*** Pilze/Wetter Juli 2025 ***

Pilze/Wetter Juli 2025

Wetter und Pilzwachstum in Mecklenburg

Tagebuch zu Pilze und Wetter im Juli 2025


Riesenchampignon (Agaricus augustus) sind Vertreter des Sommers.
Foto: Angeli Jänichen


02.07.2025 – Mittwoch

Rundblättriger Sonnentau (Drosera rotundifolia).
Foto: Angeli Jänichen

Heute hätte eigentlich unsere Kartierungsexkursion statt gefunden. Aufgrund der für heute vorhersagten Hitze haben wir unserer Mittwochsexkursion auf Donnerstag – also morgen – verschoben.

Angeli hatte mir noch einige Fotos von Ihren Pilzfunden aus ihrem Lieblingshabitat vom Juni geschickt, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

Darunter auch obige Gruppe Riesenchampignons (Agaricus augustus) – auch Braunschuppiger Riesenegerling genannt.

Highlight unter ihren Funden war allerdings die nicht sehr häufig anzutreffende Verzweigte Becherkoralle (Artomyces pyxidatus) – Pilz des Jahres 2015. Diese besonders schöne und ungewöhnliche Pilzart aus der Gruppe der Korallenpilze braucht das Totholz von abgestorbenen Baumstämmen zum Überleben.

Angeli und Catrin

Die Verzweigte Becherkoralle (Artomyces pyxidatus) ähnelt auf den ersten Blick den großen Korallenpilzen der Gattung Ramaria, ist aber mit diesen überhaupt nicht verwandt.
Foto: Angeli Jänichen

 

Die fast senkrecht aufsteigenden Äste der Verzweigten Becherkoralle erweitern sich oben zu einem becherförmig eingeftieften Gipfel. Die jungen Verzweigungen an den Astenden erinnern an kleine Kronen.
Foto: Angeli Jänichen


03.07.2025 – Donnerstag

Start unserer Exkursion an der Kirche in Beidendorf.
Foto: Angeli Jänichen

Heute trafen wir uns – 5 Pilzfreunde der Gemeinnützigen Gesellschaft Wismar e.V. und 1 Gast zu unserer Kartierungsexkursion im 3. Quadranten des Messtischblattes Wismar.

Wir hatten uns im Vorfeld ein kleines uns unbekanntes Waldgebiet nördlich von Beidendorf in Richtung Lutterstorf ausgesucht.

Aufgrund des unbekannten Habitats und der vorausgegangenen Hitzewelle an den beiden Vortagen von über 35 Grad waren unsere Erwartungen bezüglich Frischpilzen gedämpft. Aber es geht bei diesen Exkursionen ja um die Kartierung – also Bestandsaufnahme von zu dem Zeitpunkt vorhandenen und sicher bestimmbaren Pilzen.

Und es gibt neben den Pilzen auch immer andere interessante Dinge in der Natur zu entdecken. So auch heute.

Den vollständigen Bericht findet ihr hier.

Catrin

 

Perlpilz (Amanita rubescens) auf unserer heutigen Kartierungsexkursion.
Foto: Angeli Jänichen


05.07.2025 – Sonnabend

Wie wir hier bereits zeigen konnten, gibt es schon stellenweise Pfifferlinge.

Pfifferlinge gehören zu den Leistlingen – sie haben Leisten anstatt Lamellen. Leisten sind im Gegensatz zu Lamellen direkt mit dem Hutfleisch verwachsen und wirken wie kleine, teilweise verästelte Verdickungen direkt am Hutfleisch.

Dabei gibt es nicht „den“ Pfifferling allgemein – es kommen in Europa 8 verschiedene Arten vor. Zwei dieser Arten habe ich diese Woche gefunden – den Echten Pfifferling und den Blassen Pfifferling.

Sie unterscheiden sich nicht nur durch ihr Aussehen – sie sind auch in verschiedenen Habitaten zu finden.

Die bei uns in M/V am häufigsten vertretenen Echten Pfifferlinge (Cantharellus cibarius) am Standort unter Eichen. Er ist in sandigen nährstoffarmen Laub- und Nadelwäldern zu finden.
Foto: Catrin Berseck

 

Dickfleischige Blasse Pfifferlinge (Cantharellus pallens) am Standort unter Rotbuchen. Sein anderer Name Blasser Laubwaldpfifferling verweist auf seinen Standort – dem Laubwald auf besseren Böden mit einem gewissen Kalkanteil – wo er gerne unter Eichen und Rotbuchen wächst.
Foto: Catrin Berseck

 

Auch dieser Echte Pfifferling hat mal wieder eine Bildungsabweichung – eine sogenannte morchelloide Prolifikation – exzessive Bildung von Hymenophoren (Lamellen, Röhren, Stacheln, Leisten, etc.). Es bilden sich auf dem Hutscheitel Leisten, die eine gekräuselte Struktur ähnlich einer Morchel haben.
Foto: Catrin Berseck


06.07.2025 – Sonntag

Eine bunte und farbenfrohe sommerliche Mischung von Speisepilzen durfte heute mit.
Foto: Hanjo Herbort

Heute drehte ich wieder meine Sonntagsrunde durch meinen Hauswald.

Viel Hoffnung hatte ich nicht und anfänglich war auch kaum etwas Nennenswertes zu finden. Dann entschied ich mich, entgegen meiner sonst üblichen Runde an eher lichten und hellen wärmebegünstigten Stellen, mal in die dunkleren Bereiche mit Mischbestand zu gehen.

Und siehe da – plötzlich fand ich sie – die Pilzoasen. Hier und da eingestreut – verschiedene Täublinge, wie Frauentäublinge, Papageientäublinge, Violettstielige Pfirsichtäublinge und Netzstielige bzw. Morgenrottäublinge. Dazu noch Rotfußröhrlinge und Gold- bzw. Lärchenröhrlinge. Aber auch giftige Dickschalige Kartoffelboviste waren schon da.

Es wurde so noch ein erfolgreicher Nachmittag mit einigen schönen Funden.

Hanjo

 

2 Gold- bzw. Lärchenröhrlinge (Suillus grevillei) – eingerahmt von 2 jungen Violettstieligen Pfirsichtäublingen (Russula violeipes).
Foto: Hanjo Herbort

 

Die Huthaut des Violettstieligen Pfirsichtäublings ist samtig wie die eines Pfirsichs und gelb bis violett gefärbt. Auch sein Stiel ist – zumindest oft im Alter – violett überlaufen.
Foto: Hanjo Herbort

 

Junge Netzflockige Rosa-Täublinge (Russula aurora).
Foto: Hanjo Herbort

 

Nicht näher bestimmte Rotfußröhrlinge mit eingerissener Huthaut.
Foto: Hanjo Herbort

 

Giftige Dickschalige Kartoffelboviste (Scleroderma citrinum) auf morschem Holz. Die Hülle (Peridie) ist 2–3 mm dick und hart, die Oberfläche ist felderig oder rissig-schuppig. Das innere Fleisch (Gleba) ist nur jung leicht gelblich, wird aber schnell bräunlich bis schwärzlich und ist mit feinen weißlichen Adern durchzogen.
Foto: Hanjo Herbort


07.07.2025 – Montag

Da ist er – der erste Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) der Saison. Hier sehen wir trotz der Erde die knollig verdickte Basis und Teile der aufrecht abstehenden häutigen Volva.
Foto: Catrin Berseck

Nicht nur Hanjo war am Sonntag unterwegs – ich auch. Allerdings nicht im kalkhaltigen Buchenwald, sondern in meinem Lieblingspark auf sandigem Boden.

