Wetter und Pilzwachstum in Mecklenburg
Tagebuch zu Pilze und Wetter Mai 2026

Der Mai beginnt und mit ihm die Saison der Maipilze (Calocybe gambosa). Der Maipilz wird auch Georgsritterling, Mai-Ritterling oder Mai-Schönkopf genannt.
01.05. bis 03.05.2026 – Frühjahrsseminar in Elmenhorst

Pünktlich zum 1. Mai zeigten sich die ersten Maikäfer.
Foto: Christian Boss
Auch dieses Jahr hat der Steinpilz Wismar „Reinhold Krakow“ e.V. zum traditionellen Frühjahrsseminar eingeladen.
27 pilzinteressierte Naturfreunde trafen sich am 01.05.2026 in Elmenhorst im Klützer Winkel in der Pension Elme & Horst. Uns standen dort die komplette Pension inkl. großer Küche und großen Räumen für unser Seminar sowie 3 zusätzliche Ferienwohnungen zur Verfügung.
Wir verbrachten dort 3 tolle Tage bei schönstem Wetter. Phillip hielt am 1. Tag einen interessanten Vortrag über Giftpilze und Saskia von den Kieler Pilzfreunden zeigte uns, wie man mit Pilzen Wolle färben kann.
Und nicht nur das Wetter meinte es an diesem Wochenende gut mit uns – wir hatten auf unseren Exkursionen tolle Pilzfunde. Eines der Highlights waren natürlich Speisemorcheln und Maipilze, die wir tatsächlich in größeren Mengen fanden. Aber auch einige andere Frühlingspilze zeigten sich bereits.
Hier nur ein klitzekleiner Eindruck – einen sehr ausführlichen Bericht von unserem Frühjahrsseminar findet ihr hier.
Catrin

Unsere Unterkunft – die Pension Elme & Horst in Elmenhorst.
Foto: Beatrice Seidel

Christian und Julia freuten sich wahnsinnig über diese stattlichen Dickfußmorcheln (Morchella crassipes) – die Riesenform der Speisemorchel (Morchella esculenta). Und davon gab es viele Exemplare…
Foto: Beatrice Seidel
05.05.2026 – Dienstag

An Waldrändern, in Gärten und Parks kann man jetzt bereits unter Rosengewächsen den Schlehenrötling (Entoloma sepium) finden. Diese hier wuchsen unter einer Felsenbirne.
Foto: Sylvina Zander
Jetzt ist die Natur wie verwandelt! Das Grau des Winters ist verschwunden und alles erstrahlt in frischem, zartem Grün und den leuchtenden Farben unzähliger Blüten. Die Tage werden länger und wärmer. Auch die Pilzflora entwickelt sich weiter. Während die Pilze des Vorfrühlings allmählich abklingen, bestimmen jetzt die Arten des Vollfrühlings und Frühsommers das Geschehen.
So ist es nicht verwunderlich, dass Sylvina bereits die ersten Schlehenrötlinge (Entoloma sepium) gefunden hat. Er lebt in einer Symbiose (Mykorrhiza) mit Rosengewächsen und ist daher fast ausschließlich unter Gebüschen wie Schlehen, Weißdorn oder bei Obstbäumen wie Pflaume und Apfel zu finden.
Die Rötlinge (Entoloma), auch als Glöcklinge oder Zärtlinge bekannt, bilden eine extrem artenreiche und komplexe Pilzgattung. Das namensgebende Hauptmerkmal ist das rosa- bis lachsfarbene Sporenpulver, das die anfangs hellen Lamellen im Alter rötlich färbt.
Die meisten Rötlinge sind giftig oder ungenießbar. Sie können schwere Magen-Darm-Störungen verursachen. Der Schlehenrötling (Entoloma sepium) und der Schildrötling (Entoloma clypeatum) sind einer der wenigen Speisepilze der Gattung. Da die Artbestimmung innerhalb der Gattung selbst für Experten oft mikroskopische Untersuchungen erfordert, gilt für Sammler: Rötlinge nur bei absoluter Sicherheit verzehren.
Catrin

Der Hut des Schlehenrötlings (Entoloma sepium) ist weißlich bis cremebräunlich, oft mit einem flachen Buckel in der Mitte. Die Oberfläche ist bei Trockenheit seidig-faserig.
Foto: Sylvina Zander
08.05.2026 – Freitag

Büschelig wachsende Schildrötlinge (Entoloma clypeatum) in einer Weißdornhecke.
Foto: Catrin Berseck
Sylvina hatte Schlehenrötlinge – heute habe ich die sehr ähnlichen Schildrötlinge unter Weißdornsträuchern gefunden und möchte euch die Unterscheidungsmerkmale vorstellen.
Der Schlehenrötling (Entoloma sepium) und der Schildrötling (Entoloma clypeatum) sind sehr nah verwandte Arten, die zur gleichen Zeit (Frühjahr) am selben Standort (unter Rosengewächsen) vorkommen können.
Der Schlehenrötling hat meist einen blasseren Hut (weißlich, creme-beige bis hellgrau). Der Buckel in der Mitte ist oft weniger ausgeprägt. Der Schildrötling ist tendenziell dunkler gefärbt (graubraun, sepiabraun oder horngrau). Sein Hut erinnert durch einen markanten Buckel oft an einen antiken Schild (Namensgebung).
Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zwischen den Beiden ist der Farbumschlag bei Verletzungen. Beim Schlehenrötling gibt rötliche oder orange-braune Verfärbungen in Madengängen oder an verletzten Stellen im Fleisch – beim Schildrötling bleibt das Fleisch bei Verletzung oder in Madengängen weitgehend unveränderlich weiß.
Eine Methode zur Unterscheidung sind chemische Reagenzien. Mit Guajak färbt sich der Schlehenrötling intensiv blau bis blaugrün, während der Schildrötling kaum reagiert. Mit Anilin färbt sich das Fleisch beim Schlehenrötling rot oder orangerosa, beim Schildrötling erfolgt keine Reaktion.
Catrin

Der Hut des Schildrötlings ist jung glockenartig geformt und später ausgebreitet mit einem Buckel in der Mitte und oft verbogen. Die Oberfläche ist beige- bis graubraun oder graugelblich mit einem radial faserig gestreiften Muster – sie ist außerdem seidig glänzend und kahl.
Foto: Catrin Berseck

Die Lamellen des Schildrötlings sind jung weiß bis gräulich und später durch die gereiften Sporen schmutzig rosa gefärbt. Sie stehen untermischt, haben unregelmäßig gekerbte, wellige Schneiden und sind ausgebuchtet am Stiel angewachsen.
Foto: Catrin Berseck

Die Madenfraßgänger des Schildrötlings sind nicht rötlich verfärbt. Die chemische Reaktion mit Guajak ist nur ganz schwach – mit Anilin erfolgt keine Reaktion.
Foto: Catrin Berseck
09.05.2026 – Sonnabend
Heute fand die Frühjahrstagung der Pilzberater und Pilzsachverständigen aus M/V in Todendorf statt. Viele der mittlerweile 41 in unserem Bundesland tätigen Pilzberater reisten zu dieser Veranstaltung an.

