*** Pilze/Wetter Januar bis März 2026 ***

Pilze und Wetter Januar bis März 2026

Wetter und Pilzwachstum in Mecklenburg

Tagebuch zu Pilze und Wetter Januar bis März 2026

Samtfuß-Rüblinge (Flammulina velutipes).


01.01.2026 – Neujahr

Fliegenpilz (Amanita muscaria)
Aquarell: Sylvina Zander

Mit diesem Aquarell von Sylvina wünschen wir allen Pilzfreunden und Lesern des Tagebuches für 2026 Gesundheit, Glück, Erfolg und Freude.

Der Fliegenpilz ist ein bekanntes Glückssymbol, obwohl er giftig ist.

Die genaue Herkunft ist unklar, aber Theorien umfassen seine frühere Verwendung als Rauschmittel, das Glückgefühle auslöst. Seine auffällige Optik wird mit Magie verbunden.

Und letztendlich können Fliegenpilze Pilzsucher zu Glückspilzen machen, da in ihrer Nähe oft auch die begehrten essbaren Steinpilze zu finden sind.

In diesem Sinne wünschen wir euch allen viel Glück für 2026!

Eure Pilzfreunde des Steinpilz Wismar „Reinhold Krakow“ e.V.

 

 


02.01.2026 – Freitag

Einer der Mooshäublinge (Galerina sp.).
Foto: Christian Boss

Heute trafen sich Torsten, Chris und Christian zu einer privaten Saisonauftakt-Exkursion nordöstlich von Grevesmühlen.

Unser Ziel war der nördliche Teil des Vielbecker Sees. Mit seinem bewaldeten Ufer und dem reichlich vorhandenen Totholz bietet dieses Gebiet gerade zu dieser Jahreszeit ideale Bedingungen, um nach Ascomyceten und kleinen Hutträgern Ausschau zu halten.

Neben Zitter- und Schwarzpappeln sowie einigen wenigen alten Eichen war der häufigste Baum erfreulicherweise die Grauerle (Alnus incana). An diesem Standort hat sie sich bislang noch behauptet und wurde noch nicht von der konkurrenzfähigeren und langlebigeren Schwarzerle (Alnus glutinosa) verdrängt.

Dabei einige seltene Pilze, die Torsten auch erstmalig gefunden hat, wie z.B. den Gemeinen Kristallknorpelporling und den Erlen-Strombecherling, den Phillip letztes Jahr erstmalig für Mecklenburg-Vorpommern gefunden und bestimmt hat.

Im Folgenden haben wir einige unserer schönsten Funde in Fotos zusammengestellt.

Text: Christian und Catrin, Fotobeschriftung: Chris und Catrin

 

Am Nordufer des Vielbecker Sees mit seinem von Grauerlen dominierten Bruchwald findet man viel Totholz, das an feucht-milden Wintertagen Lebensraum für unzählige Pilze bietet.
Foto: Chris Engelhardt

 

Zapfen der Grau-Erle (Alnus incana).
Foto: Christian Boss

 

Der Erlen-Kätzchenbecherling (Ciboria amentacea) wächst – wie der Name schon vermuten läßt – auf verrotteten vorjährigen Kätzchen von Erlen. Heute waren sie an vielen Stellen unter Erlen zu finden.
Foto: Christian Boss

 

Erlen-Stromabecherling (Rutstroemia alni) auf einem entrindeten Stamm von Grau-Erle (Alnus incana). Er bildet kleine, becher- bis schüsselförmige Apothecien aus, die oft gestielt sind. Charakteristisch für die Gattung ist ein oft dunklerer oder gezähnelter Rand.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Ascus und Sporen des Erlen-Stromabecherlings.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Hier sehen wir die sehr großen Sporen und die kleinen runden Konidien des Erlen-Stromabecherlings. Die Konidiensporen werden ungeschlechtlich durch Umbildung von Hyphen oder an Konidienträgern gebildet.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Hier sehen wir die für den Erlen-Stromabecherling typischen „Bonbonsporen“. Eine sehr treffende Bezeichnung für Sporen, die unter dem Mikroskop eine charakteristische Form aufweisen: Die Sporen sind bei Reife septiert und mehrzellig und oft werden kleine Nebensporen (Konidien) an den Enden abgeschnürt, was an die Form eines eingewickelten Bonbons erinnert.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Winter-Helmlinge (Mycena tintinnabulum).
Foto: Christian Boss

