Pilztagebuch August 2011/1

Pilzwachstum und Wetter im Nordwesten Mecklenburgs

Tagebuch Pilze und Wetter im August 2011

Echter Steinpilz (Boletus edulis). Standortfoto am 31.07.2011 im Revier Weiße Krug.

Echter Steinpilz (Boletus edulis). Standortfoto am 31.07.2011 im Revier Weiße Krug.

Montag, 01. August – Mit diesem Hoch – und Spätsommermonat beginnt auch die eigentliche Hochsaison der Pilze. Die Startbedingungen dafür können gar nicht besser sein. Regen ohne Ende und jetzt ein Paar warme Tage. Da kann es nur weiter Bergauf gehen! So starten dieser Tage die Echten Steinpilze deutlicher durch. Das gilt zumindest für Buchenwälder und Fichtengebiete auf leichteren Böden. Auch die allgemeine Vielfalt der Arten und Gattungen wird in den nächsten Tagen und Wochen deutlich abwechslungsreicher und vielfältiger. Die fortgeschrittenen Pilzfreunde und Hobbymykologen freuen sich schon wieder darauf, welche Raritäten die Natur in diesem Jahr wohl hervorbringen wird? Voraussichtlich wird es aber nicht so ein derartiges, explosives Massenwachstum wie im letzten Jahr geben. Statt nur Pilze einsammeln wird das Pilze suchen, aber auch finden, oft im Mittelpunkt stehen. So wie es sich eigentlich auch gehört. Trotzdem werden aber auch in diesem Jahr einige Pilzarten zum Massenwachstum auflaufen. Welche das sein werden, ist zunächst aber noch ein Geheimnis der Natur.

Original so gestern gefunden. Eine junge Ziegelippe (Xerocomus subtomentosus) und ein junger Steinpilz (Boletus edulis) in trauter Eintracht im grünen Moos. Im Hinterfgrund noch eine seltene Koralle. Standortfoto am 31. 07.2011 im Revier Weiße Krug.

Original so gewachsen. Eine junge Ziegenlippe (Xerocomus subtomentosus) und ein junger Steinpilz (Boletus edulis) in trauter Eintracht im grünen Moos. Im Hintergrund noch eine seltene Koralle. Standortfoto am 31.07.2011 im Revier Weiße Krug.

Dienstag, 02. August – Die Urlauber konnten heute endlich aufatmen. Sommer, Wärme und Sonnenschein, da lockt der Strand. Trotzdem gab es aber auch heute Leute die selbst bei solchem Strandwetter lieber in den Wald fahren. So auch Pilzfreund Andreas Herchenbach. Er war vom Pilzaufkommen im Buchenwald enttäuscht und suchte lieber einen moosreichen Fichten – Jungbestand auf. Hier konnte sein Sammelkorb dann doch noch mit den schönsten Fichtensteinpilzen gefüllt werden. Ein deutliches Zeichen, dass die Starkregenfälle vom vorletzten Wochenende langsam zum tragen kommen. In Kombination mit den abermals ergiebigen Niederschlägen vom letzten Wochende, den warmen Temperaturen in diesen Tagen und weiteren Regenfällen in Verbindung mit Gewitterstörungen, die uns ab Donnerstag ereichen werden, haben wir eine solide Grundlage für die Entwicklung eines nachhaltigen Pilzwachstums in den nächsten Wochen. Zumindest mit den Steinpilzen geht es gerade wieder bergauf! Man muß aber weiterhin Glück haben, eine aktive Stelle zu erwischen. Es ist längst nicht an allen, sonst ertragreichen Standorten, etwas zu finden!. 132 Arten liegen aktuell auf den Flächen, davon erstmals in diesem Jahr zu sehen: Schiefknolliger Anis – Champignon, Dünnfleischiger Anis – Champignon, Pfeffer – Röhrling, Rotschuppiger Rauhkopf, Wechselfarbiger Spei – Täubling, Gallen – Täubling, Bereifter Schleimfuß, Gruben -Lorchel, Feuer – Schüppling und Heftel – Nabeling.

