24.05.2026 – Öffentliche Wanderung bei der Plüschower Mühle
Öffentliche Pilzlehrwanderung
Pilzwandern im Jahr des Igelstachelbartes
Im Mühlenholz an der Plüschower Mühle
24. Mai 2026 – Pfingstsonntag
Es sind mittlerweile fast 2 Wochen nach den kräftigen Niederschlägen am 11.05.2026 vergangen. Beste Voraussetzungen, um am heutigen Pfingstsonntag nach dem Mittagessen einen Spaziergang zu machen und sich die Auswirkungen der Regenfälle auf das Pilzwachstum anzusehen.
Insgesamt 7 Pilz- und Naturfreunde trafen sich zu dieser Wanderung im Mühlenholz zwischen Wismar und Grevesmühlen. Ein kleines Waldgebiet südlich der Ortschaft Naschendorf gelegen, welches überwiegend von Laubbäumen gebildet wird. Neben Pappeln und Erlen finden sich vor allem Rotbuchenbestände mit eingestreuten Eichen und Hainbuchen. Am Rande fließt der Mühlenbach und es finden sich auch kleinere Feuchtbereiche und Waldtümpel.
Natürlich befinden wir uns noch im Frühling und fast schon zum Übergang in den Frühsommer. Da waren die Erwartungen auf volle Körbe natürlich nicht sehr hoch. Der Fokus liegt ja schließlich auch auf Lehrwanderung.
Es gab trotzdem einiges zu entdecken und zu lernen – und mit über 30 gefundenen und vor Ort bestimmten und erklärten Pilzarten war die heutige Ausbeute für Ende Mai wirklich nicht schlecht.
Nachfolgend ein paar Eindrücke von diesem schönen Pfingstspaziergang mit sehr netten und interessierten Teilnehmern.

Es waren vorjährige Exemplare der Geweihförmigen Holzkeule (Xylaria hypoxylon). Das ist ein häufiger Schlauchpilz aus der Familie der Holzkeulenverwandten. Er fällt im Wald besonders durch seine markante, an ein winziges Hirschgeweih erinnernde Form auf.
Foto: Catrin Berseck

Die Buchenfruchtschalen-Holzkeule (Xylaria carpophila) ist auch als Bucheckern-Holzkeule bekannt. Der Pilz (die langen Fäden) wächst als Saprobiont (Folgezersetzer) ausschließlich auf den abfallenden, verrottenden Fruchthüllen (Cupulen) von Bucheckern.
Foto: Catrin Berseck

Diese Langstieligen Ahorn-Holzkeulen (Xylaria longipes) wuchsen jedoch ganz frisch. Sie wachsen das ganze Jahr über als Folgezersetzer (Saprobiont) vor allem auf totem Laubholz, mit einer starken Vorliebe für Berg-Ahorn.
Foto: Catrin Berseck

Eine faszinierende Eigenschaft der Ahorn-Holzkeule ist ihre Auswirkung auf das befallene Holz. Das Myzel des Pilzes durchzieht das Totholz und hinterlässt nach der Zersetzung feine schwarze Linien im Holz. Dieses dadurch entstehende, markant gemusterte Holz wird in der Holzverarbeitung und im Instrumentenbau als Giraffenholz bezeichnet und ist wegen seiner dekorativen Optik sehr begehrt.
Foto: Catrin Berseck

Interesse erregten auch die Blutmilchpilze (Lycogala epidendrum), die trotz des Namens keine echten Pilze, sondern weit verbreitete Schleimpilze (Myxomyzeten) sind, die weltweit auf Totholz vorkommen.
Foto: Catrin Berseck

Im jungen Stadium leuchten die Kügelchen auffällig rosa, lachsfarben oder hellorange. Zerdrückt man sie in dieser Phase, tritt eine zähflüssige, rötlich-orange Flüssigkeit aus – die namensgebende „Blutmilch“.
Foto: Christian Boss