Vor einer Woche war dort bis auf eine handvoll Pfifferlinge noch überhaupt nichts von Pilzen zu sehen. Dementsprechend waren meine Erwartungen auch nicht so hoch.

Jedoch gleich am Parkplatz freute ich mich, den ersten Grünen Knollenblätterpilz der Saison zu sehen! Es ist zwar ein tödlich giftiger – aber trotzdem sehr schöner Pilz, den jeder Speisepilzsammler in allen Formen, Farben und Altersstadien unbedingt erkennen sollte.

Auf dem weiteren Weg durch den Park überraschten mich dann auch noch schöne frische Perlpilze und Fleischrote Speise-Täublinge

Die größeren Niederschlagsmengen vom 23.06.2025 scheinen jetzt  so langsam Wirkung beim Pilzwachstum zu zeigen. Es sind ja auch immerhin 14 Tage seit dem vergangen…

Catrin

Diesen tödlich giftigen Vertreter der Wulstlinge sollte jeder Speisepilzsammler kennen. Sein Hut ist nicht immer grün gefärbt – im Alter oder bei starker Sonneneinstrahlung oder Trockenheit bleicht er auch aus.
Foto: Catrin Berseck

 

Hier essbare Vertreter der Wulstlinge – junge Perlpilze (Amanita rubescens) mit ihrer rübenartigen Knolle und Rottönen.
Foto: Catrin Berseck

 

Für die Pfanne gab es dann auch noch Fleischrote Speise-Täublinge (Russula vesca).
Foto: Catrin Berseck


08.07.2025 – Dienstag

Netzstieliger Hexen-Röhrling (Suillellus luridus) mit einem lederfarbenen braunen Hut und einem ausgeprägten Stielnetz mitten auf einem Waldweg.
Foto: Catrin Berseck

Bei mir zu Hause wachsen wie jedes Jahr unter ganz alten Eichen gerade die Netzstieligen Hexenröhrlinge (Suillellus luridus). Bestimmt 20 Stück unter einem Baum. Da die sowieso fast immer vermadet sind, kommen sie für mich als Speisepilze nicht in Frage. Ich lasse sie wachsen bzw. den Schnecken als Futter und beobachte sie täglich.

Auch an anderen Stellen, z.B. in meinem Hauswald auf den Waldwegen sowie unter Linden in Parkanlagen finde ich jetzt fast täglich welche. Es ist schon erstaunlich, welche Färbung die Hüte je nach Standort entwickeln können und wie unterschiedlich das Stielnetz teilweise entwickelt ist.

Die Hüte können hellbraun, dunkelbraun, lederfarben, graubraun oder oliv sein. Die Stiele haben eine rötliche, rotbraune oder dunkelbraune Netzzeichnung auf gelblichem Grund, oft sind sie auch komplett rötlich überhaucht.

Catrin

Aber außer dem hier noch nicht zu sehendem Stielnetz es gibt noch andere bestimmungsrelevante Merkmale. Der samtige Hut mit seinen Olivtönen, die orangefarbenen bis rötlichen Röhren und das starke Blauen auf Hut und Stiel an Druckstellen.
Foto: Catrin Berseck

 

Hier mal ein Exemplar mit einer ganz anderen Hutfarbe und stärkerem Blauen an Druckstellen in einem Park.
Foto: Catrin Berseck

 

Hier sehen wir eine Gruppe junger Netzstieliger Hexenröhrlinge, bei denen das Stielnetz noch nicht zu sehen ist.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Netzstieliegen Hexenröhrlinge 2 Tage später – jetzt ist das Stielnetz bereits leicht zu sehen.
Foto: Catrin Berseck


09.07.2025 – Mittwoch

Die ersten Milchlinge in dieser Saison. Pfeffer-Milchlinge.
Foto: Catrin Berseck

In unseren besseren Buchenwäldern finden wir derzeit die eigentlich nicht so häufig vorkommenden Pfeffer-Milchlinge. 

Es gibt davon 2 verschiedenene – den Langstieligen Pfeffer-Milchling (Lactifluus piperatus) und den sehr ähnlichen Grünenden Pfeffer-Milchling (Lactifluus glaucescens). Sie unterscheiden sich nur mikroskopisch durch die Dicke der Huthaut.

Da ich meine gefundenen Exemplare bisher noch nicht mikroskopiert habe, belassen wir es einfach mal beim Pfeffer-Milchling.

Was aber beide Pfeffer-Milchlinge gemeinsam haben – die extrem scharfe pfeffrige Milch.

Der Milchling gilt als Speisepilz – kann aber wegen seiner außerordentlichen Schärfe kaum verzehrt werden. Von manchen Pilzsammlern wird er jedoch getrocknet als Würzpilz oder gut gegrillt oder scharf gebraten gegessen.

Catrin

Die sehr dicht stehenden Lamellen sind am Stiel angewachsen und laufen dann leicht daran herab. Sie sind sehr schmal (oft nur 1,5 mm breit) und weisen einige gleichmäßig verteilte Gabelungen auf. Sie sind weißlich bis cremefarben und später blass fleischfarben oder haben einen cremeorangen Schimmer. Hier sehen wir auch die pfeffrig extrem scharfe austretende Milch.
Foto: Catrin Berseck


10.07.2025 – Donnerstag

Die ersten Riesenporlinge (Meripilus giganteus) der Saison an einem Buchenstubben.
Foto: Hanjo Herbort

Ein kurzer Ausflug nach einem anstrengenden Tag im Büro sollte heute ein Bild von „meiner Seite“ des mit Catrin geteilten Rühner Forstes geben.

So klapperte ich einige Stellen für Flockenstielige Hexenröhrlinge ab, aber es war wie leer gefegt am Waldboden. Nicht ein Fruchtkörper zu sehen.

Da ich nicht so viel Zeit hatte, ging ich den Rückweg auf der Forststraße zurück und fand so am Rand in einer Senke den ersten Riesenporling (Meripilus giganteus) der Saison.

Da er noch jung und an den Rändern sehr weich war, wurde er heute einer Verkostung unterzogen (das hatte ich schon lange mal vor) und gebraten auf Toast verspeist. Ausgesprochen delikat wie ich fand. Die dunkle Verfärbung in der Pfanne tat dem keinen Abbruch.

Nun hoffen wir mal, dass die ausgiebigen Niederschläge der letzten zwei Tage Wirkung zeigen mögen – mein Messbecher zeigte insgesamt 28 Liter auf den Quadratmeter.

Hanjo

 

Hier die noch sehr kleinen Riesenporlinge am Standort.
Foto: Hanjo Herbort

 

Die Riesenporlinge verfärben sich an Druckstellen und beim Braten schwarz. Dennoch ist er ganz jung ein sehr guter Speisepilz, der oftmals unterschätzt wird.
Foto: Hanjo Herbort


11.07.2025 – Freitag

Wettervorhersage für Schwerin am Sonnabend 12.07.2025.
Quelle: Kachelmannwetter

Da morgen unsere Naturexkursion auf Kaninchenwerder statt findet, musste ich mich heute mal etwas ausführlicher mit dem Wetter beschäftigen. Die Fähre fährt bekanntlich bei schlechten Wetterbedingungen nicht… Aber es sieht gut aus – die angekündigten Regengebiete sollten bis 11 Uhr in Schwerin durchgezogen sein.

Verschiedene Kanäle sagen für die nächsten Tage Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad voraus sowie weiterhin stellenweise Gewitter und Regen.

Am Rande eines umfangreichen Tiefdruckkomplexes über Polen wird feuchte und mäßig warme Luft nach Mecklenburg-Vorpommern geführt. Auf dem Weg nach Westen erreicht das Tief am Wochenende Nordostdeutschland und sorgt für wechselhaftes und regenreiches Wetter.

Das wären ideale Bedingungen wir das Pilzwachstum. Lassen wir uns einfach überraschen.

Catrin

 

Wettervorhersage für Schwerin für die nächsten 10 Tage.
Quelle: Deutscher Wetterdienst


12.07.2025 – Sonnabend

Aussichtsturm auf Kaninchenwerder.
Foto: Jürgen Samland

Heute trafen wir uns zur unserer Naturexkursion in Schwerin-Zippendorf. Es ging mit der Fähre auf die Insel Kaninchenwerder. Für die meisten Teilnehmer der erste Besuch dieser wunderschönen Insel im Schweriner See.

Unser Rundgang begann am Anleger auf der Insel in östliche Richtung. Vorbei an der Streuobstwiese betraten wir den Wald und gingen einen Wanderweg in Richtung Aussichtsturm.

Die Insel war nicht immer bewaldet, da hier bis 1831 eine Ziegelei betrieben wurde und das Holz dafür genutzt wurde. Erst nach Ende der Ziegel-Produktion konnte sich die Insel langsam wiederbewalden.

Zurück ging es dann am westlichen Ufer durch die wunderschöne Landschaft.

Es war dieses mal keine reine Pilzexkursion geplant – es war eine Naturexkursion. Die Falter zeigten sich zwar wegen des leicht diesigen und regnerischen Wetters nicht. Aber es gab genug Bäume, Pflanzen und natürlich auch Pilze in dieser schönen Landschaft zu entdecken.

Da Torsten Richter mal wieder mit von der Partie war, konnten wir auch einige seltene Ascomyceten und kleine Tintlinge für unsere Kartierung aufnehmen. Wir haben Torstens Ascomyceten auf Kaninchenwerder dieses mal einen eigenen Beitrag gewidnet.

Den ausführlichen Bericht inklusive der gefundenen Pilzarten findet ihr hier.

 

Blick bei der Überfahrt mit der Fähre nach Kaninchenwerder auf das Schweriner Schloss.
Foto: Christopher Engelhardt


13.07.2025 – Sonntag

Wolliger Scheidling (Volvariella bombycina) an einem Buchenstubben.
Foto: Catrin Berseck

Am Freitag nach der Arbeit habe ich noch mal kurz bei Hanjo im Rühner Forst vorbei geschaut. Außer ein paar überständige Flockenstielige Hexenröhrlinge am Wegrand – die scheinbar Hanjos Augen vorher entgangen waren – habe ich auf der kurzen Runde tatsächlich keine weiteren Pilze entdecken können.

Auf dem Rückweg nach Hause fuhr ich in Rühn durch den Rühner Laden, wo der Tornado in Bützow vor 10 Jahren gewütet hatte und viele der alten Buchen zu Fall gebracht hat. Da es sich dort um ein Landschaftsschutzgebiet handelt, bleiben sie dort als Totholz liegen und sind auch Nährboden für viele Pilze.

Ich habe mich gefreut, den seltenen Wolligen Scheidling (Volvariella bombycina) dort zu finden.

Er gehört zur Familie der Dachpilzverwandten und hat wie diese auch rosa Lamellen – an der Fraßstellen am Hut zu sehen. Namesgebend sind sowohl die große sackartige und häutige Volva (Scheide) und die weiß bis cremefarben feinen, seidigen (wolligen) Faserschüppchen. Er gilt als Speisepilz – sollte aber wegen seiner Seltenheit geschont werden.

Catrin

 

Der Hut des Wolligen Scheidlings mit seinen fein seidigen radial angeordneten Faserschüppchen.
Foto: Catrin Berseck


14.07.2025 – Montag

Lungenseitlinge (Pleurotus pulmonarius) an toten Rotbuchenästen.
Foto: Catrin Berseck

Am Sonnabend bin ich auf dem Rückweg von Schwerin über Crivitz gefahren und habe noch mal im Warnowtal bei Gädebehn bei der Rönkendorfer Mühle einen kleinen Zwischenstopp eingelegt.

An den dortigen Steilhängen liegen viele tote Rotbuchenstämme und -äste. Ich dachte mir, dass es bei diesen Witterungsbedingungen dort bestimmt Lungenseitlinge (Pleurotus pulmonarius) wachsen. Und ich wurde nicht enttäuscht. Es gab sie massenweise in allen Altersstadien – ganz alte Vertrocknete, frische Erntereife und ganz Kleine, die in den nächsten Tagen erntereif werden.

Der Lungenseitling (Pleurotus pulmonarius) ist ein naher Verwandter des Austernseitlings (Pleurotus ostreatus). Er benötigt aber im Gegensatz zum Austernseitling keine niedrigen Temperaturen und kann seine Fruchtkörper bereits im Sommer ausbilden. Der Austernseitling ist für gewöhnlich kräftiger und dickfleischiger und zeigt meist Blautöne in der Huthaut. Lungenseitlinge neigen im Alter auch zum Gilben.

Catrin

 

Lungenseitlinge sind deutlich gestielt und haben dünne, dichtstehende Lamellen, die nicht ganz bis zum Stielgrund herablaufen.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Hüte der Lungenseitlinge müssen nicht immer weiß sein. Auch beige, blass gelbe oder graue Farbtöne sind möglich.
Foto: Catrin Berseck


15.07.2025 – Dienstag

Schöne große Echte Pfifferlinge (Cantharellus cibarius) gab es heute im Buchenlaub.
Foto: Catrin Berseck

Heute führte mich mein Feierabendspaziergang mal nach Bützow in einen sandigen Mischwald. Nachdem ich dort die letzten Wochen nicht einen einzigen Pilz zu Gesicht bekommen hatte, habe ich mal meine Pfifferlingsstelle unter Birken aufgesucht. Außer ein paar Rotbraunen Scheidenstreiflingen zeigte sich dort immer noch nichts.