Besonders unter Buchen tauch allmählich immer mehr Erdschieber (Lactarius vellereus) auf

Besonders unter Buchen tauchen allmählich immer mehr Erdschieber (Lactarius vellereus) auf. Dieser große, auffällige Milchling gilt bei uns auf Grund seiner Schärfe als Ungenießbar. Im fernen Sibirien ist er allerdings ein beliebter Speisepilz, aber nur nach ganz speziellen Zubereitungsmethoden. Standortfoto am 31.07.2011 im Revier Weiße Krug.

Mittwoch, 03. August – Pilzfreund Andreas Okrent berichtete mir heute von einem starken Wachstum von Fichtensteinpilzen im Raum Graal – Müritz. Er hat den Eindruck, der Schub ist sogar noch heftiger als im letzten Jahr! Davon sind wir im Nordwesten Mecklenburg noch Meilenweit entfernt. So jedenfalls der Eindruck meiner heutigen Exkursion im Sternberger Seenland. Natürlich wachsen auch bei uns die Steinpilze, aber wie die meisten anderen bekannten und beliebten Speisepilze, vorerst meist auf Sparflamme. Das kann sich aber schnell ändern! Die häufigsten Röhrlinge waren heute Birkenpilze, hier und da ein Steinpilz, einige Maronen und Ziegenlippen, Gold – Röhrlinge und Butterpilze sowie eine Espen – Rotkappe. Ansonsten dies und jenes für unsere Pilzausstellung, z. B. Riesenboviste. Nach dem es heute nochmals sehr freundlich mit viel Sonne, Wärme, aber auch Wind war, stehen  Morgen und in den folgenden Tagen viele Schauer und Gewitter auf dem Programm. Es dürfte also wieder einiges an Regen geben. Dabei gehen die Temperaturen allmählich etwas zurück. Gutes Pilzwetter also auch weiterhin!

Der Top - Fund meiner heutigen Exkursion waren allerdings diese beiden Hasen - Röhrlinge (Gyroporus castaneus). Dieser festfleischig, zimtbraune Röhrling mit dem werißlich - glatten Stiel, der im inneren zellig hohl sein kann und mit dem weißlichen Röhren wurde in alten Pilzbüchern auch Hasen - Steinpilz genannt.

Der Top - Fund meiner heutigen Exkursion waren diese beiden Hasen - Röhrlinge (Gyroporus castaneus). Dieser festfleischige, zimtbraune Röhrling mit dem weißlich - glatten Stiel, der im Inneren zellig hohl sein kann und mit den weißlichen Röhren wurde in alten Pilzbüchern auch Zimt - Röhrling oder Hasen - Steinpilz genannt. Guter Speisepilz, aber schonenswert! Standortfoto im Sternberger Seenland am 03.08.2011.

Donnerstag, 04. August – Feuchtwarmes Wetter prägte den heutigen Tag, es gab bei uns aber kaum bedeutsame Regenschauer. Weitere Tiefdruckgebiete ziehen allerdings vom Atlantik heran und bringen zeitweilige Regenfälle, meistens jedoch teils kräftige Regenschauer oder auch Gewitter mit. Dabei gehen die Temperaturen schrittweise, zum Wochenbeginn aber deutlicher zurück, so dass dann wieder ein frühherbstlicher Gesamteindruck entstehen dürfte. Pilzfreund Peter Kofahl war heute im Stadtgebiet unterwegs. Die nächste Invasion der giftigen Karbol – Champignons kündigt sich an und mit ihnen im Schlepptau viele andere Pilze in Wald und Flur. Besucher unserer Pilzausstellung, die in Bayern zu hause sind, berichteten heute von einem starken Pilzwachstum in ihrer Heimatregion. 158 Pilzarten liegen auf der Ausstellung. Erstmals dabei in diesem Jahr: Weißflockiger Gürtelfuß, Rotbrauner Flämmling, Butterpilz, Weinroter Graustiel – Täubling, Bruch – Reizker, Hasen – Röhrling, Kupferroter Gelbfuß, Zimtbrauner Hautkopf, Kuhmaul, Ockerfarbiger Herings – Täubling, Rotstieliger Rübling, Gelbfleckender Täubling und Hasel – Milchling.

