Tagebuch April 2016/2

Wetter und Pilze im Raum Nordwestmecklenburg

Tagebuch Wetter/Pilze April 2016/2

Frei stehende Birke mit Hexenbesen bei Passee. 13.04.2016. Hexenbesen werden durch den Schlauchpilz Taphrina betulina verusacht.

Frei stehende Birke mit Hexenbesen bei Passee. 13.04.2016. Hexenbesen werden durch den Schlauchpilz Taphrina betulina verusacht.

Sonnabend, 16. April Wie geplant starteten wir heute morgen zu unserer zweiten öffentlichen Pilzlehrwanderung des Jahres. Ziel war der Tarnewitzer Urwald. Ein Laubwaldgebiet mit vielen Erlen, Eschen, alten, mächtigen Buchen sowie Eichen und natürlich, wie es sich für einen Urwald gehört, auch reichlich Totholz. Es ist ein Waldgebiet, wie für den Frühling geschaffen. Im Sommer wird er über große Strecken üppig verkrautet sein. Und was uns auf den ersten Blick klar war, hier muss es Morcheln geben, auch wenn wir heute leider keine fanden. Die fast Bestätigung unserer Annahme lieferte eine große Stelle zahlreicher und üppiger Morchelbecherlinge. Nun brach das Sammelfieber aus und der eine oder andere Pilzfreund konnte tatsächlich eine ausgiebige Pilzmahlzeit mit nach hause nehmen. Siehe unter „Chlorgeruch im Tarnewitzer Urwald“

Immer wieder die prächtigsten Ader - Becherlinge (Disciotes venosa), wie die frisch nach Chlor riechenden nähsten Verwandten den Morcheln auch genannt werden. Ihre Durchnittsgröße betrug heute 10 - 15 cm im Durchmesser. Gut durchgegart eine feinwürziger, zarter Speisepilz. Standortfoto am 16.04.2016 im Tarnewitzer Urwald.

Die prächtigsten Ader – Becherlinge (Disciotis venosa), wie die frisch nach Chlor riechenden nächsten Verwandten der Morcheln auch genannt werden. Ihre Durchnittsgröße betrug heute 10 – 15 cm. Gut durchgegart, ein feinwürziger, zarter Speisepilz. Standortfoto am 16.04.2016 im Tarnewitzer Urwald.

Sonntag, 17. April – Heute habe ich dem Prosekener Grund einen Besuch abgestattet. Er war in meiner Jugend das erste Morchel- und Maipilzrevier überhaupt. Seit dem hat sich das Gebiet zumindest abschnittsweise nicht nur durch forstwirtschaftliche Aktivitäten verändert. Morcheln und Maipilze sind weniger geworden, Morchelbecherlinge gibt es noch in etwa wie früher. So fand ich heute auch einige kapitale Exemplare von teils 100g Gewicht. Mit hunderten, wie Lorchel – Freund Christian sie hier entdeckt hat, konnte ich nicht mithalten. Fakt ist aber, dass es ihnen in diesem Frühjahr besonders gut geht und sie sich wirklich prächtig entwickelt haben. Von Morcheln aber keine Spur. Nur einige Anemonen – Becherlinge und Frühlingsmürblinge waren noch als Frischpilze vertreten. Ich denke, durch die doch eher kühle Witterung halten die Morcheln sich bei uns immer noch zurück. In vielen Regionen Deutschlands sind sie aber schon reichlich gefunden worden. Der Nordosten hinkt üblicherweise ein wenig hinterher, dank des noch kalten Ostseewassers. Aber auch der Löwenzahn ist noch nicht auf dem Höhepunkt seiner Blüte angelangt. Erst dann sollte es auch bei uns endlich Morcheln. Heute war ich etwa 6 Stunden für den Steinpilz – Wismar aktiv.

670 g köstliche Morchelbecherlinge waren es heute im Zierower Grund. Eigentlich eine gute Pilzmahlzeit, aber ich denke, ich werde einen Teil trocknen und den anderen zur Pilzausstellung nutzen.

670 g köstliche Morchelbecherlinge waren es heute aus dem Prosekener Grund. Eigentlich eine gute Mahlzeit, aber ich denke, ich werde einen Teil trocknen und den anderen zur Pilzausstellung nutzen.

