Wetter/Pilze Juni 2020

Wetter und Pilze im Raum Nordwestmecklenburg

Tagebuch Wetter und Pilze Juni 2020

Garten – Safranschirmpilz (Macrolepiota rhacodes var. hortensis). Typisch sind die wenigen und groben, braunen Schuppen auf hellem Untergrund, während der Safran – Schirmpilz des Waldes dicht beschuppt ist. Wir finden die Gartenform auf Wiesen und an gedüngten Stellen. Foto: Frau Dr. Hella Wobst.

Pfingstmontag, 01. Juni – Hella ist Mitglied der Pilzfreunde in der Gemeinnützigen Gesellschaft Wismar e.V, obwohl sie in Ostfriesland zu hause ist. Sie hat in früheren Zeiten auch Pilzberatungen im Rahmen ihrer Tätigkeit im Gesundheitswesen durchgefgührt. Sie fand einige Safran -Schirmpilze an den letzten Maitagen und war ein wenig verwundert, wegen ihres frühen Erscheinungsdatums. Aber es kommt gelegentlich vor, das Safran – Schirmpilze auch schon im Frühling auftauchen können. Die hier gezeigte Gartenform ist jedoch kräftiger im Wuchs als die normale Waldform und im Hinblick zur Abgrenzung zum Gift – Riesenschirmpilz herrscht meiner Erfahrung nach ein heilloses Durcheinander und diese Gartenform wird oft als giftig b.z.w. giftverdächtig bezeichnet. Da anscheinend, zumindest makroskopisch, eine genaue Abgrenzung schwierig ist, wird generell vom Genuss von Safran – Schirmpilzen abgerarten, die auf gehaltvollen, gedüngten Standorten wie Wiesen, Viehweiden, Gartenabfällen, Komposthaufen oder Gewächshäusern auftauchen.

Schon etwas verwelkt und der Stiel ist durch trockenen Wind bräunlich verfärbt. Bei frischen Fruchtkörpern ist er weiß und das Flesch rötet natürlich. Typisch für die Gattung der Riesenschirmpilze ist auch ihr dicker, verschiebbarer Ring. Foto: Dr. Hella Wobst.

Eigentlich wollte ich am Pfingstwochenende noch einen Streifzug durch das Mustiner Holz unternehmen, wo am Sonnabend eigentlich eine öffentliche Lehrwanderung hätte hinführen sollen. Aber da Pfingsten ist und im Wald bezüglich Frischpilze ohnehin tote Hose herrscht, haben wir uns (Irena, Jonas und Reinhold) zu einem Waldbesuch der ganz anderen Art entschlossen. Unter dem Motto „Auf die Bäume, ihr Affen, der Wald wird gefegt“, statteten wir dem Affenwald in Malchow, an der mecklenburgischen Seenplatte, einen Besuch ab. Es war natürlich spannend, durch einen Kiefernwald zu spazieren, wo einem überall die Berberaffen über den Weg laufen, uns von den Bäumen beäugen und sich an zahlreichen Seilen durch die Botanik hangeln. Übrigens ist in dieser sandigen Region auf den meisten Wiesen und an den Straßenrändern kaum noch grün auszumachen. Oftmals schon wieder braun und verdorrt. Bilder, die wir aus den beiden Vorgänger – Sommern zur genüge kennen!

Der Berberaffe (Macaca sylvanus) war in früheren Warmzeiten in Europa recht verbreitet, auch in Deutschland. Heute leben nur noch im in Nordafrika einige Populationen und auch auf den Felsen von Gibraltar können sie angetroffen werden. Neben Insekten, Nüssen und vielem anderen wie Spinnen und Skorpionen, ernähren sie sich auch von Pilzen. Ob sie wohl wissen, welche von ihnen lieber nicht verspeist werden sollten? Ich hatte leider keine Visitenkarte dabei.

Dienstag, 02. Juni – Das war auch heute knapp in Wismar mit einem Sommertag, aber im Süden von Mecklenburg dürften die 25 Grad sicher erreicht worden sein. Zwar hat der Wind im Vergleich zu den Vortagen etwas nachgelassen, aber wenn er von der Ostsee her weht, dämpft er die Temperaturen immer noch merklich. Und diese werden in den kommenden Tagen nicht nur bei uns an der Küste, sondern überall in Deutschland auf Talfahrt gehen. Es hat sich inzwischen herauskristalisiert, dass uns eine Kaltfront spätestens ab Freitag wieder frösteln lassen wird. Die Schafskälte macht sich auf dem Weg zu uns. Wir kommen in diesem Sommerhalbjahr einfach nicht aus dem Keller. Von wegen Hitze und Dürre – Sommer.

Aber der Wetterumschwung hat auch sein gutes, denn er geht mit Regenfällen einher. Schon morgen kann es in weiten Teilen Deutschlands am Nachmittag gewittern. Die Gewitter dürften sich aber im wesentlich südwestlich von M-V abspielen. Allenfalls der Westen und Südwesten von Mecklenburg, bis hoch zum Schweriner Raum, könnte noch etwas abbekommen. Am Abend schwächeln diese dann schon wieder und im Laufe der Nacht sollen im Südwesten von Deutschland neue aufkommen. Diese breiten sich dann am Donnerstag immer weiter nach Nordosten aus, tun sich zunächst aber weiterhin schwer, nach Mecklenburg herein zu ziehen. Am Abend und in der Nacht sollte es dann aber klappen, mit dem ersehnten Regen. Besonders hohe Regenmengen kann es nach heutigem Stand in Schleswig – Holstein und Vorpommern geben. Unser Einzugsgebiet ging bei den letzten Modelläufen nur dürftig aus. Während in den genannten Regionen bis zu 50 l/qm fallen können, dürfen wir uns über 5 – 10 Liter freuen. Aber warten wir es ab. Das ECMWF – Modell rechnete heute Abend für Wismar bis zum 16. Juni im Durchschnitt mit 52,3 l/qm, im Minimum aber nur 11,7 l/qm und maximal könnte sogar bis dahin eine kleine Sintflut über uns hereinbrechen mit bis zu 126,6 l/qm.  

An einer Eingrenzung, bestehend aus Kiefern – Stangenholz, wuchs dieser Kiefern – Feuerschwamm (Phellinus pini) heraus. Der dürfte den Affen wohl eher nicht munden. Standortfoto am 01.06.2020 im Affenwald bei Malchow/Mecklenburgische Seenplatte.

Mittwoch, 03. Juni – Bei sommerlich warmen und überwiegend sonnigem Wetter startete ich am Nachmittag zu meiner Mittwochsexkursion. Der letzte Quadrant des Meßtischblattes Langen Brütz mußte in Angriff genommen werden. Der Quadrant ist über weiter Strecken bewaldet. So gehören weitläufige Waldflächen der ehemaligen Staatsforst Turloff dazu. Wie beispielsweise große Bereiche der bei Pilzsuchern beliebten Reviere um Weberin und Basthorst. Aber auch eindrucksvolle und naturnahe Warnowgebiete, wie beispielsweise von der Rönkendorfer Mühle bis nach Gädebehn und dem dortigen Durchbruchstal. Dieses war dann auch das Ziel meiner heutigen Tour. Auwaldbereiche, gesäumt von Feuchtwiesen und steilen, mit Buchen, Eichen, Kiefern und Fichten bewaldete Hänge. Das ganze bewaldete Gebiet entlang der Warnow ist ein Paradies für Biber. Überall kann man seine Spuren entdecken. Ich war aber mehr den Spuren von Großpilzen hinterher. Bei reichlich Totholz gab es natürlich die häufigsten Vertreter reichlich, aber Fischpilze waren, wie nicht anders zu erwarten, Mangelware.

Am Abend verdunkelte sich der südwestliche Horizont, aber die Gewitter hatten sich bereits über Niedersachsen und dem Hamburger Raum ausgetobt, so dass nur bedrohlich wirkende Wolkenformationen auftauchten und sich am späteren Abend wieder auflösten.

Der Höhepunkt meiner Mittwochsexkursion war ohne Zweifel die für mich erste Stinkmorchel (Phallus impudicus) in diesem Jahr. Ist sie doch der wichtigste Pilz des Jahres überhaupt, da von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie zum Pilz des Jahres 2020 gekührt. Standortfoto am 03.06.2020 im Warnowdurchbruchstal bei Gädebehn.

Donnerstag, 04. Juni – Regentief Juliane hat uns nun voll im Griff. Nachdem es bereits gestern seine Fühler bis nach Niedersachsen und Hamburg ausgestrekt hatte und die Feuerwehr aufgrund heftiger Gewitter in der Hansestadt in Atem hielt, hat es heute auch auf Mecklenburg übergegriffen. Bereits am Morgen regnete es etwas und am Nachmittag setzte leichter Dauerregen ein. Jetzt am Abend werden die Niederschläge durch zusätztlich einsetzende Konvektion schauerartig verstärkt und auch Gewitter können bis in die erste Nachthälfte dabei sein. Dadurch sind in den Abendstunden noch nennenswerte Regenmengen möglich. Juliane wird auch in den kommenden Tagen seine Kreise über Mitteleuropa ziehen und immer wieder für Regen, Schauer und Gewitter sorgen. Dabei wird es zwar kühler, aber wohl doch nicht so frisch, wie vor wenigen Tagen noch gedacht. Sollte Juliane in der kommenden Woche etwas nach Süden rutschen, könnte es zumindest zu uns in den Nordosten zunehmend schwülwarme Luftmassen aus dem Mittelmeerraum lenken. Diese würde dann weitere, teils ergiebige Regengebiete und Gewitter produzieren. Ein stabiles Schönwetterhoch ist zunächst nicht mehr in Sicht. Hier die möglichen Niederschlagssummen für Wismar nach dem ECMWF – Modell bis zum 19. Juni: Im Mittel können wir bis dahin mit 40,9 l/qm, minimal mit 17,4 und maximal mit 94,3 Liter auf den Quadratmeter rechnen. Es wird also weiteren Regennachschub geben und wir können allmählich wieder hoffen.

Eine Gruppe Grünblättriger Schwefelköpfe (Hypholoma fasciculare) quält sich durch eine Ritze eines toten Buchenstammes und wird als Eigentum eines dort lebenden Ameisenstaates betrachtet. Meinem versuch, die Pilze ausstellungstauglich zu ernten, wurde sofort mit heftigen Protest begegnet, so dass ich mich geschlagen gab und ihnen die Pilze zur weiteren Verfügung überließ. Standortfoto am 03.06.2020 im Warnowtal bei Gädebehn.

Freitag, 05. Juni – Juliane hat sich besonders gestern Abend noch Mühe gegeben und so wurde Mecklenburg – Vorpommern neben Schleswig – Holstein zum Niederschlags – Hotspott. Insbesondere im zentralen Landesbereich kam einiges vom Himmel, aber auch die Bereiche zwischen Wismar, Rostock und Schwerin wurden nicht schlecht bedacht. Spitzenreiter in unserem Bundesland war die Meßstation in Teterow mit 37 l/qm! In Keez waren 18 Liter im Meßbecher. Da der Regen besonders am Abend konvektiver Natur war, sind die Ergebnisse wie üblich recht unterschiedlich und können auch in einem verhältnissmässig kleinem Radius Differenzen aufweisen. Jetzt am Abend kommt noch ein neuer Ausläufer von Juliane herein. Er hat neue Schauer und Gewitter im Gepäck, die aber nicht an die Regenmengen von gestern heranreichen werden. Auf jedenfall kommen noch einige Liter hinzu und punktuell folgen bis Sonntag immer noch örtliche Schauer und Gewitter in höhenkalter Luft nach.

Was bedeutet das für uns Pilzfreunde? Wir können etwas optimistischer werden und zumindest im laufe der übernächsten Woche sollte sich bezüglich eines ersten, zumindest zaghaften Röhrlingsschubes, etwas tun. Vorher schon Kleinarten und Champignons. Zaghaft deshalb, weil die Niederschläge etwas ungerecht verteilt wurden und vielfach aufgrund der jahreszeitlich bedingten Verdunstungsrate für größeres nicht ausreichen dürften. Auch die unterkühlte Vorwitterung ist nicht außer acht zu lassen. Andererseits haben gerade Sommersteinpilz und Co. ein enormes Nachholebedürnis, so dass jede Chance genutzt werden könnte. Da es aber noch früh im Jahr ist, kann es trotzdem sein, dass sie noch etwas abwarten und erst eine sommerliche Hitzeperiode haben wollen. Diese könnte sich im laufe der nächsten Woche von Osten her anschleichen, wenn Juliane nach Südeuropa abtropft und dann an ihrer Ostflanke schwülwarme bis heiße Mittelmeerluft auf Umwegen zu uns führen könnte. Diese soll dann auch für teils heftige Sommergewitter gut sein. Die Frage ist nur, ob wir bis an die Küste von dieser Entwicklung profitieren würden. Denn in diesem Zusammenhang baut sich über Skandinavien ein Hoch auf und dieses kann im Zusammenspiel mit der immer noch unterkühlten Ostsee konvektive Starkregenereignisse von uns fern halten. Sommerliche Wärme oder sogar Hitze würde dann die Ergebnisse der jüngsten Niederschläge im Keim ersticken, aber vieleicht die thermophile Grundlage im Zusammenspiel für den möglichen Regen danach liefern.

Hier zur Abwechslung mal kein Bild von Pilzen, sondern aus der historischen Welterbe- und Hansestadt Wismar. Wir sehen die Mühlengrube, etwa 100 m vom Steinpilz – Wismar entfernt. Am Himmel dicke Quellwolken aufgrund des klassisches Rückseitenwetter.

Gestern Abend gegen 21 Uhr zog die neue Regenfront über Wismar auf. Das Foto entstand in Hafen – Nähe.

Sonnabend, 06. Juni – Für heute hatten wir einen Imbisstag im Programm, der wegen den Verordnungen zur Corona – Krise, wie fast alle Veranstaltungen in diesem Jahr bisher, ausfallen mußte. Die nächste planmässige öffentliche Wanderung in einer Woche habe ich beim Landkreis angemeldet und ich hoffe, dass wir sie durchführen können. Sie soll durch das Hohe Holz führen und das hat immerhin etwas mehr Regen in der letzten Zeit abbekommen. Großes erwarte ich aber auch hier nicht und wir dürfen die Meßlatte ohnehin nicht zu hoch anlegen. Trotz des Regens! In südlicheren Gefilden werden nun schon ansehnliche Pfifferlingsfunde vermeldet. Ansonsten der eine oder andere Hexen – Röhrling oder Frauen – Täubling und ganz vereinzelt auch mal ein Sommersteinpilz. Abgesehen von den Pfifferlingen, sind letztere in diesem Außmaß (bescheiden) in absehbarer Zeit auch bei uns möglich.