Dieser Flockenstielige Hexen - Röhrling (Boletus luridiformis) stand mitten auf einem grasigen Waldweg. Gleich neben ihm stand ein Steinpilz, den schon jemand abgeschnitten hatte. Der ebenso schmackhafte Hexen - Röhrling blieb stehen. Standortfoto am 03.08.2011 im Sternberger Seenland.

Dieser Flockenstielige Hexen - Röhrling (Boletus luridiformis) stand mitten auf einem grasigen Waldweg. Gleich neben ihm stand ein Steinpilz, den allerdings schon jemand abgeschnitten hatte. Der ebenso schmackhafte Hexen - Röhrling blieb stehen. Standortfoto am 03.08.2011 im Sternberger Seenland.

Freitag, 05. August – Heute war ich nicht an der Pilzfront und kann somit auch nichts besonderes darüber Berichten. Pilzfreund Andreas Okrent aus Graal -Müritz schrieb mir eine Mail, dass er nun zum wiederholten male in diesem Sommer schon im Haushalt Forst war, der im vergangenen Jahr um diese Zeit eine wahre Fundgrube von teils seltensten Sommerpilzen darstellte (siehe unter „Bemerkenswerter Sommeraspekt“) und es war wieder sogut wie kein Pilz in diesem Wald zu finden. Es handelt sich um einen unserer Edel – Buchenwälder auf gutem, kalkhaltigem Boden. Dieser Waldtyp zählt zu den sogenannten Sommerwäldern, in denen es oft die tollsten Pilze gibt, wenn wo anders auf Grund von Hitze und Trockenheit kaum etwas wächst. In kühlen Sommern, so wie in diesem, kann es noch so viel regnen, vom Pilzaufkommen wird man dann aber eher enttäuscht sein. Im Herbst kann sich das noch ändern, aber die guten Sommerarten wird man dann kaum noch finden.

Der Anhängsel - Röhrling oder ach Gelber Steinpilz (Boletus appendiculatud) war im letzten Jahr neben zahlreichen, anderen Raritäten, einer der häufigsten Röhrlinge im Haushalt Forst. In diesem Jahr findet man hier kaum einen Pilz.

Der Anhängsel - Röhrling oder auch Gelber Steinpilz (Boletus appendiculatus) war im letzten Sommer neben vielen anderen Raritäten, einer der häufigsten Röhrlinge im Haushalt Forst. In diesem Jahr findet man hier kaum einen Pilz. Standortfoto am 28.07.2010 im Haushalt Forst.

Sonnabend, 06. August – Bei schwülwarmen Wetter war heute wieder eine öffentliche Pilzlehrwanderung angesagt. Es ging durch den Qualitzer Forst, ein Laubwaldgebiet auf besserem Boden. Dem entsprechend war das Pilzaufkommen auch recht bescheiden, aber einige interessante Funde für die Kartei und auch den Kochtopf konnten wir dennoch tätigen. Siehe auch unter „Mit dem NDR im Qualitzer Forst“. Ab den Nachmittagsstunden bis in die Nacht hinein zogen heute bei schwülwarmen Temperaturen immer wieder, teils schwere Gewitter über unsere Pilzgebiete. Es war die bisher stärkste Gewitterlage dieses Sommers in Mecklenburg. Es ist jetzt 0.15 Uhr und es blitz, donnert und regnet immer noch kräftig. Es sind weit verbreitet mindesten 20 – 30 Liter gefallen. Damit haben wir wieder ein Starkregenereigniss, das dritte innerhalb von drei Wochen und im Abstand von jeweils einer Woche. Damit dürfte wohl endgültig der Grundstein für den diesjährigen Hauptaspekt des Jahres gelegt sein!

DDorothee und Günter Meißner aus der Nähe von Hamburg freuen sich über ihre Riesepfifferlinge, die sie in einer Grabenböschung fanden. 06.08.2011 im Qualitzer Forst.