Montag, 18. April – Heute informierten mich gleich mehre Pilzfreunde über ihre aktuellen Beobachtungen b.z.w. Sammelergebnisse. Zunächst meldete sich unsere Pilzfreundin Sina aus Schönberg und teilte mir mit, dass sie vor ihrem Wohnblock die ersten kleinen Maipilze entdeckt hat. Die vor einiger Zeit von ihr in einer Kleingartenanlage entdeckten Speisemorcheln sind nun schon ein wenig größer geworden. Lorchelfreund Christian Ehmke widmete das vergangene Wochenende den Morcheln. Es herrscht auf weite Strecken noch „Tote Hose“, so sein Resümee. Nur am Wismarer Mühlenteich konnte er einige junge Speisemorchel finden. Zu guter letzt teilte mir PIlzfreundin Angelika Boniakowski voller Freude mit, dass sie heute ihre erste, lohnende Morchelmahlzeit einsammeln konnte. Die Pilze waren noch relativ klein und im Schnitt etwa 8 cm hoch. Es geht also langsam weiter bergauf, obwohl die Wachstumsbedingungen nun leider nicht mehr optimal sind. Es ist einfach zu kühl und zu windig geworden. Den Süden Deutschlands bringt dass Hochdruckgebiet Norbert in den nächsten Tagen wieder wärmere Frühlingsluft nach den starken Regenfällen. Wir im Nordosten können uns zwar auch auf wieder vermehrten Sonnenschein freuen, aber die Temperaturen sollen unterkühlt bleiben, bevor es zum nächsten Wochenende für alle nochmal richtig kalt werden soll. Verbreitet wird es schon in den nächsten Nächten, zumindest am Erdboden, Frost geben und selbst im Flachland können am Wochenende bei dann wieder wechselhafterem Aprilwetter Schneeflocken mit dabei sein. Das ganze wird die Morchelsaison beeinträchtigen und in die Länge ziehen. Meine Arbeitszeit: 09.15 – 21.00 Uhr.

Eine Speisemorchel (Morchella esculenta) wie sie im Buche steht. Gestern von Christian Ehmke am Wismarer Mühlenteich in Szene gesetzt. Langsam, aber sicher, starten sie nun durch..

Eine Speisemorchel (Morchella esculenta) wie sie im Buche steht. Gestern von Christian Ehmke am Wismarer Mühlenteich gefunden und in Szene gesetzt. Langsam, aber sicher, starten sie nun durch.

Dienstag, 19. April – Trotz des kühlen und derzeitig auch sehr windigen Wetters starten die Morcheln jetzt zumindest an klimatisch begünstigten Standorten so richtig durch. Irena brachte uns heute Abend zum Treffen der Pilzfreunde ein prachtvolles Morchelpärchen aus Sternberg mit. Sie entdeckte die beiden Prachtsücke zufällig im Stadtgebiet. Ich denke, genauso wie die Morchelbecherlinge in diesem Jahr bestens gedeihen, wird es in den nächsten 2 – 3 Wochen auch mit den Morcheln sein. Immerhin steht der Löwenzahn nun teils auch schon in voller Blüte. Da es aber ab dem Wochenende noch etwas kälter werden sollte, werden wir wohl etwas länger als bei warmem Wetter von den Morcheln profitieren können. Günstig ist bei dem zu erwartenden Kaltluftvorstoß aus dem hohen Norden, dass er wahrscheinlich nicht, wie so oft, trocken verläuft, sondern mit viel Regen einher gehen könnte. Meine Arbeitszeit: 09.00 – 22.15 Uhr.

Jung und ideal gewachsen und dazu schon eine ertaunlich größe. Schöner kann man sich Speisemorcheln nicht wünschen. Einfach eine Pracht, die einem nur sekten im Leben vergönnt ist! Irena entdeckte die Pilze zufällig in Sternberg, ohne nach ihnen zu suchen!

Jung und ideal gewachsen und dazu schon eine erstaunliche Größe. Schöner kann man sich Speisemorcheln kaum vorstellen. Einfach eine Pracht, die einem nur selten im Leben vergönnt ist! Irena entdeckte die Pilze zufällig in Sternberg, ohne nach ihnen zu suchen!

Mittwoch, 20. April – Exkursionstag. Heute war der Meßtischblattquadrant 2036/3 dran. In ihm liegt einer unsere artenreichsten Wälder, der Züsower Forst. Weitläufig erstreckt sich dieser große Wald u – förmig um den Ort Züsow. Mischwälder mit reichem Buchenbestand, Fichten und Lärchenareale, Erlenbrüche u.s.w. Leider wurde hier in den zurückliegenden Monaten wieder massiv Holz eingeschlagen, so dass von den einst so stolzen Buchenwäldern, wie wir sie noch vor 20 Jahren reichlich bewundern konnten, inzwischen nicht mehr viel übrig geblieben ist. Aber es bringt kurzfristig Gewinn und das ist das wichtigste in diesem Wirtschaftssystem. Auf nichts anderes kommt es an. Was an intakten Wäldern übrig bleibt, muss wohl unter Naturschutz gestellt werden und dann wird uns obendrein noch fast alles verboten, auch das Pilze suchen! Aber das lassen wir uns natürlich nicht verbieten! An Frischpilzen fand ich heute so gut wie nichts. Hier die Artenliste: Zugespitzter Kugelpilz, Orangefarbenes Brennesselbecherchen, Birnenstäublinge (vorjährig), Buchenfruchtschalen – Holzkeule, Brandfladen, Judasohr, Eichen – Wirrling, Echter Zunderschwamm, Flacher Lackporling, Gemeiner Wurzelschwamm, Striegeliger Schichtpilz, Schmetterlingstramete, Angebrannter Rauchporling, Rotrandiger Baumschwamm, Bovistähnlicher Schleimpilz und Runzeliger Schichtpilz. Heute war ich etwa 5 Stunden im Dienst der Sache tätig.

