08.07.2026 – MTB 2236/3 Deichel- und Hohlsee bei Brüel

Mittwochsexkursion

Messtischblatt Sternberg

08. Juli 2026

Auch für Pilz- und Naturinteressierte Gäste

Im MTB 2236/3 – bei Brüel

Blick auf den mit Altbuchen bestandenen Hang an der Nordseite des Deichelsees.
Foto: Sylvina Zander


Am 06.05.2026 sollte diese Kartierungsexkursion ursprünglich statt finden – musste aber aufgrund angesagten Regens kurzfristig vorher abgesagt werden. Diesen Termin haben wir nun heute nachgeholt. Wir – das waren Dorit, Sylvina, Isa und Catrin vom Steinpilz Wismar e.V.. 

Das Gebiet erstreckt sich von Brüel bis Necheln sowie von Golchen bis Weitendorf. Wir hatten uns bereits im Vorfeld für einen des Deichelsees mit einem Abstecher zum Hohlsee zwischen Brüel und Golchen entschieden.

Umgeben ist der Deichelsee von schmalen Baumstreifen mit kalkhaltigen Steilhängen, der am Nordostufer zu einem kleineren daran anschließenden Waldgebiet gehört. Hauptsächlich finden wir hier Altbuchen mit Eichen, Fichten, Kiefern sowie Birken untermischt.

Der südliche Teil des Hohlsees wird von Kiefern dominiert – es gibt aber auch Bereiche mit Altbuchen, Eichen und eingestreuten Fichten.

Aufgrund der derzeit in unseren Wäldern herrschenden Pilzarmut waren unsere Erwartungen nicht ganz so groß. Um so mehr haben wir uns gefreut, dass wir doch einige Frischpilze aus verschiedenen Gattungen gefunden haben. Für Dorit kam sogar eine kleine Mahlzeit mit Pfifferlingen zusammen.

Hier eine kleine Auswahl an Eindrücken von dieser Exkursion.

Catrin (Text, Fotoauswahl und -beschriftung, Artenliste)

 

Begrüßt wurden wir am Treffpunkt von diesem wunderschönen Goldglänzenden Rosenkäfer (Cetonia aurata).
Foto: Isa Krietsch

 

Aber auch der erste Frischpilz erwartete uns hier bereits…
Foto: Isa Krietsch

 

Es handelte sich um einen Wurzelnden Schleimrübling (Hymenopellis radicata). Zu seinem Namen kam er wegen seiner Scheinwurzel – ein mehrere Zentimeter langer Fortsatz an der Stielbasis, der tief im Substrat wurzelt.
Isa Krietsch

 

Die Münzenförmige Kohlenbeere (Biscogniauxia nummularia) wird auch Rotbuchen-Rindenkugelpilz oder Pfennig-Kohlenkruste genannt. Es ist ein holzzersetzender Pilz, der fast ausschließlich an abgestorbenen Ästen und Stämmen der Rotbuche wächst.
Isa Krietsch

 

Ein alter Löwengelber Schwarzstielporling (Cerioporus leptocephalus) auf Buche.
Foto: Isa Krietsch

 

Ebenfalls alt und vertrocknet ein Schwefelporling (Laetiporus sulphureus) auf Eiche.
Foto: Isa Krietsch

 

Zur Abwechslung endlich mal ein Frischpilz im Uferbereich des Deichelsees. Ein riesiger Rotbrauner Scheidenstreifling (Amanita fulva) mit einer wunderschönen rotbraunen Färbung und seinem typisch gerieften Hutrand.
Foto: Isa Krietsch

 

Die Stielbasis steckt in einer sackartigen, oft rostfleckigen Scheide (Volva).
Foto: Isa Krietsch

 

Die Lamellen des Rotbraunen Scheidenstreiflings sind hell cremefarben und sind am Stiel ganz fein angewachsen.
Foto: Isa Krietsch

 

Blick auf den Deichelsee.
Foto: Sylvina Zander

 

Da wir alle nicht nur an Pilzen interessiert sind, sahen wir uns auch im Uferbereich des Deichelsess um.
Foto: Isa Krietsch

 

Das Gehäuse einer Spitzschlammschnecke (Lymnaea stagnalis) – die größte Wasserlungenschnecke Mitteleuropas.
Foto: Sylvina Zander

