12.08.2026 – MTB 2431/2 – Insel Kampenwerder im Schaalsee
Mittwochsexkursion
Messtischblatt Zarrentin am Schaalsee
12. August 2026
Auch für Pilz- und Naturinteressierte Gäste
Im MTB 2431/2 – südlich von Lassahn
Weiter ging es heute mit dem 2. Quadranten des Messtischblattes Zarrentin in der Schaalsee-Region.
Das Gebiet wird westlich vom Schaalsee begrenzt und reicht im Osten bis Neuhof. Im Norden beginnt das Gebiet südlich von Lassahn und endet im Süden nördlich von Bantin. Auch hier standen uns sehr interessante Exkursions- und Kartierungsgebiete zur Verfügung.
Wir – das waren heute nur Dorit aus Ratzeburg, Sylvina aus Lübeck und Catrin aus Bützow – entschieden uns vor Ort, die Insel Kampenwerder im Schaalsee aufzusuchen. Diese Insel ist von Lassahn über einen Damm und über die benachbarte Stintenburginsel zu erreichen. Der größte im östlichen Teil der Insel befindliche Bereich wird landwirtschaftlich genutzt, während die eher flachen Uferzonen im Westen und Süden überwiegend baumbestanden sind und teilweise in Schilfgürtel übergehen.
Da es heute nicht so viele Pilze gab – ausnahmsweise mal ein etwas längerer Exkurs in die interessante Geschichte des Gutes Stintenburg.
Bereits im 13. Jahrhundert befand sich die strategisch gut gelegene Insel im Besitz der Grafen von Schwerin. Nach wechselnden Adelsfamilien erwarb 1740 Graf Johann Hartwig Ernst von Bernstorff das Anwesen.
Im 20. Jahrhundert stand das Gut im Zeichen des Widerstands. Der Gutsherr und Diplomat Albrecht Graf von Bernstorff war ein entschiedener Gegner des NS-Regimes. Er nutzte das Gut als Treffpunkt für Gleichgesinnte. 1943 wurde die Familie von den Nationalsozialisten enteignet. Graf Bernstorff wurde von der Gestapo verhaftet und im April 1945 kurz vor Kriegsende ermordet.
Nach dem Krieg fiel der Besitz zunächst in den Bereich der britischen Besatzungstruppen; in Form eines Gebietstausches aus verkehrstechnischen Gründen wurde jedoch im Gadebuscher Vertrag am 13. November 1945 die Zuordnung des Bernstorffschen Gutes zu der Sowjetischen Besatzungszone geregelt. Die Familie von Bernstorff wurde von den sowjetischen Besatzern enteignet. Das Herrenhaus diente dann zeitweise als Flüchtlingslager.
1952 übernahm das Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) das Herrenhaus der Stintenburg als Ausbildungsort einer geheimen Elitetruppe für die Grenztruppen.
Seit der Restitution sind Herrenhaus (1993) und Gut (1997) wieder im Besitz der Familie von Bernstorff. Die Insel wird heute von der Familie und einigen Angestellten bewohnt und befindet sich im Biosphärenreservat Schaalsee.
So – nun Schluss mit Geschichte und zu unserer heutigen Kartierungsexkursion, deren Ergebnis aufgrund der Trockenheit sehr mager ausfiel. Es war für uns trotzdem eine sehr schöne Wanderung mit vielen anderen Eindrücken aus Geschichte und Natur.
Catrin (Text, Fotoauswahl und -beschriftung, Artenliste)

Gleich zu Beginn der Wanderung das erste (und letzte) Highlight unserer heutigen Exkursion: ein Fahler Röhrling (Hemileccium depilatum).
Foto: Sylvina Zander

Die Röhren des Fahlen Röhlings blauen im Gegensatz zu vielen anderen Röhrlingen nicht.
Foto: Sylvina Zander

Das historische Brückenhaus auf der Stintenburginsel. Ursprünglich diente das Gebäude als Sitz für den Brückenwärter, dessen Hauptaufgabe es war, den Zugang zum Gut der Familie von Bernstorff zu kontrollieren. Das markante Fachwerkhaus wurde aufwendig renoviert und gilt heute als geschütztes Baudenkmal. Inzwischen hat sich die Nutzung komplett gewandelt. Das Brückenhaus wird heute als exklusive und ruhig gelegene Ferienwohnung vermietet.
Foto: Sylvina Zander

