Wetter und Pilze Oktober 2009

Wetter und Pilzwachstum in Westmecklenburg

Wetter und Pilze im Oktober

Der pilzreichste Monat des Jahres steht uns bevor!

01. Oktober – Nicht nur die Schopftintlinge, wie auf dem unteren Bild zu sehen, werden kräftig loslegen, nein, auch viele andere Pilzarten werden es ihnen gleich tun. Es besteht durch die lang anhaltende Trockenheit ein großer Nachholebedarf bei vielen Pilzen. Die Vermehrung und der Erhalt der jeweiligen Art steht auf dem Spiel. Vor allem die Streubewohner müssen sich jetzt ins Zeug legen, um rechtzeitig zum beginnenden Laubfall ihre Sporenstreuenden Fruchtkörper zu bilden. Die Sporen fallen dann auf die frisch gefallenen Blätter und Nadeln, um sie zu infizieren und zu gewährleisten, dass sich das Myzelium bis zum nächsten Herbst in ihnen ausbreiten und entwickeln kann, um wiederum eine neue Pilzgeneration hervor zu bringen.  Aus dem Laub wird wertvoller Humus und so sorgen die Pilze dafür, dass der Wald nicht an seinem eigenen Abfall erstickt. Die reinsten Müllwerker! Einzig die wärmeliebenden Sommerpilze werden wohl nicht mehr großartig in Erscheinung treten. Mit dem Regen ist es zwar vorübergehend empfindlich kühl geworden und an diesem Wochenende steht uns sogar der erste Herbsturm der Saison ins Haus, aber wichtig sind die damit verbundenen Niederschläge. Die Temperaturen werden sich im Verlauf auch wieder erholen und dann sollte diesem Szenario nichts mehr im Wege stehen. Es dürfte wohl von Tag zu Tag besser werden mit dem Aufkommen an Frischpilzen in Wald und Flur.

Schopftintling (Coprinus comatus). Diese Pilzgruppe habe ich heute morgen im wismarer Stadtgebiet fotografiert und anschließend bereicherten sie unsere Dauerausstellung. Standortfoto am 01.10.2009.

Schopftintling (Coprinus comatus). Diese Pilzgruppe habe ich heute morgen im Wismarer Stadtgebiet fotografiert und anschließend bereicherten sie unsere Dauerausstellung. Standortfoto am 01.10.2009.

02. Oktober – Ich habe heute Nachmittag eine kleinere Exkursion in die Wälder bei Jesendorf unternommen, um mit einigen Exponaten die Rehnaer Pilzausstellung zu bereichern. Morgen und am Sonntag finden dort nähmlich zum 10. mal die „Tage der Pilze“ statt. Den Mitgliedern des Pilzvereins „Heinrich Sternberg“ Rehna e.V. ist es, trotz der immer noch großen Pilzknappheit, wieder gelungen, eine der großartigsten Pilzschauen im norddeutschen Raum auf die Beine zu stellen. Es werden mehr als 260 Großpilzarten unserer Region in einem einzigartigen Ambiente zu sehen sein. – Das Wetter war heute wieder empfindlich kühl aber nicht unfreundlich. Morgen und am Sonntag soll uns der erste Herbssturm des Jahres heimsuchen. Das gute daran, er wird viel Regen mitbringen. Ich hoffe aber nicht gerade zu unserer morgigen Pilzwanderung durch den Woitendorfer Wald. Alle, die zum Pilzesuchen unter fachlicher Begleitung durch die Pilzberater Irena Dombrowa und Reinhold Krakow sowie der beiden Pilzkenner Prof. Dr. Jürgen Schwick und Torsten Richter Lust haben, können sich um 09.45 Uhr vor dem Amtsgebäude in Rehna einfinden (siehe auch unter „Termine“).

03. Oktober – Ein zeitweise regnerischer und stürmischer Hersttag. Im Rahmen der „Tage der Pilze“ in Rehna gab es heute wieder die traditionelle Pilzwanderung durch den Woitendorfer Wald. Da das Gebiet recht umfangreich ist, bildeten wir wieder zwei Gruppen, die in verschiedene Ecken des Waldes fuhren. Die Gruppe, die ich begleitete, wanderte durch einen Bereich der von solidem Buchenbestand geprägt ist. Hier gibt es um diese Zeit in der Regel sehr viele Pilze. In diesem Jahr war es erwartungsgemäss eher bescheiden. Aber es entwickelt sich! Noch vor wenigen Tagen bbohnte es sich kaum in Buchenwäldern auf Pilzpirsch zu gehen, aber das zunehmend feuchte Wetter wird in den nächsten Wochen auch hier die Pilze aus dem Boden kitzeln. Erste Milchlinge und Täublinge erhoben sich hier über die Laubstreu und die Stubben werden zunehmend von Schwefelköpfen, Stockschwämmchen und Hallimasch überzogen.

Hallimasch (Armillaria specc.) füllte zusammen mit Stockschwämmchen füllten die Körbe. Standortfoto am 03.10.2009 im Staatsforst Rehna.

Hallimasch (Armillaria specc.) und Stockschwämmchen füllten den einen oder anderen Korb. Standortfoto am 03.10.2009 im Staatsforst Rehna.

04. Oktober – Am heutigen Sonntag befanden wir uns auf der Rückseite eines Sturmtiefs. Bei stürmischen Winden gab es klassisches Rückseitenwetter mit Sonne, Wolken und Schauern im Wechsel. An der Seite von Torsten Richter und weiteren Mitgliedern des Pilzvereins „Heinrich Sternberg“ Rehna e.V., betreute ich auch heute wieder die Pilzausstellung im Kreuzgang der dortigen Klosteranlage. Bis 16.00 Uhr war die Pilzschau noch geöffnet. Pilzberaterin Irena Dombrowa bot zur Stärkung wieder ihre beliebte Waldpilzsuppe und frische Waffeln an. Trotz der Trockenheit gelang es den Rehnaer Pilzfreunden wieder eine überaus sehenswerte Ausstellung auf die Beine zu stellen. Immerhin fast 300 Großpilzarten aus der näheren Umgebung gab es für 2 € Eintritt zu sehen.