Viel spannender als an der Pilzfront, geht es allerdings beim Wetter zu und hier ist die weitere Entwicklung natürlich ganz entscheidend. Morgen soll sich unser Tief Juliane zu einem Sturm verstärken und die Nordseeküste verpußten. Dazu Schauer und Gewitter. Im weiteren Verlauf soll es dann nach Süd/Südwest in Richtung Spanien/Biskaya abtropfen und Verbindung zu einem weiteren Höhentief über Südosteuropa aufnehmen. Mit vereinten Kräften wird dann die Sommerluft über Polen zu uns geführt. Über Skandinavien bildet sich wie bereits weiter oben im Tagebuch erwähnt, ein Hoch aus. Hier wird nun entscheidend sein, wie stark dieses sich nach Süden ausweiten kann. Nach den Modelläufen für Profis bei http://www.wetter-online.de , die jeder durchlaufen lassen kann, wurde dieses Hoch am Mittag nur recht schwach berechnet und die Tiefs können demnach bis zu uns in den Norden ihre schwülwarme Gewitterluft schieben. Dann würden auch wir an der Küste davon profitieren können. Andere Modelle favorisieren die für uns ungünstigere, sprich trockenere Variante. Es gibt also derzeit zwei Möglichkeiten. Zum einen zunehmend warmes und trockenes Sommerwetter zum nächsten Wochenende hin oder schwülwarmes Gewitter – Wetter. Setzt sich jedoch die trockene Variante durch, wird der nun gefallene Regen schnell der „Schnee“ von gestern sein und alles bleibt beim alten, abgesehen von einem schwachen Aufflackern in geschützteren, schattigeren Bereichen. Heute habe ich mal wieder die möglichen Niederschlagsmengen vom ECMWF – Model bis zum 21. Juni herausgesucht. Im Mittel werden bis dahin für Wismar 25,0 mm auf den Quadratmeter gerechnet. Minimal 2,2 l/qm und maximal 73,9 l/qm.

Sonntag, 07. Juni – Im Tagebuch – Eintrag vom 18. Mai habe ich ein Foto eingestellt, dass ich tags zuvor im Bauernbusch fotografiert hatte. Es zeigt einen Schwefelporling, von dem sich bereits ein Feinschmecker ein Scheibchen abgeschnitten hatte. Inzwischen wissen wir auch, wer hier Appetit auf ein Hähnchenschnitzel für Vegetarier hatte. Es war unser Pilzfreund- und Vereinsmitglied Thomas Harm. Ja, so ist dass, auch im letzten Winkel halten die Pilzfreunde der Gemeinnützigen Gesellschaft Wismar e.V. ihre Augen offen.

Gestern Abend zog noch ein kleines Schauergebiet von Südwest nach Nordost über Teile unseres Einzugsgebietes hinweg und kurzzeitig hat es ganz gut geschüttet. Da ich gerade Feierabend machen wollte und mit meinem Leichtkraftroller immerhin 5 Kilometer durch die Stadt nach hause fahren muss, wartete ich diesen ab. Ich muss schon sagen, er hat für Juni aus der Höhe eine fast schon winterlich anmutende Kälte herunter geholt. Ich fuhr ohne Handschuhe und schnell waren meine Finger klamm.

Heute wechselten sich mächtige Quellwolken und etwas Sonne ab. Sie brachten aber nur wenige Tropfen zustande und die Luft war weiterhin für die Jahreszeit deutlich zu unterkühlt. Besonders Abends, nachts und morgens macht sich das unangenehm bemerkbar. Wir kommen einfach nicht aus dem Keller und der kürzliche Warmluftvorstoß war eigentlich nur eine Luftnummer.

Heute war nix mit Exkursion, eine Geburtstagsfeier war in Keez angesagt. Es war ein Runder!

Montag, 08. Juni – Ich habe die von Kachelmann – Wetter herunter geladenen Grafiken nur vorübergehend mal eingefügt, da es ansonsten möglicherweise urheberechtliche Probleme geben könnte. Ich spiele allerdings mit dem Gedanken, mit der wohl aktuellsten und detailreichsten Wetter – Hompage im deutschsprachigen Raum ein Jahres – Abo abzuschließen. Vieleicht wird mir dann auch erlaubt, einzelne, für uns wichtige Graphiken, in`s Tagebuch zu integrieren. Ansonsten kann jeder sich auch dort einwählen. Wetter ist neben den Pilzen meine zweite, große Leidenschaft, und hat mich ebenfalls als Kind schon fasziniert. Es gab damals im Sommer auf der Radio – DDR – Ferienwelle morgens und abends immer ein Life – Wettergespräch mit dem Seewetteramt Warnemünde. Wenn möglich, habe ich keines dieser Gespräche verpaßt. In positiver Erinnerung sind mir hier zum Beispiel die leidenschaftlich vorgetragenen Ausichten von Dr. Reiner Tiesel. Da merkte man, dass er nicht nur trocken einen Wetterbericht darbot, sondern mit Leib und Seele die Aussichten überbrachte. – Es war ein Sommermorgen Ende der 1970er/Anfang der 1980er Jahre. Das morgentliche Wettergespräch hatte ein Regengebiet angekündigt und ich wollte in den Wald. Meine etwa 8 stündige Steinpilz – Route in den Redentiner Tannen ablaufen. Ich fuhr mit meinem Moped hin, egal ob Regen oder nicht. Mögliche, schicke Steinpilze, zogen einfach und zwei mal die Woche mußte die Route in Angriff genommen werden. Der Himmel war zugezogen und nach einer Weile fing es ein wenig an zu Tröpfeln. Ich hatte meinen geliebten „Steinpilz – Weg“ im Zentrum des Waldes gerade erreicht, fernes Donnergrollen. Nun, von Gewittern war nicht die Rede. Es kann nicht so schlimm werden. Nach etwa einer viertel Stunde, ich hatte die Position einiger größerer Buchen, die eine Kiefernschonung und ein Jungfichtendickicht überragten, erreicht. Ein greller Blitz und ein ohrenbeteubender, markerschütternder Donnerschlag riß mich fast zu Boden. Ich dachte, nun hat es die Buchen zerrißen. Das war heftig und es wurde noch heftiger. Ein Gewitter hatte sich aus dem Regengebiet entwickelt. Es knallte weiter in der beschriebenen Brachialität. Jeder Blitz ein Treffer. Ab in die Kiefernschonung und schnell von den großen Bäumen weg. Hinhocken und Füße zusammen und hoffen, dass wir hier wieder heil herauskommen. Gefühlt, vieleicht auch real, ging das Geballer noch mindestens eine halbe Stunde, bevor sich das Gewitter etwas verlagerte und die Entladungen moderater wurden. Die Sturzflut, die sich über mich ergoß, glich einem Bad in der Ostsee. Das war`s, ab nach hause. Verkehrs – Chaos in Wismar. Viele Straßen standen unter Wasser. Nun ja, es sollte nur ein Regengebiet kommen. – Aber die Vorhersagemöglichkeiten mit den vielen Sateliten- und Computerdaten waren damals natürlich noch nicht auf dem heutigen Niveau. Und Gewitter sind für mich die Krönung aller Wetter und ich liebe sie, aber bitte nicht in freiem Feld. Ab 1995 habe ich über 15 Jahre hinweg fast täglich die Fernseh – Wetterberichte auf Video aufgenommen. Sowohl die in der ARD von Jörg Kachellmann und seinem Team von Meteomedia, aber auch die Verhersagen vom DWD im ZDF, dargeboten von solch namhaften Metereologen wie Inge Niedek, Dieter Walch, Uwe Wesp oder Dr. Gunther Thiersch waren für mich die allabendlich Höhepunkte im Fernsehen. Wenn ich mir die Kassetten anschaue und Zeit dafür finde, laufen stundenlang nur alte Wetterberichte und oft rufen sie in mir Erinnerungen an das damalige Geschehen wach, auch an daraus resultierende gute oder schlechte Pilzjahre. Diese Metereologen waren und sind für mich die Stars des deutschen Fernsehens, aber Deutschland sucht ja leider ihre Sternchen und Sterne auf weit weniger interessanten und seriösem Terrain.

Soweit einige Erinnerungen und eine Homage an unsere Wetter – Frösche. Diesbezüglich habe ich auch die neuesten Daten auf Kachelmann – Wetter studiert. Es scheint nun sicher zu sein. In Richtung Wochenende kommt nun endlich der Durchbruch zum Sommer. Aus Osten wird schwülwarme Dampfluft nach Deutschland geführt, die immer wieder Gewitter produzieren soll. In weiten Teilen Deutschlands, aber am wenigsten bei uns. Die Ostsee wird das Wetter in M-V stabiler gestalten, so dass gewittrige Konvektion höchstens in den südlichen Landesteilen punktuell möglich sein kann. Der letzte Regen wird wahrscheinlich nicht viel bewirken und eher trockenes Wetter das mögliche Bemühen an der Pilzfront wohl im großen und ganzen im Keim ersticken. 

Nach kalter Nacht und sonnigem Tagesbeginn setzte mit zunehmender Sonneneinstrahlung Konvektion ein, die aber ganz gut abgedeckelt wurde, so dass die Wolken sich ausbreiten mußten und nicht in der Lage waren Schauer oder geschweige Gewitter zu produzieren. 08.06.2020.

Dienstag, 09. Juni – Beim Wetter erlebten wir auch heute nichts halbes und nichts ganzes. Während bis in den Vormittag noch eher graues Nordsee – Gewölkt dominierte, heiterte es ab dem Mittag auf. Ein freundlicher, recht sonniger Tagesrest stellte sich ein. Trotz der nahezu stärksten Sonneneinstrahlung des Jahres kommen die Temperaturen kaum über die 20 Grad Grenze hinaus. Die Nächte waren bis jezt weiterhin sehr kühl für die Jahreszeit. Morgen bleibt es noch ähnlich, aber dann kommt die Umstellung. Ab Donnerstag erreichen uns von Osten feuchte, schwülwarme Luftmassen. Feuchte Dampfluft fließt aus ungewöhnlicher Richtung ein. Das geht los mit gelegentlichen Regenfällen. Zeitweise kann es sogar neblig mit Sprühregen sein. Das könnte richtig ungemütlich werden, mit tropischen Empfindungen. Aus heutiger Sicht folgen dann ab Freitag und besonders am Sonnabend Gewitter nach. Immer noch ist unsicher, wo es am meisten gewittern dürfte. Einige Modelle rechnen die Gewitter südlich von M-V, andere lassen es gerade bei uns ordentlich krachen. Das letzte Wort dazu ist also längst noch nicht geschrieben. Die Tage werden aber hoffentlich nun endlich sommerlicher und besonders in den Nächten wird es kaum noch abkühlen. Laue, ja teils sogar ungemütliche und klebrige Sommernächte könnten uns für längere Zeit begleiten. Zwar wird sich wohl im Verlauf die konvektive Zone mehr in den Süden zurückziehen, aber falls der Regen und insbesondere auch die Gewitter ernsthafte Regenmengen generieren können, kann das im Zusammenspiel mit den bereits gefallenen Niederschlägen eventuell doch noch in eine positivere Richtung umschlagen, als gestern noch gedacht. Ich erinnere mich an den Spätfrühling und Frühsommer des Jahres 2016. Dort stellte sich Ende Mai eine ähnliche Wetterlage ein. Es war tagsüber teilweise grau und neblig trübe, wie im November, aber ein Gefühl wie in einer Waschküche. Das Wasser tropfte selbst tagsüber bei Dauernebel von den Bäumen und die Luft ließ unsere Kleidung am Körper kleben. Sehr unangenem für uns, fürs Pilzwachstums aber der ideale Antrieb. Kräftige Gewitter brachten zudem das notwendige Wasser in den Waldboden ein. Mitte Juni setzte eine Schwämme von Sommersteinpilzen ein, wie wir sie nur selten so früh im Jahr beobachten können. Viele unserer Laubwälder standen voller Sommersteinpilze und kaum jemand sammelte sie ein. Da sie viel nachzuholen haben, dürfen wir in diesem Jahr einiges erwarten. Es müssen nur die richtigen Pararmeter zusammen kommen.

Mittwoch, 10. Juni – Die Woche wird geteilt. Es ist also Mittwoch und das bedeutet Exkursionstag. Mit der heutigen Mittwochsexkursion wurde ein neues Meßtischblatt in Angriff genommen, nähmlich MTB 2539 = Plau am See. In das Blatt wurde wie immer ein Kreuz eingezogen, so dass 4 Quadranten entstanden. Der erste war heute an der Reihe. In ihm befindet sich nur ein bedeutsammes Waldgebiet, nähmlich die Lalchower Tannen. Das abgeschlossene Revier hat genau die richtige Größe für eine Mittwochsexkursion. Es steht auf sandigen Böden und ist leider ziemlich eintönig. Überwiegend Kiefernforst mit einigen Fichtenbereichen. Kaum Laubholz, aber mit reichlich Totholzeintrag, insbesondere von Durchforstungen. Teils moosig, teils recht verkrautet. Ich habe diesbezüglich aber schon schlechtere Reviere gesehen. Für den Sammler ganz durchschnittlicher Speisepilze wie Maronen, Rotfüßchen, Perlpilze oder Täublinge sollte es reichen, aber für den interessierten Hobby – Mykologen dürfte es selbst zu bester Pilzzeit recht gemein zugehen. Nicht sonderlich artenreich war es heute auch wegen des eintönigen Baumbestandes. An Frischpilzen waren wie schon vor einer Woche nur Grünblättrige Schwefelköpfe und auch mal eine Stinkmorchel vertreten. Geregnet hatte es in der letzten Zeit zwar auch hier, aber der sandige Boden kann das Wasser kaum halten, so dass es oberflächlich schon wieder recht trocken aussah.

Aber Regen ist ja nun wieder in Arbeit. Schon heute Nacht können zeitweise, wie auch morgen tagsüber, Regenfälle durchziehen und die Luft wird immer feuchter. Zum Wochenende wird es dann richtig schwül und schon in der Nacht zum Sonnabend können erste Gewitter aufziehen. Inzwischen kristalisiert sich  Mecklenburg zum Gewitter – HotSpot von Freitag Abend bis Sonntag Nacht heraus. Immer wieder kann es nach freundlicheren Phasen gewittern und auch richtig heftig zur Sache gehen. Durch die Wärme und die satte Luftfeuchtigkeit können sich richtige „Wasserbomben“ entwickeln. Den Ausdruck „Wasserbomben“ für unwetterartige Starkregengewitter habe ich heute auf dem oben mit dem Wetter – Widget verlinkten Wetterportal von Flasko – media e.K. aus Leipzig gerlernt. Wer wirklich detailreiche Informationen zur Großwetterlage haben möchte, bekommt dieses jeweils tagesaktuell sehr ausführlich + 14 Tage Vorhersage. Hier wird umfassend über die Wetterentwicklung informiert und wie und warum es so und nicht anders kommen kann und meist auch kommt. Allerdings ist es teils hoch wissenschaftlich gehalten, mit vielen Fachbegriffen, aber teils durchaus auch mit einer blumigen, humorvollen Sprache,  um die trockene Materie etwas aufzulockern (Kapitel „Großwetterlage“). Gehört zu meiner täglichen Lektüre. Bei interessanten Wetterlagen, wie die nun bevorstehende, bin ich wohl täglich an die zwei Stunden beim Studium der aktuellen Wetterentwicklung um sie zu verstehen und einordnen zu können.