Blick auf das Gutshaus derer von Bernstorff. Das heutige, klassizistisch gestaltete Herrenhaus wurde in den Jahren 1810 bis 1817, vermutlich unter der Leitung von Joseph Christian Lillie, auf den deutlich älteren Fundamenten eines möglicherweise schon im 14. Jahrhundert errichteten Vorgängerbaus errichtet. Nach der Rückführung in den Familienbesitz wurde das Gebäude aufwendig saniert.
Foto: Catrin Berseck

Endlich ein paar Pilze am Wgrand. Dünnschaliger Kartoffelbovist (Scleroderma verrucosum).
Foto: Sylvina Zander

Und weitere Boviste – Leopardenfell-Hartbovist (Scleroderma areolatum). Schwach zu erkennen ist die Rötung im Schnittbild.
Foto: Sylvina Zander

Und auch Stadt-Champignons (Agaricus bitorquis) waren am Wegrand zu finden. Bekannt ist er vor allem als echtes „Kraftpaket“ – seine Fruchtkörper wachsen oft auf stark verdichteten Böden und sind so kräftig, dass sie Pflastersteine anheben und Asphaltdecken durchbrechen können.
Foto: Sylvina Zander

Weiter geht es den von teilweise alten Eichen und Obstbäumen gesäumten Weg über die Insel Kampenwerder.
Foto: Sylvina Zander

Unter Eichen am Wegrand ein Eichen-Filzröhrlings (Hortiboletus engelii). Kennzeichnend sind im Schnittbild die basalen roten Pigmentkörnchen.
Foto: Sylvina Zander

… und Soayschafen. Das ist ein primitiver Typ von Hausschafen (Ovis aries), die als die vermutlich älteste noch existierende Schafrasse der Welt gilt. In der Regel tragen beide Geschlechter Hörner. Die meisten Soayschafe sind dunkelbraun – Bauch, Hinterteil sowie Bereiche um die Augen und das Maul sind meist hell oder weiß abgesetzt, ähnlich der Wildzeichnung eines Mufflons. Soayschafe gehören zu den Haarschafen. Sie werfen ihre Wolle im Frühjahr selbstständig ab und müssen daher nicht vom Menschen geschoren werden.
Foto: Sylvina Zander

Das Belted Galloway ist eine schottische Robustrinderrasse, die sofort an ihrem markanten, breiten weißen Bauchgurt („Belt“) auf sonst meist schwarzem, rotem oder gelbbraunem Fell zu erkennen ist. Die Rasse stammt ursprünglich aus der rauen Galloway-Region im Südwesten Schottlands. Sie ist perfekt an harte Witterungsbedingungen angepasst und wird heute weltweit vor allem für die extensive Fleischproduktion und die Landschaftspflege geschätzt.
Foto: Sylvina Zander

Wir erreichen das kleine, aus wenigen Häusern bestehende Dorf Stintenburg. Dort ist eine Informationstafel zur Geschichte von Stintenburg.
Foto: Sylvina Zander

Blick in die naturbelassene Landschaft durch einen alten Holunderstracuh mit vertrockneten Judasohren (Auricularia auricula-judae).
Foto: Sylvina Zander

Interessant waren für uns allerdings die violetten bzw. roten kreisförmigen Flecken auf der Blattoberseite der Brombeerblätter. Es handelt sich um Brombeerrost (Phragmidium violaceum).
Foto und Bestimmung: Catrin Berseck

Direkt unter diesen Flecken erscheinen auf der Unterseite der Blätter erst goldgelbe Uredolager (Sommersporenlager) und später schwarze Teleutolager (Wintersporenlager). In den Teleutolager entstehen Teliosporen, die den Winter überdauern und für den erneuten Zyklus im Folgejahr sorgen.
Foto und Bestimmung: Catrin Berseck

Die Teliosporen der Teleutolager sind dickwandig und meist 4-zellig.
Foto und Bestimmung: Catrin Berseck

Ein weiterer Schlauchpilz auf den Blättern des Berg-Ahorns (Acer pseudoplatanus) ist der Ahorn-Runzelschorf (Rhytisma acerinum).
Foto: Catrin Berseck

In jungem Stadium besteht der Ahorn-Runzelschorf noch aus kleinen einzelnen Stromata, die später zusammenwachsen. Stroma ist ein kompaktes Gewebe aus Pilzzellen (Hyphen), das oft kissen-, krusten- oder polsterförmig auf oder in einem Substrat wächst. Die schwarzen, lederartigen Teerflecken auf Ahornblättern sind ebenfalls Stromata.
Foto: Catrin Berseck

