Pilze und Wetter Juni 2026
Wetter und Pilzwachstum in Mecklenburg
Tagebuch zu Pilze und Wetter im Juni 2026
01.06.2026 -Montag – Internationaler Kintertag

Schöner madenfreier Sommer-Steinpilz (Boletus reticulatus) heute bei Bützow – trotzdem stehen gelassen… Warum?
Foto: Hanjo Herbort
Heute beginnt nicht nur ein neuer Pilzmonat.
Der 01. Juni wurde 1950 in der ehemaligen DDR offiziell als Kindertag eingeführt. Er war dort ein großes Ereignis in Schulen und Kitas mit Geschenken und Festen. Auch heute ist diese Tradition in den ostdeutschen Bundesländern tief verwurzelt und so war es auch nicht verwunderlich, dass heute viele Kindergartengruppen mit Bollerwagen und Luftballons unterwegs waren… Wie ich finde – eine sehr schöne Tradition.
Aber zurück zu den Pilzen…
Wir haben den Monat Mai mit gefundenen Sommersteinpilzen von Alexander in der Lewitz-Region beendet und eröffnen den Monat Juni natürlich auch mit Sommersteinpilzen.
Aber heute gefunden von Hanjo in der Nähe von Bützow.
Catrin

Hier die Antwort auf „Warum?“ Die von Hanjo gefundenen Sommersteinpilze befanden sich direkt am Straßenrand unter Eichen und wurden deshalb stehen gelassen… Autoabgase, Ruß und Mikroplastik aus dem Straßenverkehr setzen sich im Boden ab. Pilze nehmen diese Schadstoffe auf und reichern sie stark an.
Foto: Hanjo Herbort

Trotzdem noch mal ein schönes Foto vom Sommersteinpilz (Boletus reticulatus) aus dem Straßengraben.
Foto: Hanjo Herbort
02.06.2026 – Dienstag
Heute nehmen wir euch mal in Torsten Richters Garten mit. Da gibt es nicht nur Gemüse, sondern natürlich auch Pilze.
In diesem Fall Büschel-Tintlinge (Coprinellus congregatus) auf einem Stroh-Mistgemisch unter den Tomaten. Es handelt sich um winzige, meist gesellig oder büschelig wachsende Tintlinge. Der Hut ist anfangs eiförmig bis zylindrisch, breitet sich später glockig aus und erreicht meist nur einen Durchmesser von wenigen Millimetern bis maximal 2 Zentimetern. Die Huthaut ist blass-beige bis ockerbräunlich gefärbt und stark gerieft. Auffällig an dem Tintling ist, dass er kein Velum hat.
Eine sichere Unterscheidung von anderen sehr ähnlichen, kleinen Tintlingen (wie dem Glimmertintling oder dem Rädchentintling) ist makroskopisch mit bloßem Auge kaum möglich und erfordert eine mikroskopische Untersuchung der Sporen und Zystiden.
Für alle Interessierten gehe ich heute mal näher auf die mikroskopischen Merkmale ein und beschreibe die etwas genauer.
Der Büschel-Tintling hat Pileozystiden (auf der Hutoberfläche), Pleurozystiden (an der Flanke der Lamellenfläche) und Cheilozystiden (an der Kante der Lamellenschneide). Auf den nachfolgenden Fotos von Torsten sind diese Mikro-Merkmale sehr gut dargestellt – ich habe die entsprechenden Erklärungen dazu gefügt.
Catrin

Unter den Tomaten wuchsen auf einem Stroh-Mistgemisch die Büschel-Tintlinge.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

Normalerweise zerfließen ältere Fruchtkörper der Tintlinge – die des Büschel-Tintlings verwelken dagegen.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

Der gesamte Hut des Pilzes ist mit winzigen, stark inkrustierten Haaren (Pileozystiden) überzogen, die dem Pilz ein leicht mattes oder bereiftes Aussehen verleihen. Hier sehen wir die Pileozystiden unter dem Mikroskop mit Kongorot angefärbt.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

Pleurozystide im Sporenmeer. Das ist eine sterile, meist stark vergrößerte Zelle, die sich an den Seitenflächen der Lamellen befindet. Sie ragen oft deutlich über die sporenbildenden Basidien hinaus. Dadurch halten sie benachbarte Lamellen auf Abstand, damit die reifen Sporen ungehindert herabfallen können.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

Eine Cheilozystide ist eine sterile, meist auffällig geformte Zelle, die sich ausschließlich an der Schneide von Pilzlamellen befindet. Sie schützen die fruchtbaren Zellen (Basidien) an den Lamellenflanken vor dem Verkleben.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

Hier sehen wir die Sporen des Büschel-Tintlings mit einem exzentrischen Keimporus. Ein exzentrischer Keimporus ist ein mikroskopisches Merkmal von Pilzsporen, bei dem die Keimöffnung nicht genau in der Mitte (zentral), sondern seitlich versetzt an einem Ende der Spore liegt. Ein Keimporus ist eine klar umrissene, stark verdünnte Stelle in der Zellwand einer Pilzspore, an der bei der Keimung der Keimschlauch durchbricht.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter


