Pilzraritäten in Mecklenburg
Auf dieser Seite wollen wir außergewöhnliche Pilzarten vorstellen die uns immer wieder auf unseren Wanderungen und Exkursionen begegnen. Sie bringen Abwechslung und Freude bei jenen Pilzfreunden, die sich nicht nur für die “Kochtopfmykologie” interessieren.
Eine solche Abwechslung erlebten wir mit großer Freude auf unserer ersten Pilzwanderung im Jahr 2009.

Riesen - Lorchel (Gyromitra gigas) Rote Liste M-V 2 = stark gefährdet! Standortfoto vom 04.04.2009 im Staatsforst Jamel.

Riesen Lorchel (Gyromitra gigas) 04.04.2009 Staatsforst Jamel. Das Foto entstand auf der Moosfläche meiner Pilzausstellung. Deshalb auch die Kiefernzapfen.
Eine größere Gruppe (ca. 20) der in Mecklenburg - Vorpommern sehr seltenen Riesen Lorchel (Gyromitra gigas). Das Biotop war Fichten - Monokultur auf etwas besserem Boden mit viel Totholz und reichlich Moos. Die Lorcheln wuchsen sowohl auf dem Erdboden im Moos als auch auf bemoosten Fichtenstämmen.

Österreichischer Kelchbecherling (Sarcoscypha austriaca) Rote Liste MV: 4 = potentiell gefährdet! Foto: 10.04.2009 Schlemminer Staastforst
Dieser schöne Ascomycet ist nur mikroskopisch von dem ebenfalls bei uns sehr seltenen Zinnoberroten Kelchbecherling (Sarcoscypha coccinea) sicher zu unterscheiden. Er wächst in M-V nur sehr vereinzelt in reicheren Laubwäldern an Laubholzästen die im Boden oder in der Humusschicht eingebettet sind. Dieser Standort im Schlemminer Staatsforst wurde vor etwa 10 Jahren von dem Bützower Pilzberater Klaus Warning entdeckt. Damals bot die Stelle einen wirklich prachtvollen Anblick, da hunderte Fruchtkörper am Standort waren. Inzwischen bringt die Stelle deutlich weniger Pilze hervor. Ursache können hier “Pfegemaßnahmen” im Rahmen einer “Flurberäumungs - ABM” gewesen sein, so dass dadurch weniger “Astnachschub”, zumindest vorrübergehend, zur Verfügung steht.

Fahler Röhrling (Boletus impolitus). Rote Liste M-V 3 = gefährdet. Gefunden am 08. Mai 2009 auf dem wismarer Friedhof unter Eiche. Die Aufnahme entstand auf der Moosfläche unserer Pilzausstellung.
Der Fahle Röhrling ist in Mecklenburg nur sehr zerstreut unter Eichen auf schweren Lehmböden anzutreffen. Er bevorzugt anscheinend lichtere Standorte wie Wald- und Wegränder oder parkartige Landschaften. Er wächst dann einzeln oder in kleinen Trupps. Sein ziemlich einheitlich fahlgeber bis bräunlicher Hut, die schön gelben Röhrenmündungen, der ungenetzte Stiel und sein häufig starker Phenolgeruch kennzeichnen die Art recht gut. Er gehört zu den ersten Röhrlingen im Jahr und wächst bei uns in der Regel ab Anfang Juni (in diesem Fall schon Anfang Mai) bis zum September, seltener auch noch im Oktober. Damit zählt er zu den wärmeliebenden “Sommer - Röhrlingen”. Der Pilz ist essbar, wobei die Meinungen über seine Geschmacksqualitäten auseinander gehen. Außerdem sollte er auf Grund seines nicht häufigen vorkommens geschont werden.

Weißstielige Lorchel (Helvella monachella). Gefunden am 22. Mai 2009 auf dem Gelände der Bundesgartenschau in Schwerin.
Die Weißstielige Lorchel ist eine mittelgroße, gestielte Art mit einem oft unregelmäßigen, zipfligen Hut der an die Kopfbedeckung von Nonnen erinnert. Die Farbe des Hutes ist dunkelbraun, graubraun bis schwarzbraun. Der Stiel ist weißlich gefärbt mit grübchen und Falten. Die Weißstielige Lorchel ist in Westmecklenburg mit diesem Fund erstmals belegt. Sie wächst im Mai auf sandigen Böden in Wäldern, oder wie hier, in Parkanlagen.

Ein Highlight der 17. Pilzausstellung im September 2009 war neben spektakulären Stachelbärten dieser Dickröhrling (Boletus specc.). Pilzfreundin Angelika Boniakowski hat diese große Rarität am 25.09.2009 im Schlemminer Staatsforst auf besserem Boden unter Eiche gefunden.
Dazu konnte ich erst einmal gar nichts Sagen. Diese Röhrlinge sind mir bislang noch nicht unter gekommen. Leider besitze ich auch nicht allzuviel Literatur, die sich ausgiebig mit den Dickröhrlingen auseinander setzt. Ich fand aber einen Pilz, von dem die Beschreibung recht gut auf unsere Kollektion zutraf: den Goldröhrenschwamm (Boletus fragrans). Bis auf dessen starken Geruch. Davon war hier leider nichts zu bemerken. Nach Ansicht von Benno Westphal könnte es sich auch um den Blasshütigen Röhrling (Boletus depilatus) handeln. Dieser Meinung ist auch unser Leser Jürgen Schreiner. Nur fehlt auch zu diesem ein entscheidendes Merkmal: die marmorierte Hutoberfläche, die aussehen soll, als wäre sie mit einem Hammer bearbeitet - Breitenbach/Kränzlin, Band 3. Entweder kommt ersterer auch geruchlos vor oder letzterer ohne die typische Marmorierung. Oder welcher seltene Röhrling könnte hier sonst noch in Frage kommen?
