12.07.2025 – Naturexkursion auf der Insel Kaninchenwerder im Schweriner See

Naturexkursion

Insel Kaninchenwerder im Schweriner Innensee

12. Juli 2025

Blick auf Schwerin vom Aussichtsturm auf Kaninchenwerder.
Foto: Jürgen Samland


Ein Besuch der Insel Kaninchenwerder im Schweriner See stand schon lange im Fokus. Der erste Termin musste aufgrund von starkem Regen verschoben werden – heute hat es dann endlich geklappt. Von unseren 8 Teilnehmern hatten tatsächlich bisher nur 2 die Insel vorher schon einmal besucht.

Es sollte keine reine Pilzwanderung werden – wir wollten uns neben den Pilzen mit der gesamten Flora und Fauna auf dieser Insel beschäftigen. Als Experte für Ascomyceten war Torsten Richter mit dabei – Chris Engelhardt ließ uns als Naturliebhaber an seinem umfangreichen Wissen zu Insekten teilhaben.

Auf Kaninchenwerder wurde 1561 eine Ziegelei errichtet, die bis 1851 betrieben wurde und mittlerweile abgerissen ist. Durch den Bedarf der Ziegelei an Holz war die Insel danach weitgehend baumfrei. Erst im 19. Jahrhundert wurde Kaninchenwerder wiederaufgeforstet. Dabei wurden auch 60 nicht heimische Gehölzarten angepflanzt. 

Die Insel Kaninchenwerder im Schweriner Innensee wurde 1923 Naturschutzgebiet und ist seit 1935 Bestandteil des Naturschutzgebiets Kaninchenwerder und Großer Stein, seit 2005 ist sie Bestandteil des Europäischen Vogelschutzgebietes im Landschaftsschutzgebiet Schweriner Innensee und Ziegelaußensee.

Die Insel ist mittlerweile wieder bewaldet und naturbelassen – genau richtig für Naturliebhaber. Es gibt Wanderwege, einen Naturerlebnispfad sowie einen alten Aussichtsturm, von dem man einen Blick auf Schwerin und die umliegende Seenlandschaft hat.

Mit diesem Bericht wollen wir euch an dieser Naturexkursion teilhaben lassen. Die von Torsten Richter gefundenen und bestimmten Ascomyceten auf Kaninchenwerder  stellen wir euch in einem gesonderten Beitrag vor.

Trotz Mangels an Frischpilzen aufgrund der vorherigen Trockenheit konnten wir immerhin beachtliche 46 Pilz-Arten in unsere Kartierungsliste aufnehmen – auch dank Torsten.

Wir waren uns Alle einig – es war eine sehr schöne Exkursion auf dieser einzigartigen Insel und wir werden ihr sicherlich zu einer anderen Jahreszeit nochmals einen Besuch abstatten.

Catrin

 

Treffpunkt unserer heutigen Exkursion war der Schiffsanleger der „Weißen Flotte“ in Schwerin-Zippendorf.
Foto: Jürgen Samland

 

Überfahrt zur Insel Kaninchenwerder, die bereits vor uns schon zu sehen ist.
Foto: Jürgen Samland

 

Einen schönen Anblick boten die vielen kleinen Segelboote auf dem Schweriner See.
Foto: Christian Boss

 

Die kleinen „Nuss-Schalen mit dem Segel“ sind Optimisten-Jollen für Kinder und Jugendliche, die heute am 29. Schweriner Marstall-Cup 2025 teilnahmen.
Foto: Christian Boss

 

Los ging es vom Schiffsanleger in östliche Richtung un die Insel. Der mit Kastanien gesäumte Wanderweg war ehemals als Allee am Ufer des Sees angelegt.
Foto: Jürgen Samland

 

Überall gab es etwas Interessantes zu entdecken.
Foto: Jürgen Samland

 

Auch für Torsten, der sich sofort in sein Lieblingshabitat begab…
Foto: Jürgen Samland

 

… und dort auf Tauchstation ging.
Foto: Jürgen Samland

 

Torsten brachte uns dann auch einige Pilzchen aus dem Ried mit. Weißer Adernabeling (Delicatula integrella)
Foto: Christian Boss

 

Hier 2 kleine Pilze, die Torsten im Sumpf-Seggen Ried gefunden hat.
Foto: Christian Boss

 

Rundsporiger Sumpf-Tintling (Coprinopsis kubickae) an äußeren Blattscheiden der Sumpf-Segge (Carex acutiformis).
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Braungefleckter Tintling (Coprinopsis tigrinella) an äußeren Blattscheiden der Sumpf-Segge (Carex acutiformis).
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Aber auch wir wurden am Wegrand fündig. Halsband-Schwindling (Marasmius rotula).
Foto: Christian Boss

