Pilze und Wetter 2026

17.06.2026 – MTB 1937/2 – Hütter Wohld

Mittwochsexkursion

Messtischblatt Hanstorf

17. Juni 2026

Auch für Pilz- und Naturinteressierte Gäste

Im MTB 1937/2 – bei Bartenshagen/Parkentin

Blick in den Hütter Wohld.
Foto: Irina Gräber

 


Heute war der 2. Quadrant im Messtischblatt Hanstorf an der Reihe. Das Gebiet erstreckt sich von Ivendorf im Westen bis nach Parkentin im Osten – Bartenshagen im Norden und Hanstorf im Süden. Und mitten drin liegt der Hütter Wohld mit seinen Klosterteichen, den wir uns für unsere heutige Exkursion ausgesucht hatten.

So trafen sich um 16 Uhr 6 Pilzfreunde des Steinpilz Wismar „Reinhold Krakow“ e.V. auf dem großen Parkplatz in Hütten beim Fischer.

Der Ort Hütten wurde im Jahre 1268 erstmals urkundlich erwähnt. Er bestand wohl in der Tat nur aus einigen Hütten, die im Zusammenhang mit den im ausgehenden 12. Jahrhundert von Zisterzienser Mönchen angelegten Teichen standen.

Nachdem ich einige mitgebrachte Pilze den Teilnehmern gezeigt und erklärt hatte, starteten wir unsere heutige Exkursion in den Hütter Wohld entlang der Forstmeisterschneise.

Es handelt sich hier überwiegend um imposante Buchenbestände mit größeren strukturreichen Buchenwaldkomplexen, die auf einer kuppigen Endmoräne wachsen. Das Waldgebiet entstand in der letzten Eiszeit und ist durch Hügel (bis zu 90 Meter Höhe) und tiefe Bachtäler geprägt. Darin eingebettet liegen zahlreiche Kleingewässer, Bäche mit begleitenden Erlenwäldern und Teichanlagen sowie Zwischenmoore. Aber auch Fichtenforste sind eingestreut – wobei die reinen Fichtenbestände teilweise vom Borkenkäfer vernichtet wurden.

Wir durchwanderten nur einen kleinen Teil des Hütter Wohldes mit verschiedenen Waldbereichen.   Der Rückweg führte uns dann am Flusslauf Kanbeck – einem kleinen Bach, den Zisterziensermönche im Mittelalter zu den bekannten Hütter Klosterteichen aufgestaut haben – vorbei und das seit 1999  als Naturschutzgebiet Hütter Klosterteiche unter besonderem Schutz steht.

Frischpilze waren heute kaum welche zu finden – trotzdem konnten wir einiges in unsere Kartierungsliste aufnehmen. Da wir alle auch an anderen Dingen in der Natur interessiert sind, wurde es wieder eine sehr schöne Wanderung mit interessanten Funden.

Catrin

 

Gleich zu Beginn unserer heutigen Exkursion ein ungewohntes Bild – ein Erbsenfeld.
Foto: Christian Boss

 

Um welche der vielen Erbsenarten es sich hier handelt, konnten wir leider nicht heraus bekommen.
Foto: Christian Boss

 

Beginn unserer Wanderung auf der Forstmeisterschneide.
Foto: Irina Gräber

 

Auch wenn es nicht so aussieht – auch hier handelt es sich um einen Pilz. Der Buchen-Rindenschorf (Ascodichaena rugosa) ist ein parasitärer Schlauchpilz, der hauptsächlich auf der Rinde von Rotbuchen wächst.
Foto: Catrin Berseck

 

Wilde Brombeeren (Rubus fruticosus) wachsen an lichten Waldrändern, auf Lichtungen und in Kahlschlägen. Für uns Menschen beim Waldspaziergang wegen der vielen Stacheln oft ärgerliche Hindernisse – allerdings bietet das dichte Gestrüpp vielen Wildtieren Schutz und dient heimischen Vögeln als Brutplatz.
Foto: Irina Gräber

 

Die ersten Wald-Erdbeeren (Fragaria vesca) sind fast reif. Sie bildet zwar deutlich kleinere Früchte als die Gartenerdbeere, überzeugt jedoch durch ein extrem intensives, fruchtig-süßes Aroma.
Foto: Irina Gräber

 

Diese Hügel mit ihren Altbuchen sind zu gegebener Zeit vielversprechend für Speisepilze, wie Steinpilze und auch Täublinge.
Foto: Christian Boss

 

Und tatsächlichr zeigte sich hier ein von den Schnecken fast komplett zerfressener Frauen-Täubling (Russula cyanoxantha).
Foto: Catrin Berseck

 

Und dazu dann auch gleich noch einer der Ledertäublinge – eine breite und kräftige Täublingsart mit festem Fleisch.
Foto: Christian Boss

 

Die Lamellen der Ledertäublinge sind jung weißlich bis cremefarben, im Alter durch das Sporenpulver auffällig ockergelb bis satt dottergelb. Sie sind ziemlich dick und sehr brüchig.
Foto: Christian Boss

 

Der Tropfende Saftporling (Calcipostia guttulata) ist ein ungenießbarer Holzpilz. Er ist vor allem für seine auffälligen, klaren Flüssigkeitstropfen (Guttation) am Hutrand bekannt. Als Braunfäule-Erreger zersetzt er hauptsächlich Totholz von Nadelbäumen.
Foto: Christian Boss

 

Die Fruchtkörper des Tropfenden Saftporlings werden bis zu 30 cm groß, konsolen- oder regalförmig. Jung cremeweiß, später hellbraun, oft mit wasserfleckigen Zonen. Besonders in der Wachstumsphase ist der wulstige Hutrand mit zahllosen, glasigen Tropfen besetzt.
Foto: Christian Boss

 

An einem der vielen Klosterteiche, die alle mit dem Flüsschen Kanbeck verbunden sind.
Foro: Christian Boss

 

Im Wasser auf Totholz kann man die Vielgestaltige Holzkeule (Xylaria polymorpha) finden – ein extrem formenreicher Schlauchpilz, der ganzjährig an totem Laubholz wächst und aufgrund seines gruseligen Aussehens im Englischen auch als „Dead Man’s Fingers“ (Finger des toten Mannes) bezeichnet wird.
Foto: Christian Boss

 

Die Fruchtkörper wachsen oft in büscheligen Gruppen. Sie sind unregelmäßig keulenförmig, knubbelig oder lappenartig verbogen.
Foto: Christian Boss

 

Hier mal eine Vielgestaltige Holzkeule in Herzform. Jung sind die Keulen hellbraun bis graubraun – die Außenseite der Keulen ist rau, uneben und feinwarzig punktiert.
Foto: Christian Boss

 

Im Uferbereich fanden wir dann viele dieser Pflanzen – die Große Telekie (Telekia speciosa) – auch bekannt als Scheinalant. Es handelt sich um eine sehr imposante, winterharte Staude, die optisch stark an den echten Alant erinnert und vor allem an schattigeren oder feuchten Stellen wächst.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Große Telekie zeichnet sich durch ihre enorme Wuchshöhe, die auffällig großen, herzförmigen Blätter und die strahlend gelben bis orangegelben Korbblüten aus. Die Blütenköpfe werden 5 bis 10 cm breit und besitzen feine, strahlenförmige Randblüten.
Foto: Irina Gräber

 

Wenn Christian mit dabei ist, geht es nicht ohne Falter. Hier sehen wir den Marmorierten Eichenwickler (Lobesia reliquana).
Foto: Chrsitian Boss

 

Die Gefleckte Schnirkelschnecke (Arianta arbustorum) ist auch bekannt als Baumschnecke. Auch wenn es so aussieht – Baumrinde frisst sie nicht; sie raspelt lediglich die feinen Algen, Flechten und Moose ab, die sich auf der Rinde befinden. Sie ernährt sich überwiegend von weichen, pflanzlichen Substanzen wie welken Blättern, Kräutern und Beeren.
Foto: Christian Boss

 

Vorwiegend waren heute vorjährige Baumpilze – so wie hier der Zunderschwamm (Fomes fomentarius).
Foto: Catrin Berseck

 

Alte Exemplare des Laubholz-Harzporlings (Ischnoderma resinosum). Dieser holzzersetzende Porling wächst vorwiegend auf totem Laubholz (besonders Buche).
Foto: Catrin Berseck

 

Der Laubholzharzporling ähnelt sehr dem Schwarzgebänderten Harzporling (Ischnoderma benzoinum). Dieser ist optisch fast identisch, unterscheidet sich jedoch primär durch sein Substrat: Er wächst fast ausschließlich an Nadelholz (bevorzugt Fichte).
Foto: Catrin Berseck

 

Auch der Umberbraune Borstenscheibling (Hymenochaete rubiginosa) ähnelt den beiden vorherigen Pilzarten. Die Fruchtkörper sind fächer- oder hutförmig, sehr dünn, zäh-lederig und wellig gezont. Die Oberseite ist rotbraun, umberbraun bis schwarzbraun mit einem helleren Rand.
Foto: Heike Baumann

 

Wir erreichten dann am Flussufer ein Nadelwaldgebiet, wo sich zwischen den vielen abgestorbenen Fichten der Adlerfarn (Pteridium aquilinum) ausgbreitet hat. Es ist die größte heimische Farnart und zeichnet sich durch seine enorme Wuchskraft aus. Er erreicht mühelos Höhen von 1 bis 2 Metern. Die gesamte Pflanze ist stark giftig.
Foto: Irina Gräber

 

Auf dem Adlerfarn: Waldrasen-Grasmotteneulchen (Deltote pygarga). Sie besiedelt bevorzugt Waldlichtungen, Kahlschläge, verbuschte Waldränder, Auenwälder und feuchte Waldwiesen.
Foto: Christian Boss

 

Eine schöne Gelbe Lohblüte (Fuligo septica).
Foto: Christian Boss

 

Fischeierschleimpilz (Tubifera ferruginosa). Der häufige Schleimpilz ist von Mai bis September vor allem auf totem Nadelholz anzutreffen.
Foto: Christian Boss

 

Jürgen entdeckte dort den Zimtfarbenen Weichporling (Hapalopilus rutilans). Der gesamte Fruchtkörper ist innen wie außen gleichmäßig zimt-, ocker- oder rotbräunlich gefärbt.
Foto: Catrin Berseck

 

Erstaunt waren wir über ein Waldstück mit einigen Riesenlebensbäumen (Thuja plicata) im Hütter Wohld. Den seit geraumer Zeit aus Nordamerika in Mitteleuropa eingeführten Nadelbaum trifft man im Wald noch recht selten an. Der Riesenlebensbaum kann ein Alter von über 1.000 Jahren, Höhen von über 70 m und einen Brusthöhendurchmesser von fast 6 m erreichen.
Foto: Irina Gräber

 

Im Unterschied zur Zypresse hat die Thuja gröbere und dunklere Nadeln und längliche Zapfen.
Foto: Christian Boss

 

Auf dem Rückweg kamen wir dann noch einmal an einem der Klosterteiche vorbei.
Foto: Christian Boss

 

Grasfrosch (Rana temporaria). Erkennungsmerkmal ist ein großer, dunkler Schläfenfleck hinter dem Auge mit sichtbarem Trommelfell.
Foto: Christian Boss

 

Reinhold sagte immer: Das Beste kommt zum Schluss. Also fanden wir tatsächlich ganz zum Schluss noch ein paar winzige Pfifferlinge (Cantharellus cibarius).
Foto: Christian Boss


Die Artenliste aus dem Hütter Wohld – 1937/232 NO Hanstorf:

Buchen-Rindenschorf (Ascodichaena rugosa), Tintenstrichpilz (Bispora antennata), Tropfender Saftporling (Calcipostia guttulata), Echter Pfifferling (Cantharellus cibarius), Zunderschwamm (Fomes fomentarius), Rotrandiger Baumschwamm (Fomitopsis pinicola), Gelbe Lohblüte (Fuligo septica), Waldfreund-Rübling agg. (Gymnopus dryophilus agg.), Zimtfarbiger Weichporling (Hapalopilus nidulans), Umberbraune Borstenscheibling (Hymenochaete rubiginosa), Rötliche Kohlenbeere (Hypoxylon fragiforme), Schwarzgebänderter Harzporling (Ischnoderma benzoinum), Laubholz-Harrzporling (Ischnoderma resinosum), Brandkrustenpilz (Kretzschmaria deusta), Frauentäubling (Russula cyanoxantha), Striegeliger Schichtpilz (Stereum hirsutum), Buckel-Tramete (Trametes gibbosa), Striegelige Tramete (Trametes hirsuta), Schmetterlings-Tramete (Trametes versicolor), Fischeier-Schleimpilz (Tubifera ferruginosa), Vielgestaltige Holzkeute (Xylaria polymorpha)


Wann startet die nächste Lehrwanderung? Siehe unter Termine!


 

03.06.2026 – MTB 1937/1 – bei Hohenfelde

Mittwochsexkursion

Messtischblatt Hanstorf

03. Juni 2026

Auch für Pilz- und Naturinteressierte Gäste

Im MTB 1937/1 – bei Hohenfelde

Blick in den Kur- und Heilwald Bad Doberan.
Foto: Christian Boss


Weiter geht es mit den Kartierungsexkursionen in einem neuen Messtischblatt. Mittlerweile haben sich die Aufzeichnungen von Reinhold angefunden, in denen er 2021 die Auslosung der MTB vorgenommen hat und die Reihenfolge der Kartierungen aufgeschrieben hat. Ab sofort werden wir nach diesen Aufzeichnungen die Gebiete für die Kartierungen festlegen.

So begannen wir dann heute mit der 2021 von Reinhold ausgelosten Nr. 27 – dem MTB 1937 – Hanstorf und dort im 1. Quadranten. Diese Kartierungsexkursion war eigentlich bereits Ende 2024 geplant – fand aber aufgrund von Reinholds Erkrankung nicht mehr statt. Das MTB erstreckt sich zwischen Reddelich im Nordwesten, Hohenfelde im Osten und Retschow im Süden.

Wir hatten uns das dem Bad Doberaner Krankenhaus in Hohenfelde gegenüberliegende 38 Hektar große Waldgebiet für unsere heutige Exkursion ausgesucht – den erst am 30.07.2025 eröffneten Heilwald im Waldgebiet Quellholz-Eikhäge. Die hohe Luftfeuchtigkeit und der mäandrierende Bachlauf, der im Bereich des Waldes naturbelassen wurde, zählen zu den Besonderheiten dieses Waldgebietes.

Das Frischpilzaufkommen ließ zu wünschen übrig – trotzdem konnten wir – 4 Pilzfreunde des Steinpilz Wismar „Reinhold Krakow“ e.V. – einige Arten in unsere Kartierungsliste aufnehmen und hatten eine sehr schöne Exkursion in diesem wunderschönen Waldgebiet.

Catrin (Text, Fotoauswahl und -beschriftung), Sylvina (Artenliste)

 

Gleich auf einer Rasenfläche an unserem Treffpunkt am Parkplatz des Krankenhauses wurden wir von diesen Maipilzen (Calocybe gambosa) begrüßt.
Foto: Catrin Berseck

 

Gegenüber vom Krankenhaus begannen wir dann unsere heutige Exkursion. Die auf der Schautafel eingezeichneten Wanderwege entsprachen ungefähr unserer gegangenen Runde.
Foto: Catrin Berseck

 

Der Schwan ist das zentrale Symbol der Stadt Bad Doberan, das tief in der Gründungssage des Zisterzienserklosters verwurzelt ist und bis heute das offizielle Stadtwappen ziert. So ist es auch nicht verwunderlich, dass diese Schwanenskulptur am Eingang des Heilwaldes zu finden ist.
Foto: Catrin Berseck

 

Unser Rundweg begann im Süden des Heilwaldes in einem Buchenwaldabschnitt. Im Hintergrund sehen wir Hügelgräber aus der Bronzezeit.
Foto: Catrin Berseck

 

Frische Brandkrustenpilze (Kretzschmaria deusta) fanden wir heute an fast allen Totholzstubben.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Ährige Teufelskralle (Phyteuma spicatum) – auch Weiße Teufelskralle oder Ährige Rapunzel genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Glockenblumengewächse. Sie gilt unter Kennern als eines der schmackhaftesten heimischen Pflanzen. Sowohl Blätter, Blütenknospen und Wurzeln können verzehrt werden.
Foto: Christian Boss

 

Die Blüte der Ährigen Teufelskralle ist eine dichte, walzenförmige Ähre. Die Einzelblüten sind vor dem Aufblühen typisch gekrümmt („Teufelskrallen“) und färben sich beim Aufblühen gelblich-weiß bis cremeweiß.
Foto: Christian Boss

 

Blick in den zu diesem Zeitpunkt noch wolkenlosen Himmel. Das änderte sich aber später noch.
Foto: Christian Boss

 

Die Wassertretanlage im Glashäger Quellbach…
Foto: Catrin Berseck

 

… musste natürlich gleich von Christian ausprobiert werden.
Foto: Catrin Berseck

 

Blutmilchpilz (Lycogala epidendrum). Im jungen Zustand leuchten die kugeligen Fruchtkörper auffällig korallenrot, lachsfarben oder rosa und es tritt das unreife Sporenpulver als eine zähflüssige, rosa bis blutrote Flüssigkeit heraus.
Foto: Christian Boss

 

Beim Reifen verfärbt sich der Blutmilchpilz graubraun bis dunkelbraun und trocknet ein. Zur Reife platzt er ungleichmäßig auf und gibt den rosagrauen Sporenstaub frei – er wird deswegen auch Milchstäubling genannt.
Foto: Christian Boss

 

An diesem Geländer fanden wir die älteren Blutmilchpilze.
Foto: Christian Boss

 

Es handelt sich hierbei um einen Gang- und Bewegungsparcours.
Foto: Christian Boss

 

Abseits der Wanderwege naturbelassener Wald mit viel Totholz.
Foto: Christian Boss

 

Auch der Glashäger Quellbach ist völlig naturbelassen.
Foto: Christian Boss

 

Auf so viel Totholz gibt es natürlich auch Pilze. Hier der Striegeligr Schichtpilz (Stereum hirsutum).
Foto: Christian Boss

 

Der Striegelige Schichtpilz ist zottig bis striegelig behaart. Die Färbung reicht von Gelborange bis Gelbbraun, wobei der wellige Rand oft auffallend eidottergelb leuchtet.
Foto: Christian Boss

 

Zur Abwechslung mal Frischpilze – Gemeine Waldfreund-Rüblinge (Gymnopus dryophilus agg.).
Foto: Christian Boss

 

Von Schnecken zerfressene Breitblättrige Rüblinge (Megacollybia platyphylla).
Foto: Catrin Berseck

 

Gelbe Lohblüte (Fuligo septica), im Volksmund auch häufig als Hexenbutter bezeichnet.
Foto: Christian Boss

 

Die Gelbe Lohblüte gehört zu den Schleimpilzen. Das Gebilde kriecht mit einer Geschwindigkeit von wenigen Zentimetern pro Stunde über den Untergrund, um Bakterien und organische Stoffe aufzufressen.
Foto: Christian Boss

 

Ein weiterer Sshleimpilz aus der Gattung der Fadenkeulchen (Stemonitis).
Foto: Christian Boss

 

Vielgestaltige Holzkeule (Xylaria polymorpha). Die Form ist extrem variabel (daher polymorpha). Die Fruchtkörper wachsen unregelmäßig keulenförmig, knollig oder fingerartig gezackt. Sie stehen oft in gespenstisch wirkenden Büscheln zusammen.
Foto: Catrin Berseck

 

Und kurz vor Ende unseres Rundganges beobachteten uns dann noch diese beiden Buchen…
Foto: Christian Boss


Die Artenliste aus dem Kur- und Heilwald Bad Doberan (Quellholz, Eikhäge und Amerikagehölz)– 1937/122 NW Hanstorf:

Buchen-Rindenschorf (Ascodichaena rugosa), Tintenstrichpilz (Bispora antennata), Angebrannter Rauchporling (Bjerkandera adusta), Mai-Ritterling (Calocybe gambosa), Zunderschwamm (Fomes fomentarius), Gelbe Lohblüte (Fuligo septica), Waldfreund-Rübling agg. (Gymnopus dryophilus agg.), Zimtfarbiger Weichporling (Hapalopilus nidulans), Buchenwald-Wasserfuß (Hydropus subalpinus), Rötliche Kohlenbeere (Hypoxylon fragiforme), Schwefelporling (Laetiporus sulphureus), Blutmilchpilz (Lycogala epidendrum), Breitblättriger Rübling (Megacollybia platyphylla), Früher Faserling (Psathyrella spadiceogrisea), Spaltblättling (Schizophyllum commune), Striegelige Tramete (Trametes hirsuta), Buckel-Tramete (Trametes gibbosa), Schmetterlings-Tramete (Trametes versicolor), Vielgestaltige Holzkeute (Xylaria polymorpha), Buchenfruchtschalen-Holzkeule (Xylaria carpophila)


Wann startet die nächste Lehrwanderung? Siehe unter Termine!


 

Pilze und Wetter Juni 2026

Wetter und Pilzwachstum in Mecklenburg

Tagebuch zu Pilze und Wetter im Juni 2026

Perlpilze (Amanita rubescens) – ein Speisepilz des Frühsommers


01.06.2026 -Montag – Internationaler Kintertag

Schöner madenfreier Sommer-Steinpilz (Boletus reticulatus) heute bei Bützow – trotzdem stehen gelassen… Warum?
Foto: Hanjo Herbort

Heute beginnt nicht nur ein neuer Pilzmonat.

Der 01. Juni wurde 1950 in der ehemaligen DDR offiziell als Kindertag eingeführt. Er war dort ein großes Ereignis in Schulen und Kitas mit Geschenken und Festen. Auch heute ist diese Tradition in den ostdeutschen Bundesländern tief verwurzelt und so war es auch nicht verwunderlich, dass heute viele Kindergartengruppen mit Bollerwagen und Luftballons unterwegs waren… Wie ich finde – eine sehr schöne Tradition.

Aber zurück zu den Pilzen…

Wir haben den Monat Mai mit gefundenen Sommersteinpilzen von Alexander in der Lewitz-Region beendet und eröffnen den Monat Juni natürlich auch mit Sommersteinpilzen.

Aber heute gefunden von Hanjo in der Nähe von Bützow.

Catrin

Hier die Antwort auf „Warum?“ Die von Hanjo gefundenen Sommersteinpilze befanden sich direkt am Straßenrand unter Eichen und wurden deshalb stehen gelassen… Autoabgase, Ruß und Mikroplastik aus dem Straßenverkehr setzen sich im Boden ab. Pilze nehmen diese Schadstoffe auf und reichern sie stark an.
Foto: Hanjo Herbort

 

Trotzdem noch mal ein schönes Foto vom Sommersteinpilz (Boletus reticulatus) aus dem Straßengraben.
Foto: Hanjo Herbort


02.06.2026 – Dienstag

Büschel-Tintling (Coprinellus congregatus).
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

Heute nehmen wir euch mal in Torsten Richters Garten mit. Da gibt es nicht nur Gemüse, sondern natürlich auch Pilze.

In diesem Fall Büschel-Tintlinge (Coprinellus congregatus) auf einem Stroh-Mistgemisch unter den Tomaten. Es handelt sich um winzige, meist gesellig oder büschelig wachsende Tintlinge. Der Hut ist anfangs eiförmig bis zylindrisch, breitet sich später glockig aus und erreicht meist nur einen Durchmesser von wenigen Millimetern bis maximal 2 Zentimetern. Die Huthaut ist blass-beige bis ockerbräunlich gefärbt und stark gerieft. Auffällig an dem Tintling ist, dass er kein Velum hat.

Eine sichere Unterscheidung von anderen sehr ähnlichen, kleinen Tintlingen (wie dem Glimmertintling oder dem Rädchentintling) ist makroskopisch mit bloßem Auge kaum möglich und erfordert eine mikroskopische Untersuchung der Sporen und Zystiden.

Für alle Interessierten gehe ich heute mal näher auf die mikroskopischen Merkmale ein und beschreibe die etwas genauer.

Der Büschel-Tintling hat Pileozystiden (auf der Hutoberfläche), Pleurozystiden (an der Flanke der Lamellenfläche) und Cheilozystiden (an der Kante der Lamellenschneide). Auf den nachfolgenden Fotos von Torsten sind diese Mikro-Merkmale sehr gut dargestellt – ich habe die entsprechenden Erklärungen dazu gefügt.

Catrin

Ein Blick in Torstens Garten.
Foto: Torsten Richter

 

Unter den Tomaten wuchsen auf einem Stroh-Mistgemisch die Büschel-Tintlinge.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Normalerweise zerfließen ältere Fruchtkörper der Tintlinge – die des Büschel-Tintlings verwelken dagegen.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Der gesamte Hut des Pilzes ist mit winzigen, stark inkrustierten Haaren (Pileozystiden) überzogen, die dem Pilz ein leicht mattes oder bereiftes Aussehen verleihen. Hier sehen wir die Pileozystiden unter dem Mikroskop mit Kongorot angefärbt.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Pleurozystide im Sporenmeer. Das ist eine sterile, meist stark vergrößerte Zelle, die sich an den Seitenflächen der Lamellen befindet. Sie ragen oft deutlich über die sporenbildenden Basidien hinaus. Dadurch halten sie benachbarte Lamellen auf Abstand, damit die reifen Sporen ungehindert herabfallen können.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Eine Cheilozystide ist eine sterile, meist auffällig geformte Zelle, die sich ausschließlich an der Schneide von Pilzlamellen befindet. Sie schützen die fruchtbaren Zellen (Basidien) an den Lamellenflanken vor dem Verkleben.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Hier sehen wir die Sporen des Büschel-Tintlings mit einem exzentrischen Keimporus. Ein exzentrischer Keimporus ist ein mikroskopisches Merkmal von Pilzsporen, bei dem die Keimöffnung nicht genau in der Mitte (zentral), sondern seitlich versetzt an einem Ende der Spore liegt. Ein Keimporus ist eine klar umrissene, stark verdünnte Stelle in der Zellwand einer Pilzspore, an der bei der Keimung der Keimschlauch durchbricht.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter


03.06.2026 – Mittwoch

Christian in einem kneippschen Wasserbecken direkt im Bachlauf beim Wassertreten.
Foto: Catrin Berseck

Heute fand unsere Mittwochsexkursion bzw. Kartierungsexkursion statt.

Es ging heute in die Nähe von Rostock. 4 Vereinsmitglieder des Steinpilz Wismar „Reinhold Krakow“ e.V. trafen sich um 16.15 Uhr am Bad Doberaner Krankenhaus in Hohenfelde.

Wir hatten uns das gegenüberliegende 38 Hektar große Waldgebiet für unsere heutige Exkursion ausgesucht – den Heilwald im Waldgebiet Quellholz-Eikhäge. Die hohe Luftfeuchtigkeit und der mäandrierende Bachlauf, der im Bereich des Waldes naturbelassen wurde, zählen zu den Besonderheiten dieses Waldgebietes.

Hügelgräber aus der Bronzezeit findet man im Süden der Waldfläche. Eine Kneipp-Anlage, Balancier- und Kletterbereiche, Gang- und Bewegungsparcours und Ruhemöglichkeiten sind Therapiestationen in diesem wunderschönen Heilwald.

Aber wir waren ja hauptsächlich zur Pilzkartierung hier – haben aber auch gleichzeitig dieses schöne Waldstück genossen und sind entspannt und therapiert nach Hause gegangen.

Einen ausführlichen Bericht findet ihr demnächst hier.

Catrin

Der mäandernde Bachlauf des Quellenbachs in unserem heutigen Kartierungsgebiet.
Foto: Christian Boss


04.06.2026 – Donnerstag

Flockenstieliger Hexenröhrling (Neoboletus erythropus) – der erste der Pilz des heutigen Tages.
Foto: Hanjo Herbort

Heute wollte ich mich nach einer Zahnbehandlung von den Nachwirkungen ablenken und etwas erholen – was liegt da näher als ein Spaziergang durch den Lieblings-Buchenwald? So ging ich über Mittag in den Wald ohne große Erwartungen und wurde dann doch positiv überrascht.

Obwohl nach dem Regen gestern doch etliche Schnecken unterwegs waren, ließ der erste Flockenstielige Hexenröhrling nicht lange auf sich warten. Unberührt von diesen Schleimern stand er da. Einige weitere folgten. Auch der erste Frauentäubling ließ sich finden – allerdings hatten die Schnecken diesen bereits skalpiert. Sonst war er aber in einem guten Zustand und durfte sich zu den Röhrlingen gesellen.

Einige stark lädierte Breitblättrige Holzrüblinge waren kein Foto wert, doch es kamen noch weitere Holzbewohner auf die Bühne. Überall waren plötzlich Lungenseitlinge von schon weit überständig bis noch knackig jung zu finden. Ein paar besonders schöne durften mit. Ein wirklich ordentlicher Schub dieser Pilzart ist gerade im Gange.

So wanderte ich noch ein Stück weiter an eine meiner Sommersteinpilzstellen – hier war aber noch nichts zu finden, im Wald kommen sie meist einige Zeit später, als an exponierten Stellen wie Straßenrändern oder sonnendurchfluteten Parks.

Aber aus dem Gebüsch leuchteten mir gelbe Köpfe entgegen. Die ersten jungen Stockschwämmchen der Saison eroberten gerade einen alten Stubben im noch dampfenden Dickicht.

Nun trat ich zufrieden den Rückweg an und konnte hier tatsächlich eine weitere interessante Art entdecken. Ein stattlicher Fruchtkörper mit rötlich braunem Hut stand im hohen Gras. Da ich sie in diesem Gebiet schon an mehreren Stellen hatte, wusste ich gleich, was da wuchs. Ein Rotbrauner Riesenträuschling stand vor mir. Erkennbar an den auffällig grauen Lamellen. In der DDR als „Braunkappe“ zur Zucht auf Stroh als Speisepilz angeboten, soll er jedoch nicht sonderlich gut schmecken und auch teilweise unverträglich sein. Ich werde es nicht testen. Ein schöner Anblick ist dieser Pilz aber allemal.

Das Resümee des kleinen Ausflugs: Langsam tut sich was und die Artenvielfalt nimmt zu. Ich freue mich auf die nächsten Wochen.

Hanjo

Ein von den Schnecken sklapierter Frauentäubling (Russula cyanoxantha).
Foto: Hanjo Herbort

 

Lungenseitlinge (Pleurotus pulmonarius) an Buche.
Foto: Hanjo Herbort

 

Frische Stockschwämmschen (Kuehneromyces mutabilis).
Foto: Hanjo Herbort

 

Junge Stockschwämmchen in Nahaufnahme. Die Lamellen sind noch durch das Velum partiale (Teilhülle) geschützt und reißt beim Wachstum auf, wobei es einen häutigen, abstehenden Ring (Manschette) am Stiel hinterlässt. Unterhalb dieses Rings ist der Stiel dunkel und sparrig-schuppig, oberhalb hellgelb oder cremefarben und meistens sichtbar glatter.
Foto: Hanjo Herbort

 

Der essbare Rotbraune Riesenträuschling (Stropharia rugosoannulata) schmeckt den Schnecken jedenfalls…
Foto: Hanjo Herbort


05.06.2026 – Freitag

Birkenpilz (Leccinum scabrum) – ein Raufußröhrling heute unter Birken.
Foto: Catrin Berseck

Im Gegensatz zu Hanjo suche ich im Juni ja lieber Parkanlagen als Wälder auf. So führte mich meine heutige Nachmittags-Tour auch zu meiner Lieblingsparkanlage in Nordwest-Mecklenburg. Und ich wurde nicht enttäuscht – auch hier hatte sich seit der letzten Woche einiges getan…

Zu Beginn meiner Tour fand ich in Bützow unter Birken den ersten Birkenpilz des Jahres und habe mich darüber schon sehr gefreut.

Aber im anvisierten Park angekommen, wurde es noch besser. Begrüßt wurde ich am Wegrand gleich durch Trupps von büschelig wachsenden Gelbblättrigen Rüblingen (Gymnopus ocior) – einem selteneren Verwandten der Waldfreundrüblinge.

Weiter ging es dann mit vielen schönen aber tödlich giftigen Ziegelroten Risspilzen (Inosperma erubescens). Er enthält extrem hohe Konzentrationen des Nervengifts Muscarin. Bereits eine Menge von 40 bis 50 Gramm des Frischpilzes kann für einen erwachsenen Menschen tödlich sein.

Aber auch Speisepilze, wie Fleischrote Speisetäublinge (Russulua vesca) und Perlpilze (Amanita rubescens) waren dort heute schon am Start.

Wie Hanjo gestern schon feststellte – die Artenvielfalt nimmt zu.

Catrin

Gelbblättrige Rüblinge (Gymnopus ocior) – ein Blätterpilz aus der Familie der Waldfreundrüblingsverwandten – heute auf dem Weg in einer Parkanlage.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Lamellen des Gelbblättrigen Rüblings sind auffallend weißgelblich, blassgelb bis schwefelgelb gefärbt. Sie stehen sehr eng und sind fast frei oder schmal ausgebuchtet am Stiel angewachsen.
Foto: Catrin Berseck

 

Ziegelroter Risspilz (Inosperma erubescens) mit seinem namensgebenden ziegelroten Hut und der typischerweise radialfaserig aufgesrissenen Huthaut.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Lamellen des Ziegelroten Risspilzes sind anfangs weißlich, verfärben sie sich später oliv- bis tabakbraun. Bei Druck oder Verletzung laufen sie langsam ziegelrot an. Das Fleisch und der Stiel sind weiß, laufen bei Bruch oder im Alter ebenfalls rot an.
Foto: Catrin Berseck

 

Hier ein junges Exemplar des Ziegelroten Risspilzes – noch ohne die typischen roten Verfärbungen.
Foto: Catrin Berseck

 

Nicht schön – aber der erste Speisetäubling (Russula vesca) dieses Jahr.
Foto: Catrin Berseck

 

Dafür umso schöner: Der erste Perlpilz (Amanita rubescens).
Foto: Catrin Berseck

 

Allerdings ist die äußere Schönheit dieser Perlpilze mehr Schein als Sein – alle sind komplett vermadet.
Foto: Catrin Berseck


06.06.2026 – Sonnabend

Gelbfüßiger Hexenröhrling (Neoboletus xanthopus) im Park unter Eichen.
Foto: Catrin Berseck

Nach den gestrigen Erfolgen war dann aber noch nicht Schluss mit meiner Freitags-Tour… Ich war jetzt bereits nicht mehr weit von Wismar entfernt und habe beschlossen, weiter nach Wismar zu fahren.

Für Reinhold war immer der 24.05.2026 Stichtag, um in Wismar nach Flockenstieligen Hexenröhrlingen und Sommersteinpilzen Ausschau zu halten. Am 24.05.2026 hatten wir unsere Öffentliche Wanderung an der Plüschower Mühle – auf dem Rückweg nach Hause hatte ich in Wismar in Reinholds Park einen Zwischenstopp eingelegt – aber wegen der Trockenheit außer ein paar Frühen Faserlingen absolut nichts gefunden.

Dafür war ich heute dort mehr als erfolgreich. Gleich zu Anfang fand ich Hexenröhrlinge. Die erwiesen sich im Nachhinein sogar als Gelbfüßige Hexenröhrlinge (Neoboletus xanthopus) – ein seltener Fund und Erstfund für mich! Der Fund wurde mir übrigens von Michal Mikšik – einem der Autoren des Buches „European Boletes 1“ persönlich bestätigt.

Auch den ersten Kahlen Krempling (Paxillus involutus) konnte ich dort finden.

Es gab dann auch noch Flockenstielige Hexenröhrlinge, Täublinge und ein paar ganz kleine zertrampelte Sommersteinpilze – die habe ich aber nicht mehr aufgrund des einsetzenden Starkregens und Gewitters fotografiert.

