24.10.2026 – Öffentliche Wanderung im Heidenholz bei Ventschow
Öffentliche Pilzlehrwanderung
Pilzwandern im Jahr des Igelstachelbartes
Heidenholz (ohne Klappenkrug) bei Ventschow
Sonnabend, 24. Oktober 2026
Die beiden zusammenhängenden kleinen Waldgebiete Heidenholz und Klappenkrug liegen eingebettet in die hügelige Moränenlandschaft südöstlich von Ventschow, nahe den Ortschaften Holdorf und Dämelow. Die beiden Wälder liegen sich direkt gegenüber. Wenn man den Weg aus Richtung Ventschow passiert, erstreckt sich der Klappenkrug auf der linken Seite und das Heidenholz auf der rechten Seite.
Unser heutiges Exkursionsgebiet war das Heidenholz – ein sehr urwüchsiger, dichter Buchenmischwald, der auf schweren, lehmhaltigen Böden gedeiht und durch ein außergewöhnlich artenreiches Pilzaufkommen überzeugt. Während Reinhold´s intensivster Zeit der Pilzkartierung in den 1990-er Jahren fiel dieses Waldgebiet durch seine große Artenvielfalt auf. So konnte hier beispielsweise zu damaliger Zeit der sehr seltene Igel–Stachelbart neben vielen anderen interessanten Pilzarten gefunden werden.
Sowohl den Igel-Stachelbart als auch den Ästigen Stachelbart (den wir auf unserer letzten Exkursion mit Reinhold dort 2024 bewundern konnten) fanden wir heute nicht. Trotzdem hatten wir heute eine sehr schöne Lehrwanderung mit vielen tollen Funden. Und die Teilnehmer konnten heute sehr viel lernen und jeder nahm zum Abschluss der Wanderung einen gut gefüllten Korb mit Speisepilzen nach Hause.
Eigentlich war geplant, dem gegenüberliegenden Klappenkrug auch noch einen Besuch abzustatten. Das haben wir aber zeitlich nicht geschafft, da es im Heidenholz genug zu finden und zu erklären gab.
Nachfolgend ein paar Eindrücke und schöne Funde von der heutigen Lehrwanderung.
Catrin (Text und Fotoauswahl)

Historisch gesehen war Klappenkrug (früher teils auch als Adlig Jarchow bezeichnet) ein eigenständiges Gut bzw. ein kleinerer Wohnplatz, der im Laufe des 19. oder frühen 20. Jahrhunderts zur wüsten (verschwundenen) Ortschaft wurde. Auf alten Landeskarten wie der Preußischen Landesaufnahme von 1880 ist die Siedlung noch exakt zwischen den beiden heutigen Waldstücken verzeichnet.

Gleich zu Beginn der Wanderung gab es wie fast immer durch Catrin eine Erklärung mit gebrachter Pilze. Hier ein jüngeres und älteres Exemplar des derezit in jedem Bichenwald massenweise zu findenden Dickblättrigen Schwärztäublings (Russula nigricans).
Foto: Isa Krietsch

Catrin zeigt eine riesengroße Herbsttrompete (Craterellus cornucopioides) links im Vergleich zu einem alten Dickblättrigen Schwärztäubling (Russula nigricans). Beide Pilze fanden wir dann heute auch massenweise.
Foto: isa Krietsch

Und gleich zu Beginn der Wanderung erklärte Catrin Semmel-Stoppelpilze (Hydnum repandum) und verteilte an alle Teilnehmer ihre im Vorfeld gesammelten Exemplare.
Foto: Isa Krietsch

Dank seiner einzigartigen Stacheln auf der Hutunterseite und der semmelgelben Farbe gilt der Semmel-Stoppelpilz (Hydnum repandum) als einer der am einfachsten zu bestimmenden Wildpilze.
Foto: Isa Krietsch

Dieser Pilz hat viele deutsche Namen: Wurzelnder Schleimrübling, Grubiger Wurzelrübling, Wurzelschleimrübling, Schleimiger Wurzelrübling, Wurzling, Grubiger Wurzelschleimrübling. Eindeutig ist der wiss. Name Hymenopellis radicata. Es handelt sich um einen häufiger Blätterpilz, der vor allem für seinen extrem lang gezogenen, tief im Boden „wurzelnden“ Stielfortsatz bekannt ist.
Foto: Isa Krietsch

