20.09.2026 – Öffentliche Wanderung im Rühner Forst
Öffentliche Pilzlehrwanderung
Pilzwandern im Jahr des Igelstachelbartes
Im Rühner Holz bei Bützow
20. September 2026
Heute trafen sich trotz des angesagten Regens neun Pilzinteressierte um 13 Uhr am vereinbarten Treffpunkt in Steinhagen bei Bützow.
Eigentlich sollte die heutige Öffentliche Wanderung in der Trechower Holzung bei Bützow statt finden. Da dort die letzten Tage aber Pilzsammler teilweise wie die Vandalten durch den Wald gezogen sind, schlug ich fuhr, in einen weniger besuchten Teil des Rühner Forstes zu gehen.
Wie die Trechower Holzung ist der gegenüberliegene Rühner Forst ein von eiszeitlichen Grundmoränen mit Mergelböden geprägtes Gebiet. Es wechseln sich Buchenwälder (wie Waldmeister-Buchenwälder) mit Nadelforsten sowie eingestreuten Feuchtbiotopen mit Birken- und Erlenbrüchen ab.
Der gesamte Bereich ist wegen seiner vielfältigen Pilzflora und Naturdenkmale bei Naturfreunden und Mykologen bekannt.
Trotz des etwas weiteren Weges an einem Maisfeld vorbei zum Waldrand war es wie gestern wieder eine sehr schöne Wanderung, auf der sehr viele Arten gefunden und erklärt werden konnten. Auch die Speisepilzkörbe der Teilnehmer waren zum Ende der Wanderung reichlich gefüllt.
Catrin

Und am Rande des Maisfeldes entdeckten wir dann auch gleich diesen parasitischen Brandpilz – den Maisbeulenbrand (Ustilago maydis). Er befällt ausschließlich Maispflanzen sowie deren mexikanische Wildform.
Foto: Christian Boss

Der Pilz infiziert ausschließlich wachsendes, teilungsfähiges Pflanzengewebe. Er löst an Blättern, Stängeln und vor allem an den Maiskolben tumorartige, faustgroße Wucherungen (Gallen) aus. Die Beulen sind anfangs von einer silbergrauen bis weißlichen Haut umgeben. Im Inneren reift eine tiefschwarze, pulvrige Sporenmasse heran, die nach dem Aufplatzen der Beulen vom Wind verbreitet wird. Ein früher Befall an Jungpflanzen kann zum Absterben der Pflanze führen. Bei spätem Befall kommt es zu Ernteverlusten und einer verminderten Futterqualität, weshalb infizierte Bestände oft nur noch als Viehfutter oder in Biogasanlagen genutzt werden.
Foto: Christian Boss

Diese Blutrote Heidelibelle (Sympetrum sanguineum) sonnt sich auf einem Maisblatt. Das auffälligste Merkmal, das ihr auch den Namen verdankt, ist der leuchtend blutrote Hinterleib der ausgefärbten Männchen.
Foto: Christian Boss

Im Wald angekommen wurden wir dann erst einmal von Specht-Tintlingen (Coprinopsis picacea) begrüßt. Seinen Namen verdankt er der charakteristischen schwarz-weißen Musterung des Hutes, die an das Gefieder eines Buntspechts oder einer Elster erinnert. Er gilt wegen seines unangenehmen Geruchs als völlig ungenießbar, ist jedoch nicht giftig.
Foto: Christian Boss

Und da war er dann auch schon zur Freude aller Teolnehmer – der erste Steinpilz (Boletus edulis) unserer heutigen Wanderung am Waldrand.
Foto: Christian Boss

Der Buchen-Schleimrübling (Mucidula mucida) – auch bekannt als Beringter Schleimrübling oder Porzellanpilz – ist eine häufige Pilzart. Er fällt im herbstlichen Wald besonders durch seine leuchtend weiße, fast durchscheinende Porzellan-Optik und seine extrem schleimige Oberfläche auf. Er wächst von Sommer bis Spätherbst – wie der Name schon sagt – fast ausschließlich auf totem oder lebendem Holz von Rotbuchen.
Foto: Christian Boss

