Tagebuch Oktober 2015/2

Wetter und Pilze im nordwestlichen Mecklenburg

Tagebuch Wetter und Pilze Oktober 2015/2

Die große Zeit der Stubbenpilze oder Stockschwämme hat nun ihren Jahreshöhepunkt erreicht. Kaum ein alter Stubben in Wald und Flur, der nicht mit mehr oder weniger starken Büscheln verschiedener Stockschwämme verziert ist, allen voran Hallimasch. Hier sehen wir aber das vorzügliche Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis). Standortfoto am 14.10.2015 im Radebachtal.

Die große Zeit der Stubbenpilze oder Stockschwämme hat nun ihren Jahreshöhepunkt erreicht. Kaum ein alter Stubben in Wald und Flur, der nicht mit mehr oder weniger starken Büscheln verschiedener Stockschwämme verziert ist, allen voran Hallimasch. Hier sehen wir aber das vorzügliche Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis). Standortfoto am 14.10.2015 im Radebachtal.

Freitag, 16. Oktober – Heute hat in Keez unser diesjähriges, herbstliche Pilzwochenende in Mecklenburg begonnen. Ein kleines Pilzseminar mit Theorieteil, Exkursionen und Bestimmungen. Dazu fanden sich am frühen Nachmittag insgesamt 14 Teilnehmer aus der näheren und weiteren Umgebung ein. Wie gewohnt startete unser Seminar mit einer ausführlichen allgemeinen Einführung in die Pilzkunde, dem 3. großen Naturreich, durch unseren Pilzexperten Ulrich Klein. Nach dem Abendbrot hielt ich noch einen Bildervortrag zum Thema Täublinge. Ich stellte 49 Arten in Wort und Bild vor. Danach legten wir in gemütlicher Runde die morgigen Exkursionsgebiete fest. Meine Arbeitszeit: 10.00 – 00.30 Uhr.

Im überdachten Außenbereich hatte wir wieder eine Moosfläche vorbereitet, die sich bereits zu Beginn durch mitgebrachte Pilze reichlich füllte. Diese schönen Krausen Glucken hatte uns unser Pilzfreund Egon Schmeißer aus Berlin mitgebracht. Die Pilze hat er natürlich nicht aus der Hauptstadt, sondern auf einem Zwischenstopp in einem Wald auf der Fahrt nach Mecklenburg gefunden.

Im überdachten Außenbereich hatten wir wieder eine Moosfläche vorbereitet, die sich bereits zu Beginn des Seminars durch mitgebrachte Pilze reichlich füllte. Diese schönen Krausen Glucken hatte uns unser Pilzfreund Egon Schmeißer aus Berlin mitgebracht. Die Pilze hatte er natürlich nicht in der Hauptstadt, sondern während eines Zwischenstopps in einem Wald gefunden.

Sonnabend, 17. Oktober – Exkursionstag. Nach dem Frühstück in Keez statteten wir zunächst dem nahen Heidenholz und dem angrenzenden Klappenkrug (keine Kneipe, sondern Wald) einen Besuch ab. Überwiegend Buchenbestände auf schweren, lehmigen Böden. Mykorrhiza – Pilze waren auf dem Rückzug, dafür jede Mengen Saprophyten und Schwächeparasiten, allen voran der Hallimasch in gigantischen Mengen und meist auch in Top – Qualität. Gerne hätte ich das Messer gezückt, so wie früher, als ich mir zur Hallimaschzeit sogar Urlaub nahm, um den Pilzhunger der Wismarer Bevölkerung zu stillen. Neben Gemeinem– und Gelbschuppigem Hallimasch beeindruckten vor allem die teils riesigen Büschel des Honiggelben Hallimasch. Nach dem Mittag ging es in das Herrenholz zwischen Sternberg und Güstrow. Ebenfalls überwiegend Buchenbestände, aber teils auf etwas leichteren Böden. Auch hier Hallimasch ohne Ende. Wir erleben dieser Tage eine gigantische Hallimaschschwemme wie lange nicht! Aber auch zur Weiterbildung war noch eine recht ordentliche Artenvielfalt vorhanden. Das Wetter zeigte sich zwar ganztägig trüb und regnerisch, aber windstill und recht mild, so dass wir uns damit durchaus arangieren konnten. Nach dem Abendbrot ging es in gemütlicher Runde an das Auswerten und Bestimmen unserer Ausbeute, die durchaus groß, sehenswert und vielfältig war. Meine Arbeitszeit: 08.00 – 1.30 Uhr.