An der relativ frischen Schnittfläche eines Kiefernstammes sehen wir hier den Teerfleckenpilz (Exidia pythia), ein Gallertpilz, der bei Trockenheit zu einer schwarzen Kruste zusammenschnurrt. Standortfoto am 10.06.2020 in den Lalchower Tannen.

Donnerstag, 11. Juni – In der Nacht zogen über den Süden von Mecklenburg schauerartige Regenfälle. Die Niederschlagsbilanz dürfte aber vernachlässigbar sein. Diesbezüglich dürfte aber am Wochenende Hoffnung aufkeimen. Wie schon vor Tagen angedeutet, hat sich nun ein Höhentief über der Biskya eingefunden und sich zu einem Sturm verstärkt. Es schiebt über Westeuropa gewitteranfällige Warmluft nach Norden. Zusammen mit einem weiteren Tief über Südosteuropa setzt nun über Deutschland eine schwache, südöstliche Strömung ein, die nun sehr feuchte und energiereiche Warmluft aus dem östlichen Mittelmeerraum heran führt. Genau diagonal über Deutschland treffen diese beiden gegenläufigen Luftströmungen zusammen und es bildet sich am Wochende eine Konvergenz, die am Sonntag von der Nordsee bis nach südost Bayern verlaufen soll und zeitweise stationär werden kann. Außerdem lenkt ein sich über der Ostsee entwickelndes Hochdruckgebiet trockenere Luft von Nordosten in die brisante Mischung und feuert die Situation zusätzlich an. Die Luft wird zum Aufsteigen gezwungen und kräftige Konvektion kommt in gange, die zu teils länger anhaltendem, gewittrigen Starkregen führen wird. Es wird mit großer Wahrscheinlichkeit Landstriche geben, die Land unter melden werden. Zuvor wird besonders am Sonnabend zu uns in den Nordosten ausgesprochen warme und schwüle Luft gelenkt. Der Taupunkt liegt im Raum zwischen Hamburg – Schwerin und Berlin bei bis zu 22 Grad. Das ist enorm und schweißtreibend und verdeutlicht den hohen Wassergehalt der Luft. Waschküchenwetter ist wohl der richtige Ausdruck dafür. Insbesondere an der sich herausbildenden Konvergenz, aber vor allem in derem Vorfeld über Mecklenburg – Vorpommern, dem nördlichen Niedersachsen über Sachsen – Anhalt bis hinüber in den Berliner Raum ist der ML – Cape (konvektives Energie – Potenzial) mit 1000 – 3500 J/Kg ausgesprochen hoch und dadurch herrschen, so habe ich es auch heute wieder gelesen, beste Ausgangsbedingungen zur Entwicklung wahrer „Wasserbomben“ bis hin zum extremen Unwetter! Bevor ich diesen Text schrieb, warf ich kurz einen Blick auf das Wetterradar bei http://www.wetter-online.de, um zu schauen, was diese Luftmasse gerade über Nordosteuropa veranstaltet. Was dort gegen 19.00 in Weißrusland ausgreifend bis zum Baltikum abging, und genau diese Luft kommt zu uns, hätte für uns unvorstellbare und verheerende Konsequenzen. Ganz M-V würde unter Wolkenbrüchen absaufen. Es waren gewaltige Gewitter – Cluster im Hagelniveau unterwegs. Wer die Bilder der Vortage gesehen hat, wie die Hagelsteine selbst nördlich von Sankt Petersburg alles was ihrer Wucht nicht stand halten konnte, kurz und klein schlugen, sollte sich insbesondere am Sonnabend in acht nehmen. Zwar soll die Windscherung in den Gewittern nur schwach sein, so dass bei uns mit maximal mittelgroßem Hagel bis 3 cm Korngröße zu rechnen ist, aber auch das kann in der Masse nicht ohne sein. Bei aller Dramatik möchte ich natürlich keine Panik schüren, aber die Wetterlage am kommenden Wochenende sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Ich sehe unsere Pilzwanderung im Hohen Holz in Gefahr. Morgen Abend werde ich anhand der neuesten Wetterdaten entscheiden, ob ich sie absagen werde. Wer mitkommen möchte, bitte morgen Abend noch mal in die Terminankündigung schauen oder sich auch auf http://www.unwetterzentrale.de  informieren. Dort laufen zeitlich und regional eingegrenzte Vor – und Akutwarnungen. Hier sind natürlich die Vorwarnungen relevant, denn bei Akutwarnungen ist das Spektakel schließlich bereits im gange.

Der für mich interessanteste Fund meiner gestrigen Mittwochsexkursion ist dieser resupinate Rindenpilz, der auf der Unterseite eines liegenden Kiefern – Stammes wuchs. Schade, dass unser Porlingsexperte Jürgen Schwik, mit dem ich viele Jahre kartieren war, nicht mehr in Wismar lebt. Er hätte sicher gewußt, um was es sich handelt. Es gibt hier mehrere Möglichkeiten, die eventuell infrage kommen könnten. So soll es einen Resinitium pinicola geben, der zu deutsch etwa Kiefern – Haarzahn heißen könnte, aber der ist selten und wenig bekannt. Vor allem aus der märkischen Kieferngegend sind einige Nachweise zu finden. Es ist sicher aber ganz etwas anderes und banales, auf das ich gerade nicht komme. Aber was soll`s, ein schöner Fund für mich, auch wenn ich ihn nicht in die Datenbank wegen meines Unvermögens aufnehmen kann. 10.06.2020 Lalchower Tannen.

Freitag, 12. Juni – Nachdem es am Vormittag noch grau in grau, nach leichtem, nächtlichem Regen war, heiterte es am Nachmittag zunehmend auf und die Sommerluft war zu spüren. So geht es auch in den Abend. Schaut man aber in das Wetter – Radar, so erkennt man lockere Quellwolken die strichweise von südost nach nordwest vom Erzgebirge in Richtung M-V und Schleswig Holstein ausgerichtet sind und nordwestwärts voran kommen. Hier manifestiert sich bereits die kommende Konvergenz b.z.w. Luftmassengrenze, die in den nächsten Tagen das Wetter über Deutschland zweiteilt. Einem trockenen und warmen Nordosten, steht eine schwülwarme und gewittrige Südwesthälfte gegenüber. In weiten Gebieten von der Nordsee bis hinunter zu den Aplen können in den nächsten Tagen bis über 100 Liter Regen auf den Quadratmeter herunter prasseln. Stellenweise drohen Überschwemmungen! Die Grenze wird in etwa an der Elbe liegen. Die klassische Verteilung mit stabilem und trockenem Sommerwetter im großen Nordosten und ganz besonders auch im Urlaubsland MeckPomm. Die nun wieder zahlreich ins Land ströhmenden Urlauber wird es freuen, wir, die auf das endlich erwachende Pilzwachstum hoffen, werden wohl wieder das Nachsehen haben. Aber bevor es soweit ist, wird diese Konvergenz nun in den nächsten Stunden immer mehr aktiviert. Auch weil sich die südwestliche Gegenströhmung zu der bei uns eingeflossenen Ostluft verstärkt, so dass Hebungsprozeße in gang kommen können. Wo und wann und wie stark es in der Nacht schon zünden könnte, kann nicht genau vorhergesagt werden. Die einzelnen Wettermodelle sind sich darin nicht einig. Manche rechnen mit einer ruhigen Nacht, andere sehen größere Gewitter – Cluster in Richtung Vorpommern zur Ostsee hinaus ziehen. Wieder andere legen den Gewitterschwerpunkt ausgangs der Nacht und am Vormittag nach Mecklenburg mit örtlichen Niederschlagsmengen bis an die 50 l/qm oder lassen es in der Nacht schon an der Mecklenburger Bucht ordentlich krachen. Ziemlich einig sind sich die Modelläufe aber ab morgen Nachmittag. Nach vorübergehender Berühigung durch Auflösung der Gewitterreste aus der Nacht, soll ab dem späteren Nachmittag von Süden her eine massive Gewitterlage aufkommen, die sich vor allem im südlichen Mecklenburg austoben soll. Dass es so kommt, daran besteht kein Zweifel mehr und es gilt als sicher. Mit jedem Kilometer in Richtung Norden, in Richtung Ostseeküste, sollen die Gewitter ihren Antrieb verlieren und schwächer werden, da allmählich schon stabilere Luft über die Ostsee heranweht. Andere Modelle rechnen aber auch am Sonntag in Westmeckleburg noch mit einzelnen Gewittern. Ob  die morgige Pilzwanderung stattfinden kann ist fraglich. Ich habe sie noch nicht grundsätzlich abgesagt, aber entsprechende Hinweise in der Ankündigung unter „Termine“ gegeben.

Diese Hypogäen wurden mir heute in der Pilzberatung vorgelegt. Sie wurden bei der Gartenarbeit zufällig zu Tage gefördert und in ihrer Nähe steht ein Hasselnussstrauch. Nun bin ich kein Trüffelexperte, aber ich denke, es dürfte sich um die Bunte Schleimtrüffel (Melanogaster broomeanus) handeln. Wer nun glaubt, den großen Reibach gemacht zu haben, ist auf dem Holzweg. Der Trüffel ist zwar jung durchaus verwertbar, aber ein Edel – Trüffel ist es keinesfalls. Die Art soll mit dem Kahlen Krempling verwandt sein, steht also den Röhrlingen nahe.

Sonnabend, 13. Juni – Ein historischer Wettertag neigt sich dem Ende zu. Mecklenburg wurde tatsächlich zum Gewitter Hotspott, insbesondere die Hansestadt Wismar (THW und Feuerwerhr waren im Dauereinsatz), der östliche Bereich des Landkreises Nordwestmecklenburg und westliche Teile des Landkreises Rostock sowie ein Rattenschwanz hinein in den Landkreis Ludwigslust – Parchim. Von Mittags an bis zum Abend wurden hier „Wasserbomben“ am Fließband produziert. Auch akustisch wurden ganze Bombenteppiche abgeworfen. Allein in nur 90 Minuten wurden im Nordosten Deutschlands bis zu 150.000 Blitze registriert! Deutschlandweit und den ganzen Tag über waren es noch wesentlich mehr. In besagtem Gebiet, grob zwischen Grevesmühlen, Wismar, Bad Doberan und Sternberg haben wir bis zum Abend verbreitet zwischen 50 und 100 l/qm bekommen. In einem Kernbereich im Zentrum dieses Niederschlags Hottspotts waren es sogar zwischen 130 – 150 Liter! Das ist für unsere Region wahrhaft historisch!

Zunächst bin ich nach morgentlichem Wetterstudium doch noch zur geplanten Pilzwanderung in das Hohe Holz aufgebrochen. Die Unnwetterzentrale hatte genau für das Zeitfenster unserer Wanderung keine Vorwarnungen ausgegeben, ich wußte aber, dass es trotzdem gewagt war. Ich wollte die wenigen Interessenten, die nun solange auf die erste Wanderung des Jahres gewartet haben, nicht wieder nach hause schicken. Ein kleines, morgentliches Gewitter war gerade aus der Zielregion abgezogen und es heiterte vorübergend auf. Aber gerade dieser Umstand war bei der angespannten Lage mit dem hohen Taupunkt der springende Punkt! Es dauerte nicht lange, bis erstes Donnergrollen uns signalisierte, die Wanderung zum Ende zu führen. Obwohl das Hohe Holz zwischendurch etwas mehr Wasser bekommen hatte, als die meisten anderen Wälder, waren kaum Frischpilze vorhanden. Ein kleiner Bericht folgt in kürze. Punkt 12 Uhr waren wir wieder an unseren Fahrzeugen und das Gewitter auch. Da ich mit meinem Roller fuhr, blieb mir nichts weiter über, als schnell noch in Richtung Wismar zu starten, da es von Süden her dunkel wurde und ich nach Norden mußte. Aber falsch gedacht, gerade in Richtung Wismar ging es bereits ordentlich zur Sache. Und da abzusehen war, dass es eine längere Geschichte werden würde, blieb mir nichts weiter über als durch die Wasserbomben mit kleinkörnigem Hagel ein zweites mal zu Duschen.

Das in den Regionen mit den gewaltigen Regenmengen in den nächsten Wochen pilztechnisch etwas in gange kommen wird, ist klar wie Klosbrühe. Aber auch in angrenzenden Bereichen wird vielfach etwas gehen. Hier ist aber auch die Nachfolgewitterung nicht außeracht zu lassen. Warm soll es bleiben, aber viel Regen steht zunächst für uns im Nordosten nicht mehr auf der Angenda. Aber wo die massiven Niederschläge auftraten, wird auf jedenfall einiges möglich sein. Ob Sommersteinpilz und Co. schon ein erstes mal richtig loslegen wollen, werden wir sehen. Ich hätte gerne eine nennnenswerte Warmzeit vorweg gehabt. Lassen wir uns überraschen. Der große Durchbruch an der Pilzfront kann es schon wegen der frühen Jahreszeit nicht sein.

Die Gemeine Stinkmorchel (Phallus impudicus) scheint es wissen zu wollen und wird immer zahlreicher in unseren Wäldern. Schließlich ist sie die wichtigste Großpilzart in diesem Jahr, also der „Pilz des Jahres 2020“. Die Hexeneier habe ich heute am Standort im Hohen Holz fotografiert.

Sonntag, 14. Juni – Gelegentlich habe ich in den letzten Tagebucheinträgen mögliche Niederschlagsmengen für einen etwa 14 tägigigen Zeitabschnitt für Wismar angegeben, die ich den Diensten von Kachelmann – Wetter entnahm. So beispielsweise am 02. Juni. Dort wurde im Maximalwert des möglichen, kalibrieten Niederschlags 126,6 l/qm bis zum 16. des laufenden Monats gerechnet. Ansich eher utopisch, aber gestern haben wir innerhalb weniger Stunden eine Annäherung an diesen Wert erreicht. Das war schon gewaltig und vor allem wurde fast unser gesamtes Einzugsgebiet mit hohen Regenmengen bedacht. Ich habe hier noch einige Meßwerte herausgesucht. Da es konvektiver Niederschlag war, können schon 100 m weiter weniger oder mehr gefallen sein: Rostock/Warnemünde 1 l/qm, Schwerin 18 l/qm, Goldberg 31 l/qm, Boltenhagen 50 l/qm und Kirchdorf/Poel 82 l/qm. Stellenweis sind es über 100 Liter gewesen! Wenn man die gestrigen Radarbilder im nachhinein durchklickt, sieht man, dass auch im Schweriner Raum einiges los war. So darf man die 18 Liter, die in den dortigen Meßbecher gelangten, nicht so verbindlich nehmen. Im Schweriner Umland sind durchaus regional deutliche höhere Mengen zusammengekommen. Im Bereich des großräumigen Niederschlags Hotspots sind die Böden größtenteils tiefergründig durchtränkt worden. So auch im Wismarer Seeblickpark mit seinem sonst so knochenhartem Mergelboden. Nun ist er aufgeweicht, nicht zuletzt auch noch, da das Wasser vom höher gelegenen Stadtteil Wendorf wie eine zusätzliche Sintflut die Parkanlage überschwämmt haben muss.

