und zur Verarbeitung vorbereitet. Konserven mit Mandarinen und Ananas öffnen war beispielsweise einer meiner ersten Tätigkeiten, an die ich mich noch erinnern kann. Natürlich ging es an einigen Tagen auch zur Berufsschule oder wir hatten im Betrieb spezielle Lehrunterweisungen. Unter anderem ging es um die Kleberwerte der einzelne Mehlsorten oder um die Herstellung von Blätterteig.

Chef des Lagers war damals ein recht redseliger und meist gut aufgelegter Typ namens Jürgen V., mit einem gewissen Unterhaltungswert. Eines Tages prahlte er im Betrieb damit, bei Zierow jede Menge Schaf – Champignons gefunden und geerntet zu haben. Ich machte ihn darauf aufmerksam, dass es auch giftige Karbol – Champignons gewesen sein könnten. Das verneinte er im Beisein weiterer Kollegen energisch. Er kenne Champignons! Damals musste ich bis 15 Uhr arbeiten und auch Jürgen machte sich an diesem Tag für den Feierabend bereit. Schließlich fragte er mich, ob ich noch mit ihm nach hause mitkommen könnte, um doch noch einen Blick auf seinen unverhofften Pilzsegen zu werfen. Bereits bei Aufmachen der Haustür, er wohnte ein Stockwerk höher, schlug mir schon ein markanter Geruch nach Desinfektionslösung entgegen. Seine Frau war dabei, die Pilze zum Einwecken zu blanchieren. Ja, das war dann doch sein Glück, dass er Zweifel an der „Echtheit“ seiner Schaf – Champignons hegte. Gestorben wäre natürlich niemand, aber ein Hochgenuss sind diese Egerlinge sicher nicht und oft stellt sich nach kurzer Zeit bereits das große Spucken ein. Am nächsten Tag kein Wort mehr über die Pilze im Betrieb. War ihm dann doch wohl etwas peinlich. Auch ich habe meinen Schnabel gehalten. Wollte ihn nicht in die Pfanne hauen und schließlich war ich ja auch noch ein junger Spund, der gerade in die Lehre gegangen war. Auch Meister Jürgen hatte nun etwas dazu gelernt!   

Kistenweise alte Tonbänder in meinem Keller. Nicht eines habe ich bisher entsorgt.

Ab 1977 begann ich mir ein eigenes Musik – Archiv zu erstellen. Die Hauswirtin hatte mehrere Kinder, darunter Nobert, dem Jüngsten, der in meinen Freundes- und Kumpelkreis gerade hinein wuchs und oft in meinem, nun endlich eigenen Zimmer zu Gast war und einen etwas älteren Bruder Namens Gerhart, der ein Tonbandgerät der Marke Tesla B 46 zum Verkauf anbot. Da überlegte ich nicht lange und nahm ihm das Gerät voller Freude ab. Das war schon eine ganz andere Dimension als das steinzeitliche KB 100. Nun saß ich lange Zeit vor dem Radio, um meiner Lieblingsmusik habhaft zu werden. Natürlich in sauberer UKW – Qualität und nicht wie bei unseren ersten Aufnahmen von Mittelwelle oder gar Kurzwelle mit ihren ständigen Schwankungen und Fremdsendern dazwischen. Besonders nachts war auf den Kurzwellen – Frequenzen durch Überreichweiten oft nur ein einziges Chaos zu hören. Mit der Zeit wusste ich auch, welche Sender zu welchen Zeiten besonders ergiebig waren. Da war der „imperialistische Feindsender“ NDR 2 mit Musik für Junge Leute. Besonders beliebt, nicht nur bei mir, war der Musikmix von Gert Timmermann. Auch die Internationale Hitparade auf NDR 2 mit Wolf – Dieter Strubel war ein muss, wie auch der Club am Abend. Ansonsten waren die DDR – Sender ganz groß angesagt, weil hier in die Musik nur selten reingequatscht und die Titel meist auch in voller Länge ausgespielt wurden. Wohlwissend, dass die besonders beliebte westliche Rock- und Popmusik im Osten ansonsten kaum zu haben ist. Es sei denn, man gehörte diversen Tauschringen an, wo beliebte Langspielplatten großer Bands die Runde machten. Manchmal gelangten auch einige davon bis zu mir. Allerdings gehörte ich keinesfalls zu denjenigen, die unsere Ostrocker nur links liegen ließen. Nein, ich erkannte schon früh den Wert unserer Bands, die später unter der Marke Ostrock vermarktet werden sollten. Es gab beispielsweise Sendungen unter dem Namen „Vom Band fürs Band“ am Sonnabend – Abend auf Stimme der DDR oder die Sendung „Duett“ unter der Woche vom Berliner Rundfunk. Letztere bestand aus zwei Teilen. Einmal mit Ostmusik und der andere mit westlichem Import.  Auch die Musikalische Luftfracht auf Radio DDR war beliebt. Moderator war Peter Niedziella. Nicht zu vergessen das Jugendradio DT 64, dass im laufe der Zeit immer weiter ausgebaut wurde. DT 64 ging 1964 auf Sendung, anlässlich des Deutschlandtreffens der Jugend in der damaligen DDR. Ja, da war der Begriff Deutschland noch allgemein gültig. Im Westen waren wir allerdings die Ostzone.