Diese Pilzwanderer aus der Nähe von Hamburg freuen sich über ihre Riesenpfifferlinge, die sie an einer Grabenböschung am Wegrand fanden. 06.08.2011 im Qualitzer Forst.

Sonntag, 07. August Die kräftigen Gewitter von gestern und der vergangenen Nacht haben unserem gesamten Einzugsgebiet Niederschagsmengen zwischen 30 und 60 Liter gebracht. Die Feuerwehr war wieder im Dauereinsatz. In einigen Regionen waren die Wassermassen der letzten Starkregenereignisse noch gar nicht vollständig abgelaufen b.z.w. abgepummt, da hieß es gestern schon wieder Land unter. In Rostock soll ein ganzer Stadtteil unter Wasser gesetzt worden sein. Auch in Wismar wurden einige Straßen zu reißenden Sturzbächen und aus den Gullydeckeln schoßen wahre Wasserfontänen empor. Anders als in unserem zugepflasterten und versiegelten Umfeld der größeren Städte, kommt der Wald mit solchen Wassermassen viel besser klar. Er ist wie ein Schwamm und saugt das Wasser regelrecht in sich auf um u. a. unsere beliebten Schwämme besser sprießen zu lassen. So waren wir heute zur Vereinsexkursion in den Pfifferlingstannen bei Parchim unterwegs. Wir konnten feststellen, dass dieses Waldgebiet auf leichten, sandigen Böden, diesen Namen zu recht trägt. Schon lange habe ich nicht mehr so viele große Pfifferlinge in meinen Korb legen können. Auch sonst war das Pilzwachstum, im Vergleich zu den Wäldern auf besseren Böden, für Anfang August recht gut und angemessen. Siehe auch unter „In der Heimat der Pfifferlinge“.

Mein Korb, in dem eigentlich nur Ausstellungspilze hinein sollten, füllte sich in den Pfifferlingstannen dann zum größten Teil mit Pfifferlingen. 07.08.2011.

Mein Korb, in den eigentlich nur Ausstellungspilze hinein sollten, füllte sich heute zum größten Teil mit Pfifferlingen. Kein Wunder, wir waren ja auch in den Pfifferlingstannen! 07.08.2011.

Montag, 08. August – Unter Tiefdruckeinfluß zogen heute mehrfach Schauer- und Gewitterlinien über Mecklenburg. Es hat wieder heftig geregnet! Da die Schauer aber recht schnell über uns hinweg zogen, hielten sich die Niederschlagssummen einigermaßen in Grenzen. Zwischen 5 und 10 Liter dürften es aber fast überall wieder gewesen sein. Dazu kühlte es deutlich ab. Der Oktober schickt schon wieder seine Grüße. Da der Wind aber recht stark weht, kühlt es in den Nächten bei uns in Küstennähe nicht all zu sehr ab. Wir haben es mit hochreichend labiler Kaltluft, direkt aus dem hohen Norden, zu tun. Das bedeutet, das die Schauer und Gewitter im Landesinneren mehrheitlich am Abend und in der Nacht in sich zusammenfallen. Über dem relativ warmen Wasser der Ostsee wird es aber auch in der Nacht weiterhin kräftig Brodeln und zu weiteren, teils kräftigen Gewittergüßen kommen, die zeitweise auch auf das küstennahe Binnenland ausgreifen können, bevor sich morgen tagsüber, durch Sonneneinstrahlung, die Schauer- und Gewittertätigkeit allgemein wieder verstärkt.

Pilzfreund Andreas Okrent aus Grall - Müritz berichtete mir heute, das die Fichtensteinpilze in seinem Gebiet deutlich am Abklingen sind. Dennoch fand er neben viele alten Exemplaren noch dieses wunderschöne, elegante Exemplar von Boletus edulis.

Pilzfreund Andreas Okrent aus Graal - Müritz berichtete mir heute, das die Fichtensteinpilze in seinem Gebiet deutlich nachlassen. Dennoch fand er, neben vielen alten Exemplaren, diesen wunderschönen Boletus edulis von eleganter Erhabenheit.