Statt dessen bin ich auf dem Heimweg noch schnell zum Wismarer Friedhof gefahren und habe eine Regenpause ausgenutzt, um hier mal fix zu gucken. Und da war tatsächlich bereits der erste Fahle Röhrling (Hemileccinum impolitum) am Start.

Catrin

Der Stiel des Gelbfüßigen Hexenröhrlings ist besonders in den unteren zwei Dritteln mit dichten oder lockeren, ockerfarbenen bis rötlichen kleinen (< 0,5 mm) Körnchen bedeckt, die sich später rostrot oder bräunlich verfärben.
Foto: Catrin Berseck

 

Im Gegensatz zum Flockenstieligen Hexenröhrling neigen die Poren vom Gelbstieliegen Hexenröhrling dazu, mit der Zeit zu verblassen, bleiben jedoch nahe dem Hutrand dauerhaft gelb.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Hutoberfläche ist jung samtig, später glatt. Farblich ist er sehr variabel: meist hellbraun, ockerbraun, ockerfarben oder ocker-orange, oft (wie auch hier) mit blasseren gelb-orangen Bereichen.
Foto: Catrin Berseck

 

Kahler Krempling (Paxillus involutus) mit seinem namensgebenden eingerollten Hutrand.
Foto: Catrin Berseck

 

Der Fahle Röhrling (Hemileccinum impolitum) lässt sich ziemlich gut an seiner fahlbraunen Hutfarbe, gelben Poren und dem nicht genetzten Stiel erkennen. Desweiteren zeichnet ihn sein auffälliger Geruch nach Medizinschrank bzw. Jod aus.
Foto: Catrin Berseck


07.06.2026 – Sonntag

Nachtschwärmer Christian mit einem Ligusterschwärmer (Sphinx ligustri) auf der Nase.
Foto: Christian Boss

Heute mal ein kleiner Exkurs zu einem anderen Naturthema – natürlich nicht ganz ohne Pilze. 

Unser Pilzfreund und Vereinsmitglied Christian ist ja nicht nur an Pilzen interessiert. Seit ca. 1 Jahr beschäftigt er sich unter anderem auch mit der Kartierung von Nachtfaltern – angeregt durch die jahrelange Beschäftigung von unserem Naturfreund Chrsitopher Engelhardt mit diesem Thema.

Dabei handelt es sich um eine systematische Erfassung von Nachtfaltern zur Erstellung von Artenlisten und zur Biotopbewertung. Wichtig ist diese Kartierung, da durch intensive Landwirtschaft, Lebensraumverlust, Lichtverschmutzung und Klimawandel ein massiver Rückgang und Verschwinden vieler Arten ein alarmierender Teil des globalen Insektensterbens ist. 

Christian nutzt dafür einen Leuchtturm, durch dessen künstliches Licht die nachtaktiven Insekten angezogen werden, sodass sie sich auf dem Tuch niederlassen und dort berührungslos bestimmt, fotografiert oder gezählt werden können. Dafür hat er auch eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung der Unteren Naturschutzbehörde.

Nachfolgend heute also mal wieder ein paar schöne Nachtfalter und Täublinge, die makroskopisch aufgrund ihrer splitternden Lamellen leider nicht eindeutig zu bestimmen sind.

Catrin

Der Prachtgrüne Bindenspanner (Colostygia pectinataria) ist wenig anspruchsvoll und besiedelt gehölzreiche Biotope aller Art beispielsweise lichte Wälder, Böschungen, Wegränder, Auen- und Moorwälder, gebüschreiche Offenlandstrukturen sowie auch Gärten und Parks.
Foto: Christian Boss

 

Die Männchen der Schlehenspanner (Angerona prunaria) haben eine leuchtend orangefarbene Grundfärbung und gefiederte Fühler , wogegen die Weibchen hellgelb gefärbt sind.
Foto: Christian Boss

 

Dieser schöne Breitflügelige Fleckleibbär (Spilosoma lubricipeda) ist auch bekannt als Weiße Tigermotte. Der Falter ist für Fressfeinde wie Vögel absolut giftig – er enthält Histamine und Acetylcholin. Bei Gefahr beherrscht er die Kunst des Totstellens perfekt. Er lässt sich fallen und zeigt seine gelbe Warnfarbe.
Foto: Chrstian Boss

 

Nicht giftig war dagegen dieser Fund von Christian. Man könnte hier den häufigen Frauentäubling vermuten. Allerdings waren die Lamellen brüchig und somit handelt es sich um eine andere Art. Da der Geschmack mild war, gelten diese durch die Täublingsregel ebenfalls als essbar.
Foto: Christian Boss

 

Hier handelt es sich wahrscheinlich ebenfalls um einen kleinen essbaren Täubling mit splitterenden Lamellen aus der Sektion grisea. Der Taubentäubling wird z.B. auch als Kleiner Frauentäubling bezeichnet.
Foto: Christian Boss


08.06.2026 – Montag

Schwefel-Porlinge (Laetiporus sulphureus).
Foto: Corina Peronne

Nach kleineren Regenschauern in Kombination mit Temperaturen über 20° ließen sich in der Müritz Region am Wochenende auch ein paar Pilze blicken.

So zum Beispiel an einer alten Eiche Schwefelporlinge (Laetiporus sulphureus). Nur junge und noch weiche Exemplare sind zum Verzehr geeignet. Auffallend sind die leuchtend gelbe bis gelb orangene Färbung der Fruchtkörper und der angenehm süßliche Geruch.

Ein weiterer Fund auf meinem heutigen Spaziergang entlang des Torgelower Sees waren diverse Kastanienbraune Schwarzfußporlinge (Polyporus badius) an totem Laubholz und in unterschiedlichen Altersstadien.

Auffallend sind die glatte, rotbraune Huthaut und die weißen Poren auf der Unterseite. Sie laufen an einem seitlichen Stiel herab. Die Basis ist oft samtig schwarz. Der Porling richtig angenehm pilzig, ist jedoch ungenießbar

Corina

Kastanienbraune Schwarzfußporlinge (Polyporus badius) – teilweise ältere Exemplare an totem Laubholz.
Foto: Corina Peronne


09.06.2026 – Dienstag

Junger Sommer-Steinpilz (Boletus reticulatus).
Foto: Catrin Berseck

Gestern Nachmittag hatte ich einen Termin in der Internationalen Freizeit- und Bildungsstätte „lütt pütt“ zwischen Dargelütz und Parchim. Ich hatte mir mehrere Angebote für unser diesjähriges Herbstseminar eingeholt und wollte mir das Objekt ansehen, noch Einiges vor Ort absprechen und dann entscheiden, wo es dieses Jahr hin geht.

Was soll ich sagen – kaum hatte ich die Autotür geöffnet, begrüßten mich direkt im Objekt unter alten Buchen Sommersteinpilze und Pfifferlinge! Wenn das mal nicht ein Omen und ein Grund war, dieses Objekt sofort zu buchen und den Termin fest zu machen!

Also liebe Pilzfreunde – unser diesjähriges Herbstseminar findet vom 16.10. bis 18.10.2026 in der Nähe von Parchim statt. Das Objekt liegt mitten im Wald in einer alten Kaserne.

Ihr findet die Veranstaltung unter Termine und ich empfehle euch, euch rechtzeitig anzumelden, da die Nachfrage mittlerweile sehr hoch ist und nur begrenzte Plätze zur Verfügung stehen. Die Reihenfolge der Anmeldungen entscheidet über die Teilnahme.

Catrin

Sommer-Steinpilz (Boletus reticulatus) direkt im Objekt „lütt pütt“ unter Buchen.
Foto: Catrin Berseck

 

Und es gab dort viele Sommer-Steinpilze…
Foto: Catrin Berseck

 

Auch ganz junge Pfifferlinge (Cantharellus cibarius) zeigten sich dort.
Foto: Catrin Berseck

 

Auch der giftige Narzissengelbe Wulstling (Amanita gemmata) gehört zu den „Frühstartern“ im Pilzjahr. Ebenfalls gestern am Standort unter Buchen.
Foto: Catrin Berseck


10.06.2026 – Mittwoch

Die Farbe der Hüte der Waldfreundrüblinge (Gymnopus dryophilus agg.) variieren stark von hellbraun, gelbbraun bis ocker- oder orangebraun. Bei Feuchtigkeit färbt er sich dunkler (hygrophan).
Foto: Corina Peronne

Astrid und Corina waren vorgestern Abend noch einmal kurz beim Teufelsbruch, einem Waldgebiet am Müritz-Nationalpark.

Die Gegend ist geprägt von Kiefern und Blaubeersträuchern. Auch die weitere Vegetation weißt auf vorwiegend saure Bodenverhältnisse hin.

Auf der Tour durch die Kiefern waren immer wieder Waldfreundrüblinge (Gymnopus dryophilus agg.) zu entdecken.

Auch Körnchenröhrlinge (Suillus granulatus) haben sich auf dem sandigen Boden bereits blicken lassen. Der Körnchenröhrling ähnelt stark dem Butterpilz, welcher jedoch eine ausgeprägte Stielmanschette (einen Ring) besitzt. Sehr leicht verwechselt man ihn auch mit dem Ringlosen Butterpilz. Zieht man bei diesem die Huthaut ab, kommt eine braune Faserung zum Vorschein, während das Fleisch unter der Haut beim Körnchenröhrling rein gelblich bleibt. Beide Doppelgänger sind ebenfalls essbar. 

Auch Narzissengelbe Wulstlinge (Amanita gemmata) bevorzugen saure Böden in Nadel- und Mischwäldern und sind Mykorrhizapilze (Symbiosepilze), die mit Fichten und Kiefern zusammenleben.

Catrin

Der Hut des Körnchenröhrlings (Suillus granulatus) ist bei feuchtem Wetter stark schmierig oder schleimig. Er gehört aus diesem Grund zu den Schmierröhrlingen.
Foto: Corina Peronne

 

Die Röhren des Körnchenröhrlings sind jung zitronen- bis ockergelb. In der Jugend sondern sie oft milchig-weiße Flüssigkeitstropfen ab.
Foto: Corina Peronne

 

Narzissengelber Wulstling (Amanita gemmata). Die Stielbasis geht in eine zwiebel- bis rübenartig abgerundete Knolle über, die einen niedrigen, freistehenden Kragen (Scheide) besitzt.
Foto: Corina Peronne


11.06.2026 – Donnerstag 

Passend zur Schafskälte – Schafchampignon (Agaricus arvensis) am 10.06.2026.
Foto: Catrin Berseck

Dauerregen und ein Temperatursturz  – die Schafskälte hat uns voll erwischt. Das ist ein Wettermuster, das mit fast 90 Prozent Wahrscheinlichkeit rund um den 11. Juni zuschlägt.

Den Namen trägt diese Wetterlage nach den Schafen, die traditionell bis dahin bereits geschoren wurden und für die der Kälteeinbruch durchaus bedrohlich werden kann.

Der Grund für diese Wetterlage ist simpel und faszinierend zugleich: Im Frühsommer heizt sich das Festland viel schneller auf als der noch eiskalte Nordatlantik. Dieser Temperatur-Gegensatz wirkt wie ein Turbo für die Tiefdruckgebiete – der Wind dreht von Südwest auf Nordwest und schaufelt feuchtkühle Polarluft zu uns. Nachts wird es empfindlich frisch, der Wind frischt böig auf.

Der entscheidende Lostag mitten in der Schafskälte ist der Barnabastag am 11. Juni. Über ihn heißt es in alten Bauernregeln: „Regen an St. Barnabas währet 40 Tage ohne Unterlass“.

Aber erst die Großwetterlage Ende Juni bis Anfang Juli verrät, wohin die Reise im Hochsommer geht. Bis dahin gilt: abwarten und Schirm bereithalten.

Catrin


12.06.2026 – Freitag

Der Hut des Glänzenden Lackporlings (Ganoderma lucidum) ist nieren- oder fächerförmig und wird bis zu 25 cm breit Der Rand ist im Wachstum oft weißlich oder gelb.
Foto: Hanjo Herbort

Weil im Buchenwald während der letzten Besuche zunehmend die Schnecken die Oberhand gewonnen haben, entschied ich mich gestern mal eine Runde in der nahe gelegenen eher trockenen und sandigen Vierburg-Waldung unter Kiefern zu drehen.

Ich hatte ca. anderthalb Stunden eingeplant. Nach einer halben Stunde hatte ich schon eine gewisse Strecke abgesucht, konnte aber außer zwei vertrockneten Perlpilzen und einigen Grünblättrigen Schwefelköpfen nichts entdecken.

Plötzlich leuchtete etwas helles an einem Stubben und ich fand dort vier junge, noch weiche Fruchtkörper des glänzenden Lackporlings (Ganoderma lucidum) – auch als „Pilz der Unsterblichkeit“ oder „König der Heilpilze“ aus der traditionellen Chinesischen Medizin bekannt.

Wenn ich den Namen hätte vergeben dürfen, hätte ich ihn E.T.-Pilz genannt. Erinnert er mich doch mit dem seitlich gestielten Wachstum und der gesamten Form an das Aussehen des berühmten Außerirdischen von Steven Spielberg.

Inwieweit die europäischen Formen des Reishi – wie er auch genannt wird – dieselben heilenden Eigenschaften haben, wie die chinesischen, ist wohl umstritten bzw. nicht wirklich erforscht. Zumindest soll es einige genetische Unterschiede zwischen den asiatischen und europäischen Vorkommen geben.

Ich werde mir die Fruchtkörper in wenigen Wochen trotzdem holen, um sie für Tee bzw. einen Sud zu benutzen. Mal sehen, ob es für ein wenig Unsterblichkeit reicht…

Hanjo

Gleich 4 Fruchtkörper an einem Baumstubben.
Foto: Hanjo Herbort

 

Der Stiel des Glänzenden Lackporlings entwickelt sich zuerst, meist an der Basis eines Stumpfes, als ein pfahlartiges rotlackiertes Gebilde mit weißlicher matter Spitze, die schließlich horizontal abbiegt und, sich verbreiternd, den Hut bildet.
Foto: Hanjo Herbort


14.06.2026 – Sonntag

Espen-Rotkappe (Leccinum leucopodium) unter Pappeln.
Foto: Hanjo Herbort

Straßengräben an Alleen oder Baumreihen erweisen sich häufig als wahre mykologische Fundgruben – haben allerdings den Haken, dass man dort wegen der Belastung der Böden durch den Autoverkehr keine Speisepilze sammeln sollte.

Für Leute wie mich, die sich mehr über den Fund an sich wegen seiner Schönheit erfreuen und wo das Kulinarische erst nachrangig kommt, sind sie jedoch Hotspots und immer einen Besuch wert. Auch als „Zeigerstellen“, die schnell erreichbar sind, kann man sie gut nutzen, um bei Erfolg dann auch an entfernteren Stellen auf die Suche zu gehen und evtl. etwas für das Abendbrot zu finden.

So schaute ich heute in einer Regenpause an einer von mir im letzten Herbst entdeckten Stelle für Espenrotkappen (Leccinum leucopodium) nach den selten gewordenen und begehrten Speisepilzen. Sowohl die Jahreszeit als auch die Witterung waren erfolgversprechend für die ersten Exemplare des Jahres. Und siehe da, die Zielpilzsuche war wieder mal erfolgreich. Im Straßengraben stand sie – die erste Rotkappe des Jahres, in tadelloser Qualität. Fest und jung und einfach ein wunderschöner Pilz.

Den Rückweg zum Auto legte ich dann hinter der straßennahen Baumreihe zurück und fühlte mich plötzlich nicht nur wegen des Wetters wie im Herbst. Überall standen Pilze. Ich fand nicht näher bestimmbare Ritterlinge, diverse Risspilze und überall Waldfreundrüblinge sowie Fälblinge (Hebeloma), die ich ebenfalls nur in die Gattung einordnen konnte. In solchen Momenten denke ich oft an unseren verstorbenen Pilzfreund Reinhold Krakow zurück und wünschte, ich könnte ihn um Rat fragen…

Doch dabei blieb es nicht. Plötzlich stand ein kleiner orange-brauner deutlich kräftigerer Pilz vor mir im Gras. Mein Verdacht bestätigte sich sofort – ein früher Pfefferröhrling (Chalciporus piperatus) ließ sich finden. Kurz darauf noch einer. Im Vergleich zu den Rotkappen geradezu mickrig – aber nicht minder schön. Hier könnten also später im Jahr auch Steinpilze auftauchen – sind Pfefferröhrlinge doch sehr gute Anzeiger für Steinpilzstellen. Nur nützt das dicht an der Straße eben nicht viel…

Kurz vor Erreichen des Autos blitzte noch eine Rotkappe aus dem Gebüsch – deutlich älter und schon ausgewachsen. Sie diente kurzerhand als Objekt für einen fotografischen Größenvergleich mit den Pfefferröhrlingen – die eindeutig nicht zu Unrecht die Typusart der Zwergröhrlinge darstellen.

Hanjo

Die Espen-Rotkappe (Leccinum leucopodium) ist optisch schwer von der Laubwald-Rotkappe (Leccinum aurantiacum) zu unterscheiden, da die Laubwald-Rotkappe auch unter Pappeln wachsen kann.
Foto: Hanjo Herbort

 

Pfefferröhrling (Chalciporus piperatus) – unter anderem neben dem scharfen Geschmack an seinen auffällig großlöcherigen und rotbraunen bis zimtfarbenen Röhren zu erkennen.
Foto: Hanjo Herbort

 

Größenvergleich zwischen dem Pfefferröhrling und ausgewachsener Rotkappe.
Foto: Hanjo Herbort


15.06.2026 – Montag

Birkenpilz (Leccinum scabrum). Der Stiel ist auffallend schlank, lang und mit charakteristischen graubraunen bis schwarzen Schuppen besetzt, die sogar optisch an den Stamm einer Birke erinnern.
Foto: Catrin Berseck

Nachden ich 4 Tage dienstlich in Nordrhein-Westfalen nahe der niederländischen Grenze unterwegs war und dort nebenbei überhaupt keine Pilze zu Gesicht bekam, war ich heute natürlich gespannt, was sich hier in Mecklenburg-Vorpommern in der Zeit getan hat.

Hanjo hatte mir ja bereits von seinen gestrigen Funden berichtet – also war die Hoffnung heute groß. Und ich wurde nicht enttäuscht…

Bei meinem heutigen Rundgang in der Nähe meiner Firma im Bützower Gewerbegebiet gab es tatsächlich einiges zu entdecken.

An bekannten Stellen Fahle Röhrlinge (Hemileccinum impolitum) und Perlpilze (Amanita rubescens) – leider von den Schnecken 🐌 so zerfressen, dass sie kaum noch erkennbar und kein Foto mehr wert waren.

Aber dafür habe ich mich um sehr mehr über den ersten Birkenpilz (Leccinum scabrum) gefreut. 

Und es kam dann sogar noch besser. Ich dachte, ich kenne das kleine Areal seit ca. 3 Jahren mit all seinen Pilzen genau. Aber die Würzigen Tellerlinge (Rhodocybe gemina) habe ich heute das erste mal dort entdeckt und mich wahnsinnig darüber gefreut.

Es gab auch noch paar Kammtäublinge, die auf Artebene schwer bestimmbar sind und ich es einfach nur dabei belassen möchte.

Catrin

Würzige Tellerlinge (Rhodocybe gemina) – ein ausgezeichneter, ergiebiger Speisepilz, der sich durch einen angenehm würzigen, aromatischen Geruch und einen milden, nussigen Geschmack auszeichnet.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Lamellen des Würzigen Tellerlings sind blassocker bis fleischrötlich. Sie stehen eng, laufen leicht am Stiel herab und lassen sich leicht vom Hutfleisch ablösen.
Foto: Catrin Berseck

 

Nicht näher bestimmte Kammtäublinge unter Eichen. Es handelt sich meist um den Kratzenden Kammtäubling (Russula recondita) oder den Großen Kammtäubling (Russula sororia), da beide Arten eine Vorliebe für Eichen als Symbiosepartner haben. Kammtäublinge gehören zur Untersektion Ingratae (Stink- und Marzipantäublinge) und zeichnen sich durch ihren deutlich kammartig gerieften Hutrand aus.
Foto: Catrin Berseck

 

Als Kammtäubling wird eine Gruppe von Pilzen aus der Gattung der Täublinge (Russula) bezeichnet, deren gemeinsames Hauptmerkmal ein auffallend kammartig geriefter oder gerippter Hutrand ist. Die meisten Arten dieser Sektion gelten wegen ihres unangenehmen Geruchs, ihres schlechten Geschmacks oder einer deutlichen Schärfe als ungenießbar.
Foto: Catrin Berseck


16.06.2026 – Dienstag

Der Silber-Röhrling (Butyriboletus fechtneri), auch Sommer-Röhrling genannt, ist eine extrem seltene und geschützte Pilzart aus der Familie der Steinpilzverwandten. Das hat die Schnecken leider überhaupt nicht interessiert…
Foto: Catrin Berseck

Gestern war ich dann noch mal kurz in meinem Hauswald nachsehen, ob sich etwas getan hat. Ohne große Hoffnung, da Hanjo mir schon gesagt hatte, dass im Buchenwald derzeit so gut wie gar nichts zu finden sei.

Ich dachte mir: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser… Also habe ich mal kurz einen Blick in den kalkhaltigen Buchenwald geworfen.

Zu sehen war anfangs überhaupt nichts – nur massenweise Nacktschnecken und die hinterlassenen Schleimspuren, wo mal Pilze gestanden haben.

Da Hanjo bereits Espen-Rotkappen und ich Birkenpilze gefunden habe, hoffte ich auf Hainbuchen-Raufüße. Jedoch Fehlanzeige.

Also bin ich schnell noch zu der mir bereits seit 2 Jahren bekannten Stelle gegangen, wo der seltene Silberröhrling (Butyriboletus fechtneri) wächst. Als ich dort ein Massenvorkommen an Nacktschnecken und Schleimspuren sah, ahnte ich schon Schlimmes… Unter dem Laub habe ich dann wenigstens noch ein halbwegs erkennbares kleines Exemplar des extrem seltenen Röhrlings gefunden – alle anderen Exemplare waren fast restlos von den Schnecken vernichtet worden.

Auf dem Rückweg gab es dann noch ein paar komplett vermadete und ebenfalls von den Schnecken stark angefressene Sommersteinpilze (Boletus reticulatus), die gleich im Wald bleiben durften.

Catrin

 

Die Röhren des Silberröhrlings waren wenigstens noch zu erkennen – sie sind intensiv zitronen- bis goldgelb.
Foto: Catrin Berseck

 

Hier zum Vergleich Exemplare des Silberröhrlings aus 2024 vom selben Standort.
Foto: Catrin Berseck

 

Sommersteinpilze (Boletus reticulatus) – ebenfalls von den Schnecken angefressen und total vermadet.
Foto: Catrin Berseck


17.06.2026 – Mittwoch

Bei schönstem Sonnenschein im hügegligen Hütter Wohld mit seinen schönen Altbuchenbeständen.
Foto: Christian Boss

Wie jeden 2. Mittwoch fand heute mal wieder eine Kartierungsexkursion statt. Fast ein Heimspiel für unsere Vereinsmitglieder aus der Rostocker und Bad Doberaner Gegend – es stand stand heute der Hütter Wohld im 2. Quadranten des Messtischblattes Hanstorf auf dem Plan. So trafen sich dann heute auch 3 Vereinsmitglieder aus dem Rostocker Raum sowie 3 aus dem Bereich NWM auf dem Parkplatz in der Nähe der Klosterteiche.

Der Hütter Wohld ist eine Perle unserer anspruchsvolleren Pilzreviere. Es handelt sich überwiegend um imposante Buchenbestände, aber auch Nadelforste. Darin eingebettet liegen zahlreiche Kleingewässer, Bäche mit begleitenden Erlenwäldern und Teichanlagen sowie Zwischenmoore.

Zu gegebener Zeit kommt hier der gemeine Kochtopfsammler auf seine Kosten – aber auch der tiefer gehend interessierte Hobby–Mykologe kann hier allerhand Interessantes entdecken.

Wie derzeit in allen Buchenwäldern sah es hier pilzmäßig ziemlich trostlos aus. Dafür hat uns die wunderschöne Landschaft entschädigt und wie immer gibt und gab es ja auch viele andere interessante Dinge in der Natur zu entdecken und zu bewundern.

Einen ausführlichen Bericht findet ihr demnächst hier.

Catrin

Wenige Frischpilze gab es heute zu entdecken. Und diese kleinen knopfgroßen Pfifferlinge an einem bemoosten Hang werden es wohl auch nicht zu ausgewachsenen Exemplaren schaffen und vorher komplett den Schnecken zum Opfer fallen.
Foto: Christian Boss


18.06.2026 – Donnerstag

Blick auf die Hütter Klosterteiche, die seit 1999 unter Naturschutz stehen. Sie wurden bereits im Mittelalter (Ende 12. Jahrhundert) von Zisterziensern angelegt. Seitdem konnten sich hier überregional bedeutende Populationen von Rotbauchunken und Laubfröschen etablieren.
Die Nutzung der Klosterteiche verlief im Laufe der Jahrzehnte sehr wechselhaft. 1998 kam es nach schweren Regenfällen zum Bruch mehrerer Dämme. In Folge dessen brachen auch die Amphibienbestände zusammen, da keine Vermehrungsmöglichkeiten mehr vorhanden war.
Foto: Christian Boss

Auf dem Rückweg unserer gestrigen Mittwochs- und Kartierungsexkursion im Hütter Wohld trafen wir Naturfreunde in Wathosen und mit Keschern und Taschenlampen. Es handelte sich um Naturfreunde des NABU der Fachgruppe Feldherpetologie und Ichthyofaunistik Mittleres Mecklenburg – kurz gesagt: Fisch- und Froschfreunde.

Die Fachgruppe widmet sich u.a. dem  Schutz und Erhalt von Fischen, Lurchen und Kriechtieren und der  Erforschung ihrer Verbreitung und Untersuchung ihrer Umweltansprüche. Die Fachgruppe ist auch aktiv an der Erstellung der Roten Listen und an verschiedenen Monitoringprogrammen zu Fischen, Amphibien und Kriechtieren in M-V beteiligt.

Seit 2004 sind die „Hütter Klosterteiche“ NATURA 2000-Gebiet und damit Bestandteil des europaweiten Verbundes von Naturschutzgebieten. Heute sind die Teiche wieder von besonderer Bedeutung für verschiedene Lurche (z.B. Rotbauchunke, Laubfrosch und Kammmolch). Seit Mitte der 1970-er Jahre wird die Amphibien-Population wissenschaftlich untersucht. Am heutigen Abend fand die jährliche Bestandsaufnahme zu den Kröten und der gefährdeten Rotbauchunke dort statt.

Da wir während unserer heutigen Exkursion bereits die Unkenrufe in den Hütter Klosterteichen hörten, entschloss sich unser Naturfreund Christian kurzfristig, sich den Naturfreunden des NABU anzuschließen.

Ein paar von Christians in Fotos festgehaltenen Eindrücken von dieser interessanten wissenschaftlichen Arbeit möchten wir euch nicht vorenthalten.

Catrin

Eine Amphibienuntersuchung in der Dämmerung bis zur Nacht ist oft die effektivste Methode, um nachtaktive Arten zu kartieren. Dabei wird auf die artenspezifische Paarungsrufe der Froschlurche gehört und die Laichgewässer in den Uferbereichen mit einer starken Taschenlampe gezielt abgesucht, um Tiere oder Larven ausfindig zu machen.
Foto: Christian Boss

 

Die Amphibien werden mit Keschern aus den Teichen gefischt und später natürlich wieder frei gelassen.
Foto: Christian Boss

 

Anschließend werden von den Unken Größe, Gewicht und das Geschlecht dokumentiert.
Foto: Christian Boss

 

Die Zeichnung ist bei allen Rotbauchunken unterschiedlich, so dass sie fotografiert werden und teilweise auch die Entwicklung einzelner Individuen fest gehalten werden kann.
Foto: Christian Boss

 

Die streng geschützte Rotbauchunke (Bombina bombina) ist am besten an ihrer auffällig schwarz-orangen bis feuerroten Bauchzeichnung zu erkennen. Sie hat auffällige, meist getrennte orange-rote Flecken und feine weiße Punkte. Das Muster ist individuell wie ein Fingerabdruck.
Foto: Christian Boss


19.06.2026 – Freitag

Mauerraute bzw. Mauer-Streifenfarn (Asplenium ruta-muraria) in den kalkhaltigen Mörtelfugen am Kloster Rehna.
Foto: Catrin Berseck

Heute nachmittag fand ein weiteres Treffen im Kloster Rehna in Vorbereitung der „Tage der Pilze“ im Kloster Rehna statt. Torsten vom Rehnaer Pilzverein, Phillip (der im Rehnaer Pilzverein und im Steinpilz Wismar Mitglied ist) und ich trafen uns zu weiteren Absprachen mit Annalena vom Kloster Rehna.

Wir haben gemeinsam noch einmal die Räumlichkeiten für unsere Pilzausstellung besucht, Abläufe und Programmpunkte besprochen und weitere Aufgaben zur Vorbereitung der Ausstellung verteilt.

Vor diesem Treffen habe ich noch mal kurz nach Pilzen Ausschau gehalten. Und tatsächlich habe ich einiges finden können.

Dabei waren auch essbare Perlpilze (Amanita rubescens) und giftige Pantherpilze (Amanita pantherina), die sich optisch auf den ersten Blick erschreckend ähnlich sahen. Deswegen beim Pilze sammeln immer alle Merkmale beachten!

Catrin

 

Junge Espen-Rotkappen (Leccinum leucopodium) erinnern an ein Streichholz.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Espen-Rotkappe wird auch Weißstielige Rotkappe genannt, da der Stiel jung weißlich ist und erst später orangebraune Schüppchen bekommt.
Foto: Catrin Berseck

 

Unter den bei den Pappeln stehenden Kiefern gab es auch die ersten Körnchenröhrlinge (Suillus granulatus).
Foto: Catrin Berseck

 

Pantherpilz (Amanita pantherina). Die Manschette bzw. der Ring ist am Hutrand hängen geblieben. Trotzdem ist er an seinem stulpenartigen Wulst am oberen Rand der Knolle sowie dem gerieften Hutrand deutlich zu erkennen.
Foto: Catrin Berseck

 

Ein Perlpilz (Amanita rubescens) war auch nicht weit weg – unter anderem zu erkennen an seiner gerieften Manschette.
Foto: Catrin Berseck

 

Links Pantherpilz (Amanita pantherina) und rechts Perlpilz (Amanita rubescens). Beim flüchtigen Hinsehen könnte man das für den gleichen Pilz halten…
Foto: Catrin Berseck

 

Links der Perlpilz (Amanita rubescens) mit seiner rübenartigen Knolle und rechts der Pantherpilz (Amanita pantherina) mit seiner abgesetzten Knolle.
Foto: Catrin Berseck


20.06.2026 – Sonnabend

Der erste Fransige Wulstling (Amanita strobiliformis) dieses Jahr.
Foto: Catrin Berseck

Nach dem gestrigen Treffen in Rehna bin ich über Wismar nach Hause gefahren.

Da es derzeit in den Wäldern nach den Gewitter-Schauern fast nur massenweise hungrige Mücken und Nacktschnecken und nur wenige von den Schnecken total zerfressene und kaum noch erkennbare Pilze gibt, habe ich beschlossen, dem Seeblickpark und dem Friedhof in Wismar einen Besuch abzustatten.

Im Seeblickpark wurde seit längerer Zeit kein Rasen mehr gemäht – Reinhold hätte das gefreut… Trotzdem gab es dort nicht viele Pilze – ein paar komplett vermadete Flockenstielige Hexenröhrlinge und winzig kleine Sommersteinpilze. In der Streu in den Beeten waren ein paar Behangene Faserlinge und Dachpilze. Also nichts Besonderes.

Also bin ich dann noch mal zum Westfriedhof gefahren. Dort hatten wir letztes Jahr um diese Zeit unsere Kartierungsexkursion und ein paar schöne Funde verzeichnen können.

Und dort konnte ich tatsächlich einige schöne Pilze finden und fotografieren.

Catrin

Fransige Wulstlinge wachsen unter Laubbäumen und auf kalkhaltigen Böden. Deswegen sind sie auch oft auf Friedhöfen zu finden.
Foto: Catrin Berseck

 

Auch der seltene Fahle Röhrling ((Hemileccinum impolitum) ist fast ausschließlich unter Laubbäumen zu finden und bevorzugt kalkhaltige Böden.
Foto: Catrin Berseck

 

Hexenring auf einer gemähten Rasenfläche auf dem Wismarer Friedhof.
Foto: Catrin Berseck

 

Nach den Regenfällen gibt es wieder Nelkenschwindlinge (Marasmius oreades).
Foto: Catrin Berseck


21.06.2026 – Sonntag

Kegeliger Saftling bzw. Schwärzender Saftling (Hygrocybe conica).
Foto: Catrin Berseck

Am Freitag konnte ich auf dem Wismarer Friedhof auch Saftlinge finden – genauer gesagt, den Kegeligen Saftling bzw. Schwärzenden Saftling (Hygrocybe conica).

In Deutschland gibt es rund 50 verschiedene Saftlingsarten. Gemäß Bundesartenschutzgesetz ist das Sammeln dieser seltenen Pilze in Deutschland streng verboten. Als Speisepilze kommen Saftlinge aber sowieso nicht in Frage – einige Arten sind leicht magen-/darmgiftig.

Fast alle Saftlingsarten (Hygrocybe s.l) gelten in Deutschland aufgrund ihrer extremen Empfindlichkeit gegenüber Düngung und Lebensraumverlust als stark gefährdet und stehen auf der Roten Liste. Der Hauptgrund für den Rückgang ist die Intensivierung der Landwirtschaft – Saftlinge benötigen extrem nährstoffarme, ungedüngte Wiesen und Magerweiden. Solche Biotope – auch als “Saftlingswiesen” bekannt – sind extrem selten geworden.

Einer der am häufigsten zu findende Saftling ist der Kegelige Saftling. Er kann auf ungedüngten Rasenflächen in Parkanlagen, Friedhöfen oder Grünstreifen gefunden werden – diese Gebiete sind von landwirtschaftlicher Beeinflussung verschont.

Unter Mykologen wird diskutiert, ob der Kegelige Saftling (Hygrocybe conica) und der Schwärzende Saftling (Hygrocbe nigrescens) zwei verschiedene Arten sind. Sie sind makroskopisch und mikroskopisch nicht voneinander abgrenzbar.

Der Kegelige Saftling ist eine relativ große Art und der gesamte Fruchtkörper Schwärzt bei Berührung oder im Alter. Nachfolgend ein paar Fotos.

Catrin

Die Hüte sind spitz- bis stumpfkegelig – die Hutoberseite ist nicht klebrig, gelborange bis rot; sie wird im Alter grau, später schwarz.
Foto: Catrin Berseck

 

Der faserig gestreifte, im Alter hohle Stiel ist zitronen- bis orangegelb mit weißlicher Basis, auch er wird bei älteren Fruchtkörpern zunehmend schwarz.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Lamellen des Schwärzenden Fastlings sind hellgelb, dick und sehr entfernt stehend. Im Alter schwärzt der Hut und reißt auf.
Foto: Catrin Berseck

 


24.05.2026 – Öffentliche Wanderung bei der Plüschower Mühle

Öffentliche Pilzlehrwanderung

Pilzwandern im Jahr des Igelstachelbartes

Im Mühlenholz an der Plüschower Mühle

24. Mai 2026 – Pfingstsonntag

Blick in das Mühlenholz an der Plüschwer Mühle – vorwiegend mit Altbuchen und Bergahorn bestanden.
Foto: Christian Boss


Es sind mittlerweile fast 2 Wochen nach den kräftigen Niederschlägen am 11.05.2026 vergangen. Beste Voraussetzungen, um am heutigen Pfingstsonntag nach dem Mittagessen einen Spaziergang zu machen und sich die Auswirkungen der Regenfälle auf das Pilzwachstum anzusehen.