 

Wunderschöne Judasohren (Auricularia auricula-judae).
Foto: Christian Boss

 

Graureiher (Ardea cinerea) auf dem Eis. Am Ufer im Hintergrund noch ein Silberreiher (Ardea alba).
Foto: Chris Engelhardt

 

Gelbstieliger Muschelseitling (Sarcomyxa serotina).
Foto: Christian Boss

 

Fastblauer Saftporling (Postia alni) an liegendem Grau-Erlen-Stamm (Alnus incana). Im Gegensatz zum Fastblauenden Saftporling (Postia subcaesia) hat der Fastblaue Saftporling kleinere Fruchtkörper und die Oberfläche des Hutes ist nicht so behaart wie die von Postia subcaesia, sondern eher verfilzt.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Die Poren des Fastblauen Saftporlings (Postia alni) sind rundlich und ca. 4 – 5 mm.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Die Basidiosporen des Fastblauen Saftporlings sind allantoid (wurstförmig) und dünnwandig.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Die Sporen sind sehr klein – nur ca. 5 – 6 x 1 – 1,2 µm.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Geweihförmige Holzkeule (Xylaria hypoxylon).
Foto: Christian Boss

 

Langschnäbeliger Kohlenkrustenpilz (Peroneutypa scoparia) an einem toten Ast von Schwarzem Holunder (Sambucus nigra).
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Der Langschnäbelige Kohlenkrustenpilz ist ein zylindrisch-säulenförmiger schwarzer Kernpilz, der in mehreren Fäden büschelig dem Substrat entspringt.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Hier noch eine Nahaufnahme vom Langschnäbeligen Kohlenkrustenpilz.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Die fast farblosen Sporen des Ascomyceten sind wurstförmig gekrümmt.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Kerndrüsling (Myxarium nucleatum).
Foto: Christian Boss

 

Phleogena faginea heißt im Deutschen zwar „Buchen-Hütchenträger“, der Pilz wächst aber an verschiedenen Laubgehölzen.
Foto: Christian Boss

 

Das Rasige Hängebecherchen (Merismodes anomala) ist ein im Winter häufiger Basidiomyzet, den man auf den ersten Blick für ein Becherchen, also für einen
Ascomyzeten halten könnte.
Foto: Chris Engelhardt

 

Diesen auffälligen Schichtpilz hat Torsten Richter als Zusammenfließender Reibeisenpilz (Radulomyces confluens) bestimmt. Die voll resupinaten Fruchtkörper wachsen u.a. auf abgestorbenen Weiden und anderen Laubbäumen und haben frisch eine wachsartige Haptik.
Foto: Chris Engelhardt

 

Hier sehen wir den Weißfäule auslösenden Gemeinen Kristallknorpelporling (Sidera vulgaris) an sehr morschem Pappelholz. Der Pilz bildet flach auf dem Substrat wachsende (resupinate), weißliche Fruchtkörper aus.
Foto und Fund: Torsten Richter
Bestimmung: Frank Dämmrich

 

Die Poren des Gemeinen Kristallknorpelporlings sind rundlich bis eckig, sehr fein und oft mit bloßem Auge kaum zu erkennen.
Foto und Fund: Torsten Richter
Bestimmung: Frank Dämmrich

 

Und hier sehen wir unter dem Mikroskop die namesgebenden Kristalle des Gemeinen Kristallknorpelporlings.
Foto und Fund: Torsten Richter
Bestimmung: Frank Dämmrich

 

Hier sehen wir die winzigen bläschenförmigen Basidien.
Foto und Fund: Torsten Richter
Bestimmung: Frank Dämmrich

 