Dieses Bild habe ich heute Mittag in Hafennähe in Wismar aufgenommen. Direkt daneben befindet sich der Motorrad – Parkplatz, auf dem ich mein Dienstfahrzeug parke. Es handelt sich um eine zeitweise feuchte Senke in der sonst Weiden wuchsen. Vor wenigen Tagen wurde der Bereich zusätzlich begradigt und etwas tiefer gelegt. Nur nach sehr starken Niederschlägen sammelt sich hier viel Regenwasser an. Letzmalig war das nach dem Osterschnee im April 2018, aber noch nie habe ich in ihr soviel Wasser gesehen, und dass, obwohl sie zusätzlich vertieft wurde. Für mich ist diese Senke seit Jahren eine Zeigerstelle für die wirkliche Ergiebigkeit der Niederschläge und wenn diese voll war, ging auch an der Pilzfront die Post ab, sofern gerade Saison war.

Hätten wir dieses Niederschlagsereignis Ende August bekommen, hätte es mit Sicherheit, längere Trockenheit und Hitze vorweg, einen gewaltigen Pilzausbruch gegeben. Gerade auch die beliebten Steinpilze hätten die Ouvertüre dazu eingeleitet und wären explodiert, so üppig und kapital, wie wir es nur selten in einigen Jahren schon mal erlebt haben. Nun ist es dafür natürlich viel zu früh, aber nicht nur Sommersteinpilze könnten vieleicht doch schon einen beeindruckenden Start hinlegen. Beginnend in 11 – 14 Tagen. Zwar war die Vorwitterung nicht optimal, weil viel zu kalt, aber dafür ist nach Durchzug der Gewitter endlich der Sommer eingekehrt. Meist läuft es ja anders herum. Warm und zunehmend schwül und nach Durchzug einer Gewitterfront deutlich frischer. Die Sommerwärme soll bei uns im Nordosten in den nächsten Tagen anhalten, ohne in eine Hitzewelle überzugehen. Die intensive Sonneneintrahlung tut ihr übriges und kann selbst an sonnigen Waldkannten die Entwicklung der Primordien fördern, denn die Böden sind tiefgründig durchtränkt. Wenn alles gut läuft, kann es in der zweiten Wochenhälfte noch Regennachschub geben, der diese Entwicklung stützen würde. Am Donnerstag/Freitag könnten von Südwesten her kräftige Regenfälle und Gewitter auch wieder auf M-V übergreifen. Die mittelfristigen Modelläufe deuteten am Nachmittag über Deutschland für die nächsten 14 Tage überwiegend eine barometrische Sumpflage an, mit zeitweiligem Tiefdruckeinfluß. Im barometrischen Sumpf befinden wir uns schon seit Tagen, daher konnten die Gewitter auch keine große Eigendynamik entwickeln und bildeten sich über den selben Regionen immer wieder neu, mit den für uns positiven Auswirkungen. Dadurch könnte es immer mal nachregnen oder zu Gewittern kommen, und das meist bei sommerlich warmen Temperauren, ohne große Hitze. Das sollten recht ordentliche Bedingungen, trotz der hohen Verdunstungsrate sein. Dann hätten auch die beliebten Pfifferlinge endlich mal wieder eine Chance, sich in Bewegung zu setzen, denn ähnlich wie die Sommersteinpilze haben auch sie viel nachzuholen.

Reichlich spät in diesem Jahr, mein erster Röhrling. Die Parkanlage am Seeblick in Wismar war heute nahezu pilzfrei, aber wie zum trotz und wie im Märchen pralte förmlich dieser mastige Flockenstielige Hexen – Röhrling (Boletus luridiformis) auf der kurzgrasigen Rasenfläche und lachte mich an. In 10 – 14 Tagen wird man hier vor Pilzen kaum treten können. Parkanlagen haben im Sommer ihr großes Maximum.

Montag, 15. Juni – Heute jährt sich ein markanter Unwettertag zum ersten mal. Ein Schwergewitterkomplex setzte damals Teile Westmecklenburgs unter Wasser. Zwischen Boltenhagen, Rehna und Grevesmühlen fielen 50 – 80 Liter Regen auf den Quadratmeter und löste vielerorts Überschwemmungen aus. Damals stand eine öffentliche Wanderung durch den Gespensterwald Nienhagen auf dem Programm, die ich vorsorglich absagen mußte und das war auch gut so. Anders als am vergangenen Sonnabend, wo wir wirklich noch Glück hatten und ein trockenes, gewitterfreies Zeitfenster ausnutzten, ging im vergangenen Jahr genau in der Zeit der geplanten Tour ein Schwergewitter über das Exkursionsziel. Natürlich kam in den betroffenen Wäldern pilztechnisch etwas in gange, aber an eine größere Geschichte kann ich mich nicht erinnern. Immerhin wuchsen damals durch Vorgänger – Niederschläge im Gespensterwald schon reichlich Graue Wulstlinge, Perlpilze und nach dem Gewitter erschienen einige Tage später auch Sommersteinpilze. Am Abend des 15. Juni war ich aber noch in den Gespensterwald gefahren und konnte zwei bildschöne Eichen – Rotkappen fotografieren. Auch wunderschöne Stimmungsfotos gelangen mir von Land und Meer. Saharastaub in der Atmosphäre sorgte  für eine außergewöhnliche Stimmung. Siehe unter „Tagebuch Juni 2019“.

Nun hatten wir in diesem Jahr auch einige Vorgängerniederschläge, aber weit weniger ergiebig, als im letzten Jahr. So wird besonders in den Regionen mit den höchsten Regenmengen auch einiges in gange kommen, aber wir sollten die Meßlatte nicht zu hoch anlegen, denn heute endet erst der Frühlingsaspekt und es beginnt der Frühsommer (Mitte bis Ende Juni). Aber wir werden sehen.

In grauer Vorzeit, irgendwann in den 1970er Jahren, ich war noch im zarten Kindesalter und hatte gerade die Pilzberatung als meine Anlaufstelle entdeckt und ging damals vor September kaum in die Pilze. Aber gelegentlich fand ich natürlich auch schon früher einige Sachen, zu denen ich mir Rat oder Bestätigung einholen wollte. Natürlich bei der damals stadtbekannten Pilzfrau Annalotte Heinrich. Es war Ende Juni und ich war verwundert, dass die Pilzsammler zu so früher Zeit schlange an der damals schon als Ladenlokal eingerichteten Beratungsstelle standen. Volle Körbe mit Steinpilzen und vielem mehr. Ich konnte es nicht glauben, so früh im Jahr. Es ließ mir keine Ruhe und ich fuhr mit dem Fahrad in meinen Hauswald, den Redentiner Tannen und kontrollierte meine mir damals schon bekannten Steinpilz – Plätze. Mit Erfolg! Teils richtig große Apparate, die schnell meinen Korb füllten. Ab mit meinem Super Fund zur Pilzfrau und die war nicht bange, ihren Unmut temperamentvoll anzubringen, wenn ihr etwas gegen den Strich ging. Und das waren ausgerechnet meine tollen Steinpilze. „So etwas läßt man im Wald stehen! Überständig und drohende Eiweißzersetzung kann schlimme folgen haben.“ Ich möchte nicht gerade sagen, dass sie mir die alten Latschen um die Ohren gehauen hat, aber ab diesem Zeitpunkt fanden nur noch Steinpilze die jung und fest sowie noch weiße Röhren besaßen, den Weg in meine Sammelbehältnisse. Drohten die Röhren gelbgrünlich zu werden, blieben sie im Wald. Über diese rigorose Verhaltensweise wurde ich später auch etwas schief angeschaut und mein Verhalten als völlig überzogen belächelt. Aber dass ist durchaus kein schlechter Ansatz, reife Exemplare werden schnell weich und sind oft madig, so dass man sie zu hause ohnehin meist auf den Kompost schmeißt. So können sie im Wald noch ihrer natürlichen Bestimmung nachgehen und die ist ohnehin nicht für die Bratpfanne bestimmt.

Aber nun bin ich wieder in die Welt der Erinnerungen abgeschweift. Eigentlich wollte ich damit nur andeuten, dass es auch Ende Juni, und vorher greifen die Niederschläge ohnehin kaum, schon mal richtig flott abgehen kann. So war das beispielsweise auch im Super Pilzjahr 1998. Damals starteten wir ab Ende Juni regelrecht in die Hochsaison. Es wuchs bis Mitte August fast alles, was wir auch aus dem Herbst kennen und Steinpilze sogar in Massen. Neben den Sommervertretern, vor allem auch Fichten – Steinpilze. Aber die Ausgangsbedingungen waren andere. Der Herbst 1997 war knochentrocken, so dass hier auch all das nachgeholt wurde, was im letzten, feuchten Herbst 2019 teilweise in Massen wuchs. Deshalb brauchen wir auf ein solches Szenario kaum hoffen, aber die klassischen Sommerarten haben Potenzial für einen reichlichen und satten Auftritt in den nächsten Wochen und Monaten. Unsere Pilzfreundin Angelika aus Hagebök, bei Wismar, war heute zu einer Info – Tour in die Nossentiner/Schwinzer Heide gefahren und kontrollierte einen Jungeichenbestand mit Pfifferlings – Potenzial. Und das nichteinmal erfolglos. Eine erste, kleine Mahlzeit war ihr sicher. Auch gab es Scheidenstreiflinge und einige schwach giftige Narzißengelbe Wulstlinge. Hier haben moderate Vorgängerniederschläge schon ihre Wirkung gezeitigt. So könnte es regional schon mal lohnen, solange die Erwartungen nicht zu hoch angesetzt werden. Da müssen wir noch bis Ende des Monats warten und Nachfolgeniederschläge währen wünschenswert und könnten die Entwicklung stützen. Das ECMWF – Modell rechnet bis zum 30. Juni für Wismar im Mittel mit 29 Liter. Minimal 2 Liter und maximal 67 Liter. Manchmal klappt es ja sogar mit den Maximal – Werten!

Auch ich bin gestern Abend noch zu einer kleinen Info – Tour aufgebrochen und konnte dieses stimmungsvolle Vorsonnenuntergangs – Foto bei Neukloster aufnehmen. Wir sehen hier kein natürliches Gewässer, ist ist ein Maisfeld, dass über mehrere Hektar überschwemmt ist. Reis wäre hier wohl die richtige Fruchtfolge gewesen. Den Wasserbomben vom vergangenen Sonnabend sei dank. 14. Juni 2020.

Dienstag, 16. Juni – Sommerwetter vom feinsten können wir derzeit an der Ostseeküste genießen. Insbesondere die schon zahlreich angereisten Urlauber dürfte es freuen. Morgen und mit etwas Glück auch noch am Donnerstag herrscht Strandwetter, auch wenn das Wasser der Ostsee noch etwas frisch sein dürfte. Ab Freitag ist dann Schluß mit lustig für Sonnenanbeter. Von Südwesten her schiebt sich eine Luftmassengrenze und Konvergenzzone heran und zusätzlich bildet sich wohl auch noch ein Tief über unseren Köpfen. Somit kommt die Zone, die uns die „Wasserbomben“ am Sonnabend gebracht hat, wieder zurück. Nachdem sie Anfang der Woche über der Westhälfte etwas geschwächelt hat, da sie ihr Feuchte- und Energiepotenzial bei uns größtenteils verpulvert hatte, setzt ab morgen wieder eine verstärkte Feuchtezufuhr ein und damit dürfte es wieder ordentlich rappeln im Karton. Allerdings nicht bei uns im Nordosten. Wir haben ja noch die Sonne gebucht. Erst am Freitag und Sonnabend sind wir dann wieder an der Reihe. Einzelne, kräftige Gewitter und teils länger anhaltender Landregen können dann niedergehen. Oft konvektiv durchsetzt und vieleicht auch wieder unwetterartig. Verbreitet können aus heutiger Sicht zwischen 20 und 40 Liter auf den Quadratmeter zusammen kommen. Vieleicht hat dann endlich auch Vorpommern die Chance auf ansehnliche Regenmengen. Das ECMWF – Modell rechnet für Wismar bis zum 1. Juli im Mittel mit 47,5 l/qm. Davon könnte ein Großteil bereits am kommenden Wochenende fallen. Maximal können bis zum 01.07. 101,9 l/qm niedergehen, minimal 3,3 l/qm. Letzteres scheint unrealistisch.

Was könnte diese Entwicklung an der Pilzfront zur Folge haben? Lassen wir uns überraschen. Fakt ist zumindest, mit den intensiven Regenfällen von Sonnabend, den sonnigen und warmen Tagen in der Nachfolge und neuerliche, möglicherweise ergiebige Niederschläge am nächsten Wochenende, die wiederum von warmen Sommerwetter abgelöst werden, herrschen beste Entwicklungsbedingungen und vieleicht kitzelt es die ersten Sommerarten schon zahlreicher aus der Reserve. Noch herrscht diesbezüglich Ruhe. Vieleicht ist es die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm.

Ruhe an der Pilzfront und Ruhe in der Pilzberatung. Damit könnte es im laufe der kommenden Woche vorbei sein, denn sicher ist zumindest eines: in städtischen Grünanlagen wird sehr wahrscheinlich eine erste Invasion der leicht giftigen Karbol – Champignons einsetzen und besonders unter Linden werden die Netztstieligen Hexen – Röhrlinge für viele einen atraktiven Blickfang liefern und zum einsammeln verführen. Zusätzlich werden reichlich Täublinge, Perlpilze und ihre giftigen Doppelgänger, die Pantherpilze erscheinen. Auch erste Grüne Knollenblätterpilze sind möglich. Dieses Szenario dürfte als ziemlich sicher anzusehen sein. Vergessen habe ich jetzt wohl noch die Sommersteinpilze. Auch sie werden zumindest in einigen Parkanlagen reichlich schieben und mit etwas Glück auch in ansehnlichen Mengen in unseren Wäldern. Diesbezüglich ist mein Optimismus schon größer geworden, weil wir trotz der langen Kühle nun reichlich Regen im Wechsel mit Sommerwärme haben. Ich denke, dass sollte treiben.

