*** Pilze/Wetter August 2026 ***

Pilze und Wetter August 2026

Wetter und Pilzwachstum in Mecklenburg

Tagebuch zu Pilze und Wetter August 2026

Steinpilze (Boletus edulis).


01.08.2026 – Sonnabend

Die Raupe des Mittleren Weinschwärmers (Deilephila elpenor) gehört zu den spektakulärsten Raupen Mitteleuropas. Sie fällt vor allem durch ihre beeindruckende Schlangennachahmung (Mimikry) und ihre beachtliche Größe von bis zu 8 Zentimetern auf.
Foto: Catrin Berseck

Dieses Wochenende hatte ich mir mal komplett pilzfrei genommen und mich um meinen Garten gekümmert. 

Böse Zungen würden ja jetzt sagen, dass zu viel „Unkraut“ in meinem Garten wächst – ich nenne es dagegen einen teilweise naturbelassenen Garten. Unkraut ist eine abwertende, nichtwissenschaftliche Sammelbezeichnung für Pflanzen der spontanen „Begleitvegetation“ in Kulturpflanzenbeständen, Grünland oder Gärten, die nicht vom Menschen angebaut wurden.

Viele dieser Pflanzen haben auch einen großen Nutzen. Sie dienen als wichtige Nahrungsquelle für Insekten, zeigen die Bodenbeschaffenheit an (Zeigerpflanzen) oder sind sogar essbar und gesund (z. B. Brennnessel, Vogelmiere, Löwenzahn, Knoblauchsrauke, …).

Pilze habe ich heute keine gefunden – dafür aber ganz tolle Raupen in meinem „Unkraut“. Durch unsere Naturfreunde Chris und Christian, die sich aktiv mit der Erfassung und Kartierung der Nachtfalter beschäftigen, war ich natürlich dafür sensibilisiert und habe etwas genauer hin gesehen.

Ich hoffe, dass euch dieser kleine „Ausflug“ neben der Mykologie auch gefällt.

Catrin

Wird die Raupe gestört oder von Fressfeinden wie Vögeln bedroht, wendet sie einen faszinierenden Trick an. Sie zieht ihren echten, kleinen Kopf und die vorderen Segmente blitzschnell in den Körper ein. Dadurch bläht sich das Vorderteil extrem auf. Die Augenflecken treten plastisch hervor. Durch leichtes Hin- und Herwiegen imitiert sie perfekt den Kopf einer kleinen Schlange, was Angreifer effektiv abschreckt.
Foto: Catrin Berseck

 

Junge Raupen sind zunächst grün, einige wenige behalten diese grüne Farbe bis zur Verpuppung. Auf dem Vorderkörper (Thorax) besitzt sie vier große, markante Augenflecken (zwei große und zwei kleinere), die meist dunkel umrandet und hell gefüllt sind. Am Hinterende befindet sich ein kleiner, spitzer Stachel (Analhorn), der für Schwärmerraupen typisch ist.
Foto: Catrin Berseck

 

Und so werden die Raupen des Mittleren Weinschwärmers (Deilephila elpenor) nächstes Jahr als Nachtfalter aussehen.
Foto: Christian Boss


03.08.2026 – Montag

Das Europäische Goldblatt (Phylloporus pelletieri) ist ein seltener Pilz, der eine faszinierende evolutionäre Brücke zwischen Lamellen- und Röhrenpilzen schlägt. Obwohl er leuchtend goldgelbe Lamellen besitzt, gehört er genetisch zur Familie der Steinpilzverwandten (Boletaceae).
Foto: Catrin Berseck

Heute habe ich nach Feierabend mal wieder den Rühner Forst aufgesucht. Ohne allzu große Hoffnung – da es Ende letzter Woche kaum etwas zu finden gab.

Gleich zu Anfang machte ich am Wegrand den besten Fund des heutigen Tages – das Europäische Goldblatt (Phylloporus pelletieri). Für mich ein Erstfund – ich habe mich extrem darüber gefreut. Aufgrund seiner Seltenheit steht er in Deutschland auf der Roten Liste der gefährdeten Arten (Kategorie 3).

Der Pilz ist der einzige europäische Vertreter der Gattung Blätterröhrlinge (Phylloporus). Die Gattung stellt den Übergang von Lamellen- zu Röhrenpilzen dar, weshalb das Europäische Goldblatt in der Vergangenheit bereits mehreren Gattungen zugeordnet war, darunter beispielsweise den Kremplingen (Paxillus) und Trichterlingen (Clitocybe).

Der Name bezieht sich auf das leuchtend gelbe und für Steinpilzverwandte außergewöhnliche, lamellenförmige Hymenophor.

Ich habe anschließend noch ein paar wenige Täublinge und Steinpilze gefunden – allerdings waren diese Funde dann für mich nicht mehr so interessant.

Catrin

Der Hut ist samtig trocken und braun.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Lamellen des Europäischen Goldblattes sind auffällig leuchtend goldgelb, am Stiel herablaufend und durch Queradern miteinander verbunden (erinnern an beginnende Röhren).
Foto: Catrin Berseck

 

Hier ein bereits älteres Foto von Torsten von einem jungen schönen Exemplar des Europäischen Goldblattes.
Foto: Torsten Richter

 

Hier ein Blick von Torsten unter den Hut seines damaligen Fundes. Die Lamellen sind verzweigt, mit scharfen Kanten und am Stiel herablaufend angewachsen und manchmal verkümmert porig.
Foto: Torsten Richter

 

Diese Gemeinen Steinpilze (Boletus edulis) heute im Rühner Forst waren danach nur noch nebensächlich.
Foto: Catrin Berseck


04.08.2026 – Dienstag

Netzstieliger Hexenröhrling (Suillellus luridus) mit gelblichen Stiel und rotbraunem Stielnetz.
Foto: Catrin Berseck

Auf dem Heimweg habe ich dann gestern noch eine klitzekleine parkähnliche Anlage in einem kleinen Dorf in der Nähe aufgesucht. Dort wachsen unter einer Eiche immer massenweise Netzstielige Hexenröhrlinge. Für den ersten Schub kam ich vor 2 Wochen zu spät dort an – ich habe nach den Regenfällen nur noch matschige alte Exemplare vorgefunden.

Gestern war ich genau zum richtigen Zeitpunkt dort. Auf kleinstem Raum von max. 5 x 5 Metern wuchsen ca. 30 Exemplare der Netzstieligen Hexenröhrlinge in allen möglichen Farbnuancen – sowohl in der Farbe der Hüte, der Röhren, der Stiele und des Stielnetzes.

Ich hatte das letztes Jahr schon bemerkt und wollte mir die einzelnen Exemplare dieses Jahr noch einmal genau ansehen und überprüfen, ob es sich tatsächlich bei allen Pilzen um Netzstielige Hexenröhrlinge (Suillellus luridus) handelt. Und es sind tatsächlich alles welche.

Ich möchte euch diese Farbvarietäten nicht vorenthalten.

Catrin

 

Das Fleisch des Netzstieligen Hexenröhrlings ist gelb, läuft im Anschnitt sofort tiefblau an. In der Stielbasis ist es oft rötlich gefärbt. Charakteristisch ist die rote Schicht (Bataille-Linie) direkt zwischen Hutfleisch und Röhrenboden.
Foto: Catrin Berseck

 

Netzstielige Hexenröhrlinge (Suillellus luridus) mit einem rötlichen Hut und rotem Stielnetz.
Foto: Catrin Berseck

 

Hier kann man deutlich das rote Stielnetz erkennen.
Foto: Catrin Berseck

 

Die beiden Netzstieligen Hexenröhrlinge (Suillellus luridus) im direkten Vergleich. Die Röhren sind bei beiden Exemplaren fast weinrot.
Foto: Catrin Berseck

 

Und hier ein weiteres Exemplar des Netzstieligen Hexenröhrlings mit orangenen Poren.
Foto: Catrin Berseck

 

Sie unterscheiden sich zwar alle in Stiel- und Netzfarbe sowie der Farbe der Röhren – sind jedoch alles Netzstielige Hexenröhrlinge (Suillellus luridus).
Foto: Catrin Berseck


05.08.2026 – Mittwoch

Ein wunderschöner junger Flockenstieliger Hexenröhrling (Neoboletus erythropus) heute unter einen Eichenkante.
Foto: Catrin Berseck

In den Wäldern bei uns im Landkreis Güstrow und dem angrenzenden östlichen Teil Nordwestmecklenburgs findet man derzeit nur vereinzelt ein paar Pilze. Also habe ich mich heute Abend mal wieder in der Nähe meiner Firma unter alten Eichen umgesehen.

Vor 4 Tagen herrschte dort noch absolute Flaute. Nur ganz wenige Täublinge zeigten sich auf dem völlig trockenen Boden.

Heute sah es dort ganz anders aus. Schon beim Vorbeifahren sah ich von Weitem überall Pilze. Die Niederschläge von fast 50 l/m² vor 14 Tagen und den gestrigen über 20 l/m² und die schwül warme Luft sorgten dort für eine regelrechte Pilzexplosion.

Am Start waren viele verschiedene Täublingsarten – vor allem die Starkriechenden Heringstäublinge und nicht genießbaren Kammtäublinge hatten einen Massenauftritt. Aber auch die Wulstlinge – wie die essbaren Perlpilze und die giftigen Pantherpilze waren gut vertreten.

Dazu zeigten sich dann dort auch endlich wieder Flockenstielige Hexenröhrlinge und sehr wenige Sommersteinpilze. Dazu dann noch die seltener anzutreffenden Fahlen Röhrlinge.

Catrin

Junger Sommer-Steinpilz (Boletus reticulatus) mit seinem deutlich ausgeprägten, hellen bis weißen Stielnetz.
Foto: Catrin Berseck

 

Das ist dieses Jahr bereits der 2. Schub der seltenen Fahlen Röhrlinge (Hemileccinum impolitum) an dieser Stelle.
Foto: Catrin Berseck

 

Massenauftritt der Starkriechenden Heringstäublinge (Russula graveolens).
Foto: Catrin Berseck

 

Ebenfalls massenweise zu finden waren links die giftigen Pantherpilze (Amanita pantherina) und rechts die essbaren Perlpilze (Amanita rubescens).
Foto: Catrin Berseck


06.08.2026 – Donnerstag

Nadelholzbraunporling (Phaeolus spadiceus) im unteren Stammbereich einer Kiefer.
Foto: Catrin Berseck

Bevor ich gestern die vielen Pilzfunde unter einer Eichenallee gemacht habe, war ich für ca. eine halbe Stunde im Schlemminer Forst nach dem Pilzwachstum gucken. Hanjo und ich waren dort ja bereits am 17.07.2026 zusammen unterwegs und sichtlich enttäuscht worden.

Auch heute sah es dort genauso trostlos aus. Ein erster erfreulicher „Fund“ war gleich zu Beginn unsere Pilzfreundin und unser Vereinsmitglied Diana aus der Nähe von Warin, die mit ihrer Familie dort eine Wanderung um den Schwarzen See und über die Holzbrücke des Moores gemacht hatte. Sie berichtete mir bereits, dass sie nichts an Pilzen gefunden hat. Also bin ich gar nicht weit gelaufen und ziemlich schnell wieder zurück gegangen – es zeigte sich weit und breit an mir bekannten Stellen kein einziger Pilz.

Gefunden habe ich dort lediglich einen Nadelholzbraunporling (Phaeolus spadiceus). Ein ungenießbarer Baumpilz aus der Familie der Baumschwammverwandten. Er wächst als Parasit oder Folgezersetzer am Fuße von Nadelbäumen und verursacht dort eine aggressive Braunfäule im Holz. Ein hervorragender Färbepilz für alle, die sich damit beschäftigen.

Normalerweise ein für mich nicht so sehr interessanter Pilz. Aber gestern habe ich mich darüber sehr gefreut. Unser Raritätenjäger Andreas Okrent hatte mir kurz vorher nämlich Fotos von einem sehr seltenen Pilzfund geschickt, der unmittelbar mit dem Nadelholzbraunporling zu tun hat.

Andreas hatte gestern in der Nähe von Ribnitz-Damgarten den sehr seltenen Nadelholz-Röhrling (Buchwaldoboletus lignicola) gefunden. Der Pilz wächst direkt auf oder am Fuße von totem Nadelholz (vor allem Fichte und Kiefer). Er lebt fast immer in einer parasitischen Gemeinschaft mit dem Nadelholz-Braunporling (Phaeolus spadiceus).

Und Andreas hat nicht umsonst den Titel „Raritätenjäger“. Auch den sehr seltenen Gelben Hexenröhrling (Neoboletus junquilleus) konnte er an einem bekannten Standort wieder entdecken. Ich gratuliere zu diesen tollen Funden und freue mich, wenn wir demnächst mal wieder gemeinsam auf „Pilzjagd“ gehen.

Catrin

Rechts sind auf dem liegenden Stamm ältere Exemplare des Nadelholzbraunporlings zu sehen. Im unteren linken Bereich ist vor dem Baumstubben der kleine Nadelholz-Röhrling zu sehen, der nur in Symbiose mit dem Nadelholzbraunporling zu finden ist.
Foto: Andreas Okrent

 

Nadelholz-Röhrling (Buchwaldoboletus lignicola). Die Röhren sind leuchtend gelb bis goldgelb, weit am Stiel herablaufend, färben sich bei Druck rasch blaugrün.
Foto: Andreas Okrent

 

Der Falsche Schwefelröhrling oder Gelbe Hexenröhrling (Neoboletus junquilleus) ist eine extrem seltene, streng geschützte Pilzart aus der Familie der Steinpilzverwandten. Das markanteste Merkmal des Pilzes ist seine fast vollständig chrom- bis narzissengelbe Färbung, die sich bei Berührung oder im Anschnitt schlagartig dunkelblau verfärbt.
Foto: Andreas Okrent


07.08.2026 – Freitag

Da ist er – der erste Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) im Rühner Forst. Deutlich zu erkennen ist die dicke, abgesetzte Knolle, die in einer sackartigen, weißen Hülle (Volva/Scheide) steckt.
Foto: Catrin Berseck

Heute gab es mal wieder einen Besuch im Rühner Forst. Auf „meiner“ Seite sah es immer noch mau aus. Eine Stelle mit ein paar Harten Zinnobertäublingen – ein paar Hainbuchen-Raufüße zeigten sich auch mal wieder. Ansonsten weit und breit nichts weiter zu sehen…

Also beschloss ich, die andere Seite vom Rühner Forst kurz zu inspizieren. Eigentlich Hanjos Revier – aber er war dort die letzten Tage nicht.

