Pilze und Wetter 2026

22.04.2026 – MTB 2236/2 – Am Bronzenen Hirsch am Groß Labenzer See

Mittwochsexkursion

Messtischblatt Sternberg

22. April 2026

Auch für Pilz- und Naturinteressierte Gäste

Im MTB 2236/2 – bei Friedrichswalde

Blick auf den Groß Labenzer See.
Foto: Christian Boss


Heute ging es in den 2. Quadranten des Messtischblattes 2236 Sternberg.

Ziel unserer heutigen Kartierungsexkursion war das Revier Weiße Krug bei Friedrichswalde am Groß Labenzer See. Dazu trafen sich 4 Pilzfreunde des Vereins „Reinhold Krakow“ e.V. auf dem Waldparkplatz bei Friedrichswalde.

Das Waldgebiet besteht aus vielseitigen Buchenbereichen mit alten Eichen sowie sandigere Nadelwaldbereiche. Im Uferbereich des Sees finden wir auch viel Totholz.

Im Herbst ein sehr pilzreiches Gebiet, dass das Herz der Speisepilzsammler höher schlagen lässt. Wir haben aber erst April und müssen uns mit den Frischpilzen und Speisepilzen hier noch etwas gedulden.

Aber es handelt sich ja schließlich bei der Kartierung um eine Bestandsaufnahme der zu dieser Jahreszeit vorkommenden Pilze. Und die viel heute leider auch nicht sehr groß aus.

Nachfolgend ein paar Eindrücke von der heutigen Exkursion aus diesem wunderschönen Gebiet.

Catrin (Text, Fotoauswahl und -beschriftung), Sylvina (Artenliste)

 

Zunderschwamm (Fomes fomentarius) ist ein mehrjähriger Baumpilz, der vor allem als historisches Hilfsmittel zum Feuermachen bekannt ist. Er wächst als Schwächeparasit an Laubbäumen, bevorzugt an Buchen und Birke.
Foto: Christian Boss

 

Verschiedene Arten von Pilzmücken und Echten Fliegen nutzen das zersetzende Gewebe des Zunderschwammes (Fomes fomentarius) für ihre Larvenentwicklung. Der Fruchtkörper des Zunderschwamms dient auch zahlreichen Insektenarten als Nahrungsgrundlage. Bei einer Untersuchung in Norwegen, die sich auf Käfer beschränkte, wurden 35 Käferarten auf den Fruchtkörpern gesammelt.
Foto: Christian Boss

 

Einer der Kiefernzapfenrüblinge (Strobilurus spec.). Es wird zwischen zwei Hauptvertretern unterschieden, die sich äußerlich nicht trennen lassen:
Der Milde Kiefernzapfenrübling (Strobilurus stephanocystis) schmeckt immer angenehm mild und pilzig. Der Bittere Kiefernzapfenrübling (Strobilurus tenacellus) kann sowohl bitter als auch mild schmecken. Eine sichere Unterscheidung zum milden Verwandten ist nur mikroskopisch möglich.
Foto: Maria Schramm

 

Ganzjährig findet man an abgestorbenem oder geschwächtem Laubholz die Rötende Tramete (Daedaleopsis confragosa), oft auch als Rötender Blätterwirrling bezeichnet. Das ist ein häufiger Baumpilz, der vor allem durch seine namensgebende Farbreaktion bekannt ist.
Foto: Christian Boss

 

Das namensgebende Merkmal der Rötenden Tramete ist die Verfärbung der Unterseite (Hymenophor) bei Druck oder Reiben. Die Poren laufen dann rosa bis weinrötlich an. Die Unterseite kann sehr variabel sein – von feinen Poren über ein labyrinthisches Muster bis hin zu lamellenähnlichen Strukturen.
Foto: Maria Schramm

 

Der Zaunblättling (Gloeophyllum sepiarium) besiedelt fast ausschließlich totes Nadelholz (besonders Fichte), sowohl im Wald auf Stümpfen als auch an verbautem Holz wie Zäunen, Bänken oder Balken.
Foto: Christian Boss

 

Typisch für den Zaunblättling sind die eng stehenden, lamellenartigen Rippen, die oft labyrinthisch verzweigt sind.
Foto: Christian Boss

 

Buckeltramete (Trametes gibbosa). Ältere Exemplare sind fast immer mit Grünalgen besiedelt, was ihnen eine charakteristische grüne Farbe verleiht, die besonders in der Mitte des Hutes intensiv ist.
Foto: Christian Boss

 

Junger RotrandigerBaumschwamm (Fomitopsis pinicola). Er bevorzugt Nadelholz (besonders Fichte), besiedelt aber auch wie hier gerne Buchen.
Foto: Christian Boss

 

Die Poren des Rotrandigen Baumschwamms sind sehr fein und und bei frischen Exemplaren oft zitronengelb. Getrocknet eignet er sich z.B. auch zum Färben von Wolle, wobei gelbe Farbtöne entstehen.
Foto: Christian Boss

 

Rotbuchen-Rindenkugelpilz (Biscogniauxia nummularia), auch bekannt als Pfennig-Kohlenkruste oder Münzenförmiger Rindenkugelpilz, ist ein holzbewohnender Pilz aus der Familie der Holzkeulenverwandten. Der Pilz bildet schwarze, krustenförmige und flache Fruchtkörper (Stromata). Diese brechen oft durch die Rinde und wirken wie dunkle, münzenähnliche Flecken oder Pockennarben.
Foto: Christian Boss

 

Buche und Eiche umarmen sich – solche Bäume werden umgangssprachlich oft „Ehepaarbäume“ oder „Hochzeitsbäume“ genannt. Meist verwachsen Bäume der gleichen Art, doch können auch unterschiedliche Arten miteinander verschmelzen, was wie hier eher einem „Umschlingen“ gleicht.
Foto: Christian Boss

 

Informationstafel zum Bronzenen Hirsch.

 

Christian, Maria und Sylvina vor dem Bronzenen Hirsch und dem Mausoleum von Paul Wedekind und seinen Familienangehörigen – dem ehemaligen Besitzer des naheliegenden Schlosses Friedrichswalde.
Foto: Eiman Khwiled


Die Artenliste am Groß Labenzer See bei Friedrichswalde – MTB 2236/231 NO Sternberg:

Folgt demnächst…


Wann startet die nächste Lehrwanderung? Siehe unter Termine!


 

18.04.2026 Öffentliche Wanderung auf der Insel Poel

Öffentliche Pilzlehrwanderung

Pilzwandern im Jahr des Igelstachelbartes

Auf der Insel Poel

18. April 2026

Blick vom Küstenschutzwald auf die Ostsee.
Foto: Isa Krietzsch


Es ist schon eine Weile her, dass auf der Insel Poel eine Öffentliche Wanderung oder Exkursion statt fand. Letztmalig 2017 und 2020 – also wurde es endlich mal wieder Zeit, der Insel einen Besuch abzustatten.

Ziel unserer Pilzwanderung war heute der Küstenschutzwald an der Nordküste der Insel. 9 Teilnehmer trafen sich auf dem Parkplatz am Schwarzen Busch. Von dort wanderten wir 5 km durch den Küstenschutzwald bis nach Gollwitz, wo wir für den Rückweg 2 PKW vorab geparkt hatten.

Der Küstenschutzwald dient nicht nur als lebendige Pufferzone, die Wellen abbremst, den Boden stabilisiert und die Abtragung von Gestein durch Wind und Wasser verhindert. Neben dem Küstenschutz trägt der Wald zum Bodenschutz bei und bietet auch Lebensraum für verschiedene Pflanzen, Tiere und natürlich Pilzarten.

Normalerweise ist dieses Gebiet für Morchel- und Maipilzvorkommen bekannt. Aber dafür war es heute dann doch noch ein wenig zu früh. Trotzdem konnten wir 20 Pilzarten finden und erklären.

Da wir alle naturinteressiert sind, haben wir uns nebenbei auch Bäume, Kräuter und anderen interessante Dinge auf dieser Wanderung angesehen. So wurde es am Ende für alle Teilnehmer eine interessante und lehrreiche Wanderung bei schönstem Frühlungswetter.

Ein paar Eindrücke findet ihr nachfolgend.

Catrin (Text, Fotobeschriftung und Artenliste)

 

Gleich zu Beginn der Wanderung zeigt Catrin den Teilnehmern mit gebrachte Morcheln und Lorcheln.
Foto: Isa Krietzsch

 

Am Ausgangspunkt unserer heutigen Wanderung – der Kleine Eichenwald am Schwarzen Busch. Ursprünglich bezog sich der Name „Schwarzer Busch“ auf ein kleines, mit alten Eichen bestandenes Waldstück, welches heute nur noch als Rest existiert. Möglicherweise aber gab dem Waldstück auch ein Bauer namens Schwarz seinen Namen, welcher seinen Hof, den “Schwarzenhof” in unmittelbarer Nähe des Waldstückes hatte.
Foto: Dirk Fuhrmann

 

Christian konnte im Eichenwald diesen Star im Foto fest halten. Der Star (Sturnus vulgaris) ist einer der häufigsten Singvögel weltweit und war in Deutschland der Vogel des Jahres 2018. Stare sind meisterhafte Imitatoren und können andere Vogelstimmen oder sogar Umgebungsgeräusche wie Alarmanlagen oder Handyklingeltöne perfekt nachahmen.
Foto: Christian Boss

 

Und Isa hatte dann auch gleich den ersten Pilzfund – für sie persönlich auch ein langersehnter Erstfund. Anemonenbecherlinge (Dumontinia tuberosa) an Scharbockskraut.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Sporen des Anemonen-Becherlings unter dem Mikroskop mit den 4 Zellkernen in den Sporen.
Foto und Bestimmung: Catrin Berseck

 

Wir gingen den Wanderweg durch den Küstenschutzwald vom Schwarzen Busch in Richtung Gollwitz.
Foto: Dirk Fuhrmann

 

Christian und sein Sohn Theo hatten etwas am Strand entdeckt…
Foto: Isa Krietzsch

 

