Wetter/Pilze Juli 2020

Wetter und Pilze im Raum Nordwestmecklenburg

Tagebuch Wetter Pilze Juli 2020

Fahler Röhrling (Boleus impolitus) im Seeblickpark Wismar – Wendorf von Christian Ehmke fotografiert. Die Art hat sich unter Eiche offensichtlich neu angesiedelt, da wir sie hier bisher noch nicht beobachtet haben.

Mittwoch, 01. Juli – Ab heute beginnt der Sommeraspekt (Juli – Mitte August). Er wird geprägt durch interessante Dickröhrlinge, Champignons, vielen Täublingen, einigen Milchlingen und natürlich auch Wulstlingen und bei günstigen Witterungsverhältnissen auch durch viele weitere Gattungen b.z.w. Pilzarten. Sollte der Hochsommer so wie derzeit weitergehen, also recht kühl und feucht, dürften die beliebten Pfifferlinge zur Höchstform auflaufen, während viele weitere Frischpilze meist den Schnecken zum Opfer fallen dürften. 

Ebenfalls neu für Wismar – Hinter Wendorf ist der recht seltene Sternstäubling (Mycenastrum corium). Er wuchs am alten Gutshaus und wurde mir heute in die Pilzberatung gebracht. Jung, so wir hier, ist er essbar. Bei Reife platzt die dicke, zunächst weißliche, später braune, lederartige Exoperidie sternförmig auf und die staubige Sporenmasse wird vom Winde verweht.

Da heute Mittwoch war, startete ich wieder zu meiner gleichnamigen Exkursion. Ein letztes mal ging es in das Meßtischblatt Plau am See. Der vierte Quadrant von MTB 2539 war an der Reihe. Hier gibt es reichlich Wald um den Plauer See herum. Ich entschied mich für den Ortsnahen Plauer Stadtwald mit angenzendem Park auf dem Klüschenberg. Der Plauer Stadtwald ist ein Naturschutzgebiet mit Naturlerpfad. Integriert sind kleine Seen und Wiesenflächen, aber auch Altlasten wie die ehemalige Ziegelei. Teils gibt es naturnahen Buchenwald auf besseren, möglicherweise sogar kalkhaltigen Böden, aber auch saure Bereiche für klassische Pilzarten wie Marone, Steinpilz und Pfifferling. Aber die sollten hier dann wohl meist stehen bleiben, da Naturschutzgebiet. Heute nahm ich natürlich einige Pilze heraus um Belegfotos zu machen und die meisten Frischpilze fand ich ohnehin in der Parkanlage. Hier gibt es, wie im Sommer üblich, meist die arten- und individuenreichere Pilzflora und auch die Schnecken halten sich eher zurück. Bei der zurzeit feuchten Witterung werden die wenigen Frischpilze, insbesondere in den Buchenwäldern, sofort zur Beute der zahreichen Nacktschnecken. Ein kleiner Bericht folgt in Kürze.

Bei diesen mastigen Ledertäublingen war ich mir zunächst unsicher und hielt sie für Weißstielige Leder – Täublinge. Beim genauen Hinsehen, hier beim rechten, auf dem Hut liegenden Exemplar, ist am oberen Ende des Stieles ein Hauch von rötlich auszumachen. Später fand ich weitere Exemplare, wo die rötliche Tönung deutlicher zu sehen war. Rotstieliger Leder – Täubling (Russula olivacea) im NSG Plauer Stadtwald. 01.07.2020. Ausgezeichneter Speisepilz.

Donnerstag, 02. Juli – Gestern brachte ich mir aus der Schwinzer Heide noch einen Schwung Moos mit, um den Rest meiner 2. Ausstellungsfläche für Frischpilze zu belegen. Schließlich gelangten auch gleich einige Arten auf die Fläche, vor allem verschiedene Täublinge. Ich biete die Ausstellung also wieder an, fraglich ist jedoch, ob es überhaupt Sinn macht, da durch die Maskenpflicht wirklich kaum einer Lust hat mit diesem Kleidungsstück durch eine Ausstellung zu gehen. Die Witterung ist jedenfalls ideal, da sehr durchwachsen. Sollte es im Herbst immer noch diese Regelung geben, habe ich Bedenken bei unseren geplanten Großpilzausstellungen.

Zum Wetter: die wechselhafte und eher kühle sowie zeitweise feuchte Witterung soll zumindest bei uns im Norden weiter anhalten. Auch heute zogen wieder einige, teils kräftige Schauer und Gewitter durch. Am Wochenende ist weiterer Regennachschub in Sicht. Mittelfristig könnte sich von Süden jedoch auch hoher Luftdruck anpirschen und für einige trocknere und vieleicht auch etwas wärmere Tage sorgen. Insbesondere für Süddeutschland stehen die Chancen auf sonniges Wetter nicht schlecht. Bei uns könnten schnell wieder Tiefsausläufer in`s Spiel kommen.


Der Trend geht also eher in Richtung feuchtkühler Sommer. Die Pfifferlingsfans dürfen hoffen. Freunde von heftigen Steinpilz - Schüben werden dann wohl eher das Nachsehen haben. Wie viele weitere Pilzarten, werden sie bei diesem Witterungsverlauf, so er denn eintreten sollte, immer mal mit dabei sein und natürlich auch Wachstumspitzen ausbilden, die aber wohl eher flach verlaufen dürften. Auch die Qualität könnte darunter leiden. Nicht nur durch Schneckenfras, sondern auch durch zunehmenden Madenbefall. Das ist nun mal der Preis für dauerfeuchtes, ausgeglichenes Sommerwetter.

Im Park auf dem Klüschenberg in Plau am See wuchsen gestern unter einer Gruppe mächtiger und urwüchsiger Alteichen eine große Anzahl von Flockenstieligen Hexen – Röhrlingen (Boletus luridiformis). Leider waren viele von ihnen bereits überständig, es reichte aber immerhin noch für einen Trockner und mein größerer Weidenkorb war halb gefüllt. 01.07.2020.

Kegeliger Rißpilz (Inocybe fastigiata) unter Eichen und Buchen im Seeblickpark Wismar. Rißpilze sind durch ihren Muskaringehalt fast alle mehr oder weniger giftig. Standortfoto am 03.07.2020.

Freitag – 03. Juli – Nach knapp 2 Wochen stattete ich heute Mittag mal wieder der Parkanlage am Seeblick einen Besuch ab. Von der Sommersteinpilz – Schwämme kaum noch eine Spur. Nur ein kleines, junges, schwachbrüstiges Exemplar wollte es noch einmal wissen. Auch Hexenröhrlinge waren nur in wenigen Exemplaren vertreten. Die bunte Vielfalt an Täublingen war ebenfalls noch nicht auszumachen. Das dürfte sich aber in den kommenden Wochen ändern, denn die ganz große Pilzzeit findet hier im Park im Hochsommer statt. Das heißt aber nicht, dass es heute kaum Frischpilze gab. Im Gegenteil, inselweise standen die Perpilze wie die Soldaten. Sicher hunderte in allen Entwicklungsstadien und viele kleine sind noch am durchbrechen. Da wäre der Korb schnell gefüllt. Sein giftiger Gegenspieler, der Pantherpilz, war nur mit wenigen Einzelstücken vertreten. Es gab aber auch einen Bereich mit zahlreichen Papagei – Täublingen und ganz vereinzelt auch mal ein Frauen – , Sonnen-, oder Camenbert – Täubling. Vereinzelt einige Rißpilze und auch ein Mehlpilz. Nicht zu vergessen einzelne Karbol – Champignons. Der Mergelboden war wieder gut durchfeuchtet u. a. von den gestrigen, nicht unerheblichen Regenfällen. Ich denke, zumindest dort wo die Niederschläge ähnlich waren, dürfen wir wohl wieder die Uhren stellen. Spätestens in 10 – 14 Tagen sollte sich der 2. Schub von Sommersteinpilzen auf den Weg machen. Das würde auch der etwa 4 wöchentlichen Rhytmik entsprechen.

Beim sammeln von Netzstieligen Hexen – Röhrlingen (Boletus luridus) sollte man darauf achten, das man keinen angeschimmelten Fruchtkörper zum essen mitnimmt. Manchmal sind zu Beginn nur unscheinbare graue Flecken vorhanden. Schnell breitet sich der Parasit über den gesamten Fruchtkörper aus und mumifiziert ihn. Ob es sich dabei um den für Röhrlinge typischen Goldschimmel handelt ist mir nicht bekannt. Bitte nur saubere Exemplare wie das linke mitnehmen, denn der Schimmel macht den Pilz giftig! Standortfoto am 03.07.2020 im Seeblickpark.

Perlpilze (Amanita rubescens) erleben im Seeblickpark Wendorf derzeit einen Massenaspekt. Standortfoto 03.07.2020.

Der Juli ist im Durchschnitt der regenreichste Monat im Jahr. Das liegt auch an den oft konvektiven Ereignissen die in kurzer Zeit hohe Regenmengen zustande bringen können, wie auch am europäischen Sommermonsun, wenn ein Tief nach dem anderen vom Atlantik her heran rauscht. Die Großwetterlage ist derzeit zwar ähnlich, aber die Tiefs haben eine nördlichere Zugbahn inne und ziehen daher über Skandinavien ostwärts. Daher werden wir im Norden immer wieder von ihren Fronten gestreift und in Süddeutschland kann sich eher ein Azorenhochkeil bemerkbar machen und für sonnigere und auch wärmere Verhältnisse sorgen. Solange die Tiefs eher nördlich liegen, kann sich kein heißes Sommerwetter bei uns einstellen. Eher können sogar mal richtig kühle Polarluftmassen angezapft werder und der Wind kann zeitweise richtig aufdrehen. Hohe Regenmengen sind bei dieser Wetterlage meist nicht zu erwarten, ausgenommen in kräftigeren Schauern und Gewittern. Allerdings kann immer mal ein Randtief etwas weiter westlich von uns nach Süden rutschen und einen schwall warmer Sommeruft auch bis zu uns führen. Diese Konstellation ist zwar für mich nicht die Beste, aber immerhin eine Erholung für die Natur und auch für unsere Pilzflora. Warum nun nicht die Beste? Richtiges Sommerwetter mit Hitzeeinschüben im Wechsel mit kräftigen Gewitterfronten wäre für mich der Ideal – Zustand. Dafür müßten die Tiefs auf dem Atlantik deutlicher nach Süden abfallen und zumindest in Höhe Biscaya Position beziehen. Dann darf es gerne auch mal ein bis zwei Wochen richtig heiß und trocken werden, dann aber mit massiven Regenfällen hinterher. Das würde unsere wärmeliebende Pilzflora richtig auf Trapp bringen.  Ja, dass sind nun Wunschvorstellungen meinerseits, die sicher auch nicht jedem gefallen würden und daher macht es die Natur so, wie sie es für richtig hält.

Nur an einer Stelle unter Rotbuchen gab es heute zahlreiche Täublinge im Seeblickpark, insbesondere Papagei – Täublinge (Russula ionochlora), also der kleine, essbare Bruder des noch besseren Frauen – Täublings. Täublinge sind sehr farbvariabel und beim Papagei – Täubling finden wir diese Eigenschaft schon in seiner Namensgebung. Allerdings überwiegen meist lilaviolette Farbtöne. Bei dieser Kollektion meint man aber auf den ersten Blick Grüne Knollenblätterpilze vor sich zu haben! Da diese tödliche Art hier ebenfalls vorkommt, ist äußerste Vorsicht beim Sammeln von Täublingen an diesem Standort walten zu lassen. Bitte die Pilze nicht abschneiden sondern mit dem Messer heraus heben und genauestens begutachten! 03.07.2020 im Seeblickpark Wendorf.

Nahezu ausschließlich in Siedlungsnähe und städtischen Anlagen finden wir den Fransigen Wulstling (Amanita strobiliformis). Diese Wulstlingsart gehört zu den größten einheimischen Pilzgestalten und ist praktisch mit keiner anderen Pilzart zu verwechseln. Die Fransen am Hut und auch die zerlumpte Manschette am Stiel bestehen sozusagen aus Quark, den man zwischen den Fingern zerreiben kann. Einzigartig im Pilzreich! Soll ein schmackhafter Speisepilz sein, wächst aber leider oft an belasteten Standorten wie Straßenrändern. Das Foto entstand am 04.07.2020 in Wismar – Friedenshof.

Sonnabend, 04. Juli – Schmuddelwetter könnte man das nennen, was uns heute geboten wurde. Sonnenanbeter hatten keine Chance, es blieb beim Dauergrau und gelegentlich nieselte es oder es fiel auch leichter Regen. Die Luft war jedoch angenehm mild. Da inzwischen die alljährliche Invasion der Urlauber an der Ostsee eingesetzt hat, wimmelte es heute in der historischen Altstadt von Wismar vor Menschenmassen. Da viele auf einen Auslandsurlaub in Corona – Zeiten verzichten, scheint es in dieser Sommersaison wohl einen Rekordansturm von Inlandstouristen zu geben. Ich hatte heute zumindest den Eindruck. Und richtiges Strandwetter ist auch weiterhin nicht in Sicht. Der Frontenzug, der uns das trübe Wetter bringt, soll sich in den nächsten Tagen sogar bis Süddeutschland ausweiten. Somit gelangen wir im Norden auf die Rückseite in polare Kaltluft. Diese strömt über die Nordsee ein und kann Feuchtigkeit aufnehmen, welche im Zusammenspiel mit Höhenkaltluft wohl zahlreiche Schauer und Gewitter auslösen könnte, die über dem warmem Meerwasser beste Bedingungen vorfinden und auch in das Binnenland triften können. Hier sorgt tagsüber allerdings auch der Tagesgang durch intensive Sonneneinstrahlung für klassisches Aprilwetter. Dazu weht ein oft frischer Wind, der im Zusammenspiel mit der Kaltluft ungünstig auf das Pilzwachstum einwirken sollte. Derzeit ist die Luft noch feuchtwarm, da ist der Wind nicht so problematisch.

Neu für mich waren am Friedenshof diese Duftenden Täublinge (Russula odorata). Der kleine, zerbrechliche Ockersporer ist ein typischer Parkpilz, der mit Eichen eine Symbiose eingeht. Meist riechen die Pilze charakteritisch fruchtig. Die Art gilt gebietsweise als selten und steht in einigen Bundesländern auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Pilzarten. In M-V  ist er dank unserer Kartierungsarbeit etwas häufiger im nördlichen Mecklenburg nachgewiesen. Aus Vorpommern gibt es bisher keine Fundmeldungen. Essbar.

Heute suchte ich nach langer Zeit mal wieder eine Parkanlage im Wismarer Stadtteil Friedenshof auf. In früherer Zeit, als ich noch für die städtische Pilzberatungsstelle mit meiner Schaufensterausstellung verantwortlich und dem Umweltamt angegliedert war, gehörte dieser Park mit dem russischen Ehrenmal zum Standartprogramm, wenn es darum ging, eine besonders vielfälige und bunte Schaufensterausstellung zusammen zu suchen. Hier wurden, wenn möglich, während der Saison von April bis November zwei mal wöchentlich Frischpilzausstellungen von 20 – 50 Pilzarten präsentiert. Wie es sich gehört, auf Moospolstern. Immer Montags und Donnerstags und bis die Ausstellung vollständig war. Manchmal dauerte mein Deko – Tag bis gegen 22.00 Uhr, wenn andere schon wieder schlafen gingen, um sich für den nächsten Arbeitstag auszuruhen. Heute ist es nicht viel anders, nur das kein Schauenfenster bestückt werden muss, sondern die Berichterstattung auf dieser Hompage zu aktualisieren ist.

Eichen – Filzröhrling (Xerocomus quercinus) im Park am Friedenshof unter Eichen und Linden. Roter Stiel – warum kein Rotfußröhrling? Natürlich ist er als Filzröhrling nah mit dem Rotfüßchen verwandt. Zwei wichtige Unterscheidungsmerkmale sind die nicht rissig werdende Huthaut und der fehlende Obstgeruch. Die Art riecht schwach pilzig. Da alle Filzröhrlinge essbar sind, ist eine Verwechlung für Speisepilzsammler unbedeutend. Es sei denn, man mag das säuerliche Aroma des Rotfüßchens nicht, dann wäre der Eichen – Filzröhrling eine Alternative. Das Foto entstand am Standort am 04.07.2020.

Hauptgrund meines Besuchs am Friedenshof waren natürlich auch Ausstellungspilze für meine Innenausstellung, aber ich wollte vor allem wissen, ab es hier noch Saftlinge gibt, die damals oft in großen Mengen mit ihren farbenfrohen Fruchtkörpern die vermooste Rasenfläche am Ehrenmal zierten. Und ich hatte Glück, es gibt sie noch. Zwar nur der häufigste dieser stark rückläufigen Blätterpilzgattung, der Kegelige Saftling, aber immerhin. Es gibt hier aber auch andere Arten aus dieser Wachsblätterpilzgattung, aber meist findet sich nur der Kegelige. Nichtsdestotrotz, es hat mich gefreut! Natürlich wuchsen hier auch andere Arten wie Netzstielige Hexen – Röhrlinge, Perpilze, Stadt – Champignons, Rißpilze und verschiedene Täublinge.

Kegeliger oder Schwärzender Saftling (Hygrocybe conica). Während viele Saftlinge dramatisch auf dem Rückzug sind, ist diese markante und leicht kenntliche Art noch ziemlich häufig. Im Wismarer Stadtgebiet wächst dieser Glaskopf an mehreren Standorten. Hier war es am russischen Ehrenmal im Wismarer Stadtteil Friedenshof, wo dieses Foto am 04.07.2020 entstand. Giftverdächtig!

Ein Schwärzender Saftling, wie der Kegelige Saftling (Hygrocybe nigrescens) auch genannt wird, war heute im Park am Turnplatz vertreten.

Sonntag, 05. Juli – Nur selten gelingt es mir, aus welchen Gründen auch immer, der Parkanlage am Turnplatz in Wismar – süd einen Besuch abzustatten. Heute war es mal wieder soweit. Der Baumbestand setzt sich vorzugsweise aus Linden zusammen. Auch Kastanien und einige Eichen komplettieren den Baumbestand. Hier gibt es zeitweise sehr viele Netzstielige Hexen – Röhrlinge, zumindest wenn nach längerer Pause ein neuer Pilzschub einsetzt. Das war auch vor kurzem wieder der Fall, aber inzwischen hat das allgemeine Frischpilzaufkommen auf Gelassenheit umgestellt. Dauerfeuchte und moderat temperierte Witterung verusacht keinen Stress und das Wachstum frischer Fruchtkörper verläuft bei den meisten Arten entspannt. Ausgenommen sind derzeit allerdings Perlpilze, die regional überreagieren. So waren heute auch nur vereinzelt frische Netzstielige Hexen – Röhrlinge zu finden. Am zahlreichsten gab es verschiedene Rißpilze, aber auch Täublinge und vereinzelt mal ein Champignon, Erdritterling oder Rotfüßchen. Selbst der farbenfrohe Kegelige Saftling war wieder dabei.

Recht auffällig und groß sind diese erdschiebenden Blaublättrigen Weißtäublinge (Russula delica). Häufiger als der namensgebende Blauschimmer in ihren Lamallen ist eine mehr oder weniger bläuliche Zone an der Stielpitze zu beobachten. Der Pilz ist zwar essbar, zählt aber nicht zu den Leckerbissen. Standortfoto am 05.07.2020 im Park am Tunplatz.

Essbar ist der Gilbende Erdritterling (Tricholoma argyraceum). 05.07.2020 Park am Turnplatz mit Standortfoto.

Das Wetter stand heute im Zeichen einer schleifenden Kaltfront, wobei noch die gestern eingeflossene feuchtwarme Luft wetterbestimmend war. Im Zuge der Kaltfrontpassage entwickelten sich strichweise schmale Schauerlinien, die auch mal einen heftigen Starkregenguss dabei hatten, so wie am Nachmittag in Wismar. Im Verlauf der kommenden Nacht nähert sich eine Trogachse mit hochreichend kalter Polarluft. Das wird zunächst über und an der Nordsee zahreiche Schauer und teils kräftige Kaltluftgewitter auslösen, die im laufe der 2. Nachthälfte auch schon bis nach Mecklenburg ausgreifen können. Entsprechende Unwetter – Vorwarnungen sind ausgegeben. Tagsüber herrscht dann April – Wetter mit weiteren Schauern und Gewittern. Die Hauptgefahr bei diesen konvektiven Ereignissen dürfte von starken Windböen ausgehen. Hohe Regenmengen sind kaum zu erwarten, nur über Regionen, die öfters von stärkeren Schauern getroffen werden.

Junge und gesunde Netzstielige Hexen – Röhrlinge (Boletus luridus) unter Linden im Park am Turnplatz fotografiert am 05.07.2020 am Standort.

Dieser Netzstielige Hexen – Röhrling (Boletus luridus) sollte nicht verzehrt werden. Er ist von einem Schimmelpilz befallen. Standortfoto am 05.07.2020 im Park am Turnplatz.