Von der Artenvielfalt sah es hier ein klein wenig besser aus – aber auch fast alles nur Einzelexemplare an einzelnen Stellen. Ansonsten sah es dort genauso trostlos aus.

Das erhoffte Pilzwachstum nach den letzten Regenfällen will in den Wäldern im Landkreis Güstrow und dem angrenzenden Bereich in Neukloster einfach nicht richtig in Gang kommen…

Catrin

Der Harte Zinnobertäubling (Russula rosea) gilt als Speisepilz – ist jedoch oft leicht bitterlich oder an Zedernholz bzw. Bleistiftholz erinnernd.
Foto: Catrin Berseck

 

Ein paar Hainbuchen-Raufuße (Leccinellum pseudoscabrum) zeigten sich mal wieder.
Foto: Catrin Berseck

 

Auch die Rotfußröhrlinge machen sich dieses Jahr rar. Hier Falsche Rotfußröhrlinge (Xerocomellus porosporus). Der Falsche Rotfußröhrling hat einen fast schwarz, grauschwarz (düster) gefärbten Stiel ohne Rottöne.
Foto: Catrin Berseck

 

Ein Buchenstamm mit gleich 3 verschiedenen weißen Pilzarten. Links Lungenseitlinge (Pleurotus pulmonarius), in der Mitte Striegelige Trameten (Trametes hirsuta) und rechts Getigerte Sägeblättlinge (Lentinus tigrinus).
Foto: Catrin Berseck

 

Und endlich auch die ersten jungen Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis).
Foto: Catrin Berseck


08.08.2026 – Sonnabend

Starkriechende Heringstäublinge (Russula graveolens) unter Eichen.
Foto: Catrin Berseck

Heute hatte ich ich meine Freundin mit Familie in Güstrow besucht und einen Ausflug an den Inselsee gemacht. Auch dort gibt es am Strand unter alten Eichen eigentlich immer sehr viele Pilze. Heute habe ich dort nur ein paar überständige Sommersteinpilze und vertrocknete Heringstäublinge sowie Pantherpilze gesehen. Ein Foto waren die nicht mehr wert.

Da es bei uns in den Wäldern derzeit auch nicht besser aussieht, habe ich auf dem Heimweg noch in 2 parkähnlichen Anlagen einen Zwischenstopp eingelegt und mich umgesehen. Wie ich schon oft festgestellt habe, sind solche Habitate bei Trockenheit die bessere Adresse, um wenigstens ein paar Pilze zu Gesicht zu bekommen bzw. sogar eine kleine Mahlzeit zusammen zu sammeln.

So auch heute wieder. Unter Eichen ein paar Heringstäublinge, Perlpilze und Sommersteinpilze. Und unter Linden Fransige Wulstlinge und Netzstielige Hexenröhrlinge. Viele Exemplare schon von der Trockenheit gezeichnet – aber ein paar frische Pilze durften dann heute tatsächlich mal für die Pfanne mit kommen.

Es sind ab morgen wieder Temperaturen um 30 Grad angesagt – auch ab Mitte nächster Woche soll es wieder so heiß werden. Und weit und breit kein Regen in Sicht. Keine guten Voraussetzungen für ein weiteres Pilzwachstum…

Catrin

Fransige Wulstlinge (Amanita strobiliformis) in einer Parkanlage. Der Rand ist namensgebend mit fransigen Fetzen behangen. Und im Hintergrund ist die nächste Pilzart zu sehen…
Foto: Catrin Berseck

 

… Wunderschöne feste Netzstielige Hexenröhrlinge (Suillellus luridus). Ausnahmsweise mal nicht komplett vermadet.
Foto: Catrin Berseck

 

Ein paar Speisepilze unter einer Eichenallee durften heute auch mit. Sommersteinpilz, Flockenstieliger Hexenröhrling, Birkenpilz (eine Birke war natürlich dann auch da) und viele fast madenfreie Perlpilze.
Foto: Catrin Berseck


09.08.2026 – Sonntag

Birkenpilz (Leccinum scabrum) in einem Jungbestand von Birken und Eichen bei Crivitz.
Foto: Isa Krietsch

Ich war heute Abend noch mal kurz bei mir in der Region im Buchenwald unterwegs. Wo es vor 2 Tagen wenigstens noch ein paar Pilze gab, war heute absolut gar nichts mehr zu sehen. Ich werde die nächsten Tage dort auch nicht mehr nachsehen und wollte eigentlich ab heute das Tagebuch für ein paar Tage ruhen lassen, da es in meiner Region zu „Pilzwachstum und Wetter in Mecklenburg“ nichts Neues bzw. gar nichts zu berichten gibt…

Zum Glück hat sich heute Abend unsere Pilzfreundin und Vereinsmitglied Isa bei mir gemeldet und mir Fotos von ihren Funden aus der Crivitzer Region geschickt. So kann ich euch weiter über das Pilzwachstum in Mecklenburg berichten und schöne Funde und Fotos zeigen.