05. Oktober – Der heutige Montag war vom Wetter her bei uns sehr freundlich mit viel Sonne und tiefblauem Himmel. Da waren wir in Mecklenburg – Vorpommern wirklich auf der Sonnenseite. In den meisten anderen Regionen Deutschlands war es trübe und verregnet. Dieser Regen gehört zu einer Warmfront die uns nochmals einen Schwall warmer Sommerluft mitbringt. Das wird das Pilzwachstum zusätzlich anregen, zumal mit Annäherung und im Bereich der Kaltfront am Mittwoch und Donnerstag wieder mit neuen Regenfällen zu rechnen ist.

Auf der Heimfahrt von Rehna leuchteten gestern am Straßenrand in Schwerin unter Alleebäumen im Rasen diese Pilze. Es handelt sich um den Veilchen - Rötelritterling (Lepista irina). Er gilt als guter Speisepilz, falls das süßliche Aroma nicht stört. Da diese Pilze am Strassenrand standen, werden sie nicht gegessen, sondern Bereichern die wismarer Dauerausstellung. Standortfoto am 04.10.2009 in Schwerin.

Auf der Heimfahrt von Rehna leuchteten gestern am Straßenrand in Schwerin unter Alleebäumen, im Rasen, diese Pilze. Es handelt sich um den Veilchen - Rötelritterling (Lepista irina). Er gilt als guter Speisepilz, falls das süßliche Aroma nicht stört. Da diese Pilze am Straßenrand standen, werden sie nicht gegessen, sondern bereichern die Wismarer Dauerausstellung. Standortfoto am 04.10.2009 in Schwerin.

06. Oktober – Heute hatten wir bis zum späteren Nachmittag einen schönen, strahlenden Sonnentag. Am Abend verdichteten sich die Wolken und in der Nacht kann es auch noch etwas regnen. Diese Warmfront führt vorübergehend sehr milde und feuchte Luft heran. Aber bereits im morgigen Tagesverlauf nähert sich die Kaltfront von Nordwesten her, so dass verstärkt mit schauerartigen Regenfällen zu rechnen ist. Die Pilze werden es danken!

07. Oktober – In der Nacht zog eine Warmfront mit kräftigem Regen durch. Am Morgen und am Vormittag war es fast unangenehm warm und schwül. In Südwestdeutschland vielen sogar Temperaturrekorde für einen 7. Oktober. Es ging örtlich bis an die 30 Grad Marke rauf! So schlimm war es bei uns aber nicht und am Nachmittag kühlte es auch schon wieder ab. In der kommenden Nacht breitet sich von Südwesten her in Zusammenhang mit einem intensiven Randtief, starker Regen auf Norddeutschland aus. Für unsere Region sind 10 – 20 Liter auf den Quadratmeter prognostiziert. – Meine heutige Mittwochsexkursion führte mich in verschiedene Wälder im Raum Sternberg/Brüel. Im ersten Wald, bis auf Grünblättrige Schwefelköpfe, so gut wie keine Pilze. Im 2. Gebiet, in dem schon seit einiger Zeit etwas mehr los war, deutlich besser! Hier fand in einem anmoorigen Gebiet mit Kiefern und vielen Birken ein regelrechter „Fliegenpilzaspekt“ statt. Birkenpilze, die es hier auch gibt, waren im wesentlichen bereits wieder abgeklungen. Dieser Bereich hat sein Optimalpilzwachstum schon überschritten. Das gilt im allgemeinen wohl auch für die meisten feuchteren Standorte, an denen in den letzten Wochen schon gut Pilze wuchsen. 90 % aller Wälder steht allerdings noch der Höhepunkt bevor, beginnend ab nächster Woche.

08. Oktober – Starke Gewitter und intensive Regenfälle sind in der vergangenen Nacht und am Vormittag über weite Teile Norddeutschlands gezogen. Die wismarer Region wurde von den Regenfällen nur zeitweise und in abgeschwächter Form gestreift. In den südlichen Bereichen von Mecklenburg gab es wesentlich mehr Regen. In den letzten 4 Tagen sind in Westmecklenburg Regenmengen zwischen mindestens 10 bis über 20 Liter gefallen. Am Wochende kommt ein neues Tief mit weiteren, teils  ergiebigen Regenfällen. Dann sollte Trockenheit in dieser Saison kein Thema mehr sein. Ungünstig können sich jetzt noch bis zum Saisonschluß, Ende November, sehr kalte, frostanfällige Wetterlagen auswirken. Auch eine stabile Hochdruckwetterlage mit anhaltend starken und trockenen Ostwinden, könnte dem Pilzwachstum stark zu schaffen machen. Letzteres Szenario ist aber zunächst nicht absehbar, wohl aber eine längere, sehr kühle Witterungsphase. Solange diese Witterung mit vielen Wolken und häufigen Niederschlägen einher geht, sollte das zu erwartende Pilzwachstum wohl kaum beeinträchtigt werden. Allerdings wachsen die Pilze dann etwas langsamer, sind in der Qualität aber oft besser als bei warmen Wetter. Die kalte Luftmasse darf nur nicht unter Hochdruckeinfluß zur Ruhe kommen. Das würde Nachtfröste bedeuten. Eine derartige Wetterlage über mehrere Tage würde bei vielen Arten das Einstellen der Fruchkörperproduktion zur Folge haben. Leichte, vorübergehende Bodenfröste, können die Artenvielfalt allerdings sogar  bereichern.

09. Oktober – Ein kühler, aber sehr freundlicher Oktobertag mit viel Sonne. Ich habe heute eine Erkundungstour duch mehrere Wälder unternommen. Von Sülten bis Perniek. Es sieht weiterhin im großen und ganzen sehr bescheiden aus. Pilze gibt es nach wie vor immer noch an feuchtigkeitsbegünstigten Stellen. Im Sültener Forst vereinzelte, meist ausgewachsene Maronen –  Röhrlinge. Butterpilze in Perniek nur in den Feuchtigkeitsenken. Hier aber viele, und alle Überständig! Ansonsten wimmelte es hier nur so an Pilzen. Unter Birken viele Flaumige Milchlinge und unter Kiefern massenhaft Feinschuppige Ritterlinge und Gemeine sowie Dunkelscheibige Fälblinge.

