*** Pilze/Wetter September 2026 ***

Pilze und Wetter September 2026

Wetter und Pilzwachstum in Mecklenburg

Tagebuch zu Pilze und Wetter September 2026

Krause Glucken (Sparassis crispa) haben jetzt Hochsaison. Sie können auch in trockeneren Gebiet gefunden werden.


01.09.2026 – Dienstag

Ein wunderschöner Gemeiner Riesenschirmling (Macrolepiota procera) auf nährstoffreichem Boden am Rande eines Kiefernforstes.
Foto: Catrin Berseck

Gestern war ich nach Feierabend noch mal kurz unterwegs und habe in der Nähe nach dem Pilzwachstum Ausschau gehalten. Unterwegs am Straßenrand begrüßten mich sehr viele Gemeine Riesenschirmpilze – auch als Parasole oder Schnitzelpilze im Volksmund bekannt. Der wissenschaftliche Name beschreibt den Pilz sehr gut.

Wörtlich aus dem Lateinischen bzw. Griechischen übersetzt bedeutet der wissenschaftliche Artname Macrolepiota: Groß-Schirmling (von griechisch makros = groß und lepiota = Schirmling/Schuppenpilz). Das lateinische Wort procera bedeutet auf Deutsch hochgewachsen, lang, schlank oder groß.

Allerdings sollte man keine Pilze vom Straßenrand zum Verzehr sammeln, da sie stark mit gesundheitsschädlichen Schadstoffen und Schwermetallen belastet sein können.

An bekannter Stelle unter Pappeln habe ich dann noch nach den Rotkappen gesehen und tatsächlich ein Exemplar entdecken können. Und auch ein paar Lungenseitlinge ließen sich an einem für mich ungewöhnlichem Substrat blicken – nämlich an einem Birkenast.

Catrin

Weitere Riesenschirmlinge (Parasole) am Straßenrand durften stehen bleiben. Pilze nehmen Gifte wie Blei (aus Autoabgasen), Cadmium und Quecksilber aus dem Boden und der Luft extrem gut auf. Desweiteren lagern sich Rückstände von Reifenabrieb, Kraftstoffen und Streusalz an und in den Fruchtkörpern ab. Wegen dieser Schadstoffbelastung sind sie dann nicht mehr zum Verzehr geeignet.
Foto: Catrin Berseck

 

Espenrotkappe (Leccinum leucopodium).
Foto: Catrin Berseck

 

Lungenseitlinge (Pleurotus pulmonarius) an Birke. Der Lungen-Seitling ist ein Saprobiont und Schwächeparasit an verschiedenen Laubhölzern. Als Substrat kann er Buche, Esche, Pappel, Birken, Walnuss und Mehlbeeren-Arten besiedeln.
Foto: Catrin Berseck


02.09.2026 – Mittwoch

5 frische Krause Glucken am 01.09.2026 innerhalb einer Stunde.
Foto: Catrin Berseck

Als Titelbild für das Tagebuch September hatte ich vor einigen Tagen ein Foto der Krausen Glucke (Sparassis crispa) ausgewählt. Und das scheinbar zu Recht. Dieses Jahr scheint ein „Gluckenjahr“ zu sein. – die Krausen Glucken haben dieses Jahr scheinbar ein Mastjahr und wachsen in außergewöhnlich großen Mengen.

Die Krause Glucke wächst als Wurzelparasit vor allem an der Basis und den Stümpfen von Kiefern. Wenn auf eine längere sommerliche Trockenphase oder Hitze kräftige Regenfälle folgen, schießen die Fruchtkörper oft massenhaft aus dem Boden. Da der Pilz Wasser und Nährstoffe direkt über das Wurzelsystem der Kiefer bezieht, übersteht er Trockenphasen oft besser als andere Pilze und explodiert förmlich, sobald das Wetter umschlägt.

Ein guter Bekannter – der leider nicht mehr so gut zu Fuß ist und nicht mehr selber in den Wald gehen kann – hat mich gebeten, ihm Krause Glucken zu sammeln. Er hat mir einen Kiefernwald genannt, wo er früher immer auf der Suche unterwegs war. Und was soll ich sagen – innerhalb 1 Stunde habe ich in diesem Waldstück 5 frische und sogar sehr saubere Krause Glucken finden können und danach die Suche abgebrochen.

Der Pilz kann auch von Anfängern leicht erkannt werden. Er wächst fast ausschließlich am Stammgrund von Kiefern und erinnert optisch stark an einen Badeschwamm. Seine Farbe reicht von weißlich-gelb bis ocker-orange. 

Die Krause Glucke ist standorttreu – wenn ihr einmal eine Krause Glucke gefunden habt, lohnt es sich, die Stelle im nächsten Jahr wieder zu besuchen, da das unterirdische Myzel am Baum bestehen bleibt.

Sie gilt wegen ihres nussigen, würzigen Aromas und bissfesten Konsistenz als hervorragender Speisepilz.

Catrin

Die erste der gestern gefundenen Krausen Glucken (Sparassis crispa).
Foto: Catrin Berseck

 

Krause Glucken haben runde und krause Fruchtkörper mit welligen Lappen. Sie können einen Durchmesser von 10 bis 40 cm erreichen.
Foto: Catrin Berseck

 

Krause Glucke in Schinkenspeck mit Zwiebeln angebraten und mit Sahne verfeinert. Dazu Bandnudeln und mit Parmesan überstreut.
Foto: Catrin Berseck


03.09.2026 – Donnerstag

Diesen ca. 2 Meter hohen Schwefelporling hat Phillip gefunden.
Foto: Phillip Buchfink

Heute mal etwas ausführlicher zu den Schwefelporlingen (Laetiporus sulphureus) – ein beliebter und leicht zu erkennnender Speisepilz. Sie wachsen bereits im Mai/Juni und haben im September einen 2. Wachstumsschub und können jetzt teilweise massenhaft gefunden werden.

Der Schwefelporling fällt im Wald und in Gärten durch seine leuchtend gelbe bis orange Farbe sofort ins Auge. Der baumbewohnende Pilz wird im englischsprachigen Raum wegen seines Geschmacks und seiner Textur als „Chicken of the Woods“ (Hühnchen des Waldes) bezeichnet. Junge, saftige Exemplare sind essbar und ein beliebter Fleischersatz, da die Konsistenz nach dem Garen verblüffend stark an Hähnchenbrust erinnert.

Die vielhütigen, häufig sehr großen und auffälligen Konsolen haben leuchtend schwefelgelbe bis orange Farben und wachsen häufig in größeren Höhen an Baumstämmen. Die Hüte sind flach und meist fächerartig ausgebreitet. Die Oberfläche ist samtig behaart, der Rand ist heruntergebogen und häufig gezont. Die lebhaft schwefelgelb gefärbte Unterseite ist porig und wellig, die Poren sind unregelmäßig rund oder etwas länglich ausgezogen.

Das Sammeln von Schwefelporlingen an giftigen Wirtsbäumen (wie Eibe, Robinie oder Goldregen) wird in der Pilzkunde seit Langem heiß diskutiert. Entgegen dem alten Volksglauben, dass Pilze wie ein Schwamm alle Giftstoffe des Baumes aufsaugen, zeigen neuere Untersuchungen, dass der Pilz sehr selektiv filtert. Studien (u.a. der Universität Wien) konnten keine nennenswerten Mengen an Baumtoxinen wie Taxin (aus der Eibe) oder Cytisin (vom Goldregen) im Fruchtkörper des Schwefelporlings nachweisen. Der Pilz synthetisiert vielmehr seine eigenen Stoffe.

Trotz der Entwarnung durch Laboranalysen gibt es handfeste Gründe, warum Funde an giftigen Hölzern im Wald bleiben sollten. Der Schwefelporling wächst sehr dynamisch und umschließt beim Größerwerden oft Rindenstücke, Zweige oder Blätter. Bei einer Eibe reichen bereits kleinste Mengen verschluckter Nadeln oder Rindenteile für eine lebensgefährliche Vergiftung aus. Diese mechanisch eingewachsenen Fremdkörper lassen sich beim Putzen kaum vollständig entfernen.

Christian hat von unserer Pilzfreundin Helena Schwefelporlinge geschenkt bekommen und sie mit seinem Sohn Theo als „Chicken-Nuggets“ zubereitet. Fazit der Beiden: Sehr lecker!

Catrin

Manchmal wachsen Schwefelporlinge auch auf toten Baumstubben und bilden solche rosettenartige Form. Gefunden am 02.09.2026 von Isa in der Cirvitzer Region.
Foto: Isa Krietsch

 

Theo beim Panieren der abgekochten Schwefelporlinge.
Foto: Christian Boss

 

Chicken-Nuggets aus Schwefelporlingen.
Foto: Christian Boss

 

Und so sieht das „Hühnchen des Waldes“ fertig zubereitet bei Christian und Theo aus.
Foto: Christian Boss


04.09.2026 – Freitag

Butterpilz (Suillus luteus) – einer der Schmierröhrlinge unter Kiefern. Am weißlich-gelben Stiel befindet sich ein markanter braunviolettierter Stielring (eine Manschette).
Foto: Catrin Berseck

Heute war ich nach Feierabend mal wieder in einer kalkhaltigen ehemaligen Kiesgrube unterwegs. Die ist hauptsächlich mit jungen Kiefern und Fichten bewachsen und zu gegebener Zeit ein recht interessantes Pilzgebiet. Aufgrund der Trockenheit war dort bisher kaum irgendein ein Pilzwachszum zu verzeichnen.

Heute sah es dagegen ganz anders aus. Vor allem Pilze aus der Gattung der Schmierröhrlinge und Schmierlinge waren dort teilweise massenhaft zu finden.

Schmierröhrlinge und Schmierlinge klingen zwar fast identisch und teilen das auffällige Merkmal einer schleimig-klebrigen Hutoberfläche, gehören jedoch zu völlig verschiedenen Pilzgattungen.

Schmierröhrlinge (Suillus) haben Röhren, das Sporenpulver ist oliv- bis gelbbräunlich. Dazu gehören solche bekannten Pilze wie z.B. Butterpilz, Körnchenröhrling oder Goldröhrling.