Montag, 06. Juli – Wie erwartet gab es heute Aprilwetter mit viel Wind. Stellenweise zogen kurze, aber kräftige Schauer mit Sturmböen durch. Verantwortlich dafür ist ein großes Tief über Skandinavien und der derzeit über Mitteleuropa verlaufende Polar – Jet, das steuernde Starkwindfeld in der Höhe. Es schwächt sich in den nächsten Tagen ab und bröselt im Verlauf auch etwas auf. Diese Woche verbleiben wir im Norden aber weiterhin in recht kühler Luft und ein neues Tief kann morgen und am Mittwoch neue Regenfälle bringen. Die können durchaus nennenswert ausfallen, aber wohl eher westlich und leicht südlich von M-V. Schauer sind aber bis zum Wochenende möglich und danach scheint sich ein Ableger des Azoren – Hochs auf den Weg nach Mitteleuropa zu machen. Er soll sich weiter nach Skandinavien verlagern und damit könnte auch bei uns im Norden sonnigeres und wärmeres Sommerwetter einher gehen. Nach den Modelläufen von heute Mittag kann anschließend aber schon wieder der Luftdruck über West- und Südeuropa fallen und in diesem Zusammenhang wären feuchtwarme und zunehmend gewittrige Tendenzen möglich. Alles in allem, sollte es so kommen, günstig für uns. Es sieht also nicht so aus, wie wenn sich Schönwetterhochs für längere Zeit ungestört behaupten könnten.

Widerliche Täublinge (Russula pectinatoides) am 05.07.2020 im Park am Turnplatz in Wismar unter Linden. Die Art gehört zu den Kamm – Täublingen mit stark gerieften Huträndern. Ungenießbar.

Anstatt in großen Trupps, nur ein solitär stehender Karbol – Champignon (Agaricus xanthodermus) gestern im Park am Turnplatz. Giftig!

So ist die Motivation und Erwartungshaltung in diesem Sommer bezüglich meiner Exkursionen bei mir höher als in den beiden zurückliegenden Jahren, als es im Prinzip nur Holzpilze zu entdecken gab. Sollte es leidlich feucht bleiben, dürfte sich die Artenvielfalt von Woche zu Woche erhöhen. Auch die Kochtopf – Mykologen dürften auf ihre Kosten kommen. Zum Hit scheinen sich in diesem Jahr die beliebten Eierschwämme zu entwickeln. Besser bekannt unter der Bezeichnung Pfifferling. Schaut man sich die Einträge im Pilz – Ticker an, so sind die Ernten von Pfifferlingen in einigen Bundesländern schon sehr beachtlich. Immerhin haben sie nach zwei Dürresommern einiges aufzuholen. Jedoch werden wir auf starke Schübe von Steinpilz und Co. bei dauerfeuchter Witterung verzichten müssen. Es wird Wachstumswellen geben, die aber nicht überbordernd ausfallen dürften. Sollte sich in den nächsten Wochen eher feuchtkühle Witterung behaupten, geht es wohl auch in den klassischen Maronen – Gebieten, also unseren sandigen Nadelwäldern, bald los. Auch hier kann es dann reichlich Pfifferlinge geben, auch abseits der bekannten und klassischen Standorte, die ständig jemand nach den kleinsten Winzlingen absucht.

Siamesische Zwilinge im Park am Turnplatz am 05.07.2020. Es handelt sich um essbare Rotfuß – Röhrlinge (Xerocomus chrysenteron).

Zum Schluß noch eine kleine Anmerkung zu den Aktivitäten des Pilzvereins Heinrich Sternberg Rehna e.V.  http://www.pilzverein-rehna.de

Seit einigen Jahren dreht es sich bei ihnen nicht nur um Pilze, sondern sie beteiligen sich auch an weiteren Naturschutzprojekten in ihrer schönen Umgebung. So waren einige Mitglieder um den Vereinsvorsitzenden Torsten Richter am vergangenen Wochenende zur Wiesenmahd aufgebrochen, um seltenen Orchideen das Atmen zu ermöglichen. Sie unter http://www.ostseepilze.de

Bitte unter Pilztagebuch schauen!

Die kleinen, zerbrechlichen Sonnen – Täublinge (Russula solaris) wachsen schon seit einiger Zeit im Seeblickpark. Ihr Geruch soll an Senfsoße erinnern und der scharfe Geschmack signalisiert ihre Ungenießbarkeit. 07.07.2020 Park am Seeblick.

Dienstag, 07. Juli – Am Mittag begab ich mich zwecks Ausstellungspilzen und zur Erkundung der Lage wieder in den Park am Seeblick. Der heftige Schub von Perlpilzen flacht langsam ab, dafür sind Frauen – Täublinge auf dem Vormarsch und auch erste Heringstäublinge, die unter den dortigen Eichen im Hochsommer sehr zahlreich fruktifizieren. Einige Mehlpilze waren vertreten, genauso wie vereinzelte Röhrlinge: Flockenstieliger Hexen – Röhrling, Netzstieliger Hexen – Röhrling, Sommersteinpilz und Rotfüßchen. Sie sehen es mitlerweile gelassen und bilden immer mal den einen oder anderen Fruchtkörper aus. Konnte ich beim letzten Besuch am vergangenen Freitag einen jungen Sommersteinpilz finden, waren es heute immerhin schon wieder zwei. Während die Hexen – Röhrlinge, zumindest die Netzstieligen, von schlechter Qualität waren, teils von Schimmel befallen, teils ausgesprochen madig, waren zumindest die Sommersteinpilze schön kernig. Auch die noch nachschiebenden Perlpilze sind vollkommen vermadet und auch die Frauen – Täublinge oft schon jung von sehr schlechter Qualität. Dauerfeuchte und die immer neu schlüpfenden Pilzfliegen hinterlassen ihre Spuren.

Selbst die jungen und fleischigen Frauen – Täublinge (Russula cyanoxantha) sind bereits von schlechter Qualität. Maden und schimmel machen ihnen zu schaffen. Hier sehen wir sowohl violette, wie auch grünhütige Exemplare, die sich aus einem und dem selben Myzel entwickeln. 07.07.2020 Seeblickpark.

Zum Wetter: am späteren Nachmittag bis in den Abend hinein zogen schauerartige Regenfälle von west nach ost über Mecklenburg. Stellenweise hat es wieder recht ordentlich geplattert. Auch in der Nacht können noch einzelne Schauer und Gewitter das Küstengebiet entlang schleifen. Einzelne Schauer können auch morgen noch dabei sein, während sich über der Landesmitte eine Luftmassengrenze etabliert. Sie wird zeitweilige Regenfälle mitbringen, die besonders im Nordwesten Deutschlands und zur Nähe BeNeLux ergiebig ausfallen können. Die Luftmassengrenze trennt kühle, gealterte Polarluft bei uns an den Küsten, von warmer Sommerluft in Süddeutschland. Zum Donnerstag/Freitag kann ein neues Tief die Regenfront auch wieder zu uns in den Nordosten drücken und mit etwas Glück kann einiges an Regen zusammenkommen. Zumindest sind aus heutiger Sicht verbreitet 15 – 20 l/qm möglich.

Die ersten Weinroten Heringstäublinge (Russula graveolens) brechen durch. Die Gruppe der Heringsstäublinge zeichnet sich durch bräunendes Fleisch und einen intensiven Geruch nach Heringslake aus. Die hier gezeigte Art wird auch als Starkriechender Heringstäubling bezeichnet. Ihr Fischgeruch ist wirklich fast schon penetrant. Essbar. 07.07.2020 im Park am Seeblick in Wismar – Wendorf.

Hier ein aktuelles Bild von der Pilzfront in Niederösterreich, dass mir heute unser Tagebuchleser Hartmut Wirth aus Ternitz zusandte, mit der Anmerkung, dass nun endlich auch dort die Steinpilze durchstarten. Wir sehen einen Elternteil mit Kindern des Fichten – Steinpilzes (Boletus edulis).

Danach könnte bis auf einige Schauer für längere Zeit schluß mit dem feuchtkühlen Wetter sein. Anders als gestern noch in den Mittelfristkarten auszumachen, scheint sich der Keil des Azorenhochs doch stärker behaupten zu können. Es entsteht dann wohl für längere Zeit Hochdruck über Skandinavien und es wird von Tag zu Tag sonniger und wärmer. Dabei besteht die Möglichkeit, dass diese Entwicklung in eine richtige Hitzewelle gipfelt. Immerhin pirschen wir uns dann langsam, aber sicher, dem Zeitraum der Hundstage an. Den oft heißesten Wochen des Jahres. Der Hochsommer wäre dann auch wettertechnisch Realität. Einge Modelle rechnen aber ab dem 16. Juli mit zeitweisen hohen Cape – Werten für Mecklenburg (bis 1100.00 J/Kg). Das deutet die Möglichkeit heftiger Gewitter an. Cape ist die für Gewitterbildung zur Verfügung stehende Energie. Bei den Wasserbomben im Juni hatten wir Cape – Werte zwischen 1.000 – 1.500 J/Kg, teils über 2000 J/Kg! Ab diesem Datum springen auch die möglichen Niederschlagsmengen abrupt bis auf knapp 100 Liter auf den Quadratmeter hoch! Zugegeben, dass ist das maximal mögliche und weicht erheblich von den Mittelwerten ab, aber es ist zumindest ein kleiner Hoffnungsschimmer das mit den zu erwartenden, hochsommerlichen Temperatruren, auch starke Gewitter zumindest regional dafür sorgen könnten, dass die allgemein positive Entwicklung nicht vollständig verdurstet. Freunde der wärmeliebenden Pilzflora und heftigerer Röhrlingsschübe dürfen dann wieder Hoffnung schöpfen. Pfifferlingsfans könnten das Nachsehen haben. Aber vieleicht läuft es ausgeglichener und alle Lager würden zufrieden gestellt.

Wer auf der Suche nach echten, also Fichtensteinpilzen unter Buchen, Kiefern, Eichen und vor allem auch Fichten ist, sollte auf jedenfall auf diesen kleinen Blätterpilz aus der Verwandtschaft der Rötlinge achten. Er ist der klassische Steinpilz – Zeiger.  So wuchs heute hier und da mal ein Exemplar vom Mehlpilz (Clitopilus prunulus) im Seeblickpark. Bleiweiße Farbe mit später schmutzigrosa Lamellen sowie sehr brüchiges Fleisch mit starkem Mehlgeruch zeichnen diesen Steinpilz – Zeiger aus. Besonders in Frankreich ein sehr geschätzter Speisepilz. 07.07.2020 Seeblickpark.

Eine Pfifferlingspfanne aus der Cossenheide stand am Abend auf dem Speiseplan. Allerdings sollte man sich abends nicht den Bauch mit Pfifferlingen vollschlagen, da sie schwer verdaulich sind und daher Probleme bereiten können.

Mittwoch, 08. Juli – Am Nachmittag startete die heutige Mittwochsexkursion. Ein neues Meßtischblatt war an der Reihe, nähmlich 2339 = Krakow am See. Die Topographische Karte im Maßstab 1 : 25 000 war schon einmal im Frühling des Jahres 2018 zu meinen Mittwochsexkursionen im Programm. Schon damals zeichnete sich im April/Mai  bereits der Beginn des Dürresommers ab. Sowohl wegen der nun schon etwas fortgeschritteneren Jahreszeit, wie auch von den Witterungsbedingungen her, steht die neue Runde durch die 4 Quadranten dieses Meßtischblattes unter einem günstigeren Stern. Gut ein Drittel des 1. Qudranten ist bewaldet. So finden sich hier die Waldgebiete Stüde und Siggen mit dem Naturschutzgebiet Cossensee. Das größte Waldgebiet ist jedoch die Cossenheide und stellte auch das heutige Zielgebiet dar. Es ist wohl der nördlichste Ausläufer des Naturparks Nossentiner/Schwinzer Heide. In 2018 war ich hier Mittwochs im April unterweges und Anfang September im Rahmen einer öffentlichen Lehrwanderung. Beides war damals sehr bescheiden und auch heute verlief die Tour alles andere als pilzreich. Das Sandige Revier besteht aus Mischwäldern, wobei die Kiefer dominant ist. Aber auch interessante Buchenbereiche und Roteichenbestände sind vorhanden und selbst moosreicher Altfichtenbestand. Von Heide kann hier allerdings kaum gesprochen werden. Es ist ein ganz normaler Forst. Leider über weite Strecken teils stark verkrautet durch Brombeeren und teils eutrophiert mit Brennnesseln. Es gibt aber immer wieder nährstoff- und vegetationsarme Inseln, an denen zumindest die 08/15 Pilzflora saurer Sandböden zu erwarten ist. Also vielversprechend für Fans von Maronen oder Steinpilzen und ganz besonders auch von Pfifferlingen. So war es auch heute, allerdings nur was Pfifferlinge angeht. Sobald sich eine entsprechende Stelle zeigte, insbesondere unter Altbuchen oder jüngeren Roteichen, waren Pfifferlinge die häufigste Pilzart. Teils schöne Nester, teils noch viel Brut, die natürlich stehen blieb. Zwar stand die Kartierung im Mittelpunkt, aber zum Schluß reichte es noch für eine kleine Pfifferlingspfanne zum Abendbrot. Ansonsten war es schon ziemlich anspruchsvoll eine halbwegs vorzeigbare Artenliste von Großpilzen zustande zu bringen. Ein kleiner Bericht folgt in Kürze.

Ansehnliche Pfifferlinge (Cantharellus cibarius) heute am Standort in der Cossenheide fotografiert.

Junge Wurzel – Schleimrüblinge (Xerula radicata) gestern am Standort in der Cossenheide fotografiert. Essbar. Mit etwas Glück gelingt es, den Pilz mit seiner, mitunter mehrere Dezimeter langen Pfahlwurzel aus dem Waldboden zu operieren.

Donnerstag, 09. Juli – Die Wettergegensätze über Deutschland haben sich heute weiter verschärft. Während es im Süden hochsommerlich warm, teils sogar heiß ist, und vielfach die Sonne dominiert, war es heute bei uns im Norden grau in grau und es regnete fast den ganzen Tag ohne unterlass. Und das durchaus kräftig und ergiebig! Dazu Temperaturen, die wir bei gleichem, mildfeuchtem Wetter auch im Januar gehabt haben könnten. Es war regional fast der kälteste Juli – Tag seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die Höchsttemperaturen lagen zwischen 11 und 14 Grad. In der Höhe liefen Aufgleitprozeße von feuchtwarmer Subtropikluft auf die bei uns lagernde Polarluft ab, die den Landregen auslösten. Das verantwortliche Tief war ein ehemaliger Tropensturm und hatte satt Feuchtigkeit geladen, die nicht nur bei uns abregnete. Eigentlich hätte dieses etwas weiter südlich stattfinden sollen, aber gut so. Hat mich sehr gefreut! Ich denke, in der Fläche dürften wohl um die 20 Liter oder gar mehr zusammengekommen sein und weiterer Regennachschub folgt in der Nacht und morgen.

Stellenweise gab es in der Cossenheide reichlich Waldfreund – Rüblinge (Collybia dryophila). Ihnen entströmt ein sehr angenehmer Pilzduft, jedoch zählen sie eher zu den minderwertigen Arten, die höchstens als meist unergiebige Füllpilze mit eingesammelt werden können, sofern man sie sicher als solches erkennt. Standortfoto am 08.07.2020 in der Cossenheide.

Nach dem zuletzt zwischenzeitlich und regional immer mal kräftigere Schauer vom Himmel kamen, in Wismar beispielsweise signifikant auch am 2. des Monats, so sind die aktuellen flächigen Niederschläge für einen neuen Pilzschub völlig ausreichend. Die Regenfälle sollten sich vor allem in 10 – 14 Tagen an der Pilzfront bemerkbar machen. Aber auch früher könnte es hier und da wieder etwas besser werden. Allerdings ist es durch die relative Dauerfeuchte etwas verwaschen, so dass sich die Situation täglich und regional ändern kann. Großes erwarte ich bezüglich Sommerpilze allerdings eher nicht, da die Temperaturen einfach viel zu niedrig sind. Es fehlen richtige Hitze – Einschübe und diese bleiben wohl auch vorerst Mangelware bei uns im Norden. Es wird zwar im Verlauf wieder wärmer, aber der Hochsommer scheint sich zunächst nicht bis zu uns ans Baltische Meer durchsetzen zu wollen. Auf jedenfall sind die aktuellen, flächigen Regenfälle genau das, was unsere Pfifferlinge brauchen, um weiter zuzulegen.

Auf dem bemoosten Mittelstreifen eines Waldweges fanden sich diese originellen Ohrlöffel (Auriscalpium vulgare). Der unverkennbare Stachelpilz wächst aus im Boden eingesenkten, alten Kiefernzapfen heraus. 09.07.2020 in der Cossenheide.

Ein junger Stadt – Champignon (Agaricus bitorquis) heute im Park am Turnplatz fotografiert. Ausgezeichneter Speisepilz.

Freitag, 10. Juli – Die Ostsee – Urlauber können einem leid tun. Der zweite Tag in Folge trüb, unterkühlt  und verregnet. Zwar regnete es nicht fast den ganzen Tag, so wie gestern, aber um die Mittagszeit mit Kaltfront – Durchgang platterte es wieder ganz ordentlich runter. So sind in den letzten drei Tagen flächendeckend um die 30 l/qm in unserem gesamten Einzugsgebiet zusammen gekommen. Am meisten wohl wieder im Raum Wismar. Zumindest ist die Wetterstation auf der Insel Poel mit 36 Litern Spitzenreiter geworden. Das war dann auch mal wieder ein Volltreffer und wird sicher einen Aufwärtstrend an der Pilzfront nachsichziehen. Und auch in der Folge wird es wohl immer mal nachregnen. So ist für Mitte kommender Woche das nächste Tief besonders für uns Nordlichter im Anmarsch. Bis zum Beginn der Hundstage (23.07.) wird sich an der wechselhaften und für uns an der Küste auch weiterhin wenig sommerlichen Witterung kaum etwas ändern. Sommertage von 25 Grad und mehr bleiben bei uns ein Wunschtraum. Allerdings deuten die Mittelfristmodelle zaghaft eine Umstellung der Großwetterlage in Richtung Hundstage an. Dann könnte aus heutiger Sicht tatsächlich mal ein Schönwetterhoch über Mitteleuropa ankern und im Zusammenspiel mit einem Atlantik – Tief hochsommerlich warme bis heiße Luft auch bis zu uns hoch transportieren. Aber ob es so kommt, ist immernoch mehr als fraglich, denn über Monate eingespielte Grundmuster in der Großwetterlage besitzen oft eine hohe Erhaltungsneigung. So kommt es, dass wir im Norden immer wieder in die kühle Nordwestwindlage geraten und Sommerwetter wo anders stattfindet.

Den Gemeinen Trompeten – Schnitzling (Tubaria furfuracea) kennen wir eher aus dem Winter, aber die Temperaturen sind derzeit wenig sommerlich. Essbar. Park am Turnplatz am 10.07.2020.

Ein junger Fransiger Wulstling (Amanita strobiliformis) schiebt sich aus dem Parkboden. Guter Speisepilz. 10.07.2020.

Aber es hat ja auch sein gutes. In den beiden vergangenen Sommern haben wir den Regen herbeigesehnt und nun sollten wir froh sein, dass er zurzeit reichlich fällt. Das erhöht das Potenzial für ein im Verlauf wirklich gutes Restpilzjahr. Durch die stärkere und andauernde Bodenfeuchtigkeit können sich nicht nur die beliebten Pfifferlinge gut eintwickeln, sondern auch viele andere, weitaus interessantere Arten, die im Hochsommer einen günstigen Feuchtehaushalt brauchen. Damit meine ich nicht in erster Linie langweilige „Fresspilze“, sondern Arten, die den Hobby- bis hin zum Profi – Mykologen begeistern können. Insbesondere natürlich auch die Fans für Raritäten. Wärmeliebende Sommerarten werden es eher schwer haben. Aber da besteht ja noch Hoffnung auf die Hundstage, so dass eventuell doch noch die eine oder andere Hitzewelle bevor stehen könnte. Bei dem unterkühlten Wetter können sich vielmehr eher schon herbstliche Pilzarten entwickeln oder sich auf ihr Escheinen in Richtung Herbst besser vorbereiten. Wir können dann im August schon mit einer größeren und sicher vielseitigen Entwicklung rechnen. Um noch mal zu den Fresspilzen zu kommen. Gute Jahre von Herbststrompeten gibt es meiner Beobachtung nur, wenn der Hochsommer ausreichend nass verlaufen ist. Dann können sie ab August schon richtig loslegen und halten bis November durch. Ob es ihnen allerdings dafür zu kalt ist, vermag ich nicht einzuschätzen.

Ein Blaublättriger Weißtäubling (Russula delica) in trauter Eintracht mit Kammkorallen (Clavulina cristata). Die Korallenpilze wuchsen hier dicht an dicht in großer Anzahl und teils Halbkreise ausbildend. Als Mykorrhiza – Partner kommt nur die Linde in betracht. Beide essbar, aber minderwertig. 10.07.2020.

Der giftige Seidige Rißpilz (Inocybe geophylla var. lilacina) in seiner schönen, violetten Form. 10.07.2010 in der Parkanlage am Turnplatz.