Dieses kleine Kunstwerk hat ein ca. 12-jähriger Junge am Strand gebaut. Es soll den Kölner Dom darstellen.
Foto: Christian Boss

 

Wieder auf dem Wanderweg schauen sich alle links und rechts des Weges nach Pilzen um.
Foto: Isa Krietzsch

 

Farbenfrohe Schmetterlingstrameten
(Trametes versicolor).
Foto: Isa Krietzsch

 

Eine vorjährige Geweihförmige Holzkeule
(Xylaria hypoxylon).
Foto: Isa Krietzsch

 

Ein innen hohler Weidenstumpf ist bei alten Exemplaren und Kopfweiden ein natürlicher Prozess. Weiden sind sehr regenerationsfähig und können trotz komplett hohlem Stamm weiterleben. Das Kernholz verrottet, während die wasserführende Rindenschicht außen intakt bleibt.
Foto: Dirk Fuhrmann

 

Christian und Theo fotografierten zwischendurch Vögel, die wir euch nicht vorenthalten möchten. Buntspecht (Dendrocopos major) – übersetzt man seinen wissenschaftlichen Namen, so müsste der Buntspecht eigentlich „großer Baumhämmerer“ heißen. Und das nicht zu unrecht: Sein schnelles Trommeln ist meist über weite Strecken zu hören.
Foto: Christian Boss

 

Der Zaunkönig (Troglodytes troglodytes) ist einer der kleinsten und lebhaftesten Singvögel Europas. Trotz seiner winzigen Größe von nur ca. 10 cm ist er für seinen außergewöhnlich lauten und schmetternden Gesang bekannt, der bis zu 90 Dezibel erreichen kann.
Foto: Christian Boss

 

Wir machten dann noch einmal einen kurzen Ausflug zum Strand und gingen dort ein Stück an der Steilküste entlang.
Foto: Isa Krietzsch

 

Tang und Seepocken an einem Stein in der Ostsee.
Foto: Isa Krietzsch

 

Die Brackwasser-Seepocke (Amphibalanus improvisus) ist eine weltweit verbreitete Art der Rankenfußkrebse. Als eine der wenigen Seepockenarten gedeiht sie hervorragend in Brackwasser (z. B. in der Ostsee) und verträgt einen Mindestsalzgehalt von nur etwa 6 ‰.
Foto: Catrin Berseck

 

Der Huflattich (Tussilago farfara) ist einer der ersten Frühlingsboten und eine traditionsreiche Heilpflanze. Er fällt besonders dadurch auf, dass seine gelben Blüten bereits ab Februar erscheinen, lange bevor sich die hufeisenförmigen Blätter entwickeln.
Foto: Isa Krietzsch

 

Wieder auf dem Wanderweg angekommen, zeigten sich dann endlich die ersten Pilze mit Hut und Stiel am Wegesrand.
Foto: Isa Krietzsch

 

Es handelte sich um Grünblättrige Schwefelköpfe (Hypholoma fasciculare) – ein extrem häufiger, giftiger Pilz, der fast das ganze Jahr über büschelig an Totholz (Laub- und Nadelholz) wächst.
Foto: Catrin Berseck

 

Und weiter ging es mit Frühlings-Faserlingen (Psathyrella spadiceogrisea). Er ist einer der ersten Blätterpilze, die im Frühjahr (oft ab März) erscheinen. Er gehört zur Familie der Mürblingsverwandten und ist ein typischer Folgezersetzer.
Foto: Isa Krietzsch

 

Einer der Haustintlinge (Coprinellus domesticus agg.).
Foto: Catrin Berseck

 

Ein Merkmal des Haus-Tintlings (Coprinellus domesticus agg.) ist das Ozonium – ein auffälliges, rostbraunes bis orangefarbenes Myzelgeflecht. Dieses struppige Geflecht aus Pilzfäden überzieht oft das Substrat – meist verrottendes Laubholz.
Foto: Isa Krietzsch

 

Wir erreichten dann den 1953 errichteten Leuchtturm Gollwitz-Nord – ein schlichter Zweckbau aus Beton und Stahlblech, der vor allem als Leitfeuer für die Schifffahrt in der Wismarer Bucht dient.
Foto: Dirk Fuhrmann

 

Eine interessante Wucherung an einem jungen Laubbaum.
Foto: Isa Krietzsch

 

Dieses Kunstwerk wurde nicht von der Natur, sondern von Menschenhand geschaffen.
Foto: Isa Krietzsch

 

Der Weidenfeuerschwamm (Phellinus igniarius) ist ein weit verbreiteter Baumpilz, der vor allem an Weiden eine intensive Weißfäule verursacht. Die Oberseite ist bei jungen Pilzen grau bis graubraun, wird im Alter fast schwarz und ist oft tief rissig.
Foto: Isa Krietzsch

 

Der Stäublings-Schleimpilz (Enteridium lycoperdon) ist einer der auffälligsten Schleimpilze in hiesigen Wäldern. Er ist kein echter Pilz, sondern gehört zur Gruppe der Myxomyceten – einzelligen Organismen, die sich amöbenartig fortbewegen können.
Foto: Isa Krietzsch

 

Als schleimiges Plasmodium „kriecht“ der Stäublings-Schleompilz über das Holz, um Bakterien und Pilzsporen zu fressen. Zur Fortpflanzung erstarrt er an einer exponierten Stelle zu dem charakteristischen weißen Kissen.
Foto: Isa Krietzsch

 

Weitere Schleimpilze (Trichia sp.) an einem finalvermorschten Baumstamm.
Foto: Catrin Berseck

 

Und ganz zum Schluss entdeckte Martina dann noch diese Becherlinge aus der Gattung Peziza.
Foto: Isa Krietzsch

 

Auch in dieser Form waren sie zu finden. Ich hoffe, wir können ihnen nach dem Mikroskopieren noch einen Namen geben.
Foto: Isa Krietzsch

 

Wir kamen dann am Ziel unserer Wanderung in Gollwitz an. Die Fünf Eulen am Dorfteich weisen auf das dortige Restaurant gleichen Namens hin.
Foto: Dirk Fuhrmann


Die Artenliste vom Wanderweg im Küstenschutzwald vom Schwarzen Busch nach Gollwitz – 1934-431 SO Kaltenhof:

Judasohr (Auricularia auricula-judae), Angebrannter Rauchporling (Bjerkandera adusta), Orangerotes Brennnesselbecherchen (Calloria neglecta), Riesenbovist – alte FK (Calvatia gigantea), Mahonienrost (Cumminsiella mirabilissima), Anemonenbecherling (Dumontinia tuberosa), Stäublings-Schleimpilz (Enteridium lycoperdon), Samtfußrüblinge – alte FK (Flammulina velutipes agg.), Zunderschwamm (Fomes fomentarius), Grünblättriger Schwefelkopf (Hypkoloma fasciculare), Schwefelporling -alter FK (Laetiporus sulphureus), Zugespitzter Kugelpilz (Leptosphaeria acuta), Weidenfeuerschwamm (Phellinus trivalis), Brombeerrost (Phragmidium violaceum),
Austern-Seitling – alte FK (Pleurotus ostreatus), Früher Faserling (Psathyrella spadiceogriseae), Gemeiner Spaltblättling (Schizophyllum commune), Schmetterlingstramete (Trametes versicolor), Geweihförmige Holzkeule (Xylaria hypoxylon)


Wann startet die nächste Lehrwanderung? Siehe unter Termine!


 

08.04.2026 – MTB 2236/1 – Um den Glammsee bei Warin

Mittwochsexkursion

Messtischblatt Sternberg

08. April 2026

Auch für Pilz- und Naturinteressierte Gäste

Im MTB 2236/1 – bei Warin

Blick über den Glammsee bei schönstem Frühlingswetter.
Foto: Hanjo Herbort


Auch in diesem Jahr starten wir wieder traditionell zu unseren Mittwochsexkursionen.

Dabei geht es nicht in erster Linie um das Erkennen und Sammeln von Speisepilzen, sondern es sind Kartierungsexkursionen. Wir streifen durch ein beliebiges Gebiet, schauen uns um und notieren alle Pilzarten, die uns vor die Nase kommen. Dabei kann man natürlich jede Menge lernen und somit sind natürlich auch Gäste herzlich willkommen.

Ausgelost wurde zum Start der Saison das Messtischblatt 2236 – Sternberg. Wie immer begannen wir mit dem 1. Quadranten. Wir haben uns für unsere Kartierung für den ca. 6 km langen Rundgang um den Glammsee bei Warin entschieden.

Das Wetter war die letzten Tage nicht gerade „pilzfreundlich“. Nachttemperaturen um den Gefrierpunkt, fehlende Niederschläge und der starke Wind der letzten Tage verzögern das Pilzwachstum. Dementsprechend fanden wir auch nur eine Frischpilzart – konnten aber trotzdem insgesamt 25 Arten in unsere Kartierungsliste aufnehmen.

Für die 6 Teilnehmer des Steinpilz Wismar „Reinhold Krakow“ e.V. war es dennoch eine sehr schöne Exkursion bei herrlichem Sonnenschein. Wir widmeten unser Augenmerk nicht nur den Pilzen – auch Bäume, Vögel und Insekten erregten unser Interesse.

Nachfolgend ein paar Impressionen von dieser Exkursion. 