Pilzberatertagung in Todendorf.
Foto: Hanjo Herbort
Aufgrund des hohen Altersdurchschnitts (ca. 65 Jahre) und zunehmender gesundheitlicher Probleme der Ehrenamtlichen wird es in den kommenden Jahren zu Einschränkungen bei der Durchführung der Pilzberatung in einigen Landkreisen kommen. Hier ist dringend Nachwuchs gesucht, der trotz zahlreicher Interessierter schwer zu gewinnen ist.
Wie wichtig die Arbeit der ehrenamtlich tätigen Pilzberater ist, zeigen einige Zahlen aus dem Jahresbericht 2025:
- Während der ca. 1.500 durchgeführten Beratungen sind 112 stark giftige Pilze aussortiert worden. Darunter befanden sich 19 Grüne Knollenblätterpilze, 3 Kegelhütige Knollenblätterpilze, 55 Pantherpilze, 6 Orangefuchsige Rauköpfe, 3 Ziegelrote Risspilze, 1 Frühjahrslorchel und 25 Gifthäublinge.
- Von den weniger giftigen Arten sind tausende Giftegerlinge, Grünblättrige Schwefelköpfe und Kahle Kremplinge aus den Körben der Pilzsammler aussortiert worden. Zugenommen haben auch die Nachweise für Giftschirmpilze.
- 2025 gab es insgesamt 9 Pilzvergiftungen mit 13 Betroffenen. Am häufigsten waren dabei 7 Vergiftungen mit Karbolegerlingen, die zum Glück nur geringe Vergiftungssymptome zeigten. Weitere Vergiftungen gab es durch Pantherpilze (2) und Kartoffelboviste (2) sowie eine Vergiftung mit dem Grünen Knollenblätterpilz, die zum Glück ohne schwerwiegende Folgen für den Betroffenen blieb. Desweiteren wurde eine Vergiftungssymptomatik mit Magen-Darm-Beteiligung beim Verzehr von ausreichend gegartem Hallimasch gemeldet. Hier lag wahrscheinlich eine individuelle Unverträglichkeit vor.
Aber die Pilzberater beraten nicht nur – sie kümmern sich auch ehrenamtlich um die Aus- und Weiterbildung. So fanden auch letztes Jahr wieder zahlreiche Pilzausstellungen, Vorträge und Pilzlehrwanderungen statt.
Anschließend wurde noch der Pilz des Jahres 2026 – der Igelstachelbart vorgestellt. Es gab dann noch einen interessanten Vortrag über „Flechten – Doppelwesen aus Pilz und Alge“.
Zum Schluss führte uns noch eine Exkursion in den Park beim Thünenmuseum in Tellow.
Ein paar Eindrücke von dieser Veranstaltung wollen wir euch nicht vorenthalten.
Catrin

Die Wand-Gelbflechte (Xanthoria parietina), auch als Gewöhnliche Gelbflechte oder Gelbe Wandschüsselflechte bekannt, ist eine der auffälligsten und häufigsten Flechtenarten in Mitteleuropa. Als Flechte ist sie eine Symbiose aus einem Pilz und Grünalgen der Gattung Trebouxia. Sie wächst auf nährstoffreichen Unterlagen wie der Rinde von Laubbäumen, Mauern, Betonplatten oder Dachziegeln.
Foto: Catrin Berseck

Nach Jahren der Schließung soll das Thünenmuseum in Tellow bei Teterow 2026 wieder öffnen. Dazu gibt es eine Kooperationsvereinbarung zwischen der Thünengesellschaft und dem Landkreis Rostock, als Träger der historischen Anlage.
Foto: Catrin Berseck

Der örtliche Teterower Pilzberater Christoph Kretschmer (2.v.l.) führte uns – Yibo, Catrin und Hanjo sowie Norbert (nicht im Bild) – durch den Park und erklärte uns nebenbei allerlei Wissenswertes zum Agrarwissenschaftler Johann Heinrich von Thünen (1783 – 1850), der 1809 das Gut in Tellow erwarb und auf diesem Mustergut Erfahrungen der landwirtschaftlichen Praxis mit mathematischen Modellen verband.
Foto: Norbert Amelang

Ungewöhnliche Anemonen im Thünen-Park in Tellow. Es könnte sich hier um Anemone nemorosa ‚Vestal‘ (Buschwindröschen ‚Vestal‘) – eine besonders elegante Ziersorte des heimischen Buschwindröschens – handeln. Sie zeichnet sich vor allem durch ihre strahlend weißen, dicht gefüllten Blüten aus.
Foto: Catrin Berseck

Junge Schwefelporlinge (Laetiporus sulphureus) in einer Obstbaumplantage.
Foto: Yibo Liu

Hexenring aus Maipilzen (Calocybe gambosa) mit tanzender Hexe Yibo. 😂
Foto: Norbert Amelang

Diese Kuh schaute nur verwundert zu…
Foto: Norbert Amelang

Norberts Titel für dieses Foto: „Rasenzähler“.
Foto: Hanjo Herbort

Das Interesse galt allerdings nicht der Anzahl der Grashalme, sondern der Rippenstieligen Lorchel (Helvella solitaria).
Foto: Norbert Amelang
10.05.2026 – Sonntag

Der erste Flockenstielige Hexenröhrling (Neoboletus erythropus) heute am 10.05.2026.
Foto: Hanjo Herbort
Hanjo und ich haben seit 3 Jahren einen kleinen Wettbewerb. Es geht darum, wer den ersten Flockenstieligen Hexenröhrling im Jahr findet. Die letzten beiden Jahre hat Hanjo gewonnen.
Der Flockenstielige Hexenröhrling (Neoboletus erythropus), auch liebevoll „Flocki“ oder „Schusterpilz“ genannt, ist oft schon ab Mai zu finden und gilt unter Kennern als dem Steinpilz ebenbürtig oder sogar überlegen, da er seltener madig ist.
Da dieses Jahr bereits in anderen Bundesländern die ersten Fotos von gefundenen Flockenstieligen Hexenröhrlingen auftauchten, habe ich Hanjo gestern daran erinnert.
Hätte ich lieber nicht machen sollen – er ist sofort los gezogen und war tatsächlich erfolgreich! Er hat zu Fuß 4 km zurück gelegt und einmal das Auto umgesetzt. An zwei von ca. 8 – 9 aufgesuchten Stellen konnte er jeweils ein Einzelexemplar in tadellosem Zustand finden.
Das konnte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen! Also bin ich schnell nach der heutigen Öffentlichen Wanderung zu einer meiner Stellen gefahren und war „effektiver“. Ich konnte nach nur 300 m Fußweg tatsächlich 8 Flockenstielige Hexenröhrlinge finden.
Wir haben uns dann Beide auf Gleichstand geeinigt, so dass es dieses Jahr keinen Sieger und Verlierer gibt.
Catrin