Auf einem moosigen Waldweg im Sültener Forst stand einsam und allein dieser Prachtvolle Steinpilz (Boletus edulis). Markellos, ohne auch nur die kleinste Schneckenfrasstelle, kernig und Gesund. Am Standort fotografiert am 09.10 2009 - Sültener Forst.

Auf einem moosigen Fichtenwaldweg im Sültener Forst stand einsam und allein dieser prachtvolle Steinpilz (Boletus edulis). Makellos, ohne die kleinste Schneckenfraßstelle, kernig und gesund, fast unwirklich sauber und gut proportioniert. Standortfoto am 09.10 2009.

10. Oktober – Heute fand wieder eine öffentliche Pilzlehrwanderung statt. Eigentlich sollte es in den Staatsforst Rehna gehen. Aber um jedem die Möglichkeit zur Teilnahme an der heutigen Pilzwanderung zu geben, mußten wir umdisponieren. Ich mußte mit meinem Mofa – Roller fahren und das würde bis Rehna zu lange dauern. Daher fuhren wir nach Neukloster, in das Klaasbachtal. Vor zwei Wochen sah es hier mit Pilzen noch sehr bescheiden aus. Heute Pilze auf Schritt und Tritt!. Angefangen von Orangebecherlingen, die den Waldweg zierten über unzählige, bodendeckende Rostfleckige Helmlinge bis hin zu giftigen Grünblättrigen Schwefelköpfen, die so manchen Baumstumpf zierten. Aber auch Hallimasch und Stockschwämmchen waren im Angebot. Diese füllten dann die Körbe bis zum Überquellen. Das Wetter war bis zum Schluß unserer Wanderung noch trocken. Kurz danach setzte bis zum Abend Dauerregen ein. Es war ein schöner Landregen, wie ich ihn mir im Sommer gern gewünscht hätte.

Wunderbare Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis) heute im Klaasbachtal bei Neukloster. Sie zählen zu den besten und schmackhaftesten Pilzen unserer heimischen Wälder.

Wunderbare Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis) heute im Klaasbachtal bei Neukloster. Sie zählen zu den besten und schmackhaftesten Pilzen unserer heimischen Wälder.

11. Oktober – Heute fuhr ich mit Mitgliedern eines Wismarer Sportvereins in den Haushaltforst bei Zickhusen. Vorwiegend Buchenwälder auf besseren Böden. Einer unserer interessantesten und artenreichsten Wälder. Heute war davon aber nichts zu Spüren. Kaum ein Täubling, kaum ein Milchling, wenige Stockschwämmchen und Hallimasch, einen Steinpilz und sonst nur wenige Pilze. Hier muss der Regen noch kräftig einwirken. Am Abend und in der Nacht sollen weitere, kräftige Regenfälle aufziehen. Auf ihrer Rückseite strömt dann sehr kalte Polarluft nach Deutschland ein und sorgt für den ersten, starken Kaltlufteinbruch in diesem Winterhalbjahr. Hatten wir bis vor kurzem noch mit der Trockenheit zu kämpfen, drohen jetzt ernst zunehmende Fröste und erste Schneeflocken bis in das Flachland. Nordwestmecklenburg wird dabei in den nächsten Tagen im Übergangsbereich von teils sonnigem Wetter im Westen und stark bewölktem Wetter mit Schneeregen im Osten liegen. Bei Wolken wird es zwar auch kalt sein, aber kaum frostig – damit können wir und die Pilze gut leben. Sie wachsen nur etwas langsammer. Sollte sich aber das sonnige Wetter durchsetzen, bedeutet dass für Mitte Oktober ziemlich starke Fröste in klaren Nächten – das wäre der „Hammer“!. Viele empfindliche Pilzarten würden gehörig einen auf den „Deckel“ bekommen. Das gilt besonders für den zu erwartenden Röhrlingsschub. Er wird dann wohl nur in abgeschwächter Form zustande kommen können, da viele Fruchtkörperanlagen zerstört würden. Sollte es später wieder milder werden, und damit ist auf jeden Fall zu rechnen, können sich Maronen – Röhrlinge, Derbe Rotfüßchen, Butterpilze und Steinpilze wieder erholen und nochmals einen Versuch starten, und wenn es im November ist. Die klassischen Herbstpilze wie Stockschwämmchen, Hallimasch und Rötelritterlinge werden es mit einem „Lächeln“ ertragen. Auf jeden Fall wird der Spätherbst in diesem Jahr noch reich an Pilzen sein, daran wird auch die Kälte nichts ändern.

Auch diese Pilzart wird in den nächsten Wochen noch kräftig durchstarten: Der Edel - Reirker (Lactarius deliciosus). Er bevorzugt trockene, nähstoffarne Sandböden unter Kiefern. Die rotmilchende Art gehört zu den vorzüglichsten Speisepilzen. Standortfoto unter Kiefern bei Neukloster am 09.10.2009.

Auch diese Pilzart wird in den nächsten Wochen noch kräftig durchstarten: Der Edel - Reizker (Lactarius deliciosus). Er bevorzugt trockene, nähstoffarme Sandböden unter Kiefern. Die rotmilchende Art gehört zu den vorzüglichsten Speisepilzen. Standortfoto unter Kiefern bei Neukloster am 09.10.2009.

12. Oktober – In der Nacht hat es im Zusammenhang mit einer Kaltfront starke Regenfälle gegeben. Jetzt gibt es garantiert keinen Quadratmeter in unseren Wäldern, der noch zu trocken ist. Und die Pilze wollen kommen. Der Honniggelbe Hallimasch hat zur Offensive angesetzt und ist an seinen bekannten Plätzen in den gewohnt langstieligen und großen Büscheln anzutreffen. Wiesenchampignons gibt es an entsprechenden Stellen in Massen. Ganz junge Butterpilze tauchen endlich auch an den vormals zu trockenen Plätzen auf. Wollen wir hoffen, dass wir die Kältewelle in dieser Woche ohne größere Frostschäden überstehen. Wolken könnten bei uns überwiegen, so dass sich die nächtliche Ausstrahlung in Grenzen halten dürfte. Der Wind soll weiterhin recht lebhaft von Norden wehen – das Wasser der Ostsee ist noch ziemlich warm! All das könnte uns vor zu starken Frösten schützen. Auch die Wälder sind noch belaubt und schirmen  recht gut ab.