Ab und zu gibt es aber auch hier noch ein Lichtblick. Eine alte Buche darf auf natürlichem Wege ihr da sein beenden. Ihr Holz wäre ohnehin kaum noch etwas Wert, da der Echte Zundschwamm im Holz für eine Weißfäule sorgt. Am Boden und vor allem am Wegrand liegen nicht nur die im Bild zu sehenden Eichenstämme, sondern immer wieder große Stapel von Buchenholz oder auch Haunbuche.

Ab und zu gibt es aber auch hier noch einen Lichtblick. Eine alte Buche darf auf natürlichem Wege ihr darsein beenden. Ihr Holz wäre ohnehin kaum noch etwas Wert, da der Echte Zundschwamm für eine Weißfäule in selbigem sorgt. Am Boden und vor allem am Wegrand liegen nicht nur die im Bild zu sehenden Eichenstämme, sondern immer wieder große Stapel von Buchenholz oder auch Haunbuche.

Donnerstag, 21. AprilAuf meiner Fahrt von Keez nach Wismar machte ich heute morgen kurz an drei Pilzstellen, die praktisch auf dem Wege lagen, halt. Zunächst an einer Morcheloase von 2009. Etwa 50 Dickfuß – Morcheln standen damals auf dem Gelände eines alten Gehöftes, von dem heute nur noch ein wenig Schutt übrig ist. Jedes Jahr schaue ich seit dem hier nach, aber es hat sich nie wieder eine Morchel blicken lassen. So auch heute. Station 2 war eine Frühjahrslorchel – Stelle im Kiefernforst bei Jesendorf. Hier gab es noch frische Exemplare, von denen ich einige für unsere Ausstellung einsammelte. Zu guter letzt ging es noch zu einer in der Nähe befindlichen Maipilz – Stelle. Leider wurde hier rumgeholzt, so dass der Standort kaum wieder zu erkennen war. Da durch den verstärkten Lichteinfall eine recht üppige Vegetation entstanden ist, konnte ich noch keine Pilze erkennen. Dafür hatte mir aber Pilzfreundin Sina aus Schönberg von ihren kürzlich entdeckten Maipilzen einige Fotos zugesandt. Morgen und am Sonnabend bleibt der Steinpilz – Wismar geschlossen, da Irena, Jonas und ich auf die Insel Rügen fahren. Hier findet die Frühjahrstagung der Arbeitsgemeinschaft Mykologie des Landes Mecklenburg – Vorpommern im Naturschutzbund Deutschland statt, deren Mitglied auch ich bin. Es geht um Einzelheiten einer großen, deutschlandweiten Kartierungsaktion, die ab sofort für zwei Jahre starten soll und wofür speziell ausgewählte Stellen auf Rügen, in der Uekermünder Heide, aber auch in unserem Einzugsgebiet, zwischen Sternberg und Crivitz, mehrmals im Jahr mykologisch untersucht werden sollen. Dafür haben sich beispielsweise Chefkartierer Benno Westphal und auch meine Wenigkeit beworben. Es kommt also reichlich zusätzliche Arbeit auf uns zu. Meine Dienstzeit: 07.45 – 20.30 Uhr.

Anstatt Maipilze fand ich heute dort, wo ich sie eigentlich erwartet hätte, nur ein Büschel von Glimmer - Tintlingen (Coprinus micaceus), die sich durch die bereits üppige Vegetation empor schoben. jung essbar, aber ohne Alkohol! Standortfoto.

Anstatt Maipilze fand ich heute dort, wo ich sie eigentlich erwartet hätte, nur ein Büschel von Glimmer – Tintlingen (Coprinus micaceus), die sich durch die bereits üppige Vegetation empor schoben. jung essbar, aber ohne Alkohol! Standortfoto.