Das Beweisfotos: Die ersten beiden Flockenstieligen Hexenröhrlinge von Hanjo.
Foto: Hanjo Herbort

Perfekter junger Flockenstieliger Hexenröhrling heute am 10.05.2026 von Catrin gefunden.
Foto: Catrin Berseck

Sogar 8 Exemplare des Flockenstieligen Hexenröhrlings konnte Catrin heute finden und musste natürlich auch ein Beweisfotos liefern…
Foto: Catrin Berseck
11.05.2026 – Montag – Mamertus

Schuppige Porlinge (Cerioporus squamosus) heute am Schweriner See.
Foto: Catrin Berseck
Heute ist Beginn der Eisheiligen. Mamertus ist der erste der Eisheiligen und galt im Mittelalter als Schutzpatron der Bauern. Viele glauben, dass die Wetterverhältnisse an diesem Tag einen Hinweis darauf geben, wie die Wetterlage in den kommenden Wochen sein wird. Oft wird gesagt, dass die Kälte an diesem Tag die Frostgefahr für die nächste Zeit ankündigt.
Gestern fand eine Öffentliche Pilzlehrwanderung am Schweriner Außensee statt. 5 Pilzfreunde trafen sich bei Schloss Wiligrad. Von dort ging es am Ufer des Schweriner Sees bis nach Gallentin, wo wir im Vorfeld ein Auto für die Rückfahrt geparkt hatten.
Trotz der Trockenheit der vergangenen Wochen konnten wir einige schöne Funde verzeichen.
Die Morchelzeit ist mittlerweile vorbei – ein vertrockentes Exemplar am Seeufer zeigte aber wenigstens ihre Anwesenheit. Die im Schlosspark erhofften Maipilze waren leider auch nicht zu finden – vielleicht bekommen sie nach den heutigen Regenfällen ja demnächst noch mal einen Wachstumsschub.
Dafür gab es aber wie immer viel Anderes Interessantes zu entdecken – so auch viele Kräuter, die fleißig gesammelt wurden. Mit einem leeren Pilzkorb ist aber auch Niemand nach Hause gegangen – es gab genug junge Schuppige und Sklerotionporlinge, die in die Körbe der Teilnehmer wanderten.
Einen ausführlichen Bericht findet ihr hier.
Catrin

Blick auf Schloss Wiligrad.
12.05.2026 – Dienstag – Pankratius

Die ersten Schwefelporlinge (Laetiporus sulphureus) stehen in den Startlöchern – derzeit noch zu jung, um sie zu ernten. Standortfoto vom 08.05.2026.
Foto: Catrin Berseck
Heute am 2. Tag der Eisheiligen – Pankratius – mal etwas zu Wetter und Pilzwachstum.
Nach einem außergewöhnlich sonnigen März präsentierten sich auch der April sowie die ersten Tage im Mai im äußersten Norden Deutschlands ungewöhnlich sonnig, zu warm und zu trocken. Es handelte sich um einen der sonnigsten Aprilmonate seit Messbeginn, geprägt durch trockene Festlandsluft und seltene Niederschläge. Lediglich am 19.04.2026 gab es in unserem Bundesland flächendeckende Niederschläge und schüttete teils wie aus Kübeln. In diesem Zusammenhang wurde in Röbel/Müritz mit 83,4 l/m² die höchste deutschlandweite Tagesniederschlagssumme gemessen. Zudem gab es aber auch noch regelmäßig Nachtfrost trotz milder Tagestemperaturen.
Diese Niederschläge am 19.04.2026 hatten jedoch noch keine großen Auswirkungen auf das Pilzwachstum. Es war für viele Arten einfach noch zu früh und die Nachtfröste taten ihr Übriges dazu.
Allerdings werden die gestrigen und heutigen Niederschläge Auswirkungen auf das Pilzwachstum haben, da wir uns im Pilzfrühling befinden. Wie Reinhold immer sagte – ca. 10 bis 14 Tage nach ausgiebigen Niederschlägen von ca. 20 bis 30 l/m² starten die Pilze durch.

Niederschlagsmengen am 11.05.2026. Die meisten Niederschläge gab es in Lübtheen im Südwesten über Goldberg, Krakow, Waren bis nach Stralsund im Nordosten.
Quelle: Kachelmannwetter
Typische Arten des Frühlings-Aspektes sind z.B. Schwefelporlinge und Lungenseitlinge. Auf Laubholzstubben werden wir demnächst Grünblättrige Schwefelköpfe, Stockschwämmchen sowie Rehbraune Dachpilze finden. In den Wäldern werden sich die ersten Rüblinge zeigen – auf den Wiesen die ersten Champignons, Nelkenschwindlinge und Ackerlinge. Auch erste Täublinge, wie Frauentäublinge, Papageientäublinge und Weißstielige Ledertäublinge können jetzt schon wachsen. Bei ausreichender Feuchtigkeit entwickeln sich dann demnächst auch schon Pfifferlinge. Und bei den Röhrlingen zeigten sich ja jetzt schon bereits vereinzelt die ersten Flockenstieligen Hexenröhrlinge. Aber auch Butterpilze und Körnchenröhrlinge werden demnächst durchstarten.
Catrin

Lungenseitlinge (Pleurotus pulmonarius), auch als Sommer-Austernseitling bekannt, gestern am Standort fotografiert.
Foto: Catrin Berseck
13.05.2026 – Mittwoch – Servatius