Ich würde mir wünschen, dass die regelmäßigen Leser dieser Website (vor allem die Vereinsmitglieder) sich in Zukunft auch aktiver beteiligen würden und über ihre Funde in ihrer Region berichten und Fotos senden würden. Ich und ein paar der sehr wenigen aktiven Vereinsmitglieder – die mit Fotos und Beiträgen auf der Website mitwirken – sind Vollzeit berufstätig und können schließlich nicht überall in Mecklenburg vor Ort sein und über das dortige Pilzwachstum berichten…

Also – danke an Isa und heute ein paar schöne Funde aus der Crivitzer Region. Die Fortsetzung folgt die nächsten Tage.

Catrin

Die Unterseite des Birkenpilzes hat feine Poren, die jung weißlich bis grauweiß sind und sich im Alter schmutzig-grau oder schwammig verfärben.
Foto: Isa Krietsch

 

Der Stiel des Birkenpilzes ist typisch lang und schlank mit einer weißlichen Grundfarbe, die dicht mit graubraunen bis schwarzen Schuppen übersät ist.
Foto: Isa Krietsch

 

Das Fleisch des Birkenpilzes ist weiß und verfärbt sich im Anschnitt nicht (im Gegensatz zu anderen Röhrenpilzen wie der Rotkappe, die blau oder schwarz anlaufen). Es wird beim Kochen allerdings sehr dunkel.
Foto: Isa Krietsch

 

Wie scheinbar überall haben auch in der Crivitzer Region die Perlpilze (Amanita rubescens) gerade einen Wachstumsschub. Hier mittig auf einem Forstweg.
Foto: Isa Krietsch

 

Ein wunderschöner Rotrandiger Baumschwamm (Fomitopsis pinicola) mit Guttationstropfen. Der namensgebende Zuwachsrand ist im Wachstum weiß-gelblich. Dahinter liegt eine orange-rote, harzige Zone.
Foto: Isa Krietsch


10.08.2026 – Montag

Isa´s gestrige Ausbeute an Heidelbeeren. Nur die kleinen wilden Heidelbeeren aus dem Wald färben die Haut intensiv blau oder violett. Kulturheidelbeeren aus dem Supermarkt haben meist helles Fruchtfleisch und färben fast nicht ab.
Foto: Isa Krietsch

Eigentlich war Isa am Wochenende in der Crivitzer Region auf der Suche nach Heidelbeeren unterwegs. Wilde Heidelbeeren (Blaubeeren) findet man in der Natur vor allem in sauren und nährstoffarmen Böden von lichten Nadel- und Mischwäldern – besondenders unter Kiefern und Fichten. Die niedrigen Sträucher wachsen bodennah im Halbschatten.

Natürlich hat Isa nebenbei auch nach Pilzen Ausschau gehalten und einige für uns im Foto fest gehalten.

Alles Arten, die typischerweise dasselbe Habitat wie die Blaubeeren bevorzugen – also saure und nährstoffarme Böden. Als Speisepilze gehören dazu natürlich die Pfifferlinge, die uns in dieses Jahr bereits seit Juni in Massen erfreuen. 

Und es ist kaum zu glauben – Isa hat auch bereits die erste Krause Glucke finden können!

Also sollte man dann vielleicht tatsächlich mal bei dieser Trockenheit die umliegenden Nadelwälder aufsuchen. Und wenn es dort auch keine Pilze geben sollte, hat man wenigstens die Möglichkeit, ein paar Blaubeeren zu sammeln oder hatte einfach nur einen schönen Spaziergang.