Honniggelber Hallimasch (Armillaria mellea) in riesigen Büscheln im Heidenholz. Zentnerweise hätte man diesen guten Speisepilze hier heute ernten können, was Irena in einer kurzen Küchenpause auch machte. Innerhalb einer Stunde hatte sie zwei Wäschewannen voll geschnitten. Wir blanchierten bis in die Nacht und froren sie für unseren Pilzimbiss ein. Standortfoto Heidenholz am 17.10.2015.

Honiggelber Hallimasch (Armillaria mellea) in riesigen Büscheln im Heidenholz. Zentnerweise hätte wir diesen guten Speisepilze heute ernten können, was Irena in einer kurzen Küchenpause auch tat. Innerhalb einer guten Stunde hatte sie zwar keine Zentner, aber immerhin zwei Wäschewannen voll geschnitten. Sie blanchierte sie paralel zum Pilzseminar bis in die Nacht hinein und ich fror die Pilze für einen unserer nächsten Pilzimbisstage ein. Standortfoto Heidenholz am 17.10.2015.

Sonntag, 18. Oktober – 3. Seminartag. Nach dem Frühstück ging es weiter mit Pilzbestimmungen. Dazu nutzten wir auch vorhandene Chemikalien und schauten uns Sporen im Mikroskop an. Reichlich Fachliteratur war vorhanden, um Bestimmungsübungen zu starten. Inzwischen hatte unsere gute Seele Irena schon das Mittag vorbereitet. Natürlich gab es neben Pellkaroffeln, Kassler und Gemüse auch Pilze. Mischpilzpfanne und Hallimasch von gestern. Leider verließen uns danach aus familieren Gründen schon die ersten, aber der große Rest brach im Anschluß noch zu einer Abschlußexkursion in ein Sandergebiet auf. Wir hatten uns die Region am Wustrowsee bei Sternberg ausgesucht. Die heideartige Fläche gehört zum Landschaftsschutzgebiet Obere Seen, dass zugleich zum Naturpark Sternberger Seenland sowie dem mittleren Warnowtal zählt. Es bot uns eine willkommene Abwechslung zu den Buchengebieten des Vortages. Insbesondere die sehr armen Kieferngruppen mit Rentierflechten erregten unser Interesse. Wir wollten Günlinge vorstellen und fotografieren und auch schauen, ob nach den leichten Frösten vor wenigen Tagen nun auch die ersten Frostschnecklinge schieben. Beides und manches mehr konnten wir finden und zum Abschluß gab es noch an einer Wanderhütte direkt am Wustrowsee Kaffee und Kuchen zum Abschied. Ein ausführlicher Bericht wird in den nächsten Tagen folgen. Meine Arbeitszeit: 08.00 – 22.00 Uhr.

Nach den auslösenden Bodenrösten anfang der Woche und reichlich Regen danach schieben nun die sehnlich erwarteten Frostschnecklinge (Hygrophorus hypothejus). Ein Mykhorizza - Pilz der Kiefer auf sandigen Böden. Schleimiger, olivlicher Hut, weißliche, gelbe bis orangefarbene, dickliche Lamellen, gelblicher, schleimiger Stiel kennzeichnen diesen zartaromatischen Speisepilz. Standortfoto 18.10.2015.  und

Nach den auslösenden Bodenfrösten Anfang der Woche und reichlich Regen im Anschluß schieben nun die sehnlichst erwarteten Frostschnecklinge (Hygrophorus hypothejus). Ein Mykorrhiza - Pilz der Kiefer auf sandigen Böden. Schleimiger, olivlicher Hut, weißliche, gelbe bis orangefarbene, dickliche Lamellen, gelblicher und ebenfalls schleimiger Stiel kennzeichnen diesen zartaromatischen Speisepilz. Standortfoto 18.10.2015.

Montag, 19. Oktober – Heute zeigten sich nach dem Dauergrau der letzten Tage endlich mal wieder einige Sonnenstrahlen und der Tag verlief im wesentlichen trocken und freundlich. Zum Dauergrau in feuchter und recht milder Luft gesellte sich bis gestern reichlich Regen. Es dürften flächendeckend zwischen 20 und 30 Liter zusammen gekommen sein. Somit sollte es der letzte große Regen gewesen sein, der in dieser Saison für uns von Interesse sein dürfte und noch einiges bewirken könnte. Vorausgesetzt, es bleibt noch länger mild. Das Gro ist allerdings durch und auch die Hallimasch – Schwämme dürfte bald wieder abklingen. Besonders an bisher immer noch zu trockenen Standorten sind aber noch Reserven drin. Vieleicht legen in den nächsten Wochen auch einige Röhrlinge nochmals etwas zu. So haben beispielsweise Steinpilze im Spätherbst meist noch einen schwächeren Nachfolgeschub und auch Derbe Rotfüßchen können noch lange wachsen. Meine Arbeitszeit heute: 09.00 – 22.00 Uhr.

