*** Pilze/Wetter Oktober 2025***

Pilze und Wetter Oktober 2025

Wetter und Pilzwachstum in Mecklenburg

Tagebuch zu Pilze und Wetter im Oktober 2025

Pilz des Jahres 2026: Igelstachelbart (Hericium erinaceus).
Foto: Andreas Okrent


01.10.2026 – Mittwoch

Die Oberseite des Igelstachelbartes ist faserig oder mit kurzen, sterilen Stacheln besetzt.
Foto: Andreas Okrent

Jedes Jahr wird durch die Deutsche Gesellschaft für Mykologie e.V. (DGfM) der Pilz des Jahres gewählt. Pilz des Jahres 2026 ist der Igelstachelbart (Hericium erinaceus).

Der Igelstachelbart, auch bekannt unter Namen wie Yamabushitake, Löwenmähne, Pom-Pom blanc oder Affenkopfpilz, kommt vor allem in Laubwäldern mit hoher Luftfeuchtigkeit vor. Er wächst als holzzersetzender Weißfäulepilz an frischem Totholz, meist an Buchen oder Eichen. In Deutschland ist er vor allem in naturnahen, totholzreichen Laubmischwäldern der Nord-Ostdeutschen Tiefebene zu finden. In Deutschland wird er in der Roten Liste in Kategorie 2 (stark gefährdet) geführt.

Die Fruchtkörper des Igelstachelbarts sind weißlich bis gelblich, derb und knollenförmig, manchmal seitlich gestielt. Sie erreichen einen Durchmesser von 10 bis 30 cm. An der Unterseite befinden sich 2 bis 5 cm lange, herabhängende Stacheln, die die Fruchtschicht des Ständerpilzes (Basidiomyceten) bilden.


03.10. – 05.10.2025 – Freitag bis Sonntag Herbstseminar in Waren (Müritz)

Unsere Unterkunft – die Immanuel Begegnungsstätte „Ecktannen“ in Waren (Müritz).
Foto: Hanjo Herbort

 

Teil 1 unseres Ausstellungstisches zeigt bereits, dass wir vor Ort eine große Artenvielfalt vorfanden.
Foto: Phillip Buchfink

Ziel unseres diesjährigen Herbstseminares war erstmalig Waren an der Müritz.

Bereits im Frühjahr legten wir den Termin fest und konnten deswegen die Immanuel Begegnungsstätte Ecktannen am Ufer der Müritz buchen. Ein riskantes Unterfangen, da wir das gesamte Haus gebucht haben und bei Nichtbelegung Stornogebühren fällig geworden wären. Aber es gab keinen Grund zur Sorge – bereits kurz nach unserer Ankündigung unter Termine 2025 war das Seminar komplett ausgebucht.

Das Interesse war wieder groß – mit 24 Teilnehmern waren wir wieder eine sehr harmonische Gruppe aus Altbekannten und Neulingen, so dass wir ein sehr schönes lehrreiches Wochenende hatten.

Im Vorfeld hatten wir ein interessantes Programm aus Theorie und Praxis zusammengestellt. Sorge machte uns allerdings wieder die bereits seit Wochen anhaltende Trockenheit und dass dadurch in den westlichen Teilen von M/V ausbleibende Pilzwachstum. Aber wir wurden nicht enttäuscht – in Waren hatte es glücklicherweise über den ganzen September verteilt genug geregent und wir fanden eine große Artenvielfalt an Pilzen vor.

Einen ausführlichen Bericht inkl. Fundlisten findet ihr hier.

Auch der 2. Teil der Ausstellungsfläche war gut bestückt und nach Gattungen sortiert.
Foto: Phillip Buchfink


10.10. – 12.10.2025 – Freitag bis Sonntag Herbsttagung 2025 der AMMV

Ein seltener Fund: Der Gelbknollige Sklerotienrübling (Collybia cookei) besitzt im Substrat ein verborgenes Sklerotium, das mit den Stielen verbunden sind. Ein Sklerotium, auch Dauermyzel genannt, ist ein Überdauerungsorgan von kugeliger oder linsenförmiger Gestalt und harter Konsistenz, das im Substrat verborgen ist und es dem Pilz ermöglicht, in Dürreperioden oder bei ungünstigen Fruktifikationsbedingungen viele Jahre zu überleben. Beim Gelbknolligen Sklerotienrübling ist es etwa 2 – 5 mm groß und von olivgelber Farbe.

Die Arbeitsgruppe Mykologie Mecklenburg-Vorpommern (AMMV) des NABU e.V. ist ein Verein, der 1991 gegründet wurde.

Schwerpunkt der Arbeit ist die Erforschung der Pilzflora in Mecklenburg-Vorpommern, die Erarbeitung und Verbreitung mykologischer Kenntnisse sowie der Schutz der Pilze und deren Lebensräume. Hauptsächlich beschäftigt sich die Arbeitsgruppe mit der Kartierung unserer einheimischen Pilze.

Das geschieht hauptsächlich auf den im Frühjahr und Herbst stattfindenden Wochenendtreffen der AMMV, aber auch durch die Arbeit der einzelnen Mitglieder. Die Ergebnisse der Kartierungen gehen in die digitale Datenbank der Pilze Deutschlands ein und sind dort für jegliche wissenschaftliche Auswertungen zugänglich.