Dienstag, 09. August – Heute gab es einen weiteren kühlen und herbstlich verregneten sowie sehr windigen „Sommertag“ in Mecklenburg. Das bescherte uns ein volles Haus im „Steinpilz – Wismar“. Während in den Wochen und Monaten zuvor die Leute skeptisch waren, was die Echtheit unserer Ausstellungsstücke betrifft, weil ja eigentlich so früh keine Pilze wachsen können, schlägt die Stimmung bei diesem Wetter und zu der nun doch schon etwas fortgeschrittenen Jahreszeit allmählich um. Es wird jetzt vermutet, dass die Pilze bei diesem Wetter eigentlich nur so sprießen müßten. Und das tun sich auch, wenn auch eher im bescheidenen Umfang. Davon kann man sich in unserer Pilzausstellung für den fast nur symbolischen Eintrittspreis von 1,00 € gern überzeugen. Allerdings scheint dieser Preis für viele, vermeintlich interessierte Pilzfreunde, unerschwinglich hoch zu sein  und sie drehen dann doch lieber ab. „Ich kenne ja eigentlich alle Pilze“ oder „Dann gehe ich doch lieber in den Wald„, bekommen wir dann zu hören. Um dort hin zu gelangen, reicht 1,00 € meist nicht aus, es sei denn, man geht zu Fuß oder fährt mit dem Fahrad. Auch haben die dort stehenden Pilze kein Namensschild mit ihrer Wertigkeit auf dem Hut oder am Stiel. Aber dass macht ja nichts, wenn man sowieso alle Pilze kennt! Übrigens gibt es auf der ganzen Welt kein einzigen Menschen, der alle Pilze kennt! Aber das sind nur spontane und unüberlegte Ausreden, weil ihnen auf die Schnelle gerade nichts besseres einfällt. Es waren heute aber trotzdem rekordverdächtig viele, die sich unsere Ausstellung mit Begeisterung anschauten. Viele realisieren dann auch, dass mit so einer Frischpilzausstellung ein großer Arbeits- und Zeitaufwand verbunden ist, um sie ständig frisch zu gestallten und am Leben zu erhalten. Es liegen heute 120 Arten auf der Fläche. Erstmals dabei in dieser Saison: Blassser Krempentrichterling, Echter Waldchampignon, Birnen – Stäubling.

Die Pilzausstellung ist zu folgenden Zeiten zu sehen:

Die Pilzausstellung ist zu folgenden Zeiten geöffnet: Montag von 14.00 - 18.00 Uhr, Dienstag von 10.00 - 18.00 Uhr, Mittwoch von 10.00 - 17.00 Uhr, Donnerstag von 09.00 - 18.00 Uhr, Freitag von 10.00 - 18.00 Uhr und Sonnabend von 10.00 - 18.00 Uhr.

Mittwoch, 10. August – Ich war heute in mehreren Wäldern im Raum Ventschow, Warin und Blankenberg unterwegs auf der Suche nach Ausstellungsmaterial. Unter dem Motto „Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen“ hatte ich ganz schön zu tun, meine Sammelbehältnisse mit den unterschiedlichsten Arten zu füllen. Pilze gab es zwar genug was Eichen – Milchlinge, Flatter – Milchlinge, Brennende Rüblinge und änliche, allgegenwärtige Arten anbelangt, aber die Vielfallt war schon besser! Da erfreuten doch einige Gallige Schleimfüße, Hygrophane Raslinge und ein Wollstiel – Schirmling um so mehr. Es waren auch einige Kochtopfsammler unterwegs, dessen Ausbeute aber wohl sehr mager ausgefallen sein dürfte, denn die allseits beliebten und gesuchten Röhrlinge waren heute kaum zu finden. Einzig Gallen – Röhrlinge waren hier und da vertreten. Mit Mühe und Not konnte ich eine Marone und eine Ziegelippe für unsere Ausstellung finden. Auch qualitativ schlechte Körnchen – Röhrlinge und wenige, alte Birkenpilze konnte ich ausmachen. Wer nur Röhrlinge sammeln möchte, hat zumindest in den genannten Gebieten zur Zeit schlechte Karten! – Nach einigen kurzen Regenschauern am Tage, setzte gegen Abend wieder kräftigerer Regen ein. Er gehört zu einem Frontensystem, das bis Freitag an den Küstengebieten entlangschleift und gebietsweise wieder für hohe Regenmengen sorgen wird. Bis Freitag können bei uns wieder 30 – 60 Liter zusammen kommen!