 

Marasmius rotula (Halsband-Schwindling) als Makroaufnahme mit seinem deutlich sichtbarem „Halsband“ bzw. Kragen.
Foto: Christopher Engelhardt

 

Nach Regen finden wir sehr oft an toten Baumresten den Blut-Milchpilz (Lycogala epidendrum).
Foto: Jürgen Samland

 

Rostbrauner Feuerschwamm (Fuscoporia ferruginosa) – nach neuester Systematik eventuell gar nicht mehr so einfach zu bestimmen.
Foto und Bestimmung: Christopher Engelhardt

 

Blick vom Ostufer auf den Schilfgürtel und den Schweriner See.
Foto: Jürgen Samland

 

Wir erreichten den Aussichtsturm, der am 25. Mai 1895 auf der mit immerhin 18 Metern höchsten Erhebung auf Kaninchenwerder – dem Jesarberg – eröffnet wurde. Der Turm ist bis zur Spitze 22 m hoch – die Aussichtsplattform befindet sich in 15 m Höhe.
Foto: Christian Boss

 

Blick von der Plattform des Aussichtsturms über die Baumwipfel in den wolkenverhangenen Himmel.
Foto: Christian Boss

 

Vom Aussichtsturm aus war diese fruchtende Esche (Fraxinus excelsior) quasi auf Augenhöhe zu bestaunen.
Foto: Christopher Engelhardt

 

Die Gelbe Rosskastanie kommt aus dem Östlichen Nord-Amerika. Die Borke erinnert etwas an die der Platane, denn sie löst sich in großen, rundlichen flachschuppigen Platten ab. Die ansonsten auf unserer Exkursion überall an den Rosskastanien zu findenden Blattminen der Rosskastanienminiermotte befällt diese Art nicht.
Foto: Christian Boss

 

Blätter der Gelben Rosskastanie.
Foto: Christian Boss

 

Edelkastanie (Castabea sativa) – weibliche Blüte.
Foto: Christopher Engelhardt

 

Edelkastanie (Castabea sativa) – männliche Blüte.
Foto: Christopher Engelhardt

 

Am schilflosen Westufer von Kaninchenwerder angekommen.
Foto: Christian Boss

 

Viele Insekten gab es aufgrund des diesigen Wetters und Nieselregens nicht zu sehen. Grünader-Weißling (Pieris napi). Zum Lebensraum des Rapsweißlings gehören feuchte, grasige Orte mit etwas Schatten, Waldränder, Baumhecken, Fettwiesen und bewaldete Flusstäler.
Foto: Christian Boss

 

Die Hausmutter (Noctua pronuba) ist ein Schmetterling aus der Familie der Eulenfalter (Noctuidae). In der Nacht dringt sie oft in Häuser ein, um tagsüber darin zu ruhen. Deshalb bekam sie auch den Namen Hausmutter.
Foto: Christian Boss

 

Ockerbrauner Weichkäfer (Rhagonycha fulva)
Foto: Christopher Engelhardt

 

Und dieser Goldglänzende Rosenkäfer (Cetonia aurata) macht seinem Namen alle Ehre. In Deutschland gehört er zu den geschützten Käferarten und wurde zum Insekt des Jahres 2000 gewählt.
Foto: Christian Boss

 

Die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) stammt ursprünglich aus Nordafrika und ist an warme trockene Bedingungen angepasst. Von dort hat sie sich zwischen dem 50. nördlichen und dem 35. südlichen Breitengrad unter natürlichen Bedingungen nahezu weltweit verbreitet. In der warmen Jahreszeit kann sie auch nördlich der Alpen angetroffen werden
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Weiter ging es am Westufer der Insel.
Foto: Jürgen Samland

 

Junge Buckeltrameten (Trametes gibbosa). Die Poren sind weißlich bzw. cremefarben und unregelmäßig länglich-getreckt.
Foto: Christian Boss

 

Waben-Stielporling (Polyporus alveolaris) mit großen Poren und dem wellig-umgerollten Rand.
Foto: Christopher Engelhardt

 

Der Waben-Stielporling ähnelt von oben dem Sklerotien-Porling.
Foto: Christian Boss

 

Am Wegrand der häufige Hexenkraut-Rost (Puccinia circaeae) an Gewöhnlichem Hexenkraut.
Foto: Catrin Berseck

 