Schmierlinge (Gomphidius) haben dicke, wachsartige und weit auseinanderstehende Lamellen. Das Sporenpulver ist dunkelbraun bis schwarz. Die Stielbasis ist oft auffallend gelb – deswegen werden diese Pilze auch „Gelbfüße“ genannt. Zu dieser Gattung gehören z.B. das Kuhmaul oder der Kupferrote Gelbfuß.

Auch Isa war in der Crivitzer Region unterwegs hat hat einige Pilze dieser Gattungen gefunden, die wir euch hier noch einmal mit Fotos zeigen möchten.

Catrin

Statt Lamellen besitzt der Butterpilz gelbliche Röhren. Bei jungen Pilzen sind diese durch einen hellen Schleier vollständig verdeckt.
Foto: Isa Krietsch

 

Ebenfalls unter Kiefern sind Körnchenröhrlinge (Suillus granulatus) zu finden. Der Stiel ist gelblichweiß und hat keinen Ring.
Foto: Isa Krietsch

 

Im oberen Bereich scheidet der Körnchenröhrling oft Guttationströpfchen aus. Nach dem Antrocknen hinterlassen diese die namensgebenden, bräunlichen Körnchen (Drüsenpunkte) auf der Stieloberfläche.
Foto: Isa Krietsch

 

Und hier sehen wir einen Vertreter der Schmierlinge bzw. Gelbfüße. Das Kuhmaul (Gomphidius glutinosus).
Foto: Catrin Berseck

 

Die Lamellen des Kuhmauls sind jung weißlich und von einer Schleimhülle geschützt, später graubraun bis fast schwarzviolett. Sie stehen relativ weit auseinander und laufen deutlich am Stiel herab.
Foto: Catrin Berseck

 

Obwohl das Kuhmaul Lamellen besitzt, gehört er zur Ordnung der Dickröhrlingsartigen (Boletales) und ist somit näher mit dem Steinpilz verwandt als mit echten Blätterpilzen.
Foto: Isa Krietsch

 

Auch der Kupferrote Gelbfuß (Chroogomphus rutilus), der ausschließlich unter Kiefern vorkommt, gehört zu den Schmierlingen.
Foto: Catrin Berseck

 

Und auf diesem Foto ist auch gut zu erkennen, warum er zu den Schmierlingen gehört. Bei feuchtem Wetter ist die Oberfläche des Hutes schmierig.
Foto: Isa Krietsch

 

Der Hut des Kupferroten Gelbfußes hat oft einen kleinen Buckel in der Mitte.
Foto: Isa Krietsch

 

Die Lamellen stehen recht weit auseinander und laufen deutlich am Stiel herab. Jung sind sie graubraun bis gelborange, im Alter verfärben sie sich durch das reife Sporenpulver fast violettschwarz.
Foto: Isa Krietsch


05.09.2026 – Sonnabend

Maisbeulenbrand (Ustilago maydis) ist eine weit verbreitete Pilzerkrankung, die ausschließlich Maispflanzen befällt.
Foto: Catrin Berseck

Heute noch ein paar seltenere und unbekanntere Funde von mir von gestern.

Am Rande eines Maisfeldes fand ich den Maisbeulenbrand (Ustilago maydis). Das ist eine Pilzerkrankung, die ausschließlich Maispflanzen befällt.

Was in der Landwirtschaft als Ertragsminderer gilt, hat sich zu einem echten Trend entwickelt: In Mexiko ist der Pilz unter dem Namen Huitlacoche (oder Cuitlacoche) bekannt und gilt als teure, trüffelähnliche Delikatesse. Er soll ein mildes, erdiges Aroma haben, das an Trüffel, Pilze und süßlichen Mais erinnert. Traditionell wird er in Mexiko in der Pfanne mit Zwiebeln, Knoblauch und Chili angebraten und als Füllung für Quesadillas oder Tacos verwendet.

Er soll erdig, rauchig, leicht süßlich schmecken und an eine Mischung aus Pilzen und süßem Mais erinnern… Ich habe ihn letztes Jahr probiert und er ist definitiv nicht auf der Liste meiner Speisepilze gelandet. Aber das muss jeder selber für sich entscheiden.

In meinem Lieblingspark fand ich gestern dann auch noch Erdzungen. Das sind faszinierende kleine keulen- oder zungenförmige Schlauchpilze, die vorwiegend dunkle Fruchtkörper ausbilden. Sie wachsen hauptsächlich auf mageren und  ungedüngten Wiesen.  Makroskopisch sehen sich die schwarzen Arten der Erdzungen extrem ähnlich. Für eine sichere Artbestimmung ist immer eine mikroskopische Untersuchung erforderlich.

Catrin

An Kolben, Stängeln, Blättern oder Blüten bilden sich silbergraue, pralle Wucherungen.
Foto: Catrin Berseck

 

Erdzungen (Geoglossum sp.) auf einem Magerrasen.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Fruchtkörper der Erdzungen erinnern optisch an winzige Keulen, Spateln oder Zungen, die direkt aus dem Boden wachsen. Ihre Konsistenz ist oft zäh oder lederig-holzig.
Foto: Catrin Berseck


06.09.2026 – Sonntag

Maronenröhrlinge (Imleria badia) gab es heute in den sauren Fichten- und Kiefernbereichen zuhauf.
Foto: Christian Boss

Gestern fand eine öffentliche Lehrwanderung in der Vierburgwaldung bei Bützow statt. Und da es dort einen Pilzlehrpfad gibt, suchte ich den passenderweise für diese Lehrwanderung aus.

Der Mischwald wächst auf teils sandigen Böden. Wir haben hier ein sehr interessantes und vielfältiges Gebiet: Blaubeer–Nadelwald, aber auch immer wieder von Buchen, Eichen und Birken durchsetzt.

Ich bin bereits letztes Wochenende den Pilzlehrpfad abgelaufen. In den dortigen Buchenbereichen ist derzeit genauso wenig zu finden, wie in den umliegenden kalkhaltigen Buchenwäldern. Aber in den Nadelwaldbereichen war bereits letztes Wochenende ein aufkeimenden Pilzwachstum mit einigen Arten zu sehen. Deswegen habe ich kurzfristig diese Wanderung angesetzt.

Und die Teilnehmer wurden nicht enttäuscht. Neben dem Kennenlernen einiger neuer Pilzarten konnten alle auch mit gut gefüllten Körben nach Hause fahren. An Speisepilzen gab es sehr viele Maronenröhrlinge, einige Pfifferlinge, Fuchsige Scheidenstreiflinge, Täublinge und sogar vier Krause Glucken.

Auch die anderen Pilzarten starten nach den Regenfällen der letzten Tage jetzt massiv durch.

Einen ausführlichen Bericht mit vielen Fotos findet ihr hier.

Catrin

Eine der vier Krausen Glucken (Sparassis crispa) von gestern.
Foto: Christian Boss

 

Für mich waren diese Pilze gestern viel interessanter. Halbkugelige Borstenbecherlinge (Humaria hemisphaerica) und im Hintergrund Veilchenblaue Spindelspor-Becherlinge (Ionopezia gerardii) – bestimmt von Torsten Richter. Näheres zu den Pilzen findet ihr hier.
Foto: Catrin Berseck


07.09.2026 – Montag

Maronenröhrling (Imlaria badia).
Foto: Helena Stiebler

Wer es noch nicht mitbekommen hat – der Pilzherbst hat jetzt begonnen. Nach der langen Trockenheit zeigen die Niederschläge der letzten Tage endlich ihre Wirkung.

Aus ganz Mecklenburg-Vorpommern kommen jetzt die Fundmeldungen – vorwiegend aus den Nadelwäldern. Die Speisepilzsammler unter euch können jetzt endlich los ziehen.

Liebhaber der Krausen Glucken und Maronenröhrlinge kommen jetzt auf voll auf ihre Kosten. Auch Pfifferlinge, die ja bereits seit Monaten fast die einzigen zu findenden Speisepilze waren, wachsen jetzt wieder vermehrt. Und auch die Schmierröhrlinge, wie Körnchenröhrling, Butterpilz, Lärchenröhrling & Co. sind jetzt teilweise bereits in größeren Mengen zu finden – ebenso die Schmierlinge, wie Kupferroter Geldfuß und Kuhmaul.

Vereinzelt tauchen jetzt auch schon Steinpilze auf – die brauchen aber stellenweise sicherlich noch ein paar Tage, um ihren richtigen Wachstumsschub zu bekommen. Auch an der Täublingsfront tut sich jetzt langsam etwas.

Hier ein paar Funde aus den Nadelwäldern verschiedener Regionen Nordwestmecklenburgs.

Catrin

Helenas Maronen-Ausbeute aus einem Fichtenwald aus der weiteren Umgebung von Wismar.
Foto: Helena Stiebler

 

Maronenröhrlinge von Isa in einem Kiefernwald gefunden.
Foto: Isa Krietsch

 

Vereinzelt sind jetzt auch schon Steinpilze (Boletus edulis) zu finden.
Foto: Isa Krietsch

 

In den Kiefernwäldern wachsen jetzt auch bereits schon ein paar Edelreizker (Lactarius deliciosus).
Foto: Isa Krietsch

 

Leicht zu erkennen – der rotmilchende Edelreizker (Lactarius deliciosus).
Foto: Isa Krietsch

 

Isa´s Pilzkorb aus den Kiefernwäldern der Crivitzer Region.
Foto: Isa Krietsch


08.09.2026 – Dienstag

Ein Prachtexemplar eines Gemeinen Steinpilzes (Boletus edulis) aus der Nähe von Stralsund.
Foto: Ivy Brümmer

Auch unser Vereinsmitglied Ivy war gestern im Stralsunder Raum sehr erfolgreich auf Pilzsuche. In Vorpommern geht es sogar in den Laubwäldern bereits artenreicher zu, als bei uns in Nordwestmecklenburg.

Steinpilze sind bereits in nenneswerten Mengen in den dortigen Laubwäldern zu finden. Aber auch die beliebten Flockenstieligen Hexenröhrlinge zeigen sich dort schon so langsam.

Wie man auf den nachfolgenden Fotos sieht – Flockenstielige Hexenröhrlinge und Steinpilze können an exakt derselben Stelle wachsen. Dass sie sich denselben Standort teilen, hat biologische Gründe.

Sowohl der Steinpilz als auch der Flockenstielige Hexenröhrling sind Mykorrhizapilze (Symbiosepilze). Sie gehen am liebsten Partnerschaften mit Fichten und Rotbuchen ein. Wenn du also in einem Fichten- oder Buchenwald unterwegs bist, teilen sich die beiden Pilze oft denselben Baum als Lebenspartner.

Obwohl der Flockenstielige Hexenröhrling oft etwas früher im Jahr startet (teilweise schon ab Mai), überschneidet sich ihre Hauptsaison im Spätsommer und Herbst perfekt.

Nachfolgend ein paar schöne Fotos von Ivy’s Funden.

Catrin

 

Stillleben mit jungen Steinpilzen (Boletus edulis).
Foto: Ivy Brümmer

 

Steinpilze und ein Flockenstieliger Hexenröhrling.
Foto: Ivy Brümmer

 

Steinpilze und Flockenstieliger Hexenröhrling in trauter Verbundenheit.
Foto: Ivy Brümmer

 

Kaum im Laub zu sehen – zwei kleine Flockenstielige Hexen-Röhrlinge (Neoboletus erythropus) in einem Laubmischwald.
Foto: Ivy Brümmer

 

Diese kleinen Steinpilze durften vor Ort bleiben und können weiter wachsen.
Foto: Ivy Brümmer

 

Wunderschöne Steinpilze (Boletus edulis) und Flockenstielige Hexen-Röhrlinge (Neoboletus erythropus) für die Pfanne.
Foto: Ivy Brümmer


09.09.2026 – Mittwoch

Diesen Korb voller Espen- und Birken-Rotkappen sowie Birkenpilze hatte ich gestern Abend noch in der Bützower Region gesammelt und nach der Erklärung der einzelnen Arten an die Teilnehmer der heutigen Exkursion verteilt.
Foto: Sylvina Zander

Heute fand wieder eine Kartierungsexkursion statt – es war der 4. und letzte Quadrant des Messtischblattes Zarrentin am Schaalsee an der Reihe. 4 Vereinsmitglieder und 4 pilzinteressierte Gäste trafen sich um 16 Uhr in Wittendörp-Waschow am vereinbarten Treffpunkt.

Ich hatte in den letzten Tagen sehr viele Pilze gefunden und diese dann auch mitgenommen. Also begannen wir erst einmal am Treffpunkt mit einer Vorstellung und Erklärung der wichtigen Merkmale mitgebrachten Pilze. Die Teilnehmer konnten anfassen, riechen und von den Täublingen auch eine Geschmacksprobe machen. Die von mir noch reichlich gestern Abend und heute Vormittag gesammelten Speisepilze – wie Parasole, Körnchenröhrlinge, Butterpilze, Kupferrote Gelbfüße sowie reichlich Rotkappen und Birkenpilze –  gab ich dann den heutigen Teilnehmern als „Motivationsschub“ schon mal vorab mit.

Anschließend ging es den Wald. Ausgesucht hatte ich die Lemmbrache nördlich der A24. Ein Mischwald auf sandigem Boden mit vielen reinen moosigen Kiefern- und Fichtenbereichen. Wie derzeit in vielen Nadelwäldern, war die Artenvielfalt hier auch schon sehr gut – wir konnten am Ende ca. 40 Pilzarten vor Ort bestimmen und in unsere Kartierungsliste aufnehmen.

Ein sehr schönes Waldgebiet, dass auch für Speisepilzsammler sehr interessant ist. Einige Speisepilze landeten auch während der Exkursion in den Körben der Teilnehmer – wie Krause Glucken, Perlpilze und Maronenröhrlinge. Also in jeder Beziehung eine sehr schöne und erfolgreiche Wanderung.

Einen ausführlichen Bericht findet ihr demnächst hier.

Catrin

Blick in die Lemmbrache mit teils moosigen Kiefernbeständen.
Foto: Sylvina Zander

 

Eine wunderschöne herzförmige Vielgestaltige Holzkeule (Xylaria polymorpha).
Foto: Sylvina Zander


10.09.2026 – Donnerstag

Der Gemeine Birkenpilz (Leccinum scabrum) hat einen schlanken Stiel. Der weißgraue Grund ist mit dunkelbraunen bis schwarzen Schuppen bestzt.
Foto: Catrin Berseck

Wie ich gestern bereits geschrieben habe, war ich am Dienstagabend noch in der Bützower Region unterwegs. Dieses mal in einem kleinen Waldstück, das hauptsächlich aus Birken, Pappeln und Kiefern besteht sowie unter einer Pappelallee an einem Graben.

Dort fand ich Birkenpilze und Rotkappen – Vertreter der Raufußröhrlinge. Raufußröhrlinge werden auch Raustielröhrlinge genannt. Das namengebende Merkmal ist der Stiel, der über die gesamte Länge mit charakteristischen rauen Schuppen (weiß, grau, braun oder schwarz) besetzt ist. 

Da ich sowohl den Gemeinen Birkenpilz und die Birkenrotkappe zusammen gefunden habe – hier einmal die wichtigsten Unterschiede im Überblick.

Hutfarbe:

  • Gemeiner Birkenpilz: Hell- bis dunkelbraun oder graubraun.
  • Birkenrotkappe: Auffällig orange-rot bis braun-rot.

Fleisch und Verfärbung:

  • Gemeiner Birkenpilz: Weißes Fleisch, das sich bei Verletzung oder im Schnitt kaum bis gar nicht verfärbt.
  • Birkenrotkappe: Weißes Fleisch, das sich bei Schnitt oder Druck violett-gräulich bis violett-schwarz (und an der Stielbasis teils schwärzlich) verfärbt.

Stiel und Beschuppung:

  • Gemeiner Birkenpilz: Schlankerer Stiel mit schwarz-grauen Flocken/Schuppen.
  • Birkenrotkappe: Sehr dicker, stämmiger und fester Stiel mit eher schwärzlichen Flocken; oft massiver im gesamten Wuchs.

Huthaut am Rand:

  • Gemeiner Birkenpilz: Die Huthaut schließt meist bündig mit dem Rand ab. 
  • Birkenrotkappe: Die Huthaut ragt oft leicht über den Hutrand hinaus.

Konsistenz und Madenbefall:

  • Gemeiner Birkenpilz: Das Fleisch wird im Alter recht weich und schwammig.
  • Birkenrotkappe: Bleibt deutlich fester im Fleisch und ist seltener madig.

Außerdem noch einige Fotos von den Espenrotkappen.

Catrin

Junge Birken-Rotkappe (Leccinum versipelle), dessen Stiel typischerweise mit deutlichen schwarzen Schüppchen übersät ist.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Espenrotkappe (Leccinum leucopodium) hat im jungen Stadium einen mit weißen Schüppchen besetzten Stiel und wird deswegen auch Weißstielige Rotkappe genannt. Im Alter verfärben sich die Schüppchen orangebraun. Hier sieht man auch sehr schön, wie die Huthaut bei den Rotkappen über den Hutrand hinaus ragt.
Foto: Catrin Berseck

 

Espenrotkappen (Leccinum leucopodium) in Reih‘ und Glied.
Foto: Catrin Berseck

 

Hier die Espenrotkappe und Birkenrotkappe von Sylvina wunderschön im Aquarell festgehalten.
Foto: Sylvina Zander


11.09.2026 – Freitag

Der Hasenröhrling (Gyroporus castaneus) hat einen eher kleinen bis mittelgroßen Hut (meist 3–8 cm). Die Hutfarbe ist kastanienbraun, zimtbraun bis rotbraun und die Hutoberfläche feinsamtig und filzig.
Foto: Isa Krietzsch

Heute mal ein paar seltene Röhrlinge aus der Gattung der Blasssporröhrlinge (Gyroporus). Im Gegensatz zu klassischen Röhrlingen besitzen sie ein auffallend helles, weißliches bis gelbliches Sporenpulver – deshalb der Gattungsname Blasssporröhrling. In Deutschland gibt es eigentlich nur 2 Vertreter in dieser Gattung.

Das ist einmal der Kornblumenröhrling, den ich heute in einem Park unter Eichen gefunden habe. Leider hatte ein Pilzsammler die beiden Exemplare schon abgeschnitten, so dass sie nicht mehr ganz frisch waren. Er wächst strikt auf sauren, nährstoffarmen Silikat- und Sandböden. Auf kalkhaltigen Böden sucht man ihn vergeblich.

Isa hatte bereits am 05.09.2026 den zweiten Vertreter in einem Mischwald gefunden – den Hasenröhrling (Gyroporus castaneus). Er liebt sandige, lockere und frische Böden. Bei den Nährstoffen ist er flexibel und wächst sowohl auf sauren als auch auf kalkhaltigen (basischen) Böden.

Beide Pilze sind in der Roten Liste G – das bedeutet „Gefährung unbekannten Ausmaßes“. Diese Einstufung dient als Signal, dass eine Gefährdung vermutet wird, aber weitere wissenschaftliche Untersuchungen oder Kartierungen notwendig sind, um das genaue Ausmaß zu bestimmen.

Nachfolgend ein paar Fotos mit Beschreibungen zu den beiden Arten der Blasssporröhrlinge.

Catrin

 

Der Kornblumenröhrling (Gyroporus cyanescens) ist wesentlich kräftiger und größer, sein Hut kann bis zu 15 cm groß werden. Die Hutfarbe ist eeißlich, strohgelb, ockerfarben bis blass creme und die Hutoberfläche deutlich grobfilzig, fast haarig-schuppig.
Foto: Catrin Berseck

 

Beide Pilze haben eine harte Rinde und sind innen kammerartig hohl. Allerdings bleibt das weiße Fleisch des Hasenröhrlings bei Verletzung völlig unverändert.
Foto: Isa Krietzsch

 

Fleisch und Röhren laufen beim Kornblumenröhrling bei Verletzung sofort intensiv kornblumenblau an.
Foto: Catrin Berseck


12.09.2026 – Sonnabend

Dicht an dicht – junge Gemeine Steinpilze (Boletus edulis) in der Crivitzer Region.
Foto: Alexander Niemann

Der Pilzherbst hat in ganz Mecklenburg-Vorpommern endlich komplett Einzug gehalten! Sowohl in den Nadel- und Laubwäldern lassen sich endlich die Steinpilze sowie viele andere Pilzarten blicken.