Wie schon erwähnt, noch herrscht in den Parkanlagen die Ruhe vor dem Sturm. Im Wismarer Seeblickpark ist sogut wie nichts los. Ganz vereinzelt mal einige Waldfreund – Rüblinge (Collybia dryophila) oder ein Frühlings- Ackerling.  Selbst diese dünnfleischigen Pilze sind bei dem sonnigen Sommerwetter noch vollkommen vom Starkregen des Wochenendes aufgeweicht.

Mittwoch, 17. Juni – Wie jeden Mittwoch, falls nichts dazwischen kommt, bin ich heute wieder zu einer Mittwochsexkursion aufgebrochen. Ziel waren die Quetziner Tannen bei Plau am See, im 2. Quadranten des MTB 2539 und unweit der dortigen Fachklinik, in der vor etlichen Jahren unsere Pilzfreundin Helga Köster eine schwere, lebensrettende OP über sich ergehen lassen mußte. Das Wetter war heiter bis wolkig und sommerlich warm. Gerade noch akzeptabel für eine Waldwanderung. Allerdings bin ich nicht nur im Waldesinneren unterwegs gewesen, sondern auch ein wenig in Ortslage Quetzin. Hier inspizierte ich beispielsweise auch den dortigen, kleinen Friedhof mit seinen ansehnlichen Alteichen. Hier war allerdings nur ein alter, vorjähriger Schwefelporling auszumachen. Ansonsten war es knochentrocken und an Frischpilze nicht zu denken. Einzig an schattig liegendem Totholz im Wald ein frischer Rehbrauner Dachpilz. Die Quetziner Tannen sind nicht von Tannen bestanden, sondern es ist ein Kiefernforst mit etwas Laubwald – Anteil an den Rändern. Integriert ist hier ein Naturlehrpfad und eine Trimmdich – Strecke mit entsprechenden Ertüchtigungs – Geräten. Wie es aussah, ganz frisch angelegt. Bietet sich natürlich für Urlauber und sicher auch für Patienten der dortigen Klinik an. Am Eingang des Waldes finden wir ein Schild mit der Aufschrifft „Dieser Wald ist anders“. Damit ist natürlich nicht die Trimmdich – Strecke gemeint, auf die wir in den allermeisten Wäldern verzichten müssen, sondern eine besondere, naturnahe Waldbewirtschaftung. Es war auch reichlich Totholz vorhanden. Das aber wirklich Andere an diesem Kiefernforst war, dass er beispielsweise für Pilzsucher nahezu, zumindest im Bereich der Altkiefern, undurchdringlich scheint. Zugewuchert bis zum geht nicht mehr von der Pest des Waldes, der Spätblühenden Traubenkirsche und dazu noch reichlich Himbeeren und Brombeeren. Allenfalls die Wegränder dürften zu besseren Zeiten etwas zu bieten haben. Angesichts dieses Dschungels hielt sich meine Fundliste in ungewöhnlich engen Grenzen.

Auf der Rückfahrt machte ich noch kurz in der Schwinzer Heide Zwischenstopp, um etwas Moos einzusacken und eine Sommersteinpilz – Stelle zu kontrollieren. Diesbezüglich Fehlanzeige, dafür fand ich in den 10 Minuten meiner Anwesenheit gleich mehrere Frischpilzarten, allen voran Ziegelrote Mairißpilze, der Doppelgänger des Maipilzes. Mit dieser Art hatte ich im sandigen Kiefernforst nicht gerechnet. Aber bereits im vergangenen Jahr wurde ich fast an gleicher Stelle vom Maipilz überrsascht.

Ziegelroter Rißpilz (Inocybe patouilardii) gestern am Standort in der Nossentiner/Schwinzer Heide fotografiert. Die Pilze waren frisch gewachsen und standen gut im Saft. Aber den ganzen Tag intensive Juni – Sonne läßt sie schnell leiden und sie neigen zum verwelken. Stark giftige Art, deren Muskaringehalt um ein vielfaches höher sein soll als beim Fliegenpilz.

Donnerstag, 18. Juni – Wie ich im gestrigen Tagebucheneintrag bereits erwähnte, nahm ich gestern schon mal ein Säckchen frisches Moos aus der Schwinzer Heide mit. Grund dafür ist die Erweiterung meiner Ausstellungsflächen. Die Handvoll Frischpilze, die bisher zur Verfügung standen, konnte ich immer noch in einer Niesche meiner ständigen Ausstellungsfläche unterbringen. Damit wird spätestens in einer Woche schluß sein, denn ich erwarte zumindest in den städtischen Anlagen, aber teils auch in den Wäldern, die von den sintflutartigen Regenfällen vom vergangenen Sonnabend betroffen waren, einen ersten, nenneswerten Wachstumsschub, so dass schon mal vorgesorgt sein soll. Es wird also bald eine für Kochtopfmykologen sehenswertere Ausstellung geben können, denn die meisten interessieren sich nicht für harte, ungenießbare Holzpilze oder staubtrockene „Puffpilze“ aus der letzten Saison. Das war während des Sommers in den beiden zurückliegenden Jahren so nicht möglich. Ob es dann den Sommer über so weiter geht, steht in den Sternen. Aber wir nähern uns ja ganz allmählich dem Siebenbschläfer – Zeitraum an (27.06. – 07.07.). Hier werden bekanntlich oft die Weichen des Sommers gestellt. Auf http://www.wetter-online.de ist heute ein Video zu dieser Thematik eingestellt. Demnach läßt sich schon heute eine zaghafte Grundtendenz ausmachen. Der Sommer könnte Achterbahn fahren. Sommerlich warme Perioden sowie Hitzewellen können immer wieder von feuchteren. regnerischen und kühleren Phasen unterbrochen werden. Das wäre für uns Pilzfreunde ideal, aber letztendlich weiß niemand, wie es wirklich kommt.

Zumindest gegenwärtig scheint sich diese Prognose zu bestätigen. Nach den „Wasserbomben“ vom letzten Wochenende hatten wir einige schöne, sonnige und warme Tage. Nun wird es auch bei uns wieder kühler und feuchter. Obwohl feucht ist vieleicht nicht der richtige Ausdruck, es kann klatschnass werden! Genau die selbe Luftmassengrenze plus zugehöriger Konvergenz, die uns die wasserhaltige Gewitterlage am Sonnabend gebracht hat, hat sich nun wieder vom Südwesten und Westen Deutschlands in Richtung Nordosten auf den Weg gemacht und hat heute Abend die Elbe erreicht. Derzeit wird gerade Hamburg gefluttet und gestern herrschte im Raum Düsseldorf Land unter. Die schweren Gewitter hatten dort ebenfalls über 100 Liter Regen in kurzer Zeit abgelassen und ganze Ortschaften überschwemmt. Ab der kommenden Nacht und bis zum Sonnabend ist nun auch wieder der Nordosten betroffen. In der Nacht kommt die Luftmassengrenze noch nicht nennenswert über die Elbe, obwohl es im südwestlichen Mecklenburg bereits gewittert. Grund ist feuchtwarme Gewitterluft, die von Polen nach Westen will und M-V bereits geflutet hat. Im weiteren Verlauf schiebt aber die über Westdeutschland voran kommende kühlere Meeresluft weiter nach, so dass die feuchten Luftmassen bei den gegenläufigen Windströmungen konvektiv angehoben werden. Die Konvergenz verstärkt sich und durch die feuchtwarme östliche Gegenströmung bildet sich ein kleines Tief über Nordwestdeutschland. Die Folge sind starke Gewitter und intensive, teils unwetteratige Regenfälle über Schleswig – Holstein und Mecklenburg Vorpommern. Entsprechende Unwetterwarnungen laufen bereits. Wieder könnte durchaus ein Streifen besonders viel abbekommen, der am letzten Sonnabend schon Land unter meldete. Die http://www.unwetterzentrale.de bewarnt unser Einzugsgebiet vor möglichen Gewittern mit bis zu 40 l/qm in kurzer Zeit und ergiebigen Starkregen um die 50 l/qm, teils auch mehr!

Rehbrauner Dachpilz (Pluteus atricapillus) am 17.06.2020 in den Quetziner Tannen. Jung essbar.

Freitag, 19. Juni – Grau in grau und regnerisch präsentierte sich der metereologisch letzte Frühlingstag in M-V. Tief Octavia hat uns fest im Griff und das noch bis morgen. Von Unwettern blieben wir jedoch verschont. Es regnete meist in leichter Intensität. Die vorhergesagten, gewittrigen Starkregenfälle haben uns verschont und sind nördlich an uns vorbeigegangen. So bildete sich in der vergangenen Nacht ein großräumiger Gewitterklomplex über der Ostsee und zog nach Dänemark. Hier kam mächtig was vom Himmel, auch wieder mit eingelagerten Wasserbomben. Auch die Schleswig – Holsteinische Ostseeküste bekam noch etwas davon ab. Nichtsdestotrotz laufen für Mecklenburg weiterhin Unwetterwarnungen bis morgen früh 08.00 Uhr. So soll sich das verantwortliche Tief Oktavia noch etwas verstärken. Ob es einen über Nordostpolen liegenden, gewittrigen Starkregenklomplex noch in die Drehkomponente über M-V mit einbeziehen kann, halte ich für eher unwahrscheinlich. Insgesamt war das Wetter heute für unsere Interessen, trotz der eher geringen Niederschläge, sehr positiv. Es herrschte Pilzwetter vom feinsten und würde die Fruchtkörper nur so sprießen lassen, wäre es nur schon soweit. Zumindest in den Regionen mit hohen Niederschlagssummen vom letzten Sonnabend war es eine willkommene Unterstützung des sich vorbereitenden Wachstumsschubes. Dort, wo hingegen am letzten Sonnabend nichts großes vom Himmel fiel, war der heutige Regen ein Witz! Die in der nächsten Woche anstehende Hitzewelle zieht nähmlich auf den leichteren Sandböden und an sonnigeren Plätzen in kurzer Zeit das Wasser wieder ab. So bleibt nur zu hoffen, dass es am übernächsten Wochenende, wenn sich nähmlich verstärkt an der Pilzfront etwas tun sollte, wieder wechselhafter und kühler wird. Sonst drohen nähmlich die positiven Ansätze im Keim erstickt zu werden. Aber ich denke, an weniger sonnenexponierten Standorten sollte es schon klappen. Ein gutes wird das hochsommerliche Sonnenwetter auch haben. Es dürfte dafür sorgen, dass sich die Schnecken etwas zurückhalten sollten, die sich zur Zeit an den wenigen Frischpilzen, allen voran einigen Täublingen, gütlich tun. Übrigens wurden heute schon erste Champignons gesichtet! Erste heißt nicht, die ersten der Saison, denn bereits im Mai hatten wir einen kleinen Schub von Agaricus – Arten.

Dem Tagebuch von Christian Ehmke entnehme ich, dass im Wismarer Seeblickpark nun schon die ersten Sommersteinpilze durchbrechen. Siehe unter http://www.ostseepilze.de . Das ist den Vorgänger – Niederschlägen von vor 14 Tagen (04.Juni) zu danken und die Wasserflut vom letzten Wochenende unterstützte diese Vorbereitungen. Kombiniert wird es zumindest dort und in den Gebieten mit ähnlichen Niederschlagsmengen und Intervallen sehr wahrscheinlich einen sehr satten und nachhaltigen Schub geben, sollte die kommende Hitze sich nicht als Hemmschuh erweisen.

Hier noch die mögliche Niederschlagssumme bis zum 04.07.2020 für Wismar. Im Mittel können es bis dahin 38,7 l/qm werden. Im Minimum: 6,3 l/qm und maximal können 103,4 Liter auf den Quadratmeter zusammen kommen.

Dieses aufgespaltene Exemplar eines Breitblättrigen Rüblings (Megacollybia platyphylla) weckte mein Interesse am vergangenen Mittwoch. Es wuchs im Straßengraben bei Alt Schwinz. Zunächst dachte ich, ein Pilzsucher hätte einen Kontrollschnitt zwecks Madenbefall gemacht. Aber weit gefehlt. Der Fruchtkörper stand prall im Saft und die starke Juni – Sonne hatte seine Außenhaut wie ein Kosrsett angetrocknet, so dass der Fruchtkörper einfach in der Mitte aufbrach. Ein Lehrbeispiel für einen Faserblätterpilz. Standortfoto am 17.06.2020 in der Schwinzer Heide.

Sonnabend, 20. Juni (Kalendarischer Sommeranfang) – Und das scheinen die Sommersteinpilze zu wissen und starten zu einem mächtigen Wachstumsschub durch. Etwas früher als erwartet, geschuldet den Regenfällen von Anfang Juni und durch den Starkregen vor einer Woche sowie der warmen Nachfolgewitterung. Allerdings ist es auf die Fläche unseres Einzugegebietes gesehen, eine erste Vorhut, denn die auslösenden Niederschläge waren vor dem großen Regen nicht überall nennenswert gewesen. So wird es zunächst noch differenziert sein, aber ich denke, zumindest die kommenden zwei Wochen dürften einiges bringen. Eigentlich wollte ich heute morgen nur ein Foto für das Tagebuch haben. Angesichts der Massen an Sommersteinpilzen und in teils sogar schon in recht ansehlicher Größe, konnte ich nicht an mich halten und verfiel dem Sammelrausch. Dabei habe ich gleich zweimal gegen gesetzliche Bestimmungen verstoßen: 1. Ich sammelte Pilze in einer Parkanlage, was verboten ist und 2., ich nahm vom Gewicht zuviel mit, in der Stückzahl waren es genau 80. Mindestens dreimal so viele kleine habe ich noch stehen gelassen, die schieben nun sehr schnell nach. Natürlich waren schon etliche von Spaziergängern und tobenden Kindern zertreten oder die Köpfe abgeschossen. Würde ich sie nicht einsammeln, könnten sie bei manchen Zeitgenossen gar zum Fußballspielen annimieren. Ansonsten war es noch sehr artenarm. Selbst die Karbol – Champignons hielten sich noch sehr zurück. Ich konnte nur 4 Exemplare entdecken, die in die Ausstellung gehen. Aber auf einem Areal unter Atbuchen schoben auch zahreich und teils büschelig Flockenstielige Hexen – Röhrlinge.

Tief Octavia faßte sich in der Nacht doch noch ein Herz und ließ es ordentlich plattern. Besonders im Großraum Rostock kamen noch um die 30 Liter zusammen. Der Bereich hatte von den Wasserbomben am vergangegen Sonnabend kaum etwas abbekommen.

Da ich heute zum Geburtstag eingeladen bin, bei ehemaligen Klassenkameraden und Jugendkumpels, mit denen ich schon als Kind in die Pilze ging und die immer noch begeisterte Pilzsucher sind, habe ich die schönsten Steinpilze ausgesucht und werde sie als Geschenk überreichen. Damit rechnen die ganz sicher nicht, denn sie sind konventionelle Pilzsammler, die nur im Herbst losgehen, wenn alle gehen! Ein besseres Geschenk fällt mir wirklich nicht ein.

