*** Pilze/Wetter Juni 2026 ***

Pilze und Wetter Juni 2026

Wetter und Pilzwachstum in Mecklenburg

Tagebuch zu Pilze und Wetter im Juni 2026

Perlpilze (Amanita rubescens) – ein Speisepilz des Frühsommers


01.06.2026 -Montag – Internationaler Kintertag

Schöner madenfreier Sommer-Steinpilz (Boletus reticulatus) heute bei Bützow – trotzdem stehen gelassen… Warum?
Foto: Hanjo Herbort

Heute beginnt nicht nur ein neuer Pilzmonat.

Der 01. Juni wurde 1950 in der ehemaligen DDR offiziell als Kindertag eingeführt. Er war dort ein großes Ereignis in Schulen und Kitas mit Geschenken und Festen. Auch heute ist diese Tradition in den ostdeutschen Bundesländern tief verwurzelt und so war es auch nicht verwunderlich, dass heute viele Kindergartengruppen mit Bollerwagen und Luftballons unterwegs waren… Wie ich finde – eine sehr schöne Tradition.

Aber zurück zu den Pilzen…

Wir haben den Monat Mai mit gefundenen Sommersteinpilzen von Alexander in der Lewitz-Region beendet und eröffnen den Monat Juni natürlich auch mit Sommersteinpilzen.

Aber heute gefunden von Hanjo in der Nähe von Bützow.

Catrin

Hier die Antwort auf „Warum?“ Die von Hanjo gefundenen Sommersteinpilze befanden sich direkt am Straßenrand unter Eichen und wurden deshalb stehen gelassen… Autoabgase, Ruß und Mikroplastik aus dem Straßenverkehr setzen sich im Boden ab. Pilze nehmen diese Schadstoffe auf und reichern sie stark an.
Foto: Hanjo Herbort

 

Trotzdem noch mal ein schönes Foto vom Sommersteinpilz (Boletus reticulatus) aus dem Straßengraben.
Foto: Hanjo Herbort


02.06.2026 – Dienstag

Büschel-Tintling (Coprinellus congregatus).
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

Heute nehmen wir euch mal in Torsten Richters Garten mit. Da gibt es nicht nur Gemüse, sondern natürlich auch Pilze.

In diesem Fall Büschel-Tintlinge (Coprinellus congregatus) auf einem Stroh-Mistgemisch unter den Tomaten. Es handelt sich um winzige, meist gesellig oder büschelig wachsende Tintlinge. Der Hut ist anfangs eiförmig bis zylindrisch, breitet sich später glockig aus und erreicht meist nur einen Durchmesser von wenigen Millimetern bis maximal 2 Zentimetern. Die Huthaut ist blass-beige bis ockerbräunlich gefärbt und stark gerieft. Auffällig an dem Tintling ist, dass er kein Velum hat.

Eine sichere Unterscheidung von anderen sehr ähnlichen, kleinen Tintlingen (wie dem Glimmertintling oder dem Rädchentintling) ist makroskopisch mit bloßem Auge kaum möglich und erfordert eine mikroskopische Untersuchung der Sporen und Zystiden.

Für alle Interessierten gehe ich heute mal näher auf die mikroskopischen Merkmale ein und beschreibe die etwas genauer.

Der Büschel-Tintling hat Pileozystiden (auf der Hutoberfläche), Pleurozystiden (an der Flanke der Lamellenfläche) und Cheilozystiden (an der Kante der Lamellenschneide). Auf den nachfolgenden Fotos von Torsten sind diese Mikro-Merkmale sehr gut dargestellt – ich habe die entsprechenden Erklärungen dazu gefügt.

Catrin

Ein Blick in Torstens Garten.
Foto: Torsten Richter

 

Unter den Tomaten wuchsen auf einem Stroh-Mistgemisch die Büschel-Tintlinge.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Normalerweise zerfließen ältere Fruchtkörper der Tintlinge – die des Büschel-Tintlings verwelken dagegen.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Der gesamte Hut des Pilzes ist mit winzigen, stark inkrustierten Haaren (Pileozystiden) überzogen, die dem Pilz ein leicht mattes oder bereiftes Aussehen verleihen. Hier sehen wir die Pileozystiden unter dem Mikroskop mit Kongorot angefärbt.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Pleurozystide im Sporenmeer. Das ist eine sterile, meist stark vergrößerte Zelle, die sich an den Seitenflächen der Lamellen befindet. Sie ragen oft deutlich über die sporenbildenden Basidien hinaus. Dadurch halten sie benachbarte Lamellen auf Abstand, damit die reifen Sporen ungehindert herabfallen können.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Eine Cheilozystide ist eine sterile, meist auffällig geformte Zelle, die sich ausschließlich an der Schneide von Pilzlamellen befindet. Sie schützen die fruchtbaren Zellen (Basidien) an den Lamellenflanken vor dem Verkleben.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Hier sehen wir die Sporen des Büschel-Tintlings mit einem exzentrischen Keimporus. Ein exzentrischer Keimporus ist ein mikroskopisches Merkmal von Pilzsporen, bei dem die Keimöffnung nicht genau in der Mitte (zentral), sondern seitlich versetzt an einem Ende der Spore liegt. Ein Keimporus ist eine klar umrissene, stark verdünnte Stelle in der Zellwand einer Pilzspore, an der bei der Keimung der Keimschlauch durchbricht.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter


03.06.2026 – Mittwoch

Christian in einem kneippschen Wasserbecken direkt im Bachlauf beim Wassertreten.
Foto: Catrin Berseck

Heute fand unsere Mittwochsexkursion bzw. Kartierungsexkursion statt.

Es ging heute in die Nähe von Rostock. 4 Vereinsmitglieder des Steinpilz Wismar „Reinhold Krakow“ e.V. trafen sich um 16.15 Uhr am Bad Doberaner Krankenhaus in Hohenfelde.

Wir hatten uns das gegenüberliegende 38 Hektar große Waldgebiet für unsere heutige Exkursion ausgesucht – den Heilwald im Waldgebiet Quellholz-Eikhäge. Die hohe Luftfeuchtigkeit und der mäandrierende Bachlauf, der im Bereich des Waldes naturbelassen wurde, zählen zu den Besonderheiten dieses Waldgebietes.

Hügelgräber aus der Bronzezeit findet man im Süden der Waldfläche. Eine Kneipp-Anlage, Balancier- und Kletterbereiche, Gang- und Bewegungsparcours und Ruhemöglichkeiten sind Therapiestationen in diesem wunderschönen Heilwald.

Aber wir waren ja hauptsächlich zur Pilzkartierung hier – haben aber auch gleichzeitig dieses schöne Waldstück genossen und sind entspannt und therapiert nach Hause gegangen.

Einen ausführlichen Bericht findet ihr demnächst hier.

Catrin

Der mäandernde Bachlauf des Quellenbachs in unserem heutigen Kartierungsgebiet.
Foto: Christian Boss


04.06.2026 – Donnerstag

Flockenstieliger Hexenröhrling (Neoboletus erythropus) – der erste der Pilz des heutigen Tages.
Foto: Hanjo Herbort

Heute wollte ich mich nach einer Zahnbehandlung von den Nachwirkungen ablenken und etwas erholen – was liegt da näher als ein Spaziergang durch den Lieblings-Buchenwald? So ging ich über Mittag in den Wald ohne große Erwartungen und wurde dann doch positiv überrascht.

Obwohl nach dem Regen gestern doch etliche Schnecken unterwegs waren, ließ der erste Flockenstielige Hexenröhrling nicht lange auf sich warten. Unberührt von diesen Schleimern stand er da. Einige weitere folgten. Auch der erste Frauentäubling ließ sich finden – allerdings hatten die Schnecken diesen bereits skalpiert. Sonst war er aber in einem guten Zustand und durfte sich zu den Röhrlingen gesellen.

Einige stark lädierte Breitblättrige Holzrüblinge waren kein Foto wert, doch es kamen noch weitere Holzbewohner auf die Bühne. Überall waren plötzlich Lungenseitlinge von schon weit überständig bis noch knackig jung zu finden. Ein paar besonders schöne durften mit. Ein wirklich ordentlicher Schub dieser Pilzart ist gerade im Gange.

So wanderte ich noch ein Stück weiter an eine meiner Sommersteinpilzstellen – hier war aber noch nichts zu finden, im Wald kommen sie meist einige Zeit später, als an exponierten Stellen wie Straßenrändern oder sonnendurchfluteten Parks.

Aber aus dem Gebüsch leuchteten mir gelbe Köpfe entgegen. Die ersten jungen Stockschwämmchen der Saison eroberten gerade einen alten Stubben im noch dampfenden Dickicht.

Nun trat ich zufrieden den Rückweg an und konnte hier tatsächlich eine weitere interessante Art entdecken. Ein stattlicher Fruchtkörper mit rötlich braunem Hut stand im hohen Gras. Da ich sie in diesem Gebiet schon an mehreren Stellen hatte, wusste ich gleich, was da wuchs. Ein Rotbrauner Riesenträuschling stand vor mir. Erkennbar an den auffällig grauen Lamellen. In der DDR als „Braunkappe“ zur Zucht auf Stroh als Speisepilz angeboten, soll er jedoch nicht sonderlich gut schmecken und auch teilweise unverträglich sein. Ich werde es nicht testen. Ein schöner Anblick ist dieser Pilz aber allemal.