Dieser frische Fichten - Steinpilz (Boletus edulis) schob sich gestern neben einigen Grünlingen, Maronen und Frostschnecklingen aus dem Staubsand der Heide zwischen Kiefernnadeln und Rentierflechten empor. Original - Standortfoto am 18.10.2015 im Gebiet der Oberen Seen.

Dieser frische Fichten - Steinpilz (Boletus edulis) schob sich gestern neben einigen Grünlingen, Maronen und Frostschnecklingen aus dem Staubsand der Heide zwischen Kiefernnadeln, Moosen und Rentierflechten empor. Original - Standortfoto am 18.10.2015 im Gebiet der Oberen Seen.

Dienstag, 20. Oktober – Heute war ich zu 09.00 Uhr an die Schule am Rietberg in Neuburg verpflichtet worden. Traditionell geht es hier im Oktober mit den Schülern der 4. Klassen mit dem Pilzberater in den Wald. Gut 30 Kinder, Lehrer und Begleiter begaben sich mit mir in den nahen Forst Farpen am Neuburger Burgwall. Kiefern, Buchen und Laubmischwald stehen hier auf sandigen Böden. Die begehrten Pilze gab es auch reichlich, so dass die Kinder völlig aus dem Häuschen waren und sich ihre mitgeführten Körbchen schnell füllten. Überwiegend mit Hallimasch. Ansonsten Graukappen, Fuchsige Trichterlinge, einige Täublinge, Milchlinge u.s.w. Ein kleiner Bericht dazu folgt in Kürze. Meine Arbeitszeit: 08.30 – 23.00 Uhr.

Voller Freude und Stolz wird die geprüfte Ausbeute nochmal im Klassenzimmer präsentiert. Liebe Kinder, es hat wieder viel Spaß mit euch gemacht und ich hoffe, ihr habt dabei ein wenig mehr Zugang und Achtung vor den Geschöpfen aus dem Pilzreich bekommen. Denkt immer daran, ohne Pilze kein Leben auf unserem schönen, blauen Planeten.

Voller Freude und Stolz wird die geprüfte Ausbeute nochmal im Klassenzimmer präsentiert. Liebe Kinder, es hat wieder viel Spaß mit euch gemacht und ich hoffe, ihr habt dabei ein wenig mehr Zugang und Achtung vor den Geschöpfen aus dem Pilzreich bekommen. Denkt immer daran, ohne Pilze kein Leben auf unserem schönen, blauen Planeten.

Mittwoch, 21. Oktober – Den heutigen, eigentlichen Exkursions – Mittwoch, nutzte ich dafür, um den Rückblick auf unser „Pilzwochenende in Mecklenburg“ zu Schreiben. Er ist jetzt vollständig unter „Pilzseminar Herbst 2015“ nachzulesen. Daher auch keine neuen Erkenntnisse aus dem Wald. Aber dort wird sich seit gestern kaum etwas geändert haben. Hallimasch dürfte immer noch auf Hochtouren laufen. Zwischendurch fuhr ich nach Brüel, um dem dort gastierenden 1. Ostdeutschem Projektzircus zu besuchen. 160 Schüler der dortigen Grundschule präsentierten ein an den Vortagen einstudiertes Programm. Auch Jonas war mit dabei und trat als Zauberer auf. Meine Arbeitszeit: 12.00 – 15.45 Uhr und 21.00 – 00.30 Uhr.

Diese Pilze fotografierte ich heute morgen auf der Rasenfläche vor meiner Haustür. Seit etwas zwei Wochen erscheinen hier immer neue Büschel des Büscheligen Mürblings (Psathyrella multipedata). Ohne Speisewert.

Diese Pilze fotografierte ich heute morgen auf der Rasenfläche vor meiner Haustür. Seit etwa zwei Wochen erscheinen hier immer neue Pulks des Büscheligen Mürblings (Psathyrella multipedata). Ohne Speisewert.