Noch kurz zur aktuellen Lage in der Parkanlage am Wismarer Turnplatz. Vor wenigen Tagen stellte ich fest, das eines meiner beiden Rückleuchten an meinem Leichtkraftroller defekt ist und ich aus diesem Grund bei meiner Yamaha KFZ – Werkstadt in der Kanal – Straße vorstellig wurde. Dafür war ein wenig Arbeitszeit nötig, denn so einfach wie früher, geht es heute meist nicht und man muss wegen jeder Kleinigkeit eine Werkstadt aufsuchen. Zumindest trifft das für mich zu, der keine Ahnung von technischen Dingen hat. Ich nutzte also die Zeit, um in dem genannten Park, gleich um die Ecke, nach dem rechten zu schauen. Frischpilze gab es im großen und ganzen recht verhalten, aber wenn man genauer schaute, war doch einiges los. Vereinzelt ein Stadt – Champignon, Fransiger Wulstling oder auch Netzstieliger Hexen – Röhrling, Weißtäublinge als wirkliche und weithin leuchtende Großpilze, zahreiche Rißpilze, Schwärzende Saftlinge, Rötlinge, Trompeten – Schnitzlinge, massenhaft Korallenpilze bis hin zum Buchenwald – Wasserfuß unter Linden. Stichpunkt Wassserfuß: Den bekam ich heute auch, da es gerade während meiner kleinen Exkursion maximal wie aus Eimern schüttete. So hatte ich doch einige Mühe schnell noch Fotos für`s Tagebuch zu schießen und muste gleichzeitig dafür sorgen, dass wenigstens meine Kamera keinen Wasserschaden davon trug. Dafür war ich am Ende gut geduscht.

Und hier, weil sie so schön sind, nochmals Schwärzende- oder Kegelige Saftlinge (Hygrocybe conica) im Turnplatzpark am 10.07.2020.

Sonnabend, 11. Juli – Dem aufmerksamen Tagebuchleser mag gelegentlich der etwas herbe Begriff Pilzfresser, den ich gestern mal wieder in meinen Text unter Fresspilze andeutete, etwas befremdlich und niveaulos erscheinen. Das ist er aber keinesfalls. Der Begriff ist die wörtliche Übersetzung des wissenschaftlich Fachausdrucks Mykophage = Pilzfresser. Als Mykophagen werden Lebewesen bezeichnet, die sich von Pilzen ernähren, insbesondere aus dem Tierreich, dem auch wir Menschen unbestritten angehören. Der Mykologe beschäftigt sich ernsthaft mit der Mykologie = Pilzkunde, der Mykophage rennt mit Korb und Messer bewaffnet durch die Botanik oder mit Einkaufswagen durch den Supermarkt um sich etwas zum fressen zu verschaffen. So gehören fast alle Pilzsammler zu den Pilzfressern, denen nur eins wichtig ist: essbar oder giftig? Die eigentliche  Bedeutung der Pilze im Gefüge der Natur und somit auch für uns Menschen, wird den wenigsten bewußt. Von vielen Menschen werden Pilze von oben herab betrachtet als das Niederste von niederen. Tauchen sie unerwünscht in ihrem persöhnlichen Umfeld auf, gilt es sie möglichst sofort zu bekämpfen. Das mag in dem einen oder anderen Fall sinnvoll sein, aber sie erfüllen nur ihre zugedachte Aufgabe. Das Dasein des Menschen ist ohne die meist verborgene Arbeit der Pilze undenkbar. Und dazu gehören nicht nur unsere Großpilze, sondern auch Phytoparasiten und Schimmelpilze.

Nicht zu vergessen natürlich auch die Myxomyceten, also die Schleimpilze. Hier sehen wir den häufigen Blutmilchpilz (Lycogala epidendron) auf einem Kiefern – Stubben in der Vierburg Waldung. 11.07.2020.

Ich, in meiner Eigenschaft als ein von manchen Zeitgenossen belächelter Pilzberater, mit nicht geringer Verantwortung für Leib und Leben der Ratsuchenden und gleichzeitig Zuarbeiter für die Wissenschaft durch langjährige Pilzkartierung, sitze irgendwo zwischen den Stühlen. Einige Hobby – Mykologen rümpfen in ihren internen Arbeitskreisen über jeden Pilzfreund, der auch nur einen Gedanken an essbar oder giftig verschwendet, die Nase. Unter ihrem Niveau! Wie kann man nur! Zugegeben, manchmal geht es auch mir gehörig auf den Geist, wenn ich versuche auf meinen Lehrwanderungen die Unterschiede der gefundenen Arten zu erläutern und immer wieder Zwischenrufe kommen, kann man den essen oder nicht? Es wird schon den Kindern so vermittelt. Und auch ich habe als Kind so angefanden. Es wurden nur Pfifferlinge gesammelt. Und das war für mich der Zündfunke für`s Leben. Ohne diese geheimnissvollen Wesen (nicht nur Pfifferlinge!), die sich als roter Faden durch mein Leben ziehen, gäbe es mich ganz sicher nicht mehr. Ich wäre schon längst auf der Strecke geblieben, aber diese Wesen haben mich auch in schweren Lebenskrisen immer wieder empor gezogen und wieder Licht und Zuversicht in mein Leben gebracht. Sie gaben und geben mir den Sinn meines Lebens und dafür bin ich ihnen unendlich dankbar. Aber so ein Außenseiter hat es schwer im Leben. Er paßt nicht in die allgemein gültigen Normen.

Dekorativ und ein farbiger Blickfang ist in unseren Nadelwäldern der Klebrige Hörnling (Calocera viscosa). Minderwertig. Standortfoto am 11.07.2020 in der Vierburg Waldung.

Aber ein Gedanke sei mir noch gestattet. Ich tue auch heute noch reichlich Speisepilze suchen. Für die Ausstellung oder zur Unterstützung des Info – Zentrums. Aber ich bin froh, dass ich nicht nur auf der Suche nach einer Handvoll Klassiker die Wälder durchstreifen muss. Früher habe ich es ähnlich gemacht. Es muss deprimierend sein, wenn man ohne Erfolge nachause kommt und das, obwohl trotzdem reichlich Pilze gesehen worden sind, die aber keine große Beachtung und Wertschätzung erfahren haben. Dadurch, dass wir seit vielen Jahren die Großpilzflora Mecklenburgs erforschen und Kartieren hat sich mein Horizont über die Jahre gewaltig erweitert, und ich freue mich über jeden Fruchtkörper, den ich entdecke und vor allem auch bestimmen kann, was keineswegs immer möglich ist. Ich möchte auch nicht mehr überlegen müssen, in welchem Wald könnte es gerade am sinnvollsten sein, nach meinen Lieblingen Ausschau zu halten. Deshalb kommen mir beispielsweise meine nach Topographischen Karten ausgerichteten Mittwochsexkursionen sehr entgegen. Es macht mir einen riesigen Spaß in die vor Monaten durch Auslosung festgelegten Regionen und Wälder zu fahren. Kein Grübeln, sondern das Ziel steht fest und am liebsten sind mir Wälder in denen ich bisher nur selten oder garnicht unterwegs war. Nach dem Motto „Lass dich überraschen“.

Typischerweise im moosreichen, sauren Fichtenwald einige Gallen – Röhrlinge (Tylopilus felleus). Ein echter Gaumen- und Magenbitter. 11.07.2020 Vierburg Waldung.

Wenig Pilze aber viele Blaubeeren heute in der Vierburg Waldung.

So nun endlich zum heutigen Tag. Es stand eine öffentliche Lehrwanderung auf dem Programm, Ziel war die Vierburg Waldung bei Bützow. Dazu fanden sich sechs Pilzinteressierte Mykophagen ein, meine Wenigkeit eingeschlossen. Wir nutzten den vor Jahren vom Pilzberater Klaus Warning angelegten Pilzlehrpfad, nur die dort beschriebenen und teilsweise in schönen Fotos auf Schautafeln dargestellten Pilzarten waren kaum auffindbar. Ein Bützower Ehepaar, die mit uns unterwegs waren, sagten, dass es in diesem Gebiet eigentlich erst in den letzten Tagen nennenswert geregnet hat. Dem entsprechend hielt sich das Frischpilzaufkommen sehr in Grenzen, dafür gab es auf den sauren und sandigen Böden reichlich Blaubeeren. Ein kleiner Bericht folgt in Kürze.

Diese Trüffeln wurden mir heute in die Sprechstunde der Pilzberatung gebracht. Gefunden auf einem Grundstück in Wismar – Wendorf, unweit eines Haselstrauches. Um welche Art es sich handelt, konnte ich zunächst nicht ermitteln. Inzwischen hat sich dank Benno Westphal herausgestellt, dass es sich sehr wahrscheinlich um Tuber repaedorum.

Ein Standortfoto von Christian Ehmke aus dem Wismarer Stadtgebiet: Tropfender Schillerporling (Inonotus dryadeus). Ungenießbar. Die oft riesengroß werdende Art findet sich am Fuß von alten Eichen.

Sonntag, 12. Juli – Heute war ich einmal mehr in der Wismarer Parkanlage am Seeblick unterwegs. In punkto Frischpilze im Sommer, bei ausreichend Feuchtigkeit, immer eine Bank. Natürlich auch heute, aber nicht überbordernd. Es hat sich, der Dauerfeuchte geschuldet, ein ruhiges, ausgeglichenes Frischpilzwachstum etabliert. Vieles fällt allerdings den Spaziergängern und tobenden Kindern sowie  Hunden zum Opfer. Und auch die Neugier ist bei einigen Zeitgenossen groß, wenn man sich mit einem Behältnis und öfter bückend durch die Anlage bewegt. So auch heute wieder. Ich war gerade im Begriff mir eine kleine Kollektion von Rißpilzen für ein Foto zusammenzulegen, als jemand mit seinem Wauwau auf mich zukam und natürlich wissen wollte, was ich hier für Delikatessen sammle. Er kenne nur Pfifferlinge, Steinpilze oder Maronen. Wie soll es auch anders sein, ein klassischer Mykophag. Das ist natürlich nicht schlimm, aber das sein Hund dabei gerade den besonders vorteilhaft gewachsenen Rißpilz umrempelte, den ich mir als Bildmittelpunkt ausgesucht hatte, war für mich weniger erfreulich.

So mußte also auch der Mittlere, der eigentlich stehend auf`s Bild sollte, gelegt werden b.z.w. der Hund legte ihn für mich auf die Seite. Es dürfte sich um Strohgelbe Rißpilze (Inocybe cookei) handeln. Giftig!

Dieser weißliche Blätterpilz leuchtete heute auf der Rasenfläche der Parkanlage am Seeblick. Es ist ein frischer Maipilz (Calocybe gambosa). Warum auch nicht! Im Mai war es meist viel zu trocken und die Temperaturen entsprechen derzeit eher dem Wonnemonat, als dem Hochsommer.

Wie schon erwähnt, es läuft hier gemächlich ab. Sommersteinpilze haben ihr Wachstum genau wie Perlpilze nahezu vollig eingestellt. Hexen – Röhrlinge schieben nach wir vor in Einzelstücken. Am häufigsten sind Frauen – Täublinge zu beobachten, aber auch Papagei – Täublinge, Widerliche Kammtäublinge und im besonderen, da seit Wochen auffällig häufig, die kleinen, leuchtend gelben Sonnen – Täublinge. Die eigentlich um diese Zeit in größeren Mengen hier zu findenden Herings- und Purpurschwarzen Täublinge halten sich auffällig zurück. Vieleicht bräuchten sie ein höheres Temperaturniveau. Aber dieses ist zunächst nicht in Sicht. Es wird zwar vorübergehend, auf der Vorderseite der neuen Tiefdruckentwicklung, auch bei uns wieder Anfang der Woche etwas wärmer, aber von echtem Sommerwetter mit mindestens 25 Grad im Schatten bleiben wir auch weiterhin verschont. Schon in Richtung Wochenmitte macht sich wieder Tiefdruckeinfluß bei uns breit und besonders von der Ostsee bis nach Bayern ist bis zum nächsten Wochenende mit hohen Regenmengen zu rechnen. Es kann also wieder ordentlich Wasser geben, bei gleichzeitig erneut zurück gehenden Temperaturen. Erst in der übernächsten Woche könnte auch mal ein Schub hochsommerlich warmer Luft bis zu uns an die Ostsee geraten. Dieser wird sich aber wohl nicht lange behaupten können, denn es sollen teils schwere Gewitter aufziehen und die haben natürlich wieder kühlere Luft im Gepäck. Übrigens, so die Metereologen, erleben wir in diesem Jahr einen ganz normalen, mitteleuropäischen Sommer. Sowohl was die Temperaturen anbelangt, wie auch den Niederschlag.

Und hier eine weitere Kollektion von Rißpilzen. Eine sehr schöne Art, wie ich finde, sowohl vom eleganten Wuchs her, wie auch der satt braunen Färbung. Die Stielbasis ist rübenartig angeschwollen. Rübenstieliger Rißpilz (Inocybe napipes). Standortfoto im Seeblickpark am 12.07.2020. Giftig!

Eichen – Filzröhrling (Xerocomus quercinus) heute unter Eiche im Seeblickpark.

Heute habe ich mal wieder in den Pilzticker „Passion Pilzesammeln“ hinein geschaut. Essbare Täublinge und Pfifferlinge sind in anderen Bundesländern meist angesagt. Aufgefallen ist mir in diesem Zusammenhang auch ein Beitrag aus Bayern unter der Überschrift „Ein Korb voller Birkenpilze aus dem Nürnberger Norden“. Nun, dass es sich nicht um Birkenpilze handelt, sieht man auf den ersten Blick. Es wurde auch ein Standortfoto eingestellt, dass besseren Buchenwald zeigt, in dem sicher einige Hainbuchen eingestreut sind. Es handelt sich bei den gefundenen Pilzen eindeutig um Hainbuchen – Röhrlinge! Selbst wenn dort tatsächlich mal eine Birke stand, sind für das Erscheinen dieser Raufüße ausschließlich Hainbuchen zuständig. Aber so ganz falsch ist es dann doch nicht, denn die Hainbuche ist keine Buche, sondern ein Birkengewächs. Auffallen sollten den glücklichen Findern auch die runzlige Huthautstruktur und das Schwärzen des Fleisches. Ein gemeiner Birkenpilz verfärbt im Fleisch niemals. Es bleibt überall grauweißlich. Verwandte Arten können aber grünliche und bläuliche, teils sogar rötliche Verfärbungen aufweisen. Essbar sind die Hainbuchen – Röhrlinge selbstverständlich auch und sollen dem Birkenpilz qualitativ, trotz der Fleischverfärbung, sogar überlegen sein.

Mit Hainbuchen – Röhrlingen kann ich heute leider nicht aufwarten, deshalb muss es auch ein ganz gewöhnlicher Flockenstieliger Hexen – Röhrling (Boletus luridiformis) tun. Standortfoto am 12.07.2020 in der Wismarer Parkanlage am Seeblick. Das es sich um einen ausgezeichneten Speisepilz handelt, bräuchte ich eigentlich nicht zu erwähnen.

Montag, 13. Juli – Seit nunmehr 12 Jahren gibt es dieses Pilztagebuch. Das ist schon eine kleine Ewigkeit und hat viel Zeit gekostet, die ich aber gerne investiert habe. So kann jeder Homepage – Leser Vergleiche zur Entwicklung und Rückschlüße bezüglich der jeweils aktuellen Lage treffen, wenn er sich die Zeit nimmt, die historischen Tagebücher einmal durchzublättern.

Heute stattete ich dem Lindengarten, unweit des mykologischen Info -Zentrums, einen Besuch ab. Hier sehen wir den angrenzenden Ententeich mit seinem Häuschen, das mich schon als Kind begeistert hat. Nur, dass das alte Häuschen längst untergegangen ist. Es sah auch irgendwie zünftiger aus.

Ich möchte an dieser Stelle ganz kurz auf die zurückliegenden Juli – Monate seit dem Jahr 2009 blicken.


  • Juli 2009: Pfifferlinge, Hexen – Röhrlinge besonders in Parkanlagen und in unseren Kieferstandorten bei Perniek gab es massenhaft Körnchen – Röhrlinge.
  • Juli 2010: Im Haushalt Forst fand eine selten dagewesene Pilzschwämme von teils  seltenen Arten statt. Das haben wir dort seit dem nicht wieder erlebt. In den meisten anderen Wäldern war es zu trocken.
  • Juli 2011: Allgemein vielseitiges und gutes Pilzaufkommen. Auch für Mykophagen bestens!
  • Juli 2012: Der Monat war eher bescheiden aber nach Regenfällen bestand für den August Hoffnung.
  • Juli 2013: Dieser Juli war recht ordentlich, zumindest in der ersten Hälfte. Auch Raritäten wie der Nadelwald – Anhängsel – Röhrling wurden gefunden. Später setzte große Hitze dem Frischpilzaufkommen arg zu.
  • Juli 2014: Eher durchwachsen und Hochsommerhitze setzt dem recht bescheidenen Pilzaufkommen zu. Dennoch gab es besonders auch in Parkanlagen einiges.
  • Juli 2015: Über weite Strecken ziemlich bescheiden, erst zum Monatsende keimt Hoffnung auf.
  • Juli 2016: Recht pilzreicher Hochsommer – Monat. Sommersteinpilze satt und stellenweise auch massenhaft Pfifferlinge und viele andere Arten.
  • Juli 2017: guter, artenreicher Pilzmonat. Sogar die ersten Herbstpilze starteten schon durch.
  • Juli 2018: Eine Katastrophe! Dürre ohne Ende!
  • Juli 2019: Nicht viel besser!

Soweit eine stichpunktartige Charakterisierung der zurückliegenden Juli – Monate. Viel genauer und differenzierter ist es natürlich in den jeweiligen Tagebüchern nachzulesen.

Massenbestände von Hasenpfoten (Coprinus lagopus) heute auf Holzhäcksel im Wismarer Lindengarten.

Ich inspizierte heute mal seit langer Zeit die Parkanlage Lindengarten in der Wismarer Innenstadt. Neben alten Linden finden sich hier auch einige Platanen und Eichen. An Nadelgehölzen stehen vereinzelt Eiben. Auf den Rasenflächen fanden sich häufig Heu – Düngerlinge. Stellenweise Mürblinge u. a. auch die essbaren Lilablättrigen Mürblinge. Auf Holzhäckselflächen, wie oben zu sehen, größere Mengen von Hasenpfoten, eine recht schöne und ansehnliche Tintlingsart. In trauter Eintracht auch zahlreiche Gemeine Trompeten – Schnitzlinge. Vereinzelt Ansehnliche Scheidlinge. Auch einige Rißpilze waren vertreten. Röhrlinge gab es nur in Form eines einzelnen, aber schönen Eichen – Filzröhrlings. Aus einer alten Eiche wuchs der Getropfte Schillerporling heraus. Genau das Exemplar, welches weiter oben von Christian Ehmke fotografiert wurde. Der Top – Fund fand sich allerdings am Rande eines Eiben – Gebüsches: Agaricus maleolens, der Übelriechende Champignon!

Übelriechender Champignon (Agaricus maleolens). Die Art gilt als selten und wurde in M-V bisher laut Verbreitungskarte der DGfM erst zweimal in Vorpommern nachgewiesen. So selten ist der recht gedrungene, rötende Champignon allerdings nicht. Er tritt gerne auch in Vorgärten unter Konifernen auf und ähnelt stark dem gleichriechenden Dünen- oder Salzwiesen – Champignon. Von einigen Autoren werden beide Arten zusammengelegt, welches ich durchaus sinnvoll finde. Beide entwickeln den selben, stickenden Geruch nach Seefisch.

Zur Wetterentwicklung: Heute bestimmte ein Zwischenhoch unser Wetter und brachte einen freundlichen Tag mit recht viel Sonne. Damit wird morgen schon wieder Schluß sein. Das nächste Tief nähert sich von Nordwesten her und hat neuen Regen im Gepäck. Bereits ab morgen Nachmittag können erste Schauer auftreten. Besonders aber wohl in der Nacht auf Mittwoch kann es zeitweise regnen. Die Niederschläge können durchaus konvektiv versetzt sein, also schauerartig fallen und vereinzelt kann auch mal ein Gewitter dabei sein. Insbesondere bei diesen Schauern und Gewittern können auch wieder ansehnliche Regenmengen zusammen kommen. Auch am Mittwoch muss mit weiteren Schauern gerechnet werden. Die Schauertätigkeit soll erst im laufe der Woche allmählich abklingen und natürlich wird nach angenehmer Wärme, die wir morgen erwarten können, wieder frischere Luft angezapft.

Standortfoto von jungen und ausgewachsenen Hasenpfoten (Coprinus lagopus) heute im Wismarer Lindengarten.

Gemeine Trompetenschnitzlinge (Tubaria furfuracea) kennen wir in dieser Üppigkeit eher aus dem Winter. 13.07.2020 im Lindengarten auf Holzhäcksel.

Der große Durchbruch zum Hochsommer wird bei uns im Norden wohl weiter auf sich warten lassen. Die Chancen dafür sind für unsere Region wieder gesunken. Sollte es doch mal kurz eine Warmluftzunge bis zu uns an die Küste schaffen, dürfte sie sofort von neuen Schauern und Gewittern vertrieben werden. Es geht wohl auch mittelfristig eher unterkühlt und teilweise nass weiter. Damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit auf ein ausgeglichenes und möglicherweise gutes Restpilzjahr. Gut bedeutet für mich ständig Frischpilze und möglichst auch interessante Arten. Dabei dürfen wir wohl von den wärmeliebenden Gattungen und Pilzarten nicht allzuviel erwarten. Das bedeutet aber nicht, dass wir auf schöne Funde verzichten müssen. Deutschland befindet sich im Herzen Europas und stellt damit ein Bindeglied zwischen Nord- und Südeuropa dar. Je nach dem, welche klimatischen Verhältnisse im jeweiligen Sommer dominant sind, können wir mit Exoten rechnen. Ist es eher, so wie in diesem Jahr, unterkühlt, sind Arten möglich, deren Hauptverbreitungsgebiete in Nordeuropa liegen. Haben wir ständige Hitzewellen, dann aber mit reichlich Niederschlag, können mediterane Pilzarten auftauchen. Auf jedenfall zeigen sich durch das derzeit dauerfeuchte Wetter im Mecklenburger Raum schon erste Tendenzen in Richtung interssante Wochen und Monate ab. So ist die Feuchtigkeit beispielsweise für die Entwicklung verschiedener Trüffelarten zuträglich. Hypogäische Pilze werden derzeit immer häufiger entdeckt. Für Speisepilz – Fans, die auf heftige Schübe von Steinpilzen oder Maronen hoffen, wird die Saison, wenn sie so weiter läuft wie bisher, maximal durchschnittlich, vieleicht auch eher bescheiden werden. Dafür, wie schon des öfteren Erwähnt, können die beliebten Pfifferlinge richtig aufleben. Die haben schließlich einiges nachzuholen.