Insgesamt 7 Pilz- und Naturfreunde trafen sich zu dieser Wanderung im Mühlenholz zwischen Wismar und Grevesmühlen. Ein kleines Waldgebiet südlich der Ortschaft Naschendorf gelegen, welches überwiegend von Laubbäumen gebildet wird. Neben Pappeln und Erlen finden sich vor allem Rotbuchenbestände mit eingestreuten Eichen und Hainbuchen. Am Rande fließt der Mühlenbach und es finden sich auch kleinere Feuchtbereiche und Waldtümpel.

Natürlich befinden wir uns noch im Frühling und fast schon zum Übergang in den Frühsommer. Da waren die Erwartungen auf volle Körbe natürlich nicht sehr hoch. Der Fokus liegt ja schließlich auch auf Lehrwanderung.

Es gab trotzdem einiges zu entdecken und zu lernen – und mit über 30 gefundenen und vor Ort bestimmten und erklärten Pilzarten war die heutige Ausbeute für Ende Mai wirklich nicht schlecht.

Nachfolgend ein paar Eindrücke von diesem schönen Pfingstspaziergang mit sehr netten und interessierten Teilnehmern.

Unsere Wanderung begann am Mühlenbach bei der Plüschower Mühle.
Foto: Christian Boss

 

Gleich zu Beginn wurde etwas auf einem Baumstubben entdeckt.
Foto: Catrin Berseck

 

Es waren vorjährige Exemplare der Geweihförmigen Holzkeule (Xylaria hypoxylon). Das ist ein häufiger Schlauchpilz aus der Familie der Holzkeulenverwandten. Er fällt im Wald besonders durch seine markante, an ein winziges Hirschgeweih erinnernde Form auf.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Buchenfruchtschalen-Holzkeule (Xylaria carpophila) ist auch als Bucheckern-Holzkeule bekannt. Der Pilz (die langen Fäden) wächst als Saprobiont (Folgezersetzer) ausschließlich auf den abfallenden, verrottenden Fruchthüllen (Cupulen) von Bucheckern.
Foto: Catrin Berseck

 

Diese Langstieligen Ahorn-Holzkeulen (Xylaria longipes) wuchsen jedoch ganz frisch. Sie wachsen das ganze Jahr über als Folgezersetzer (Saprobiont) vor allem auf totem Laubholz, mit einer starken Vorliebe für Berg-Ahorn.
Foto: Catrin Berseck

 

Eine faszinierende Eigenschaft der Ahorn-Holzkeule ist ihre Auswirkung auf das befallene Holz. Das Myzel des Pilzes durchzieht das Totholz und hinterlässt nach der Zersetzung feine schwarze Linien im Holz. Dieses dadurch entstehende, markant gemusterte Holz wird in der Holzverarbeitung und im Instrumentenbau als Giraffenholz bezeichnet und ist wegen seiner dekorativen Optik sehr begehrt.
Foto: Catrin Berseck

 

Interesse erregten auch die Blutmilchpilze (Lycogala epidendrum), die trotz des Namens keine echten Pilze, sondern weit verbreitete Schleimpilze (Myxomyzeten) sind, die weltweit auf Totholz vorkommen.
Foto: Catrin Berseck

 

Im jungen Stadium leuchten die Kügelchen auffällig rosa, lachsfarben oder hellorange. Zerdrückt man sie in dieser Phase, tritt eine zähflüssige, rötlich-orange Flüssigkeit aus – die namensgebende „Blutmilch“.
Foto: Christian Boss

 

Ebenfalls ein Schleimpilz ist dieses Fadenkeulchen (Stemonitis sp.). Im unreifen Jugendstadium ist die Masse oft rein weiß, schleimig oder gar rosa. Innerhalb weniger Stunden verwandelt sie sich in die charakteristischen dunklen, holzbraunen bis purpurbraunen fadenartigen Strukturen.
Foto: Christian Boss

 

Die Erdkröte (Bufo bufo) ist die häufigste und größte heimische Krötenart in Mitteleuropa. Als anpassungsfähiger Froschlurch besiedelt sie fast alle Lebensräume von Wäldern über offene Landschaften bis hin zu naturnahen Gärten.
Foto: Christian Boss

 

Erdkröten haben recht kurze Hinterbeine und bewegen sich normalerweise auf allen vieren schreitend, bei Beunruhigung aber auch hüpfend vorwärts. Dieses scheinbar sportliche Exemplar versucht es mit Klimmzügen.
Foto: Jens Hegewald

 

Und dann gab es auch im Uferbereich des Mühlenbachs auf Totholz den ersten Speisepilz. Der Sklerotien-Stielporling (Polyporus tuberaster) wird auch Kleiner Schuppenporling genannt. Er ist ein essbarer Pilz aus der Familie der Stielporlingsverwandten, der für sein unterirdisches Speicherorgan bekannt ist – dem Sklerotium.
Foto: Catrin Berseck

 

Weiter ging es mit Frischpilzen – der Grünblättrige Schwefelkopf (Hypholoma fasciculare) ist ein giftiger und extrem häufiger Blätterpilz in unseren Wäldern. Er wächst fast das ganze Jahr über in dichten Büscheln an totem Laub- und Nadelholz.
Foto: Jens Hegewald

 

Und diese Becherlinge waren heute allgegenwärtig und wir fanden sie in allen Größen und Formen. Buchenwald-Becherling (Peziza arvernensis). Er ist jung deutlich becherförmig und hat einen unebenen, oft fransigen Rand. Die Außenseite ist meist heller gefärbt, wirkt feinkleiig (wie mit kleinen Pusteln übersät) oder samtig.
Foto: Christian Boss

 

Im Alter breitet er sich flach oder wellig-lappig aus. Die Innenseite ist haselnussbraun, ockerbraun oder cremebraun und so wie hier manchmal aderig.
Foto: Catrin Berseck

 

Und hier noch einmal ein wunderschönes Exemplar des Buchenwaldbecherlings.
Foto: Christian Boss

 

Der Scharlachrote Feuerkäfer (Pyrochroa coccinea) ist ein auffällig gefärbtes Insekt, das für den Menschen völlig harmlos und in der Forstwirtschaft als Nützling geschätzt wird. Erwachsene Käfer fressen nur sehr selten. Die Larven des Scharlachroten Feuerkäfers dagegen jagen mit ihren kräftigen Mundwerkzeugen gezielt die Larven von Borkenkäfern und anderen holzzerstörenden Insekten und vertilgen diese. Sie spielen somit eine wichtige Rolle beim biologischen Waldschutz.
Foto: Christian Boss

 

Auch der Waldmistkäfer (Anoplotrupes stercorosus) ist einer der nützlichsten und häufigsten Bewohner unserer heimischen Wälder. Als „Gesundheitspolizei“ befreit er den Waldboden von Kot und Pilzen, belüftet die Erde und schützt das Ökosystem vor Krankheitserregern.
Foto: Christian Boss

 

Blick in das Mühlenholz bei schönstem Sonnenschein.
Foto: Christian Boss

 

Waldfreund-Rüblinge (Gymnopus dryophilus agg.) sind eine der häufigsten und anpassungsfähigsten Pilzarten. Besonders nach ergiebigen Sommerregenschauern schießen sie oft massenhaft aus dem Boden – selbst dann, wenn der restliche Wald völlig pilzleer wirkt. Von pilzleer konnte heute zum Glück keine Rede sein.
Foto: Christian Boss

 

Ebenfalls als Folgezersetzer findet man den Rosablättrigen Helmling (Mycena galericulata) fast das ganze Jahr. Die Lamellen sind weißlich bis hellgrau, die sich im Alter durch das Sporenpulver charakteristisch rosa überlaufen.
Foto: Catrin Berseck

 

Ein Merkmal des Rosablättrigen Helmlings sind die angewachsen Lamellen mit Zwischenlamellen. Am Grund finden wir angedeutete Querlamellen – feine, quer verlaufende Stege oder Adern, die zwei nebeneinanderliegende Lamellen schwach miteinander verbinden.
Foto: Catrin Berseck

 

Der Buchenwald-Wasserfuß (Hydropus subalpinus) ist ein unauffälliger, kleiner Blätterpilz aus der Familie der Wurzelrüblingsverwandten. Er wächst als Folgezersetzer vor allem im Frühling und Sommer auf verrottenden Laubholzresten in Buchenwäldern.
Foto: Christian Boss

 

Ein Merkmal des Buchenwaldwasserfußes ist die weiß-striegelige wurzelnde Stielbasis. An Bruchstellen des Stiels kann eine wässrige Flüssigkeit austreten, was der Gattung den Namen „Wasserfuß“ eingebracht hat.
Foto: Christian Boss

 

Der Buchenwald-Wasserfuß hat ein weiteres gutes in der Praxis anwendbares makroskopisches Merkmal: Wenn man den Hut mit einem Ruck nach oben vom Stiel abzieht, bleibt an der Stielspitze ein auffälliges “Knöpfchen” zurück, wie wir es vom Knopfstieligen Rübling kennen.
Foto: Sylvina Zander

 

Myzel an feucht liegender Eschenrinde – ein feines Geflecht aus fadenförmigen Zellen (Hyphen) eines Pilzes. Während wir meist nur den Fruchtkörper über der Erde als „Pilz“ wahrnehmen, ist das Myzel der eigentliche, lebendige Hauptkörper, der sich über riesige Flächen im Boden oder in organischem Material erstrecken kann.
Foto: Christian Boss

 

Dort fanden wir auch diese Weichbecherlinge (Mollisia sp.), die jedoch nur von Experten mikroskopisch bestimmt werden können.
Foto: Christian Boss

 

Auch diese kleinen Pilze gehören zu Gattung der Weichbecherlinge (Mollisia sp.).
Foto: Christian Boss

 

Wir erreichten dann ein Moorgebiet.
Foto: Jens Hegewald

 

Schon von Weitem leuchteten uns die weißen Blütenstände der Wasserfeder oder Wasserprimel (Hottonia palustris) entgegen.
Foto: Christian Boss

 

Die Wasserfeder ist eine heimische Wasserpflanze mit filigranen Blättern und hübschen weißen Blüten. Die fiederschnittige Blätter wachsen unter der Wasseroberfläche, nur die Blütenstände ragen hervor. Die Pflanze verankert sich im Schlamm mit einem verzweigtem Wurzelsystem.
Foto: Christian Boss

 

Die Buckel-Tramete (Trametes gibbosa) besiedelt gerne Stümpfe und totes Holz von Rotbuchen. Ein sicheres Erkennungsmerkmal auf der Unterseite sind die schlitzförmigen, radial langgestreckten, fast labyrinthartigen Röhrenmündungen sowie die eigentlich weißlich-cremefarbene Oberseite, die fast immer von Grünalgen besiedelt ist.
Foto: Christian Boss

 

Ältere Exemplare des Kastanienbraunen Stielporlings (Picipes badius). Hier sind sehr schön seine namensgebende glänzende rotbraune bis kastanienbraune Hutfarbe zu sehen.
Foto: Chrsitian Boss

 

Auf der Unterseite sieht man hier den markanten kurzen Stiel, der sich von der Basis her zunehmend schwarzbraun bis fast schwarz verfärbt.
Foto: Christian Boss

 

Der Breitblättrige Rübling (Megacollybia platyphylla), auch bekannt als Breitblättriger Holzrübling oder schlicht Breitblatt, ist ein sehr häufiger Blätterpilz, dessen Speisewert stark umstritten ist und der von der DGfM als Giftpilz eingestuft wird.
Foto: Christian Boss

 

Der Hut erreicht einen Durchmesser von bis zu 12 cm. Die Oberfläche ist graubraun, radialfaserig und oft feucht-streifig.
Foto: Christian Boss

 

Der Hut des Breitblättrigen Rüblings ist extrem dünnfleischig – im Volksmund wird der Pilz daher auch als „Haut und Knochen“ bezeichnet.
Foto: Christian Boss

 

Der Admiral (Vanessa atalanta) ist einer der bekanntesten und farbenprächtigsten Wanderfalter und gehört zur Familie der Edelfalter. Seinen Namen verdankt er der charakteristischen Färbung seiner Flügeloberseiten, die mit ihren roten Bändern auf dunklem Grund an historische Marineuniformen erinnert.
Foto: Christian Boss

 

Raupe einer Grasglucke (Euthrix potatoria). Die Raupen sind optisch sehr auffällig, werden bis zu 8 Zentimeter lang und sind stark behaart. Sie sind dunkelgrau bis bläulich gefärbt, haben gelb-orange Seitenstreifen sowie weiße und schwarze Haarbüschel. Der außergewöhnlichen Eigenschaft ihrer Raupen, morgens aktiv Wassertropfen wie Tau vom Gras aufzusaugen, hat der Graglucke auch den Namen „Trinkerin“ eingebracht.
Foto: Christian Boss

 

Und dann fanden wir tatsächlich auch Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis).
Foto: Catrin Berseck

 

Die Stockschwämmchen wachsen fast immer in dichten, großen Büscheln direkt an Baumstümpfen oder liegenden Stämmen. Das wichtigste Merkmal ist die Stielbekleidung. Unterhalb des kleinen Hautrings ist der Stiel deutlich dunkelbraun geschuppt.
Foto: Catrin Berseck

 

Die ersten Täublinge dieses Jahr auf unserer heutigen öffentlichen Wanderung zeigten sich auch schon. Hier sehen wir einen Täubling aus Täublinge der Sektion griseinae. Pilze dieser Sektion sind makroskopisch (mit bloßem Auge) extrem schwer voneinander unterscheidbar.
Foto: Christian Boss

 

Täublinge (Russula) gehören mit weltweit rund 750 Arten zu den artenreichsten Pilzgattungen überhaupt und zeichnen sich durch ihr sprödes, kreideartiges Fleisch aus.
Foto: Christian Boss


Die Artenliste aus dem Mühenholz südwestlich der Plüschower Mühle – MTB: 2133/412 SO – Grevesmühlen:

Vorauseilender Ackerling (Agrocybe praecox), Birnen-Stäubling – alte FK (Apioperdon pyriforme), Buchen-Rindenschorf (Ascodichaena rugosa), Tintenstrichpilz (Bispora antennata), Angebrannter Rauchporling (Bjerkandera adusta), Eichen-Wirrling (Daedalea quercina), Scharbockskraut-Brandpilz (Entyloma ficariae), Zunderschwamm (Fomes fomentarius), Waldfreund-Rübling (Gymnopus dryophilus agg.), Buchenwald-Wasserfuß (Hydropus subalpinus), Grünblättriger Schwefelkopf (Hypholoma fasciculare), Brandkrustenpilz (Kretzschmaria deusta), Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis), Blutmilchpilz (Lycogala epidendrum), Breitblättriger Rübling (Megacollybia platyphylla), Rosablättriger Helmling (Mycena galericulata), Buchenwald-Becherling (Peziza arvenensis), Kastanienbrauner Stielporling (Picipes badius), Sklerotienporling (Polyporus tuberaster), Striegeliger Schichtpilz (Stereum hirsutum), Buckeltramete (Trametes gibbosa), Schmetterlingstramete (Trametes versicolor), Buchenfruchtschalen-Holzkeule (Xylaria carpophila), Geweihförmige Holzkeule (Xylaria hypoxylon), Langgestielte Ahorn-Holzkeule (Xylaria longipes)


Wann startet die nächste Lehrwanderung? Siehe unter Termine!


 

20.05.2026 – MTB 2236/4 im LSG Obere Seen bei Sternberg

Mittwochsexkursion

Messtischblatt Sternberg

20. Mai 2026

Auch für Pilz- und Naturinteressierte Gäste

Im MTB 2236/4 – bei Sternberg

Blick in die Landschaft der Oberen Seen bei Sternberg.
Foto: Christian Boss


Diese Hinweistafel ließ Christians Herz gleich zu Beginn unserer Wanderung höher schlagen… Schließlich gilt sein Interesse nicht nur den Pilzen, sondern auch den Schmetterlingen und Nachtfaltern.
Foto: Catrin Berseck

Heute war der 4. und letzte Quadrant des Messtischblattes 2236 an der Reihe. Der vorherige 3. Quadrant fiel aufgrund der Wetterlage aus und wird demnächst nachgeholt…

Das heutige Exkursionsgebiet erstreckt sich von Weitendorf bis zur namensgebenden Kleinstadt Sternberg.

Infrage kamen als Exkursionsgebiet der Sültener Forst nördlich von Sülten und Sagsdorf mit dem „Verschwundenen See“ oder die heideartige Fläche beim Oberen See westlich von Sternberg im Landschaftsschutzgebiet Obere Seen, dass zugleich zum Naturpark Sternberger Seenland sowie dem mittleren Warnowtal zählt. 

Da heute nur Christian Zeit hatte, haben wir uns ganz unproblematisch für die Heidelandschaft als Exkursionsgebiet entschieden.

Es ist ein eiszeitlich geprägtes Endmoränengebiet und umfasst den Oberen See, den Wustrowsee sowie das Wendfeld. Das Gebiet zeichnet sich durch seine reizvolle hügelige Landschaft und seine Artenvielfalt aus: Ginsterheiden, nährstoffarme Sandgrünländer, Feuchtwiesen und naturnahe Mischwälder.

Und wir hatten heute Glück mit dem Wetter. Genau zwischen 2 Regengebieten fand unsere heutige Exkursion bei frühsommerlichen Temperaturen und Sonnenschein statt.

Hier ein paar Eindrücke für euch – auch mal wieder über den „Tellerrand“ geschaut und neben den Pilzen ein paar andere interessante Funde.

Catrin (Text, Fotoauswahl und -beschriftung, Artenliste)


Diese zum Abtransport gelagerten Holzstämme „dampfen“ nach dem vorherigen Regenschauer in der Sonne.
Foto: Christian Boss

 

Christian ist es endlich gelungen, ein Weibchen (links) und Männchen (rechts) des Aurorafalters zusammen auf ein Foto zu bekommen. Während Männchen an den Vorderflügeln eine auffällig orangefarbene Stelle besitzen, sind die Flügel der Weibchen rein weiß.
Foto: Christian Boss

 

Aurorafalter fliegen hauptsächlich Kreuzblütler – wie hier die Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata) an.
Foto: Christian Boss

 

Aber auch die ersten Pilze zeigten sich – wenn auch „nur“ ein Brandpilz…
Der Scharbockskraut-Fleckenbrand (Entyloma ficariae) zeigt sich durch helle, blasse Flecken auf den Blättern, die sich später gelblich bis bräunlich verfärben. Der Pilz gehört zu den Brandpilzen.
Foto: Christian Boss

 

Aber es ging weiter mit „richtigen“ Pilzen mit Hut und Stiel.
Grünblättrige Schwefelköpfe (Hypholoma fasciculare).
Foto: Christian Boss

 

Glimmertintlinge (Coprinellus micaceus agg.).
Foto: Catrin Berseck

 

Eines der Samthäubchen (Conocybe sp.). Samthäubchen sind nur mikroskopisch bestimmbar, da sie mit über 100 Arten und Varietäten auftreten.
Foto: Christian Boss

 

Der Stiel der Samthäubchen ist sehr dünn, zerbrechlich und hohl. Häufig ist er längsstreifig oder fein bepudert. Die Lamellen sind angeheftet bis frei und erst ockerlich und bei Sporenreife meist blass rostbraun gefärbt. Die Lamellenschneiden sind blasser, oft flockig und gezähnelt bis schartig.
Foto: Christian Boss

 

Der Striegelige Schichtpilz (Stereum hirsutum) ist einer der häufigsten und weitverbreitetsten holzbewohnenden Pilze in hiesigen Wäldern. Erwächst das ganze Jahr über als ungenießbarer Zersetzer auf totem Laubholz. Die Hutoberseite ist zottig, striegelig behaart, gelborange bis graugelb gefärbt, oft konzentrisch gezont.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Wuchsform des Striegeligen Schichtpilzes ist effus-reflex, das heißt, er liegt flach auf dem Holz auf und bildet wellige, dachziegelartig abstehende Hutkanten.
Foto: Catrin Berseck

 

 

Mitten auf einer Wiese diese imposante Birke.
Foto: Christian Boss

 

Und allerlei schöne Fotomotive…
Die einzelnen Samen der Pusteblume (Taraxacum officinale) besitzen einen kleinen Haarschirm (Pappus). Dieser wirkt wie ein Fallschirm und trägt den Samen mit dem Wind kilometerweit fort.
Foto: Catrin Berseck

 

Fünfpunkt-Marienkäfer (Coccinella quinquepunctata) ist eine heimische Käferart aus der Familie der Marienkäfer. Er sieht dem bekannten Siebenpunkt-Marienkäfer sehr ähnlich, unterscheidet sich von diesem jedoch vor allem durch seine geringere Körpergröße und die Anzahl der charakteristischen Punkte.
Foto: Catrin Berseck

 

Das Kleine Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus), auch bekannt als Kleiner Heufalter, ist einer der am weitesten verbreiteten Tagfalter in Deutschland und Europa. Der Falter hält seine Flügel im Sitzen fast immer strikt geschlossen. Seine orangefarbene Oberseite ist daher meistens nur im Flug kurz zu sehen.
Foto: Christian Boss

 

Obwohl scheinbar auf der Wiese gewachsen, ist der Rehbraune Dachpilz (Pluteus cervinus agg.) ein klassischer Folgezersetzer (Saprophyt), der fast ausschließlich auf totem Holz wächst. Bei trockener Witterung reist die Huthaut gerne auf.
Foto: Christian Boss

 

Der Stiel des Rehbraunen Dachpilzes ist faserig, weißlich mit graubraunen Längsfasern – die Lamellen ind vollkommen frei, berühren den Stiel also nicht.
Foto: Christian Boss

 

Für das nachfolgende Foto ist Christian gerne zum Seeufer des Bürgermeistersees gegangen…
Foto: Catrin Berseck

 

Der Zunderschwamm (Fomes fomentarius) bildet mehrjährige, konsolenförmige Fruchtkörper, die bis zu 30 Jahre alt werden können. Mit zunehmendem Alter und bei Verbrauch des besiedelten Substrates wird der jährliche Zuwachs geringer, so dass relativ hohe, hutförmige Fruchtkörper entstehen.
Foto: Christian Boss

 

Dieses Boot nutzten wir dann als „Fähre“ für eine Abkürzung, um über den Flusslauf zwischen Bürgermeistersee und Wustrowsee zu kommen.
Foto: Christian Boss

 

Dafür landeten wir dann in diesem von Wildschweinen durchwühlten unwegsamen Gelände.
Foto: Christian Boss

 

Wir kamen dann in ein Gebiet mit Trockenrasen und hatten hier ganz tolle Funde.
Der Raustielige Ackerling (Agrocybe pediades) – auch bekannt als Halbkugeliger Ackerling oder Trockener Ackerling – ist eine weit verbreitete Pilzart aus der Familie der Träuschlingsverwandten.
Foto: Christian Boss

 

Die Lamellen des Ackerling sind jung hell graubraun, verfärben sich mit zunehmender Sporenreife milchkaffee- bis rostbraun. Sie sind breit am Stiel angewachsen.
Foto: Christian Boss

 

Der Ampfer-Purpurspanner (Lythria cruentaria) ist ein kleiner, auffällig gefärbter Schmetterling aus der Familie der Spanner (Geometridae). Obwohl er biologisch zu den Nachtfaltern gehört, ist er strikt tagaktiv und fliegt meist im Sonnenschein. Durch den Rückgang von unberührten Sandmagerrasen ist die Art vielerorts bedroht. In Bundesländern wie Bayern und Thüringen steht er bereits als „vom Aussterben bedroht“ auf der Roten Liste.
Foto: Christian Boss

 

Der Kleine Kohlweißling (Pieris rapae) ist einer der häufigsten Tagfalter Mitteleuropas. Während der erwachsene Schmetterling als nützlicher Bestäuber gilt, sind seine Raupen gefürchtete Schädlinge im Gemüsebeet, da sie sich mit Vorliebe durch Kohlgewächse fressen.
Foto: Christian Boss

 

Die Heide-Feldwespe (Polistes nimpha) ist eine geschützte, friedliche Faltenwespe, die für ihre freihängenden, hüllenlosen Papiernester bekannt ist, die sie aus verwitterten Holz- und Pflanzenfasern baut. Das Nest besteht aus einer einzigen, offenen Wabe ohne Außenhülle. Die Wespen können die Nesttemperatur regulieren, indem sie bei großer Hitze die Waben mit Wasser ‚bespucken‘ und danach die Waben befächeln, damit das Wasser verdunstet.
Foto: Christian Boss

 

Kennzeichen der Heide-Feldwesepe ist eine schwarze Zeichnung auf dem meist gelben Kopfschild, die in der Mitte einen schwarzen Fleck unterschiedlicher Größe aufweist, so dass auch ein dicker schwarzer Querstreifen vorhanden sein kann. Die Fühler sind gelb oder orangefarben und tragen schwarze Einfärbungen. Ein ganzes Volk umfasst meist nur kleine Gruppen von 20 bis 40 Tieren.
Foto: Christian Boss

 

Das Gelblichweiße Ruhrkraut (Pseudognaphalium luteoalbum) ist eine wärmeliebende, einjährige Pflanze aus der Familie der Korbblütengewächse. Es zeichnet sich durch einen dichten, weißfilzigen Flaum aus. Die seltene Art gilt als extrem trockenheitsresistent und ist ein wahrer Überlebenskünstler. Das Ruhrkraut wurde früher als Heilmittel gegen die Ruhr, eine bakterielle Darmerkrankung, eingesetzt. In Deutschland steht die Art auf der Roten Liste und ist vielerorts stark gefährdet.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Rentierflechten (Cladonia sp.) bilden dichte, stark verzweigte, moosähnliche Polster mit hohlen Stämmchen ohne Blättchen.
Sie bevorzugt lichtreiche Standorte auf kargen, sauren und nährstoffarmen Böden.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Rentierflechten wachsen extrem langsam – nur etwa 3 bis 11 Millimeter pro Jahr – die Regeneration zerstörter Bestände dauert Jahrzehnte.
Foto: Catrin Berseck

 

Kiefern sind „einhäusig“. Das bedeutet, jeder einzelne Baum trägt sowohl männliche als auch weibliche Blüten. Hier sehen wir einen Zweig der Waldkiefer mit weiblichen Blüten oben an den Triebspitzen und einem jungen weiblichen Zapfen (links).Die männlichen Blüten entstehen zahlreich um die Basis der jüngsten Langtriebe und sind unten im Bild zu sehen.
Foto: Catrin Berseck

 

Auf Magerwiesen oder Trockenrasen wächst der Hasenstäubling (Lycoperdon utriforme).
Foto: Christian Boss

 

Als Saprobiont (Totholzzersetzer) auf abgestorbenen Ästen und Stämmen von Laubgehölzen wächst der Stoppelige Drüsling (Exidia glandulosa). Die dem Holz abgewandte Oberseite besitzt winzige, drüsige Wärzchen oder feine „Stoppeln“. Diese gaben dem Pilz seinen Namen.
Foto: Catrin Berseck

 

Reinhold sagte immer: Das Beste kommt zum Schluss… Für mich ein Erstfund und tatsächlich das „Beste“. Auch hier handelt es sich um einen Pilz. Der Traubenkirschen-Wucherling ist ein parasitärer Schlauchpilz (Taphrina farlowii), der typischerweise an der Späten Traubenkirsche (Prunus serotina) vorkommt. Es handelt sich hierbei um einen aus Nordamerika eingeschleppten Pilz, der sich aktuell in Ausbreitung befindet.
Foto: Christian Boss

 

Die Blätter zeigen blasige Auftreibungen und verfärben sich oft rötlich oder gelblich. Die befallenen Pflanzenteile sind in ihrer Struktur verändert, was das typische namesgebende „wuchernde“ Aussehen erklärt.
Foto: Christian Boss


Die Artenliste im LSG Obere Seen – MTB 2236/443 SO – Sternberg:

Halbkugeliger Ackerling (Agrocybe pediades), Scharbockskraut-Fleckenbrand (Entyloma ficariae), Warziger Drüsling (Exidia nigricans), Zunderschwamm (Fomes fomentarius), Grünblättriger Schwefelkopf (Hypholoma fasciculare), Mai-Stielporling (Lentinus substrictus), Zugespitzter Kugelpilz (Leptosphaeria acuta), Kiefernnadel-Spaltlippe (Lophodermium pinastri), Hasenstäubling (Lycoperdon utriforme), Birkenporling (Piptoporus betulinus), Rehbrauner Dachpilz (Pluteus cervinus agg.), Ahorn-Runzelschorf (Rhytisma acerinum), Striegeliger Schichtpilz (Stereum hirsutum), Traubenkirschen-Wucherling (Taphrina farlowii), Buckelige Tramete (Trametes gibbosa)


Wann startet die nächste Lehrwanderung? Siehe unter Termine!


 

10.05.2026 – Öffentliche Wanderung Wiligrad – Gallentin

Öffentliche Pilzlehrwanderung

Pilzwandern im Jahr des Igelstachelbartes

Am Schweriner See bei Wiligrad / Gallentin

Sonntag, 10.05.2026

Schloss Wiligrad


Unsere heutige Öffentliche Pilzwanderung führt uns an den Schweriner See. Die Route zählt zu unseren traditionsreichsten Strecken, da wir sie im Laufe der Jahrzehnte schon oft abgewandert sind. Meist auf der Suche nach Morcheln, mit mehr oder weniger großem Erfolg.

5 Teilnehmer trafen sich um 13.00 Uhr auf dem Parkplatz bei Schloss Wiligrad. Von dort wanderten wir erst durch den Schlosspark auf der Suche nach Maipilzen, die sich aber leider nicht blicken ließen.

Anschließend ging es am Seeufer des Schweriner Sees bis nach Gallentin, wo wir vorab ein Auto für die Rückfahrt nach Wiligrad geparkt hatten. Bei angenehmem Frühlingswetter hatten wir eine schöne Wanderung und konnten einiges entdecken und erklären.

Auch die Pilzkörbe der Teilnehmer waren zum Schluss der Wanderung gut gefüllt mit Schuppigen und Sklerotienporlingen sowie allerhand Wildkräuern.

Hier ein paar Eindrücke von dieser Wanderung.

Catrin

Rhododrenblüten. Über 1.000 Rhododendren wurden bei der Parkrestaurierung in Wilgrad neu gepflanzt. Da führte mich auf dem Parkplatz gleich mein erster Weg hin.
Foto: Catrin Berseck

 

Bei diesem schwarzen, stacheligen oder pelzigen Belag auf toten Rhododrenknospen handelt es sich um einen Pilz. Es ist der Rhododendronknospen-Fresserpilz (Seifertia azaleae). Im September/Oktober ritzt die Rhododendronzikade die Knospenschuppen an, um ihre Eier abzulegen. Diese Wunden dienen als Eintrittspforte für den parasitischen Schlauchpilz.
Foto: Catrin Berseck

 

Weiter geht es über die Wiesen des Schlossparkes auf der Suche nach Maipilzen – leider heute erfolglos.
Foto: Catrin Berseck

 

In den ungemähten Wiesen im Schlosspark leuchtete mit den himmelblauen Blüten der Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys), auch als „Männertreu“ oder „Wildes Vergissmeinnicht“ bekannt. Diese weitverbreitete heimische Wildstaude ist eine wertvolle Nahrungsquelle für über 27 Wildbienenarten, Schmetterlinge wie den gefährdeten Maivogel und verschiedene Fliegenarten. Die Blüten und jungen Blätter sind ungiftig und können als Dekoration in Salaten, Kräuterquark oder Suppen verwendet werden.
Foto: Catrin Berseck

 

Anschließend ging es die Treppen vom Schlosspark zum Seeufer herab.
Foto: Catrin Berseck

 

Am Seeufer finden wir diesen Grenzstein inkl. Wappen der Familie von Both – einem mecklenburgischem Uradelsgeschlecht, das im 13. Jahrhundert über Holstein nach Mecklenburg kam. Insbesondere im Klützer Winkel und im Raum um Wismar ließ das Geschlecht sich nieder und brachte im Verlauf der Jahrhunderte erheblichen Besitz und Macht an sich, bevor es dann Ende des 19. Jahrhunderts an Bedeutung verlor.
Foto: Catrin Berseck

 

Und dann zeigte sich auch schon der erste „Frischpilz“ – ein von der Trockenheit gezeichneter Rehbrauner Dachpilz (Pluteus cervinus agg.).
Foto: Catrin Berseck

 

Junger Zunderschwamm (Fomes fomentarius). Er befällt geschwächte Laubbäume, vor allem Buchen (Fagus) und Birken (Betula), und bildet an den Stämmen dicke, invers konsolenförmige Fruchtkörper.
Foto: Catrin Berseck

 

Hier sehen wir das weiße Sporenpulver eines etwas älteren Zunderschwammes sowohl auf seinem Hut als auch dem Efeu.
Foto: Catrin Berseck

 

Ein weiterer häufiger Pilz, den wir an Totholz finden, ist der Rotrandige Baumschwamm (Fomitopsis pinicola). Die frische Zuwachszone ist erst weißlich-gelb und verfärbt sich dann kräftig orange-rot.
Foto: Catrin Berseck

 

Der Rotrandige Baumschwamm zeigt häufig Guttationstropfen, eine Ausscheidung überschüssigen Wassers, das meist aus den Poren junger Fruchtkörper glitzert. Diese Tropfen sind meist glasklar und helfen dem Pilz, seinen Wasserhaushalt auszugleichen.
Foto: Catrin Berseck

 

Blühende Mahonie mit Mahonienrost (Cumminsiella mirabilissima) auf den Blättern. Er zeigt sich typischerweise durch auffällige gelbe, rote oder braune Flecken auf den Blattoberseiten und staubige Sporenlager auf den Blattunterseiten.
Foto: Catrin Berseck

 

Ein weiterer Rostpilz – der Scharbockskraut-Rost (Uromyces ficariae). Er bildet dunkelbraune, pulverige Sporenlager (Sori) auf Blättern und Stielen des Scharbockskrautes (Ranunculus ficaria). Der Befall zeigt sich von April bis Mai als braune Flecken und deformierte Pflanzenteile.
Foto: Catrin Berseck

 

Weiter geht es am Seeufer des Schweriner Sees in Richtung Gallentin.
Foto: Catrin Berseck

 

Und dann tauchten die ersten Schuppigen Porling (Cerioporus squamosus) auf – einer der größten und auffälligsten Baumpilze. Ein sehr typisches Merkmal ist der intensive Geruch, der an Gurken oder frisches Mehl erinnert.
Foto: Catrin Berseck

 

Auch dieser junge Schuppige Porling „schwitzt“ und hat perlenartige Guttationstropfen. Besonders häufig ist das im Mai und Juni zu beobachten, wenn die Fruchtkörper frisch austreiben und noch saftig-weich sind.
Foto: Catrin Berseck

 

Der Sklerotienporling (Polyporus tuberaster) sieht dem Schuppigen Porling sehr ähnlich. Er ist jedoch deutlich kleiner, hat feinere Schuppen und oft einen welligen und flatterigen Rand.
Foto: Catrin Berseck

 

Weitere Unterscheidungsmerkmale zum Schuppigen Porling sind der Stiel und Geruch. Der Sklerotienporling ist fast immer zentral gestielt und hat einen angenehmen, pilzartigen Geruch.
Foto: Catrin Berseck

 

Hier noch einmal sehr dunkel gefärbte Exemplare des Schuppigen Porlings.
Foto: Catrin Berseck

 

Kastanienbraune Stielporlinge (Picipes badius) sind ebenfalls weit verbreitete Holzbewohner.
Foto: Catrin Berseck

 

Bei diesem jungen Exemplar sehen wir in der Mitte bereits die namesgebende Verfärbung glänzende rotbraune bis kastanienbraune des Hutes.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Poren des Kastanienbraunen Stielporlings sind extrem fein und weißlich bis cremefarben, wobei sie am Stiel herablaufen.
Foto: Catrin Berseck

 

Dann endlich Pilze mit Hut und Stiel. Gemeine Glimmertintlinge (Coprinellus micaceus agg.) sind weit verbreitete Pilz aus der Familie der Mürblingsverwandten. Sie sind vor allem für die silbrigen, glitzernden Schüppchen auf dem Hut bekannt, die ihnen den Namen geben.
Foto: Catrin Berseck

 

Wir haben fast unseren Zielort erreicht -Hinweistafel kurz vor Gallentin.
Foto: Catrin Berseck

 

Im Mai kann man durchaus schon Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis) finden. Diese Exemplare waren allerdings bereits vertrocknet.
Foto: Catrin Berseck

 

Auch diese Champignons (Agaricus sp.) am Gallentiner Seeufer haben massive Trockenschäden.
Foto: Catrin Berseck


Die Artenliste vom nordwestlichen Uferbereich des Schweriner Sees zwischen Wiligrad und Gallentin – MTB 2234/411 SO – Bad Kleinen:

Judasohr (Auricularia auricula-judae), Münzenförmige Kohlenbeere (Biscogniauxia nummularia), Tintenstrichpilz (Bispora antennata), Angebrannter Rauchporling (Bjerkandera adusta), Orangerotes Brennnesselbecherchen (Calloria neglecta), Riesenbovist – alter FK (Calvatia gigantea), Mahonienrost (Cumminsiella mirabilissima), Zunderschwamm (Fomes fomentarius), Rotrandiger Baumschwamm (Fomitopsis pinicola), Flacher Lackporling (Ganoderma applanatum), Grünblättriger Schwefelkopf (Hypholoma fasciculare), Laubholzharzporling (Ischnoderma resinosum), Brandkrustenpilz (Kretzschmaria deusta), Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis), Speisenorchel – alter FK (Morchella esculenta), Brombeerrost (Phragnidium violaceum), Kastanienbrauner Stielporling (Picipes badius), Rehbrauner Dachpilz (Pluteus cervinus agg.), Löwengelber Schwarzfußporling (Polyporus leptocephalus), Schuppiger Porling (Polyporus squamosus), Sklerotienporling (Polyporus tuberaster), Rhododendronknospen-Fresserpilz (Pycnostysanus azaleae), Gemeiner Spaltblättling (Schizophyllum commune), Buckeltramete (Trametes gibbosa), Striegelige Tramete (Trametes hirsuta), Schmetterlingstramete (Trametes versicolor), Rostpilz an Scharbockskraut (Uromyces ficariae)


Wann startet die nächste Lehrwanderung? Siehe unter Termine!


