01.07.2026 – MTB 1937/3 – Schulzenholz bei Retschow
Mittwochsexkursion
Messtischblatt Hanstorf
01. Juli 2026
Auch für Pilz- und Naturinteressierte Gäste
Im MTB 1937/3 – bei Retschow
Der heutige 3. Quadrant des Messtischblattes Hanstorf erstreckt sich von Ost nach West von Groß Siemen bis nach Reinshagen und von Nord nach Süd von Retschow bis nach Satow.
Für unsere heutige Kartierung hatten wir uns das Schulzenholz östlich und südöstlich von Retschow ausgesucht. Alte Buchenwälder und ausgedehnte Fichtenforste prägen den ehemaligen Staatsforst Ivendorf südlich von Kröpelin und Bad Doberan. Inmitten des Waldes immer wieder mehr oder weniger große Seen, im Randbereich mit Birken und Sphagnum–Mooren. Ein durchaus interessantes Gebiet sowohl für den Speisepilzsammler, wie auch für den neugierigen Hobby–Mykologen.
Reinhold war hier auf mehreren, etwas länger zurückliegenden Kartierungsexkursionen mit dem Hobbymykologen Prof. Dr. Jürgen Schwik, unterwegs. Er war damals vom artenreichen Pilzaufkommen völlig überrascht und der Staatsforst Ivendorf zählte seit dem zu seinen erfolgreichsten Exkursionsgebieten.
Allerdings konnten wir – 6 Pilzfreunde des Steinpilz Wismar „Reinhold Krakow“ e.V. – heute nicht an die damaligen Erfolge anknüpfen. Wir waren froh, dass wir aufgrund der langen Trockenheit überhaupt ein paar Frischpilze finden konnten. Trotzdem war es eine sehr schöne Exkursion mit vielen interessanten Eindrücken aus der Natur.
Catrin (Text, Fotoauswahl und -beschriftung, Artenliste)

Und auf ging es gleich in einen von Altbuchen bestandenen Bereich rechts des Weges.
Foto: Jürgen Voigt

Es waren Umberbraune Borstenscheiblinge (Hymenochaete rubiginosa) an einem alten bemoosten Eichenstubben.
Foto: Sylvina Zander

Die Nacktschnecken waren heute allgegenwärtig und machten sich sogar über die Vielgestaltigen Holzkeulen (Xylaria polymorpha) her.
Foto: Jürgen Voigt

Eine der Wegschnecken – entweder die Spanische (Arion vulgaris) oder die Rote (Arion rufus). Eine abgesicherte Bestimmung der Art ist nur an abgetöteten und präparierten Individuen möglich und auch dann schwierig und in Zweifelsfällen unsicher. Für wissenschaftliche Zwecke werden heute häufig genetische Methoden wie DNA Barcoding eingesetzt. Zur Unterscheidung der Spanischen Wegschnecke, vor allem von der Schwarzen Wegschnecke (Arion ater) und der Roten Wegschnecke (Arion rufus), ist eine Präparation des Genitaltrakts notwendig. Aber wer will das machen und so genau wissen – also bleibt es bei „Brauner Nacktschnecke“.
Foto: Irina Gräber

Am Wegrand dann endlich mal wieder ein paar Pilze mit Stiel und Hut – wenn auch nur winzig klein. Man könnte denken, dass es die bekannten Halsbandschwindlinge sind. Aber ein Pilz von oben ist wie ein Käfer von unten – man sollte ihn sich immer komplett ansehen.
Foto: Sylvina Zander

Und von unten sieht man, dass es kein Halsbandschwindling sein kann, da das sogenannte „Kollar“ – ein ringförmiger Kragen, der die Lamellen vom Stiel trennt, fehlt.
Es handelt sich hier um den Rosshaarschwindling (Gymnopus androsaceus) mit seinem namensgebenden haardünnen schwarzbraunen Stiel. Die weit auseinanderstehenden Lamellen wachsen direkt am Stiel an.
Foto: Sylvina Zander

Heute scheinbar kein Pilzfoto ohne die allgegenwärtigen Nacktschnecken… Ein gerade noch erkennbarer Frauentäubling (Russula Cyanoxantha).
Foto: Jürgen Voigt

Am Wegrand Wald-Ziest (Stachys sylvatica). Er wächst bevorzugt an schattigen, feuchten Standorten wie Laubwäldern oder Gehölzrändern. Er dient als wichtige Nektarquelle für Hummeln und spezialisierte Wildbienen. Zahlreiche Schmetterlingsraupen nutzen seine Blätter als Nahrung.
Foto: Jürgen Voigt

Ungewöhnliches Bild – eine Fichte und ein Laubbaum wachsen aus den Astloch einer Buche…
Foto: Sylvina Zander

Das Schulzenholz ist ein forstwirtschaftlich genutzter Wald, so dass auch Bäume entnommen werden. Hier werden gerade Buchenstämme abtransportiert.
Foto: Irina Gräber

