05.09.2026 – Öffentliche Wanderung am Pilzlehrpfad bei Bützow
Öffentliche Pilzlehrwanderung
05. September 2026
Pilzwandern im Jahr des Igelstachelbartes
In der Vierburgwaldung bei Bützow

Unsere heutige Wanderung führte uns entlang des Pilzlehrpfades in der Vierburgwaldung bei Bützow.
Foto: Catrin Berseck
Die heutige Öffentliche Pilzlehrwanderung führte uns in die Vierburgwaldung bei Bützow. Nachdem ich am 29.08.2026 in den dortigen Nadelwaldbereichen tatsächlich bereits Krause Glucken, Maronen und einige Täublingsarten finden konnte, beschloss ich kurzfristig, diese Lehrwanderung zu machen.
Der Pilzlehrpfad bei Bützow ist ein knapp 4 km langer Rundweg im waldreichen Vierburgwald südlich von Bützow, der direkt am Naturschutzgebiet Peetscher See vorbeiführt. Der Lehrpfad wurde einst vom ehemaligen regionalen Pilzberater Klaus Warning in Zusammenarbeit mit der Stadt Bützow ins Leben gerufen. Er eignet sich hervorragend, um das Erkennen von heimischen Pilzen mit einer entspannten Wanderung zu verbinden.
Auf dem Rundweg vermitteln Schautafeln nützliches Wissen über Speisepilze, gefährliche Giftpilze und deren täuschend echte Doppelgänger.
Der Mischwald wächst auf teils sandigen Böden. Wir haben hier ein sehr interessantes und vielfältiges Gebiet: Blaubeer–Nadelwald, aber auch immer wieder von Buchen, Eichen und Birken durchsetzt.
Und das Pilzwachstum hatte hier innerhalb einer Woche mächtig zugenommen – gerade in den Nadelwaldbereichen. Und die Teilnehmer wurden nicht enttäuscht. Neben dem Kennenlernen einiger neuer Pilzarten konnten alle auch mit gut gefüllten Körben nach Hause fahren. An Speisepilzen gab es sehr viele Maronenröhrlinge, einige Pfifferlinge, Fuchsige Scheidenstreiflinge, Täublinge und sogar vier Krause Glucken.
Hier ein kleiner Eindruck von der heutigen Pilzlehrwanderung.
Catrin

Gleich zu Beginn der Wanderung begrüßten am Wegrand sehr viele Kleinstpilze. Junge Gemeine Tiegelteuerlinge (Crucibulum laeve) mit ihrer behaart-filzigen Außenseite und dem gelblich-orangefarbenen Deckel.
Foto: Christian Boss

Der Tiegelteuerling lebt als saprobiontischer Zersetzer auf totem Holz, Rindenmulch, Stroh, Pflanzenresten oder wie hier – auf einem Kiefernzapfen. Auf dem Exemplar rechts ist der Deckel bereits aufgerissen und wir sehen am Boden des Tiegels linsenförmige, weißliche Kapseln (sogenannte Peridiolen), die die Sporen enthalten.
Foto: Catrin Berseck

Becherlinge verschiedener Arten sahen wir in Massen den ganzen Weg entlang. Becherlinge müssen mikroskopiert werden, um sie auf Artebene bestimmen zu können.
Foto: Christian Boss

Diesen Becherling hat uns Torsten Richter als Gelbmilchenden Becherling (Peziza succosa) mikroskopisch bestimmt. Beim Anschneiden oder Brechen tritt eine zunächst farblose Flüssigkeit aus, die rasch intensiv gelb, schwefelgelb bis dottergelb verfärbt.
Foto: Catrin Berseck, Bestimmung: Torsten Richter

Ihren Namen verdanken die Öhrlinge ihrer charakteristischen, oft einseitig tief geschlitzten Fruchtkörper-Form, die stark an Eselsohren oder Hasenohren erinnert.
Foto: Christian Boss

Mein Highlight des heutigen Tages waren diese kleinen behaarten Borstenbecherlinge.
Foto: Catrin Berseck