Das Resümee des kleinen Ausflugs: Langsam tut sich was und die Artenvielfalt nimmt zu. Ich freue mich auf die nächsten Wochen.

Hanjo

Ein von den Schnecken sklapierter Frauentäubling (Russula cyanoxantha).
Foto: Hanjo Herbort

 

Lungenseitlinge (Pleurotus pulmonarius) an Buche.
Foto: Hanjo Herbort

 

Frische Stockschwämmschen (Kuehneromyces mutabilis).
Foto: Hanjo Herbort

 

Junge Stockschwämmchen in Nahaufnahme. Die Lamellen sind noch durch das Velum partiale (Teilhülle) geschützt und reißt beim Wachstum auf, wobei es einen häutigen, abstehenden Ring (Manschette) am Stiel hinterlässt. Unterhalb dieses Rings ist der Stiel dunkel und sparrig-schuppig, oberhalb hellgelb oder cremefarben und meistens sichtbar glatter.
Foto: Hanjo Herbort

 

Der essbare Rotbraune Riesenträuschling (Stropharia rugosoannulata) schmeckt den Schnecken jedenfalls…
Foto: Hanjo Herbort


05.06.2026 – Freitag

Birkenpilz (Leccinum scabrum) – ein Raufußröhrling heute unter Birken.
Foto: Catrin Berseck

Im Gegensatz zu Hanjo suche ich im Juni ja lieber Parkanlagen als Wälder auf. So führte mich meine heutige Nachmittags-Tour auch zu meiner Lieblingsparkanlage in Nordwest-Mecklenburg. Und ich wurde nicht enttäuscht – auch hier hatte sich seit der letzten Woche einiges getan…

Zu Beginn meiner Tour fand ich in Bützow unter Birken den ersten Birkenpilz des Jahres und habe mich darüber schon sehr gefreut.

Aber im anvisierten Park angekommen, wurde es noch besser. Begrüßt wurde ich am Wegrand gleich durch Trupps von büschelig wachsenden Gelbblättrigen Rüblingen (Gymnopus ocior) – einem selteneren Verwandten der Waldfreundrüblinge.

Weiter ging es dann mit vielen schönen aber tödlich giftigen Ziegelroten Risspilzen (Inosperma erubescens). Er enthält extrem hohe Konzentrationen des Nervengifts Muscarin. Bereits eine Menge von 40 bis 50 Gramm des Frischpilzes kann für einen erwachsenen Menschen tödlich sein.

Aber auch Speisepilze, wie Fleischrote Speisetäublinge (Russulua vesca) und Perlpilze (Amanita rubescens) waren dort heute schon am Start.

Wie Hanjo gestern schon feststellte – die Artenvielfalt nimmt zu.

Catrin

Gelbblättrige Rüblinge (Gymnopus ocior) – ein Blätterpilz aus der Familie der Waldfreundrüblingsverwandten – heute auf dem Weg in einer Parkanlage.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Lamellen des Gelbblättrigen Rüblings sind auffallend weißgelblich, blassgelb bis schwefelgelb gefärbt. Sie stehen sehr eng und sind fast frei oder schmal ausgebuchtet am Stiel angewachsen.
Foto: Catrin Berseck

 

Ziegelroter Risspilz (Inosperma erubescens) mit seinem namensgebenden ziegelroten Hut und der typischerweise radialfaserig aufgesrissenen Huthaut.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Lamellen des Ziegelroten Risspilzes sind anfangs weißlich, verfärben sie sich später oliv- bis tabakbraun. Bei Druck oder Verletzung laufen sie langsam ziegelrot an. Das Fleisch und der Stiel sind weiß, laufen bei Bruch oder im Alter ebenfalls rot an.
Foto: Catrin Berseck

 

Hier ein junges Exemplar des Ziegelroten Risspilzes – noch ohne die typischen roten Verfärbungen.
Foto: Catrin Berseck

 

Nicht schön – aber der erste Speisetäubling (Russula vesca) dieses Jahr.
Foto: Catrin Berseck

 

Dafür umso schöner: Der erste Perlpilz (Amanita rubescens).
Foto: Catrin Berseck

 

Allerdings ist die äußere Schönheit dieser Perlpilze mehr Schein als Sein – alle sind komplett vermadet.
Foto: Catrin Berseck


06.06.2026 – Sonnabend

Gelbfüßiger Hexenröhrling (Neoboletus xanthopus) im Park unter Eichen.
Foto: Catrin Berseck

Nach den gestrigen Erfolgen war dann aber noch nicht Schluss mit meiner Freitags-Tour… Ich war jetzt bereits nicht mehr weit von Wismar entfernt und habe beschlossen, weiter nach Wismar zu fahren.

Für Reinhold war immer der 24.05.2026 Stichtag, um in Wismar nach Flockenstieligen Hexenröhrlingen und Sommersteinpilzen Ausschau zu halten. Am 24.05.2026 hatten wir unsere Öffentliche Wanderung an der Plüschower Mühle – auf dem Rückweg nach Hause hatte ich in Wismar in Reinholds Park einen Zwischenstopp eingelegt – aber wegen der Trockenheit außer ein paar Frühen Faserlingen absolut nichts gefunden.

Dafür war ich heute dort mehr als erfolgreich. Gleich zu Anfang fand ich Hexenröhrlinge. Die erwiesen sich im Nachhinein sogar als Gelbfüßige Hexenröhrlinge (Neoboletus xanthopus) – ein seltener Fund und Erstfund für mich! Der Fund wurde mir übrigens von Michal Mikšik – einem der Autoren des Buches „European Boletes 1“ persönlich bestätigt.

Auch den ersten Kahlen Krempling (Paxillus involutus) konnte ich dort finden.

Es gab dann auch noch Flockenstielige Hexenröhrlinge, Täublinge und ein paar ganz kleine zertrampelte Sommersteinpilze – die habe ich aber nicht mehr aufgrund des einsetzenden Starkregens und Gewitters fotografiert.

Statt dessen bin ich auf dem Heimweg noch schnell zum Wismarer Friedhof gefahren und habe eine Regenpause ausgenutzt, um hier mal fix zu gucken. Und da war tatsächlich bereits der erste Fahle Röhrling (Hemileccinum impolitum) am Start.

Catrin

Der Stiel des Gelbfüßigen Hexenröhrlings ist besonders in den unteren zwei Dritteln mit dichten oder lockeren, ockerfarbenen bis rötlichen kleinen (< 0,5 mm) Körnchen bedeckt, die sich später rostrot oder bräunlich verfärben.
Foto: Catrin Berseck

 

Im Gegensatz zum Flockenstieligen Hexenröhrling neigen die Poren vom Gelbstieliegen Hexenröhrling dazu, mit der Zeit zu verblassen, bleiben jedoch nahe dem Hutrand dauerhaft gelb.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Hutoberfläche ist jung samtig, später glatt. Farblich ist er sehr variabel: meist hellbraun, ockerbraun, ockerfarben oder ocker-orange, oft (wie auch hier) mit blasseren gelb-orangen Bereichen.
Foto: Catrin Berseck

 

Kahler Krempling (Paxillus involutus) mit seinem namensgebenden eingerollten Hutrand.
Foto: Catrin Berseck

 

Der Fahle Röhrling (Hemileccinum impolitum) lässt sich ziemlich gut an seiner fahlbraunen Hutfarbe, gelben Poren und dem nicht genetzten Stiel erkennen. Desweiteren zeichnet ihn sein auffälliger Geruch nach Medizinschrank bzw. Jod aus.
Foto: Catrin Berseck


07.06.2026 – Sonntag

Nachtschwärmer Christian mit einem Ligusterschwärmer (Sphinx ligustri) auf der Nase.
Foto: Christian Boss

Heute mal ein kleiner Exkurs zu einem anderen Naturthema – natürlich nicht ganz ohne Pilze. 

Unser Pilzfreund und Vereinsmitglied Christian ist ja nicht nur an Pilzen interessiert. Seit ca. 1 Jahr beschäftigt er sich unter anderem auch mit der Kartierung von Nachtfaltern – angeregt durch die jahrelange Beschäftigung von unserem Naturfreund Chrsitopher Engelhardt mit diesem Thema.

Dabei handelt es sich um eine systematische Erfassung von Nachtfaltern zur Erstellung von Artenlisten und zur Biotopbewertung. Wichtig ist diese Kartierung, da durch intensive Landwirtschaft, Lebensraumverlust, Lichtverschmutzung und Klimawandel ein massiver Rückgang und Verschwinden vieler Arten ein alarmierender Teil des globalen Insektensterbens ist. 

Christian nutzt dafür einen Leuchtturm, durch dessen künstliches Licht die nachtaktiven Insekten angezogen werden, sodass sie sich auf dem Tuch niederlassen und dort berührungslos bestimmt, fotografiert oder gezählt werden können. Dafür hat er auch eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung der Unteren Naturschutzbehörde.

Nachfolgend heute also mal wieder ein paar schöne Nachtfalter und Täublinge, die makroskopisch aufgrund ihrer splitternden Lamellen leider nicht eindeutig zu bestimmen sind.