Sonntag, 21. Juni – Nach feuchtfröhlicher Geburtstags – Grillparty war die Nacht kurz, da heute morgen um 08.00 Uhr bereits Treff zu einer Vereinsexkursion war. Ziel war der Gadebuscher Stadtwald. Dazu hatten sich fünf Vereinsmitglieder und Gäste eingefunden. Das Laubwaldgebiet steht auf etwas besseren Böden und enthält durchaus interessante Buchenwaldbereiche. Das Frischpilzaufkommen war zwar sehr bescheiden, aber allmählich wird es nun endlich etwas vielfältiger. Hier und da einige Täublinge, allen voran Frauen – Täublinge und sehr schöne Kurzstielige Ledertäublinge. Vereinzelt einige Wulstlinge (Grauer Wulstling, Fuchsige Scheidenstreiflinge), der Pilz des Jahres 2020, Spindelige Rüblinge und erste Lacktrichterlinge. Röhrlinge waren bis auf drei Sommersteinpilze und einem Rotfüßchen keine vertreten. Nervig waren die Schnecken, deren Hunger kaum einen Fruchtkörper verschont hatte.

Am Nachmittag brachen Irena und meine Wenigkeit noch zu einer etwas größeren Erkundungstour bis Krakow am See auf. Zunächst wurden einige Sommersteinpilz- und Pfifferlingsstandorte im Sternberger Seenland inspiziert. In punkto Sommersteinpilze herrschte die Ruhe vor dem Sturm, so er denn tatsächlich einsetzen sollte. Pfifferlinge scheinen im Gegensatz zu den letzten beiden Jahren ganz gut in gange zu kommen. Hier und dort zeigten sich schon recht ansehliche Exemplare. Ansonsten nur vereinzelt mal ein Täubling oder Scheidenstreifling. Bei Alt Schwinz, in der Nossentiner/Schwinzer Heide, auch nicht besser, aber sogar noch zwei frische Maipilze! Als Krönung bestiegen wir schließlich den Aussichtsturm auf dem Jörnberg in Krakow am See. Das Wetter war ganz toll und uns offenbarte sich ein herrlicher Rundblick in die mecklenburgische Seenplatte und die Nossentiner/Schwinzer Heide hinein. Unbedingt zu empfehlen mit Blick auf kleine (Ferien) Ortschaften, dem buchtenreichen Krakower See und den weitläufigen Wäldern.

Zu Mittag gab es in Keez Kartoffelklöße und Mischpilz – Pfanne. Bunt gemixt mit Scheidenstreiflingen, Judasohren, Pfifferlingen, Flockenstieligen Hexen – Röhrling, Sommersteinpilz und Perlpilz. Dabei hatte ich die seltene Gelegenheit, die verschiedenen Arten ein wenig zu testen. Geschmacklich mit Abstand am besten Flockenstieliger Hexenröhrling und Pfifferling. Perlpilz und Scheidenstreifling etwas modrig, muss nicht sein. Der kleine Steinpilz nahezu geschmacklos und das letzte waren die schlabberigen Judasohren. Muss ich nicht haben, es sei denn beim Asiaten in der herzhaft scharfen Soße. Wie schon einmal bei einem Test vor vielen Jahren fallen Steinpilze als Frischpilz geschmacklich bei mir durch, als Trockenpilz gewinnen sie eindeutig an Aroma. Also lieber trocknen und dann verwenden, wäre meine Empfehlung. Ansonsten gibt es viele Speisepilze, die dem Herrenpilz geschmacklich überlegen sind. Gesammelt, zubereitet und fotografiert von Irena Dombrowa.

Montag, 22. Juni – Ein freundlicher und angenehm temperierter Sommertag. Die Hitze ist noch nicht da und zumindest die kommende Nacht könnte nochmals angenehm frisch werden. Zum Durchlüften geeignet, bevor es von Tag zu Tag wärmer werden soll. In Richtung Wochenende soll die Luft dann feuchter und schwüler werden und die nächsten Gewitter dürften auf dem Programm stehen. Welche Regionen besonders davon betroffen sein werden, ist jetzt noch nicht absehbar. Besonders am Sonnabend ist auch wieder eine Schwergewitterlage möglich. Am wahrscheinlichsten im Osten und Süden Deutschlands, aber wie schon geschrieben, genaues weiß man noch nicht.

Die nun anstehende, überwiegend sonnige und sehr warme Wetterlage, können wir mit gemischten Gefühlen betrachten. Einerseits ist die Wärme für unsere Sommerpilze gut und dürfte die Entwicklung positiv beeinflussen. Wer nun auf reichlich Sommersteinpilze in den nächsten Tagen hofft, dürfte sehr wahrscheinlich auch nicht enttäuscht werden. Allerdings lieben diese Dickröhrlinge auch gerade sonnige Waldrandlagen mit Eichen und gern auch auf Sandböden. Auch hier wird es losgehen, aber man sollte diese Standorte nahezu täglich kontrollieren. Bei der Wärme wachsen b.z.w. schießen sie regelrecht wie die Pilze aus dem Boden. In sonnig heißen Lagen verlieren sie dann sehr schnell an Qualität und werden weich, pappig und mit entsprechenden Trockenschäden. Sie werden am Standort fast gegart und sind schnell minderwertig oder gar verdorben. Anders in schattigen Lagen, beispielsweise in unseren Buchenwäldern auf besseren Böden. Dort dürfte die Qualität zunächst sehr gut sein und auch die Schnecken könnten sich bei zunehmender Oberflächentrockenheit etwas zurück halten. Hier fragt sich allerdings, ob die bisher bescheidene Wärmeausbeute sich nicht hemmend auf die Fuchtkörperbildung auswirken könnte, so dass diese Bereiche erst bei weiteren Schüben im laufe des Sommers ertragreicher werden.

Zu erwähnen wäre vieleicht noch die mögliche Staffelung der Wachstumsschübe. Die Vorhut ist ja in einigen Parkanlagen am vergangenen Wochenende in Schwung gekommen. Parkanlagen sind im Sommer grundsätzlich pilzreicher als die meisten Wälder und legen bei neuen Schüben oft etwas zeitiger los. Aber im laufe dieser Woche sollte der Wasserbombenregen vom vorletzten Wochenende seine Wirkung entfalten und in der Region zwischen Rostock und Stralsund sind erst am letzten Wochenende sehr ergiebige Niederschläge gefallen. Sort dürfte es in etwa 10 – 14 Tagen besser werden. Nicht zu vergessen die Mondtheorie. Nach dieser sollte es ab heute aufwärts gehen, denn gestern war Neumond. Das paßt dann auch wie die Faust auf`s Auge und die Mondtheoretiker werden sich in ihrem Glauben bestetigt sehen. Nicht ganz so nach ihrem Fahrplan dürfte es im Raum Rostock/Stralsund laufen.

Flockenstielige Hexen – Röhrlinge (Boletus luridiformis) setzen zu ihrem ersten Wachstumsschub in diesem Jahr in der Wismarer Parkanlage am Seeblick ein. Standortfoto am 20.06.2020.

Mein erster Fichtensteinpilz (Boletus edulis) in diesem Jahr am Farpener Stausee. 23.06.2020.

Dienstag, 23. Juni – Nun geht es auch mit den Champignons wieder los. Die erste Aufsammlung von giftigen Karbol – Champignons wurde mir heute vorgelegt. Aber auch essbare Arten, wie der Weiße Anis – Champignon sind wieder am kommen. So fand ich heute Abend auf der Insel Poel einige junge Exemplare. Zunächst fuhr ich am Abend in den Forst Farpen am Stausee. Ich wollte die Lage im sandigen Mischwald erkunden, um die weitere Entwicklung beurteilen zu können. Insgesamt recht wenige Frischpilze. Neben vereinzelten Perl- und Pantherpilzen auch mal ein Papagei – Täubling. Am häufigsten waren Röhrlinge, vor allem Sommersteinpilze, aber auch der erste Fichtensteinpilz war schon mit dabei. Auch ein Butterpilz war vertreten. Insgesamt nicht überschwenglich, aber ich konnte feststellen, dass es nun auch in den Wäldern mit Steinpilz und Co. verstärkt losgeht. Sommersteinpilze hatten eine kleine Vorhut geschickt, die nicht sonderlich gut in der Qualität war und teilsweise wurde schon geschnitten. An anderer Stelle konnte ich beobachten, dass der Hauptschub am durchbrechen ist. Besser in der Qualität und fette, satte Exemplare, wie nach den hohen Regenmengen auch nicht anders zu erwarten ist.

Satte Sommersteinpilze (Boletus reticulatus) heute Abend am Farpener Stausee. 23.06.2020.

Und auf der Insel Poel ging es dann richtig Rund in Bezug auf Sommersteinpilze (Boletus reticulatus). 23.06.2020.

Nach dem Waldbesuch ging es dann noch in einen Eichenpark auf der Insel Poel. Allgemein noch recht bescheiden. Wenige Täublinge, Perlpilze, Nelkenschwindlinge, Gilbende Erdritterlinge, auch mal ein Rißpilz und da es schon dämmerte war ich dabei die noch kleinen und frisch durchbrechenden und sehr dunkelhütigen Flockenstieligen Hexenröhrlinge zu zertreten. Ich verließ den sensiblen Bereich, weil ich nicht allzuviel schaden anrichten wollte. Hier gibt es auch einen kleines Areal, auf dem es meist besonders kapitale Sommersteinpilze als Einzelstücke oder in wenigen Exemplaren zu finden gibt. Heute stand hingegen eine vielzählige Pracht dort, die jedes Pilzsammler Herz höher schlagen läßt. Ein herrlicher Anblick und zum Glück hatte ich meinen großen Weidenkorb mit, der innerhalb von 10 Minuten voll war. Ja, ich wollte sie alle haben. Man darf es ohne weiteres Habgier nennen. Das ist eine Eigenschaft, die nahezu allen Pilzsammlern zu eigen ist. Morgen früh gehen sie auf die Trockner, die in den nächsten Tagen noch allerhand zu tun bekommen werden.

Sommersteinpilze für den Trockner. 23.06.2020.

Ohne Verschnitt geht es bei den Sommersteinpilzen meist nicht. Aber derzeit ist die Qualität doch überdurchschnittlich gut, sprich der Madenbefall hält sich noch in Grenzen.

Mittwoch, 24. Juni – Eigentlich hätte ich heute zu meiner regulären Mittwochsexkursion nach Plau am See fahren wollen. Da seit gestern Abend die Anzeige zum Motorölwechsel bei meinem Dienstfahrzeug blinkte, habe ich zunächst einen Termin in meiner Werkstadt vereinbart. Immerhin sind es etwa 300 Kilometer hin und zurück. Eine so lange Strecke wollte ich dann unter diesen Umständen nicht in Angriff nehmen. Die Tour wird in den nächsten Tagen nachgeholt. Auch hatte ich noch eine ganze weile im Laden zu tun, denn die Steinpilze mußten noch auf die Dörrgeräte gebracht werden. So entschloß ich mich am Nachmittag zu einer Erkundungstour durch verschiedene Parkanlagen und Wälder im näheren Bereich. Letztendlich kamen am Ende doch recht viele Fahrkilometer zusammen, aber ich kann den aktuellen Wachstumsschub nun besser beurteilen und einschätzen. Zumindest aus heutiger Sicht. Es handelt sich allgemein um einen eher schwachen bis maximal mässigen Schub erster Sommerarten, mit örtlichen Hotspots, besonders in Parkanlagen. Ich besuchte kurz den Haushalt Forst. Laubwälder auf besseren Böden und mitunter auch reich an Sommersteinpilzen. An einer meiner besten Zeigerstellen war absolut tote Hose. Nicht ein Frischpilz! Weiter in die Parkanlagen Lübstorf/Wiligrad. Nicht viel besser, aber immerhin schon mal zwei junge Sommersteinpilze. Weiter in das Umfeld des Schweriner Schloßgartens. Eine ansich außerordentlich pilzreiche Parkanlage. Für ihre Verhältnisse ebenfalls mehr als bescheiden. Nur vereinzelt mal ein Hexenröhrling oder Sommersteinpilz. Einige Blasse Laubwaldpfifferlinge und junge Frauen – Täublinge sowie zwei Stadt – Champignons. Weiter nun zu einigen Waldstandorten von Sommersteinpilzen im Sternberger Seenland. Auch hier weit unter dem Durchschnitt. Nicht alle kontrollierten Standorte von Sommersteinpilzen waren besetzt. An meiner ergiebigsten Stelle, die oft korbfüllende Erträge liefert, nur drei schlappe Exemplare. Dafür waren Eichen – Kanten, insbesondere direkt an Straßenrändern, wo das abfließende Regenwasser zusätzliche Feuchtigkeit liefert und die sonst nur wenige Exemplare hervorbrinden, überdurchschnittlich mit wirklich schönen und festen Sommersteinpilzen besetzt.

Noch ist die Qualität der Sommersteinpilze gut. Vielfach sind sie kernig und fest und oftmals nur im Stiel mehr oder weniger von Maden angefallen. Waren die gestrigen Sommersteinpilze aus schattiger Parkanlage oft noch sehr dunkelbraun und damit farbfreudig, werden sie an sonnigeren Standorten immer blasser. 24.06.2020 im Sültener Forst.

So hat es schließlich doch noch für einen Trockner gereicht. Auffallend ist auch, dass die Champignons weit unter den Erwartungen zurück bleiben, obwohl ich in Groß Görnow doch einen ansehlichen Trupp von Karbol – Champignons an einer alt bekannten Stelle beobachten konnte. Das mag daran liegen, dass sie keinen besonderen Wachstumsdruck unterliegen, da sie im vergangenen Spätsommer und Herbst eine hinreichende Überproduktion hinlegten. Fazit: Mit etwas Glück kann man bezüglich Sommersteinpilze wirklich die wahre Pracht vorfinden, aber man sollte die Erwartungen nicht zu hoch ansätzen. Oft ist es auch enttäuschent. Mal schauen, was die nächsten Tage bringen.

Junge Frauen – Täublinge (Russula cyanoxantha) im Park am Schweriner Schloßgarten. Wir sehen hier eine etwas ungewöhnliche Form, die aufgrund ihrer Hutfärbung leicht für einen Fleischroten Speisetäubling gehalten werden kann. Welches nicht weiter tragisch wäre, beide zählen zu den besten Speisepilzen in unseren Breiten. Standortfoto 24.06.2020.

Hier sollten eigentlich die nun zahlreicher werdenden Frischpilze zur Auslage gelangen.

