13.09.2026 – Öffentliche Wanderung im Mildenitz-Durchbruchstal
Öffentliche Pilzlehrwanderung
Pilzwandern im Jahr des Igelstachelbartes
Im Mildenitz-Durchbruchstal bei Borkow
13. September 2026

Blick in den lichten Buchenwald am Rande des Wanderweges im Mildenitz-Durchbruchstal.
Foto: Catrin Berseck
Heute führte uns eine öffentliche Pilzlehrwanderung in das Mildenitz-Durchbruchstal – eines der faszinierendsten Gebiete in Mecklenburg-Vorpommern. 9 Pilzfreunde fanden sich am vereinbarten und vorher mitgeteilten Treffpunkt um 13.00 Uhr ein.
Gelegen im Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide bietet es eine außergewöhnliche Kombination aus eiszeitlicher Geologie und unberührter Dynamik. An den Steilhängen des Durchbruchstals haben sich naturnahe, forstlich kaum oder gar nicht mehr genutzte Buchen- und Hainbuchenwälder erhalten. Es befindet sich dort ein extrem hoher Anteil an stehendem und liegendem Totholz, welches die Feuchtigkeit im Tal hervorragend speichert. Auf unserem ca. 5 km langen Rundweg durchquerten wir auch einen Nadelwaldbereich.
Und in den beiden unterschiedlichen Habitaten war das Pilzwachstum in vollem Gang! Steinpilze waren heute überall zu finden, aber auch Pfifferlinge, Maronen, Perlpilze, Schmierröhrlinge und sogar die Edelreizker.
Natürlich widmeten wir unsere Aufmerksamkeit nicht nur den Speisepilzen – es wurden unterwegs alle vor Ort bestimmbaren Pilze erklärt. Ein beonderes Augenmerk wurde dabei auch auf die zu findenden Giftpilze – wie Grüner Knollenblätterpilz und Pantherpilz – gelegt. Die Giftpilze sollte jeder Speisepilzsammler kennen, um Verwechslungen mit essbaren Pilzen ausschließen zu können.
Trotz eines Regenschauers zwischendurch war es eine sehr schöne Wanderung in einer tollen Natur mit einer atembraubenden Artenvielfalt. Und die Körbe der Teilnehmer waren am Ende prall gefüllt.
Hier ein kleiner Einblick von dieser Wanderung.
Catrin

Gleich zu Beginn der Wanderung gab es von Catrin eine Erklärung mitgebrachter Pilze.
Foto: Isa Krietsch

Marina und Ulrike hören aufmerksam zu und betrachten hier einen Rotfußröhrling ganz genau.
Foto: isa Krietsch

Da bereits im Vorfeld der Unterschied zwischen dem essbaren Perlpilz und dem giftigen Pantherpilz genau erklärt wurde, hatten die Teilnehmer der Wanderung im Anschluss keine Probleme mehr, die beiden Arten auseinander zu halten. Es landeten ausschließlich Perlpilze in den Körben.
Foto: Isa Krietsch

Nach der doch etwas längeren praktischen Erklärung der mitgebrachten Pilze und Beantwortung vieler Fragen startete gegen 14 Uhr endlich unsere eigentliche Exkursion.
Foto: Catrin Berseck

Christian fiel sogleich dieser Grasfrosch (Rana temporaria) auf. Im Gegensatz zu seinem Namen finden wir ihn nicht nur im Gras. Er bevorzugt feuchte Habitate mit dichter Vegetation wie Feuchtwiesen, Waldränder, Gärten, Parks und Moore.
Foto: Chrsitian Boss

Gesäte Tintlinge (Coprinellus disseminatus) fallen vor allem durch sein massenhaftes Auftreten auf: Die winzigen Fruchtkörper wachsen oft zu Hunderten oder Tausenden dicht gedrängt („wie gesät“).
Foto: Christian Boss

Echte Pfifferlinge (Cantharellus cibarius) leuchteten dottergelb aus dem braunen Buchenlaub.
Foto: Isa Krietsch

Christian hat hier einen Schwarzgezähnelten Rettich-Helmling (Mycena pelianthina) – auch bekannt als Schwarzschneidiger Helmling. Das ist eine giftige Pilzart aus der Familie der Helmlingsverwandten. Er gilt als schwach giftig und enthält wie viele Rettichhelmlinge geringe Mengen des Toxins Muscarin, welches Magen-Darm-Beschwerden hervorrufen kann.
Foto: Christian Boss

Carola und Dietmar bringen einige ihrer Funde vorbei und lassen sich diese von Catrin erklären.
Foto: Isa Krietsch

Zwischendurch mal ein Blick auf die mäandernde Mildenitz im Mildenitz-Durchbruchstal.
Foto: Christian Boss

Am Wegrand in den Moospolstern die ersten Fichtensteinpilze (Boletus edulis). Das sollten heute nicht die einzigen bleiben…
Foto: Christian Boss

Wie es sich gehört, wachsen die Steinpilze in unmittelbarer Nähe der Mehl-Räslinge (Clitopilus prunulus) – dem besten Steinpilzanzeiger überhaupt.
Foto: Isa Krietsch

Der Mehlräsling fungiert aber auch als Anzeigerpilz für Flockenstielige Hexen-Röhrlinge (Neoboletus erythropus), die dann natürlich auch in der Nähe zu finden waren.
Foto: Isa Krietsch

Und es waren heute sogar schon die ersten Semmel-Stoppelpilze (Hydnum repandum) zu finden. Ein sehr beliebter und weit verbreiteter Speisepilz. Sein markantestes Merkmal sind die kleinen, weichen Stacheln (Stoppeln) auf der Hutunterseite.
Foto: Isa Krietsch

Die Stoppeln des Semmelstoppelpilzes in Nahaufnahme. Die Stoppeln sind weiche, nadel- oder stachelförmige Auswüchse, die senkrecht nach unten hängen. Sie sind weißlich bis blass gelblich oder cremefarben, oft etwas heller als die Hutoberseite. Bei älteren Pilzen verfärben sie sich zunehmend semmelgelb bis orange-bräunlich.
Obwohl der Semmelstoppelpilz ein ausgezeichneter und fester Speisepilz ist, können die Stoppeln bei älteren Exemplaren bitter schmecken. Es wird daher empfohlen, die Stoppeln vor der Zubereitung bei größeren Pilzen einfach mit dem Messerrücken, einer Bürste oder dem Daumen abzuschaben. Bei jungen, knackigen Pilzen können sie problemlos mitgegessen werden.
Foto: Isa Krietsch

Unser Blick ging aber auch nach oben. Und oben an einer Buche „trohnten“ Hochthronende Schüpplingw (Pholiota limonella). Seinen markanten Namen verdankt er der Eigenschaft, dass seine Fruchtkörper oft hoch oben am Stamm oder in der Baumkrone wachsen.
Foto: Christian Boss

Der Stiel des Hochthrondenen Schüpplings hat eine faserige Ringzone. Oberhalb des Rings ist der Stiel gelblich und glatt, unterhalb dunkler und schuppig.
Foto: Christian Boss

Auch der Samtfuß-Holzkrempling (Tapinella atrotomentosa) war auf den zwischen den Buchen eingestreuten Nadelholzstubben zu finden.
Foto: Isa Krietsch

Weiter ging es den Wanderweg an der Mildenitz. Links und rechts des Weges wurde fleißig nach Pilzen Ausschau gehalten.
Foto: Isa Krietsch

Und das mit Erfolg. Hier sehen wir den Rotschuppigen Raukopf (Cortinarius bolaris). Dieser schöne Pilz ist ein giftiger Pilz aus der Familie der Schleierlingsverwandten. Er gilt als stark magen-darm-giftig.
Foto: Christian Boss

Zur Abwechslung mal Täublinge – und zwar Frauen-Täublinge (Russula cyanoxantha). Der Frauentäubling hat jedoch eine absolute Besonderheit, die ihn von fast allen anderen Täublingen unterscheidet – seine weißen Lamellen sind weich, biegsam und fühlen sich fast fettig an. Wenn man mit dem Daumen darüberstreicht, brechen oder splittern sie nicht, sondern geben elastisch nach. Bei fast allen anderen Täublingen würden die Lamellen sofort splittern.
Foto: Isa Krietsch

Zur Abwechslung mal ein Schleimpilz – hier der leuchtend orangene Lachsfarbene Schleimpilz (Tubifera ferruginosa) an feucht leigendem Totholz.
Foto: Isa Krietsch

Mittlerweile hat es zu regnen begonnen. Das konnte jedoch Niemanden abschrecken, da alle darauf vorbereitet waren. Also ging es froh und munter weiter.
Foto: Isa Krietsch

Unter den im Buchenwald eingestreuten Fichten fanden wir dann auch dieses Kuhmaul (Gomphidius glutinosus). Schön sind die kanariengelbe Stielbasis sowie die Lammelen schützende und gerade aufreißende Schleimschicht zu sehen.
Foto: Isa Krietsch

Ein weiterer schöner kleiner und zierlicher Pilz ist der Orangerote Heftelnabeling (Rickenella fibula). Der Pilz ist ein sogenannter Folgezersetzer (Saprobiont) und lebt in einer engen Gemeinschaft mit Moosen.
Foto: Christian Boss

Aber es gibt ja schließlich kein schlechters Wetter – nur falsche Kleidung. Und wir waren heute alle auf Regen vorbereitet.
Foto: Isa Krietsch

Diesen tödlich giftigen Pilz sollte jeder Pilzsammler aus dem Effeff kennen und erkennen: Grüner Knollenblätterpilz (Amanita phalloides).
Foto: Christian Boss

Der Gold-Röhrling (Suillus grevillei) – auch Goldgelber Lärchenröhrling gennant – wächst ausschließlich unter Lärchen. Er fällt durch seinen leuchtend gelben bis orange-braunen Hut auf, der bei Feuchtigkeit stark schleimig ist. Am Stiel besitzt er einen deutlichen, weißlich-gelben Ring.
Foto: Christian Boss

Hier ein nicht näher bestimmter Vertreter der Schirmlinge (Lepiota sp.). Wegen der orangeroten bis braunorangen, faserige Ringzone im unteren Stieldrittel könnte es sich um den Feuerfüßigen Schirmling bzw. Braunberingten Schirmling (Lepiota ignivolvata) handeln.
Foto: Christian Boss

Die Lamellen der Schirmlinge (Lepiota) stehen frei (sie berühren den Stiel nicht) und sind wie das Sporenpulver weiß bis cremefarben.
.Im Gegensatz zu den beliebten, großen Riesenschirmlingen (wie dem Parasol) handelt es sich bei Vertretern dieser Gattung um kleine bis mittelgroße Fruchtkörper, unter denen es keine essbaren Arten, aber extrem giftige bis tödliche Vertreter gibt.
Foto: Christian Boss

Hier mal wieder Baumpilze. Löwengelbe Stielporlinge (Cerioporus leptocephalus). Seinen einprägsamen Namen verdankt er der charakteristischen ockergelben bis löwengelb gefärbten Hutoberfläche und dem typischen, sich von der Basis her schwärzlich verfärbten Stiel.
Foto: Christian Boss

Die weißgelblichen Poren auf der Unterseite des Löwengelben Porlings sind extrem fein und mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Sie laufen ein Stück am Stiel herab.
Foto: Christian Boss

Dieser schöne rosa Pilz erfreut sicherlich aufgrund seiner Farbe viele Frauenherzen. Allerdings ist der Rosa Rettich-Helmling (Mycena rosea) ) aufgrund seines Muscaringehalts gesundheitsgefährdend und darf keinesfalls verzehrt werden.
Foto: Isa Krietsch

Es hatte mittlerweile aufgehört zu regnen. Wir erreichten die Brücke über die Mildenitz am Schwarzen See.
Foto: Isa Krietsch

Und nicht nur die Informationstafeln waren überall vertreten – auch die Steinpilze (Boletus edulis).
Foto: Isa Krietsch

Wir erreichten jetzt einen Nadelwaldabschnitt mit vorwiegend Kiefern. Wie auf der Informationstafel zu lesen ist, soll dieser Waldbereich langfristig zu einem Mischwald mit Buchen und später zu einem Buchenwald umgewandelt werden.
Foto: Christian Boss

Da sich die Vegetation geändert hat und wir uns nun im sauren, nährstoffarmen Nadelwald befanden, änderte sich natürlich auch sofort das Pilzvorkommen. Hier sehen wir Rotbraune Scheidenstreiflinge (Amanita fulva).
Foto: Chrsitian Boss

Der Sand-Röhrling (Suillus variegatus) ist ein reiner Symbiosepilz der Kiefer. Obwohl er zu den Schmierröhrlingen gehört, unterscheidet er sich von den vielen Verwandten durch seine meist trockene, filzige und sandig-raue Hutoberfläche. Der Hut wird erst wie heute nach langanhaltendem Regen schmierig. Desweiteren blaut er dezent. Der Sand-Röhrling hat ein festes Fleisch und eignet sich hervorragend für Mischpilzgerichte, Pfannengerichte oder zum Trocknen.
Foto: Isa Krietsch

Ebenfalls zu den Schmierröhrlingen als Mykorrhizapilz der Kiefer gehört der Butterpilz (Suillus luteus). Der Stiel ist voll, fest und gelblich. Ein entscheidendes Merkmal ist der dunkelviolette bis bräunliche Stielring, der als Rest des aufgerissenen Schleiers zurückbleibt.
Foto: Isa Krietsch

Steinpilze (Boletus edulis) sind auch unter Kiefern zu finden. Dieser hier hebt gerade einen im Weg liegenden zweig einfach mit hoch.
Foto: Isa Krietsch

Selbst Jörg kniet vor dieser Leistung des Steinpilzes nieder – oder vielleicht doch zum ernten…
Foto: Isa Krietsch

In bodensauren, sandigen Nadelwäldern, meist als Mykorrhizapartner von Fichten und Kiefern, ist auch der Blutblättrige Hautkopf (Cortinarius semisanguineus) zu finden. Seinen Namen verdankt die giftige Pilzart aus der Familie der Schleierlingsverwandten dem auffälligen Kontrast zwischen dem eher unscheinbaren Hut und den leuchtend blutroten Lamellen.
Foto: Isa Krietsch

Auf sauren, sandigen und moosigen Böden in Nadelwäldern (besonders bei Fichten und Kiefern) finden wir den Gezonten Dauerporling (Coltricia perennis). Häufig wachsen mehrere Fruchtkörper so dicht nebeneinander, dass ihre Hüte miteinander verwachsen. n Deutschland steht er aktuell auf der Vorwarnliste der Roten Liste.
Foto: Isa Krietsch

Auf der Unterseite des Gezonten Dauerporlings befinden sich feine, graubraune bis gelbbraune Poren, die sehr kurz sind und lweit am Stiel herab laufen.
Foto: Isa Krietsch

Diese Blindschleiche (Anguis fragilis) ist keine Schlange, sondern eine beinfreie Echse. Sie gehört zu den am häufigsten vorkommenden Reptilien in Mitteleuropa und verdankt ihren irreführenden Namen nicht etwa einer Sehbehinderung, sondern vermutlich dem althochdeutschen Begriff „blintslîh“ (was so viel wie „blitzender Schleicher“ bedeutet und auf ihre glänzende Haut anspielt). Sie ist für Menschen völlig harmlos und ungiftig.
Foto: Christian Boss

Ein leicht zu erkennender Täubling mit seinem ausgeprägten zitzenartigen Buckel in der Mitte des Hutes unter Kiefern ist der Buckel-Täubling (Russula caerulea).
Foto: Christian Boss

Der Edel-Reizker (Lactarius deliciosus)Kiefern-Blutreizker genannt, ist ein hochgeschätzter, ausgezeichneter Speisepilz aus der Familie der Täublingsverwandten. Er gehört zur Gattung der Milchlinge und zeichnet sich vor allem durch seine charakteristische, karottenrote Milch aus, die sich bei Verletzung absondert.
Foto: Isa Krietsch

Auf dem Rückweg fanden wir dann am Wegrand noch diese Vertreter der Schlauchpilze – die Herbst-Lorchel (Helvella crispa). Sie enthält geringe Mengen an Gyromitrin (einem Zell- und Organgift) sowie Monomethylhydrazin. Aufgrund des Krebs- und Vergiftungsrisikos sowie möglicher Spätfolgen wird heute vom Verzehr dringend abgeraten. Der Pilz sollte im Wald verbleiben.
Foto: Isa Krietsch

Der Grüne Anis-Trichterling (Clitocybe odora) ist ein bekannter Wildpilz, der besonders durch seine charakteristische blaugrüne bis graugrüne Färbung und seinen intensiven Duft nach Anis oder Lebkuchengewürz auffällt. Er gilt als essbar, sollte jedoch aufgrund des extrem dominanten Aromas vor allem als Würzpilz in Mischpilzgerichten verwendet werden.
Foto: Isa Krietsch

Zum Abschluss unserer heutigen Wanderung gab es dann erst einmal Kaffee, Tee und von Isa frisch gebackenen Apfelkuchen.
Foto: Isa Krietsch

Danach mussten die Teilnehmer ihre gesammelten Pilze noch einmal auspacken und sortieren, damit Catrin sie zum Abschluss noch einmal prüfen und zum Verzehr frei geben konnte. Hier sehen wir Jörg´s gesammelte Speisepilze.
Foto: Isa Krietsch

Auch Marina und Ulrike präsentieren hier stolz ihr Sammelgut. Der alte Steinpilz im Vordergrund musste heute allerdings im Wald bleiben.
Foto: Isa Krietsch

Unser heutiges Gruppenfoto vor einem riesigen Ästigen Stachelbart (Hericium coralloides). Da der Pilz in Deutschland extrem selten ist und auf der Roten Liste gefährdeter Arten steht, sollte er in der Natur unbedingt geschont und nicht gepflückt werden. Wir hoffen, dass andere Pilzsammler ihn auch stehen lassen und sich, so wie wir, an seinem Anblick erfreuen.
Foto: Christian Boss
Wann findet die nächste Lehrwanderung statt? Siehe unter Termine.