An diesem Wochenende fand die Hersttagung im Naturdorf Eickhof statt. 

Die Veranstaltungen dauern jeweils von Freitag Abend bis Sonntag Mittag. In dieser Zeit finden am Abend Vorträge über mykologisch interessante Themen statt. Am Samstag Vormittag wird in kleinen Gruppen in verschiedene Waldgebiete zum Sammeln von Pilzen gegangen, die dann am Nachmittag gemeinsam bestimmt werden. Danach erfolgt eine Fundvorstellung von allen Gebieten für alle Teilnehmer. Sonntag Vormittag ist gemeinsame Abschlussexkursion mit einer Fundauswertung am Ende.

An dieser Veranstaltung können auch interessierte Pilzfreunde teilnehmen. Hier der link zur Website der AMMV und nachfolgend ein paar Eindrücke von diesem Wochenende.

 

Bestimmungsarbeit und Schreiben der Kartierungslisten nach der Exkursion am Sonnabend.

 

Unser Vereinsmitglied Eiman Khwiled war auch zu Gast auf dieser Veranstaltung.

 

Großsporiger Gallertbecher (Ascocoryne cylichnium).

 

Der Großsporige Gallertbecher bildet oft gestielte, kreisel- bis schalenförmige Apothecien (Fruchtkörper) während der Fleischrote Gallertbecher überwiegend ungestielte, kreisel- bis schalenförmige Apothecien bildet.

 

Auswertung der Funde und Besprechnung.

 

Gemütliches Beisammensein am Abend.

 

Ein interessanter und schöner Fund von Karina Toballa auf der Abschlussexkursion am Sonntag, der zum Mikroskopieren mit musste…

 

Es handelt sich um Fruchtkörper des Kleinsporigen Grünspanbecherlings (Chlorociboria aeruginascens). Das Myzel verfärbt Holz durch den Farbstoff Xylindein grün noch bevor Fruchtkörper entstehen. Das so verfärbte Holz ist sehr lichtbeständig und wurde früher für die Kunsttischler als farbiges Holz verwendet. Entwickelte Fruchtkörper kommen nur bei hoher Feuchtigkeit zum Vorschein – häufiger findet man das grün gefärbte Holz.


16.10.2025 – Donnerstag

Der Gemeine Orangebecherling (Aleuria aurantia) ist ein Schlauchpilz aus der Familie der Feuerkissenverwandten.
Foto: Catrin Berseck

Heute habe ich mich mit Dorit in Elmenhorst im Klützer Winkel getroffen. Wir hatten einen Besichtigungstermin für unsere Unterkunft für das Frühjahrsseminar 2026.

Wir nutzten dann die Gelegenheit und statteten dem Lenorenwald danach einen Besuch ab. Ehrlich gesagt – ohne große Erwartungen bezüglich Frischpilzen. Schließlich ist in Nordwestmecklenburg in den Wäldern wegen der fehlenden Niederschläge immer noch Flaute.

Wir waren aber überrascht, dass sich uns doch eine größere Artenvielfalt bot. Zwar auch sehr viele kleine Streuzersetzer – aber auch tatsächlich einige Exemplare an Speisepilzen.

Eine kleine Auswahl der Funde möchte ich hier zeigen.

Catrin

 

Bleiben wir bei orange. Wunderschöne Orangeseitlinge (Phyllotopsis nidulans) an einer Birke. Der Fruchtkörper des Pilzes besteht aus einer fächerförmigen, hellorangen, bis zu 10 cm breiten, flauschigen Kappe, die einzeln oder in überlappenden Büscheln wächst.
Foto: Catrin Berseck

 

Obwohl sie scharenweise auf vermodernden Blättern auftreten, werden sie fast immer übersehen oder für Gräser gehalten – die Binsenkeulen (Typhula filiformis).
Foto: Catrin Berseck

 

Der Gelbstielige Dachpilz (Pluteus romellii) ist viel seltener, als der Rehbraune Dachpilz. Im Gegensatz zu dem wächst er meist auch nicht direkt auf Holz, sondern eher Holzhäcksel.
Foto: Catrin Berseck

 

Die leicht giftigen Grünblättrigen Schwefelköpfe (Hypholoma fasciculare) waren allgegenwärtig.
Foto: Catrin Berseck

 

Aber auch ein paar essbare Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis) waren vereinzelt zu finden.
Foto: Catrin Berseck

 

Besondere Kennzeichen der Stockschwämmchen sind die häutige Manschette, darunter weißlich bis bräunliche Schüppchen am Stiel und ein angenehmer pilzartiger Geruch.
Foto: Catrin Berseck

 

Und hier sehen wir die von oben zum Verwechseln ähnlichen Gifthäublinge (Galerina marginata). Besondere Kennzeichen sind eine faserig dünne Manschette, darunter ist der Stiel nicht geschuppt, sondern seidig-faserig, silbrig. Der Geruch ist muffig und erinnert an faulendes Holz oder mehlartig.
Foto: Catrin Berseck

