Am Bronzenen Hirsch

05. August 2017 – Öffentliche Pilzlehrwanderung

Öffentliche Pilzlehrwanderung

Sie führte durch das Revier Weiße Krug bei Friedrichswalde

Bis an das Ufer des buchtenreichen Labenzer Sees führte uns unsere Wanderung.

Im August beginnt allmählich die Hauptsaison. Auf jedenfall erreicht um diese Zeit der Sommeraspekt in der Regel seinen Höhepunkt, günstige Wachstumsbedingungen vorausgesetzt. Typisch für diese Wachstumsphase in der heimischen Pilzwelt sind viele, teils seltene Röhrlinge aus der Verwandtschaft der Steinpilze. Pfifferlinge haben nun ihr Jahresmaximum erreicht und können auf nährstoffarmen Böden unter Buchen, Eichen, Birken, Kiefern und Fichten gefunden werden. Es gibt viele bunte Täublinge und reichlich Wulstlinge. Unter ihnen, neben essbaren Arten, auch gefährliche Giftpilze wie der Grüne Knollenblätterpilz, den jeder Sammler unbedingt kennen sollte. Eine geführte Lehrwanderung ist dazu bestens geeignet.

Heute war es in den eigentlich vielseitigen Buchenbereichen mit alten Eichen am Ufer des Labenzer Sees leider sehr pilzarm. aber in den sandigeren Nadelwäldern konnte dann doch noch einiges entdeckt, vorgestelt und besprochen werden. Einige Neufunde für die Kartierung waren dabei und auch die Kochtopf – Mykologen kamen zumindest ansatzweise auf ihre Kosten. Hier, wie immer, ein kleiner, bebilderter Rückblick:  

Zunächst öffnete Klaus Waring, seines Zeichens Pilzberater in Bützow, den Kofferaum seines Autos. Neben zahreichen Erdsternen waren auch in Mengen Würzige Tellerlinge, Büschel – Raslinge und einiges mehr zur Einführung dabei. Die Speisepilze darunter durften sich hungrige Pilzfreunde am Ende der Wanderung zusätzlich zu ihren gefundenen Esspilzen mitnehmen.

Die Neugier über die teils nicht alltäglichen Pilzfunde war groß.

Eine uralte Buche trotzt holzzerstörerischen Pilzen. Hier ist es der Flache Lackporling (Ganoderma lipsiense), der seine großen Fruchtkörper – Konsolen in luftiger Höhe an einem früheren Atsabbruch wachsen läßt. So hoch oben finden wir diesen Schwächeparasiten allerdings nur selten.

Die sonst so artenreichen Buchenwälder am Labenzer See boten heute kaum Frischpilze.

Am Übergang zu sandigen Fichtenforsten wurde es schon etwas besser. Hier gibt es zur Zeit reichlich den häufigsten aller Täublinge, den Gelbweißen-, Zitronen- oder Ocker – Täubling (Russula ochroleuca). Sein schmutzig gelber bis grüngelber Hut steht im deutlichen Kontrast zu den weißen Lamellen. Er kann allenfalls als Mischpilz Verwendung finden, da er etwas schärflich oder bitterlich schmecken kann.

Der besonders in sandigeren Laub- und Nadelwäldern häufige kleine Bruder des Frauen – Täublings, der Papagei – Täubling (Russula ionochlora), hat im Vergleich zum Frauen – Täubling brüchige Lamellen. Essbar ist er ebenfalls.

Am Mausoleum der Familie Wedekind und dem Bronzenen Hirsch machten wir eine kleine Rast und unser Erinnerungsfoto. Auf dieser Schautafel sind wichtige Informationen über die Skulptur nachzulesen.

Stolz steht der Bronzene Hirsch nach dem einstmaligen Klau durch Metal – Diebe wieder auf seinen Sockel. Der frühere Hohlkörper soll jetzt zusätzlich mit Beton ausgefüllt sein, so dass, falls Ganoven nochmals auf die Idee kommen sollten, ihn zu stehlen, sie schon mit wirklich schwerem Gerät vorfahren müssen.

Hier sehen wir einen schon etwas von Schnecken zerfressenen Blutroten Röhrling (Xerocomus rubellus), der zu den Filzröhrlingen aus der Verwandschaft von Rotfüßchen und Ziegenlippe gehört und auch wie diese esbbar ist.

Und dann ein schöner, junger Steinpilz (Boletus edulis), der nach der anfänglichen Durststrecke vielen die Augen öffnete und es konnte dann noch einiges gefunden werden. Steinpilze blieben aber die Ausnahme.

Wie auf dem Präsentierteller wuchs dieses Büschel ungenießbarer Vielgestaltiger Holzkeulen (Xylaria polymorpha) auf einem bemoosten Wurzelausläufer eines Buchen – Stubbens. Die Schlauchpilze sind äußerlich dunkelbraun bis schwarz gefärbt, im Inneren allerdings weißlich und holzig hart.

Richtig interessant wurde es an diesem Hohlweg, da endlich auch einige Pfifferlinge auftauchten.

Die sandigen Wälder waren hier teils recht vielseitig, so dass auch immer wieder einige Buchen mit eingestreut waren, denn diesen Sprödblättler finden wir ausschließlich unter diesem Waldbaum. Es handelt sich um ältere Exemplare des Graugrünen Milchlings (Lactarius blennius). Seine weiße Milch schmeckt sehr scharf und der Pilz darf daher als ungenießbar gelten.