Kurzzelliger Rindenpilz (Brevicellicium olivascens) an einem entrindeten Ast von Schwarzem Holunder (Sambucus nigra). Die wachsig-krustige Oberfläche ist locker warzig – zum Rand hin aber zunehmend glatt.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Hier sehen wir in einer Nahaufnahme warzige Oberfläche des Kurzzelligen Rindenpilzes. Wie der Name „Kurzzellig“ bereits verrät, ist dieser Pilz nur mikroskopisch sicher zu bestimmen.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Flaumiger Rindenpilz (Peniophorella pubera) auf einem morschem Stamm der Grau-Erle (Alnus incana).
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Bereits mit Lupe sind die kristallbeschopften Lamprozystiden des Flaumige Rindenpilzes zu sehen.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Hier sehen wir die langen Lamprozystiden des Flaumigen Rindenpilzes durch das Mikroskop.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Für Interessierte dann noch die dickwandige und schlank-spindelige Lamprozystide mit Kristallschopf in Wasser mikroskopiert.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Schleimpilze sind eine ganz besondere Organismengruppe und stehen trotz der Ausbildung von Sporen in mancher Hinsicht den Tieren näher als den Pilzen. Hemitrichia calyculata habe ich bisher fast ausschließlich im Winter gefunden.
Foto und Bestimmung: Chris Engelhardt

 

Torsten, Chris und Christian am Ufer des Vielbecker Sees.
Foto: Christian Boss


03.01.2025 – Sonnabend

Austern-Seitlinge (Pleurotus ostreatus) unter einer Schneehaube.

Heute hat der Winter mit stellenweise starken Schneefällen endgültig in Mecklenburg-Vorpommern Einzug gehalten.

Das steuernde Tief „Tizian“ liegt bei Gotland. Randtiefs ziehen dabei von der Nordsee her mit viel Feuchtigkeit nach Norddeutschland.

Ein Sturmtief über der Ostsee führt kalte polare Meeresluft mit sich und brachte Schnee, Frost sowie teils stürmischen Wind. An der Ostsee treten örtlich Wind- und Sturmböen mit Geschwindigkeiten von 60 bis 70 Kilometern pro Stunde auf, vor allem in Küstennähe besteht zudem ein geringes Risiko für kurze Wintergewitter. In den Nächten kann die Temperatur im Binnenland auf bis zu minus sieben Grad absinken, an der Küste auf minus vier Grad.

Auch in den kommenden Tagen bleibt es laut Deutschem Wetterdienst winterlich.

 

Laut Wettervorhersage bleibt es auch die nächsten Tage winterlich mit Frost und Schnee.
Quelle: Deutscher Wetterdienst


05.01.2026 – Montag

Winterimpression am Neukloster See.
Foto: Catrin Berseck

Heute habe ich einen kurzen Winterspaziergang am Neukloster See unternommen. Es kommt ja schließlich nicht so oft vor, dass wir hier im Norden einen richtigen Winter mit Frost und Schnee haben.

Aufgrund der Schneedecke waren natürlich nicht viele Pilze zu sehen.

Hier ein paar winterliche Impressionen.

Catrin

 

 

Schneebedeckte Flache Lackporlinge (Ganoderma applanatum) an einem Eschenstubben.
Foto: Catrin Berseck

 

Winterlicher Grauweidenbruch.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Tabakbraune Borstenscheibe (Hymenochaete tabacina) ist ein brauner, schichtpilzartigen Pilz mit einer gelbbraunen Zuwachszone. Die Fruchtschicht auf der Unterseite erscheint unter der Lupe borstig behaart. Die Fruchtkörper wachsen ganzjährig auf der Unterseite von Laubbaumästen – vorwiegend auf Grauweiden.
Foto: Catrin Berseck


18.01.2026 – Sonntag

Judasohren (Auricularia auricula-judae) an Hollunder – seinem bevorzugten Substrat.
Foto: Catrin Berseck

Nachdem es endlich mal Temperaturen über dem Gefrierpunkt gab, habe ich einen Ausflug zu einem kleinen See bei Güstrow gemacht und nach Pilzen Ausschau gehalten.

Alle Vertreter der sogenannten „Winter-Speisepilze“ waren dort vertreten, so dass am Ende des kurzen Spazierganges sogar eine ansehnliche Pilzmahlzeit zusammen kam.