 

Der Kamberkrebs (Faxonius limosus) ist eine aus Nordamerika stammende invasive Flusskrebsart, die 1880 künstlich in Europa ausgesetzt wurde. Die Ausbreitung des Kamberkrebses hat schwerwiegende Folgen für das Ökosystem. Er ist Überträger der Krebspest (selbst aber immun) und überträgt diese auf heimische Arten, was zu deren regionalem Aussterben führt. Er wurde u.a. deswegen 2016 in die „Liste der unerwünschten Arten“ aufgenommen.
Foto: Sylvina Zander

 

Wir verließen den Uferbereich des Deichelsees und gingen den oberen Weg weiter. Direkt am Wegrand viele kleine Pfifferlinge (Cantharellus cibarius). Von den größeren Exemplaren durften einige mit.
Foto: Sylvina Zander

 

Kaum zu sehen im Buchenlaub – der Ziegelrote Täubling (Russula velenovskyi). Namensgend ist der ziegelrote matte und glanzlose Hut. Die Mitte ist oft gelblich-orange aufgehellt und besitzt manchmal einen kleinen Buckel.
Foto: Sylvina Zander

 

Die Lamellen sind jung weißlich und färben sich im Alter durch das reife Sporenpulver cremegelb bis blass ockerfarben.
Foto: Sylvina Zander

 

Die Täublingsbestimmung ist aufgrund der Farbenvielfalt und Ähnlichkeit nicht immer ganz so einfach. Zur richtigen Bestimmung sind auch chemische Reaktionen notwendig. Hier sehen wir die Verfärbungen des Ziegelroten Täublings mit folgenden Chemikalien: Eisen (II)-sulfat (FeSO4): fleischrosa, Guajak: blau, Phenol (Karbolsäure): dunkel weinrot.
Foto: Catrin Berseck

 

Junge Birkenporlinge (Fomitopsis betulina) sind auch schon am Start.
Foto: Sylvina Zander

 

Wir verließen dann den Uferbereich des Deichelsses, um am Feldrand zum Hohlsee zu gelangen.
Foto: Isa Krietsch

 

In der Grasnarbe auf dem Feldweg fanden wir dann einige Wiesenstäublinge (Lycoperdon pratense).
Foto: Isa Krietsch

 

Blick über das Feld.
Foto: Sylvina Zander

 

Weiter geht es Richtung Hohlsee.
Foto: Sylvina Zander

 

Ein kunstvoll gebautes Vogelnest auf dem Waldboden aus vorwiegend Moos und Gras. Das sind hervorragende, natürliche Nistmaterialien. Viele heimische Vogelarten nutzen diese Kombination für den Nestbau, da Moos isoliert, Feuchtigkeit reguliert und hervorragend zur Tarnung dient, während Gräser dem Nest Struktur und Flexibilität verleihen.
Foto: Isa Krietsch

 

Aber auch die giftigen Dünnschaligen Kartoffelboviste
(Scleroderma verrucosum) waren auf dem Weg zum Hohlsee zu finden.
Foto: Sylvina Zander

 

Wir haben den Hohlsee erreicht.
Foto: Sylvina Zander

 

Im Uferbereich des Hohlsees fanden wir dann auf alten Buchenästen viele und große Exemplare des Zimtfarbenen Weichporlings (Hapalopilus rutilans) – der einzige bekannte stark giftige Porling.
Foto: Isa Krietsch

 

Der Pilz ist durchgehend zimtbraun, ockerbraun oder fleischrosa gefärbt und hat sehr feine Poren.
Foto: Sylvina Zander

 

Weiter geht es entlang des Hohlsees.
Foto: Isa Krietsch

 

Abendstimmung am Hohlsee.
Foto: Isa Krietsch

 

Selten zu finden: Fichtenspargel (Monotropa hypopitys). Das ist eine außergewöhnliche, blattgrünlose Pflanze aus der Familie der Heidekrautgewächse. Da sie kein Chlorophyll besitzt, kann sie keine Photosynthese betreiben. Stattdessen lebt sie als Epiparasit. Sie zapft unterirdisch das Mykorrhiza-Netzwerk zwischen Bäumen und Pilzen an. So erschließt sie sich Nährstoffe und Kohlenhydrate.
Foto: Isa Krietsch

