Pilze und Wetter Juli 2026
Wetter und Pilzwachstum in Mecklenburg
Tagebuch zu Pilze und Wetter Juli 2026
01.07.2026 – Mittwoch

Gemeine Stinkmorchel (Phallus impudicus) heute bei unserer Kartierung im Schulzenholz bei Retschow.
Foto: Sylvina Zander
Nach dem „Handbuch für Pilzfreunde Band 1“ von Michael-Hennig-Kreisel beginnt heute der Pilzsommer, der bis Mitte August anhält. Er wird charakterisiert durch zahlreiche Wulstlinge, Röhrlinge und Täublinge, aber auch Pfifferlinge.
Natürlich kommen viele Pilzarten dieser Wachstumsphase auch danach noch vor – aber für einige Arten ist jetzt die Hochsaison ihres Erscheinens angebrochen. Dies gilt besonders für viele wärmeliebende Pilzarten der Gattung Boletus (Dickröhrlinge), für Pfifferlinge oder auch im besonderen für den Langstieligen Pfeffermilchling, der wirklich nur in diesen Wochen wächst.
Bei Michael-Hennig-Kreisel wird auch die Stinkmorchel als Sommerpilz für diesen Zeitraum erwähnt. Und damit haben wir den Übergang zu unserer heutigen Kartierungsexkursion geschlagen.
Der 3. Quadrant des Messtischblattes Hanstorf war heute an der Reihe. 6 Pilzfreunde des Steinpilz Wismar „Reinhold Krakow“ e.V. trafen sich um 16 Uhr am Schulzenholz östlich und südöstlich von Retschow. Alte Buchenwälder und ausgedehnte Fichtenforste prägen den ehemaligen Staatsforst Ivendorf südlich von Kröpelin und Bad Doberan.
Und tatsächlich fanden wir heute so einige Frischpilze – auch die erwähnten Wulstlinge und Täublinge sowie die Stinkmorcheln waren heute bereits am Start. Einen ausführlichen Bericht findet ihr demnächst hier.
Catrin
02.07.2026 – Donnerstag

Der Fleischrote Speise-Täubling (Russula vesca). Das markanteste Merkmal ausgewachsener Pilze ist die Huthaut, die den äußersten Hutrand nicht ganz bedeckt. Die weißen Lamellenspitzen stehen wie kleine Zähnchen frei sichtbar vor.
Foto: Catrin Berseck
Nachdem ich mir das Foto von den Speisetäublingen (welches ich selber für das Tagebuch Juli ausgewählt hatte) noch mal angesehen hatte, dachte ich mir, ich könnte ja mal meinen Fundort vom letzten Jahr aufsuchen und nachsehen, ob die Speisetäublinge sich schon zeigen.
Also bin ich heute nach der Arbeit in meinen Lieblingspark gefahren. Der erste Weg führte mich zu der Stelle mit den Fleischroten Speisetäublingen (Russula vesca). Und was soll ich sagen – sie waren da! Viele bereits überständig – aber für eine kleine Mahlzeit kam dennoch etwas zusammen.
Auch ein paar Perlpilze waren zu finden – wenn auch mit Trockenschäden und vermadet. Auch an meiner dortigen kleinen Pfifferlingsstelle war etwas zu finden.
Nach meinem gestrigen Beitrag wird der Frühsommer nach Michael-Hennig-Kreisel charakterisiert durch „Wulstlinge, Röhrlinge und Täublinge, aber auch Pfifferlinge“. 3 Gattungen hatte ich jetzt schon – es fehlte also nur noch ein Röhrling.
Und der ließ nicht lange auf sich warten. An bekannter Stelle war er tatsächlich schon da – der seltene Kornblumen-Röhrling (Gyroporus cyanescens agg.)! Ich war begeistert…
Und ich möchte hiermit auch darauf hin weisen, dass die 6 Bände des „Handbuch für Pilzfreunde“ von Michael, Hennig, Kreisel aus den 80-er Jahren jeder interessierte Pilzfreund immer noch als Standardwerk nutzen kann und sollte. Sicherlich gibt es für die Pilzbestimmung mittlerweile aktuellere Literatur, da sich innerhalb der letzten 40 Jahre doch einiges geändert hat und sich in Zukunft auch weiter ändern wird.
Aber grundsätzliche Dinge, die in allen Bänden zu Anfang beschrieben und behandelt werden, besitzen auch heute noch ihre Gültigkeit und findet man in der neueren aktuellen Literatur nicht in dieser Ausführlichkeit.
Catrin

Die Hüte des Fleischfarbenenen Speisetäublings sind jung halbkugelig. Sie sind meist fleischfarben bis rosabräunlich gefärbt und haben eine radial-aderige bis etwas höckerige Huthaut. Die Huthaut ist feucht schmierig-glänzend und trocken matt.
Foto: Catrin Berseck

Die jung weißen und später blassgelben Röhren bläuen bei Druck sofort stark „kornblumenblau“.
Foto: Catrin Berseck
04.07.2026 – Sonnabend