Catrin

Der Prachtgrüne Bindenspanner (Colostygia pectinataria) ist wenig anspruchsvoll und besiedelt gehölzreiche Biotope aller Art beispielsweise lichte Wälder, Böschungen, Wegränder, Auen- und Moorwälder, gebüschreiche Offenlandstrukturen sowie auch Gärten und Parks.
Foto: Christian Boss

 

Die Männchen der Schlehenspanner (Angerona prunaria) haben eine leuchtend orangefarbene Grundfärbung und gefiederte Fühler , wogegen die Weibchen hellgelb gefärbt sind.
Foto: Christian Boss

 

Dieser schöne Breitflügelige Fleckleibbär (Spilosoma lubricipeda) ist auch bekannt als Weiße Tigermotte. Der Falter ist für Fressfeinde wie Vögel absolut giftig – er enthält Histamine und Acetylcholin. Bei Gefahr beherrscht er die Kunst des Totstellens perfekt. Er lässt sich fallen und zeigt seine gelbe Warnfarbe.
Foto: Chrstian Boss

 

Nicht giftig war dagegen dieser Fund von Christian. Man könnte hier den häufigen Frauentäubling vermuten. Allerdings waren die Lamellen brüchig und somit handelt es sich um eine andere Art. Da der Geschmack mild war, gelten diese durch die Täublingsregel ebenfalls als essbar.
Foto: Christian Boss

 

Hier handelt es sich wahrscheinlich ebenfalls um einen kleinen essbaren Täubling mit splitterenden Lamellen aus der Sektion grisea. Der Taubentäubling wird z.B. auch als Kleiner Frauentäubling bezeichnet.
Foto: Christian Boss


08.06.2026 – Montag

Schwefel-Porlinge (Laetiporus sulphureus).
Foto: Corina Peronne

Nach kleineren Regenschauern in Kombination mit Temperaturen über 20° ließen sich in der Müritz Region am Wochenende auch ein paar Pilze blicken.

So zum Beispiel an einer alten Eiche Schwefelporlinge (Laetiporus sulphureus). Nur junge und noch weiche Exemplare sind zum Verzehr geeignet. Auffallend sind die leuchtend gelbe bis gelb orangene Färbung der Fruchtkörper und der angenehm süßliche Geruch.

Ein weiterer Fund auf meinem heutigen Spaziergang entlang des Torgelower Sees waren diverse Kastanienbraune Schwarzfußporlinge (Polyporus badius) an totem Laubholz und in unterschiedlichen Altersstadien.

Auffallend sind die glatte, rotbraune Huthaut und die weißen Poren auf der Unterseite. Sie laufen an einem seitlichen Stiel herab. Die Basis ist oft samtig schwarz. Der Porling richtig angenehm pilzig, ist jedoch ungenießbar

Corina

Kastanienbraune Schwarzfußporlinge (Polyporus badius) – teilweise ältere Exemplare an totem Laubholz.
Foto: Corina Peronne


09.06.2026 – Dienstag

Junger Sommer-Steinpilz (Boletus reticulatus).
Foto: Catrin Berseck

Gestern Nachmittag hatte ich einen Termin in der Internationalen Freizeit- und Bildungsstätte „lütt pütt“ zwischen Dargelütz und Parchim. Ich hatte mir mehrere Angebote für unser diesjähriges Herbstseminar eingeholt und wollte mir das Objekt ansehen, noch Einiges vor Ort absprechen und dann entscheiden, wo es dieses Jahr hin geht.

Was soll ich sagen – kaum hatte ich die Autotür geöffnet, begrüßten mich direkt im Objekt unter alten Buchen Sommersteinpilze und Pfifferlinge! Wenn das mal nicht ein Omen und ein Grund war, dieses Objekt sofort zu buchen und den Termin fest zu machen!

Also liebe Pilzfreunde – unser diesjähriges Herbstseminar findet vom 16.10. bis 18.10.2026 in der Nähe von Parchim statt. Das Objekt liegt mitten im Wald in einer alten Kaserne.

Ihr findet die Veranstaltung unter Termine und ich empfehle euch, euch rechtzeitig anzumelden, da die Nachfrage mittlerweile sehr hoch ist und nur begrenzte Plätze zur Verfügung stehen. Die Reihenfolge der Anmeldungen entscheidet über die Teilnahme.

Catrin

Sommer-Steinpilz (Boletus reticulatus) direkt im Objekt „lütt pütt“ unter Buchen.
Foto: Catrin Berseck

 

Und es gab dort viele Sommer-Steinpilze…
Foto: Catrin Berseck

 

Auch ganz junge Pfifferlinge (Cantharellus cibarius) zeigten sich dort.
Foto: Catrin Berseck

 

Auch der giftige Narzissengelbe Wulstling (Amanita gemmata) gehört zu den „Frühstartern“ im Pilzjahr. Ebenfalls gestern am Standort unter Buchen.
Foto: Catrin Berseck


10.06.2026 – Mittwoch

Die Farbe der Hüte der Waldfreundrüblinge (Gymnopus dryophilus agg.) variieren stark von hellbraun, gelbbraun bis ocker- oder orangebraun. Bei Feuchtigkeit färbt er sich dunkler (hygrophan).
Foto: Corina Peronne

Astrid und Corina waren vorgestern Abend noch einmal kurz beim Teufelsbruch, einem Waldgebiet am Müritz-Nationalpark.

Die Gegend ist geprägt von Kiefern und Blaubeersträuchern. Auch die weitere Vegetation weißt auf vorwiegend saure Bodenverhältnisse hin.

Auf der Tour durch die Kiefern waren immer wieder Waldfreundrüblinge (Gymnopus dryophilus agg.) zu entdecken.

Auch Körnchenröhrlinge (Suillus granulatus) haben sich auf dem sandigen Boden bereits blicken lassen. Der Körnchenröhrling ähnelt stark dem Butterpilz, welcher jedoch eine ausgeprägte Stielmanschette (einen Ring) besitzt. Sehr leicht verwechselt man ihn auch mit dem Ringlosen Butterpilz. Zieht man bei diesem die Huthaut ab, kommt eine braune Faserung zum Vorschein, während das Fleisch unter der Haut beim Körnchenröhrling rein gelblich bleibt. Beide Doppelgänger sind ebenfalls essbar. 

Auch Narzissengelbe Wulstlinge (Amanita gemmata) bevorzugen saure Böden in Nadel- und Mischwäldern und sind Mykorrhizapilze (Symbiosepilze), die mit Fichten und Kiefern zusammenleben.

Catrin

Der Hut des Körnchenröhrlings (Suillus granulatus) ist bei feuchtem Wetter stark schmierig oder schleimig. Er gehört aus diesem Grund zu den Schmierröhrlingen.
Foto: Corina Peronne

 

Die Röhren des Körnchenröhrlings sind jung zitronen- bis ockergelb. In der Jugend sondern sie oft milchig-weiße Flüssigkeitstropfen ab.
Foto: Corina Peronne

 

Narzissengelber Wulstling (Amanita gemmata). Die Stielbasis geht in eine zwiebel- bis rübenartig abgerundete Knolle über, die einen niedrigen, freistehenden Kragen (Scheide) besitzt.
Foto: Corina Peronne


11.06.2026 – Donnerstag 

Passend zur Schafskälte – Schafchampignon (Agaricus arvensis) am 10.06.2026.
Foto: Catrin Berseck

Dauerregen und ein Temperatursturz  – die Schafskälte hat uns voll erwischt. Das ist ein Wettermuster, das mit fast 90 Prozent Wahrscheinlichkeit rund um den 11. Juni zuschlägt.

Den Namen trägt diese Wetterlage nach den Schafen, die traditionell bis dahin bereits geschoren wurden und für die der Kälteeinbruch durchaus bedrohlich werden kann.

Der Grund für diese Wetterlage ist simpel und faszinierend zugleich: Im Frühsommer heizt sich das Festland viel schneller auf als der noch eiskalte Nordatlantik. Dieser Temperatur-Gegensatz wirkt wie ein Turbo für die Tiefdruckgebiete – der Wind dreht von Südwest auf Nordwest und schaufelt feuchtkühle Polarluft zu uns. Nachts wird es empfindlich frisch, der Wind frischt böig auf.

Der entscheidende Lostag mitten in der Schafskälte ist der Barnabastag am 11. Juni. Über ihn heißt es in alten Bauernregeln: „Regen an St. Barnabas währet 40 Tage ohne Unterlass“.

Aber erst die Großwetterlage Ende Juni bis Anfang Juli verrät, wohin die Reise im Hochsommer geht. Bis dahin gilt: abwarten und Schirm bereithalten.

Catrin


12.06.2026 – Freitag

Der Hut des Glänzenden Lackporlings (Ganoderma lucidum) ist nieren- oder fächerförmig und wird bis zu 25 cm breit Der Rand ist im Wachstum oft weißlich oder gelb.
Foto: Hanjo Herbort

Weil im Buchenwald während der letzten Besuche zunehmend die Schnecken die Oberhand gewonnen haben, entschied ich mich gestern mal eine Runde in der nahe gelegenen eher trockenen und sandigen Vierburg-Waldung unter Kiefern zu drehen.

Ich hatte ca. anderthalb Stunden eingeplant. Nach einer halben Stunde hatte ich schon eine gewisse Strecke abgesucht, konnte aber außer zwei vertrockneten Perlpilzen und einigen Grünblättrigen Schwefelköpfen nichts entdecken.