Im Vergleich zu vielen anderen Rißpilzarten, ist der Weinrote Rißpilz (Inocybe adaequata) auch ohne mikroskopische Untersuchung an seinen weinroten Farbtönen auf Hut und Stiel relativ leicht zu erkennen. Während die meisten Vertreter dieser artenreichen Gattung mehr oder weniger giftig sind, soll dieser Rißpilz kein Muskarin enthalten und daher essbar sein. Laut M.H.K. sogar ein guter Speisepilz! Dennoch: Hände weg von Rißpilzen! 13.07.2020 im Lindengarten.

Und weil es so schön ist, hier nochmal eine solitär stehende und junge Hasenpfote (Coprinus lagopus) am Standort im Park in Wendorf fotografiert. 14.07.2020.

Dienstag, 14. Juli – Eigentlich babe ich vor zwei Wochen bei mir höchstpersöhnlich Urlaub vom 13.07. – 01.08.2020 eingereicht und auch von mir genehmigt bekommen. Entsprechende Hinweise sind seit Anfang des Monats auch meinen Sprechzeiten auf dieser Hompage zu entnehmen. Für drei Wochen soll das Info – Zentrum dicht sein. Wie so oft, bin ich aber trotzdem im Dienst und war gestern, wie auch heute, die meiste Zeit im Laden und natürlich auch am zurückliegenden Wochenende. Schließlich mußten die letzten Veranstaltungsrückblicke erarbeitet werden und für dieses Tagebuch die neueste Entwicklung weiter komentiert und auch mit entsprechenden Bildern unterlegt werden. Heute stand neben dem Besuch zweier Parkanlagen die Aufarbeitung meiner Betriebsunterlagen vom 1. Halbjahr für das Steuerbüro im Mittelpunkt. Zudem haben sich im Kühlschrank schon wieder einige Frischpilze der letzten Exkursionen angesammelt, die eigentlich noch auf die Ausstellungsfläche gebracht werden sollten. So ist es und wenn ich in der Beratungsstelle bin, kann natürlich jeder eintreten und sich mit Trockenpilzen und Pilzwürze eindecken und auch die Pilzberatung nutzen. Eine größere Urlaubsreise ist in diesem besonderen Corona – Jahr ohnehin nicht geplant. Allenfalls geht es am kommenden Wochenende mal kurz nach Niedersachsen.

Diese Parkanlage an der Gaststätte „Kieck In“ und ebenfalls mit Ententeich befindet sich im Wismarer Stadtteil Wendorf, unweit meiner kleinen Wohnung. Dennoch bin ich nur selten hier unterwegs.

Und hier die reife Hasenpfote (Coprinus lagopus) in der Draufsicht. 14.07.2020.

In diesem Park stehen vorzugsweise Rotbuchen, Kastanien, Pappeln, Weiden sowie Linden und Pilze gibt es natürlich auch hier. Heute sah es aber recht bescheiden aus. Heudüngerlinge auf den Rasenflächen. Auch mal ein Lilablättriger Mürbling. Auf Rindenmulch einige Hasenpfoten. Champignons waren durch eine im kommen begriffene Population von Karbol – Champignons und auf der Rasenfläche durch einem Wiesen – Champignon vertreten. Täublinge, die hier sonst unter den Buchen durchaus vorhanden sind, konnte ich keine entdecken, dafür aber die für mich ersten Milchlinge der Saison. An Röhrlingen wuchs nur eine kleine Gruppe stark von Schnecken in Mitleidenschaft gezogener Falscher Rotfuß – Röhrlinge. Da sich, wie schon erwähnt, an einer kahlen Stelle ein Schub der leicht giftigen Karbol – Champignons andeutete, schaute ich noch kurz in der nicht weit entfernten Parkanlage am Seeblick vorbei. Auch hier scheinen nun die Sommersteinpilze wieder auf dem Vormarsch zu sein. Allerdings sehr zaghaft und ob daraus wirklich ein nennenswerter Schub wird, bleibt abzuwarten.

Meine ersten Milchlinge in diesem Jahr im Park in Wendorf unter Rotbuchen, mit Sporenabwurf. Süßlicher Milchling (Lactarius subdulcis). 14.07.2020. Essbar.

Sporenbild vom Fühlingstrüffel (Tuber borchii) von Christian Ehmke.

Inzwischen gehen die Untersuchungen an den mir am vergangenen Sonnabend in der Pilzberatung vorgelegten Trüffeln weiter (siehe oben). Ostseepilz Christian Ehmke hat sich ein Exemplar zum mikroskopieren mitgenommen und auch unserem Chef – Kartierer Benno Westphal habe ich ein Foto zugesandt. Benno hat durchaus Erfahrungen mit Trüffeln, da er vor längerer Zeit gezielt Hypogäen gesucht und kartiert hat. Es scheint ein gutes Jahr für diese, meist im verborgenen lebenden Schlauchpilze zu werden. Christian, wie auch Benno, tippten unabhängig von einander auf Tuber borchii, zu deutsch Frühlingstrüffel. Augenscheinlich sieht sie dieser auch sehr ähnlich, aber wir haben kein Frühling mehr und die Pilze waren nicht etwa alt, sondern frisch und vital. Außerdem soll der Frühlingstrüffel deutlich nach Knoblauch riechen. Das konnten wir zunächst nicht bestätigen. Nach dem ich die Pilze aus dem Kühlschrank nahm und einen Tag bei Zimmertemperatur lagerte, stellte sich schließlich der typische Knoblauchgeruch ein. Die Sporenform scheint zu stimmen, denn Tuber borchii soll eliptische Sporen aufweisen, genauso wie weitere Arten aus der nahen Verwandschaft. Siehe auch unter http://www.trueffelsuche.de Fakt ist somit, dass die Art zu den Edeltrüffeln gehört. Ich habe mich heute mal kurz zur Verbreitung von Tuber – Arten, also Edel – Trüffeln, belesen. Dadurch, dass sie meist im verborgenen leben, werden sie verhältnismässig selten gefunden und belegt. Nach Meinung von Experten dürften die Edeltrüffeln weit verbreitet in Deutschland sein, auch bei uns im Norden. Beispielsweise soll der recht wertvolle Sommertrüffel, der kürzlich auch in Wismar und hier seitdem sogar mehrfach an verschiedenen Lokalitäten gefunden wurde, ein überaus häufiger Pilz sein. Vergleichbar in der Häufigkeit beispielsweise von Nebelkappen im Herbst. Und die stehen nahezu in jedem Wald in großen Mengen!

Und hier noch ein schönes Foto von Christian Ehmke aus dem Stadtgebiet von Wismar. Es zeigt den Zottigen Schillerporling (Inonotus hispidus).  Er zählt zweifellos zu den schönsten Großporlingen und mir ist er bisher nur sehr selten unter die Augen gekommen. Das mag daran liegen, dass er oft sehr hoch am Stamm angesiedelt ist und meine Blicke meist auf den Erdoden gerichtet sind.

Ein erster Wiesen – Champignon (Agaricus campestris) heute auf Parkrasen in Wismar – Wendorf. Es wird wohl kein gutes Jahr für diesen delikaten Edel – Speisepilz. Wiesen – Champignons lieben trockene und heiße Sommer!

Zum Wetter: Heute war wenigstens von den Temperaturen mal wieder ein Sommerhauch zu verspüren. Am Abend und in der Nacht zieht das bereits erwähnte, neue Tief, mit Regenwolken auf. Da es nur langsam in Richtung Osten vorankommt und sich die Niederschläge in der Nacht und morgen noch intensivieren sollen, kann es zeit- und gebietsweise kräftig schütten. Für morgen bestehen für M-V Vorwarnungen vor Gewittern mit starkem Regen. Gebietsweise kann es auch zu länger anhaltendem, ungewittrigem Starkregen kommen! Es kann also wieder einiges an Wasser geben. Eine Hitzewelle scheint zunächst vom Tisch zu sein. Allmählich schleicht sich das Gefühl ein, dass wir in diesem Sommer wohl nicht einen einzigen heißen Tag an der Ostsee erwarten dürfen. Aber möglicherweise  dreht der Hoch/Spätsommer ja ab Mitte oder Ende August oder sogar im September nochmal richtig auf. Wir müssen wohl erst den Siebenschläfer – Zeitraum hinter uns bringen. Und der endet etwa zu dem Zeitpunkt, an dem auch die Hundstage zu Ende gehen (23.08.).

Heiß und trocken sollte es zumindest zwischenzeitlich auch für Sommerstenpilze (Boletus reticulatus) sein. Sie haben noch einiges aufzuholen, weil es in den beiden zurückliegenden Sommern zwar heiß war, aber kaum Regen fiel. Jetzt regnet es laufend, aber ihnen dürfte die Wärme fehlen. Wir werden sehen, am Feuchtigkeitsmangel liegt es jedenfalls nicht. Standortfoto am 14.07.2020 im Seeblickpark.

Essbare Fuchsige Scheidenstreiflinge (Amanita fulva) gab es in großen Mengen in der Nossentiner/Schwinzer Heide. Dieses Foto entstand allerdings im Birkenmoor an der Marienhofer Weiche. 15.07.2020.

Mittwoch, 15. Juli – Am Nachmittag startete ich zu meiner obligatorischen Mittwochsexkursion. Der 2. Quadrant der Topographischen Karte im Maßstab 1 : 25 000 = Krakow am See war an der Reihe. In ihm liegt der nördliche Bereich des Urlauberortes Krakow am See. Die Region gehört zur mecklenburgischen Seenplatte mit ihren Großseen, wie dem Krakower See, dem Plauer See oder des größten von allen, schon ein kleines Binnenmeer, der Müritz. Sieht man mal vom Bodensee, ganz im Südwesten Deutschlands ab, den sich auch mehrere Länder teilen müssen, der größte Binnensee Deutschlands. Neben der Ostseeküste auch die beliebteste Ferienregion von M-V und eine der Bedeutensten in der Bundesrepublik. Marine Pilze sind jedoch nicht meine Spezialstrecke, so dass ich lieber an Land bleibe und hier vor allem in Wäldern oder auch mal in einer Parkanlage unterwegs bin. Übrigens liegt in diesem Quadranten auch der Jörnberg, auf dem ein Aussichtsturm gestellt wurde. Kürzlich bin ich mit Irena auf selbigem gewesen und es bietet sich ein herrlicher Rundblick über diese Wald- und Seenreiche Region an. Ein drittel des Quadranten besteht aus Wasser des Krakower Binnensees, ein weiteres Drittel aus Wäldern, der Rest aus Ortschaften, Wiesen und Feldern.

Rotfüßchen (Xerocomus chrysenteron) in der Schwinzer Heide am Standort fotografiert. 15.07.2020.

Den schmierig – fluttschigen Klebrigen Hörnling (Calocera viscosa) sieht man nun immer häufiger in den Nadelwäldern orange leuchten. Minderwertig. 15.07.2020 in der Schwinzer Heide.

Ich suchte mir für meine heutige Exkursion das Waldgebiet an der Marienhofer Weiche aus. Überwiegend Buchenwald, mit etwas Fichtenforst und Birkenmooren. Wir finden hier teils Perlgrasbuchenwald, teils sind saure Verhältnisse vorhanden, so dass dieses Revier durchaus auch für den ganz normalen Pilzsammler von Interesse sein sollte. Im Frühling 2018 war ich schon einmal mittwochs hier unterwegs. Damals, wie heute, ließ das Frischpilzaufkommen sehr zu wünschen übrig. Wagte sich doch mal ein Fruchtkörper an die Oberfläche, waren meist schon Schnecken zur Stelle um ihren Hunger zu stillen. Es macht derzeit wohl keinen großen Sinn, in unseren Laubwäldern, und handelt es sich auch um ein noch so gutes Pilzrevier, auf die Pirsch zu gehen. Trotz des Regens bringt es kaum Punkte. Möglicherweise spielen die für den Hochsommer viel zu kühlen Temperaturen eine gewichtige Rolle. Für die hier vorkommenden Sommerarten scheint sich der Wald nicht ausreichend zu erwärmen.

Der Gold – Röhrling (Suillus greviley) ist eine Schmierröhrlingsart, die wir nahezu außschließlich unter Lärchen finden können. 15.07.2020 in der Schwinzer Heide am Standort fotografiert.

Einen schönen Farbtupfer an Nadelholz stellt gelegentlich der Himbeerrote Schleimpilz (Tubifera ferruginosa) dar. Wir sehen ihn hier in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. 15.07.2020 in der Schwinzer Heide.

Ganz anders in unseren sandigen Nadelwäldern, wie in der nahen Nossentiner/Schwinzer Heide, in der ich auf dem Heimweg notgedrungen Station machen mußte, weil dunkle Wolken den nächsten Regen ankündigten. Auf meinem Leichtkraftroller wird es dann doch zu ungemütlich. Zum Glück habe ich meist einen Regenschirm dabei und nutzte die Zeit für einen Rundgang durch die hier noch weitgehend sauberen, sauren und sehr nährstoffarmen Nadel- und Mischwälder. Wer ein bischen bewandert ist und nicht nur die Klassiker sammelt, hätte hier Körbe füllen können. Allen voran Scheidenstreiflinge wo hin das Auge blickt. Es gibt hier den reinen Kiefernforst, aber auch Bereiche, die vor Jahren mit Jungbuchen durchmischt wurden. Birken und Eichen haben sich ebenfalls eingefunden. Dem entsprechend abwechslungsreich gestalltet sich die Pilzflora. Im Herbst gesellen sich hier zu den überall präsenten Maronen auch die herrlichsten Steinpilze, wie wir im letzten Jahr feststellen konnten. Hier war nun schon eine recht vielseitige Pilzflora zu gange. Neben Scheidenstreiflingen auch Perlpilze, viele leckere Speisetäublinge (die haben hier derzeit einen beeindruckenden Schub in teils hervorragender Qualität). An Nadelholzstubben oft wunderschöne Samtfuß – Kremplinge (minderwertig) und auch einige Milchlinge. Mußte ich an der Marienhofer Weiche lange suchen, um mal einen vereinzelten Frischpilz anzutreffen, lebte der Wald hier förmlich. Wer allerdings auf essbare Röhrlinge und Pfifferlinge aus gewesen wäre, hätte einiges an Zeit an`s Bein binden müssen und natürlich auch den richtigen Riecher sowie etwas Glück. Pfifferlinge fand ich nicht, zumindest nicht die Echten, dafür aber die Falschen, die bereits den Herbst ankündigen. Röhrlinge waren durch Rotfüßchen, Körnchen – Röhrlinge, Goldgelbe Lärchen – Röhrlinge, auch mal einem Birkenpilz oder bitteren Gallen – Röhrling, sowie einigen prächtigen Sommersteinpilzen vertreten. Hier geht jetzt schon ganz gut die Post ab und es wird sich weiter entwickeln, denn während meiner Tour regnete es Bindfäden und im nahen Goldberg wurden 11 Liter registriert. Das ist angesichts der vorangegangenen Niederschläge schon ein kleine Hausnummer. Da mich auch die folgenden Mittwochsexkursionen in diese Region führen werden, bin ich doch recht optimistisch, das sich die Artenvielfalt bis dahin weiter steigern sollte.

Einen heftigen Wachstumsschub haben dieser Tage die Fleischroten Speisetäublinge (Russula vesca) in der Schwinzer Heide bekommen. Die Fruchtkörper sind nicht immer so kräftig eingefärbt. Ich hatte auch Kollektionen mit deutlich blasseren Hüten. Die etwas vom Hutrand zurückgezogene Huthaut, der zugespitze Stiel und der milde, nussartige Geschmack kennzeichnen diesen sehr leckeren Speisepilz. Zusammen mit den Sommersteinpilzen landeteten sie auf dem Trockner.

Gallen – Röhrlinge (Tylopilus felleus) werden nicht nur mit Steinpilzen verwechselt. Auch die Abgrenzung zum Birkenpilz (Leccinum scabrum) ist oft von Unsicherheiten geprägt. Der Stiel des bitteren Kollegen (links) ist genetzt, der des essbaren Birkenpilzes (rechts) ist mit schwärzlichen Schüppchen ausgestattet. 15.07.2020 Schwinzer Heide.

Donnerstag, 16. Juli – Von wegen Urlaub. Ich komme nicht dazu, denn die Arbeit nimmt kein Ende. So war ich auch heute von morgens bis fast Mitternacht wieder im Laden, um die anstehenden Arbeiten zu erledigen. Und es scheint auch, dass es überhaupt nicht sinnvoll ist, jetzt die Beratungsstelle abzuschließen. Sie wird gebraucht! So stellten sich heute zwei Ratsuchende vor, die gehörig daneben gegriffen haben. Ich weiß nicht woher, aber vermutlich in den sozialen Medien soll es sich herumgesprochen haben, wie mir heute unsere langjährige Pilzfreundin Angelika Boniakowski aus Hagebök berichtete, dass es in der Region Grevesmühlen viele Steinpilze geben soll. Die Ratsuchenden zeigten mir Fotos von drei Körben, die sie im Raum Grevesmühlen vollgesammelt hatten. Einen davon hatten sie mit. Welch ein Glück, so viele Steinpilze findet man wirklich nicht jeden Tag, haben sie sich sicher gedacht, nur das sie zubereitet alles andere als lecker waren. Bei den vermeindlichen Steinpilzen handelte es sich durchweg um Gallen – Röhrlinge!

Ebenfalls nicht ganz optimal verlief der Tag bei einem Urlauber aus Berlin, der zurzeit im Klützer Winkel Urlaub macht. Er stolperte über eine Ansammlung von „leckeren Champignons“ und probierte bei dieser Gelegenheit gleich einen roh. Im nachhinein wunderte er sich über den merkwürdigen Nachgeschmack und bekam es mit der Angst zu tun. Er kontaktierte die Giftnotruf – Zentrale und diese verwies ihn an den Steinpilz – Wismar. So wurde er nach einem kurzen Telefonat mit seinem Fund in der Beratungsstelle vorstellig und mein Verdacht bestätigte sich: Karbol – Champignon! Glück im Unglück, es hätte auch ein weißlicher Knollenblätterpilz gewesen sein können. Aber den hätte er womöglich gleich komplett verzehrt, da er angenem schmecken soll. Es sei gesagt, das unsere gefährlichsten Giftpilze keinen auffälligen, giftigen Geschmack besitzen, sondern eher angenehm munden sollen. 

Geschmacklich minderwertige, aber vom Anblick her um so schönere Samtfuß – Kremplinge (Paxillus atrotomentosus) sind in der Schwinzer Heide, wo dieses Foto am 15.07.2020 entstand, mächtig am kommen.

Von dick und groß, zu fast schon winzig. Klein , aber oho, möchte man meinen. Der Küchenschwindling (Marasmius scorodonius) kommt in der feinen Gourmet – Küche ganz groß raus. Mit seinem Knoblauch – Duft zählt er zu den beliebtesten Würzpilzen der gehobenen Küche. 15.07.2020 am Standort in der Schwinzer Heide fotografiert.

Zum Wetter: Nach dem wir gestern Nachmittag und am Abend regional noch einige kräftige Regengüsse abbekommen haben, war heute mal Vorpommern an der Reihe. Die haben es schließlich auch verdient. Am Wochenende soll der Sommer einen neuen Anlauf bis hoch zu den Küsten wagen. Dann kann es auch bei uns mal deutlich sommerlicher werden, mit Temperaturen von 25 Grad und mehr. Aber wie soll es anders sein. Spätestens am Montag droht der nächste Absturz in Richtung Frühherbst. Wieder dreht die Strömung auf Nordwest und selbst die 20 Grad könnten dann ein Wunschtraum werden. Einher geht das ganze mit etwas Regen, vieleicht auch mal einem gewittrigen Schauer. Das steuernde Islandtief macht jeden Vorstoß des Azorenhochs mit sommerlicher Wärme zu nichte und feuchtkühle Nordeseeluft übernimmt wieder die Regie. So jedenfalls die gängige Mittelfristprognose der Wetterfrösche, die sich an den gestrigen Modelläufen der Wettercomputer orientiert. Ich studierte, wie jeden Tag, heute sowohl am Vormittag wie auch gegen Abend diese Modelläufe und dort zeigte sich die Mittelfristprognose nicht ganz so „eisig“. Zunächst kommt der Temperatursturz und das Hoch kann mit kühler Luft kurz mal Fuß fassen, aber dann soll sich praktisch über ganz Europa ein diffuser Tiefdruck – Zirkus anbahnen, der dann auch die relativ direkte Zuhr von Polarluft durcheinander wirbeln könnte. Auch die Tiefs auf dem Artlantik und Westeuropa könnten zeitweise weiter nach Süden rutschen, so das die Ströhmung mehr auf West/Südwest drehen könnte. Die Luft würde grundsätzlich wärmer und noch feuchter werden. Allerdings scheint die Fortdauer der eingespielten Großwetterlage nach wie vor realistischer zu sein.