Ich wollte nach 10 Minuten wieder kehrt machen – habe aber dann beschlossen, wenigstens noch dem nahegelegenen Altbuchenbereich, der mit ein paar Nadelbäumen durchmischt ist, einen Besuch abzustatten.

Und da waren sie dann in größerer Anzahl und stattlicher Größe – die Pfifferlinge – gut getarnt im Buchenlaub. Dazu zeigten sich noch ein paar andere Pilze, so dass wir davon ausgehen können, dass die Niederschläge in der letzten Zeit endlich mal zu einem Wachstumsschub führen.

Catrin

 

Echte Pfifferlinge am Standort.
Foto: Catrin Berseck

 

Rotbraune Scheidenstreiflinge (Amanita fulva) in verschiedenen Altersstadien. Der Name leitet sich aus den sackartigen Resten der häutigen Gesamthülle „Scheide“, die den ganz jungen Pilz komplett umhüllt (linkes Exemplar) sowie der kammartigen Riefung des Hutrandes „Streifen“ her.
Foto: Catrin Berseck

 

Gemeiner Gallenröhrling (Tylopilus felleus) – auch Bitterling genannt. Der wissenschaftliche Artname „felleus“ bedeutet „gallenbitter“. Tatsächlich kann ein einziger, irrtümlich für einen Steinpilz gehaltener Fruchtkörper ein ganzes Pilzgericht ungenießbar machen.
Foto: Catrin Berseck

 

Grünblättrige Schwefelköpfe (Hypholoma fasciculare) an einem Baumstubben. Der lateinische Name fascicularis beschreibt die Wuchsform und bedeutet „büschelig“.
Foto: Catrin Berseck

 

Reihig wachsende, muschelförmige und striegelig behaarte Pseudohütchen charakterisieren den Striegeligen Schichtpilz (Stereum hirsutum).
Foto: Catrin Berseck

 

Gelbe Lohblüte oder Hexenbutter (Fuligo septica) auf einer Buchenfruchtschale.
Foto: Catrin Berseck


16.07.2025 – Mittwoch

Wallensteingraben an der Brusenbecker Mühle.
Foto: Christian Boss

Heute stand mal wieder eine Kartierungsexkursion auf dem Plan – der letzte Quadrant des MTB 2134 Wismar. In dem Kartierungsgebiet befindet sich unter anderem der Moidentiner Forst – der schon sehr oft von uns aufgesucht wurde. Wir suchten deswegen ein uns unbekanntes Gebiet aus und trafen uns an der Brusenbecker Mühle nordöstlich von Moidentin.

Dazu an dieser Stelle erst mal nur ein Kommentar von Chris: „Das war eine wunderbare Wanderung heute. Was für traumhafte Plätze, superschöne Aussichten auf den Wallensteingraben, ein naturnaher Wald und ein Rundweg von genau richtiger Länge.“

Und wir konnten auch tatsächlich fast 40 Pilzarten für unsere Kartierung aufnehmen. Dazu gab es gratis mal wieder von unseren vielseitig interessierten Naturfreunden Wissen über Insekten, Pflanzen und Bäume. Auch den Eisvogel konnten wir sehen – aber leider nicht im Foto festhalten.

Den ausführlichen Beitrag findet ihr hier.

Catrin

 

Blutmilchpilze (Lycogala epidendrum) in verschiedenen Altersstadien.
Foto: Christopher Engelhardt


17.07.2025 – Donnerstag

Der erste Samtfußkrempling (Tapinella atrotomentosa) der Saison.
Foto: Catrin Berseck

Am Dienstag hatte ich nachmittags noch etwas in der Nähe von Güstrow zu tun. Das habe ich auf dem Heimweg ausgenutzt, um der Schwinzer Heide südlich des Krakower Sees noch einen kurzen Besuch abzustatten.

Es befinden sich hier überwiegend Kiefernwälder auf sandigen Böden. Besonders im Herbst ein Paradies für Pilzsammler. Aber bei günstigen Witterungsverhältnissen kann es sich auch im Sommer schon mal lohnen, sich auf die Suche nach Pfifferlingen und Täublingen zu begeben.

Da ich nicht viel Zeit hatte, habe ich nur Halt an einen Jungeichen-Waldstück mit anschließenden Kiefern- und Birkenabschnitten gemacht. Mir kam ein Pilzsammler entgegen, den ich freundlich nach seinen Sammelerfolgen fragte. Es kam nur barsch ein „es lohnt sich nicht“ zurück. Da mich solche Aussagen nicht abschrecken, ging ich dann selber mal kurz nachsehen.

Pfifferlinge auf den freien Moosflächen waren komplett abgeertnet – unter dem Eichenlaub war es anscheinend zu aufwendig, mal nachzusehen, so dass ich dort auch noch fündig wurde. Und Täublinge sind dem normalen Pilzsammler wahrscheinlich kaum bekannt, so dass ich sicherlich mit einem vollerem Korb als der nette Herr nach Hause fuhr.

Aber es zeigten sich auch bereits andere Arten, die nun deutlich den Wachstumsschub nach den Niederschlägen der letzten Tage anzeigen.

Catrin

Echte Pfifferlinge (Cantharellus cibarius) in der Schwinzer Heide.
Foto: Catrin Berseck

 

Verschiedene essbare Täublinge. Gelber Graustiel-Täubling (Russula claroflava), 2 Fleischrote Speise-Täublinge (Russula vesca) in verschieden Farbtönen und unten der Orangerote Graustieltäubling (Russula decolorans).
Foto: Catrin Berseck

 

Und auch die ersten beiden Maronen-Röhrlinge (Imleria badia) waren am Start.
Foto: Catrin Berseck

 

Narzissengelber Wulstling (Amanita gemmata) in der Schwinzer Heide.
Foto: Catrin Berseck


18.07.2024 – Freitag

Treffender geht es nicht – das Motto zu Beginn unserer heutigen privaten Wanderung in Glave.
Foto: Corina Peronne

Heute habe ich mich nachmittags zu einer privaten Wanderung mit Corina aus der Nähe von Waren-Müritz und Jens aus Berlin getroffen. Jens macht hier gerade einen Wochenendurlaub und hat sich auch für morgen zu unserer öffentlichen Wanderung angemeldet.

Corina, Hanjo und ich treffen uns ab und zu mal aufgrund der weiten Entfernung in der Mitte – der Schwinzer Heide. So auch heute – nur konnte Hanjo heute leider nicht mitkommen.

Es war heute vorwiegend geplant, Speisepilze zu sammeln. Natürlich haben wir auch nach anderen Pilzen Ausschau gehalten und uns über die wachsende Artenvielfalt wahnsinnig gefreut.

Nach dem Motto: „Wad geht ab“ findet ihr den Beitrag hier.