 

01.05. bis 03.05.2026 – Frühjahrsseminar in Elmenhorst

Ein Pilzwochenende in Mecklenburg

Pilzseminar im Jahr des Igelstachelbartes

01.05. bis 03.05.202

Frühjahrsseminar in Elmenhorst

Willkommensgruß
Foto: Beatrice Seidel


Freitag, 01.05.2026 (Feiertag):

Foto: Beatrice Seidel

Es war endlich wieder soweit! Unser diesjähriges Frühjahrsseminar fand vom 01. – 03. Mai 2026 in Elmenhorst zwischen Lübeck und Boltenhagen nahe der Ostsee im Klützer Winkel – also im westlichen Zipfel von Nordwest-Mecklenburg – statt.

Wir haben dafür die Pension und einen Teil der Ferienwohnungen in der Ferienkooperative Elme und Horst in Elmenhorst-Kalkhorst gebucht. Uns standen dort die Pension und ein Teil der Ferienwohnungen mit überwiegend Doppelzimmern zur Verfügung.

Am Freitag reisten die Teilnehmer dann bis 15 Uhr an. Nicht nur aus unserem Bundesland – auch aus dem benachbarten Schleswig-Holstein und Berlin. 

Zuerst wurden die Zimmer verteilt und bezogen. Alte Bekannte wurden begrüßt – neue Teilnehmer kennen gelernt.

Catrin (Text, Fotoauswahl und -beschriftung, Artenliste)

 

In der von uns gemieteten Pension befinden sich überall solche gemütlich eingerichteten Sitzecken.
Foto: Beatrice Seidel

 

Einzug in die Quartiere und Blick in das Wohnzimmer einer Ferienwohnung für 4 Personen mit noch 2 Schlafzimmern, Küche und Bad.
Foto: Astrid Rupprecht

 

Nach der Anreise der Teilnehmer versammelten sich erst einmal alle Ankömmlinge so nach und nach bei schönstem Wetter auf der Terrasse zu Kaffee und Kuchen.
Foto: Beatrice Seidel

 

Anschließend ging es für alle Interessierten zur Vorbereitung unseres Färbeseminars.
Foto: Jürgen Samland

 

Zum Färben mit Pilzen sind Naturfasern geeigent – in diesem Fall ist es auf Stränge gewickelte bereits entfettete Lammwolle.
Foto: Christian Boss

 

Saskia hat aber auch Wolle von Schafen zum Färben mitgebracht.
Foto: Beatrice Seidel

 

Um gute, haltbare Färbeergebnisse auf Protein-Fasern (wie z.B. Schafwolle) zu erzeugen, müssen Garne oder Stoffe vor der Färbung gebeizt werden – das heißt, sie werden mit Alaun vorbehandelt. Dadurch werden die Fasern auf die Färbung vorbereitet und können dann eine haltbare Verbindung mit den Farbpigmenten eingehen.
Foto: Beatrice Seidel

 

Hier einige der vorab gesammelten und getrockenten Pilze, mit denen wir färben wollten. Samtfußkremplinge, Zimtfarbener Weichporling, Nadelholzbraunporling und Blutrote Hautköpfe (nicht im Bild).
Foto: Beatrice Seidel

 

Anschließend wurden die Pilze vorbereitet. Hier sehen wir getrocknete Zimtfarbene Weichporlinge, die mindestens eine Stunde in Wasser (Regenwasser) – oder wie bei uns – über Nacht eingeweicht werden.
Foto: Beatrice Seidel

 

Unsere Vorbereitungen für das Färben waren jetzt abgeschlossen. Aufgrund des schönen Wetters gab es eine kleine Planänderung und wir gingen in der Nähe des Objektes auf unsere erste kleine Exkursion.
Foto: Phillip Buchfink

 

Einige gingen auf einem Feldweg entlang und suchten die Hecken nach Pilzen ab.
Foto: Astrid Rupprecht

 

In den Hecken fanden wir massenweise Gefleckten Aronstab (Arum maculatum). Das ist eine Gattung ausdauernder krautiger Pflanzen, die vor allem für ihre außergewöhnliche Blütenform, ihre starke Giftigkeit und als Morchelanzeiger bekannt ist.
Foto: Julia Richardt

 

Morcheln haben wir nicht gefunden. Dafür aber den Weißwurz-Glanzgrasrost (Puccinia sesselis). Er befällt Liliengewächse wie den Gefleckten Aronstab und führt dann einen Wirtswechsel zu Glanzgras (Phalaris) durch. Hier sehen wir die becherförmigen orangenen Aezien des Rostpilzes auf der Blattunterseite.
Foto: Beatrice Seidel

 

Die Vierblättrige Einbeere (Paris quadrifolia) ist eine auffällige, ebenfalls stark giftige Waldpflanze. Sie wurde zur Blume des Jahres 2022 gewählt, um auf den Schutz naturnaher Laubmischwälder aufmerksam zu machen.
Foto: Christian Petzka

 

Christian als unser Experte für Bäume erklärt uns hier noch einmal, wie man eine Traubeneiche von einer Stieleiche unterscheidet.
Foto: Julia Richardt

 

3 kleine „Kräuterhexen“: Bea, Gerlinde und Martina beim Pflanzen bestimmen.
Foto: Phillip Buchfink

 

Die zweite Gruppe ging einen anderen Weg. Jürgen und Christian auf der Suche nach Pilzen an einem kleinen Bachlauf.
Foto: Phillip Buchfink

 

Auch Bernd ist fleißig beim Pilze suchen.
Foto: Phillip Buchfink

 

Ein paar „Frischpilze“ gab es auch am Wegrand. Hier vertrocknete Faserlinge (Psathyrella sp.).
Foto: Christian Petzka

 

Nach unserer Rückkehr vom Spaziergang gab es erst einmal Abendbrot, bevor Phillip mit seinem Vortrag zu den gefährlichsten Giftpilzen Mitteleuropas begann.
Foto: Beatrice Seidel

 

Alle hören gebannt zu.
Foto: Catrin Berseck

 

Eine schwierig zu bestimmende Gattung sind z.B. die Schleierlinge, in der es kaum Speisepilze – dafür aber tödlich giftige Arten gibt.
Foto: Beatrice Seidel

 

Anschließend wurde durch die Teilnehmer eine kleine Pilzausstellung mit mitgebrachten und auf der Kurzwanderung gefundenen Pilzen aufgebaut.
Foto: Beatrice Seidel

 

Auch mitgebrachte Speisemorcheln und Maipilze waren dabei.
Foto: Beatrice Seidel

 

Den weiteren Abend verbrachte dann alle nach Lust und Laune – z.B. gemütlich bei einem Glas Wein und einem Plausch.
Foto: Beatrice Seidel

 

Phillip mikroskopierte seine heute gefundenen Pilze. Wer Interesse hatte, konnte mal durch die Stereolupe oder das Mikroskop sehen.
Foto: Beatrice Seidel

 

Auch Catrin setzte sich an´s Mikroskop und bestimmte hier ihre mitgebrachten Scharbockskraut-Becherlinge (Sclerotinia binucleata). Hannah war fasziniert von Catrin’s Stereolupe und begeistert, was man alles so bei starker Vergrößerung entdecken.
Foto: Beatrice Seidel

 

Hannah machte dann für Phillip Fotos durch die Stereolupe von seinen mitgebrachten Winzlingen. Hier sehen wir das Bartlose Nagelbecherchen (Hymenoscyphus imberbis), auch als Bartloses Stängelbecherchen bekannt.
Bestimmung: Phillip Buchfink
Foto: Hannah Buchfink

 

Das Weiße Haarbecherchen (Lachnum virgineum), auch als Gemeines Jungfern-Weißhaarbecherchen oder im Englischen als Snowy Disco bekannt, ist ein winziger, schneeweißer Schlauchpilz. Er gehört zur Familie der Lachnaceae und ist einer der häufigsten Vertreter seiner Gattung in Europa.
Bestimmung: Phillip Buchfink
Foto: Hannah Buchfink

 

Nach dem Sonnenuntergang widmete sich Christian einem seiner weiteren Hobbys und baute seinen „Leuchtturm“ auf. Dieser dient dazu, Nachtfalter anzulocken, sie zu fotografieren und zu bestimmen, um Bestände zu untersuchen und Artenvielfalt zu dokumentieren.
Foto: Christian Boss

 

Pünktlich zum 1. Mai fanden sich die Maikäfer am Leuchttrum ein. Hier sehen wir ein männliches Exemplar des Feldmaikäfers (Melolontha melolontha) – zu erkennen an den 7 Fühlerblättchen (Weibchen haben nur 6).
Foto: Christian Boss

 

Die Gothica-Kätzcheneule (Orthosia gothica) ist ein häufig vorkommender Nachtfalter aus der Familie der Eulenfalter. Sie gehört zu den sogenannten „Frühlingseulen“, da sie bereits ab März bis Mai fliegt und oft in der Dämmerung an den namensgebenden Weidenkätzchen beim Saugen von Nektar beobachtet werden kann.
Foto: Christian Boss

 

Der Palpen-Zahnspinner (Pterostoma palpina), auch als Schnauzenspinner bekannt, ist ein in Mitteleuropa weit verbreiteter Nachtfalter aus der Familie der Zahnspinner. Seinen Namen verdankt er den auffällig verlängerten, buschig behaarten Kiefertastern (Palpen), die wie eine „Schnauze“ nach vorne ragen.
Foto: Christian Boss


Die Artenliste aus Elmenhorst auf dem Gelände und südlich der Pension Elme und Horst im MTB 2032/211 NO:

Haustintling (Coprinellus domesticus agg.), Faltentintling (Coprinopsis atramantera), Bartloses Nagelbecherchen (Hymenoscyphus imberbis), Weißes Haarbecherchen (Lachnum virgeneum), Schwefelporling – alter FK (Laetiporus sulphureus), Früher Faserling (Psathyrella spadiceogriseae), Weißwurz-Glanzgrasrost (Puccinia sesselis), Schmetterlingstramete (Trametes versicolor), Brauner Scharbockskrautrost (Uromyces ficariae)


Sonnabend, 02.05.2026:

Blick vom Radwanderweg auf die Ostsee.
Foto: Jürgen Samland

Heute ging es nach dem Frühstück zu unserer Tages-Exkursion an die Ostsee. Wir hatten uns dazu im Vorfeld den ca. 7,5 km langen Ostseeküstenradweg entlang der Steilküste an der Lübecker Bucht zwischen Brook und Steinbeck ausgesucht.

Dazu mussten erst einmal ein paar Autos auf den Parkplatz nach Steinbeck gebracht werden, um die Rücktour mit dem PKW machen zu können. Anschließend begannen wir gegen 10 Uhr vom Strandparkplatz in Brook unsere fast 6 stündige „Morchel-Wanderung“ nach Steinbeck bei schönstem Sonnenschein in einer malerischen Landschaft direkt im Uferbereich der Ostsee.

Nach dem Abendbrot ging es dann mit Dr. Saskia Görgler mit dem Pilze färben weiter. Den Abend ließen dann alle völlig entspannt und gemütlich auf der Terrasse bei netten Gesprächen und kühlen Getränken ausklingen. Unser „Nachtfalter“ Christian Boss beschäftigte sich nach Einbruch der Dunkelheit natürlich wieder mit selbigen.

Aber seht selbst…

Catrin (Text, Fotoauswahl und -beschriftung, Artenliste)

 

Fast pünktlich um 10.00 Uhr erfolgte der Aufbruch vom Parkplatz in Brook in Richtung Strand.
Foto: Beatrice Seidel

 

Links und rechts des Weges wird nebenbei schon mal Ausschau nach den ersten Pilzen gehalten.
Foto: Beatrice Seidel

 

Und die ließen auf dem am Wegrand unter Eschen wachsenden Aronstab nicht lange auf sich warten – Aronstab-Rost (Puccinia sessilis).
Foto: Jürgen Samland

 

Blick zum Strandaufgang bei Brook.
Foto: Jürgen Samland

 

Diese kleine Waldmaus hielt Christian im Foto fest…
Foto: Christian Boss

 

… während sich die anderen neben dem Strandaufgang ins Gebüsch schlugen. Mit Blick nach oben, um Eschen ausfindig zu machen und Blick nach unten, um…
Foto: Julia Richardt

 

… wie die beiden „Jürgens“, Morcheln zu finden.
Foto: Beatrice Seidel

 

Eine von mehreren Speisemorcheln (Morchella esculenta) gleich zu Beginn unserer Wanderung.
Foto: Jens Hegewald

 

Mehrere sehr schöne Exemplare konnten wir dort finden.
Foto Julia Richardt

 

Es ging dann erst mal zum Strand, um einen Blick auf die Ostsee zu werfen.
Foto: Astrid Rupprecht

 

Strandidylle.
Foto: Corina Peronne

 

Diese Kulisse war wie gemacht für unser Gruppenfoto.
Foto: Phillip Buchfink

 

Weiter ging es dann auf dem Radwanderweg Richtung Steinbeck.
Foto: Julia Richardt

 

Becherlorchel (Helvella acetabulum) am Rande des Küstenschutzwaldes.
Foto: Christian Boss

 

Wieder wurde etwas entdeckt.
Foto: Julia Richardt

 

Es handelte sich leider nur um vertrocknete Maipilze (Calocybe gambosa).
Foto: Beatrice Seidel

 

So wie hier Jürgen V., lohnte es sich, nicht auf dem Radweg zu gehen, sondern durch den Küstenwald zu streifen…
Foto: Astrid Rupprecht

 

… denn wo Eschen sind…
Foto: Catrin Berseck

 

… finden sich oft auch Morcheln, wie Reni und Bernd erfolgreich zeigen.
Foto: Phillip Buchfink

 

Blick von der Steilküste auf die Ostsee.
Foto: Christian Boss

 

Wir gingen dann eine Teilstrecke nicht den Radwanderweg entlang, sondern „offroad“ direkt an der Steilküste.
Foto: Beatrice Seidel

 

Nachdem wir den Radwanderweg wieder ereichten – Beratung im bzw. am „Feld“….
Foto: Corina Peronne

 

Hier gibt es u.a. Judasohren (Auricularia auricula-judae) an einem moderigen Holzast – von Philipp frisch aus dem Sumpf gezogen.
Foto: Jürgen Samland

 

Wie ein kleiner Dinosaurier schaut diese Vielgestaltige Holzkeule (Xylaria polymorpha) aus einem Ast.
Foto: Christian Petzka

 

Nochmals ein Blick von der Steilküste auf die Ostsee.
Foto: Christian Boss

 

Und endlich erreichten wir gegen 13.00 Uhr nach über der Hälfte der Strecke unseren avisierten Pausenplatz.
Foto: Beatrice Seidel

 

Während der Pause bleibt Zeit zur Erinnerung an längst erlernte Fähigkeiten – es wird auf Gräsern, Blättern oder Pusteblumen geblasen… So manches ungeahnte Talent entpuppt sich hier!
Foto: Corina Peronne

 

Phillip war zwischenzeitlich noch in einem Sumpfgebiet unterwegs und brachte allerlei mit.
Foto: Beatrice Seidel

 

Stäublings-Schleimpilz (Enteridium lycoperdon).
Foto: Phillip Buchfink

 

Buchenwald-Wasserfuß (Hydropus subalpinus) aus der Familie der Schwindlingsverwandten. Seinen Namen verdankt er unter anderem der Eigenschaft, dass an Bruchstellen des Stiels wässrige Flüssigkeit austritt.
Foto: Phillip Buchfink

 

Während alle noch die Pause genossen, war Jürgen V. bereits im Wald unterwegs und kam mit dieser riesigen Dickfußmorchel (Morchella esculenta var. crassipes) zurück.
Foto: Phillip Buchfink

 

Links 2 Speisemorcheln (Morchella esculenta) und rechts im Vergleich bereits überständige Dickfußmorcheln (Morchella esculenta var. crassipes) – eine Riesenform oder Varietät der Speisemorchel.
Foto: Julia Richardt

 

Also wurde die Pause kurzerhand beendet und es ging gegen 14.00 Uhr weiter. Während Jürgen S. sich an allerlei Pflanzen erfreute – wie der Großblütigen Sternmiere (Stellaria holostea)…
Foto: Jürgen Samland

 

… oder der Stängellosen Schlüsselblume (Primula vulgaris), ertönte plötzlich ein Aufschrei von Julia und Christian.
Foto: Jürgen Samland

 

Morchelalarm!
Foto: Beatrice Seidel

 

Ab jetzt gab es kein Halten mehr – die müden Füße waren plötzlich vergessen und alle strömten in den Wald.
Foto: Julia Richardt

 

Und fast alle waren erfolgreich – so wie hier Anne und Jürgen V..
Foto: Phillip Buchfink

 

Die schönsten Exemplare mussten natürlich von Phillip fotografiert werden.
Foto: Julia Richardt

 

Speisemochel (Morchella esculenta) mit Model-Qualitäten.
Foto: Phillip Buchfink

 

Wunderschöne Speisemocheln (Morchella esculenta).
Foto: Phillip Buchfink

 

Bibo und Samson aus der Sesamstraße…
Foto: Phillip Buchfink

 

Stillleben mit Speisemorchel.
Foto: Jens Hegewald

 

Mit solchen riesigen Exemplaren ist ein Pilzkorb natürlich schnell gefüllt.
Foto: Jens Hegewald

 

Weiter ging es dann in Richtung Steinbeck.
Foto: Jürgen Samland

 

Ab und zu noch mal ein Blick auf die Ostsee.
Foto: Beatrice Seidel

 

Endlich am Parkplatz in Steinbeck angekommen gönnten sich Einige erst einmal ein kühles Bier, bevor es zurück zur Pension ging.
Foto: Beatrice Seidel

 

Dort angekommen ging es vor dem Abendbrot mit dem Putzen der Morcheln weiter.
Foto: Christian Petzka

 

Schlange stehen beim Verteilen des beim Imbiss in Klütz bestellten Abendbrotes.
Foto: Jürgen Samland

 

Hier gibt es nicht etwa Glühwein… Saskia ist etwas früher von der Wanderung zurück gekehrt und hatte die zum Färben vorgesehen Pilze bereits ausgekocht. Damit keine Pilzfragmente in die Fasern oder auf den Stoff gelangen, muss die Färbeflüssigkeit jetzt gefiltert werden. Nun konnte das Färbegut vorsichtig in der filtrierten Flüssigkeit bei max. 80 bis 90° für ca. 1 Stunde gefärbt werden.
Foto: Chrsitian Boss

 

Die Dämmerung bricht langsam an.
Foto: Corina Peronne

 

Phillips Arbeitsplatz blieb heute mal leer.
Foto: Beatrice Seidel

 

Statt dessen gemütlicher Tagesausklang ohne Pilze bei Pils.
Foto: Jürgen Samland

 

Nachteule Christian widmete sich wieder seinen Nachtfaltern. Der Pfaffenhütchen-Harlekin (Ligdia adustata), auch als Spindelbaumspanner oder Pfaffenspanner bekannt, ist ein kleiner Nachtfalter aus der Familie der Spanner (Wikipedia). Seinen Namen verdankt er seiner Hauptfutterpflanze, dem Gewöhnlichen Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus).
Foto: Christian Boss

 

Der Violettbraune Mondfleckspanner (Selenia tetralunaria) ist ein interessanter Nachtfalter aus der Familie der Spanner (Geometridae). In der Natur ist er vor allem für seine Tarnung bekannt: In Ruhestellung hält er seine Flügel oft steil angewinkelt, was ihm zusammen mit seiner Färbung das Aussehen eines welken Blattes verleiht. Die Flügel sind charakteristisch dunkel violettbraun mit gezackten Rändern. Typisch ist ein heller, halbmondförmiger Fleck (der „Mondfleck“) auf den Vorder- und Hinterflügeln.
Foto: Christian Boss

 

Christians Highlight heute. Der Schwarzgefleckte Raufußspinner (Clostera anachoreta) ist ein Nachtfalter aus der Familie der Zahnspinner (Notodontidae). Er ist auch unter den Namen Schwarzfleck-Erpelschwanz oder Schwarzgefleckter Korbweidenspinner bekannt. Das Erkennungsmerkmal ist ein dunkler Fleck am Vorderflügelrand, der von einer weißen Querlinie durchschnitten wird. Außerhalb dieses Bereichs befinden sich zwei weitere kleine schwarze Flecken. Er bevorzugt feuchte Gebiete wie Flussufer und Auenwälder, kommt aber auch in Heiden und an Waldlichtungen vor. Dieser Nachtfalter ist sehr selten und wird in der Roten Liste als gefährdet eingestuft.
Foto: Christian Boss


Die Artenliste vom Ostseeradweg im Küstenschutzwald zw. Brook und Steinbeck im MTB: 1932-343 SW – Warnkenhagen:

Maipilz (Calocybe gambosa), Riesenbovist – alte FK (Calvatia gigantea), Flacher Lackporling (Ganoderma applanatum), Zimtfarbener Weichporling (Hapalopilus rutilans), Hochgerippte Becherlorchel (Hellvella acetabulum), Speiesemorchel (Morchella esculenta), Brombeerrost (Phragmidium violaceum), Aronstab-Rost (Puccinia sessilis), Geweihförmige Holzkeule (Xylaria hypoxylon), Vielgestaltige Holzkeule (Xylaria polymorpha)


Die Artenliste vom Ostseeradweg im Küstenschutzwald zw. Brook und Steinbeck im MTB: 1932-344 SW – Warnkenhagen:

Judasohr (Auricularia auricula-judae), Konzentrischer Holzkohlenpilz (Daldinia concentrica agg.), Zunderschwamm (Fomes fomentarius), Schwefelporling (Laetiporus sulphureus), Brombeerrost (Phragmidium violaceum), Rehbrauner Dachpilz (Pluteus cervinus agg.), Mai-Stielporling (Polyporus ciliatus), Schmetterlingstramete (Trametes versicolor)


Die Artenliste vom Ostseeradweg im Küstenschutzwald zw. Brook und Steinbeck im MTB: 1932-431 SO – Warnkenhagen:

Schuppiger Porling (Cerioporus squamosus), Zunderschwamm (Fomes fomentarius), Birkenporling (Fomitopsis betulina), Flacher Lackporling (Ganoderma applanatum), Buchenwald-Wasserfuß (Hydropus subalpinus), Rotbraune Borstenscheibe (Hymenochaete rubiginosa), Grünblättriger Schwefelkopf (Hypholoma fasciculare), Schmetterlingstramete (Trametes versicolor)


Die Artenliste vom Ostseeradweg im Küstenschutzwald zw. Brook und Steinbeck im MTB: 1932-432 SO – Warnkenhagen:

Judasohr (Auricularia auricula-judae), Grünblättriger Schwefelkopf (Hypholoma fasciculare), Dickfußmorchel (Morchella crassipes), Speisemorchel (Morchella esculenta), Rehbrauner Dachpilz (Pluteus cervinus agg.), Schmetterlingstramete (Trametes versicolor)


Sonntag, 03.05.2026:

Der Kuckuck ist frisch aus Afrika zurück und eröffnet mit seinem Ruf den letzten Seminartag.
Foto: Christian Boss

Und schon war der letzte Tag unseres Seminars angebrochen.

Nach dem Frühstück wurden die Zimmer geräumt, sauber gemacht und Autos gepackt. Fast alle packten dann noch mit an, um die Gemeinschaftsräume aufzuräumen und zu putzen. Einige wenige Teilnehmer verabschiedeten sich und fuhren nach Hause, da sie noch andere Termine hatten oder eine weite Heimreise.

Nach der Abnahme des Objektes brachen wir zur unserer Abschluss-Exkursion auf. Ziel war Schloss Bothmer, da dort ausreichend Parkplätze für die vielen Autos zur Verfügung standen.

Elke und Jens aus Berlin nutzten die Gelegenheit, und sahen sich Schloss Bothmer von innen an. Alle Anderen erkundeten gemeinsam den Schlosspark. Und wir wurden trotz geringer Erwartungen nicht enttäuscht!

Aber seht selber…

Catrin (Text, Fotoauswahl und -beschriftung, Artenliste)

 

Gemeinsames letztes Frühstück in der Pension Elme & Horst.
Foto: Christian Boss

 

Nach dem Frühstück sahen wir uns noch die Ergebnisse unseres Färbens an.
Foto: Astrid Rupprecht

 

Und hier die Färbeergebnisse. Je nach verwendetem Material fallen die Farbergebnisse unterschiedlich aus.
Links und rechts vorne: Rottöne vom Blutroten Hautkopf
Links hinten: Graue, Olivgrüne bis hin zu Brauntönen vom Samtfußkrempling
Rechts hinten: Violett vom Zimtfarbenen Weichporling
Oben: Goldgelbe Farbtöne vom Nadelholzbraunporling
Foto: Beatrice Seidel

 

Viele Hände, schnelles Ende. Gemeinsames Aufräumen und Putzen der Küche.
Foto: Phillip Buchfink

 

Bereit zur Abfahrt…
Foto: Astrid Rupprecht

 

Gegen 10.45 Uhr kamen wir auf dem Parkplatz bei Schloss Bothmer an.
Foto: Julia Richardt

 

Von dort ging es in Richtung Schlosseingang.
Foto: Julia Richardt

 

Schon von Weitem zu sehen war diese Lindenallee am Schloss Bothmer – die sogenannte Festonallee. Der Französische Begriff Feston (Girlande) beschreibt sehr gut die Wirkung der klein gehaltenen, gedrungenen Bäume auf den Oberen Flanken eines Hohlweges.
Foto: Beatrice Seidel

 

Diese 270 Meter lange Allee besteht aus ca. 260 – 300 Jahre alten 65 holländischen Königs-Linden (Konings) und wurde nach barocken Gestaltungsprinzipien auf der Symmetrie- und Hauptsichtachse der Schlossanlage des Schlosses Bothmer angelegt.
Foto: Beatrice Seidel

 

Es gibt die Theorie, dass die Bäume bereits in der Barockzeit gespalten worden seien, damit sie diese natürliche Girlande bilden. In den 1930-er Jahren wurden teilweise Eisenringe um die Bäume gelegt, um das Auseinanderbrechen der Stämme unter ihren eigenen Gewicht zu verhindern. Die Linden werden ca. alle 2 Jahre zurück geschnitten.
Da die ursprünglich gepflanzte Sorte heute nicht mehr gezüchtet wird und die Bäume altersbedingt in absehbarer Zeit erneuert werden müssen, werden seit 2011 in der Humboldt-Universität Berlin die Bäume im Reagenzglas nachgezogen.
Foto: Jürgen Samland

 

Blick auf Schloss Bothmer – die größte erhaltene barocke Schlossanlage in Mecklenburg-Vorpommern. Bauherr war Graf Hans Caspar von Bothmer – ein einflussreicher Diplomat und erster Berater des englischen Königs. Er lenkte den Bau direkt aus London von seinem Dienstsitz in der legendären 10 Downing Street. Er hat sein prachtvolles Anwesen aber nie bewohnt, da er noch vor der Fertigstellung im Jahr 1732 in London verstarb.
Foto: Beatrice Seidel

 

Alle stehen gebannt vor diesem Hexenring, während Catrin erklärt, welche Pilze solche Hexenringe bilden können.
Foto: Julia Richardt

 

Und da ist auch schon der erste Verursacher zu finden – Nelken-Schwindlinge (Marasmius oreades). Das ist ein ausgezeichneter Speisepilz, der besonders als Suppen- und Würzpilz geschätzt wird. Seinen Namen verdankt er der Eigenschaft, bei Trockenheit völlig einzuschrumpfen (zu schwinden) und bei Regen wieder frisch aufzuleben.
Foto: Beatrice Seidel

 

Sofort werden alle weiteren Hexenringe auf der Wiese vor dem Schloss abgesucht.
Foto: Jens Hegewald

 

Julia beschwört den Hexenring. Der Name Hexenring geht auf den Volksglauben zurück, da man in diesen runden Formen Versammlungsorte der Hexen sah, deren Betreten magisch oder verboten war.
Foto: Christian Boss

 

Weiter geht es in das Parkgelände. Eine wunderschöne Magnolienblüte.
Foto: Jürgen Samland

 

Der Violette Ölkäfer (Meloe violaceus), auch als Blauer Maiwurm bekannt, ist ein hochgiftiger, flugunfähiger Käfer aus der Familie der Ölkäfer (Meloidae), der in Mitteleuropa unter besonderem Naturschutz steht. Er ernährt sich von Bärlauch, Scharbockskraut, Buschwindröschen und anderen Blütenpflanzen und ist daher viel an Wegrändern, in Gärten und lichten Wäldern zu finden.
Foto: Jürgen Samland

 

Ringelnattern (Natrix sp.) sind ausgezeichnete Schwimmer und jagen primär Amphibien wie Frösche, Kröten, Molche sowie deren Kaulquappen. Seltener erbeuten sie kleine Fische.
Foto: Christian Boss

 

Am Teichrand im Schlosspark wurde etwas entdeckt…
Foto: Beatrice Seidel

 

Julias Auftritt als Hexe im Hexenring hat wohl etwas bewirkt. Maipilze (Calocybe gambosa).
Foto: Catrin Berseck

 

Auch heute begegnete uns im Schloss Bothmer wieder der Gefleckte Aronstab (Arum maculatum). Wenn das mal kein Zeichen ist…
Foto: Julia Richardt

 

Und tatsächlich – Reni war die glückliche Finderin des Aderigen Morchelbecherlings (Disciotis venosa), im Volksmund auch Flatschmorchel oder aufgrund seines Geruchs Chlorbecherling genannt. Jung ist der Pilz becherförmig und glatt, im Alter flach ausgebreitet (daher „Flatschmorchel“) mit einer stark aderig-runzelig gefalteten Innenseite.
Foto: Beatrice Seidel

 

Im weiteren Verlauf wurden alle Hexenringe im hohen Gras akribisch nach Maipilzen abgesucht.
Foto: Beatrice Seidel

 

Und das erfolgreich.
Foto: Beatrice Seidel

 

Da kaum Jemand einen Korb mit in den Park genommen hat, mussten teilweise die Tüten der Lunchpakete als Sammelbehältnis für die Maipilze her halten.
Foto: Catrin Berseck

 

Gegen 13.00 Uhr beendeten wir unsere Exkursion mit Kaffee und Kuchen auf dem Parkplatz.
Foto: Monika Leister

 

Wir – vor allem Phillip, Catrin und die anderen fleißigen Helfer aus dem Verein – möchten uns noch einmal bei allen Teilnehmern bedanken. Jeder hat seinen Beitrag dazu geleistet und sich eingebracht – sei es durch seine Kenntnisse über Pflanzen, Bäume, Tiere oder andere interessante Themen.

Schon das alleine hat uns die Arbeit und Zeit, die wir in die Vorbereitung und Durchführung des Seminars investiert haben, vergessen lassen.

Wir hoffen, dass euch diese Veranstaltung auch gefallen hat. Wir freuen uns bereits auf eine rege Teilnahme an unserem Herbstseminar.

Der Termin und der Veranstaltungsort für unser Herbstseminar stehen derzeit noch nicht fest – werden aber zu gegebener Zeit unter Termine zu finden sein. Schaut also regelmäßig dort nach – dieses mal wird es keine weitere Vorankündigung geben. Die Reihenfolge der Anmeldungen entscheidet – wer es zuerst liest, hat die besten Chancen, einen der begehrten Plätze zu ergattern…

Eure Pilzfreunde vom Steinpilz Wismar „Reinhold Krakow“ e.V.


Die Artenliste vom Schlosspark Bothmer im MTB: 2032-244 NO – Klütz:

Angebrannter Rauchporling (Bjerkandera adusta), Maipilz (Calocybe gambosa), Adriger Morchelbecherling (Disciotis venosa), Stäublings-Schleimpilz (Enteridium lycoperdon), Brandkrustenpilz (Kretzschmaria deusta), Nelkenschwindling (Marasmius oreades), Riesenporling – alter FK (Meripilus giganteus)


 

Pilze und Wetter Mai 2026

Wetter und Pilzwachstum in Mecklenburg

Tagebuch zu Pilze und Wetter Mai 2026

Der Mai beginnt und mit ihm die Saison der Maipilze (Calocybe gambosa). Der Maipilz wird auch Georgsritterling, Mai-Ritterling oder Mai-Schönkopf genannt.


01.05. bis 03.05.2026 – Frühjahrsseminar in Elmenhorst

Pünktlich zum 1. Mai zeigten sich die ersten Maikäfer.
Foto: Christian Boss

Auch dieses Jahr hat der Steinpilz Wismar „Reinhold Krakow“ e.V. zum traditionellen Frühjahrsseminar eingeladen.

27 pilzinteressierte Naturfreunde trafen sich am 01.05.2026 in Elmenhorst im Klützer Winkel in der Pension Elme & Horst. Uns standen dort die komplette Pension inkl. großer Küche und großen Räumen für unser Seminar sowie 3 zusätzliche Ferienwohnungen zur Verfügung.

Wir verbrachten dort 3 tolle Tage bei schönstem Wetter. Phillip hielt am 1. Tag einen interessanten Vortrag über Giftpilze und Saskia von den Kieler Pilzfreunden zeigte uns, wie man mit Pilzen Wolle färben kann.

Und nicht nur das Wetter meinte es an diesem Wochenende gut mit uns – wir hatten auf unseren Exkursionen tolle Pilzfunde. Eines der Highlights waren natürlich Speisemorcheln und Maipilze, die wir tatsächlich in größeren Mengen fanden. Aber auch einige andere Frühlingspilze zeigten sich bereits.

Hier nur ein klitzekleiner Eindruck – einen sehr ausführlichen Bericht von unserem Frühjahrsseminar findet ihr hier.