Donnerstag, 22. Oktober – Heute hatte das mykologische Informationszentrum nur am Vormittag geöffnet. Grund war die 1. Pilzreise in Mecklenburg, die Christopher Engelhardt organisierte. Er ist ein vielseitig interessierter und allseits naturgebildeter Mensch mit Schwerpunkt Ornitologie. Seit dem Jahr 2003 organisiert er naturkundliche Reisen weltweit, so beispielsweise bis nach Island oder Südamerika. Zunehmend beschäftigte er sich in den letzten Jahren auch mit Pilzen und ist im Zuge dessen Mitglied des Rehnaer Pilzvereins geworden. Auch bei den Veranstaltungen des Steinpilz – Wismar ist er ein häufiger und gern gesehener Gast. So enstand bei unserer ersten Pilzwanderung diesen Jahres, im April, die Idee, auch versuchsweise eine Pilzreise in `s Programm mit aufzunehmen und schließlich konnte er einige interessierte Menschen dafür gewinnen. Heute war es nun soweit. Wir trafen uns am Nachmittag im Rehnaer Hotel Stadt Hamburg und nach kurzer Begrüßung und Besprechung des Programms (Die Pilzreise dauert noch bis Sonnabend an), brachen wir zu einer ersten Pilztour in den Botelsdorfer Wald auf. Fichtenforste und ein Buchenstück wurden von uns begangen. Das wohltuende dabei war, das niemand auf Esspilze aus war, sondern einfach nur seinen Horizont zu diesem Thema erweitern wollte. So konnten wir uns gleich auf den ersten Schritten mit allerlei pilzigem vertraut mach. So interessierte beispielsweise der Helmlingsschimmel genauso wie der Goldschimmel, der gerne einige Röhrlinge befällt. Aber auch die filigranen Binsenkeulchen begeisterten. Ein Teilnehmer schwärmte noch von einer Nagelschwamm – Pilzsuppe, die er einst in Österreich in einem Hotel serviert bekommen habe. Ich wußte sofort was gemeint war und verwies in den nahen Fichtenforst. Kaum das wir diesen betreten hatten, standen wir in ganzen Teppichen von den besagten Nagelschwämmen. Es handelt sich und den kleinen, unscheinbaren, max. 2 cm Hutdurchmesser erreichenden Fichten – Nagelschwamm (Strobilurus esculentus). Esculentus bedeutet soviel wie essbar. So konnte ich ihm diesen schmackhaften und unauffälligen Blätterpilz gleich in natura vorstellen. Morgen geht es in den Staatsforst Rehna, daher bleibt die Pilzberatung wieder geschlossen. Meine Arbeitszeit: 09.00 – 24.00 Uhr.

Natürlich war auch hier der Hallimasch allgegenwärtig. Hier sehen wir den Dunklen Hallimasch (Armillaria obscura). Er besiedelt Nadelholz, ganz besonders, so wie auch hier, Fichtenstubben. Auf dem Hut sehen wir starke, dunkle Schuppen, Stiel und Ring erscheinen oft genattert und der Geruch ist Camenbert - artig. Guter Speisepilz, aber roh giftig!

Natürlich war auch hier der Hallimasch allgegenwärtig. Hier sehen wir den Dunklen Hallimasch (Armillaria obscura). Er besiedelt Nadelholz, ganz besonders, so auch hier, Fichtenstubben. Auf dem Hut sehen wir starke, dunkelbraune Schuppen, Stiel und Ring erscheinen oft genattert und der Geruch ist Camenbert - artig. Guter Speisepilz, aber roh giftig!

Freitag, 23. Oktober – 2. Tag der Pilzreise. Am Mittag fuhr ich wieder in Richtung Rehna. Treff war gegen 13.30 Uhr im Alten Landgasthaus in Demern. Dort gab es noch Kaffee und Kuchen und bei der Gelengeheit bat mich die Chefin der Hotelanlage, mir mal die Pilze anzuschauen, die in großen Mengen auf der Rasenfläche vor dem Gasthaus wuchsen. Es waren überwiegend Hallimasch, die anscheinend vom Wurzelwerk einer kürzlich abgenommen Pappel ausgingen. Im Anschluß fuhren wir mit der Reisegruppe zum nahen Woitendorfer Wald (Staatsfortst Rehna). Hier starteten wir zur zweiten Pilzexkursion. Auch hier reichlich Frischpilze, überwiegend Saprophyten oder Schwächeparasiten wie beispielsweise Hallimasch. Aber auch Täublinge. Milchlinge, Erdsterne, Schnecklinge und viele weitere Arten. Es war eine sehr lehrreiche Exkursion, denn Pilze gab es fast auf Schritt und Tritt. Meine Arbeitszeit heute: 12.00 – 21.30 Uhr.

Der Gelbschuppige Hallimasch (Armillaria bulbosa) wuchs in großen Mengen auf der Rasenfläche und am Stubben der abgenommenen Pappel auf dem Gelände des Alten Gasthofes in Demern. Essbar, roh giftig!