Catrin

Der Klebrige Hörnling (Calocera viscosa) wächst vor allem als Folgezersetzer auf morschem Nadelholz und fällt im feuchten Nadelwald aufgrund seiner leuchtend orangenen Farbe sofort ins Auge.
Foto: Isa Krietsch

 

Echte Pfifferlinge (Cantharellus cibarius) sind dieses Jahr scheinbar die einzigen Speisepilze, die dauerhaft und in Massen zu finden sind. Sie wachsen immer auf sauren, moosigen Böden – am häufigsten sind sie unter Fichten, Kiefern, Rotbuchen und Eichen zu finden.
Foto: Isa Krietsch

 

Der Gezonte Dauerporling (Coltricia perennis), auch bekannt als Gebändelter Dauerporling oder Tigerauge,wächst direkt auf der Erde, vor allem auf sauren, sandigen, nährstoffarmen Böden. Häufig findet man ihn in lichten Nadelwäldern (besonders bei Fichten und Kiefern), auf Waldwegen, moosigen Flächen oder alten Brandstellen.
Foto: Isa Krietsch

 

Die Poren des Gezonten Dauerporlings sind grau- bis rotbraun. Die feinen, eckigen Poren laufen weit am Stiel herab.
Foto: Isa Krietsch

 

Die erste Krause Glucke (Sparassis crispa) dieses Jahr! Die Krause Glucke (Sparassis crispa) – auch bekannt als Fette Henne – ist ein hervorragender hocharmomatischer Speisepilz. Er erinnert optisch an einen großen, beigen Badeschwamm und wächst als Parasit oder Folgezersetzer bevorzugt am Stammgrund oder an den Stümpfen alter Kiefern.
Foto: Isa Krietsch


11.08.2026 – Dienstag

Purpurfilziger bzw. Rötlicher Holzritterling (Tricholomopsis rutilans) mit „Kindergarten“. Im Gegensatz zu echten Ritterlingen wachsen Holzritterlinge direkt auf totem Nadelholz wie Fichten- oder Kiefernstümpfen.
Foto: Isa Krietsch

Kommen wir mal wieder zum Wetter.

In Mecklenburg-Vorpommern erwartet uns heute der kühlste Tag der Woche mit Temperaturen von 19 bis 22 Grad. Nach Abzug einer Kaltfront setzt sich ab Wochenmitte wieder starker Hochdruckeinfluss mit einem massiven Temperaturanstieg auf bis zu 31 Grad durch.

Zum Samstag hin deuten sich aus Westen erste Wolkenfelder und ein leichtes Regenrisiko an, wodurch die Temperaturen zum Sonntag wieder auf milde 21 Grad sinken.

Für die vielen Urlauber in unserem Bundesland sicherlich gute Aussichten – jedoch nicht für das dieses Jahr kaum in Gang kommende Pilzwachstum…

Also zeige und stelle ich heute wieder die restlichen von Isa´s Funden vom Wochenende aus der Nähe von Crivitz vor.

Catrin

 

Goldröhrlinge (Suillus grevillei) leben in strenger Symbiose mit Lärchen und werden deswegen auch Goldgelber Lärchenröhrling genannt.
Foto: Isa Krietsch

 

Der Rotschuppige Raukopf (Cortinarius bolaris) ist ein giftiger Pilz aus der Familie der Schleierlingsverwandten. Er gilt als stark magen-darm-giftig und ist aufgrund seiner auffälligen Färbung relativ leicht zu erkennen. Der Hut ist mit roten Schüppchen bedeckt – auch der Stiel ist mit auffälligen roten Schuppenbändern oder -zonen überzogen.
Foto: Isa Krietsch

 

Das Stielfleisch des Rotschuppigen Raukopfes ist weißlich, verfärbt sich bei Verletzung oder im Anschnitt langsam intensiv chromgelb bis safrangelb.
Foto: Isa Krietsch

 

Ein wunderschöner kleiner und sehr kurzlebiger Scheibchentintling (Parasola sp.). Diese kleinen Pilzchen tauchen oft plötzlich am Morgen auf und vergehen bereits am Abend. Der tellartige Hut hat deutliche Rillen, die fast wie Plissee aussehen.
Foto: Isa Krietsch

 

Und zur Abwechslung und Abschluss mal wieder ein Falter. Brauner Bär (Arctia caja) – eine heimische Nachtfalterart, die zum Schmetterling des Jahres 2021 gekürt wurde. Früher war die Art sehr häufig, steht heute aber wegen des Lebensraumverlustes und der Lichtverschmutzung auf der Vorwarnliste der Roten Liste.
Foto: Isa Krietsch


12.08.2026 – Mittwoch

Ein Fahler Röhrling (Hemileccinum impolitum) begrüßte uns gleich zu Anfang am kalkhaltigen Wegrand.
Foto: Sylvina Zander

Heute fand mal wieder eine Kartierungsexkursion statt. Es war der 2. Quadrant des Messtischblattes Zarrentin in der Schaalsee-Region an der Reihe.

Dorit aus Ratzeburg, Sylvina aus Lübeck und ich entschieden uns vor Ort, die Insel Kampenwerder im Schaalsee aufzusuchen. Diese Insel ist von Lassahn über einen Damm über die benachbarte Stintenburginsel zu erreichen.