Freitag, 22. April – Heute Nachmittag fuhr ich mit unserem Chef – Kartierer Benno Westphal auf die Insel Rügen, genauer gesagt in die Jugendherberge Prora, wo an diesem Wochenende die Arbeitsgemeinschaft Mykologie des Landes Mecklenburg – Vorpommern zu ihrer traditionellen Frühjahrstagung zusammen kam. Etwas später folgten uns auch Irena und Jonas. Die AMMV ist eine Fachgruppe im Naturschutzbund Deutschland, der auch ich seit ihrer Gründung vor genau 25 Jahren angehöre. Die Gründungsversammlung fand damals in Rostock statt. Zum Vorsitzenden wurde zunächst der international bekannte Mykologe und Autor des 6 bändigen Werkes „Handbuch für Pilzfreunde“, Michael – Hennig –  Kreisel, Prof. Dr. Hanns Kreisel gewählt. Weitere Vorsitzende waren Prof. Dr. Schwik und aktuell leitet Dr. Amelang aus Greiswald die pilzkundliche Arbeitsgemeinschaft. Es gab also Grund zu einer kleinen Feier, die sich aber mit dem Anstoßen eines Gläschen Sektes in Grenzen hielt. Schließlich haben wir uns nicht zum Feiern getroffen, sondern es handelt sich um eine Arbeitstagung, die seit ihrer Gründung der Erforschung, sprich Kartierung, der Pilzflora unseres Bundeslandes dient.

Ankunft in Prora bei strahlend blauem Himmel. Der auf höchstem Nivau sanierte Teilbereich des Kilometerlangen ehemaligen KDF - Baus

Ankunft in Prora bei strahlend blauen Himmel. Der auf höchstem Niveau sanierte Teilbereich des Kilometerlangen ehemaligen KDF – Komplexes bietet preiswerte Unterkunft direkt am Strand. Im Sommer ist die hervorragend ausgestattete Jugendherberge allerdings meist ausgebucht.

Sonnabend, 23. April – Heute ging es sowohl am Vormittag wie auch nach dem Mittagessen in die Wälder um Prora zu Kartierungen. Während ein Teil wie üblich zu großflächigen Bestandsaufnahmen im Rahmen unseres eigenen Kartierungsprogramms unterwegs war, bildeten wir zum anderen zwei kleinere Gruppen die im Rahmen eines über 2 Jahre angelegten Kartierungs- und Flächen – Untersuchungsprogramms „Pilz – Inventur“ der Deutschen Bundesstiftung Umwelt tätig wurden. Es gilt von der DBU Naturerbe GmbH markierte Kleinflächen in den Wäldern um Prora, der Ueckermünder Heide und dem Kaarzer Holz über einen Zeitraum von 2 Jahren mykologisch zu untersuchen. Jede Fläche muss 6 mal aufgesucht und jeweils max. 45 Minuten kartiert werden. Schriftliche Aufzeichnungen  und Fotos sind zu machen. Vieles muss mikroskopiert werden und von jeder Pilzart ist ein Herbarbeleg zu fertigen. Die jeweilige Jahreszeit ist vorgeschrieben: Frühjahr, Früh- und Spätherbst.

Mit einem vorprogramiertem Navigationsgerät muss zunächst ein Pflog mit gelber Kennzeichnung und entsprechender Nummerierung im Waldgebiet gesucht und gefunden werden. Dann muss mit einer Schnurr oder Bandmaß ein Radius von 27,8 m gezogen werden. Nur in diesem Radius darf Kartiert werden und das nicht länger als 45 Minuten. 16 deratige Punkte müssen bei Prora untersucht werden und etliche folgen in kürze noch in der Ueckermünder Heide und im Kaarzer Holz.chsten

Mit einem vorprogrammierten Navigationsgerät muss zunächst ein Pflog mit gelber Kennzeichnung und entsprechender Nummerierung im Waldgebiet gesucht und gefunden werden. Dann wird mit einer Schnur oder Bandmaß ein Radius von 15,8 m, entspricht 0,1 ha, gezogen. Nur in diesem Radius darf kartiert werden und das nicht länger als 45 Minuten. 12 deratige Punkte mußten bei Prora untersucht werden und etliche folgen in Kürze noch in der Ueckermünder Heide und im Kaarzer Holz.

Sonntag, 24. April – Heute Vormittag wurden die restlichen Flächen auf der Insel Rügen, bei Prora, im Rahmen der Pilzinventur im Auftrag der DBU Naturerbe GmbH, von uns aufgesucht und nach allen möglichen Großpilzen untersucht. Wir konnten auf allen 12 Kleinflächen jeweils zwischen 15 und etwa 30 Pilzarten feststellen, die aber teilweise im Feld nicht sicher angesprochen werden konnten und im nachhinein mikroskopisch untersucht werden müssen. Insbesondere einige Schichtpilze und kleine Asco´s können ohne mikroskopische Untersuchung nicht sicher angesprochen werden. Daher habe ich mich am Abend noch mit unserem mecklenburgischen Experten in punkto Ascomyceten, Torsten Richter, kurz geschlossen, der gerne Bereit wäre in das Projekt mit einzusteigen um diesen Part zu übernehmen. Seine Frau Katrin könnte uns zudem auch einige unklare Schichtpilze versuchen zu bestimmen, da sie auf diesem Gebiet über entsprechende Kenntnisse und Erfahrungen verfügt.