Der Gelbschuppige Hallimasch (Armillaria bulbosa) wuchs in großen Mengen auf der Rasenfläche und am Stubben der abgenommenen Pappel, auf dem Gelände des Alten Gasthofes in Demern. Essbar, roh giftig!

Sonnabend, 24. Oktober – Heute stand wieder eine öffentliche Pilzlehrwanderung auf dem Programm. Dieser schloß sich auch die Gruppe der von Christopher Engelhardt organisierten Pilzreise an, so dass die Teilnehmerzahl insgesamt gegen 40 Leute ging. Der Börzower Wald zwischen Grevesmühlen, Börzow und Questin, war unser Ziel. Das Wetter war wunderbar. Mild und goldig, so dass die Wanderung heute trotz der großen Teilnehmerzahl ein einziges Vergnügen war. Viele interessierte Pilzfreunde und auch zahreiche Pilzfunde. Auffällig war allerdings, dass es hier kaum einen Hallimasch gab. Dafür reichlich Täublinge, Milchlinge, einige Röhrlinge und selbst eine Handvoll Pfifferlinge waren dabei. Pfifferlinge fand übrigens unsere Pilzfreundin Agelika Boniakowski dieser Tage noch mehr als ein Kilo! Mit meiner Berichterstattung hinke ich momentan aufgrund der Veranstaltungsdichte leider etwas hinterher, aber ich denke und hoffe, dass ich dieses im laufe der kommenden Woche aufarbeiten werde. Meine Arbeitszeit: 07.40 – 21.00 Uhr.

Auch die bizaren Schlauchpilze standen heute im Fokus einer sehr interessierten Truppe. Wir sehen auf dem bemoosten Stubben die Geweihförmiger Holzkeule (Xylaria hypoxylon). Im Hintergrund auf dem Birkenstamm sind andeutungsweise noch Vielgestaltige Kohlebeeren (Hypoxylon multiforme) zu sehen. Standortfoto 24.10.2015.

Auch diese bizaren Schlauchpilze standen heute im Fokus einer sehr interessierten Truppe. Wir sehen auf dem bemoosten Stubben die Geweihförmiger Holzkeule (Xylaria hypoxylon). Im Hintergrund, auf dem Birkenstamm, sind andeutungsweise noch Vielgestaltige Kohlenbeeren (Hypoxylon multiforme) zu sehen. Standortfoto 24.10.2015.

Sonntag, 25. Oktober – Höchstgeschwindigkeit 41,25 km/h alleine, mit einem Gewicht von ca. 45 Kilo auf der Sommerrodelbahn in Bad Doberan. Dieses soll die Schlagzeile des heutigen Tages sein, meint Sohn Jonas, mit dem ich bei schönstem Oktoberwetter nach Bad Doberan gefahren bin. Endlich mal ein wenig Abwechslung und nicht immer nur Pilze! Ganz ohne diese ging es dennoch nicht. Jonas hatte sich Chips für 20 Fahrten gekauft und das dauert. Immerhin waren nach 4 Stunden 18 Fahrten geschaft und er entschloß sich, es dabei zu belassen. Zwischendurch schaute ich kurz in dem nahen Kellers Wald nach Pilzen aus. Buchenwälder mit Kiefern und Fichten gemischt. Insgesamt relativ wenig los, auch kaum Hallimasch, aber für einen größeren Frischhaltebehälter von Ausstellungspilze hat es gereicht. Neben Graukappen, Schmutzigen Rötel – Ritterlingen, einigen Täublingen und Milchlingen, auch eine Marone und eine Krause Glucke. Im dienste der Sache heute tätig: 11.30 Uhr – 13.00 Uhr.

Der beste Fund meiner Kurzexkursion war allerdings dieser Rißpilz, der in den Kalkgebieten nicht selten sein soll- Ich habe ihne bisher jedoch noch nicht so oft gefunden. Es handelt sich um den Rötenden Rißpilz (Inocybe godeyi). Die Art soll essbar sein aber unbedingt zu meiden, da fast allew Rißpilze guftig sind und auch die Verwechslungsgefahr mit dem stark giftigen Mairißpilz hoch ist, auch wenn dieser meist auf den Spätfrühling und Frühsommer beschränkt ist.