Falls ihr auch etwas mehr über Pilze lernen wollt, könnt ihr auch gerne bei uns eine private Wanderung buchen oder eine Solche als Gutschein verschenken. Sprecht uns einfach an.

Catrin

 

Die heutige Ausbeute von Jens…
Foto: Catrin Berseck

 

…und auch Corina kann morgen ihrer Familie Pilze zum Mittagessen servieren.
Foto: Catrin Berseck


19.07.2025 – Sonnabend

Das Foto der Terminankündigung: Große und kräftige Pfifferlinge (Cantharellus cibarius) von einer Wanderung mit Reinhold 2019 im ehemaligen Staatsforst Turloff.

Heute stand eine Öffentliche Wanderung auf dem Plan. Ausgesucht hatte ich im Vorfeld in der Nähe von Dabel den ehemaligen Staatsforst Turloff – ein ähnliches Gebiet auf sandigem Boden, wie gestern in der Schwinzer Heide.

Die Terminankündigung erfolgte mit einem Foto von wunderschönen Pfifferlingen einer früheren Wanderung von Reinhold in diesem Gebiet. 

Jens aus Berlin, der sein Wochenende bei uns im schönen Mecklenburg verbringt und Katarina von unseren Pilzfreunden trafen sich mit mir am vereinbarten Ort. Beide hofften, dass sie außer neuem Wissen über Pilze auch Pfifferlinge mit nach Hause nehmen können… Und ich denke mal, bei Beiden wurden die Erwartungen diesbezüglich mehr als übertroffen.

Wir haben tatsächlich so viele Pfifferlinge gefunden, dass wir 3 reichlich einsammeln konnten und uns auf dem Rückweg noch nicht mal mehr nach ihnen umgesehen haben.

Den vollständigen Bericht findet ihr hier.


20.07.2025 – Sonntag

Echte Pfifferlinge (Cantharellus cibarius) in der Levitz-Region bei Banzkow.
Foto: Dirk Fuhrmann

Auch wir waren am Sonnabend unterwegs – hauptsächlich zur Beerenernte.

In den Wäldern bei Banzkow finden sich ausgesprochen viele Heidelbeerbüsche. Und obwohl es noch recht früh im Jahr ist, sind die Heidelbeeren schon reif – etliche zerplatzten schon beim Pflücken zwischen den Fingern. Die Ernte der kleinen Beeren ist etwas mühselig, aber die Arbeit lohnt sich allemal!

Und wenn man schon mal da ist, kann man auch noch gleich von den Waldhimbeeren naschen, auch die sind jetzt reif und lecker. Leider auch ziemlich klein…

Neben Beeren haben die Wälder dort aber natürlich auch Pilze zu bieten. Es ist Pfifferlingszeit! Außer den Pfifferlingen zeigten sich auch viele andere Pilze, z.B. Waldfreund-Rüblinge und Rotbraune Scheidenstreiflinge, am Wegesrand standen ein paar Behangene Faserlinge.

Martina und Dirk

 

Heidelbeeren wachsen als Halbschattenpflanze in arten- und nährstoffarmen bodensauren frischen Laub- und Nadelwäldern.
Foto: Dirk Fuhrmann

 

Waldhimbeere, die Wildform der Kulturhimbeere, ist kleinfruchtig, steht aber im Geschmack keinesfalls nach. Sie gilt als Waldpionier, der gern Kahlflächen in Beschlag nimmt.
Foto: Dirk Fuhrmann

 

Junge Behangene Faserlinge (Psathyrella candolleana). Charakteristisch ist bei diesem Pilz aus der Familie der Mürblingsverwandten der Saum aus weißen Velumresten auf den Hüten junger Exemplare.
Foto: Dirk Fuhrmann


21.07.2025 – Montag

Der wichtigste Anzeigerpilz für Steinpilze und Hexenröhrlinge: Mehl-Räsling oder Mehlpilz (Clitopilus prunulus).
Foto: Catrin Berseck

Letzte Woche habe ich die ersten Mehl-Räslinge an verschiedenen Stellen gefunden und mich gefreut.

Ich habe bei Reinhold das meiste Wissen über Pilze erworben. Als ich auf einer Wanderung das erste mal Mehl-Räslinge gefunden habe, sagte Reinhold zu mir: „Das ist der wichtigste Pilz, den du dir unbedingt einprägen solltest“.

Also habe ich mir Folgendes gemerkt:

* Die Mehl-Räslinge wachsen einzeln oder in kleinen Gruppen
* Sie haben einen breiten, dickfleischigen gewölbten und welligen Hut mit einem eingerollten Rand und einem breiten Buckel
* Die Oberfläche ist weißlich bis blassgrau-beige oder gelblich-cremefarbene fein bereift, bei Nässe klebrig oder schmierig
* Die Lamellen sind gedrängt stehend und am Stiel herablaufend – jung weiß und später rosa gefärbt
* Er riecht und schmeckt mehl- oder gurkenartig

 

Nachdem ich mir damals den Pilz angesehen hatte und Reinhold ihn mehr genau erklärte, rief er „Steinpilzalarm“ aus. Und genauso kam es… Nachlesen könnt ihr das im Tagebuch August 2022 am 28.08.2022 ff.

Warum? Der Mehl-Räsling ist neben dem Pfefferröhrling und dem Fliegenpilz der beste Steinpilz-Anzeiger. Diese Arten haben ähnliche Ansprüche an ihren Lebensraum, so kann das Vorkommen eines Pilzes auch auf das Vorhandensein des anderen hinweisen. Man kann also den Mehl-Räsling als „Steinpilz-Anzeiger“ betrachten und umgekehrt.

So war es auch nicht verwunderlich, dass ich heute in der Nähe einer Stelle der Mehl-Räslinge von letzter Woche Steinpilze gefunden habe…

Catrin

 

Sommersteinpilze (Boletus reticulatus) heute am Standort der letzte Woche gefundenen Mehlräslinge unter Eichen.
Foto: Catrin Berseck

 

Sommersteinpilze (Boletus reticulatus) von Phillip toll in Szene gesetzt.
Die Huthaut ist feinfilzig bis körnig und variiert farblich in verschiedenen helleren Brauntönen bis nussbraun. Der Stiel ist mit einem Netz von gestreckten Maschen aus erhabenen, hellen, weißlichen Adern gekennzeichnet, das sich nicht selten über den ganzen Stiel erstreckt.
Foto: Phillip Buchfink


22.07.2023 – Dienstag

Mehl-Räslinge (Clitopilus prunulus) am 17.07.2025 auf einem kleinen Dorfplatz.
Foto: Catrin Berseck

Bleiben wir noch bei den Mehl-Räslingen – die nicht nur Anzeiger-Pilz für Steinpilze, sondern auch für Hexenröhrlinge und Wurzelnde Bitterröhrlinge sein können.

Am 17.07.2025 habe ich auf einem ganz kleinen Dorfplatz ebenfalls Mehl-Räslinge gesehen. Nach dem gestrigen Fund der Sommersteinpilze in meiner Mittagspause am Standort der Mehl-Räslinge war dies gestern nach Feierabend Grund genug für mich, diesen weiteren Standort ebenfalls noch mal aufzusuchen.