Es handelt sich um Halbkugelige Borstenbecherlinge (Humaria hemisphaerica). Seine Form ist namensgebend halbkugelig bis tief becherförmig. Die Außenseite ist bräunlich und dicht mit braunen, steifen Haaren (Borsten) besetzt, was dem Pilz ein bärtiges, raues Aussehen verleiht. Das Fruchtlager (die Innenseite des Bechers) ist glatt und auffallend heller – meist weißlich-grau bis blass gelblich.
Foto: Catrin Berseck, Bestimmung: Torsten Richter

Dieses Foto im Tagebuch vom 05.09.2026 hat das Interesse von Torsten Richter geweckt. Wir sehen hier hier ein älteres Exemplar des Halbkugeligen Borstenbecherlings und im Hintergrund klitzekleine violette Becherlinge. Also habe ich einige Exemplare der gefundenen Ascomyceten zu Torsten nach Rehna gebracht und er hat sie mikroskopiert und bestimmt.
Foto: Catrin Berseck

Torsten hat sie als Veilchenblauen Spindelspor-Becherling (Ionopezia gerardii) bestimmt.
Foto: Catrin Berseck, Bestimmung: Torsten Richter

Die Innenseite (Fruchtschicht) ist lila-braun bis braunviolett. Die Außenseite ist blasser, weißlich bis blass-lila und weist eine kleiig-flockige Struktur auf.
Foto: Catrin Berseck

Die Sporen des Veilchenblauen Spindelspor-Becherlings sind hyalin, elliptisch bis spindelförmig (ca. 24–30 x 8–10 µm) und enthalten meist ein bis mehrere markante Öltropfen.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

In diesem angefärbten Präparat sind die schlanken Paraphysen zwischen den Ascis sehr gur zu sehen. Sie dienen als Abstandshalter, stützen die Struktur und verhindern, dass die Schläuche vorzeitig verkleben. Zudem enthalten sie oft Farbpigmente, die dem Pilzfruchtkörper seine charakteristische Farbe verleihen.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

Der Veilchenblaue Spindelspor-Becherling ist sehr selten in ganz Deutschland. In der Datenbank der Pilze Deutschlands der DGfM sind für M/V bisher nur 5 Fundorte eingetragen.
Quelle: DGfM

Endlich mal ein größerer Pilz – ein schmutziger Flaschen-Stäubling (Lycoperdon perlatum) am Wegrand.
Foto: Christian Boss

Und unter Buchen fanden wir am Wegrand dann auch diese Bitteren Schleimköpfe (Cortinarius infractus). Er gilt als einer der bittersten Pilze überhaupt – schon eine kurze Berührung der Huthaut mit der Zunge hinterlässt einen extrem gallenbitteren Geschmack.
Foto: Christian Boss

Der bittere Schleimkopf gehört zu den Haarschleierlingen (Cortinarien). Bei jungen Pilzen spannt sich ein feines, spinnwebartiges Gespinst (Cortina = Haarschleier) vom Hutrand zum Stiel, das die Lamellen schützt.
Foto: Catrin Berseck

Ein weiterer Pilz am Wegrand – der Gemeine Schwefel-Ritterling (Tricholoma sulphureum). . Er fällt in den Wäldern sofort durch seine leuchtend schwefelgelbe Farbe und seinen extrem unangenehmen, stechenden Geruch nach Leuchtgas oder Karbid auf.
Foto: Catrin Berseck

Es fing jetzt leicht zu regnen an – also begaben wir uns in die rechter Hand liegenden Fichtenbestände.
Foto: Catrin Berseck

Und dort gab es dann auch die ersten Speisepilze. Greta „pflückt“ hier eine Marone.
Foto: Kathleen Fittke

in Maronen-Röhrling (Imleria badia). Seinen Namen verdankt er seinem dunkelbraunen Hut, der optisch stark an Esskastanien (Maronen) erinnert.
Foto: Christian Boss