Die Schwefelporlinge (Laetiporus sulphureus) vom 08.05.2026 sind bis heute ordentlich gewachsen und bald erntereif…
Foto: Catrin Berseck
Heute mal kein Rückblick auf das Wetter – sondern eine Vorausschau. Nicht meteorologisch, sondern aufgrund alter Mythen und Bauernregeln.
Wenn es – wie dieses Jahr – nach den ersten warmen Frühlingstagen im Mai zu einem plötzlichen Kälterückfall kommt, wird das gerne den sogenannten „Eisheiligen“ zugeschrieben. Zu den Eisheiligen zählen die fünf katholischen Heiligen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia, die nach dem julianischen Kalender zwischen dem 11. und 15. Mai ihren Namenstag haben. Späte Kaltlufteinbrüche im Mai haben eine herausragende Bedeutung, insbesondere für die Landwirtschaft. Frostschäden sind trotz oder gerade wegen des Klimawandels ein großes Thema und können zu erheblichen Ernteeinbußen führen.
Bauernregeln beziehen sich auf z.B. auf phänologische Beobachtungen zur Wettervorhersage des Sommers. Wenn man denen glauben soll, bekommen wir auch dieses Jahr einen trockenen Sommer, da folgendes eintraf: „Grünt (blüht) die Esche vor der Eiche, gibt es eine große Bleiche“.
Und wenn man dann noch noch Reinholds Aussagen bezüglich der Schwefelporlinge Glauben schenken will, wird 2026 ein schlechtes Pilzjahr. Er hat nämlich beobachtet, dass in den Jahren, in denen es im Frühling viele Schwefelporlinge gab, der Rest des Pilzjahres nicht so üppig ausfiel…
Wir sind aber deshalb nicht pessimistisch und lassen uns einfach überraschen, was das Pilzjahr 2026 für uns bereit hält.
Catrin

Und von den Schwefelporlingen gibt es dieses Jahr viele – was laut Reinholds Orakel auf ein schlechtes Pilzjahr 2026 hinweist…
Foto: Maria Schramm
14.05.2026 – Donnerstag – Christi Himmelfahrt, Herrentag oder Bonifatius?

Bonifatius zeigte heute noch mal mit Hagelschauern, dass mit den Eisheiligen nicht zu spaßen ist…
Foto: Catrin Berseck
Wir bleiben noch beim Wetter – und zwar heute dem Aktuellen.
Heute ist Christi Himmelfahrt – im christlichen Glauben die Rückkehr Jesu Christi als Sohn Gottes zu seinem Vater in den Himmel. Am 40. Tag nach Ostern wurde er vor den Augen seiner Apostel in den Himmel emporgehoben und von einer Wolke aufgenommen. Dieser Tag ist in Deutschland ein gesetzlicher Feiertag.
Gleichzeitig feiert das männliche Geschlecht diesen Tag als Herrentag oder Vatertag. Männergruppen ziehen gemeinsam – teilweise „bewaffnet“ mit alkoholischen Getränken – zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Kremserwagen durch die Natur und feiern sich.
Aber heute haben die Männer die Rechnung ohne den christlichen Märtyrer Bonifatius – den 4. der Eisheiligen gemacht. Der verhagelte den Herren nämlich heute im wahrsten Sinne des Wortes gegen Mittag ihren Männertag.
Plötzliche und heftige Hagelschauer haben unter anderem auch zu einem Unfallchaos auf den Autobahnen A14 und A24 in Mecklenburg-Vorpommern geführt.
Man sollte die Macht der Eisheiligen vielleicht doch nicht unterschätzen…
Catrin

Kräftige Hagelschauer heute Mittag gegen 14 Uhr im Raum Bützow.
Foto: Catrin Berseck
15.05.2026 – Freitag – Kalte Sophie

Der Grünblättrige Schwefelkopf (Hypholoma fasciculare) ist ein giftiger Pilz und einer der häufigsten Folgezersetzer in mitteleuropäischen Wäldern. Die Lamellen grünlich, Geschmack extrem bitter. Standortfoto vom 15.05.2026.
Foto: Catrin Berseck
Die Kalte Sophie bildet am 15. Mai den traditionellen Abschluss der 5 Eisheiligen. Sie gilt in der Meteorologie und im Volksglauben als der Fixpunkt, ab dem kein Bodenfrost mehr droht.
Heute meinte die Sophie es gut mit uns – das Wetter war zwar wechselhaft, aber es gab keinen Nachtfrost. Allerdings stimmte diese Bauernregel heute: „Die kalt‘ Sophie, die bringt zum Schluss, ganz gern noch einen Regenguss.“
Aber Regen ist ja für das Pilzwachstum von Vorteil – ebenso die angekündigten steigenden Temperaturen.
Es geht so langsam los mit den Frischpilzen. An vorderster Front die Folgezersetzer an totem Laubholz.
Schwefelporlinge und Lungenseitlinge wurden bereits gefunden – die Artenvielfalt nimmt aber zu.
Weiter geht es mit den Grünblättrigen Schwefelköpfen (Hypholoma fasciculare) und Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis), die diese Woche auch schon zu finden waren.
Catrin

Das Gemeine Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis) ist dagegen ein hervorragender, hocharomatischer Speisepilz. Der Stiel ist das wichtigste Kriterium: Unterhalb des kleinen Stielrings ist der Stiel beim Stockschwämmchen deutlich mit braunen Flocken und Schüppchen besetzt. Standortfoto vom 14.05.2026.
Foto: Ria Bütow
16.05.2026 – Sonnabend

Die vom Getigerten Sägeblättling besiedelten Hölzer befinden sich häufig dicht am Wasser oder liegen zum Teil im Wasser.
Foto: Catrin Berseck
Gestern habe ich mal einen kurzen Spaziergang durch meinen Hauswald gemacht – einem Laubmischwald. Weite Bereiche dort sind mit Rotbuchen bestanden, aber auch Nadelforste sind enthalten.
Der Regen der vergangenen Tage hat hier bisher noch kein Pilzwachstum ausgelöst – da müssen wir uns noch etwas gedulden. Dementsprechend führte mich mein Weg auch zu den hier vorhandenen kleineren Wasserläufen mit mehr oder weniger großen Waldtümpeln, Sümpfen oder Mooren.
Und dort wurde ich auch fündig. In den moorigen Tümpeln mit viel Totholz können wir derzeit die Getigerten Sägeblättlinge (Lentinus tigrinus) – auch bekannt als Getigerter Knäueling – finden. Es handelt sich um eine wärmeliebende Pilzart aus der Familie der Stielporlingsverwandten.
Der Pilz ist ein typischer Folgezersetzer (Saprophyt), der totes Laubholz besiedelt. Er ist derzeit besonders häufig in feuchten Auwäldern direkt an Gewässerrändern zu finden. Er wächst meist büschelig an Stümpfen, Wurzeln oder umgefallenen Stämmen von Weiden, Pappeln und Birken.
Catrin