Schon aus dem Auto sah ich die Bescherung – auf einem kleinen Areal von max. 10 x 10 m drängten sich Massen an Netzstieligen Hexen-Röhrlingen (Suillellus luridus) in allen Größen, Formen und Farben unter einer jungen Eiche.

Also liebe Speisepilzsammler – haltet ebenfalls nach Mehl-Räslingen Ausschau und merkt euch die Stellen!

Catrin

 

Man konnte kaum treten, so viele Netzstielige Hexen-Röhrlinge waren auf dem kleinen Dorfplatz innerhalb von 4 Tagen gewachsen.
Foto: Catrin Berseck

 

Gedrängt stehende Netzstielige Hexen-Röhrlinge (Suillellus luridus) gestern am Standort im Regen.
Foto: Catrin Berseck


23.07.2025 – Mittwoch

Junger Wolliger Scheidling (Volvariella bombycina) heute an einem seltenen Eschen-Ahorn bzw. Eschenblättrigen Ahorn (Acer negundo).
Foto: Catrin Berseck

Heute möchte ich mal einen besonders schönen Pilz zeigen und genau vorstellen – den Wolligen Scheidling (Volvariella bombycina). Phillip und ich haben ihn gerade unabhängig voneinander an verschiedenen Standorten gefunden.

Scheidlinge gehören zu den Dachpilzverwandten (Familie Pluteaceae mit den Gattungen Pluteus und Volvariella). Im Gegensatz zu den Dachpilzen (Pluteus) haben die Scheidlinge (Volvariella) eine sackartige häutige Scheide am Stielgrund.

Der weiße mit weißwolligen Fasern dicht bedeckte Hut ist erst eiförmig und dann kegelig – der Hutrand überstehend. Die erst weißen und dann aufgrund des rosafarbenen Sporenpulvers später rosa gefärbten Lamellen sind gedrängt stehend. Der weiße unberingte Stiel entspringt einer oft tief im Substrat steckenden außen braunwolligen, lappigen Basalknolle. Geruch und Geschmack sind rettichartig.

Der Wollige Scheidling (Volvariella bombycina) ist ein essbarer Pilz, wird aber aufgrund seiner Seltenheit als nicht empfehlenswert zum Verzehr eingestuft. Manchmal sollte man sich auch einfach nur an einem schönen Pilz erfreuen und ihn in der Natur belassen.

Catrin

 

So sah er Wollige Scheidling 1 Tag vorher noch aus – ein „Ei“.
Foto: Catrin Berseck

 

Gleich drei wunderschöne Wollige Scheidlinge (Volvariella bombycina) nebeneinander wieder mal von Phillip perfekt in Szene gesetzt.
Foto: Phillip Buchfink


24.07.2025 – Donnerstag

Netzstielige Hexen-Röhrlinge (Suillellus luridus) findet man unter Laubbäumen – nach meiner Erfahrung vorwiegend unter Linden – aber auch Eichen und Buchen. Sie sind kalkliebend und daher auf trockenen, lehmigen und basischen Böden häufig zu finden.
Foto: Catrin Berseck

Wir wollen euch ja hier auf dieser „Tagebuchseite“ nicht nur Pilze näher vorstellen, sondern auch darüber berichten, was gerade so in Mecklenburg wächst. Das ist regional natürlich unterschiedlich. Es kommt immer darauf an, wie viele Niederschläge es in den einzelnen Regionen gab und welche Bodenverhältnisse vorherrschend sind.

Das es in den sauren Laub- und Kiefernwäldern derzeit Pfifferlinge und Speisetäublinge gibt, sollte der fleißige Tagebuchleser und Speisepilzsammler mittlerweile schon mitbekommen haben. Aber auch die Körnchen-Röhrlinge sind seit dieser Woche zu finden.

Auch Parkanlagen – vor allem mit alten Eichen, Linden und Buchen – sind derzeit ein lohnendes Habitat. Ich habe dort die letzten Tage extrem viele Netzstielige Hexenröhrlinge finden können und vereinzelt sind auch die Sommersteinpilze bereits wieder am Start. Flockenstielige Hexenröhrlinge sollte es dort auch bald wieder geben – kleine Exemplare habe ich bereits gesichtet.

Auch auf Rasenflächen, Wiesen und Weiden tut sich mittlerweile so einiges. Allen voran die Nelkenschwindlinge, die nach dem Regen der letzten Tage jetzt ihren großen Auftritt haben. Vereinzelt gibt es auch bereits schon verschiedene Champignon-Arten und Riesenschirmlinge.

Hanjo und ich haben festgestellt, dass es nur im kalkhaltigen Buchenwald derzeit noch etwas mau aussieht – das wird sich aber hoffentlich in den nächsten Tagen nach den ergiebigen Niederschlägen ändern.

Catrin

Körnchen-Röhrlinge (Suillus granulatus) wachsen auf kalkhaltigem Boden unter Kiefern. Am 17.07.2025 am Standort fotografiert.
Foto: Catrin Berseck

 

Die gelblich-weiße Oberfläche des Stiels des Körnchen-Röhrlings ist mit den namensgebenden gleichfarbigen Körnchen besetzt. Die Röhren sind jung zitronengelb und milchig tropfend und werden im Alter ockergelb.
Foto: Catrin Berseck

 

Auch die Wurzelnden Bitter-Röhrlinge (Caloboletus radicans) sind derzeit u.a. in Parkanlagen meist bei Eichen, Linden, Buchen auf kalkreichem Boden zu finden.
Foto: Catrin Berseck

 

Im Vergleich: Links Fahler Röhrling (Hemileccinum impolitum) – rechts Wurzelnder Bitter-Röhrling (Caloboletus radicans) am 22.07.2025 am Standort. Beide Pilze sind relativ selten.
Foto: Catrin Berseck

 

Frische Nelken-Schwindlinge (Marasmius oreades) finden wir derzeit nach den Regenfällen wieder auf Wiesen, Weiden, auf Rasenflächen in Gärten und Parks sowie in grasigen Wäldern. 22.07.2025 am Standort.
Foto: Catrin Berseck

 

Wie alle Schwindlinge verfügt er über die Fähigkeit, gänzlich ausgetrocknet wieder aufzuleben und weiterzuwachsen. Dafür benötigt er lediglich Regen. Hier sehen wir alte Exemplare der Nelkenschwindlinge – zu erkennen am gerieften Hutrand und dem glasigen Aussehen. Solche Exemplare sollten nicht mehr zu Speisezwecken gesammelt werden.
Foto: Catrin Berseck


25.07.2025 – Freitag

Und da ist er wieder – der relativ selten zu findende Kornblumen-Röhrling (Gyroporus cyanescens).
Foto: Corina Peronne

Heute trafen Corina und ich uns am späten Nachmittag erneut in der Schwinzer Heide – Jens kam etwas später dazu.