Catrin (Text, Fotoauswahl und -beschriftung), Sylvina (Artenliste)

 

Unser Rundweg begann in Warin im Wohngebiet am Sportplatz.
Foto: Hanjo Herbort

 

Erlenbrüche mit Weiden, Hasel, Spitzahorn und ein paar Eschen im Uferbereich des Glammsees zu Beginn unserer Exkursion.
Foto: Hanjo Herbort

 

Die Anis-Tramete (Trametes suaveolens) findet man das ganze Jahr über als Folgezersetzer (Weißfäuleauslöser) an totem oder geschwächtem Laubholz. Sie ist vor allem für ihren intensiven, angenehmen Anis- oder Fenchelgeruch bekannt. Die Oberseite ist anfangs weißlich-filzig und wird im Alter kahl und gelblich.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Unterseite der Anistramete hat weißliche bis hellbräunliche Poren.
Foto: Catrin Berseck

 

In diesem Bereich waren viele Schneckenhäuser, die als zuverlässige Kalkanzeiger (Indikator für kalkhaltige Böden) gelten. Ihr häufiges Vorkommen, besonders von Arten wie der Weinbergschnecke, deutet auf einen kalkreichen Untergrund hin, da Schnecken große Mengen Calcium für den Bau und die Reparatur ihrer Gehäuse benötigen. In Verbindung mit den dort vorkommenden Eschen evt. ein Morchelhabitat.
Foto: Hanjo Herbort

 

Die Eschen-Kohlenbeere (Hypoxylon petriniae) bildet rotbraune bis purpurbraune, krustenförmige Fruchtkörper (Stromata) mit schwärzlichen Rändern aus, die auf abgestorbenen Ästen von Eschen zu finden sind.
Foto: Catrin Berseck

 

Kurze Pause in der Nähe des Aussichtsturms. Ein besonderes Highlight in Warin sind die sprechenden Bänke, die auch am Glammsee vorhanden sind.
Foto: Hanjo Herbort

 

Durch einen gescannten QR-Code mit dem Smartphone erzählen die Bänke spannende Geschichten wie die Sage vom „Fuhrmann und die sieben Jungfrauen“ oder von der geheimnisvollen „Prinzessinsschlucht“, die tief mit der Stadt und ihrer Umgebung verbunden sind. Die lebendigen Erzählungen machen Geschichte erlebbar und bieten einen märchenhaften Zugang zur Region.
Foto: Catrin Berseck

 

Am Wegesrand immer mal wieder alte Stieleichen (Quercus robur),
Foto: Hanjo Herbort

 

Für die Entstehung solcher auffälliger Wucherungen an Eichenzweigen sind Insekten verantwortlich. Es handelt sich hier um die Galle der Eichenrosengallwespe (Andricus fecundator), die der Larve als Schutzraum und Nahrungsquelle dient.
Foto: Christian Boss

 

Weiter geht es – alle schauen sich fleißig nach Pilzen am Wegrand um.
Foto: Hanjo Herbort

 

Geweihförmige Holzkeule (Xylaria hypoxylon) mit ihrem typischen Aussehen eines winzigen Hirschgeweihs.
Foto: Catrin Berseck

 

Eingetrockneter Warziger Drüsling (Exidia nigricans).
Foto: Catrin Berseck

 

Und endlich die ersten Frischpilze! Der Frühe Mürbling (Psathyrella spadiceogrisea), oft auch als Frühlings-Mürbling oder Früher Faserling bezeichnet, ist einer der ersten Blätterpilze, die im Frühjahr erscheinen. Ihn findet man ab März in feuchteren Laubwäldern und Parkanlagen. Der Hut dunkelbraun bis hell gelblichgrau oder grauweißlich und fühlt sich etwas wachsartig an. Der Stiel ist weiß und Lamellen grau bis grauschwärzlich.
Foto: Christian Boss

 

Im Laufe unserer Wanderung erreichten wir einen Abschnitt mit fast ausschließlich Lärchen. Dieses Waldstück am Glammsee wird auch forstwirtschaftlich genutzt – wie die zum Abtransport gestapelten Stämme zeigen.
Foto: Sylvina Zander

 

Lärchenzweige, die durch das Fällen der Bäume als Reste am Boden lagen, begannen noch zu blühen.
Foto: Sylvina Zander

 

Hier sehen wir in Nahaufnahme die weibliche Blüte der europäischen Lärche.
Foto: Christian Boss

 

Auf der Hälfte des Rundweges erreichten wir die Brücke über den Tönnisbach kurz vor der kleinen Ortschaft Waldheim.
Foto: Sylvina Zander

 

Blick auf den Tönnisbach in der Nachmittagssonne.
Foto: Christian Boss

 

Eine wunderschöne zentral gestielte Schmetterlingstramete (Trametes versicolor).
Foto: Christian Boss

 

Nahaufnahme der feinsamtigen Oberseite der Schmetterlingstramete.
Foto: Christian Boss

 

Aufmerksamkeit erregte bei uns nicht nur dieses Baumhaus, sondern vor allem der Eschen-Ahorn (Acer negundo), auch Eschenblättriger Ahorn genannt. Er ist im östlichen Nordamerika heimisch und wurde bereits im 17. Jahrhundert in Mitteleuropa eingeführt und ist bis heute eines der am meisten gepflanzten fremdländischen Gehölze.
Foto: Hanjo Herbort

 

Männliche Blüte des Eschen-Ahorn (Acer negundo). Der Baum ist zweihäusig getrenntgeschlechtlich. Es gibt also rein männliche und rein weibliche Bäume – wir sehen hier die Blüte eines männlichen Baumes.
Foto: Christian Boss

 

Christian konnte heute seine neue Kamera testen, die es ihm ermöglicht, auch weit entfernte Objekte zu fotografieren. Hier die Bachstelze (Motacilla alba). Es ist eine Singvogelart aus der Familie der Stelzen und Pieper. Sie fällt durch ihr kontrastreiches, schwarz-weiß-graues Gefieder und den stelzentypischen Wippschwanz auf. Der charakteristische Ruf ist ein hohes, metallisches dschiwid.
Foto: Christian Boss

 

Und zum Schluss fanden wir tatsächlich noch „Steinpilze“ im Beet einer Kleingartenanlage am Glammsee.
Foto: Hanjo Herbort

 

Unser obligatorisches Gruppenfoto in einer Weidenallee kurz vor Waldheim. V.l.n.r.: Sylvina, Hanjo, Christian, Catrin, Diana.
Foto: Dorit Meyer

 


Die Artenliste vom Rundweg um den Glammsee bei Warin – MTB 2236/112 NW Sternberg:

Buchen-Rindenschorf (Ascodichaena rugosa), Judasohr (Auricularia auricula-judae), Eichen-Wirrling (Daedalea quercina), Rötende Tramete (Daedaleopsis confragosa), Stäublings-Schleimpilz (Enteridium lycoperdon), Warziger Drüsling (Exidia nigricans), Zunderschwamm (Fomes fomentarius), Rotrandiger Baumschwamm (Fomitopsis pinicola), Zusammenfließende Kohlenbeere (Hypoxylon cohaerens), Rotbraune Kohlenbeere (Hypoxylon fuscum), Eschen-Kohlenbeere (Hypoxylon petriniae), Schiefer Schillerporling (Inonotus obliquus), Laubholz-Harzporling (Ischnoderma resinosum), Brandkrustenpilz (Kretzschmaria deusta), Kiefernnadel-Spaltlippe (Lophodermium pinastri), Kiefernschütte-Spaltlippe (Lophodermium seditiosum), Herber Zwergknäueling (Panellus stipticus), Pflaumen-Feuerschwamm (Phellinus pomaceus), Brombeerrost (Phragmidium violaceum), Birkenporling (Piptoporus betulinus), Früher Faserling (Psathyrella spadiceogriseae), Anistramete (Trametes suaveolens), Schmetterlingstramete (Trametes versicolor), Geweihförmige Holzkeule (Xylaria hypoxylon), Buchenfruchtschalenholzkeule (Xylaria carpophila)


Wann startet die nächste Lehrwanderung? Siehe unter Termine!


 

Pilze und Wetter April 2026

Wetter und Pilzwachstum in Mecklenburg

Tagebuch zu Pilze und Wetter April 2026

April ist Morchelzeit!


01.04.2026 – Mittwoch

Im April beginnt die Morchelzeit. Aus dem Süden Deutschlands sind bereits viele Funde gemeldet worden. Bei uns im Norden wird es erfahrungsgemäß und wetterbedingt noch ca. 2 Wochen dauern, bis wir erfolgreich auf Suche gehen können.

Aber wo suche und finde ich Morcheln?

Es gibt nicht nur die „Morchel“, sondern verschiedene Arten, die auch andere Ansprüche an das Habitat haben. Wir wollen euch hier mal einen kleinen Überblick geben, in welchen Habitaten ihr erfolgreich auf Suche gehen könnt. Grundkenntnisse über Bodenbeschaffenheit, Bäume und Zeigerpflanzen sind wie bei jeder Pilzsuche dabei hilfreich.

Spitzmorcheln

  • Bevorzugen saure Böden an sonnenbegünstigten Stellen, z.B. an Wegrändern, auf Holzlagerplätzen
  • Wachsen vorwiegend in der Streu oder gehäckselter Rinde in Nadelwäldern
  • Sind deshalb auch oft auf frisch gemulchten Beeten in Öffentlichen Anlagen, auf Supermarktparkplätzen oder in Gärten zu finden (Rindenmulchmorchel)

Die Spitzmorchel (Morchella conica) findet sich häufig und dann meist sehr zahlreich auf Rindenmulch von Nadelbäumen.

 

Speise- und Käppchenmorcheln

  • Beide Arten erscheinen ungefähr zur selben Zeit und in denselben Habitaten
  • Bevorzugen neutrale bis basische Bodenbereiche, vorzugsweise Auwälder, Uferbereiche von Bächen oder Gräben
  • Als Begleitbäume fungieren hier hauptsächlich Eschen, Pappeln und Weißdornsträucher sowie Obstbäume auf ungedüngten Streuobstwiesen sowie in vernachlässigten Gärten
  • Die Suche im Wurzelbereich der genannten Bäume ist oft erfolgreich
  • Zeigerpflanzen sind u.a.: Aronstab, Bärlauch, Bingelkraut, Gelbes Windröschen, Lärchensporn, Lungenkraut, Märzenbecher, Pestwurz, Schlüsselblume, Seidelbast

Die beliebtesten und wertvollsten Speisepilze des Frühlings sind die Speisemorcheln (Morchella esculenta). Wenn der Löwenzahn im April oder Mai blüht sind sie in Auenwäldern, Parkanlagen, Gärten, auf Ödland oder Schutthalden zu finden.