Ich war heute ganz kurz in meinem Hauswald – einem kalkhaltigen Buchenwald – unterwegs und konnte meinen Augen kaum trauen. Massenweise Steinpilze (Boletus edulis) in teils noch sehr jungem Stadium. Täublinge und andere Arten – derzeit noch Fehlanzeige.

Dafür aber unter Birken- und Pappeln Birkenpilze und Rotkappen ohne Ende. Und in den Nadelwäldern „explodieren“ gerade Butterpilze, Körnchenröhrlinge, Sandröhrlinge, Reizker & Co.. An den Straßenrändern oder auf Wiesen sehen wir jetzt überall Schopftintlinge, Parasole und Champignons.

Und dieses Pilzwachstum ist nicht nur bei mir im Landkreis Güstrow – auch aus anderen Regionen unseres Bundeslandes werden derzeit massenweise Funde gemeldet. Nachfolgend nur eine kleine Auswahl der Artenvielfalt.

Nach der langen Trockenheit sind endlich alle Pilzarten am Start. Also liebe Pilzfreunde – sowohl mykologisch Interessierte als auch nur Speisepilzsammler – auf in die Wiesen und Wälder!

Catrin

Einer von vielen Gemeinen Steinpilzen (Boletus edulis) heute im Buchenwald im Landkreis Rostock.
Foto: Catrin Berseck

 

Auch die Flockenstieligen Hexenröhrlinge (Neoboletus erythropus) lassen sich endlich wieder blicken.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Krausen Glucken (Sparassis crispa) sind weiterhin überall am Start. Wer sie finden möchte – Slalom unter älteren Kiefern ist angesagt! Foto standortversetzt.
Foto: Dirk Fuhrmann

 

Wenn nicht jetzt – wann dann unter Pappeln suchen und finden… Espenrotkappen (Leccinum leucopodium).
Foto: Dirk Fuhrmann

 

Parasolpilze (Macrolepiota procera) in der Schweriner Gegend.
Foto: Dirk Fuhrmann


13.09.2026 – Sonntag

Ulrike und Marina mit ihren heutigen Funden bei der abschließenden Korbkontrolle. Und so reichlich gefüllt waren auch die Körbe der anderen Teilnehmer nach der heutigen Wanderung.
Foto: Isa Krietsch

Heute hatten wir eine Öffentliche Pilzlehrwanderung. 9 Pilzfreunde trafen sich um 13 Uhr im Mildenitz-Durchbruchstal.

Wie immer gab es zu Beginn der Wanderung eine praktische Erklärung und Beschreibung mitgebrachter Pilze von mir. Damit waren die Teilnehmer dann bereits ganz gut für die bevorstehende Wanderung gerüstet, da sie auf dem gesamten Weg einige der mitgebrachten und vorgestellten Pilze wieder erkennen konnten.

Auf unserem ca. 5 km langen Rundweg durchwanderten wir zuerst einen kalkhaltigen Buchenwaldbereich mit einigen eingestreuten Kiefern und Fichten – der Rückweg führte uns durch saure Nadelwälder.

Und in den beiden unterschiedlichen Habitaten war das Pilzwachstum in vollem Gang! Steinpilze waren heute überall zu finden, aber auch Pfifferlinge, Maronen, Perlpilze, Schmierröhrlinge und sogar die Edelreizker.

Natürlich widmeten wir unsere Aufmerksamkeit nicht nur den Speisepilzen – es wurden unterwegs alle vor Ort bestimmbaren Pilze erklärt. Ein beonderes Augenmerk wurde dabei auch auf die zu findenden Giftpilze – wie Grüner Knollenblätterpilz und Pantherpilz – gelegt. Die Giftpilze sollte jeder Speisepilzsammler kennen, um Verwechslungen mit essbaren Pilzen ausschließen zu können.

Trotz eines Regenschauers zwischendurch war es eine sehr schöne Wanderung in einer tollen Natur mit einer atembraubenden Artenvielfalt. Und die Körbe der Teilnehmer waren am Ende prall gefüllt.

Einen ausführlichen Bericht findet ihr hier.

Catrin

Blick auf den Wanderweg im Mildenitz-Durchbruchstal.
Foto: Catrin Berseck

 

Steinpilze (Boletus edulis) waren heute tatsächlich überall zu finden.
Foto: Isa Krietsch

 

Auch die Flockenstieligen Hexen-Röhrlinge (Neoboletus erythropus) sind bereits am Start.
Foto: Isa Krietsch

 

Immer wieder beeindruckend und schön anzusehen – Ästige Stachelbärte (Hericium coralloides). Da er in freier Natur sehr selten ist, steht er in Deutschland und der Schweiz auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Natürlich blieben diese schönen Pilze stehen und wurden nur fotografiert.
Foto: Isa Krietsch


14.09.2026 – Montag

Schwarzer Duftstacheling (Phellodon niger) am 13.09.2026 am Standort fotografiert. Die Färbung reicht von dunkelgrau über blauschwarz bis tiefschwarz, wobei der Rand junger Exemplare oft auffällig heller (blau-weißlich) abgesetzt ist. Die Oberfläche ist filzig und oft konzentrisch gezont.
Foto: Catrin Berseck

Am Sonnabend war ich ja zuerst bei mir in der Region Bützow unterwegs. Anschließend bin ich gegen Mittag noch mal ein paar Kilometer weiter gefahren. Es war im Gegensatz zu meinen Wäldern erschreckend pilzleer dort – kein einziger Röhrling oder Täubling ließ sich dort blicken.

Trotzdem habe ich einen tollen Fund machen können – den Schwarzen Duftstacheling (Phellodon niger). Da seine Bestände stark rückläufig sind, steht er in Deutschland und anderen mitteleuropäischen Ländern auf der Roten Liste der gefährdeten Arten (Kategorie 3). Es gibt in ganz Mecklenburg-Vorpommern nur fünf  in der Datenbank erfasste Standorte dieses seltenen Pilzes.

Am frühen Nachmittag habe ich mich dann noch mit Torsten Richter am Roten See bei Brüel getroffen, um ihm ein paar Ascomyceten zum fotografieren und bestimmen sowie ein paar Baumpilze für die Pilzausstellung in Rehna zu übergeben. Torsten und sein Frau haben dort eine Wanderung gemacht und neben einigen Ascomyceten zur Bestimmung auch ein paar wenige Speisepilze einsammeln können.

Besonders habe ich mich über den von Torsten gefundenen wunderschönen Kompostegerling (Agaricus vaporarius) gefreut. Ein sehr seltener essbarer Pilz aus der Gattung der Champignons (Egerlinge), der häufig auf nährstoffreichen Böden, Kompost oder in Gärten wächst. 

Da ich bereits seit dem Vormittag unterwegs war, habe ich mich nur kurz bei den in der Nähe des Parkplatzes stehenden Kiefern umgesehen und mir sprangen tatsächlich sofort zwei Krause Glucken in´s Auge. Danach war es dann auch Zeit, den Heimweg anzutreten.

Nachfolgend ein paar Fotos von meinen und Torstens Funden vom Sonnabend.

Catrin

Wie der Name schon sagt, besitzt der Schwarze Duftstacheling auf der Unterseite weißgraue Stacheln, die nur wenige Millimeter lang sind und leicht am Stiel herablaufen. Getrocknet entwickelt der Pilz einen intensiven Duft nach Maggi oder Bockshornklee – deswegen „Duftstacheling“.
Foto: Catrin Berseck

 

Kompostegerling (Agaricus vaporarius) von Torsten Richter gefunden. Wegen seines kompakten Wachstums und seiner Größe, wird er auch Brauner Riesenchampignon genannt.
Foto: Catrin Berseck

 

Ein Merkmal des Kompostegerlings ist der braune, breitschuppige und an der Huthaut aufreißende Hut.
Foto: Catrin Berseck

 

Torsten hat bei seiner Suche  nach Kleinstpilzen diesen Becherförmigen Muscheling (Hohenbuehelia cyphelliformis) an feucht liegenden vorjährigen Stängeln des Japanischen Staudenknöterichs gefunden. Das ist ein seltener, kleiner Pilz aus der Familie der Seitlingsverwandten
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Dunkelblättriger Nabelrötling bzw. Gezonter Rötling (Entoloma undatum). Ein Merkmal der Nabelrötlinge ist die typisch eingedellte (genabelte) Mitte und der oft wellige, leicht geriefte Rand. Wie fast alle Vertreter dieser Gattung ist er kein Speisepilz und kann nur sicher mikroskopisch von anderen Arten unterschieden werden.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Ein Bilderbuchexemplar eines Perlpilzes (Amanita rubescens).
Foto: Torsten Richer

 

Eine der beiden von mir noch gefundenen Krausen Glucken (Sparassis crispa) am Roten See.
Foto: Catrin Berseck

 

Blick auf den Roten See bei Brüel.
Foto: Torsten Richter


15.09.2026 – Dienstag

An diesem jungen Gemeinen Steinpilz (Boletus edulis) sieht man, warum Steinpilze zur Familie der Dickröhrlingsverwandten gehören. Aus der Crivitzer Gegend.
Foto: Alexander Niemann

In fast allen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns sind derzeit neben Krausen Glucken auch massenweise Steinpilze zu finden.

Die Sommersteinpilze (Boletus reticulatus) hatten letztes Jahr ihren Wachstumsschub Anfang August – siehe auch unter Pilze und Wetter August 2025. Aufgrund der Trockenheit haben sie dieses Jahr erst jetzt – 6 Wochen später als 2025 – ihren großen Auftritt. Die auch als Eichensteinpilz bekannten Pilze sind derzeit teilweise in Gruppen von über 50 Stück unter alten Eichen in Alleen und Parkanlagen zu finden. Man findet ihn aber auch in Laubwäldern unter Eichen und Buchen.

Gleichzeitig haben die Gemeinen Steinpilze (Boletus edulis) in den Laubmischwäldern einen Wachstumsschub.