Ein kleiner Pilz namens Hymenoscyphus fraxineus (auch bekannt als Falsches Weißes Stengelbecherchen) hat auf Kaninchenwerder viele Eschen – so auch dieses alte Exemplar mit seiner ausladenden Krone – zu Fall gebracht. Der in den 90-er Jahren aus Ostasien eingeschleppte Pilz ist eine ernste Bedrohung für die Esche als Baumart.
Foto: Jürgen Samland

 

Eine riesige alte Esche. Kaninchenwerder wurde früher beweidet – dadurch entstanden diese „Hudebäume“. Sie weisen große, ausladende Baumkronen mit kräftigen, stark verzweigten Ästen auf, da sie durch den Viehverbiss des nachkommenden Jungwuchses, frei von Konkurrenzdruck durch andere Pflanzen mit weiten Abständen zueinander standen. Bis 1970 wurden auf der Insel Rinder gehalten.
Foto: Christian Boss

 

Der über über Jahre auf der Insel wehende Westwind hat diese Schrägstellung der Bäume in die dem Wind abgewandte Richtung verursacht.
Foto: Christian Boss

 

Kein Sumpf ist vor Torsten sicher… Seinen tollen nachbestimmten Ascomyceten-Funden widmen wir einen gesonderten Beitrag.
Foto: Christian Boss

 

Unser Erinnerungsfoto am Westufer des Schweriner Sees.
V.l.n.r. hinten: Jürgen, Christian, Chris, Catrin, Torsten – vorne: Katarina, Andrea, Katrin


Die Artenliste von der Insel Kaninchenwerder – MTB 2334/441 SO:

Fastgestielter Blattstreu-Kotling (Ascobolus foliicola), Münzenförmige Kohlenbeere (Biscogniauxia nummularia), Tintenstrichpilz (Bispora antennata), Brauner Filzmattenkugelpiz (Chaetosphaerella phaeostroma), Rundsporiger Sumpf-Tintling (Coprinopsis kubickae), Braungefleckter Tintling (Coprinopsis tigrinella), Pokalförmiges Stängelbecherchen (Cyathicula cyathoida), Weißer Adernnabeling (Delicatula integrella), „Goldersbach Haarbecherchen“ (Dennisiodiscus goldersbach nom.prov.), Gras-Kernpilz (Epichloe typhina), Eichen-Mehltau (Erysiphe alphitoides), Zunderschwamm (Fomes fomentarius), Rotrandiger Baumschwamm (Fomitopsis pinicola), Rostbrauner Feuerschwamm (Fuscoporia ferrigunosa), Flacher Lackporling (Ganoderma applanatum), Gemeiner Wurzelschwamm (Hetereobasidium annosum), Eschen-Kohlenbeere (Hypoxylon petriniae), Rötliche Kohlenbeere (Hypoxylon fragiforme), Zusammengedrängte Kohlenbeere (Hypoxylon cohaerens), Gemeiner Spaltkohlenpilz (Hysterium angustatum), Vielgestaltige Kohlenbeere (Jackrogersella multiformis), Brandkrustenpilz (Kretzschmaria deusta), Schwefelporling – alte FK (Laetiporus sulphureus), Blutmilchpilz (Lycogala epidendrum), Halsband-Schwindling (Marasmius rotula), Gewittergraues Seggen-Weichbecherchen (Mollisia asteroma), Schimmerndes Weichbecherchen (Mollisia coerulans), Septiertsporiges Seggen-Weichbecherchen (Mollisia luctuosa), Fettes Seggenweichbecherchen (Mollisia pilosa), Orangeroter Helmling (Mycena acicula), Bogenblättriger Helmling (Mycena speirea), Bienenwaben-Stielporling (Neofavolus alveolaris), Scharlachrotes Pustelpilzchen (Neonectria coccinea), Brombeerrost (Phragmadium violaceum), Hexenkruat-Rost (Puccinia circaeae), Veränderlicher Spaltporling (Schizophora paradoxa), Gemeiner Spaltblättling (Schizophyllum commune), Bewimperter Schildborstling (Scutellinia crinita), Ellipsoidsporiges Kurzzellen-Filzgewebe (Tomentella ellisii), Striegelige Tramete (Trametes hirsuta), Buckel-Tramete (Trametes gibbosa), Schmetterlingstramete (Trametes versicolor), Bergahorn-Mehltau (Uncinula bicornis), Erlen-Schillerporling (Xanthoporia radiata), Geweihförmige Holzkeule (Xylaria hypoxylon), Langstielige Ahorn-Holzkeule (Xylaria longpipes)