18.04.2026 Öffentliche Wanderung auf der Insel Poel

Öffentliche Pilzlehrwanderung

Pilzwandern im Jahr des Igelstachelbartes

Auf der Insel Poel

18. April 2026

Blick vom Küstenschutzwald auf die Ostsee.
Foto: Isa Krietzsch


Es ist schon eine Weile her, dass auf der Insel Poel eine Öffentliche Wanderung oder Exkursion statt fand. Letztmalig 2017 und 2020 – also wurde es endlich mal wieder Zeit, der Insel einen Besuch abzustatten.

Ziel unserer Pilzwanderung war heute der Küstenschutzwald an der Nordküste der Insel. 9 Teilnehmer trafen sich auf dem Parkplatz am Schwarzen Busch. Von dort wanderten wir 5 km durch den Küstenschutzwald bis nach Gollwitz, wo wir für den Rückweg 2 PKW vorab geparkt hatten.

Der Küstenschutzwald dient nicht nur als lebendige Pufferzone, die Wellen abbremst, den Boden stabilisiert und die Abtragung von Gestein durch Wind und Wasser verhindert. Neben dem Küstenschutz trägt der Wald zum Bodenschutz bei und bietet auch Lebensraum für verschiedene Pflanzen, Tiere und natürlich Pilzarten.

Normalerweise ist dieses Gebiet für Morchel- und Maipilzvorkommen bekannt. Aber dafür war es heute dann doch noch ein wenig zu früh. Trotzdem konnten wir 20 Pilzarten finden und erklären.

Da wir alle naturinteressiert sind, haben wir uns nebenbei auch Bäume, Kräuter und anderen interessante Dinge auf dieser Wanderung angesehen. So wurde es am Ende für alle Teilnehmer eine interessante und lehrreiche Wanderung bei schönstem Frühlungswetter.

Ein paar Eindrücke findet ihr nachfolgend.

Catrin (Text, Fotobeschriftung und Artenliste)

 

Gleich zu Beginn der Wanderung zeigt Catrin den Teilnehmern mit gebrachte Morcheln und Lorcheln.
Foto: Isa Krietzsch

 

Am Ausgangspunkt unserer heutigen Wanderung – der Kleine Eichenwald am Schwarzen Busch. Ursprünglich bezog sich der Name „Schwarzer Busch“ auf ein kleines, mit alten Eichen bestandenes Waldstück, welches heute nur noch als Rest existiert. Möglicherweise aber gab dem Waldstück auch ein Bauer namens Schwarz seinen Namen, welcher seinen Hof, den “Schwarzenhof” in unmittelbarer Nähe des Waldstückes hatte.
Foto: Dirk Fuhrmann

 

Christian konnte im Eichenwald diesen Star im Foto fest halten. Der Star (Sturnus vulgaris) ist einer der häufigsten Singvögel weltweit und war in Deutschland der Vogel des Jahres 2018. Stare sind meisterhafte Imitatoren und können andere Vogelstimmen oder sogar Umgebungsgeräusche wie Alarmanlagen oder Handyklingeltöne perfekt nachahmen.
Foto: Christian Boss

 

Und Isa hatte dann auch gleich den ersten Pilzfund – für sie persönlich auch ein langersehnter Erstfund. Anemonenbecherlinge (Dumontinia tuberosa) an Scharbockskraut.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Sporen des Anemonen-Becherlings unter dem Mikroskop mit den 4 Zellkernen in den Sporen.
Foto und Bestimmung: Catrin Berseck

 

Wir gingen den Wanderweg durch den Küstenschutzwald vom Schwarzen Busch in Richtung Gollwitz.
Foto: Dirk Fuhrmann

 

Christian und sein Sohn Theo hatten etwas am Strand entdeckt…
Foto: Isa Krietzsch

 

Dieses kleine Kunstwerk hat ein ca. 12-jähriger Junge am Strand gebaut. Es soll den Kölner Dom darstellen.
Foto: Christian Boss

 

Wieder auf dem Wanderweg schauen sich alle links und rechts des Weges nach Pilzen um.
Foto: Isa Krietzsch

 

Farbenfrohe Schmetterlingstrameten
(Trametes versicolor).
Foto: Isa Krietzsch

 

Eine vorjährige Geweihförmige Holzkeule
(Xylaria hypoxylon).
Foto: Isa Krietzsch

 

Ein innen hohler Weidenstumpf ist bei alten Exemplaren und Kopfweiden ein natürlicher Prozess. Weiden sind sehr regenerationsfähig und können trotz komplett hohlem Stamm weiterleben. Das Kernholz verrottet, während die wasserführende Rindenschicht außen intakt bleibt.
Foto: Dirk Fuhrmann

 

Christian und Theo fotografierten zwischendurch Vögel, die wir euch nicht vorenthalten möchten. Buntspecht (Dendrocopos major) – übersetzt man seinen wissenschaftlichen Namen, so müsste der Buntspecht eigentlich „großer Baumhämmerer“ heißen. Und das nicht zu unrecht: Sein schnelles Trommeln ist meist über weite Strecken zu hören.
Foto: Christian Boss

 

Der Zaunkönig (Troglodytes troglodytes) ist einer der kleinsten und lebhaftesten Singvögel Europas. Trotz seiner winzigen Größe von nur ca. 10 cm ist er für seinen außergewöhnlich lauten und schmetternden Gesang bekannt, der bis zu 90 Dezibel erreichen kann.
Foto: Christian Boss

 

Wir machten dann noch einmal einen kurzen Ausflug zum Strand und gingen dort ein Stück an der Steilküste entlang.
Foto: Isa Krietzsch

 