Viele kleine braune Pilze auf einem bemoosten Stubben. Es handelt sich um giftige Blutblättrige Hautköpfe (Cortinarius semisanguineus).
Foto: Catrin Berseck

Der Blutblättrige Hautkopf fällt besonders durch sein kontrastreiches Erscheinungsbild auf: Von oben wirkt er oft unauffällig bräunlich, verbirgt unter seinem Hut jedoch leuchtend blutrote Lamellen.
Foto: Catrin Berseck

Die giftigen Dickschaligen Kartoffelboviste (Scleroderma citrinum) waren heute überall vertreten. Aber nur dieser eine in Herzform.
Foto: Christian Boss

Großer Blut-Helmling (Mycena haematopus). Der glockige bis kegelige Hut hat meist einen kleinen Buckel. Die Farbe reicht von fleischfarben über rotbraun bis purpurbräunlich. Typisch ist der geriefte und fein gezähnte bzw. gezackte Hutrand.
Foto: Christian Boss

Der Stiel des Großen Blut-Helmlings ist rötlich-braun bis rosa gefärbt und weißlich bereift. An der Basis befindet sich ein striegelig-filziges Myzel. Bei Bruch fließt die namensgebende „Blutmilch“ aus.
Foto: Christian Boss

Weiter ging es in einen kleinen moosigen Bereich mit vorwiegend Fichten und einigen Kiefern.
Foto: Catrin Berseck

Dort gab es weitere Speisepilze – Rotbraune Scheidenstreiflinge (Amanita fulva).
Foto: Cartin Berseck

Und auch die erste Krause Glucke (Sparassis crispa) zeigte sich am Stammgrund einer Kiefer. Im Volksmund wird sie auch oft Fette Henne genannt.
Foto: Christian Boss

Am Wegrand immer wieder Hinweistafeln – hier zu essbaren Pilzen in diesem Waldbereich.
Foto: Catrin Berseck

In der Grasnabe auf dem Weg massenweise essbare Rötliche Lacktrichterlinge (Laccaria laccata). Die Hutmitte dieser kleinen Pilze ist oft trichterförmig eingedrückt.
Foto: Catrin Berseck

Die Lamellen des Rötlichen Lacktricherlings sind fleischrötlich bis rosabräunlich. Sie stehen auffallend weit auseinander, sind dick und wachsartig.
Foto: Catrin Berseck

Auch der Violette Lacktrichterling (Laccaria amethystina) zeigte sich am Wegrand. Wie der Rötliche Lacktrichterling iats er auch essbar und ein Farbtupfer in jedem Pilzgericht.
Foto: Catrin Berseck

Ein Massenpilz vor allem in Nadelwäldern – der Ockertäubling (Russula ochroleuca). Der Ockertäubling gilt als bedingt essbar. Da er oft eine unangenehme Bitternote oder Schärfe besitzt, gilt er als minderwertiger Speisepilz.
Foto: Catrin Berseck

Unter Kiefern wuchsen leicht erkennbare Buckeltäublinge (Russula caerulea) – wegen des zitzenartigen Buckels in der Hutmitte auch Zitzentäubling genannt. Das Fleisch schmeckt mild und riecht angenehm obstartig. Die Huthaut schmeckt jedoch oft bitter, weshalb sie vor dder Zubereitung entfernt werden sollte.
Foto: Catrin Berseck

Auf der Grasnabe im Weg dann auch die ersten kleinen bei vielen Sammlern beliebten Butterpilze (Suillus luteus) – hier neben einem älteren Mehlräsling (Clitopilus prunulus).
Foto: Catrin Berseck

Hier noch einmal junge Mehlräslinge. Für Pilzsammler besitzt er einen besonderen Stellenwert als wichtigster „Steinpilzanzeiger“: Da sein Myzel ähnliche Bodenverhältnisse wie das des Fichtensteinpilzes bevorzugt, stehen die Chancen hoch, in unmittelbarer Nähe auch Steinpilze zu finden. Steinpilze fanden wir heute allerdings dort nicht.
Foto: Catrin Berseck