Der Laubholz-Harzporling (Ischnoderma resinosum) ist ein einjähriger Baumpilz. Er wächst als Saprobiont oder Schwächeparasit vorwiegend auf totem oder geschwächtem Laubholz wie der Rotbuche und erzeugt im Holz eine Weißfäule.
Foto: Isa Krietsch

Im jungen, aktiven Wachstum scheidet der Laubholz-Harzporling am hellen Hutrand bernsteinfarbene bis blutrote Flüssigkeitstropfen (Guttationstropfen) aus, die Oxalsäure enthalten.
Foto: Isa Krietsch

Gleich zu Beginn der Wanderung wurden die Nebelkappen (Clitocybe nebularis) erklärt. Ein im Spätherbst extrem häufiger Massenpilz, der heute nicht mehr als Speisepilz eingestuft wird und als giftverdächtig gilt. Der Pilz enthält den zytotoxischen Inhaltsstoff Nebularin. Dieser wirkt im Tierversuch mutagen (erbgutverändernd), potenziell krebserregend und kann Lungenödeme auslösen.
Foto: Isa Krietsch

Interessiert betrachten die Teilnehmer der Wanderung diesen Buchenstubben, an dem viele verschiedene Baumpilze für die Zersetzung sorgen.
Foto: Isa Krietsch

Hier der Spindelige Rübling (Gymnopus fusipes), der außer an Eichen auch wie hier am Stammgrund von Buchen zu finden ist.
Foto: Isa Krietsch

Auch der Gallertfleischige Fältling (Merulius tremellosus) hat es sich auf dem Stubben als klassischer Totholz-Zersetzer gemütlich gemacht.
Foto: Isa Krietsch

Der Orangerote Kammpilz (Phlebia radiata) ist ein weit verbreiteter, holzzersetzender Rindenpilz (Krustenpilz) und ein Verwandter der Fältlinge (Meruliaceae). Der Pilz lebt als Saprobiont (Folgezersetzer) vorwiegend auf der Rinde von totem Laubholz.
Foto: Isa Krietsch

Und auch die Schmetterlingstrameten (Trametes versicolor) haben sich an diesem Stubben breit gemacht. Aufgrund ihrer zähen, lederartigen Konsistenz ist sie kein Speisepilz, gilt jedoch weltweit als einer der am besten erforschten Heil- und Vitalpilze.
Foto: Isa Krietsch

Tina freut sich über diese Birkenporlinge (Fomitopsis betulina). Er ist kein Speisepilz, da sein Fleisch extrem zäh, korkig und im Alter sehr bitter schmeckt. Aber in der Naturheilkunde und Volksmedizin wird der Birkenporling vor allem wegen seiner entzündungshemmenden, antibakteriellen und antiviralen Eigenschaften geschätzt und unter anderem zu Tee verarbeitet.
Foto: Isa Krietsch

Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis) sind hervorragende und hocharomatische Speisepilze, die in dichten Büscheln an totem Holz wachsen.
Foto: Isa Krietsch

Stockschwämmchen mit den deutlich abstehenden, bräunlichen Schüppchen unterhalb des Rings.
Foto: Isa Krietsch

Gleichzeitig gehört das Stockschwämmchen (links) zu den gefährlichsten Pilzen für Sammler, da er mit dem Gifthäubling (rechts) einen absolut tödlichen Doppelgänger hat. Der Gifthäubling hat jedoch einen silbrig überfaserten Stiel.
Foto: Isa Krietsch

Die Teilnehmer der Wanderung sind erstaunt über die Ähnlichkeit von Stockschwämmchen und Gifthäubling. Als Anfänger werden sie Stockschwämmchen aber erst selber zu Speisezwecken sammeln, wenn sie die beiden Pilzarten sicher unterscheiden können.
Foto: Isa Krietsch

Bleiben wir bei den tödlich giftigen Pilzen. Von Catrin bereits zu Beginn der Wanderung gezeigt und jetzt im Wald gefunden: Der tödlich giftige Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides).
Foto: Isa Krietsch