Sommersteinpilze (Boletus reticulatus) am 15.07.2020 in der Schwinzer Heide, standortversetzt fotogafiert. Am Standort hätte ich sie nicht so vorteilhaft ablichten können, weil sie ganz untypisch im drahtigen Heidekraut standen. Untypisch, weil Caluna vulgaris ein Säurezeiger ist. Der Sommersteinpilz mag es hingegen basischer. Da sie nicht weit weg von einer weniger stark befahrenen Straße standen, war der Kalkeintrag gegeben. Es waren insgesamt 4 ansehnliche Exemplare mit einem Gesamtgewicht von 710 g. Während sich bei dreien einige Mädchen besonders im Stiel tummelten, war das linke im Bild zu sehende Exemplar komplett madenfrei!

Junger Garten – Riesenschirmpilz (Macrolepiota rhacodes var. hortensis). Standortfoto 17.07.2020 Weitendorf.

Freitag, 17. Juli – Heute Vormittag war ich zu einer Grundstücksbegehung in Weitendorf, bei Proseken und Proseken gehört fast noch zu Wismar, gebeten worden. Eine alleinstehende, ältere Dame, bat um eine Pilzberatung und rief mich diesbezüglich gestern Nachmittag an. Sie wäre nicht so mobil und ob ich so nett wäre, mir die auf ihrem Grundstück wachsenden Pilze einmal anzuschauen.  Bekannte hätten gemeint, sie könne die Pilze essen, denn es handelt sich um Parasole. Da die großen Fruchtkörper einen schönen Anblick liefern, können sie gerne stehenbleiben, falls sie giftig wären. Es wäre viel zu schade, sie einfach auf dem Kompost zu entsorgen. So machte ich mich auf den Weg nach Weitendorf. Ruhig und idyllisch gelegen und ein kleines Paradies. Schon von weitem war die Pracht zu sehen. Sie hatte neben einer kleinen Wiese eine ältere Koniferenhecke, die reichlich Nadelhumus lieferte und die Wiese durch Rasenschnitt reichlich Heu, welches verschiedene Pilze sich gerne als Nahrungsquelle erschließen und somit Entsorgungsaufgaben übernehmen. Es waren tatsächlich prächtige Riesenschirmpilze, aber leider die Gartenform des Safran – Schirmpilzes, den wir aus dem Wald her kennen. Da es auch einen Gift – Riesenschirmpilz gibt, der gedüngte Böden oder Komposthaufen und ähnliches besiedelt und der oft mit dem Garten – Riesenschirmpilz vermengt wird und einige Mykologen sogar aus beiden Arten b.z.w Abarten ein und die selbe giftige Pilzart zusammen schustern, riet ich vom Verzehr der schönen Pilze ab.

Gartenschirmpilze und Nelkenschwindlinge in trauter Eintracht. Standortfoto.

Aber auf eine frische Pilzpfanne brauchte sie dennoch nicht zu verzichten. In der alten Rasenfläche hatten sich etliche Halbkreise von Nelkenschwindlingen gebildet, die dicht an dicht mit Fruchtkörpern besetzt waren. Das hätte sie nun überhaupt nicht gedacht, das diese dünnstieligen Blätterpilze essbar wären und dazu noch zu den besten Speisepilzen zählen. Darüber hatte sie sich dann doch noch riesig gefreut und ich gab ihr Ratschläge, welche von den Nelkenschwindlingen schon zu alt wären und welche sie ernten könne. Ich wies auch auf die Unterschiede zu den ebenfalls auf der Wiese wachsenden Heudüngerlingen hin, die leicht giftig wirken können. Dazu wuchs noch ein schöner Zweisporiger Champignon, der ebenfalls sehr lecker ist und zudem die Wildform unseres Zuchtchampignons darstellt. Und das traf sich gut, denn sie hatte sich gerade aus einem Gartenkatalog einen Karton mit diesen Champignons bestellt. Hätte sie es früher gewußt, dass auch gerade diese Pilze von ganz allein bei ihr auftauchen, vieleicht hätte sie darauf verzichtet. Aber es geht ja um die Freude, wenn nach etwa 14 Tagen der Karton dicht an dicht mit den schönsten Champignons besetzt ist.

Der essbare Safran – Schirmpilz des Waldes zeigt auf dem Hut nicht soviel weißes Fleisch. Der Hut ist bei ihm dichter beschuppt und wirkt insgesamt dunkler graubraun. Der hier gezeigte, auf dem Hut stark hell – dunkel kontrastierte Garten – Riesenschirmpilz (Macrolepiota rhacodes var. hortensis) sollte lieber gemieden werden. 17.07.2020.

Nelkenschwindlinge (Marasmius oreades) sind leckere Speisepilze. Einheitlich ledergelblich gefärbt, etwas zäh und biegsam, entfernt stehende Lamellen und oft Hexenringe oder Halbkreise auf Rasenflächen ausbildend, wobei die Gräser in der Zone des Fruchtkörperwachstums üppiger sprießen und satter grün gefärbt sind. Standortfoto 17.07.2020 in Weitendorf.

Apropos Heudüngerlinge. Am Abend erhielt ich einen Anruf von einer Hebamme aus Lübeck. Ein 14 Monate junges Kleinkind hatte gestern ein kleines Wiesenpilzchen gegessen. Es gehe dem Kind aber weiterhin gut, ohne Symptome. Sie hatte versucht mit einer Pilzbestimmungs – App die Pilzart zu ermitteln und das hat sogar ganz gut funktioniert. Sie bekam Düngerling angezeigt. Ich bat sie, mir aber trotzdem Fotos von den Pilzen zu schicken. Es waren Heu – Düngerlinge, die wir nach den Regenfällen derzeit fast auf jeder Wiese haben. Gewundert habe ich mich allerdings, wie gelassen die junge Dame mit dieser Situation umgegangen ist. Die meisten Eltern (es handelte sich um ihre Tochter) geraten sofort in Panik bei diesen, immer wiederkehrenden Szenarien. Ich gab also Entwarnung, nach so langer Zeit hätte das Kind Symptome zeigen müssen, aber es war wohlauf. Heudüngerlinge enthalten psychoaktive Substanzen, gehören also zu den Drogen- oder Zauberpilzen, wobei ihre Wirkung allerdings stark zu wünschen übrig läßt. Völlig uneffektiv für schöne Bilder, wenn man sich von diesen zarten Dingern mindestens ein Kilo einverleiben muss, um überhaupt eine Wirkung zu erzielen. Nun ist das sicher bei Kleinkindern anders, aber ein so kleines Pilzhütchen von einem relativ harmlosen Giftpilzchen, dürfte auch hier nicht sonderlich anschlagen. 

Massige Anis – Champignons (Agaricus spec.) heute am Feldwegrand bei Weitendorf. Gute Speisepilze. 17.07.2020.

Unweit der Prosekener Kirche ein größerer Trupp giftiger Karbol – Champignons (Agaricus xanthodermus). 17.07.2020.

Auf der Fahrt nach Weitendorf sah ich an den Weg- und Straßenrändern ebenfalls etliche Pilze leuchten. Mastige, essbare Anis – Champignons an der einen Stelle und an einer anderen eine noch größere Gruppe der leicht giftigen Karbol – Champignons. Aber dann ging es trotz Urlaub wieder in das Info – Zentrum, in dem ich noch bis zum frühen Abend zu tun hatte. Danach war noch kurz Friedhof angesagt. Es ging an das Grab meiner Mutter. Sie wäre heut 95 geworden. Erinnerungen an schöne Kindertage wurden wach und und es stimmt wehmütig und nachdenklich, dass diese schönen Zeiten nicht mehr wiederkommen. Inzwischen geht auch meine Lebenszeit allmählich dem Endspurt entgegen und heute Nacht leuchtet ein Licht auf der Mutter Grab und erinnert daran, dass sie nicht vergessen ist. Natürlich schweift der Blick auch über den Friedhof nach pilzigem, aber bis auf einen jungen Stadt – Champignon konnte ich nichts weiter entdecken. So fuhr ich am Abend noch auf die Insel Poel zum Eichenpark Schwarzer Busch. Hier gab es reichlich Frischpilze in allen Alterstadien. Hauptsächlich Perlpilze und Täublinge. Röhrlinge waren kaum vertreten, dafür aber zahlreiche junge und leckere Weiße Anis – Champignons in Top – Qualität. Ich ließ sie stehen und begüngte mich mit dem fotografieren.

An die 20 junge Anis – Champignons (Agaricus arvensis) heute Abend auf der parkartigen Fläche der Buswendeschleife Schwarzer Busch. Original Standortfoto am 17.07.2020.

Recht stämmig und kompakt wirkt der Tauben – Täubling (Russula grisea) im Eichenpark Schwarzer Busch. Die Art steht in der Gruppe um den Frauen- und Papagei – Täubling. Letzterer ist etwas kleiner und besitzt auch keinen lila überlaufenen Stiel. Der Frauen – Täubling ist insgesamt weniger brüchig mit biegsamen Lamellen. Essbar. 17.07.2020.

Derweil berichtete mir unsere Pilzfreundin Angelika Boniakowski von ihren heutigen Erlebnissen an der Pilzfront. Da ich im Tagebuch schrieb, dass es derzeit in unseren sandigen Wäldern mehr Pilze gibt, als in guten Laubwäldern auf besseren Böden, ist sie diesem Hinweis gefolgt und fuhr in einen Mischwald auf leichteren Böden. Ein schöne Waldpilzmahlzeit bestehend aus Pfifferlingen sowie Sommer- und Fichtensteinpilzen war das Ergebnis. Bezüglich Rotkappen sah es mager aus. Der Vorgänger hatte schon fleißig geschnitten. Angestachelt von den Echten Steinpilzen begab sie sich dann doch wieder in einen unserer Edel – Wälder auf besseren Böden, in dem es zu gegebener Zeit durchaus reichlich Steinpilze gibt. Aber heute war Fehlanzeige, nicht einen einzigen Frischpilz in diesem großen und herrlichen Buchenwald! Welche Wälder gemeint sind, soll geheime Verschlussache bleiben, so ihre Anweisung. Ähnliches berichtete mir heute auch unser Vereinsmitglied Andreas Herchenbach. Im Wendorfer Seeblickpark hatte bei seiner Ankunft gerade eine ältere Dame mit ostpreußischem Dialekt den Beitel (Beutel) voller Sommersteinpilze gesammelt, so dass Andreas nichts weiter übrigblieb, als in einen sandigen Wald in der näheren Umgebung zu fahren. Hier war nach seinen Worten zwar schon einiges an Körnchen – Röhrlingen überständig, aber schöne, große Pfifferlinge und der eine oder andere Steinpilz waren dann doch dabei, so dass auch bei ihm das Abendbrot gesichert war. Er sah auch junge Champignons, aber weiße Pilze nehme er grundsätzlich nicht mit. Seine Frage in diesem Zusammenhang, sind die Champignons ein Hinweis auf einen neuen Schub? – Aber sicher sind sie dass und sie sind gerade kräftig im kommen! Waren beim ersten Wachstumsschub vor etwa 4 Wochen nur wenige Champignons dabei, legen sie derzeit ganz ordentlich los. Durch die oft konvektiven Niederschläge, die regional unterschiedlich stark ausfielen und auch zeitlich versetzt niedergingen, ist eine genaue Abgrenzung eines klaren und überall gleichen Pilzschubes momentan jedoch nicht möglich. Es ist also noch etwas verwaschen. Finden sich an einer Stelle  überständige Fruchtkörper, geht es an einer anderen gerade los. Das ist bei so einer Witterung normal und nicht einheitlich festgelegt. Allerdings besteht noch Hoffnung auf Besserung. Die flächigen Regenfälle um den 9./10 Juli herum sollten im laufe der nächsten Woche ihre Wirkung bezüglich Steinpilz und Co. entfalten. Hier sollte die 10 – 14 Tage Regel greifen und die Mond – Theoretiker werden auch wieder zum Himmel blicken und ihre Messer schärfen.

Diese drei Wurzelnden Bitter – Röhrlinge (Boletus radicans) waren die einzigen Röhrenpilze, die ich heute im Eichenpark fand. Ist es die Ruhe vor dem Sturm, so er denn kommen sollte? Diese Dickröhrlinge sind recht eigensinnig und bilden vom Hochsommer bis zum Herbst ihre Fruchtkörper auch unabhängig von Röhrlingsschüben aus. 17.07.2020.

Bilderbuch – Birkenpilz (Leccinum scabrum) am 18.07.2020 in der Schwinzer Heide.

Sonnabend, 18. Juli – Da Corona die Urlaubsplanung gehörig durcheinander gewirbelt hat, geht in diesem Jahr bei uns wohl kaum etwas. Im Januar war die Planung noch sehr ehrgeizig. Es sollte mit dem Auto bis hinauf zum Nordkap in Norwegen gehen. Aber dann kam Corona mit allen ihren Einschränkungen und Reisewarnungen bis hin zu Ein- und Ausreiseverboten. Inzwischen ist zwar vieles gelockert und teils wieder aufgehoben, aber mit einer größeren Reise in andere Gefilde wird es nichts mehr. Auch hat Sohn Jonas keine große Lust als Teenager mit uns alten Säcken tagelang unterwegs zu sein. Schon früher galt der Spruch, traue keinem über 30. Hat man nun die 60er Schwelle erreicht oder gar leicht überschritten, gehört man ohnehin schon zu den Grufties, denen der Sargdeckel permanent über dem Kopf schwebt. Einfach peinlich und nervig mit solchen Typen unterwegs zu sein. Nachvollziehbar, auch wenn es weh tut. War ich früher anders? Vieleicht nur soviel, dass es in meiner Familie niemals Urlaubsreisen gab, allenfalls in den Schrebergarten oder wenn ich in den Ferien zu Verwandten nach Demen durfte, wo ich mich sowieso am wohlsten fühlte. Angeln, Pilze suchen und Aushilfe bei der Ernte. Wir hatten damals neben Wald und Wiese auch eine Ackerfläche, wo u. a. Getreide angebaut wurde. Geerntet wurde sogar noch ganz traditionell mit Sense und Sichel, Hocken aufgestellt und wenn Termin zum Dreschen war, ging es ab zum Dorf-  b.z.w. LPG – eigenen Dreschkasten. Schweine, Kuh und Hühner trugen zur Ernährung bei und die brauchten Heu und Stroh für ihr Nachtlager. Der Stall gehört zum Haus dazu. Das waren noch Zeiten! Für mich als Kind konnte es kaum etwas schöneres geben. Manchmal, wenn ich dort unterwegs bin, fahre ich an den Dorfsee hinunter und setze mich auf einen der Angelstege und schwelge in Erinnerungen aus alten Zeiten und welche Fische ich damals hier an den Hacken bekam. Das tut mir gut und ich brauche das. Schade, dass einem erst im Alter das schöne der jungen, frischen Lebensjahre so bewußt wird.

Es scheint ein gutes Jahr für den Schmuck sandiger Waldwege zu sein. Gezonter Dauerporling (Coltricia perennis). Standortfoto am 18.08.2020 im Dobbertiner Seenland.

Pfifferlinge (Cantharellus cibarius) in der Schwinzer Heide. 18.07.2020.

Zurück zum geplatzten Urlaub. Ich fuhr heute nach Keez um eigentlich mit Irena zu einem Kurztripp durch M-V zu starten. Aber schließlich ließen wir auch diese Idee fallen, da wir uns nicht einigen konnten, wo es eigentlich hingehen sollte. Das Auto blieb stehen und wir machten uns schließlich mit meiner Yamaha auf in die Schwinzer Heide. Irena möchte Pfifferlinge und vieleicht einige andere Waldpilze für eine mögliche Pilzpfanne oder Suppe anläßlich unserer diesjährigen Nachtwanderung sammeln, die im August ja schon wieder auf dem Plan steht. Ist zwar nicht unbedingt mein Ding, stundenlang die Wälder nach Pfifferlingen abzusuchen, aber es gibt dabei ja auch andere Arten zu entdecken und zu fotografieren und vieleicht sogar neues für unsere Kartierung. Kaum waren wir in Alt Schwinz angelangt und Irena die ersten Schritte in einen Eichen/Birkenwald gesetzt hatte, leuchtete ihr schon eine kleine Insel sehr ansehnlicher Pfifferlinge entgegen. Das hob die Stimmung ungemein. Da es hier am Mittwoch noch kräftig geregnet hatte, war die Leuchtkraft und Frische der Eierschwämme kaum zu überbieten. Insgesamt gestaltete sich die Suche nach weiteren Pfifferlingen doch sehr langatmig, so dass wir nach einiger Zeit beschlossen, uns wieder in Richtung Heimat zu begeben, aber nicht ohne noch den Wäldern im Dobbertiner Seenland  einen Besuch abzustatten. Hier war es ähnlich. Einige Inseln von wirklich tollen Pfifferlingen, aber man mußte Glück und Geduld haben.

Herrlich frische Eierschwämme (Cantarellus cibarius) auch im Dobbertiner Seenland. 18.07.2020 am Standort fotografiert.

Ackerschirmpilz (Macrolepiota excoriata) als Massenpilz auf den Trockenhängen bei Groß Görnow. Hüte essbar.18.07.2020.

Schließlich war es schon recht spät, aber für eine größere Pilzpfanne für 10 – 20 Leute reichten die Pfifferlinge am Ende keineswegs, so dass Irena den Vorschlag machte, doch mal zur Hügelkette bei der Sternberger Burg zu fahren. Ein Miniatur – Mittelgebirge mit einer wunderbaren Landschaft, unweit des Warnow – Durchbruchstals bei Groß Görnow. Auf den fast schon alpinen Trockenhängen, die teils von Schafen beweidet werden, hatte Irena bereits im vergangenen Jahr unseren Imbiss zur großen Pilzausstellung sicher stellen können. Damals waren die etliche Hektar umfassende Wiesenfläche nahezu übersät von Champignons und Schirmpilzen. Im wahrsten Sinne des Spruches „Pilze soweit das Auge blicken kann“. Als wir angelangten, das Tageslicht ging gerade in diffuse Dämerung über, waren die weißen Tupfen auf den Trockenhängen nicht zu übersehen. Den Anblick kannten wir aus dem letzten Herbst. Viele tausend, ja unzählige Pilzfruchtkörper bis zum Horizont. Ein gigantischer Schub war hier wieder im gange.

Nur ein kleiner Ausschnitt. Das Areal ist etliche Hektar groß und nahezu flächendeckend von Pilzen übersät.

Diesesmal allerdings weniger Champignons, sonder zu 90% bestehend aus Acker – Schirmpilzen, einem etwas kleineren verwandten des Parasol – Riesenschirmpilzes und auch essbar. Aber beim genaueren hinsehen waren auch reichlich Champignons dabei, so dass wir diese bevorzugten, da sie wirklich ein sehr würziges Aroma besitzen. So wurde der Tag doch noch zum Erfolg geführt und am dortigen Aussichtshochstand genossen wir noch einen Moment den bisher bei uns so seltenen, warmen Sommerabend und konnten dem Zirpen einer Grille, die den nicht mehr so fernen Spätsommers erahnen ließ, lauschen. Romantik pur!

Wir haben uns unter tausenden von Schirmpilzen die delikaten Champignons heraus gesucht. Es handelt sich um den Gedrungenen – Champignon (Agaricus spissicaulis). Er ähnelt dem Wiesen – Champignon, ist aber kompakter und fleischiger und somit ergiebiger. Eine Kostrobe ergab einfach köstlich. Ein vollmundiges, sehr würiges Aroma. Bestens geeignnet für eine vorzügliche Pilzpfanne! Standortfoto am 18.07.2020.

Eierschwämme für die Pilzpfanne, so zusagen Rührei aus dem Walde!

Sonntag, 19. Juli – Noch kurz zu obigen Champignons. Es wachsen auf dem besagten Areal nicht nur die Gedrungenen Egerlinge. Wir hatten auch vereinzelte Weiße Anis – Champignons dabei und im letzten Herbst war hier der Strohgelbe Champignon dominant. Eine ansich eher seltene Art, die hier Massenbestände ausbildet und zur Gruppe der Anis – Egerlinge mit bittermandelartigem Geruch gehört. Die essbaren Champignon – Arten zählen zu den würzigsten Speisepilzen überhaupt. Da kann der schönste Steinpilz frisch zubereitet nicht einmal in die Nähe kommen. Das gilt auch für die so oft verächtlich gemachten Zucht – Champignons. Auch diese haben recht viel Würzkraft und sind besser als ihr Ruf! Steinpilze, Marone und Co. gewinnen durch Trocknung. So ist beispielsweise Pilzwürze aus Maronen – Röhrlingen, so wie sie bei uns erhältlich ist, ganz ausgezeichnet zum Würzen für Suppen und Soßen und liefern den Pilzgeschmack schlechthin. Auch getrockenete Steinpilze können sich dann sehen lassen. Das ist zumindest mein Erfahrungswert, aber jeder empfindet es anders und über Geschmack läßt sich bekanntlich nicht streiten.

Maronen – Röhrlinge (Xerocomus badius) am 19.07.2020.