Der beste Fund meiner Kurzexkursion war allerdings dieser Rißpilz, der in den Kalkgebieten nicht selten sein soll. Ich habe ihn bisher jedoch noch nicht so oft gefunden. Es handelt sich möglicherweise um den Rötenden Rißpilz (Inocybe godeyi). Die Art soll essbar sein, ist aber unbedingt zu meiden, da fast alle Rißpilze giftig sind und auch die Verwechslungsgefahr mit dem stark giftigen Mairißpilz hoch ist, auch wenn dieser meist auf den Spätfrühling und Frühsommer beschränkt ist.

Montag, 26. Oktober – Heute war wieder langer Tag in der Pilzberatung. Die Frequentierung hat zwar schon nachgelassen, aber jetzt sind Herbstferien und das Wetter ist gut, so dass besonders in dieser Woche wieder etwas mehr Interesse an Pilzen bestehen könnte. Urlauber besuchen die Ausstellung und bei dem Wetter macht ein Waldspaziergang mit eventuellen Pilzfunden durchaus noch Spaß. Das Wetter soll auch mittelfristig eher goldig und mild bleiben. Bis weit in die nächste Woche könnte das so sein. Die Sonne erwärmt zusäzlich besonders exponierte Stellen, so dass es duchaus sein kann, dass dadurch noch ein leichter Schub von Steinpilz und Co. zustande kommen könnte, jedenfalls ist das in den meisten Jahren im Spätherbst so gewesen. Meine Arbeitszeit heute: 09.00 – 20.00 Uhr.

Diese Gegenüberstellung zweier häufiger Lorchel - Arten hat mir Christian Ehmke kürzlich zugesandt. Wir sehen links die helle Gerbstlorchel (Helvella crispa und rechts die Gruben . Lorchel (Helvella lacunosa). Nähere Informationen daur auf der unter verlinkten Lorchelseite von Christian.

Diese Gegenüberstellung zweier häufiger Lorchel - Arten hat mir Christian Ehmke kürzlich zugesandt. Wir sehen links die helle Herbstlorchel (Helvella crispa) und rechts die dunkle Grubenlorchel (Helvella lacunosa). Nähere Informationen dazu auf der unten verlinkten Internetseite von Christian Ehmke "Lorcheln".

Dienstag, 27. Oktober – Ein goldiger und in der Sonne sehr milder Spätherbsttag liegt hinter uns. In Richtung Wochenende soll es sogar noch etwas wärmer werden und zumindest in der Südwesthälfte Deutschlands kann die 20 Grad Marke erreicht werden. Das erinnert an den Monatswechsel vor einem Jahr, als wir am 1. November eine Pilzwanderung bei strahlend schönem Wetter mit ähnlich hohen Temperaturen durchführten. Wir kamen uns wie im September vor, zu bestem Altweibersommerwetter. Auch an diesem Wochenende werden wir wieder unterwegs sein. Es steht eine Vereinsexkursion auf dem Plan. Siehe unter Termine. Auch hier sind Gäste sehr willkommen. Es geht in das Beketal mit dem Grünen Rad. Mal schauen, was uns die spätherbstliche Pilzflora dort zu bieten hat. Irena wurde jedenfalls gestern wieder sehr fündig und hat große Mengen Hallimasch in bester Qualität einsammeln können, den sie heute einweckte. Sie brachte mir 35 größere Weckgläser davon am Abend in den Laden. Damit war die Hallimasch – Saison für uns in diesem Jahr ausgesprochen ergiebig und wir konnten uns für mögliche Imbisstage reichlich mit diesen schmackhaften Waldpilzen eindecken. Meine Arbeitszeit: 14.00 – 23.30 Uhr.

Schon von weitem sah ich am Sonntag bei meiner Kurzexkursion im Kellers Wald bei Bad Doberan diese Krause Glucke (Sparassis crispa) am Fuße einer alten Kiefer leuchten. Standortfoto am 25.10.2015.

Schon von weitem sah ich am Sonntag bei meiner Kurzexkursion im Kellers Wald bei Bad Doberan diese Krause Glucke (Sparassis crispa) am Fuße einer alten Kiefer leuchten. Standortfoto am 25.10.2015.