Am meisten habe ich mich allerdings über die farbenfrohen Österreichischen Prachtbecherlinge (Sarcoscypha austriaca) sowie den Muschelförmigen Feuerschwamm (Phellinus conchatus) gefreut.

Nachfolgend ein paar schöne Fotos.

Catrin

 

Austernseitlinge (Pleurotus ostreatus).
Foto: Catrin Berseck

 

Die frostresistenten Samtfußrüblinge (Flammulina velutipes agg.), auch Winterrüblinge genannt, sind einer der wenigen Speisepilze, die typischerweise von November bis März fruktifizieren. Sie wachsen fast ausschließlich in Büscheln auf totem Laubholz (besonders Weide, Pappel, Esche, Kastanie).
Foto: Catrin Berseck

 

Der Kreisel-Drüsling (Exidia recisa) – auch Weidendrüsling genannt – wächst fast ausschließlich an toten, noch hängenden Weidenästen. Die Fruchtkörper sind braun (ähnlich wie Kandiszucker), durchscheinend und haben eine glänzend-glatte Oberseite sowie eine körnig-warzige Unterseite.
Foto: Catrin Berseck

 

Farbenprächtige Österreichische Prachtbecherlinge (Sarcoscypha austriaca). Die schüsselförmigen Fruchtkörper sind innen leuchtend rot, außen blasser und fein filzig behaart.
Foto: Catrin Berseck

 

Muschelförmiger Feuerschwamm (Phellinus conchatus) an Weide. Der Pilz bildet flach muschelförmige, wenig abstehende Hüte und oft dachziegelig herablaufend.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Oberseite des Muschelförmigen Feuerschwamms ist konzentrisch gezont, dunkel- bis schwarzbraun, mitunter etwas filzig und häufig bemoost, mit scharfer Kante.
Foto: Catrin Berseck

 

Die heutige Ausbeute an Speisepilzen konnte sich sehen lassen…
Foto: Catrin Berseck


19.01.2026 – Montag

Glänzender Schwarzborstling (Pseudoplectania nigrella).
Foto: Catrin Berseck

Heute habe ich auch noch einmal das frostfreie Wetter ausgenutzt und eine kurze Stippvisite in einem ganz anderen Habitat gemacht.

Ein kalkhaltiger Nadelwald in einem ehemaligen Kiesabbaugebiet war dieses mal das Ziel. Hier ging es mir nicht um Speisepilze.

Ich wollte nachsehen, ob sich die selten zu findenden Ungestielten bzw. Glänzenden Schwarzborstlinge (Pseudoplectania nigrella) schon zeigen. Und zu meiner Freude waren sie wie die letzten beiden Jahre wieder zu finden.

Wie zu erwarten, waren allerdings kaum andere Pilzarten zu sehen.

Catrin

Der Glänzende bzw. Ungestielte Schwarzborstling (Pseudoplectania nigrella) ist ein seltener Schlauchpilz, der vor allem als einer der ersten Frühlingsboten nach der Schneeschmelze auffällt. Er wächst bevorzugt bei Fichten auf moosigem Boden.
Foto: Catrin Berseck

 

Runzelige Koralle (Clavulina rugosa). Der Pilz wächst keulig oder nur schwach verzweigt. Namensgebend ist die längsrunzelige Oberfläche, die oft uneben und höckerig wirkt.
Foto: Catrin Berseck


28.02.2026 – Mittwoch

Der eingefrorene Leuchtturm von Sassnitz als Symbol und beliebtes Fotomotiv des eiskalten Winters im Februar 2026.

Heute mal ein Rückblick auf´s Wetter im Februar 2026 in Mecklenburg-Vorpommern.

Der Februar begann, wie der Januar endete. Mit einer ausgeprägten langen winterlichen Phase mit Frost und Schnee. Extrem kalte Luftmassen aus polaren Zonen führten zu starkem Schneefall und eisigen Temperaturen von bis zu -10 °C und gefühlten -20 °C .

Mit einer Flächenmitteltemperatur von -0,3 °C war Mecklenburg-Vorpommern das kälteste Bundesland in diesem Monat. Und es war der kälteste Februar in M/V seit 2018.