Catrin

Unsere Unterkunft – die Pension Elme & Horst in Elmenhorst.
Foto: Beatrice Seidel

 

Christian und Julia freuten sich wahnsinnig über diese stattlichen Dickfußmorcheln (Morchella crassipes) – die Riesenform der Speisemorchel (Morchella esculenta). Und davon gab es viele Exemplare…
Foto: Beatrice Seidel


05.05.2026 – Dienstag

An Waldrändern, in Gärten und Parks kann man jetzt bereits unter Rosengewächsen den Schlehenrötling (Entoloma sepium) finden. Diese hier wuchsen unter einer Felsenbirne.
Foto: Sylvina Zander

Jetzt ist die Natur wie verwandelt! Das Grau des Winters ist verschwunden und alles erstrahlt in frischem, zartem Grün und den leuchtenden Farben unzähliger Blüten. Die Tage werden länger und wärmer. Auch die Pilzflora entwickelt sich weiter. Während die Pilze des Vorfrühlings allmählich abklingen, bestimmen jetzt die Arten des Vollfrühlings und Frühsommers das Geschehen.

So ist es nicht verwunderlich, dass Sylvina bereits die ersten Schlehenrötlinge (Entoloma sepium) gefunden hat. Er lebt in einer Symbiose (Mykorrhiza) mit Rosengewächsen und ist daher fast ausschließlich unter Gebüschen wie Schlehen, Weißdorn oder bei Obstbäumen wie Pflaume und Apfel zu finden.

Die Rötlinge (Entoloma), auch als Glöcklinge oder Zärtlinge bekannt, bilden eine extrem artenreiche und komplexe Pilzgattung. Das namensgebende Hauptmerkmal ist das rosa- bis lachsfarbene Sporenpulver, das die anfangs hellen Lamellen im Alter rötlich färbt.

Die meisten Rötlinge sind giftig oder ungenießbar. Sie können schwere Magen-Darm-Störungen verursachen. Der Schlehenrötling (Entoloma sepium) und der Schildrötling (Entoloma clypeatum) sind einer der wenigen Speisepilze der Gattung. Da die Artbestimmung innerhalb der Gattung selbst für Experten oft mikroskopische Untersuchungen erfordert, gilt für Sammler: Rötlinge nur bei absoluter Sicherheit verzehren.

Catrin

Der Hut des Schlehenrötlings (Entoloma sepium) ist weißlich bis cremebräunlich, oft mit einem flachen Buckel in der Mitte. Die Oberfläche ist bei Trockenheit seidig-faserig.
Foto: Sylvina Zander


08.05.2026 – Freitag

Büschelig wachsende Schildrötlinge (Entoloma clypeatum) in einer Weißdornhecke.
Foto: Catrin Berseck

Sylvina hatte Schlehenrötlinge – heute habe ich die sehr ähnlichen Schildrötlinge unter Weißdornsträuchern gefunden und möchte euch die Unterscheidungsmerkmale vorstellen.

Der Schlehenrötling (Entoloma sepium) und der Schildrötling (Entoloma clypeatum) sind sehr nah verwandte Arten, die zur gleichen Zeit (Frühjahr) am selben Standort (unter Rosengewächsen) vorkommen können.

Der Schlehenrötling hat meist einen blasseren Hut (weißlich, creme-beige bis hellgrau). Der Buckel in der Mitte ist oft weniger ausgeprägt. Der Schildrötling ist tendenziell dunkler gefärbt (graubraun, sepiabraun oder horngrau). Sein Hut erinnert durch einen markanten Buckel oft an einen antiken Schild (Namensgebung).

Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zwischen den Beiden ist der Farbumschlag bei Verletzungen. Beim Schlehenrötling gibt rötliche oder orange-braune Verfärbungen in Madengängen oder an verletzten Stellen im Fleisch – beim Schildrötling bleibt das Fleisch bei Verletzung oder in Madengängen weitgehend unveränderlich weiß.

Eine Methode zur Unterscheidung sind chemische Reagenzien. Mit Guajak  färbt sich der Schlehenrötling intensiv blau bis blaugrün, während der Schildrötling kaum reagiert. Mit Anilin färbt sich das Fleisch beim Schlehenrötling rot oder orangerosa, beim Schildrötling erfolgt keine Reaktion.

Catrin

Der Hut des Schildrötlings ist jung glockenartig geformt und später ausgebreitet mit einem Buckel in der Mitte und oft verbogen. Die Oberfläche ist beige- bis graubraun oder graugelblich mit einem radial faserig gestreiften Muster – sie ist außerdem seidig glänzend und kahl.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Lamellen des Schildrötlings sind jung weiß bis gräulich und später durch die gereiften Sporen schmutzig rosa gefärbt. Sie stehen untermischt, haben unregelmäßig gekerbte, wellige Schneiden und sind ausgebuchtet am Stiel angewachsen.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Madenfraßgänger des Schildrötlings sind nicht rötlich verfärbt. Die chemische Reaktion mit Guajak ist nur ganz schwach – mit Anilin erfolgt keine Reaktion.
Foto: Catrin Berseck


09.05.2026 – Sonnabend

Heute fand die Frühjahrstagung der Pilzberater und Pilzsachverständigen aus M/V in Todendorf statt. Viele der mittlerweile 41 in unserem Bundesland tätigen Pilzberater reisten zu dieser Veranstaltung an.

Pilzberatertagung in Todendorf.
Foto: Hanjo Herbort

Aufgrund des hohen Altersdurchschnitts (ca. 65 Jahre) und zunehmender gesundheitlicher Probleme der Ehrenamtlichen wird es in den kommenden Jahren zu Einschränkungen bei der Durchführung der Pilzberatung in einigen Landkreisen kommen. Hier ist dringend Nachwuchs gesucht, der trotz zahlreicher Interessierter schwer zu gewinnen ist.

Wie wichtig die Arbeit der ehrenamtlich tätigen Pilzberater ist, zeigen einige Zahlen aus dem Jahresbericht 2025:

  • Während der ca. 1.500 durchgeführten Beratungen sind 112 stark giftige Pilze aussortiert worden. Darunter befanden sich 19 Grüne Knollenblätterpilze, 3 Kegelhütige Knollenblätterpilze, 55 Pantherpilze, 6 Orangefuchsige Rauköpfe, 3 Ziegelrote Risspilze, 1 Frühjahrslorchel und 25 Gifthäublinge.
  • Von den weniger giftigen Arten sind tausende Giftegerlinge, Grünblättrige Schwefelköpfe und Kahle Kremplinge aus den Körben der Pilzsammler aussortiert worden. Zugenommen haben auch die Nachweise für Giftschirmpilze.
  • 2025 gab es insgesamt 9 Pilzvergiftungen mit 13 Betroffenen. Am häufigsten waren dabei 7 Vergiftungen mit Karbolegerlingen, die zum Glück nur geringe Vergiftungssymptome zeigten. Weitere Vergiftungen gab es durch Pantherpilze (2) und Kartoffelboviste (2) sowie eine Vergiftung mit dem Grünen Knollenblätterpilz, die zum Glück ohne schwerwiegende Folgen für den Betroffenen blieb. Desweiteren wurde eine Vergiftungssymptomatik mit Magen-Darm-Beteiligung beim Verzehr von ausreichend gegartem Hallimasch gemeldet. Hier lag wahrscheinlich eine individuelle Unverträglichkeit vor.

Aber die Pilzberater beraten nicht nur – sie kümmern sich auch ehrenamtlich um die Aus- und Weiterbildung. So fanden auch letztes Jahr wieder zahlreiche Pilzausstellungen, Vorträge und Pilzlehrwanderungen statt.

Anschließend wurde noch der Pilz des Jahres 2026 – der Igelstachelbart vorgestellt. Es gab dann noch einen interessanten Vortrag über „Flechten – Doppelwesen aus Pilz und Alge“.

Zum Schluss führte uns noch eine Exkursion in den Park beim Thünenmuseum in Tellow.

Ein paar Eindrücke von dieser Veranstaltung wollen wir euch nicht vorenthalten.

Catrin

Die Wand-Gelbflechte (Xanthoria parietina), auch als Gewöhnliche Gelbflechte oder Gelbe Wandschüsselflechte bekannt, ist eine der auffälligsten und häufigsten Flechtenarten in Mitteleuropa. Als Flechte ist sie eine Symbiose aus einem Pilz und Grünalgen der Gattung Trebouxia. Sie wächst auf nährstoffreichen Unterlagen wie der Rinde von Laubbäumen, Mauern, Betonplatten oder Dachziegeln.
Foto: Catrin Berseck

 

Nach Jahren der Schließung soll das Thünenmuseum in Tellow bei Teterow 2026 wieder öffnen. Dazu gibt es eine Kooperationsvereinbarung zwischen der Thünengesellschaft und dem Landkreis Rostock, als Träger der historischen Anlage.
Foto: Catrin Berseck

 

Der örtliche Teterower Pilzberater Christoph Kretschmer (2.v.l.) führte uns – Yibo, Catrin und Hanjo sowie Norbert (nicht im Bild) – durch den Park und erklärte uns nebenbei allerlei Wissenswertes zum Agrarwissenschaftler Johann Heinrich von Thünen (1783 – 1850), der 1809 das Gut in Tellow erwarb und auf diesem Mustergut Erfahrungen der landwirtschaftlichen Praxis mit mathematischen Modellen verband.
Foto: Norbert Amelang

 

Ungewöhnliche Anemonen im Thünen-Park in Tellow. Es könnte sich hier um Anemone nemorosa ‚Vestal‘ (Buschwindröschen ‚Vestal‘) – eine besonders elegante Ziersorte des heimischen Buschwindröschens – handeln. Sie zeichnet sich vor allem durch ihre strahlend weißen, dicht gefüllten Blüten aus.
Foto: Catrin Berseck

 

Junge Schwefelporlinge (Laetiporus sulphureus) in einer Obstbaumplantage.
Foto: Yibo Liu

 

Hexenring aus Maipilzen (Calocybe gambosa) mit tanzender Hexe Yibo. 😂
Foto: Norbert Amelang

 

Diese Kuh schaute nur verwundert zu…
Foto: Norbert Amelang

 

Norberts Titel für dieses Foto: „Rasenzähler“.
Foto: Hanjo Herbort

 

Das Interesse galt allerdings nicht der Anzahl der Grashalme, sondern der Rippenstieligen Lorchel (Helvella solitaria).
Foto: Norbert Amelang


10.05.2026 – Sonntag

Der erste Flockenstielige Hexenröhrling (Neoboletus erythropus) heute am 10.05.2026.
Foto: Hanjo Herbort

Hanjo und ich haben seit 3 Jahren einen kleinen Wettbewerb. Es geht darum, wer den ersten Flockenstieligen Hexenröhrling im Jahr findet. Die letzten beiden Jahre hat Hanjo gewonnen.

Der Flockenstielige Hexenröhrling (Neoboletus erythropus), auch liebevoll „Flocki“ oder „Schusterpilz“ genannt, ist oft schon ab Mai zu finden und gilt unter Kennern als dem Steinpilz ebenbürtig oder sogar überlegen, da er seltener madig ist.

Da dieses Jahr bereits in anderen Bundesländern die ersten Fotos von gefundenen Flockenstieligen Hexenröhrlingen auftauchten, habe ich Hanjo gestern daran erinnert.

Hätte ich lieber nicht machen sollen – er ist sofort los gezogen und war tatsächlich erfolgreich! Er hat zu Fuß 4 km zurück gelegt und einmal das Auto umgesetzt. An zwei von ca. 8 – 9 aufgesuchten Stellen konnte er jeweils ein Einzelexemplar in tadellosem Zustand finden.

Das konnte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen! Also bin ich schnell nach der heutigen Öffentlichen Wanderung zu einer meiner Stellen gefahren und war „effektiver“. Ich konnte nach nur 300 m Fußweg tatsächlich 8 Flockenstielige Hexenröhrlinge finden. 

Wir haben uns dann Beide auf Gleichstand geeinigt, so dass es dieses Jahr keinen Sieger und Verlierer gibt.

Catrin

Das Beweisfotos: Die ersten beiden Flockenstieligen Hexenröhrlinge von Hanjo.
Foto: Hanjo Herbort

 

Perfekter junger Flockenstieliger Hexenröhrling heute am 10.05.2026 von Catrin gefunden.
Foto: Catrin Berseck

 

Sogar 8 Exemplare des Flockenstieligen Hexenröhrlings konnte Catrin heute finden und musste natürlich auch ein Beweisfotos liefern…
Foto: Catrin Berseck


11.05.2026 – Montag – Mamertus 

Schuppige Porlinge (Cerioporus squamosus) heute am Schweriner See.
Foto: Catrin Berseck

Heute ist Beginn der Eisheiligen. Mamertus ist der erste der Eisheiligen und galt im Mittelalter als Schutzpatron der Bauern. Viele glauben, dass die Wetterverhältnisse an diesem Tag einen Hinweis darauf geben, wie die Wetterlage in den kommenden Wochen sein wird. Oft wird gesagt, dass die Kälte an diesem Tag die Frostgefahr für die nächste Zeit ankündigt.

Gestern fand eine Öffentliche Pilzlehrwanderung am Schweriner Außensee statt. 5 Pilzfreunde trafen sich bei Schloss Wiligrad. Von dort ging es am Ufer des Schweriner Sees bis nach Gallentin, wo wir im Vorfeld ein Auto für die Rückfahrt geparkt hatten.

Trotz der Trockenheit der vergangenen Wochen konnten wir einige schöne Funde verzeichen.

Die Morchelzeit ist mittlerweile vorbei – ein vertrockentes Exemplar am Seeufer zeigte aber wenigstens ihre Anwesenheit. Die im Schlosspark erhofften Maipilze waren leider auch nicht zu finden – vielleicht bekommen sie nach den heutigen Regenfällen ja demnächst noch mal einen Wachstumsschub.

Dafür gab es aber wie immer viel Anderes Interessantes zu entdecken – so auch viele Kräuter, die fleißig gesammelt wurden. Mit einem leeren Pilzkorb ist aber auch Niemand nach Hause gegangen – es gab genug junge Schuppige und Sklerotionporlinge, die in die Körbe der Teilnehmer wanderten.

Einen ausführlichen Bericht findet ihr hier.

Catrin

Blick auf Schloss Wiligrad.


12.05.2026 – Dienstag – Pankratius

Die ersten Schwefelporlinge (Laetiporus sulphureus) stehen in den Startlöchern – derzeit noch zu jung, um sie zu ernten. Standortfoto vom 08.05.2026.
Foto: Catrin Berseck

Heute am 2. Tag der Eisheiligen – Pankratius – mal etwas zu Wetter und Pilzwachstum. 

Nach einem außergewöhnlich sonnigen März präsentierten sich auch der April sowie die ersten Tage im Mai im äußersten Norden Deutschlands ungewöhnlich sonnig, zu warm und zu trocken. Es handelte sich um einen der sonnigsten Aprilmonate seit Messbeginn, geprägt durch trockene Festlandsluft und seltene Niederschläge. Lediglich am 19.04.2026 gab es in unserem Bundesland flächendeckende Niederschläge und schüttete teils wie aus Kübeln. In diesem Zusammenhang wurde in Röbel/Müritz mit 83,4 l/m² die höchste deutschlandweite Tagesniederschlagssumme gemessen. Zudem gab es aber auch noch regelmäßig Nachtfrost trotz milder Tagestemperaturen.

Diese Niederschläge am 19.04.2026 hatten jedoch noch keine großen Auswirkungen auf das Pilzwachstum. Es war für viele Arten einfach noch zu früh und die Nachtfröste taten ihr Übriges dazu.

Allerdings werden die gestrigen und heutigen Niederschläge Auswirkungen auf das Pilzwachstum haben, da wir uns im Pilzfrühling befinden. Wie Reinhold immer sagte – ca. 10 bis 14 Tage nach ausgiebigen Niederschlägen von ca. 20 bis 30 l/m² starten die Pilze durch.

 

 

Niederschlagsmengen am 11.05.2026. Die meisten Niederschläge gab es in Lübtheen im Südwesten über Goldberg, Krakow, Waren bis nach Stralsund im Nordosten.
Quelle: Kachelmannwetter

 

Typische Arten des Frühlings-Aspektes sind z.B. Schwefelporlinge und Lungenseitlinge. Auf Laubholzstubben werden wir demnächst Grünblättrige Schwefelköpfe, Stockschwämmchen sowie Rehbraune Dachpilze finden. In den Wäldern werden sich die ersten Rüblinge zeigen – auf den Wiesen die ersten Champignons, Nelkenschwindlinge und Ackerlinge. Auch erste Täublinge, wie Frauentäublinge, Papageientäublinge und Weißstielige Ledertäublinge können jetzt schon wachsen. Bei ausreichender Feuchtigkeit entwickeln sich dann demnächst auch schon Pfifferlinge. Und bei den Röhrlingen zeigten sich ja jetzt schon bereits vereinzelt die ersten Flockenstieligen Hexenröhrlinge. Aber auch Butterpilze und Körnchenröhrlinge werden demnächst durchstarten.

Catrin

 

Lungenseitlinge (Pleurotus pulmonarius), auch als Sommer-Austernseitling bekannt, gestern am Standort fotografiert.
Foto: Catrin Berseck


13.05.2026 – Mittwoch – Servatius

Die Schwefelporlinge (Laetiporus sulphureus) vom 08.05.2026 sind bis heute ordentlich gewachsen und bald erntereif…
Foto: Catrin Berseck

Heute mal kein Rückblick auf das Wetter – sondern eine Vorausschau. Nicht meteorologisch, sondern aufgrund alter Mythen und Bauernregeln.

Wenn es – wie dieses Jahr – nach den ersten warmen Frühlingstagen im Mai zu einem plötzlichen Kälterückfall kommt, wird das gerne den sogenannten „Eisheiligen“ zugeschrieben. Zu den Eisheiligen zählen die fünf katholischen Heiligen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia, die nach dem julianischen Kalender zwischen dem 11. und 15. Mai ihren Namenstag haben. Späte Kaltlufteinbrüche im Mai haben eine herausragende Bedeutung, insbesondere für die Landwirtschaft. Frostschäden sind trotz oder gerade wegen des Klimawandels ein großes Thema und können zu erheblichen Ernteeinbußen führen.

Bauernregeln beziehen sich auf z.B. auf phänologische Beobachtungen zur Wettervorhersage des Sommers. Wenn man denen glauben soll, bekommen wir auch dieses Jahr einen trockenen Sommer, da folgendes eintraf:  „Grünt (blüht) die Esche vor der Eiche, gibt es eine große Bleiche“.

Und wenn man dann noch noch Reinholds Aussagen bezüglich der Schwefelporlinge Glauben schenken will, wird 2026 ein schlechtes Pilzjahr. Er hat nämlich beobachtet, dass in den Jahren, in denen es im Frühling viele Schwefelporlinge gab, der Rest des Pilzjahres nicht so üppig ausfiel…

Wir sind aber deshalb nicht pessimistisch und lassen uns einfach überraschen, was das Pilzjahr 2026 für uns bereit hält.

Catrin

Und von den Schwefelporlingen gibt es dieses Jahr viele – was laut Reinholds Orakel auf ein schlechtes Pilzjahr 2026 hinweist…
Foto: Maria Schramm


14.05.2026 – Donnerstag – Christi Himmelfahrt, Herrentag oder Bonifatius?

Bonifatius zeigte heute noch mal mit Hagelschauern, dass mit den Eisheiligen nicht zu spaßen ist…
Foto: Catrin Berseck

Wir bleiben noch beim Wetter – und zwar heute dem Aktuellen.

Heute ist Christi Himmelfahrt – im christlichen Glauben die Rückkehr Jesu Christi als Sohn Gottes zu seinem Vater in den Himmel. Am 40. Tag nach Ostern wurde er vor den Augen seiner Apostel in den Himmel emporgehoben und von einer Wolke aufgenommen. Dieser Tag ist in Deutschland ein gesetzlicher Feiertag.

Gleichzeitig feiert das männliche Geschlecht diesen Tag als Herrentag oder Vatertag. Männergruppen ziehen gemeinsam – teilweise „bewaffnet“ mit alkoholischen Getränken – zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Kremserwagen durch die Natur und feiern sich.

Aber heute haben die Männer die Rechnung ohne den christlichen Märtyrer Bonifatius – den 4. der Eisheiligen gemacht. Der verhagelte den Herren nämlich heute im wahrsten Sinne des Wortes gegen Mittag ihren Männertag.

Plötzliche und heftige Hagelschauer haben unter anderem auch zu einem Unfallchaos auf den Autobahnen A14 und A24 in Mecklenburg-Vorpommern geführt.

Man sollte die Macht der Eisheiligen vielleicht doch nicht unterschätzen…

Catrin

Kräftige Hagelschauer heute Mittag gegen 14 Uhr im Raum Bützow.
Foto: Catrin Berseck


15.05.2026 – Freitag – Kalte Sophie

Der Grünblättrige Schwefelkopf (Hypholoma fasciculare) ist ein giftiger Pilz und einer der häufigsten Folgezersetzer in mitteleuropäischen Wäldern. Die Lamellen grünlich, Geschmack extrem bitter. Standortfoto vom 15.05.2026.
Foto: Catrin Berseck

Die Kalte Sophie bildet am 15. Mai den traditionellen Abschluss der 5 Eisheiligen. Sie gilt in der Meteorologie und im Volksglauben als der Fixpunkt, ab dem kein Bodenfrost mehr droht.

Heute meinte die Sophie es gut mit uns – das Wetter war zwar wechselhaft, aber es gab keinen Nachtfrost. Allerdings stimmte diese Bauernregel heute: „Die kalt‘ Sophie, die bringt zum Schluss, ganz gern noch einen Regenguss.“ 

Aber Regen ist ja für das Pilzwachstum von Vorteil – ebenso die angekündigten steigenden Temperaturen.

Es geht so langsam los mit den Frischpilzen. An vorderster Front die Folgezersetzer an totem Laubholz.

Schwefelporlinge und Lungenseitlinge wurden bereits gefunden – die Artenvielfalt nimmt aber zu.

Weiter geht es mit den Grünblättrigen Schwefelköpfen (Hypholoma fasciculare) und Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis), die diese Woche auch schon zu finden waren.

Catrin

Das Gemeine Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis) ist dagegen ein hervorragender, hocharomatischer Speisepilz. Der Stiel ist das wichtigste Kriterium: Unterhalb des kleinen Stielrings ist der Stiel beim Stockschwämmchen deutlich mit braunen Flocken und Schüppchen besetzt. Standortfoto vom 14.05.2026.
Foto: Ria Bütow


16.05.2026 – Sonnabend

Die vom Getigerten Sägeblättling besiedelten Hölzer befinden sich häufig dicht am Wasser oder liegen zum Teil im Wasser.
Foto: Catrin Berseck

Gestern habe ich mal einen kurzen Spaziergang durch meinen Hauswald gemacht – einem Laubmischwald. Weite Bereiche dort sind mit Rotbuchen bestanden, aber auch Nadelforste sind enthalten.

Der Regen der vergangenen Tage hat hier bisher noch kein Pilzwachstum ausgelöst – da müssen wir uns noch etwas gedulden. Dementsprechend führte mich mein Weg auch zu den hier vorhandenen kleineren Wasserläufen mit mehr oder weniger großen Waldtümpeln, Sümpfen oder Mooren.

Und dort wurde ich auch fündig. In den moorigen Tümpeln mit viel Totholz können wir derzeit die Getigerten Sägeblättlinge (Lentinus tigrinus) – auch bekannt als Getigerter Knäueling – finden. Es handelt sich um eine wärmeliebende Pilzart aus der Familie der Stielporlingsverwandten.

Der Pilz ist ein typischer Folgezersetzer (Saprophyt), der totes Laubholz besiedelt. Er ist derzeit besonders häufig in feuchten Auwäldern direkt an Gewässerrändern zu finden. Er wächst meist büschelig an Stümpfen, Wurzeln oder umgefallenen Stämmen von Weiden, Pappeln und Birken.

Catrin

 

Die Hutoberseite ist bei jungen Exemplaren fast schwarzbraun, die dunkle Schicht zerreißt beim Wachstum der Fruchtkörper zu angewachsenen, braun-schwärzlichen haarigen Schüppchen, die dem Pilz sein charakteristisches, getigertes Aussehen verleihen.
Foto: Catrin Berseck

 

Die dünnen und gedrängt stehenden Lamellen des Getigerten Sägeblättlings besitzen namensgebende sägeblattartig gekerbte Schneiden.
Foto: Catrin Berseck

 

Der meist im Substrat tief wurzelnde Stiel ist im oberen Bereich weiß, darunter bräunlich bis schwärzlich punktiert oder feinschuppig.
Foto: Catrin Berseck

 

Der Rand des Hutes ist zunächst eingerollt, später wird oft rissig.
Foto: Catrin Berseck


17.05.2026 – Sonntag

Leuchtend gelb können wir jetzt auch die Goldmistpilze (Bolbitius titubans) finden. 
Foto: Catrin Berseck

Unter leichtem Tiefdruckeinfluss gelangen allmählich wärmere aber auch gering zu Gewitter neigende Luftmassen in unsere Region.

Bis Donnerstag soll es in Westmecklenburg noch mal vereinzelt Schauer und Gewitter geben. Danach werden laut Vorhersage bis Pfingsten die Temperaturen dann auf sommerliche 25 Grad ansteigen.

Mit diesen Aussichten sollte es an der Pilzfront nun aber richtig zur Sache gehen. Neben den Hexenröhrlingen können dann auch schon durchaus erste Sommer-Steinpilze, Butterpilze und Körnchen-Röhrlinge gefunden werden. Auch die Champignons und Pfifferlinge stehen in den Startlöchern.

Auch heute hatten wir ab Mittag teilweise sommerliche Temperaturen mit viel Sonnenschein.

Zum heutigen Sonnenschein passend ein paar farbenfrohe Funde.

Catrin

Der Aurorafalter (Anthocharis cardamines) ist ein zierlicher, heimischer Tagfalter aus der Familie der Weißlinge. Er gilt als typischer Frühlingsbote, da er als einer der ersten Schmetterlinge im April schlüpft. Das Männchen des Falters ist unverkennbar durch die leuchtend orangefarbenen Außenhälften der Vorderflügel. Diese Färbung erinnert an die Morgenröte (lateinisch Aurora).
Foto: Christian Boss

 

Beide Geschlechter des Aurorafalters besitzen eine unregelmäßige, gelblich-grün marmorierte Hinterflügel-Unterseite. Sie dient im Ruhezustand als Tarnung auf Blüten.
Foto: Christian Boss


19.05.2026 – Dienstag

Maipilze (Calocybe gambosa) im Laub unter Sträuchern.
Foto: Catrin Berseck

Die Maipilze (Calocybe gambosa) haben gerade Hochsaison und sind bei einigen Sammlern beliebte Speisepilze.

Verwechslungsgefahr besteht hauptsächlich mit Pilzen aus der Gattung der Rötlinge, die auch zu dieser Jahreszeit wachsen. In der Gattung der Rötlinge gibt es potentiell giftige Arten, so dass man beide Arten sicher voeinander unterscheiden können muss. 

Die Gattung der Rötlinge (Entoloma) und der Schildrötlinge (Entoloma clypeatum) wurde in den letzten Jahren durch moderne DNA-Analysen taxonomisch neu geordnet. Der „Schildrötling“ ist keine einzelne Art mehr, sondern ein Komplex sehr ähnlicher Frühjahrsrötlinge, die sich in ihrer Genetik sowie in ihrer Wirtsbindung unterscheiden – weswegen auch vom Verzehr des als essbar ausgewiesenen Schildrötlings abzuraten ist.

Da ich heute sowohl Schildrötlinge als auch Maipilze gefunden habe – nachfolgend ein paar Fotos mit den wichtigsten Unterscheidungsmerkmalen.

Catrin

Links: Schildrötlinge (Entoloma clypeatum).
Rechts: Maipilze (Calocybe gambosa)
Foto: Catrin Berseck

 

Links sehen wir den Schildrötling. Die Lamellen sind dicker und deutlich weiter auseinanderstehend. Zuerst weißlich, im Alter dann deutlich rosa oder fleischfarben.
Rechts der Maipilz. Die Lamellen sind extrem engstehend und schmal. Die Farbe ist reinweiß bis cremeweiß – sie verfärben sich auch im Alter nicht.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Schnittbilder der beiden Pilze.
Links der Schildrötling. Die Lamellen sind ausgebuchtet und mit Zähnchen angewachsen, mit Zwischenlamellen – die Schneiden wellig, gekerbt.
Rechts der Maipilz. Die Lamellen sind ausgebuchtet angewachsen (Burggraben wie bei den Ritterlingen üblich), manchmal mit Zahn etwas am Stiel herablaufend, mit Zwischenlamellen. Die Schneiden sind glatt.
Foto: Catrin Berseck

 

Frische madenfreie und einwandfrei bestimmte Maipilze zum Verzehr…
Foto: Catrin Berseck


20.05.2025 – Mittwoch

Das Kleine Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus) benötigt offene Graslandschaften. Man findet es auf mageren Wiesen, Weiden, Trockenrasen, an Wegrändern und in Heidegebieten – also in unserem heutigen Kartierungsgebiet.
Foto: Christian Boss

Nachdem unsere letzte geplante Mittwochs- bzw. Kartierungsexkursion aufgrund des angesagten Regens abgesagt werden musste, hatten wir heute diesbezüglich auch Bedenken… 

Da nur Christian und ich heute los gehen wollten, haben wir heute fleißig das Wetter und die angesagten Niederschläge beobachtet und uns dann entschlossen, zur heutigen Kartierung aufzubrechen. Und wir hatten Glück – gegen 16 Uhr waren die Regengebiete bei Sternberg durchgezogen und die große Gewitterfront erreichte Sternberg erst gegen 19.30 Uhr am Ende unserer Exkursion.

Wir hatten heute eine sehr schöne Exkursion im Landschaftsschutzgebiet der Oberen Seen bei Sternberg bei Sonnenschein und mit ganz tollen Funden.

Nicht nur den Pilzen – auch den Pflanzen und Insekten widmeten wir heute in dieser einmaligen heideartigen Landschaft unsere Aufmerksamkeit.

Einen ausführlichen Bericht findet ihr hier.

Catrin

Blick in das Landschaftsschutzgebiet Obere Seen bei Sonnenschein. Die Kombination aus den mittelhohen Haufenwolken (Altocumulus) in der Mitte und den hohen Federwolken (Cirrus) im äußeren oberen Bereich kündigen bereits eine Änderung der Wetterlage und die heranziehende Gewitterfront an.
Foto: Christian Boss


21.05.2026 – Donnerstag

Maipilze (Calocybe gambosa) gibt es gerade überall zu finden.
Foto: Catrin Berseck

Heute war ich noch mal unterwegs, um ein paar Maipilze zu sammeln.

Und habe dabei nebenbei auch andere Pilze finden können. Heute mal nach Roy Black: „Ganz in weiß“…

Nach ergiebigen Regenfällen wachsen sogenannte Zersetzer (Saprobionten) am schnellsten. Sie erscheinen oft schon nach 3 bis 4 Tagen nach dem Regen, da sie Feuchtigkeit direkt aus totem Holz oder der Humusschicht aufnehmen.

Beliebte und bekannte Vertreter sind beispielsweise Champignons (z. B. der Stadt-Champignon und der Weiße Anis-Champignon) – aber auch die Stäublinge. Die Stäublinge sind übrigens auch eine Pilzgattung aus der Familie der Champignonverwandten (Agaricaceae).

Steinpilze oder Pfifferlinge gehören zu den Mykorrhizapilzen und brauchen nach dem Regen deutlich länger. Sie bilden oft erst nach 10 bis 14 Tagen die ersten Fruchtkörper. Also haben wir diesbezüglich noch etwas Geduld…

Catrin

„Huckepack-Maipilz“ – eine Mutation, die sich „Rosecomb“ oder „inverse Prolifikation“ nennt und gar nicht mal so selten ist. Es handelt sich um eine abnormale Verformung, bei der Lamellen, Poren oder missgebildete Mini-Hüte auf der Oberseite des Pilzhutes wachsen.
Foto: Catrin Berseck

 

Stadtchampignon (Agaricus bitorquis), auch als Stadtegerling oder Scheidenegerling bekannt, Der wuchtige Stiel trägt einen charakteristischen Doppelring. Der obere Ring steht trichterförmig nach oben, während der untere Ring wie eine kleine Scheide nach unten abziehbar ist.
Foto: Catrin Berseck

 

Der Schafchampignon (Agaricus arvensis), auch bekannt als Weißer Anis-Champignon oder Schaf-Egerling, wächst vor allem auf gedüngten Wiesen und Weiden.
Foto: Catrin Berseck

 

Der Hasen-Stäubling (Lycoperdon utriformes), auch bekannt als Hasenbovist oder Getäfelter Großstäubling, wächst vorwiegend auf Wiesen, Weiden und Trockenrasen.
Foto: Catrin Berseck


22.05.2026 – Freitag

Blick auf die letzte Pilzausstellung im Kloster Rehna 2017. Ca. 300 bis 400 Frischpilzarten werden durch die fleißigen Helfer zusammen getragen und sind dort zu bewundern.

Da es den stationären Steinpilz Wismar in der ABC-Straße 21 in Wismar nicht mehr gibt, findet seit letztem Jahr auch keine Pilzausstellung mehr in Nordwestmecklenburg statt. Aus diesem Grund habe ich mich mit Torsten Richter vom Pilzverein „Heinrich Sternberg“ Rehna e.V. in Verbindung gesetzt und angefragt, ob wir nicht dieses Jahr etwas gemeinsam mit dem Steinpilz Wismar „Reinhold Krakow“ e.V. auf die Beine stellen wollen – und zwar wieder im Kloster Rehna.

Die „Tage der Pilze“ im Kloster Rehna gehörten bis 2017 zu den größten Frischpilzausstellungen im norddeutschen Raum und wurden alljährlich vom Pilzverein „Heinrich Sternberg“ Rehna e.V. organisiert und vom Steinpilz Wismar unterstützt.

Torsten Richter war von der Idee begeistert und hatte für heute einen Termin mit „Klosterfrau“ Annalena im Kloster Rehna organisiert, an dem ich dabei war.

Und jetzt die erfreuliche Nachricht – die traditionsreichen „Tage der Pilze“ werden nach 8 Jahren Ruhepause dieses Jahr wieder vom 10.10. bis 11.10.2026 im historischen, stimmungsvollen Ambiente des Kreuzgangs der mittelalterlichen Klosteranlage zu Rehna statt finden!

Jetzt geht es an die Planung, damit diese Veranstaltung bei allen Teilnehmern zu einem unvergesslichen Erlebnis wird.

Unterstützung wurde uns heute bereits durch die Stadt Rehna und den Klosterverein Rehna e.V. zugesagt. Die Mitglieder des Pilzvereins „Heinrich Sternberg“ Rehna e.V. werden ihren Beitrag dazu leisten – und ich hoffe auch, dass sich von den vielen Vereinsmitgliedern oder Freunden des Steinpilz Wismar „Reinhold Krakow“ e.V. einige (in welcher Form auch immer) aktiv daran beteiligen werden.

Wir planen und organisieren jetzt erst einmal und halten euch auf dem Laufenden.

Catrin

Gemeinsame Freude über die geplante Pilzausstellung bei Torsten vom Rehnaer Pilzverein, Annalena vom Kloster Rehna und Catrin vom Steinpilz Wismar.
Foto: Torsten Richter

 

Der Kreuzgang im Backsteinbau des Klosters Rehna bietet ideale Bedingungen für eine Pilzausstellung.

 

Viele Besucher gab es die letzten Jahre während der „Tage der Pilze“ in Rehna. Und wir hoffen, dass es dieses Jahr auch wieder viele Pilzbegeisterte dort hin zieht!