Plötzlich leuchtete etwas helles an einem Stubben und ich fand dort vier junge, noch weiche Fruchtkörper des glänzenden Lackporlings (Ganoderma lucidum) – auch als „Pilz der Unsterblichkeit“ oder „König der Heilpilze“ aus der traditionellen Chinesischen Medizin bekannt.

Wenn ich den Namen hätte vergeben dürfen, hätte ich ihn E.T.-Pilz genannt. Erinnert er mich doch mit dem seitlich gestielten Wachstum und der gesamten Form an das Aussehen des berühmten Außerirdischen von Steven Spielberg.

Inwieweit die europäischen Formen des Reishi – wie er auch genannt wird – dieselben heilenden Eigenschaften haben, wie die chinesischen, ist wohl umstritten bzw. nicht wirklich erforscht. Zumindest soll es einige genetische Unterschiede zwischen den asiatischen und europäischen Vorkommen geben.

Ich werde mir die Fruchtkörper in wenigen Wochen trotzdem holen, um sie für Tee bzw. einen Sud zu benutzen. Mal sehen, ob es für ein wenig Unsterblichkeit reicht…

Hanjo

Gleich 4 Fruchtkörper an einem Baumstubben.
Foto: Hanjo Herbort

 

Der Stiel des Glänzenden Lackporlings entwickelt sich zuerst, meist an der Basis eines Stumpfes, als ein pfahlartiges rotlackiertes Gebilde mit weißlicher matter Spitze, die schließlich horizontal abbiegt und, sich verbreiternd, den Hut bildet.
Foto: Hanjo Herbort


14.06.2026 – Sonntag

Espen-Rotkappe (Leccinum leucopodium) unter Pappeln.
Foto: Hanjo Herbort

Straßengräben an Alleen oder Baumreihen erweisen sich häufig als wahre mykologische Fundgruben – haben allerdings den Haken, dass man dort wegen der Belastung der Böden durch den Autoverkehr keine Speisepilze sammeln sollte.

Für Leute wie mich, die sich mehr über den Fund an sich wegen seiner Schönheit erfreuen und wo das Kulinarische erst nachrangig kommt, sind sie jedoch Hotspots und immer einen Besuch wert. Auch als „Zeigerstellen“, die schnell erreichbar sind, kann man sie gut nutzen, um bei Erfolg dann auch an entfernteren Stellen auf die Suche zu gehen und evtl. etwas für das Abendbrot zu finden.

So schaute ich heute in einer Regenpause an einer von mir im letzten Herbst entdeckten Stelle für Espenrotkappen (Leccinum leucopodium) nach den selten gewordenen und begehrten Speisepilzen. Sowohl die Jahreszeit als auch die Witterung waren erfolgversprechend für die ersten Exemplare des Jahres. Und siehe da, die Zielpilzsuche war wieder mal erfolgreich. Im Straßengraben stand sie – die erste Rotkappe des Jahres, in tadelloser Qualität. Fest und jung und einfach ein wunderschöner Pilz.

Den Rückweg zum Auto legte ich dann hinter der straßennahen Baumreihe zurück und fühlte mich plötzlich nicht nur wegen des Wetters wie im Herbst. Überall standen Pilze. Ich fand nicht näher bestimmbare Ritterlinge, diverse Risspilze und überall Waldfreundrüblinge sowie Fälblinge (Hebeloma), die ich ebenfalls nur in die Gattung einordnen konnte. In solchen Momenten denke ich oft an unseren verstorbenen Pilzfreund Reinhold Krakow zurück und wünschte, ich könnte ihn um Rat fragen…

Doch dabei blieb es nicht. Plötzlich stand ein kleiner orange-brauner deutlich kräftigerer Pilz vor mir im Gras. Mein Verdacht bestätigte sich sofort – ein früher Pfefferröhrling (Chalciporus piperatus) ließ sich finden. Kurz darauf noch einer. Im Vergleich zu den Rotkappen geradezu mickrig – aber nicht minder schön. Hier könnten also später im Jahr auch Steinpilze auftauchen – sind Pfefferröhrlinge doch sehr gute Anzeiger für Steinpilzstellen. Nur nützt das dicht an der Straße eben nicht viel…

Kurz vor Erreichen des Autos blitzte noch eine Rotkappe aus dem Gebüsch – deutlich älter und schon ausgewachsen. Sie diente kurzerhand als Objekt für einen fotografischen Größenvergleich mit den Pfefferröhrlingen – die eindeutig nicht zu Unrecht die Typusart der Zwergröhrlinge darstellen.

Hanjo

Die Espen-Rotkappe (Leccinum leucopodium) ist optisch schwer von der Laubwald-Rotkappe (Leccinum aurantiacum) zu unterscheiden, da die Laubwald-Rotkappe auch unter Pappeln wachsen kann.
Foto: Hanjo Herbort

 

Pfefferröhrling (Chalciporus piperatus) – unter anderem neben dem scharfen Geschmack an seinen auffällig großlöcherigen und rotbraunen bis zimtfarbenen Röhren zu erkennen.
Foto: Hanjo Herbort

 

Größenvergleich zwischen dem Pfefferröhrling und ausgewachsener Rotkappe.
Foto: Hanjo Herbort


15.06.2026 – Montag

Birkenpilz (Leccinum scabrum). Der Stiel ist auffallend schlank, lang und mit charakteristischen graubraunen bis schwarzen Schuppen besetzt, die sogar optisch an den Stamm einer Birke erinnern.
Foto: Catrin Berseck

Nachden ich 4 Tage dienstlich in Nordrhein-Westfalen nahe der niederländischen Grenze unterwegs war und dort nebenbei überhaupt keine Pilze zu Gesicht bekam, war ich heute natürlich gespannt, was sich hier in Mecklenburg-Vorpommern in der Zeit getan hat.

Hanjo hatte mir ja bereits von seinen gestrigen Funden berichtet – also war die Hoffnung heute groß. Und ich wurde nicht enttäuscht…

Bei meinem heutigen Rundgang in der Nähe meiner Firma im Bützower Gewerbegebiet gab es tatsächlich einiges zu entdecken.

An bekannten Stellen Fahle Röhrlinge (Hemileccinum impolitum) und Perlpilze (Amanita rubescens) – leider von den Schnecken 🐌 so zerfressen, dass sie kaum noch erkennbar und kein Foto mehr wert waren.

Aber dafür habe ich mich um sehr mehr über den ersten Birkenpilz (Leccinum scabrum) gefreut. 

Und es kam dann sogar noch besser. Ich dachte, ich kenne das kleine Areal seit ca. 3 Jahren mit all seinen Pilzen genau. Aber die Würzigen Tellerlinge (Rhodocybe gemina) habe ich heute das erste mal dort entdeckt und mich wahnsinnig darüber gefreut.

Es gab auch noch paar Kammtäublinge, die auf Artebene schwer bestimmbar sind und ich es einfach nur dabei belassen möchte.

Catrin

Würzige Tellerlinge (Rhodocybe gemina) – ein ausgezeichneter, ergiebiger Speisepilz, der sich durch einen angenehm würzigen, aromatischen Geruch und einen milden, nussigen Geschmack auszeichnet.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Lamellen des Würzigen Tellerlings sind blassocker bis fleischrötlich. Sie stehen eng, laufen leicht am Stiel herab und lassen sich leicht vom Hutfleisch ablösen.
Foto: Catrin Berseck

 

Nicht näher bestimmte Kammtäublinge unter Eichen. Es handelt sich meist um den Kratzenden Kammtäubling (Russula recondita) oder den Großen Kammtäubling (Russula sororia), da beide Arten eine Vorliebe für Eichen als Symbiosepartner haben. Kammtäublinge gehören zur Untersektion Ingratae (Stink- und Marzipantäublinge) und zeichnen sich durch ihren deutlich kammartig gerieften Hutrand aus.
Foto: Catrin Berseck

 

Als Kammtäubling wird eine Gruppe von Pilzen aus der Gattung der Täublinge (Russula) bezeichnet, deren gemeinsames Hauptmerkmal ein auffallend kammartig geriefter oder gerippter Hutrand ist. Die meisten Arten dieser Sektion gelten wegen ihres unangenehmen Geruchs, ihres schlechten Geschmacks oder einer deutlichen Schärfe als ungenießbar.
Foto: Catrin Berseck


16.06.2026 – Dienstag

Der Silber-Röhrling (Butyriboletus fechtneri), auch Sommer-Röhrling genannt, ist eine extrem seltene und geschützte Pilzart aus der Familie der Steinpilzverwandten. Das hat die Schnecken leider überhaupt nicht interessiert…
Foto: Catrin Berseck

Gestern war ich dann noch mal kurz in meinem Hauswald nachsehen, ob sich etwas getan hat. Ohne große Hoffnung, da Hanjo mir schon gesagt hatte, dass im Buchenwald derzeit so gut wie gar nichts zu finden sei.

Ich dachte mir: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser… Also habe ich mal kurz einen Blick in den kalkhaltigen Buchenwald geworfen.

Zu sehen war anfangs überhaupt nichts – nur massenweise Nacktschnecken und die hinterlassenen Schleimspuren, wo mal Pilze gestanden haben.

Da Hanjo bereits Espen-Rotkappen und ich Birkenpilze gefunden habe, hoffte ich auf Hainbuchen-Raufüße. Jedoch Fehlanzeige.