Mit Kennummer und Datum versehen wurde beispielsweise dieser Schichtpilz eingetütet und wartet nun auf seine mikroskopische Untersuchung. Wichtig ist natürlich auch das Substrat auf dem erwuchs und welchen Zersetzungsgrad, der in drei Stufen abgefragt wird, es besitzt.

Mit Kennnummer und Datum versehen wurde beispielsweise dieser Schichtpilz eingetütet und wartet nun auf seine mikroskopische Untersuchung. Wichtig ist natürlich auch das Substrat auf dem er wuchs und welchen Zersetzungsgrad, der in drei Stufen abgefragt wird, es unterlag. Hier ist es ein Kiefernast (Pinus) mit Zersetzungsgrad 3 (hochgradig).

Montag, 25. April – Heute ist nun wieder der Alltag eingekehrt und der Steinpilz war, wie Montags und Donnerstags üblich, ganztägig geöffnet. Aber unser Kartierungsprojekt steht erst am Anfang. In kürze muss Benno Westphal, möglicherweise auch Klaus Waring und ich in Vorpommern Quartier nehmen, um in der Ueckermünder Heide einen Cluster mit 12 Punkten abzukartieren. Ein weiterer befindet sich im Kaarzer Holz, der ebenfalls zeitnah bearbeitet werden muss. Von der allgemeinen Pilzfront kann ich nur folgendes Berichten. Die Pilzfreunde auf unserer Rügen – Tagung, die nicht durch das Projekt eingeengt waren, konnten auf weiter ausschweifenden Exkursionen auch Frühjahrslorcheln finden und sogar eine neue Stelle des Österreichischen Kelchbecherlings entdecken. Am Nachmittag informierte mich unser Vereinsmitglied Andreas Herchenbach über Speisemorchel – Funde in Seeufernähe im Stadtgebiet von Schwerin. Es waren schon große, ausgewachsene Exemplare, die teils auch schon Schimmelstellen besaßen. Beim Wetter geht es derzeit turbulent zu. Für die Jahreszeit ungewöhnlich kalte, arktische Luft ist übers Wochenende  eingefloßen und hat die Temperaturen in den Keller purzeln lassen. Dazu entluden und entladen sich noch mindesten bis Donnerstag immer wieder kräftige Schnee-, Regen- und Graupelschauer samt Blitz und Donner. Aprilwetter wie es im Buche steht, aber von seiner extremsten Seite. Günstig sind natürlich die Niederschläge, die wir schon wieder dringend brauchten. Meine Arbeitszeit: 09.00 – 23.00 Uhr.

Auf unserem Strohballen, den wir im vergangenen Sommer mit Riesenträuschlingen beiimpften, ist von denen weiterhin keine Spur zu entdecken. Statt dessen kamen im Herbst Tintlinge und Blasige Becherlinge (Peziza vesiculosa). Im Dezember war dann Schluss und nun sind sie wieder da, die Blasigen jedenfalls. Pünktlich Anfand April starteten sie wieder duchr. Der Ballen liegt Wind und Wertter ausgesetzt auf dem Hof.

Auf unserem Strohballen, den wir im vergangenen Sommer mit Riesenträuschlingen beimpften hatten, ist von den erwarteten Speisepilzen weiterhin keine Spur zu entdecken. Statt dessen kamen im Herbst Tintlinge und Blasige Becherlinge (Peziza vesiculosa). Im Dezember war dann Schluss und nun sind sie wieder da, die Blasigen zumindest. Pünktlich Anfang April starteten sie wieder durch. Der Ballen liegt Wind und Wetter ausgesetzt auf dem Hof.

