20.05.2026 – MTB 2236/4 im LSG Obere Seen bei Sternberg
Mittwochsexkursion
Messtischblatt Sternberg
20. Mai 2026
Auch für Pilz- und Naturinteressierte Gäste
Im MTB 2236/4 – bei Sternberg

Diese Hinweistafel ließ Christians Herz gleich zu Beginn unserer Wanderung höher schlagen… Schließlich gilt sein Interesse nicht nur den Pilzen, sondern auch den Schmetterlingen und Nachtfaltern.
Foto: Catrin Berseck
Heute war der 4. und letzte Quadrant des Messtischblattes 2236 an der Reihe. Der vorherige 3. Quadrant fiel aufgrund der Wetterlage aus und wird demnächst nachgeholt…
Das heutige Exkursionsgebiet erstreckt sich von Weitendorf bis zur namensgebenden Kleinstadt Sternberg.
Infrage kamen als Exkursionsgebiet der Sültener Forst nördlich von Sülten und Sagsdorf mit dem „Verschwundenen See“ oder die heideartige Fläche beim Oberen See westlich von Sternberg im Landschaftsschutzgebiet Obere Seen, dass zugleich zum Naturpark Sternberger Seenland sowie dem mittleren Warnowtal zählt.
Da heute nur Christian Zeit hatte, haben wir uns ganz unproblematisch für die Heidelandschaft als Exkursionsgebiet entschieden.
Es ist ein eiszeitlich geprägtes Endmoränengebiet und umfasst den Oberen See, den Wustrowsee sowie das Wendfeld. Das Gebiet zeichnet sich durch seine reizvolle hügelige Landschaft und seine Artenvielfalt aus: Ginsterheiden, nährstoffarme Sandgrünländer, Feuchtwiesen und naturnahe Mischwälder.
Und wir hatten heute Glück mit dem Wetter. Genau zwischen 2 Regengebieten fand unsere heutige Exkursion bei frühsommerlichen Temperaturen und Sonnenschein statt.
Hier ein paar Eindrücke für euch – auch mal wieder über den „Tellerrand“ geschaut und neben den Pilzen ein paar andere interessante Funde.
Catrin (Text, Fotoauswahl und -beschriftung, Artenliste)

Diese zum Abtransport gelagerten Holzstämme „dampfen“ nach dem vorherigen Regenschauer in der Sonne.
Foto: Christian Boss

Christian ist es endlich gelungen, ein Weibchen (links) und Männchen (rechts) des Aurorafalters zusammen auf ein Foto zu bekommen. Während Männchen an den Vorderflügeln eine auffällig orangefarbene Stelle besitzen, sind die Flügel der Weibchen rein weiß.
Foto: Christian Boss

Aurorafalter fliegen hauptsächlich Kreuzblütler – wie hier die Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata) an.
Foto: Christian Boss

Aber auch die ersten Pilze zeigten sich – wenn auch „nur“ ein Brandpilz…
Der Scharbockskraut-Fleckenbrand (Entyloma ficariae) zeigt sich durch helle, blasse Flecken auf den Blättern, die sich später gelblich bis bräunlich verfärben. Der Pilz gehört zu den Brandpilzen.
Foto: Christian Boss

Aber es ging weiter mit „richtigen“ Pilzen mit Hut und Stiel.
Grünblättrige Schwefelköpfe (Hypholoma fasciculare).
Foto: Christian Boss

Eines der Samthäubchen (Conocybe sp.). Samthäubchen sind nur mikroskopisch bestimmbar, da sie mit über 100 Arten und Varietäten auftreten.
Foto: Christian Boss

Der Stiel der Samthäubchen ist sehr dünn, zerbrechlich und hohl. Häufig ist er längsstreifig oder fein bepudert. Die Lamellen sind angeheftet bis frei und erst ockerlich und bei Sporenreife meist blass rostbraun gefärbt. Die Lamellenschneiden sind blasser, oft flockig und gezähnelt bis schartig.
Foto: Christian Boss

Der Striegelige Schichtpilz (Stereum hirsutum) ist einer der häufigsten und weitverbreitetsten holzbewohnenden Pilze in hiesigen Wäldern. Erwächst das ganze Jahr über als ungenießbarer Zersetzer auf totem Laubholz. Die Hutoberseite ist zottig, striegelig behaart, gelborange bis graugelb gefärbt, oft konzentrisch gezont.
Foto: Catrin Berseck

Die Wuchsform des Striegeligen Schichtpilzes ist effus-reflex, das heißt, er liegt flach auf dem Holz auf und bildet wellige, dachziegelartig abstehende Hutkanten.
Foto: Catrin Berseck