Also bin ich schnell noch zu der mir bereits seit 2 Jahren bekannten Stelle gegangen, wo der seltene Silberröhrling (Butyriboletus fechtneri) wächst. Als ich dort ein Massenvorkommen an Nacktschnecken und Schleimspuren sah, ahnte ich schon Schlimmes… Unter dem Laub habe ich dann wenigstens noch ein halbwegs erkennbares kleines Exemplar des extrem seltenen Röhrlings gefunden – alle anderen Exemplare waren fast restlos von den Schnecken vernichtet worden.

Auf dem Rückweg gab es dann noch ein paar komplett vermadete und ebenfalls von den Schnecken stark angefressene Sommersteinpilze (Boletus reticulatus), die gleich im Wald bleiben durften.

Catrin

 

Die Röhren des Silberröhrlings waren wenigstens noch zu erkennen – sie sind intensiv zitronen- bis goldgelb.
Foto: Catrin Berseck

 

Hier zum Vergleich Exemplare des Silberröhrlings aus 2024 vom selben Standort.
Foto: Catrin Berseck

 

Sommersteinpilze (Boletus reticulatus) – ebenfalls von den Schnecken angefressen und total vermadet.
Foto: Catrin Berseck


17.06.2026 – Mittwoch

Bei schönstem Sonnenschein im hügegligen Hütter Wohld mit seinen schönen Altbuchenbeständen.
Foto: Christian Boss

Wie jeden 2. Mittwoch fand heute mal wieder eine Kartierungsexkursion statt. Fast ein Heimspiel für unsere Vereinsmitglieder aus der Rostocker und Bad Doberaner Gegend – es stand stand heute der Hütter Wohld im 2. Quadranten des Messtischblattes Hanstorf auf dem Plan. So trafen sich dann heute auch 3 Vereinsmitglieder aus dem Rostocker Raum sowie 3 aus dem Bereich NWM auf dem Parkplatz in der Nähe der Klosterteiche.

Der Hütter Wohld ist eine Perle unserer anspruchsvolleren Pilzreviere. Es handelt sich überwiegend um imposante Buchenbestände, aber auch Nadelforste. Darin eingebettet liegen zahlreiche Kleingewässer, Bäche mit begleitenden Erlenwäldern und Teichanlagen sowie Zwischenmoore.

Zu gegebener Zeit kommt hier der gemeine Kochtopfsammler auf seine Kosten – aber auch der tiefer gehend interessierte Hobby–Mykologe kann hier allerhand Interessantes entdecken.

Wie derzeit in allen Buchenwäldern sah es hier pilzmäßig ziemlich trostlos aus. Dafür hat uns die wunderschöne Landschaft entschädigt und wie immer gibt und gab es ja auch viele andere interessante Dinge in der Natur zu entdecken und zu bewundern.

Einen ausführlichen Bericht findet ihr demnächst hier.

Catrin

Wenige Frischpilze gab es heute zu entdecken. Und diese kleinen knopfgroßen Pfifferlinge an einem bemoosten Hang werden es wohl auch nicht zu ausgewachsenen Exemplaren schaffen und vorher komplett den Schnecken zum Opfer fallen.
Foto: Christian Boss


18.06.2026 – Donnerstag

Blick auf die Hütter Klosterteiche, die seit 1999 unter Naturschutz stehen. Sie wurden bereits im Mittelalter (Ende 12. Jahrhundert) von Zisterziensern angelegt. Seitdem konnten sich hier überregional bedeutende Populationen von Rotbauchunken und Laubfröschen etablieren.
Die Nutzung der Klosterteiche verlief im Laufe der Jahrzehnte sehr wechselhaft. 1998 kam es nach schweren Regenfällen zum Bruch mehrerer Dämme. In Folge dessen brachen auch die Amphibienbestände zusammen, da keine Vermehrungsmöglichkeiten mehr vorhanden war.
Foto: Christian Boss

Auf dem Rückweg unserer gestrigen Mittwochs- und Kartierungsexkursion im Hütter Wohld trafen wir Naturfreunde in Wathosen und mit Keschern und Taschenlampen. Es handelte sich um Naturfreunde des NABU der Fachgruppe Feldherpetologie und Ichthyofaunistik Mittleres Mecklenburg – kurz gesagt: Fisch- und Froschfreunde.

Die Fachgruppe widmet sich u.a. dem  Schutz und Erhalt von Fischen, Lurchen und Kriechtieren und der  Erforschung ihrer Verbreitung und Untersuchung ihrer Umweltansprüche. Die Fachgruppe ist auch aktiv an der Erstellung der Roten Listen und an verschiedenen Monitoringprogrammen zu Fischen, Amphibien und Kriechtieren in M-V beteiligt.

Seit 2004 sind die „Hütter Klosterteiche“ NATURA 2000-Gebiet und damit Bestandteil des europaweiten Verbundes von Naturschutzgebieten. Heute sind die Teiche wieder von besonderer Bedeutung für verschiedene Lurche (z.B. Rotbauchunke, Laubfrosch und Kammmolch). Seit Mitte der 1970-er Jahre wird die Amphibien-Population wissenschaftlich untersucht. Am heutigen Abend fand die jährliche Bestandsaufnahme zu den Kröten und der gefährdeten Rotbauchunke dort statt.

Da wir während unserer heutigen Exkursion bereits die Unkenrufe in den Hütter Klosterteichen hörten, entschloss sich unser Naturfreund Christian kurzfristig, sich den Naturfreunden des NABU anzuschließen.

Ein paar von Christians in Fotos festgehaltenen Eindrücken von dieser interessanten wissenschaftlichen Arbeit möchten wir euch nicht vorenthalten.

Catrin

Eine Amphibienuntersuchung in der Dämmerung bis zur Nacht ist oft die effektivste Methode, um nachtaktive Arten zu kartieren. Dabei wird auf die artenspezifische Paarungsrufe der Froschlurche gehört und die Laichgewässer in den Uferbereichen mit einer starken Taschenlampe gezielt abgesucht, um Tiere oder Larven ausfindig zu machen.
Foto: Christian Boss

 

Die Amphibien werden mit Keschern aus den Teichen gefischt und später natürlich wieder frei gelassen.
Foto: Christian Boss

 

Anschließend werden von den Unken Größe, Gewicht und das Geschlecht dokumentiert.
Foto: Christian Boss

 

Die Zeichnung ist bei allen Rotbauchunken unterschiedlich, so dass sie fotografiert werden und teilweise auch die Entwicklung einzelner Individuen fest gehalten werden kann.
Foto: Christian Boss

 

Die streng geschützte Rotbauchunke (Bombina bombina) ist am besten an ihrer auffällig schwarz-orangen bis feuerroten Bauchzeichnung zu erkennen. Sie hat auffällige, meist getrennte orange-rote Flecken und feine weiße Punkte. Das Muster ist individuell wie ein Fingerabdruck.
Foto: Christian Boss


19.06.2026 – Freitag

Mauerraute bzw. Mauer-Streifenfarn (Asplenium ruta-muraria) in den kalkhaltigen Mörtelfugen am Kloster Rehna.
Foto: Catrin Berseck

Heute nachmittag fand ein weiteres Treffen im Kloster Rehna in Vorbereitung der „Tage der Pilze“ im Kloster Rehna statt. Torsten vom Rehnaer Pilzverein, Phillip (der im Rehnaer Pilzverein und im Steinpilz Wismar Mitglied ist) und ich trafen uns zu weiteren Absprachen mit Annalena vom Kloster Rehna.

Wir haben gemeinsam noch einmal die Räumlichkeiten für unsere Pilzausstellung besucht, Abläufe und Programmpunkte besprochen und weitere Aufgaben zur Vorbereitung der Ausstellung verteilt.

Vor diesem Treffen habe ich noch mal kurz nach Pilzen Ausschau gehalten. Und tatsächlich habe ich einiges finden können.

Dabei waren auch essbare Perlpilze (Amanita rubescens) und giftige Pantherpilze (Amanita pantherina), die sich optisch auf den ersten Blick erschreckend ähnlich sahen. Deswegen beim Pilze sammeln immer alle Merkmale beachten!

Catrin

 

Junge Espen-Rotkappen (Leccinum leucopodium) erinnern an ein Streichholz.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Espen-Rotkappe wird auch Weißstielige Rotkappe genannt, da der Stiel jung weißlich ist und erst später orangebraune Schüppchen bekommt.
Foto: Catrin Berseck

 

Unter den bei den Pappeln stehenden Kiefern gab es auch die ersten Körnchenröhrlinge (Suillus granulatus).
Foto: Catrin Berseck

 

Pantherpilz (Amanita pantherina). Die Manschette bzw. der Ring ist am Hutrand hängen geblieben. Trotzdem ist er an seinem stulpenartigen Wulst am oberen Rand der Knolle sowie dem gerieften Hutrand deutlich zu erkennen.
Foto: Catrin Berseck

 

Ein Perlpilz (Amanita rubescens) war auch nicht weit weg – unter anderem zu erkennen an seiner gerieften Manschette.
Foto: Catrin Berseck

 

Links Pantherpilz (Amanita pantherina) und rechts Perlpilz (Amanita rubescens). Beim flüchtigen Hinsehen könnte man das für den gleichen Pilz halten…
Foto: Catrin Berseck

 

Links der Perlpilz (Amanita rubescens) mit seiner rübenartigen Knolle und rechts der Pantherpilz (Amanita pantherina) mit seiner abgesetzten Knolle.
Foto: Catrin Berseck


20.06.2026 – Sonnabend

Der erste Fransige Wulstling (Amanita strobiliformis) dieses Jahr.
Foto: Catrin Berseck

Nach dem gestrigen Treffen in Rehna bin ich über Wismar nach Hause gefahren.