Gestern Abend und heute morgen habe ich jeweils einen großen Korb voller Hallimasch geholt. Sie werden blanchiert und dann eingefroren für unsere beliebte Waldpilzsuppe. Hallimasch zählt zu unseren würzigsten Speisepilzen.

Gestern Abend und heute Morgen habe ich jeweils einen großen Korb voller Hallimasch geholt. Sie werden blanchiert und dann eingefroren für unsere beliebte Waldpilzsuppe. Hallimasch zählt zu unseren würzigsten Speisepilzen und bei diesem Überfluß ist schnell ein Korb gefüllt.

13. Oktober – In der Nacht und am Tage herschte bestes Aprilwetter mitten im Oktober. Am Morgen mächtige Quellwolken mit ausfallenden, eng begrenztem Regen und Graupelschauern, dazu ein schöner Regenbogen kurz nach Sonnenaufgang. Das gibt es wahrlich nicht jeden Tag. Auf meiner heutigen Pilzwanderung mit dem Wismarer Kunstverein KASO e.V. durch den Großherzoglichen Forst Moidentin, gesellten sich sogar noch Blitz und Donner hinzu. Es graupelte kurzzeitig so heftig, dass es sogar weiß wurde. Pilze gab es hier abermals nur in einem recht bescheidenen Umfang. Einige Hallimasch, Stockschwämmchen, Flockenstielige Hexen – Röhrlinge und einen Steinpilz. Dazu noch einige Täublinge, Fuchsige Trichterlinge, Graukappen u.s.w..

14. Oktober – Zwischen einem Hochdruckgebiet im Westen und einem Tiefdruckgebiet im Osten verschärften sich heute die Luftduckgegensätze an der Ostsee. Starker Wind aus nördlichen Richtungen war die Folge. Für die Nacht und Morgen ist an der deutschen Ostseeküste mit einer Sturmflut zu rechen! Die Luft fühlt sich dabei noch kälter an, als sie es tatsächlich ist. Wind ist auch ein Faktor, der das Pilzwachstum beeinträchtigt. In diesem Falle bin ich allerdings froh, dass er so kräftig vom Wasser her weht. Dadurch hält er das Nachtfrostrisiko bei uns in Grenzen. Das Wasser der Ostsee ist noch recht warm und so kann er etwas mildere Luft ins Binnenland wehen. Außerdem durchmischt er die Luftmassen kräftig und sie können nicht zur Ruhe kommen und auskühlen. Heute schien zwar den ganzen Tag über bei wenigen Quellwolken die Sonne, aber ab Morgen schiebt das erwähnte Tief von Osten und eine neues Tief am Wochenende von Norden Wolken und Niederschläge herein. Das wirkt sich wiederum postiv auf die Temperaturentwicklung aus. Trotzdem wird diese ausgeprägt kalte Wetterlage das Pilzwachstum etwas drücken. Ich bin gespannt, wie es in den nächsten Wochen weitergeht. Heute Abend habe ich noch schnell einen Korb voll frischer und junger Hallimasch aus dem Wald geholt. Sie werden blanchiert und für unsere nächste Pilzsuppe eingefroren.

15. Oktober – In der Nacht und heute Vormittag gab es eine Sturmflut an der Ostsee. Auch der Wismarer Hafen war randvoll. Vor einigen Jahren wurden die Kaimauern erhöht, so dass nur wenig Wasser übertrat. Früher war bei solchen Ereignissen der gesamte alte Hafen überflutet. Der Wind hat inzwischen etwas nachgelassen. In der Nacht und morgen zieht ein neues Tief mit Regen heran und führt auf der Rückseite  nochmals einen Schwall kalter Polarluft zu uns. Diese frühwinterliche Wetterlage führt leider dazu, dass  die Erwartungen beim Pilzwachstum inzwischen gedämpfter ausfallen, als noch Anfang Oktober erhofft. In vergleichbaren Jahren mit langer Trockemheit und spät einsetzendem Pilzwachstum hatten wir eine deutlich mildere Witterung. Bei den tiefen Temperaturen treiben die PIlze nur langsam. Allerdings hat sich das allgemeine Pilzwachstum im Vergleich zum September beträchtlich verbessert. Mehr oder weniger Pilze sind jetzt Allerorten anzutreffen. Noch im September lief man vielfach durch die Wälder ohne auch nur ein einziges Pilzchen zu sehen. Nur an einigen Feuchtigkeitsoasen konnte man Glück haben. Von Pilzfreunden aus anderen Regionen in Deutschland wird zum Teil von einer großen Schwämme bei Steinpilzen, Hallimasch und Maronen – Röhrlingen berichtet. Pilzfreunde aus dem Erzgebirge teilten mir mit, ebenfalls zahlreiche Maronen in guter Qualität bei drei Zentimeter Schnee gesammelt zu haben und es sei eine Schwämme von Hallimasch und Fichtenreizkern wie seit Jahrzehnten nicht nicht mehr zu beobachten. Eine allmähliche Milderung steht ab nächster Woche in `s Haus. Mal sehen, wie es dann weitergeht.

Auch die Schleierlinge erwachen jetzt allmählich. Diese Tonweißen Dickfüße (cortinarius turgidus) konnte ich am Sonnabend, dem 10. Oktober 2009 im Klaasbachtal bei Neukloster fotografieren. Keine Speisepilze.

Auch die Schleierlinge erwachen jetzt allmählich. Diese Tonweißen Dickfüße (Cortinarius turgidus) konnte ich am Sonnabend, dem 10. Oktober 2009, im Klaasbachtal bei Neukloster fotografieren. Keine Speisepilze.