Ebenfalls ein Schleimpilz ist dieses Fadenkeulchen (Stemonitis sp.). Im unreifen Jugendstadium ist die Masse oft rein weiß, schleimig oder gar rosa. Innerhalb weniger Stunden verwandelt sie sich in die charakteristischen dunklen, holzbraunen bis purpurbraunen fadenartigen Strukturen.
Foto: Christian Boss

Die Erdkröte (Bufo bufo) ist die häufigste und größte heimische Krötenart in Mitteleuropa. Als anpassungsfähiger Froschlurch besiedelt sie fast alle Lebensräume von Wäldern über offene Landschaften bis hin zu naturnahen Gärten.
Foto: Christian Boss

Erdkröten haben recht kurze Hinterbeine und bewegen sich normalerweise auf allen vieren schreitend, bei Beunruhigung aber auch hüpfend vorwärts. Dieses scheinbar sportliche Exemplar versucht es mit Klimmzügen.
Foto: Jens Hegewald

Und dann gab es auch im Uferbereich des Mühlenbachs auf Totholz den ersten Speisepilz. Der Sklerotien-Stielporling (Polyporus tuberaster) wird auch Kleiner Schuppenporling genannt. Er ist ein essbarer Pilz aus der Familie der Stielporlingsverwandten, der für sein unterirdisches Speicherorgan bekannt ist – dem Sklerotium.
Foto: Catrin Berseck

Weiter ging es mit Frischpilzen – der Grünblättrige Schwefelkopf (Hypholoma fasciculare) ist ein giftiger und extrem häufiger Blätterpilz in unseren Wäldern. Er wächst fast das ganze Jahr über in dichten Büscheln an totem Laub- und Nadelholz.
Foto: Jens Hegewald

Und diese Becherlinge waren heute allgegenwärtig und wir fanden sie in allen Größen und Formen. Buchenwald-Becherling (Peziza arvernensis). Er ist jung deutlich becherförmig und hat einen unebenen, oft fransigen Rand. Die Außenseite ist meist heller gefärbt, wirkt feinkleiig (wie mit kleinen Pusteln übersät) oder samtig.
Foto: Christian Boss

Im Alter breitet er sich flach oder wellig-lappig aus. Die Innenseite ist haselnussbraun, ockerbraun oder cremebraun und so wie hier manchmal aderig.
Foto: Catrin Berseck

Der Scharlachrote Feuerkäfer (Pyrochroa coccinea) ist ein auffällig gefärbtes Insekt, das für den Menschen völlig harmlos und in der Forstwirtschaft als Nützling geschätzt wird. Erwachsene Käfer fressen nur sehr selten. Die Larven des Scharlachroten Feuerkäfers dagegen jagen mit ihren kräftigen Mundwerkzeugen gezielt die Larven von Borkenkäfern und anderen holzzerstörenden Insekten und vertilgen diese. Sie spielen somit eine wichtige Rolle beim biologischen Waldschutz.
Foto: Christian Boss

Auch der Waldmistkäfer (Anoplotrupes stercorosus) ist einer der nützlichsten und häufigsten Bewohner unserer heimischen Wälder. Als „Gesundheitspolizei“ befreit er den Waldboden von Kot und Pilzen, belüftet die Erde und schützt das Ökosystem vor Krankheitserregern.
Foto: Christian Boss

Waldfreund-Rüblinge (Gymnopus dryophilus agg.) sind eine der häufigsten und anpassungsfähigsten Pilzarten. Besonders nach ergiebigen Sommerregenschauern schießen sie oft massenhaft aus dem Boden – selbst dann, wenn der restliche Wald völlig pilzleer wirkt. Von pilzleer konnte heute zum Glück keine Rede sein.
Foto: Christian Boss

Ebenfalls als Folgezersetzer findet man den Rosablättrigen Helmling (Mycena galericulata) fast das ganze Jahr. Die Lamellen sind weißlich bis hellgrau, die sich im Alter durch das Sporenpulver charakteristisch rosa überlaufen.
Foto: Catrin Berseck