Da es derzeit in den Wäldern nach den Gewitter-Schauern fast nur massenweise hungrige Mücken und Nacktschnecken und nur wenige von den Schnecken total zerfressene und kaum noch erkennbare Pilze gibt, habe ich beschlossen, dem Seeblickpark und dem Friedhof in Wismar einen Besuch abzustatten.

Im Seeblickpark wurde seit längerer Zeit kein Rasen mehr gemäht – Reinhold hätte das gefreut… Trotzdem gab es dort nicht viele Pilze – ein paar komplett vermadete Flockenstielige Hexenröhrlinge und winzig kleine Sommersteinpilze. In der Streu in den Beeten waren ein paar Behangene Faserlinge und Dachpilze. Also nichts Besonderes.

Also bin ich dann noch mal zum Westfriedhof gefahren. Dort hatten wir letztes Jahr um diese Zeit unsere Kartierungsexkursion und ein paar schöne Funde verzeichnen können.

Und dort konnte ich tatsächlich einige schöne Pilze finden und fotografieren.

Catrin

Fransige Wulstlinge wachsen unter Laubbäumen und auf kalkhaltigen Böden. Deswegen sind sie auch oft auf Friedhöfen zu finden.
Foto: Catrin Berseck

 

Auch der seltene Fahle Röhrling ((Hemileccinum impolitum) ist fast ausschließlich unter Laubbäumen zu finden und bevorzugt kalkhaltige Böden.
Foto: Catrin Berseck

 

Hexenring auf einer gemähten Rasenfläche auf dem Wismarer Friedhof.
Foto: Catrin Berseck

 

Nach den Regenfällen gibt es wieder Nelkenschwindlinge (Marasmius oreades).
Foto: Catrin Berseck


21.06.2026 – Sonntag

Kegeliger Saftling bzw. Schwärzender Saftling (Hygrocybe conica).
Foto: Catrin Berseck

Am Freitag konnte ich auf dem Wismarer Friedhof auch Saftlinge finden – genauer gesagt, den Kegeligen Saftling bzw. Schwärzenden Saftling (Hygrocybe conica).

In Deutschland gibt es rund 50 verschiedene Saftlingsarten. Gemäß Bundesartenschutzgesetz ist das Sammeln dieser seltenen Pilze in Deutschland streng verboten. Als Speisepilze kommen Saftlinge aber sowieso nicht in Frage – einige Arten sind leicht magen-/darmgiftig.

Fast alle Saftlingsarten (Hygrocybe s.l) gelten in Deutschland aufgrund ihrer extremen Empfindlichkeit gegenüber Düngung und Lebensraumverlust als stark gefährdet und stehen auf der Roten Liste. Der Hauptgrund für den Rückgang ist die Intensivierung der Landwirtschaft – Saftlinge benötigen extrem nährstoffarme, ungedüngte Wiesen und Magerweiden. Solche Biotope – auch als “Saftlingswiesen” bekannt – sind extrem selten geworden.

Einer der am häufigsten zu findende Saftling ist der Kegelige Saftling. Er kann auf ungedüngten Rasenflächen in Parkanlagen, Friedhöfen oder Grünstreifen gefunden werden – diese Gebiete sind von landwirtschaftlicher Beeinflussung verschont.

Unter Mykologen wird diskutiert, ob der Kegelige Saftling (Hygrocybe conica) und der Schwärzende Saftling (Hygrocbe nigrescens) zwei verschiedene Arten sind. Sie sind makroskopisch und mikroskopisch nicht voneinander abgrenzbar.

Der Kegelige Saftling ist eine relativ große Art und der gesamte Fruchtkörper Schwärzt bei Berührung oder im Alter. Nachfolgend ein paar Fotos.

Catrin

Die Hüte sind spitz- bis stumpfkegelig – die Hutoberseite ist nicht klebrig, gelborange bis rot; sie wird im Alter grau, später schwarz.
Foto: Catrin Berseck

 

Der faserig gestreifte, im Alter hohle Stiel ist zitronen- bis orangegelb mit weißlicher Basis, auch er wird bei älteren Fruchtkörpern zunehmend schwarz.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Lamellen des Schwärzenden Fastlings sind hellgelb, dick und sehr entfernt stehend. Im Alter schwärzt der Hut und reißt auf.
Foto: Catrin Berseck


22.06.2026 – Montag

Netzstieliger Hexenröhrling (Suillellus luridus) am Freitag auf dem Wismarer Friedhof.
Foto: Catrin Berseck

Gestern – am 21.06.2026 – war auf der Nordhalbkugel astronomischer Sommeranfang. Dabei steht die Sonne über dem nördlichen Wendekreis im Zenit. Der astronomische Sommeranfang ist dementsprechend der längste Tag, gleichzeitig ist die Nacht am kürzesten. 

Seit dem 13. Juni befinden wir uns nun im Hochsommer, wobei dieser Beginn mit der Blüte der Sommer-Linde einhergeht. Und hochsommerlich werden die Temperaturen jetzt auch. Im Süden und in weiten Teilen der Mitte Deutschlands gibt es derzeit Höchsttemperaturen von schwülheißen 30 bis 37 Grad.

Im Norden und Osten Deutschlands strömt derzeit aufgrund eines Hochdruckgebiets über der Nordsee weniger heiße Luft herein, so dass wir derzeit noch angenehme max. 24 Grad haben. Erst ab Mitte der Woche dehnt sich die Hitze weiter auf den Norden aus. Bis Sonnabend ist ein Temperaturanstieg bis zu 35 Grad für Mecklenburg vorhergesagt worden. Erst ab Beginn der nächsten Woche kühlt es sich evt. wieder etwas auf immer noch sommerliche 25 Grad ab.

Keine allzu guten Aussichten für das langsam beginnende Pilzwachstum… In feuchten und schattigen Buchenwäldern könnte das gerade beginnende Wachstum der Röhrlinge und Täublinge im Laub evt. trotz die hochsommerlichen Temperaturen noch etwas anhalten.

Catrin

Temperaturen in Deutschland von heute.
Quelle: DWD


23.06.2025 – Dienstag

Der Nickende Kelchstäubling (Arcyria obvelata) – aufgrund seiner Winzigkeit ein leicht zu übersehender Schleimpilz an Nadelholz.
Foto: Eiman Khwiled

Heute hat unser Vereinsmitglied Eiman einen tollen und oft übersehenen Fund gemacht, den wir euch nicht vorenthalten möchten – den Nickenden Kelchschleimpilz (Arcyria obvelata).

Es handelt sich nicht um einen Pilz im klassischen Sinn, sondern um einen Pilz aus der Gruppe der Schleimpilze. Obwohl er das Wort „Pilz“ im Namen trägt, gehört er biologisch gesehen zu den Myxomyzeten und bildet ein eigenes Taxon abseits der echten Pilze, Pflanzen oder Tiere. 

Eiman dachte anfangs, dass es sich um Würmer handelt, da sie sich auch so bewegten…

Der Nickende Kelchschleimpilz wächst gesellig in kleinen Gruppen auf verrottendem Holz (besonders trockenem Nadelholz) oder Pflanzenresten. In einem leichten Luftzug machen sie mit nickenden Bewegungen ihrem deutschen Namen alle Ehre – also wie sich bewegende Würmer…

Die Kopfteile des Nickenden Kelchschleimpilzes sind im geschlossenem Zustand eiförmig, geöffnet wollig sowie länglich bis würstchenförmig und gelbockerlich gefärbt. Sie sind kurz gestielt und stehen, liegen oder hängen büschelig, oft ineinander verzwirbelt, an ihrem Substrat. Sie können bis zu 2,5 cm lang werden und sind daher gut sichtbar. Nach der Sporenabgabe bleibt eine gestielte kelchförmige Schale zurück.

Nachfolgend ein paar Fotos von diesem interessanten Schleimpilz.

Catrin

Die Fruchtkörper (Sporokarpe) des Nickenden Kelchschleimpilzes sind kurz gestielt bis fast sitzend und wachsen in kleinen Gruppen dicht gedrängt.
Foto: Eiman Khwiled

 

Die Färbung des Nickenden Kelchschleimpilzes reicht von hell- bis ockergelb, manchmal auch orange. Später verfärben sie sich hell rostbraun.
Mich (Catrin) erinnert dieses Foto an Erdnussflips…
Foto: Eiman Khwiled


24.06.2026 – Mittwoch

Karbolegerling (Agaricus xanthodermus) ist die Typusart der Sektion Xanthodermatei, auch bekannt als Karbol-Champignon oder Gift-Champignon. Kratzt oder schneidet man den Pilz an der Stielbasis auf, verfärbt sich das Fleisch innerhalb von Sekunden intensiv chromgelb. Auch die Huthaut kann bei Berührung gelb anlaufen.
Foto: Catrin Berseck

Derzeit sind im Wald kaum Pilze zu finden… Deswegen möchten wir euch heute mal ein paar Champignons vorstellen, die wir diese Woche gefunden haben.