 

Die Käppchen-Morchel bzw. Halbfreie Morchel (Morchella semilibera) ist die häufigste Morchel und wächst zur selben Zeit wie die Speisemorchel – an ähnlichen Stellen und oft sind sogar beide Arten am gleichen Standort anzutreffen. Ihr glockenförmiger Hut sitzt wie ein Zipfelmützchen mit überhängendem Rand dem Stiel auf. Innen ist der Fruchtkörper hohl.


02.04.2026 – Donnerstag

Frühjahrs-Giftlorchel (Gyromitra esculenta) heute bei Rühn im Kiefernforst.
Foto: Catrin Berseck

Verwechslungspartner der essbaren Morcheln ist die Giftlorchel (Gyromitra esculenta), auch als Frühjahrslorchel bekannt. Sie erscheint bereits ab März bevorzugt auf sandigen Böden in Nadelwäldern (besonders bei Kiefern).

Trotz des irreführenden lateinischen Namens (esculentus = essbar) sollte sie niemals verzehrt werden. Sie enthält das Toxin Gyromitrin, das im Körper zu Monomethylhydrazin (MMH) – einem Bestandteil von Raketentreibstoff – abgebaut wird. Das Gift schädigt massiv Leber und Nieren und kann zu neurologischen Störungen (Krampfanfälle) führen. Neuere Studien bringen den wiederholten Verzehr sogar mit einem erhöhten Risiko für die Nervenkrankheit ALS in Verbindung.

Während Morcheln einen wabenartigen Hut mit netzartig vertieften Gruben (wie Bienenwaben) haben, ist der Hut der Giftlorchel hirnartig gewunden, wulstig, faltig, oft rotbraun bis kastanienbraun. Der weißliche Stiel der Giftlorchel ist innen anfangs markig und später hohl und gekammert. Die weißlichen bis creme-ockerfarbenen Stiele der Morcheln sind dagegen brüchig und bilden mit dem wabenartigen Hut meist einen durchgehenden Hohlraum.

Catrin

 

Die Hüte der Giftlorchel sind rotbraun bis kastanienbraun und hirnartig gewunden.
Foto: Catrin Berseck

 

Im Schnittbild dieser jungen Giftlorchel sieht man den markigen Stiel, der später hohl und gekammert ist.

 


03.04.2026 – Freitag (Karfreitag)

Scheiben-Lorchel (Gyromitra ancilis). Die Oberseite (Fruchtschicht) ist meist hell- bis dunkelbraun, rotbraun oder tabakbraun und wellig-runzelig bis faltig.
Foto: Ivy Brümmer

Auch unser Vereinsmitgleid Ivy hat gestern eine kurze Runde in einem Nadelwald bei Velgast gedreht. Neben Kelchbecherlingen hat sie einen engen Verwandten der Giftlorchel gefunden – die Scheiben-Lorchel (Gyromitra ancilis) an einem bemoosten Nadelbaumstubben.

Die Scheiben-Lorchel (Gyromitra ancilis) wächst als Folgezersetzer vor allem auf morschem Nadelholz (besonders Fichte) oder in dessen unmittelbarer Nähe auf moosigen Böden. Eine sehr ähnliche Art, die Schildförmige Scheibchenlorchel (Gyromitra parma), wächst bevorzugt an Laubholz wie Pappel oder Erle.

Wie alle Lorcheln enthält die Scheiben-Lorchel den Giftstoff Gyromitrin, der Leber und Nieren schädigen kann und somit als potentiell giftig einzustufen ist. Auch wenn in einigen Büchern oder auf Internetseiten geschrieben wird, dass der Pilz essbar sei, ist dringend vom Verzehr abzuraten. Die Scheiben-Lorchel steht auch nicht auf der „Positivliste der Speisepilze“ der DGfM, so dass sie von Pilzsachverständigen und Pilzberatern auch nicht zum Verzehr frei gegeben wird.

Catrin

 

Die Unterseite der Scheiben-Lorchel (Gyromitra ancilis) ist deutlich heller und oft aderig.
Foto: Ivy Brümmer


04.04.2026 – Sonnabend

Anemonen- und Scharbockskraut-Sklerotienbecherlinge sind gestielte krug- oder pokalförmige Fruchtkörper von etwa 1 – 3 cm.
Foto: Catrin Berseck

Heute habe ich unser Vereinsmitglied Anne in Rostock besucht. Nachmittags haben wir einen Spaziergang durch den Lindenpark bis zu den Wallanlagen gemacht.

Die heute als Lindenpark bekannte historische Anlage am Saarplatz wurde 1831 als der erste städtische Friedhof vor den Toren Rostocks eingeweiht. Der Park zeigt in seiner Gartenarchitektur und Botanik zahlreiche Besonderheiten – seine bis zu 170 Jahre alten Lindenalleen,  alte Grabpflanzungen, unter Schutz stehende Einzelbäume verschiedener Arten und eine reiche Wildflora.

Auf dem feuchten Boden unter den alten noch nicht belaubten Bäumen waren Teppiche aus Scharbockskraut (Ficaria verna), die teilweise sogar schon blühten. Also schauten wir uns dort mal nach den kleinen braunen Becherlingen um.

Zu unserer Freude fanden wir sogar 2 Arten, wie die nachträgliche mikroskopische Untersuchung zeigte. Beide Pilze lassen sich nur anhand der Sporengröße und Anzahl der Zellkerne sicher unterscheiden.  Es handelte sich um den sehr selten nachgewiesenen und noch nicht publizierten Zweikernigen Scharbockskraut-Sklerotienbecherling (Sclerotinia binucleata Baral ined.) und den optisch nicht zu trennenden Anemonenbecherling (Dumontinia tuberosa). Für den Zweikernigen Scharbockskrautsklerotienbecherling gibt es derzeit erst 2 Einträge in der Datenbank für M/V.

Nachfolgend ein paar Fotos mit Erklärungen.

Catrin

 

Sowohl der Anemonen- als auch der Scharbockskrautbecherling entspringen einem bis zu 15 mm langen, unregelmäßig geformten schwarzen Sklerotium, das innen weiß ist und mit dem Wurzelsystem der Wirtspflanze in Verbindung steht.
Foto: Catrin Berseck

 

Der Scharbockskraut-Sklerotienbecherling (Sclerotinia binucleata) ist ein spezialisierter, kleiner Schlauchpilz, der im zeitigen Frühjahr fast ausschließlich bei seiner Wirtspflanze, dem Scharbockskraut (Ficaria verna), zu finden ist.
Foto: Catrin Berseck

 

Sporen des Scharbockskraut-Sklerotienbecherlings (Sclerotinia binucleata). Zu sehen sind an den Polen 2 Öltropfen und dazwischen 2 Zellkerne.
Foto und Bestimmung: Catrin Berseck

 

Der Anemonenbecherling (Dumontinia tuberosa) wächst fast ausschließlich in der Nähe von Buschwindröschen. Seltener befällt er auch – so wie hier – Scharbockskraut.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Sporen des Anemonenbecherlings (Dumontinia tuberosa) sind etwas größer und haben 4 Zellkerne.
Foto und Bestimmung: Catrin Berseck


06.04.2026 – Ostermontag

Gerade im Frühjahr findet man viele Pflanzen, die mit Rostpilzen befallen sind.
Foto: Catrin Berseck

Über die Osterfeiertage haben sich bestimmt viele Hobbygärtner in ihren Gärten aufgehalten. Bewusst oder unbewusst haben dabei sicherlich Einige auch schon Pilze auf Pflanzen gesehen. Natürlich sind solche Pilze auch in der Natur zu finden.

Pflanzenpilze werden auch phytoparasitische Kleinpilze genannt. Es sind spezialisierte Pilzarten, die lebende Pflanzen befallen und sich von Ihnen ernähren. Das können – um nur einige zu nennen – Falsche und Echte Mehltaue, Wucherlinge, Brand- und Rostpilze sein.

Gerade jetzt im Frühjahr kann man auch verschiedene Rostpilze finden. Es handelt sich dabei um eine einzigartige Gruppe innerhalb der Pilze, in deren Entwicklungszyklus es 5 Sporenstadien gibt. Teilweise vollführen diese Pilze innerhalb ihrer Entwicklungsstadien auch einen Wirtswechsel, z.B. auf Gräser oder Gehölze, durch.

Hier ein paar Fotos vom Rainkohlrost (Puccinia lapsanae) aus meinem Garten. Vielleicht achtet ihr in Zukunft ja auch mal auf solche phytoparasitischen Kleinpilze.

Catrin

 

Der Gemeine Rainkohl (Lapsana communis) ist ein heimisches Wildkraut, das trotz seines Namens kein Kohl, sondern ein Korbblütler (verwandt mit Chicorée und Kopfsalat) ist.
Foto: Catrin Berseck

 

Rainkohlrost (Puccinia lapsanae). Hier sieht man auffällige violette Blattflecken, auf denen sich die becherförmigen gelben Aezien mit einem hellen zerschlitzten und umgebogenen Rand befinden.
Foto: Catrin Berseck


08.04.2026 – Mittwoch

Bei schönstem Sonnenschein auf dem Wanderweg um den Glammsee bei Warin.
Foto: Christian Boss

Heute war es endlich soweit – unsere 1. Vereins- und Kartierungsexkursion fand dieses Jahr statt. Ziel dieser ersten Kartierung war das Messtischblatt 2236 Sternberg. Wir starteten im ersten Quadranten in Warin. 6 Vereinsmitglieder trafen sich um 16 Uhr am vereinbarten Treffpunkt.

Ausgesucht hatten wir den Wanderweg rund um den Glammsee. Da es noch etwas früh im Jahr ist und die Witterungsbedingungen mit Nachttemperaturen um den Gefrierpunkt und zu wenig Regen in letzter Zeit nicht ideal waren, rechneten wir auch nicht unbedingt mit Frischpilzen. Aber es gibt ja auch andere Pilze, die man derzeit finden und in die Kartierungsliste aufnehmen kann.

Bei schönstem Sonnenschein hatten wir eine sehr schöne Wanderung um den Glammsee und haben uns außer den Pilzen auch viele andere interessante Dinge aus Flora und Fauna angesehen.

Eindrücke von dieser Exkursion inkl. Fundbericht findet ihr hier.

