Pilzvergiftungen 2017

Pilzvergiftungen 2017

Pilzvergiftungen oder Verdachtsfälle  2017

Grüner Knollenblätterpilz (Amanita phalloides). Tödlich giftig! Gefährlichster Giftpilz! Juni – November unter Eichen, Buchen, Fichten und Linden. Zunächst von einer weißen Hülle umschloßen (vorsicht beim Sammeln von Bovisten), die später als Hauttasche an der Stielknolle noch sichtbar ist. Grünlicher Hut, aber auch weiß, weiße Lamellen und angenehmer, süßlicher, honigartiger Geruch. Weißlicher, grünlich genatterter Stiel. Foto am 21.07.2017 im Wismarer Seeblickpark.

21.07.2017 – Anruf von einer besorgten Mutti aus Lübeck, die Angst um ihr 14 Monate altes Kleinkind hat. Das Kind hat beim Spielen auf einer Wiese, neben dem Sandkasten, einen Pilzhut verschluckt. Gleich daneben wachsen sie in einem Kreis. Die Pilze sind weiß, so berichtete Sie mir am Telefon. Meine Nummer hatte sie von der Giftnotrufzentrale erhalten. Ich hatte natürlich bereits einen Verdacht, aber ich bat sie, mir mindestens ein aussagekräftiges Foto von den Pilzen zu schicken. Gesagt, getan, nach kurzer Zeit hatte ich Bilder vom Hexenring und von den Einzelfruchtkörpern. Es waren wie vermutet Nelkenschwindlinge. Da aber von weißen Pilzen die Rede war, Nelkenschwindlinge sind ledergelblich gefärbt, mußte ich ausschließen, dass hier nicht doch irgendwelche Trichterlinge im Spiel waren. Wiesentrichterlinge können hochgradig giftig sein! Ich teilte ihr mein Resultat mit und konnte demzufolge Entwarnung geben. Da aber Nelkenschwindlinge etwas Blausäure enthalten, können sie zumindest in größeren Mengen roh durchaus giftig wirken. Meine Empfehlumg, bevor das Kind nochmals auf die Idee kommt, die Pilze mit dem Mund zu erkunden, vorher absammeln und ein schmackhaftes Pilzgericht zubereiten!

Nelkenschwindling (Marasmius oreades). Sehr guter Speisepilz. Nur die Hüte verwenden. Ganzer Fruchtkörper ledergelblich, feucht auch dunkler bräunlich, etwas fleischig in der Hutmitte und entfernt stehende Lamellen, die vom Rand her mit kürzeren untermischt sind. Gern in Hexenringen auf Rasenflächen.

24.07.2017 – Am Vormittag erreichte mich ein Anruf aus einer Schweriner Kita. Ein etwa einjähriges Kleinkind hat einen Pilz im Mund gehabt, der auf der Wiese des Geländes wuchs. Die Giftnotruf – Zentrale hatte mich vermittelt und mitgeteilt, dass ich telefonisch eventuell helfen könnte. Telefonisch ist gut, aber ich muss die Pilze sehen, um die es sich handelt, so meine Antwort. Ich bräuchte aussagekräftige Fotos. Nach der Frage meinerseits, welche Bäume sich in der Nähe befinden, wurde eine junge Eiche genannt. Bei Eichen herrscht immer höchste Alarmstufe, können hier doch tödliche Grüne Knollenblätterpilze, stark giftige Pantherpilze oder auch Rißpilze stehen. Ich vermutete aber eher wieder Nelkenschwindlinge, was sich nach dem zusenden der Fotos auch bestätigte. Andere Pilzarten sollen dort nicht gesichtet worden sein. Als ich mitteilte, dass es sich um einen guten Speisepilz handelt, war spürbare Erleichterung zu vernehmen. Inzwischen wurde aber die Mutti über den Vorfall unterrichtet und befand sich auch schon mit einer Pilzprobe auf dem Weg zum Artzt.

03.08.2017 – Pilzberaterin Irena Dombrowa aus Keez, bei Brüel, wird in die Helios – Kliniken nach Schwerin zitiert. Zwei Patienten (männlich/weiblich, Mitte fünfzig) klagen nach einer selbst gesammelten Pilzmahlzeit über heftige Brechdurchfälle. Die Symtome traten etwa 12 Stunden nach der Mahlzeit auf! Das ist ein Alarm – Signal, denn so eine lange Latenzzeit könnte ein Hinweis auf eine Amanita phalloides Intoxikation sein. Es waren auch Putzreste vorhanden, in denen ich aber nur Schwarzblauende Röhrlinge finden konnte. Es soll aber auch ein Champignon und „grünliche Perlpilze“ dabei gewesen sein! Irena besorgte sich darauf hin von meiner Pilzausstellung einen Grünen Knollenblätterpilz und einen Perlpilz, um sie den Patienten zu zeigen. Die Klinik hat vorsorglich ein Antidot im Hinblick einer möglichen Knollenblätterpilz – Vergiftung verabreicht, denn die Auswertung der Labor – Werte auf mögliche Amatoxine wird erst morgen früh gegen 08.00 Uhr erwartet. Hoffen wir, dass es nicht zum schlimmsten kommt!

08.08.2017 – Irena wurde heute Abend wieder in das Schweriner Klinikum gerufen. Ein offensichtlich unter Demenz leidender Patient hätte möglicherweise den Stiel eines roh giftigen Netzstieligen Hexen – Röhrlings gegessen. Auch ein zerzauster und alter Dunkelblättler war auf einem Foto, das sie mir zusandte, zu sehen. Ob es sich um einen Rißpilz handelte, konnte ich auf dem Bild nicht eindeutig erkennen. Ich denke, der Patient wurde vorsorglich von einem Betreuer in die Klinik gebracht oder war selbst schon Patient der Klinik. Irgendwelche Symtome waren zumindest im Moment nicht auszumachen.

Netzstieliger Hexen – Röhrling (Boletus luridus). Roh giftig, eventuell auch im Zusammenspiel mit Alkohol!