Diese schönen Gallen - Röhrlinge (Tylopilus felleus) sehen zwar appetitlich aus, aber wehe einer gelangt in die Speise! Standortfoto am 10.08.2011 im Revier weiße Krug.

Diese schönen Gallen - Röhrlinge (Tylopilus felleus) sehen zwar appetitlich aus, aber wehe einer gelangt in die Speise! Standortfoto am 10.08.2011 im Revier Weiße Krug.

Donnerstag, 11. August – Heute war es den ganzen Tag wieder trübe und windig. Der Regen hielt sich aber tagsüber in Grenzen. Jetzt am Abend nimmt die Niederschlagstätigkeit von Wester her wieder zu. Es gelten bis morgen Abend weiterhin Unwetterwarnungen vor Starkregen, teils auch vor Gewittern. Die Niederschlagsgebiete führen aber allmählich immer wärmere Luft, subtropischen Ursprungs, heran. Somit wird es zum Wochenende immer wärmer und schwüler. Treibhausklima steht also wieder an, bevor am Sonntag heftige Gewitter wieder eine Abkühlung bringen sollen. Mal schauen, ob die Pilze dann in der Folge auch wieder stärker treiben, zumindest was unsere beliebten Röhrlinge angeht. Auf der Ausstellung liegen heute 143 Arten. Davon erstmals in diesem Jahr dabei: Bleigrauer Bovist, Ledergelber Öhrling, Grüngelbes Gallertkäppchen, Flaumiger Milchling, Heidemilchling, Rettich – Helmling, Grüngebuckelter Rißpilz, Brandiger Ritterling, Galliger Schleimfuß, Gemeiner Fälbling.

Diese wunderschönen Sommersteinpilze haben mir gestern Irena und Jonas für die Ausstellung gebracht. Sie stammen von einer unserer unermütlichen Sommersteinpilz - Stellen, die seit etwa 10 Wochen kontinierlich Pilze hervorbringt. Foto am 11.08.2011 auf unserer Ausstellungsfläche.

Diese wunderschönen Sommersteinpilze (Boletus reticulatus) haben mir gestern Irena und Jonas für die Ausstellung gebracht. Sie stammen von einer unserer unermüdlichen Sommersteinpilz - Stellen, die seit etwa 10 Wochen kontinierlich Pilze hervorbringen. Foto am 11.08.2011 auf unserer Ausstellungsfläche im "Steinpilz - Wismar".

Freitag, 12. August – In den letzten drei Tagen hat es in unserer Region, wie erwartet, wieder stark geregnet. Hier einige Meßwerte: Boltenhagen:17L, Lübeck:27L, Schwerin und Greifswald:36L und Rostock/Warnemünde wieder einmal Spitzenreiter mit 50 Liter. Inzwischen spielen die ständigen Starkregenereignisse keine impulsgebende Rolle mehr zur Auslösung von Wachstumsschüben bei den Pilzen. Der Boden ist gesättigt. Jetzt können eigentlich nur noch die Befürworter der Mondphasentheorie weiterhelfen. Ich hatte heute eine sehr interessierte Dame zur Besichtigung der Ausstellung zu Gast im „Steinpilz“, die unbedingt davon überzeugt war, dass der Mond beim Pilzwachstum eine große Rolle spielt. So viel ich weiß, soll es bei zunehmendem Mond mehr Pilze geben, als bei abnehmendem. Den letzten Schub von Echten Steinpilzen hatten wir  beispielsweise genau zum Monatswechsel, um den 01. August herum. Am 30. Juli war Neumond und morgen ist Vollmond. Es hätte demnach genau in der ersten Augustdekade viele Steinpilze geben müssen, aber ihr Wachstum ließ statt dessen deutlich nach! Wir wollen den Anhängern dieser Theorie aber noch eine Chance geben und erwarten ab dem 29. August (Neumond) den nächsten, vieleicht Hauptschub des Jahres. Aber unabhängig dieser Theorie, könnte es tatsächlich um diesen dreh wieder eine deutliche Zunahme des allgemeinen Pilzwachstums, Steinpilze inklusive, geben, denn nach meinen Erfahrungen muss man den Pilzen von Schub zu Schub eine Vorbereitungsphase von drei bis vier Wochen einräumen. Soweit erst einmal genug für heute mit der Kaffeesatzleserei, die Natur macht es ohnehin nach ihrem Fahrplan, den wir höchstens Ansatzweise entschlüßeln können. Wir lassen uns also wieder einmal mehr überraschen.