Ein Merkmal des Rosablättrigen Helmlings sind die angewachsen Lamellen mit Zwischenlamellen. Am Grund finden wir angedeutete Querlamellen – feine, quer verlaufende Stege oder Adern, die zwei nebeneinanderliegende Lamellen schwach miteinander verbinden.
Foto: Catrin Berseck

Der Buchenwald-Wasserfuß (Hydropus subalpinus) ist ein unauffälliger, kleiner Blätterpilz aus der Familie der Wurzelrüblingsverwandten. Er wächst als Folgezersetzer vor allem im Frühling und Sommer auf verrottenden Laubholzresten in Buchenwäldern.
Foto: Christian Boss

Ein Merkmal des Buchenwaldwasserfußes ist die weiß-striegelige wurzelnde Stielbasis. An Bruchstellen des Stiels kann eine wässrige Flüssigkeit austreten, was der Gattung den Namen „Wasserfuß“ eingebracht hat.
Foto: Christian Boss

Der Buchenwald-Wasserfuß hat ein weiteres gutes in der Praxis anwendbares makroskopisches Merkmal: Wenn man den Hut mit einem Ruck nach oben vom Stiel abzieht, bleibt an der Stielspitze ein auffälliges “Knöpfchen” zurück, wie wir es vom Knopfstieligen Rübling kennen.
Foto: Sylvina Zander

Myzel an feucht liegender Eschenrinde – ein feines Geflecht aus fadenförmigen Zellen (Hyphen) eines Pilzes. Während wir meist nur den Fruchtkörper über der Erde als „Pilz“ wahrnehmen, ist das Myzel der eigentliche, lebendige Hauptkörper, der sich über riesige Flächen im Boden oder in organischem Material erstrecken kann.
Foto: Christian Boss

Dort fanden wir auch diese Weichbecherlinge (Mollisia sp.), die jedoch nur von Experten mikroskopisch bestimmt werden können.
Foto: Christian Boss

Auch diese kleinen Pilze gehören zu Gattung der Weichbecherlinge (Mollisia sp.).
Foto: Christian Boss

Schon von Weitem leuchteten uns die weißen Blütenstände der Wasserfeder oder Wasserprimel (Hottonia palustris) entgegen.
Foto: Christian Boss

Die Wasserfeder ist eine heimische Wasserpflanze mit filigranen Blättern und hübschen weißen Blüten. Die fiederschnittige Blätter wachsen unter der Wasseroberfläche, nur die Blütenstände ragen hervor. Die Pflanze verankert sich im Schlamm mit einem verzweigtem Wurzelsystem.
Foto: Christian Boss

Die Buckel-Tramete (Trametes gibbosa) besiedelt gerne Stümpfe und totes Holz von Rotbuchen. Ein sicheres Erkennungsmerkmal auf der Unterseite sind die schlitzförmigen, radial langgestreckten, fast labyrinthartigen Röhrenmündungen sowie die eigentlich weißlich-cremefarbene Oberseite, die fast immer von Grünalgen besiedelt ist.
Foto: Christian Boss

Ältere Exemplare des Kastanienbraunen Stielporlings (Picipes badius). Hier sind sehr schön seine namensgebende glänzende rotbraune bis kastanienbraune Hutfarbe zu sehen.
Foto: Chrsitian Boss

Auf der Unterseite sieht man hier den markanten kurzen Stiel, der sich von der Basis her zunehmend schwarzbraun bis fast schwarz verfärbt.
Foto: Christian Boss

Der Breitblättrige Rübling (Megacollybia platyphylla), auch bekannt als Breitblättriger Holzrübling oder schlicht Breitblatt, ist ein sehr häufiger Blätterpilz, dessen Speisewert stark umstritten ist und der von der DGfM als Giftpilz eingestuft wird.
Foto: Christian Boss