 

Ebenfalls kein Chlorophyll hat diese junge Steileiche. Die Eiche hat Chlorose (auch Bleichsucht) – eine Pflanzenkrankheit, bei der den Blättern der grüne Farbstoff Chlorophyll fehlt. Die Blätter verblassen, werden hellgrün oder gelblich, Das Krankheitsbild ist in der Regel auf eine Mangelerscheinung zurückzuführen und kann vielfältige Ursachen haben.
Foto: Isa Krietsch

 

Ein wunderschöner essbarer Perlpilz (Amanita rubescens). Sehr schön ist hier eines der wichtigen Merkmale zur Abgrenzung zu anderen Wulstlingen zu sehen: das „Röten“ bei Verletzung.
Foto: Isa Krietsch

 

Ein weiterer Wulstling – wenn auch nicht mehr ganz so schön. Der Stiel des Narzissengelben Wulstlings (Amanita gemmata) endet in einer deutlichen, oft rundlichen Knolle, die meist eine wulstige, stulpenartige Umrandung (Velumrest) aufweist. Im Gegensatz zum Perlpilz ist dieser jedoch giftig.
Foto: Isa Krietsch

 

Und da ist er (auch wenn nicht mehr ganz so schön) – der erste Gemeine Gallenröhrling (Tylopilus felleus), auch Bitterling genannt – ein ungenießbarer Pilz aus der Familie der Steinpilzverwandten. Für viele Steinpilzsammler ist er wirklich „gemein“, da er oft als Steinpilz mit eingesammelt wird und nach der Zubereitung die „bittere“ Überraschung kommt.
Foto: Isa Krietsch

 


Die Artenliste aus dem nördlichen Bereich des Deichelsees – MTB: 2236/332 SW:

Grauer Wulstling (Amanita excelsia), Rotbrauner Scheidenstreifling (Amanita fulva), Buchenrindenschorf (Ascodichaena rigosa), Münzenförmige Kohlenbeere (Biscogniauxia nummularia), Echter Pfifferling (Cantharellus cibarius), Löwengelber Schwarzstielporling (Cerioporus leptocephalus), Eichenmehltau (Erysiphe alphitoides), Zunderschwamm (Fomes fomentarius), Birkenporling (Fomitopsis betulina), Rotrandiger Baumschwamm (Fomitopsis pinicola), Gelbe Lohblüte (Fuligo septica), Zimtfarbener Weichporling (Hapalopilus rutilans), Wurzelschleimrübling (Hymenopellis radicata), Rötliche Kohlenbeere (Hypoxylon fragiforme), Brandkrustenpilz (Kretzschmaria deusta), Schwefelporling (Laetiporus sulphureus), Wiesenstäubling (Lycoperdon pratense), Lungenseitling (Pleurotus pulmonarius), Frauentäubling (Russula cyanoxantha), Ziegelroter Täubling (Russula velenovskyi), Gemeiner Spaltblättling (Schizophyllum commune), Striegeliger Schichtpilz (Stereum hirsutum), Striegelige Tramete (Trametes hirsuta), Schmetterlingstramete (Trametes versicolor)


Die Artenliste aus dem südlichen Bereich des Hohlsees – MTB: 2236/341 SW:

Narzissengelber Wulstling (Amanita gemmata), Perlpilz (Amanita rubescens), Judasohr (Auricularia auricula-judae), Tintenstrichpilz (Bispora antennata), Echter Pfifferling (Cantharellus cibarius), Zunderschwamm (Fomes fomentarius), Birkenporling (Fomitopsis betulina), Rotrandiger Baumschwamm (Fomitopsis pinicola), Gelbe Lohblüte (Fuligo septica), Waldfreundrübling (Gymnopus dryophilus agg.), Zimtfarbener Weichporling (Hapalopilus rutilans), Rehbrauner Dachpilz (Pluteus cervinus agg.), Sklerotienporling (Polyporus tuberaster), Dünnschaliger Kartoffelbovist (Scleroderma verrucosum), Schmetterlingstramete (Trametes versicolor), Gallenröhrling (Tylopilus felleus)


Wann startet die nächste Lehrwanderung? Siehe unter Termine!


 

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