Flockenstieliger Hexen – Röhrling (Boletus luridiformis) auf dem Mittelstreifen eines bemoosten Waldweges. Diese besonders schöne Form des Schusterpilzes, mit einem fast schwarzbraunem, samtigen Hut und oft elegantem Wachstum, findet sich gerne unter Fichten. Standortfoto 19.07.2010 im Wald bei Weberin.

Zum heutigen Tag. Es stand nochmals ein Pilzgang mit Zielrichtung Pfifferlinge an. Diesen wollte ich ansich mit der Planung unserer diesjährigen Nachtwanderung durch die Pfifferlingstannen verbinden. Dummerweise habe ich meine Topographische Karte in Wismar liegen lassen, so dass wir dann doch in ein von Keez aus näheres Waldgebiet fuhren. Die Karte wäre für mich schon sehr wichtig gewesen, da ich die Wegeroute dort markiert habe für meinen Antrag zur Genehmigung an die zuständige Forstbehörde in Friedrichsmoor. Der Antrag liegt dort zur Prüfung und ich hoffe, wir bekommen ihn  genehmigt. Eigentlich macht es auch erst Sinn, die mögliche Route bei Tageslicht abzuwandern, wenn auch grünes Licht dafür gegeben wurde. Vor einigen Jahren war das nähmlich anders. Eine Nachtwanderung durch die Barniner Tannen wurde uns damals untersagt und ich habe im Vorfeldt viel Zeit an`s Bein gebunden um einen attraktiven Rundkurs auszuloten.

So fiel mir ziemlich spontan ein Revier bei Weberin ein, welches zu meinen interessantesten Sandstandorten zählt. Ich habe hier eine Runde, die schon so manche Großpilzausstellung bei allgemein bescheidenem Pilzaufkommen geholfen hat, zu retten. Besteht überhaupt eine Möglichkeit auf Frischpilze, dann ist hier jedenfalls meist einiges möglich. Es sind noch richtig durchmischte Bereiche mit viel Moos und Drahtschmiele, Jung und Altbäumen, die sich teilsweise selbst verjüngen. Also hier hat man zumindest ansatzweise den Eindruck in einem halbwegs natürlichen Wald unterwegs zu sein. Man könnte auch sagen, ein richtiger Märchenwald.

Ein wunderbares Revier, aber leider befindet sich auch hier das Unkraut des Waldes, die Spätblühende Traubenkirsche, rechts im Bild als Busch, in Ausbreitung.

Ein Fichtensteinpilz (Boletus edulis) schiebt sich auf dem Mittelstreifen eines Waldweges aus dem Sandboden. 19.17.2020 im Wald bei Weberin.

Und märchenhaft stehen hier oft auch die Pilze. Es gibt im Moment ja besonders in den Wäldern auf leichteren Böden einiges an Frischpilzen, meist aber ziemlich monoton mit Dominanz von  Scheidensteiflingen, Perl- und Pantherpilzen sowie einigen, wenigen Täublingen. Auf dieser Route dürfte es abwechslungsreicher werden, denn hier ist eine größere Artenvielfalt auch bei bescheideneren Verhältnissen möglich. Und so war es auch heute. Ein farbenfroher Täublings – Aspekt, fast so wie ich ihn aus dem Frühherbst her kenne. Im Moos und der Drahtschmiele hin und wieder Pfifferlinge und auch die Maronen konnten nicht mehr ansich halten und streckten ihre kastanienbraunen Köpfe an die heute ausnahmsweise mal warme Sommerluft. Eigentlich nicht ihr Wetter!  Längst der Wege Butterpilze, Gold – und Körnchen – Röhrlinge, Rotfüßchen und Ziegenlippen. Ich sagte zu Irena, wenn das so ist, haben wir auch gleich den ersten Steinpilz. Aber es war zunächst ein Flockenstieliger Hexen – Röhrling, von denen noch weitere folgen sollten. Wenig später gesellten sich dann tatsächlich zwei Fichtensteinpilze dazu. Kurz um, dieser Waldweg und seine traumhafte Umgebung  hatte auch heute wieder seine Qualität unter Beweis gestellt. Es war zwar quantitativ nicht so üppig wie im Herbst, aber im Vergleich zum großen Rest des Waldes eine wirkliche Oase!   

Auch diese jungen Butterpilze (Suillus luteus) bevorzugten den Mittelstreifen des Waldweges bei Weberin am 19.07.2020.

Aber auch überraschendes war dabei. Am Wegrand wuchsen diese Elastischen Lorcheln (Leptopodia elastica). 19.07.2020 bei Weberin. Für Speisezwecke ohne Bedeutung.

Bei dem schwülwarmen Sommerwetter ging es schließlich nach Keez zur Stärkung, allerdings keine Pilze, sonder Rinderroulade, Kartoffelklöße und Rotkohl sowie ein leckerer Eisbecher. Während Irena ihre letzten Sauerkirschen pflücken und einwecken b.z.w. entsaften wollte, fuhr ich am Abend nochmals in die „Dannen“, wie die Mecklenburger sagen. Ich steuerte den Sültener Forst an, da mir bezüglich Pfifferlinge eine individuelle Pilzwanderung einfiel, die ich im September des Jahres 2017 hier mit einer Wismarer Sportgemeinschaft durchführte. Ich bin mit den Leuten damals eine Route abgelaufen, auf der ich niemals zuvor und danach wieder unterwegs war. Damals führte es dazu, dass wir nicht zu unseren Autos, die wir in Sülten abgestellt hatten, gelangten, sondern abseits in Groß Görnow landeten. Das gab ein wenig Aufregung, aber da wir die Körbe mit reichlich Pfifferlingen  gefüllt hatten, waren schließlich alle mehr als zufrieden und aller Ärger schnell vergessen.

Hier sehen wir zwei gute Speisepilze aus der Gruppe der Graustiel – Täublinge. Stiel und Fleisch grauen bei zunemender Alterung. Der auf dem Rückzug befindliche Weinrote Graustieltäubling (Russula vinosa) ist an die Fichte gebunden, der Chromgelbe Graustiel – Täubling (Russula claroflava) geht nur mit der Birke eine Lebensgemeinschaft ein. 19.07.2020 im Wald bei Weberin.

Nun wollte ich heute ein zweites mal diese Route, zumindest im Ansatz, ablaufen und tat dieses auch ein Stück weit. Nach einer halben Stunde hatte ich zwei/drei Körnchen-, und Goldröhrlinge, sowie einen sehr schönen Anis – Champignon, aber keine Spur eines Pfifferlings und auch sonst kaum ein Frischpilz. Ich brach ab und entschloß mich kurzerhand, es dämmerte bereits wieder, einer meiner wichtigsten Zeigerstellen für Sommersteinpilze einen Besuch abzustatten. Taschenlampe hatte ich für alle Fälle dabei. Es sah sehr dürftig aus, aber die ersten Exemplare schoben wieder. Auch sehr schöne, noch geschlossene Riesenschirmpilze sowie die ersten Grünen Knollenblätterpilze, die mir in dieser Saison unter die Augen kamen, waren das Resultat.

Hier lauert der Tod! Diesen gefährlichen Giftpilz muss jeder Pilzsammler kennen! Grüner Knollenblätterpilz (Amanita phalloides). Übrigens schmeckt er nicht nach Gift, sondern wohl sehr angenehm und riecht nach Honig! Standortaufnahme am 19.07.2020 in den Jülchendorfer Buchen.

Ist das nicht ein toller Anblick! Pyramidenförmige Stacheln auf der Exoperidie eines Stinkstäublings (Lycoperdon foetidum) Standortfoto am 19.07.2020 im Wald bei Weberin.

Montag, 20. Juli – Zwei wirklich schöne Sommertage liegen hinter uns und pünktlich zum Wochenbeginn haben wir wieder unser gewohntes, eher frühherbstliches Wetter. Die beiden warmen Tage hatten gestern bei einigen exponierten Frischpilzen bereits deutliche Trockenschäden hinterlassen. Es verdunsten zu dieser Jahreszeit, insbesondere auch bei warmen Wetter, gleich mehrere Liter Wasser pro Quadratneter. Es hat zwar am Morgen in Keez 4 Liter geregnet, aber diese dürften heute tagsüber wieder der Verdunstung zum Opfer gefallen sein. Der Regen bildete sich in Folge eines Kaltfront – Durchgangs. Insbesondere an einer vorlaufenden Konvergenz zündete es in der 2. Nachthälfte zunächst nur sehr örtlich in Niedersachsen. Schnell bildeten sich weitere Hotspots, die zu einem größenren Gewittercluster verschmolzen und heute morgen von Süden her nach Mecklenburg herein zogen. Insbesondere war die Seenplatte davon betroffen, wo stellenweise über 20 l/qm gefallen sind. Auf der Insel Poel, bei Wismar, waren es nur ein halber Liter, dafür hat Goldberg, unweit meiner nächsten Mittwochsexkursion, immerhin noch 11 Liter abbekommen. Wie dem auch sei, es ist Sommer und zu dieser Jahreszeit sind die oft konvektiven Niederschläge meist sehr ungerecht verteilt. Aber im weiteren Verlauf besteht wieder Hoffnung auf mehr Gerechtigkeit. Zwar kann es morgen auch nur örtliche Schauer geben, aber in der zweiten Wochenhälfte und wohl auch am kommenden Wochenende soll es wieder zu verbreiteten Regenfällen kommen, die auch auf die Fläche gesehen einiges an Wasser bringen könnten.

Sommersteinpilz (Boletus reticulatus) in der Abenddämerung am Waldrand der Jülchendorfer Buchen. 19.07.2020.

Der gefährlichste aller Giftpilze, der Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) stellt offensichtlich für einige Waldbewohner keine Gefahr dar. 21.07.2020 am Farpener Stausee.

Dienstag, 21. Juli – Noch ein Nachtrag zu der am 11. des Monats gezeigten Trüffel, die im Wismarer Stadtteil Wendorf unweit eines Haselstrauches zufällig entdeckt wurde. Wie schwierig sich die Bestimmung von nur selten gefundenen Hypogäen gestalten kann, haben wir in den Tagen danach erfahren dürfen. Sowohl Ostseepilz Christian Ehmke, wie auch Chef – Kartierer Benno Westphal beschäftigten sich ausführlich mit diesen Schlauchpilzen, die meist im verborgenen Leben. Zunächst wurde an die Frühlingstrüffel gedacht, die augenscheinlich ganz gut zu unserem Fund passen könnte. Diese These wurde alsbald verworfen, nicht nur, dass wir im Juli kein Frühling mehr haben, es paßten Geruch und einige Mikromerkmale nicht ganz dazu. Da sich im Verlauf ein ziemlich markanter Geruch bemerkbar machte, der durchaus als aufdringlich und unangenehm empfunden werden konnte, entschied sich Christian Ehmke für Tuber foetidum, was zu deutsch soviel wie Stinktrüffel bedeutet. Aber damit nicht genug. Benno Westphal hat einige Zeit intensiv Trüffeln gesucht und kartiert. Er hat also von uns allen die größte Erfahrung und auch die entsprechende Fachliteratur und natürlich auch ein gut gehendes Mikroskop. Benno teilte mir folgendes mit: „Hallo Reinhold, nach dem britischen Bestimmungsbuch kommt eigentlich nur Tuber repaedorum Tul. & C. Tul. in Frage. Diese Art hat so große Sporen: 35 /25 Mikromilimeter und wenige kurze Haare in der Peridie. Die Haare konnte ich nicht mehr finden, aber der komische Geruch wird bei den Briten als eigenständige Art geschlüsselt. Die Italiener haben diese Art überhaupt nicht in ihrem Buch. Es gibt auch noch Tuber foetidum, aber diese stinkt etwas lästiger und hat kleinere Sporen.“ – Ich denke, dabei sollten wir es bewenden lassen. Trüffel – Bestimmung ist eine oft anspruchsvolle Angelegenheit.

Wie ein grüner Apfel wirkte der Hut des Mörders in der Laubstreu des Waldes.

Nicht weit vom Sensenmann entfernt erfreute mich der Anblick dieses gemeinen Steinpilzes (Boletus edulis).

Anspruchsvoll kann für Laien auch die Bestimmung verhältnismässig einfacher Dickröhrlinge sein. So ist heute im Lokalteil der Wismarer Ausgabe der Ostsee – Zeitung ein fast halbseitenfüllendes Foto eines glücklichen Steinpilz – Finders zu bewundern. Der vermeindliche Steinpilz wurde in der Wismarer Bürgermeister Haupt – Straße gefunden und hatte, wie auf dem Foto per Zollstock eindeutig zu erkennen, einen Hutdurchmesser von 33 cm und ein Gewicht von 1819 g. Der hellbräunliche Hut war stark gefeldert, was beim Sommersteinpilz bei Trockenheit auch der Fall sein kann. Aber ein Sommersteinpilz in der Bürgermeister – Hauptstraße wäre mir neu gewesen. Da der Pilz nur von oben zu sehen ist und die Lokalredaktion gestern bei mir anfragte, ob es wirklich ein Sommersteinpilz sein könnte, antworte ich skeptisch und schrieb, dass ich den Pilz eher für einen Wurzelnden Bitter – Röhrling halten würde. Ich wollte nicht gleich das Ansinnen des glücklichen Finders zunichte machen, mit seinen riesigen „Sommersteinpilz“ in die Zeitung zu kommen. Natürlich war es ein Wurzelnder Bitter – Röhrling und diese Lokalität ist seit langem bekannt. Er wächst in diesem Bereich an mehreren Stellen, so auch an der Böschung zur Gaststätte „Lübsche Torweide“ oder am Eingang zum Westfriedhof. Eiche oder Linde muss vorhanden sein und ein gewisser Kalkanteil wird durch Straßen und Häuserbau garantiert. Diese Pilzart wird oft sehr groß und schwer, so dass das kapitale Exemplar fast nur Mittelmaß für diese große Röhrlingsart darstellt. 

Ein ungenießbarer Wurzender Bitter – Röhrling (Boletus radicans), links, und ein leckerer Sommersteinpilz (Boletus reticulatus) im direkten Vergleich. Zugegeben, der Sommersteinpilz ist etwas schwachbrüstig, kann aber auch sehr kapital werden. Das Fleisch der Steinpilze bleibt immer unverändert weiß, das des Bitterröhrlings ist gelblich und bläut etwas bei Verletzung. Schmeckt natürlich auch bitter! 21.07.2020 im Forst Farpen.

Wolkenspiegelung am Abend des 21.07.2020 im Farpener Stausee.

Und nun noch etwas tagesaktuelles meinerseits. Am Abend bin ich noch zu einer Kurzexkursion in ein nahes Waldgebiet auf sandigen Böden gefahren. Es war der Forst Farpen am gleichnamigen Staussee. Ich hatte keine Lust auf Parkanlage, so dass ich hier für einige Fotos unterwegs war und gleichzeitig die Lage im Raum Wismar auszuloten versuchte. Während meiner etwa 2 – stündigen Tour konnte ich nur relativ wenige Frischpilze ausmachen. Vereinzelt einige Täublinge oder auch mal ein einzelner Wulstling, allen voran der Grüne Knollenblätterpilz. Scheidenstreiflinge oder Perlpilze, die ansonsten auch hier reichlich anwesend sind, waren kaum zu sehen. Einzig Echte Steinpilze schoben frisch aus dem Waldboden. Kaum Sommersteinpilze, wenige Rotfüßchen, aber auch ein oben diskutierter Wurzender Bitter – Röhrling, nur etwa drei Meter weit von einem Sommersteinpilz entfernt. Hier hätte man beide Arten am Standort vergleichen können. Kurz um, ich weiß nicht, wie ich die Lage am Farpener Stausee einschätzen soll. Sind die jungen Fichtensteinpilze, die hier unter Rotbuchen wuchsen, der Beginn eines Wachstumsschubes, oder der Rest des Schützenfestes in der vergangenen Woche, wo hier gut Rotkappen, Sommer- und auch Echte Steinpilze gefunden wurden. Ich hatte eher den Eindruck, es war der Rest vom Schützenfest!

Eine Steinpilz – Familie (Boletus edulis) in der Abenddämmerung. 21.07.2020 am Farpener Stausee.

Ein Sommersteinpilz (Boletus reticulatus) wie man sich ihn wünscht. Original Standortfoto am Abend des 22.07.2020 in der Schwinzer Heide.

Mittwoch, 22. Juli – Bei freundlichem, heiter bis wolkigem Wetter mit vereinzelten, schwachen Regenschauern, brach ich um die Mittagszeit zu meiner obligatorischen Mittwochsexkursion auf. Nach wie vor ist das Meßtischblatt 2339 = Krakow am See in Arbeit. Heute war der 3. Quadrant an der Reihe. Dazu traff ich mich gegen 13.00 Uhr mit interessierten Gästen in Neu Sammit, an der dortigen Waldschule „Klaabusterul“. Ein rustikal gestaltetes Gelände mit überdachter Sitzgelegenheit, mit Holzlehrpfad und einiges mehr, teils auch aus Holz gefertigte Spielgeräte, da hier ein Kinder – Ferienlagen direkt am Ufer des Langsees vorhanden ist, in dem auch gerade Hochbetrieb herrschte. Dennoch, es ist ein ruhiges, wald- und seenreiches Erholungsgebiet in schönster, mecklenburgischer Natur. Wirklich ein kleines Paradies und auch die weitläufigen Wälder bieten vielen Pilzsuchern paradiesische Verhältnisse. Das ganz besonders im Herbst, wenn die Maronen – Zeit im gange ist. Meine beiden Gäste, Mutter und Tochter aus den alten Bundesländern, die sich in der Nähe von Goldberg ein altes Bauernhaus gekauft haben und seit Jahren dabei sind, dieses zu sanieren. Sehr naturverbundene Menschen, die heute etwas tiefer in die Pilzkunde eintauchen wollten. Jede von uns entdeckte und von mir vorgestellte Pilzart wurde fotografiert und beschriftet. Es gab zwar nicht überschwänglich viele Frischpilze, aber am Ende wurden doch genügend Exemplare gefunden und eingesammelt, so dass es sogar für ein Abendbrot reichte und vor allem auch neue Speisepilze dabei waren, die möglicherweise das nächste mal auch alleine wiedererkannt und in den Korb wandern könnten. Hier sei beispielsweise der einfach zu bestimmende Scheidenstreifling genannt. Auch Perlpilze und vieleicht auch der eine oder andere Täubling, sollte er denn mild schmecken. Pfifferlinge oder Maronen, die ebenfalls dabei waren, kannten sie ohnehin.

Auch hier sehen wir einen Sommersteinpilz (Boletus reticulatus). Der Hut ist wesentlich heller gelbbräunlich und der ganze Fruchtkörper ist mastig, untersetzt und der Stiel dickbauchig, wie es eher für den Kiefern – Steinpilz typisch wäre. 22.07.2020 in der Schwinzer Heide.

Nach gut zwei Stunden fand diese kleine Lehrwanderung ihr Ende und wir verabschiedeten uns. Im Anschluß drehte ich noch eine weitere Runde, denn der heutige Quadrant besteht fast nur aus Waldflächen, die mehrheitlich zu den Neusamitter Tannen gehören und diese sind Teil der Nossentiner/Schwinzer Heide. So wurde am Ende die heutige Tour die artenreichste meiner bisherigen Mittwochsexkursionen in diesem Jahr.

Dieses Büschel von großen, kompakten Laubwald – Pfifferlingen (Cantharellus cibarius var. pallidus) lag herausgerißen am Wegesrand. Pilzsucher waren offensichtlich wegen der blassen Färbung verunsichert. 22.07.2020 Schwinzer Heide.

Auf dem Rückweg hielt ich wieder an meinen klassischen Pilzstellen in der Schwinzer Heide an, denen ich immer einen Besuch abstatte, wenn ich in diesem Gebiet unterwegs bin. Das Frischpilzaufkommen hat sich im Vergleich von vor einer Woche oder auch des vergangenen Wochenendes nicht wesentlich verändert. Ingesamt weniger Speise – Täublinge und Scheidenstreiflinge. Ein Standort von Gold – Röhrlingen hatte zugelegt, aber leider waren die meisten überständig. Pfifferlinge scheinen weiter auf dem Vormarsch zu sein. Genau wie vor einer Woche, gab es 4 Sommersteinpilze an meinen klassischen Stellen. Also diesbezüglich war der Stand unverändert. Der einzige Unterschied von vor einer Woche ist, dass jetzt allgemein an bekannten Stellen dieser Dickröhrlingsart mal der eine oder andere Fruchtkörper zu finden ist. Wenn man so möchte, findet also ein äußerst zaghafter Schub von Sommersteinpilzen statt. Aber eigentlich darf man nicht von Schub sprechen. Es hat sich eher ein ausgeglichenes Frischpilzaufkommen entwickel, mit keinerlei Tendenz zur Übertreibung.

Hier habe ich mal drei etwas unterschiedliche Typen von Sommersteinpilzen (Boletus reticulatus) zusammengestellt. Vorne ein untypisches, viel zu helles Exemplar, links dahinter ein normalhütiger Sommersteinpilz und rechts eine besonders farbfreudige Variante mit sogar etwas gerunzeltem Hut. 22.07.2020 Schwinzer Heide.

Junger Flockenstieliger Hexen – Röhrling (Boletus luridiformis) auf der Grasnarbe des Mittelstreifens eines Waldweges. Ausgezeichneter Speisepilz. 22.07.2020 – Schwinzer Heide bei Sandhof.