Bis etwa zum 20. Februar herrschte weitgehend winterliches Wetter mit Frost und typischen Winterimpressionen, wie vereisten Küstenabschnitten oder Schnee. Dementsprechend lohnte es sich natürlich nicht, in dieser Frostperiode nach Pilzen Ausschau zu halten.

Erst gegen Ende des Monats setzte Tauwetter ein. Am 25. und 26. Februar gab es zwar morgens noch örtlich Frost und Nebel, tagsüber wurde es jedoch teils sehr mild.

Catrin

 


01.03.2026 – Sonntag

Im späten Winter und zeitigen Frühjahr setzen die kleinen Krokusse erste kräftige Farbtupfer.
Foto: Catrin Berseck

Nachdem es seit ca. einer Woche endlich Temperaturen über dem Gefrierpunkt gab, wurde es mal wieder Zeit, nach Pilzen Ausschau zu halten.

Dazu habe ich mich gestern mit Sandra und Sylvina in der Nähe von Hamburg getroffen. Bereits vor 2 Jahren haben wir dieses Naturschutzgebiet aufgesucht und uns über einige seltene Funde freuen dürfen.

Nachdem der Tag auf der Hinfahrt mit Regen begann, erwartete uns bei unserer Ankunft am späten Vormittag das schönste Frühlingswetter. Wir durchwanderten einen Teil des Sumpf- bzw. Bruchwaldes, der von Grauweiden, Erlen, Birken und Traubenkirschen dominiert wurde. Zurück ging es dann durch einen  angrenzenden Waldbereich mit hauptsächlich alten Buchen, Eichen und viel Totholzanteil sowie Nadelholzbereichen.

Nach der langen Pilzpause freuten wir uns über die ersten Frühblüher sowie einige schöne Pilzfunde. Natürlich begeisterte uns die selten zu findende Trollhand bzw. der Flechtenartige Pustelpilz (Hypocreopsis lichenoides) am meisten – deswegen gibt es auch ein paar mehr Fotos von diesem schönen Pilz.

Hier ein paar schöne Eindrücke und Fotos von unserer privaten Exkurison.

Catrin

Aber auch die ersten Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) zeigen sichen nach dem wochenlangen Frost.
Foto: Catrin Berseck

 

Winterlinge (Eranthis hyemalis)
Foto: Catrin Berseck

 

Blick in das Sumpfgebiet, welches teilweise noch immer vereist ist.
Foto: Sylvina Zander

 

Asch- bzw. Grauweiden (Salix cinerea) und Erlen (Alnus) bilden im Sumpfgebiet die Hauptvegetation.
Foto: Sylvina Zander

 

Und dann fanden wir zu unserer Freude ziemlich schnell die ersten Trollhände (Hypocreopsis lichenoides).
Foto: Sandra Bernhardt

 

Der Weiden-Scheinflechtenpilz (Hypocreopsis lichenoides) wird aufgrund seiner „fingerartigen“ Erscheinung meist als Trollhand bezeichnet. Dieser Name wurde aus dem Schwedischen übsersetzt, wo der Pilz recht häufig vorkommt.
Foto: Catrin Berseck

 

Bei der Trollhand (Hypocreopsis lichenoides) handelt es sich um einen Schmarotzer, der gerne die Tabakbraune Borstenscheibe (Hymenochaete tabacina) besiedelt.
Foto: Catrin Berseck

 

Ältere Fruchtkörper der Trollhand verfärben sich später orange- bis rotbraun und die Oberfläche wird durch die sporenbildenden Perithezien fein punktiert.
Foto: Sandra Bernhardt

 

Hier noch einmal ein wunderschönes Exemplar der Trollhand (Hypocreopsis lichenoides) zusammen mit der Tabakbraunen Borstenscheibe (Hymenochaete tabacina).
Foto: Sandra Bernhardt

 

Erlenkatzenbecherling (Ciboria amentacea) auf den vorjährigen feucht liegenden Erlenkätzchen.
Foto: Sandra Bernhardt

 

Zurück ging es dann am Rande des Sumpfes durch einen mit Altbuchen und Eichen bestandenen Mischwaldbereich.
Foto: Sylvina Zander

 

Immer ein Foto wert: Orangeseitlinge (Phyllotopsis nidulans)
Foto: Sandra Bernhardt

 

Wunderschöner junger Zunderschwamm (Fomes fomentarius).
Foto: Catrin Berseck


17.03.2026 – Montag

Nicht nur ein Thron im Wald für unseren verstorbenen Pilzfreund Reinhold – jetzt tragen wir ihm zu Ehren auch seinen Namen!