Vor 2 Wochen hatten wir im Testorfer Wald noch über 60 Pilzarten aufschreiben können – heute war es aufgrund der Trockenheit mit weniger als 20 Arten pilzmäßig ein Trauerspiel.

Dabei begann es eigentlich ganz gut – gleich zu Anfang fanden wir auf dem Weg zur Stintenburginsel einen Fahlen Röhrling am Wegrand. Je weiter wir gingen, wurde es immer pilzmäßig immer trostloser.

Trotzdem war es eine sehr schöne Wanderung, auf der wir sehr viel über die Geschichte der Inseln erfuhren. Die adlige Familie von Bernstorff besitzt und bewohnt das historische Gut auf der Stintenburginsel im Schaalsee, zu dem auch der Raum um die Insel Kampenwerder gehört.

Einen kurzen ausführlichen Bericht findet ihr demnächst hier.

Catrin

 

Blick auf den Lassahner See auf dem Weg zur Insel Kampenwerder.
Foto: Sylvina Zander


13.08.2026 – Donnerstag

Der Eichen-Leberreischling (Fistulina hepatica) ist wegen seines Aussehens auch bekannt als Ochsenzunge – wie man hier sehr schön sehen kann. An eine Leber erinnert der blutende Fruchtkörper.
Foto: Sylvina Zander

Wie man unschwer an den Beiträgen der letzten Tage erkennen kann, sind derzeit kaum Pilze zu finden. Und heute brachte Hoch „Ralf“  noch einmal sehr heißes und weitgehend wolkenloses Sommerwetter nach Mecklenburg-Vorpommern.

Deswegen ein paar Funde der letzten Tage. Sylvina war letztes Wochenende unter anderem im Lauerholz bei Lübeck unterwegs. Im benachbarten Schleswig-Holstein sieht es an der Pilzfront nicht besser als bei uns aus.

Trotzdem konnte sie einen sehr schönen jungen Leberreischling (Fistulina hepatica) finden.  Er wächst fast ausschließlich an lebenden oder abgestorbenen alten Eichen, seltener auch an Edelkastanien. Als Schwächeparasit dringt sein Myzel in das Holz ein und verursacht dort eine langsam fortschreitende Braunfäule. Das befallene, rötlich verfärbte Holz ist in der Möbelindustrie übrigens sehr begehrt.

Der Leberreischling wird wegen seines Aussehens auch Ochsenzunge genannt. Er ist vor allem für seine fleischähnliche Struktur und die rote Saftabgabe beim Anschneiden bekannt. Er gilt als Speisepilz – ist aber wegen seines säuerlichen Geschmacks aufgrund der Gerbstoffe nicht leicht verdaulich und auch geschmacklich nicht Jedermanns Sache. Im übrigen ist der Pilz nicht mehr sehr häufig zu finden und sollte deswegen geschont werden.

Catrin

Die rötlichen zungen- bzw. konsolenförmigen Fruchtkörper des Leberreischlings wachsen überwiegend am Stammgrund von Eichen. Der Hut hat eine feinwarzige Oberfläche.
Foto: Sylvina Zander

 

Auch zahlreiche junge Grüne Knollenblätterplize (Amanita phalloides) waren im Lauerholz am letzten Wochenende zu finden.
Foto: Sylvina Zander


14.08.2026 – Freitag

Junge Schwefelporlinge (Laetiporus sulphureus) mit Pilzkäfern.
Foto: Hanjo Herbort

Hanjo war endlich diese Woche wieder auf Pilzsuche unterwegs. Beim Spaziergang in Rühn fand er unter anderem junge Schwefelporlinge. Diese waren voll mit Gelbbindigen Schwarzkäfern (Diaperis boleti). Das ist ein glänzender, bläulich-schwarzer Käfer mit gelben Querbinden auf den Flügeldecken, der als Larve und im ausgewachsenen Zustand auf weichen, einjährigen Baumpilzen wie dem Schwefelporling lebt.

Der Schwefelporling lebt als Parasit und Saprobiont an lebenden sowie toten Laubbäumen – besonders häufig an Weiden, Eichen und alten Obstbäumen – in diesem Fall an einer toten Buche.

Einen weiteren Porling, der oft mit dem Schwefelporling verwechselt wird, fanden unsere Vereinsmitglieder Dirk und Martina in der Nähe von Schwerin. Es handelt sich aber um Riesenporlinge (Meripilus giganteus). Sie wachsen vor allem am Fuße, an den Wurzeln oder an Stümpfen von alten Laubbäumen – mit einer starken Vorliebe für die Rotbuche und Eichen.

Wie der Schwefelporling ist auch der Riesenporling ein Speisepilz. Allerdings sollte man ausschließlich ganz junge, weiche Randbereiche der Hüte für den Verzehr nehmen. Bei der Zubereitung verfärbt sich das Fleisch komplett dunkel bis schwarz – schmecken aber aufgrund ihres pilzigen Aromas sehr gut.