Der Hut erreicht einen Durchmesser von bis zu 12 cm. Die Oberfläche ist graubraun, radialfaserig und oft feucht-streifig.
Foto: Christian Boss

Der Hut des Breitblättrigen Rüblings ist extrem dünnfleischig – im Volksmund wird der Pilz daher auch als „Haut und Knochen“ bezeichnet.
Foto: Christian Boss

Der Admiral (Vanessa atalanta) ist einer der bekanntesten und farbenprächtigsten Wanderfalter und gehört zur Familie der Edelfalter. Seinen Namen verdankt er der charakteristischen Färbung seiner Flügeloberseiten, die mit ihren roten Bändern auf dunklem Grund an historische Marineuniformen erinnert.
Foto: Christian Boss

Raupe einer Grasglucke (Euthrix potatoria). Die Raupen sind optisch sehr auffällig, werden bis zu 8 Zentimeter lang und sind stark behaart. Sie sind dunkelgrau bis bläulich gefärbt, haben gelb-orange Seitenstreifen sowie weiße und schwarze Haarbüschel. Der außergewöhnlichen Eigenschaft ihrer Raupen, morgens aktiv Wassertropfen wie Tau vom Gras aufzusaugen, hat der Graglucke auch den Namen „Trinkerin“ eingebracht.
Foto: Christian Boss

Und dann fanden wir tatsächlich auch Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis).
Foto: Catrin Berseck

Die Stockschwämmchen wachsen fast immer in dichten, großen Büscheln direkt an Baumstümpfen oder liegenden Stämmen. Das wichtigste Merkmal ist die Stielbekleidung. Unterhalb des kleinen Hautrings ist der Stiel deutlich dunkelbraun geschuppt.
Foto: Catrin Berseck

Die ersten Täublinge dieses Jahr auf unserer heutigen öffentlichen Wanderung zeigten sich auch schon. Hier sehen wir einen Täubling aus Täublinge der Sektion griseinae. Pilze dieser Sektion sind makroskopisch (mit bloßem Auge) extrem schwer voneinander unterscheidbar.
Foto: Christian Boss

Täublinge (Russula) gehören mit weltweit rund 750 Arten zu den artenreichsten Pilzgattungen überhaupt und zeichnen sich durch ihr sprödes, kreideartiges Fleisch aus.
Foto: Christian Boss
Die Artenliste aus dem Mühenholz südwestlich der Plüschower Mühle – MTB: 2133/412 SO – Grevesmühlen:
Vorauseilender Ackerling (Agrocybe praecox), Birnen-Stäubling – alte FK (Apioperdon pyriforme), Buchen-Rindenschorf (Ascodichaena rugosa), Tintenstrichpilz (Bispora antennata), Angebrannter Rauchporling (Bjerkandera adusta), Eichen-Wirrling (Daedalea quercina), Scharbockskraut-Brandpilz (Entyloma ficariae), Zunderschwamm (Fomes fomentarius), Waldfreund-Rübling (Gymnopus dryophilus agg.), Buchenwald-Wasserfuß (Hydropus subalpinus), Grünblättriger Schwefelkopf (Hypholoma fasciculare), Brandkrustenpilz (Kretzschmaria deusta), Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis), Blutmilchpilz (Lycogala epidendrum), Breitblättriger Rübling (Megacollybia platyphylla), Rosablättriger Helmling (Mycena galericulata), Buchenwald-Becherling (Peziza arvenensis), Kastanienbrauner Stielporling (Picipes badius), Sklerotienporling (Polyporus tuberaster), Striegeliger Schichtpilz (Stereum hirsutum), Buckeltramete (Trametes gibbosa), Schmetterlingstramete (Trametes versicolor), Buchenfruchtschalen-Holzkeule (Xylaria carpophila), Geweihförmige Holzkeule (Xylaria hypoxylon), Langgestielte Ahorn-Holzkeule (Xylaria longipes)
Wann startet die nächste Lehrwanderung? Siehe unter Termine!