Weiter geht es einen Feldweg vorbei an abgemähten Rapsfeldern in Richtung des Waldgebietes am Schaalsee.
Foto: Sylvina Zander

Wir haben den schattigen Wald erreicht – eine Wohltat nach der sengenden Hitze auf dem Feldweg.
Foto: Sylvina Zander

Catrin orientiert sich erst einmal. Ein Mischwald mit vorwiegend Buchen und Kiefern auf sandigem Grund.
Foto: Sylvina Zander

Und dann gab es auch endlich wieder Pilze. Von der Trockenheit gezeichnete Grünblättrige Schwefelköpfe (Hypholoma fasciculare) an einem morschen Stubben.
Foto: Sylvina Zander

Zunderschwamm (Fomes Fomentaris) auf einem liegenden Buchenstamm. Nach dem Fall des Stammes änderte der Fruchtkörper seine Wuchsrichtung, so dass die sporentragende Fruchtschicht wieder zum Boden (Erdmittelpunkt) zeigt (Geotropismus).
Foto: Sylvina Zander

Und sogar ein einzelner Ockergelber Täubling (Russula ochroleuca) war zu finden.
Foto: Sylvina Zander

Wir erreichten dann ein offenes Gelände mit viel Bewuchs am Wegrand. Den angrenzenden Waldabschnitt mit vorwiegend Kiefern und viel Krautbewuchs besuchten wir nicht mehr und traten den Rückweg an.
Foto: Sylvina Zander

Felsen-Kuckuckshummel (Bombus rupestris) in einer Kohl-Kratzdistel (Cirsium oleraceum). Sie gleicht der Steinhummel – unterscheidet sich aber durch auffallend dunkle, rauchig-schwarzbraune und kaum durchscheinende Flügel. Die Behaarung ist deutlich spärlicher und „struppiger“ als bei der Steinhummel.
Foto: Catrin Berseck

Genau wie der namensgebende Kuckuck aus der Vogelwelt baut die Felsen-Kuckuckshummel kein eigenes Nest, sondern überlässt die Arbeit von Nestbau und Aufzucht des Nachwuchses anderen. Sie zieht auch keine eigenen Arbeiterinnen auf, sondern übernimmt gewaltsam bestehende Völker – vor allem die der ähnlich aussehenden Steinhummel. Sie dringt in das Nest ein, nimmt dessen Geruch an oder tötet die Steinhummel-Königin im Kampf. Sie lässt dann die fremden Arbeiterinnen ihre eigenen Eier ausbrüten. Aus diesen schlüpfen ausschließlich neue Geschlechtstiere (Königinnen und Drohnen), aber niemals Arbeiterinnen.
Foto: Catrin Berseck

Wie es immer so ist, werden wir unterwegs oft von Leuten angesprochen. Dieses mal war es die auf Stintenburg lebende Malerin Sabine Stecker, die uns diesen Alten Riesen-Bovist (Langermannis gigantea) in einem privaten Obstgarten zeigte. https://www.stecker-kunst.de/de/
Foto: Sylvina Zander

Auf dem Rückweg kamen wir wieder bei den Soayschafen vorbei. Während Catrin hier mit ihren Grasbüscheln wenig Erfolg beim Anlocken der Schafe hat,…
Foto: Sylvina Zander

Phillip hatte heute zwar keine Zeit, an der Exkursion teilzunehmen – war aber dann doch mit seinem Namensvetter, dem Buchfink (Fringilla coelebs) anwesend.
Foto: Sylvina Zander

Buchfinken suchen ihre Nahrung vorwiegend am Boden, wo sie sich rhythmisch und mit leicht ruckartigen Kopfbewegungen fortbewegen. Sie sind primär Körnerfresser, die sich von Samen, Knospen und Bucheckern (daher der Name) ernähren.
Foto: Sylvina Zander

Und ein Besuch der Klopstockeiche, die an einen Besuch des Dichters Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803) auf der Stintenburg erinnert und ca. 250 Jahre alt ist, musste zum Schluss auch noch sein. Man erreicht sie über einen Trampelpfad am Dammweg zur Stintenburg-Insel.
Foto: Sylvina Zander
Die Artenliste von der Insel Kampenwerder im Schaalsee – MTB: 2431/211 NO Zarrentin am Schaalsee:
Wann startet die nächste Lehrwanderung? Siehe unter Termine!