Und zwar ungenießbare Brennende Rüblinge (Collybiopsis peronata). Seinen Namen verdankt er einer Geschmacksprobe: Nach längerem Kauen schmeckt das Fleisch brennend scharf.
Foto: Sylvina Zander

Der Hut ist trüb ledergelb, ockerbraun bis rotbraun. Die Oberfläche wirkt oft leicht firnisartig überzogen.
Foto: Sylvina Zander

Eine Kollektion von Frauentäublingen (Russula cyanoxantha) zwischen den Brennenden Rüblingen.
Foto: Sylvina Zander

Stinkmorchel (Phallus impudicus) mit Fliegen, die die klebrige Sporenmasse fressen und die unverdauten Sporen großflächig im Wald verbreiten.
Foto: Sylvina Zander

Der Fichten-Wurzelschwamm (Heterobasidion parviporum) ist einer der wirtschaftlich gefährlichsten Forstschädlinge. Der Pilz verbreitet sich über die Luft und die Sporen infizieren frisch abgesägte Baumstümpfe (Stubben) direkt nach dem Holzeinschlag. Von einem infizierten Stumpf wächst das Myzel über Wurzelkontakte auf benachbarte, gesunde Bäume über. Der Pilz steigt im Kernholz des Stammes oft mehrere Meter weit nach oben. Das Holz verfärbt sich rot-bräunlich und verfault zu einer weichen, faserigen Weißfäule.
Foto: Sylvina Zander

Keimende Buchecker. Die harte braune Schale bricht durch Feuchtigkeit auf. und zwei grüne, nierenförmige Blätter klappen dann nach oben auf.
Foto: Sylvina Zander

Der Wald-Sauerklee (Oxalis acetosella) bevorzugt schattige, feuchte Nadel-, Laub- und Mischwälder mit humosem, leicht saurem Boden. Er wächst oft teppichartig an Orten mit minimalem Tageslicht.
Foto: Irina Gräber

Das Gänse-Fingerkraut (Potentilla anserina) liebt nährstoffreiche, feuchte Böden und wächst oft an Wegrändern. In der Naturheilkunde wird es seit Jahrhunderten vor allem wegen seiner krampflösenden Eigenschaften geschätzt.
Foto: Irina Gräber

Eichen-Wirrlinge (Daedalea quercina) auf einem Eichenstubben.. Die Oberseite ist konsolenförmig, uneben und konzentrisch gefurcht. Die Unterseite zeigt ein markantes, grobes Labyrinth, welches dem „Wirrling“ zu seinem Namen verhalf.
Foto: Sylvina Zander

Und mitten im total zugewachsenen Fichtenwald ragt dieser große Stein aus dem Dickicht.
Foto: Jürgen Voigt

Der Gedenkstein ist dem 1848 in Neustadt (Meckl.) geborenen Großherzoglichen Revierförster Maximilian (Max) Lüders gewidmet. Er war von 1886 bis 1919 im Ivendorfer Forst tätig und wurde 1892 zum Oberförster ernannt. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Thronverzicht des Großherzogs (1918) wurden die großherzoglichen Landesforsten in Staatsforsten des neuen Freistaates Mecklenburg-Schwerin überführt. Gut möglich ist, dass 1919 das Jahr seiner Pensionierung (im Alter von ca. 71 Jahren) oder seines Ablebens war.
Foto: Sylvina Zander
Die Artenliste aus dem Schulzenholz bei Retschow – 1937/322 SW Hanstorf:
Grauer Wulstling (Amanita excelsa), Perlpilz (Amanita rubescens), Buchen-Rindenschorf (Ascodichaena rugosa), Angebrannter Rauchporling (Bjerkandera adusta), Eichen-Wirrling (Daedalea quercina), Eichenmehltau (Erysiphe alphitoides), Zunderschwamm (Fomes fomentarius), Gelbe Lohblüte (Fuligo septica), Brennender Rübling (Gymnopus peronatus), Fichtenwurzelschwamm (Heterobasidion parviporum), Umberbrauner Borstenscheibling (Hymenochaete rubiginosa), Rötliche Kohlenbeere (Hypoxylon fragiforme), Brandkrustenpilz (Kretzschmaria deusta), Blutmilchpilz (Lycogala epidendrum), Stinkmorchel (Phallus impudicus), Rehbrauner Dachpilz (Pluteus cervinus agg.), Giersch-Rostpilz (Puccinia aegopodii), Frauentäubling (Russula cyanoxantha), Dickblättriger Schwärz-Täubling – alte FK (Russula nigricans), Striegelige Tramete (Trametes hirsuta), Schmetterlings-Tramete (Trametes versicolor), Buchenfruchtschalen-Holzkeule (Xylaria carpophila), Geweihförmige Holzkeule (Xylaria hypoxylon), Vielgestaltige Holzkeute (Xylaria polymorpha)
Wann startet die nächste Lehrwanderung? Siehe unter Termine!