Für viele der normalen Speisepilzsammler ist es sicherlich egal, welchen der beiden Pilze sie in ihrem Korb haben. Für die etwas mehr Interessierten möchte ich hier noch mal die wesentlichen Unterschiede im Detail darstellen.

Hutoberfläche:

  • Gemeiner Steinpilz: Glatt, bei feuchtem Wetter schmierig oder speckig glänzend.
  • Sommersteinpilz: Trocken, matt, feinfilzig bis fast samtig.

Fleisch unter der Huthaut:

  • Gemeiner Steinpilz: Hat oft eine schmale, rötlich-braune bis dunkle Linie direkt unter der Huthaut.
  • Sommersteinpilz: Bleibt direkt unter der Huthaut rein weiß (keine rötliche Zone).

Stielnetz:

  • Beide haben ein helle Netzzeichnung, beim Sommersteinpilz zieht sich das feine Netz oft besonders deutlich und fast über den gesamten Stiel, während es beim Gemeinen Steinpilz vor allem im oberen Drittel betont ist

Lebensraum (Habitat):

  • Gemeiner Steinpilz: Vorwiegend im Nadel- und Mischwald (besonders bei Fichten).
  • Sommersteinpilz: Ausschließlich in Laub- und Laubmischwäldern (besonders bei Eichen, Buchen und Linden)

Nachfolgend einige Funde und Fotos aus verschiedenen Regionen unseres Bundeslandes.

Catrin

Gemeine Steinpilze (Boletus edulis) mit einem sehr ausgeprägten weißen Stielnetz aus der Region Crivitz.
Foto: Alexander Niemann

 

Sommersteinpilze (Boletus reticulatus) mit dunklen Hüten und einem sehr feinen weißen Stielnetz auf den braunen Stielen aus der Sternberger Seenlandschaft.
Foto: Catrin Berseck

 

Der Sommersteinpilz (Boletus reticulatus) kann aber auch mal so hellhütig daher kommen. Aus der Nossentiner/Schwinzer Heide.
Foto: Catrin Berseck

 

Sommersteinpilze dicht an dicht unter Eichen gewachsen.
Foto: Catrin Berseck

 

Bei solchen Massen an Sommersteinpilzen ist so ein Korb in 15 Minuten gut gefüllt…
Foto: Catrin Berseck

 

Auch in der Warener Region lohnt es sich derzeit, auf Steinpilzsuche zu gehen. Hier Gemeine Steinpilze (Boletus edulis).
Foto: Corina Peronne


16.09.2026 – Mittwoch

Echter Pfifferling (Cantharellus cibarius) bei Groß Raden.
Foto: Maria Schramm

Steinpilze gibt es gerade fast überall in Mecklenburg-Vorpommern massenweise. Die kennt auch fast jeder Pilzsammler.

Deswegen möchte ich euch die nächsten Tage nicht nur Fotos von Steinpilzen & Co. zeigen, sondern auch mal ein paar seltenere Röhrlingsarten vorstellen.

Unsere Pilzfreundin Helena hat sich wahnsinnig über einen Erstfund gefreut – den Parasitischen Röhrling. Das sicherste Erkennungsmerkmal ist der Standort. Der Pilz entspringt direkt der Basis oder den Flanken eines Kartoffelbovists. Er ernährt sich von diesem und verhindert oft dessen Sporenreife.

Obwohl sein Wirt – der Dickschalige Kartoffelbovist – magen-darm-giftig ist, geht dieses Gift nicht auf den Schmarotzer-Röhrling über. Der Parasitische Röhrling ist essbar, gilt jedoch wegen seiner Zähigkeit geschmacklich als eher minderwertig. Da die Art in Deutschland recht selten ist und auf der Roten Liste gefährdeter Arten steht (Kategorie G), sollte sie ohnehin geschont und nicht gesammelt werden.

Und unser Vereinsmitglieg Isa konnte auch einen seltenen Fund machen – Erlen-Grüblinge. Wie der Name schon verrät wächste dieser Pilz in einer strikten Symbiose (Mykorrhiza) und wächst ausschließlich unter Erlen in feuchten Auwäldern, Mooren, Parks oder an Seeufern. Der Erlen-Grübling gilt laut der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) als besonders geschützt.

Catrin

 

Auch Steinpilze (Boletus edulis) gab es natürlich bei Groß Raden.
Foto: Maria Schramm

 

Parasitische Röhrlinge (Pseudoboletus parasiticus), auch bekannt als Schmarotzer-Röhrling, ist eine faszinierende und seltene Pilzart. Das absolute Alleinstellungsmerkmal dieses Pilzes ist seine Lebensweise. Er wächst ausschließlich als Parasit auf den Fruchtkörpern von Kartoffelbovisten.
Foto: Helena Stiebler

 

Der Erlen-Grübling (Gyrodon lividus) ist eine seltene und in Deutschland streng geschützte Pilzart aus der Ordnung der Dickröhrlingsartigen, die biologisch zur Familie der Kremplingsverwandten gezählt wird. Der Hut wird bis zu 10 cm breit, ist hellbräunlich bis olivgelb gefärbt und bei Feuchtigkeit schmierig.
Foto: Isa Krietsch

 

Die goldgelben bis olivlichen Röhren des Erlengrüblings auf der Unterseite laufen weit am Stiel herab. Sie sind eckig und lassen sich nur sehr schwer vom Hutfleisch trennen. Der Pilz ist extrem berührungsempfindlich. Auf Druck oder bei Verletzung verfärben sich die Röhren und das Fleisch schnell grünlich-blau bis graubläulich.
Foto: Isa Krietsch


17.09.2026 – Donnerstag

Fliegenpilz (Amanita muscaria) gelten als Glücksbringer – auch bei der Steinpilzsuche. Hier ein Standortfoto aus der Region Waren-Müritz.
Foto: Marco Hellmuth-Meija

Nicht nur die Steinpilze haben einen extremen Wachstumsschhub. Dieser zieht sich gerade durch alle Pilzgattungen. Ich habe gestern zum Beispiel in der Region Bützow an mehreren Standorten massenweise Steinpilze, Birkenpilze und Rotkappen gefunden.

Auch die Fliegenpilze sind derzeit überall am Start und immer wieder schön anzusehen. Aber nicht nur das – sie gelten auch als Anzeiger für Steinpilze. Sowohl der Fliegenpilz als auch der Fichtensteinpilz mögen saure, nährstoffarme Böden. Beide Arten gehen Lebensgemeinschaften (Symbiosen) mit denselben Bäumen ein – vor allem mit Fichten, Kiefern und Birken. Wenn du den auffälligen Fliegenpilz im Moos oder am Waldrand siehst, lohnt sich das genaue Absuchen der näheren Umgebung (oft im Radius von wenigen Metern) um auch Steinpilze zu finden.

Marco war in der Region Waren-Müritz unterwegs – auch dort ist das Pilzwachstum jetzt in vollem Gang.

Ich habe bei meinem Spaziergang auch eine seltene Variation des Fliegenpilzes gefunden – den Gelbwarzigen Fliegenpilz (Amanita muscaria var. formosa). Und dazwischen Steinpilze und massenweise Espen-Rotkappen.

Catrin

 

Der Gelbwarzige Fliegenpilz (Amanita muscaria var. formosa) ist eine seltene Farbvariante des gewöhnlichen Fliegenpilzes.
Foto: Catrin Berseck

 

Natürlich hat Marco in der Region Waren neben den Fliegenpilzen auch Steinpilze (Boletus edulis) gefunden.
Foto: Marco Hellmuth-Meija

 

Espenrotkappe (Leccinum leucopodium) in der Bützower Region.
Foto: Catrin Berseck


18.09.2026 – Freitag

Kupferrote Gelbfüße (Chroogomphus rutilus) – leider wie fast immer waren viele Exempalre veramdet. 
Foto: Catrin Berseck

Gestern rief mich noch ein Pilzsammler aus Wismar an, da er Champignons im Garten gefunden hatte und die bestimmt haben wollte. Da es seit Reinholds Tod keine Pilzberatungsstelle mehr in Wismar gibt und ich es nicht zumutbar fand, wegen ein paar Champignons 80 km hin und zurück zu fahren, verlegte ich meinen Wochenendeinkauf kurzerhand nach Neukloster und traf mich dort mit ihm. Es handelte sich bei seinen gefundenen Champignons um essbare Schafchampignons (Agaricus arvensis).

Da ich noch ein wenig Zeit hatte, fuhr ich mit ihm dann noch für einen halbe Stunde in einen nahegelegenen Kiefern- und Fichtenforst, um ihm ein paar neue Pilzarten zu zeigen und zu erklären. So konnte ich mich vor Ort auch gleich noch über das dortige Pilzwachstum informieren. Und das war enorm! Massenweise Körnchenröhrlinge, Butterpilze, Kumaul, Kupferrote Geldfüße sowie einige Fichten- und Edelreizker. Am Ende kam für den netten Herrn aus Wismar innerhalb von kürzester Zeit noch eine ansehnliche Pilzmahlzeit mit seinen neu gelernten Speisepilzen zum Verkosten zusammen.

Catrin

Die Körnchen-Röhrlinge (Suillus granulatus) hatten gestern bei Neukloster einen Massenauftritt.
Foto: Catrin Berseck

 

Wie aufgereiht standen die Großen Schmierlinge – auch als Kuhmaul (Gomphidius glutinosus) bekannt.
Foto: Catrin Berseck

 

Innerhalb kürzester Zeit kam eine ansehnliche Pilzmahlzeit zum Probieren aus den verschiedensten Speisepilzen des Nadelwaldes für unseren Wismarer Pilzsammler zusammen.
Foto: Catrin Berseck


19.09.2026 – Sonnabend

Steinpilze (Boletus edulis) waren heute wie gesät zu finden…
Foto: Catrin Berseck

Da die Pilzwanderung letztes Wochenende so erfolgreich war und das Pilzwachstum in vollem Gange ist, habe ich kurzfristig eine weitere Pilzwanderung für Sonntag geplant. Unsere Sternberger Pilzfreunde wollten unbedingt daran wieder teilnehmen. Sie hatten Sonntag allerdings keine Zeit, da einige von ihnen als Wahlhelfer eingesetzt waren. So habe ich dann noch eine 2. Pilzwanderung für den heutigen Sonnabend angesetzt.