Kegeliger bzw. Schwärzender Saftling (Hygrocybe conica) auf dem Friedhof in Neukloster.
Foto: Catrin Berseck
Am Freitag war ich mal kurz in meinem Hauswald nachsehen. Wo ich am Montag noch einige Frischpilze gefunden hatte, war heute gähnende Leere. Die vielen Lungenseitlinge waren alle vertrocknet und die nachkommende Brut war restlos von den Nacktschnecken aufgefressen.
Also habe ich heute auf dem Rückweg nach meinem Wochenendeinkauf mal nach langer Zeit wieder in Neukloster nach gesehen. Heute möchte ich euch mal eine Pilzserie meiner Funde ausschließlich in orange zeigen.
Zuerst war ich auf den Friedhöfen. Vertrocknete und komplett verweste Reste von Netzstieligen Hexenröhrlingen und Fransigen Wulstlingen. Aber wenigstens ein paar Schwärzende Saftlinge (Hygrocybe conica) habe ich dort noch finden können.
Anschließend habe ich dem Klaasbachtal nach langer Zeit mal wieder einen Besuch abgestattet. Ein paar Pfifferlinge (Cantharellus cibarius) waren am Wegesrand zu finden – ebenfalls ein Klebriger Hörnling (Cantharellus pallens) auf einem Fichtenstubben.
Im Wasser des Klaasbaches fand ich dann auf dem final verottetem Holz noch ein paar wunderschöne Blutmilchpilze (Lycogala epidendrum) sowie Schildborstlinge (Scutellinia agg.). Um diese auf Artebene genau zu bestimmen, müssen sie mikroskopiert werden.
Catrin

Klebriger Hörnling (Calocera viscosa) – auch bekannt als Ziegenbart oder Zwergerlfeuer ist ein leuchtend gelb bis orange gefärbter Pilz. Er wächst als Folgezersetzer ausschließlich auf totem Nadelholz.
Foto: Catrin Berseck

Blutmilchpilze sind Schleimpilze der Gattung Lycogala. Schleimpilze befallen meist keine lebenden Organismen, sondern zersetzen bereits totes Material – so wie hier final verrottetes Holz.
Foto: Catrin Berseck

Die Schleimpilze wachsen nicht immer direkt auf Totholz – sie überkriechen oder verzehren dabei andere, bereits dort wachsende holzzersetzende Pilze. Hier auf alten Exemplaren von Laubholz-Harzporlingen (Ischnoderma resinosum).
Foto: Catrin Berseck

Schildborstlinge (Scutellinia agg.) mit ihren intensiv orangenen scheibenförmigen Fruchtkörpern. Am Rand ist er mit den namensgebenden dunkelbraunen, steifen Borsten behaart.
Foto: Catrin Berseck
05.07.2026 – Sonntag

Blau- bzw. Violettstielige Heftelnabelinge (Rickenella swartzii) mit seinen orangebräunlichen Stiel, dessen Spitze blau-violett ist.
Foto: Catrin Berseck
Heute der Rest meiner Funde vom Sonnabend – dieses mal in Braun- und Ockertönen.
Im Moos gab es kleine Heftelnabelinge. Die Typusart dieser Gattung ist der Orangerote Heftelnabeling (Rickenella fibula) – den man aufgrund seiner auffälligen Farbe trotz der geringen Größe öfter mal findet. Ich hatte aber gestern Blau- bzw. Violettstielige Heftelnabelinge (Rickenella swartzii) – zu erkennen an der namensgebenden Stielfärbung.
2 alte Fruchtkörper des Hasen-Stäublings (Lycoperdon utriforme) gab es dann auch noch.
Am meisten habe ich mich jedoch über einen Schleimpilz gefreut – den Nickenden Kelchstäubling (Arcyria obvelata). Ein Erstfund für mich, obwohl er laut Literatur ein häufiger Schleimpilz sein soll.
Catrin

Der Nickende Kelchstäubling (Arcyria obvelata) bildet ein Haargeflecht (Capillitium), welches eine Länge bis zu 13 mm hat und ca. 1 mm breit ist.
Foto: Catrin Berseck

Die Fasersäulen des Nickenden Kelchstäublings verlaufen büschelig auseinander oder liegen auf dem Untergrund.
Foto: Catrin Berseck
06.07.2026 – Montag