Und allerlei schöne Fotomotive…
Die einzelnen Samen der Pusteblume (Taraxacum officinale) besitzen einen kleinen Haarschirm (Pappus). Dieser wirkt wie ein Fallschirm und trägt den Samen mit dem Wind kilometerweit fort.
Foto: Catrin Berseck

Fünfpunkt-Marienkäfer (Coccinella quinquepunctata) ist eine heimische Käferart aus der Familie der Marienkäfer. Er sieht dem bekannten Siebenpunkt-Marienkäfer sehr ähnlich, unterscheidet sich von diesem jedoch vor allem durch seine geringere Körpergröße und die Anzahl der charakteristischen Punkte.
Foto: Catrin Berseck

Das Kleine Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus), auch bekannt als Kleiner Heufalter, ist einer der am weitesten verbreiteten Tagfalter in Deutschland und Europa. Der Falter hält seine Flügel im Sitzen fast immer strikt geschlossen. Seine orangefarbene Oberseite ist daher meistens nur im Flug kurz zu sehen.
Foto: Christian Boss

Obwohl scheinbar auf der Wiese gewachsen, ist der Rehbraune Dachpilz (Pluteus cervinus agg.) ein klassischer Folgezersetzer (Saprophyt), der fast ausschließlich auf totem Holz wächst. Bei trockener Witterung reist die Huthaut gerne auf.
Foto: Christian Boss

Der Stiel des Rehbraunen Dachpilzes ist faserig, weißlich mit graubraunen Längsfasern – die Lamellen ind vollkommen frei, berühren den Stiel also nicht.
Foto: Christian Boss

Für das nachfolgende Foto ist Christian gerne zum Seeufer des Bürgermeistersees gegangen…
Foto: Catrin Berseck

Der Zunderschwamm (Fomes fomentarius) bildet mehrjährige, konsolenförmige Fruchtkörper, die bis zu 30 Jahre alt werden können. Mit zunehmendem Alter und bei Verbrauch des besiedelten Substrates wird der jährliche Zuwachs geringer, so dass relativ hohe, hutförmige Fruchtkörper entstehen.
Foto: Christian Boss

Dieses Boot nutzten wir dann als „Fähre“ für eine Abkürzung, um über den Flusslauf zwischen Bürgermeistersee und Wustrowsee zu kommen.
Foto: Christian Boss

Dafür landeten wir dann in diesem von Wildschweinen durchwühlten unwegsamen Gelände.
Foto: Christian Boss

Wir kamen dann in ein Gebiet mit Trockenrasen und hatten hier ganz tolle Funde.
Der Raustielige Ackerling (Agrocybe pediades) – auch bekannt als Halbkugeliger Ackerling oder Trockener Ackerling – ist eine weit verbreitete Pilzart aus der Familie der Träuschlingsverwandten.
Foto: Christian Boss

Die Lamellen des Ackerling sind jung hell graubraun, verfärben sich mit zunehmender Sporenreife milchkaffee- bis rostbraun. Sie sind breit am Stiel angewachsen.
Foto: Christian Boss

Der Ampfer-Purpurspanner (Lythria cruentaria) ist ein kleiner, auffällig gefärbter Schmetterling aus der Familie der Spanner (Geometridae). Obwohl er biologisch zu den Nachtfaltern gehört, ist er strikt tagaktiv und fliegt meist im Sonnenschein. Durch den Rückgang von unberührten Sandmagerrasen ist die Art vielerorts bedroht. In Bundesländern wie Bayern und Thüringen steht er bereits als „vom Aussterben bedroht“ auf der Roten Liste.
Foto: Christian Boss

Der Kleine Kohlweißling (Pieris rapae) ist einer der häufigsten Tagfalter Mitteleuropas. Während der erwachsene Schmetterling als nützlicher Bestäuber gilt, sind seine Raupen gefürchtete Schädlinge im Gemüsebeet, da sie sich mit Vorliebe durch Kohlgewächse fressen.
Foto: Christian Boss

Die Heide-Feldwespe (Polistes nimpha) ist eine geschützte, friedliche Faltenwespe, die für ihre freihängenden, hüllenlosen Papiernester bekannt ist, die sie aus verwitterten Holz- und Pflanzenfasern baut. Das Nest besteht aus einer einzigen, offenen Wabe ohne Außenhülle. Die Wespen können die Nesttemperatur regulieren, indem sie bei großer Hitze die Waben mit Wasser ‚bespucken‘ und danach die Waben befächeln, damit das Wasser verdunstet.
Foto: Christian Boss