Donnerstag, 23. Juli – Heute war ich um 09.00 Uhr mit einem Wismarer Pilzfreund zu einer längeren Tagestour verabredet. Zunächst fuhren wir in die Nossentiner/Schwinzer Heide zwischen Sandhof und Wooster Teerofen. Neben den klassischen Maronen – Wäldern gibt es hier auch vielversprechende Buchenbereiche. Etwas obacht muss man geben, damit man nicht in eines der dortigen Naturschutzgebiete gelangt, wo das Pilzesammeln eventuell auf wenig Gegenliebe bei der Naturparkverwaltung stoßen könnte. So haben wir das NSG Großer Serrahn, dass aber ohnehin aus Feuchtgebieten besteht. Hier gibt es auch einen Beobachtungsturm „Rothirsch“, wo man sich zu gegebener Zeit im Herbst anmelden kann, um der imposanten Hirschbrunft zu lauschen und vieleicht auch mit dem Fernglas optisch verfolgen kann. Dann haben wir weitere, teils Feuchtgebiete mit Schutzstatus, nähmlich das NSG Langhagensee und das Naturschutzgebiet Paschensee, zu dem auch ein Waldgebiet bei Wooster Teerofen gehört. Ein weiterer, kleinerer Bereich, der unter Schutz gestellt wurde, ist das NSG Dünenkiefernwald. Dazwischen gibt es aber reichlich Raum für Kochtopfmykologen, die allererste Adresse sind, will man nach den Früchten des Waldes Ausschau zu halten. Dieses Gebiet war im letzten Oktober auch zu meinen Mittwochsexkursionen im Programm und damals habe ich nicht nur kartiert, es gab u. a. auch reichlich Maronen und Steinpilze. Beide Arten waren auch heute vertreten, aber nur als Einzelstücke. Ansonsten gab es ein für diese relativ frühe Jahreszeit recht ordentliches Frischpilzaufkommen. Davon hätte ich in den zurückliegenden Jahren im Juli nur träumen können. Allen voran verschiedene Täublingsarten, eingige Milchlinge, Perl– und Pantherpilze und einiges mehr. Der Wald lebte pilztechnisch jedenfalls, wobei es durchaus Unterschiede gab. Pilzärmere Stellen wechselten mit belebteren Bereichen ab. Der Sonntagsammler, der nur die Klassiker sucht, hätte mit einer Handvoll Pfifferlinge und wenigen Röhrlingen vorlieb nehmen müssen. Aber da ja ein Fachmann dabei war, wanderten doch etliche Täublinge und Perlpilze in den Sammelkorb.

Ungewöhnliches, büscheliges Massenwachstum des Schwarzblauenden Röhrlings (Boletus pulverulentus), unweit einer Eichenkannte weit auslandend auf eine angrenzende Wiese. Essbar. Das Fleisch blaut am intensivsten von allen Röhrlingen, so dass es innerhalb weniger Sekunden fast schwarz wird. 23.07.2020 – Barniner Tannen.

Auf der Rücktour statteten wir noch einigen Stellen im Naturpark Sternberger Seenland einen Kurzbesuch ab. Zunächst einer Eichenkannte der Barniner Tannen, wo wir vor einigen Wochen ordentlich Sommersteinpilze fanden. Diese waren auch heute vertreten, aber nur mit wenigen Exemplaren. Dafür aber mit einer seltenen Ergiebigkeit Schwarzblauende Röhrlinge. Weiter ging es noch in die Jülchendorfer Buchen. In punkto Sommersteinpilze tote Hose, aber es gab zumindest für mich eine fotogene Entschädigung. Herrliche junge Grüne Knollenblätterpilze in Luxus – Ausführung. Da schlägt doch das Herz des Pilzliebhabers höher. Sollten die schönen Wulstlinge allerdings in die Pilzpfanne geraten, sind  die Herzschläge des Verzehrers wohl gezählt.

Diese beiden Prachtstücke des Grüner Knollenblätterpilzes (Amanita phalloides) können bereits die letale Dosis für einen erwachsenen Menschen darstellen. Standortfoto in den Jülchendorfer Buchen am 23.07.2020. Tödlich giftig!!!

Ein toller Fund gelang uns gestern an einer Eichen – Kannte am Rande der Barniner Tannen, das Europäische Goldblatt (Phylloporus pelletieri), auch Blätter – Röhrling genannt. In M-V und Schleswig – Holstein zerstreut nachgewiesen. Im südlichen Norddeutschland anscheinen weitgehend fehlend und ab der Mittelgebirgschwelle regional etwas häufiger festgestellt.

Freitag, 24. Juli – Gestern Begann der Zeitraum der Hundstage. Bis zum 23. August geht diese Zeit, die oft die größten Hitzewellen des Jahres liefert. Der bisherige Sommer hatte kaum Hitze dabei. Ausgenommen der Südwesten Deutschlands, wo es schon viele Sommertage mit Tageshöchsttemperaturen von 25 Grad und mehr gab. Dafür leidet diese Region schon wieder unter großer Trockenheit. Hin und wieder wurde dort auch die 30 Grad Marke geknackt, ab der von einem heißen Tag gesprochen wird. An der Ostsee haben wir diese magische Temperaturschwelle noch nicht erreicht. Ob die Hundstage es wohl schaffen? Schaut man sich den bisherigen Sommerverlauf mit seinem eingespielten Grundmuster an, könnte dieses Unterfangen schwierig werden. Immerhin verstärkt sich in der nächsten Zeit die Dynamik in der Wetterküche, so dass heiße Luft mit Nachdruck in Richtung Nordosten transportiert wird. Dafür sind in erster Linie atlantische Tiefdruckgebiete zuständig, die in der nächsten Zeit wohl öfter auch mal weiter nach Süden über dem östlichen Atlantik rutschen können und dadurch den Zustrom sehr warmer bis heißer Luft auch nach Deutschland ankurbeln könnten. Aber es folgt unmittelbar auf dem Fuße der Absturz, durch kühlere Meeresluft. Im Grunde geht es also so weiter, wie schon seit Wochen und Monaten. Nur wird sich das Ganze auf einem höheren Temperatur – Niveau abspielen. Es kann also kurzzeitig auch bei uns mal richtig heiß werden, sozusagen als Eintagsfliege, der unverzüglich der nächste Absturz folgt.

Das Europäische Goldblatt (Phylloporus pelletieri) gehört zu den Röhrlingen, besitzt auf den ersten Blick aber Lamellen. Sieht man genauer in diese hinein, erkennt man die typischen Querverbindungen. Von oben betrachtet glaubt man zunächst eine Ziegenlippe oder einen Eichen – Filzröhrling vor sich zu haben. Der Pilz ist essbar und wächst in Laub- und Nadelwäldern auf Kalk- und Silikatböden. 23.07.2020 Barniner Tannen.

Dieses Grundmuster garantiert uns aber auch weitere Regenfälle. Während es im zentralen Mecklenburg, so an der Seenplatte oder auch im Gebiet der Nossentiner/Schwinzer Heide in den letzen 14 Tagen immer mal kräftig geregnet hat und die Wälder, wie ich auch gestern wieder feststellen konnte, durchaus gut durchfeuchtete Böden aufweisen und sich das allgemeine Pilzwachstum weiter stabilisieren kann, sieht es rund um Wismar bereits wieder sehr trocken aus. Es wird sich zumindest in den nächsten 2 Wochen wieder eine stärkere Differenzierung bemerkbar machen, die sich in vielen Regionen durch ein Abflauen des Frischpilzaufkommens manifestieren dürfte. Regen für alle könnte am Wochenende angesagt sein. Wieviel es letztendlich regnen wird, ist etwas unklar. Auf jedenfall wird es sehr unterschiedlich sein. Nach jetzigem Stand zieht aus der Nacht zum Sonntag ein Regengebiet von West nach Ost über uns hinweg, dass schnell von kräftigen Schauern und Gewittern abgelöst werden soll. Insbesondere dort, wo die Gewitter ihren Starkregen abladen, könnte einiges zusammenkommen. Ich habe heute Abend mal wieder die Computerberechnungen für Wismar abgerufen. Demnach können bis zum 8. August knapp 38 Liter fallen. Minimal werden 16 l/qm und maximal 69 Liter berechnet. Hoffen wir wenigstens auf den Mittelwert, damit währen wir schon ganz gut bedient.

Ein reiferer Rotfuß – Röhrling (Xerocomus chrysenteron) von der Unterseite. Er weist im fortgeschrittenen Stadium auch recht weite Röhren b.z.w. Porenmündungen auf. Gleiches gilt für den Eichen – Filzröhrling und besonders auch für die Ziegenlippe. Hier erkennt man aber auch eine nicht typische Laune der Natur. Am oberen Stielende findet sich ein kleiner Bereich mit lamellenartigem Hymenophor. 23.07.2020ß in der Schwinzer Heide.

Ein junger Riesen – Schirmpilz (Macrolepiota procera). 25.07.2020 im Wald zwischen Demen und Buerbeck.

Sonnabend, 25. Juli – „Viele Leute, viele Pilze“ wird wohl der Artikel von unserer heutigen öffentlichen Pilzlehrwanderung überschrieben sein. Kurz nach 08.00 Uhr brachen eine Handvoll Pilzbegeisterte mit ihren Fahrzeugen in Wismar auf und gegen 09.15 Uhr trafen diese in Demen ein, wo uns am Waldesrand eine beachtliche Menschenansammlung erwartete. Auch eine junge Dame vom NDR aus Schwerin (Radio M-V) war mit dabei. Eine ansehnliche Truppe von 26 Pilzfreunden erinnerte eher an den Herbst, so hatte ich zunächst bedenken, ob das dortige Frischpilzaufkommen den damit verbundenen Erwartungen gerecht werden würde. Aber das Waldgebiet zwischen Demen und Buerbeck enttäuschte uns nicht. Besser hätte es auch im Herbst kaum laufen können. Man kann mit fug und recht behaupten, es gab Pilze auf Schritt und Tritt. Vieleicht wollte der Wald sich von seiner besten Seite zeigen, denn es war und ist der Wald, der dafür verantwortlich zeichnet, das mein inniges Interesse an diesen Geschöpfen im zarten Kindesalter geweckt wurde. Hier sammelte ich die ersten Pilze meines Lebens, denn mein Vater stammte aus Demen und wir waren als Kinder oft zu Besuch bei Oma, Onkel und Tante. Opa lebte damals leider schon nicht mehr. Immer wenn ich hier war, drängte es mich in den nahen Wald. Gesammelt wurden nur Pfifferlinge, die es damals hier wirklich noch reichlich gab. Heute fanden wir sie nur als Einzelstücke.

Und hier sehen wir den Parasol (Macrolepiota procera) voll entwickelt. Er ist sozusagen tafelfertig und braucht nur noch panniert und gebraten werden. Nur der Hut als ganzes, versteht sich. Standortfoto am 25.07.2020 im Kaarzer Holz.

Der erste Edel – Reizker der Saison (Lactarius deliciosus). 25.07.2020 im Kaarzer Holz.

Wir drehten unsere Runde durch einen oft gut durchmichten Laub- und Nadelwald auf armen, sandigen Böden. Eigentlich von der Sache her über Strecken auf den ersten Blick überhaupt nicht so sehr attraktiv erscheinend und sehr dürreanfällig. So konnte in den vergangenen Sommern hier kaum ein Frischpilz das Licht der Welt erblicken. Nun gab es in den letzten Wochen häufiger ergiebige Niederschläge und die Temparaturen blieben moderat ohne Hitzewellen. So gab es für viele, sommerliche Pilzarten kein halten mehr und es entwickelte sich ein reichhaltiger Sommeraspekt. Allen voran einige Täublinge, Wulstlinge, Kremplinge. Milchlinge und verschiedene Röhrlinge bis hin zu einzelnen Steinpilzen. Ausschließlich gemeine Steinpilze, keine Sommersteinpilze! Viele Rotfüßchen, Eichen – Filzröhrlinge sowie einige Ziegenlippen und Maronen. Riesenschirmpilze waren dabei und auch verschiedene, meist aber essbare Anis – Champignons. Heute konnten auch die Unterschiede zwischen den giftigen Pantherpilzen zu den essbaren Perlpilzen immer wieder am lebenden Objekt studiert werden. Es war bei angenehmem Sommerwetter eine sehr schöne Tour, die auch mir sehr viel Spaß gemacht hat, obwohl oder gerade weil ich entsprechend gefordert wurde und aus dem Erklären und Bestimmen kaum heraus kam. Nach dem offiziellen Teil, durchstreifte ich noch einige Bereiche im Kaarzer Holz, um einige Fotos für`s Tagebuch zu schießen, denn bei so vielen Leuten mit noch mehr Funden und Fragen, findet sich kaum Zeit in Ruhe die Kobolde des Waldes abzulichten.

In diesem Stadium immer eine Augenweide ist der Himbeerrote Schleimpilz (Tubifera ferruginosa). Wir finden ihn ausschließlich an altem Nadelholz. 25.07.2020 in der Demener Räumde.

Hasen- oder Getäfelter Stäubling (Calvatia utriformis). Jung essbar, solange innen weiß und schnittfest. 25.07.2020 im Wald bei Demen/Buerbeck.

Sonntag, 26. Juli – Am Vormittag regnete es zeitweise und zum Nachmittag waren örtlich kräftige Schauer und Gewitter angesagt. So entschloß ich mich in das Info – Zentrum zu gehen und den Bericht von der gestrigen Pilzwanderung online zu stellen. Kaum hatte ich die Eingangstür aufgeschloßen, läutete auch schon das Telefon. Eine besorgte Mutti aus einer Stadtnahen Ortschaft war am anderen Ende der Leitung und bat um Hilfe bezüglich ihres 3 jährigen Sohnes. Er hatte gestern Nachmittag/Abend mit anderen Kindern auf der Grundstückswiese vegetarische Ernährung gespielt. Sie sollen sich einen Pilz-/Kräuterteller zusammen gestellt, aber angeblich nicht davon gekostet haben. Während es den anderen, beteiligten Kindern gut gehen soll, setzte bei ihrem Sohn am heutigen Vormittag heftiges Erbrechen ein und es geht ihm hinreichend schlecht. Er hat keinen Appetit und verweigere die weitere Nahrungsaufnahme. Ich bat darum, mit noch vorhandenen Pilzen b.z.w. Resten zu mir in die Beratung zu kommen, denn die lange Latenzzeit zwischen möglicher Kostprobe und den ersten Symptomen kann nichts gutes bedeuten. Bei Inkubationszeiten die 12 Stunden überschreiten können Knollenblätterpilz – Vergiftungen nicht ausgeschlossen werden. Etwa eine halbe Stunde später erschien die junge Dame mit den Pilzresten. Darin konnte ich glücklicherweise keine gefährlichen Knollenblätterpilze entdecken. Es waren vielmehr ausgehölte Fruchtkörperschalen von Bauchpilzen, sehr wahrscheinlich von jung essbaren Hasen – Stäublingen. Allerdings waren auch Stücke dabei, die regelrecht verfault waren. Dazu noch etliche gelbe, filigrane Blüten eines Wildkrautes, das ich nicht bestimmen konnte. Möglich wäre angesichts des überständigen Pilzmaterials eine unechte Pilzvergiftung, die nichts anderes wie eine Lebensmittelvergiftung darstellt. Diese kann durchaus gefährlich werden. Auch die Blüten könnten zu einer Giftpflanze gehören. Angeblich soll aber auch das erkrankte Kind nichts von dieser Zusammenstellung gekostet, sondern sich nur nicht ordentlich die Hände gewaschen haben. Ich kann mir kaum vorstellen, auch bei Kindern nicht, das eine derartig deutliche Symptomatik nur durch vergessenes Händewaschen zu stande kommt. Kein Pilz, auch kein Knollenblätterpilz, ist so giftig, das man schon nach bloßem anfassen eine nennenswerte Intoxikation davon trägt. Das funktioniert einfach nicht! Wie dem auch sei, ich riet der in Sorge befindlichen Mutti in der Notaufnahme einer Klinik vorstellig zu werden und gab ihr einen Zettel der für mich am ehesten in Frage kommenden Pilzart mit und mit den Blüten kenne ich mich nicht aus. Sicher ist sicher und eine ärtztliche Beobachtung wäre meiner Ansicht nach dringend anzuraten. In den meisten Fällen kann ich diesbezüglich Entwarnung geben und man kann Kindern, aber auch erwachsenen Menschen eine vielleicht unnötige und unangenehme Prozedur ersparen. Hier aber lagen bereits deutliche Symptome vor und die Kräuter waren für mich nicht definierbar. Hoffen wir das alles gut geht und dem Kind geholfen werden kann.

Die imposanten und schönen Samtfuß – Kremplinge (Paxillus atrotomentosus) legen zur Zeit einen beeindruckenden Aspekt in unseren Nadelwäldern hin. Im Vordergrund sehen wir Sporenansammlungen des Himbeerroten Schleimpilzes. Standortfoto am 25.07.2020 in der Demener Räumde.

Zur Entwicklung an der Pilzfront. Heute zogen Regenfälle durch. Hier die 24 – stündigen Meßwerte für unser Einzugsgebiet: Rostock und Boltenhagen bis heute Abend 20 Uhr 3 Liter, Kirchdorf auf Poel, Schwerin und Goldberg jeweils 5 l/qm. Vergessen wir diesen Tropfen auf den garnicht so heißen Stein. Örtlich gab es allerdings im Zusammenhang mit den teils heftigen Gewitterschauern deutlich mehr, aber auf die Fläche war es eher eine Luftnummer. Insbesondere von der Seenplatte bis hinein in die Nossentiner/Schwinzer Heide war der Regen nochmals eine willkommene Stütze, so dass durch die Vorgängerniederschläge hier weiterhin einiges möglich sein dürfte. Da nun offensichtlich für längere Zeit kein ergiebiger Regen auf der Agenda steht, werden wir wohl allmählich in die Sommerpause übergehen um dann irgendwann später den hoffentlich pilzreichen Herbst begrüßen zu dürfen. Wir sollen zwar weiterhin eher auf der kühlen Seite bleiben, aber einzelne Hitzeausschläge sind auch bis zu uns an den Küsten möglich. Vor allem zum nächsten Wochenende hin.

Hier sehen wir eine Ziegenlippe (Xerocomus subtomentosus) die ich gestern im Kaarzer Holz fotografiert habe. Bei ihr ziehen sich die Röhren am Stielansatz lamelloid zusammen um schließlich als Netzmuster den Stiel hinunter zu laufen. Die Netzstrukturen auf den Stielen einiger Röhrlinge, wie auch beim Steinpilz, sind also nichts weiter wie die Ausläufer der röhrenartigen Fruchtschicht.

Hier durchbricht kein Bovist oder Hexenei der Stinkmorchel den Mergelboden, sondern ein noch embryonaler Grüner Knollenblätterpilz (Amanita phalloides)! 27.07.2020 im Wismarer Seeblickpark.

Montag, 27. Juli – Seit längerer Zeit entschloß ich mich heute Mittag einmal wieder der Parkanlage am Seeblick einen Besuch abzustatten, um aktuelle Aufnahmen für dieses Tagebuch zu bekommen. Hier scheint der diesjährige Maximalaspekt auf dem Höhepunkt b. z. w. bereits etwas überschritten zu sein. Vieles ist schon überständig, aber es schieben noch reichlich Frischpilze nach. In erster Linie verschiedene Täublinge, aber auch Grüne Knollenblätterpilze, einige Perl- und Pantherpilze, stellenweise Hexen – Röhrlinge. Die Karbol – Champignons waren überständig und an Sommersteinpilzen sah ich nur ein junges Exemplar. Insbesondere waren Frauen – Täublinge und inselweise sehr viele Purpurschwarze Täublinge vertreten. Teilweise regelrechte Teppiche dieser zwar essbaren, aber wenig schmackhaften Täublinge. Auch Weinrote Heringstäublinge waren sehr viele vertreten. Insbesondere wer hier Frauen – Täublinge zum essen sammelt, muss sehr vorsichtig sein. Sie waren heute auch in ihrer grünlichen Form vertreten und gleich daneben grünhütige Wulstlinge, also der gefährlichste aller unserer Großpilze, der Grüne Knollenblätterpilz!

Die weiteren Entwicklungsstadien des Grünen Knollenblätterpilzes (Amanita phalloides). Trockene Luft und Wind haben beim aufgeschirmten Fruchtkörper ihre Spuren hinterlassen. Selbst die Hutfarbe ist nach olivbräunlich umgeschlagen. Tödlich giftig!

Ich habe das „Hexenei/Bovist“ herausgehoben und von oben nach unten aufgeschnitten. Deutlich ist die Anlage des späteren Fruchtkörpers zu erkennen, mit seiner bereits grünlichen Zone unter der noch geschlossenen Volva. Für uns Menschen tödlich, für die Maden offensichtlich ein Festtagsschmaus! Grüner Knollenblötterpilz (Amanita phalloides.

