Mittwochsexkursion am Petersberg

30. November 2022 – Kartierungsexkursion

Mittwochsexkursion am Petersberg

Auch für interessierte Gäste

Sie führte in den 3. Quadranten des MTB Langen Brütz

Mit der heutigen Mittwochsexkursion endet ganz offiziell die aktive Pilzsaison für den Steinpilz – Wismar. In der Aspekt – Abfolge eines durchschnittlichen Pilzjahres befinden wir uns bereits seit Mitte des Monats im Winter. Selbstverständlich wachsen auch jetzt noch Spätherbstarten, aber auch die Klassiker der kalten Jahreszeit unter den Speisepilzen sind in der Regel schon ordentlich unterwegs. In diesem Jahr allerdings noch sehr zurückhaltend, da der Herbst viel zu warm war.

Auch in diesem Quadranten findet sich eine sehr abwechslungsreiche Landschaft mit vielen Wäldern und Seen. Die Warnow mäandert durch dieses Gebiet. Hier gibt es das interessante Naturschutzgebiet „Trockenhänge am Petersberg“, die bewaldeten Ufer des Pinnower Sees oder die zusammen hängenden Waldgebiete Bauernbusch und Hohes Holz. Wir entschlossen uns für die Petersberger Trockenhänge. Heideartige Landschaft mit Trockenrasen, Kiefern- und Birkeninseln, Höhen und Senken auf ausgesprochen sandigem Untergrund. Wir, dass waren außer Reinhold Krakow vom Steinpilz – Wismar, noch Christopher Engelhardt aus Lübeck.

Gleich bei unserer Ankunft lachten uns am Fuß eines toten Baumstammes die ersten Pilze an.

Die Risse auf den Hutscheiteln sind nicht charakteristisch, sondern der Witterung geschuldet.

Es handelt sich um essbare Rosablättrige Helmlinge (Mycena galericulata).

Und da Chris keinesfalls nur auf Pilze fokussiert ist, waren wir hier genau richtig.

Eine Kiefer begrüßt uns mit einem tiefen Diener.

Und los geht es an diesem nasskalten und neblig – trüben Novembertag wie er im Buche steht.

Zwei sporenreife Flaschen – Stäublinge (Lycoperdon perlatum).

Schön orange leuchten diese minderwertigen Falschen Pfifferlinge (Hygrophoropsis aurantiaca).

Zahlreiche Gruppen von Braunroten Lacktrichterlingen (Laccaria proxima).

Aufgelockerte Kiefern – Gruppen.

Und für natürlichen Nachwuchs ist gesorgt.

Das hier der Butterpilz (Suillus luteus) zu hause ist, versteht sich von selbst.

Damit der lichte Standort nicht völlig zuwächst, wird immer mal Ginster gestutzt oder andere Gehölze abgesägt. Pilze erledigen den Rest. Hier sind es Striegelige Trameten (Trametes hirsuta).

Und immer wieder seitlingsähnliche Pilze. Meist bereits recht fortgeschritten in ihrer Entwicklung. Der Violette Anflug an den Huträndern lässt den Laubholz – Knäuling (Panus conchatus) vermuten.

Auch hier ist ein violetter Schein am Hutrand zu erahnen.

Alter, dicht beschuppter Riesen – Schirmpilz, der überständig ist und auch durch Frost geschädigt wurde.

Dieses Exemplar eines Macrolepiota procera sieht auf den ersten Blick noch jung aus. Das täuscht aber. Auch er ist vom Frost geschädigt, die Zellen zerstört, so dass er nicht weiter aufschirmen kann. Solche Pilze dürfen keinesfalls gegessen werden!

Ebenfalls stark zugesetzt hat der Frost diesen Purpurfilzigen Holzritterlingen (Tricholomopsis rutilans).

Eine Hängebirke (Betula pendula) fast schon im Winterkleid.

Ginsterheide.

Auch Rentierflechte ist hier zu hause.

Diese Birke erfreut uns noch mit ihrem goldenen Herbstkleid.

Kontrastreiche Farbspiele der unterschiedlichen Bäume.

Ein Dickschaliger Kartoffel – Hartbovist (Scleroderma citrinum).

Teils weitläufige Landschaft.

Trotz des trüben Wetters immer wieder schöne Farbenspiele.

Der Schnee- oder Schwarzfaserige Ritterling (Tricholoma portentosum), seines Zeichens ein guter Speisepilz, kommt mit frostigen Temperaturen ganz gut klar. Er sieht noch frisch aus und darf in die Pfanne wandern.

Grünlinge (Tricholoma portentosum) finden sich oft mit obigem Ritterling am selben Standort, sofern es unter Kiefern ist. Er schmeckt ebenfalls ausgezeichnet, kann aber gefährlich werden. Das Muskelgewebe kann bei übermäßigem Genuss geschädigt werden. Es soll schon zu Todesfällen gekommen sein! Er ist der echte Ritterling, mit einem schön ausgebildeten Burggraben.

Natürlich sind auch andere Vertreter der Gattung echte Ritterlinge. So wie dieser Graue Erdritterling (Tricholoma terreum). Auch er kann eine Rhabdomyolyse (Auflösung der quergestreiften Muskelfasern) auslösen. Es müssen aber riesige Mengen (mindestens 46 Kg) des Pilzes verzehrt werden, um einen bedenklichen Schwellenwert zu erreichen.

Wie heißt es so schön? Der aktuelle Stand der Wissenschaft ist nicht selten auch der letzte Stand des Irrtums. Der letzte Stand hat gegen den Verzehr des Frostschnecklings (Hygrophorus hypothejus) immer noch nichts einzuwenden.

Anbei habe ich noch eine für mich und sicher auch für Chris neue Schichtpilzart kennen gelernt. Den Rußgrauen Schichtpilz (Lopharia spadicea). Ich danke Chris für das Foto und die Bestimmung!

Diese Eiche scheint sich noch nicht schlüssig zu sein, ob sie in Winterruhe gehen möchte. Der Steinpilz – Wismar schon, denn mit dieser Mittwochsexkursion endet die Pilzsaison 2022 für ihn ganz offiziell.

Hier noch die Artenliste von MTB 2335/3 = NSG Trockenhänge am Petersberg: Rosablättriger Helmling, Zerfließende Gallertträne, Dunkler Rasenrötling, Kiefernnadel – Spaltlippe, Striegelige Tramete, Erdwarzenpilz, Frost – Schneckling, Flaschen – Stäubling, Butterpilz, Gemeiner Violettporling, Milder Zapfenrübling, Gegabelter Nadelholz – Hörnling, Braunroter Lacktrichterling, Horngrauer Rübling, Schmetterlings – Tramete, Winter – Stielporling, Dickschaliger Kartoffel – Hartbovist, Laubholz – Knäuling, Angebrannter Rauchporling, Wiesen – Haarschwindling, Riesen – Schirmpilz, Purpurfilziger Holzritterling, Trockener Kahlkopf, Grünling, Schnee – Ritterling, Mäuseschwänzchen, Roter Fliegenpilz, Fleischroter Lacktrichterling, Gift – Häubling, Grauer Erdritterling, Wohlriechender Schneckling, Glatthütiges Stummelfüßchen und Rußbrauner Schichtpilz.

Wann startet die nächste Mittwochsexkursion? – Siehe unter Termine!