Die Hutoberseite ist bei jungen Exemplaren fast schwarzbraun, die dunkle Schicht zerreißt beim Wachstum der Fruchtkörper zu angewachsenen, braun-schwärzlichen haarigen Schüppchen, die dem Pilz sein charakteristisches, getigertes Aussehen verleihen.
Foto: Catrin Berseck

Die dünnen und gedrängt stehenden Lamellen des Getigerten Sägeblättlings besitzen namensgebende sägeblattartig gekerbte Schneiden.
Foto: Catrin Berseck

Der meist im Substrat tief wurzelnde Stiel ist im oberen Bereich weiß, darunter bräunlich bis schwärzlich punktiert oder feinschuppig.
Foto: Catrin Berseck

Der Rand des Hutes ist zunächst eingerollt, später wird oft rissig.
Foto: Catrin Berseck
17.05.2026 – Sonntag

Leuchtend gelb können wir jetzt auch die Goldmistpilze (Bolbitius titubans) finden.
Foto: Catrin Berseck
Unter leichtem Tiefdruckeinfluss gelangen allmählich wärmere aber auch gering zu Gewitter neigende Luftmassen in unsere Region.
Bis Donnerstag soll es in Westmecklenburg noch mal vereinzelt Schauer und Gewitter geben. Danach werden laut Vorhersage bis Pfingsten die Temperaturen dann auf sommerliche 25 Grad ansteigen.
Mit diesen Aussichten sollte es an der Pilzfront nun aber richtig zur Sache gehen. Neben den Hexenröhrlingen können dann auch schon durchaus erste Sommer-Steinpilze, Butterpilze und Körnchen-Röhrlinge gefunden werden. Auch die Champignons und Pfifferlinge stehen in den Startlöchern.
Auch heute hatten wir ab Mittag teilweise sommerliche Temperaturen mit viel Sonnenschein.
Zum heutigen Sonnenschein passend ein paar farbenfrohe Funde.
Catrin

Der Aurorafalter (Anthocharis cardamines) ist ein zierlicher, heimischer Tagfalter aus der Familie der Weißlinge. Er gilt als typischer Frühlingsbote, da er als einer der ersten Schmetterlinge im April schlüpft. Das Männchen des Falters ist unverkennbar durch die leuchtend orangefarbenen Außenhälften der Vorderflügel. Diese Färbung erinnert an die Morgenröte (lateinisch Aurora).
Foto: Christian Boss

Beide Geschlechter des Aurorafalters besitzen eine unregelmäßige, gelblich-grün marmorierte Hinterflügel-Unterseite. Sie dient im Ruhezustand als Tarnung auf Blüten.
Foto: Christian Boss
19.05.2026 – Dienstag

Maipilze (Calocybe gambosa) im Laub unter Sträuchern.
Foto: Catrin Berseck
Die Maipilze (Calocybe gambosa) haben gerade Hochsaison und sind bei einigen Sammlern beliebte Speisepilze.
Verwechslungsgefahr besteht hauptsächlich mit Pilzen aus der Gattung der Rötlinge, die auch zu dieser Jahreszeit wachsen. In der Gattung der Rötlinge gibt es potentiell giftige Arten, so dass man beide Arten sicher voeinander unterscheiden können muss.
Die Gattung der Rötlinge (Entoloma) und der Schildrötlinge (Entoloma clypeatum) wurde in den letzten Jahren durch moderne DNA-Analysen taxonomisch neu geordnet. Der „Schildrötling“ ist keine einzelne Art mehr, sondern ein Komplex sehr ähnlicher Frühjahrsrötlinge, die sich in ihrer Genetik sowie in ihrer Wirtsbindung unterscheiden – weswegen auch vom Verzehr des als essbar ausgewiesenen Schildrötlings abzuraten ist.
Da ich heute sowohl Schildrötlinge als auch Maipilze gefunden habe – nachfolgend ein paar Fotos mit den wichtigsten Unterscheidungsmerkmalen.
Catrin

Links: Schildrötlinge (Entoloma clypeatum).
Rechts: Maipilze (Calocybe gambosa)
Foto: Catrin Berseck

Links sehen wir den Schildrötling. Die Lamellen sind dicker und deutlich weiter auseinanderstehend. Zuerst weißlich, im Alter dann deutlich rosa oder fleischfarben.
Rechts der Maipilz. Die Lamellen sind extrem engstehend und schmal. Die Farbe ist reinweiß bis cremeweiß – sie verfärben sich auch im Alter nicht.
Foto: Catrin Berseck

Die Schnittbilder der beiden Pilze.
Links der Schildrötling. Die Lamellen sind ausgebuchtet und mit Zähnchen angewachsen, mit Zwischenlamellen – die Schneiden wellig, gekerbt.
Rechts der Maipilz. Die Lamellen sind ausgebuchtet angewachsen (Burggraben wie bei den Ritterlingen üblich), manchmal mit Zahn etwas am Stiel herablaufend, mit Zwischenlamellen. Die Schneiden sind glatt.
Foto: Catrin Berseck

Frische madenfreie und einwandfrei bestimmte Maipilze zum Verzehr…
Foto: Catrin Berseck
20.05.2025 – Mittwoch

Das Kleine Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus) benötigt offene Graslandschaften. Man findet es auf mageren Wiesen, Weiden, Trockenrasen, an Wegrändern und in Heidegebieten – also in unserem heutigen Kartierungsgebiet.
Foto: Christian Boss
Nachdem unsere letzte geplante Mittwochs- bzw. Kartierungsexkursion aufgrund des angesagten Regens abgesagt werden musste, hatten wir heute diesbezüglich auch Bedenken…
Da nur Christian und ich heute los gehen wollten, haben wir heute fleißig das Wetter und die angesagten Niederschläge beobachtet und uns dann entschlossen, zur heutigen Kartierung aufzubrechen. Und wir hatten Glück – gegen 16 Uhr waren die Regengebiete bei Sternberg durchgezogen und die große Gewitterfront erreichte Sternberg erst gegen 19.30 Uhr am Ende unserer Exkursion.
Wir hatten heute eine sehr schöne Exkursion im Landschaftsschutzgebiet der Oberen Seen bei Sternberg bei Sonnenschein und mit ganz tollen Funden.
Nicht nur den Pilzen – auch den Pflanzen und Insekten widmeten wir heute in dieser einmaligen heideartigen Landschaft unsere Aufmerksamkeit.
Einen ausführlichen Bericht findet ihr hier.
Catrin