Unsere Öffentliche Pilzwanderung führte uns in den Tarnower Staatsfort bei Boitin. Außer unseren 4 Sternberger Pilzfreunden, die bereits am letzten Wochenende an der Wanderung im Mildenitz-Durchbruchstal teilnahmen, gesellte sich noch unser Vereinsmitglied Julia aus Rostock dazu. Wir waren somit eine kleine feine Truppe, wo tatsächlich das Erlernen neuer Pilzarten im Vordergrund stand und nicht nur das Sammeln von Speisepilzen.

Auch Julia – die sich bereits sehr gut mit Pilzen auskennt und fleißig Lehrgänge und Weiterbildungen besucht, um demnächst ihre Prüfung zum Pilzberater ablegen zu können – konnte heute auch noch einige neue Arten dazu lernen. 

Besonders gefreut haben wir uns über den sehr seltenen Dottergelben Spateling. Aber auch Öhrlinge und vor allem der Dunkelviolette Dickfuß hatten es uns angetan.

Bis zum Boitiner Steintanz haben wir es dann nicht mehr geschafft. Aufgrund der Fülle an Speisepilzen waren alle Körbe bereits auf der Hälfte des Weges gut gefüllt und wir traten vorzeitig den Rückweg an.

Einen ausführlicheren Bericht inklusive Fotos von dieser schönen Wanderung findet ihr hier.

Catrin

Hier lassen sich Carola und Jörg den Unterschied zwischen den essbaren Stockschwämmchen und den tödlich giftigen Gifthäublingen erklären. Beide wuchsen in unmittelbarer Nähe auf 2 verschiedenen Baumstubben.
Foto: Julia Richardt

 

Das Highlight unserer heutigen Wanderung hat Julia gefunden – den Dottergelben Spateling (Spathularia flavida). Er gilt in Deutschland als extrem selten und ist in einigen Regionen vom Aussterben bedroht oder bereits verschollen.
Foto: Julia Richardt

 

Eine faszinierende und optisch sehr auffällige Pilzart aus der Familie der Schleierlingsverwandten ist der Violette Schleierling (Cortinarius violaceus).
Foto: Julia Richard

 

Abschließende Kontrolle der gesammelten Pilze. Die Ausbeute an Speisepilzen des heutigen Tages konnte sich sehen lassen.
Foto: Julia Richardt


20.09.2026 – Sonntag

Catrin inmitten der heute gut gefüllten Körbe der Teilnehmer auf der heutigen Wanderung.
Foto: Volker Schmugler

Nach der gestrigen Öffentlichen Wanderung gab es heute bereits die nächste. Ausgesucht hatte ich eigentlich die Trechower Holzung. Nachdem ich die letzten Tage dort aber massenweise Autos am Straßenrand gesehen hatte, habe ich dort und im benachbarten Rühner Forst gestern Nachmittag noch mal kurz vorbei gesehen. Ich war entsetzt, was für ein Gemetzel an Steinpilzen und umgetretenen sowie raus gerissenen anderen Pilzarten andere Pilzsammler dort hinterlassen hatten… Achtsamer und respektvoller Umgang mit der Natur sieht anders aus.

Also beschlossen wir gemeinsam am vereinbarten Treffpunkt, in einen anderen weniger besuchten Teil des Rühner Forstes zu gehen. Der Weg in den Wald war etwas länger – aber es hat sich am Ende für alle gelohnt. Wir konnten viele Arten finden und erklären, so dass jeder Teilnehmer sein Wissen erweitern und auch neue Speisepilzarten kennen lernen konnte.

Es war wieder eine sehr schöne Wanderung mit sehr interessierten Teilnehmern. Und die für heute vorausgesagten Niederschläge haben uns heute auch kaum beeindrucken können. Unter dem dichten Laub der Buchen haben wir von den 3 kurzen Regenschauern kaum etwas mitbekommen.

Zum Schluss der heutigen Wanderung haben die teilweise aus Schwerin, Hagenow und dem benachbarten Schleswig-Holstein weit angereisten Pilzfreunde nicht nur neue Pilzarten lernen können, sondern alle sind mit gut gefüllten bunten Pilzkörben zufrieden nach Hause gefahren. Natürlich waren die Steinpilze auch heute wieder massenweise vertreten. Aber auch Flockenstielige Hexenröhrlinge, Stockschwämmchen und einige andere Arten sorgten für eine bunte Vielfalt in den Speisepilzkörben.

Einen ausführlicheren Bericht findet ihr hier.

Catrin

Krystian aus Hagenow freut sich über seine gefundenen riesigen frischen Steinpilz-Prachtexemplare.
Foto: Catrin Berseck

 

Flockenstielige Hexenröhrlinge (Neoboletus erythropus) waren auch heute überall vertreten.
Foto: Christian Boss

 

Auch heute fanden wir Gifthäublinge und Stockschwämmchen und konnten die Unterschiede zeigen und erklären.
Foto: Catrin Berseck

 

Ein seltener Fund und für mich das Highlight der heutigen Wanderung war dieser Ankerhaarige Buchen-Schillerporling (Inonotus cuticularis). Mehr dazu erfahrt ihr im vollständigen Bericht hier.
Foto: Catrin Berseck


Montag. 21.09.2026

Großsporiger Kiefernröhrling – auch oft als Falsche Rotkappe bezeichnet – (Aureoboletus projectellus) bei Ribnitz-Damgarten.
Foto: Andreas Okrent

So – für heute erst mal keine Steinpilze & Co.. Es gibt ja schließlich noch viele andere interessante Röhrlinge – teilweise sehr seltene. Und da kommt natürlich unser „Raritätenjäger“ Andreas Okrent in´s Spiel. Er hatte letzte Woche mal wieder einige tolle Funde machen können, die wir euch gerne zeigen möchten.

Da wäre zum einen erst mal die sogenannte „Falsche Rotkappe“. Eigentlich heißt dieser Pilz Großsporiger Kiefernröhrling (Aureoboletus projectellus). Ursprünglich stammt dieser markante, essbare Pilz aus dem östlichen Nordamerika und breitet sich seit einigen Jahren rasant und invasiv in Europa und Deutschland aus.

Der Pilz wurde erstmals 2011 im Baltikum in Litauen, nachgewiesen. Von dort aus wanderte er schnell entlang der Ostseeküste weiter. Erste Funde gab es 2018 in Mecklenburg-Vorpommern (unter anderem auf Rügen und bei Greifswald). Mittlerweile verzeichnet der Pilz eine massive, stellenweise massenhafte Ausbreitung. Besonders stark betroffen sind sandige Kiefernwälder in Brandenburg (z. B. in der Lausitz und im Landkreis Dahme-Spreewald) sowie Regionen an der polnischen Ostseeküste.

Der Pilz wächst als Symbiosepilz (Mykorrhiza) in enger Partnerschaft mit Kiefern. Er liebt die weiträumigen, sandigen Kiefernwälder, die in Nord- und Ostdeutschland sowie in Osteuropa weit verbreitet sind. 

Beobachtungen von Mykologen zeigen, dass die Falsche Rotkappe extrem robust gegenüber Trockenheit ist und heimische Pilzarten zunehmend verdrängt. Da die Fruchtkörper im Vergleich zu einheimischen Röhrlingen fast nie von Maden befallen werden, reifen fast alle Pilze ungestört aus und können Unmengen an Sporen freisetzen.

Ein Speisepilz, der wegen seiner rasanten Ausbreitung einen faden Beigeschmack hat…

Nachfolgend noch ein paar andere seltenere Pilzarten von Andreas und Ivy.

Catrin

Der Falsche Schwefelröhrling oder Gelbe Hexenröhrling (Neoboletus junquilleus) ist ein sehr seltener wärmeliebender Symbiosepilz (Mykorrhizapilz), der vorwiegend in alten Laubwäldern bei Buchen oder Eichen auf kalkhaltigen Böden wächst In Deutschland und vielen Teilen Europas ist die Art extrem selten. In der Roten Liste gefährdeter Arten wird die Datenlage oft als ungenügend oder die Art als stark gefährdet geführt.
Foto: Andreas Okrent

 

Moorröhrling (Suillus flavidus), auch bekannt als Blassgelber Röhrling, ist ein sehr seltener Speisepilz aus der Familie der Schmierröhrlingsverwandten. Er steht in Deutschland auf der Roten Liste mit einem gefährdeten Status. Er lebt in einer strengen Mykorrhiza-Symbiose mit Kiefern. Wie sein Name verrät, ist er fast ausschließlich in Moorgebieten, torfigen Kiefernwäldern oder feuchten, sauren Standorten (oft inmitten von Torfmoos oder Schilf) zu finden.
Foto: Andreas Okrent

 

Hier ein weiterer sehr seltener Röhrling aus der Familie der Schmierröhrlingsverwandten, den unsere Pilzfreundin Ivy auf einem Seminar bei Bernd Meißner (auch bekannt als Youtuber“Snokry“) in der Oberlausitz kennen lernen durfte. Es handelt sich um den Elfenbein-Röhrling (Suillus placidus), der ein strikter Mykorrhizapartner von fünfnadeligen Kiefern ist. In Europa wächst er ausschließlich unter der Weymouthskiefer (Strobe) sowie in höheren Lagen unter der Zirbelkiefer (Arve).
Foto: Ivy Brümmer


23.09.2026 – Mittwoch

Kaum waren wir 5 Minuten im Wald, hatte Irina bereits die ersten Steinpilze (Boletus edulis) in ihrem Korb…
Foto: Irina Gräber

Heute ist der kalendarische und astronomische Herbstanfang 2026. Zu diesem exakten Zeitpunkt steht die Sonne senkrecht über dem Äquator, was als die Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche (Äquinoktium) bezeichnet wird. An diesem Tag sind Tag und Nacht überall auf der Erde fast exakt gleich lang, nämlich jeweils etwa 12 Stunden. Ab jetzt werden die Tage auf der Nordhalbkugel wieder spürbar kürzer und die Nächte länger, bis am 21. Dezember mit der Wintersonnenwende der astronomische Winter eingeleitet wird.