16. Oktober – Bei Dauerregen und kalten Temperaturen war ich heute auf der Suche nach Ausstellungsobjekten in den Wäldern bei Schönlage und Jülchendorf. Morgen habe ich nähmlich eine Ausstellung im Museumsdorf Kobrow II bei Sternberg. Gute Pilzreviere auf überwiegend sandigen Böden. Das Pilzaufkommen war nur mässig, für Röhrlingsfreunde sogar ausgesprochen schlecht. Einen Steinpilz, zwei Butterpilze kaum Maronen – Röhrlinge. Hier gibt es auch eine sehr pilzreiche Stelle unter Buchen mit Kalk im Boden. In der Regel ist hier vom Frühsommer bis in den späten Herbst immer etwas interessantes zu finden. In diesem Jahr allerdings bisher so gut wie nichts. Trotzdem schaute ich hier nach, und, welche Überaschung: endlich kommen hier die Pilze! Neben einigen anderen Arten, herrliche Safranblaue Schleimfüße (Cortinarius croceocaeruleus) wie ich sie in dieser Pracht bisher noch nicht gefunden hatte. Ich machte auch einige Fotos, leider wurde aber keines Internet – tauglich. Es regnete zu stark, so dass ich Angst hatte, die Kamera könnte den Geist aufgeben, daher mußte es schnell gehen. Völlig durchweicht und nah an einer Unterkühlung, hatte ich aber immerhin genügend Pilze für eine ordentliche Ausstellung zusammen bekommen.

Auch diese Weißbraunen Ritterlinge (Tricholoma albobrunneum) fand ich heute auf meiner Regenexkursion. Sie wachsen bei Kiefern und besitzen einen schönen Kontrast duch den röhrlingsbraunen Hut und den nahezu weißen Lamellen. Leider gilz dieser schöne Ritterling als zumindest giftverdächtig!

Auch diese Weißbraunen Ritterlinge (Tricholoma albobrunneum) fand ich heute auf meiner Regenexkursion. Sie wachsen bei Kiefern und besitzen einen schönen Farbkontrast zwischen der röhrlingsbraunen Hutoberfläche und den nahezu weißen Lamellen. Leider gilt dieser schöne Ritterling als zumindest giftverdächtig!

17. Oktober – „Horido und Weidmannsheil“ war das Motto einer größeren Veranstaltung im Museumsdorf Kobrow II bei Sternberg. Schwerpunkt war hier natürlich das jagdliche Handwerk. Aber auch Vorführungen vom Be- und Verarbeiten von Holz war ein Thema. An zahlreichen Ständen boten Händler ihre Waren feil. Künstler präsentierten ihre Arbeiten und der „Steinpilz – Wismar“ die mykologischen Kunstwerke der Natur. Das Wetter war heute, im Vergleich zu gestern, ganz annehmbar. Zwar gab es gelegentlich mal einen kurzen Schauer, aber das störte uns nicht, weil wir mit unseren Pilzen ein Dach über dem Kopf hatten. Als ich die Ausstellung aufgebaut hatte, schaute ich mich ein wenig im Objekt um, natürlich immer mit einem Auge nach Pilzen ausschauend. Auf einer kurzgrasigen, sehr sandig – mageren Wiese konnte ich schließlich Mengen an ganz frischen Kastanienbraunen Stäublingen (Lycoperdon lividum) beobachten. An diesem Standort war es den ganzen Sommer fast immer Knochentrocken. Jetzt erwacht hier das pilzliche Leben. Auch Wiesenstaubbecher (Vacsellum pratense) kamen ebenfalls ganz frisch zum Vorschein.

18. Oktober – In unserem „Steinpilz“ haben wir eigentlich immer einige Trockenpilze zum Verkaufen im Angebot. Seit letzter Woche aber sind wir blank! Das gab`s seit Bestehen dieser Einrichtung, im Jahr 2003, noch gar nicht! Der Trockenheit sei Dank! Da fiel uns ein, dass wir vor einigen Jahren Unmengen an Maronen – Röhrlingen in den sandigen Elbdünen – Kiefernwäldern im Grenzgebiet von Mecklenburg – Vorpommern und Niedersachsen fanden. Wenn man so will, liegt hier die Heimat der Maronen. Hier sind sie zu hause! Wenn es nirgens welche gibt, hier müßten wir doch fündig werden. Der Maronen – Röhrling ist wunderbar zum Trocknen geeignet und besitzt ein hervorragendes Pilzaroma. Wir machten uns also auf den weiten Weg dorthin. Unterwegs mußten wir immer wieder mal einen Zwischenstopp einlegen, weil die schönsten Pilze die Straßenränder zierten: Fliegenpilze, Birkenpilze, Steinpilze, Parasol – Schirme… . Sie werden natürlich nicht gegessen und landen in der Ausstellung. Am Ziel, im Amt Neuhaus im Landkreis Lüneburg angekommen, bogen wir gleich den ersten, viel versprechenden Waldweg ein. Hier standen drei Autos und die Leute kamen uns mit vollen Körben entgegen. Also sind wir richtig! Die Idee war gut! Wir fuhren aber ein Stück weiter, in den nächsten Weg hinein. Gleich am Wegrand die schönsten Butterpilze, die sind zum Einfieren für Pilzsuppe gut geeignet. Dann die Enttäuschung. Nach einer halben Stunde im besten Maronengebiet, nur ein altes, aufgeweichtes Exemplar. Außer die Butterpilze am Weg, gab es im reinen Kiefernwald hier fast nur Falsche Pfifferlinge, dafür aber in Mengen und taufrisch. Es schien, die Pilzflora hier ist gerade erst am Erwachen! Wir fuhren einige Kilometer weiter und wagten nochmals einen Versuch. Und tatsächlich, hier gab es Maronen, nicht viele, aber große, kräftige Exemplare. Vieleicht ein halber, mittlerer Korb voll. Für dieses Gebiet nicht der Rede wert. Die Leute mit den vollen Körben werden wohl vorwiegend Butterpilze gefunden haben. Die Maronen – Röhrlinge werden hier möglicherweise erst in 1 – 2 Wochen richtig durchstarten, oder  gar nicht. Was ich aber nicht glaube. Etwas frustriert traten wir die Heimfahrt an. Nicht weit entfern, in der Lübtheener Heide, machten wir nochmals Stopp. Die Wälder sind hier extrem sandig, aber abwechslungsreicher. Wir trauten unseren Augen kaum. Der Wald „blühte“ förmlich vor Pilzen! Diesen Einruck vermittelten nicht zuletzt die vielen Fliegenpilze. Wie zur allerbesten Pilzzeit! Butterpilze,  Edel – Reizker, Birkenpilze, vereinzelte Steinpilze und sogar frische Pfifferlinge. Fliegenpilze überall und vieles mehr, was den fortgeschrittenen Pilzfreund begeistert! In einer knappen Stunde zwei große Körbe voller Pilze – querbeet – für unsere Ausstellung, aber auch für die Küche. Hier muß vor ca. 1 Woche bis 10 Tagen, nach langer Trockenheit, das Pilzwachstum förmlich explodiert sein. Aber auch hier, trotz des Pilzreichtums, kaum eine Marone! Letztendlich konnten wir mit vollen Körben die Heimreise antreten und die lange Tour hat sich  doch noch gelohnt! Das Wetter war zwar wieder recht kühl mit vielen Wolken und einigen Regentropfen, aber alles in allem recht angenehm für den Aufenthalt im Wald.