Der Buchen-Schleimrübling gilt als essbar, wird jedoch meist als minderwertiger Speisepilz eingestuft. Das Fleisch ist sehr dünn und wässrig. Wer ihn probieren möchte, sollte nur junge Exemplare wählen, die Huthaut samt Schleim gründlich abziehen und den Pilz gut abwaschen. Der Geschmack ist mild und erinnert leicht an Rettich.
Foto: Christian Boss

Ganz junge essbare Gemeine Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis) an einem Buchenstubben.
Foto: Christian Boss

Stockschwämmchen (vorne rechts) im Vergleich zum tödlich giftigen Gifthäubling (Galerina marginata). Sie ähneln sich auf den ersten Blick, unterscheiden sich bei genauerem Hinsehen aber vor allem im Stiel. Der Stiel des Gifthäublings ist unterhalb der feinen, vergänglichen Manschette silbrig-faserig überhaucht – der des Stockschwämmchens hat kleine Schüppchen unterhalb des Ringes.
Foto: Catrin Berseck

Dieser Baumstubben ist übersät von leicht giftigen Grünblättrigen Schwefelköpfen (Hypholoma fasciculare) und wächst sogar auf den Wurzelausläufern im Laub weiter.
Foto: Renate Neubert

Ziegelrote Schwefelköpfe (Hypholoma lateritium) sind eine ungenießbare bis schwach giftige Pilzart. Der Pilz wächst büschelig an totem Laubholz (besonders Eiche und Buche) und fällt durch seine namensgebende, kräftige Hutfarbe auf. Vom Verzehr wird dringend abgeraten, da er im rohen Zustand stark giftig ist und auch gekocht erhebliche Magen-Darm-Beschwerden sowie einen bitteren Geschmack aufweist.
Foto: Catrin Berseck

Flaschen-Stäublinge (Lycoperdon perlatum) leuchteten heute im ganzen Wald im Laub oder Moos.
Foto: Christian Boss

Hier sehen wir auch, woher der Name stammt. Der Fruchtkörper erinnert an eine umgedrehte Flasche oder eine Birne mit einer kugeligen Oberseite und einem deutlich abgesetzten Stiel.
Foto: Christian Boss

Die Oberfläche des Flaschenstäublings ist typisch sind die kleinen, pyramidenförmigen Stacheln oder Warzen auf der Außenseite. Diese lassen sich leicht mit dem Finger abwischen und hinterlassen ein charakteristisches, netzartiges Muster auf der Haut.
Foto: Christain Boss

Der Fliegenpilz (Amanita muscaria) ist der wohl bekannteste Giftpilz und gleichzeitig ein weltweit verbreitetes Glückssymbol. Unter anderem auch für Pilzsammler – wachsen in seiner Nähe doch auch gerne die beliebten Steinpilze.
Foto: Christian Boss

Und natürlich auch heute waren die Steinpilze wieder in der Nähe der Fliegenpilze vertreten.
Foto: Christian Boss

Die Flockenstieligen Hexen-Röhrlinge (Neoboletus erythropus) waren heute stellenweise sehr gut vertreten.
Foto: Christian Boss

Auch den Maronen-Röhrling (Imleria badia) kann tatsächlich direkt auf oder an Baumstubben (Baumstümpfen) wachsen. Obwohl er primär ein Mykorrhizapilz ist – also in einer Lebensgemeinschaft mit den Wurzeln lebender Bäume (besonders Fichten und Kiefern) steht – findet man ihn überraschend oft auf Holz.
Foto: Christian Boss