Catrin

Frühe Mürblinge bzw. Frühjahrs-Mürblinge (Psathyrella spadiceogrisea).
Foto: Christian Boss.


14.04.2026 – Dienstag

Wer aufmerksam durch die Natur streift, kann jetzt auch die ersten Haus- bzw. Holztintlinge (Coprinellus sp.) finden.
Foto: Maria Schramm

Wir haben schon wieder Mitte April. In den vergangenen Wochen zeichnete sich vermehrt trockenes Wetter ab. Vor allem durch den zunehmenden Wind, hatten wir schon die Befürchtung, dass wir in diesem Frühling wieder einen Hungeraspekt erleben, so wie wir es aus dem vergangenen Jahr kennen. Allerdings befinden sich die Temperaturen weiterhin auf niedrigem Niveau, was dafür sorgt, dass die Böden nur sehr langsam austrocknen. Wir profitieren also weiterhin vom Wasser des geschmolzenen Schnees.

Mittlerweile sind auch immer wieder leichte Regenschauer übers Land gezogen. Diese sind auch wichtig, damit die Oberböden genug Feuchtigkeit behalten, um den Frühlingspilzen einen guten Start zu ermöglichen. In den nächsten Tagen erwarten wir auch wieder höhere Temperaturen, was für die Entwicklung förderlich sein sollte. Abzuwarten bleibt, ob wir auch weiterhin gelegentlich Niederschläge erwarten dürfen.

Auch in der Natur steht der Frühling spürbar in den Startlöchern. Die Krautschicht wächst, die ersten Sträucher schlagen aus. Die Anemonen beginnen damit, unsere Laubwälder in ein weißes Blütenmeer zu verwandeln.

Auch bei den Pilzen tut sich etwas. Bisher war es noch recht dürftig, was Frischpilze anbelangt. Typische Frühlingsarten suchte man bisher fast vergeblich. Pünktlich für Mitte April wurde aber nun bereits von den ersten Morchelfunden in Nordwestmecklenburg berichtet. Es geht also langsam aber sicher los, passend zum Wetter. In ein bis zwei Wochen sollte es dann mit etwas Glück und Gespür möglich sein, sich den ersten Korb mit Speisepilzen zu füllen. Hoffen wir also auf gute Wetterbedingungen.

Phillip

 

Glimmertintlinge (Coprinellus micaceus) sollen im jungen Alter sehr gut schmecken. Durch das enthaltene Gift Coprin sollte aber strikt auf Alkohol verzichtet werden.
Foto und Bestimmung: Phillip Buchfink

 

Bisher haben sich die Frühjahrslorcheln (Gyromitra esculenta) nicht mit Ruhm bekleckert. Etwas spät dran, aber doch noch zu finden. Durch das enthaltene Gyromitrin ist vom Verzehr abzuraten.
Foto: Phillip Buchfink

 

Lärchenzapfen und weibliche Blüten der Lärche.
Foto: Phillip Buchfink


16.04.2026 – Donnerstag

Speise-Morcheln (Morchella esculenta) heute am Standort.
Foto: Catrin Berseck

Seit dieser Woche werden vermehrt Morchelfunde in Mecklenburg-Vorpommern gemeldet. Also bin ich dann heute auch mal los gezogen.

Reinhold sagte immer: Wenn der Löwenzahn blüht, ist Morchelsaison. Nun gut – ich habe heute nur einen blühenden Löwenzahn gesehen – dafür aber aber tatsächlich bereits einige Speisemorcheln (Morchella esculenta) gefunden.

Und das nicht in ihrem typischen Habitat unter Eschen in Auwäldern mit den Zeigerpflanzen oder unter Obstbäumen. Sie wuchsen ganz einfach untypisch in einer Kiesgrube…

Unter meinen Speisemorchel-Funden war auch eine dunklere Speisemorchel – evt. die Graue Speisemorchel (Morchella vulgaris). Viele Autoren trennen die einzelnen Variationen der Speisemorcheln jedoch nicht – es gibt in dieser Beziehung noch größeren Forschungsbedarf. Für den normalen Pilzsammler sind aber alle Variationen essbar.

Ich bin anschließend noch in einen Kiefernforst gegangen und habe zum direkten Vergleich eine Gift-Lorchel (Gyromitra esculenta) dazu geholt, um nochmals den Unterschied zwischen essbarer Morchel und giftiger Lorchel zu zeigen.

Catrin

Der Löwenzahn (Taraxacum sect. Ruderalia) blüht.
Foto: Catrin Berseck

 

Hier sehen wir die Speisemorchel (Morchella esculenta) mit ihrem hellbraunen und unregelmäßig wabenartigen Hut.
Foto: Catrin Berseck

 

Im direkten Vergleich:
links evt. Graue Speisemorchel (Morchella vulgaris), mitte Speisemorchel (Morchella esculenta) und rechts Gift-Lorchel (Gyromitra esculenta)
Foto: Catrin Berseck


17.04.2026 – Freitag

Spitzmorchel (Morchella elata) heute in Bützow.
Foto: Catrin Berseck

Und es morchelt weiter!

Heute habe ich in Bützow mal kurz ein paar Beete mit frisch aufgebrachtem Rindenmulch inspiziert. Und das auch noch erfolgreich – die Spitzmorcheln sind tatsächlich auch schon da.

Die Spitzmorchel (Morchella elata) trägt viele weitere Namen wie z.B. Zipfelmützenmorchel, Hohe Morchel, Köstliche Morchel oder aufgrund des häufig besiedelten Substrats Rindenmulchmorchel (RiMuMo). 

Im Gegensatz zur Speisemorchel, die eher einen eiförmig geformten Hut hat, hat die Spitzmorchel einen spitz-kegeligen bis schlank-ovalen Hut und ist meistens etwas dunkler gefärbt. Gemeinsam haben beide Morchelarten die wabenartige Hutstruktur und den hohlen Stiel.

Beides sind vorzügliche Speisepilze, die allerdings nur ausreichend gegart gegessen werden sollten.

Catrin 

Die Spitzmorchel wird im Volksmund auch Rindenmulch-Morchel (RiMuMo) genannt, da sie auf frischem Rindenmulch oder an alten Holzlagerplätzen zu finden ist.
Foto: Catrin Berseck

 

Links Speise-Morcheln (Morchella esculenta) und rechts Spitzmorcheln (Morchella elata) im direkten Vergleich.
Foto: Catrin Berseck


18.04.2026 – Sonnabend

Grünblättrige Schwefelköpfe (Hypholoma fasciculare).
Foto: Catrin Berseck

Heute fand unsere erste öffentliche Pilzlehrwanderung 2026 auf der Insel Poel statt.

9 Teilnehmer fanden sich pünktlich am vereinbarten Treffpunkt am Schwarzen Busch ein. Von dort gingen wir den ca. 5 km langen Wanderweg im Küstenschutzwald bis nach Gollwitz und fuhren dann mit einigen dort vorab geparkten Fahrzeugen zum Ausgangspunkt zurück.

Unsere Erwartungen bezüglich Speisepilzen  und Morcheln waren nicht sehr hoch – sollten sich leider auch nicht erfüllen. Aber es war ja auch eine Lehrwanderung und diesbezüglich gab es viel zu entdecken und zu lernen. 

Trotzdem konnten wir uns über einige Frischpilze, wie Tintlinge, Faserlinge und sogar Grünblättrige Schwefelköpfe freuen.

Bei schönstem Frühlingswetter hatten wir eine sehr schöne Wanderung in einer eindrucksvollen Natur und widmeten unsere Aufmerksamkeit neben den Pilzen auch Bäumen, Kräutern und Vögeln.

Eine ausführliche Beschreibung von dieser Wanderung findet ihr hier.

Catrin

Durch den Küstenschutzwald vom Schwarzen Busch nach Gollwitz.
Foto: Dirk Fuhrmann


19.04.2026 – Sonntag

Speisemorchel (Morchella esculenta) heute am Standort fotografiert.
Foto: Alexander Niemann

Gestern auf Poel waren leider keine Morcheln zu finden.

Aber es geht ja mit den Temperaturen langsam aufwärts und heute und morgen gibt es stellenweise endlich Regen. Also lasst euch nicht entmutigen, wenn ihr bis jetzt noch keine gefunden habt. 

Alexander war dafür heute in Nordwestmecklenburg in der Nähe von Parchim und Schwerin sehr erfolgreich auf Morchelsuche. Haupsächlich unter Eschen in Auwäldern und auf verlassenen Plätzen und Grundstücken.

Mit etwas Glück werdet ihr in den nächsten Tagen vielleicht auch welche finden. Genug Tipps für entsprechende Habitate, in denen ihr euch auf Suche begeben könnt, haben wir euch ja bereits mehrfach hier im Tagebuch gegeben. 

Catrin

 

Wunderschöne Speisemorchel.
Foto: Alexander Niemann

 

Ein ❤ aus den heute gefundenen Speisemorcheln.
Foto: Alexander Niemann


22.04.2026 – Mittwoch

Bronzener Hirsch in der Abendsonne.
Foto: Christian Boss

Heute stand mal wieder eine Kartierungsexkursion auf dem Plan. Dazu trafen sich 4 Vereinsmitglieder im 2. Quadranten des Messtischblattes Sternberg.

Wir hatten vorab das Revier Weiße Krug am Groß Labenzer See ausgewählt. Treffpunkt war in der Nähe des ehemaligen Jagdschlosses Friedrichswalde, welches 1880 vom Kaufmann und Generalkonsul Paul Wedekind erworben wurde. Innerhalb des Waldes am Groß Labenzer See wurde dort 1914 auch ein Mausoleum mit der Skulptur eines bronzenen Hirsches für Paul Wedekind und seine Familienangehörigen errichtet.

Bei schönstem Frühlingswetter hatten die Teilnehmer eine schöne Wanderung durch ein vielseitiges Waldgebiet. Wie vorher zu erwarten war, ließ das Pilzaufkommen so früh im Jahr noch zu wünschen übrig.

Einen ausführlichen Bericht findet ihr hier.