Trotz Urlaub war ich vom frühen Nachmittag bis spät abends wieder im Info – Zentrum. Heute stand u. a. mal saubermachen, also durchfegen und wischen auf dem Programm. Das hatte ich immer wieder vor mir hergeschoben, da die Entwicklung an der Pilzfront und die Berichterstattung darüber im Vordergrund stand und natürlich auch weiterhin steht. Dabei wurde auch die Pilzberatung in Anspruch genommen. Mir wurden Wurzelnde Bitter – Röhrlinge aus dem Stadtgebiet vorgelegt. Die großen und mastigen Dickröhrlinge wecken immer wieder das Interesse der Leute. Aus dem besseren Buchwald stammte ein Anhängsel – Röhrling, der auf Schelfwerder, bei Schwerin, gefunden wurde. Dieser Waldtyp lieferte bisher kaum Pilze, aber allmählich scheint sich nun auch hier etwas zu tun. Verwundert war der Ratsuchende darüber, dass er heute sogar die ersten Herbsttrompeten zu Gesicht bekam. Das hielt er für absolut ungewöhnlich, denn wie der Name dieses delikaten Würzpilzes schon sagt, kennen wir diesen Pfifferlingsverwandten eigentlich aus den Herbstmonaten, wo er noch im düsteren November den gehaltvollen Laubwald in großen Ansammlungen bevölkern kann. Bekannt ist die Totentrompete, wie eine weitere, volkstümliche Bezeichnung dieses beliebten Speisepilzes lautet, dadurch, dass sie nur in ganz bestimmten Jahren zur Hochform aufläuft und danach jahrelang ausbleiben kann. Diese guten Trompetenjahre gibt es meistens, wenn sich die dunklen Tüten bereits im Hochsommer zeigen. Dann sind ab Ende Juli bereits die ersten anzutreffen und spielt die Witterung mit, kann ab August regional schon reichlich geerntet werden. Meinen Beobachtung nach muss es im Sommer ausreichend regnen, dann kann das klappen. Sind die Sommermonate, so wie in den beiden zurückliegenden Jahren, zu trocken, tun sie sich schwer und treten entweder gar nicht auf oder nur sehr spärlich in den Herbstmonaten. Also dürfen wir hoffen, das dieser wunderbare Trockenpilz in diesem Jahr vieleicht mal wieder einen größeren Auftritt hinlegt.

Hier sehen wir einen Vertreter aus der Gruppe der Stink – Täublinge, mit ihren stark gerieften Huträndern. Es gilt vor allem den Geruch zu prüfen, denn der echte Stinktäubling soll nach M.H.K, Bd 5, Seite 248, süßlich ölig, beinahe eckelhaft stinken. Ich empfand den Geruch eher angenehm mandelartig und so kam für mich zunächst der Mandel – Täubling aus dieser Gruppe in betracht. Mich störten die zahlreichen Guttationströpfchen an den Lamellen – Schneiden, die charakteristisch für die Typusart dieser Gruppe, dem Stinktäubling (Russula foetens) sein sollen. Eine schwierige Gruppe, diese Stinktäublinge mit ihren Marzipan – bis eckelhaft stinkenden Gerüchen. Alle ungenießbar. 27.07.2020 im Park am Seeblick.

Weinroter Heringstäubling (Russula graveolens) am 27.07.2020 im Seeblickpark Wismar – Wendorf. Der Eichenbegleiter ist essbar, so wie alle nach Heringslake riechenden Täublinge auch.

Dienstag, 28. Juli – Heute bin ich nicht an die Pilzfront gekommen. Schon lange hatte ich vor meine Schautafel unter dem Motto: „Unsere Großpilze im Wandel der Jahreszeiten – Der Sommer“ zu erneuern. Die alte war schon eine Zumutung. Immerhin hängt die Tafel während der Öffnungszeiten drei Monate an der Außenwand und ist Wind und Wetter ausgesetzt. Insbesondere die intensive Sonneneinstrahlung läßt die nicht sonderlich farbechten Fotos, die mein Fotokopierer druckt, recht schnell entfärben. Regen tut sein übriges, so dass ich immer mal wieder eine meiner 4 Schautafeln erneuern muss. So geht mein arbeitsreicher Urlaub dahin, der nur darin besteht, dass ich meine offiziellen Sprech – und Öffnungszeiten außer Kraft gesetzt habe, aber trotzdem größtenteils im Info – Zentrum anzutreffen bin. Wenn nichts dazwischen kommt, geht es morgen wieder in den Wald. Die letzte Mittwochsexkursion im Meßtischblatt Krakow am See steht auf dem Programm.

Der Pupurschwarze Täubling (Russula atropurpurea) hat im Seeblickpark sein Jahresmaximum erreicht. Dieser schöne Täubling ist im Vergleich zum Weinroten Heringstäubling festfleischiger, riecht nicht fischartig und sein Fleisch bräunt auch nicht, so wie es bei den Heringstäublingen der Fall ist. Die weißlichen Lamellen besitzen einen cremefarbenen Einschlag und zur Hutmitte ist der Pilz immer schwärzlich getönt. Essbar, aber etwas schärflich in den Lamellen. 27.07.2020 Park am Seeblick.

Probehängen der neuen Schautafel heute Abend. Bei einigen Bildern habe ich etwas satt Farbe gegeben, da sie ohnehin schnell wieder entfärben.

Zur Wetterentwicklung: Wir bleiben weiterhin in der seit Monaten anhaltenden Westwinddrift, wobei immer wieder Wetterfronten durchziehen, die zu reger Tiefdrucktätigkeit über dem Atlantik und Skandinavien gehören. Beinahe täglich schwenkt eine Front durch. Auch heute wieder, aber viel Regen haben die zur Zeit nicht im Gepäck. Dafür viel Wind, der bekanntlich nicht gerade förderlich für `s Frischpilzaufkommen ist. Gestern hatte ich Besuch aus Radebeul. Dort soll es schon wieder schlimm aussehen. Alles braun und vertrocknet. Das weckt Erinnerungen an die letzten beiden Jahre. Es gibt mehrere Zonen in Deutschland mit recht unterschiedlichem Witterungsverlauf. Meist unterkühlt und zeitweise feucht im großen Nordwesten, inklusive Mecklenburg. Dann eine Trockenzone etwa vom Saarland bis hinauf nach Sachsen und in das südliche Brandenburg. Eine hochsommerlich heiße Region ganz im Südwesten, insbesondere im Rheingraben und dann noch das Alpenvorland in Bayern, wo sich die ankommenden Wetterfronten gerne abregnen. Zum Wochenende gibt es einen Heißluftvorstoß bis zu uns an die Küste. Dabei bleiben die Temperaturen aber bei uns noch ganz moderat bei bis zu 30 Grad am Sonnabend. Im Südwesten sind immerhin bis 38 Grad möglich! Aber das Ganze ist,  wie nicht anders zu erwarten, eine Eintagsfliege. Bereits in der Nacht zum Sonntag können von Westen her Gewitter aufziehen und die nächste Abkühlung bringen. Ob sie auch reichlich Regen mit dabei haben, ist fraglich. Zumindest bei uns im Norden. Nach Südosten zu in Richtung Bayern/Österreich werden jedoch hohe Regensummen erwartet. So wird das regional derzeit noch vielfältige Frischpilzaufkommen allmählich abflauen und wir driften dann wohl in die Hoch- b. z. w. Spätsommer – Depression, wie sie sich oft im August bemerkbar macht.

So oder ähnlich, wenn sie nicht gleich vollständig vertrocknen, werden viele Fruchtkörper in den nächsten Tagen aussehen. Es ist die Folge von trockener Luft, Hitze und Wind. Flockensteiliger Hexen – Röhrling (Boletus luridiformis) am 27.07.2020 im Park am Seeblick in Wismar – Wendorf.

In der Schwinzer Heide sind nun auch die ersten Violetten Lacktrichterlinge (Laccaria amatystea) erschienen. Dieser leicht kenntliche und etwas zähfleischige Pilz wird aufgrund seiner markanten Färbung und der auch sonst leichten Kenntlichkeit von nicht wenigen Pilzfreunden zum essen mitgenommen. Standortfoto am 29.07.2020 in der Schwinzer Heide.

Mittwoch, 29. Juli – Zu meiner heutigen Mittwochsexkursion hatte sich wieder ein Gast dazugesellt. Ich biete diese Exkursionen an nahezu jedem Mittwoch von April – November seit dem letzten Jahr auch für interessierte Pilz- und Naturfreunde an. Für 20 Euro kann ganz individuell im kleinen Kreis nach allen möglichen Großpilzen Ausschau gehalten werden und es ist daher auch eine gute Gelegenheit ganz in Ruhe mit dem Fachmann auf die verschiedenen Pilzfunde  ausführlicher einzugehen, wie auf einer größeren Pilzwanderung, an der, so wie am vergangenen Sonnabend, um die 25 Leute auf Tour sind. Es ist zwar etwas spezieller und geht nicht nur um essbar oder giftig, weil mich (uns) alles interessiert, was irgendwie nach Pilz aussieht und für mich ansprechbar ist. Wenn ich eine Chance sehe, mir unbekanntes in einer Nachbestimmung herauszubekommen, wird dieses Material in Frischaltedosen gelegt und mitgenommen. Ich muss dazu sagen, das einige Vertreter aus schwierigen Gattungen wie Rißpilze oder Häublinge, die wir heute auch fanden, ernsthaft untersucht und mikroskopiert werden müssen. Dafür habe ich meist keine Zeit und auch nicht die entsprechende Erfahrung. Das ärgert mich zwar, aber das überlasse ich eher Experten, die nicht noch ein Mykologisches Informationszentrum um die Ohren haben. So kommt es natürlich auch, das ich oft Arten dabei habe, die eigentlich aus den genannten Quadranten schon bekannt sind. Es besteht aber immer die Möglichkeit neues zu entdecken und in manchen Meßtischblättern war ich bisher kaum oder garnicht unterwegs. Dort sind für meine persöhnliche Datenbank durchaus alle Funddaten neu. Übrigens haben die Mittwochsexkursionen ihren Ursprung in meinen Frischpilzausstellungen. Früher in einem Schaufenster und jetzt im inneren des Steinpilz Wismar. Soll die Ausstellung aktuell und frisch bleiben, muss mindesten zwei mal die Woche für Nachschub gesorgt sein. So am Wochenende und Mitte der Woche. Hier werden mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Daten für die Kartierung, Frischpilze für die Ausstellung, gelegentlich Material zum Verkauf im Laden, insbesondere für Trockenpilze oder für unser Imbiss – Angebot zum einfrosten und natürlich neue Erkenntnisse zur Entwicklung an der Pilzfront für dieses Tagebuch. Davon wurden heute vier Aspekte bedient: Kartierungsdaten, Ausstellungsmaterial, Tagebuch und Steinpilze für den Trockner und ein zusätzlicher Aspekt war eine satte Pfifferlingsmahlzeit für meine Begleiterin und ihrer Mutter.

Die leckeren Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis) haben in den letzten Tagen einen leichten Wachstumsschub bekommen. Standortfoto am 29.07.2020 in der Schwinzer Heide.

Rotrandiger Baumschwamm (Fomitopsis pinicola) mit weißlichem Zuwachsrand. Als Nährstofftransporteur benötigt er reichlich Wasser, welches durch sogenannte Gutationströpfchen wieder ausgeschieden wird. 29.07.2020 an Fichte in der Schwinzer Heide.

So stand heute der 4. Quadrant des Meßtischblattes Krakow am See auf dem Programm – MTB: 2339/4. Große Teile des Quadranten nimmt der Krakow Obersee ein. Sie stehen als unter Wasser, aber links und rechts der Seenlandschaft befindet sich noch reichlich Festland, dass teils bewaldet ist. Da wären die Waddingstannen östlich Krakow am See oder ein Waldgebiet bei Walkmöhl, im südöstlichen Zipfel des Quadranten. Wäre ich allein unterwegs, hätte ich mich sehr wahrscheinlich für eines dieser Wälder entschieden. Da wir aber mit zwei Fahrzeugen unterwegs waren, wollte ich nicht lange herum kurven, um einen möglichst günstigen Parkplatz zu suchen. Der war jedoch direkt an der B 103 am Abzweig zu Neu Sammit vorhanden, so dass ich den letzten, östlichen Streifen der Schwinzer Heide, direkt links und rechts zur Bundeststraße aussuchte. Während im Kerngebiet der Schwinzer Heide auf der Anfahrt zahlreiche Autos am Straßenrand auf reichlich Pilzsucher hinwiesen, war hier niemand unterwegs und es ist sicher diesbezüglich auch ein kaum begangener Steifen. Größere Pfützen und an schattigen Stellen ein gut duchfeuchteter Waldboden war den recht ergiebigen Niederschlägen in dieser Region innerhalb den letzten 14 Tage geschuldet. So durchstreiften wir den sandigen Mischwald, der größtenteils aus Kiefern- und Fichtenbestände zusammen gesetzt war. Teilweise etwas krautreich durch Himbeer- und Brombeerranken, aber immer auch dickmoosige oder von Drahtschmiele durchzogene Bereiche. Das Frischpilzaufkommen war nicht überbordernd, aber angesichts der Tatsache, dass hier offensichtlich kaum Pilzsucher unterwegs zu sein scheinen, waren die Flecken von teils weithin leuchtenden und großen Pfifferlingen kaum zu übersehen. Hatte man eine Stelle entdeckt und schaute genauer hin, offenbarten sich einem immer neue Nester von ausgewachsenen Eierschwämmen, die sogut wie garnicht an die Oberfläche gelangen konnten,  weil Moos und Dahtschmiele dieses Unterfangen verhinderten. Teils waren die Pilze schon fast überständig oder begannen aufgrund der Feuchtigkeit zu faulen. Jedenfalls war dadurch für meine Begleiterin das Abendbrot gesichert.

Stellenweise Nester von großen und längst erntefähigen Pfifferlingen in tiefen Moospolstern und Drahtschmiele. Trotz des starken und trockenen Windes am heutigen Mittwoch waren sie vor Austrocknung geschützt, ja sie standen fast schon zu feucht und drohten zu faulen durch die Regenfälle der letzten Zeit in diesem Gebiet. 29.07.2020 Schwinzer Heide.

Junger Sommersteinpilz (Boletus reticulatus) in der Schwinzer Heide am 29.07.2020 standortversetzt fotografiert.

Da mein Gast am Abend noch einen Konzert – Termin in Wismar wahrnehmen wollte, trennten sich unsere Wege am späten Nachmittag und ich suchte noch meine Standartstellen in der Schwinzer Heide auf, denen ich auch in den Vorwochen immer einen Info – Besuch abstattete. Auch brauchte ich noch etwas frisches Moos. Da ich diese Stellen nun seit Wochen beobachtet habe, konnte ich die Entwicklung in diesem Bereich ganz gut verfolgen und einschätzen. Das allgemeine Frischpilzaufkommen, zumindest quantitativ, hat im Vergleich von vor 14 Tagen merklich abgeflaut. Damals viele Scheidenstreiftlinge und verschiedene Täublinge, heute sehr reduziert. Die damals noch meist kleinen Samtfuß – Kremplinge sind zu beachtlichen Tellern herangewachsen. Pfifferlinge unterliegen einem weiteren Aufwärztrend. Es laufen aber inzwischen wesentlich mehr Pilzsucher durch`s Revier! Zum Schluß stattete ich meinen Einzeleichen einen Besuch ab. Sie sind immer zum Schluß an der Reihe, wenn das Tageslicht allmählich herunter gedimmt wird. Natürlich galt das Interesse vor allem den Sommersteinpilzen. Vor 14 Tagen 4 schöne Exemplare, gleiches vor einer Woche und heute waren es immerhin 12 Prachtstücke! Davon allerdings ein Echter Steinpilz, der sich als Konkurent zu den Sommersteinpilzen gesellte. Die Gemeinen- oder Fichtensteinpilze waren recht verbreitet meist als Einzelstücke, so wie in anderen Wäldern derzeit auch, vertreten. Selbst am staubigen Brandstreifen unter Kiefern wuchsen sie, welches in der Regel nur im Herbst der Fall ist.

Zwei Sommersteinpilze (Boletus reticulatus) noch unberührt am original Standort unter Eiche. 29.07.2020 Schwinzer Heide.

Ein etwas betagter Fichten – Steinpilz (Boletus edulis) unter Kiefern direkt am staubigen Brandschutzstreifen in der Schwinzer Heide. 20.07.2020.

Vor zwei Wochen mußte ich hier am Abend wegen Starkregens etwas länger verweilen als üblich. Zwischendurch hatte es nochmals kräftig geregnet. So ist die Zunahme der Sommersteinpilze mit diesen Niederschlägen in Verbindung zu bringen. Genau 14 Tage später hatte ich heute den richtigen Moment erwischt. Es war immerhin ein Trockner voll. Damit enden die Touren in diese Region im Rahmen meiner Mittwochsexkursionen. Acht Wochen lang war ich Mittwochs im Raum Plau am See und Krakow am See, im Gebiet des Naturparks Nossentiner/Schwinzer Heide unterwegs. Es hat mir sehr viel Spass gemacht und durch die recht feuchte und herbstlich unterkühlte Witterung gab es auch einiges an Frischpilzen. Wehmütig denke ich bereits jetzt an diese schönen Touren zurück und die abendlichen Abstecher zu den Sommersteinpilzen werden mir fehlen. Aber es ist sicher nicht das letzte mal, dass ich hier in diesem Jahr unterwegs gewesen bin, auch wenn es vorerst keinen offiziellen Grund in meiner Terminplanung dafür gibt. Ab nächsten Mittwoch geht es in ganz andere Regionen. 

Zu einem fremdgegangenen Fichtensteinpilz (Boletus edulis) unter Eiche, stellte ich einen kleineren Sommersteinpilz, der hier eigentlich zu hause ist. 29.07.2020.

Wenig schmackhafte Samtfuß – Kremlinge (Paxillus atrotomentosus) waren heute in allen Altersstadien vertreten. 30.07.2020 im Wald bei Weberin.

Donnerstag, 30. Juli – Heute war ich gegen 14.00 Uhr zu einer individuellen Pilzwanderung in Weberin verabredet. Zwei Pilzinteresierte Menschen aus Hamburg, einer von ihnen, ein Tagebuchleser, wollte seinen Horizont insbesondere auch in punkto Täublinge erweitern. Deshalb suchte ich meine obligatorische Runde in diesem Gebiet aus, weil es hier eine besonders hohe Artenvielfalt gibt. Gerne bin ich hier auch mal zu unseren Großpilzausstellungen unterwegs und vor etwa 2 Wochen war hier auch einiges los. Kaum waren wir im Begriff den Wald zu erreichen, kamen uns zwei nicht mehr ganz so junge Damen entgegen, mit einer reichlichen Mahlzeit schöner Pfifferlinge und weil er so schön aussah, auch mit einem Gallen – Röhrling. Ich riet ihnen, diesen äußerst würzigen Verteter lieber nicht mit den Pfifferlingen gemeinsam zuzubereiten. Aber die Damen waren offensichtlich auf der Höhe der Zeit und hatten schon Verdacht geschöpft. Wie dem auch sei, der Wald ist groß und wir versuchten unser Glück. Daraus wurde aber nicht viel. Nur wenige Pfifferlinge auf unserer Runde. Auch mal eine Marone oder ein eher überständiger Fichtensteinpilz. Einige Täublinge zum erläutern waren dann doch dabei. Chromgelber Graustiel – Täublung, Weinroter Graustiel – Täubling, Ziegelroter Täubling und auch der leckere Fleischrote Speise – Täubling. Der essbare Buckel – Täubling oder auch ein Apfel – Täubling sind nicht zu vergessen. Scharfe Sprödblättler waren durch den Birken – Speitäubling vertreten. Auch ein junger Flockenstieliger Hexen – Röhrling war dabei. Insgesamt recht wenig und es ist hier inzwischen auch ziemlich trocken geworden. Ich hoffe und denke, die im tieferen Moos steckenden Pfifferlinge dürften sich auch über diese Durststrecke retten können, so sie denn nicht wochenlang anhält. Auf jedenfall haben die beiden ein herrliches Waldrevier kennen gelernt, das sie wirklich begeistert hat. Vor allem der teilweise echte Waldcharakter, der sich durch gemischte Bestände in unterschiedlichen Alterstufen zusammensetzt. Unter bedauern wurde allerdings festgestellt, dass sich auch hier die nordamerikanische Traubenkirsche als Pest des Waldes zunehmend ausbreitet. Einer meiner Gäste ist Waldbesitzer in der Lüneburger Heide. Dort hat man teilweise den Kampf gegen dieses Waldunkraut aufgegeben.  Nach dem wir uns verabschiedet haben, fuhr ich noch zu einer Sommersteinpilz – Stelle in den Jülchendorfer Buchen. Nur zwei überständige Exemplare, aber wie schon vor einer Woche reichlich Grüne Knollenblätterpilze. Der Feuchtigkeitsmangel machte sich nun auch an ihrer Population bemerkbar. Waren die Fruchtkörper noch vor einer Woche stattlich und kräftig im Wuchs, schoben nun immer kleinere, fast schon Miniatur – Ausgaben nach und sollte es nicht in den nächsten Tagen kräftig regnen, werden sie und auch die vereinzelt noch frisch schiebenden Perlpilze ihr Wachstum bald einstellen.

Ein herrliches und zu gegebener Zeit auch pilzreiches Gebiet.

Am Abend bin ich noch zu einer kleinen Romantik – Tour mit Irena zum Demener Dorfsee aufgebrochen und wir haben einen kleinen Abstecher in Richtung Poggenhof unternommen. Dort sahen wie in einer nährstoffreichen Senke einer Kuh- und Pferdekoppel eine ansehliche Batterie von wirklich stattlichen Riesenbovisten und an einer kalkreichen, windexponierten Hanglage unter Eichen versuchte noch ein junger Sommersteinpilz sein Glück.

Grüne Knollenblätterpilze (Amanita phalloides) am 30.07.2020 in den Jülchendorfer Buchen. Wind und Trockenheit hinterlassen ihre Spuren. Tödlich giftig!