Auch die Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutadils) unterliegen gewissen Wachstumsrythmen. In den letzten Tagen gab es relativ viele dieser sehr schmackhaften Edelpilze an alten Laubholzstubben. Standortfoto am 10.08.2011 im Radebachtal.

Auch die Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabils) unterliegen gewissen Wachstumsrhythmen. In den letzten Tagen gab es relativ viele dieser sehr schmackhaften Edelpilze an alten Laubholzstubben. Standortfoto am 10.08.2011 im Radebachtal.

Sonnabend, 13. August – Heute hatte Sohn Jonas Einschulung und großes Familienfest war angesagt. Dazu waren auch einige Pilzfreunde erschienen und gratulierten unserem ABC – Schützen zum neuen Lebensabschnitt. Den ganzen Tag hieß es Schultüten auspacken. Neben allerlei nützlichem auch wieder viele Süßigkeiten, die bis Weihnachten kaum zu schaffen sind. Der Bützower Pilzberater Klaus Warning war am Vormittag noch kurz im Wald und hatte eine wunderschöne Kiste mit Moos und Pilzen dekoriert, die er neben einer Überaschung für Jonas, mitbrachte. Leider habe ich meine Digitalkamera vergessen und nur an die Viodeokamera gedacht. Daher bedauerlicherweise kein Bild von dem schönen Arragement. Enthalten waren u. a. Wohlriechende Gürtelfüße, Eselsohren, Halskrausen- und Wimpern Erdsterne, Grüngelbe Gallertkäppchen, Flockenschüpplinge, Ästiger Stachelbart, Trompeten – Pfifferlinge und Herbsttrompeten, Bauchweh – Koralle und Bärentatze. Wie der Fachmann erkennt, eine wirklich beachtliche Mischung für gehobenere Ansprüche (damit ist nicht der Speisewert gemeint!). Das Wetter war heute auch recht passabel, es regnete kaum und die Sonne kam auch stärker zum Zuge. Dafür geht morgen aber wieder die Post ab! Ein kleines Randtief mit zugehöriger Kaltfront sorgt wieder für mächtige Turbolenzen. Es besteht im laufe des Tages erhöhte Unwettergefahr durch Starkregenschauer und heftige Gewitter, die zusätzlich noch von Hagel und Sturmböen begleitet sein können!

Der grüne Ansis - Trichterling (Clitocybe odora) ist zur Zeit recht häufig zu finden. Er wächst truppweise auf Laub- und Nadelhumus und ist an seinen grünlichen Farbtönen und dem starken Anis - Geruch, den man mitunter schon wahrnimmt, bevor man die Pilze gefunden hat, leicht zu erkennen. Er ist essbar, soll aber sein kräftiges Anis - Aroma in den Speise beibehalten. Standortfoto am 10.08.2011 im Revier Weiße Krug auf Fichtenstreu.

Der grüne Anis - Trichterling (Clitocybe odora) ist zur Zeit recht häufig zu finden. Er wächst truppweise auf Laub- und Nadelhumus und ist an seinen grünlichen Farbtönen und dem starken Anis - Geruch, den man mitunter schon wahrnimmt, bevor man die Pilze gefunden hat, leicht zu erkennen. Er ist essbar, soll aber sein kräftiges Anis - Aroma in der Speise beibehalten. Standortfoto am 10.08.2011 im Revier Weiße Krug auf Fichtenstreu.

