09.08.2025 Baum- und Naturwanderung am Görslower Ufer
Geführte Baum- und Naturwanderung
Schwerpunkt Baum- und Pflanzenkunde sowie dazugehörige Pilze, Insekten und Vögel
Görslower Ufer am Schweriner See
09. August 2025
Zu einer Geführten Baum- und Naturwanderung am Görslower Ufer des Schweriner Sees hatten sich am 09. August 2025 insgesamt 18 interessierte Teilnehmer angemeldet. Eingeladen hatten Christian Boss, der sich in der letzten Zeit intensiv mit Bäumen beschäftigt hat, sowie Chris Engelhardt, der den Ruf hat, sich in vielen Bereichen der Natur – u.a. Vögel, Schmetterlinge und andere Insekten – bestens auszukennen. Mit dabei war auch Pilzberaterin Catrin Berseck für den Bereich Pilze.
Auf ging es durch eine blütenreiche Hangwiese, wo vor allem zahlreiche Grünader- und Kleine Kohlweißlinge unterwegs waren.
Der Wanderweg am Görslower Ufer bot mit einem artenreichen Baumbestand jede Menge praktischen Anschauungsunterricht. Nicht nur lernten wir verschiedene Baumarten kennen und unterscheiden – wie zum Beispiel Berg-, Spitz- und Feldahorn oder auch Rot- und Hainbuche, die trotz ihrer deutschen Namen zu zwei ganz verschiedenen Gattungen gehören.
Auch viele Interaktionen zwischen Bäumen und Tieren konnten wir uns anschauen: die Gang- und Platzminen kleiner Nachtfalter zum Beispiel, die in den Blättern bestimmter Baumarten minieren, wie die Ahorn-Zwergmotte (Stigmella aceris), die Kleine Hasel-Zwergmotte (Stigmella microtheriella) oder die Linden-Faltenminiermotte (Phyllonorycter issikii), deren deutsche Namen schon verraten, in den Blättern welcher Baum-Arten sie ihre Fraßgänge bauen.
Auch die Gallen der Ulmenbeutel-Gallmilbe (Aceria campestricola) auf Blättern der Berg-Ulme (Ulmus glabra) oder auf Ahornblättern die Gallen von Vasates quadripedes, der Ahornblattblasen-Gallmilbe zeugen von den erstaunlichen Beziehungen und Wechselwirkungen in der Natur.
Daneben fanden wir auch zahlreiche Pilze: solche, die im Boden die Laubstreu zersetzen, und andere, die als Krusten oder flächige Überzüge direkt als Totholz-Recycler tätig sind. Die auffälligen Wurzelnden Bitter-Röhrlinge (Caloboletus radicans), die wir nahe am Seeufer fanden, gedeihen am besten auf kalkreichen Böden bei Eichen, Linden und Buchen. Andere Pilze sparen sich den ganzen Aufwand, überhaupt Fruchtkörper auszubilden, und wachsen einfach als Myzelien auf dem Substrat – wie zum Beispiel der Eichenmehltau (Erysiphe alphitoides), der als weißer Belag auf Eichenblättern erscheint.
So tauchten wir für gut zweieinhalb Stunden ein in eine faszinierende Welt voller Vielfalt und Wechselwirkungen. Der Resonanz nach zu urteilen, gingen die meisten mit einer Menge neuer Erkenntnisse nach Hause – und manche sogar mit einem gefüllten Pilzkorb.
Anbei ein paar Foto-Eindrücke dieser sehr lehrreichen, gelungenen Exkursion.
Chris (Text, Fotoauswahl und -beschriftung)

Was ist das da auf der Wiese, ein Zitronenfalter? Nein dieser Falter ist kleiner und hat eine auffällige Unterflügel-Zeichnung. Es handelt sich um Colias hyale, die Goldene Acht.
Foto: Christopher Engelhardt

Entlang des Wanderweges am Görslower Ufer erwarteten uns schöne Landschaftseindrücke und ein vielfältiger Baumbestand.
Foto: Christopher Engelhardt

Von links nach rechts: Flatterulme (Ulmus laevis), Hainbuche (Carpinus betulus), Rotbuche (Fagus Sylvatica).
Foto: Christian Boss

Hier vergleichen wir die Blätter von drei Ahorn-Arten: Spitz-, Berg- und Feldahorn.
Foto: Christopher Engelhardt

Die Blätter der Berg-Ulme (Ulmus glabra) haben eine stark asymmetrische Blattbasis mit schlanker, oftmals 3-zipfeliger aufgsetzter Spitze.
Foto: Christopher Engelhardt

Der Rand von Rotbuchen-Blättern erscheint unter der Lupe (oder schon bei genauem Hinsehen) deutlich behaart.
Foto: Christopher Engelhardt

Nahe des Seeufers fanden wir Caloboletus radicans, den Wurzelnden Bitter-Röhrling. Er gilt allgemein als selten und schmeckt extrem bitter.
Foto: Christopher Engelhardt

Der Name Fraxinus excelsior für die Esche deutet schon darauf hin, daß sie andere Bäume an Höhe überragt.
Foto: Christopher Engelhardt

Plötzlich kam ein Falter angeflogen und setze sich bei enem Teilnehmer auf die Kleidung. Bei näherem Hinsehen handelte es sich um einen Nachtfalter: Agrotis segetum, die Saateule.
Foto: Christopher Engelhardt

Auf Lindenblättern fanden wir die Minierspuren von Phyllonorycter issikii, der Linden-Faltenminiermotte, einem winzigen Nachtfalter, der sich eben in Lindenblättern entwickelt. Sie stammt ursprünglich aus Ostasien und wird in Europa vor allem an der Winter-Linde gefunden.
Foto: Christopher Engelhardt

Auf der Blattrückseite der Winter-Linde befinden sich an der Blattader braune Härchen – wodurch sie von der Sommer-Linde zu unterscheiden ist.
Foto: Christopher Engelhardt