Kennzeichen der Heide-Feldwesepe ist eine schwarze Zeichnung auf dem meist gelben Kopfschild, die in der Mitte einen schwarzen Fleck unterschiedlicher Größe aufweist, so dass auch ein dicker schwarzer Querstreifen vorhanden sein kann. Die Fühler sind gelb oder orangefarben und tragen schwarze Einfärbungen. Ein ganzes Volk umfasst meist nur kleine Gruppen von 20 bis 40 Tieren.
Foto: Christian Boss

Das Gelblichweiße Ruhrkraut (Pseudognaphalium luteoalbum) ist eine wärmeliebende, einjährige Pflanze aus der Familie der Korbblütengewächse. Es zeichnet sich durch einen dichten, weißfilzigen Flaum aus. Die seltene Art gilt als extrem trockenheitsresistent und ist ein wahrer Überlebenskünstler. Das Ruhrkraut wurde früher als Heilmittel gegen die Ruhr, eine bakterielle Darmerkrankung, eingesetzt. In Deutschland steht die Art auf der Roten Liste und ist vielerorts stark gefährdet.
Foto: Catrin Berseck

Die Rentierflechten (Cladonia sp.) bilden dichte, stark verzweigte, moosähnliche Polster mit hohlen Stämmchen ohne Blättchen.
Sie bevorzugt lichtreiche Standorte auf kargen, sauren und nährstoffarmen Böden.
Foto: Catrin Berseck

Die Rentierflechten wachsen extrem langsam – nur etwa 3 bis 11 Millimeter pro Jahr – die Regeneration zerstörter Bestände dauert Jahrzehnte.
Foto: Catrin Berseck

Kiefern sind „einhäusig“. Das bedeutet, jeder einzelne Baum trägt sowohl männliche als auch weibliche Blüten. Hier sehen wir einen Zweig der Waldkiefer mit weiblichen Blüten oben an den Triebspitzen und einem jungen weiblichen Zapfen (links).Die männlichen Blüten entstehen zahlreich um die Basis der jüngsten Langtriebe und sind unten im Bild zu sehen.
Foto: Catrin Berseck

Auf Magerwiesen oder Trockenrasen wächst der Hasenstäubling (Lycoperdon utriforme).
Foto: Christian Boss

Als Saprobiont (Totholzzersetzer) auf abgestorbenen Ästen und Stämmen von Laubgehölzen wächst der Stoppelige Drüsling (Exidia glandulosa). Die dem Holz abgewandte Oberseite besitzt winzige, drüsige Wärzchen oder feine „Stoppeln“. Diese gaben dem Pilz seinen Namen.
Foto: Catrin Berseck

Reinhold sagte immer: Das Beste kommt zum Schluss… Für mich ein Erstfund und tatsächlich das „Beste“. Auch hier handelt es sich um einen Pilz. Der Traubenkirschen-Wucherling ist ein parasitärer Schlauchpilz (Taphrina farlowii), der typischerweise an der Späten Traubenkirsche (Prunus serotina) vorkommt. Es handelt sich hierbei um einen aus Nordamerika eingeschleppten Pilz, der sich aktuell in Ausbreitung befindet.
Foto: Christian Boss

Die Blätter zeigen blasige Auftreibungen und verfärben sich oft rötlich oder gelblich. Die befallenen Pflanzenteile sind in ihrer Struktur verändert, was das typische namesgebende „wuchernde“ Aussehen erklärt.
Foto: Christian Boss
Die Artenliste im LSG Obere Seen – MTB 2236/443 SO – Sternberg:
Halbkugeliger Ackerling (Agrocybe pediades), Scharbockskraut-Fleckenbrand (Entyloma ficariae), Warziger Drüsling (Exidia nigricans), Zunderschwamm (Fomes fomentarius), Grünblättriger Schwefelkopf (Hypholoma fasciculare), Mai-Stielporling (Lentinus substrictus), Zugespitzter Kugelpilz (Leptosphaeria acuta), Kiefernnadel-Spaltlippe (Lophodermium pinastri), Hasenstäubling (Lycoperdon utriforme), Birkenporling (Piptoporus betulinus), Rehbrauner Dachpilz (Pluteus cervinus agg.), Ahorn-Runzelschorf (Rhytisma acerinum), Striegeliger Schichtpilz (Stereum hirsutum), Traubenkirschen-Wucherling (Taphrina farlowii), Buckelige Tramete (Trametes gibbosa)
Wann startet die nächste Lehrwanderung? Siehe unter Termine!