Und genau heute holten wir die eigentlich für den 15.07.2026 wittterungsbedingt ausgefallene Kartierungsexkursion im 4. Quadranten des Messtischblattes 1937 Hanstorf nach. Es ging aus Richtung Heiligenhagen in das Satower Holz – ein kleines Waldgebiet westlich von Heiligenhagen. Ein Waldgebiet, das aus Laub- und Nadelbäumen und vielen moorigen Bereichen – wie z.B. dem Langemoor und Dubicksmoor – besteht.

6 Vereinsmitglieder und 3 pilzinterssierte Gäste trafen sich um 16 Uhr am vereinbarten Treffpunkt. Und dort war nicht nur der kalendarische Herbstanfang – auch der mykologische Herbst hatte dort Einzug gehalten. Es herrschte dort Hauptsaison für Pilze aller Arten. Durch die Kombination aus sinkenden Temperaturen, hoher Luftfeuchtigkeit und herbstlichen Regenfällen wurde das unterirdische Pilzgeflecht (Myzel) aktiviert und treibt massenhaft Fruchtkörper an die Oberfläche.

So verwundert es nicht, dass wir auf unserer heutigen ca. 3 stündigen Wanderung fast 80 vor Ort bestimmbare Pilzarten in unsere Kartierungsdatei aufnehmen konnten. Und die anwesenden Pilzsammler profitierten ebenfalls. Sie konnten nebenbei neue Pilzarten lernen und fuhren mit gut gefüllten Körben nach Hause.

Einen ausführlichen Bericht von dieser Kartierungsxkursion inklusive der Artenliste sehr ihr demnächst hier.

Catrin

Als Pilzsachverständige war Catrin heute neben der Erklärung von Pilzarten und der späteren Korbkontrolle und Freigabe der essbaren Pilze auch für das Aufschreiben der gefundenen Pilzarten für die Kartierungsdatei verantwortlich. 
Foto: Julia Richardt

 

Ein schöner Fund und Erstfund für alle: Der Natternstielige Schneckling (Hygrophorus olivaceoalbus).
Foto: Julia Richardt


24.09.2026 – Donnerstag

Wunderschöne riesige Krause Glucke (Sparassis crispa) in einem Kiefernwald bei Grabow.
Foto: Alexander Niemann

Während in vielen Regionen Deutschlands wegen der Trockenheit über mangelndes Pilzwachstum gestöhnt wird, hat uns der seit einigen Tagen anhaltende Regen in Norddeutschland ein reichliches Pilzwachstum beschert. Egal, ob Laub- oder Nadelwald oder Wiesen – überall lohnt es sich derzeit in Mecklenburg-Vorpommern auf Pilzpirsch zu gehen.

In einigen Regionen ist der erste große Massen-Wachstumsschub an Steinpilzen bereits vorüber – trotzdem lassen sich derzeit von den sogenannten „Herrenpilzen“ noch  überall genug finden. Das gilt sowohl für den Gemeinen Steinpilz als auch Sommersteinpilze. Auch die bereits seit Juni zu findenden Pfifferlinge sind stellenweise noch gut vertreten – die „verwandten“ Trompetenpfifferlinge und Totentrompeten stehen auch bereits in den Startlöchern.

Das letzte Jahr des Hahns (bzw. Huhns) im chinesischen Kalender war das Jahr 2017, und das nächste wird im Jahr 2029 sein. Das Jahr der „Henne“ – also der Krausen Glucken – ist in Deutschland aber scheinbar 2026.

Unser Pilzfreund Alexander war zwischen Grabow, Neustadt-Glewe und Parchim mal wieder sehr erfolgreich unterwegs. Nachfolgend ein paar schöne Funde von ihm.

Catrin

Krause Glucken (Sprassis crispa) und Maronen-Röhrlinge (Imlaria badia) in bester Qualität.
Foto: Alexander Niemann

 

Steinpilze (Boletus edulis) in einem Buchenwald bei Parchim.
Foto: Alexanderi Niemann

 

Ein Prachtexemplar eines Gemeinen Steinpilzes (Boletus edulis).
Foto: Alexander Niemann

 

Dieser Anblick von frischen und jungen Steinpilzen lässt doch das Herz eines jeden Speispilzsammlers höher schlagen.
Foto: Alexander Niemann

 

Und so sollte ein Sammelkorb am Ende der Pilzsuche aussehen – junge, kleine und gut geputzte Steinpilze. Die Röhren sollten rein weiß bis maximal leicht gelb sein.
Alle „Riesen“ mit bereits grünlichen Röhren und sogar hoch gebogenem Hutrand befinden bereits in der Eiweißzersetzung und sollten zum Aussporen im Wald stehen bleiben.
Foto: Alexander Niemann


25.09.2026 – Freitag

Dieser beindruckend große Riesenporling (Meripilus giganteus) wird morgen in Rostock im Botanischen Garten zu bewundern sein.
Foto: Jens Hegewald

Morgen beginnt die Landespilzausstellung in Rostock im Botanischen Garten und geht bis Sonntag. Die Mitarbeiter des Botanischen Gartens sind seit dieser Woche bereits fleißig mit den Vorbereitungen und dem Aufbau beschäftigt, damit diese Pilzausstellung für alle Interessierten zu einem Erlebnis wird.

Die Pilzberater der Hansestadt Rostock waren bereits gestern fleißig in verschiedenen Wäldern Mecklenburgs unterwegs, um für die Ausstellung ein reichhaltiges Angebot an Frischpilzen zu sammeln. Heute begannen sie mit dem Sortieren, Bestimmen und teilweisem Bestücken der Ausstellungsflächen im Botanischen Garten der gestern gesammelten Pilze.

Die Pilzfreunde des Steinpilz Wismar „Reinhold Krakow“ e.V. unterstützen die Rostocker bereits seit 2 Jahren bei dieser Ausstellung – so auch dieses Jahr. Heute traf ich mich bereits morgens mit unserem Vereinsmitglied Jens aus Berlin, der hier derzeit Urlaub macht, um in den Laubwäldern in der Umgebung von Bützow Pilze für die Ausstellung in Rostock zu sammeln. Mittags stieß dann unser Vereinsmitglied Katarina mit ihrem Hund Berta in den Nadelwäldern um Neukloster noch dazu.

In Absprache mit den Rostocker Pilzfreunden sammelten wir heute vor allem noch fehlende Arten für die Ausstellung. Und das sehr erfolgreich. Unter anderem konnten wir seltene Arten, wie Klapperschwamm, Ästigen Stachelbart, Rotkappen, seltene Röhrlinge, Schnecklinge und Saftlinge beisteuern. Und dazu auch wunderschöne Exemplare an giftigen Grünen Knollenblätterpilzen, Pantherpilzen und Fliegenpilzen. Wir haben nicht gezählt – aber es kamen weit über 50 Arten fehlender Pilzarten auf unserer heutigen Sammelaktion zusammen, die ab morgen im Botanischen Garten zu bewundern sind.

Es werden Sonnabend und Sonntag fast 300 Arten an Frischpilzen im Botanischen Garten in Rostock auf der Landespilzausstellung zu sehen sein. Also – wer von den Pilzinteressierten Zeit hat – auf nach Rostock! So eine Artenvielfalt werdet ihr selten zu sehen bekommen! 

Da für morgen einen öffentliche Wanderung unseres Vereins bei Schwerin statt findet, werden wir vom Steinpilz Wismar „Reinhold Krakow“ e.V. dann erst am Sonntag auf der Landespilzausstellung mit einigen Vertretern unseres Vereins anwesend sein.

Hier ein paar Impressionen von der heutigen Sammelaktion für die Landespilausstellung in Rostock.

Catrin

Auch einen Teil dieses heute von uns gefundenen Ästigen Stachelbartes (Hericium coralloides) könnt ihr in Rostock bewundern.
Foto: Jens Hegewald

 

Diese Espenrotkappen (Leccinum leucopodium) werden auch auf der Ausstellung in Rostock zu sehen sein.
Foto: Jens Hegewald

 

Übergabe unserer heute gesammelten Pilze an den Landespilzsachverständigen Dr. Oliver Duty für die Landespilzausstellung in Rostock.
Foto: Jens Hegewald


26.09.2026 – Sonnabend

Steinpilze (Boletus edulis) bei unserer heutigen Wanderung am Homberg.
Foto: Jens Hegewald

Heute fand eine öffentliche Wanderung am Homberg bei Brahlstorf statt. Von den angemeldeten 7 Pilzfreunden erschienen 5 am vereinbarten Treffpunkt auf dem Parkplatz an der B 104.

Das Gebiet besteht hauptsächlich aus Laubwäldern – besonders Buchenwald mit viel Totholzanteil und eingestreuten Fichten und Lärchen – aber auch moorige Bereiche sind dort vorhanden. Bei dem derzeit vorherrschenden Pilzwachstum erwartete uns dort eine recht große Artenvielfalt – ideal für eine Pilzlehrwanderung, wo das Hauptaugenmerk auf das Erlernen neuer Pilzarten gelegt wird.

Heute haben nur 3 der Teilnehmer Speisepilze gesammelt, wir anderen haben uns eher für die Artenvielfalt interessiert und noch einige Ausstellungspilze für die Landespilzausstellung in Rostock gesammelt. Steinpilze, Perlpilze, Semmelstoppelpilze und Lärchenröhrlinge landeten heute vorwiegend in den Körben, die zum Abschluss der Wanderung gut gefüllt waren.

Das Highlight unserer heutigen Wanderung waren weiße Lärchenröhrlinge – eine sehr seltene Albiniform des ansonsten goldfarbenen Lärchenröhrlings. Ein paar Exemplare sind auch seit gestern auf der Landespilzausstellung in Rostock zu bewundern.

Mehr zu diesem seltenen Pilz gibt es in einem kleinen separaten Beitrag zu dieser öffentlichen Wanderung hier.