Catrin

Blick auf den Groß Labenzer See.
Foto: Christian Boss


23.04.2026 – Donnerstag (Georgstag)

Junge Maipilze (Calocybe gambosa).
Foto: Phillip Buchfink

Unser Pilzfreund Reinhold hatte immer einen fest durchstrukturierten Tagesablauf. So hat er es auch zu einer Tradition gemacht, pünktlich am 23. April zu seiner ersten Maipilz-Tour zu starten. Die erste Rundtour von vielen, bei denen er im Laufe des Frühlings seine besten Maipilzstellen mit seinem Roller abklapperte und fast immer mit prall gefüllten Körben zurück kam. Von diesen Stellen hatte er reichlich. Wo? Das werden wir wohl nie erfahren. Die Pilze wurden dann beim jährlichen Imbiss in der Wismarer Altstadt zubereitet und verkauft.

Der 23. April ist auch bekannt als Georgstag und für viele der Stichtag für die ersten Maipilze des Jahres. Somit bekam er auch den Beinamen Georgsritterling. Mit etwas Glück kann man ab nun erntereife Exemplare finden – also Augen auf! Und tatsächlich halten sich die Pilze an den Kalender. Die ersten Hexenringe schieben dieser Tage die ersten erntereifen Fruchtkörper an die frische Frühlingsluft.

Daher wollte ich gern an die Tradition anknüpfen und habe mich zu meiner besten Maipilzstelle auf gemacht. Hier ernte ich jedes Jahr mindestens einen großen Korb. 8 große Hexenringe, die zu unterschiedlichen Zeiten sehr ergiebig sind und siehe da: der erste Hexenring hat die Saison eingeläutet. Ungefähr in einer Woche sollte man hier den Korb füllen können, sofern es nicht zu trocken wird.

Phillip

Maipilze (Calocybe gambosa) – auch bekannt als Mairitterling oder Georgsritterling – heute pünktlich zum Georgstag.
Foto: Phillip Buchfink


 

Pilze und Wetter Januar bis März 2026

Wetter und Pilzwachstum in Mecklenburg

Tagebuch zu Pilze und Wetter Januar bis März 2026

Samtfuß-Rüblinge (Flammulina velutipes).


01.01.2026 – Neujahr

Fliegenpilz (Amanita muscaria)
Aquarell: Sylvina Zander

Mit diesem Aquarell von Sylvina wünschen wir allen Pilzfreunden und Lesern des Tagebuches für 2026 Gesundheit, Glück, Erfolg und Freude.

Der Fliegenpilz ist ein bekanntes Glückssymbol, obwohl er giftig ist.

Die genaue Herkunft ist unklar, aber Theorien umfassen seine frühere Verwendung als Rauschmittel, das Glückgefühle auslöst. Seine auffällige Optik wird mit Magie verbunden.

Und letztendlich können Fliegenpilze Pilzsucher zu Glückspilzen machen, da in ihrer Nähe oft auch die begehrten essbaren Steinpilze zu finden sind.

In diesem Sinne wünschen wir euch allen viel Glück für 2026!

Eure Pilzfreunde des Steinpilz Wismar „Reinhold Krakow“ e.V.

 

 


02.01.2026 – Freitag

Einer der Mooshäublinge (Galerina sp.).
Foto: Christian Boss

Heute trafen sich Torsten, Chris und Christian zu einer privaten Saisonauftakt-Exkursion nordöstlich von Grevesmühlen.

Unser Ziel war der nördliche Teil des Vielbecker Sees. Mit seinem bewaldeten Ufer und dem reichlich vorhandenen Totholz bietet dieses Gebiet gerade zu dieser Jahreszeit ideale Bedingungen, um nach Ascomyceten und kleinen Hutträgern Ausschau zu halten.

Neben Zitter- und Schwarzpappeln sowie einigen wenigen alten Eichen war der häufigste Baum erfreulicherweise die Grauerle (Alnus incana). An diesem Standort hat sie sich bislang noch behauptet und wurde noch nicht von der konkurrenzfähigeren und langlebigeren Schwarzerle (Alnus glutinosa) verdrängt.

Dabei einige seltene Pilze, die Torsten auch erstmalig gefunden hat, wie z.B. den Gemeinen Kristallknorpelporling und den Erlen-Strombecherling, den Phillip letztes Jahr erstmalig für Mecklenburg-Vorpommern gefunden und bestimmt hat.

Im Folgenden haben wir einige unserer schönsten Funde in Fotos zusammengestellt.

Text: Christian und Catrin, Fotobeschriftung: Chris und Catrin

 

Am Nordufer des Vielbecker Sees mit seinem von Grauerlen dominierten Bruchwald findet man viel Totholz, das an feucht-milden Wintertagen Lebensraum für unzählige Pilze bietet.
Foto: Chris Engelhardt

 

Zapfen der Grau-Erle (Alnus incana).
Foto: Christian Boss

 

Der Erlen-Kätzchenbecherling (Ciboria amentacea) wächst – wie der Name schon vermuten läßt – auf verrotteten vorjährigen Kätzchen von Erlen. Heute waren sie an vielen Stellen unter Erlen zu finden.
Foto: Christian Boss

 

Erlen-Stromabecherling (Rutstroemia alni) auf einem entrindeten Stamm von Grau-Erle (Alnus incana). Er bildet kleine, becher- bis schüsselförmige Apothecien aus, die oft gestielt sind. Charakteristisch für die Gattung ist ein oft dunklerer oder gezähnelter Rand.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Ascus und Sporen des Erlen-Stromabecherlings.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Hier sehen wir die sehr großen Sporen und die kleinen runden Konidien des Erlen-Stromabecherlings. Die Konidiensporen werden ungeschlechtlich durch Umbildung von Hyphen oder an Konidienträgern gebildet.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Hier sehen wir die für den Erlen-Stromabecherling typischen „Bonbonsporen“. Eine sehr treffende Bezeichnung für Sporen, die unter dem Mikroskop eine charakteristische Form aufweisen: Die Sporen sind bei Reife septiert und mehrzellig und oft werden kleine Nebensporen (Konidien) an den Enden abgeschnürt, was an die Form eines eingewickelten Bonbons erinnert.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Winter-Helmlinge (Mycena tintinnabulum).
Foto: Christian Boss

 

Wunderschöne Judasohren (Auricularia auricula-judae).
Foto: Christian Boss

 

Graureiher (Ardea cinerea) auf dem Eis. Am Ufer im Hintergrund noch ein Silberreiher (Ardea alba).
Foto: Chris Engelhardt

 

Gelbstieliger Muschelseitling (Sarcomyxa serotina).
Foto: Christian Boss

 

Fastblauer Saftporling (Postia alni) an liegendem Grau-Erlen-Stamm (Alnus incana). Im Gegensatz zum Fastblauenden Saftporling (Postia subcaesia) hat der Fastblaue Saftporling kleinere Fruchtkörper und die Oberfläche des Hutes ist nicht so behaart wie die von Postia subcaesia, sondern eher verfilzt.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Die Poren des Fastblauen Saftporlings (Postia alni) sind rundlich und ca. 4 – 5 mm.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Die Basidiosporen des Fastblauen Saftporlings sind allantoid (wurstförmig) und dünnwandig.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Die Sporen sind sehr klein – nur ca. 5 – 6 x 1 – 1,2 µm.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Geweihförmige Holzkeule (Xylaria hypoxylon).
Foto: Christian Boss

 

Langschnäbeliger Kohlenkrustenpilz (Peroneutypa scoparia) an einem toten Ast von Schwarzem Holunder (Sambucus nigra).
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Der Langschnäbelige Kohlenkrustenpilz ist ein zylindrisch-säulenförmiger schwarzer Kernpilz, der in mehreren Fäden büschelig dem Substrat entspringt.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Hier noch eine Nahaufnahme vom Langschnäbeligen Kohlenkrustenpilz.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Die fast farblosen Sporen des Ascomyceten sind wurstförmig gekrümmt.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Kerndrüsling (Myxarium nucleatum).
Foto: Christian Boss

 

Phleogena faginea heißt im Deutschen zwar „Buchen-Hütchenträger“, der Pilz wächst aber an verschiedenen Laubgehölzen.
Foto: Christian Boss

 

Das Rasige Hängebecherchen (Merismodes anomala) ist ein im Winter häufiger Basidiomyzet, den man auf den ersten Blick für ein Becherchen, also für einen
Ascomyzeten halten könnte.
Foto: Chris Engelhardt

 

Diesen auffälligen Schichtpilz hat Torsten Richter als Zusammenfließender Reibeisenpilz (Radulomyces confluens) bestimmt. Die voll resupinaten Fruchtkörper wachsen u.a. auf abgestorbenen Weiden und anderen Laubbäumen und haben frisch eine wachsartige Haptik.
Foto: Chris Engelhardt

 

Hier sehen wir den Weißfäule auslösenden Gemeinen Kristallknorpelporling (Sidera vulgaris) an sehr morschem Pappelholz. Der Pilz bildet flach auf dem Substrat wachsende (resupinate), weißliche Fruchtkörper aus.
Foto und Fund: Torsten Richter
Bestimmung: Frank Dämmrich

 

Die Poren des Gemeinen Kristallknorpelporlings sind rundlich bis eckig, sehr fein und oft mit bloßem Auge kaum zu erkennen.
Foto und Fund: Torsten Richter
Bestimmung: Frank Dämmrich

 

Und hier sehen wir unter dem Mikroskop die namesgebenden Kristalle des Gemeinen Kristallknorpelporlings.
Foto und Fund: Torsten Richter
Bestimmung: Frank Dämmrich

 

Hier sehen wir die winzigen bläschenförmigen Basidien.
Foto und Fund: Torsten Richter
Bestimmung: Frank Dämmrich

 

Kurzzelliger Rindenpilz (Brevicellicium olivascens) an einem entrindeten Ast von Schwarzem Holunder (Sambucus nigra). Die wachsig-krustige Oberfläche ist locker warzig – zum Rand hin aber zunehmend glatt.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Hier sehen wir in einer Nahaufnahme warzige Oberfläche des Kurzzelligen Rindenpilzes. Wie der Name „Kurzzellig“ bereits verrät, ist dieser Pilz nur mikroskopisch sicher zu bestimmen.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Flaumiger Rindenpilz (Peniophorella pubera) auf einem morschem Stamm der Grau-Erle (Alnus incana).
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Bereits mit Lupe sind die kristallbeschopften Lamprozystiden des Flaumige Rindenpilzes zu sehen.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Hier sehen wir die langen Lamprozystiden des Flaumigen Rindenpilzes durch das Mikroskop.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Für Interessierte dann noch die dickwandige und schlank-spindelige Lamprozystide mit Kristallschopf in Wasser mikroskopiert.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Schleimpilze sind eine ganz besondere Organismengruppe und stehen trotz der Ausbildung von Sporen in mancher Hinsicht den Tieren näher als den Pilzen. Hemitrichia calyculata habe ich bisher fast ausschließlich im Winter gefunden.
Foto und Bestimmung: Chris Engelhardt

 

Torsten, Chris und Christian am Ufer des Vielbecker Sees.
Foto: Christian Boss


03.01.2025 – Sonnabend

Austern-Seitlinge (Pleurotus ostreatus) unter einer Schneehaube.