Donnerstag, 25. Juni – Heute Vormittag wahr ich mit meinem Dienstroller in der Werkstadt und nun sollte auch wieder reichlich Öl die Funtionstüchtigkeit des Motors gewährleisten. Ansonsten war heute etwas verspätet langer Tag im Info – Zentrum. Eigentlich wollte ich dieser Tage meine Ausstellung erweitern und habe die zusätzliche Ausstellungsfläche bereits vor einiger Zeit aufgebaut und dafür auch  frisches Moos geholt. Aber leider dürfen im Zuge der Maßnahmen zur Eindämmung des Corona – Virus Ausstellungen und Museen immer noch nicht öffnen. Nun ist bei mir zwar kein großer Publikumsverkehr, aber ich werde mich an die Verfügung halten. Sicher ist sicher. Immerhin habe ich auch ein wenig Soforthilfe bekommen. Damit sollte ich zumindest bis zum Herbst die anfallenden Betriebskosten abdecken können. Dann muss es aber wieder in die Vollen gehen, ansonsten sehe ich schwarz.

Zum Wetter: Nach dem die vergangenen Tage sonnig, aber angenehm temperiert, mit wohltuend erfrischenden Nächten verliefen, hat sich heute die hochsommerlich warme und auch etwas feuchtere Luft durchgesetzt. Das Sommerhoch wird aber bereits wieder abgebaut. Der Luftdruck fällt und Tiefs gewinnen die Oberhand. Das die Luft bei uns in der ersten Wochenhälfte eher moderat daher kam, lag an einem Kaltlufttropfen über Polen, der inzwischen nach Süden abgetropft ist und derzeit im Südosten Bayerns, Österreich und Slowakei herum eiert. Er führte somit von Südosten die feuchtwarme Luft zu uns in den Norden. Zugleich bildeten sich an einer damit zusammenhängenden Konvergenz wie an einer Perlenkette Schauer und Gewitter quer über Mecklenburg – Vorpommern. Die Wärmegewitter waren aber nur kurzlebig und meist schnell wieder verschwunden. Örtlich haute es aber heftige Regengüsse runter und stellenweise sind, besonders in Vorpommern, nennenswerte Regenmegen von über 20 l/qm zusammen gekommen. Blitz und Donner bleiben uns noch bis in die Nacht zum Sonntag erhalten. So können auch morgen Nachmittag wieder Schauer und Gewitter entstehen, die noch etwas zahlreicher und stärker sein können. Örtlich besteht sogar Unwettergefahr. Ab Sonnabend Nachmittag ziehen dann von Südwesten her wahrscheinlich mehrere Gewitterstaffeln über uns hinweg. Mal schauen, was sie an Wasser ablassen. Wasserbomben in dem Außmaß wie vor knapp zwei Wochen wird es sicher nicht geben, aber trotzdem kann örtlich Land unter gemeldet werden.

Von der Pilzfront kann ich heute nichts neues vermelden. Nur soviel, das unser Ostseepilzfreund Christian Ehmke wohl seinen Fund des Jahres gemacht hat. Auf der Suche nach winzig kleinen Ascomyceten im Wismarer Stadtgebiet, fielen ihm warzige Gebilde auf, die mit ihrem Scheitel den Erboden durchbrachen. Linden und Goldtrute sollen als Begleitflora anwesend gewesen sein: Er traute seinen Augen kaum, denn er hatte echte Trüffeln gefunden. Es handelt sich um den auch bei uns heimischen, aber nur sehr selten einmal nachgewiesenen Sommertrüffel. Er brachte mir seinen Fund heute in die Pilzberatung und ich kann nur gratulieren. Tolle, ansehnliche und feste Hypogäen mit angenehmen Duft und Geschmack. Christian empfand den Geschmack des rohen Trüffel aber etwas eigenartig und seine Zungenspitze belegend. Wie dem auch sei, die Geschmäcker sind verschieden und nun kann ich auch besser nachvollziehen, warum einige Zeitgenossen in den Trüffel so verschossen sind. Es wurden Belegfotos sowohl von Christian, wie auch meinerseits angefertigt. Auch Exikate müssen her, damit der Fund für die Herbarisierung gesichert werden kann. Die deutschlandweite Pilzkartierung ist um einen großartigen Fundpunkt reicher geworden, zumal aus Norddeutschland bisher kaum Nachweise bekannt sind. Für Mecklenburg – Vorpommern ist es immerhin der dritte Fundpunkt. Alle zwischen Schwerin und Wismar. Immerhin ist dieser Fund nun der bisher nördlichste Nachweis des Tuber aestivum in der Bundesrepublik.

Großartiges hat Christian Ehmke heute bezüglich unserer langjährigen Pilzkartierung erbracht. Den nördlichsten Nachweiß in der BRD von der Sommertrüffel (Tuber aestivum), auch Burgunder Trüffel genannt. Die Art ist nah mit der Perigord – Trüffel verwandt, besitzt aber ein wesentlich dezentereres Aroma, weshalb 100g der Sommertrüffel schon für 36,90 € im Internet bestellt werden können. Bei Amazon ist er derzeit nicht auf Lager. Foto: Chistian Ehmke. Siehe auch unter http://www.ostseepilze.de

Hier noch eine charakteristische Spore von der Sommertrüffel (Tuber aestivum). Bild und mikroskopische Untersuchung: Christian Ehmke.

Noch kurz zu den verschiedenen Geschmäckern. Kürzlich gab ich eine kleine Wertung meines Geschmacksempfindens einzelner, in der sonntäglichen Mischpilzpfanne enthaltener Speisepilze ab. So konnte ich beispielsweise einem kleinen Sommersteinpilz nichts großartiges abgewinnen und ziehe diesbezüglich andere, herzhaftere Speisepilze vor. Schon einmal hatte ich mir vor vielen Jahren eine reine Pilzpfanne bestehend aus Fichtensteinpilzen zubereitet und empfand es ebenfalls als wenig erbauend. Da ziehe ich schon eine herzhafte Pilzpfanne von Stockschwämmchen oder Hallimasch vor. Nun hatte ich aber am vergangenen Samstag zur Geburtstagsparty einen kleinen Präsentkorb mit herrlich jungen Sommersteinpilzen verschenkt, der unter den beiden Geburtstagskindern aufgeteilt wurde. Heute informierte mich einer der beiden, namens Ingo, darüber, dass sie ihm ganz vortrefflich gemundet haben. Ein etwas anderes Aroma als er es vom Fichtensteinpilz her kennt. Da muss ich mich eindeutig entschuldigen, dass ich über den Geschmackswert von Steinpilzen so herablassend geurteilt habe. Vieleicht habe ich einfach nicht das sensible Geschmacksempfinden, dass dafür nötig ist. Ingo war schon immer derjenige von uns (Jugendzeit), der vieles sensibler wahrgenommen hat, als die meisten von uns. Ob es in der Musik war oder in der Malerei, aber auch sonst im täglichen Leben. Musikalisch vor allem in Richtung Heavy Metal, dieses brachiale E – Gitarren – Gewitter, welches uns schon im Teenager Alter und bis heute unter die Haut geht und vereinte. Meine und auch Ingo`s Lieblingsband: Judas Priest. Knallhart und oft brutal, aber trotzdem melodisch und rhythmisch sowie mit einem ungeheuer großen Fundus an hervorragenden Liedkompositionen. Auch The Beatles haben viele tolle Lieder komponiert, Judas Priest steht denen in nichts nach, nur in einer deutlich härteren Gangart. Begnadete Künstler der Extraklasse! Kein Vergleich mit dem heute so beliebten Stampf- und Brachialrock ala Rammstein. Für jede handwerklich gute Metal – Band der klassischen Schule stellt Rammstein meiner Meinung nach eine Beleidigung dar. Aber der Rammstein – Sound firmiert ja eigentlich auch unter „neue deutsche Härte“. Hoffentlich erhalten Judas Priest für ihr Lebenswerk, dass auch für mich sehr viel bedeutet und viel Spass in mein Leben gebracht hat, endlich die ihnen gebührende Anerkennung. Gerade auch das virtuose Gittarenspiel der beiden Liedgitarristen K. K. Downing und Glenn Tipton. http://judaspriest.com Natürlich auch die Musik von größen wie AC/DC (Angus Young), Saxon, Iron Maiden oder Manowar, Ufo, Ted Nugent, Van Halen, Cheap Trick, ich könnte die Liste beliebig fortsetzen, hat ihn und uns damals inspiriert. Nicht zu vergessen auch die Scorpions oder Accept aus Deutschlands Hardrock – Zentrale Hannover. Waren das Zeiten! Was hat nun Heavy Metal mit Feinfühligkeit und sensibler Wahrnehmung zu tun. Als leidenschaftlicher Musiker und Solo – Gitarrist hört er Nuancen und Klangfarben heraus, die vielen Hörern garnicht auffallen oder bewußt werden. Auch in der Malerei muss man das wesentliche Erkennen und das charakeristische herausarbeiten. Ingo ist heute Gitarrenlehrer an der Musukschule, versucht seine Bilder in Ausstellungen an den Mann zu bringen und hat natürlich auch eine eigene Metal – Band. Früher standen die Verstärker bei mir zu hause und es wurde geprobt und zu Partys eingeladen, bis die Polizei kam. 

Schonend auf Dörrgeräten getrocknete Sommersteinpilze. Raschelldürr müssen sie sein und in luftdichten Behältern ausbewahrt werden. Nun ist es schon wieder spät geworden, da ich im heutigen Tagebucheintrag mal wieder zu sehr abgeschweift bin. Schließlich muss ich noch eine Ladung Steinpilze auf den Trockner schneiden und morgen geht es zeitig zu einer individuellen Pilzwanderung.

Freitag, 26. Juni – Um noch kurz auf meinen Geschmack in punkto Musik einzugehen. Der ist natürlich nicht nur auf Härte ausgerichtet. In meinem Fundus befinden sich tausende CD`s, von denen allerhöchstens 10 – 15 % dem Hard Rock und Heavy Metal zuzordnen sind. Die Bandbreite ist enorm, von Op bis Pop, wie einstmals eine Sendereihe des NDR betitelt war. Dazu gehört auch viel gemäßigte Rock und Popmusik, aber auch die großen Bands wie Pink Floyd oder Jethro Tull. Auch Schlager, insbesondere aus den 1970er Jahren und davor. Country & Western, Jazz, aber auch Punk – Rock, Entspannungsmusik und  sehr viel Klassik, die zusätzlich einige hundert CD`s ausmacht. Große Klasse sind für mich Liedermacher wie Hannes Wader, Reinhard Mey, Franz Josef Degenhardt. Konstantin Wecker, Herman van Veen oder auch Ludwig Hirsch aus Österreich. Ich bin also musikalisch sehr vielschichtig orientiert und diesbezüglich sehr tollerant, was man leider von den wenigsten Menschen behaupten kann. Einzig volkstümliche Schlager und oberflächliche Ballermann – Hits gehen mir auf den Wecker. Auch Gangster – Rap ist zu viel des „guten“ Geschmacks. Er zeugt von der Rückentwicklung des Menschen hin zum Neandertaler oder gleich zum Affen. Und all dieses Sammelsurium läuft bei mir im mykologischen Info – Zentrum Tag ein, Tag aus in Endlosschleife. So mancher Besucher erlebte so schon eine kleine, musikalische Schock – Therapie.

Kommen wir endlich zum eigentlichen Thema „Wetter und Pilze“. Beides macht derzeit von sich reden. Das Wetter vor allem durch schwüle Hitze und gebietsweise kräftige Gewitter. Heute hatte es einige Bereiche von Vorpommern wieder heftig erwischt. Stellenweiße waren Unwetterwarnungen der Stufe violett bezüglich Schwergewitter ausgegeben worden. So hat es teilsweise wieder die Gebiete getroffen, die auch gestern von den Gewittern einiges abbekommen haben. Waren vor knapp zwei Wochen vieler unserer Einzugsgebiete von regelrechten Wasserbomben getroffen worden, gab es am letzten Wochenende besonders im Großraum Rostock bis Stralsund sehr ergiebige Regenfälle, so war jetzt eine Region an der Reihe, die vormals nicht besonders viel abbekommen hatte. Dem entsprechend wird das Pilzwachstum und das einsetzen von Wachstumsschüben gestaffelt erfolgen. Unsere Region befindet sich mitten im Schub, im Rostock/Stralsunder Raum wird es im laufe der nächsten Woche besser werden und die Gebiete mit den aktuellen Niederschlags Hotsopts folgen in 10 – 14 Tagen nach. Morgen sind neue Gewitter im Anmarsch. Sie könnten vor allem noch Nordwestmecklenburg in stärkerer Intensität tangieren. Der Schwerpunkt wird aus heutiger Sicht eher über Niedersachsen, dem Hamburger Raum bis hoch nach Schleswig – Holstein liegen. Aber am Sonntag folgen schon die nächsten Regengüsse nach. Mal schauen, was sie uns in die Meßbecher spülen.

Trockenschäden bei Sommersteinpilzen an besonders warmen und sonnigen Eichenkannten in den Barniner Tannen. 26.06.2020.

Bildschöner Sommersteinpilz (Boletus reticulatus) in den Jülchendorfer Buchen. 26.06.2020.

Übrigens bin ich heute morgen mit einem bekannten Pilzfreund aus Wismar zu einer individuellen Sommersteinpilz – Tour aufgebrochen. Ein Pilzsucher, der eigentlich meist im Herbst unterwegs ist und im Sommer allenfalls mal in die Pfifferlinge geht. Zunächst steuerten wir das Revier Weiße Krug zwischen Warin und Blankenberg an. Der Wald war nass und gut durchfeuchtet. Hier hatte das gestrige Gewitter die Schleusen reichlich geöffnet. Das Resultat war, das nahezu alle Frischpilze fast vollkommen von Schnecken zerfressen waren, vor allem auch die Sommersteinpilze. Machte keinen Spaß und wir entschlossen uns zu meinem klassischen „Sommersteinpilz – Springen“. Wir fuhren also gezielt mir bekannte Standorte von Sommersteinpilzen an trockenwarmen Eichenkannten an. So im Sültener Forst, Kaarzer Holz, den Jülchendorfer Buchen und in den Barniner Tannen. Die Steinpilze, die wir hier zumeist vorfanden, waren dann auch so, wie wir es lieben. Bildschön und kaum Schneckenfras. Hier hatte es auch nicht geregnet. Nur an besonders sonnigen Plätzen wiesen sie teilweise erhebliche Trockenschäden auf. Zur Garnierung einige Pfifferlinge, aber auch Perlpilze, Täublinge, Rotfüßchen und sogar ein schöner Anis – Champignon und eine Birken – Rotkappe rundeten die erfolgreiche Pilzsuche ab. Auf Grund von Kapazitäts – Problemen, die Körbe quollen fast über, und aufgrund von Zeitdruck, da ich um 15.00 Uhr den Laden aufmachen wollte, fuhren wir schließlich in Richtung Wismar. An einigen Stellen lachten und selbst während der Rückfahrt noch Steinpilze an, die wir ihrer natürlichen Bestimmung nachkommen ließen, denn unsere Habgier war schließlich befriedigt. Ein erfolgreicher Pilzausflug lag bei schwüler, schweißtreibender und hochsommerlicher Hitze hinter uns. So wird am Abend wieder der Trockner angeschmissen.