Blick in das Landschaftsschutzgebiet Obere Seen bei Sonnenschein. Die Kombination aus den mittelhohen Haufenwolken (Altocumulus) in der Mitte und den hohen Federwolken (Cirrus) im äußeren oberen Bereich kündigen bereits eine Änderung der Wetterlage und die heranziehende Gewitterfront an.
Foto: Christian Boss
21.05.2026 – Donnerstag

Maipilze (Calocybe gambosa) gibt es gerade überall zu finden.
Foto: Catrin Berseck
Heute war ich noch mal unterwegs, um ein paar Maipilze zu sammeln.
Und habe dabei nebenbei auch andere Pilze finden können. Heute mal nach Roy Black: „Ganz in weiß“…
Nach ergiebigen Regenfällen wachsen sogenannte Zersetzer (Saprobionten) am schnellsten. Sie erscheinen oft schon nach 3 bis 4 Tagen nach dem Regen, da sie Feuchtigkeit direkt aus totem Holz oder der Humusschicht aufnehmen.
Beliebte und bekannte Vertreter sind beispielsweise Champignons (z. B. der Stadt-Champignon und der Weiße Anis-Champignon) – aber auch die Stäublinge. Die Stäublinge sind übrigens auch eine Pilzgattung aus der Familie der Champignonverwandten (Agaricaceae).
Steinpilze oder Pfifferlinge gehören zu den Mykorrhizapilzen und brauchen nach dem Regen deutlich länger. Sie bilden oft erst nach 10 bis 14 Tagen die ersten Fruchtkörper. Also haben wir diesbezüglich noch etwas Geduld…
Catrin

„Huckepack-Maipilz“ – eine Mutation, die sich „Rosecomb“ oder „inverse Prolifikation“ nennt und gar nicht mal so selten ist. Es handelt sich um eine abnormale Verformung, bei der Lamellen, Poren oder missgebildete Mini-Hüte auf der Oberseite des Pilzhutes wachsen.
Foto: Catrin Berseck

Stadtchampignon (Agaricus bitorquis), auch als Stadtegerling oder Scheidenegerling bekannt, Der wuchtige Stiel trägt einen charakteristischen Doppelring. Der obere Ring steht trichterförmig nach oben, während der untere Ring wie eine kleine Scheide nach unten abziehbar ist.
Foto: Catrin Berseck

Der Schafchampignon (Agaricus arvensis), auch bekannt als Weißer Anis-Champignon oder Schaf-Egerling, wächst vor allem auf gedüngten Wiesen und Weiden.
Foto: Catrin Berseck

Der Hasen-Stäubling (Lycoperdon utriformes), auch bekannt als Hasenbovist oder Getäfelter Großstäubling, wächst vorwiegend auf Wiesen, Weiden und Trockenrasen.
Foto: Catrin Berseck

Blick auf die letzte Pilzausstellung im Kloster Rehna 2017. Ca. 300 bis 400 Frischpilzarten werden durch die fleißigen Helfer zusammen getragen und sind dort zu bewundern.
Da es den stationären Steinpilz Wismar in der ABC-Straße 21 in Wismar nicht mehr gibt, findet seit letztem Jahr auch keine Pilzausstellung mehr in Nordwestmecklenburg statt. Aus diesem Grund habe ich mich mit Torsten Richter vom Pilzverein „Heinrich Sternberg“ Rehna e.V. in Verbindung gesetzt und angefragt, ob wir nicht dieses Jahr etwas gemeinsam mit dem Steinpilz Wismar „Reinhold Krakow“ e.V. auf die Beine stellen wollen – und zwar wieder im Kloster Rehna.
Die „Tage der Pilze“ im Kloster Rehna gehörten bis 2017 zu den größten Frischpilzausstellungen im norddeutschen Raum und wurden alljährlich vom Pilzverein „Heinrich Sternberg“ Rehna e.V. organisiert und vom Steinpilz Wismar unterstützt.
Torsten Richter war von der Idee begeistert und hatte für heute einen Termin mit „Klosterfrau“ Annalena im Kloster Rehna organisiert, an dem ich dabei war.
Und jetzt die erfreuliche Nachricht – die traditionsreichen „Tage der Pilze“ werden nach 8 Jahren Ruhepause dieses Jahr wieder vom 10.10. bis 11.10.2026 im historischen, stimmungsvollen Ambiente des Kreuzgangs der mittelalterlichen Klosteranlage zu Rehna statt finden!
Jetzt geht es an die Planung, damit diese Veranstaltung bei allen Teilnehmern zu einem unvergesslichen Erlebnis wird.
Unterstützung wurde uns heute bereits durch die Stadt Rehna und den Klosterverein Rehna e.V. zugesagt. Die Mitglieder des Pilzvereins „Heinrich Sternberg“ Rehna e.V. werden ihren Beitrag dazu leisten – und ich hoffe auch, dass sich von den vielen Vereinsmitgliedern oder Freunden des Steinpilz Wismar „Reinhold Krakow“ e.V. einige (in welcher Form auch immer) aktiv daran beteiligen werden.
Wir planen und organisieren jetzt erst einmal und halten euch auf dem Laufenden.
Catrin

Gemeinsame Freude über die geplante Pilzausstellung bei Torsten vom Rehnaer Pilzverein, Annalena vom Kloster Rehna und Catrin vom Steinpilz Wismar.
Foto: Torsten Richter

Der Kreuzgang im Backsteinbau des Klosters Rehna bietet ideale Bedingungen für eine Pilzausstellung.

Viele Besucher gab es die letzten Jahre während der „Tage der Pilze“ in Rehna. Und wir hoffen, dass es dieses Jahr auch wieder viele Pilzbegeisterte dort hin zieht!
23.05.2026 – Sonnabend

Eine der größten und kräftigsten heimischen Seggenarten ist die Ufer-Segge (Carex riparia). Sie zeichnet sich durch ihren enormen Ausbreitungsdrang und ihre Robustheit aus. Dadurch eignet sie sich perfekt zur natürlichen Uferbefestigung und als Filterpflanze an großen Gewässern.
Foto: Torsten Richter
Nach dem erfolgreichen Gesprächstermin im Kloster Rehna bin ich gestern mit Torsten dann noch kurz in ein kleines Seggenried bei Grieben gefahren. Ein Seggenried ist eine hauptsächlich mit Seggen (Sauergräsern) bewachsene Feuchtfläche. Ein charakteristisches Merkmal der Seggen sind die dreikantigen Stiele.
An Seggen (Carex) kommt eine Vielzahl hochspezialisierter Ascomyceten (Schlauchpilze) vor, die als Saprophyten auf abgestorbenen Pflanzenteilen oder als Parasiten auf lebendem Gewebe leben. Aufgrund der harten, kieselsäurehaltigen Blätter der Sauergräser sind viele dieser Pilzarten exklusiv an diese Wirtsfamilie angepasst. Das sind unter anderem verschiedene Arten von Kleinstpilzen der Pyrenomyceten und Discomyceten, die nur mikroskopisch bestimmbar sind – dem Steckenpferd von Torsten.
Ein paar Eindrücke von gestern nachfolgend.
Einige wissenschaftliche Pilznamen haben den Zusatz „nom.prov“. Einen provisorischen Namen, der einem Organismus zugeordnet wird, bevor eine formale, wissenschaftlich gültige Benennung erfolgt, bezeichnet man als nomen provisorium („vorläufiger Name“). Diese werden häufig verwendet, wenn die Klassifizierung eines neuen Fundes noch nicht vollständig gesichert ist, aber dennoch eine vorübergehende Referenz benötigt wird. Die Abkürzung „aff.“ steht für das lateinische Wort affinis (verwandt/ähnlich) und kennzeichnet in der Taxonomie eine Art, die einer bekannten Spezies stark ähnelt, aber nicht völlig identisch ist.
Catrin