Zwischendurch mal ein anderer Röhrling, den Volker gefunden hat. Der Anhängsel-Röhrling (Butyriboletus appendiculatus) wird auch Gelber Steinpilz oder Gelber Bronze-Röhrling genannt. Das ist eine sehr seltene, streng geschützte Pilzart aus der Familie der Dickröhrlingsverwandten. Obwohl er theoretisch ein hervorragender Speisepilz wäre, besteht in Deutschland ein striktes gesetzliches Sammelverbot nach der Bundesartenschutzverordnung.
Foto: Catrin Berseck

Überall im Laub lugten massenweise Steife Korallen (Ramaria stricta) hervor. Aufgrund des bitteren und scharfen Geschmacks gilt dieser Pilz als ungenießbar. Als sogenannter Folgezersetzer (Saprobiont) ernährt sich die Steife Koralle von totem Holz. Man findet sie von Sommer bis Spätherbst vor allem in Laubwäldern (bevorzugt auf vergrabenem Buchenholz),
Foto: Christian Boss

Diese Schnecke lässt sich die Glimmertintlinge (Coprinellus micaceus) schmecken. Auch für den Menschen gilt der Glimmertintling als jung essbar (solange die Lamellen noch rein weiß sind) und wird von Sammlern gerne als Suppenpilz genutzt.
Es gibt jedoch eine wichtige Einschränkung: Der Pilz enthält den Stoff Coprin. Coprin blockiert den Abbau von Alkohol im menschlichen Körper, was zu einer schweren Vergiftung (dem sogenannten Coprinus-Syndrom) mit Herzrasen, Rötungen und Übelkeit führen kann. Daher darf mindestens 3 Tage vor und nach dem Verzehr kein Alkohol konsumiert werden.
Foto: Christian Boss

Hier sehen wir sehr schön die namensgebenden, glitzernden Körnchen auf dem Hut der Glimmertintlinge (diese können durch Regen abgewaschen werden).
Foto: Christian Boss

Ebenfalls auf Totholz finden wir Rehbraune Dachpilze (Pluteus cervinus agg.). Beim Zerreiben oder Anschneiden verströmt der Pilz einen unverkennbaren Geruch nach Rettich oder frisch geschälten Kartoffeln. Der Geschmack ist mild, oft ebenfalls leicht rettichartig.
Foto: Christian Boss

Und immer wieder Steinpilze – hier allerdings bereits überständige ältere Exemplare, die natürlich zum Aussporen stehen gelassen wurden. Wir behamen uns also nicht „wie die Axt im Walde“.
Foto: Catrin Berseck

Nacktschnecken bei der Paarung neben einem der Rotfüßröhrlinge. Nacktschnecken sind Hermaphroditen (Zwitter). Sie besitzen gleichzeitig männliche und weibliche Geschlechtsorgane. Beide Schnecken befruchten sich dabei meistens gleichzeitig, sodass am Ende beide Partner Eier ablegen können.
Foto: Renate Neubert

Wie ich auf der gestrigen und heutigen Wanderung feststellen musste, wird dieser schöne Pilz von Anfängern immer wieder mit dem Violetten Lacktrichterling (Laccaria amethystina) verwechselt…
Foto: Christian Boss

Es handelt sich hierbei aber um den Violetten Schleierling (Cortinarius violaceus). Der gesamte Fruchtkörper – Hut, Lamellen, Stiel und das Fleisch – besitzt eine intensive, dunkelviolette Färbung. Der Hut besitzt eine charakteristisch filzig-schuppige Oberfläche.
Foto: Christian Boss

Hier zum Vergleich noch die Violetten Lacktrichterlinge (Laccaria amethystina). Fast jeder Pilzsammler kennt diesen auffällig gefärbten Blätterpilz und er findet sich sogar nicht selten in den Körben der Sammler wieder, zumindest im durchfeuchteten Zustand. Bei trockenem Wetter blast er zu hell lilagrau aus und wird als Folge kaum noch beachtet oder sogar übersehen.