23.05.2026 – Sonnabend

Eine der größten und kräftigsten heimischen Seggenarten ist die Ufer-Segge (Carex riparia). Sie zeichnet sich durch ihren enormen Ausbreitungsdrang und ihre Robustheit aus. Dadurch eignet sie sich perfekt zur natürlichen Uferbefestigung und als Filterpflanze an großen Gewässern.
Foto: Torsten Richter

Nach dem erfolgreichen Gesprächstermin im Kloster Rehna bin ich gestern mit Torsten dann noch kurz in ein kleines Seggenried bei Grieben gefahren. Ein Seggenried ist eine hauptsächlich mit Seggen (Sauergräsern) bewachsene Feuchtfläche. Ein charakteristisches Merkmal der Seggen sind die dreikantigen Stiele.

An Seggen (Carex) kommt eine Vielzahl hochspezialisierter Ascomyceten (Schlauchpilze) vor, die als Saprophyten auf abgestorbenen Pflanzenteilen oder als Parasiten auf lebendem Gewebe leben. Aufgrund der harten, kieselsäurehaltigen Blätter der Sauergräser sind viele dieser Pilzarten exklusiv an diese Wirtsfamilie angepasst. Das sind unter anderem verschiedene Arten von Kleinstpilzen der Pyrenomyceten und Discomyceten, die nur mikroskopisch bestimmbar sind – dem Steckenpferd von Torsten.

Ein paar Eindrücke von gestern nachfolgend.

Einige wissenschaftliche Pilznamen haben den Zusatz „nom.prov“. Einen provisorischen Namen, der einem Organismus zugeordnet wird, bevor eine formale, wissenschaftlich gültige Benennung erfolgt, bezeichnet man als nomen provisorium („vorläufiger Name“). Diese werden häufig verwendet, wenn die Klassifizierung eines neuen Fundes noch nicht vollständig gesichert ist, aber dennoch eine vorübergehende Referenz benötigt wird. Die Abkürzung „aff.“ steht für das lateinische Wort affinis (verwandt/ähnlich) und kennzeichnet in der Taxonomie eine Art, die einer bekannten Spezies stark ähnelt, aber nicht völlig identisch ist.

Catrin

Torsten in seinem Element…
Foto: Catrin Berseck

 

Grevilles Warzenhaarbecherchen (Cistella grevillei) an Fluss-Ampfer (Rumex hydrolapathum). Die Gattung Cistella (auf Deutsch oft als Haarbecherchen bezeichnet) umfasst eine Gruppe von winzigen, becherförmigen Schlauchpilzen (Ascomycota) Weltweit sind knapp 40 Arten bekannt, die mikroskopisch klein sind und saprobiontisch auf abgestorbenem Pflanzenmaterial, Holz oder Nadeln leben.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Fettes Seggenweichbecherchen (Mollisia pilosa) an Ufer-Segge (Carex riparia).
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Birnensporiges Reynoutria-Weichbecherchen (Mollisia revincta aff. nom. prov.) an Japanischem Staudenknöterich (Reynoutria japonica).
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Dennisiodiscus ist eine Pilzgattung aus der Familie der Dermateaceae. Die Gattung umfasst 10 Arten. Der Gattungsname Dennisiodiscus ist zu Ehren von Richard William George Dennis, britischer Botaniker und Pflanzenpathologe. Wir sehen hier Dennisiodiscus “ripariae“ nom. prov. Baral an Ufer-Segge (Carex riparia).
Foto und Bestimmung: Torsten Richter


24.05.2026 – Pfingstsonntag

Die ersten Täublinge dieses Jahr auf unserer heutigen öffentlichen Wanderung zeigten sich auch schon. Hier sehen wir einen Täubling der Sektion griseinae. Pilze dieser Sektion sind makroskopisch (mit bloßem Auge) extrem schwer voneinander unterscheidbar.
Foto: Christian Boss

Heute trafen sich 7 Pilzfreunde zu einer öffentlichen Wanderung im Mühlenholz bei der Plüschower Mühle.

Das Mühlenholz, zwischen Wismar und Grevesmühlen und südlich der Ortschaft Naschendorf gelegen, ist ein relativ kleines Waldgebiet, welches ganz überwiegend von Laubbäumen gebildet wird. Neben Pappeln und Erlen finden sich vor allem Rotbuchenbestände mit eingestreuten Eichen und Hainbuchen. Am Rande fließt der Mühlenbach und es finden sich auch kleinere Feuchtbereiche und Waldtümpel.

Die Erwartungen waren aufgrund des gerade erst einsetzenden Pilzwachstums nicht allzu hoch – wurden aber mit über 30 gefundenen Arten übertroffen. Und davon bereits sehr viele Frischpilzarten, mit denen wir gar nicht gerechnet hatten.

Da alle Teilnehmer Naturliebhaber sind, war es eine sehr schöne Wanderung – auch mit vielen tollen anderen Funden.

Mit leerem Korb musste trotz der kaum gefundenen Speisepilze aber Niemand nach Hause gehen – ich hatte gestern Maipilze und Sklerotienporlinge gefunden und den Teilnehmern mitgebracht.

Einen ausführlichen Bericht findet ihr hier.

Catrin

Blick in das Mühlenholz bei schönstem Sonnenschein.
Foto: Christian Boss


27.05.2026 – Mittwoch

Die Schnecken freuten sich auch über den ersten Sommersteinpilz (Boletus reticulatus)… Standortfoto am 21.05.2026 in Nordwestmecklenburg.
Foto: Gregor Buhl

Durch die ergiebigen Niederschläge Mitte Mai und die jetzigen sommerlichen Temperaturen nimmt die Anzahl der Pilzarten in Wald und Flur langsam zu.

Viele Pilze, die von den meisten Pilzsuchern auch im Herbst gesammelt werden, insbesondere Röhrlinge, Champignons und Pfifferlinge, wachsen zum Teil bereits schon jetzt. Über Funde von Flockenstieligen Hexenröhrlingen und Champignons haben wir bereits berichtet. Aber auch die ersten Sommersteinpilze und Pfifferlinge wurden bereits gesichtet…

Einige Wetterdienste sagen allerdings für die nächsten 14 Tage weiterhin sommerliche Temperaturen und kaum Niederschläge voraus. In Verbindung mit der nahezu stärksten Sonneneinstrahlung des Jahres, wird es sehr schnell ab- und austrocknen. Es zeichnet sich tatsächlich eine erste Trockenperiode ab.

Damit sollte das beginnende Pilzwachstum schnell zum Erliegen kommen… 

Catrin

 

Gregor fand auch bereits die erste „Pfifferlingsbrut“. Standortfoto ebenfalls vom 21.05.2026 in Nordwestmecklenburg.
Foto: Gregor Buhl

 

Auch Eiman hat am 26.05.2026 in Nordwestmecklenburg die ersten Pfifferlinge entdeckt.
Foto: Eiman Khwiled

 

Und während überall schon die ersten Sommerpilzarten gefunden werden, wachsen bei Phillip im Garten tatsächlich noch frische Morcheln… Standortfoto vom 25.05.2026.
Foto: Phillip Buchfink


29.05.2026 – Freitag

Für Ende Mai ein toller Anblick! Der erste Parasol (Macrolepiota procera).
Foto: Hanjo Herbort

Jedes Jahr aufs Neue ist es für mich ein Ansporn, möglichst früh die ersten Funde bestimmter Gattungen oder Arten zu machen. So suche ich ab Mitte Mai bereits nach den ersten Täublingen oder gar Wulstlingen, nachdem ich die Röhrlinge mit den Flockenstieligen Hexenröhrlingen abgehakt habe, konnte ich dann vor einigen Tagen den ersten Grauen Wulstling finden.

Heute Nachmittag hatte ich etwa 3 Stunden Zeit, um diesem kuriosen Hobby erneut nachzugehen und ein wenig Habitats-Hopping zu betreiben.

Ich begann im unweiten reinen Kalkbuchenwald. Dort war absolut gar nichts zu finden – außer ein paar Ackerlingen am geschotterten Weg – aber die zählten nicht.

Also ein Sprung in einen Buchenwald mit eingestreuten Nadelbäumen. Immer in der Hoffnung auf die ersten Papageien-Täublinge. Finden ließ sich hier jedoch kein Täubling, sondern der erste Schmierröhrling des Jahres. Ein Goldröhrling hatte das Licht der Welt erblickt und wurde von mir abgelichtet. Wenn schon kein Täubling, so doch ein erfreulicher Fund für mich.

Hiervon angespornt fuhr ich ins nächste Habitat. Eine noch aktive Kieskuhle versprach an deren Rand evtl. ein paar Körnchenröhrlinge, die kommen ja gerne so früh. Aber trotz intensivem Suchen war hier nichts zu machen…

Dafür überraschte mich am Straßenrand plötzlich ein heller kräftiger Pilz – tatsächlich der früheste Parasol, den ich bisher finden konnte. Ich war entzückt!

Nun lockte mich eine kleine Gruppe Birken, um hier noch mal genauer zu schauen. Und da standen sie: 3 rosa-rot gefärbte Täublinge mit ockergelben Lamellen. Recht kräftig von der Statur. Wenn sie nicht scharf in der Geschmacksprobe ausgefallen wären, hätte ich sie zu den Ledertäublingen verortet. Aber so bleiben sie als Russula spec. unbestimmt. Aber das stört mich nicht – ich habe sie gefunden, meine Mai-Täublinge und bin glücklich damit! Egal wie sie heißen..

Hanjo

Der erste Schmierröhrling 2026 – ein Goldröhrling (Suillus grevillei) unter Lärchen.
Foto: Hanjo Herbort

 

Unter einer Gruppe Birken plötzlich der erste Täubling 2026. Nur welcher ist es … Da waren sie wieder – die 3 Probleme des Täublingsfinders: ein rötlicher Täubling, darauf folgende Ratlosigkeit und dann aufkommende Verzweiflung…😅😉
Foto und Bestimmung: Hanjo Herbort


31.05.2026 – Sonntag

Ein wunderschöner Sommersteinpilz (Boletus reticulatus) heute am Standort.
Foto: Alexander Niemann

Zum Ende des Monats gab es dann erfreuerlicherweise doch noch hier und da ein paar Röhrlingsfunde.

Mir ging es wie Hanjo – die naheliegenden Buchenwälder waren fast pilzleer. Deswegen habe ich Parkanlagen aufgesucht und wenigstens am Freitag ein paar Netzstielige Hexenröhrlinge gefunden. Die Ersten für dieses Jahr – natürlich wie immer vermadet.

Erfolgreicher war dagegen Alexander heute, der in der Lewitz-Region bereits eine ansehnliche Anzahl an wunderschönen und sogar madenfreien Sommersteinpilzen gefunden hat.

Und den tollsten Fund hat mal wieder unser Raritätenjäger Andreas gemacht. Er fand am Freitag Gelbe Hexenröhrlinge (Neoboletus junquilleus). Es handelt sich hierbei um einen extrem seltenen blaufärbenden Röhrling, der optisch fast vollständig narzissengelb gefärbt ist. Aufgrund seiner extremen Seltenheit ist er in vielen europäischen Ländern (unter anderem in Deutschland) auf der Roten Liste gefährdeter Arten erfasst .

Catrin

Sommersteinpilze als siamesische Zwillinge.
Foto: Alexander Niemann

 

Die heutige Ausbeute von Alexander.
Foto: Alexander Niemann

 

Netzstielige Hexenröhrling (Suillellus luridus) am 29.05.2026.
Foto: Catrin Berseck

 

Gelber Hexenröhrling bzw. Falscher Schwefelröhrling (Neoboletus junquilleus). Es handelt sich um eine extrem seltene Farbform bzw. eigenständige Art aus dem Umfeld der Hexenröhrlinge, die sich durch das völlige Fehlen von Rottönen auszeichnet. Von Andreas am 29.05.2026 gefunden.
Foto: Andreas Okrent


 

22.04.2026 – MTB 2236/2 – Am Bronzenen Hirsch am Groß Labenzer See

Mittwochsexkursion

Messtischblatt Sternberg

22. April 2026

Auch für Pilz- und Naturinteressierte Gäste

Im MTB 2236/2 – bei Friedrichswalde

Blick auf den Groß Labenzer See.
Foto: Christian Boss


Heute ging es in den 2. Quadranten des Messtischblattes 2236 Sternberg.

Ziel unserer heutigen Kartierungsexkursion war das Revier Weiße Krug bei Friedrichswalde am Groß Labenzer See. Dazu trafen sich 4 Pilzfreunde des Vereins „Reinhold Krakow“ e.V. auf dem Waldparkplatz bei Friedrichswalde.

Das Waldgebiet besteht aus vielseitigen Buchenbereichen mit alten Eichen sowie sandigere Nadelwaldbereiche. Im Uferbereich des Sees finden wir auch viel Totholz.

Im Herbst ein sehr pilzreiches Gebiet, dass das Herz der Speisepilzsammler höher schlagen lässt. Wir haben aber erst April und müssen uns mit den Frischpilzen und Speisepilzen hier noch etwas gedulden.

Aber es handelt sich ja schließlich bei der Kartierung um eine Bestandsaufnahme der zu dieser Jahreszeit vorkommenden Pilze. Und die viel heute leider auch nicht sehr groß aus.

Nachfolgend ein paar Eindrücke von der heutigen Exkursion aus diesem wunderschönen Gebiet.

Catrin (Text, Fotoauswahl und -beschriftung), Sylvina (Artenliste)

 

Zunderschwamm (Fomes fomentarius) ist ein mehrjähriger Baumpilz, der vor allem als historisches Hilfsmittel zum Feuermachen bekannt ist. Er wächst als Schwächeparasit an Laubbäumen, bevorzugt an Buchen und Birke.
Foto: Christian Boss

 

Verschiedene Arten von Pilzmücken und Echten Fliegen nutzen das zersetzende Gewebe des Zunderschwammes (Fomes fomentarius) für ihre Larvenentwicklung. Der Fruchtkörper des Zunderschwamms dient auch zahlreichen Insektenarten als Nahrungsgrundlage. Bei einer Untersuchung in Norwegen, die sich auf Käfer beschränkte, wurden 35 Käferarten auf den Fruchtkörpern gesammelt.
Foto: Christian Boss

 

Einer der Kiefernzapfenrüblinge (Strobilurus spec.). Es wird zwischen zwei Hauptvertretern unterschieden, die sich äußerlich nicht trennen lassen:
Der Milde Kiefernzapfenrübling (Strobilurus stephanocystis) schmeckt immer angenehm mild und pilzig. Der Bittere Kiefernzapfenrübling (Strobilurus tenacellus) kann sowohl bitter als auch mild schmecken. Eine sichere Unterscheidung zum milden Verwandten ist nur mikroskopisch möglich.
Foto: Maria Schramm

 

Ganzjährig findet man an abgestorbenem oder geschwächtem Laubholz die Rötende Tramete (Daedaleopsis confragosa), oft auch als Rötender Blätterwirrling bezeichnet. Das ist ein häufiger Baumpilz, der vor allem durch seine namensgebende Farbreaktion bekannt ist.
Foto: Christian Boss

 

Das namensgebende Merkmal der Rötenden Tramete ist die Verfärbung der Unterseite (Hymenophor) bei Druck oder Reiben. Die Poren laufen dann rosa bis weinrötlich an. Die Unterseite kann sehr variabel sein – von feinen Poren über ein labyrinthisches Muster bis hin zu lamellenähnlichen Strukturen.
Foto: Maria Schramm

 

Der Zaunblättling (Gloeophyllum sepiarium) besiedelt fast ausschließlich totes Nadelholz (besonders Fichte), sowohl im Wald auf Stümpfen als auch an verbautem Holz wie Zäunen, Bänken oder Balken.
Foto: Christian Boss

 

Typisch für den Zaunblättling sind die eng stehenden, lamellenartigen Rippen, die oft labyrinthisch verzweigt sind.
Foto: Christian Boss

 

Buckeltramete (Trametes gibbosa). Ältere Exemplare sind fast immer mit Grünalgen besiedelt, was ihnen eine charakteristische grüne Farbe verleiht, die besonders in der Mitte des Hutes intensiv ist.
Foto: Christian Boss

 

Junger RotrandigerBaumschwamm (Fomitopsis pinicola). Er bevorzugt Nadelholz (besonders Fichte), besiedelt aber auch wie hier gerne Buchen.
Foto: Christian Boss

 

Die Poren des Rotrandigen Baumschwamms sind sehr fein und und bei frischen Exemplaren oft zitronengelb. Getrocknet eignet er sich z.B. auch zum Färben von Wolle, wobei gelbe Farbtöne entstehen.
Foto: Christian Boss

 

Rotbuchen-Rindenkugelpilz (Biscogniauxia nummularia), auch bekannt als Pfennig-Kohlenkruste oder Münzenförmiger Rindenkugelpilz, ist ein holzbewohnender Pilz aus der Familie der Holzkeulenverwandten. Der Pilz bildet schwarze, krustenförmige und flache Fruchtkörper (Stromata). Diese brechen oft durch die Rinde und wirken wie dunkle, münzenähnliche Flecken oder Pockennarben.
Foto: Christian Boss

 

Buche und Eiche umarmen sich – solche Bäume werden umgangssprachlich oft „Ehepaarbäume“ oder „Hochzeitsbäume“ genannt. Meist verwachsen Bäume der gleichen Art, doch können auch unterschiedliche Arten miteinander verschmelzen, was wie hier eher einem „Umschlingen“ gleicht.
Foto: Christian Boss

 

Informationstafel zum Bronzenen Hirsch.

 

Christian, Maria und Sylvina vor dem Bronzenen Hirsch und dem Mausoleum von Paul Wedekind und seinen Familienangehörigen – dem ehemaligen Besitzer des naheliegenden Schlosses Friedrichswalde.
Foto: Eiman Khwiled


Die Artenliste am Groß Labenzer See bei Friedrichswalde – MTB 2236/231 NO Sternberg:

Buchen-Rindenschorf (Ascodichaena rugosa), Buchen-Pfennigkruse (Biscogniauxia nummularia), Rötende Tramete (Daedaleopsis confragosa), Stäublings-Schleimpilz (Enteridium lycoperdon), Zunderschwamm (Fomes fomentarius), Rotrandiger Baumschwamm (Fomitopsis pinicola), Zaunblättling (Gloeophyllum sepiarium), Brandkrustenpilz (Kretzschmaria deusta), Gemeiner Spaltblätting (Schizophyllum commune), Striegeliger Schichtpilz (Stereum hirsatum), Buckel-Tramete (Trametes gibbosa), Striegelige Tramete (Trametes hirsuta), Schmetterlingstramete (Trametes versicolor), Geweihförmige Holzkeule (Xylaria hypoxylon)


Wann startet die nächste Lehrwanderung? Siehe unter Termine!


 

18.04.2026 – Öffentliche Wanderung auf der Insel Poel

Öffentliche Pilzlehrwanderung

Pilzwandern im Jahr des Igelstachelbartes

Auf der Insel Poel

18. April 2026

Blick vom Küstenschutzwald auf die Ostsee.
Foto: Isa Krietzsch


Es ist schon eine Weile her, dass auf der Insel Poel eine Öffentliche Wanderung oder Exkursion statt fand. Letztmalig 2017 und 2020 – also wurde es endlich mal wieder Zeit, der Insel einen Besuch abzustatten.

Ziel unserer Pilzwanderung war heute der Küstenschutzwald an der Nordküste der Insel. 9 Teilnehmer trafen sich auf dem Parkplatz am Schwarzen Busch. Von dort wanderten wir 5 km durch den Küstenschutzwald bis nach Gollwitz, wo wir für den Rückweg 2 PKW vorab geparkt hatten.

Der Küstenschutzwald dient nicht nur als lebendige Pufferzone, die Wellen abbremst, den Boden stabilisiert und die Abtragung von Gestein durch Wind und Wasser verhindert. Neben dem Küstenschutz trägt der Wald zum Bodenschutz bei und bietet auch Lebensraum für verschiedene Pflanzen, Tiere und natürlich Pilzarten.

Normalerweise ist dieses Gebiet für Morchel- und Maipilzvorkommen bekannt. Aber dafür war es heute dann doch noch ein wenig zu früh. Trotzdem konnten wir 20 Pilzarten finden und erklären.

Da wir alle naturinteressiert sind, haben wir uns nebenbei auch Bäume, Kräuter und anderen interessante Dinge auf dieser Wanderung angesehen. So wurde es am Ende für alle Teilnehmer eine interessante und lehrreiche Wanderung bei schönstem Frühlungswetter.

Ein paar Eindrücke findet ihr nachfolgend.

Catrin (Text, Fotobeschriftung und Artenliste)

 

Gleich zu Beginn der Wanderung zeigt Catrin den Teilnehmern mit gebrachte Morcheln und Lorcheln.
Foto: Isa Krietzsch

 

Am Ausgangspunkt unserer heutigen Wanderung – der Kleine Eichenwald am Schwarzen Busch. Ursprünglich bezog sich der Name „Schwarzer Busch“ auf ein kleines, mit alten Eichen bestandenes Waldstück, welches heute nur noch als Rest existiert. Möglicherweise aber gab dem Waldstück auch ein Bauer namens Schwarz seinen Namen, welcher seinen Hof, den “Schwarzenhof” in unmittelbarer Nähe des Waldstückes hatte.
Foto: Dirk Fuhrmann

 

Christian konnte im Eichenwald diesen Star im Foto fest halten. Der Star (Sturnus vulgaris) ist einer der häufigsten Singvögel weltweit und war in Deutschland der Vogel des Jahres 2018. Stare sind meisterhafte Imitatoren und können andere Vogelstimmen oder sogar Umgebungsgeräusche wie Alarmanlagen oder Handyklingeltöne perfekt nachahmen.
Foto: Christian Boss

 

Und Isa hatte dann auch gleich den ersten Pilzfund – für sie persönlich auch ein langersehnter Erstfund. Anemonenbecherlinge (Dumontinia tuberosa) an Scharbockskraut.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Sporen des Anemonen-Becherlings unter dem Mikroskop mit den 4 Zellkernen in den Sporen.
Foto und Bestimmung: Catrin Berseck

 

Wir gingen den Wanderweg durch den Küstenschutzwald vom Schwarzen Busch in Richtung Gollwitz.
Foto: Dirk Fuhrmann

 

Christian und sein Sohn Theo hatten etwas am Strand entdeckt…
Foto: Isa Krietzsch

 

Dieses kleine Kunstwerk hat ein ca. 12-jähriger Junge am Strand gebaut. Es soll den Kölner Dom darstellen.
Foto: Christian Boss

 

Wieder auf dem Wanderweg schauen sich alle links und rechts des Weges nach Pilzen um.
Foto: Isa Krietzsch

 

Farbenfrohe Schmetterlingstrameten
(Trametes versicolor).
Foto: Isa Krietzsch

 

Eine vorjährige Geweihförmige Holzkeule
(Xylaria hypoxylon).
Foto: Isa Krietzsch

 

Ein innen hohler Weidenstumpf ist bei alten Exemplaren und Kopfweiden ein natürlicher Prozess. Weiden sind sehr regenerationsfähig und können trotz komplett hohlem Stamm weiterleben. Das Kernholz verrottet, während die wasserführende Rindenschicht außen intakt bleibt.
Foto: Dirk Fuhrmann

 

Christian und Theo fotografierten zwischendurch Vögel, die wir euch nicht vorenthalten möchten. Buntspecht (Dendrocopos major) – übersetzt man seinen wissenschaftlichen Namen, so müsste der Buntspecht eigentlich „großer Baumhämmerer“ heißen. Und das nicht zu unrecht: Sein schnelles Trommeln ist meist über weite Strecken zu hören.
Foto: Christian Boss

 

Der Zaunkönig (Troglodytes troglodytes) ist einer der kleinsten und lebhaftesten Singvögel Europas. Trotz seiner winzigen Größe von nur ca. 10 cm ist er für seinen außergewöhnlich lauten und schmetternden Gesang bekannt, der bis zu 90 Dezibel erreichen kann.
Foto: Christian Boss

 

Wir machten dann noch einmal einen kurzen Ausflug zum Strand und gingen dort ein Stück an der Steilküste entlang.
Foto: Isa Krietzsch

 

Tang und Seepocken an einem Stein in der Ostsee.
Foto: Isa Krietzsch

 

Die Brackwasser-Seepocke (Amphibalanus improvisus) ist eine weltweit verbreitete Art der Rankenfußkrebse. Als eine der wenigen Seepockenarten gedeiht sie hervorragend in Brackwasser (z. B. in der Ostsee) und verträgt einen Mindestsalzgehalt von nur etwa 6 ‰.
Foto: Catrin Berseck

 

Der Huflattich (Tussilago farfara) ist einer der ersten Frühlingsboten und eine traditionsreiche Heilpflanze. Er fällt besonders dadurch auf, dass seine gelben Blüten bereits ab Februar erscheinen, lange bevor sich die hufeisenförmigen Blätter entwickeln.
Foto: Isa Krietzsch

 

Wieder auf dem Wanderweg angekommen, zeigten sich dann endlich die ersten Pilze mit Hut und Stiel am Wegesrand.
Foto: Isa Krietzsch

 

Es handelte sich um Grünblättrige Schwefelköpfe (Hypholoma fasciculare) – ein extrem häufiger, giftiger Pilz, der fast das ganze Jahr über büschelig an Totholz (Laub- und Nadelholz) wächst.
Foto: Catrin Berseck

 

Und weiter ging es mit Frühlings-Faserlingen (Psathyrella spadiceogrisea). Er ist einer der ersten Blätterpilze, die im Frühjahr (oft ab März) erscheinen. Er gehört zur Familie der Mürblingsverwandten und ist ein typischer Folgezersetzer.
Foto: Isa Krietzsch

 

Einer der Haustintlinge (Coprinellus domesticus agg.).
Foto: Catrin Berseck

 

Ein Merkmal des Haus-Tintlings (Coprinellus domesticus agg.) ist das Ozonium – ein auffälliges, rostbraunes bis orangefarbenes Myzelgeflecht. Dieses struppige Geflecht aus Pilzfäden überzieht oft das Substrat – meist verrottendes Laubholz.
Foto: Isa Krietzsch

 

Wir erreichten dann den 1953 errichteten Leuchtturm Gollwitz-Nord – ein schlichter Zweckbau aus Beton und Stahlblech, der vor allem als Leitfeuer für die Schifffahrt in der Wismarer Bucht dient.
Foto: Dirk Fuhrmann

 

Eine interessante Wucherung an einem jungen Laubbaum.
Foto: Isa Krietzsch

 

Dieses Kunstwerk wurde nicht von der Natur, sondern von Menschenhand geschaffen.
Foto: Isa Krietzsch

 

Der Weidenfeuerschwamm (Phellinus igniarius) ist ein weit verbreiteter Baumpilz, der vor allem an Weiden eine intensive Weißfäule verursacht. Die Oberseite ist bei jungen Pilzen grau bis graubraun, wird im Alter fast schwarz und ist oft tief rissig.
Foto: Isa Krietzsch

 

Der Stäublings-Schleimpilz (Enteridium lycoperdon) ist einer der auffälligsten Schleimpilze in hiesigen Wäldern. Er ist kein echter Pilz, sondern gehört zur Gruppe der Myxomyceten – einzelligen Organismen, die sich amöbenartig fortbewegen können.
Foto: Isa Krietzsch

 

Als schleimiges Plasmodium „kriecht“ der Stäublings-Schleompilz über das Holz, um Bakterien und Pilzsporen zu fressen. Zur Fortpflanzung erstarrt er an einer exponierten Stelle zu dem charakteristischen weißen Kissen.
Foto: Isa Krietzsch

 

Weitere Schleimpilze (Trichia sp.) an einem finalvermorschten Baumstamm.
Foto: Catrin Berseck

 

Und ganz zum Schluss entdeckte Martina dann noch diese Becherlinge aus der Gattung Peziza.
Foto: Isa Krietzsch

 

Auch in dieser Form waren sie zu finden. Ich hoffe, wir können ihnen nach dem Mikroskopieren noch einen Namen geben.
Foto: Isa Krietzsch

 

Wir kamen dann am Ziel unserer Wanderung in Gollwitz an. Die Fünf Eulen am Dorfteich weisen auf das dortige Restaurant gleichen Namens hin.
Foto: Dirk Fuhrmann


Die Artenliste vom Wanderweg im Küstenschutzwald vom Schwarzen Busch nach Gollwitz – 1934-431 SO Kaltenhof:

Judasohr (Auricularia auricula-judae), Angebrannter Rauchporling (Bjerkandera adusta), Orangerotes Brennnesselbecherchen (Calloria neglecta), Riesenbovist – alte FK (Calvatia gigantea), Mahonienrost (Cumminsiella mirabilissima), Anemonenbecherling (Dumontinia tuberosa), Stäublings-Schleimpilz (Enteridium lycoperdon), Samtfußrüblinge – alte FK (Flammulina velutipes agg.), Zunderschwamm (Fomes fomentarius), Grünblättriger Schwefelkopf (Hypkoloma fasciculare), Schwefelporling -alter FK (Laetiporus sulphureus), Zugespitzter Kugelpilz (Leptosphaeria acuta), Weidenfeuerschwamm (Phellinus trivalis), Brombeerrost (Phragmidium violaceum),
Austern-Seitling – alte FK (Pleurotus ostreatus), Früher Faserling (Psathyrella spadiceogriseae), Gemeiner Spaltblättling (Schizophyllum commune), Schmetterlingstramete (Trametes versicolor), Geweihförmige Holzkeule (Xylaria hypoxylon)


Wann startet die nächste Lehrwanderung? Siehe unter Termine!


 

08.04.2026 – MTB 2236/1 – Um den Glammsee bei Warin

Mittwochsexkursion

Messtischblatt Sternberg

08. April 2026

Auch für Pilz- und Naturinteressierte Gäste

Im MTB 2236/1 – bei Warin

Blick über den Glammsee bei schönstem Frühlingswetter.
Foto: Hanjo Herbort


Auch in diesem Jahr starten wir wieder traditionell zu unseren Mittwochsexkursionen.

Dabei geht es nicht in erster Linie um das Erkennen und Sammeln von Speisepilzen, sondern es sind Kartierungsexkursionen. Wir streifen durch ein beliebiges Gebiet, schauen uns um und notieren alle Pilzarten, die uns vor die Nase kommen. Dabei kann man natürlich jede Menge lernen und somit sind natürlich auch Gäste herzlich willkommen.

Ausgelost wurde zum Start der Saison das Messtischblatt 2236 – Sternberg. Wie immer begannen wir mit dem 1. Quadranten. Wir haben uns für unsere Kartierung für den ca. 6 km langen Rundgang um den Glammsee bei Warin entschieden.

Das Wetter war die letzten Tage nicht gerade „pilzfreundlich“. Nachttemperaturen um den Gefrierpunkt, fehlende Niederschläge und der starke Wind der letzten Tage verzögern das Pilzwachstum. Dementsprechend fanden wir auch nur eine Frischpilzart – konnten aber trotzdem insgesamt 25 Arten in unsere Kartierungsliste aufnehmen.

Für die 6 Teilnehmer des Steinpilz Wismar „Reinhold Krakow“ e.V. war es dennoch eine sehr schöne Exkursion bei herrlichem Sonnenschein. Wir widmeten unser Augenmerk nicht nur den Pilzen – auch Bäume, Vögel und Insekten erregten unser Interesse.

Nachfolgend ein paar Impressionen von dieser Exkursion. 

Catrin (Text, Fotoauswahl und -beschriftung), Sylvina (Artenliste)

 

Unser Rundweg begann in Warin im Wohngebiet am Sportplatz.
Foto: Hanjo Herbort

 

Erlenbrüche mit Weiden, Hasel, Spitzahorn und ein paar Eschen im Uferbereich des Glammsees zu Beginn unserer Exkursion.
Foto: Hanjo Herbort

 

Die Anis-Tramete (Trametes suaveolens) findet man das ganze Jahr über als Folgezersetzer (Weißfäuleauslöser) an totem oder geschwächtem Laubholz. Sie ist vor allem für ihren intensiven, angenehmen Anis- oder Fenchelgeruch bekannt. Die Oberseite ist anfangs weißlich-filzig und wird im Alter kahl und gelblich.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Unterseite der Anistramete hat weißliche bis hellbräunliche Poren.
Foto: Catrin Berseck

 

In diesem Bereich waren viele Schneckenhäuser, die als zuverlässige Kalkanzeiger (Indikator für kalkhaltige Böden) gelten. Ihr häufiges Vorkommen, besonders von Arten wie der Weinbergschnecke, deutet auf einen kalkreichen Untergrund hin, da Schnecken große Mengen Calcium für den Bau und die Reparatur ihrer Gehäuse benötigen. In Verbindung mit den dort vorkommenden Eschen evt. ein Morchelhabitat.
Foto: Hanjo Herbort

 

Die Eschen-Kohlenbeere (Hypoxylon petriniae) bildet rotbraune bis purpurbraune, krustenförmige Fruchtkörper (Stromata) mit schwärzlichen Rändern aus, die auf abgestorbenen Ästen von Eschen zu finden sind.
Foto: Catrin Berseck

 

Kurze Pause in der Nähe des Aussichtsturms. Ein besonderes Highlight in Warin sind die sprechenden Bänke, die auch am Glammsee vorhanden sind.
Foto: Hanjo Herbort

 

Durch einen gescannten QR-Code mit dem Smartphone erzählen die Bänke spannende Geschichten wie die Sage vom „Fuhrmann und die sieben Jungfrauen“ oder von der geheimnisvollen „Prinzessinsschlucht“, die tief mit der Stadt und ihrer Umgebung verbunden sind. Die lebendigen Erzählungen machen Geschichte erlebbar und bieten einen märchenhaften Zugang zur Region.
Foto: Catrin Berseck

 

Am Wegesrand immer mal wieder alte Stieleichen (Quercus robur),
Foto: Hanjo Herbort

 

Für die Entstehung solcher auffälliger Wucherungen an Eichenzweigen sind Insekten verantwortlich. Es handelt sich hier um die Galle der Eichenrosengallwespe (Andricus fecundator), die der Larve als Schutzraum und Nahrungsquelle dient.
Foto: Christian Boss

 

Weiter geht es – alle schauen sich fleißig nach Pilzen am Wegrand um.
Foto: Hanjo Herbort

 

Geweihförmige Holzkeule (Xylaria hypoxylon) mit ihrem typischen Aussehen eines winzigen Hirschgeweihs.
Foto: Catrin Berseck

 

Eingetrockneter Warziger Drüsling (Exidia nigricans).
Foto: Catrin Berseck

 

Und endlich die ersten Frischpilze! Der Frühe Mürbling (Psathyrella spadiceogrisea), oft auch als Frühlings-Mürbling oder Früher Faserling bezeichnet, ist einer der ersten Blätterpilze, die im Frühjahr erscheinen. Ihn findet man ab März in feuchteren Laubwäldern und Parkanlagen. Der Hut dunkelbraun bis hell gelblichgrau oder grauweißlich und fühlt sich etwas wachsartig an. Der Stiel ist weiß und Lamellen grau bis grauschwärzlich.
Foto: Christian Boss

 

Im Laufe unserer Wanderung erreichten wir einen Abschnitt mit fast ausschließlich Lärchen. Dieses Waldstück am Glammsee wird auch forstwirtschaftlich genutzt – wie die zum Abtransport gestapelten Stämme zeigen.
Foto: Sylvina Zander

 

Lärchenzweige, die durch das Fällen der Bäume als Reste am Boden lagen, begannen noch zu blühen.
Foto: Sylvina Zander

 

Hier sehen wir in Nahaufnahme die weibliche Blüte der europäischen Lärche.
Foto: Christian Boss

 

Auf der Hälfte des Rundweges erreichten wir die Brücke über den Tönnisbach kurz vor der kleinen Ortschaft Waldheim.
Foto: Sylvina Zander

 

Blick auf den Tönnisbach in der Nachmittagssonne.
Foto: Christian Boss

 

Eine wunderschöne zentral gestielte Schmetterlingstramete (Trametes versicolor).
Foto: Christian Boss

 

Nahaufnahme der feinsamtigen Oberseite der Schmetterlingstramete.
Foto: Christian Boss

 

Aufmerksamkeit erregte bei uns nicht nur dieses Baumhaus, sondern vor allem der Eschen-Ahorn (Acer negundo), auch Eschenblättriger Ahorn genannt. Er ist im östlichen Nordamerika heimisch und wurde bereits im 17. Jahrhundert in Mitteleuropa eingeführt und ist bis heute eines der am meisten gepflanzten fremdländischen Gehölze.
Foto: Hanjo Herbort

 

Männliche Blüte des Eschen-Ahorn (Acer negundo). Der Baum ist zweihäusig getrenntgeschlechtlich. Es gibt also rein männliche und rein weibliche Bäume – wir sehen hier die Blüte eines männlichen Baumes.
Foto: Christian Boss

 

Christian konnte heute seine neue Kamera testen, die es ihm ermöglicht, auch weit entfernte Objekte zu fotografieren. Hier die Bachstelze (Motacilla alba). Es ist eine Singvogelart aus der Familie der Stelzen und Pieper. Sie fällt durch ihr kontrastreiches, schwarz-weiß-graues Gefieder und den stelzentypischen Wippschwanz auf. Der charakteristische Ruf ist ein hohes, metallisches dschiwid.
Foto: Christian Boss

 

Und zum Schluss fanden wir tatsächlich noch „Steinpilze“ im Beet einer Kleingartenanlage am Glammsee.
Foto: Hanjo Herbort

 

Unser obligatorisches Gruppenfoto in einer Weidenallee kurz vor Waldheim. V.l.n.r.: Sylvina, Hanjo, Christian, Catrin, Diana.
Foto: Dorit Meyer

 


Die Artenliste vom Rundweg um den Glammsee bei Warin – MTB 2236/112 NW Sternberg:

Buchen-Rindenschorf (Ascodichaena rugosa), Judasohr (Auricularia auricula-judae), Eichen-Wirrling (Daedalea quercina), Rötende Tramete (Daedaleopsis confragosa), Stäublings-Schleimpilz (Enteridium lycoperdon), Warziger Drüsling (Exidia nigricans), Zunderschwamm (Fomes fomentarius), Rotrandiger Baumschwamm (Fomitopsis pinicola), Zusammenfließende Kohlenbeere (Hypoxylon cohaerens), Rotbraune Kohlenbeere (Hypoxylon fuscum), Eschen-Kohlenbeere (Hypoxylon petriniae), Schiefer Schillerporling (Inonotus obliquus), Laubholz-Harzporling (Ischnoderma resinosum), Brandkrustenpilz (Kretzschmaria deusta), Kiefernnadel-Spaltlippe (Lophodermium pinastri), Kiefernschütte-Spaltlippe (Lophodermium seditiosum), Herber Zwergknäueling (Panellus stipticus), Pflaumen-Feuerschwamm (Phellinus pomaceus), Brombeerrost (Phragmidium violaceum), Birkenporling (Piptoporus betulinus), Früher Faserling (Psathyrella spadiceogriseae), Anistramete (Trametes suaveolens), Schmetterlingstramete (Trametes versicolor), Geweihförmige Holzkeule (Xylaria hypoxylon), Buchenfruchtschalenholzkeule (Xylaria carpophila)


Wann startet die nächste Lehrwanderung? Siehe unter Termine!