Sonntag, 14. August – Heute stand eine individuelle Pilzwanderung auf dem Plan. Mit sechs pilzbegeisterten Menschen fuhr ich in einen recht viel versprechenden Bereich des Sternberger Seenlandes. Ein sandiges Nadel- und Mischwaldgebiet. Scheidenstreiflinge, Flatter – Milchlinge, Eichen – Milchlinge, verschiedene, meist gemeine Täublinge, Brennende Rüblinge und Dickschalige Kartoffelboviste waren Aspektbildend. An Röhrlingen waren besonders Gallen Röhrlinge vertreten und konnten in allen ihren Alters- und Erscheinungsformen studiert werden. Da auch einige Sommersteinpilze, Birkenpilze und Birken – Rotkappen sowie Maronen vertreten waren, hatte man gute Vergleichsmöglichkeiten. Auch schöne große Pfifferlinge sorgten für gute Laune. Der Top – Fund war allerdings der Dunkelviolette Schleierling (Cortinarius violaceus), der im nordwestlichen Mecklenburg äußerst selten vorkommt und auch für mich neu in diesem Gebiet war (siehe auch unter „Individuelle Pilzwanderungen II“). Das Wetter war dazu bedeckt und schwülwarm. Am Nachmittag, wir waren gerade wieder in Wismar angelangt, setzte dann kräftiger Regen ein.

Röhrlinge gibt es zur Zeit zwar nur auf Sparflamme, um so größer ist dann doch die Freude über so schöne Rauhfuß - Röhrlinge (Leccinum testaceoscabrum und Leccinum scabrum). 14.08.2011 im Sternberger Seenland.

Röhrlinge gibt es zur Zeit zwar nur auf Sparflamme, um so größer ist dann doch die Freude über so schöne Vertreter aus der Gattung der Rauhfuß - Röhrlinge (Leccinum testaceoscabrum und Leccinum scabrum). 14.08.2011 im Naturpark Sternberger Seenland.

Montag, 15. August – Nach dem es heute bei angenehmen Temperaturen tagsüber recht freundlich und trocken war, zog am Abend wieder eine kräftige Schauerlinie durch. Wir haben jetzt Mitte August und die sieben Wochen Regen der Siebenschläferregel wurden erfüllt. Nun scheint sich das Wetter tatsächlich allmählich zu stabilisieren und es soll sommerlicher werden. Hochdruckeinfluß soll mittelfristig stärker zum tragen kommen, komplett störungsfrei wird es aber zunächst wohl nicht bleiben. Schon Donnerstag und Freitag zieht von Frankreich her ein neues Gewittertief heran.

Es liegen heute 130 Arten auf den Flächen, erstmals dabei in diesem Jahr: Grünende Fichten – Koralle, Wohlriechender Gürtelfuß, Ästiger Stachelbart, Trompeten Pfifferling, Herbsttrompete, Eselsohr, Grauer Langfüßler, Halskrausen – Erdstern, Grauer Dachpilz, Erdwarzenpilz, Welker Milchling, Weißvioletter Dickfuß, Buckel – Täubling, Stinkende Leder – Koralle, Blutblättriger Hautkopf, Dunkelvioletter Dickfuß, Becher – Koralle und Krause Glucke.

Die Stinkende Leder - Koralle (Thelephora palmata) gehört nicht zu den echten Korallen, sonder ist eigentlich ein Erdwarzenpilz. Sie wächst zerstreut in Laub- und Nadelwäldern. Ihr unangenehmer Geruch nach verfaulendem Kohl unterstreicht ihre Ungenießbarkeit. Standortfoto am 14.08.2011 im Sültener Forst.

Die Stinkende Leder - Koralle (Thelephora palmata) gehört nicht zu den echten Korallen, sonder ist eigentlich ein Erdwarzenpilz. Sie wächst zerstreut in Laub- und Nadelwäldern. Ihr unangenehmer Geruch nach verfaulendem Kohl unterstreicht ihre Ungenießbarkeit. Standortfoto am 14.08.2011 im Sültener Forst.

Weiter geht es bei „Wetter und Pilze August 2011/2“