Die Lamellen des Buchenschleimrüblings stehen breit und entfernt voneinander. Zwischen den langen Hauptlamellen liegen kürzere Lamellen (Lameletten).
Foto: Isa Krietsch

Er trägt seinen Namen zurecht – der Kastanienbraune Stielporling (Picipes badius). Sein speckig glänzender Hut erinnert farblich an Kastanien.
Foto: Isa Krietsch

Der Stiel des Kastanienbraunen Porlings ist meist kurz, matt und auffällig grauschwarz bis samtig-schwarz an der Basis (daher auch oft der Name Kastanienbrauner Schwarzfußporling).
Foto: Isa Krietsch

Und wieder wurde ei neuer leicht erkennbarer Speisepilz gefunden und von allen genau betrachtet.
Foto: Isa Krietsch

Es waren Riesenporlinge (Meripilus giganteus). Leider für den Verzehr schon zu alt.
Foto: Isa Krietsch

Ein bedingt essbarer Täubling – der Dickblättrige Schwärztäubling (Russula nigricans). Das harte, weiße Fleisch verfärbt sich bei Verletzung, Druck oder im Anschnitt zuerst rosa bis kräftig rot und wandelt sich nach etwa 15–30 Minuten in ein tiefes Rußschwarz um.
Foto: Isa Krietsch

In diesem Fall waren es für die Teilnehmer der Wanderung Herbsttrompeten (Craterellus cornucopioides), die an mehreren Stellen wuchsen und natürlich eingesammelt und mitgenommen wurden.
Foto: Isa Krietsch

Hier sehen wir unten den Schwarzflockigen Dachpilz (Pluteus umbrosus) im Vergleich zum Rehbraunen Dachpilz (Pluteus cervinus agg.).
Foto: Isa Krietsch

Der braune bis schwarzbraune Hut des Schwarzflockigen Dachpilzes ist schwarz geflockt und oft aderig gefurcht.
Foto: Isa Krietsch

Im Gegensatz zum Rehbraunen Dachpilz (rechts) sind die Lamellenschneiden des Schwarzflockigen Dachpilzes (links) auffällig dunkelbraun bis schwarz punktiert.
Foto: Isa Krietsch

Und auf dem Rückweg begegnete und dann noch dieser wunderschöne „Alte Mann des Waldes“ – der Strubbelkopfröhrling (Strobilomyces strobilaceus) mit seinen dunkelbraunen bis schwarzen, wollig-sparrigen Schuppen.
Foto: Isa Krietsch

Auch der Stiel des Strubbelkopfröhrlings ist dunkelgrau bis schwarzbraun, zäh-faserig und ebenfalls stark wollig-schuppig besetzt.
Foto: Isa Krietsch

Die Röhren sind großporig und grau; bei jungen Pilzen oft noch von einem weißen, wolligen Schleier verdeckt. Auf Druck verfärben sie sich langsam dunkelbraun bis schwarz.
Foto: Isa Krietsch

Und ganz zum Schluss gab es dann noch diese Schönheiten auf einem frisch gefällten Buchenstück. Blauer Rindenhelmling (Mycena pseudocorticola). Der Pilz ist extrem klein, meist nur 2 bis 8 mm im Durchmesser. Er ist halbkugelig bis glockig geformt und deutlich gerieft. Jung zeigt er eine charakteristische stahlblaue, blaugraue oder schieferblaue Färbung, oft fein weißlich bereift.
Foto: Isa Krietsch

Die Lamellen des Blauen Rindenhelmlings sind weißlich bis blass blaugrau. Sie stehen relativ entfernt und sind am Stiel angewachsen. Der Stiel ist sehr dünn und oft gebogen, graublau gefärbt und besitzt eine weißfilzige Basis, mit der er am Untergrund haftet.
Foto: Isa Krietsch

Zum Abschluss der Wanderung werden nochmals Fragen der Teilnehmer beantwortet und erklärt.
Foto: Isa Krietsch

Die heutige Ausbeute an Speisepilzen konnte sich sehen lassen und war für jeden der Teilnehmer für eine Mahrlzeit ausreichend.
Foto: Isa Krietsch