Reinhold Krakow – nicht nur ein Name bei Mykologen und Pilzfreunden – eine Institution!

Bereits auf unserer Mitgliederversammlung am 13.01.2026 haben wir beschlossen, den Verein der Gemeinnützigen Gesellschaft Wismar e.V. zu Ehren unseres verstorbenen Freundes und Mentors in Steinpilz Wismar „Reinhold Krakow“ e.V. umzubennen. Heute wurde für die Umbennung und Namensgebung eine weitere bürokratische Hürde, die notarielle Ummeldung zum Vereinsregister, genommen.

Wir haben Reinhold versprochen, seine Arbeit so gut wie möglich fortzusetzen. Das betrifft sowohl die Fortführung der Website, Durchführung von Kartierungsexkursionen und der Weitergabe unseres Wissens bei Öffentlichen Pilzwanderungen sowie auf unseren Seminaren, die weiterhin 2 mal im Jahr statt finden.

Sicherlich werden wir das ehrenamtlich in unserer Freizeit nicht in dem Umfang wie Reinhold leisten können – aber wir hoffen, dass wir mit unserem Engagement trotzdem eure Zustimmung und auch Unterstützung finden.

In diesem Sinne – bleibt uns als Leser der Website treu und unterstützt uns in jeglicher Form bei unserer Arbeit. 

Vera, Dirk und Catrin als Vorstand im Namen des Steinpilz Wismar „Reinhold Krakow“ e.V.


18.03.2026 – Mittwoch

Calosphaeria pulchella ist unter der lockeren Rinde von Rosengewächsen (hauptsächlich Kirsche und Pfirsich) auf Stämmen und Ästen zu finden, die sich meist in der frühen bis mittleren Phase der Zersetzung befinden.
Foto: Phillip Buchfink

Phillip sucht schon seit ein paar Jahren nach diesem Pilz – heute hat er ihn endlich gefunden! Es handelt sich um Calosphaeria pulchella – einen holzbewohnenden Schlauchpilz (Ascomycet).

Dieser Pilz hat keinen deutschen Namen – man könnte den wissenschaftlichen Namen wie folgt übersetzen: pulchella = schön + calo = eingesenkt + sphaeria = Kugel – also „Schöner eingesenkter Kugelpilz“. Das beschreibt meiner Meinung diesen schönen Pilz mit seinen kreisförmig angeordneten Perithezien, dessen Fruchtkörper im Substrat eingesenkt sind, sehr gut.

Es gibt nicht viele Nachweise für diesen Pilz in Deutschland – in M/V wurde er erst ein einziges mal 1972 gefunden und kartiert. 

Calosphaeria pulchella gehört zu den sogenannten Endophyten (leben zunächst symptomlos im Holz) oder Schwächeparasiten. Das bedeutet, der Pilz kann in gesundem Holz vorkommen, ohne sofort Schaden zu verursachen. Wird der Baum gestresst (Trockenheit, Schnitt, Alter), kann er aktiver werden. Es ist kein primärer Schadpilz, eher ein Indikator für physiologischen Stress oder Alterung und am Abbau von Zellulose und anderen Holzbestandteilen beteiligt.

Catrin

 

Calosphaeria pulchella ist dadurch gekennzeichnet, dass die schwarzen Perithezien in dichten ringförmigen Gruppen unter der absterbenden Rinde sitzen und lange kreisförmig angeordnete „Hälse“ besitzen, mit dem sie durch die Rinde brechen.
Foto: Phillip Buchfink


20.03.2026 – Freitag

Ein Österreichischer Prachtbecherling (Sarcoscypha austriaca) in Form einer Blume.
Foto: Catrin Berseck

Auf unserer Kurzexkursion wurden wir heute zuerst von den Östereichischen Prachtbecherlingen (Sarcoscypha austriaca) begüßt – und das sogar in Form einer Blume.