Und dann war Hanjo noch in einem Kiefernforst unterwegs und fand dort auch seine erste Krause Glucke dieses Jahr, die er zu meiner großen Freude mir geschenkt hat.

Catrin

 

Der Riesenporling (Meripilus giganteus) ist einer der imposantesten heimischen Baumpilze. Er wächst in riesigen, dachziegelartig übereinandergelagerten Rosetten am Stumpf einer Rotbuche.
Foto: Dirk Fuhrmann

 

Die Hüte des Riesnporlings sind gelb- bis kastanienbraun, oft konzentrisch gezont mit samtiger Oberfläche. Die Unterseite hat weißliche bis cremefarbene Poren, die sich auf Druck schwarz verfärben.
Foto: Dirk Fuhrmann

 

Eine riesige frische Krause Glucke (Sparassis crispa) am Fuß einer Kiefer.
Foto: Hanjo Herbort


17.08.2026 – Montag

Dieser Nachtfalter hat seinen deutschen Namen aus gutem Grund – Osterhasenfalter (Ypsolopha sequella).
Foto: Christian Boss

Beginnen möchte ich heute mal mit einem ganz tollen Nachtfalter, den Christian am Sonnabend fotografiert hat. Er war da in Schwerin in der Naturschutzstation mit seinem Leuchtturm auf Nachtfalter-Kartierung.

Der Name ist hier Programm – ein Osterhasenfalter (Ypsolopha sequella)! Besonders auffällig ist die Zeichnung der zusammengelegten Flügel in Ruhestellung: Von oben betrachtet erinnert das Muster an die Silhouette eines sitzenden Hasen – ein ungewöhnliches Erkennungsmerkmal, dem die Art auch ihren deutschen Namen verdankt.

Ich habe heute mal wieder eine ganz kurze Stippvisite im Rühner Forst gemacht. Nach der letzten Hitzewelle vom Wochenende ohne große Erwartungen auf irgendwelche großartigen Funde.

Und so war es auch – 3 von den Schnecken zerfressene Täublinge. Dafür ein wunderschöner Lärchenröhrling. Und als neue Pilzart sind jetzt auch die Gelben Knollenblätterpilze am Start.

Catrin

 

Auch er macht seinem Namen alle Ehre – der Goldgelbe Lärchenröhrling (Suillus grevillei).
Foto: Catrin Berseck

 

Die ersten Gelben Knollenblätterpilze (Amanita citrina) heute im Rühner Forst.
Foto: Catrin Berseck


18.08.2026 – Dienstag

Ein Häufchen Steine?
Foto: Maria Schramm

Unsere Pilzfreundin und unser Vereinsmitglied Maria war heute am Schweriner See unterwegs. Auch sie konnte trotz der Trockenheit ein paar Pilze finden, die ich euch heute genauer vorstellen möchte.

Es handelt sich um  Wurzelnde Bitterröhrlinge – ungenießbare bis schwach giftige Pilze aus der Familie der Steinpilzverwandten. Und mit den Steinpilzen verwechseln einige Pilzsammler diesen auch und erleben beim Verzehr ihre „bittere“ Überraschung. Wegen des extrem bitteren Geschmacks verdirbt er Speisegerichte komplett und kann nach dem Verzehr auch Magen-Darm-Beschwerden auslösen.

Die Wurzelnden Bitterröhrlinge wachsen besonders unter Buchen, Eichen und Linden – vor allem in kalkreichen lichten Baumbeständen, Parkanlagen und auf Friedhöfen – oft auch an Weg- und Wiesenrändern. Sie wachsen einzeln und oft auch zu Knäueln verwachsen, oft herdenweise.

Hier ein paar wesentliche Merkmale des Wurzelnden Bitterröhrlings (Caloboletus radicans):

  • Hut: 6 bis 20 cm breit, dickfleischig, weißgrau, blassgrau bis ledergelblich und trocken.
  • Röhren: Zitronengelb, im Alter olivgelb, die auf Druck sofort intensiv blau verfärben.
  • Stiel: Gelblich, oft bauchig, zur Basis hin wurzelartig zugespitzt. Besitzt ein feines gelbbraunes Netz.
  • Fleisch: Blassgelb, läuft bei Verletzung oder Anschnitt sofort kräftig blau an.
  • Geruch & Geschmack: Riecht unangenehm säuerlich oder nach Tinte/Maggi und schmeckt sofort gallebitter. 

Catrin

 

Fast büschlig wachsende Wurzelnde Bitterröhrlinge (Caloboletus radicans).
Foto: Maria Schramm

 

Der Stiel des Wurzelnden Bitterröhrlings hat vor allem am Übergang zu den Röhren einen überwiegend gleich gelben Stiel wie die Röhrenfarbe.
Foto: Maria Schramm