Heute hat der Winter mit stellenweise starken Schneefällen endgültig in Mecklenburg-Vorpommern Einzug gehalten.

Das steuernde Tief „Tizian“ liegt bei Gotland. Randtiefs ziehen dabei von der Nordsee her mit viel Feuchtigkeit nach Norddeutschland.

Ein Sturmtief über der Ostsee führt kalte polare Meeresluft mit sich und brachte Schnee, Frost sowie teils stürmischen Wind. An der Ostsee treten örtlich Wind- und Sturmböen mit Geschwindigkeiten von 60 bis 70 Kilometern pro Stunde auf, vor allem in Küstennähe besteht zudem ein geringes Risiko für kurze Wintergewitter. In den Nächten kann die Temperatur im Binnenland auf bis zu minus sieben Grad absinken, an der Küste auf minus vier Grad.

Auch in den kommenden Tagen bleibt es laut Deutschem Wetterdienst winterlich.

 

Laut Wettervorhersage bleibt es auch die nächsten Tage winterlich mit Frost und Schnee.
Quelle: Deutscher Wetterdienst


05.01.2026 – Montag

Winterimpression am Neukloster See.
Foto: Catrin Berseck

Heute habe ich einen kurzen Winterspaziergang am Neukloster See unternommen. Es kommt ja schließlich nicht so oft vor, dass wir hier im Norden einen richtigen Winter mit Frost und Schnee haben.

Aufgrund der Schneedecke waren natürlich nicht viele Pilze zu sehen.

Hier ein paar winterliche Impressionen.

Catrin

 

 

Schneebedeckte Flache Lackporlinge (Ganoderma applanatum) an einem Eschenstubben.
Foto: Catrin Berseck

 

Winterlicher Grauweidenbruch.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Tabakbraune Borstenscheibe (Hymenochaete tabacina) ist ein brauner, schichtpilzartigen Pilz mit einer gelbbraunen Zuwachszone. Die Fruchtschicht auf der Unterseite erscheint unter der Lupe borstig behaart. Die Fruchtkörper wachsen ganzjährig auf der Unterseite von Laubbaumästen – vorwiegend auf Grauweiden.
Foto: Catrin Berseck


18.01.2026 – Sonntag

Judasohren (Auricularia auricula-judae) an Hollunder – seinem bevorzugten Substrat.
Foto: Catrin Berseck

Nachdem es endlich mal Temperaturen über dem Gefrierpunkt gab, habe ich einen Ausflug zu einem kleinen See bei Güstrow gemacht und nach Pilzen Ausschau gehalten.

Alle Vertreter der sogenannten „Winter-Speisepilze“ waren dort vertreten, so dass am Ende des kurzen Spazierganges sogar eine ansehnliche Pilzmahlzeit zusammen kam.

Am meisten habe ich mich allerdings über die farbenfrohen Österreichischen Prachtbecherlinge (Sarcoscypha austriaca) sowie den Muschelförmigen Feuerschwamm (Phellinus conchatus) gefreut.

Nachfolgend ein paar schöne Fotos.

Catrin

 

Austernseitlinge (Pleurotus ostreatus).
Foto: Catrin Berseck

 

Die frostresistenten Samtfußrüblinge (Flammulina velutipes agg.), auch Winterrüblinge genannt, sind einer der wenigen Speisepilze, die typischerweise von November bis März fruktifizieren. Sie wachsen fast ausschließlich in Büscheln auf totem Laubholz (besonders Weide, Pappel, Esche, Kastanie).
Foto: Catrin Berseck

 

Der Kreisel-Drüsling (Exidia recisa) – auch Weidendrüsling genannt – wächst fast ausschließlich an toten, noch hängenden Weidenästen. Die Fruchtkörper sind braun (ähnlich wie Kandiszucker), durchscheinend und haben eine glänzend-glatte Oberseite sowie eine körnig-warzige Unterseite.
Foto: Catrin Berseck

 

Farbenprächtige Österreichische Prachtbecherlinge (Sarcoscypha austriaca). Die schüsselförmigen Fruchtkörper sind innen leuchtend rot, außen blasser und fein filzig behaart.
Foto: Catrin Berseck

 

Muschelförmiger Feuerschwamm (Phellinus conchatus) an Weide. Der Pilz bildet flach muschelförmige, wenig abstehende Hüte und oft dachziegelig herablaufend.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Oberseite des Muschelförmigen Feuerschwamms ist konzentrisch gezont, dunkel- bis schwarzbraun, mitunter etwas filzig und häufig bemoost, mit scharfer Kante.
Foto: Catrin Berseck

 

Die heutige Ausbeute an Speisepilzen konnte sich sehen lassen…
Foto: Catrin Berseck


19.01.2026 – Montag

Glänzender Schwarzborstling (Pseudoplectania nigrella).
Foto: Catrin Berseck

Heute habe ich auch noch einmal das frostfreie Wetter ausgenutzt und eine kurze Stippvisite in einem ganz anderen Habitat gemacht.

Ein kalkhaltiger Nadelwald in einem ehemaligen Kiesabbaugebiet war dieses mal das Ziel. Hier ging es mir nicht um Speisepilze.

Ich wollte nachsehen, ob sich die selten zu findenden Ungestielten bzw. Glänzenden Schwarzborstlinge (Pseudoplectania nigrella) schon zeigen. Und zu meiner Freude waren sie wie die letzten beiden Jahre wieder zu finden.

Wie zu erwarten, waren allerdings kaum andere Pilzarten zu sehen.

Catrin

Der Glänzende bzw. Ungestielte Schwarzborstling (Pseudoplectania nigrella) ist ein seltener Schlauchpilz, der vor allem als einer der ersten Frühlingsboten nach der Schneeschmelze auffällt. Er wächst bevorzugt bei Fichten auf moosigem Boden.
Foto: Catrin Berseck

 

Runzelige Koralle (Clavulina rugosa). Der Pilz wächst keulig oder nur schwach verzweigt. Namensgebend ist die längsrunzelige Oberfläche, die oft uneben und höckerig wirkt.
Foto: Catrin Berseck


28.02.2026 – Mittwoch

Der eingefrorene Leuchtturm von Sassnitz als Symbol und beliebtes Fotomotiv des eiskalten Winters im Februar 2026.

Heute mal ein Rückblick auf´s Wetter im Februar 2026 in Mecklenburg-Vorpommern.

Der Februar begann, wie der Januar endete. Mit einer ausgeprägten langen winterlichen Phase mit Frost und Schnee. Extrem kalte Luftmassen aus polaren Zonen führten zu starkem Schneefall und eisigen Temperaturen von bis zu -10 °C und gefühlten -20 °C .

Mit einer Flächenmitteltemperatur von -0,3 °C war Mecklenburg-Vorpommern das kälteste Bundesland in diesem Monat. Und es war der kälteste Februar in M/V seit 2018.

Bis etwa zum 20. Februar herrschte weitgehend winterliches Wetter mit Frost und typischen Winterimpressionen, wie vereisten Küstenabschnitten oder Schnee. Dementsprechend lohnte es sich natürlich nicht, in dieser Frostperiode nach Pilzen Ausschau zu halten.

Erst gegen Ende des Monats setzte Tauwetter ein. Am 25. und 26. Februar gab es zwar morgens noch örtlich Frost und Nebel, tagsüber wurde es jedoch teils sehr mild.

Catrin

 


01.03.2026 – Sonntag

Im späten Winter und zeitigen Frühjahr setzen die kleinen Krokusse erste kräftige Farbtupfer.
Foto: Catrin Berseck

Nachdem es seit ca. einer Woche endlich Temperaturen über dem Gefrierpunkt gab, wurde es mal wieder Zeit, nach Pilzen Ausschau zu halten.

Dazu habe ich mich gestern mit Sandra und Sylvina in der Nähe von Hamburg getroffen. Bereits vor 2 Jahren haben wir dieses Naturschutzgebiet aufgesucht und uns über einige seltene Funde freuen dürfen.

Nachdem der Tag auf der Hinfahrt mit Regen begann, erwartete uns bei unserer Ankunft am späten Vormittag das schönste Frühlingswetter. Wir durchwanderten einen Teil des Sumpf- bzw. Bruchwaldes, der von Grauweiden, Erlen, Birken und Traubenkirschen dominiert wurde. Zurück ging es dann durch einen  angrenzenden Waldbereich mit hauptsächlich alten Buchen, Eichen und viel Totholzanteil sowie Nadelholzbereichen.

Nach der langen Pilzpause freuten wir uns über die ersten Frühblüher sowie einige schöne Pilzfunde. Natürlich begeisterte uns die selten zu findende Trollhand bzw. der Flechtenartige Pustelpilz (Hypocreopsis lichenoides) am meisten – deswegen gibt es auch ein paar mehr Fotos von diesem schönen Pilz.

Hier ein paar schöne Eindrücke und Fotos von unserer privaten Exkurison.