„Champignon“ ist französisch und bedeutet Pilz. Die wissenschaftliche Bezeichnung der Gattung ist Agaricus. In Europa gibt es ca. 60 Champignon–Arten. Die Zahl der Arten in der Gattung ist umstritten – die Abtrennung der Arten teilweise sehr schwierig. 

Zur Gattung der Champignons gehören beliebte Speisepilze. Allerdings gibt es auch giftige Arten und einige (insbesondere die gilbenden) Arten reichern hohe Mengen an Schwermetallen an, weswegen auch bei denen vom Verzehr abgeraten wird.

Egerlinge, wie der deutsche Namen lautet, haben eine saprophytische Lebensweise. Sie sind in vielfältigen Biotopen zu Hause. Einige bevorzugen Wiesen- und Weideflächen, viele von ihnen leben in Parkanlagen oder Wäldern.

Champignons sind Dunkelsporer und ihre Lamellen färben recht schnell von rosa oder grau über schokoladenbraun bis fast schwarz.

Nach Marcel Bon werden Champignons in Sektionen unterteilt

  • Sektion Agaricus (Edel-Egerlinge / Wiesen-Egerlinge)
  • Sektion Sanguinolenti (Blut-Egerlinge)
  • Sektion Minores (Zwerg-Egerlinge)
  • Sektion Arvenses (Anis-Champignons)
  • Sektion Xanthodermatei (Karbol-Egerlinge)

Hier ein paar Funde von dieser Woche.

Catrin

Der Hut des Karbolegerlings ist oft nicht perfekt rund, sondern besitzt in der Seitenansicht eine eher trapezförmige, kantige oder kegelstumpfförmige Gestalt. Der Pilz riecht chemisch-medizinisch nach Karbol (Phenol), Tinte oder Jod.
Foto: Catrin Berseck

 

Stadt-Champignon (Agaricus bitorquis) aus der Sektion Agaricus ist ein sehr robuster Blätterpilz. Er ist der einzige heimische Champignon mit zwei deutlichen Ringen am Stiel. Der obere Ring öffnet sich trichterförmig nach oben, der untere ist oft etwas unauffälliger.
Foto: Christian Boss

 

Schafchampignon (Agaricus arvensis) ist die Typusart aus der Sektion Arvenses. Er zeichnet sich vor allem durch seinen angenehmen, leicht süßlichen Duft nach Anis oder Mandeln aus. Die Unterseite des Rings zeigt oft ein markantes, zahnradartiges Muster. Da Schafchampignons Agrarflächen bevorzugen, nehmen sie leicht Schwermetalle (insbesondere Cadmium) sowie eventuelle Pflanzenschutzmittel auf und sollten deswegen nicht unbedingt zum Verzehr gesammelt werden.
Foto: Catrin Berseck


25.06.2026 – Donnerstag

Der Rotbraune Scheidenstreifling (Amanita fulva) wächst von Juni bis Oktober sehr häufig in sauren Nadel-, Misch- und Moorwäldern, oft unter Fichten, Kiefern oder Birken.
Foto: Catrin Berseck

Mindestens bis Sonntag rollt nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) eine Hitzewelle über Mecklenburg-Vorpommern und sorgt für Temperaturen von mehr als 30 Grad – mit Ausnahme der Inseln und Küste, wo es etwas kühler bleibt. Das hat auch Auswirkungen auf einige Veranstaltungen, die am Wochenende geplant sind. Einige passen ihr Programm an, andere verschieben oder sagen ab.

Also bin ich heute noch mal schnell nach Feierabend in 2 umliegende Wälder gegangen, bevor ich mich am Wochenende bei der Hitze lieber in meiner kühlen Wohnung verkrieche…

Zuerst war ich in einen Laubmischwald mit hauptsächlich Buchen auf saurem Boden. Ein paar Pfifferlinge (Cantharellus cibarius) – teilweise bereits mit Trockenschäden – habe ich noch im Buchenlaub finden können. Dazu noch wenige Rotbraune Scheidenstreiflinge (Amanita fulva), die erfahrungsgemäß die Pfifferlinge begleiten (oder umgekehrt). Ansonsten war nichts an Frischpilzen zu entdecken.

Danach war ich ganz kurz in meinem Hauswald. Ebenfalls ein Laubmischwald mit hauptsächlich Buchen – allerdings auf kalkhaltigem Lehmboden. Was mir dort auffiel – die Konkurrenz hatte aufgrund der Wärme abgenommen. Die Nacktschnecken waren nicht zu sehen – dafür hat die Mückenplage zugenommen.

Dort fand ich tatsächlich total verbogene und vor der Hitze unter dem Laub versteckt 3 madenfreie Sommersteinpilze (Boletus reticulatus).

Für eine kleine Mahlzeit hat die heutige Ausbeute jedenfalls gereicht. Erst nächste Woche soll es sich etwas abkühlen – bis dahin mache ich auch Pilzpause.

Catrin

Auch der Echte Pfifferling (Cantharellus cibarius) ist in lichten Nadel- und Mischwäldern, oft versteckt in Moos oder Gras auf sauren, nährstoffarmen Böden zu finden. Häufig wächst er in der Nähe von Fichten, Kiefern, Rotbuchen und Eichen.
Foto: Catrin Berseck

 

Auch Maria hat in einem sauren Mischwald in der Nähe von Schwerin Pfifferlinge gefunden.
Foto: Maria Schramm

 

Die „verbogenen“ Sommersteinpilze (Boletus reticulatus) heute im kalkhaltigen Buchenwald auf lehmigem Boden.
Foto: Catrin Berseck

 

Dieses Exemplar hatte sich total zusammengerollt und wollte scheinbar bei der Hitze unter dem Buchenlaub bleiben…
Foto: Catrin Berseck


27.06.2026 – Sonnabend (Siebenschläfer)

Hitzewelle am heutigen Siebenschläfertag in Deutschland.
Bild von Catrin Berseck mit KI erstellt

Heute ist Siebenschläfertag. Kaum eine Bauernregel genießt in Deutschland größere Bekanntheit. „Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt“, lautet die bekannte Weisheit.

Was sie von vielen anderen Volksregeln unterscheidet: Meteorologen bestätigen sie weitestgehend. Um den 27. Juni herum etabliert sich in Mitteleuropa häufig eine stabile Großwetterlage, die tatsächlich mehrere Wochen anhalten kann. Garantiert ist das freilich nicht.

Angesichts von heutigen Temperaturen zwischen 36 und 41 Grad stellt sich deshalb die Frage: Droht Deutschland nun eine lang anhaltende Hitzewelle? 🌡️🥵  

Zwar wird bereits zum Wochenbeginn eine spürbare Abkühlung mit Gewittern und Temperaturen um 22 bis 25 Grad erwartet, doch Experten sehen darin noch keine Entwarnung. Vielmehr könnte sich in den kommenden Wochen ein Wechselspiel zwischen Hoch- und Tiefdruckgebieten entwickeln. Ein dauerhaft kühler und verregneter Sommer zeichnet sich derzeit nicht ab.

Ob die Bauernregel in diesem Jahr tatsächlich zutrifft, wird sich erst in den kommenden Tagen zeigen. Fest steht: Die aktuelle Hitzewelle gehört bereits jetzt zu den außsergewöhnlichsten im Juni der vergangenen Jahrzehnte.

Übrigens – der Siebenschläfertag hat absolut nichts mit dem kleinen Nagetier (dem Siebenschläfer) zu tun. Der Name geht auf eine christliche Legende zurück: Sieben junge Christen aus Ephesus sollen sich während einer Verfolgung im 3. Jahrhundert in einer Höhle versteckt haben, wurden dort eingemauert und fielen in einen wundersamen, jahrhundertelangen Schlaf. Der Legende nach erwachten sie genau am 27. Juni des Jahres 446…

Catrin

Erst ab Montag ist mit Gewittern und örtlichen Niederschlägen sowie einer leichten Abkühlung zu rechnen.
Quelle: DWD


28.06.2026 – Sonntag

Ansehnliches Samthäubchen (Conocybe intrusa) bei mir im Blumenkasten.
Foto: Catrin Berseck

Aufgrund der Hitzewelle hatte ich ja eigentlich eine Pilzpause angekündigt. Die habe ich auch insoweit eingehalten, dass ich zu Hause geblieben bin. Allerdings verfolgen mich die Pilze scheinbar überall…

Beim abendlichen Blumen gießen habe ich in meinen Blumenkästen gestern wieder Pilze entdeckt. Bereits vor 1 Woche waren dort einige Exemplare zu finden.

Da ich in meinen Blumenkästen vor 3 Jahren bereits Pilze hatte und Reinhold damals um Rat fragen musste, wusste ich jetzt sofort, um welche Pilze es sich handelt.

Es waren Ansehnliche Samthäubchen (Conocybe intrusa) – eine seltene Pilzart aus der Familie der Mistpilzverwandten. Das Ansehnliche Samthäubchen unterscheidet sich optisch stark von anderen Vertretern seiner Gattung. Während die meisten Samthäubchen winzig, dünnstielig und zerbrechlich sind, besitzt dieser Pilz einen robusten, fleischigen und stämmigen Wuchs, der eher an einen Fälbling (Hebeloma) oder Schleierling (Cortinarius) erinnert. Ich hielt ihn vor 3 Jahren übrigens auch zuerst für einen Fälbling…

In Mitteleuropa ist dieser Pilz extrem selten und wächst vorwiegend in Gewächshäusern oder Blumenerde. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es nur 3 eingetragene Funde bei den Pilzen Deutschlands – davon ist ein Eintrag mein Fund aus 2023. Um so größer war die Freude natürlich über das erneute Auftauchen dieses seltenen Pilzes bei mir zu Hause.