Hier noch ein schöner kleiner Täubling – der Wechselfarbige Dotter-Täubling (Russula risigallina). Der Pilz ist ein Mykorrhizapartner (Symbiosepilz) verschiedener Laub- und Nadelbäume, der besonders gerne bei Eichen und Buchen wächst.
Foto: Christian Boss

Dieser Täubling wird auch Chamäleons-oder Aprikosen-Täubling. Er wechselt zwar nicht seine Farbe nach Bedarf wie das berühmte Schuppentier, aber seine Farbvariabilität ist beträchtlich. Der Hut des Pilzes kann einfarbig dottergelb, orangeocker, orange, mitunter fast zitronengelb, öfter rosa-ziegelrot wie eine reife Aprikose, schließlich mehr oder weniger verblassend sein. Die Hüte sind bei feuchter Witterung schmierig, bei Trockenheit glanzlos matt.
Foto: Christian Boss

Zwei Vertreter der giftigen Knollenblätterpilze. Links der Fliegenpilz (Amanita muscaria) und rechts der tödlich giftige Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides).
Foto: Christian Boss

Im Rühner Forst finden wir immer wieder Tümpel und Gräben sowie viel Totfolz. Das sorgt natürlich für eine reichliche Pilzflora.
Foto: Renate Neubert

Laubholz-Knäuelinge (Panus conchatus) an einem Laubholzstubben. Die Fruchtkörper sind muschel- bis trichterförmig und wachsen meist büschelig oder dachziegelartig übereinander. Ein besonderes Merkmal ist das Farbenspiel: Jung zeigen sie sich in auffälligen lila bis weinroten Tönen, während sie im Alter zu ocker-, orange- oder gelbbräunlich ausblassen.
Foto: Catrin Berseck

Der Hut der Laubholz-Knäuelinge erreicht einen Durchmesser von 3 bis 15 cm. Die eng stehenden Lamellen sind hell lilabraun bis gelbbräunlich und laufen weit am Stiel herab.
Foto: Catrin Berseck

Spindelige Rüblinge (Gymnopus fusipes) fallen besonders durch ihr büscheliges Wachstum an Baumwurzeln und ihre markante, spindelartig zugespitzte Stielbasis auf.
Foto: Renate Neubert

Ein seltener Fund und für mich das Highlight der heutigen Wanderung war dieser Ankerhaarige Buchen-Schillerporling (Inonotus cuticularis).
Foto: Catrin Berseck

Hier ein Blick durch die Stereolupe. Bei einer 40-fachen Vergößerung kann man sehr gut die kleinen Härchen auf der Oberfläche des Ankerhaarige Buchen-Schillerporling sehen.
Foto: Catrin Berseck

Aber erst durch das Mikroskop sind die namensgebenden ankerförmige aussehenden Haar des Ankerhaarigen Buchen-Schillerporlings zu erkennen.
Foto und Bestimmung: Catrin Berseck

Und immer wieder Steinpilze. Hier freut sich Volker mit Krystian aus Hagenow über seinen winderschönen Fund.
Foto: Catrin Berseck

Kurze Rast am Waldrand, bevor es zurück geht. Und hier seht ihr Catrin und die Ausbeute an Speisepilzen von der heutigen Wanderung.
Foto: Renate Neubert

Auf dem Rückweg fanden wir dann noch in der Hecke am Wegrand Weiße Anis-Champignons (Agaricus arvensis). Bernd nahm dieses Exemplar mit nach Hause. Allerdings nicht zum Verzehr, da er bereits mit seinen dunkelbraunen Lamellen viel zu alt war. Er soll bei ihm im Garten aussporen. Wir sind gespannt, ob sie dann demnächst in seinem Garten auch heimisch werden.
Foto: Renate Neubert

Mit Sonnenschein findet diese wunderschöne Pilzlehrwanderung ein Ende. Im Hintergrund sehen wir den Rühner Forst.
Foto: Renate Neubert
Wann findet die nächste Lehrwanderung statt? Siehe unter Termine.