Dienstag, 26. April – Heute war ein Feiertag für unseren Raritäten – Jäger Andreas Okrent aus Graal – Müritz. Seit Jahren tauchte in seinem Gebiet wieder die sehr seltene Riesenlorchel auf. Ich habe die Art letztmalig im Jahr 2009 zu Gesicht bekommen. Einen herzlichen Glückwunsch auch noch einmal auf diesem Wege. Dafür scheinen seine geliebten Böhmischen Verpel in diesem Jahr eine Auszeit einzulegen, denn sie schieben nach einigen beständigen Jahren bisher keine Fruchtkörper an die Oberfläche. Bis Anfang Mai kann sich dieses aber noch ändern. Dafür wachsen zum Ausgleich aber zahlreiche Fingerhüte oder besser gesagt Fingerhut – Verpel. Bis auf ansonsten noch zwei  Spitzmorcheln, war es aber noch recht dürftig in seinem Stammrevier. – Beim Wetter haben wir nun hoffentlich den Tiefpunkt erreicht. Kälter kann es wohl zu dieser Jahreszeit kaum werden. Gebietweise ist es sogar richtig winterlich, so wie in Schleswig – Holstein, wo heute morgen gebietsweise sogar Schnee lag. Ansonsten ziehen in der kalten Winterluft immer wieder Regen-, Schnee- und Graupelschauer, teils auch Gewitter durch. Das bleibt noch bis Donnerstag so. Danach soll es zwar immernoch wechselhaft weitergehen, aber die Temperaturen können sich allmählich wieder erholen und zum Wochenende verbreitet über die 10 Grad Marke steigen. Meine Arbeitszeit: 09.00 – 20.30 Uhr.

Riesenlorchel (Gyromitra gigas). Diese sehr seltene Lorchel ist gegenüber der häufigen Frühjahrslorchel heller, milchkaffeeartig gefärbt, kompakter und im Standort variabler. Standortfoto von Andreas Okrent am 26.04.2016.

Riesenlorchel (Gyromitra gigas). Diese sehr seltene Lorchel ist gegenüber der häufigen Frühjahrslorchel heller, milchkaffeeartig gefärbt, kompakter und vom Standort her variabler. Standortfoto von Andreas Okrent am 26.04.2016. Giftig!

Mittwoch, 27. April – Exkursionstag. Heute war der letzte Quadrant des Meßtischblattes 2036 dran, also 2036/4. Ausgesucht hatte ich ein kleines Wald- und Moorgebiet zwischen Poischendorf und Langenstück. Erlen/Eschenbereiche wechseln mit Fichtenforsten und einer kleinen, attraktiven Waldkannte mit Altbuchen und Alteichen. Den größten Raum nimmt aber ein interessantes Moorgebiet, das von einem Wassergraben und Sümpfen umgeben ist, ein und deshalb nicht ganz einfach zu erreichen ist. Dafür sieht es im Inneren aber absolut interessant aus. Insbesondere zum Spätsommer und Herbst wird es hier reichlich Birkenpilze und durch zahlreiche jüngere Fichten möglicherweise sogar Steinpilze geben. Natürlich erwarte ich hier aber noch viel interessantere Arten. Es gibt dazu reichlich Totholz, insbesondere die Birken dürfen hier bis zu ihrem Lebensende verweilen. Stellenweise gibt es sogar Heidelbeer – Bestände. Ein echt tolles Gebiet! Hier die Artenliste von heute: Zugespitzter Kugelpilz, Orangefarbenes Brennesselbecherchen, Holunder – Rindenschichtpilz, Judasohr, Birkenporling, Echter Zunderschwamm, Vielgestaltige Kohlenbeere, Buchenfruchtschalen – Holzkeule, Eichen – Spaltlippe, Striegeliger Schichtpilz, Schneeweißes Haarbecherchen, Fenchel – Tramete, Rotrandiger Baumschwamm, Runzliger Schichtpilz, Flacher Lackporling, Schmetterlingstramete, Rötende Tramete und Eichen – Wirrling. – Vom Wetter her war es heute wieder lausig kalt, wie im Winter. Dazu einige Schauer. Regen und Schauer werden auch weiterhin dabei sein, aber zum Wochenende soll es zumindest vorübergehend merklich milder werden, bevor in der nächsten Woche ein neuer Schub kalter Polarluft ansteht. So kalt wie derzeit wird es aber wohl frühestens Ende Oktober erst wieder werden! Meine Arbeitszeit: 11.00 – 22.00 Uhr.

Ein besonders schön gewachsener Fichten - Porling (Fomitopsis pinicola) an Birke. Das darf er tun, denn die Bezeichnung Fichten - Porling ist unglücklich gewählt, weil er an einer Reihe verschiedener Baumarten wachsen kann. Deshalb ist der Name Rotrandiger Baumschwamm vorzuziehen. Die Tröpfchen sind in diesem Fall wohl keine Gutationströpfchen, sonder Regenwasser, denn wenige Minuten zuvor ging ein Schauer nieder. Interessant ist die graue Beule links unten. Es scheint, als ob sich hier eine Echter Zunderschwamm entwickeln möchte, denn derart dunkelgraue Farbtöne sind für den Rotrandigen ungewöhnlich.