Dieser große Ameisenhaufen erregte das Interesse von Christian. Es ist ein faszinierendes, hochkomplexes Nestbauwerk, das vor allem von Waldameisen (wie der Roten Waldameisen) aus organischem Material wie Tannennadeln, kleinen Zweigen, Moos und Erde errichtet wird. Die sichtbare Kuppel schützt das Volk vor Witterung, dient als Solarkollektor zur Wärmeregulierung und leitet Regenwasser perfekt ab. Das unterirdische Nest reicht oft genauso tief in die Erde wie die Kuppel hoch ist. Hier befinden sich die Nestkammern für die Königin, die Brut und die Überwinterung.
Foto: Christian Boss

Und hier der erste Fliegenpilz (Amanita muscaria) auf unserer Wanderung. Übrigens auch ein Steinpilzanzeiger.
Foto: Christian Boss

Ein ungenießbarer Olivbrauner Milchling (Lactarius turpis). Der Olivbraune Milchling galt in einigen osteuropäischen Ländern lange Zeit als Speisepilz, wenn er durch Abkochen oder Silieren (Einlegen) speziell zubereitet wurde. Heute weiß man jedoch, dass er den Stoff Necatorin enthält, der stark erbgutverändernd (mutagen) wirkt und im Verdacht steht, krebsauslösend zu sein. Vom Verzehr wird daher dringend abgeraten.
Foto: Catrin Berseck

Rehbraune Dachpilze (Pluteus cervinus agg.) an einem bemoosten Stubben. Ein ungiftiger Speisepilz von mäßiger bis mittlerer Qualität, der fast das ganze Jahr über in heimischen Wäldern zu finden ist.
Foto: Catrin Berseck

Die ungenießbaren Samtfußkremplinge (Tapinella atrotomentosa) wachsen als Holzzersetzer ausschließlich auf totem Nadelholz (meist alten Fichten- oder Kiefernstümpfen).
Foto: Catrin Berseck

Was für´s Auge – wunderschöne junge Rotrandige Baumschwämme (Fomitopsis pinicola) – im Volksmund auch häufig Fichtenporling genannt. Hier allerdings auf einer Birke.
Foto: Catrin Berseck

Guttationstropfen an den Poren des Rotrandigen Baumschwamms. Der Pilz nimmt Wasser und Nährstoffe auf, obwohl die Poren (Spaltöffnungen) nachts oder bei hoher Luftfeuchtigkeit geschlossen sind. Dieses überschüssige Wasser gibt er dann am Tag wieder ab.
Foto: Catrin Berseck

Ebenfalls eine Augenweise sind diese kleinen Ohrlöffel-Stachelinge (Auriscalpium vulgare) auf Kiefernzapfen.
Foto: Catrin Berseck

Seinen Namen verdankt er seiner charakteristischen Form, die an einen kleinen Löffel oder eine Kelle erinnert, sowie den feinen Stacheln auf der Hutunterseite.
Foto: Catrin Berseck

Wir beendeten nun langsam unseren Rundweg und kamen an einem mit Jungbuchen bestandenen Waldbreich vorbei.
Foto: Catrin Berseck

Wie so oft, fanf sich hier auch eine Hinweistafel zu den möglicherweise dort vorkommenden Pilzen.
Foto: Catrin Berseck

Und einer der dort bei den giftigen Pilzen Aufgeführte war auch vor Ort – der Gelbe Knollenblätterpilz (Amanita citrina).
Foto: Catrin Berseck

Im weiteren Verlauf erreichten wir einen Bereich mit Altbuchen und -kiefern. Christian fand dann dort auch noch eine Krause Glucke – die Vierte und letzte des heutigen Tages.
Foto: Christian Boss

Auch Kathleen hatte neben einigen Pfifferlingen, Maronen auch zwei Krause Glucken findne können und eine schöne Mahlzeit für ihre Familie.
Foto: Kathleen Fittke
Wann findet die nächste Lehrwanderung statt? Siehe unter Termine.