 

Pilze und Wetter April 2026

Wetter und Pilzwachstum in Mecklenburg

Tagebuch zu Pilze und Wetter April 2026

April ist Morchelzeit!


01.04.2026 – Mittwoch

Im April beginnt die Morchelzeit. Aus dem Süden Deutschlands sind bereits viele Funde gemeldet worden. Bei uns im Norden wird es erfahrungsgemäß und wetterbedingt noch ca. 2 Wochen dauern, bis wir erfolgreich auf Suche gehen können.

Aber wo suche und finde ich Morcheln?

Es gibt nicht nur die „Morchel“, sondern verschiedene Arten, die auch andere Ansprüche an das Habitat haben. Wir wollen euch hier mal einen kleinen Überblick geben, in welchen Habitaten ihr erfolgreich auf Suche gehen könnt. Grundkenntnisse über Bodenbeschaffenheit, Bäume und Zeigerpflanzen sind wie bei jeder Pilzsuche dabei hilfreich.

Spitzmorcheln

  • Bevorzugen saure Böden an sonnenbegünstigten Stellen, z.B. an Wegrändern, auf Holzlagerplätzen
  • Wachsen vorwiegend in der Streu oder gehäckselter Rinde in Nadelwäldern
  • Sind deshalb auch oft auf frisch gemulchten Beeten in Öffentlichen Anlagen, auf Supermarktparkplätzen oder in Gärten zu finden (Rindenmulchmorchel)

Die Spitzmorchel (Morchella conica) findet sich häufig und dann meist sehr zahlreich auf Rindenmulch von Nadelbäumen.

 

Speise- und Käppchenmorcheln

  • Beide Arten erscheinen ungefähr zur selben Zeit und in denselben Habitaten
  • Bevorzugen neutrale bis basische Bodenbereiche, vorzugsweise Auwälder, Uferbereiche von Bächen oder Gräben
  • Als Begleitbäume fungieren hier hauptsächlich Eschen, Pappeln und Weißdornsträucher sowie Obstbäume auf ungedüngten Streuobstwiesen sowie in vernachlässigten Gärten
  • Die Suche im Wurzelbereich der genannten Bäume ist oft erfolgreich
  • Zeigerpflanzen sind u.a.: Aronstab, Bärlauch, Bingelkraut, Gelbes Windröschen, Lärchensporn, Lungenkraut, Märzenbecher, Pestwurz, Schlüsselblume, Seidelbast

Die beliebtesten und wertvollsten Speisepilze des Frühlings sind die Speisemorcheln (Morchella esculenta). Wenn der Löwenzahn im April oder Mai blüht sind sie in Auenwäldern, Parkanlagen, Gärten, auf Ödland oder Schutthalden zu finden.

 

Die Käppchen-Morchel bzw. Halbfreie Morchel (Morchella semilibera) ist die häufigste Morchel und wächst zur selben Zeit wie die Speisemorchel – an ähnlichen Stellen und oft sind sogar beide Arten am gleichen Standort anzutreffen. Ihr glockenförmiger Hut sitzt wie ein Zipfelmützchen mit überhängendem Rand dem Stiel auf. Innen ist der Fruchtkörper hohl.


02.04.2026 – Donnerstag

Frühjahrs-Giftlorchel (Gyromitra esculenta) heute bei Rühn im Kiefernforst.
Foto: Catrin Berseck

Verwechslungspartner der essbaren Morcheln ist die Giftlorchel (Gyromitra esculenta), auch als Frühjahrslorchel bekannt. Sie erscheint bereits ab März bevorzugt auf sandigen Böden in Nadelwäldern (besonders bei Kiefern).

Trotz des irreführenden lateinischen Namens (esculentus = essbar) sollte sie niemals verzehrt werden. Sie enthält das Toxin Gyromitrin, das im Körper zu Monomethylhydrazin (MMH) – einem Bestandteil von Raketentreibstoff – abgebaut wird. Das Gift schädigt massiv Leber und Nieren und kann zu neurologischen Störungen (Krampfanfälle) führen. Neuere Studien bringen den wiederholten Verzehr sogar mit einem erhöhten Risiko für die Nervenkrankheit ALS in Verbindung.

Während Morcheln einen wabenartigen Hut mit netzartig vertieften Gruben (wie Bienenwaben) haben, ist der Hut der Giftlorchel hirnartig gewunden, wulstig, faltig, oft rotbraun bis kastanienbraun. Der weißliche Stiel der Giftlorchel ist innen anfangs markig und später hohl und gekammert. Die weißlichen bis creme-ockerfarbenen Stiele der Morcheln sind dagegen brüchig und bilden mit dem wabenartigen Hut meist einen durchgehenden Hohlraum.

Catrin

 

Die Hüte der Giftlorchel sind rotbraun bis kastanienbraun und hirnartig gewunden.
Foto: Catrin Berseck

 

Im Schnittbild dieser jungen Giftlorchel sieht man den markigen Stiel, der später hohl und gekammert ist.

 


03.04.2026 – Freitag (Karfreitag)

Scheiben-Lorchel (Gyromitra ancilis). Die Oberseite (Fruchtschicht) ist meist hell- bis dunkelbraun, rotbraun oder tabakbraun und wellig-runzelig bis faltig.
Foto: Ivy Brümmer

Auch unser Vereinsmitgleid Ivy hat gestern eine kurze Runde in einem Nadelwald bei Velgast gedreht. Neben Kelchbecherlingen hat sie einen engen Verwandten der Giftlorchel gefunden – die Scheiben-Lorchel (Gyromitra ancilis) an einem bemoosten Nadelbaumstubben.

Die Scheiben-Lorchel (Gyromitra ancilis) wächst als Folgezersetzer vor allem auf morschem Nadelholz (besonders Fichte) oder in dessen unmittelbarer Nähe auf moosigen Böden. Eine sehr ähnliche Art, die Schildförmige Scheibchenlorchel (Gyromitra parma), wächst bevorzugt an Laubholz wie Pappel oder Erle.

Wie alle Lorcheln enthält die Scheiben-Lorchel den Giftstoff Gyromitrin, der Leber und Nieren schädigen kann und somit als potentiell giftig einzustufen ist. Auch wenn in einigen Büchern oder auf Internetseiten geschrieben wird, dass der Pilz essbar sei, ist dringend vom Verzehr abzuraten. Die Scheiben-Lorchel steht auch nicht auf der „Positivliste der Speisepilze“ der DGfM, so dass sie von Pilzsachverständigen und Pilzberatern auch nicht zum Verzehr frei gegeben wird.

Catrin

 

Die Unterseite der Scheiben-Lorchel (Gyromitra ancilis) ist deutlich heller und oft aderig.
Foto: Ivy Brümmer


04.04.2026 – Sonnabend

Anemonen- und Scharbockskraut-Sklerotienbecherlinge sind gestielte krug- oder pokalförmige Fruchtkörper von etwa 1 – 3 cm.
Foto: Catrin Berseck

Heute habe ich unser Vereinsmitglied Anne in Rostock besucht. Nachmittags haben wir einen Spaziergang durch den Lindenpark bis zu den Wallanlagen gemacht.

Die heute als Lindenpark bekannte historische Anlage am Saarplatz wurde 1831 als der erste städtische Friedhof vor den Toren Rostocks eingeweiht. Der Park zeigt in seiner Gartenarchitektur und Botanik zahlreiche Besonderheiten – seine bis zu 170 Jahre alten Lindenalleen,  alte Grabpflanzungen, unter Schutz stehende Einzelbäume verschiedener Arten und eine reiche Wildflora.

Auf dem feuchten Boden unter den alten noch nicht belaubten Bäumen waren Teppiche aus Scharbockskraut (Ficaria verna), die teilweise sogar schon blühten. Also schauten wir uns dort mal nach den kleinen braunen Becherlingen um.

Zu unserer Freude fanden wir sogar 2 Arten, wie die nachträgliche mikroskopische Untersuchung zeigte. Beide Pilze lassen sich nur anhand der Sporengröße und Anzahl der Zellkerne sicher unterscheiden.  Es handelte sich um den sehr selten nachgewiesenen und noch nicht publizierten Zweikernigen Scharbockskraut-Sklerotienbecherling (Sclerotinia binucleata Baral ined.) und den optisch nicht zu trennenden Anemonenbecherling (Dumontinia tuberosa). Für den Zweikernigen Scharbockskrautsklerotienbecherling gibt es derzeit erst 2 Einträge in der Datenbank für M/V.

Nachfolgend ein paar Fotos mit Erklärungen.

Catrin

 

Sowohl der Anemonen- als auch der Scharbockskrautbecherling entspringen einem bis zu 15 mm langen, unregelmäßig geformten schwarzen Sklerotium, das innen weiß ist und mit dem Wurzelsystem der Wirtspflanze in Verbindung steht.
Foto: Catrin Berseck

 

Der Scharbockskraut-Sklerotienbecherling (Sclerotinia binucleata) ist ein spezialisierter, kleiner Schlauchpilz, der im zeitigen Frühjahr fast ausschließlich bei seiner Wirtspflanze, dem Scharbockskraut (Ficaria verna), zu finden ist.
Foto: Catrin Berseck

 

Sporen des Scharbockskraut-Sklerotienbecherlings (Sclerotinia binucleata). Zu sehen sind an den Polen 2 Öltropfen und dazwischen 2 Zellkerne.
Foto und Bestimmung: Catrin Berseck

 

Der Anemonenbecherling (Dumontinia tuberosa) wächst fast ausschließlich in der Nähe von Buschwindröschen. Seltener befällt er auch – so wie hier – Scharbockskraut.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Sporen des Anemonenbecherlings (Dumontinia tuberosa) sind etwas größer und haben 4 Zellkerne.
Foto und Bestimmung: Catrin Berseck


06.04.2026 – Ostermontag

Gerade im Frühjahr findet man viele Pflanzen, die mit Rostpilzen befallen sind.
Foto: Catrin Berseck

Über die Osterfeiertage haben sich bestimmt viele Hobbygärtner in ihren Gärten aufgehalten. Bewusst oder unbewusst haben dabei sicherlich Einige auch schon Pilze auf Pflanzen gesehen. Natürlich sind solche Pilze auch in der Natur zu finden.

Pflanzenpilze werden auch phytoparasitische Kleinpilze genannt. Es sind spezialisierte Pilzarten, die lebende Pflanzen befallen und sich von Ihnen ernähren. Das können – um nur einige zu nennen – Falsche und Echte Mehltaue, Wucherlinge, Brand- und Rostpilze sein.

Gerade jetzt im Frühjahr kann man auch verschiedene Rostpilze finden. Es handelt sich dabei um eine einzigartige Gruppe innerhalb der Pilze, in deren Entwicklungszyklus es 5 Sporenstadien gibt. Teilweise vollführen diese Pilze innerhalb ihrer Entwicklungsstadien auch einen Wirtswechsel, z.B. auf Gräser oder Gehölze, durch.

Hier ein paar Fotos vom Rainkohlrost (Puccinia lapsanae) aus meinem Garten. Vielleicht achtet ihr in Zukunft ja auch mal auf solche phytoparasitischen Kleinpilze.

Catrin

 

Der Gemeine Rainkohl (Lapsana communis) ist ein heimisches Wildkraut, das trotz seines Namens kein Kohl, sondern ein Korbblütler (verwandt mit Chicorée und Kopfsalat) ist.
Foto: Catrin Berseck

 

Rainkohlrost (Puccinia lapsanae). Hier sieht man auffällige violette Blattflecken, auf denen sich die becherförmigen gelben Aezien mit einem hellen zerschlitzten und umgebogenen Rand befinden.
Foto: Catrin Berseck


08.04.2026 – Mittwoch

Bei schönstem Sonnenschein auf dem Wanderweg um den Glammsee bei Warin.
Foto: Christian Boss

Heute war es endlich soweit – unsere 1. Vereins- und Kartierungsexkursion fand dieses Jahr statt. Ziel dieser ersten Kartierung war das Messtischblatt 2236 Sternberg. Wir starteten im ersten Quadranten in Warin. 6 Vereinsmitglieder trafen sich um 16 Uhr am vereinbarten Treffpunkt.

Ausgesucht hatten wir den Wanderweg rund um den Glammsee. Da es noch etwas früh im Jahr ist und die Witterungsbedingungen mit Nachttemperaturen um den Gefrierpunkt und zu wenig Regen in letzter Zeit nicht ideal waren, rechneten wir auch nicht unbedingt mit Frischpilzen. Aber es gibt ja auch andere Pilze, die man derzeit finden und in die Kartierungsliste aufnehmen kann.

Bei schönstem Sonnenschein hatten wir eine sehr schöne Wanderung um den Glammsee und haben uns außer den Pilzen auch viele andere interessante Dinge aus Flora und Fauna angesehen.

Eindrücke von dieser Exkursion inkl. Fundbericht findet ihr hier.

Catrin

Frühe Mürblinge bzw. Frühjahrs-Mürblinge (Psathyrella spadiceogrisea).
Foto: Christian Boss.


14.04.2026 – Dienstag

Wer aufmerksam durch die Natur streift, kann jetzt auch die ersten Haus- bzw. Holztintlinge (Coprinellus sp.) finden.
Foto: Maria Schramm

Wir haben schon wieder Mitte April. In den vergangenen Wochen zeichnete sich vermehrt trockenes Wetter ab. Vor allem durch den zunehmenden Wind, hatten wir schon die Befürchtung, dass wir in diesem Frühling wieder einen Hungeraspekt erleben, so wie wir es aus dem vergangenen Jahr kennen. Allerdings befinden sich die Temperaturen weiterhin auf niedrigem Niveau, was dafür sorgt, dass die Böden nur sehr langsam austrocknen. Wir profitieren also weiterhin vom Wasser des geschmolzenen Schnees.

Mittlerweile sind auch immer wieder leichte Regenschauer übers Land gezogen. Diese sind auch wichtig, damit die Oberböden genug Feuchtigkeit behalten, um den Frühlingspilzen einen guten Start zu ermöglichen. In den nächsten Tagen erwarten wir auch wieder höhere Temperaturen, was für die Entwicklung förderlich sein sollte. Abzuwarten bleibt, ob wir auch weiterhin gelegentlich Niederschläge erwarten dürfen.

Auch in der Natur steht der Frühling spürbar in den Startlöchern. Die Krautschicht wächst, die ersten Sträucher schlagen aus. Die Anemonen beginnen damit, unsere Laubwälder in ein weißes Blütenmeer zu verwandeln.

Auch bei den Pilzen tut sich etwas. Bisher war es noch recht dürftig, was Frischpilze anbelangt. Typische Frühlingsarten suchte man bisher fast vergeblich. Pünktlich für Mitte April wurde aber nun bereits von den ersten Morchelfunden in Nordwestmecklenburg berichtet. Es geht also langsam aber sicher los, passend zum Wetter. In ein bis zwei Wochen sollte es dann mit etwas Glück und Gespür möglich sein, sich den ersten Korb mit Speisepilzen zu füllen. Hoffen wir also auf gute Wetterbedingungen.

Phillip

 

Glimmertintlinge (Coprinellus micaceus) sollen im jungen Alter sehr gut schmecken. Durch das enthaltene Gift Coprin sollte aber strikt auf Alkohol verzichtet werden.
Foto und Bestimmung: Phillip Buchfink

 

Bisher haben sich die Frühjahrslorcheln (Gyromitra esculenta) nicht mit Ruhm bekleckert. Etwas spät dran, aber doch noch zu finden. Durch das enthaltene Gyromitrin ist vom Verzehr abzuraten.
Foto: Phillip Buchfink

 

Lärchenzapfen und weibliche Blüten der Lärche.
Foto: Phillip Buchfink


16.04.2026 – Donnerstag

Speise-Morcheln (Morchella esculenta agg.) heute am Standort.
Foto: Catrin Berseck

Seit dieser Woche werden vermehrt Morchelfunde in Mecklenburg-Vorpommern gemeldet. Also bin ich dann heute auch mal los gezogen.

Reinhold sagte immer: Wenn der Löwenzahn blüht, ist Morchelsaison. Nun gut – ich habe heute nur einen blühenden Löwenzahn gesehen – dafür aber aber tatsächlich bereits einige Speisemorcheln (Morchella esculenta agg.) gefunden.

Und das nicht in ihrem typischen Habitat unter Eschen in Auwäldern mit den Zeigerpflanzen oder unter Obstbäumen. Sie wuchsen ganz einfach untypisch in einer Kiesgrube…

Unter meinen Speisemorchel-Funden war auch eine dunklere Speisemorchel – evt. die Graue Speisemorchel (Morchella vulgaris). Viele Autoren trennen die einzelnen Variationen der Speisemorcheln jedoch nicht – es gibt in dieser Beziehung noch größeren Forschungsbedarf. Für den normalen Pilzsammler sind aber alle Variationen essbar.

Ich bin anschließend noch in einen Kiefernforst gegangen und habe zum direkten Vergleich eine Gift-Lorchel (Gyromitra esculenta) dazu geholt, um nochmals den Unterschied zwischen essbarer Morchel und giftiger Lorchel zu zeigen.

Catrin

Der Löwenzahn (Taraxacum sect. Ruderalia) blüht.
Foto: Catrin Berseck

 

Hier sehen wir die Speisemorchel (Morchella esculenta agg.) mit ihrem hellbraunen und unregelmäßig wabenartigen Hut.
Foto: Catrin Berseck

 

Im direkten Vergleich:
links evt. Graue Speisemorchel (Morchella vulgaris), mitte Speisemorchel (Morchella esculenta agg.) und rechts Gift-Lorchel (Gyromitra esculenta)
Foto: Catrin Berseck


17.04.2026 – Freitag

Spitzmorchel (Morchella elata) heute in Bützow.
Foto: Catrin Berseck

Und es morchelt weiter!

Heute habe ich in Bützow mal kurz ein paar Beete mit frisch aufgebrachtem Rindenmulch inspiziert. Und das auch noch erfolgreich – die Spitzmorcheln sind tatsächlich auch schon da.

Die Spitzmorchel (Morchella elata) trägt viele weitere Namen wie z.B. Zipfelmützenmorchel, Hohe Morchel, Köstliche Morchel oder aufgrund des häufig besiedelten Substrats Rindenmulchmorchel (RiMuMo). 

Im Gegensatz zur Speisemorchel, die eher einen eiförmig geformten Hut hat, hat die Spitzmorchel einen spitz-kegeligen bis schlank-ovalen Hut und ist meistens etwas dunkler gefärbt. Gemeinsam haben beide Morchelarten die wabenartige Hutstruktur und den hohlen Stiel.

Beides sind vorzügliche Speisepilze, die allerdings nur ausreichend gegart gegessen werden sollten.

Catrin 

Die Spitzmorchel wird im Volksmund auch Rindenmulch-Morchel (RiMuMo) genannt, da sie auf frischem Rindenmulch oder an alten Holzlagerplätzen zu finden ist.
Foto: Catrin Berseck

 

Links Speise-Morcheln (Morchella esculenta) und rechts Spitzmorcheln (Morchella elata) im direkten Vergleich.
Foto: Catrin Berseck


18.04.2026 – Sonnabend

Grünblättrige Schwefelköpfe (Hypholoma fasciculare).
Foto: Catrin Berseck

Heute fand unsere erste öffentliche Pilzlehrwanderung 2026 auf der Insel Poel statt.

9 Teilnehmer fanden sich pünktlich am vereinbarten Treffpunkt am Schwarzen Busch ein. Von dort gingen wir den ca. 5 km langen Wanderweg im Küstenschutzwald bis nach Gollwitz und fuhren dann mit einigen dort vorab geparkten Fahrzeugen zum Ausgangspunkt zurück.

Unsere Erwartungen bezüglich Speisepilzen  und Morcheln waren nicht sehr hoch – sollten sich leider auch nicht erfüllen. Aber es war ja auch eine Lehrwanderung und diesbezüglich gab es viel zu entdecken und zu lernen. 

Trotzdem konnten wir uns über einige Frischpilze, wie Tintlinge, Faserlinge und sogar Grünblättrige Schwefelköpfe freuen.

Bei schönstem Frühlingswetter hatten wir eine sehr schöne Wanderung in einer eindrucksvollen Natur und widmeten unsere Aufmerksamkeit neben den Pilzen auch Bäumen, Kräutern und Vögeln.

Eine ausführliche Beschreibung von dieser Wanderung findet ihr hier.

Catrin

Durch den Küstenschutzwald vom Schwarzen Busch nach Gollwitz.
Foto: Dirk Fuhrmann


19.04.2026 – Sonntag

Speisemorchel (Morchella esculenta agg.) heute am Standort fotografiert.
Foto: Alexander Niemann

Gestern auf Poel waren leider keine Morcheln zu finden.

Aber es geht ja mit den Temperaturen langsam aufwärts und heute und morgen gibt es stellenweise endlich Regen. Also lasst euch nicht entmutigen, wenn ihr bis jetzt noch keine gefunden habt. 

Alexander war dafür heute in Nordwestmecklenburg in der Nähe von Parchim und Schwerin sehr erfolgreich auf Morchelsuche. Haupsächlich unter Eschen in Auwäldern und auf verlassenen Plätzen und Grundstücken.

Mit etwas Glück werdet ihr in den nächsten Tagen vielleicht auch welche finden. Genug Tipps für entsprechende Habitate, in denen ihr euch auf Suche begeben könnt, haben wir euch ja bereits mehrfach hier im Tagebuch gegeben. 

Catrin

 

Wunderschöne Speisemorchel.
Foto: Alexander Niemann

 

Ein ❤ aus den heute gefundenen Speisemorcheln.
Foto: Alexander Niemann


22.04.2026 – Mittwoch

Bronzener Hirsch in der Abendsonne.
Foto: Christian Boss

Heute stand mal wieder eine Kartierungsexkursion auf dem Plan. Dazu trafen sich 4 Vereinsmitglieder im 2. Quadranten des Messtischblattes Sternberg.

Wir hatten vorab das Revier Weiße Krug am Groß Labenzer See ausgewählt. Treffpunkt war in der Nähe des ehemaligen Jagdschlosses Friedrichswalde, welches 1880 vom Kaufmann und Generalkonsul Paul Wedekind erworben wurde. Innerhalb des Waldes am Groß Labenzer See wurde dort 1914 auch ein Mausoleum mit der Skulptur eines bronzenen Hirsches für Paul Wedekind und seine Familienangehörigen errichtet.

Bei schönstem Frühlingswetter hatten die Teilnehmer eine schöne Wanderung durch ein vielseitiges Waldgebiet. Wie vorher zu erwarten war, ließ das Pilzaufkommen so früh im Jahr noch zu wünschen übrig.

Einen ausführlichen Bericht findet ihr hier.

Catrin

Blick auf den Groß Labenzer See.
Foto: Christian Boss


23.04.2026 – Donnerstag (Georgstag)

Junge Maipilze (Calocybe gambosa).
Foto: Phillip Buchfink

Unser Pilzfreund Reinhold hatte immer einen fest durchstrukturierten Tagesablauf. So hat er es auch zu einer Tradition gemacht, pünktlich am 23. April zu seiner ersten Maipilz-Tour zu starten. Die erste Rundtour von vielen, bei denen er im Laufe des Frühlings seine besten Maipilzstellen mit seinem Roller abklapperte und fast immer mit prall gefüllten Körben zurück kam. Von diesen Stellen hatte er reichlich. Wo? Das werden wir wohl nie erfahren. Die Pilze wurden dann beim jährlichen Imbiss in der Wismarer Altstadt zubereitet und verkauft.

Der 23. April ist auch bekannt als Georgstag und für viele der Stichtag für die ersten Maipilze des Jahres. Somit bekam er auch den Beinamen Georgsritterling. Mit etwas Glück kann man ab nun erntereife Exemplare finden – also Augen auf! Und tatsächlich halten sich die Pilze an den Kalender. Die ersten Hexenringe schieben dieser Tage die ersten erntereifen Fruchtkörper an die frische Frühlingsluft.

Daher wollte ich gern an die Tradition anknüpfen und habe mich zu meiner besten Maipilzstelle auf gemacht. Hier ernte ich jedes Jahr mindestens einen großen Korb. 8 große Hexenringe, die zu unterschiedlichen Zeiten sehr ergiebig sind und siehe da: der erste Hexenring hat die Saison eingeläutet. Ungefähr in einer Woche sollte man hier den Korb füllen können, sofern es nicht zu trocken wird.

Phillip

Maipilze (Calocybe gambosa) – auch bekannt als Mairitterling oder Georgsritterling – heute pünktlich zum Georgstag.
Foto: Phillip Buchfink


24.04.2026 – Freitag

Speisemorchel (Morchella esculenta).
Foto: Hanjo Herbort

Dass der flächendeckende Regen von Anfang dieser Woche nun seine Wirkung entfaltet, konnte ich heute auf einem Spaziergang am Inselsee in Güstrow feststellen. Um anderthalb Stunden Wartezeit zu überbrücken wanderte ich an einem von Pappeln und Obstbäumen gesäumten Feldweg ohne große Erwartungen entlang.

Schon nach kurzer Zeit überraschte mich die erste Speisemorchel (Morchella esculenta) in tadellosem Zustand.

Nun wurde der Blick natürlich geschärft und die weitere Strecke langsam und aufmerksam abgesucht. Am geschotterten Wegesrand scheinen gute Bedingungen für Morchelartige zu herrschen.

Es tauchten einige Käppchenmorcheln (Morchella semilibera) auf und auf dem Rückweg entdeckte ich dann für mich als Erstfund eine Fingerhutverpel (Verpa conica). Dieser Schlauchpilz ist laut Kreisel im Mecklenburg-Vorpommern nur sehr zerstreut zu finden und so war dies ein sehr freudiger Abschluss meiner kleinen Wanderung.

Hanjo

Käppchenmorchel (Morchella semilibera) wird auch auch Halbfreie Morchel genannt. Der Hut ist bräunlich bis olivbraun mit wabenartiger Struktur. 
Foto: Hanjo Herbort

 

Der Hut der Käppchenmorchel ist nur im oberen Drittel mit dem Stiel verbunden, der untere Teil steht frei ab (daher „halbfrei“).
Foto: Hanjo Herbort

 

Die Fingerhut-Verpel (Verpa conica) wird auch Glocken-Verpel genannt. Der Hut ist glocken- oder fingerhutförmig, meist glatt bis schwach runzelig und hell- bis dunkelbraun gefärbt.
Foto: Hanjo Herbort

 

Bei der Fingerhutverpel sitzt der Stiel nur an der Spitze (Scheitel) auf, während der Rand frei herabhängt.
Foto: Hanjo Herbort

 

Fingerhut-Verpel (Verpa conica). Der Stiel ist weißlich bis ockerfarben, oft mit feinen Körnchen oder Streifen besetzt.
Foto: Phillip Buchfink


26.04.2026 – Sonntag

Speisemorcheln (Morchella esculenta agg.) aus der Schweriner Gegend.
Foto: Alexander Niemann

Der Löwenzahn steht in voller Blüte – also Morchelzeit!

Das Wetter an diesem Wochenende war genau richtig, um einen Spaziergang zu machen und auch nach Morcheln und anderen Pilzen Ausschau zu halten. Und im Gegensatz zum letzten Jahr lohnt es sich endlich wieder, nach den begehrten Speisemorcheln zu suchen. 2025 war ja leider aufgrund der Trockenheit diesbezüglich fast ein Totalausfall.

Alexander war wieder mal in der Schweriner Gegend unterwegs – auch Maria und Dirk hatten Erfolg im Raum Schwerin auf ihrer Morchelsuche. Anne und ich waren heute in der Wismarer Gegend. Und in beiden Gebieten sind wir alle fündig geworden – wie die nachfolgenden Fotos zeigen.

Also liebe Pilzfreunde – wenn ihr auch endlich mal Morcheln finden möchtet – jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, um sich erfolgreich auf die Suche zu begeben!

Nachfolgend ausnahmsweise ein paar mehr Fotos – so oft findet man die Morcheln ja nun auch nicht.

Catrin

 

Speisemorcheln (Morchella esculenta agg.) im Wismarer Raum im Auwald unter Eschen.
Foto: Catrin Berseck

 

Speisemorcheln (Morchella esculenta agg.) im Schweriner Raum unter Eschen.
Foto: Maria Schramm

 

Speisemorcheln (Morchella esculenta agg.) aus der Region Schwerin.
Foto: Dirk Fuhrmann

 

Speisemorcheln (Morchella esculenta agg.) im Wismarer Raum in einer Kiesgrube.
Foto: Catrin Berseck

 

Speisemorcheln (Morchella esculenta agg.) aus der Schweriner Gegend.
Foto: Alexander Niemann

 

Links Speisemorcheln aus einem Auwald und rechts aus einer Kiesgrube bei Wismar.
Foto: Catrin Berseck

 

Die komplette heutige Morchelausbeute von Alexander.
Foto: Alexander Niemann


27.04.2026 – Montag

Hochgerippte Becherlorchel (Helvella acetabulum). Das markanteste Merkmal sind die kräftigen, helleren Rippen, die vom Stiel ausgehen. Die Farbe der Fruchtkörper variiert in Brauntönen.
Foto: Catrin Berseck

Die Morcheln haben gerade Hochkonjunktur und werden derzeit teilweise massenweise gefunden. Es gibt aber natürlich jetzt auch andere interessante Pilze zu entdecken.

Die Morcheln gehören zu den Schlauchpilzen (Ascomyceten). Der Name „Schlauchpilz“ leitet sich von ihren charakteristischen Fortpflanzungsorganen ab – den schlauchförmigen Asci – in denen die Sporen gebildet werden. Aber z.B. auch Lorcheln und Becherlinge gehören zu den Schlauchpilzen. Davon möchten wir euch heute ein paar Funde vorstellen.

So hatten Anne und ich gestern in einem sandigen kalkhaltigen Gebiet 2 Arten der Becherlorcheln – die Hochgerippte Becherlorchel (Helvella acetabulum) und die Schwarzweiße Rippen-Becherlorchel (Dissingia leucomelaena). Wie viele Lorchelverwandte enthalten beide Giftstoffe (wie Gyromitrin), weshalb vom Verzehr abgeraten wird.

Dagegen sind Phillips und Sylvinas Funde – der Aderige Morchelbecherling (Disciotis venosa) – ein hervorragender Speisepilz, der im Geschmack den echten Morcheln ebenbürtig ist. Wie die Speisemorcheln wächst er bevorzugt auf kalkreichen, feuchten Böden in Auwäldern in der Nähe von Eschen oder auf Streuobstwiesen – oft sogar zusammen mit ihnen.

Catrin

Die Schwarzweiße Rippen-Becherlorchel (Dissingia leucomelaena). Die Innenseite des Becher- bzw. pokalförmigen Fruchtkörpers ist dunkelgrau bis schwarzbraun, während die Außenseite zur Basis hin deutlich heller bis weißlich gefärbt ist.
Foto: Catrin Berseck

 

Hier im Vergleich:
Links die Hochgerippte Becherlorchel (Helvella acetabulum) in Brauntönen und dem deutlich gerippten Stiel, der sich bis in die Außenseite des Fruchtkörpers hoch zieht.
Rechts die Schwarzweiße Rippen-Becherlorchel (Dissingia leucomelaena) mit Grautönen und einem nur leicht längsgerippten Stiel, der erst beim Ausgraben zum Vorschein kommt.
Foto: Catrin Berseck

 

Junger Aderiger Morchelbecherling (Disciotis venosa), im Volksmund oft auch Flatschmorchel oder Aderbecherling genannt. Er zeichnet sich durch seine becher- bis schüsselförmigen Fruchtkörper aus, die im Alter flach am Boden aufliegen können. Ein markantes Merkmal ist der deutliche Chlorgeruch (ähnlich wie Schwimmbadwasser) des frischen Pilzes. Dieser verfliegt jedoch beim Erhitzen bzw. Kochen vollständig.
Foto: Phillip Buchfink

 

Ein älteres Exemplar des Aderigen Morchelbecherlings (Disciotis venosa) auf einer Streuobstwiese. Die Innenseite ist braun und weist bei Reife charakteristische aderige Falten auf.
Foto: Sylvina Zander


28.04.2026 – Dienstag

Der Schuppige Porling (Cerioporus squamosus) ist einer der auffälligsten und größten Baumpilze Mitteleuropas. Er ist bekannt für seine beeindruckenden Hüte, die im Extremfall bis zu 60 cm Durchmesser erreichen.
Foto: Catrin Berseck

Wer jetzt in Auwäldern nach Morcheln sucht, findet sicherlich auch die nicht zu übersehenden Schuppigen Porlinge (Cerioporus squamosus). So fanden auch Anne und ich am letzten Sonntag viele Exemplare.