Catrin

Aber auch die ersten Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) zeigen sichen nach dem wochenlangen Frost.
Foto: Catrin Berseck

 

Winterlinge (Eranthis hyemalis)
Foto: Catrin Berseck

 

Blick in das Sumpfgebiet, welches teilweise noch immer vereist ist.
Foto: Sylvina Zander

 

Asch- bzw. Grauweiden (Salix cinerea) und Erlen (Alnus) bilden im Sumpfgebiet die Hauptvegetation.
Foto: Sylvina Zander

 

Und dann fanden wir zu unserer Freude ziemlich schnell die ersten Trollhände (Hypocreopsis lichenoides).
Foto: Sandra Bernhardt

 

Der Weiden-Scheinflechtenpilz (Hypocreopsis lichenoides) wird aufgrund seiner „fingerartigen“ Erscheinung meist als Trollhand bezeichnet. Dieser Name wurde aus dem Schwedischen übsersetzt, wo der Pilz recht häufig vorkommt.
Foto: Catrin Berseck

 

Bei der Trollhand (Hypocreopsis lichenoides) handelt es sich um einen Schmarotzer, der gerne die Tabakbraune Borstenscheibe (Hymenochaete tabacina) besiedelt.
Foto: Catrin Berseck

 

Ältere Fruchtkörper der Trollhand verfärben sich später orange- bis rotbraun und die Oberfläche wird durch die sporenbildenden Perithezien fein punktiert.
Foto: Sandra Bernhardt

 

Hier noch einmal ein wunderschönes Exemplar der Trollhand (Hypocreopsis lichenoides) zusammen mit der Tabakbraunen Borstenscheibe (Hymenochaete tabacina).
Foto: Sandra Bernhardt

 

Erlenkatzenbecherling (Ciboria amentacea) auf den vorjährigen feucht liegenden Erlenkätzchen.
Foto: Sandra Bernhardt

 

Zurück ging es dann am Rande des Sumpfes durch einen mit Altbuchen und Eichen bestandenen Mischwaldbereich.
Foto: Sylvina Zander

 

Immer ein Foto wert: Orangeseitlinge (Phyllotopsis nidulans)
Foto: Sandra Bernhardt

 

Wunderschöner junger Zunderschwamm (Fomes fomentarius).
Foto: Catrin Berseck


17.03.2026 – Montag

Nicht nur ein Thron im Wald für unseren verstorbenen Pilzfreund Reinhold – jetzt tragen wir ihm zu Ehren auch seinen Namen!

Reinhold Krakow – nicht nur ein Name bei Mykologen und Pilzfreunden – eine Institution!

Bereits auf unserer Mitgliederversammlung am 13.01.2026 haben wir beschlossen, den Verein der Gemeinnützigen Gesellschaft Wismar e.V. zu Ehren unseres verstorbenen Freundes und Mentors in Steinpilz Wismar „Reinhold Krakow“ e.V. umzubennen. Heute wurde für die Umbennung und Namensgebung eine weitere bürokratische Hürde, die notarielle Ummeldung zum Vereinsregister, genommen.

Wir haben Reinhold versprochen, seine Arbeit so gut wie möglich fortzusetzen. Das betrifft sowohl die Fortführung der Website, Durchführung von Kartierungsexkursionen und der Weitergabe unseres Wissens bei Öffentlichen Pilzwanderungen sowie auf unseren Seminaren, die weiterhin 2 mal im Jahr statt finden.

Sicherlich werden wir das ehrenamtlich in unserer Freizeit nicht in dem Umfang wie Reinhold leisten können – aber wir hoffen, dass wir mit unserem Engagement trotzdem eure Zustimmung und auch Unterstützung finden.

In diesem Sinne – bleibt uns als Leser der Website treu und unterstützt uns in jeglicher Form bei unserer Arbeit. 

Vera, Dirk und Catrin als Vorstand im Namen des Steinpilz Wismar „Reinhold Krakow“ e.V.


18.03.2026 – Mittwoch

Calosphaeria pulchella ist unter der lockeren Rinde von Rosengewächsen (hauptsächlich Kirsche und Pfirsich) auf Stämmen und Ästen zu finden, die sich meist in der frühen bis mittleren Phase der Zersetzung befinden.
Foto: Phillip Buchfink

Phillip sucht schon seit ein paar Jahren nach diesem Pilz – heute hat er ihn endlich gefunden! Es handelt sich um Calosphaeria pulchella – einen holzbewohnenden Schlauchpilz (Ascomycet).

Dieser Pilz hat keinen deutschen Namen – man könnte den wissenschaftlichen Namen wie folgt übersetzen: pulchella = schön + calo = eingesenkt + sphaeria = Kugel – also „Schöner eingesenkter Kugelpilz“. Das beschreibt meiner Meinung diesen schönen Pilz mit seinen kreisförmig angeordneten Perithezien, dessen Fruchtkörper im Substrat eingesenkt sind, sehr gut.

Es gibt nicht viele Nachweise für diesen Pilz in Deutschland – in M/V wurde er erst ein einziges mal 1972 gefunden und kartiert. 

Calosphaeria pulchella gehört zu den sogenannten Endophyten (leben zunächst symptomlos im Holz) oder Schwächeparasiten. Das bedeutet, der Pilz kann in gesundem Holz vorkommen, ohne sofort Schaden zu verursachen. Wird der Baum gestresst (Trockenheit, Schnitt, Alter), kann er aktiver werden. Es ist kein primärer Schadpilz, eher ein Indikator für physiologischen Stress oder Alterung und am Abbau von Zellulose und anderen Holzbestandteilen beteiligt.

Catrin

 

Calosphaeria pulchella ist dadurch gekennzeichnet, dass die schwarzen Perithezien in dichten ringförmigen Gruppen unter der absterbenden Rinde sitzen und lange kreisförmig angeordnete „Hälse“ besitzen, mit dem sie durch die Rinde brechen.
Foto: Phillip Buchfink


20.03.2026 – Freitag

Ein Österreichischer Prachtbecherling (Sarcoscypha austriaca) in Form einer Blume.
Foto: Catrin Berseck

Auf unserer Kurzexkursion wurden wir heute zuerst von den Östereichischen Prachtbecherlingen (Sarcoscypha austriaca) begüßt – und das sogar in Form einer Blume.

Aber es kam noch besser! Gleich daneben befanden sich an einem toten Holunderstmm massenweise Weiße Judasohren (Auricularia auricula-judae var. lactea). 

Es handelt sich hierbei um eine seltene albinotische Farbvariante des weit verbreiteten braunen Judasohres. Wie sein braunes Pendant wächst er als essbarer, gallertartiger Vitalpilz bevorzugt an Holunderbäumen.

Diese farbliche Variation wird vermutlich durch Umwelteinflüsse verursacht und ist nicht artspezifisch bedingt, so lautet die wissenschaftliche Erklärung einiger Mykologen.

Andere Experten behaupten wiederum, dass es eine farblose Varietät des Judasohrs ist, deren Farbstoffe diesbezüglich in der DNS-Struktur nicht gebildet werden – also eine Art Albino-Effekt. Deswegen kommt es vor, dass eventuell an der gleichen Stelle wieder weiße Judasohren wachsen können.

Wir haben uns jedenfalls wahnsinnig über diesen Erstfund für Mecklenburg-Vorpommern gefreut und werden die Stelle auch in den nächsten Jahren im Auge behalten.

Catrin und Sylvina

Massenweise Weiße Judasohren (Auricularia auricula-judae var. lactea) an einem toten Holunderstamm.
Foto: Catrin Berseck

 

Die weiße Form des Judasohres hat dieselben Eigenschaften, wie das normale braune Judasohr – die Oberseite ist feinfilzig und an der Unterseite sind die Fruchtkörper aderig-runzelig durchzogen.
Foto: Catrin Berseck


21.03.2026 – Sonnabend

Die ersten Frühjahrs-Giftlorcheln (Gyromitra esculenta) zeigen sich – Foto von heute am Standort.
Foto: Catrin Berseck

Die ersten Pilze in den Nadelwäldern auf sandigen Böden sind die Frühjahrs-Giftlorcheln (Gyromitra esculenta). Pünktlich zum Frühlingsanfang zeigten sie sich heute.

Trotz des wissenschaftlichen Namens esculenta  = lat. für „essbar“, können durch diesen Pilz starke oder sogar tödliche Vergiftungen entstehen.

Grund genug für uns nach den ersten Morcheln Ausschau zu halten.

Die findet man natürlich nicht in den sauren Nadelwäldern, sondern bevorzugt an feuchten, hellen Stellen auf kalkhaltigen Böden. Typische Habitate sind Eschen-Auwälder, lichte Laubmischwälder (z.B. mit Pappel, Ahorn), nährstoffreiche Böden bei Bächen, Rindenmulch, alte Holzlagerplätze oder Brandstellen.

Die Zeigerpflanzen waren im entsprechenden Habitat bereits vertreten – für die Morcheln ist es allerdings noch etwas zu früh. In ca. 2 Wochen sollte es bei uns in M/V aber auch so langsam „Morcheln“.

Catrin und Sylvina

 

Bereits bei diesem jungen Exemplar sehen wir den charakteristisch hirnartig gewundenen kastanienbraun bis dunkelrotbraun gefärbten Hut.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Morchelsaison steht vor der Tür – die ersten Buschwindröschen (Anemone nemorosa) beginnen zu blühen.
Foto: Sylvina Zander

 

Das Scharbockskraut (Ficaria verna) bildet oft flächendeckende, grüne Teppiche an feuchten, nährstoffreichen Standorten.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Gewöhnliche bzw. Rote Pestwurz (Petasites hybridus) gilt als einer der zuverlässigsten Morchelanzeiger im Frühjahr.
Foto: Sylvina Zander

 

Mit bloßem Auge sieht man an den vorjährigen vertrockneten Brennnesselstängeln nur eine orangefarbene Verfärbung. Mit einer guten Lupe erkennt man, dass diese Verfärbung aus nahe beieinander bis zusammenhängend wachsenden winzigen Orangeroten Brennnesselbecherchen (Calloria neglecta) besteht.
Foto: Catrin Berseck