10.05.2026 – Öffentliche Wanderung Wiligrad – Gallentin
Öffentliche Pilzlehrwanderung
Pilzwandern im Jahr des Igelstachelbartes
Am Schweriner See bei Wiligrad / Gallentin
Sonntag, 10.05.2026
Unsere heutige Öffentliche Pilzwanderung führt uns an den Schweriner See. Die Route zählt zu unseren traditionsreichsten Strecken, da wir sie im Laufe der Jahrzehnte schon oft abgewandert sind. Meist auf der Suche nach Morcheln, mit mehr oder weniger großem Erfolg.
5 Teilnehmer trafen sich um 13.00 Uhr auf dem Parkplatz bei Schloss Wiligrad. Von dort wanderten wir erst durch den Schlosspark auf der Suche nach Maipilzen, die sich aber leider nicht blicken ließen.
Anschließend ging es am Seeufer des Schweriner Sees bis nach Gallentin, wo wir vorab ein Auto für die Rückfahrt nach Wiligrad geparkt hatten. Bei angenehmem Frühlingswetter hatten wir eine schöne Wanderung und konnten einiges entdecken und erklären.
Auch die Pilzkörbe der Teilnehmer waren zum Schluss der Wanderung gut gefüllt mit Schuppigen und Sklerotienporlingen sowie allerhand Wildkräuern.
Hier ein paar Eindrücke von dieser Wanderung.
Catrin

Rhododrenblüten. Über 1.000 Rhododendren wurden bei der Parkrestaurierung in Wilgrad neu gepflanzt. Da führte mich auf dem Parkplatz gleich mein erster Weg hin.
Foto: Catrin Berseck

Bei diesem schwarzen, stacheligen oder pelzigen Belag auf toten Rhododrenknospen handelt es sich um einen Pilz. Es ist der Rhododendronknospen-Fresserpilz (Seifertia azaleae). Im September/Oktober ritzt die Rhododendronzikade die Knospenschuppen an, um ihre Eier abzulegen. Diese Wunden dienen als Eintrittspforte für den parasitischen Schlauchpilz.
Foto: Catrin Berseck

Weiter geht es über die Wiesen des Schlossparkes auf der Suche nach Maipilzen – leider heute erfolglos.
Foto: Catrin Berseck

In den ungemähten Wiesen im Schlosspark leuchtete mit den himmelblauen Blüten der Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys), auch als „Männertreu“ oder „Wildes Vergissmeinnicht“ bekannt. Diese weitverbreitete heimische Wildstaude ist eine wertvolle Nahrungsquelle für über 27 Wildbienenarten, Schmetterlinge wie den gefährdeten Maivogel und verschiedene Fliegenarten. Die Blüten und jungen Blätter sind ungiftig und können als Dekoration in Salaten, Kräuterquark oder Suppen verwendet werden.
Foto: Catrin Berseck

Am Seeufer finden wir diesen Grenzstein inkl. Wappen der Familie von Both – einem mecklenburgischem Uradelsgeschlecht, das im 13. Jahrhundert über Holstein nach Mecklenburg kam. Insbesondere im Klützer Winkel und im Raum um Wismar ließ das Geschlecht sich nieder und brachte im Verlauf der Jahrhunderte erheblichen Besitz und Macht an sich, bevor es dann Ende des 19. Jahrhunderts an Bedeutung verlor.
Foto: Catrin Berseck

Und dann zeigte sich auch schon der erste „Frischpilz“ – ein von der Trockenheit gezeichneter Rehbrauner Dachpilz (Pluteus cervinus agg.).
Foto: Catrin Berseck

Junger Zunderschwamm (Fomes fomentarius). Er befällt geschwächte Laubbäume, vor allem Buchen (Fagus) und Birken (Betula), und bildet an den Stämmen dicke, invers konsolenförmige Fruchtkörper.
Foto: Catrin Berseck

Hier sehen wir das weiße Sporenpulver eines etwas älteren Zunderschwammes sowohl auf seinem Hut als auch dem Efeu.
Foto: Catrin Berseck

Ein weiterer häufiger Pilz, den wir an Totholz finden, ist der Rotrandige Baumschwamm (Fomitopsis pinicola). Die frische Zuwachszone ist erst weißlich-gelb und verfärbt sich dann kräftig orange-rot.
Foto: Catrin Berseck

Der Rotrandige Baumschwamm zeigt häufig Guttationstropfen, eine Ausscheidung überschüssigen Wassers, das meist aus den Poren junger Fruchtkörper glitzert. Diese Tropfen sind meist glasklar und helfen dem Pilz, seinen Wasserhaushalt auszugleichen.
Foto: Catrin Berseck

