17.06.2026 – MTB 1937/2 – Hütter Wohld
Mittwochsexkursion
Messtischblatt Hanstorf
17. Juni 2026
Auch für Pilz- und Naturinteressierte Gäste
Im MTB 1937/2 – bei Bartenshagen/Parkentin
Heute war der 2. Quadrant im Messtischblatt Hanstorf an der Reihe. Das Gebiet erstreckt sich von Ivendorf im Westen bis nach Parkentin im Osten – Bartenshagen im Norden und Hanstorf im Süden. Und mitten drin liegt der Hütter Wohld mit seinen Klosterteichen, den wir uns für unsere heutige Exkursion ausgesucht hatten.
So trafen sich um 16 Uhr 6 Pilzfreunde des Steinpilz Wismar „Reinhold Krakow“ e.V. auf dem großen Parkplatz in Hütten beim Fischer.
Der Ort Hütten wurde im Jahre 1268 erstmals urkundlich erwähnt. Er bestand wohl in der Tat nur aus einigen Hütten, die im Zusammenhang mit den im ausgehenden 12. Jahrhundert von Zisterzienser Mönchen angelegten Teichen standen.
Nachdem ich einige mitgebrachte Pilze den Teilnehmern gezeigt und erklärt hatte, starteten wir unsere heutige Exkursion in den Hütter Wohld entlang der Forstmeisterschneise.
Es handelt sich hier überwiegend um imposante Buchenbestände mit größeren strukturreichen Buchenwaldkomplexen, die auf einer kuppigen Endmoräne wachsen. Das Waldgebiet entstand in der letzten Eiszeit und ist durch Hügel (bis zu 90 Meter Höhe) und tiefe Bachtäler geprägt. Darin eingebettet liegen zahlreiche Kleingewässer, Bäche mit begleitenden Erlenwäldern und Teichanlagen sowie Zwischenmoore. Aber auch Fichtenforste sind eingestreut – wobei die reinen Fichtenbestände teilweise vom Borkenkäfer vernichtet wurden.
Wir durchwanderten nur einen kleinen Teil des Hütter Wohldes mit verschiedenen Waldbereichen. Der Rückweg führte uns dann am Flusslauf Kanbeck – einem kleinen Bach, den Zisterziensermönche im Mittelalter zu den bekannten Hütter Klosterteichen aufgestaut haben – vorbei und das seit 1999 als Naturschutzgebiet Hütter Klosterteiche unter besonderem Schutz steht.
Frischpilze waren heute kaum welche zu finden – trotzdem konnten wir einiges in unsere Kartierungsliste aufnehmen. Da wir alle auch an anderen Dingen in der Natur interessiert sind, wurde es wieder eine sehr schöne Wanderung mit interessanten Funden.
Catrin

Gleich zu Beginn unserer heutigen Exkursion ein ungewohntes Bild – ein Erbsenfeld.
Foto: Christian Boss

Um welche der vielen Erbsenarten es sich hier handelt, konnten wir leider nicht heraus bekommen.
Foto: Christian Boss

Auch wenn es nicht so aussieht – auch hier handelt es sich um einen Pilz. Der Buchen-Rindenschorf (Ascodichaena rugosa) ist ein parasitärer Schlauchpilz, der hauptsächlich auf der Rinde von Rotbuchen wächst.
Foto: Catrin Berseck

Wilde Brombeeren (Rubus fruticosus) wachsen an lichten Waldrändern, auf Lichtungen und in Kahlschlägen. Für uns Menschen beim Waldspaziergang wegen der vielen Stacheln oft ärgerliche Hindernisse – allerdings bietet das dichte Gestrüpp vielen Wildtieren Schutz und dient heimischen Vögeln als Brutplatz.
Foto: Irina Gräber

Die ersten Wald-Erdbeeren (Fragaria vesca) sind fast reif. Sie bildet zwar deutlich kleinere Früchte als die Gartenerdbeere, überzeugt jedoch durch ein extrem intensives, fruchtig-süßes Aroma.
Foto: Irina Gräber

Diese Hügel mit ihren Altbuchen sind zu gegebener Zeit vielversprechend für Speisepilze, wie Steinpilze und auch Täublinge.
Foto: Christian Boss