Wir wollten mal nachsehen, was sich innerhalb einer Woche so getan hat. Dabei konnten wir feststellen, dass die Artenvielfalt der Pilze in den sauren sandigen Nadel- und Laubwäldern so langsam zu nimmt.

Jens ging es – wie letzte Woche auch – hauptsächlich darum, seine Artenkenntnis zu erweitern. Aus diesem Grund kommt er auch morgen zu unserer Kartierungsexkursion nach Kühlungsborn mit.

Corina und ich hatten bereits von zu Hause einige Pilze mitgebracht und zeigten und erklärten ihm diese. Mit den heute gefundenen Pilzen hoffen wir, dass er wieder einiges dazu lernen konnte. Eine kleine Auswahl zeigen wir euch hier.

Catrin und Corina

 

Der Kornblumen-Röhrling kommt auf sandigen Böden in Laub- und Nadelwäldern, besonders bei Birken, Buchen und Eichen vor. Man findet ihn meist auf oder unmittelbar an den Waldwegen.
Foto: Corina Peronne

 

Apfel-Täubling (Russula paludosa). Junge Exemplare sehen mit ihrer lebhaft roten und gelbroten Färbung wie Äpfel aus. Der weiße Stiel ist oft rötlich überhaucht und wird im Alter markig-hohl.
Foto: Corina Peronne

 

Nicht selten kommt am gleichen Standort wie der Apfeltäubling auch der Orangerote Graustiel-Täubling (Russula decolorans) vor. Besonders rotgefärbte Exemplare können mit dieser Art verwechselt werden. Das Fleisch und der Stiel von älteren Fruchtkörpern graut oder schwärzt, sodass die beiden Arten leicht unterschieden werden können. Außerdem fehlt dem Graustiel-Täubling die rote Tönung des Stieles.
Foto: Catrin Berseck

 

Der Gelbe Graustiel-Täubling (Russula claroflava) gilt in Norddeutschland als Charakterart des Birkenbruchs.
Foto: Catrin Berseck

 

Der Schwarzschneidige Dachpilz (Pluteus nigrofloccosus) mit der charakteristisch dunklen Lamellenschneide wächst ausschließlich auf Kiefern oder Fichten.
Foto: Catrin Berseck

 

Etwas durfte auch wieder für ein Pilzgericht mit nach Hause.
Foto: Corina Peronne


26.07.2025 – Sonnabend

Mit dem Wetter hatten wir heute in Kühlungsborn Glück. Der Stein blieb trocken und warf zwischen der leichten Bewölkung auch mal Schatten.
Foto: Catrin Berseck

Heute waren trafen sich 5 Pilzfreunde unseres Vereins zur Kartierung im MTB 1836 Kühlungsborn im gleichnamigen Ort. Da der größte Teil dieses Messtischblattes in der Ostsee liegt, stand uns nur der nördliche Teil des Kühlungsborner Stadtwaldes zu Verfügung. Wir hatten daher beschlossen, eine Ganztagsexkursion zu machen und gleich die ersten beiden Quadranten an einem Tag abzuarbeiten.

Auf dem Weg vom Parkplatz in den Stadtwald außerhalb unseres Karteierungsgebietes fanden wir einige Kleinpilze, wie Nelkenschwindlinge, Tintlinge, Faserlinge, Ackerlinge und Samthäubchen. Pilzarten, die wir nach den vergangenen Regenfällen jetzt überall auf Wiesen und an Wegrändern antreffen.

Im Stadtwald selber hielt sich das Vorkommen an Frischpilzen noch auffällig zurück. Nur hier und dort war vereinzelt mal ein Exemplar zu finden. Als Massenpilz waren dort allerdings die Samtfußkremplinge vertreten. Aber auch ein paar Täublinge, Perlpilze und ein älteres Exemplar eines Gemeinen Steinpilzes konnten wir im Buchenwaldabschnitt finden.

Den kompletten Bericht inkl. der schönsten Fotos findet ihr hier.

Catrin

 

Junge stärker gilbende Champignons aus der Sektion Arvensis. Das sind die nach Anis, Bittermandel oder Weihnachtsplätzchen riechenden Champignons. So jung nicht eindeutig bestimmbar – es könnte sich um den Schiefknolligen Anisegerling (Agaricus essettei) handeln.
Foto: Catrin Berseck


Sonntag, 27.07.2025

Wunderschöner junger Hainbuchen-Raufuß (Leccinum pseudoscabrum).
Foto: Catrin Berseck

Nachdem ich die letzten Tage fast nur in Parkanlagen oder sauren Nadelwäldern unterwegs war, habe ich heute mal eine kurze Stippvisite in meinem kalkhaltigen Buchenwald gemacht.

Wie bereits vermutet – dort herrscht noch immer Ruhe vor dem Sturm. Ganz wenige Täublinge waren zu sehen – nur eine Stelle war reichlich mit Hainbuchen-Raufußröhrlingen besetzt. Ansonsten gähnende Leere – nur massenweise Nacktschnecken und Frösche.

Da wir schon mal bei den Raufüßen bzw. „rauen“ Stielen sind – Phillip hatte vor ein paar Tagen einen persönlichen Erstfund – den seltenen Raustiel-Weichritterling (Melanoleuca verrucipes). Namensgebend sind die dunklen, fast schwarzen Schuppen auf dem weißen Stiel.

Der jung angenehm nach Anis oder Bittermandeln – später unangenehm faulig-käseartig – riechende Pilz lebt von faulenden Pflanzen oder Hölzern. Seine Biotope sind gemulchte Beete, mulmige Waldränder, Holzlagerplätze und ehemalige Rindenmulchdeponien.

Der Pilz soll jung essbar sein. Insgesamt wird der Speisewert in der Literatur meist als minderwertig beschrieben – wir sollten ihn aber auch aufgrund seiner Seltenheit schonen.

Catrin

 

Raustiel-Weichritterlinge (Melanoleuca verrucipes). Ein selten zu findener schöner Pilz.
Foto: Phillip Buchfink


28.07.2025 – Montag

Da ist er – der erste Riesenbovist (Calvatia gigantea)! Das größte je gefundene Exemplar erreichte einen Durchmesser von 150 cm, das schwerste ein Gewicht von 23,3 kg. 
Foto: Catrin Berseck

Heute machte ich auf dem Heimweg einen kurzen Stopp in einem klitzekleinen Park. Schon von weitem leuchtete es mir an mehreren Stellen weiß entgegen.

Im nicht gemähten Randbereich fand ich 2 Riesenboviste (Calvatia gigantea). Ein aufgrund seiner Größe kaum verwechselbarer Pilz, der fast jedem Speisepilzsammler als „Schnitzelpilz“ bekannt ist.

Und dann waren da noch einige weiße Pilze, die sich von oben sehr ähnelten und man flüchtig für dieselbe Art halten könnte. Aber man muss sich immer alle Merkmale genau ansehen und auch den Geruch überprüfen.

Es handelt sich zum einen um den essbaren Anis-Egerling (Agaricus arvensis) mit seinen jung blass graulichen, nur schwach rosa Lamellen und einem Geruch nach Anis und Bittermandel. 