Das ist ein schöner Steinpilz, den bekommst du nicht für deine Ausstellung. Ich möchte ihn heute Abend essen, meint der kleine Jonas. Da muß Papa sich wohl einen anderen Suchen. 18.10.2009

"Das ist ein schöner Steinpilz, den bekommst du nicht für deine Ausstellung. Ich möchte ihn heute Abend essen", meint der kleine Jonas. Da muß Papa sich wohl einen anderen Suchen. 18.10.2009

19. Oktober – Nach sehr frischer Nacht, gab es heute wieder einen ausgesprochen kühlen Tag, aber ohne Regen. Die Wetterlage stellt sich um! Die Strömung dreht allmählich auf Süd und führt mildere Luft heran. Diese kann sich zunächst aber nur zögerlich am Boden durchsetzen. Dazu ist viel Wind erforderlich, den wir in den nächsten Tagen wohl auch bekommen werden. Ende Oktober ist aber keine größere Erwärmung mehr zu erwarten. Vor allem der ungewöhlichen Kälteperiode der letzten Tage ist es zu verdanken, dass die wärmeliebenden Pilzarten ihr Wachstum für diese Saison allmählich einstellen werden. Hätten wir statt der kalten Nordwindlage, eine warme Südströmung mit Tagestemperaturen um 20 Grad gehabt, sehe es jetzt bedeutend besser beim Pilzaufkommen aus. Einzig die echten Herbstpilze werden noch lange wachsen. Das sind besonders Stubbenpilze, eine Vielzahl von Streubewohnern, aber auch Ritterlinge, Schnecklinge und vieles mehr. An Röhrlingen werden in den nächsten Wochen noch vorwiegend Maronen – Röhrlinge, Butterpilze, Derbe Rotfüßchen und einige Steinpilze zu finden sein. Alles in allem hatten wir trotz der kalten Temperaturen in Nordwestmecklenburg kaum Nachtfröste zu verzeichnen.

Maronen - Röhrlinge (Xerocomus badius) sind in dieser Saison nur sehr wenig in Erscheinung getreten. Das könnte sich in den nächsten Wochen noch ändern. Standortfoto am 18.10.2009 in den sandigen Elbdünen - Kiefernwäldern bei Dömitz.

Maronen - Röhrlinge (Xerocomus badius) sind in dieser Saison nur sehr wenig in Erscheinung getreten. Das könnte sich in den nächsten Wochen noch ändern. Standortfoto am 18.10.2009 in den sandigen Elbdünen - Kiefernwäldern bei Dömitz.

20. Oktober – Die vergangene Nacht war windschwach und es klarte verbreitet auf. Dadurch sanken die Temperaturen in den südlicheren Bereichen in den leichten Frostbereich. Im weiteren Küstenumfeld wärmt  aber das noch relativ warme Wasser und es blieb meist noch frostfrei. Auch in der kommenden Nacht kann es gebietsweise nochmals geringen Frost geben. Für viele Pilzarten sehr ungünstig. Es gibt aber dennoch Pilze, die das mögen und dadurch zum Wachstum angeregt werden. Zu ihnen gehört zum Beispiel der beliebte Frostschneckling. Er wird wohl in den nächsten Tagen erscheinen – zu finden in sandigen Kiefernwäldern. Mit seinem appetitlich gelben Farbtönen von Fleisch, Lamellen und Stielen, ein recht wohlschmeckender und ansprechender Spätherbstpilz. Auch erste Winterpilze wie Samtfuß Rübling und Austernseitling werden allmählich mit der Fruktifikation beginnen.

21. Oktober – Ich habe heute mit Prof. Dr. Jürgen Schwik, einem großen Pilzkenner und vor allem Porlingsexperten, wie in „alten Zeiten“ eine Kartierungexkursion in das Radebachtal bei Blankenberg und in Teile des Sültener Forstes unternommen. Wir waren vor allem in den 1990er Jahren sehr oft gemeinsam mit den bekannten Hobby – Mykologen Brigitte Schurig und Benno Westphal in Westmecklenburg auf Achse, um eine mykologische Bestandsaufnahme unserer Region zu machen. Diese Kartierungen sind bis zum heutigen Tage nicht beendet. Die Kartierungen dienen als Grundlage für die Erarbeitung der so genannten „Roten Listen“, der vom Aussterben bedrohten Pilzarten. Im Radebachtal begeisterten uns besonders zahlreiche kalkliebende Schleierlingsarten wie beispielsweise der Grünlings – Klumpfuß. Einige von ihnen konnten im Feld nicht ohne weiteres angesprochen werden, so dass weitere Bestimmungsarbeiten anhand guter Fachliteratur und Mikroskop erforderlich werden. Im Sültener Forst wurden wir am Uferbereich des Langen Sees fündig. In den dortigen Feuchtbiotopen mit Erlen und Birken beeindruckte uns besonders ein zahlreiches Auftreten des Lila – Milchlings, den ich seit Jahren nicht mehr gesehen habe.

Grünlings - Klumpfuß (Cortinarius pseudosulphureus). Diese recht seltene Art wächst in Buchenwäldern mit Kalkunterlage und ist in unserem Kartierungsgebiet nur recht selten vertreten. Standortfoto am 21.10.2009 im Radebachtal bei Blankenberg, MTB 2236/1. Kein Speisepilz.

Grünlings - Klumpfuß (Cortinarius pseudosulphureus). Diese recht seltene Art wächst in Buchenwäldern mit Kalkunterlage und ist in unserem Kartierungsgebiet nur sehr zerstreut vertreten. Standortfoto am 21.10.2009 im Radebachtal bei Blankenberg, MTB 2236/1. Kein Speisepilz.