Ob sie wohl noch abzuspielen wären? Kann sein, dass sich die Magnetbeschichtung bereits verändert oder zersetzt hat. Ein Bandgerät habe ich ohnehin keines mehr. Trotz allem, Trennen tut weh, sind es doch Erinnerungsstücke einer schönen Zeit, meiner Jugend!

Ein absolutes muss zum Mitschneiden wurde wenige Jahre später die Heavy – Metal – Stunde auf Stimme der DDR. Immer Samstags Nachmittag. Da krachte es dann mächtig! Deep Purple, Led Zeppelin, AC/DC, Black Sabbath, Accept, Judas Priest, Motorhead, Manowar, Saxon, Iron Maiden, Slayer und viele andere Größen dieser brachialen Musikrichtung waren Stammgäste per Musikkonserve. Diese Stunde galt es nicht zu verpassen, was manchmal etwas schwierig wurde, da noch eine gewisse Bettschwere auf dem Gemüt lag. Schließlich ging es vorher oft zum Frühschoppen in die Kneipe zum 10 000 00 Würfeln und natürlich zum einarmigen Reißen. Also zunächst mehr oder weniger  berauschende, sportliche Betätigung und danach zum Mittagstisch zu Mama nach hause. Da war pünktlich und aufnahmebereit vor dem Radio sitzen  manchmal nicht so ganz einfach. Aber spätestens wenn ein neuer Schocker von Judas Priest http://www.judaspriest.comaus den Lautsprechern krachte, war dieser Nebel schnell verflogen. Aber nun habe ich schon einige Jahre vorgegriffen, denn es waren hauptsächlich die 1980er. 

1979 – 19 Jahre

Ich war in der Lehre zum Konditor, aber auch weiterhin stark zu den Pilzen hingezogen. Als Lehrling musste man alle Stationen einer großen Konditorei durchlaufen. So in der Kuchenfertigung, in der Baumkuchen – Abteilung oder auch im Tortenraum. Nebenbei weiter Schule und Lehrunterweisungen. Besonders in der Vorweihnachtszeit herrschte Hochbetrieb in der Stollenproduktion oder auch beim Pfeffernüsse backen. Letzteres geschah meist Sonnabends – Vormittag im Rahmen von Sonderschichten. Begeistern konnte ich mich aber vor allem für Stollen. Sie wurden damals trotz Großbäckerei noch alle von Hand geformt und dass lief bei mir wie am Schnürchen, so dass ich ein dickes Lob von unseren Lehrmeistern bekam. Das beflügelte mich dahin gehend, dass ich mich ein einziges mal in meinem Leben auch privat, also zu hause, an das Stollenbacken machte. Zwei große Butterstollen sollten es nach meiner persönlichen Rezeptur werden und die sind mir tatsächlich auch ganz gut gelungen.