Blühende Mahonie mit Mahonienrost (Cumminsiella mirabilissima) auf den Blättern. Er zeigt sich typischerweise durch auffällige gelbe, rote oder braune Flecken auf den Blattoberseiten und staubige Sporenlager auf den Blattunterseiten.
Foto: Catrin Berseck

Ein weiterer Rostpilz – der Scharbockskraut-Rost (Uromyces ficariae). Er bildet dunkelbraune, pulverige Sporenlager (Sori) auf Blättern und Stielen des Scharbockskrautes (Ranunculus ficaria). Der Befall zeigt sich von April bis Mai als braune Flecken und deformierte Pflanzenteile.
Foto: Catrin Berseck

Und dann tauchten die ersten Schuppigen Porling (Cerioporus squamosus) auf – einer der größten und auffälligsten Baumpilze. Ein sehr typisches Merkmal ist der intensive Geruch, der an Gurken oder frisches Mehl erinnert.
Foto: Catrin Berseck

Auch dieser junge Schuppige Porling „schwitzt“ und hat perlenartige Guttationstropfen. Besonders häufig ist das im Mai und Juni zu beobachten, wenn die Fruchtkörper frisch austreiben und noch saftig-weich sind.
Foto: Catrin Berseck

Der Sklerotienporling (Polyporus tuberaster) sieht dem Schuppigen Porling sehr ähnlich. Er ist jedoch deutlich kleiner, hat feinere Schuppen und oft einen welligen und flatterigen Rand.
Foto: Catrin Berseck

Weitere Unterscheidungsmerkmale zum Schuppigen Porling sind der Stiel und Geruch. Der Sklerotienporling ist fast immer zentral gestielt und hat einen angenehmen, pilzartigen Geruch.
Foto: Catrin Berseck

Kastanienbraune Stielporlinge (Picipes badius) sind ebenfalls weit verbreitete Holzbewohner.
Foto: Catrin Berseck

Bei diesem jungen Exemplar sehen wir in der Mitte bereits die namesgebende Verfärbung glänzende rotbraune bis kastanienbraune des Hutes.
Foto: Catrin Berseck

Die Poren des Kastanienbraunen Stielporlings sind extrem fein und weißlich bis cremefarben, wobei sie am Stiel herablaufen.
Foto: Catrin Berseck

Dann endlich Pilze mit Hut und Stiel. Gemeine Glimmertintlinge (Coprinellus micaceus agg.) sind weit verbreitete Pilz aus der Familie der Mürblingsverwandten. Sie sind vor allem für die silbrigen, glitzernden Schüppchen auf dem Hut bekannt, die ihnen den Namen geben.
Foto: Catrin Berseck

Im Mai kann man durchaus schon Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis) finden. Diese Exemplare waren allerdings bereits vertrocknet.
Foto: Catrin Berseck

Auch diese Champignons (Agaricus sp.) am Gallentiner Seeufer haben massive Trockenschäden.
Foto: Catrin Berseck
Die Artenliste vom nordwestlichen Uferbereich des Schweriner Sees zwischen Wiligrad und Gallentin – MTB 2234/411 SO – Bad Kleinen:
Judasohr (Auricularia auricula-judae), Münzenförmige Kohlenbeere (Biscogniauxia nummularia), Tintenstrichpilz (Bispora antennata), Angebrannter Rauchporling (Bjerkandera adusta), Orangerotes Brennnesselbecherchen (Calloria neglecta), Riesenbovist – alter FK (Calvatia gigantea), Mahonienrost (Cumminsiella mirabilissima), Zunderschwamm (Fomes fomentarius), Rotrandiger Baumschwamm (Fomitopsis pinicola), Flacher Lackporling (Ganoderma applanatum), Grünblättriger Schwefelkopf (Hypholoma fasciculare), Laubholzharzporling (Ischnoderma resinosum), Brandkrustenpilz (Kretzschmaria deusta), Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis), Speisenorchel – alter FK (Morchella esculenta), Brombeerrost (Phragnidium violaceum), Kastanienbrauner Stielporling (Picipes badius), Rehbrauner Dachpilz (Pluteus cervinus agg.), Löwengelber Schwarzfußporling (Polyporus leptocephalus), Schuppiger Porling (Polyporus squamosus), Sklerotienporling (Polyporus tuberaster), Rhododendronknospen-Fresserpilz (Pycnostysanus azaleae), Gemeiner Spaltblättling (Schizophyllum commune), Buckeltramete (Trametes gibbosa), Striegelige Tramete (Trametes hirsuta), Schmetterlingstramete (Trametes versicolor), Rostpilz an Scharbockskraut (Uromyces ficariae)
Wann startet die nächste Lehrwanderung? Siehe unter Termine!