Torsten in seinem Element…
Foto: Catrin Berseck

Grevilles Warzenhaarbecherchen (Cistella grevillei) an Fluss-Ampfer (Rumex hydrolapathum). Die Gattung Cistella (auf Deutsch oft als Haarbecherchen bezeichnet) umfasst eine Gruppe von winzigen, becherförmigen Schlauchpilzen (Ascomycota) Weltweit sind knapp 40 Arten bekannt, die mikroskopisch klein sind und saprobiontisch auf abgestorbenem Pflanzenmaterial, Holz oder Nadeln leben.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

Fettes Seggenweichbecherchen (Mollisia pilosa) an Ufer-Segge (Carex riparia).
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

Birnensporiges Reynoutria-Weichbecherchen (Mollisia revincta aff. nom. prov.) an Japanischem Staudenknöterich (Reynoutria japonica).
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

Dennisiodiscus ist eine Pilzgattung aus der Familie der Dermateaceae. Die Gattung umfasst 10 Arten. Der Gattungsname Dennisiodiscus ist zu Ehren von Richard William George Dennis, britischer Botaniker und Pflanzenpathologe. Wir sehen hier Dennisiodiscus “ripariae“ nom. prov. Baral an Ufer-Segge (Carex riparia).
Foto und Bestimmung: Torsten Richter
24.05.2026 – Pfingstsonntag

Die ersten Täublinge dieses Jahr auf unserer heutigen öffentlichen Wanderung zeigten sich auch schon. Hier sehen wir einen Täubling der Sektion griseinae. Pilze dieser Sektion sind makroskopisch (mit bloßem Auge) extrem schwer voneinander unterscheidbar.
Foto: Christian Boss
Heute trafen sich 7 Pilzfreunde zu einer öffentlichen Wanderung im Mühlenholz bei der Plüschower Mühle.
Das Mühlenholz, zwischen Wismar und Grevesmühlen und südlich der Ortschaft Naschendorf gelegen, ist ein relativ kleines Waldgebiet, welches ganz überwiegend von Laubbäumen gebildet wird. Neben Pappeln und Erlen finden sich vor allem Rotbuchenbestände mit eingestreuten Eichen und Hainbuchen. Am Rande fließt der Mühlenbach und es finden sich auch kleinere Feuchtbereiche und Waldtümpel.
Die Erwartungen waren aufgrund des gerade erst einsetzenden Pilzwachstums nicht allzu hoch – wurden aber mit über 30 gefundenen Arten übertroffen. Und davon bereits sehr viele Frischpilzarten, mit denen wir gar nicht gerechnet hatten.
Da alle Teilnehmer Naturliebhaber sind, war es eine sehr schöne Wanderung – auch mit vielen tollen anderen Funden.
Mit leerem Korb musste trotz der kaum gefundenen Speisepilze aber Niemand nach Hause gehen – ich hatte gestern Maipilze und Sklerotienporlinge gefunden und den Teilnehmern mitgebracht.
Einen ausführlichen Bericht findet ihr hier.
Catrin

Blick in das Mühlenholz bei schönstem Sonnenschein.
Foto: Christian Boss
27.05.2026 – Mittwoch

Die Schnecken freuten sich auch über den ersten Sommersteinpilz (Boletus reticulatus)… Standortfoto am 21.05.2026 in Nordwestmecklenburg.
Foto: Gregor Buhl
Durch die ergiebigen Niederschläge Mitte Mai und die jetzigen sommerlichen Temperaturen nimmt die Anzahl der Pilzarten in Wald und Flur langsam zu.
Viele Pilze, die von den meisten Pilzsuchern auch im Herbst gesammelt werden, insbesondere Röhrlinge, Champignons und Pfifferlinge, wachsen zum Teil bereits schon jetzt. Über Funde von Flockenstieligen Hexenröhrlingen und Champignons haben wir bereits berichtet. Aber auch die ersten Sommersteinpilze und Pfifferlinge wurden bereits gesichtet…
Einige Wetterdienste sagen allerdings für die nächsten 14 Tage weiterhin sommerliche Temperaturen und kaum Niederschläge voraus. In Verbindung mit der nahezu stärksten Sonneneinstrahlung des Jahres, wird es sehr schnell ab- und austrocknen. Es zeichnet sich tatsächlich eine erste Trockenperiode ab.
Damit sollte das beginnende Pilzwachstum schnell zum Erliegen kommen…
Catrin

Gregor fand auch bereits die erste „Pfifferlingsbrut“. Standortfoto ebenfalls vom 21.05.2026 in Nordwestmecklenburg.
Foto: Gregor Buhl

Auch Eiman hat am 26.05.2026 in Nordwestmecklenburg die ersten Pfifferlinge entdeckt.
Foto: Eiman Khwiled

Und während überall schon die ersten Sommerpilzarten gefunden werden, wachsen bei Phillip im Garten tatsächlich noch frische Morcheln… Standortfoto vom 25.05.2026.
Foto: Phillip Buchfink
29.05.2026 – Freitag