22. Oktober – Ein grauer, trostloser Oktobertag bei recht frischen Temperaturen. Von Südwesten nähert sich ein Regengebiet, dass zum Wochenende endlich deutlich mildere Luft heranführt. –  In den Buchenwäldern auf schweren Böden sieht es weiterhin armselig  aus. Bemerkenswert ist, dass selbst die sonst um diese Jahreszeit häufigen Allerweltspilze wie bestimmte Täublinge und Milchlinge kaum zu finden sind. Dafür wachsen die eher selteneren Schleierlinge auf Kalkstellen sehr gut. Es war hier einfach zu lange trocken. Die sandigen Böden reagieren da viel schneller. Die Pilzschübe stellen sich hier kurzfristiger ein, können aber auch genau so schnell wieder abebben. So haben wir am Wochende in einem sandigen Nadel- Laubmischwald im Südwesten Mecklenburgs einen voll entwickelten Herbstaspekt beobachten können. Hier wuchsen die vielfältigsten Pilzarten, dass es nur so „brummte“ Ich glaube nicht, dass in den erwähnten Buchenwäldern in diesem Jahr noch nennenswert etwas in punkto Pilze passieren wird. Vieleicht für Speisepilzfreunde noch einige Derbe Rotfüßchen und Steinpilze. Die sandigen Wälder werden bei der zu erwartenden Milderung nochmals kräftig zulegen. Sie sind noch Butterpilz, Maronen, Edel – Reizker und Frostschnecklings – Erwartungsgebiet. Zu erwähnen wäre noch, dass in den letzten Tagen nochmals Birkenpilze beim Wachstum zugelegt haben. Sie sind in diesem Jahr wirklich unermüdlich!

23. Oktober – Das gestern angekündigte Regengebiet hat sich auf dem Wege zu uns abgeschwächt und schließlich aufgelöst, so dass bei uns kaum ein Tropfen Regen fiel. Aber das ist jetzt auch nicht mehr entscheidend. Wichtig ist die Zufuhr milder Luftmassen um das Pilzwachstum noch einmal anzukurbeln. Bis zum Monatswechsel bleibt es dann auch mild. Danach deuten vorsichtige Prognosen allerdings wieder die Zufuhr von zunehmend kälterer Luft aus dem Nordosten an. Die Pilze sollten sich jetzt beeilen. Schaffen sie es noch bis dahin genügend Fruchtkörperanlagen zu bilden, können wir noch hoffen. Ansonsten bleiben uns wohl wirklich nur noch die Spätherbstpilze. Sie lassen sich auch durch kälters Wetter beim Wachstum kaum stören. Es sei den, es stellt sich richtiges Frostwetter ein. Aber davon ist Anfang November wohl kaum auszugehen.

Während das Wachstum vieler Pilzarten zu Wünschen übrig läßt, kann man dieser Pilzart in vielen Nadelwäldern derzeit auf Schritt und Tritt begegnen. Es handelt sich um den mindwerwertigen Falschen Pfifferling (Hygrophoropsis aurantiaca). Er bevorzugt den Herbst. Der Echte Pfifferling die Sommermonate. Standortfot in den Kiefernwäldern im Elbegeibiet bei Dömitz am 19.10.2009.

Während das Wachstum vieler Pilzarten derzeit zu Wünschen übrig läßt, kann man diesen Pilzen in vielen Nadelwäldern gegenwärtig auf Schritt und Tritt begegnen. Es handelt sich um den minderwertigen Falschen Pfifferling (Hygrophoropsis aurantiaca). Er bevorzugt den Herbst, der Echte Pfifferling die Sommermonate. Standortfoto in den Kiefernwäldern im Elbegebiet bei Dömitz am 19.10.2009.

24. Oktober – Heute fand wieder einmal eine öffentliche Pilzlehrwanderung statt. Es ging durch die Teßmannsdorfer Tannen, direkt an der Ostseeküste, dem Salzhaff bei Rerik, entlang. Überwiegend Kiefernbestand mit einigen Eichen und Birken. Nahezu flächendeckend gab es Geflecktblättrige Flämmlinge, Rostfleckige Helmlinge und an den Rändern Gemeine- und Dunkelscheibige Fälblinge. Aber auch einige Maronen – Röhrlinge und ebenfalls an den Rändern recht zahlreich ganz junge und feste Butterpilze. Außerdem die typischen Kiefern Täublinge wie Roter Herings-, Buckel-, Zedernholz-, Zitronenblättriger-, Jodoform- und Blutroter Täubling. Die ersten Austern – Seitlinge der Saison wurden gefunden und der Rosablättrige Krempenritterling war der Fund des Tages. Das Wetter war zwar neblig- dunstig, aber die Sonne kam bei schwachen Windverhältnissen auch zeitweise zum Vorschein.

Der Zitronenblättrige Täubling (Russula sardonia) gehört zu den scharf schmeckenden Arten des Kiefernwaldes. Standortfoto am 24.10.2009 in den Teßmannsdorfer Tannen.

Der Zitronenblättrige Täubling (Russula sardonia) gehört zu den scharf schmeckenden Arten des Kiefernwaldes. Standortfoto am 24.10.2009 in den Teßmannsdorfer Tannen.

25. Oktober – Am heutigen Sonntag stand mal wieder eine Vereins- und Kartierungsexkursion auf dem Programm. Ziel war der Forst Gädebehn zwischen Schwerin und Crivitz. Dabei wurden wir von einem Drehteam des NDR – Fernsehens begleitet. Es ging um die Pilzkartierung. Wozu dienen solche Kartierungsaktionen? Bei den Kartierungen wird so zu sagen eine „Inventur der Natur“, in unserem Falle spezialisiert auf Pilze, vorgenommen. Aus diesen Daten lassen sich dann Rückschlüße auf die Häufigkeit oder den Gefährdungsgrad der jeweiligen Art oder eines ganzen Biotops ziehen. Der Beitrag soll in den nächsten Tagen im Regionalprogramm Mecklenburg – Vorpommern des  NDR – Fernsehens in der Sendung „Nordmagazin“ ausgestrahlt werden. Das Wetter war nach nächtlichen Regenfällen ausgesprochen mild und angenehm. Pilzwetter wie es im Buche steht!