Mittwoch, 28. Oktober – Den heutigen Exkursionstag nutze ich dazu, um meine Waldumrundung in der Neukloster Forst fortzusetzen. Das letzte mal war ich dazu Mitte September aufgebrochen. Ich lief heute entlang der ehemaligen Bahnstrecke Wismar – Karow bei Klein Warin, die Ende der 1990er – Jahre eingestellt wurde. Sandige Wälder mit Kiefern, Birken, Fichten, Eichen und Buchen. Während bei meinen diesjährigen Etappen, beginnend im Frühjahr, nur sehr wenige Frischpilze zu finden waren, Ausnahme im September, als es schon etwas besser war, gab es heute mit Abstand die meisten Frischpilze auf meiner diesjährigen Waldumrundung. Für den durchschnittlichen Pilzsucher, der in erster Linie Röhrlinge sammelt, war allerdings kaum etwas im Angebot. An gängigen Speisepilzen gab es noch eine schöne Krause Glucke, einige Hallimasch und Violette – Rötel – Ritterlinge, so dass durchaus eine ausgiebige Pilzmahlzeit gesichert wäre. Nach zwei Stunden war mein Korb bis zum Überlaufen mit Ausstellungspilzen gefüllt. Vieles was hier wuchs, war allerdings nicht mehr besonders frisch. Am frühen Abend besuchten mich dann noch Hamburger Pilzfreunde im Laden. Sie wollten sich in punkto Frostschnecklinge, die sie reichlich und in sehr guter Qualität fanden, beraten lassen. Außerdem brachten sie mir u. a. Habichtspilze und Grünlinge für die Ausstellung mit. Sie waren in den Heidegebieten um Hagenow unterwegs. Neben vielen Frostschnecklingen, waren dort Unmengen an Grünlingen zu finden. „Es war unglaublich, es gab sie hier tonnenweise!“. Darin liegt sicher eine Übertreibung, aber es muss schon gigantisch gewesen sein, was hier an Grünlingen gestanden haben muss. Am Abend baute ich aus dem Sammelsurium wieder eine Frischpilzausstellung auf. Es liegen nun 103 Arten auf den Flächen. Meine Arbeitszeit: 10.30 – 21.30 Uhr.

Dunkler Hallimasch (Armillaria obscura) an einer alten, umgestürtzten Birke am Rande eines Moores. Der Dunkle Hallimasch ist in der Regel an Nadelholz zu finden, bevorzugt an Fichte. Gelegentlich nimmt er aber auch mit Laubholz vorlieb. Guter Speisepilz, roh giftig. Satndortfoto am 28.10.2015 im Neukloster Forst.

Dunkler Hallimasch (Armillaria obscura) an einer alten, umgestürtzten Birke am Rande eines Moores. Der Dunkle Hallimasch ist in der Regel an Nadelholz zu finden, bevorzugt an Fichte. Gelegentlich nimmt er aber auch mit Laubholz vorlieb. Guter Speisepilz, roh giftig. Standortfoto am 28.10.2015 im Neukloster Forst.

Donnerstag, 29. Oktober – Das für die Jahreszeit sehr milde Wetter soll noch eine Weile andauern. Auch mit Nachtfrost ist bei uns in Küstennähe zunächst kaum zu rechnen. Morgen könnte es aber vorübergehend trübe bleiben. Einige Pilzfreunde warten inzwischen sehnlichst auf mögliche, letzte Steinpilze. Diese sind momentan die Ausnahme, aber vieleicht können sie bis Mitte November nochmals leicht zulegen, sicher ist dieses aber nicht. Ansonsten sind Röhrlinge im wesentlichen durch und es werden wohl kaum noch welche in nennenswerten Megnen erscheinen. Jetzt ist die Zeit der Frostschnecklinge angebrochen. Auch Graublättrige Schwefelköpfe oder Violette Rötel Ritterlinge sind noch im Trend. Irena und Jonas haben heute unterdessen schon die Wintersaison eröffnet und eine größere Menge frischer Austern – Seitlinge ernten können. Ihre große Zeit beginnt allerdings erst ab Mitte November und dauert dann  noch bis weit in den Hochwinter an. Meine Arbeitszeit heute: 09.00 – 00.15 Uhr.

Diese schönen Violetten Rötel - Ritterlinge (Lepista nuda) fand ich gestern im Neukloster Forst in der frisch gefallenen Laubstreu, so dass die Pilze kaum zu sehen waren. Wir finden sie auch gerne in Hexenringen in der Fichtennadelstreu und manchmal sogar auf alten Weideflächen. Guter, ergiebiger Speisepilz, aber roh giftig.

Diese schönen Violetten Rötel - Ritterlinge (Lepista nuda) fand ich gestern im Neukloster Forst, in der frisch gefallenen Laubstreu, so dass die Pilze kaum zu sehen waren. Wir finden sie auch gerne in Hexenringen in der Fichtennadelstreu und manchmal sogar auf alten Weideflächen. Guter, ergiebiger Speisepilz, aber roh giftig.