Ein besonders schön gewachsener Fichten – Porling (Fomitopsis pinicola) an Birke. Das darf er tun, denn die Bezeichnung Fichten – Porling ist unglücklich gewählt, weil er an einer Reihe verschiedener Baumarten wachsen kann. Deshalb ist der Name Rotrandiger Baumschwamm vorzuziehen. Die Tröpfchen sind in diesem Fall wohl keine Gutationströpfchen, sondern Regenwasser, denn wenige Minuten zuvor ging ein Schauer nieder. Interessant ist die graubraune Beule links unten. Es scheint, als ob sich hier ein Echter Zunderschwamm entwickeln möchte, denn derart dunkle Farbtöne sind für den Rotrandigen ungewöhnlich. (Es war doch rotrandiger Zuwachs!)

Donnerstag, 28. April – Wie seit dem Wochenende schauerte und gewitterte es auch heute den ganzen Tag. Seit Sonnabend sind in Keez bis zum Abend 16 l/qm gefallen. Recht ordentlich! Nun sollten wir aber die Talsohle der spätwinterlichen Temperaturen durchschritten haben und es soll etwas wärmer werden. Bis Christi Himmelfahrt aber eher noch verhalten. Danach könnte es richtig warm werden, weitere Niederschläge inklusive. Gut für unsere Pilzflora, die Maipilze dürften es zu schätzen wissen. Lorchelfreund Christian Ehmke schrieb in seinen Tagebuch, dass die bereits sehr früh erschienenen Hochgerippten Lorchen und Rillstieligen Lorcheln eingegangen seien. Das lag sicher nicht an den niedrigen Temperaturen, sondern sie dürften in der letzten Woche dem trockenen Wind und der Sonne zum Opfer gefallen sein. Die sehr seltenen Weißstieligen Lorcheln scheinen mit derartigen Wetterlagen gut umgehen zu können. Ihnen hat es nichts geschadet und es sollen sogar neue Fruchtkörper in Arbeit sein. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist, dass Christian an dem trockenen Kiefernstandort im letzten Jahr bei Dürre einige Pilze gegossen hatte, die danach ihren Geist aufgaben. Die nicht gewässerten Exemplare überlebten. Diese Lorchel ist anscheinend Trockenheits – Resistent und übersteht derart widerige Witterungsverhältnisse recht gut. Andreas Okrent hat unter dessen in der Rostocker Heide anscheinend einen weiteren Superfund tätigen können. Er schickte mir Bilder eines sehr markannten, kleinen Blätterpilzes, bei dem es sich augenscheinlich um den Blaugrünen Nabeling (Arrhenia chlorocyanea) handelt, es könnte aber auch ein Rötling sein (Torsten Richter). Meine Arbeitszeit: 09.00 – 21.00 Uhr.

Auf diesem Foto sind die charateristischen baugrünen Farbtöne des Blaugrünen Nabelins (Arrhenia chlorocyanea) gut zu erkennen. Foto: Andreas Okrent.

Auf diesem Foto sind die charateristischen baugrünen Farbtöne gut zu erkennen. Foto: Andreas Okrent.

Hier ist der Hut ins olivliche entfärbt, was er ofensichtlich tun darf. Der Pilz wächst auf sandigen Flächen mit Flechten wie Polyxtrichum juniperinum und Cladonia - Arten. Angegeben für Spätherbst bis Frühwinter, aber anscheinend auch im Frühjahr. In M-V sind meines wissens bisher max. drei Fundpunkte dokumentiert. Toller Fund, lieber Andreas! Das Foto stammt natürlich auch von ihm.

Hier ist sein Hut ins olivliche entfärbt, was offensichtlich vorkommen darf. Der Pilz wächst auf sandigen Böden mit Flechten wie Polytrichum juniperinum (ist ein Moos, danke Torsten Richter!) und Cladonia – Arten. Angegeben für Spätherbst bis Frühwinter, aber anscheinend auch im Frühjahr. In M-V sind meines wissens bisher max. drei Fundpunkte dokumentiert. Toller Fund, lieber Andreas! Auch dieses Foto vom Blaugrünen Nabeling (Arrhenia chlorocyanea) stammt natürlich von Andreas.