Unerträglich scharf schmecken auch diese beiden Sprödblättler, der Buchen – Speitäubling (Russula mairei, rechts oben) und der Wechselfarbige Spei – Täublinge (Russula fragilis). Es gilt die Regel bei Milchlingen und Täublingen, alles was nicht unangenehm scharf oder bitter schmeckt ist essbar, der Rest ungenießbar. Man kostet den Milchsaft oder bei Täublingen die Lamellen. Gilt nur für Sprödblätter!

Dem roten Buchen – Speitäubling sehr ähnlich ist der viel seltenere Gelbfleckende Täubling (Russula luteotacta). Die Huthaut glänzt etwas mehr und der Hutrand ist deutlich gerieft. Die scharfen Lamellen bekommen im alter gelbliche Flecken. Ungenießbar.

Vor diesem schönen Röhrling sollte man sich hüten. Nicht weil er womöglich giftig ist, nein, ein einziges Exempar des galle bitteren Gallen – Röhrlings (Tylopilus felleus) kann ein Pilzgericht ungenießbar machen. Im Zweifel vorher kosten!

Recht interessant wurde es in diesem moosreichen Fichtenforst nicht nur für Kochtopf – Mykologen.

So stieg die Begeisterung vor allem bei Klaus und mir, als wir uns inmitten von Hasenohren (Otidea leporina) befanden. Ob es sich aber wirklich um Hasenohren handelt, konnte die mikroskopische Untersuchung bestätigen. Es gibt nähmlich auch noch den Nadelwald – Öhrling, der nur anhand von Mikromerkmalen vom Hasenohr zu trennen sein soll. Kein Speisepilz.

Natürlich gab es hier auch einige Maronen -.Röhrlinge (Xerocomus badius), die die Herzen der Mykophagen höher schlagen ließen.

Der Orangeblättrige Hautkopf (Cortinarius sommerfeltii) ist giftig oder zumindest giftverdächtig. Seine Farbstoffe lassen sich aber leicht herauslösen und werden zum Färben von Wolle genutzt.

Hier zwei schwach giftige Wulstlinge, die gerne miteinander wegen ihrer gelblichen Hutfarben verwechselt werden. Links der Narzißengelbe Wulstling (Amanita gemmata) und rechts der Gelbe Knollenblätterpilz (Amanita citrina). Letzterer hat eine deutlich abgesetzte Stielknolle und riecht außerdem unangenehm muffig nach Kartoffelkeimen.

Der leicht kenntliche Blaustiel – Schleimfuß (Cortinarius collinitus) kann als Mischpilz in den Sammelkorb gelegt werden. Man beachte den Standort im moosreichen Fichtenwald. Im armen Kiefernwald wächst der ähnliche Brotpilz, ebenfalls ein Speisepilz.

Ein weiterer Vertreter der Öhrlinge (Otidea spec.) aus dem Mischwald.

Zu den Schleierlingen gehört der Wohlriechende Gürtelfuß (Cortinarius torvus). Besonders in die Lamellen herein gerochen verströhmt er einen etwas süßlichen, angenehen Duft. Ungenießbar.

Besonders bei den Täublingen kann es innerhalb ein und der selben Art zu erheblichen Farbabweichungen und Variationen kommen. Hier sehen wir zwei Frauen – Täublinge (Russula cyanoxantha). Links grün und rechts violett. Außerdem kann er stahlblau, bräunlich oder hell beige bis fast fleischfarbig erscheinen. Gut kenntlich aber an den immer geschmeidigen Lamellen und dem kräftigen Wuchs unter Eichen und Buchen. Sehr guter Speisepilz. Bei grünen Formen obacht! Verwechslugsgefahr mit dem Grünen Knollenblätterpilz!

Auch die Formenvielfalt beim Rotfuß – Röhrling (Xerocomus chrysentheron) kann enorm sein und es werden teilsweise auch verschiedene Arten daraus gemacht. Hier können wir grobmaschige Netz – Strukturen am Steil erkennen, die eher bei Ziegenlippen zu beobachten sind. Hier handelt es sich aber eindeutig um Rotfüßchen.

Auch die Hutform kann bei der Bestimmung sehr wichtig sein. Hier sehen wir zwei verschiedene Täublinge mit sehr ähnlicher Hutfarbe. Der Buckel – Täubling (Russula caerulea, links) besitz in der Hutmitte immer einen deutlichen Buckel und wächst unter Kiefern. Der hier etwas dunkel geratene Wechselfarbige Spei – Täubling (Russula fragilis) ist immer buckelfrei und wächst zwar auch unter Kiefern, kann aber auch mit Laubbäumen eine Symbiose eingehen. Der Buckel – Täubling ist essbar, der Spei – Täubling natürlich ungenießbar.

Am Ende war beim einen oder anderen Pilzfreund doch noch eine Mischpilz – Mahlzeit heraus gekommen.

Unser Erinnerungsfoto vor dem Bronzenen Hirsch am 05. August 2017. Insgesamt waren wir 17, aber einige zogen es vor nicht in die breitere Öffentlichkeit zu gelangen.

  • Wann starten wir zur nächsten Wanderung? – Siehe unter Termine!