Und tatsächlichr zeigte sich hier ein von den Schnecken fast komplett zerfressener Frauen-Täubling (Russula cyanoxantha).
Foto: Catrin Berseck

Und dazu dann auch gleich noch einer der Ledertäublinge – eine breite und kräftige Täublingsart mit festem Fleisch.
Foto: Christian Boss

Die Lamellen der Ledertäublinge sind jung weißlich bis cremefarben, im Alter durch das Sporenpulver auffällig ockergelb bis satt dottergelb. Sie sind ziemlich dick und sehr brüchig.
Foto: Christian Boss

Der Tropfende Saftporling (Calcipostia guttulata) ist ein ungenießbarer Holzpilz. Er ist vor allem für seine auffälligen, klaren Flüssigkeitstropfen (Guttation) am Hutrand bekannt. Als Braunfäule-Erreger zersetzt er hauptsächlich Totholz von Nadelbäumen.
Foto: Christian Boss

Die Fruchtkörper des Tropfenden Saftporlings werden bis zu 30 cm groß, konsolen- oder regalförmig. Jung cremeweiß, später hellbraun, oft mit wasserfleckigen Zonen. Besonders in der Wachstumsphase ist der wulstige Hutrand mit zahllosen, glasigen Tropfen besetzt.
Foto: Christian Boss

An einem der vielen Klosterteiche, die alle mit dem Flüsschen Kanbeck verbunden sind.
Foro: Christian Boss

Im Wasser auf Totholz kann man die Vielgestaltige Holzkeule (Xylaria polymorpha) finden – ein extrem formenreicher Schlauchpilz, der ganzjährig an totem Laubholz wächst und aufgrund seines gruseligen Aussehens im Englischen auch als „Dead Man’s Fingers“ (Finger des toten Mannes) bezeichnet wird.
Foto: Christian Boss

Die Fruchtkörper wachsen oft in büscheligen Gruppen. Sie sind unregelmäßig keulenförmig, knubbelig oder lappenartig verbogen.
Foto: Christian Boss

Hier mal eine Vielgestaltige Holzkeule in Herzform. Jung sind die Keulen hellbraun bis graubraun – die Außenseite der Keulen ist rau, uneben und feinwarzig punktiert.
Foto: Christian Boss

Im Uferbereich fanden wir dann viele dieser Pflanzen – die Große Telekie (Telekia speciosa) – auch bekannt als Scheinalant. Es handelt sich um eine sehr imposante, winterharte Staude, die optisch stark an den echten Alant erinnert und vor allem an schattigeren oder feuchten Stellen wächst.
Foto: Catrin Berseck

Die Große Telekie zeichnet sich durch ihre enorme Wuchshöhe, die auffällig großen, herzförmigen Blätter und die strahlend gelben bis orangegelben Korbblüten aus. Die Blütenköpfe werden 5 bis 10 cm breit und besitzen feine, strahlenförmige Randblüten.
Foto: Irina Gräber

Wenn Christian mit dabei ist, geht es nicht ohne Falter. Hier sehen wir den Marmorierten Eichenwickler (Lobesia reliquana).
Foto: Chrsitian Boss

Die Gefleckte Schnirkelschnecke (Arianta arbustorum) ist auch bekannt als Baumschnecke. Auch wenn es so aussieht – Baumrinde frisst sie nicht; sie raspelt lediglich die feinen Algen, Flechten und Moose ab, die sich auf der Rinde befinden. Sie ernährt sich überwiegend von weichen, pflanzlichen Substanzen wie welken Blättern, Kräutern und Beeren.
Foto: Christian Boss

Vorwiegend waren heute vorjährige Baumpilze – so wie hier der Zunderschwamm (Fomes fomentarius).
Foto: Catrin Berseck

Alte Exemplare des Laubholz-Harzporlings (Ischnoderma resinosum). Dieser holzzersetzende Porling wächst vorwiegend auf totem Laubholz (besonders Buche).
Foto: Catrin Berseck

Der Laubholzharzporling ähnelt sehr dem Schwarzgebänderten Harzporling (Ischnoderma benzoinum). Dieser ist optisch fast identisch, unterscheidet sich jedoch primär durch sein Substrat: Er wächst fast ausschließlich an Nadelholz (bevorzugt Fichte).
Foto: Catrin Berseck