Mein eigenes Zimmer entwickelte sich allmählich immer mehr zum Jugendclub. Nicht nur der Austausch von Musik stand auf der Agenda, nein, es wurde auch immer häufiger mal gefeiert, Spiele gespielt (ohne Computer versteht sich) oder Wunschkonzerte veranstaltet. Meine Fundus an Rock- und Pop – Musik entwickelte sich schließlich immer umfangreicher. Das ganze dann auch mal mit einem Bierchen oder auch einem Fläschchen „Saurer Schluck“.

Ganz besonders ist mir noch der Jahreswechsel 1978/79 in Erinnerung Norddeutschland versank damals bekanntlich unter meterhohen Schneewehen und erstarrte in klirrender Kälte. Zwischen Weihnachten und Silvester musste ich arbeiten. Die Konditorei brauchte für die Berliner – Produktion für Silvester jede Hand. Ich erinnere mich noch daran, dass es am 28. Dezember bei fast frühlingshaften Temperaturen in Strömen regnete. Da erreichten uns erste Meldungen von der Insel Rügen, dass dort ein Schneechaos ausgebroch sein soll. Straßen sollen zugeweht und Züge in den Schneemassen stecken geblieben sein. Kaum vorstellbar bei dem hiesigen Wetter.

Am späteren Nachmittag hieß es, dass auch schon der Rostocker Raum von dem Winterchaos betroffen sein soll. Das sind immerhin nur 60 Kilometer von Wismar entfernt. Bei uns unspektakuläres Regenwetter, wenn auch die Temperaturen schon etwas sanken. Ich wartete ungeduldig auf die Schneefront. Ich war am frühen Abend noch auf dem Weihnachtsmarkt und drehte unter anderem mit dem Wiener Hochrad einige Runden. Ein kleines Riesenrad von dem Herrn oder der Familie Seeler betrieben. An Musik lief hier damals u. a. auch öfter ein wunderschönes Lied namens „Anna – Maria“ von der polnischen Pop – Band „Die roten Gitarren“. Gehört heute noch zu meinen nostalgischen Lieblingsliedern. Danach war ich noch bei meinem Freund Ralf, der an der frischen Grube (mittelalterlicher Bachlauf durch die historische Altstadt) wohnte. Wir saßen vor dem Radio und wollten Musik aufnehmen. Bei NDR 2 lief die Jugendsendung „Club“. Es ist mir deshalb noch so gut in Erinnerung, da es uns beiden gelang, den ersten Titel von AC/DC eigenhändig auf Band zu bannen. Bisher kannte ich nur eine recht schlechte Aufnahme dieser verrückten Band von Andy Weidemann seinem Minet – Rekorder. „Whole Lotta Rosie“ von ihrem 1977 Album „Let Threre Be Rock“. Wir haben nun mit dem Annet – Rekorder aufgenommen. Die Qualität war deutlich besser. Der rasante und kompromisslos ehrliche Hardrock – Sound von AC/DC haute uns ganz einfach vom Hocker. AC/DC war ganz groß angesagt und nun hatte ich/wir selbst einen Titel dieser Band in guter UKW – Qualität in der Konserve. Ein denkwürdiges Ereignis! „Down Payment Blues“ vom 1978er Album „Powerage“.

Wieder zu hause, ging ich an diesem Abend immer mal ans Fenster oder auch auf den Hinterhof und konnte es kaum erwarten, bis die ersten Schneeflocken tanzen würden. Aber das wollte einfach nicht klappen. Es regnete statt dessen Eiskörner und die Straßen begannen zu vereisen. Die Polarfront hatte auch Wismar erreicht. Als ich am nächsten morgen aus dem Fenster sah, traute ich meinen Augen kaum. Schneegestöber und starke Verwehungen machten mich glücklich.