Dazwischen wuchsen einige Exemplare der giftigen Rosablättrigen Egerlingsschirmlinge (Leucoagaricus leucothites). Die weißlichen Fruchtkörper erinnern an einen Champignon, haben aber weiße und nur im Alter blass rosa gefärbte Lamellen und ein ebenso gefärbtes Sporenpulver. Er riecht und schmeckt schwach pilzartig und wenig auffällig.

Also – immer alle Pilze ganz genau betrachten, bevor sie im Sammelkorb landen.

Catrin

 

Und hier zwei von oben sich sehr ähnelnde Pilze auf derselben Rasenfläche unweit voneinander entfernt. Aber ein Pilz von oben ist wie ein Käfer von unten…
Foto: Catrin Berseck

 

Links: Schafchampignon bzw. Gemeiner Anis-Egerling (Agaricus arvensis)
Rechts: Rosablättriger oder Gemeiner Egerlingsschirmling (Leucoagaricus leucothites)
Foto: Catrin Berseck


29.07.2025 – Dienstag

Der 2. Wachstumsschub der Fahlen Röhrlinge (Boletus impolitus) zeigt sich gerade.
Foto: Catrin Berseck

Ich verbringe ja meistens meine Mittagspause bei mir im Gewerbegebiet mit einem kurzen Spaziergang unter einer Eichenkante mit Pappeln und Birken oder in einem nebenan liegendem kleinem Wäldchen.

Also möchte ich euch hier einmal meine „Mittagspausenfunde“ von heute zeigen. 

Es lohnt sich tatsächlich für den etwas mehr interessierten Pilzsammler, seine nähere Umgebung regelmäßig auf- und abzusuchen. Man kann viele Erfahrungen über das Pilzwachstum sammeln und merkt auch ganz schnell, wie die Wachstumsschübe bei einzelnen Pilzarten aussehen.

Die Fahlen Röhrlinge habe ich zum Beispiel erst letzes Jahr Ende September entdeckt. Seitdem beobachte diese Stelle und habe bemerkt, dass sie bereits im Juni und jetzt auch im Juli das zweite mal an derselben Stelle Fruchtkörper ausbilden. Und dann auch sicherlich noch ein weiteres mal noch im Herbst…

Die essbaren Perlpilze und giftigen Pantherpilze erscheinen dort auch fast immer zeitgleich in Massen an denselben Stellen nah beieinander. Also ist es in wichtig, diese beiden Pilze sicher voneinander unterscheiden zu können.

Catrin

 

Einer von ca. 100 Pantherpilzen (Amanita pantherina), die gerade an einer Eichenkante wachsen.
Foto: Catrin Berseck

 

Dazwischen auch essbare Perlpilze (Amanita rubescens).
Foto: Catrin Berseck

 

Junge Glimmertintlinge (Coprinellus micaceus agg.)
Foto: Catrin Berseck

 

Und so sehen die Glimmertintlinge dann im älteren Stadium aus.
Foto: Catrin Berseck


30.07.2025 – Mittwoch

Gleich zu Beginn unserer Exkursion stimmten uns diese Parasole (Macrolepiota procera) trotz des verkrauteten Waldes wieder hoffnungsvoll.
Foto: Hanjo Herbort

Jeden 2. Mittwoch findet ja unsere Kartierungsexkursion statt. Heute begannen wir ein neues Messtischblatt – das MTB 2135 Zurow im 1. Quadranten.

Keinem von uns war dieses Gebiet bekannt. Wir trafen uns in Zurow und fuhren dann mal auf gut Glück in unser ausgesuchtes Kartierungsgebiet zwischen Fahren und Lübow. Und ehrlich gesagt – wir waren im ersten Moment entsetzt. Wir sahen auf dem schon abenteuerlichen Weg dorthin nur verkrautete und kaum begehbare Wälder…

Aber Kartierung ist nun mal auch in solchen Waldbereichen notwendig – es ging ja nicht um das Sammeln von Speisepilzen.

Und am Ende dieser Exkursion waren wir uns Alle mal wieder einig – trotz Voreingenommenheit war es wieder eine sehr schöne Exkursion mit einigen schönen Funden.

Den ausführlichen Bericht findet ihr  hier.

Catrin

 

 

Unser heutiges Kartierungsgebiet – einmal rund um den Schmiedesee zwischen Fahren und Lübow.
Foto: Hanjo Herbort


31.07.2025 – Donnerstag

Eine blasse Birken-Rotkappe (Leccinum versipelle) direkt am Fuß einer Eiche.
Foto: Catrin Berseck

Wie so oft machte ich in meiner Mittagspause einen kleinen Spaziergang an meiner Eichenkante.

Und freute mich im ersten Moment wahnsinnig, direkt am Fuß einer Eiche eine Rotkappe zu erblicken. Direkt an einer Eiche rechnet man ja eigentlich mit einer Eichen-Rotkappe, die ziemlich selten ist.

Aber beim genaueren Betrachten erwies sich diese blasse Rotkappe als Birken-Rotkappe (Leccinum versipelle). Warum? Die Eichen-Rotkappe (Leccinum quercinum) hat rötliche bis rotgraue Schüppchen auf weißem Grund und nicht wie die Birken-Rotkappe schwärzliche Schüppchen. Und die dafür verantwortliche Birke stand 2 Meter daneben. Nichtsdestotrotz ein schöner Fund.

Nach Feierabend besuchte ich dann noch ein anderes parkähnliches Gebiet mit Eichen und habe einige schöne Funde gemacht. Unter anderem viele Sommersteinpilze. Sorry – aber den für einige Speisepilzsammler wichtigsten Pilz überhaupt – habe ich vor Ort vergessen zu fotografieren. Deswegen nur geputzte Pilze – manchmal esse ich ja auch welche…

Catrin

 

Wie ich bereits geschrieben habe, sind die Mehlräslinge (Clitopilus prunulus) Anzeigerpilze für Steinpilze und Hexenröhrlinge. Hier der Beweis: Direkt neben den Mehl-Räslingen wachsen ganz junge Netzstielige Hexen-Röhrlinge (Suillellus luridus).
Foto: Catrin Berseck

 

Ein Fransiger Wulstling (Amanita strobiliformis) unter Linden.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Blutroten Filzröhrlinge (Xerocomus rubellus) sind nicht so häufig, wie der Rotfußröhrling zu finden, aber nicht selten.
Foto: Catrin Berseck

 

Massenweise wachsen jetzt die leicht giftigen Karbolegerlinge (Agaricus xanthoderma).
Foto: Catrin Berseck

 

Die Sommersteinpilze (Boletus reticulatus) waren entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit „unverschämt“ madenfrei.
Foto: Catrin Berseck

 

Und das hier die anderen Funde für eine Mischpilzpfanne: Frauentäublinge, Schafchampignons, Beutelstäubling, Birkenrotkappe, Blutroter Filzröhrling, Netz- und Flockenstielige Hexenröhrlinge.
Foto: Catrin Berseck