Catrin

Das Ansehnliche Samthäubchen (Conocybe intrusa) ist eine der fleischigsten und größten Arten der Gattung Samthäubchen. Diese Exemplare hatten einen Hutdurchmesser von ca. 5 cm und eine Stiellänge von ca. 6 cm.
Foto: Catrin Berseck

 

Der Hut des Ansehnlichen Samthäubchens ist zweifarbig fleckig und im frischen Zustand leicht klebrig, so dass die Blumenerde daran haftet.
Foto: Catrin Berseck

 

Der Stiel ist weiß bis blass rötlichocker und an der Spitze gerieft.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Lamellen sind eng stehend und breit angewachsen und haben viele Zwischenlamellen.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Schneiden der Lamellen des Ansehnlichen Samthäubchens sind alt oft fein gezahnt.
Foto: Catrin Berseck

 

Conocybe intrusa: Basidie mit Sterigmen und Sporen.
Foto und Bestimmung: Catrin Berseck

 

Conocybe intrusa: Eiförmige bzw. linsenförmige elliptische Sporen.
Foto und Bestimmung: Catrin Berseck

 

Concybe intrusa: Kegelförmige Cheilozystiden in der Lamellenschneide mit kleinen Köpfen.
Foto und Bestimmung: Catrin Berseck


29.06.2026 – Montag

Eine Gruppe älterer Flockenstieliger Hexenröhrlinge (Neoboletus erythropus).
Foto: Catrin Berseck

Nachdem heute vormittag endlich auch mal ein kräftiges Gewittergebiet mit Starkregen von ca. 17 l/m² über Baumgarten gezogen ist, hat es sich auch etwas auf angenehmere sommerliche Temperaturen von ca. 22 Grad abgekühlt.

Also entschloss ich mich nach der Arbeit, mal wieder den Rühner Forst aufzusuchen. Ich habe mich für ein Gebiet entschieden, dass ich nicht ganz so oft aufsuche. Ich bin auch nach der Hitzewelle vom Wochenende ohne allzu große Erwartungen in den Wald gegangen. Was ich nach den Regenfällen erwartet hatte, waren Mücken und Schnecken, die natürlich – wie vorhergesehen – auch massenweise da waren…

Gleich zu Beginn begegnete mir eine Gruppe überständiger Flockenstieliger Hexenröhrlinge. Das machte schon mal Hoffnung.

Kurz darauf fand ich dann an einem toten Buchenstamm massenweise Lungenseitlinge in allen Altersstadien. Und das sollten auch nicht die einzigen bleiben – gefühlt gab es die heute überall im Wald. Wenn ich gewollt hätte – ich hätte 3 große Körbe mit Lungenseilingen ernten können. Ich habe mir aber nur ein paar schöne Exemplare mit genommen.

Auf dem Rückweg sah ich dann noch an einem Fichtenstamm am Wegrand weiße Pilze und bin in freudiger Erwartung dort hin gegangen. Ich dachte von Weitem, es handelt sich um den giftigen ungestielten Ohrförmigen Seitling (Pleurocybella porrigens). Aber es waren tatsächlich auch Lungenseitlinge – zu erkennen am Stiel und dem anisartigen Geruch. Es kommt nur sehr selten vor, dass die Lungenseitlinge auch an Nadelholz wachsen.

Auch Täublinge waren hier und dort zu finden. Allerdings fast alle dermaßen von den Schnecken zerfressen, dass eine Bestimmung kaum noch möglich war.

Catrin

Ein flockenstieliger Hexenröhrling gilt als überständig, wenn der Hut schwammig wird, die Röhren schmierig-bräunlich sind und sich das Fleisch weich statt fest anfühlt. Wenn sich der Hut stark nach oben wölbt (krempenförmig nach oben biegt oder trichterartig öffnet), ist der Pilz meist ebenfalls überaltert.
Foto: Catrin Berseck

 

Massenweise frische Lungenseitlinge (Pleurotus pulmonarius) an einem Buchenstamm.
Foto: Catrin Berseck

 

Solche frischen und jungen Lungenseitlinge (Pleurotus pulmonarius) durften heute mit.
Foto: Catrin Berseck

 

Nicht nur ich hatte heute Interesse an den Lungenseitlingen… Auch die Nacktschnecken waren nach den Regenfällen wieder zu Hauf unterwegs und ließen sich die Pilze schmecken.
Foto: Catrin Berseck

 

In der Literatur heißt es, dass Lungenseitlinge (Pleurotus pulmonarius) nur an Laubholz wachsen. Hier habe ich Lungenseitlinge an einer Fichte gefunden, wo er nur sehr selten und untypisch wächst.
Foto: Catrin Berseck

 

Harte Zinnober-Täublinge (Russula rosea). Die Hutfarbe variiert von kirsch-, zinnober- bis rosarot und von hell bis dunkel, oft gelblich oder weißlich entfärbend.
Foto: Catrin Berseck


30.06.2026 – Dienstag

Schönfußröhrling (Caloboletus calopus). Der Stiel ist wirklich ein „Schöner Fuß“ und besitzt eine markante Netzzeichnung. Die Farbe verläuft von leuchtend gelb an der Stielspitze zu karminrot an der Stielbasis.
Foto: Catrin Berseck

Nachdem ich gestern im Rühner Forst sehr erfolgreich auf Pilzsuche war, habe ich dann auf dem Rückweg nochmals an meiner bevorzugten Stelle angehalten. Dort war ich das letzte mal am Donnerstag kurz vor der großen Hitzewelle – außer 3 Sommersteinpilzen hatte ich da ja nichts weiter gefunden.

Es begrüßten mich sofort nach Betreten des Waldes mehrere große überständige Steinpilze, von denen am Donnerstag noch nichts zu sehen war. Die waren von den Schnecken und Maden ordentlich zerfleddert und damit kein Foto mehr wert.

Und daneben fand ich dann auch gleich noch einen jungen und ziemlich unversehrten Schönfußröhrling (Caloboletus calopus). Mit dem hatte ich im kalkhaltigen Buchenwald überhaupt nicht gerechnet, da er saure und nährstoffarme Böden bevorzugt und hauptsächlich in Nadelwäldern zu finden ist. Aber es gibt dort in der Nähe ein paar eingestreute Fichten, die evt. als Mykorrhiza-Partner fungieren.

Jedenfalls habe ich mich wahnsinnig über diesen selteneren und wunderschönen Pilz gefreut. Ich hatte ihn tatsächlich erst ein einziges mal auf einer Kartierungsexkursion mit Reinhold gesehen und ein zweites mal bei einer Korbkontrolle aussortiert. Denn trotz seiner Schönheit handelt es sich um einen Giftpilz, der Magen-Darm-Störungen auslösen kann und bitter schmeckt.

Da die Röhrlinge scheinbar die Hitzewelle im schattigen Buchenwald ziemlich gut überstanden hatten, ging ich dann noch ein Stück weiter, um nach den Hainbuchen-Raufußröhrlingen zu gucken. Und siehe da – es gab tatsächlich welche. Die meisten überständig und von den Schnecken zerfressen.

Unterwegs an den Buchenstämmen immer wieder Lungenseitlinge (Pleurotus pulmonarius), von denen ich aber vorher schon genügend geerntet hatte und die stehen bleiben durften. Auch ein paar zerfressene Täublinge gab es noch.

Und zum Schluss entdeckte ich dann noch an einer Böschung direkt neben meinem Auto Blasse Laubwaldpfifferlinge (Cantharellus pallens).

Catrin

 

Der Hut des Schönfußröhrlings ist kompakt, polsterförmig gewölbt und hat eine matt-feinfilzige Oberfläche. Die Farbe reicht von ledergrau über graubräunlich bis olivgrau. Die Röhren auf der Hutunterseite sind jung hellgelb und werden im Alter olivgelb.
Foto: Catrin Berseck

 

Das hellgelbe, feste Fleisch des Schönfußröhrlings läuft im Anschnitt ebenfalls sofort schwach blau an. Es riecht leicht säuerlich und schmeckt gallebitter.
Foto: Catrin Berseck

 

Ältere Exemplare der Hainbuchen-Raufußröhrlinge (Leccinellum pseudoscabrum) mit ihren hell- bis dunkelbraun gefärbten,.runzeligen und eingedellten („gehämmerten“) Hüten.
Foto: Catrin Berseck

 

Das weiße Fleisch des Hainbuchen-Raufußröhrlings verfärbt sich bei Verletzung oder Anschnitt schnell rötlich-violett und später grauschwarz. Typisch sind am Stiel die schwärzlichen Schüppchen auf weiß-grauem Grund.
Foto: Catrin Berseck

 

Auch hier wieder Lungenseitlinge (Pleurotus pulmonarius) in allen Altersstadien gefühlt an jedem 10. Buchenstamm.
Foto: Catrin Berseck

 

Blasse bzw. Laubwald-Pfifferlinge (Cantharellus pallens) an einer mit Moos bewachsenen Böschung. Er unterscheidet sich vom bekannteren Echten Pfifferling durch seinen stämmigeren Wuchs und die charakteristisch blassere Hutoberfläche.
Foto: Catrin Berseck