26. Oktober – Die Speicherkapazität dieser Rubrik ist leider schon wieder erschöpft, so dass ich einige Bilder runter nehmen muss, um den Monat noch zu Ende zu bringen. Heute war wieder ein sehr milder Tag mit etwas Regen. Hochduckeinfluß in der zweiten Wochenhälfte bewirkt einen leichten Temperaturrückgang bis zum Wochenende mit geringer Nachtfrostgefahr. Atlantische Tiefausläufer setzen in der nächsten Woche den Zustrom milder Luftmassen vorraussichtlich wieder in gange, so dass der November noch spannend werden könnte. Pilzberater Klaus Warning aus Bützow war heute im Klaasbachtal bei Neukloster und berichtete von einer großen Artenvielfallt, die sich in den letzten Tagen dort entwickelt hat. Der Beitrag über unsere gestrige Exkursion wurde heute Abend im N3 – Nordmagazin ausgestrahlt. Wiederholung morgen Vormittag.

27. Oktober –  Weiter mildes und wolkenverhangenes Wetter. Bin, wie immer am Anfang der Woche, gestern und heute damit beschäftigt gewesen, unsere Ausstellung neu aufzubauen. Am Sonnabend Abend werden alle Frischpilze abgeräumt. Anfang der Woche wird alles wieder neu gestaltet, in anderer Artenzusammensetzung und Vielfalt. Und die Vielfalt ist zur Zeit recht groß. Es sind jetzt aktuell schon wieder 177 Arten auf der Fläche und knapp zwei Kühlschränke voller Frischpilze warten noch auf die Präsentation. Aber morgen geht es zunächst erst wieder in den Wald und eine Vertretung aus unserem Verein öffnet die Ausstellung. Die Besichtignung kostet wie immer den fast nur symbolischen Euro. Denn Zeit und Arbeit kann mir niemand auch nur annähernd bezahlen.

28. Oktober – Ausgerechnet mein heutiger Exkursionstag war mal wieder völlig verregnet. Da es augenscheinlich auch am Nachmittag nicht aufhören wollte, entschloß ich mich doch noch für eine zwei Stunden – Kurzexkursion in das heideähnliche Gelände am Oberen- und Wustrowsee bei Sternberg. Es gelang mir in der relativ kurzen Zeit meinen doch recht großen Korb mit Ausstellungstücken zu füllen. Es ist fast unglaublich, welch eine Fliegenpilzpracht in diesem Herbst erblüht ist! Wieder einmal Fotos und die schönsten in den Korb zur Ausstellung. Herrlichste Riesenschirmpilze! Viele junge Butterpilze, die ersten Frostschnecklinge und ganz frische Grünlinge. Und natürlich noch manches mehr. Das Pilzaufkommen entschädigte für das schlechte Wetter allemal!

Butterpilz (Suillus luteus). Butterpilze gab es stellenweise reichlich, doch bei dem Regen waren die etwas größeren mit Wasser vollgesogen wie ein Schwamm. Stanortfoto am Oberen/Wustrowsee bei Sternberg am 28.10.2009.

Butterpilz (Suillus luteus). Butterpilze gab es stellenweise reichlich, doch bei dem Regen waren die etwas größeren mit Wasser vollgesogen wie ein Schwamm. Standortfoto am Oberen/Wustrowsee bei Sternberg am 28.10.2009.

29. Oktober – Nach feuchtem, nebligtrüben Start in den Tag, trocknete es im Tagesverlauf allmählich ab. Aus östlichen Richtungen sickert etwas trocknere und kältere Luft ein. Diese gelangt vorübergehend unter Hochdruckeinfluss und die Sonne setzt sich am Freitag und Sonnabend zunehmend durch. Der Nachteil dabei sind allerdings zwei zumeist sternenklare Nächte in denen es wieder stärker auskühlen kann. Besonders in der Nacht zum Sonnabend ist im Binnenland leichter Frost möglich! Die Nächte in der kommenden Woche sollen dann aber wieder größtenteils frostfrei verlaufen. Das hört sich doch gut an, oder?

30. Oktober – Gestern Abend lösten sich die tagsüber noch vorhandenen Wolken über unserem Gebiet komplett auf und bei windschwachen Verhältnissen konnte die eingeflossene, trockenere Kontinentalluft stark auskühlen, so dass selbst in Wismar in den Frühstunden geringer Luftfrost auftrat. Danach strahlte die Sonne von einem wolkenlosen Himmel und es wurde in ihrem Schein um die Mittagszeit angenehm warm. Auch die kommende Nacht wird verbreitet nochmals leicht frostig. – Vereinsmitglied Andreas Herchenbach hat auf seiner heutigen Exkursion seinen Korb gut gefüllt bekommen. Ausschließlich Steinpilze und Riesenschirmpilze.

31. Oktober – Ich hatte heute eine individuelle Pilzwanderung im Radebachtal bei Blankenberg. Bei trockenem Wetter gab es reichlich Pilze, insbesondere viele Graukappen, Horngraue Rüblinge, Hallimasch und auch einige Stockschwämmchen. Röhrlinge traten kaum auf. – Der Oktober 2009 war zwar der artenreichste Monat des Jahres, Röhrlingsfreunde wurden aber wohl auf ganzer Linie enttäuscht. Einzig Butterpilze gab und gibt es recht viele. Maronen – Röhrlinge fallen wohl in dieser Saison, bis auf Einzelstücke, fast komplett aus. Auch die in Buchenwäldern sonst so häufigen Derben Rotfüßchen waren kaum zu finden. Hallimasch war den ganzen Monat über vertreten und füllte so manchen Sammlerkorb. Der Oktober war im Gegensatz zu allen anderen Monaten der Saison, ausgeprochen nass. Mitte des Monats prägte eine sehr kalte Nordwetterlage das Geschehen und könnte ursächlich dafür sein, dass der Herbströhrlingsschub in diesem Jahr nur sehr verarmt war, b.z.w. im wesentlichen sogar ausblieb. Fündig wurde man besonders auf leichteren Böden. Die guten, schweren Böden waren zu ausgetrocknet, um noch ihre ansonsten artenreiche Pilzflora voll zu entfalten.

Goldene Oktoberlandschaft bei Jülchendorf am 31.10.2009.

Goldene Oktoberlandschaft bei Jülchendorf am 31.10.2009.

Weiter geht es bei „Pilze und Wetter im November“