Sommersteinpilze (Boletus reticulatus) und Pfifferlinge (Cantharellus cibarius) in Gesellschaft gefunden und zusammengelegt in den Jülchendorfer Buchen am 26.06.2020.

Sonnabend, 27. Juni (Siebenschläfer) – Heute ist nun Siebenschläfer und er soll die Witterung des kommenden Hochsommers voraussagen. Demach dürften wir viel Sonne und Hitze, schwüle Luft und Gewitter erwarten. Aber es ist natürlich mehr als vermessen, das Wetter für so einen langen Zeitraum an einem einzigen Lostag festzumachen. Tatsächlich aber können zwischen dem 27. Juni und dem 07. Juli (Siebenschläfer – Zeitraum) die Weichen des Sommers bis Mitte August gestellt werden. Stellt sich nähmlich in diesem Zeitraum ein erkennbares Grundmuster der Großwetterlage ein, kann es oft über Wochen erhalten bleiben. So ist im diesjährigen Siebenschläfer – Zeitraum eher wechselhafte Witterung mit überwiegender Tiefdrucktendenz erkennbar. Gut möglich, dass es dann auch so ähnlich weitergehen könnte. Das würde uns Pilzfreunden sehr entgegen kommen.

Aktuell (19.30 Uhr) sind noch einige Gewitterschauer unterwegs, die aber im laufe der 1. Nachthälfte rasch abklingen. Nur örtlich brachten sie heute Starkregen. Viele Wälder und Parkanlagen sind leer ausgegangen. Morgen folgt die eigentliche Kaltfront nach, so dass uns von west nach ost erneut kräftige Schauer und besonders auch in Richtung Vorpommern starke Gewitter überqueren können. In der neuen Woche soll es dann kühler weitergehen und Schauer sind immer wieder mal mit dabei. Bis zum 11. Juli können in Wismar im Mittel 31 l/qm zusammenkommen. Minimal 8 Liter und im besten Fall 79 Liter.

Herrliche Ziegenlippen (Xerocomus subtomentosum) auf unserer heutigen Pilzwanderung in den Panzower Tannen. 27.06.2020 am Standort fotografiert.

Fahler Röhrling (Boletus impolitus) an einer uns seit vielen Jahren bekannten Lokalität in den Panzower Tannen heute gefunden und fotografiert.

Zu den Pilzen: Heute stand eine öffentliche Lehrwanderung auf dem Programm. Ziel war das Heidenholz bei Bad Doberan, unweit der Ortschaft Glashagen, wo auch die berühmte Glashäger Quelle entspringt. Aber das Quellental war nicht unser Ziel, sondern wie erwähnt, das Heidenholz. Laub- und Nadelwald auf reicheren Böden. Da der Wald vom Starkregen von vor zwei Wochen im wesentlichen ausgespart wurde und auch die Bodenverhältnisse für den derzeitigen Pilzzschub nicht optimal waren, brachen wir hier ab und fuhren auf der B 105 wieder halbwegs in Richtung Wismar zurück und statteten den Panzower Tannen einen Besuch ab. Ein sandiges Mischwaldgebiet, dass bei Pilzsuchern durchaus beliebt ist. Hier dauerte es auch nicht lange, bis die ersten Frischpilze gefunden wurden. So große Gruppen von vorzüglich schmeckenden Lilablättrigen Mürblingen. Einige Täublinge und Scheidenstreiflinge. Der monotone Fichtenforst, der hier teilweise zu finden ist, begeisterte die Damen und in ihren Träumen sahen sie hier schon die Maronen stehen. Aber bis auf den markanten Duft des „Pilz des Jahres“ war hier nichts großes zu holen. Ich schlug vor, zum bekannten Buchenkopf bei Panzow zu wandern, da ich mir vorstellen könnte, dass hier das Angebot etwas besser sein kann. Und mit dieser Vermutung lag ich goldrichtig. Zwar kam uns ein junger Mann zuvor, der gerade mit einer beeindruckenden Aufsammlung schönster Sommersteinpilze von dannen zog, aber die bis dahin leicht depressive Stimmung der vier mich begleitenden Damen schlug euphorisch um beim Anblick des Steinpilz – Fundes. Es gab kein halten mehr und aufmerksam wurde der harte Mergelboden, bestanden mit Buchen und einigen Eichen, abgesucht. Keiner findet alles. Es dauerte nicht lange, bis die ersten knackigen Sommersteinpilze für einen Aufschrei sorgten. Da wurden die daneben stehenden Pfifferlinge fast zur Nebensache. Weitere Sommersteinpilze sollten folgen. Auch zwei Fahle Röhrlinge, etliche Ziegenlippen in einer Pracht, wie ich sie nur selten bisher gesehen habe. Dazu immer wieder Täublinge in unterschiedlichen Arten. Perlpilze, aber auch der giftige Pantherpilz zum Vergleich. So wurde die Wanderung doch noch zum Erfolg geführt und es begann eine Diskusion darüber, wie der unverhoffte Pilzsegen am besten zu verarbeiten und zu konservieren sei. Der berühmte Panzower Buchenkopf, der auch bei einigen unserer alteingessenen Pilzfreunden seit langer Zeit ein Pilgerort ist b. z. w. war, zeigte sich heute von seiner guten Seite. Das ist nicht immer so. Er steht exponiert, da in Waldrandlage und ist daher ständig dem Wind ausgesetzt. So gab es in den letzten beiden Jahren hier kaum Pilze und nun blüht es hier regelrecht auf. Sogar zwei Haarschleierlinge waren schon dabei.

Die meisten Sommersteinpilze (Boletus reticulatus) wurden uns zwar unmittelbar vor der Nase weggesammelt, aber als die Damen diese Zwillinge erblickten, begann ein regelrechtes Such- und Sammelfieber. Standortfoto am 27.06.2020 in den Panzower Tannen.

Sonntag, 28. Juni – Heute konnte ich meine kleine Familie überzeugen, mit mir in Richtung Plau am See zu fahren, um die ausgefallene Mittwochsexkursion vom 24. Juni nachzuholen. Mit Kaffee und Kuchen sowie Picknick – Ausrüstung starteten wir von Keez aus mit dem Ford Transit. Zuvor bin ich von Wismar aus mit meinem Leichtkraftroller zum Brüeler Ortsteil Keezer Schmiede aufgebrochen. Dabei wurde ich etwas nass, hatte aber Glück, dass ich nicht in den heftigen Wolkenbruch geraten war, der wenige Minuten zuvor zwischen den Ortschaften Lübow und Jesendorf vom Himmel stürzte. Besonders in Höhe Maßlow ergoss sich eine kleine Sintflut. Weitere Schauer zogen dann am Nachmittag in östlicher Richtung ab. So war auch unser Zielwald, das Mühlenholz, im dritten Quadranten des Meßtischblattes 2539 gut angefeuchtet. Durchschlagskraft hatte der Regen dort aber nicht, für die Schnecken reichte es aber völlig aus. Das Mühlenholz ist ein großes Waldgebiet, dass überwiegend mit Nadelbäumen bestanden ist. Wir suchten uns den nordöstlichen Bereich aus, wo Buchenwälder dominieren. Auch die Bodenverhältnisse sind hier etwas besser, so dass im laufe eines Jahres eine durchaus interessante Pilzflora vorhanden sein durfte. Neben einigen Frischpilzen, vor allem Täublingen und Perlpilzen sorgten auch zwei Wölfe und eine Wildschweinfamilie mit Nachwuchs für Abwechslung. Da wir durch die Schwinzer Heide fuhren, schaute wir uns noch einige Sommersteinpilz – Stellen, die praktisch auf dem Weg lagen, an. Hier wurde schon geerntet, denn madige Pilze wurden in ihre Einzelteile zerlegt und teilweise stank es hier nach Verwesung, hervorgerufen von Sommersteinpilz – Leichen. Am Abend ging es noch kurz in die Venzkower Tannen eine Handvoll Pfifferlinge und Flockenstielige Hexen – Röhrlinge holen. Auch einige Sommersteinpilze waren noch dabei. Ein kleiner Bericht folgt in Kürze.

Der beste Fund im Mühlenholz war der Lungen – Seitling (Pleurotus pulmonarius), auch Sommer – Austernseitling genannt. Wie üblich, an einer alten, umgestürtzten Rotbuche. Standortfoto am 28.06.2020 im Mühlenholz bei Plau am See.

Montag, 29. Juni – Der Startschuss in die diesjährige Sommersaison ist nun vollzogen. Die Sperspitze bildeten wie gewöhnlich Röhrlinge und einige Champignons. Allen voran Sommersteinpilze. Diesbezüglich dürften wir nun allmählich über dem Berg sein und wir befinden uns nun schon in ruhigerem, aber vielseitigerem Fahrwasser. Es ist kaum zu übersehen, dass die Pilzsaison 2020 eröffnet ist. Es wird also zunehmend bunter und vielfältiger in unseren Wäldern und vor allem Parkanlagen. Neben den beliebten Röhrlingen, von denen Rotfüßchen und Ziegenlippe auch schon oft dabei sind, gibt es nun auch häufig sehr schöne Perlpilze, aber auch die giftigen Pantherpilze, die zu Verwechslungen führen können. Täublinge sind schon recht artenreich vertreten und selbst frische Stockschwämmchen sind in zweiter Wachstumswelle in diesem Jahr erschienen. Auch der eine oder andere Parasol wurde schon gesichtet.

Sehr schöne Perlpilze (Amanita rubescens) konnte ich in den letzten Tagen immer wieder beobachten. Leider ist dieser gute Speisepilze oft vermadet. Standortfoto am 27. Juni 2020 in den Panzower Tannen..

Nun kommt es in erster Linie auf das Wetter an. Sollte es weiterhin gelegentlich regnen, könnte es sich an der Pilzfront stabilisieren. Der Röhrlingsschub dürfte abklingen und in ein eher gemächliches und vielfältigeres Frischpilzaufkommen übergehen. Stärkere Wachstumsschübe von Sommersteinpilzen sind zwar noch möglich, insbesondere in den östlicheren Regionen von M-V, wo die auslösenden Niederschläge später kamen oder in den schattigeren Buchenwäldern, die zunächst nicht viel angeboten haben. Auf den von mir kontrollierten Sandstandorten unter Eichen auf Sandboden scheint zunächst die Luft raus zu sein. Ich bin mit dem ersten Schub durchaus zufrieden und konnte bereits einen Grundstock für Weihnachtsbestellungen von getrockneten Steinpilzen anlegen. Hier gilt nun warten, bis wieder stärkere Niederschlagsereignisse eine neuerliche Auslöse zur Folge haben können. Am besten nach einer trockenen Hitzewelle, die mindestens ein bis zwei Wochen anhalten sollte, die aber den allgemeinen Aufbruch wieder zunichte machen würde und auch den Pfifferlingen keinen guten Dienst erweisen dürfte. Derzeit sieht es eher nach einer Westwetterlage für uns im Norden aus, wodurch immer wieder Regengebiete sowie Schauer und Gewitterstaffeln bei meist moderaten Temperaturen durchziehen. Bis zum 14. Juli können in Wismar im Mittel 30,5 Liter Regen fallen. Im Minimum 7,4 l/qm oder im Maximum 70,8 l/qm.

Flockenstieliger Hexen – Röhrling (Boletus luridiformis) am 28.06.2020 in den Venzkower Tannen am trockenen Waldrand unter Eichen, Kiefern und Birken, gemeinschaftlich mit Pfifferlingen, Perlpilzen, Scheidenstreiflingen und Pantherpilzen. Ein ganz vorzüglicher Speisepilz, aber gut durchgaren.

Der Lederstiel – Täubling (Russula viscida) ist eine Art der Gebirgsnadelwälder und kommt nördlich der Mittelgebirge nur sehr selten vor. Am häufigsten wurde er noch in Mecklenburg gefunden und bestimmt. Ich fand die Art bisher nur im Laubwald (Eiche). Ähnlich wie bei Heringstäublingen bräund der harte, kompakte Stiel. Der ganze Pilz ist sehr fest und die Hutfarbe kann stark variieren. Von dunkelviolett über gelb, oliv bis hin zu rötlichen Einmischungen. In den Panzower Tannen am 27.06.2020 am Standort fotografiert.

Dienstag, 30. Juni – Nun liegt bereits ein weiterer Monat der Pilzsaison 2020 hinter uns. Er stellte den Übergang vom Pilzfrühling zum Sommeraspekt dar. Wir starteten zunächst sehr trocken, aber am 4. Tag des Monats gab es stellenweise einige nennenswerte, aber nicht überschwängliche Niederschläge. Am 13. Juni stellten sich streckenweise enorme Starkregenfälle im Zuge einer ausgewachsenen Gewitterlage ein. Weitere, regionale Regenfälle sorgten in der Folge für eine allgemeine Aufbruchstimmung. Zu Beginn des letzten Monatsdrittels eröffneten die Sommersteinpilze und Co. die sommerliche Pilzsaison. Regional, besonders in Parkanlagen und an einigen Eichenkannten legten sie einen fulminanten Einstand vor. Insgesamt aber hielt sich der erste Auftritt von Sommersteinpilzen im moderaten Rahmen. Das haben wir auch im Juni schon viel heftiger gehabt. Aber der Sommer ist noch lang und diesbezüglich könnte uns noch einiges geboten werden. Champignons blieben unter den Erwartungen. Sie reagierten sehr gelassen, da sie vom Spätsommer bis in den Spätherbst des vergangenen Jahres enormes geleistet haben. In den letzten Juni – Tagen wurde es dann immer vielfältiger in unseren Parkanlagen und Wäldern. Selbst erste Raritäten waren schon dabei, wie Christian Ehmke`s Sommertrüffel und ich fand am letzten Sonnabend während unserer öffentlichen Pilzwanderung den Lederstiel – Täubling. Nördlich der Mittelgebirgsschwelle ein sehr seltener Sprödblättler, der nur in Mecklenburg eine kleine Häufung von Fundpunkten erfahren hat, aber auch bei uns zu den Seltenheiten zählt. Wir sind also ganz gut in den Sommer gestartet und mal sehen wie es weitergeht.

Der Fund des Monats, wenn nicht sogar des Jahres, war der Sommertrüffel (Tuber aestivum) von Christian Ehmke im Wismarer Stadtgebiet. Ich habe die Hypogäen in Scheiben geschnitten und getrocknet. Möglicherweise findet sich ja ein Feinschmecker, der diesen kleinen Gourmet – Schatz zu würdigen weiß.

Hier noch die möglichen Regenmengen für Wismar bis zum 15. Juli: Mittelwert: 36,2 l/qm, Minimum: 13,5 l/qm und maximal 76,5 l/qm. Damit hat sich die Niederschlagsprognose im Vergleich zu gestern etwas erhöht!

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