Tang und Seepocken an einem Stein in der Ostsee.
Foto: Isa Krietzsch

 

Die Brackwasser-Seepocke (Amphibalanus improvisus) ist eine weltweit verbreitete Art der Rankenfußkrebse. Als eine der wenigen Seepockenarten gedeiht sie hervorragend in Brackwasser (z. B. in der Ostsee) und verträgt einen Mindestsalzgehalt von nur etwa 6 ‰.
Foto: Catrin Berseck

 

Der Huflattich (Tussilago farfara) ist einer der ersten Frühlingsboten und eine traditionsreiche Heilpflanze. Er fällt besonders dadurch auf, dass seine gelben Blüten bereits ab Februar erscheinen, lange bevor sich die hufeisenförmigen Blätter entwickeln.
Foto: Isa Krietzsch

 

Wieder auf dem Wanderweg angekommen, zeigten sich dann endlich die ersten Pilze mit Hut und Stiel am Wegesrand.
Foto: Isa Krietzsch

 

Es handelte sich um Grünblättrige Schwefelköpfe (Hypholoma fasciculare) – ein extrem häufiger, giftiger Pilz, der fast das ganze Jahr über büschelig an Totholz (Laub- und Nadelholz) wächst.
Foto: Catrin Berseck

 

Und weiter ging es mit Frühlings-Faserlingen (Psathyrella spadiceogrisea). Er ist einer der ersten Blätterpilze, die im Frühjahr (oft ab März) erscheinen. Er gehört zur Familie der Mürblingsverwandten und ist ein typischer Folgezersetzer.
Foto: Isa Krietzsch

 

Einer der Haustintlinge (Coprinellus domesticus agg.).
Foto: Catrin Berseck

 

Ein Merkmal des Haus-Tintlings (Coprinellus domesticus agg.) ist das Ozonium – ein auffälliges, rostbraunes bis orangefarbenes Myzelgeflecht. Dieses struppige Geflecht aus Pilzfäden überzieht oft das Substrat – meist verrottendes Laubholz.
Foto: Isa Krietzsch

 

Wir erreichten dann den 1953 errichteten Leuchtturm Gollwitz-Nord – ein schlichter Zweckbau aus Beton und Stahlblech, der vor allem als Leitfeuer für die Schifffahrt in der Wismarer Bucht dient.
Foto: Dirk Fuhrmann

 

Eine interessante Wucherung an einem jungen Laubbaum.
Foto: Isa Krietzsch

 

Dieses Kunstwerk wurde nicht von der Natur, sondern von Menschenhand geschaffen.
Foto: Isa Krietzsch

 

Der Weidenfeuerschwamm (Phellinus igniarius) ist ein weit verbreiteter Baumpilz, der vor allem an Weiden eine intensive Weißfäule verursacht. Die Oberseite ist bei jungen Pilzen grau bis graubraun, wird im Alter fast schwarz und ist oft tief rissig.
Foto: Isa Krietzsch

 

Der Stäublings-Schleimpilz (Enteridium lycoperdon) ist einer der auffälligsten Schleimpilze in hiesigen Wäldern. Er ist kein echter Pilz, sondern gehört zur Gruppe der Myxomyceten – einzelligen Organismen, die sich amöbenartig fortbewegen können.
Foto: Isa Krietzsch

 

Als schleimiges Plasmodium „kriecht“ der Stäublings-Schleompilz über das Holz, um Bakterien und Pilzsporen zu fressen. Zur Fortpflanzung erstarrt er an einer exponierten Stelle zu dem charakteristischen weißen Kissen.
Foto: Isa Krietzsch

 

Weitere Schleimpilze (Trichia sp.) an einem finalvermorschten Baumstamm.
Foto: Catrin Berseck

 

Und ganz zum Schluss entdeckte Martina dann noch diese Becherlinge aus der Gattung Peziza.
Foto: Isa Krietzsch

 

Auch in dieser Form waren sie zu finden. Ich hoffe, wir können ihnen nach dem Mikroskopieren noch einen Namen geben.
Foto: Isa Krietzsch

 

Wir kamen dann am Ziel unserer Wanderung in Gollwitz an. Die Fünf Eulen am Dorfteich weisen auf das dortige Restaurant gleichen Namens hin.
Foto: Dirk Fuhrmann


Die Artenliste vom Wanderweg im Küstenschutzwald vom Schwarzen Busch nach Gollwitz – 1934-431 SO Kaltenhof:

Judasohr (Auricularia auricula-judae), Angebrannter Rauchporling (Bjerkandera adusta), Orangerotes Brennnesselbecherchen (Calloria neglecta), Riesenbovist – alte FK (Calvatia gigantea), Mahonienrost (Cumminsiella mirabilissima), Anemonenbecherling (Dumontinia tuberosa), Stäublings-Schleimpilz (Enteridium lycoperdon), Samtfußrüblinge – alte FK (Flammulina velutipes agg.), Zunderschwamm (Fomes fomentarius), Grünblättriger Schwefelkopf (Hypkoloma fasciculare), Schwefelporling -alter FK (Laetiporus sulphureus), Zugespitzter Kugelpilz (Leptosphaeria acuta), Weidenfeuerschwamm (Phellinus trivalis), Brombeerrost (Phragmidium violaceum),
Austern-Seitling – alte FK (Pleurotus ostreatus), Früher Faserling (Psathyrella spadiceogriseae), Gemeiner Spaltblättling (Schizophyllum commune), Schmetterlingstramete (Trametes versicolor), Geweihförmige Holzkeule (Xylaria hypoxylon)


Wann startet die nächste Lehrwanderung? Siehe unter Termine!


 

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