Die ersten Milchlinge in dieser Saison – Pfeffer-Milchlinge (Lactifluus piperatus cf.).
Foto: Catrin Berseck
Am 01.07.2026 habe ich über den Pilzsommer und die dort vorrangig zu findenden Arten geschrieben. Zitat: „Dies gilt besonders … für Pfifferlinge oder auch im besonderen für den Langstieligen Pfeffermilchling, der wirklich nur in diesen Wochen wächst.
Und was soll ich sagen? Genau diese beiden Pilzarten habe ich heute im Buchenwald gefunden – ansonsten nichts weiter.
Pfeffer-Milchlinge gibt es 2 verschiedenene Arten – den Langstieligen Pfeffer-Milchling (Lactifluus piperatus) und den sehr ähnlichen Grünenden Pfeffer-Milchling (Lactifluus glaucescens). Früher dachte man, das Grünen der Milch und bei Verletzungen sei das entscheidende Trennmerkmal zwischen Beiden. Heute weiß man: Grünen können beide Pilze. Zur Trennung muss man die Dicke der Hutdeckschicht im Mikroskop betrachten.
Und dicht daneben sind an bekannter Stelle die Blassen Laubwaldpfifferlinge (Cantharellus pallens) trotz der Trockenheit fleißig weiter gewachsen.
Junge Exemplare der Blassen Laubwaldpfifferlinge waren ca. 8 cm groß und ähnelten im Profil auf den ersten flüchtigen Blick tatsächlich den Pfeffer-Milchlingen.
Catrin

Die Lamellen des Pffer-Milchlings stehen sehr dicht gedrängt, sind schmal und dünn. Sie sind weißlich gefärbt und laufen leicht am Stiel herab.
Foto: Catrin Berseck

Milchsaft hat der Pfefferröhrling reichlich. Der isolierte Saft schmeckt nach wenigen Sekunden extrem pfeffrig und brennend scharf.
Foto: Catrin Berseck

Zum Größenvergleich: Links und rechts junge Pfeffermilchlinge – in der Mitte ein Blasser Pfifferling.
Foto: Catrin Berseck
07.07.2026 – Dienstag

Rotbrauner Scheidenstreifling (Amanita fulva). Der rotbraune Hut hat oft eine dunklere Mitte und ist glatt und glänzend. Der Hutrand ist sehr auffällig und tief gerieft (gestreift), etwa über ein Drittel des Radius, was ihm den Namenszusatz „Streifling“ eingebracht hat.
Foto: Catrin Berseck
Nachdem ich gestern den kalkhaltigen Buchenwald aufgesucht hatte, war ich heute mal kurz im sandigen sauren Buchen-Kiefern-Mischwald um nachzusehen, wie es da so aussieht.
Pfifferlinge haben gerade ihren Wachstumsschub – also war es nicht verwunderlich, dass sich dort auch welche finden ließen. Allerdings nicht die Blassen Laubwaldpfifferlinge (Cantharellus pallens), sondern die Echten Pfifferlinge (Cantharellus cibarius). Nicht in solchen Massen, wie andere Jahre. Aber dafür leuchteten sie aufgrund des Nieselregens schön dottergelb aus dem braunen Buchenlaub und waren leicht zu finden.
Erfahrungsgemäß sind bei den Pfifferlingen dann auch immer Rotbraune Scheidenstreiflinge (Amanita fulva) zu finden, da diese auch saure Böden bevorzugen und in Symbiose mit mehreren Baumpartnern, wie Eichen, Buchen, Birken sowie Kiefern und Fichten leben.
Der Rotbraune Scheidenstreifling vereint seine drei wesentlichen Merkmale bereits im Namen. Der Hutrand ist stark gerieft (streifig), die Stielbasis ist mit einer Scheide umgeben und die Huthaut ist rotbraun oder orangefuchsig gefärbt. Ein anderer Name des Pilzes ist daher auch Fuchsiger Scheidenstreifling.
Ansonsten habe ich auf meinem kurzen Rundgang nur noch 3 Täublinge sowie 1 Hexenei der Stinkmorchel entdecken können.
Catrin
08.07.2026 – Mittwoch
Am 06.05.2026 musste unsere Kartierungsexkursion im 3. Quadranten des Messtischblattes Sternberg aufgrund von angesagtem Regen leider ausfallen.
Diesen Termin haben wir heute nachgeholt. Dorit aus Ratzeburg, Sylvina aus Lübeck und Isa aus der Crivitzer Ecke reisten dafür an und trafen sich mit mir am Deichselsee bei Brüel. Ursprünglich war ein kompletter Rundgang um den Deichselsee geplant. Wir entschieden und aber vor Ort, einen Abstecher zum Hohlsee zu machen, da dieser im selben Quadranten liegt und auch somit auch in unser Kartierungsgebiet fällt.
Heimlich hatte ich ja gehofft, dass sich die seltenen Satansröhrlinge und andere wärmeliebende Röhrlinge bereits zeigen. Aber von diesen Röhrlingen waren an den wärmebegünstigten Hangterrassen weit und breit nichts zu sehen.
Trotzdem waren wir überrascht, dass wir doch eine Menge an Frischpilzen zu Gesicht bekamen und in unsere Kartierungsdatei mit aufnehmen konnten. Teilweise nur einzelne Exemplare – aber im Vergleich zur derzeitigen Pilzarmut waren wir über die „Artenvielfalt“ erfreut.
Einen ausführliche Bericht findet ihr hier.
Catrin