Als Wundparasit befällt der Pilz die Stämme lebender Laubbäume und schädigt dabei das Kernholz mit einer Weißfäule, kann aber auch saprobiontisch an Totholz wachsen. Bevorzugt werden Eichen, Weiden und Buchen. Die Fruchtkörper erscheinen erst, wenn die Fäule bereits fortgeschritten ist, wachsen aber dann sehr schnell und gehören zu den größten Porlingen in Mitteleuropa. Einzelne Exemplare können schon mal über 60 cm groß werden.

Die Oberseite der Fruchtkörper ist gelbbräunlich mit konzentrischen dunkelbraunen Schuppen, der Hutrand ist anfangs scharfkantig nach unten gebogen. Die Poren auf der Unterseite sind cremeweiß gefärbt. Der Stiel ist dick und feinsamtig, im unteren Teil oft dunkelbraun bis schwarz. Die Fruchtkörper sind meist nieren- bis fächerförmig und wachsen einzeln oder dachziegelartig übereinander. Ein typisches Erkennungsmerkmal ist der deutliche gurkenartige oder mehlige Geruch.

Solange der Pilz jung und zart ist, ist er essbar – er wird jedoch mit zunehmendem Alter und Größe zäh und ist dann völlig ungenießbar. Über den Speisewert des Pilzes gibt es unterschiedliche Aussagen – wenn man aber ganz junge Exemplare nimmt, ist es ein recht guter Speisepilz.

Catrin

Hier sehen wir deutlich die konzentrisch angeordneten, dunkelbraunen namensgebenden Schuppen auf dem blassgelblich bis ockerfarbenen Hut eines jungen Schuppigen Porlings.
Foto: Catrin Berseck

 

Einfach – aber lecker. Junge Schuppige Porlinge in Butter scharf angebraten mit Zwiebeln, Salz und Pfeffer auf Toast.
Foto: Catrin Berseck


29.04.2025 – Mittwoch

Blick in den Tarnewitzer Urwald mit Eschen und allen Morchel-Zeigerpflanzen.
Foto: Beatrice Seidel

Heute haben Bea & Christian aus Berlin und Ivy aus der Nähe von Stralsund uns zu einer privaten Exkursion im Tarnewitzer Urwald getroffen.

Natürlich auch in der Hoffnung, dort Morcheln und Morchelbecherlinge zu finden. Das Habitat stimmte und war wie aus dem Lehrbuch: Auwald mit Eschen und allen gängigen Zeigerpflanzen, wie Aronstab, Schlüsselblumen, Lungenkraut, Anemonen und Gelben Buschwindröschen. Trotz intensiver Suche und Umrunden aller Eschen haben wir dort nicht eine einzige Morchel gefunden.

Aber so ist das mit der Morchelsuche – man kann nicht immer Erfolg haben. Trotzdem hatten wir einen sehr schönen und abenteuerlichen Nachmittagsspaziergang bei bestem Wetter. 

Und natürlich auch ein paar sehr schöne und teils sogar seltene Pilzfunde, die wir euch hier gerne zeigen möchten.

Catrin

 

Zeigerpflanzen für Morcheln: Aronstab (Arum) und Busch-Windröschen (Anemone nemorosa).
Foto: Beatrice Seidel

 

Der Mai-Stielporling (Lentinus substrictus) ist ein typischer Frühjahrspilz, der vor allem zwischen März und Juli an totem Laubholz zu finden ist.
Foto: Catrin Berseck

 

Der Stiel des Maistiel-Porlings ist gräulich-braun und bei ausgewachsenen Exemplaren oft deutlich genattert. Die Poren sind extrem fein und mit bloßem Auge kaum sichtbar.
Foto: Catrin Berseck

 

Der Kohlen-Kugelpilz (Daldinia concentrica), auch als Holzkohlen-Kugelpilz oder „Lebende Holzkohle“ bekannt, ist ein faszinierender Pilz, der wie ein verkohltes Stück Holz aussieht. Er wächst das ganze Jahr über an totem Laubholz, besonders gerne an Eschen.
Foto: Beatrice Seidel

 

Das namensgebende Merkmal ist das Innere: Schneidet man ihn durch, sieht man konzentrische, silbrig-graue Zonen, die an Jahresringe von Bäumen erinnern.
Foto: Ivy Brümmer

 

Der Kupferrote Lackporling (Ganoderma pfeifferi) ist ein seltener, mehrjähriger Baumpilz aus der Familie der Lackporlingsverwandten. Er zeichnet sich vor allem durch seine glanzlose, dunkel- bis kupferrote Kruste und einen charakteristischen süßlichen Geruch aus, der an Bienenwachs oder Honig erinnert.
Foto: Beatrice Seidel

 

Der Gesäte Tintling (Coprinellus disseminatus) ist ein kleiner, zierlicher Pilz, der vor allem durch sein massenhaftes Auftreten auffällt. Er wächst oft in riesigen Gruppen von hunderten oder gar tausenden Fruchtkörpern an totem Laubholz oder Baumstümpfen, was ihm seinen Namen „wie gesät“ eingebracht hat.
Foto: Beatrice Seidel

 

Die Hüte des Gesäten Tintlings sind sehr klein (meist unter 1,5 cm), glockig geformt und deutlich gerieft.
Foto: Beatrice Seidel

 

Der Tarnewitzer „Urwald“ trägt seinen Namen zu Recht… Beim Rückweg wollten wir eine Abkürzung nehmen und mussten uns durch Sumpf, über Gräben und umgestürtzte Bäume kämpfen.
Foto: Ivy Brümmer

 

Bea und Christian haben auf dem Rückweg dann noch diesen Fasanenhahn (Phasianus colchicus) im Bild festhalten können.
Foto: Beatrice Seidel


30.04.2026 – Donnerstag

Wir begannen gestern unsere Exkursion an der Milchstraße Bützower Land. Entlang der Milchstraße gibt es 5 farblich gestaltete Milchkannen. Wenn man den Innenraum einer Kanne betritt, hört man Informationen zur Milchstraße, zu den ortsansässigen Landwirten und zu touristischen Ausflugszielen.
Foto: Ivy Brümmer

Ivy und ich hatten uns gestern schon vormittags getroffen und vor und nach dem Treffen im Tarnewitzer Urwald noch einige andere Gebiete zwischen Bützow und Wismar auf dem Hin- und Rückweg aufgesucht.

So waren wir an 2 meiner Morchelstellen, damit Ivy sie mal in natura sehen und sich natürlich auch ein paar Exemplare mit nehmen konnte. Wir haben auch unterwegs mal immer an ein paar vielversprechenden Gebieten, wie Apfelbaumplantagen, Kleingartenanlagen und Rindenmulchbeeten angehalten und Ausschau gehalten – aber leider auch erfolglos. Die Suche nach Morchelgebieten erfordert eben viel Ausdauer und Zeit – vor allem, da das Wachstum der begehrten Pilze ja nur in einem sehr kurzen Zeitraum von ca. 3 Wochen erfolgt.

Ganz erfolglos ist so eine eine Suche ja nie – es gibt ja schließlich auch andere Pilze und schöne Dinge in der Natur zu entdecken. Und für den Speisekorb war dann gestern auch noch einiges dabei.

Morchelfotos gab es die letzten Tage genug – hier ein paar andere Funde von gestern.

Catrin

 

 

 

Und dort gab es dann auch gleich die ersten Maipilze (Calocybe gambosa).
Foto: Ivy Brümmer

 

Viele der gestern im Laufe des Tages gefundenen Exemplare waren noch sehr klein – aber ein paar größere durften mit und können von Ivy verkostet werden.
Foto: Ivy Brümmer

 

In einem Flußtal in Wismar fanden wir an Totholz diese Schuppigen Porlinge (Cerioporus squamosus). Einige junge Exemplare durften auch zum Verkosten mit.
Foto: Ivy Brümmer

 

Dieser kleine Rehbock ließ sich beim Fressen im Uferbereich von uns überhaupt nicht beirren.
Foto: Ivy Brümmer

 

Eine einzige Käppchenmorchel (Morchella semilibera) ließ sich am Wegrand dann tatsächlich auch noch blicken.
Foto: Ivy Brümmer

 

Riesengroße Becherlinge der Gattung Peziza. Diese Art kann sicher nur mikroskopisch bestimmt werden und bekommt etwas später ihren richtigen Namen.
Foto: Catrin Berseck


 

Pilze und Wetter Januar bis März 2026

Wetter und Pilzwachstum in Mecklenburg

Tagebuch zu Pilze und Wetter Januar bis März 2026

Samtfuß-Rüblinge (Flammulina velutipes).


01.01.2026 – Neujahr

Fliegenpilz (Amanita muscaria)
Aquarell: Sylvina Zander

Mit diesem Aquarell von Sylvina wünschen wir allen Pilzfreunden und Lesern des Tagebuches für 2026 Gesundheit, Glück, Erfolg und Freude.

Der Fliegenpilz ist ein bekanntes Glückssymbol, obwohl er giftig ist.

Die genaue Herkunft ist unklar, aber Theorien umfassen seine frühere Verwendung als Rauschmittel, das Glückgefühle auslöst. Seine auffällige Optik wird mit Magie verbunden.

Und letztendlich können Fliegenpilze Pilzsucher zu Glückspilzen machen, da in ihrer Nähe oft auch die begehrten essbaren Steinpilze zu finden sind.

In diesem Sinne wünschen wir euch allen viel Glück für 2026!

Eure Pilzfreunde des Steinpilz Wismar „Reinhold Krakow“ e.V.

 

 


02.01.2026 – Freitag

Einer der Mooshäublinge (Galerina sp.).
Foto: Christian Boss

Heute trafen sich Torsten, Chris und Christian zu einer privaten Saisonauftakt-Exkursion nordöstlich von Grevesmühlen.

Unser Ziel war der nördliche Teil des Vielbecker Sees. Mit seinem bewaldeten Ufer und dem reichlich vorhandenen Totholz bietet dieses Gebiet gerade zu dieser Jahreszeit ideale Bedingungen, um nach Ascomyceten und kleinen Hutträgern Ausschau zu halten.

Neben Zitter- und Schwarzpappeln sowie einigen wenigen alten Eichen war der häufigste Baum erfreulicherweise die Grauerle (Alnus incana). An diesem Standort hat sie sich bislang noch behauptet und wurde noch nicht von der konkurrenzfähigeren und langlebigeren Schwarzerle (Alnus glutinosa) verdrängt.

Dabei einige seltene Pilze, die Torsten auch erstmalig gefunden hat, wie z.B. den Gemeinen Kristallknorpelporling und den Erlen-Strombecherling, den Phillip letztes Jahr erstmalig für Mecklenburg-Vorpommern gefunden und bestimmt hat.

Im Folgenden haben wir einige unserer schönsten Funde in Fotos zusammengestellt.

Text: Christian und Catrin, Fotobeschriftung: Chris und Catrin

 

Am Nordufer des Vielbecker Sees mit seinem von Grauerlen dominierten Bruchwald findet man viel Totholz, das an feucht-milden Wintertagen Lebensraum für unzählige Pilze bietet.
Foto: Chris Engelhardt

 

Zapfen der Grau-Erle (Alnus incana).
Foto: Christian Boss

 

Der Erlen-Kätzchenbecherling (Ciboria amentacea) wächst – wie der Name schon vermuten läßt – auf verrotteten vorjährigen Kätzchen von Erlen. Heute waren sie an vielen Stellen unter Erlen zu finden.
Foto: Christian Boss

 

Erlen-Stromabecherling (Rutstroemia alni) auf einem entrindeten Stamm von Grau-Erle (Alnus incana). Er bildet kleine, becher- bis schüsselförmige Apothecien aus, die oft gestielt sind. Charakteristisch für die Gattung ist ein oft dunklerer oder gezähnelter Rand.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Ascus und Sporen des Erlen-Stromabecherlings.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Hier sehen wir die sehr großen Sporen und die kleinen runden Konidien des Erlen-Stromabecherlings. Die Konidiensporen werden ungeschlechtlich durch Umbildung von Hyphen oder an Konidienträgern gebildet.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Hier sehen wir die für den Erlen-Stromabecherling typischen „Bonbonsporen“. Eine sehr treffende Bezeichnung für Sporen, die unter dem Mikroskop eine charakteristische Form aufweisen: Die Sporen sind bei Reife septiert und mehrzellig und oft werden kleine Nebensporen (Konidien) an den Enden abgeschnürt, was an die Form eines eingewickelten Bonbons erinnert.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Winter-Helmlinge (Mycena tintinnabulum).
Foto: Christian Boss

 

Wunderschöne Judasohren (Auricularia auricula-judae).
Foto: Christian Boss

 

Graureiher (Ardea cinerea) auf dem Eis. Am Ufer im Hintergrund noch ein Silberreiher (Ardea alba).
Foto: Chris Engelhardt

 

Gelbstieliger Muschelseitling (Sarcomyxa serotina).
Foto: Christian Boss

 

Fastblauer Saftporling (Postia alni) an liegendem Grau-Erlen-Stamm (Alnus incana). Im Gegensatz zum Fastblauenden Saftporling (Postia subcaesia) hat der Fastblaue Saftporling kleinere Fruchtkörper und die Oberfläche des Hutes ist nicht so behaart wie die von Postia subcaesia, sondern eher verfilzt.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Die Poren des Fastblauen Saftporlings (Postia alni) sind rundlich und ca. 4 – 5 mm.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Die Basidiosporen des Fastblauen Saftporlings sind allantoid (wurstförmig) und dünnwandig.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Die Sporen sind sehr klein – nur ca. 5 – 6 x 1 – 1,2 µm.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Geweihförmige Holzkeule (Xylaria hypoxylon).
Foto: Christian Boss

 

Langschnäbeliger Kohlenkrustenpilz (Peroneutypa scoparia) an einem toten Ast von Schwarzem Holunder (Sambucus nigra).
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Der Langschnäbelige Kohlenkrustenpilz ist ein zylindrisch-säulenförmiger schwarzer Kernpilz, der in mehreren Fäden büschelig dem Substrat entspringt.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Hier noch eine Nahaufnahme vom Langschnäbeligen Kohlenkrustenpilz.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Die fast farblosen Sporen des Ascomyceten sind wurstförmig gekrümmt.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Kerndrüsling (Myxarium nucleatum).
Foto: Christian Boss

 

Phleogena faginea heißt im Deutschen zwar „Buchen-Hütchenträger“, der Pilz wächst aber an verschiedenen Laubgehölzen.
Foto: Christian Boss

 

Das Rasige Hängebecherchen (Merismodes anomala) ist ein im Winter häufiger Basidiomyzet, den man auf den ersten Blick für ein Becherchen, also für einen
Ascomyzeten halten könnte.
Foto: Chris Engelhardt

 

Diesen auffälligen Schichtpilz hat Torsten Richter als Zusammenfließender Reibeisenpilz (Radulomyces confluens) bestimmt. Die voll resupinaten Fruchtkörper wachsen u.a. auf abgestorbenen Weiden und anderen Laubbäumen und haben frisch eine wachsartige Haptik.
Foto: Chris Engelhardt

 

Hier sehen wir den Weißfäule auslösenden Gemeinen Kristallknorpelporling (Sidera vulgaris) an sehr morschem Pappelholz. Der Pilz bildet flach auf dem Substrat wachsende (resupinate), weißliche Fruchtkörper aus.
Foto und Fund: Torsten Richter
Bestimmung: Frank Dämmrich

 

Die Poren des Gemeinen Kristallknorpelporlings sind rundlich bis eckig, sehr fein und oft mit bloßem Auge kaum zu erkennen.
Foto und Fund: Torsten Richter
Bestimmung: Frank Dämmrich

 

Und hier sehen wir unter dem Mikroskop die namesgebenden Kristalle des Gemeinen Kristallknorpelporlings.
Foto und Fund: Torsten Richter
Bestimmung: Frank Dämmrich

 

Hier sehen wir die winzigen bläschenförmigen Basidien.
Foto und Fund: Torsten Richter
Bestimmung: Frank Dämmrich

 

Kurzzelliger Rindenpilz (Brevicellicium olivascens) an einem entrindeten Ast von Schwarzem Holunder (Sambucus nigra). Die wachsig-krustige Oberfläche ist locker warzig – zum Rand hin aber zunehmend glatt.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Hier sehen wir in einer Nahaufnahme warzige Oberfläche des Kurzzelligen Rindenpilzes. Wie der Name „Kurzzellig“ bereits verrät, ist dieser Pilz nur mikroskopisch sicher zu bestimmen.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Flaumiger Rindenpilz (Peniophorella pubera) auf einem morschem Stamm der Grau-Erle (Alnus incana).
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Bereits mit Lupe sind die kristallbeschopften Lamprozystiden des Flaumige Rindenpilzes zu sehen.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Hier sehen wir die langen Lamprozystiden des Flaumigen Rindenpilzes durch das Mikroskop.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Für Interessierte dann noch die dickwandige und schlank-spindelige Lamprozystide mit Kristallschopf in Wasser mikroskopiert.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Schleimpilze sind eine ganz besondere Organismengruppe und stehen trotz der Ausbildung von Sporen in mancher Hinsicht den Tieren näher als den Pilzen. Hemitrichia calyculata habe ich bisher fast ausschließlich im Winter gefunden.
Foto und Bestimmung: Chris Engelhardt

 

Torsten, Chris und Christian am Ufer des Vielbecker Sees.
Foto: Christian Boss


03.01.2025 – Sonnabend

Austern-Seitlinge (Pleurotus ostreatus) unter einer Schneehaube.

Heute hat der Winter mit stellenweise starken Schneefällen endgültig in Mecklenburg-Vorpommern Einzug gehalten.

Das steuernde Tief „Tizian“ liegt bei Gotland. Randtiefs ziehen dabei von der Nordsee her mit viel Feuchtigkeit nach Norddeutschland.

Ein Sturmtief über der Ostsee führt kalte polare Meeresluft mit sich und brachte Schnee, Frost sowie teils stürmischen Wind. An der Ostsee treten örtlich Wind- und Sturmböen mit Geschwindigkeiten von 60 bis 70 Kilometern pro Stunde auf, vor allem in Küstennähe besteht zudem ein geringes Risiko für kurze Wintergewitter. In den Nächten kann die Temperatur im Binnenland auf bis zu minus sieben Grad absinken, an der Küste auf minus vier Grad.

Auch in den kommenden Tagen bleibt es laut Deutschem Wetterdienst winterlich.

 

Laut Wettervorhersage bleibt es auch die nächsten Tage winterlich mit Frost und Schnee.
Quelle: Deutscher Wetterdienst


05.01.2026 – Montag

Winterimpression am Neukloster See.
Foto: Catrin Berseck

Heute habe ich einen kurzen Winterspaziergang am Neukloster See unternommen. Es kommt ja schließlich nicht so oft vor, dass wir hier im Norden einen richtigen Winter mit Frost und Schnee haben.

Aufgrund der Schneedecke waren natürlich nicht viele Pilze zu sehen.

Hier ein paar winterliche Impressionen.

Catrin

 

 

Schneebedeckte Flache Lackporlinge (Ganoderma applanatum) an einem Eschenstubben.
Foto: Catrin Berseck

 

Winterlicher Grauweidenbruch.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Tabakbraune Borstenscheibe (Hymenochaete tabacina) ist ein brauner, schichtpilzartigen Pilz mit einer gelbbraunen Zuwachszone. Die Fruchtschicht auf der Unterseite erscheint unter der Lupe borstig behaart. Die Fruchtkörper wachsen ganzjährig auf der Unterseite von Laubbaumästen – vorwiegend auf Grauweiden.
Foto: Catrin Berseck


18.01.2026 – Sonntag

Judasohren (Auricularia auricula-judae) an Hollunder – seinem bevorzugten Substrat.
Foto: Catrin Berseck

Nachdem es endlich mal Temperaturen über dem Gefrierpunkt gab, habe ich einen Ausflug zu einem kleinen See bei Güstrow gemacht und nach Pilzen Ausschau gehalten.

Alle Vertreter der sogenannten „Winter-Speisepilze“ waren dort vertreten, so dass am Ende des kurzen Spazierganges sogar eine ansehnliche Pilzmahlzeit zusammen kam.

Am meisten habe ich mich allerdings über die farbenfrohen Österreichischen Prachtbecherlinge (Sarcoscypha austriaca) sowie den Muschelförmigen Feuerschwamm (Phellinus conchatus) gefreut.

Nachfolgend ein paar schöne Fotos.

Catrin

 

Austernseitlinge (Pleurotus ostreatus).
Foto: Catrin Berseck

 

Die frostresistenten Samtfußrüblinge (Flammulina velutipes agg.), auch Winterrüblinge genannt, sind einer der wenigen Speisepilze, die typischerweise von November bis März fruktifizieren. Sie wachsen fast ausschließlich in Büscheln auf totem Laubholz (besonders Weide, Pappel, Esche, Kastanie).
Foto: Catrin Berseck

 

Der Kreisel-Drüsling (Exidia recisa) – auch Weidendrüsling genannt – wächst fast ausschließlich an toten, noch hängenden Weidenästen. Die Fruchtkörper sind braun (ähnlich wie Kandiszucker), durchscheinend und haben eine glänzend-glatte Oberseite sowie eine körnig-warzige Unterseite.
Foto: Catrin Berseck

 

Farbenprächtige Österreichische Prachtbecherlinge (Sarcoscypha austriaca). Die schüsselförmigen Fruchtkörper sind innen leuchtend rot, außen blasser und fein filzig behaart.
Foto: Catrin Berseck

 

Muschelförmiger Feuerschwamm (Phellinus conchatus) an Weide. Der Pilz bildet flach muschelförmige, wenig abstehende Hüte und oft dachziegelig herablaufend.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Oberseite des Muschelförmigen Feuerschwamms ist konzentrisch gezont, dunkel- bis schwarzbraun, mitunter etwas filzig und häufig bemoost, mit scharfer Kante.
Foto: Catrin Berseck

 

Die heutige Ausbeute an Speisepilzen konnte sich sehen lassen…
Foto: Catrin Berseck


19.01.2026 – Montag

Glänzender Schwarzborstling (Pseudoplectania nigrella).
Foto: Catrin Berseck

Heute habe ich auch noch einmal das frostfreie Wetter ausgenutzt und eine kurze Stippvisite in einem ganz anderen Habitat gemacht.

Ein kalkhaltiger Nadelwald in einem ehemaligen Kiesabbaugebiet war dieses mal das Ziel. Hier ging es mir nicht um Speisepilze.

Ich wollte nachsehen, ob sich die selten zu findenden Ungestielten bzw. Glänzenden Schwarzborstlinge (Pseudoplectania nigrella) schon zeigen. Und zu meiner Freude waren sie wie die letzten beiden Jahre wieder zu finden.

Wie zu erwarten, waren allerdings kaum andere Pilzarten zu sehen.

Catrin

Der Glänzende bzw. Ungestielte Schwarzborstling (Pseudoplectania nigrella) ist ein seltener Schlauchpilz, der vor allem als einer der ersten Frühlingsboten nach der Schneeschmelze auffällt. Er wächst bevorzugt bei Fichten auf moosigem Boden.
Foto: Catrin Berseck

 

Runzelige Koralle (Clavulina rugosa). Der Pilz wächst keulig oder nur schwach verzweigt. Namensgebend ist die längsrunzelige Oberfläche, die oft uneben und höckerig wirkt.
Foto: Catrin Berseck


28.02.2026 – Mittwoch

Der eingefrorene Leuchtturm von Sassnitz als Symbol und beliebtes Fotomotiv des eiskalten Winters im Februar 2026.

Heute mal ein Rückblick auf´s Wetter im Februar 2026 in Mecklenburg-Vorpommern.

Der Februar begann, wie der Januar endete. Mit einer ausgeprägten langen winterlichen Phase mit Frost und Schnee. Extrem kalte Luftmassen aus polaren Zonen führten zu starkem Schneefall und eisigen Temperaturen von bis zu -10 °C und gefühlten -20 °C .

Mit einer Flächenmitteltemperatur von -0,3 °C war Mecklenburg-Vorpommern das kälteste Bundesland in diesem Monat. Und es war der kälteste Februar in M/V seit 2018.

Bis etwa zum 20. Februar herrschte weitgehend winterliches Wetter mit Frost und typischen Winterimpressionen, wie vereisten Küstenabschnitten oder Schnee. Dementsprechend lohnte es sich natürlich nicht, in dieser Frostperiode nach Pilzen Ausschau zu halten.

Erst gegen Ende des Monats setzte Tauwetter ein. Am 25. und 26. Februar gab es zwar morgens noch örtlich Frost und Nebel, tagsüber wurde es jedoch teils sehr mild.

Catrin

 


01.03.2026 – Sonntag

Im späten Winter und zeitigen Frühjahr setzen die kleinen Krokusse erste kräftige Farbtupfer.
Foto: Catrin Berseck

Nachdem es seit ca. einer Woche endlich Temperaturen über dem Gefrierpunkt gab, wurde es mal wieder Zeit, nach Pilzen Ausschau zu halten.

Dazu habe ich mich gestern mit Sandra und Sylvina in der Nähe von Hamburg getroffen. Bereits vor 2 Jahren haben wir dieses Naturschutzgebiet aufgesucht und uns über einige seltene Funde freuen dürfen.

Nachdem der Tag auf der Hinfahrt mit Regen begann, erwartete uns bei unserer Ankunft am späten Vormittag das schönste Frühlingswetter. Wir durchwanderten einen Teil des Sumpf- bzw. Bruchwaldes, der von Grauweiden, Erlen, Birken und Traubenkirschen dominiert wurde. Zurück ging es dann durch einen  angrenzenden Waldbereich mit hauptsächlich alten Buchen, Eichen und viel Totholzanteil sowie Nadelholzbereichen.

Nach der langen Pilzpause freuten wir uns über die ersten Frühblüher sowie einige schöne Pilzfunde. Natürlich begeisterte uns die selten zu findende Trollhand bzw. der Flechtenartige Pustelpilz (Hypocreopsis lichenoides) am meisten – deswegen gibt es auch ein paar mehr Fotos von diesem schönen Pilz.

Hier ein paar schöne Eindrücke und Fotos von unserer privaten Exkurison.

Catrin

Aber auch die ersten Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) zeigen sichen nach dem wochenlangen Frost.
Foto: Catrin Berseck

 

Winterlinge (Eranthis hyemalis)
Foto: Catrin Berseck

 

Blick in das Sumpfgebiet, welches teilweise noch immer vereist ist.
Foto: Sylvina Zander

 

Asch- bzw. Grauweiden (Salix cinerea) und Erlen (Alnus) bilden im Sumpfgebiet die Hauptvegetation.
Foto: Sylvina Zander

 

Und dann fanden wir zu unserer Freude ziemlich schnell die ersten Trollhände (Hypocreopsis lichenoides).
Foto: Sandra Bernhardt

 

Der Weiden-Scheinflechtenpilz (Hypocreopsis lichenoides) wird aufgrund seiner „fingerartigen“ Erscheinung meist als Trollhand bezeichnet. Dieser Name wurde aus dem Schwedischen übsersetzt, wo der Pilz recht häufig vorkommt.
Foto: Catrin Berseck

 

Bei der Trollhand (Hypocreopsis lichenoides) handelt es sich um einen Schmarotzer, der gerne die Tabakbraune Borstenscheibe (Hymenochaete tabacina) besiedelt.
Foto: Catrin Berseck

 

Ältere Fruchtkörper der Trollhand verfärben sich später orange- bis rotbraun und die Oberfläche wird durch die sporenbildenden Perithezien fein punktiert.
Foto: Sandra Bernhardt

 

Hier noch einmal ein wunderschönes Exemplar der Trollhand (Hypocreopsis lichenoides) zusammen mit der Tabakbraunen Borstenscheibe (Hymenochaete tabacina).
Foto: Sandra Bernhardt

 

Erlenkatzenbecherling (Ciboria amentacea) auf den vorjährigen feucht liegenden Erlenkätzchen.
Foto: Sandra Bernhardt

 

Zurück ging es dann am Rande des Sumpfes durch einen mit Altbuchen und Eichen bestandenen Mischwaldbereich.
Foto: Sylvina Zander

 

Immer ein Foto wert: Orangeseitlinge (Phyllotopsis nidulans)
Foto: Sandra Bernhardt

 

Wunderschöner junger Zunderschwamm (Fomes fomentarius).
Foto: Catrin Berseck


17.03.2026 – Montag

Nicht nur ein Thron im Wald für unseren verstorbenen Pilzfreund Reinhold – jetzt tragen wir ihm zu Ehren auch seinen Namen!

Reinhold Krakow – nicht nur ein Name bei Mykologen und Pilzfreunden – eine Institution!

Bereits auf unserer Mitgliederversammlung am 13.01.2026 haben wir beschlossen, den Verein der Gemeinnützigen Gesellschaft Wismar e.V. zu Ehren unseres verstorbenen Freundes und Mentors in Steinpilz Wismar „Reinhold Krakow“ e.V. umzubennen. Heute wurde für die Umbennung und Namensgebung eine weitere bürokratische Hürde, die notarielle Ummeldung zum Vereinsregister, genommen.

Wir haben Reinhold versprochen, seine Arbeit so gut wie möglich fortzusetzen. Das betrifft sowohl die Fortführung der Website, Durchführung von Kartierungsexkursionen und der Weitergabe unseres Wissens bei Öffentlichen Pilzwanderungen sowie auf unseren Seminaren, die weiterhin 2 mal im Jahr statt finden.

Sicherlich werden wir das ehrenamtlich in unserer Freizeit nicht in dem Umfang wie Reinhold leisten können – aber wir hoffen, dass wir mit unserem Engagement trotzdem eure Zustimmung und auch Unterstützung finden.

In diesem Sinne – bleibt uns als Leser der Website treu und unterstützt uns in jeglicher Form bei unserer Arbeit. 

Vera, Dirk und Catrin als Vorstand im Namen des Steinpilz Wismar „Reinhold Krakow“ e.V.


18.03.2026 – Mittwoch

Calosphaeria pulchella ist unter der lockeren Rinde von Rosengewächsen (hauptsächlich Kirsche und Pfirsich) auf Stämmen und Ästen zu finden, die sich meist in der frühen bis mittleren Phase der Zersetzung befinden.
Foto: Phillip Buchfink

Phillip sucht schon seit ein paar Jahren nach diesem Pilz – heute hat er ihn endlich gefunden! Es handelt sich um Calosphaeria pulchella – einen holzbewohnenden Schlauchpilz (Ascomycet).

Dieser Pilz hat keinen deutschen Namen – man könnte den wissenschaftlichen Namen wie folgt übersetzen: pulchella = schön + calo = eingesenkt + sphaeria = Kugel – also „Schöner eingesenkter Kugelpilz“. Das beschreibt meiner Meinung diesen schönen Pilz mit seinen kreisförmig angeordneten Perithezien, dessen Fruchtkörper im Substrat eingesenkt sind, sehr gut.

Es gibt nicht viele Nachweise für diesen Pilz in Deutschland – in M/V wurde er erst ein einziges mal 1972 gefunden und kartiert. 

Calosphaeria pulchella gehört zu den sogenannten Endophyten (leben zunächst symptomlos im Holz) oder Schwächeparasiten. Das bedeutet, der Pilz kann in gesundem Holz vorkommen, ohne sofort Schaden zu verursachen. Wird der Baum gestresst (Trockenheit, Schnitt, Alter), kann er aktiver werden. Es ist kein primärer Schadpilz, eher ein Indikator für physiologischen Stress oder Alterung und am Abbau von Zellulose und anderen Holzbestandteilen beteiligt.

Catrin

 

Calosphaeria pulchella ist dadurch gekennzeichnet, dass die schwarzen Perithezien in dichten ringförmigen Gruppen unter der absterbenden Rinde sitzen und lange kreisförmig angeordnete „Hälse“ besitzen, mit dem sie durch die Rinde brechen.
Foto: Phillip Buchfink


20.03.2026 – Freitag

Ein Österreichischer Prachtbecherling (Sarcoscypha austriaca) in Form einer Blume.
Foto: Catrin Berseck

Auf unserer Kurzexkursion wurden wir heute zuerst von den Östereichischen Prachtbecherlingen (Sarcoscypha austriaca) begüßt – und das sogar in Form einer Blume.

Aber es kam noch besser! Gleich daneben befanden sich an einem toten Holunderstmm massenweise Weiße Judasohren (Auricularia auricula-judae var. lactea). 

Es handelt sich hierbei um eine seltene albinotische Farbvariante des weit verbreiteten braunen Judasohres. Wie sein braunes Pendant wächst er als essbarer, gallertartiger Vitalpilz bevorzugt an Holunderbäumen.

Diese farbliche Variation wird vermutlich durch Umwelteinflüsse verursacht und ist nicht artspezifisch bedingt, so lautet die wissenschaftliche Erklärung einiger Mykologen.

Andere Experten behaupten wiederum, dass es eine farblose Varietät des Judasohrs ist, deren Farbstoffe diesbezüglich in der DNS-Struktur nicht gebildet werden – also eine Art Albino-Effekt. Deswegen kommt es vor, dass eventuell an der gleichen Stelle wieder weiße Judasohren wachsen können.

Wir haben uns jedenfalls wahnsinnig über diesen Erstfund für Mecklenburg-Vorpommern gefreut und werden die Stelle auch in den nächsten Jahren im Auge behalten.

Catrin und Sylvina

Massenweise Weiße Judasohren (Auricularia auricula-judae var. lactea) an einem toten Holunderstamm.
Foto: Catrin Berseck

 

Die weiße Form des Judasohres hat dieselben Eigenschaften, wie das normale braune Judasohr – die Oberseite ist feinfilzig und an der Unterseite sind die Fruchtkörper aderig-runzelig durchzogen.
Foto: Catrin Berseck


21.03.2026 – Sonnabend

Die ersten Frühjahrs-Giftlorcheln (Gyromitra esculenta) zeigen sich – Foto von heute am Standort.
Foto: Catrin Berseck

Die ersten Pilze in den Nadelwäldern auf sandigen Böden sind die Frühjahrs-Giftlorcheln (Gyromitra esculenta). Pünktlich zum Frühlingsanfang zeigten sie sich heute.

Trotz des wissenschaftlichen Namens esculenta  = lat. für „essbar“, können durch diesen Pilz starke oder sogar tödliche Vergiftungen entstehen.

Grund genug für uns nach den ersten Morcheln Ausschau zu halten.

Die findet man natürlich nicht in den sauren Nadelwäldern, sondern bevorzugt an feuchten, hellen Stellen auf kalkhaltigen Böden. Typische Habitate sind Eschen-Auwälder, lichte Laubmischwälder (z.B. mit Pappel, Ahorn), nährstoffreiche Böden bei Bächen, Rindenmulch, alte Holzlagerplätze oder Brandstellen.

Die Zeigerpflanzen waren im entsprechenden Habitat bereits vertreten – für die Morcheln ist es allerdings noch etwas zu früh. In ca. 2 Wochen sollte es bei uns in M/V aber auch so langsam „Morcheln“.

Catrin und Sylvina

 

Bereits bei diesem jungen Exemplar sehen wir den charakteristisch hirnartig gewundenen kastanienbraun bis dunkelrotbraun gefärbten Hut.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Morchelsaison steht vor der Tür – die ersten Buschwindröschen (Anemone nemorosa) beginnen zu blühen.
Foto: Sylvina Zander

 

Das Scharbockskraut (Ficaria verna) bildet oft flächendeckende, grüne Teppiche an feuchten, nährstoffreichen Standorten.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Gewöhnliche bzw. Rote Pestwurz (Petasites hybridus) gilt als einer der zuverlässigsten Morchelanzeiger im Frühjahr.
Foto: Sylvina Zander

 

Mit bloßem Auge sieht man an den vorjährigen vertrockneten Brennnesselstängeln nur eine orangefarbene Verfärbung. Mit einer guten Lupe erkennt man, dass diese Verfärbung aus nahe beieinander bis zusammenhängend wachsenden winzigen Orangeroten Brennnesselbecherchen (Calloria neglecta) besteht.
Foto: Catrin Berseck