Freitag, 30. Oktober – Nebliges Dauergrau war heute an der Tagesordnung. Nur um die Mittagszeit konnte man die Sonne etwas erahnen. Morgen und an den nächsten Tagen könnte sich die Sonne aber wieder etwas besser durchsetzen und auch die Luft deutlich über die 10 Grad Marke erwärmen. Eigentlich strömt in den nächsten Tagen von Süden her für die Jahreszeit sehr warme Luft nach Deutschland, besonders in der Höhe. Sie kann sich bei der schon recht schwachen Sonneneinstrahlung und wenig Wind kaum bis zum Boden durchsetzen. Die Nächte werden zusätzlich recht frisch sein und nach den neuesten Berechnungen der Metereologen müssen auch wir mit Bodenfrösten rechnen. Ob sich wohl auch unter diesen Bedingungen in den nächsten Wochen noch der eine oder andere Spätherbststeinpilz sehen läßt? Wenn nicht, müssen wir uns wohl 6 Monate gedulden, bis im Mai die ersten Sommersteinpilze die neue Steinpilz – Saison 2016 eröffnen werden.

Erdritterlinge können noch bis in den Winter hinnein gefunden werden. Hier sehen wir den Beringten Erdritterling (Tricholoma cingulatum), der bevorzugt unter Weiden zu finden ist und durch seinem Ring am Stiel gut von ähnlichen Arten zu unterscheiden ist. Bis vor kurzem galten Erdritterlinge als essbar. Zumindest der unter Kieferrn wachsende Graue ERdritterling ist in jüngerer Zeit als Speisepilz in die Diskusion geraten, da in ihm neben dem Grünling ebenfalls Substanzen festgestelt worden sein sollen, die im Verdacht stehen, das Muskelgwebe zu zerstören. Standortfoto am 28.10.2015 im Neukloster Forst.

Erdritterlinge können noch bis in den Winter hinnein gefunden werden. Hier sehen wir den Beringten Erdritterling (Tricholoma cingulatum), der bevorzugt unter Weiden zu finden ist und durch seinem Ring am Stiel gut von ähnlichen Arten zu unterscheiden ist. Bis vor kurzem galten Erdritterlinge als essbar. Zumindest der unter Kiefern wachsende Graue Erdritterling ist in jüngerer Zeit als Speisepilz in die Diskusion geraten, da in ihm, neben dem Grünling, ebenfalls Substanzen festgestellt worden sein sollen, die im Verdacht stehen, das Muskelgewebe zu schädigen. Standortfoto am 28.10.2015 im Neukloster Forst.

Freitag, 31. Oktober (Reformationstag) – Heute fuhr ich kurz, im Vorfeld unserer morgigen Vereinsekursion, nach Gnemern. Sie soll durch das dortige Naturschutzgebiet Beketal mit dem Grünen Rad führen. Mir war wichtig, heraus zu bekommen, wo wir am besten unsere Autos parken können. Danach ging es nach Keez. Da heute auch Helloween war, wollte Jonas traditionell in Greven, bei Lübz, am Abend durch das Dorf ziehen und an den Haustüren, als Nachtgespennst b.z.w. Monster verkleidet, nach Süßes oder Saures fragen. Hier wohnt Verwandtschaft, bei der er oft als Kleinkind war und diesen Brauch mitbekam. Es war am Ende ein großer Beutel Süßes. Bevor es dunkel wurde, schaute ich dort noch kurz in den alten Dorfpark. Kaum Pilze, aber hier überwiegen auch Ahörner, die ohnehin aus mykologischer Sicht kaum interessant sind. Zum Schluß sei noch anzumerken, das der Oktober in diesem Jahr bei uns wohl der pilzreichste Monat war. Steinpilz und Co. waren zwar schon wieder am Abklingen, aber dafür gab es eine große Hallimasch – Schwämme. Ansonsten war die Artenvielfalt in der zurückliegenden Hauptsaison unterdurchschnittlich, ganau wie das Pilzaufkommen von Region zu Region und von Wald zu Wald.

Ganz ohne Pilze war die Grevener Parkanlage aber doch nicht. Neben einer alten BUche lagen von dieser abgebrochene Äste, an denen einige frische Buchen - Schleimrüblinge (Oudemansiella mucida) wuchsen. Die Art stellt immer wieder ein dankbares Fotomotiv dar. Standortfoto am 31.10.2015.

Ganz ohne Pilze war die Grevener Parkanlage aber doch nicht. Neben einer alten Buche lagen von dieser abgebrochene Äste, an denen einige frische Buchen - Schleimrüblinge (Oudemansiella mucida) wuchsen. Die Art stellt immer wieder ein dankbares Fotomotiv dar. Standortfoto am 31.10.2015.

Fortsetzung unter „Wetter/Pilze November 2015/1“