Aber es kam noch besser! Gleich daneben befanden sich an einem toten Holunderstmm massenweise Weiße Judasohren (Auricularia auricula-judae var. lactea). 

Es handelt sich hierbei um eine seltene albinotische Farbvariante des weit verbreiteten braunen Judasohres. Wie sein braunes Pendant wächst er als essbarer, gallertartiger Vitalpilz bevorzugt an Holunderbäumen.

Diese farbliche Variation wird vermutlich durch Umwelteinflüsse verursacht und ist nicht artspezifisch bedingt, so lautet die wissenschaftliche Erklärung einiger Mykologen.

Andere Experten behaupten wiederum, dass es eine farblose Varietät des Judasohrs ist, deren Farbstoffe diesbezüglich in der DNS-Struktur nicht gebildet werden – also eine Art Albino-Effekt. Deswegen kommt es vor, dass eventuell an der gleichen Stelle wieder weiße Judasohren wachsen können.

Wir haben uns jedenfalls wahnsinnig über diesen Erstfund für Mecklenburg-Vorpommern gefreut und werden die Stelle auch in den nächsten Jahren im Auge behalten.

Catrin und Sylvina

Massenweise Weiße Judasohren (Auricularia auricula-judae var. lactea) an einem toten Holunderstamm.
Foto: Catrin Berseck

 

Die weiße Form des Judasohres hat dieselben Eigenschaften, wie das normale braune Judasohr – die Oberseite ist feinfilzig und an der Unterseite sind die Fruchtkörper aderig-runzelig durchzogen.
Foto: Catrin Berseck


21.03.2026 – Sonnabend

Die ersten Frühjahrs-Giftlorcheln (Gyromitra esculenta) zeigen sich – Foto von heute am Standort.
Foto: Catrin Berseck

Die ersten Pilze in den Nadelwäldern auf sandigen Böden sind die Frühjahrs-Giftlorcheln (Gyromitra esculenta). Pünktlich zum Frühlingsanfang zeigten sie sich heute.

Trotz des wissenschaftlichen Namens esculenta  = lat. für „essbar“, können durch diesen Pilz starke oder sogar tödliche Vergiftungen entstehen.

Grund genug für uns nach den ersten Morcheln Ausschau zu halten.

Die findet man natürlich nicht in den sauren Nadelwäldern, sondern bevorzugt an feuchten, hellen Stellen auf kalkhaltigen Böden. Typische Habitate sind Eschen-Auwälder, lichte Laubmischwälder (z.B. mit Pappel, Ahorn), nährstoffreiche Böden bei Bächen, Rindenmulch, alte Holzlagerplätze oder Brandstellen.

Die Zeigerpflanzen waren im entsprechenden Habitat bereits vertreten – für die Morcheln ist es allerdings noch etwas zu früh. In ca. 2 Wochen sollte es bei uns in M/V aber auch so langsam „Morcheln“.

Catrin und Sylvina

 

Bereits bei diesem jungen Exemplar sehen wir den charakteristisch hirnartig gewundenen kastanienbraun bis dunkelrotbraun gefärbten Hut.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Morchelsaison steht vor der Tür – die ersten Buschwindröschen (Anemone nemorosa) beginnen zu blühen.
Foto: Sylvina Zander

 

Das Scharbockskraut (Ficaria verna) bildet oft flächendeckende, grüne Teppiche an feuchten, nährstoffreichen Standorten.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Gewöhnliche bzw. Rote Pestwurz (Petasites hybridus) gilt als einer der zuverlässigsten Morchelanzeiger im Frühjahr.
Foto: Sylvina Zander

 

Mit bloßem Auge sieht man an den vorjährigen vertrockneten Brennnesselstängeln nur eine orangefarbene Verfärbung. Mit einer guten Lupe erkennt man, dass diese Verfärbung aus nahe beieinander bis zusammenhängend wachsenden winzigen Orangeroten Brennnesselbecherchen (Calloria neglecta) besteht.
Foto: Catrin Berseck