Auch der Umberbraune Borstenscheibling (Hymenochaete rubiginosa) ähnelt den beiden vorherigen Pilzarten. Die Fruchtkörper sind fächer- oder hutförmig, sehr dünn, zäh-lederig und wellig gezont. Die Oberseite ist rotbraun, umberbraun bis schwarzbraun mit einem helleren Rand.
Foto: Heike Baumann

Wir erreichten dann am Flussufer ein Nadelwaldgebiet, wo sich zwischen den vielen abgestorbenen Fichten der Adlerfarn (Pteridium aquilinum) ausgbreitet hat. Es ist die größte heimische Farnart und zeichnet sich durch seine enorme Wuchskraft aus. Er erreicht mühelos Höhen von 1 bis 2 Metern. Die gesamte Pflanze ist stark giftig.
Foto: Irina Gräber

Auf dem Adlerfarn: Waldrasen-Grasmotteneulchen (Deltote pygarga). Sie besiedelt bevorzugt Waldlichtungen, Kahlschläge, verbuschte Waldränder, Auenwälder und feuchte Waldwiesen.
Foto: Christian Boss

Fischeierschleimpilz (Tubifera ferruginosa). Der häufige Schleimpilz ist von Mai bis September vor allem auf totem Nadelholz anzutreffen.
Foto: Christian Boss

Jürgen entdeckte dort den Zimtfarbenen Weichporling (Hapalopilus rutilans). Der gesamte Fruchtkörper ist innen wie außen gleichmäßig zimt-, ocker- oder rotbräunlich gefärbt.
Foto: Catrin Berseck

Erstaunt waren wir über ein Waldstück mit einigen Riesenlebensbäumen (Thuja plicata) im Hütter Wohld. Den seit geraumer Zeit aus Nordamerika in Mitteleuropa eingeführten Nadelbaum trifft man im Wald noch recht selten an. Der Riesenlebensbaum kann ein Alter von über 1.000 Jahren, Höhen von über 70 m und einen Brusthöhendurchmesser von fast 6 m erreichen.
Foto: Irina Gräber

Im Unterschied zur Zypresse hat die Thuja gröbere und dunklere Nadeln und längliche Zapfen.
Foto: Christian Boss

Grasfrosch (Rana temporaria). Erkennungsmerkmal ist ein großer, dunkler Schläfenfleck hinter dem Auge mit sichtbarem Trommelfell.
Foto: Christian Boss

Reinhold sagte immer: Das Beste kommt zum Schluss. Also fanden wir tatsächlich ganz zum Schluss noch ein paar winzige Pfifferlinge (Cantharellus cibarius).
Foto: Christian Boss
Die Artenliste aus dem Hütter Wohld – 1937/232 NO Hanstorf:
Buchen-Rindenschorf (Ascodichaena rugosa), Tintenstrichpilz (Bispora antennata), Tropfender Saftporling (Calcipostia guttulata), Echter Pfifferling (Cantharellus cibarius), Zunderschwamm (Fomes fomentarius), Rotrandiger Baumschwamm (Fomitopsis pinicola), Gelbe Lohblüte (Fuligo septica), Waldfreund-Rübling agg. (Gymnopus dryophilus agg.), Zimtfarbiger Weichporling (Hapalopilus nidulans), Umberbraune Borstenscheibling (Hymenochaete rubiginosa), Rötliche Kohlenbeere (Hypoxylon fragiforme), Schwarzgebänderter Harzporling (Ischnoderma benzoinum), Laubholz-Harrzporling (Ischnoderma resinosum), Brandkrustenpilz (Kretzschmaria deusta), Frauentäubling (Russula cyanoxantha), Striegeliger Schichtpilz (Stereum hirsutum), Buckel-Tramete (Trametes gibbosa), Striegelige Tramete (Trametes hirsuta), Schmetterlings-Tramete (Trametes versicolor), Fischeier-Schleimpilz (Tubifera ferruginosa), Vielgestaltige Holzkeute (Xylaria polymorpha)
Wann startet die nächste Lehrwanderung? Siehe unter Termine!