Catrin

Blick in den Wald am Homberg mit wunderschönen Fliegenpilzen.
Foto: Jens Hegewald

 

Perlpilze (Amanita rubescens) waren heute in Massen auf unserer Wanderung zu finden – vor allem solche jungen, kompakten und völlig madenfreien Exemplare.
Foto: Jens Hegewald

 

Achims gut mit Steinpilzen gefüllter Korb am Ende der Wanderung.
Foto: Joachim Kukula

 

Lärchenröhrlinge (Suillus grevillei) werden wegen ihrer Farbe auch Goldröhrlinge genannt. Links im Bild seht ihr eine extrem seltene Form dieser bekannten Pilze – eine weiße Albinoform der Lärchenröhrlinge (Suillus grevillei var. alba). Mehr dazu später.
Foto: Jens Hegewald

 

Diese Exemplare der weißen Form des Lärchenröhrlings (Suillus gervellei var. alba) sind seit heute auch auf der Landespilzausstellung in Rostock zu bewundern.
Foto: Jens Hegewald


27.09.2026 – Sonntag

Pappel-Grünlinge (Tricholoma frondosae) fehlten noch auf der Landespilzausstellung in Rostock. Im Gegensatz zum Kieferngrünling (Tricholoma equestre) wächst der Pappelgrünling unter Pappeln. Er ist oft schmächtiger, dünnfleischiger, schlanker und langstieliger.
Foto: Jens Hegewald

Bei der gestrigen öffentlichen Wanderung am Homberg hatten wir nebenbei ja noch ein paar Pilze für die Landespilzausstellung eingesammelt.

Im Anschluss an die Wanderung bin ich mit Jens zur Landespilzausstellung nach Rostock gefahren. Unterwegs haben wir noch angehalten, da ich noch ein paar Standorte von seltenen Pilzarten kenne. Davon waren tatsächlich einige zu finden. Jens hat es gefreut – er konnte so noch einige neue Pilze lernen. Und für die Landespilzausstellung und ihre Besucher waren diese Arten auch eine Bereicherung.

Nachdem wir schnell unterwegs noch etwas zusammen gesammelt haben, sind wir voll beladen nach Rostock gefahren, um die Pilze abzugeben und uns selbst die Ausstellung anzusehen. Insgesamt kamen noch mal ca. 50 verschiedene Pilzarten zusätzlich zu den Arten unserer gestrigen Sammelaktion für die Ausstellung dazu.

Am frühen Samstagnachmittag in Rostock angekommen, wurden wir bereits erwartet. Viele unserer mitgebrachten Pilze landeten sofort auf den Ausstellungsflächen.

Jens und ich begrüßten einige Bekannte. Anschließend nahmen wir selber noch die Pilzausstellung in Augenschein. Ich werde hierüber nochmals gesondert berichten und Fotos zeigen.

Catrin

Die Hutoberfläche des Pappelgrünlings ist gelbgrünlich bis bräunlich, oft mit feinen, dunkleren Schüppchen besetzt.
Foto: Jens Hegewald

 

Auch die Birken-Rotkappen (Leccinum versipelle) fehlten noch auf der Ausstellung und so wurden von uns ein paar Exemplare eingesammelt.
Foto: Jens Hegewald

 

Auch diese seltenen Fahlen Röhrling ((Hemileccinum impolitum) durften noch nach Rostock mit.
Foto: Catrin Berseck

 

Reges Interesse der Besucher und großer Andrang bei der Pilzausstellung in Rostock.
Foto: Jens Hegewald


28.09.2026 – Montag

Blick auf den Schwarzen See bei Schlemmin.
Foto: Katarina Dominka

Nachdem mich unsere Vereinsmitglieder Katarina und Jens aus Berlin am Freitag so toll beim stressigen Sammeln von Ausstellungspilzen für die Landespilzausstellung in Rostock unterstützt hatten, habe ich die beiden Sonntagmittag nochmals zu einer privaten Wanderung eingeladen. Wir hatten uns im Vorfeld für einen Rundgang um den Schwarzen See bei Schlemmin entschieden.

Es sollte eine gemütliche Naturexkursion rund um den Schwarzen See mit einer Moorwanderung über den Knüppeldamm (ein neuerer Holzbohlenpfad), der über den schwankenden Schwingrasen direkt an das dunkle Wasser des Schwarzen Sees führt, werden.

Das Moor wurde über Jahrzehnte künstlich durch Fichtenmonokulturen beeinträchtigt, aber im Jahr 1989 befreit und flach überstaut. Seither befindet sich dieses einzigartige Ökosystem in der Renaturierung, und es bilden sich wieder typische torfbildende Vegetationsformen.

Auf unserer Naturexkursion wollte ich Katarina und Jens noch ein paar Pilze erklären. Speisepilze wollten wir eigentlich nicht sammeln, zumal dort extrem viele Speisepilzsammler unterwegs waren und sind. Uns kamen gegen Mittag auch einige mit fast leeren Körben entgegen. Aber es kommt ja immer anders, als man denkt…

Nachfolgend ein paar Eindrücke von unserer gestrigen Wanderung inklusive einer sagenhaften Geschichte zum Schwarzen See.

Catrin

Immer ein Foto wert ist der Igelstäubling (Lycoperdon echinatum).
Foto: Jens Hegewald

 

Am Wegrand des Schwarzen Sees begrüßte uns sofort dieser junge Steinpilz (Boletus edulis).
Foto: Jens Hegewald

 

Auch ganz junge Trompetenpfifferlinge (Craterellus tubaeformis) waren überall zu finden.
Foto: Katarina Dominka

 

Fenchelporling (Gloeophyllum odoratum) mit seinem intensiven, aromatischen Duft nach Fenchel, Anis oder Koriander, der ihn im Wald fast unverwechselbar macht.
Foto: Katarina Dominka

 

Wir haben unser Ziel – den Knüppeldamm über das Moor – erreicht.
Foto: Jens Hegewald

 

Und wie es sich gehört – Moor-Birkenpilz (Leccinum holopus), auch bekannt als Weißer Birkenpilz, im Moor.
Foto: Jens Hegewald

 

Ein gefürchteter Schadpilz an Bauholz ist der Zaunblättling (Gloeophyllum sepiarium). Hier auf den nadelholzbohlen des Knüppeldamms über das Moor.
Foto: Jens Hegewald

 

Blick auf den Schwarzen See mit der sagenhaften nachfolgenden Geschichte.
Foto: Jens Hegewald

Am Fuße der herrlichen sogenannten Hohen- oder Waldburg, dem höchsten Punkte der Schlemminer Berge, liegt, nach dem Dörfchen Neu-Schlemmin zu, der berüchtigte schwarze oder Teufelssee, ein zwar nur kleines, aber fast unergründlich tiefes, finsteres Wasser.

Einstens eggte unfern dieses Sees ein Schlemminer Knecht den Acker seines Herrn. Er hatte einen alten, mageren Gaul vor, und die Arbeit ging schlecht von Statten. Und doch sollte und musste noch vor Abend das Stück Land gut und ordentlich bestellt sein, denn eher durfte der Knecht nicht wieder heimkehren.

Schon nahte der Abend mit schnellen Schritten heran, aber noch lange nicht war die bestimmte Arbeit vollendet. Es mochte kaum die Hälfte davon fertig sein. Soviel der Knecht auch fluchte und auf die alte steife Mähre lospeitschte, sie kam fast nicht mehr von der Stelle und fiel endlich ganz ermüdet um. Hierdurch fast außer sich vor Zorn geratend, schrie der Wütende: „So hilf Du mir denn, Satan, schnell den Acker bestellen und nimm dann immerhin meine Seele dafür!“

Und siehe da, kaum waren diese Worte verhallt, da kam auch schon im sausenden Galopp ein prächtiges, kohlschwarzes Ross vom nahen kleinen See daher gerannt. Mit munterem Wiehern und mutigem Fußscharren näherte es sich dem Gottlosen und ließ sich geduldig, statt des noch immer erschöpft am Boden liegenden alten Tieres, aufschirren und vor die Egge spannen.

Fort ging’s nun in gewaltiger Eile, ohne Rast und Aufenthalt. Und kaum war die Dämmerung angebrochen, da war auch schon der Acker auf’s Beste bestellt, ohne jeglichen Makel und Tadel.

Der von dem schnellen Arbeiten ganz erschöpfte Knecht schwang sich jetzt auf des Teufelspferdes Rücken, um nach Hause zureiten, und kaum saß er darauf, als auch schon das Pferd gell wiehernd und feuersprühend in gewaltigen Sätzen fortsprang und dem nahen kleinen See zueilte.

Kein Schreien und Toben, kein Fluchen und Schlagen half dem armen Wicht; er war in des Teufels Gewalt, und Ross und Reiter, und mit ihnen auch die Eggen, waren im Nu in der Tiefe des Sees verschwunden.

Da sitzt nun der so hart bestrafte Knecht, und häufig, gewöhnlich am Johannistag, vernimmt man seine Klagerufe aus der Tiefe und die beiden Eggen schwimmen dann auf der Oberfläche des Wassers umher. Das Wasser des Sees aber ist nach dieser schrecklichen Begebenheit trübe und dunkel geworden, und das Volk nennt ihn seit der Zeit nur den Schwarzen- oder Teufelssee.

Quelle: http://www.lexikus.de/bibliothek/Der-Schwarze-oder-Teufelssee-bei-Neu-Schlemmin-unweit-Buetzow

Uns haben das Moor und der Schwarze See heute nicht verschlungen und wir erreichten wohlbehalten das andere Ufer, um unseren Rundgang fortzusetzen.
Foto: Jens Hegewald

 

Ein junger Steinpilz (Boletus edulis) direkt am Stamm einer jungen Buche.
Foto: Jens Hegewald

 

Uns stellten sich immer mehr Speisepilze in den Weg, so dass wir doch noch schwach wurden und einige zum Verzehr einsammelten.
Foto: Jens Hegewald

 

Frische Gemeine Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis).
Foto: Jens Hegewald

 

Kaum im Buchenlaub zu sehen – massenweise Herbsttrompeten (Craterellus cornucopioides). Ein ausgezeichneter Speisepilz, der wegen des intensiven, würzigen Aromas sehr geschätzt wird.
Foto: Jens Hegewald

 

Und so kam am Ende des heutigen Tages doch noch für jeden von uns eine ungeplante ansehnliche Mahlzeit an Speisepilzen zusammnen.
Foto: Jens Hegewald