Freitag, 29. April – Welch ein Glück, dass meine Beiträge auch immer wieder kritisch gelesen werden. Neben kleinen Schreibfehlern, besonders beim verdrehen und verschlucken von Buchstaben (meine Augen sind leider nicht mehr die Besten und gerade die Bildschirmarbeit macht mir zunehmend zu schaffen), sind natürlich gerade Seltenheiten, die ich teils selber noch nicht gefunden habe, mit Vorsicht zu genießen. Obigen Pilz hatte Andreas in Pilzforen diskutieren lassen und es waren einige Pilzfreunde der Ansicht, es könnte sich um die beschriebene Arrhenia handeln. Torsten Richter aus Rehna würde den Pilz gerne mikroskopieren, denn es könnte eher ein Rötling sein. Also Andreas, hoffentlich findest du die Stelle und entsprechenden Pilz wieder. Auch die oben dargestellte Riesenlorchel ist in die Diskusion gekommen. Einige Pilzkenner sind der Ansicht, es könnte sich um die in unseren Breiten noch viel seltenere Zipfel – Lorchel handeln. Tatsächlich ist die Hutstruktur etwas zipfelig, nicht ganz so gleichmässig, wie man es von der Riesenlorchel kennt. Die Hutfärbung entspricht allerdings eher der Riesenlorchel, die Zipfellorchel ist tief rotbraun gefärbt. Auch hier sollte dringend eine mikroskopische Untersuchung angezeigt sein. Ohne Mikroskop, so scheint mir, ist wohl bald kaum noch etwas sicher zu bestimmen. Torsten Richter sandte mir heute eine wissenschaftliche Abhandlung über Morcheln zu, leider in italienischer Schrift. Hier wird u. a. eine Morchella palazonii beschrieben, die wir glauben auch bei uns schon gefunden zu haben. Eine etwas schlankere, hohe Form der Speisemorchel, würde ich meinen, aber es soll, wie weitere Formen dieser Morchel, eine eigene Art sein. Manchmal denke ich aber, manche haben noch nicht begriffen, dass die Evolution  nicht am Endpunkt angelangt ist. Natürlich zweigt sich weiterhin vieles auf und es werden längerfristig neue Arten entstehen, aber das braucht seine Zeit, manches ist doch noch sehr subtil, so glaube ich jedenfalls. Meine Arbeitszeit: 10.00 – 21.00 Uhr.

Hier sehen wir nach meiner Artauffassung echte Speisemorcheln (Morchella esculenta), heute am Schweriner See fotografiert. Leider war das alles, was meine recht gute Stelle in diesem Jahr hervorgebracht hat. In guten Jahren stehen hier 40 - 50 Fruchtkörper! Ein Schweriner Pilzfreund fand heute allerdings eine ausgiebige Mahlzeit ebenfalls am Schweriner See.

Hier sehen wir nach meiner Artauffassung echte Speisemorcheln (Morchella esculenta), heute am Schweriner See fotografiert. Leider war das alles, was meine recht gute Stelle in diesem Jahr hervorgebracht hat. In guten Jahren stehen hier 40 – 50 Fruchtkörper! Ein Schweriner Pilzfreund fand heute allerdings eine ausgiebige Mahlzeit von ihnen, ebenfalls am Schweriner See.

Sonnabend, 30. April – Lieber Andreas, dank den Bemühungen von Christopher Engelhardt können wir uns nun sicher sein. Es handelt sich um den Blaugrünen Nabeling und auch die Riesenlorchel ist eine Riesenlorchel! – Heute morgen startete wieder eine öffentliche Pilzwanderung. Sie führte direkt an der Ostsee entlang, von Brook bis Steinbeck. Vor sechs Jahren waren wir schon einmal hier zu einer Frühjahrswanderung unterwegs und es wurde die Morchelwanderung schlechthin, mit eindrucksvollen Dickfuß – Morcheln. Diese große Form der Speisemorchel fanden wir heute zwar nicht, dennoch war es definitiv die Morchelwanderung des Jahres. Praktisch vom Anfang bis zum Ende wurden wir immer wieder fündig. Speisemorcheln, Käppchenmorcheln und auch Spitzmorcheln! Eine Super – Wanderung bei Super Wetter! Es war einfach toll! Siehe unter „Morcheln und nochmals Morcheln“. Meine Arbeitszeit: 07.45 Uhr 01.30 Uhr.

Käppchen - Morcheln (Mitrophora semilibera) säumten heute immer wieder unseren Wanderweg. Teils waren sie schwer zu entdecken, da noch sehr jung. Hier sehen wir eine Kollektion, die schon etwas weiter entwickelt ist. Vorzügliche Speisepilze, die den Speisemorcheln in Wertigkeit kaum nachstehhen, nur nicht so ergiebig sind. Am Standort heute fotografiert.

Käppchen – Morcheln (Mitrophora semilibera) säumten heute immer wieder unseren Wanderweg. Teils waren sie schwer zu entdecken, da noch sehr jung. Hier sehen wir eine Kollektion, die schon etwas weiter entwickelt ist. Vorzügliche Speisepilze, die den Speisemorcheln in Wertigkeit kaum nachstehen, allerdings nicht so ergiebig sind. Heute am Standort fotografiert.

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