Für Ende Mai ein toller Anblick! Der erste Parasol (Macrolepiota procera).
Foto: Hanjo Herbort
Jedes Jahr aufs Neue ist es für mich ein Ansporn, möglichst früh die ersten Funde bestimmter Gattungen oder Arten zu machen. So suche ich ab Mitte Mai bereits nach den ersten Täublingen oder gar Wulstlingen, nachdem ich die Röhrlinge mit den Flockenstieligen Hexenröhrlingen abgehakt habe, konnte ich dann vor einigen Tagen den ersten Grauen Wulstling finden.
Heute Nachmittag hatte ich etwa 3 Stunden Zeit, um diesem kuriosen Hobby erneut nachzugehen und ein wenig Habitats-Hopping zu betreiben.
Ich begann im unweiten reinen Kalkbuchenwald. Dort war absolut gar nichts zu finden – außer ein paar Ackerlingen am geschotterten Weg – aber die zählten nicht.
Also ein Sprung in einen Buchenwald mit eingestreuten Nadelbäumen. Immer in der Hoffnung auf die ersten Papageien-Täublinge. Finden ließ sich hier jedoch kein Täubling, sondern der erste Schmierröhrling des Jahres. Ein Goldröhrling hatte das Licht der Welt erblickt und wurde von mir abgelichtet. Wenn schon kein Täubling, so doch ein erfreulicher Fund für mich.
Hiervon angespornt fuhr ich ins nächste Habitat. Eine noch aktive Kieskuhle versprach an deren Rand evtl. ein paar Körnchenröhrlinge, die kommen ja gerne so früh. Aber trotz intensivem Suchen war hier nichts zu machen…
Dafür überraschte mich am Straßenrand plötzlich ein heller kräftiger Pilz – tatsächlich der früheste Parasol, den ich bisher finden konnte. Ich war entzückt!
Nun lockte mich eine kleine Gruppe Birken, um hier noch mal genauer zu schauen. Und da standen sie: 3 rosa-rot gefärbte Täublinge mit ockergelben Lamellen. Recht kräftig von der Statur. Wenn sie nicht scharf in der Geschmacksprobe ausgefallen wären, hätte ich sie zu den Ledertäublingen verortet. Aber so bleiben sie als Russula spec. unbestimmt. Aber das stört mich nicht – ich habe sie gefunden, meine Mai-Täublinge und bin glücklich damit! Egal wie sie heißen..
Hanjo

Der erste Schmierröhrling 2026 – ein Goldröhrling (Suillus grevillei) unter Lärchen.
Foto: Hanjo Herbort

Unter einer Gruppe Birken plötzlich der erste Täubling 2026. Nur welcher ist es … Da waren sie wieder – die 3 Probleme des Täublingsfinders: ein rötlicher Täubling, darauf folgende Ratlosigkeit und dann aufkommende Verzweiflung…😅😉
Foto und Bestimmung: Hanjo Herbort
31.05.2026 – Sonntag

Ein wunderschöner Sommersteinpilz (Boletus reticulatus) heute am Standort.
Foto: Alexander Niemann
Zum Ende des Monats gab es dann erfreuerlicherweise doch noch hier und da ein paar Röhrlingsfunde.
Mir ging es wie Hanjo – die naheliegenden Buchenwälder waren fast pilzleer. Deswegen habe ich Parkanlagen aufgesucht und wenigstens am Freitag ein paar Netzstielige Hexenröhrlinge gefunden. Die Ersten für dieses Jahr – natürlich wie immer vermadet.
Erfolgreicher war dagegen Alexander heute, der in der Lewitz-Region bereits eine ansehnliche Anzahl an wunderschönen und sogar madenfreien Sommersteinpilzen gefunden hat.
Und den tollsten Fund hat mal wieder unser Raritätenjäger Andreas gemacht. Er fand am Freitag Gelbe Hexenröhrlinge (Neoboletus junquilleus). Es handelt sich hierbei um einen extrem seltenen blaufärbenden Röhrling, der optisch fast vollständig narzissengelb gefärbt ist. Aufgrund seiner extremen Seltenheit ist er in vielen europäischen Ländern (unter anderem in Deutschland) auf der Roten Liste gefährdeter Arten erfasst .
Catrin

Sommersteinpilze als siamesische Zwillinge.
Foto: Alexander Niemann

Die heutige Ausbeute von Alexander.
Foto: Alexander Niemann

Netzstielige Hexenröhrling (Suillellus luridus) am 29.05.2026.
Foto: Catrin Berseck

Gelber Hexenröhrling bzw. Falscher Schwefelröhrling (Neoboletus junquilleus). Es handelt sich um eine extrem seltene Farbform bzw. eigenständige Art aus dem Umfeld der Hexenröhrlinge, die sich durch das völlige Fehlen von Rottönen auszeichnet. Von Andreas am 29.05.2026 gefunden.
Foto: Andreas Okrent
Ein weiterer Fund auf meinem heutigen Spaziergang entlang des Torgelower Sees waren diverse Kastanienbraune Schwarzfußporlinge (Polyporus badius) an totem Laubholz und in unterschiedlichen Altersstadien.
Auffallend sind die glatte, rotbraune Huthaut und die weißen Poren auf der Unterseite. Sie laufen an einem seitlichen Stiel herab. Die Basis ist oft samtig schwarz. Der Porling richtig angenehm pilzig, ist jedoch ungenießbar
Corina
Kastanienbraune Schwarzfußporlinge (Polyporus badius) – teilweise ältere Exemplare an totem Laubholz.
Foto: Corina Peronne
09.06.2026 – Dienstag
Junger Sommer-Steinpilz (Boletus reticulatus).
Foto: Catrin Berseck
Gestern Nachmittag hatte ich einen Termin in der Internationalen Freizeit- und Bildungsstätte „lütt pütt“ zwischen Dargelütz und Parchim. Ich hatte mir mehrere Angebote für unser diesjähriges Herbstseminar eingeholt und wollte mir das Objekt ansehen, noch Einiges vor Ort absprechen und dann entscheiden, wo es dieses Jahr hin geht.
Was soll ich sagen – kaum hatte ich die Autotür geöffnet, begrüßten mich direkt im Objekt unter alten Buchen Sommersteinpilze und Pfifferlinge! Wenn das mal nicht ein Omen und ein Grund war, dieses Objekt sofort zu buchen und den Termin fest zu machen!
Also liebe Pilzfreunde – unser diesjähriges Herbstseminar findet vom 16.10. bis 18.10.2026 in der Nähe von Parchim statt. Das Objekt liegt mitten im Wald in einer alten Kaserne.
Ihr findet die Veranstaltung unter Termine und ich empfehle euch, euch rechtzeitig anzumelden, da die Nachfrage mittlerweile sehr hoch ist und nur begrenzte Plätze zur Verfügung stehen. Die Reihenfolge der Anmeldungen entscheidet über die Teilnahme.
Catrin
Sommer-Steinpilz (Boletus reticulatus) direkt im Objekt „lütt pütt“ unter Buchen.
Foto: Catrin Berseck
Und es gab dort viele Sommer-Steinpilze…
Foto: Catrin Berseck