 

Eine schöne Formation aus Rotrandigen Baumschwämmen (Fomitopsis pinicola).
Foto: Catrin Berseck

 

Für Dorit kam eine Mahlzeit Speisepilze zusammen.
Foto: Catrin Berseck


17.10. – 19.10.2025 – Freitag bis Sonntag Herbsttagung 2025 der Pilzberater

Gleich 2 Glänzende Lackporlinge (Ganoderma lucidum) fanden wir an Douglasien-Stubben während der Exkursion am Sonnabend. Und das, obwohl die bevorzugten Wirte dieses Weißfäuleauslösers meist Buchen oder Eichen sind.
Foto: Ria Bütow

Jedes Jahr werden im Rahmen der Weiterbildung der Pilzberater eine Frühjahrs- und Herbsttagung durch das Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LAGuS)  durchgeführt. Sie dienen der Berichterstattung, Pilzbestimmung und Vorstellung aktueller Probleme der Pilzkunde in Form von Vorträgen und Exkursionen.

Die Anleitung und Koordination der ehrenamtlich tätigen Pilzberater erfolgen durch Dr. Duty, den Landespilzsachverständigen (LPS) als Beauftragten des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LAGuS).

Neben der Weiterbildung der Pilzberater ist die Ausbildung neuer, zukünftiger Pilzberater von besonderem Interesse. Hier wird für Personen mit Wohnsitz in Mecklenburg-Vorpommern einmal im Jahr ein Pilzberaterlehrgang angeboten, in dem Grundkenntnisse vermittelt werden. Nach mehreren Lehrgängen kann eine Abschlussprüfung absolviert werden. Das erfolgreiche Bestehen der Pilzberaterprüfung ist Voraussetzung für die Tätigkeit des Pilzberaters.

Wer Interesse an einer Ausbildung zum Pilzberater hat, wendet sich bitte an den Landespilzsachverständigen.

Und dieses Jahr hat unser Vereinsmitglied Hanjo am 18.10.2025 während der Herbsttagung der Pilzberater in Teterow erfolgreich die Prüfung zum Pilzberater bestanden! Wir gratulieren ihm an dieser Stelle recht herzlich und freuen uns, dass er uns in Zukunft auf Öffentlichen Wanderungen unterstützen wird.

 

Viele setzen den Glänzenden Lackporling (Ganoderma lucidum) mit dem seit Jahrhunderten in China als Heilpilz genutzten Lingzhi oder auf japanisch Reishi gleich. Seit etwa 1995 hat sich aber nach und nach anhand morphologischer und vor allem genetischer Analysen herausgestellt, dass diese Gleichsetzung nicht gerechtfertigt ist. Der korrekte Name für den chinesischen Heilpilz Reishi ist vermutlich Ganoderma sichuanense.
Foto: Ria Bütow

 

Blauender oder Blauer Saftporling (Cyanosporus caesius).
Foto: Ria Bütow


30.10.2025 – Donnerstag

Herbststimmung.
Foto: Angeli Jänichen

Ein Besuch im Haushaltforst bei Zickhusen war ernüchternd. Dieser Wald steht auf besseren Böden und ist eigentlich ein Paradies in der Artenvielfalt an Pilzen.

Nur heute nicht. Im Buchenwaldabschnitt herrschte pilzmäßig gähnende Leere. Lediglich ein alter Steinpilz-Opa ließ sich blicken. Auch die vielen kleinen Laub- und Streuzersetzer fehlten fast gänzlich. Dazu kamen noch Forstarbeiten – der Wald wurde ausgelichtet.

Im moosreichen Fichtenabschnitt sah es etwas besser aus. Ein wunderschöner Fliegenpilz und Massen an jungem Hallimasch sorgten hier wenigstens für etwas Freude.

 

Gelbflockiger Roter Fliegenpilz (Amanita muscaria var. flavivolvata). Es handelt sich um eine Variation des normalen Fliegenpilzes mit chromgelben Flocken und Ring.
Foto: Angeli Jänichen

 

Hier dem Fliegenpilz noch einmal unter den Hut geschaut.
Foto: Angeli Jänichen

 

Der Dunkle bzw. Gemeine Hallimasch (Armillaria ostoyae) wird auch Nadelholz-Hallimasch genannt, da er sowohl lebende als auch frischtote Nadelbäume besiedelt. Zur Abgrenzung gegenüber anderen büschelig an Holz wachsenden Blätterpilzarten achte man auch auf die Sporenpulverfarbe. Sie ist weiß bis hell cremefarben und durch Ablagerung auf unter reifen Pilzen befindlichen Flächen (können andere Pilzhüte sein) oft schon am Fundort feststellbar.
Foto: Angeli Jänichen

 

Der Gegabelte Nadelholzhörnling (Calocera furcata) ist eine Pilzart aus der Familie der Tränenpilzverwandten. Wie alle Hörnlinge bildet er hornartige, büschelig wachsende Fruchtkörper aus, die gelb gefärbt sind. Die Art wächst saprobiontisch auf totem Nadelholz und bewirkt dort Braunfäule.
Foto: Angeli Jänichen